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ERLÁUTERUNGEN
ZUR
ZŘEÍ, UNOVA KA BS SUD
(ŽELEZNÉ HORY,
UND
DER ANGRENZENDEN GEGENDEN 1M ÓSTLICHEN BOHMEN
VON
J. KREJČÍ uND R. HELMHACKER
THE LIBRARY OF THF 1981.
APR 23 1938
UNIVERSITY OF ILLINOIS
(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN.)
V. Band. Nro. 1. (Geolosische Abtheilung.)
PRA 6.
Commissions-Verlag von FR.
1882.
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| Ra Pe dll ie zu diesem Bande gehórige Karte erscheint im Laufe des Jahres
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1883.
ERLAUTERUNGEN
KBOLOGIOURÉN KARTE DKO BLOBNUDDLNGKO
(ŽELEZNÉ HORY)
UND DER ANGRENZENDEN GEGENDEN IM OSTLICHEN BŮHMEN
J. KREJČÍ up R. HELMHACKER
1881.
(ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN LANDESDURCHFORSCHUNG VON BŮHMEN.)
(V. BAND, NRO 1. GEOLOGISCHE ABTHEILUNG,)
THE LIBRARY OF THE
APR 23 1930
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Nach Vollendung unserer gemeinschaftlichen Aufnahmsarbeiten in der
Mitte von Bóohmen, deren Resultat in der geologischen Karte der Um-
gebungen von Prag und den sie begleitenden Erláuterungen niedergelegt
sind, begannen wir im Jahre 1875 die detailirten Untersuchungen des
bohmisch-máhrischen Plateau's, u. z. vor allem des nordlichen Randes der-
selben, des sogenannten Eisengebirges, nachdem wir schon in den Jahren
1873 und 1874 in einzelnen Parthieen desselben uns orientirt hatten.
Die Aufgabe, die uns hiebei vor Augen schwebt, ist das Studium
und die měglichst genaue geologische Aufnahme jenes grossen Urgebirgs-
massivs, zu dem das bohmisch-máhrische Plateau und der Bóhmerwald
gehort, wobei allerdings auch die stratigraphischen und tektonischen Ver-
háltnisse der sich an das Urgebirge -.anschliessenden anderen Formationen,
namentlich des Silurs und Carbons, der permischen und der Kreide-
formation berůcksichtigt werden sollen.
Leider blieb der Fortschritt unserer Arbeit weit hinter unserem
© Wunsche zurůck, hauptsáchlich wegen der zu kurzen Zeit und wegen den
zu geringen materiellen Hilfsmitteln, die uns jáhrlich zu Gebote standen,
dann auch wegen der ungemeinen Mannigfaltigkeit und Abwechslung des
geologischen Details. Wie die beiliegende geologische Karte zeigt, stellen
wir aber dafůr ein ganz neues und gegen die frůheren, raschen, Cur-
sorischen Aufnahmen ein úberraschend mannigfaltiges, geologisches Bild
des untersuchten Terrains auf.
Die bis jetzt (October 1881) vollendete Arbeit umfasst schon einen
grossen Theil des ostlichen Bóohmens, námlich von Lysá, Neu-Bydžov und
Kónigerátz im Norden bis Sedlčan und Humpolec im Sůden, und von der
Moldau bei Kónigsaal und Verměřic im Westen bis an die máhrische Gránze
im Osten. Die vorliegende Arbeit enthált blos die nordliche Zone dieses
ausgedehnten Terrains (námlich die Blátter Časlau-Chrudim, Kóniggrátz-
Elbe-Teinic-Pardubic, Hohenmauth-Leitomyšl der neuen Generalstabskarten
im Maasstabe von 1:75000) und es wird sich, wie wir nun hoffen, an
dieselbe die Veroffentlichung der anderen nordlicheren Zonen in moglichst
rascher Folge anschliessen.
Im November 1881.
J. K. und KEE
Orographische Einleitung.
Das Eisengebirge umfasst jenen, weniger durch seine Hóhe und Aus-
dehnung, als durch seine orographische Individualitát ausgezeichneten Gebirgswall
am něrdlichen Saume des bohmisch-máhrischen Plateaus, welcher sich aus der
Thalebene des Elbeflusses und aus dem Flachlande des óstlichen Bohmen, zwischen
Elbe-Teinic in SO Richtung gegen Vojnoměstec erstreckt und ohne allmáhlige
Vermittlung óstlich an der máhrisch-bohmischen Gránze mit dem Gránzgebirge
sich vereinigt. Die Lánse desselben von WW nach 90 betrást, u. z. von Elbe-
Teinic aus bis gegen Vojnoměstec, bis wohin námlich die Individualitát des Ge-
birges noch ausgeprágt ist, etwa 65 Kmt. (16 Wegst). Die durchschnittliche
Breite des Gebirgszuges betrágt etwa 15 Kmt. (3%/, Wegst.), obwohl dieselbe von
NW gegen SO allmáhlich zunimmt.
Das Eisengebirge bildet die Gránze zwischen dem Chrudimer Kreise im
NO und dem Časlauer Kreise im SW. Die Endpunkte desselben liegen zwischen
499 40" nordlicher geographischer Breite, wenn von Kreuzberg bei Vojnoměstec
aus, wo es in das bohmisch-máhrische Gránzgebirge úbergeht, zu záhlen angefan-
gen wird, bis etwa 509 5' n. B.: dann zwischen 339 bis 33“ 30" ostlicher Lánge
von Ferro.
Der bedeutendste Theil des Eisengebirges fállt auf das Blatt Zone 6,
Colonne XIII, der neuen Gradkarte von Bóhmen im Maasstabe von 1 :75000 n. Gr.
Dieses Blatt enthált die beiden Stádte Časlau und Chrudim, zwischen denen das
Eisengebirge sich erstreckt. Im Blatte Zone 7, Colonne XIV [Polička-Saar (Žďár)]
endet das Gebirge, indem es in das bohmisch-máhrische Gránzgebirge úbergeht.
Ein ansehnlicher Theil desselben fállt noch in die SW Ecke des Blattes Zone 6,
Colonne XIV (Leitomyšl-Hohenmauth) und ein geringer Theil in das NO-Eck des
Blattes Zone 7, Col. XIII (Deutsch-Brod). Das NW Ende des Gebirges nimmt
1*
4
im Blatte Zone 5 Colonne XIII (Elbe-Teinic, Neu-Bydžov-Kónigerátz) blos einen
beschránkten Raum ein. |
Hier sind nur die drei Blátter Časlau-Chrudim, Elbe-Teinic-Kónigerátz
und Hohenmauth-Leitomyšl dem Texte beigegeben.
Der vom Eisengebirge selbst eingenommene Raum důrfte, abgesehen von
dem nicht genau bestimmten Abschluss desselben gegen die bohmisch-máhrische
Gránze zu, in runder Ziffer etwa 800—900 [] Kmt. (15() Meilen) umfassen.
Der Name des Gebirges, námlich Hisengebirge (Montes ferrei, Železné
Hory) kómmt schon in alten Urkunden vor und růhrt offenbar von den ehedem
in dieser Gegend betriebenen Eisensteinbergbau her, dessen Reste noch jetzt
sůdlich von Heřmanměstec und am Fusse der Bergrůcken bei Vratkov und Žlebská
Lhota angetroffen werden.
Dieser Name gerieth allmáhlich in Vergessenheit, so dass in neuerer Zeit -
fůr dieses doch so deutlich individualisirte Gebirge kein Collectivname sebraucht
wird. Die Erneuerung der alten Benennung dieses Gebirges, die wir hier ein-
fůhren, ist aber gewiss sowohl durch die Eigenthůmlichkeit des Gebirges selbst,
als auch durch den historischen Werth des Namens gerechtfertigt.
Das Břsengebirge tritt aus der flachen Gegend am rechten Ufer der Elbe
bei Bělušic unweit Elbe-Teinic zuerst nur in flachen Hůsgeln von 250—260 m.
Meereshóhe auf, und indem es erst in der Richtung von NW gegen SO allmáhlich
an Hóhe zunimmt, schliesst es sich endlich an der bohmisch-máhrischen Gránze
an die bis 725—800" hohen Gránzkuppen durch unmerklichen Úbergang an.
Der Doubravkabach, der bei Ransko entsprinst, folet der Richtung des
Gebireswalles, indem dieser Bach den steileren SW Abhane desselben begleitet
und sich von diesem Abhange nur wenig u. z. hochstens bis auf 5"/, Kmt. ent-
fernt. Bei der Můndung der Doubravka in die Elbe durchbricht dieser Fluss
das nordwestliche Ende des (rebirgswalles.
An dem NO Gehinge des Eisengebirges entspringen die Ohebka (oder
Chrudimka), so wie ihre Zuflůsse, námlich der Žejbrobach bei Chrast, der Holetínka-
bach bei Žumberg und der Krouna- (oder Neuschlosser) Bach.
Wie schon erwáhnt, nimmt mit zunehmender Hóhe in der Richtung von
NW nach SO auch die Breite des Gebiroswalles zu. Bei Elbe-Teinic durchbricht
die Elbe den Hůgelwall in der Breite von kaum 3 Km.; zwischen Kašparův Dolík
und Chvaletic betrást die Breite mehr als 3 Km.; in der Richtung Semtěš-Choltic
oder Licoměřic-Heřmanův Městec betráet die Breite aber schon 8 Klmt. und
erweitert sich dann weiter zwischen Závratec-Chrudim schnell zu 17 Km., welche
Breite auch der Gebirosmasse zwischen Libic, Nassaberg und Chrast zukoómmt.
Zwischen Ždírec, Hlinsko und Skuč wáchst die Breite sogar bis zu 22 Km. an.
5
Das allmáhlige Ansteigen des Gebirgskammes von WW nach SO ergiebt
sich aus folgenden Hóhenpunkten:
Bei Bermnardov 265, Vedralka 300%, Bílá Skála bei Licoměřic 492",
Stráň oder Železné hory bei Zbislavec 566"-, Bučina bei Kraskov 602, Kaňkové
hory 560", Spálava bei Maleč 660", Vestec 666"-, die Hóhe bei Kladné 670" ;
die folsenden Hóhen von 725—800" bei Svratka und Čikhaj gehoren aber schon
dem bohmisch-máhrischen Gránzgebirge an. Der Anfang des Gebirges besitzt dem-
nach an der Elbe nur Hůgelform, wáhrend in SO Verlauf desselben sich ansehnliche
Bergrůcken und Hochfláchen entwickeln.
Der Abfall des Gebirgswalles gegen SW, das ist gegen den Doubravka-
bach und das Časlauer Flachland ist vom hěchsten Kamme an unvermittelt
plótzlich und steil, wáhrend gegen das NO Flachland von Přelouč und Chrudim
sanftere Abstufungen einen allmáhligen Úbergang vermitteln. Doch ist aber auch
an dieser Seite die Individualitát des Gebirges gegenůber dem flacheren wellen-
formigen oder terrassenartigen Terrain deutlich ausgeprást.
Der von dem Doubravkabache begleitete steile SW Abhang des Gebirges
wird nur von kurzen und wasserarmen Schluchten durchsetzt, so bei Semtěs,
dann unterhalb der die Časlauer Gegend beherrschenden Burg Lichnice (Lichten-
burg), wo zwei Schluchten, námlich die Lovětíner und die vom Goldbache (zlatý
potok) bewásserte Třemošnicer Schlucht ausmůnden und sich beide durch steile
Felsengruppen auszeichnen. Erst nach einem beinahe schluchtlosen Verlaufe des
Gebirgsabfalles von mehreren Wegstunden kommen kurze, steil sich absenkende
Thálchen bei Hoješín, Spálava, Kladrub wieder zum Vorschein. Lánger und mit
mehr ausgesprochenem Thalcharakter sind die vom Gebiresrůcken herablaufenden
Thalfurchen des NO Gebirgsabfalles. Solche zwei nicht tiefen, aber doch den
verwickelten Bau des Gebirges theilweise entblóssenden Thálchen, sind das bei
Stojic-Chrtník, welches bei Choltic ausmůndet, dann das schóne waldige Thal von
Vápený Podol und Prachovic, welches unterhalb Kostelec bei Heřman-městec aus-
miůndet; weiter das mit schrofferen Waldlehnen auftretende Thal von Citkov gegen
Morašic; das felsige Thálchen von Deblov gegen die Ruine Rabstejnek und weiter
noch das Thal von Šiškovic und Kuchánovic um die waldige Hůra herum, das bei
Lhota můndet. Das bedeutendste Thal ist aber die von dem Ohebka- (oder Chru-
dimka) Flůsschen bewásserte Terrainrinne, die in mannigfachen und vielfachen
Krimmungen auf mehrere Wegstunden das Gebirge in der Mitte durchsetzt und
malerisch abwechselnde felsige und waldige Thalbecken bildend endlich bei Sla-
tiňan in das Chrudimer flache Land eintritt; besonders zeichnet sich dessen Ende
bei der Mihle „Peklo“, dann unterhalb derselben bis Práčov durch malerische
mit schónem Wald gezierte felsige Parthieen aus.
Weiter čstlich folet die Žumberger Hauptschlucht. mit ihren drei oder
vier Nebenschluchten, durch deren Vereinigung sie entsteht und unter Bitovan
ins fAachere Hůgelland úbergeht. Die Schlucht von Prasetín gegen Chacholic, sowie
die sich mit derselben verbindende Schlucht von Ranná-Leštinka nimmt in der
Verengung und den rechtsseitigen senkrechten Uferwánden bei Podskalí bis Cha-
Cholic einen eigenthůmlich reizenden Gebirgscharakter an. Die kůrzere Thal-
schlucht von St. Anna bei Skuč gehórt nicht mehr dem eigentlichen Eisengebirge
an; das lange Thal des Krounabaches (Neuschlosserbach) zwischen Krouna bis
unter Richenburg gehórt aber noch dem Eisengebirge an, tiefer jedoch schon
dem ostbohmischen Plateau. Die Thalschluchten bei Proseč liegen in ihren An-
fángen schon im Systeme des bohmisch-máhrischen Gránzgebirges.
Das Eisengebirge erscheint in doppelter Hinsicht deutlich individualisirt,
und zwar namentlich im westlichen Theile, wo es aus dem Flachlande seines SW
und NO Fusses rasch emporsteigt, und dann besonders an seinem SW Gehánge
durch einen steilen Abfall sich auszeichnet; dann auch in anderer Hinsicht, da
námlich auch der Gesteinscharakter desselben von den Gesteinen des Flachlandes
sich wesentlich unterscheidet. Nur in der Náhe des bohmisch-máhrischen Gránz-
gebirges verlieren sich diese beiden Merkmale um so mehr, je náher das Gebirge
an die Gránze vorrůckt, wo endlich das Eisengebirge und das Gránzgebirge in
einander úbergehen.
Das Flachland am NÓ Fusse des Eisencebirces steigt gerade so wie der
Gebireskamm allmáhlich in der Richtung von WW nach SO, also mit zunehmender
Entfernang von der Elbeniederung gegen die Landesgránze an, trotzdem bleibt aber
der Unterschied zwischen dem Eisengebirge und dem sanft welligen oder terassen-
formigen Flachlande unverándert bestehen, wenn auch die Hóhe von 200“ an der
Elbe bis 274" bei Heřman-městec, und 300" bei Luže, ja sogar bis 400" in der
Terrainstufe bei Skuč ansteigt.
Der SW Fuss des Gebirges wird durch eine 2 bis ber 10=* breite, lache
Terrain-Depression begleitet, lángs deren tiefsten Stellen der Doubravkabach fliesst.
Diese Depression hat theils die Gestalt einer Ebene, wie in VW, oder eines flachen
Terrains mit unbedeutenden Hůgeln oder mit Hůgelstufen, wie es im 90 dieser
Depression der Fall ist. Rechterseits wird diese Depression durch den steilen Rand
des Eisengebirges begránzt, der sich ohne Vorstufen plótzlich erhebt, linkerseits
aber geht sie durch allmáhlice Hůgelerhebungen in die welligen Hochfláchen des
sidbohmischen Gneusgebietes iiber. Von Zaboř an der Elbe bis Libic ist diese
Depression, abgesehen von einer Verengung zwischen Třemošnic und Jerišno, ganz
deutlich ausgeprágt; von Libic an steigt sie stufenweise bis Ždirec an, und lásst
sich dann nieder úber Kreuzberg und Vojnoměstec bis Polnička (Pelles) erkennen,
T
so dass in dieser Richtung das Eisengebirge von der sůdbohmischen Gneus-
Hochfláche scharf abgesondert ist. Das Terrain steigt auch in dieser Depression
allaáhlich von NW von der Elbe gegen SO an, wie der Gebirgskamm; denn bei
Bernardov besitzt es die Hóhe von rund 210"“, bie Časlau 240=-; die hoheren dem
Fusse des Eisengebirges sich anschmiegenden Stufen derselben erheben sich bei
Ronov und Zavratec zu 280" steigen dann bei Bestvin zu 300"; bei Maleč
erreicht die Depression schon die Hóhe von 400%; in der Ždirecer Thalfláche
aber die Hóhe von 500" —550",
Indem das Eisengebirge in derselben Richtung ebenfalls allmáhlich ansteigt,
bleibt die relative Hóhe des Gebirges úber dem Doubravkabache im ganzen
unverándert, nur bei Maleč wird sie merklich grósser, nimmt aber gegen die Grenze
des Landes wieder ab.
Der relative Hohenunterschied des Kammes des Eisengebirges ber der
Časlau-Ždirecer Terraindepression betrágt bei Bernardov in runden Zahlen 70",
bei Ronov (Časlau) 140"-, bei Bestvin 160", bei Maleč 260"-, bei Štěpánov wieder
160" und bei Kreuzberg nur 80"“.
Da in der Depression des Doubravkabaches, sowie auch im Chrudimer
Flachland Alluvialbildungen vorherrschen, weiter aber in den flachen Hůgeln oder
in den ebenen Terrainstufen die Kreideformation auftritt, und das orographisch
so deutlich hervortretende Eisengebirge aber aus silurischen Schiefern und aus
ebenso alten granitischen Gesteinen, theilweise aber auch aus laurentinischen
Gneusen besteht, so ist auch in geologischer Hinsicht die Individualitát des
Eisengebirges scharf ausgepráct. Die Gneuse des Eisengebirges, welche in SO
desselben vorherrschen, vermitteln den Úbergang in das (Gneus-Gránzgebirge
zwischen Bóhmen und Máhren, námlich in das Saarer Gebirge (Žďárské hory).
Im folgenden Berichte sind die Resultate der Untersuchungen im Eisen-
gebirge so eingetheilt, dass der erste allgemeinere Theil die gemeinschaftliche
geologische Beschreibung dieses Gebirges; der zweite Theil aber die speciell von
R. Helmhacker abcefassten Abschnitte ber die petrographische Beschaffenheit
elniger Gesteine, dann úber das Vorkommen von beachtenswertheren Mineralien im
Eisengebirge, welche nicht als Gesteinsgemengtheile vorkommen, und endlich als
Anhang, die Beschreibung einiger Lagerstátten nutzbarer Mineralien umfasst.
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BESCHREIBUNG DER ALLGEMEINEN GEOLOGISCHEN VERHÁLTNISSE
DES EISENGEBIRGES.
Die geologischen Verháltnisse des Bisengebirges.
Der Steilrand des Eisengebirges gegen die Časlauer Thalfláche, von der
an gegen SW das sůdbohmische Gneusplateau beginnt, bildet eine scharfe Gránze
des Gebirges. Auf dem Fusse des Šteilrandes liegen in der Richtung von NW
nach SO die Ortschaften Zaboř, Podhořan, Třemošnic, Podhořic, Studenec, Kreuz-
berg (Krucenburk) und Škrlovic. Am letzteren Orte ist aber der Úbergang des
eigentlichen Eisengebirges in das bohmisch-máhrische Gránzgebirge (Saarer Gebirge,
Žďárské hory) im geologischen Sinne schon entschieden, obwohl das orographische
Merkmal des Eisengebirges, námlich sein Steilrand, sich bis hieher fortsetzt. Der
angránzende Theil des siidbohmischen Gneusplateaus, SW vom Šteilabfalle des
Eisengebirges, bildet die Basis oder den Liegendtheil des Eisengebirges und besteht
aus laurentischen Gesteinen, die in der Thaldepression von Časlau, Bestvin, Libic,
Kreuzberg bis nahe an Pelles (Polnička), also lánes des Laufes des Doubravka-
baches bis zum Teiche Žďársko bei Pelles (dem Ouellbasin der Sázava) von flach
liegenden terassenartigen Terrainstufen der Kreideformation, sowie von alluvialen
Gebilden bedeckt werden.
Das eigentliche Eisengebirge enthált im Liegenden, das unter dem eben
angedeuteten Steilabfalle zu Tage tritt, gleichfalls laurentinische Gesteine. Dieselben
lassen sich zwischen Elbe-Teinic bis Bestvin nur als ein enger Streifen verfolgen,
von hier aus aber erweitern sie sich bedeutend, namentlich am Flisschen Ohebka,
welches dieselben durchfurcht. Das óstliche Ende dieses Liegendzuges von lauren-
tinischen Gneusen des Eisengebirges úbergeht in der Richtung der Verbindungs-
linie Vojnoměstec-Proseč unmerklich in das bohmisch-máhrische Gránzgebirge, so
dass sich hier eine scharfe Gránzlinie zwischen beiden Gebirgen nicht ziehen lásst,
so deutlich auch das Eisengebirge in seinem WW Verlaufe individualisirt erscheint.
Entweder unmittelbar auf dem laurentinischen Steilabfalle des Eisengebir-
ges oder durch dazwischen eingeschaltete Granitstócke oder Granitmassive getrennt,
folgen die untersilurischen (huronischen oder cambrischen) Gesteine, die gegen NO
sich allmáhlich verfáchen und weiter nordlich unter dem flach gelesenen Plánerterrain
des Kreidesystemes im Chrudimer Kreise verschwinden. Besonders bemerkenswerth
„ erscheint das zwischen dem Laurentin und dem Silur eingezwánste Granitmassiv
von Seč, Kamenic, Nassaberg, Žumberg, Skuč, da durch dasselbe der Zug des
uuteren Silursystemes in zwei grosse Theile gespalten wird. Der Hauptzug des
| Untersilurs zieht sich námlich von Elbe-Teinic bis Slatiňan, der davon durch
12
dieses Granitmassiv abgetrennte Theil aber bildet die grosse untersilurische (cam-
brische) Schieferinsel zwischen Kreuzberg, Hlinsko, Skuč, Richenburg, die zwischen
den Laurentingneus und zwischen das oberwáhnte Granitmassiv, sowie zwischen
eine zweite aber nicht mehr zum eigentlichen Eisengebirge gehórende Granitmasse,
námlich jene von Proseč, eingezwánst ist.
Die Silurgebilde treten demnach im Eisengebirge in zwei getrennten
Parthieen auf, und zwar als Hauptzug von Elbe-Teinic bis Slatiňan und dann als
die Schieferinsel von Hlinsko-Skuč; beide werden durch das Nassaberger Granit-
massiv von einander getrennt. Das Flachland des Kreidesystems zwischen Elbe-
Teinic, Heřman-městec, Chrudim, Žumberg, Skuč, Richenburg, Proseč, sehmiest
sich an die gegen NO flach abfallenitcn Lehnen des Eisengebirges an.
Es enthált demnach die geologische Beschreibung des Eisengebirges folgende
Parthieen: 1. Das anliegende Gneusgebiet des bohmisch-máhrischen Plateaus in der
Richtung der Thaldepression des Doubravkabaches. 2. Das eigentliche Eisengebirge.
3. Das Flachland des Kreidesystems NÓ vom Eisengebirge und 4. als Anhang
die kurze Beschreibung der auf den Karten Elbe-Tejnic-Kónigerátz und Hohen-
mauth-Leitomyšl noch befindlichen Gesteine, welche zwar nicht mehr an der
Zusammensetzung des Eisengebirges theilnehmen, aber in den Rahmen des Karten-
gebietes fallen.
1. Das SW anliegende Gneusgebiet in der Richtung der Thal-
depression des Doubravkabaches.
In der Thaldepression des Doubravkabaches von Zaboř an bis gegen Pelles
(Polnička) tritt vorherrschend Gneus auf und zwar verschiedene Varietáten .dieses
Gesteines, nebstdem von untergeordneten Felsarten Amphibolitschiefer in con-
cordanten Einlagerungen, dann Granite, Serpentine, Troktolite, Eklogite, Corsite,
und auch Diorite als gang- oder stockfórmige remsh in abnormen Lagerungs-
verháltnissen.
Das Verfláchen der geschichteten Gesteine des Doubravkathales also der
Gneuse und der untergeordneten Amphibolitschiefer, ist das námliche wie das
der Schichten im Eisengebirge, indem das Streichen derselben parallel zur Rich-
tung des Steilabfalles des Gebirges verláuft. Die Doubravka-Terrainfurche wáre
demnach ein Lángenthal mit einem SW zum sůdbohmischen Gneusplateau sich
allmáhlig, und einem zum Eisengebirge sich steil erhebenden NO Gehánge. Ob
das breite Thal der Doubravka ein Erosions- oder ein Dislocationsthal ist, kann
vorláufig bei dem Mangel jeder, eine genauere Ermittelung der Bildungsart der
Depression ermoglichenden Entblóssung nicht nachgewiesen werden, da gerade
die Thalsohle theils von Alluvien, theils von Schichten des Kreidesystems zum
gróssten Theile bedeckt ist. Es sind úbrigens beide Entstehungsarten móglich, da
die etwas leichter erodirbaren Gesteine des Thales sowohl fůr die Móglichkeit
einer Erosion als auch einer Dislocation sprechen, fůr welchen letzteren Fall die
tiefere Auswaschung durch die etwa in Folge eines Bruches erfolgte Lockerung
des Gesteines hátte veranlasst werden kónnen.
„A
13
Durchschnittlich geht das Streichen der Gneusschichten nach 10%,", das
Verfláchen nach 4%/," mit 47'/,9 (aus 20 Beobachtungen); in einzelnen Gebieten
aber weicht die Richtune des Verfláchens, sowie auch der Neigungswinkel der
Schichten von dieser Mittelzahl bedeutend ab. Nur in der Náhe der boóhmisch-
máhrischen Gránze bildet der sonst im Doubravkathale unverándert nach NO ver-
fláchende Gneus auch antiklinale Biegungen, indem er dort nach der Gegenstunde
verflácht. Das Verfláchen der laurentinischen Schichten in der flachen Kuppe
Kamajka zwischen Neuhof (Nové dvory) und Chotusic betrágt 26“ nach 2",* (Mus-
covitgneus); die Klippen im Dorfe Zbislav bei Bílý Podol (NO von Časlau) ver-
fláchen nach 2'/,* mit 259—689; bei Starkoč nach 2'/,* mit 559 (Almandin fůhrender
Biotiteneus); bei Mladotic (zwischen Mladotic und der St. Martinkirche, mit 449
nach 4* (Amphiboleneus); W von Ronov am linken Doubravkaufer mit 309 nach
41/,* (granatfihrender Muscovitglimmerschiefer); O von Mladotic mit 40“ nach
5!/,», und náher gegen Mladotic zu mit 68“ nach 2*/,* (glimmerreicher Biotit-
gneus); zwischen Ronov und Zvěstovic mit 329 nach 2" (Amphibolschiefer); „SO
von Mladotic an der Wasserwehre nach 4';» mit 42“ (Granitgneus mit dicken
Bánken); zwischen Libic und Lhotka mit 35% nach 6',*; von Lhotka N bei
Malochlín mit 329 nach 6'/;" (lichter Biotitgneus, im Liegenden jedoch auch mit
entgegengesetztem Einfallen); zwischen Vojnoměstec und Karlov (Libinsdorf) mit
629, entgegengesetzt zur allgemein herrschenden Richtung des Verfláchens, also
nach 17"/,* (schuppiger Gneus); am Bráuhaus bei Borová mit 75% bis 80%“ nach
5'/,» bis 6"/,>, in Borová mit 589 nach 6'/,* (Biotitgneus); bei der Kirche von
Borová mit 58? nach 6'/,* (Amphibolgneus), bei dem Dorfe Velké Losenice ober
dem Friedhof mit 28“ nach 5'/,*, háufiger aber wie unter dem Friedhofe nach
3%/,h mit 439 (Biotitamphibolgneusgranit); bei dem Kalkofen NON von Neudeck
(in Máhren) mit 209 nach 20"/,*, also auch entgegengesetzt (Kalklager im kórnigen
lichten Gneus).
Der Gneus tritt als das herrschende Gestein der laurentinischen Formation
in der Doubravka-Thalniederung erst von dem Hůgel Kamajka an, zwischen Cho-
tusic und Neuhof in einzelnen flachen Kuppen auf, die aus dem Alluvium oder
aus den flach gelagerten Schichten des Kreidesystems etwas hervorragen. Nordlich
von Kamajka werden nur diese jingeren Gesteine, die hier das Gneusgebiet
bedecken, angetroffen, wáhrend sůdlich vom Kamajka- Hůgel die Kuppen des
Gneuses und von anderen laurentinischen im Gneuse untergeordnet eingela-
gerten Gesteinen um so háufiger und in desto grósseren Parthieen, besonders in
den Bachthálem vorkommen, je weiter man sich gegen SO entfernt. Ebenso ist
das linke Ufer das Oisvkakaché welches aber nicht mehr in das Gebiet der
Karte fállt, da wo es sanft ansteict, aus Gneus gebildet. Von Moravan an in der
Richtung gegen S bildet der Gneus schon zusammenhángende Fláchen, da die
úberlagernden Gebilde des Kreidesystems hier abgewaschen sind.
Die Varietáten des in der Doubravkathal-Depression auftretenden Gneuses
sind die folgenden:
Muscovitgneus; derselbe ist schuppig schiefrig und tritt nur im Kamajka-
hůgel und am Hůgel Rambousek, N und SO von Časlau auf; in ganz unterge-
ordneter Menge mit dem schuppig schiefrigen Biotiteneuse und mit ebenso unter-
14
geordneten Turmalin fihrenden Gneus wechsellagernd in ks klippigen Hůgeln
von Zbislav.
Biotitgneus; derselbe ist hier das gewohnlichste Gestein. Bei Zbislav, wo
er klippige Hůgel bildet, ist er kleinschuppig schiefrig, mit der Schieferung mach
parallel laufenden biotitarmen mittelkórnigen Gneusschlieren. Hier fůhrt derselbe
Almandin in grosser Menge in bis faustgrossen Stůcken; nebstdem ist gemeiner
Granat auch an zahlreichen anderen Orten in diesem Gneuse háufig eingewachsen.
Schuppig schiefrige důnnplattige Gneuse sind auch bei Lhotka unweit Malochlin
zu finden, wo selbst auch lichte biotitarme Varietáten vorkommen.
Sehr háufig ist der flasrige Biotiteneus, welcher durch Úbergánce mit
der vorigen plattigen Varietát verbunden ist. Aus demselben bestehen die schroffen
malerischen Schluchten an der Doubravka bei Chotěboř; die Karte zeigt úbrigens
die grosse Verbreitung dieser Gneusart. Der flasrige Biotitgneus wird stellen-
weise sehr glimmerreich und ist dann immer granatfihrend, so dass er dadurch
ein Mittelelied zwischen Gneus und Glimmerschiefer darstellt. Diese Varietát
findet sich namentlich in der Umgebung von Vilímov, wo sie stellenweise Auarz-
linsen einschliesst, und SW von Borová ausserhalb des Kartengebietes, das ist am
Gradkartenblatte Deutsch -Brod (Německý Brod). In der Richtung S von Mladotic
und Třemošnic bis gegen Malejov etwa wird der Biotitgneus sehr grobbánkig, mit
undeutlicher Schichtung und halb granitisch; er ist als Granitgneus auf der Karte
ausgeschieden und bildet einige Klippen von granitartigem Habitus, die am W
Fusse der Kaňková hora aus den Schichten des Kreidesystems hervorragen. Ganz
untergeordnet und zwar nur S von Ronov im linken Doubravkaufer findet sich ein
Muscovitelimmerschiefer-Gneus, also ein Mittelding zwischen Gneus und Glimmer-
schiefer.
In der Náhe des bohmisch-máhrischen Anáno oalirás scheint der gemeine
fasrige Biotiteneus in einen schuppigen oder schuppig Úlasrigen licht gefárbten
Gneusgranit, der das vorherrschende Gestein des Saarer Gebirges (Žďárské hory)
(Gránzgneusgranit) bildet, zu úbergehen. Sámmtliche Hóhen des Gránzgebirges W
und O von Škrlovic und Čikhaj (Máhren), so die Tisůvka, Žáková hora ete. bestehen
aus diesem lichterauen ziemlich plattigen Gneuseranit, welcher sowohl Biotit
als Muscovit, jedoch beide in ziemlich untergeordneter und wechselnder Menge
enthált, wodurch dann schuppige oder schuppie fasrige Varietáten entstehen. —
Sámmtliche Gneusvarietáten des eigentiichen Eisengebirges úndern sich gegen die
Landesgránze zu auch in diesen schuppigen oder schuppig flasrigen lichtgrauen
Gneusgranit (Gránzgneusoranit) um.
Dieser schuppige Muscovit-Biotiteneus, in welchem bald die eine oder die
andere, immer untergeordnet auftretende Glimmerart etwas mehr in den Vorder-
grund tritt, bildet auch máchtige Lagerstócke in gewohnlichem Biotitgneus, mit
dem jedoch dann eine allmáhlige Verknůpfung stattfindet. Dieser Gneus bildet
wie an der bohmisch-máhrischen Gránze so auch in Bóhmen selbst granitáhnliche
Kuppen oder an Granit erinnernde Mauern, welche aus aufeinander geháuften
Blócken bestehen. Wegen dieser Eigenschaft in platte Blócke, deren Plattung
mit der Schieferung des Gneuses in keinem Zusammenhange steht, zu zerfallen,
haben diese Gneuskuppen eine Ahnlichkeit mit Granitbildungen. Zu Mauern ©
15
und Klippen angeháufte Blócke sind auch an dem Berge Blaník bei Louňovic
ausserhalb unseres Kartengebietes anstehend, sonst aber auch an der Tisí skála
zwischen Golčův Jenikov und Časlau, dann aber auch S von Uhelná Příbram, wo
der schuppige Gneus jedoch ein Biotiteneus ist, háufig. Die stark Muscovit-
háltigen schuppigen Gneuse dieser letzteren Kuppen enthalten durchwegs Tur-
malin selbst in fingerdicken Krystallen.
In der Umgebung von Gross-Losenic hart an der Gránze unseres Karten-
gebietes ist der Biotitgneusgranit auch amphibolháltig, desshalb auf der Karte als
Biotit-Amphibolgneusgranit ausgeschieden.
Amphibolgneus von kórnig schiefriger Textur und deutlicher Schichtung
mit stellenweise zahlreichen bis wallnussgerossen Granatkórnern findet sich suť
entblósst in dem Thaleinschnitt der Doubravka S von Ronov. Eine kleinere Parthie
ist bei Heřmaň a d. Doubravka zu finden. Derselbe enthált wie die mikroscopische
Analyse zeigt, ansehnliche Mengen von Plagioklas. Durch Hinzutreten von Biotit
úbergeht er in Biotiteneus, welcher indessen in demselben auch zwischengelagerte
Schichten bildet. Der sehr deutlich geschichtete Amphibolsneus zeigt innerhalb
gewisser, aus abwechselnden Lagen von weissen Gemengtheilen (Orthoklas, Plagio-
klas, Auarz) bestehenden Streifen die mit dunklen Amphibolstreifen wechsellagern,
plótzlich Biegungen und Knickungen, die auf locale Ver- Fig. 1.
schiebungen innerhalb einer Lage in einer Schicht hin-
deuten, wie es die fig. 1. zeigt. Schiefriger Amphibol-
gneus, ebenfalls etwas weniges Biotit enthaltend, ist
in Borová verbreitet und stellenweise sehr grobstánelic,
also gestreckt. Unter der Kirche von Borová sind Pyrrho-
tineinsprengungen an diesem Gesteine zu bemerken.
Amphibolschiefer tritt im Gneuse als untergeordnetes geschichtetes Gestein
in der Richtung Zehušic-Žleb-Hostačov auf; ob in einem zusammenhángenden
Zuge, oder in einzelnen, langgezogenen lenticularen Schichtenzůgen, wie es wahr-
scheinlicher ist, lásst sich nach dem Augenscheine nicht náher bestimmen, weil der
Zusammenhang des Zehušicer und Žleber Vorkommens, wegen den ůberlagernden
Alluvionen nicht nachgewiesen ist. Der Amphibolschiefer besteht nicht immer blos
aus vorherrschendem Amphibol und untergeordnetem Auarz in deutlich eben-
schiefriger Textur, sondern er zeigt auch kleine nesterfórmige Ausscheidungen von
Ouarz oder von weissem Orthoklas wie bei Markovic (unweit Žleb), wodurch er
den Úbergang in Amphibolgneus vermittelt, welche beiden Gesteine von einander
úberhaupt durch keine schárferen Gránzen geschieden sind.
In dem Amphibolgneuse, der im glimmerreichen Biotiteneus zwischen
Kněžic und Zvěstovic auftritt, sind einzelne Schichten von Amphibolschiefer so
-zahlreich eingelagert, dass hier die Entscheidung schwer zu treffen ist, ob das
Gestein als Amphibolgneus oder als Amphibolschiefer zu bestimmen sei. Bei
Markovic und an dem eben angefiihrten Orte finden sich im Amphibolschiefer
© parallel zur Schieferung so zahlreiche Epidotschnůre, bis beinahe von der Dicke
eines Fingers, dass derartige Amphibolite auch als Epidot-Amphibolitschiefer
bezeichnet werden kónnten.
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Bei Horka zwischen Časlau und Golčův Jenikov ist der deutlich ge-
schichtete Amphibolit gestreckt. Bei Neudorf (Nová ves) SO von Vilímov wird aber
der steil einfallende Amphibolit oder Amphibolgneus, in welchem Auarz nur in
parallelen Lagerschnůren vorkómmt, durch bis 1% máchtige Gánge von Biotit-
und Turmalinpegmatit durchsetzt.
In recht bedeutender Menge findet sich Amphibolit und Amphiboliteneus
im Thale des Závěrovkabaches; er erscheint auf der Karte des Eisengebirges
Zone 6 Col. XIII nur mit einem kleinen Theile bei Hraběšín SSW von Krchleb,
wo das Einfallen der Schichten, die Epidotlagen enthalten, im Mittel nach 19'/,*
309 betrást. :
Auch Lager von krystallinischem Kalk findet man in dem Gneuse, jedoch
ziemlich selten; so bei Hostačov, námlich vom Dorfe am rechten Bachufer, und
zwischen Pelles (Polnička) und Kalkofen bei Neudeck (in Máhren); das letztere
Vorkommen ist eigentlich schon dem bohmisch-máhrischen Gránzgebirse angehórie.
Bei Hostačov důrfte das Lager eine nicht bedeutende Máchtigkeit haben, da die
Steinbriiche in demselben schon etliche Jahre gánzlich aufgelassen sind.*) Bei
Neudeck aber, wo der Kalkbruch eine gróssere Tiefe hat, wechsellagern im Han-
genden kórniger, lichterauer Gneus mit Kalkbánken, in denen bláulichgraue
Streifen zum Vorschein kommen. Stellenweise ist das Lager als Cipollin ent-
wickelt, da es Muscovitschuppen eingewachsen enthált. Die aufgeschlossene Máchtig-
keit von 8" entspricht keineswegs der eigentlichen Máchtigkeit des Lagers, da
dessen Liegendes nicht entblósst erscheint.
Eruptivgesteine, wie Granit, Diorit, Corsit durchsetzen gang- oder stock-
formig die laurentinischen Gneusschichten, jedoch trotz dem háufigen Vorkom-
men doch nur in untergeordneter Weise.
Lichtgrauer Gneusgranit findet sich nur im Gebiete des Gránzgneuses bei
Pelles (Polnička); Granitpegmatit aus weissem Orthoklas, lichtrauchgrauem Guarz
und Biotitbláttern bestehend, nur bei Ronov unter der Korečník-Můhle.
Grauer Granit, ein Biotiteranit mit weissem Orthoklas, bildet im Bereiche
des bohmisch-máhrischen Gebirges bei Račín einen ansehnlichen Stock im Gránz-
gneuse; weniger bedeutende Gangstocke oder máchtigere Gánge werden S von
Borová und W von Peršikov, bei Vestecká Lhota angetroffen. Das bedeutendere
Massiv von grauem Granite von Hutě (W von Ransko) důrfte zum Rand des
grósseren Granitmassives von Benátek gehóren, das von Kohoutov an unter der
Ždirecer Kreideniederung bis hieher sich fortsetzt. Die Granitmasse, die auf
der Karte als grauer Granit ausgeschieden ist, ist eigentlich ein Netzwerk
von verschiedenen Gesteinen; so von grauem Gneusgeranit, dessen unvollkommen
schiefrige Varietáten háufig an der Gránze der Eruptivgesteine auftreten; dann
von grauem Granit, von Biotitamphibolgranit, von Amphibolgranit und Syenit,
welche Granitvarietáten sich in mannigfacher Weise gegenseitig durchsetzen.
Ausserdem treten hier aber auch Diorite als Gangdurchsetzungen auf, ja man
trifft auch schwache Gánge von Corsit an, so dass bei dem so vielfachen Gesteins-
wechsel sámmtliche Varietáten auf die Karte gesondert nicht aufgetragen werden
konnten.
17
Rother Granit, das ist ein mittelkórniger Biotiteranit, in dem der fleisch-
rothe Orthoklas die Fárbung bedingt, setzt in schwácheren Gangstócken (oder
máchtigeren Gángen) den Gneus durch, so zwischen Mladotic und Pařížov,
zwischen Malejov und Spačic, und es sind nur die máchtigeren dieser Vorkómm-
nisse auf der Karte verzeichnet. Ein weniger máchtiges Massiv trifft man zwischen
Bílek und Střižov (SO Chotěboř) an..
Der rothe Granit bildet dann auch einen Contactstock zwischen Diorit
und Amphibolgranit einerseits und zwischen flasrigem Biotitgneus andererseits,
und zwar O von Slavětín und Peršikov (bei Ransko). Zahlreiche Apophysen des
rothen Granites durchsetzen den áussersten, spáter noch zu beschreibenden Ring,
der die ebenfalls weiter unten erwáhnten Troktolit- und Corsitkránze um die
Serpentinmasse der Waldkuppe von Ransko umhůllt. Nur erlaubt die Bewaldung
nicht immer die richtige Erkennung und Deutung der Granitgánge in dem áusseren
Diorit- und Amphibolgranitkranze.
Merkwůrdig ist der porphyrartige rothe Gneusgranit, der hier gleichfalls
als Contactstock auftritt (O Slavětín, O Peršikov) und den regellos kórnigen,
mittelkórnigen rothen Granit zu vertreten scheint. Der ziemlich kórnige rothe
Granit hat, weil er als Gránzbildung auftritt, eine gneusgranitartige Textur,
nebstdem aber enthált er daumengrosse Orthoklase von weisser oder rothlicher
Farbe porphyrartig ausgeschieden.
Úberhaupt sind in der Gegend von Borová, nahe an dem Serpentinmassiv
von Ransko die. Gneuse von zahlreichen, wenig máchtigen Lager- und echten
Gángen oder von blossen Gangklůften und Gangtrimmern durchschwármt, wobei
aber doch der Gneus so vorherrscht, dass diese Gánge ganz untergeordnet bleiben.
Am Wege von Borová nach Vepřové sieht man an zahlreichen Stellen lagergang-
artige Trimmer des Granites.
Gneusgranite. Dieselben sind schon in der Gruppe der Gneuse angefiihrt
worden, doch gehóren sie hierher. Das als Gránzeneusgranit benannte schuppige,
undeutlich schiefrige Gestein des Saarer Gebirges (Žďárské hory) důrfte eruptiver
Entstehung sein, demnach trotz der Lagerung in zum Gneuse parallelen Bánken,
doch zum Granit gehóren. Diese Gránzgneusgranite greifen nur wenie in das
eigentliche Eisengebirge ein und werden daher erst spáter in unseren náchstfoleen-
den Publicationen, bei der Beschreibung des bohmisch-máhrischen Grinzgebirges
erórtert werden. Ebenso sind die Biotitgneusgranite und Amphibolbiotitgneus-
granite, die ebenfalls schon frůher bei den Gneusen aus der Ursache angefůhrt
wurden, weil ihre Plattung und Schieferune parallel zur Schichtune jenes Gneuses
streicht, mit dem sie in Contact treten, eruptiver Entstehung. Auch diese, namentlich
bei Losenic verbreiteten Gesteine, berůhren den Rahmen des Eisengebirges nur
wenig und werden daher erst bei der Beschreibung des Blattes Deutschbrod ein-
gehender geschildert werden. Es konnte hier jedoch nicht unerwáhnt bleiben,
-dass diese gneusartigen Gesteine trotz der an Schichten erinnernden bankweisen
Absonderung dennoch eruptive Lager oder Decken sind und demnach der Granit-
gruppe zugezáhlt werden můissen, trotz der parallel ausgeschiedenen Glimmer-
schuppen oder Amphibolprismen.
18
Diorite gehůren in der Terraindepression des Doubravkabaches im mitt-
leren Theile derselben zu den selteneren Erscheinungen, indem man nur W von
Biskupic in der Bachschlucht einen Dioritgang entblósst findet. Dafůr treten sie
aber in dem Massiv der Ranskokuppe als dusserster Kranz um den Corsitring
auf. Hier sind dieselben von zahlreichen Gángen von Amphibolgranit, wohl auch
von rothem Granit durchsetzt; aber wegen der Bewaldung, die eine náhere Erken-
nung der Gesteinsgránzen nicht zulásst, konnte hier eine gesonderte Ausscheidung
beider Gesteine in der Karte nicht vorgenommen worden, weshalb alles als Diorit
verzeichnet erscheint. Éinzelne stockfórmige Gánge dioritischer Gesteine begleiten
das Stockmassiv von Ransko, und eine solche Masse ist auch zwischen Borová
und Peršikov eingezeichnet.
Eines der merkwůrdigsten Gesteine im Gebiete des Eisengebirges ist der
Corsit. Derselbe tritt im Doubravkathale in bedeutenden Massen auf. Ein bedeuten-
der Gang des Corsits streicht von der heil. Kreuzkirche (S von Ronov) am rechten
Fig. 2. Doubravkaufer von NNW nach S90, indem er unter-
NO 1:10000.— Doubravka. sw halb von Mladotic die Doubravka durchsetzt und hinter
dem bestandenen Mladoticer Maierhofe sich auskeilt.
7 s i „, (Wg. 2.) Nordlich tritt in der Richtung des Gangstrei-
Gnens —— Oorsit Amph.-Gn. chens eine kleinere Masse S von Ronov in den Schichten
des Kreidesystems und sůdlich im angeschwemmten Lehm auf, námlich NO nahe bei
Moravan zum Vorschein. Der Corsit ist kórnig, im sůdlichen Theile grosskórnig,
so dass stellenweise bis beinahe handgrosse Stiicke von ziemlich reinem kórnigen
Anorthit aus demselben herausgeschlagen werden kónnen. Bei der heil. Kreuz-
kirche aber (S) ist derselbe schiefrig kórnig, wohl wegen der nahen Gránze
mit Gneus. |
In sehr bedeutender Menge findet sich der Corsit in der Gestalt eines
bis 800—900 Schritt breiten Kranzes um die ganze Waldkuppe bei Ransko, in-
dem dessen áusserer Kranztheil sich an dioritische Gesteine, der innere aber an
olivinháltice Gesteine (Troktolite) anlehnt. (Gegen innen zu nimmt der Corsit
Olivin auf und vermittelt so den Úbergang in Troktolit. OS vom Ransko, da wo
derselbe in der Náhe des unteren Theiles des Řekateiches verwittert und halb
aufgelóst erscheint, wird er deckenartig von erdigem Limonit bedeckt. Dieser
Limonit ist offenbar durch die Zersetzung desselben entstanden, da er durch
Adern und allmáhlige Veránderung des Gestelnes in denselben úbergeht. Die
náheren, den Corsit betreffenden Bemerkungen, werden in der petrografischen
Abtheilung erláutert; die das Erz betreffenden Angaben aber sind im Anhange
enthalten.
Innerhalb des Corsitkranzes liegt noch ein Kranz von 7roktolit, eines Olivin-
gesteines (mit Anorthit, Bronzit und Diallag) von ziemlich wechselnder Zusammen-
setzung, das gegen den Corsit zu in denselben úbergeht, gegen den SŠerpentin
aber, der den Kern der Kuppe bildet, beinahe ganz in diesen sich umbildet.
Auch auf dem Troktolite, u. z. auf einer schon in den Serpentin úbergehenden
Varietát desselben, findet sich erdiger oder oolithischer Limonit in Deckenform,
mit einzelnen schartigen Boden-Unebenheiten, die aus einem noch nicht zu Limonit
umgewandelten Gesteine bestehen. Dies bezieht sich namentlich auf den S und
o
19
- O Abhang der Ranskokuppe, wo auch Pyrrhotin- und Pyrit-háltige Diorite in Gang-
|
|
form auftreten.
Ein gaaz ahnliches Troktolitgestein findet sich in dem Mladoticer Corsit-
gange gegeniiber der St. Martinkirche.
Serpentin bildet den Kern der Waldkuppe bei Ransko und wird daselbst
durch Troktolit umfasst, aus dessen Zersetzung er entstanden ist. Scharfe Gránzen
zwischen Serpentin und Troktolit bestehen demnach nicht. Der mittlere Durch-
messer des etwas ovalen Serpentinkernes der Kuppe důrfte 2 Km. betragen. Auch
am Serpentin finden sich an gewissen Stellen Decken von erdigem Limonit, dessen
Entstehung offenbar aus Serpentin herzuleiten ist. Der Anhang wird darůber das
Náhere enthalten.
Auch im Gneuse, also ausserhalb der Kuppe von Ransko, findet sich
Serpentin in Form von schwachen Gángen, so am rechten Bachufer beim Bráu-
hause in Borová, dann in Lagerstócken in Železné Horky und bei Bělá; jedoch
liegen letztere Vorkómmnisse schon zu weit ausserhalb des Rahmens der Karte,
und fallen auf das Kartengebiet von Deutschbrod. Ebenso ist auch der Corsiteang
von Mladotic im Dorfe selbst u. z. knapp unterhalb der Můhle im rechten Ufer
von einem kleinen, kaum 200 Schritte breiten Massiv von Serpentin begleitet.
Ein echter Lagerstock von Serpentin im Biotitgneuse zwischen Eklocit
im Liegenden und Amphibolschiefer im Hangenden eingebettet, findet sich zwischen
Borek und Kraborovic, SÓ von Vilímov. Der zur Schichtung des Gneuses parallel
plattenfórmig abgesonderte Serpentin, in der Máchtigkeit von 120—130" und
einer bedeutend grósseren Lánge dem Štreichen nach, bildet ein sehr instructives
Beispiel von der concordanten Einlagerung dieses Gesteines im Gneuse.
Der Eklogit tritt hier nur als ein ganz untergeordnetes Gestein auf,
indem es im Liegenden des eben erwáhnten Serpentines zwischen Borek und Kra-
borovic (oder Zdanic) ein etwa 100 Schritte máchtiges Lager bildet. Dieses Eklo-
gitlager hat eine ziemlich deutliche Schichtune und besteht aus bis wicken-
grossen Granatkórnern und meist sehr feinkórnigem bis dichtem licht grasgrůnen
Amphibol, stellenweise auch aus grasgrůnem kleinstengligem Amphibol. Das
Gestein ist von bedeutender Festigkeit und wird an seinem klippigen Ausbisse
von losen Blócken mit narbig abgewitterter Oberfláche begleitet. Das Liegende
des Eklogites bildet flasriger Biotiteneus, wáhrend das Hangende aus Serpentin
besteht. Das Verfláchen sowohl des Gneuses als des Eklogites betrágt 809 nach 2',".
Die Thalniederung des Doubravkabaches ist von horizontalgeschichteten
Gesteinen des Krečdesystems ganz oder zum Theil ausgefůllt, indem spátere Aus-
waschungen die in diesem Terrain abgelagerten Schichten zerstórten. Im Gebiete
der Elbeniederung finden sich nur Alluvien, welche theils das Kreidesystem, theils
den von derselben durch spátere Abwaschung entblóssten laurentinischen Unter-
grund bedecken.
Am rechten Elbeufer in der Fortsetzung des Doubravkathales bilden
Kreidegebilde die niedrige Terasse, welche von Lžovic gegen Jelen sich hinziehend
am letzteren Orte den terassenartigen Charakter verliert. In dem eigentlichen
Doubravkathale begleiten die Schichten dieser Formation den Steilabfall des Eisen-
gebirges von Zaboř (Station Elbe-Teinic) úber Bernardov bis Horušic als ein nicht
2*Ť
20
breiter Streifen. Von hier an erweitert sich dieser Štreifen bedeutend, und es
treten auch einzelne flache Inseln der Kreidegesteine aus den jůngeren Anschwem-
muncen hervor, oder kommen an den Aachen Ufern des Čáslavka- und Klenárka-
baches zwischen Gneus und Lehm zu Tage, so namentlich in der Richtung der
Bachthálchen von Cirkvic úber Třebešic, Časlau gegen Drobovic. Hauptsáchlich
aber sind diese Gebilde am rechten Doubravkaufer verbreitet, wo sle in immer
hoheren, ganz flachen Stufen ansteicen, je mehr sie sich dem Steilabfalle des
Eisengebirges náhern. Am breitesten ist der Zug bei Žleb, denn da reicht er der
Breite nach von Licoměřic bis Žleb, also auf 6 Km. ohne alle jingere Bedeckung,
setzt sich aber noch linkerseits der Doubravka unter der Lehmbedeckune fort.
Von Žleb-Ronov tritt in der weiteren SO Fortsetzung des Streifens des Kreide-
systems abermals eine bedeutende Verengung seiner tafelartigen Fláchen ein, u. z.
erreicht dieselbe am Fusse der Kankové Hory zwischen Bestvín und Třemošnic
ihr Minimum von "/„ km. Mit nur geringer Breite setzen die flachen Štufen am
Steilabfalle des Eisengebirges von Bestvín úber Rostein, Chuchle, Čečkovic, Lhota,
Maleč, Lány, Lhůta, Kladrub fort, doch so, dass zwischen Maleč und Libic, wo
der Hradišťberg einen weit erkennbaren Tafelbere bildet, abermals eine Aus-
breitung stattfindet, die nach den tafelartigen Fláchen weithin sichtbar ist.
Nach einer abermaligen Verengune bei Štěpánov tritt eine tafelartige Erweiterung
bis Bílek und Malochlín auf, von wo der Zug tiber Studenec, Kohoutov, Kreuz-
bere, Vojnoměstec, Karlov und noch etwas. darůber sich ausdehnt und das Šteil-
gehánce des Eisengebirges noch einigermassen andeutet, so dass er bei den Teichen,
durch welche die in dieser Gegend entspringende Doubravka hindurchfliesst, sein
Ende erreicht.
Wie úberall in Bohmen, besteht das Kreidesystem auch hier aus cenomanen
und turonen Schichten, das ist aus Ouadersandsteinen und Plánern. Die tieferen
Sandsteine (Ouader) sind theils von den Plánern bedeckt, und treten nicht immer
ganz deutlich zu Tage, besonders da, wo ihre Máchtigkeit gering ist; theils treten
ste auch, wo námlich die jůngeren turonen Glieder weggeschwemmt sind, als
zerbrockelte Sandsteine, das heisst als lockere Sande oder Schotter auf, und
kónnen von flůchtigen Beobachtern leicht mit Alluvial- oder Diluvialgebilden ver-
wechselt werden.
Die tiefere Auaderstufe oder die Perucer Schichten, námlich das unčere
Cenoman, eine limnische Bildung, trifft man als zerbrockelten Sandstein, also
als Sand und Schotter in den tiefsten Lagen der Kreideschichten an, so bei Vrdy,
Vinař, bei dem Ronover Teiche und in den Gehángen des Hostačovkathales und
seiner Nebenthálchen von Žleb angefangen ber Biskupic, Kamenný Most gegen
die Eisenbahn-Station Golčův Jenikov, bis in die Náhe der Stadt selbst, dann bei
Hostačov und Zvěstovic. Hier bedecken Lehme die letzten Reste der zerfallenen
Schichten, die sich noch auf ziemlichen Hóhen ausbreiten. Solche zerbrockelte
und vor spáterer Abschwemmung geschůtzte Reste finden sich noch westlich von
Golčův Jenikov zwischen Podmok und Nová ves, bei Ostružno, dann bei Maleč,
am W Fusse des Berges Hradiště bei Libic, wo namentlich der Zusammenhang
dieser losen Sande mit den wenig festen, den Fuss des Hradiště bildenden Sand-
steinen gut erkennbar ist. Zwischen Podmok, Vlkaneč und Nová ves (W von
|
l!
Golčův Jenikov) bestehen die allertiefsten, auf Gneus aufruhenden Lagen aus
einem lichtgrauen, sandigen oder sandig glimmerigen Thone, der vordem gewiss die
- Beschaffenheit eines sandigen Schieferthones hatte, und auf ihm liegen lose zer-
bróckelte Gebilde, die offenbar nichts anderes sind, als zu Šchotter zerfallene
- Gonglomerate und Sandsteine. Die Gerólle des Schotters bestehen aus bis apfel-
- grossen, halbdurchsichtigen oder weissen Auarzstůcken. Die bedeutendste Máchtigkeit
dieser theilweise spáter abgeschwemmten weissen Schottermassen betrást an den
Bahneinschnitten bei Kozohled bis 4"
Solche zerfallenen Reste der tiefsten cenomanen Schichten sind hier úberall
von Lehm begleitet, so dass derselbe vielleicht als Vertreter der allertiefsten
thonigen Lagen.zu betrachten ist. Der Lehm ist von gelbbráunlicher Farbe und
lásst stellenweise seinen Ursprung noch erkennen, da er kleine lichte Guarz-
gerólle enthált.
Es gibt noch mancherlei solcher Lehme mit Ouarzceróllen auf den Gneusen
zwischen Časlau und Roth-Janovic, und zwischen Golčův Jenikov und Habern,
allein dieselben sind wegen ihrer verháltnissmássie geringen Máchtigkeit auf die
Karte nicht aufgetragen worden. Dieselben důrften die allerletzten noch nach-
weisbaren untersten Schichten der limnischen Stufe des Kreidesystemes darstellen.
Dort, wo auf den Schottern der Perucer Stufe Lehmlagen ausgebreitet
sind, verdanken dieselben ihren Ursprung den zerfallenen, mergelig sandigen
Schichten der obercenomanen oder Korycaner Stufe.
Bei Maleč fůhren die liegendsten Schichten, námlich die zu Thon und
Letten zerfallenden Schieferthone, sowie die losen Sande auch Brocken von Limonit
und versteinerte Strůnke, welche als Palmacites varians Gópp. bekannt sind.
Die Fortsetzung der Sandsteine und ihres zu weissem Sand oder Schotter
zerfallenen, abgeschwemmten Randes lásst sich úber Libic, Bezděkov, Lhotka
Hořilová verfolgen; bei Podmoklan sind dieselben von Rasen und Ackererde beinahe
ganz verdeckt, sie werden aber durch die reichlich aus denselben entspringenden
Ouellen angedeutet. Erst wieder auf der Kuppe von Ransko finden sich ein-
zelne schwache Lagen von lichtgrauem lettigem Thone, die als zufállig nicht
weggeschwemmte letzte Reste der tiefsten zerfallenen Schieferthonschichten zu
deuten sind.
Das linke Ufer des Teiches Řeka, das ist der óstliche Fuss der Ransko-
Kuppe besteht aus losen Sanden; der Rand der tafelartigen Kuppen, unter welchen
der Zufluss des Řekateiches (Doubravka) sich windet, wird aber von Sandsteinen
gebildet, die in den liegenden Schieferthonen W von Hluboká, Nester von zu
schwarzer Braunkohle umgewandelten Strůnken fiůihren. Auch SO von Vojnoměstec
breiten sich derartige Sandsteine aus, und es wurde in denselben an der Strasse
zwischen Vojnoměstec und Karlov, auf Nester von schwarzer Braunkohle geschůrít.
Diese Sandsteine folgen nun dem Laufe der Strasse, von welcher sie W liegen, bis
an die Ufer des Teiches Velké Žďársko, nur sind dieselben um so mehr zer-
brockelt und zerfallen, je sůdlicher man sie antrifft. Die liegenden lettigen Schiefer-
thone bilden úberhaupt eine schwache Lage. in der ganzen Teichniederung des
Velké Žďársko, und da sie kein Wasser durchlassen, so sind sie die Ursache
der hier máchtig entwickelten Torfbildune.
Sůdlich vom Teiche Velké Žďársko treten noch einzelne letzten Reste von
Letten (weissen Thonen) oder weissen Sanden auf, und sind offenbar die letzten
Ausláufer der tiefsten cenomanen Schichten, die also beinahe bis Pelles (Polnička)
sich erstrecken.
Die náchst hóheren marinen obercenomanen Sandsteine oder Korycaner
Schichten, bilden die Terasse von Lžovic, westlich am rechten Elbeufer; lángs
des Doubravkathales aber ziehen sie sich als ein enger Štreifen von Zaboř
(Station Elbe-Teinic) bis Kašparův Dolík, indem sie sich an den Šteilabfall des
Eisengebirges anschmiegen, dann aber von turonen Schichten bedeckt, nur in ein-
zelnen kleinen inselartigen Streifen zwischen dem laurentinischen Steilabfalle und
der Plánerdecke, insofern sie bis zu demselben reicht, zum Vorschein kommen;
so etwa WW von Semtěš, in Podhořan, zwischen Podhořan und Licoměřic. Hier
úberall sind die Sandsteine leicht zerbrockelich, etwas grůnlich gefárbt, mit Aus-
nahme des rechten Elbeufers, wo dieselben ein kalkiges Bindemittel und ziemlich
zahlreiche Versteinerungen besitzen. Auch bei Žehusic finden sich diese Sandsteine
am Fusse einer unbedeutenden Plánererhóhung.
Ebenso treten diese Sandsteine in dem rechten Ufer des Časlavkabaches
zwischen Drobovic und Časlau, sowie in der geringen Bodendepression von Filopov
(bei Časlau) auf. In der Náhe von Gneuskuppen, wie bei der Kamajka (N von
Časlau) oder bei Zbislav sind die Korycaner Schichten theils als kalkige Sand-
steine oder Kalksteine, theils als mergelige Thone entwickelt, auf denen Reste von
abgeschewmmten Pláner vorkommen; sie enthalten in den Spalten und sackartigen
Vertiefungen des Gneusgrundes zahlreiche Versteinerungen, meist Ostreen.
Von Vinice úber Vinař bis Žleb und von da, nach theilweiser Be-
deckung von Lehm, erscheinen diese Schichten wieder bei Biskupic und Ronov,
von wo sie sich unter die heil. Kreuzkirche bis Třemošnic fortsetzen und den
Fuss der Pláner Terrainstufe bilden. Bei Ronov (heil. Kreuzkirche), sind die Sand-
stejne wieder sehr kalkig und enthalten zahlreiche Versteinerungen von Exogyra
columba, Cidaris vesicularis, Ostreen und andere.
In der Hostačovkaschlucht, dann na Písku (Sand) NNO von Golčův Jenikov
sind úber den zu Sand zerfallenen Perucer Schichten stellenweise auch noch Reste
von grůnlichen wenig Zusammenhang besitzenden Korycaner Sandsteinen bei Žehub
und Biskupic zu sehen.
Einzelne abgerissene Fetzen von obercenomanen Schichten finden sich
auch zwischen Sirakovic und Golčův Jenikov, dann zwischen dem Dorf Nasavrky
und Klášter (bei Vilímov). Doch bestehen hier diese Schichten aus diinnplattigen
sandigen glaukonitischen Plánermergeln, welche theils an die Malnicer Sandsteine
(Glaukonitsandstein), theils an echte Pláner erinnern. Die echten Pláner enthalten
nie Sandkórner bis zur Erbsengrósse, wie solche wenn auch nicht vorherrschend,
in diesen glaukonitischen Mergelplatten vorkommen.
Von Třemošnic bis Heřmáň finden sich diese Sandsteine am Fusse der
Plánertafelfiáchen entweder gar nicht vor oder sind sie so wenig máchtig, dass
ste sich der Beobachtung entziehen. Von Heřmaň an aber begleiten sie den Fuss
des Plánerplateaus ber Maleč, Hranice, Libic, Štěpánov, Odranec, Podmoklan,
Branišov, Bílek und lánes der Eisenbahn von Bílek nach Nová Ves, hinter welcher
23
© sie unter dem Alluvium verschwinden. Weiter erscheinen diese Sandsteine noch SO
I von Vojnoměstec und umfassen die Plánerkuppe vom Teiche Řeka an bis gegen
Radostín. *)
Die zweite Stufe des Kreidesystems oder das unterste Turon, durchgehends
aus Plánern bestehend, ist am meisten entblósst. Diese Štufe úberlagert von Sulovic
an die Korycaner Sandsteine, stosst aber bis auf die wenigen oben schon erwáhnten
Ausnahmen unmittelbar an den laurentinischen Steilabfall des Eisengebirges an,
indem die Schichten des Pláners gegen denselben zu staffelfórmig sich erheben.
Úber das linke Doubravkaufer setzen die Plánerschichten nur an wenigen Orten
ber, so bei Žehusic und Bezděkov (bei Štěpánov), und zwar an beiden Orten nur
als diůnne Plattenůberreste. Auch am Rouzeníberge bei Nové Dvory (Neuhof, S
von Heřmáň) bildet der Pláner von der Hauptmasse derselben abgesondert, eine
kleine Insel. Úber Radostín setzen die Plánerschichten nicht weiter fort, obzwar
die Reste des Untercenomans noch auf eine weitere SO Entfernung von 5 Kilom.
sich erstrecken.
Sámmtliche Plánerbánke sind horizontal gelagert, und wenn auch in der
Terasse bei Kubíkové Duby ein Verfláchen der Bánke gegen das Eisengebirge,
also nach NO, bei Kreuzberg aber vom Eisengebirge weg, also nach SW bemerkt
wird, so ist diese Erscheinung doch sehr beschránkt und blos lokal und es kann
daraus keineswegs ein Schluss auf eine nach der Kreidezeit erfolgte Hebung des
Eisengebirges gezogen werden. Im ersten Falle ist es námlich eine blos lokale
unbedeutende Abrutschune der Schichten; im zweiten Falle wiederholt sich das
so oft nachgewiesene und durch Unterwaschungen veranlasste Einfallen von sonst
horizontalen Schichten an steilen Gehángen.
Die tieferen gelblichen, hóchst feinsandigen Mergel, welche als Pláner
bezeichnet werden und stellenweise, so allenfalls in der Umgebung des Hradiště-
Berges bei Libic Versteinerungen enthalten, bilden die Hauptmasse der turonen
Gesteine. Nur die obersten Lagen, wie dieselben von Předhoř bis Kladruby, dann
von Malochlín bis nahe gegen Ždírec sich ausbreiten, sind etwas fester und
haben einen mehr sandigen Habitus. Sie enthalten wenn auch winzig kleine, so
doch zahlreiche punktfórmige Kórnchen von Glaukonit. Diese oberturonen glau-
konitisch sandigen Pláner werden hier wegen ihrer etwas bedeutenderen Festig-
keit als Baustein verwendet. Der bedeutendste Steinbruch ist bei Horní Studenec
und bei Ždírec in denselben eróffnet. Diese oberen Plánerbánke von sandig glau-
konitischem Charakter sind etwa Vertreter der nur local auftretenden sogenannten
Malnicer Schichten oder des unteren Mittelturon. Da die tieferen Plánerbánke,
wenn sie etwas aufgelóst sind, ebenfalls wenig Wasser durchlassen, so finden sich
auf denselben an entsprechenden Stellen, so bei Kreuzberg oder zwischen Zbislav
und Dolní Bučice *) auch Anfánge einer Torfdecke, die aber auf den unterceno-
manen Letten bei Radostín viel besser gedeiht.
Die jungen Bildungen werden als Alluvionen, Lehm und Torf unterschieden.
Altere Alluvionen sind Schotter u. z. weisse Ouarzschotter von nicht be-
deutend grossem Korne. Dieselben finden sich auf dem Gehinge von Lžovic an
der Elbe, das die Fortsetzung des Steilabfalles des Eisengebirges bildet. Dieselben
stammen jedenfalls aus der Elbe, und es ist gar nicht nothig spátere Hebungen
24
derselben anzunehmen, da bei Elbe-Teinic durch die hervorragenden festeren
schiefrigen Gesteine eine bedeutende Elbestauung stattgefunden haben musste, in
Folge deren der ehemals hóhere Flusslauf in recenter Zeit solche Alluvial-
schotter auch auf solchen hóheren Stellen abgesetzt hat. Das Material dieser
Schotter stammt meistens von jenen unter- oder obercenomanen Šchichten her, in
deren Náhe sie sich noch vorfinden.
Ahnliche Schotterablagerungen trifft man auch im Haine Libuše bei Nové
Dvory (Neuhof), dann bei St. Katharina und St. Nikolaus an u. z. auf turoner
Unterlage; dann O von Třebešic und bei Kalabásek, sowie am Brslenkabache bei
Časlau; an beiden letzteren Orten theilweise von Lehm bedeckt und den Pláner
úberlagernd. Etwas áhnliches ist auch bei Starkoč W und Loučic zu beobachten.
Auch hier gehóren diese Schotter zu Alluvialbildungen, da sie noch beinahe im
Inundationsgebiete der Báche liegeu und als von SO angeschwemmte Schichten
sich erkennen lassen, deren ursprůngliche Lagerstátten die cenomanen Sandsteine
waren. Der Lehm ist spáter erst darauf geschwemmt worden. Die Máchtigkeit
der Schotterbánke ist nicht bedeutend und betrágt nur Bruchtheile eines Meters
oder nur wenige Meter.
Die feinen weissen alluvialen Sande sind nichts anderes, als zerbróckelte
und abgeschwemmte cenomane Sandsteine, in deren Náhe oder auf welchen sie
sich noch vorfinden. Sie sind im Gebiete des obercenomanen Štreifens von Zaboř
bis Zařičan, dann von St. Katharina bis Chotusic, verbreitet also so zu sagen
noch innerhalb des Inundationsgebietes der aufgestauten Elbe.
Im Žehusicer Parke findet sich auch Kalktuff als junge Bildung und ver-
breitet sich von Dammerde úberlagert bis Zařičan; er enthált zahlreiche Geháuse
von Sumpfschnecken. Gegen Vyčap zu werden diese Kalktuffe ganz locker und
mergelig.
So wie die fruchtbaren Alluvionen, dann die Sande und auch Schotter
nahe an der Elbe vorherrschen, so ist wieder etwas entfernter von der einstigen
Můndung des Doubravkabaches in die Elbe der Lehm sehr verbreitet, u. z. bildet
er von Cirkvic an bis Golčův Jenikov eine ununterbrochene Decke, die meist am
linken Doubravkaufer abgelagert ist, sich selten auch in einzelnen Parthien am
rechten Ufer vorfindet, und aus der nur wenige Kuppen álterer Gesteine ein
wenie hervorragen. Dieser Lehm findet sich auch noch sůdlicher, jedoch nur
in weniger ausgedehnten Decken, so bei Nová Ves (Neues Dorf), Bezděkov und
In unbedeutenden Mengen auch an anderen Orten.
Der Lehm ist eigentlich nur dort zu finden, wo jetzt noch Gebilde des
Kreidesystems vorkommen, die er, u. z. sowohl den Pláner als auch die ceno-
manen, oft schon zu Gries zerfallenen Sandsteine bedeckt, oder wo einst Schichten
des Kreidesystems abgelagert waren. Dieser Lehm důrfte demnach nicht als ein
eigentliches Anschwemmungs-, sondern als ein Eluvialgebilde aufgefasst werden,
dessen Bildune durch die Auflósung von thonigen Gebilden des Kreidesystems
veranlasst wurde. Nur an tieferen Stellen ist der Lehm als ein wirklich ab-
geschwemmtes und wieder abgesetztes alluviales Material, u. z. entweder auf
geneigten Flichen (Geháncelehm) oder in Ebenen auf secundárer Lagerstátte zu
finden. Derjenice Lehm, der Schotter, u. z. auf Plinern aufruhenden Schotter
" A5
Pe
m
25
bedeckt, ist wirklich secundáres sedimentáres Gebilde, wáhrend andere Lehme
„wirkliche Eluvien darstellen, die aber wohl auch etwas ihre Lage verándert haben
konnten. —
Das Gebiet der Teiche, wo der Doubravkabach und die Sázavaguellen sich
ansammeln, also von Ransko bis Pelles (Polnička) enthált Torfdecken. Dieselbén
setzen einen nicht wasserdurchlássicen Grund voraus, u. z. entweder einen schon
etwas aufcgelósten Pláner, wie es bei Ždírec, Kreuzberg und Zbislav der Fall ist;
oder das Vorhandensein der tiefsten lettigen Schieferthonlage der untercenomanen
Sandsteine, wie dies im Gebiete der Niederung des Teiches Velké Žďársko (S Vojno-
městec) zu beobachten ist.
Unter dem Stádtchen Kreuzbere, auf den Wiesen, hat der Torf nur eine
ganz unbedeutende Máchtigkeit, indem daselbst unter "/„" Wiesenalluvialerde
nur */;>- Torf, dann '," lettiger Schotter folgen, in welchem letzteren das Bach-
bett ausgewaschen ist. Dieser Torf ist demnach auf der Karte nicht aufgetragen.
Wohl aber ist die Radostíner Torfdecke an den Ufern des Teiches Velké
Žďársko von Bedeutung, da sie daselbst in den oberen Ausláufern bei Panská
Bída und Doubravník die Máchtigkeit von mehreren Metern besitzt und gestochen
wird. Im dem Torfe finden sich nebst geringeren Kráuterstengeln auch Baum-
strůnke der noch jetzt an moorigen Stellen wachsenden Sumpfkiefer (Pinus uligi-
nosa) mit zu Fichtelit umgewandeltem Harz. Die seitlichen Ausláufer der Torf-
decke gehen unter den Wiesengrůnden ziemlich hoch. Unter dem Žďárskoteiche
zieht sich die Torfdecke bis gegen Polnička (Pelles) hin.
Auch an einigen flachen Stellen des Gneusterrains finden sich schwache
Torfdecken, so etwa bei Račín, Vepřík, Skřivánek (SO von Borová).
2. Das eigentliche Eisengebirge.
Der steile Rand des Eisengebirges ist aus denselben laurentinischen Ge-
steinen zusammengesetzt, wie die dasselbe begleitende Doubravkathalniederung.
Da die Gesteine des Steilrandes nach NO verfláchen, so bilden sie das Liegende
des ganzen Gebirges, in dessen Hangendem dann die untersilurischen Gesteine
folgen. Von Elbe-Teinic an bis zur Ruine Lichnic, bildet das Laurentin des
Steilrandes einen verháltnissmássig nicht breiten Streifen, der von WW nach S0
streicht und abgesehen von den jingeren granitischen Eruptivgesteinen, die sich
eng an denselben anschliessen, nur die unbetráchtliche Breite von */„—1 Km.
besitzt; mit Hinzufigune der Eruptivgesteine aber betrást die Breite 2'2—9
Km. Sámmtliche, auf diesem laurentinischen liegenden Streifen aufgelagerten
untersilurischen (oder cambrischen) Gesteine verfláchen auf der Strecke von Elbe-
Teinic bis Lichnice gleichfalls nach NO und sind daher scheinbar concordant dem
Laurentin aufcelagert.
Anders verhált es sich jedoch in jenem SO Theile des Eisengebirges,
- dessen Steilrand von Lichnice (Kaňkové Hory) bis Kreuzbere sich erstreckt. Hier
nehmen die laurentinischen Gesteine eine bedeutendere Breite ein, indem sie
sammt den in denselben eingelagerten Eruptivgesteinen jůngeren als laurentinischen
26
Ursprungs, sich gegen O sehr schnell ausbreiten, und die Umrisse eines Dreieckes
annehmen, dessen Spitzen durch die Orte: Ruine Lichnice, Kreuzberg und Chrast
angedeutet sind. Wáhrend die Breite dieser Gneus-Granitmasse des Steilrandes
der SO Fortsetzung des Eisengebirges von Lichnice bis zur Landesgránze bei
Lichnice nur 33 Km. misst, nimmt sie zwischen Kreuzberg und Chrast bis auf
etwa 25 Km. zu.
Die Gránze zwischen Laurentin und Cambrien (Untersilur) láuft von Elbe-
Teinic bis Lichnice (Zbislavec) von NW nach SO, von da an aber wendet sie
sich in óstlicher Richtung úber Skoranov, Rtejn, bis gegen Škrovád, wo sie unter
Gebilden des Kreidesystems sich verbirgt.
In dieser Parthie des Silurs, die eine óstlich verlaufende sůdliche Gránze
besitzt, ist die Lagerung gegenůber dem allerdings nicht in direktem Contact mit
demselben auftretenden Laurentin eine discordante, was auf bedeutende Disloca-
tionen hindeutet.
Erst in der weiteren SO-Fortsetzuna des Eisengebirges treten unter-
silurische Gesteine in der Schieferinsel Kreuzberg, Hlinsko, Skuč, Richenburg
wieder auf; sie werden beinahe durchwegs von Granit umschlossen, wáhrend nur
das mehr gegen O anstehende Laurentin die čstliche Begránzung bildet, und
theils noch zum Eisengebirce, theils aber schon zum bohmisch-máhrischen Gránz-
gebirge gehórt.
Diese bedeutende Richtungsveránderung der Silurgránze von Lichnice
(Zbislavec) nach Ost, sowie das Auftreten der Schieferinsel bei Hlinsko, die
jedenfalls einmal mit der Silurmasse des NW Theiles des Eisengebirges zu einem
Ganzen vereinigt war, wurde von dem Granitmassiv bewirkt, das jetzt zwischen
beiden Silurgebieten (námlich dem des NW Eisengebirges und der Silurinsel)
eingezwángt ist und dessen Mitte etwa das Stádtchen Nassaberg (Nasavrky) ein-
nimmt. Die einst zusammenhůngenden Schichten des Silurs wurden durch das
Hervortreten der Nassaberger Granitmasse auseinander getrieben und dabei in
ihre gegenwůrtige dislocirte Lagerune gebracht, und zwar in der Silurinsel bei
Hlinsko mit steil stehenden Schichten, in der anderen grósseren so dý mit
antiklinalen und synklinalen Schichtenstellungen.
Da nun zwischen Elbe-Teinic bis Lichnice das Untersilur SO mit einem
NO Verfláchen streicht und scheinbar concordant auf dem Laurentin aufruht,
zwischen Lichnice bis Škrovád aber die Silurschichten bei meist óstlichem Streichen
vorwiegend nach S verfláchen und durch die Nassaberger (Granitmasse stark
dislocirt sind, so muss zwischen dem normal gelagerten NO streichenden Silur
und dem nach O streichenden eine Linie des Bruches oder wenigstens der Biegung
vorhanden sein, von welcher an die dislocirende Kraft des emporgetriebenen
Nassaberger Granitmassives seine Wirkung ausůbte.
NW von dieser gewaltigen Bruch- oder Biegungslinie sind die Schichtei
des Silurs normal gelagert, das ist von NW nach SO streichend, óstlich davon
aber haben sie das Streichen von W nach O.
Diese Bruchlinie, so sicher deren Vorhandensein auch behauptet werden
kann, lásst sich aber doch nicht mit der wůnschenswerthen Schárfe in der Natur
nachweisen, und zwar theils desshalb, weil im Silur des Eisengebirges tiefe und
M SOE
21
ganz deutliche Entblóssungen nur stellenweise auftreten und demmnach die Beo-
bachtung erschwert ist, und dann auch desswegen, weil zu diesem Úbelstande noch
der Umstand hinzutritt, dass dieser Bruch eigentlich keine scharfe Bruch- oder Ver-
werfungsspalte bildet, sondern einen Parallelzug von kleineren Dislocationen, durch
welche der Úbergang der normalen in die stark dislocirte Lagerung vermittelt
wird. Jedenfalls war die durch die Terrainverháltnisse erschwerte Beobachtung das
grósste Hinderniss bei dem Studium dieses Terrains. Nichtsdestoweniger kann als
vermuthliche Richtung dieses Bruches, zu dessen beiden Seiten die Lagerungs-
verháltnisse so bedeutend verschieden sind, die Linie oder besser ein System von
Verschiebungslinien in der Richtung Licoměřic-Zbislavec gegen Chotěnic angegeben
werden. Bis zu dem Zuge dieser Bruch- oder Verschiebungslinien hat sich also
die verschiebende Wirkung des Nassaberger Granitmassivs geáussert.
In Folge davon hat auch das Laurentin NW von dieser Linie eine geringe
Breite (Elbe-Teinic-Lichnice), wáhrend es Ó von dieser Linie eine bedeutende
Breite und die Dreieckform (Lichnice, Kreuzberg, Chrast) erhált.
Ausser dem Silur kommen im Eisengebirge nur ganz unbedeutende isolirte
Reste jingerer Formationen vor. —
Die nachfolgende Beschreibung des Eisengebirges enthált folgende Abschnitte :
a) Das Laurentin des Šteilgehánges des Eisengebirges von Elbe-Teinic bis Lichnice
und die Eruptivgesteine in demselben. b) Das Laurentin zwischen den beiden Silur-
gebieten des Eisengebirges, námlich zwischen Zbislavec-Škrovád und der Silurinsel
von Hlinsko, sammt den in demselben eingelagerten Eruptivgesteinen. c) Das
Laurentin O von der Hlinsko-Silurinsel, das theilweise schon dem bóhmisch-
máhrischen Gránzgebirge angehóort. ď) Das Silur von Elbe-Teinic bis zum Haupt-
bruch (Zbislavec-Chotěnic). e) Das Silur vom Hauptbruch bis Slatiňan. /f) Die
Silurinsel bei Hlinsko. g) Jůingere Formationen auf dem Laurentin und Silur des
Eisengebirges. Die Eruptivgesteine sind trotz ihrer im Vergleich mit dem Laurentin
jůngern Bildungszeit doch so innig mit den geschichteten áltesten Gesteinen
verknůpft, dass es am zweckmássigsten erscheint, dieselben in Verbindung mit
dem Laurentin zu beschreiben.
a) Das Laurentin des Steilgehánges des Eisengebirges von Elbe-Teinic
bis zur Bruchlinie und die in demselben auftretenden Eruptivgesteine.
Das Steilgehánge des Eisengebirges gegen das Doubravkathal nimmt nur
einen verháltnissmássig engen Streifen des Laurentins ein und hat von Elbe-
Teinic bis Lichnice die Lánge von etwa 30 Kilometer.
Es enthált hier Glimmerschiefer von mittlerem bis kleinem Korne und
Amphibolschiefer, aber auch Gneus und obwohl untergeordnete, doch stellenweise
ziemlich máchtige Massen von Eruptivgesteinen, namentlich Granit.
Das Verfláchen der Schichten, wiewohl vorherrschend nach NO ist doch
an verschiedenen Stellen etwas wechselnd. Am linken Elbeufer zwischen Zaboř bis
Kojic betrágt es in den verschieden geschichteten Gesteinen 409 nach 1* im Mittel
(schwankend von '„* bis 1%/,* mit 35—459); an der Vedralka geht das Verfláchen
28
nach 1; mit 55; in Šemtěš nach 2?/;"-; ober Podhořan nach 4'/5* mit 559
(zwischen 2';—5';" mit 45—064? schwankend); unter Bílý Kámen 2*/,». mit 559;
in der Třemošnicer Schlucht bei Hedwigsthal endlich geht das Verfláchen nach
354" mit 45),
Als der NW Anfang des Eisengebirges kann jene unbedeutende Kuppe S
von Bělušic angesehen werden, welche sich von da gegen Lžovic und Elbe-Teinic
bis zum rechten Elbeufer fortsetzt. Das Gestein derselben ist Biotitelimmerschiefer
von ziemlich ebenfláchig schiefriger Textur mit Nestern von Auarz (blassem Rauch-
guarz) und feinkórnigem Chlorit. Dieses Gestein wird jedoch von jůngeren Schichten
vielfach verdeckt und nur nahe am Elbeufer zeigt sich deutlich, dass es von
Amphibolschiefer unterteuft wird. Im den schroffen Uferwánden unterhalb Elbe-
Tejnic sieht man gangfórmige Durchbriche von Gabbro, rothem Granit und W
bei Elbe-Teinic auch von grauem Biotitgneusgranit. Der Glimmerschiefer erscheint
stellenweise ganz áhnlich dem von Semtěš; er ist ebenfláchig und enthált lenti-
culare Auarznester. In Klůften kommt sehr feinkórniger Chlorit vor. Das Ver-
láchen geht nach etwa 2'/,» mit 52".
Am linken Elbeufer sind durch den Eisenbahneinschnitt die anstehenden
Felsen sehr deutlich entblósst und es zeigen sich hier die Gesteinsschichten mit
dem schon oben angegebenen Verfláchen in einer úbersichtlichen Reihenfolge.
Vorherrschend ist wieder der kleinkornige Biotitelimmerschiefer als der oberste
Abschluss der unter den alluvialen Sanden bei Zaboř verdeckten laurentinischen
Gneusgruppe. Die Glimmerschiefer herrschen von Zaboř bis Vinařic vor, indem
sie nur unbedeutende Einlagerungen von Amphibolitschiefer und plattigen Biotit-
Greus enthalten. Knapp ober Vinařic sieht man eine Verwerfung, an der cam-
brische schwarze Phyllite der Etage A, discordant ber und unter Glimmer-
schiefern u. z. von denselben durch Verwerfungsspalten getrennt, zu Tage treten.
Dann sieht man wieder blos Glimmerschiefer oder Phyllitelimmerschiefer von
dunkler Farbe bis gegen Kojic. Erwáhnenswerth ist es, dass gewisse Schichten
důnne zahlreiche lenticalare Ouarzlinsen enthalten, welche sich besonders dort
háufig zeigen, wo nahe durchsetzende Verwerfungen eine Lockerung veranlasst
haben; an solchen Orten kommen dann auch stellenweise Ouarzschnůre zum
Vorschein.
Im hangenden Theile der Schiefer zwischen Kojic und Vinařic veranlassen
háufige Verwerfungen einen eigenthůmlichen Wechsel von Glimmerschiefern und
schwarzen Phylliten der cambrischen Etage A, was aber wegen der nicht frischen
Beschaffenheit der angewitterten Gesteine nicht immer leicht zu erkennen ist.
Diese Verwerfungen sind eben nur an den steilen Felsenufern wahrnehmbar.
Im weiteren SO Verlaufe des Glimmerschiefers schaltet sich demselben
OSO von Zaboř auf kurze Entfernung důnnplattiger Amphibolgneus ein, dann důnn-
plattiger biotitarmer schiefriger Gneus und důnnschiefriger Amphibolitschiefer mit
deutlicher Streckung und in Glimmerschiefer úbergehend. Beide letztgenannten
Gesteine streichen úber Bernardov, Kašparův Dolík, Vedralka bis Vápenice unvweit
Semtěš weiter, wo der Gneus endet, der Amphibolschiefer aber noch nach mehr-
fachen Unterbrechungen bis Závratec sich fortsetzt und sich endlich auskeilt,
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29
Eine Eigenthůmlichkeit des Laurentins, die auch hier ihre Bestátiguno
findet, sind úberhaupt die so háufigen lenticulár sich ausbreitenden Schichten,
so dass dieselben beinahe als charakteristisch fůr diese álteste der Formationen
angesehen werden kónnen. Man bemerkt diese Eigenthiimlichkeit namentlich an
dem ebenfláchigen und důnnschiefrigen Amphibolit, der vielfach sich auskeilend
von neuem wieder ansetzt.
Der zwischen Vinařic und Kašparův Dolík důnnplattige schiefrige Biotit-
aneus geht zwischen Kašparův Dolík und Vedralka, wo er sich erweitert, in
flasrigen Biotit-Muscovitgneus úber, dann weiter SO in flasrigem Biotiteneus, wird
endlich aber WW von Vápenice wieder so grobschiefrig, dass eine Verwechslung
mit Gneusgranit stattfinden kónnte. Nur die Richtung des Gneuszuges war Ursache,
dass dieses Gestein nicht als Gneusgranit auf der Karte bezeichnet wurde.
Die bedeutendste Máchtigkeit des Amphibolschiefers betrágt bei Vedralka
etwa 400"-, die des Biotit-Muscovitgneuses VW von Vedralka kaum 1 Km., wáhrend
der Glimmerschiefer bei Semtěš mit */, Km. seine grósste Máchtigkeit erreicht.
Der Glimmerschiefer keilt sich úber Licoměřic gánzlich aus.
Der stellenweise auch etwas gestreckte důnnplattige Biotitelimmerschiefer
enthált meistentheils auch kleine Granatkórnchen, und Nester von halbdurch-
sichtigem Ouarz. Zwischen Semtěš und Podhořan ist er důnnplattig, ebenschiefrig
und etwas gestreckt; in den Brůchen daselbst lassen sich bis 1 (() m. grosse Platten
desselben entblóssen, so das manche Stůcke als dicker (grober) Dachschiefer ver-
wendbar wáren.
Im Amphibolschiefer und Glimmerschiefer ist NW von Kašparův Dolík
ein stockfórmiges Nest eines schiefrigen Epidotgesteines eingelagert. Die granulit-
artige Gesteinsschichte nahe von Husí Hovno und Podhořan wird bei der speziellen
Gesteinbeschreibung angefůhrt werden.
SW von Licoměřic besteht der Steilrand des Eisengebirges aus důnn-
plattigem Amphibolgneus, noch weiter S von Zbislavec aus flasrigem Biotitgneus,
in dem bei Podhrad (Lichnice) und in der Třemošnicer Schlucht (Hedwiesthal)
Flaserporphyroide (siehe Gesteinsbeschreibung) zum Vorschein kommen. Dieser
sůdlichste Theil gehórt schon in das Gebiet des grossen Verschiebungsbruches.
Am Gipfel der Železné Hory, S von Zbislavec, (in dem Waldriede Krkanka) W von
Rudov streicht ein nicht máchtiges Lager von krystallinischem Kalke aus, das
jedoch von zahlreichen obwohl nicht máchtigen Gingen von Granit, Amphibol-
granit, Syenit und Diorit durchsetzt und zugleich verworfen wird.*) —
In dem Zuge der Glimmerschiefer, Amphibolschiefer und der Gneuse des
Steilrandes treten Eruptivgesteine auf, unter denen namentlich der Granit vorherrscht.
Eine bedeutende Masse von rothem Granit von 10 Kilom. grósster Lánge,
zwischen Bernardov und Vápenice unweit Semtěš, und von bis 2 Km. grósster
Breite zwischen Kašparův Dolík und Zbraňoves, ist zwischen dem Laurentingneus
(der bei Kašparův Dolík als Augengneus entwickelt ist) und der cambrischen Etage
A eingezwánst. Der Granit ist offenbar jůnger als das Cambrien, da er theils
- Apophysen in dasselbe aussendet, theils aber auch, wie am Puncte „na Oklikách“
(A 306"-), eine Scholle der cambrischen Schiefer einhůllt. Auch andere Zeichen
deuten auf die jingere Entstehung des Granites; so die Umwandlung der regellos-
Wichterh.
ph ž phž
235 335'5Km.
Viadukt
Vinařice
1:10000, Imm, = 10m.
sw
| 150"gber A. Meere..
ž
Bahnhof Zaboř (Station Elbe-Teintc)
282 W. H.
280
Pamí A. phud ph
210 334'5 Km.
Brůcke
8336 Km.
Hp
7 PP 7
4 ho hh
7 0 E,
Z
Zá hel Z
2
Z
V,
279
W.H.
Brůcke
ph
NO
kórnigen Textur in eine gneusgranitische, aller-
dings durch Vermittelung eines Úbergangsstreifens
von grauem Granit an der Gránze mit cambri-
schen Schichten, S von Zdechovic. Die Anlagerung
der Biotitschuppen in paralleler Lage ist bedingt
durch das Vorhandensein einer Gránze, an der
sich der Granit mit verzógerter Geschwindigkeit
unter Reibung (oder Druck) hinauf wálzte, so dass
die parallele Anordnung der Biotitschuppen dar-
aus erfolete. Der rothe Granit wird an seiner
Gránze mit den cambrischen Schiefern von Guarz-
porphyren begleitet, welche sich vom Puncte „na
Oklikách“ úber Chvaletic, Zbraňoves bis gegen
Vápenice verfolgen lassen. Es ist dies entweder
eine untergeordnete Gránzbildung, oder eine andere
Ausbildungsweise des Granitmagmas selbst. Nur
zwischen Litošic und Vinice ist ein porphyrartiges
etwas wenig roth geflecktes Gestein entblósst, von
dem keine frischen Proben vorlagen und das nur
der Analogie nach den Auarzporphyren zugezáhlt
wird. (Šiehe (Gesteinsbeschreibune.) In diesem
rothen Granit finden sich auch Stócke von Gabbro
und Uralitdiorit, die demnach jůnger als der rothe
Granit wáren.
Syenit und rother Granit sowie Diorit durch-
setzten in zahlreichen stockfórmigen Gángen den
'Theil des Steilabfalles bei Závratec, welcher auf der
Karte den speciellen Namen „Železné hory“ fůhrt.
Es gehóren diese Gánge schon dem Gebiete des
dislocirten Theiles des Eisengebirges an; sie ver-
werfen das Kalklager am Gipfel der Železné hory
(Krkánka) bedeutend und an zahlreichen Stellen.
Von Zbislavec bis Rudov bildet Diorit, noch
mehr Syenit und in bedeutenderer Menge grauer
Granit die Gránze zwischen dem Laurentin und
dem Cambrien. Es scheint dieser Theil schon dem
hinter der Bruchlinie gelegenen Theile des Eisen-
gebiryes anzugehoren.
Merkwůrdig ist das Vorkommen von Gabdro
in kurzen ŠStócken im laurentinischen Glimmer-
schiefer bei Vinařic an der Elbe, sowie im rothen
Granit bei Bernardov NO, Chvaletic W, Kašparův
Dolík NO. Weniger máchtige echte Gánge oder
Lagergánge durchsetzen den Glimmerschiefer des
linken Elbeufers an zahlreichen Stellen. (Fig. 3.)
ye“ + Bys
koník « A ak
31
Dieselben bestehen aber nicht mehr aus Gabbro, sondern aus Uralit- oder Labradorit
diorit, da der Diallac (Pyroxen) desselben eine Pseudomorphose in Amphibol (Uralit)
erlitten hat. Auf der Karte sind diese Gánge als Diorit verzeichnet. Glimmer-
schiefer, so wie auch der Gabbro des linken Elbeufers sind von Lagergángen
und echten Gángen eines Biotiteneusgranites von grauer Farbe durchsetzt. Der
Gneusoranit hat eine um so kleinkornigere Textur, je weniger máchtig er auftritt.
An der Gránze mit den sedimentáren Gesteinen werden auch die Gabbros
háufig schiefrig, so dass Verwechselungen mit Amphibolschiefer leicht móglich
sind. An einem Orte OSO von Vinařic, wo Entblóssungen durch Steinbriche vor-
kommen, sieht man in dem etwas schiefrigen Gabbro ganz geradlinige bis 3-
máchtige Gneusgranitgánge mit bis handdicken, gerade verlaufenden Triůmmern,
deren Biotitschůppchen parallel den Gránzfláchen gelagert sind.
Das Gabbrogestein von regelloser Zerklůftung ist in der Stockmitte grob-
korniger als am Rande, sonst aber in Klůften mit Amphibol, kleinen Plagioklas-
krystallen oder mit feinkornigem Chlorit ausgefůllt.
b) Das Laurentin zwischen den beiden Silurgebieten des Eisengebirges.
In dieser Parthie des Eisengebirges besteht der Steilrand ebenfalls aus
laurentinischen Gesteinen, aber nicht mehr aus den oberen Glimmerschiefern oder
Amphibolitschiefern, sondern aus Gneusen. Zwischen das Šilur und den Gneus
schiebt sich úberdies das máchtige Nassaberger Granitmassiv ein, so dass in dem
laurentinischen Dreieck Lichnice, Kreuzbere (Krucburg), Chrast die Gneuse und
Granite, letztere von etwas jůngerer Entstehung als das Untersilur, in gleich
grosser Menge verbreitet vorkommen.
Die Gneuse bilden von Lichnice an den Steilrand des Eisengebirges bis
nahe gegen Kreuzbere.
Von Lichnice aus setzt der Gneuszug durch die Kaňkové Hory in der
Breite von kaum 1',„ Km. gegen SO fort, wo er sich bis an die Ohebka (Chru-
dimka) erweitert, indem dessen Breite hier etwa 7 Km. betrágt.
Von Lichnice setzt der graue oder róthliche Gneus mit Biotit oder mit
beiden Glimmern auch mit gestreckten Orthoklasaugen, und der Flaserporphyr
durch die Třemošnicer Schlucht gegen die Kaňkové Hory fort, wo der biotitreiche
Gneus fleischrothen Orthoklas enthált, trotzdem aber wegen Úberwiegens des
Biotites vornehmlich in dem Gehánge gegen Třemošnic zu, eine dunkle Farbe
annimmt. Stellenweise ist dieser dickbankige Biotitgneus dem Granitgneuse áhnlich,
der an dem Fusse des Růckens sich befindet. Er zieht sich bis gegen Javorka
und wird stellenweise theils guarzreich, theils biotitarm, ist aber immer róthlich
gefárbt. Im dem flasrigen Gneuse findet sich daselbst ein gegen 8" máchtiges
Lager von krystallinischen Kalkstein, der im Hangenden grau, im Liegenden weiss
ist, und schwache eingelagerte Schichten von glimmerarmen guarzreichen Gneus
enthált. Das NO verfláchende, oft verworfene Lager wird von biotitreichem plattigem
Gneuse (Glimmerschiefergneus) bedeckt.
32
Von Javorka an bis zur Linie Unter-Studenec-Kamenic erweitert sich die
Breite des Gneuszuges bedeutend und es herrscht in demselben úberall die fleisch-
rothe Farbe vor; die sich durch diesen Gneus durchwindende Ohebka bildet
anmuthige Thalschluchten. Der rothe Gneus dieses Terrains ist eigentlich ein
schuppig flasriger Biotit-Muscoviteneus mit wechselnder GAualitát der Glimmer.
Stellenweise sind beide Glimmer im Gleichgewichte entwickelt, stellenweise, wie
zwischen Vršov und Přemilov ist der Muscovit in úberwiegender Menge vorhanden;
stellenweise hat er langgestreckte Flasern und es zeigt sich dann im Auerbruche
eine fůr Schieferung parallel laufende unvollkommene Bánderung. Das Verfláchen
dieses rothen gebánderten Gneuses geht zwischen Přemilov und Rušínov nach
2" mit 409; nahe bei der Ruine Oheb nach 2';" mit 309. (Gegen S50, im Ge-
hánge von Hostětinky gegen Maleč nach 2"/," mit 389, und der Gneus ist hier
dem rothen Gneus von Lichnice áhnlich. In der Richtung gegen Slavíkov schalten
sich dem rothen flasrigschuppigen Gneuse plattige lichtgraue schiefrige Biotit-
gneuse ein, oder auch guarzarme Gneuse mit weissem Orthoklas und Biotit-
schuppen, wie S von Kamenic. Bei Možděnic und Dřevíkov aber werden die
Biotitgneuse schuppig fasrig, dinnplattig, an letzterem Orte auch róthlich grob-
kórnig und nach 2'/," verfláchend.
Bei Rvačov, wo im Gneuse schon Granitstócke auftreten, ist der Biotit-
oneus eigenthůmlich entwickelt. Derselbe ist námlich mittelschuppig; die Biotit-
schuppen erscheinen blass lauchgrůn, die Ouarzkórner aber milchig bláulich getrůbt
und einem Cordierit áhnlich.“)
In der NNO und SSW Umgebung von Stan stósst der Biotiteneus an
cambrische Gesteine der Hlinsko-Silurinsel an, wobei an der Gránze selbst Amphi-
bolitschiefer oder nahe an der Gránze auch Biotitelimmerschiefer mit lenticularen
Ouarznestern auftreten. Doch ist wegen der bei Stan und Milesimov nicht immer
deutlichen Entblóssung das Richtige schwer zu bestimmen, da áhnliche Glimmer-
schiefer auch silurisch sein kónnten. Namentlich ist der Glimmerschiefer zwischen
Vítanov bis Chlum entwickelt und gut entblósst; derselbe verbindet die Kreuz-
berger Schieferinsel mit der von Hlinsko-Skuč, und er mag dem laurentinischen
Alter angehóren, da er grosse Ahnlichkeit mit manchen Glimmerschiefern von Elbe-
Teinic hat, ein allerdings nicht absolut fester Grund zu seiner Altersbestimmung.
Im Hangenden des Gneuszuges folat das Nassaberger Granitmassiv, dessen
Gránzen etwa folgende sind: Von Zbislavec iiber Rudov, Podhrad (Lichnice), Horní
Počátky, Oheb (Ruine), Wichstein, Proseč, Prosička, Vršov, Bradlo, Chloumek,
Křemenic, Polom, Kamenice Trhová, Svobodné Hamry, Rvačov, Jančour, Rovné,
Unter- Studenec, lángs welcher Linie úberall der Granit mit dem (Gneus in
Contact tritt.
Mit dem Šilur hat das Granitmassiv folgende Gránzlinie gemeinschaftlich :
von Zbislavec úber Rudov, Skoranov, Kraskov, nahe S bei Nutic, Rtejn, Lipina,
Kuchánovice, Škrovády; von wo an bis Skuč, wo die óstliche Silurinsel auftritt,
die Gránzlinie unter der Decke der Kreideformation sich verbirgt.
Von Skuč an geht die Gránze des Granitmassives mit der Skuč-Hlinsko-
Kreuzberger Silurinsel úber Žďárec, Ober-Prasetín, Mrákotín, Unter- und Ober-
Babakov gegen Stan, wo die nicht vollkommene Entblóssung die Contact-V er-
,
33
háltnisse zwischen Gneus, Granit und Schiefer weniger scharf hervortreten lásst,
- dann aber von Jasné Pole (Schonfeld) úber Benátky nach Kreuzberg.
Das Granitmassiv umschliesst nebstdem in sich selbst grosse Inseln und
Schollen von Biotitgneus, wie auch von Biotitmuscovitgneus; so zwischen Rvačov,
Srny, Stany, Milesimov und Jasné Pole, Komárov (W von Hlinsko), wo aber die
Entblóssungen vieles zu wiinschen lassen. Hier sind auch Irrungen mit Gneus-
- granit, der hier ebenfalls zum Vorschein kommt, moglich, namentlich dort, wo der
Gneus in groben Bánken und mit unvollkommener Schieferung erscheint. Eine
kleine Gneusscholle ist auch bei der Opletalmiihle umweit Skuč an der Gránze
zwischen Granit und Schiefer eingeschlossen. Der Gneus zieht sich auch in
Zungen in den Granit hinein, wie NNO von Rvačov. SO von Krásný ist auch eine
Gneusscholle im Granit vorhanden.
Bemerkenswerth ist die bedeutende an der Ohebka von rothem Granit,
- sůdlich aber von Gneusgranit umschlossene grosse Scholle von Gneus O bei Bojanov.
- Dieses Gestein kónnte als Gneusgranit gelten, wenn in demselben nicht Kalklager
© auftreten wůrden, die von Chlum an (Wald Ochoz) in stufenfórmig gebrochenen
© Lagertheilen bis gegen Vršov vertheilt sind, und ein ostliches Verfláchen besitzen.
- Bei der Aufzáhlung der Mineralien wird dieses Kalklager wegen seinen interessanten
3
f
:
Mineralien, besonders erwáhnt werden. Auch in der Dehetníkschlucht bei Bojanov
-jst noch etwas von den Lagerungsverháltnissen des Kalklagers zu beobachten.
- Ganz áhnlich verhált es sich aber auch mit dem Kalklager von der Peklomůhle
bei Kraskov (W), wo ein ganz áhnlicher Granitgneus noch mit dem Gneuse der
Kaňková Hora im Zusammenhange steht. Sámmtliche Kalklager in diesen Granit-
gneusen fiihren Skapolit.
Die einzelnen Varietáten des Granites, in welchen derselbe in dem Nassa-
berger Massiv erscheint, sind Gneusgranit, rother mittelkórniger, rother grob-
- kórniger, grauer gemeiner Granit und noch andere Varietáten, die am betreffenden
Orte angefůhrt werden.
Der sehr verbreitete Gneusgramit ist zwischen mittel- bis grobkórnig und
mehr oder weniger unvollkommen schiefrig. An gewissen Orten kónnte derselbe
mit Graniteneus verwechselt werden. Der Orthoklas und Auarz sind weiss oder
graulichweiss, der Biotit veranlasst eine unvollkommen schiefrige Textur und
bedingt die mehr oder weniger graulichweisse bis graue Farbe, sowie die: etwas
wechselnde Textur desselben, wenn er in geringerer oder grósserer Menge ein-
gewachsen vorkómmt. Das Gestein bildet wie der Granit bei anfangender Ver-
witterung grosse, sackáhnliche Blócke, die das Granitterrain bedecken. Die
Erkennung des Gesteines als Gneusgranit ergiebt sich blos nach der Lagerung;
sonst kann es an manchen Orten mit Graniteneus verwechselt werden.
Ebenso zusammengesetzt ist der graue Granit. Derselbe besteht aus den-
selben Gemengtheilen wie der Gneusgranit, allein dieselben haben ein echt grani-
- tisches Gefige; er ist also regellos kórnig, die Farbe ándert sich vom weissgrauen
bis zum grauen, je nach der Menge des DBiotites. Zwischen Gneusgranit und
- grauem Granit gibt es Úbergánge, da beide nur unter verschiedenen Verháltnissen
-erstarrte Granitmassen darstellen. Ein sicheres Erkennungsmerkmal des Granit-
charakters des grauen Gneusgranites aber sind dessen Gránzverháltnisse mit Gneus
3
34
oder mit rothem Granit. Besonders an den Gránzen mit rothem Granite enthalten
die grauen Granite und Gneusgranite mit zunehmender Náhe zur Gránze, um so
zahlreichere, kleine scharfkantige oder nur wenig rundliche Brocken von Diorit.
Diese Erscheinung bemerkt man in dem gesammten Gebiete des Granitmassivs;
beim Granitgneus aber fehlt sie gánzlich.
Der rothe Gramit ist mittelkórnig, und der vorherrschende fleischrothe
Orthoklas bedinet dessen Fárbuneg, da der rauchgraue Auarz, sowie der unter-
geordnete Biotit (selten auch neben demselben etwas Muscovit) auf den Farbentou
von keinem Einflusse sind. Im rothen Granit sind Epidotklůfte, besonders an
den Gránzen desselben mit Diorit und anderen Gesteinen, wo derselbe háufig auch
aplitisch erscheint, sehr háufige Erscheinungen. Der grobkornige rothe Gramt ist
nur an gewissen Orten in beschránkterer Menge anzutreffen; derselbe besteht aus
bis haselnusserossen fieischrothen Orthoklaskórnern, aus etwas kleineren licht rauch-
grauen Auarzkórnern, die als Krystalle mit rauhen Fláchen aufzufassen sind und
nur aus €anz wenig Biotitbláttchen.
Der rothe Granit erleidet háufig an den Gránzen mit andern Gesteinen
eine Umánderung, er wird námlich aplitisch oder kleiner kórnig, was als Contact-
erscheinung zu deuten ist. Auch zeigt er sich an den Gránzen mit andern Ge-
steinen bankfórmie abgesondert. Das Altersverháltniss zwischen rothem, mittel-
kórnigem und grobkornigem, sowie zwischen grauem, gemeinem und Gneus-Granit
lásst sich nicht immer sicher bestimmen; doch zeiot sich an gewissen gůnstig
entblóssten Štellen, dass der rothe Granit im grauen Gánge bildet, so zwischen
Dachov und Včelákov, wonach der graue Granit und Gneusgranit álter wáren,
als die rothen Granite. Auch im Diorit bildet der rothe Granit Gánge, er sollte
demnach auch jůnger sein als dieser. Indessen findet man auch im rothen Granit
grauen Granit in Ganeform, was das Gegentheil in Betreff des Alters andeuten
wůrde, wenn nicht solche scheinbar gangfórmigen grauen Granite nur als Schollen
im rothen Granite zu deuten wáren. Es wáre also ein deutlicherer Aufschluss
wůnschenswerth, um die Altersverháltnisse dieser Gesteine sicher zu erkennen.
Bei der Einschicht „Na kopcích“ bei Studenec findet sich ein Gang (oder
eine Scholle?) von grauem Granit im rothen. Es wáre auch mócglich, dass bald
die eine bald die andere Granitvarietát die áltere oder jingere ist, da beide zu
verháltnissmássic eleicher Zeit zum Vorschein kommen konnten. Es ist also nur
eine subjective Ansicht, wenn man in solchen Fállen den rothen Granit nach
manchen dies bestátigenden Beobachtungen fůr den verháltnissmássig jingeren hált,
da in dieser Hinsicht nur ganz deutliche und unzweideutige Entblóssungen das
sich darbietende Problem lósen kónnen. — Andere weniger háufie vorkommenden
Granitvarietáten werden spáter noch hinzugefůst.
Der Gneusgranit in der Umgebung von Včelákov bildet die bedeutendste
Masse in der Mitte des Nassaberger Granitmassivs. Seine Gránze geht von Skuč
ber Ober-Prasetín, Ober-Babákov, Srny, Svobodné Hamry, Kamenice Trhová,
Vranov, Hodonín, Česká Lhotice, Ochoz, Drahotice, Podlejštan, Krupín, Čekov,
Miřetín, Kvasín, Unter-Prasetín, Skuč. Das Gneusgranitmassiv, an der Oberfláche
mit grossen Granitblócken besáet, enthált stellenweise Gánge von rothem Granit
von untergeordneter Bedeutung, so bei Ober-Prasetín an der Gránze mit Silur-
DD
schiefer, bei Tisovec, Příkrakov, NO von Včelákov, SW von Unter-Babákov, NO
bei Babákov und bei Svobodné Hamry. Es scheint, dass dieser Granit bei Ober-
Prasetín auch eine Scholle von Silurschiefer einhůllt, was jedoch wegen mangel-
- hafter Entblóssung nicht sicher constatirt werden kann. Die Gránzen gegen
- gemeinen, grauen Gneus sind nicht genau wahrnehmbar; an gewissen Orten zeigt
- der Granit eine bankfórmige Absonderung, so W von Skuč im Berge „V borkách“,
wo die etwa 1% máchtigen Bánke nach 21*/,* mit 64“ verfláchen, áhnlich wie
an der Gránze mit dem Silurphyllit.
Bei Kameničky (NW von Trhová Kamenice) bildet der Gneusgranit nur
eine Scholle im grauen Granit. Ebensolche grossere Inseln oder Schollen im
grauen Granit oder zwischen grauem und rothem Granit oder im rothen Granit
selbst findet man bei Seč und Hořelec, wo die grobe Schieferung nach */," mit
409 einfállt, oder SW von Kovářov, dann auch bei Křižanovic, an der Ohebka,
bei Milesimov und Všeradov (W ven Hlinsko).
Der graue Granit, der ebenfalls eine sehr bedeutende Fláche einnimmt
und in den Gneusgranit iúbergeht, tritt theils selbststándig auf, theils aber ist er
-mit dem Gneusgranit vergesellschaftet, und enthált wie dieser an der Gránze mit
rothem Granit, Bruchstůcke von Diorit.
Die bedeutendste Masse des grauen Granites sieht man zwischen Trhová
Kamenice, Vranov, Hodonín, Česká Lhotice, Drahotice, Peklomůhle, Lipkov, Po-
lanka, Vršov, Unter-Bradlo, Chloumek (wo sie úber Křemenic und Polom eine
Zunge im Gneus bildet) bis gegen Kamenice zu. Diese und die Včelákover Granit-
parthie bilden 500—600"- hohe, flache, in der Gegend weithin sichtbare Kuppen.
Zwischen Neudorf und Rohozná enthált dieser graue, dort auch etwas biotitreichere
Granit, zahlreiche bis haselnussgrosse Granatkórner, wesshalb er auf der Karte
als grauer Granatgranit ausgeschieden ist.
Eine bedeutende Masse bildet auch der Štružinecer Granitstock, der sich
von Jasné Pole (Schoónfeld) úber Benátky, Kohoutov lángs der Eisenbahn hinzieht
und dadurch bemerkenswerth ist, dass er stellenweise kleine zu Amphibolschiefer
metamorphosirte Fetzen der Kreuzberger Silurschiefer umschliesst. © Ansehnliche
Stócke grauen Granites stehen W von Skuč bei Leštinka, Čejrov, Kvasín, Mo-
krejšov an; dann zwischen Seč und Dolní Počátky bei Hořelec, und endlich zwischen
Podhrad, Rudov und Zbislavic. Kleine gangstockartige Massen treten úberdies
recht zahlreich auf.
Der rothe Granit bildet einen 20 Kilom. langen und bis zu 5 Kilom.
breiten Stock, der von O nach W streicht und dessen sůdliche Gránze Gneus-
granit, grauer Granit und Gneus begleitet, wáhrend seine Nordgránze sich an
schiefrigen Felsitporhyr anschliesst. Die Sůdgránze dieses Stockes von rothem
Granit geht von Leštinka úber Kvasín, Dubová, Čekov, Krupín, Podlejštan, Dra-
hotic an der Ohebka aufwárts bis Prosička, Proseč, Oheb, Horní Počátky, Kraskov,
Althof (Staré dvory) bis gegen Rudov; die nordliche Gránze geht von da (Rudov)y
anfangs etwas verdeckt ber Skoranov, Nutic, Hrbokov, Rtein, Petříkov, Licibořic,
Práčov bis Vejsonín, von wo an bis Smrček der mittelkórnige Granit zu rothem,
„grobkórnigem sich umwandelt. Diese Masse von rothem Granit ist der Sitz zahl-
reicher Diorit-Gangstócke.
3*
36
Es ist dieser Granit ein echtes Gránzgebilde, da er durch Vermittelung
des schiefrigen Felsitporphyres oder auch unmittelbar an das Silur zwischen Rudov
bis Škrovády sich anschliesst. An den Gránzen mit dem schiefricen Felsit oder
mit dem Silur ist er bankfórmig abgelagert; die Bánke laufen parallel zur Contact-
sránze und verfláchen sich von derselben weg. Je weiter von der Gránze, desto
massiger wird der rothe Granit, bis er die bankfórmige Absonderung gánzlich ein-
bůsst. Am deutlichsten ist dieses Verháltniss in der Schlucht unter Pračov ent-
blósst, wo die etwas oft weniger als ein Meter máchtigen Bánke, nach 10*/,* mit
859 verfláchen, also scheinbar als dem Silur (oder der Silurgránze) aufgelagert
erscheinen.
Weniger bedeutende Massen von rothem Granit erstrecken sich von Rvačov
úber Milesimov, Dlouhý, Rovné und Oudav gegen Ober- und Unter-Studenec. Auch
hier sind máchtige Dioritstócke entwickelt.
N von Kreuzberg kómmt auch rother Granit vor.
Erwáhnenswerth ist auch noch, dass rother Granit in einzelnen Gánsen
oder Gangziigen vom S Ende der Kaňková Hora úber Zbohov, Hoješín, Podhořic
im Steilgehánge des Eisengebirgces bis úber Rušínov, also auf 10 Kilom. Lánge
und in verháltnissmássie geringer Breite im Gneuse auftritt. Angewitterte Fláchen
desselben sind roth gefárbt durch kleine in Adern ausgeschiedene Haematit-
Imprágnationen. Ebenso ist noch zu erwáhnen, dass auch bei Křemenic (SW von
Trhová Kamenice) der rothe Granit die Gránze zwischen grauem Granit und
Gneus zu bilden scheint. :
Der rothe grobkórnige Granit bildet das ostliche Ende des zuerst erwáhnten
rothen mittelkórnigen Granit-Gangstockes in der Umgebung von Žumberg. Zwischen
Studená Voda und Smrček wird seine óstliche Fortsetzung von Ouadersandsteinen
des Kreidesystems bedeckt. Gánge von Auarzporphyren durchsetzen diesen Granit.
Auch zwischen Havlovic und Kostelec SO vom Žumberger Massiv bildet er einen
Ganegstock.
An andern Orten ist grobkorniger rother Granit selten ; er tritt in kleineren
Stócken auf zwischen Křižanovic und Vedralka, S bei Bamářov, S von Bezděkov,
úberall an den Gránzen zwischen Granit und Gneus, dann auch bei Rušínov (9)
im Gneus. Merkwůrdig ist ein rother grobkórniger Gneuseranit, der nur zwischen
Čekov und Krupín die Gránze zwischen rothem mittelkornigem Granit und grauem
Gneusgranit andeutet. Ohne Kenntniss der Lagerungsverháltnisse můsste man
dieses Gestein als einen groben rothen Gneus betrachten; indessen úbergeht es
in rothen mittelkórnigen Granit und bildet dem Granit áhnliche Blócke; mithin
ist es nur ein schiefrig ausgebildetes Contactgestein, das eine jingere Bildungs-
zejt des rothen Granites gegenůber dem grauen Granite anzudeuten scheint.
Als seltenere Granitvarietáten kommen Pegmatite vor, die aber nur in
verháltnissmássig wenie máchticen Gángen erscheinen; so die Pegmatitgánge im
Abfalle der Kaňková Hora gegen Třemošnic, die als Biotitpegmatite den Pegma-
titen der Kořečníkmůhle bei Ronov ganz áhnlich sind; dann die Amphibol-Biotit-
Pegmatite von etwas kleinerem Korne am Berge Krásný bei Chlum und in der
Dehetníker Schlucht, die an allen diesen Orten reichlich Titanitkrystállchen fůhren,
dí
und das an den beiden letzteenannten Orten auftretende Kalklager vielfach
© durchsetzen.
Es ist vielleicht noch erwáhnenswerth der kleinkórnige graue Granit an
der Gránze mit den Silurschiefern bei Ober-Babákov und bei Jasné Pole (Schón-
feld). Auch die Gánge von kleinkórnigem Gneusgranit im Elbeufer bei Vinařic
kónnte man hierher rechnen.
Auch Porphyre finden sich an den Gránzen des Granites mit den Silur-
schiefern; so Granitporphyr S von Babákov, der mit Dioriten und metamorphischen
Schiefern vergesellschaftet, auftritt.
Von bedeutender Ausdehnung ist der Štock von schiefrigem Felsttporphyr,
Felsit und Felsitschtefer. Er enthált theilweise Pyritkrystállchen eingewachsen und
ist desshalb an manchen Štellen durch Pyritzersetzungen bráunlich gefárbt. Seine
Hauptmasse ist zwischen das Silur und den rothen Granit, námlich zwischen
Lukavic und Rtein, eingezwánst. Die Bánke des Porphyres, dessen O Fortsetzung
unter Auadersandsteinen des Kreidesystems sich verbirgt, verfláchen wie die Granit-
bánke nach S oder SO. In der Svidnicer Thalschlucht fállt die Schieferung unter
909 nach 9" ein. In dem Porphyrstocke treten verschiedene Porphyrvarietáten
auf und auch rother Granit, da wo derselbe, wenn auch selten, mit dem Silur im
- directen Contact ist. Durch Verwitterung bleichen die Gesteine entweder aus
und sind dann von Tuffen nicht gut zu trennen, umsomehr als die bankfórmige
Absonderung oft schwer von Schichtung unterschieden werden kann; oder sie
fárben sich braun durch zersetzte Pyrite, welche sie ůúberall fein eingesprengt
fůhren ; manchmal sind sie spárlich roth gefleckt durch Haematitimpraegnationen,
wie bei Petřikovic. Aufgelóste Felsitschiefer, wie solche bei Pračov und Svidnic,
dann an zahlreichen andern Stellen in dera Porphyrstocke und auch als Scholle
bei Křižanovice vorkommen, sind mit aufgelósten Silurschiefern leicht zu ver-
wechseln. In solchen aufgelósten Felsitporphyrschiefern kommt jener reichliche
Pyrit vor, der in Lukavic bergmánnisch abgebaut wird, und ber den im Anhange
das Náhere mitgetheilt wird.
Auch der Diorit tritt in grossen Massen auf. Derselbe kommt nur selten
im Gneuse vor, wie bei Dolní Vestec und Štiková (O von Chotěboř) oder bei
Komárov (SW von Jasné Pole bei Hlinsko). Die Hauptablagerang der Dioritgánge
oder Gangstocke findet man an den Gránzen von Granit mit Gneus oder da, wo
* verschiedene Granitvarietáten mit einander in Contact treten. Seltener bildet er
wohl auch Gánge in einer und derselben Granitvarietát. Die hier angedeuteten
Gránzen von verschiedenen Gesteinen, námlich von Gneus und Granit, oder von
verschiedenen Graniten můssen demnach als Dislocationsspalten von bedeutender
Tiefe angesehen werden, aus denen die Eruptionen von Dioriten stattfanden. Es
wáren demnach die Diorite in vielen Fállen jiinger als die beiden Gránzgesteine,
obwohl dies nicht eine allgemeine Geltune hat, da die Bildung der verschiedenen
Eruptivgesteine nicht zu gleichen Zeiten stattfand, und sich wohl auch einigemale
wiederholte. Ein Dioritmassiv an der Gránze zwischen Gneus und rothem Granit,
u. zw. einige Ausláufer aussendend, ist zwischen Štiková, Huť, Odranec (O Cho-
těboř) eingelagert. Es ist móglich, dass dasselbe unter dem Terrain des Kreide-
98
systems von Sobinov-Ždírec gegen Nové Ransko sich fortsetzt. Rother Granit
durchsetzt den Dioritstock N von Odranec.
In der Richtung des Laufes der Ohebka von Seč bis Hradišť sieht man
zahlreiche Dioritgánge theils im rothen Granit, theils an den Gránzen von ver-
schiedenen Granitvarietáten. Der Diorit von Křižanovic wird bei der Gesteins-
beschreibung náher beschrieben. Die meisten Diorite sind hier ganz deutlich
mittelkórnig.
Ein bedeutender Gangstock von Diorit erstreckt sich von Nassaberg nach
Krupín, ein anderer úber Božov und den Hořičkahůgel unter dem Kreideterrain
der Podskaler Thalschlucht bis gegen Chacholic, wo der Diorit von rothem Granit
durchsetzt wird. Diese langen Gangstócke sind deutlich mittelkórnig, dguarz-
fůhrend, in Klůften mit Epidot úberzogen und an gewissen Stellen auch schiefrig,
so dass sie in Handstůcken mit Amphibolschiefer, der auch Epidotschnůre enthált,
verwechselt werden kónnen. Das Gestein von Hořička und Skála wird im zweiten
Theile speciell angefůhrt. Bemerkenswerth ist es, dass sich an den Gránzen mit
Granit Úbergánge des Diorites in Granit, u. z. durch Syenit oder Amphibolgranit
einstellen, wobei scharfe Gránzen nicht nachweisbar sind, da vielleicht durch
Erweichung der Granitmasse das Dioritmagma an der Gránze mit derselben sich
vermengt hat.
In der Gegend von Stan, Rváčov sind Diorite an den nicht gut entblóssten
Gesteinseránzen ebenfalls zu beobachten; ebenso auch S von Unter-Babakov, wo
die Diorite háufig schiefrig sind.
Im grauen Granite oder Gneusgranite sind die Diorite selten; so bei
Rohozná, Benátky, Srny, in Včelákov, an welchem letzteren Orte der Diorit viel
Pyrrhotin enthált.
Merkwůrdie sind die Dioritstocke N von Seč und in Zbislavec; an beiden
Orten werden dieselben von Syenit umfasst; am Zlatý Potok SO von Kraskov
enthált dieser Syenit Epidotfels und Granatfels mit Magnetitnestern.
An dem ersteren Orte wird das Vorkommen noch dadurch interessant,
dass der Diorit daselbst die Contacthůlle eines Corsitstockes bildet.
Feinkórnige bis aphanitische Diorite mit Epidot oder mit zahlreichen
Pyritkórnern, durchsetzen den schiefrigen Felsitporphyr zwischen Petřikov, Šiškovic,
Trpíšov, Vejsonín, bis Ó hinter Klein-Lukavic. Bei Trpíšov ist der Diorit als
Epidotdiorit, bei Vejsonín, O von Klein-Lukavic als Pyritdiorit entwickelt. Da die
zersetzten Diorite, welche auch stellenweise Neigung zur schiefrigen Textur zeigen,
von den faulen schiefrigen Felsitporphyren nicht immer leicht zu unterscheiden
sind, so ist die Ausscheidung beider Gesteine auf der Karte nicht ganz scharf
und genau.
Das merkwůrdigste Gestein des ganzen Gebietes ist der Corsit; derselbe
ist theils mittel-theils grobkórnig, und meist nur in kurzen Gangstócken, vor-
nehmlich an Gesteinsgránzen entwickelt. Merkwůrdig ist jener aus fůnf Stocken
bestehende Zug von Corsit, von denen der erste beim Jágerhaus ON von Kraskov,
der zweite von Diorit und Syenit begleitete, NW von Seč, der dritte und láneste
in der Richtung von Vršov-Pradlo, der vierte W von Možděnic, der fiinfte endlich
bei Kocourov auftritt. In der Richtung dieses Corsitzuges liegt die Ranskokuppe
n"
„39
mit dem Serpentin-Olivin- und Corsitgestein; es důrfte demnach ein genetischer
Zusammenhang zwischen diesem Corsitzuge und der Ranskokuppe bestehen. Der
lángste Corsitstock zwischen Vršov und Polom ist im sůdlichen Theile von rothem
Granit durchsetzt; er bildet die Gránze zwischen Granit und Gneus.
Andere Corsitstócke treten noch bei Petrkov und Šrny zwischen Gneus-
granit und Gneus, dann bei Jančour zwischen Gneus und rothem Granit, so wie
O von Trhová Kamenice zwischen grauem Granit und Gneusgranit auf; doch
konnte ein Theil dieser Stócke auch aus Diorit bestehen, da der Aufschluss hier
zu undeutlich ist. Das grobkórnigste Corsitgestein und gewiss auch das am meisten
typische ist das im Stocke von Částkov (S Žumberg) auftretende; es kommt daselbst
nahe an der Gránze zwischen mittelkórnigem rothem Granit und grobkůrnigcem
rothem Granit vor.
c) Das Laurentin ostlich von der Skuč-Hlinsko-Kreuzberger Silurinsel.
Dasselbe gehórt zum Theil schon dem bohmisch-máhrischen Gránzgebirge
an, das geologisch betrachtet mit seinen Vorbergen bis an die Linie Proseč-
Vojnoměstec reicht.
Die Schichtenmassen des Gneuses haben nicht mehr das anhaltend gleich-
mássice Verfláchen gegen NO, wie es im Eisengebirge der Fall ist, und schon
dadurch wird die Zugehorigckeit zu einem andern Gebirgssysteme angedeutet.
Nichts desto weniger muss auch dieses Gránzgneusgebiet hier in Betracht gezogen
werden, weil es die Unterlage der silurischen Schieferinsel bildet, die jedenfalls
noch dem System des Eisengebirges angehórt. Nur in dem nordlichen Theile, da
wo sich das Kreidesystem anschliesst, ist in der Umgebung von Proseč rother .
Granit entwickelt, der jedenfalls jůnger ist als der Gneus. Die Hauptmasse des
Terrains bildet aber Gneus. Die Gránzen gegen W, wo Gneus oder Granit die
Schieferinsel begránzen, gehen von der úberdeckenden Kreideformation, etwa von
Heralec úber Kutřín, Miřetic, Otrádov, Krouna, Dědová, Plaňan, Hlinsko, Vítanov,
Chlum bis Vojnoměstec, wo die Schieferinsel sich auskeilt. Das Verfláchen der
Gneusschichten ist in sofern ein wechselndes, als es in der Náhe dieser oben
angefůhrten Silurgránze ein meist westliches ist, im Gránzgebiete aber bei mannig-
fachen Abwechslungen, jedoch meist nach NO ceht.
Im Bereiche oder in der Náhe der Silureránze verfláchen die Gneusschichten
in Krouna unter der kat. Kirche ganz nahe an der Silurgránze nach 21'/;» mit
279, etwas čstlicher im Kalkbruch von Rychnov nach 17“/," mit 45", in Blatné
bei Hlinsko nicht weit von der Gránze im Mittel mit 20%,» nach 24" (19*/," bis
21%/,*), bei Vítanov nahe an der Gránze nach 23" mit 43%. Bei Kutřín (SO von
Richenburg) bildet der Gneus hier als Augengneus entwickelt eine Scholle in
rothem Granit und streicht nach 19"/,*: mit 509. Auf den beiden Kuppen des Berges
Hradiště S von Hlinsko ist der Gneus ©anz deutlich antiklinal gefaltet und er
verflácht als Gewólbe auf einer Seite nach 5“/," mit 189, auf der andern entgegen-
gesetzt nach 15" mit 229; an den andern Seiten aber in andern Richtungen.
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Endlich ist O von Vojnoměstec nahe an der Silurgránze das Verfláchen mit 17',":
mit 269. Das Verfláchen geht also durchwegs unter das Silur.
In der Klippe „Hápová skála“ SO von Rychnov an der Strasse, betrágt
das Verfláchen 349 nach 2" (im Mittel aus vier Beobachtungen), und doch ist
diese Klippe nur etwa 4 Km. von der Silurgránze im Liegenden entfernt.
In dem Gebiete der gróssten Erhóhung des Gránzgebirges an der bohm.-
máhr. Gránze ándert sich die Richtung des Verfláchens; u. zw. bei Svratka allen-
falls mit 409 nach 2",*, obwohl an andern Orten ein entgegengesetztes Einfallen
der Schichten nach 15" mit 30? beobachtet wird. Ebenso ist es auch bei Svra-
touch, wo ein Verfláchen mit 269 nach 24" bemerkt wird. Unter der Kirche von
Heralec verflácht der Gneus nach 17*/,* mit 40".
Es ist demnach der Gneus oder Gneusgranit im Gebiete des Saarer oder
bohmisch-máhrischen Gebirges vielfach gefaltet. Auf den hóchsten flachen Kuppen
O von Heralec und Čikhaj, oder bei Kuchyň und Krejcar ist der echte Gneus
aber flach, oder nur ganz wenig geneigt gelagert.
Die verbreitetste Gneusvarietát, welche in diesem Theile des bohmisch-
máhrischen Gránzgebirges vorkommt, ist die schuppige, lichtgraue, also der frůher
schon erwáhnte Gránzgneus (Gneusgranit). Dieser Gneus fůhrt die beiden Glimmer,
u. zw. entweder in rein ausgeschiedenen Schuppen oder in schuppigen Flasern,
jedoch immer bedeutend gegen den Orthoklas zurůcktretend; er bildet das ganze
Gebiet von Škrlovic (auch noch sůdlich davon), Čikhaj, Heralec, Milová und die
hochsten Kuppen desselben, so namentlich die Tisůvka, Žáková hora, die Berge
W von Heralec, dann die Gegend NO von Čachnov, O von Svratka. Stellenweise,
wenn die Lagerung eine flache ist, bildet der Gneusgranit áhnliche, aus Bánken
aufgebaute mauerfórmigce Klippen, wie der echte Granit. Besonders malerisch tritt
diese Felsbildung bei Křižánek an „der Švarcava (Svratka) und an den Felsen
„Devět skal“ (Perničky) in Máhren auf, indem daselbst aus bewaldeten Kuppen
maueráhnliche Klippen hervorragen. Kleinere solche maueráhnliche Klippen finden
sich auch O von Svratka an der Žáková hora und úberhaupt in diesem Gránz-
gebiete. —
Ein ganz eigenthůmlicher Gneus ist der grobflasrig gestreckte Gneus, der
in der Umgebung von Chlumětín, Čachnov, Karlstein, Svratka und Svratouch auf-
tritt. Derselbe enthált breite, langgezogene flasrige Fláchen, die aus Schůppchen
von Muscovit und DBiotit und aus vorwiegenden kleinkórnie aggrecirten lang
verzogenen Orthoklasparthien mit dattelkornáhnlichen rauchgrauen Auarzkórnern
bestehen. In diesem grobflasrig gestreckten Gestein sind stellenweise bis daumen-
grosse Orthoklaskrystalle ausgeschieden. Es stellt demnach den Typus eines grob-
flasrigen und stellenweise porphyrischen Gneuses vor. Der Bruch des lichten
Gesteines zeigt nur unvollkommene schiefrige Textur; auch die Schichtung ist
eine grobe. Dieser Gneus wird bei Svratouch von Nestern oder Adern eines durch-
sichtigen Rauchguarzes durchsetzt und enthált auch dort porphyrartig ausgeschie-
dene Orthoklase; er úbergeht dann durch Wechsellagerune aber auch allmáhlig
in kurzflasrigen Gránzgneus.
In der Umgegend von Set. Katharina und O von Rychnov kommt ein
fleischrother, flasriger, gestreckter Gneus vor, dessen Flasern aus beiden Glimmern
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bestehen. Am deutlichsten zeigt ihn die isolirte Klippe „Hápová skála“ ge-
nannt an der Strasse von Krouna nach St. Katharina SO von Rychnov. Dieser
rothe Biotit-Muscoviteneus ist von demjenigen, der in den Ohebkaschluchten
zwischen Oheb und Bradlo vorkómmt, nicht zu unterscheiden; auch er zeigt zur
Schieferung parallel laufende Orthoklasstreifen.
In der Richtung Heralec, Kuchyň, Hamry (S von Hlinsko) kommt glimmer-
reicher Biotiteneus vor; zwischen Kuchyň und Krejcar erscheint er beinahe hori-
zontal gelagert. Bei Rychnov aber kommt kleinkórniger Augengneus zum Vor-
schein; námlich ein schuppig flasriger Biotitgneus mit ausgeschiedenen nicht
grossen Orthoklaskrystallen. Die Menge des Biotites ist eine veránderliche. In
diesem Gneuse treten mehrere linsenfórmige Kalklager auf, die durch weissen
pegmatitartigen Granit in nicht máchtigen Gángen vielfach verworfen werden.
Im Bereiche der Siluroránze, also auf der Linie Česká Rybná, Krouna,
Hlinsko, Vojnoměstec findet sich vorwiegend Biotitgneus, meist mit fasriger Structur,
aber doch in verschiedenen Varietáten. Nahe an der Silurgránze, allenfalls unter
der kat. Kirche von Krouna, kommt ein Biotitgneus vor mit ziemlichem Glimmer-
halte und mit sparsamener Augen von Orthoklas; er wechsellagert mit uneben
schiefrigem eglimmerreichem Gneus, der einzelne Muscovitschuppen fihrt. Am
sidlichen Ende von Krouna, also weiter von der Silurgránze ist der Gneus dem-
- jenigen von Rychnov áhnlich, demnach ein Augengneus, und es sind in demselben
glimmerschieferartige Gneuse mit Biotit, Muscovit (Fuchsit) und mit etwas Tur-
malin, in einzelnen Schichten eingelagert.
Bei Blatné und Hlinsko sind die oft wellie gebogenen schiefrig-flasrigen
Gneuse nur biotithaltie. Seltener erscheinen auch glimmerarme Muscovitgneuse,
so bei dem Jágerhause von Pláňov (ON Hlinsko), die in Biotitgneuse úbergehen.
In diesem Gneusgebiete tritt eine bedeutendere Masse von rothem Granit
auf; dieselbe wird zwischen Kutřín, Peralec und Proseč von Schichten der Kreide-
formation bedeckt, zwischen Kutřín und Miřetín schliesst sie sich aber unmittelbar
an die Silurinsel an und setzt sich von Česká Rybná úber Končevina weiter gegen
Borová (SO St. Katharina) fort. Im Norden gránzt der rothe Granit an die Auader-
sandsteine des unteren Cenomans, unter welchen er sich weiter erstreckt, worauf
die nur einige Schritte breite Entblóssung in der Thalsohle S von Vranic (S Nové
Hrady, Neuschloss) und die ebenfalls aus diesem Granit bestehende Schlucht S von
Jarošov hindeuten. Im Westen gránzt der in einer langen breiten Zunge bis gegen
Borová (zwischen St. Katharina und Polnička) reichende rothe Granit bei Konče-
vina an rothen flasrigen Gneus, O von St. Katharina an Gneusgranit, im Osten
aber an den grauen Granit. Der Gneusgranit von Katharina, welcher an der
Skalka (A 694"-) besser entblósst ist, kónnte zu Irrungen Anlass geben und mit
Gneus verwechselt werden kónnen. Es ist dies aber ein biotitreicher mehr als
deutlich mittelkórniger Granit, welcher als Gránzgebilde unvollkommen schiefrig
entwickelt ist. Ebenso ist der graue Granit óstlich von der Zunge des rothen
Granites, dessen Masse bei der Glashiitte Marienwaid und Stein-Sedlíšť, Budislav
im Norden, dann bei Pořič, O Lubna im Osten unter untercenomanen Guadern
; verschwindet, ebenfalls, aber ganz unbedeutend schiefrig. Die Biotitschuppen,
welche das untergeordnete Gemenge mit weissem Orthoklas und lichtem Auarz
42
bilden, sind námlich nur ganz wenig parallel gelagert. Nur an einem Orte ent-
hált der Granit etwas Amphibol neben Biotit. Auf diesem grauen Granit kommen
in Vertiefungen Torflager, in demselben aber auch Gánge von rothem Granit vor.
Dieses Granitvorkommen im S des Gradkartenblattes Zone 6 Colonne XIV steht
mit dem eigentlichen Eisengebirge schon beinahe in keinem Zusammenhange. Hier
bei Borová, was jedoch schon ausserhalb der Karte liegt, ist der rothe mittel= bis
kleinkórnige Granit stellenweise einem glimmerarmen Muscovit und Biotit fiihrenden
Gneusgranit áhnlich.
Von Miřetín an zeigt sich von dem Prosečer Granitmassiv eine kaum
"/„ Kilom. breite mehr als 1'/, Myr. lange Abzweigung, welche sich zwischen dem
Silur und dem Gneus als ein enger Gránzstreifen von Miřetín úber Krouna,
Hlinsko bis gegen Vítanov verfolgen lásst. Erst von Vítanov bis Vojnoměstec
kommt Gneus unmittelbar mit dem Silur, jedoch in discordanter Lagerung, in
Berůhrung.
Der rothe Granit in diesem Štreifen ist an den Gránzen mit dem Silur-
schiefer oder dem Gneus stellenweise als Aplit-Granit entwickelt, welche Granit-
varietát úberhaupt háufig an den Gránzen sich aus dem gewohnlichen Granite
herausbildet. Ebenso ist auch grauer Granit zwischen Dědová und Krouna und
bei Plaňan als Stellvertreter des rothen Granites entwickelt. Die Gránze des
Gneuses mit dem ŠSilur erscheint demnach als eine tiefe Bruchspalte, aus der
Granit als ein langer eingeschobener Gangstock hervortrat, indem er die beiden
geschichteten Gesteine von einander trennte.
Zwischen Hlinsko und Vítanov zersplittert sich die Granitmasse in ein-
zelne Gangziige und in der unmittelbaren Gránze mit den Silurschiefern geht sie
in einen schiefrigen Felsitporphyr ber. Das Vorkommen von diesem Porphyr
unmittelbar an der Silurgránze wáre demnach ein neuer Beleg fůr die Umwandlung
eines deutlich krystallinischen Eruptiv-Gesteines in ein weniger deutlich krystalli-
nisches Gestein an den Gránzen mit álteren Schiefergesteinen. Es kann aber hier
das Gestein auch mit gewissen Gneusen verwechselt werden, da es wenig Muscovit
(Pyrophyllit?) enthált und Streckung zeigt.
Ahnliche GOuarz- und Felsitporphyre findet man auch an der Gránze
zwischen Silur und Gneus NO von Vojnoměstec, O von Kreuzberg.
An den Contactstellen zwischen Hlinsko und Vítanov sind Amphibol-
schlefer von kleinkórniger Textur ebenso háufig zu finden wie die gneusáhnlichen
Porphyre.
Amphibolschiefer kommt im Gebiete dieses bohmisch-máhrischen Gránz-
gneuses selten vor; denn nur zwischen Krouna und Svratouch ist er nach den
herumiiegenden Brocken nachweisbar.
In dem Gránzzuge des Granites trifft man auch Diorite, so besonders
zwischen Plaňan und Hlinsko an; maánche derselben sind recht grobkórnig. Ebenso
ist in eben derselben Gránze ein kleiner Stock eines dem Corsit <anz áhnlichen
Gesteines (SW von Kladné) eingelacert.
43
d) Das Silur von Elbe-Teinic bis zum Hauptbruch.
(Zbislavec-Chotěnic.)
Auf den laurentinischen Phyllit-Glimmerschiefern und den gewoóhnlichen
Glimmerschiefern des Steilabhanges zwischen Elbe-Teinic und der Burgruine
Lichnice ruhen, so weit eben an den wenigen besser entblóssten Stellen zu
sehen ist, die Silurschichten in concordanter Lagerung. Das tiefste Silur im
inneren Bóhmen bildet die cambrische Štufe, so auch hier. ") In dem Gebiete,
von welchem dieser Abschnitt handelt, sind nur cambrische Gesteine vorhanden.
Sie sind 9anz analog den Gesteinen der Etagen A und B im Hauptsilurbecken
Bohmens, ja sie hángen wahrscheinlich mit denselben zusammen, und zwar in
der Elbeniederung unter den Schichten der Perm- und Kreideformation, in der
etwa 40 Kilom. betragenden Strecke zwischen Elbe-Teinic, Kolin, Kaunic. Unent-
© schieden ist das Vorkommen der Etage C, die Barrande hinsichtlich der Fauna
als die silurische Primordialzone bezeichnet, wáhrend áltere englische Geologen
sie zum oberen Cambrien záhlen.
Die Etage A.
: Dieselbe besteht wie im centralbohmischen Becken aus schwarzen (graphi-
tischen) Phylliten von ziemlich ebenschiefriger Textur; stellenweise sind dieselben
mit Pyrit imprágnirt, besonders im Liegenden, so an der Elbe bei Vinařic an der
Eisenbahn:; fig. 3. pag. 30. (Telegraphenstange 225 oder Bahnkilometer 335'0),
dann zwischen Vápenice und Semtěš, sowie auch in der Schlucht von Licoměřic
im Liegenden des Kalklagers. An den ersteren zwei Orten zeigen sich citronengelb
angeflogene Klůfte, was offenbar von Pyritzersetzungen herrůhrt. Der Zug der
Schichtenzone A erweitert sich bis bei Chvaletic úber 1 Kilom. und verengt sich
dann wieder bis auf 200" bei Bumbalka. Das Liegende desselben ist entweder
laurentinischer Glimmerschiefer, oder Granit, wo derselbe eingeschaltet ist, unmittel-
bar an der Gránze theilweise auch Auarzporphyr.
In den vorherrschenden schwarzen Phylliten kommen untergeordnet lenti-
Culare Schichten von schwarzem Lydit vor, so namentlich zwischen Chvaletic und
Zdechovic, bei Litošic, NW von Bumbalka, endlich an der Skála (Divadlo) SO
von Licoměřic, da wo die Etage A an den Licoměřic- (Zbislavec-)Chotěnicer Ver-
schiebungsbruch anlangt. Hier hat der bráunliche oder nur graue Lydit ein steiles
Einfallen nach 4" und ist von einem zahlreichen Ouarzgeáder ganz durchsetzt, so
wie mit Linearparallelismus zugleich gestreckt. Aber auch lenticulare, wenig
máchtige Schichten (oder Lager) von weissem Ouarz zeigen sich in dem Phyllite;
dieselben sind meist nur nach losen Blócken erkennbar, so SW von Litošic, N
von Bumbalka; doch trifft man sie auch als echte lenticulare Lager im Schiefer
eingelagert, so O von Licoměřic.
Ein drittes Gestein, das noch mehr untergeordnet auftritt, ist krystallční-
- scher Kalk. Derselbe bildet kurze aber máchtige Schichtencomplexe in Gestalt von
Linsen; so bei Vápenka (NO von Semtěš) und zwar hier in so stark mit Pyrit
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impraegnirten Schichten, dass sie auch als Alaunschiefer gelten kónnen. Dieselben
enthalten Limonitnester und Rinden, so wie auch Schichten eines weissen oder
orauen krystallinischen Kalksteines, der gleichfalls etwas Pyrit in Kórnchenform
einschliesst. Das Kalklager selbst, von 5—6 Metern Máchtigkeit, ist vielfach
verworfen. In demselben ist ein alter nun aufgelassener Steinbruch eróffnet, aber
von Steingeschůtt ganz bedeckt *), so dass die Lagerungsverháltnisse des Gesteines
nur undeutlich wahrgenommen werden kónne. Mehrere hundert Schritt davon
NNO von der Barackengruppe (Husí Hovno) liegen Kalkbrocken am Waldsaume
zerstreut, und es důrfte auch hier also ein Kalklager angedeutet sein.
Ein máchtigeres, doch ebenso kurzes Lager ist in der Licoměřicer Wald-
schlucht (v dolech) durch einen verlassenen, nun mit Wasser angefůllten Stein-
bruch aufgeschlossen. Er verflácht sich gleichfalls gegen NO, obwohl wegen der
Zerklůftung des Gesteines die Lagerung nicht ganz deutlich zu erkennen ist.
Zwischen dem gewiss mehr als 10" máchtigen Kalklager und dem Liegenden ist
der Phyllit mit Pyrit impraegnirt und enthált so wie der liegende Glimmerschiefer
Ouarzausscheidungen; das Verfláchen der Schichten ist hier 2%/,» mit 459; an
anderen Stellen daselbst aber ist der Phyllit so stark transversal geschiefert, dass
dessen wahre Schichtung, die nach 1*/," mit 749 verflácht, nur nach den lichteren
Streifen in demselben kenntlich ist, wáhrend das Verfláchen der Schieferung měist
nach 6" mit 409 gerichtet ist. Diese Erscheinung der trausversalen Schieferung
důrfte hier schon durch die Náhe des Verschiebungsbruches bedingt sein.
Bemerkenswerth ist das Vorkommen von Diorit und Gabbrogángen in
der Schichtenzone der Phyllite W von Chvaletic und Telčic. SW von Telčic aber
tritt zwischen den Phylliten der Etage A und dem Granit ein Stock von Diorit-
aphanit auf, an welchen sich in dem Gehánge gegen Telčic ein ganz eigenthůmliches
Gebilde anschliesst. Es ist dies námlich eine Contactbreccie, deren Bruchstůcke bis
zur Fausterósse aus Glimmerschiefer, Auarz, Dioritaphanit bestehen, wáhrend das
Bindemittel ein grauer Felsit ist. Man kónnte bei der rundlichen Form der Bruch-
stůcke, die erst an der angewitterten. Oberfláche gut zum Vorschein kommen, diese
Contactbreccie fůr ein Conglomerat halten, indessen ist bei náherer Betrachtung
eine Verwechslung nicht moglich. Gewisse Brocken der Breccie mógen auch durch
Dioritaphanit verkittet sein.
Bei Chvaletic (W) durchsetzt ein Limonitgang (Gangbreccie) die Schiefer;
derselbe enthált hier auch Psilomelan.
Wiewohl NW von Elbe-Teinic auf der Karte nur laurentinische Glimmer-
schiefer verzeichnet sind, so kómmt doch S von Bělušic (etwas ůúber 1 Kilom.)
Lydit und graphitischer Phyllit der Etage A in Bruchstůcken vor, also im Liegenden
des Glimmerschiefers; es diirfte dies eine Dislocation, die aber von Schichten der
Kreideformation verdeckt ist, andeuten. Der Fund von graphitischem Phyllit und
Lydit hier, sowie eines dem Glimmerschieferphyllit áhnlichen Gesteines unterhalb
Elbe-Teinic am rechten Elbeufer, weist úbrigens mit Sicherheit darauf hin, dass
die Silur- (cambrische) Zone mit dem Glimmerschiefer bis an das rechte Elbeufer
reicht. Am linken Elbeufer liegen die Phyllite der Etage A gleichfalls unter
Glimmerschiefern, und sind also auch hier bedeutend dislocirt. Erst von Kojic an
geht der Zug der cambrischen Phyllite regelmássig weiter. NW von Zdechovic
45
- kommen dann Phyllite, die einigermassen an Glimmerschieferphyllit erinnern, zum
Vorschein, und es ist allerdings nicht sicher, ob sie der Etage A oder B zu-
zuzáhlen selen.
Auch N von Zbislavec ist das Ende der Schiefer-Etace A an dem Ver-
schiebunesbruch schwierig zu bestimmen, weil daselbst die zerbrockelten Schiefer
dieser Etage von denen der Schichtenzone Dd;, die hier an dieselben anstosst,
schwer auseinander zu halten sind.
Die Etage B und C.
Dieselbe besteht aus Grauwacken und guarzigen Grauwackenconglome-
raten, dann aus Grauwackenschiefern, die stellenweise zu phyllitáhnlichen Gesteinen
umgewandelt sind. Zu diesen Gesteinen treten noch Chloritdioritaphanite, grobe
Aphanitconglomerate, tufáhnliche Grauwacken und Grauwackenschiefer hinzu. Der
Wechsel der grauwackenartigen Gesteine ist ein so manniefaltiger, dass bestimmte
typische Formen derselben nicht leicht ausgewáhlt werden kónnen.
Es ist auch schwierig, beide Etagen B und C auseinander zu halten, da
sie nur nach dem Gesteinshabitus unterschieden werden kónnen. Die Lagerunes-
verháltnisse, die sonst in solchen Fallen die Entscheidung ermóglichen, sind hier
aus dreierlei Ursachen nicht hinreichend deutlich zu erkennen; u. zw. erstlich
- wegen dem Chloritdioritaphanit, der zur Zeit der Bildung einer dieser Etagen
- B oder C, also am Meeresgrunde hervordrang und die deutliche Aufeinanderfolge
der Schichten verwischte; dann zweitens, weil die Dislocationen im Eisengebirge
sehr bedeutend sind, und bei saigeren oder steilstehenden Schichten es schwierig
wird die álteren von den jingeren Schichten zu unterscheiden, wenn dieselben
nicht durch besondere schon im Voraus bekannte Merkmale characterisirt werden;
endlich aber auch darum, weil die Entblóssung der Lagerungsverháltnisse so háufig
zu mangelhaft ist, als dass sie gestattete, mit volligcer Klarheit die geologischen
Verháltnisse zu entráthseln.
Die Gesteine der Etage B und C scheinen eine sehr steil geschichtete
Mulde zwischen der Etage A und der horizontalen Schichtenlagerung der Kreide-
formation im Přeloučer Flachlande zu bilden; die Schichten, welche sich an die
Etage A anschliessen, verfláchen námlich nach NO; in der Richtung Spitovic,
Jankovic, Seník, Pelechov, Lipoltic, Ledeč, Stojic stehen sie aber saiger oder
fallen steil, bald nach NO bald nach SW ein, und zwischen Spitovic, Kozašic,
Brhloh, Tupes, Chrtník, Raškovic, Chotěnic fallen sie wieder allermeist nach NO
ein, nur stellenweise wie bei Tupes steil nach SO oder stehen saiger, wie bel
Lipoltic. — |
Es ist demnach sehr schwer die genauere Altersfolge dieser Schichten
anzugeben, und nur die Ahniichkeit des petrographischen Charakters gewisser
Schichten mit den Gesteinen der Etage B bei Příbram oder mit denen der Etage
C bei Jinec und Skrej, lásst darauf schliessen, dass auch die hiesigen Gesteine
den oberwáhnten Etagen angehóren kónnten; es wird ůúbrigens diese Wahr-
scheinlichkeit noch dadurch bekráftigt, dass im čstlichen Theile des Eisengebirges
die Etage Dd, im Hangenden der cambrischen Zone mit ziemlich bestimmter
Sicherheit nachgewiesen werden kann.
46
Zwischen Krakovan am rechten Elbeufer bis Chvaletic am linken Ufer
zeigt sich keine Spur von Gesteinen dieser beiden Etagen, da dieselben hier unter
dem Elbealluvium und unter den Schichten der Kreideformation verborgen liegen.
Erst zwischen Chvaletic und Zdechovic zeigt sich, so viel die stellenweise ab-
ceschwemmten Schichten des Kreidesystems zu sehen erlauben, úber den schwarzen
phyllitáhnlichen Thonschiefern der Etage A dunkelgriner Chloritdioritaphanit an-
stehend. Derselbe lásst sich dann úiber Zdechovic, Morašic, Krasnic, Litošic,
Lhotka, Sobolusk, Urbanic, Turkovic, Nový dvůr, Bukovina, Březinka, Holotín,
Hošťalovic bis gegen Šloukovic und von Licomělic bis úber Vlastějov verfolgen.
Dieser Chloritdioritaphanit hat die Gestalt eines sehr máchtigen Stockes,
der auch echt sedimentáre Einlagerungen umschliesst; er zeigt eine gewisse, obwohl
ganz undeutliche Schieferung oder Plattung, die aber doch so entwickelt ist, dass
man erkennt, wie er hauptsáchlich gegen NO verflácht, oder auch steil einfállt.
Bei Licomělic ONO, wo dies Verháltniss deutlicher ist, verfáchen die Bánke nach
2) mit 75, an einem andern Orte W von Licomělic stehen sie saiger an und
streichen nach 8*/,) Ebenso ist das NO Verfláchen auch bei Zdechovic úberall
gut erkennbar.
Trotz der Benennung des Gesteines als Aphanit ist seine Textur eigentlich
eine porphyrartige, da mehr als millimeterlange Krystállchen von Plagioklas in
dem Gesteine ausgeschieden sind, wodurch die Textur demnach eine nicht aphani-
tische, sondern eine andesitáhnliche ist. |
Stellenweise sind Epidotkórner oder Epidotamygdaloide, dann Chlorit,
Ouarz und Calcitamygdaloide oder Nester ausgeschieden, wodurch das Gestein
sich von dem gewohnlichen Aphanit unterscheidet und als Epidot-Chlorit-Diorit-
Aphanit auf der geologischen Karte ausgeschieden ist.
Indessen darf hier nicht ausser Acht gelassen werden, dass in platte
Scherben zerfallende Aphanite, die auch gestreckte grobe Brocken geben, gewissen
Aphanittuffen oder tuffigen Grauwackenschiefern hnlich sehen, namentlich wenn
diese Gesteine nicht ganz gut entblósst oder schon etwas angegriffen sind. Die
Gránzbestimmungen zwischen diesen Gesteinen ist desshalb an weniger entblóssten
Stellen, wie insbesonders in der Umgebung von Hošťalovic und Licomělic nur
beiláufig richtig.
Der Aphanit mit seinen Varietáten, deren náhere Beschreibung spáter
folgen wird, ruht bei Zdechovic, dann bei Morašic und zwischen Sobolusk bis
Březinka unmittelbar auf den Phylliten der Etage A, u. zw. hochstwahrscheinlich
in concordanter Auflagerung, obwohl dies durch keine unmittelbare Anschauung
nachgewiesen werden kann. Zwischen Zdechovic und Morašic und von da bis
Sobolusk aber bildet tuffige Grauwacke das Hangende der Phyllite der Etage A.
Als tuffige Grauwacke sind auf der Karte verschiedenartige undeutlich bis deutlich
schiefrige oder kórnige Gesteine ausgeschieden, deren Farben dunkelgrůne oder
grůnliche sind, und die ausser wenig Auarz, Feldspath und dergl. auch Brocken
oder verhárteten Schlamm von Aphanit enthalten, voň dem eben die grůne Fárbung
des Gesteines herrůhrt. Štatt Feldspath fůhren die Grauwacken auch nur Kaolin
in der Form von Orthoklasbrocken. Diese Grauwacken sind stellenweise auch als
Conglomerate entwickelt, so zwischen Stojic und Rašovic, wo sie weisse bis nuss-
)
|
|
4
ř grosse Auarzgerólle enthalten, stellenweise aber auch als schiefrig sandsteinartige
hie und da von Auarzadern durchtrůmmerte, oder als grůnliche kleinkornige oder
als schiefrige Grauwacken. Bei Turkovic ist die Grauwacke wieder lichtgrau,
aus Auarzgerollen, Schieferbrocken, aufgelósten weissen oder noch fárbigen Aphanit-
tgeschieben bestehend und hat trotz des groben Kornes eine ziemlich deutliche
schiefrige Structur. An anderen Orten aber wird der Gehalt an Aphanitbrocken
oder eruptivem Schlamm so bedeutend, dass sich aus denselben ein Úbergang in
Diorit(aphanit)tuff entwickelt; wie man dies bei Litošic, Sobolusk, Sloukovic
u. a. a. O. beobachten kann. Das Verfláchen der Schichten ist daselbst unter 459
nach 4%; gerichtet.
Die Gránzen sind demnach nur gegen den Aphanit zu etwas schárfer,
gegen die anderen sedimentáren Gesteine aber sind sie weniger deutlich.
Die unter einer Farbe auf der Karte als grůnliche tuffige Grauwacken
ausgeschiedenen Gesteinen haben aber an verschiedenen Stellen ein verschiedenes
Alter; jedenfalls sind dieselben jůnger als der Aphanit oder mindestens gleich-
zeitige Bildungen mit demselben. Sie kommen sowohl im Liegenden des Aphanites
als auch in dessen Hangendem und im Aphanite selbst vor. Oft sind dieselben so
beschaffen, dass sie den Úbergang in die grosskórnigen Diorittuffconglomerate
vermitteln.
Das grosskórnige Diorittuffconglomerat besteht aus einer grůnen tuffigen,
„verschieden fein- bis mittelkórnigen, etwas wenig schiefrigen Grundmasse mit sehr
grossen, meist fausterossen Geróllen von Aphanitvarietáten und auch von guarzigen
Grauwacken sowie von Lydit. Die Schichtung ist eine grobe, und nach der Lage
der Gerólle immer wahrnehmbar; das Verfláchen geht meist gegen NO und ist
recht steil. Dieses sehr charakteristische Gestein bildet theils einzelne Bánke ohne
scharfe Gránzen in der tuffigen Grauwacke, háufiger aber Schichtenbánke unter
dem Chloritdioritaphanit oder úber demselben, oder in diesem Aphanite selbst.
Hierdurch wird offenbar die theilweise eleichzeitige Entstehung dieser Conglomerate
mit dem Aphanit angedeutet, und zugleich die Annahme wahrscheinlich gemacht,
dass alle diese Gesteine eigentlich nur einer Bildungsperiode angehóren.
Eine máchtige Lagerstockmasse des Conglomerates ist von Krasnic ber
Litošic bis gegen Rašovic unter den Aphanit und auch in demselben abgelagert;
bei Lhotka liegt sie aber im Hangenden des Aphanitlagerstockes. Endlich tritt
eine solche Masse auch N von Kostelec als Insel in den Schichten der Kreide-
formation auf, und zwar mit Schichten, die sich nach 13* mit 33“ auch nach 11*/,
mit 639 verfiáchen. Die náheren Verbandverháltnisse sind hier nicht wahrnehmbar.
In dem Conglomerate von důster grauen oder grůnen Farben ist das Bindemittel
der Gerólle trotz seiner sedimentáren Entstehung und Zusammenschwemmung von
Schlamm oder von zerbrockeltem Aphanit so eigenthůmlich, dass es unter dem
Mikroscope von wirklich eruptiven Gesteinen kaum zu unterscheiden ist. Hier
entscheiden alles die Lagerungsverháltnisse. Auch feinkórnige bis kórnige Tuffe,
die mit plattigem Aphanit oder mit gewissen dunkel grůnen Grauwackenschiefern
um so leichter verwechselt werden kónnen, je mehr angewittert sie sind, kommen
mit den Aphaniten bei Hošťalovic vor.
48
Das Altersverháltniss dieser Aphanite, Tuffe, Tuffconglomerate und tuffigen
Grauwacken zu den guarzigen grůnlichen oder grauen Grauwacken und Grau-
wackenschiefern, konnte hier nicht náher bestimmt werden.
Sehr charakteristisch ist die lichtgelblichgraue oder blass róthlichoraue
guarzige Grauwacke, welche theils als guarziges Grauwackenconglomerat, theils
als grobkórnige bis mittelkórnige guarzige Grauwacke zu Tage tritt und auffallend
an die áhnlichen Grauwacken der Barrande'schen Etage B bei Přibram erinnert,
wesshalb. sie hier auch mit dem dieser Ahnlichkeit entsprechenden Wahrschein-
lichkeitserund als analog dem mittelbohmischen B Conglomerate und der Grauwacke
angefůhrt wird, trotzdem die Lagerungsverháltnisse derselben gegen die Schiefer-
étage A hier nirgends deutlich aufeeschlossen sind.
Unter sehr dislocirten und trotz aufmerksam vorgenommener Mappirung
nicht náher deutbaren Verháltnissen, treten guarzige Grauwacken und Grauwacken-
conelomerate an der Černá Skála, N von Hoštalovic, dann zwischen Březinka und
Sloukovic und Vlastějov, in dem Aphanite oder nahe an demselben auf. Die
Černá Skála besteht aus einer lichterauen bis lichtbraunen mittelkórniger-guar-
zigen, festen Grauwacke (ohne Lyditgeroólle), die von den Příbramer Grauwacken
B kaum zu unterscheiden ist. Die Schichtenbildung dieser Felsenkuppe ist £anz
deutlich, da zwischen den aus weissen OAuarzgeróllen bestehenden Schichten
fimgerdicke, guarzige, feinkórnige, undeutlich schiefrige Grauwackenlagen in-
geschaltet sind. Hiebei sind aber die '/;—'/;"“ máchtigen Schichten verworren
wellig gebogen und vielfach von 19" máchtigen milchweissen Auarzgángen sowie
von Gangtrůmmern durchsetzt. Auf einem kleinem Raume wechselt das Verfláchen
nach 24711. 08 T O MLC RO)
Fig. 4. unter verschiedenen Winkeln. Fig. 4. zeigt die
Černá Skáia, 1:1000, Imm — 1m. W Seitenansicht des hochsten Theiles der Černá
So 9 Skála. Da der Felserat aus Aphaniten hervorragt,
M NZ 7 5 so liegt die Vermuthung nahe, dass die hier
S // TÁ = beobachteten Dislocationen durch das Eruptiv-
dk gestein hervorgebracht wurden und dass dem-
nach die Grauwacke (der Etage B) lter sei als der Aphanit, und entweder in der
Tiefe mit den andern guarzigen Grauwacken zusammenhánge oder als Scholle in
der Decke des Aphanites stecke.
Die andern guarzigen Grauwacken und Conglomerate von Březinka bis
Vlastějov sind theils nur nach grossen Blócken, die zerstreut herumliegen, bestimm-
bar, theils sieht man sie auch in einzelnen Steinbrůchen anstehen, doch mit schwer
wahrnehmbarer Schichtung; nur bei Hoštalovic bemerkt man ein deutliches Ver-
fláchen nach N,
Ein klares Bild der Lagerungsverháltnisse kann man also aus den ge-
machten Beobachtungen nicht zusammenstellen, wohl hauptsáchlich desswegen,
weil hier bei Vlastějov und in der Umgegend der Einfluss des grossen Schichten-
bruches noch ein zu bedeutender ist, als dass er eine gróssere Parthie von un-
gestórtem Felsenbau zur Beobachtung úbrig gelassen hátte. Ganz anders ist es
zwischen Spitovic, Jankovic, Tupes, Lipoltice, Chrtník, Raškovic und Chotěnic, wo
guarzige Grauwackenconglomerate von bedeutender Festigkeit einen zwar niedrigen
|
|
49
aber im Terrain scharf markirten Felsengrat bilden. Das Gestein dieses Grates
besteht hauptsáchlich aus bis nussgrossen reinen halbdurchsichtigen Auarzgeróllen,
so wie aus spárlicheren, schwarzen Lyditgeróllen, die durch ein guarziges Cement
verbunden werden. Dieser Cement ist stellenweise rosenroth gefárbt, stellenweise
kommen auch róthlich angeflogene Klifte oder Schichtfláchen vor; die Schichtung
des Gesteines ist, wenn auch undeutlich, doch wahrnehmbar. Die NO Fláche
der Schichten fállt unter die Schichten der Kreideformation, so dass deren Máchtig-
keit nicht bestimmt werden kann. Diese guarzigen Grauwacken des Grates lassen
sich auf die Lánge von 17 bis 18 Kilom. verfolgen; ihre horizontale Breite betrágt
im Mittel nur /2—'/; Kilom., weil der gróssere Theil derselben unter der Kreide-
formation liegt. Zur Zeit des Kreidemeeres ragten dieselben, als ein mauerartiges
Riff, oder als eine Klippenreihe ber das Niveau des Meeres. Es hat beinahe
den Anschein, als ob diese Grauwacken in dem steilen aber niedrigen Higelzuge
Spitovic-Chotěnic nur den etwas steiler geneigten Rand eines Schichtenzuges dar-
stellten, der sich unter der Fláche der Kreideformation, aus dem er bei Spitovic
kuppenartig hervorragt, sanfter wellenfórmig ausbreitet. Das Verfláchen an der
letzt erwáhnten Kuppe geht nach 2%/,—4" mit 50%. Einzelne isolirte Klippen
treten auch weiter in der Ebene des Kreidesystems auf, so die Čertová skála
(NW von Spitovic), dann bei Svinčan, und sind selbst bis 1', Kilom. von dem
zusammenhángenden Grauwackenzuge gegen NO entfernt, was offenbar auf die
weitere Verbreitung der Grauwacken unter der Kreideformation hinweist.
Das Verfláchen der Grauwacken ist ein vorherrschend nordostliches:
zwischen Kozašic und Zdechovic fallen die Schichten nach 2'/," mit 509 bis 4"
mit 379 ein; eine hier háufiger roth gefárbte Zerkliftung verflácht nach 19" mit
469; bei Tupes aber steil nach SW; in der Lipoltická skála gleich daneben, da
wo feinkórnige Auarzite eingelagert sind, theils mit 86“ nach 13*/,*, theils nach
22/,„h. mit 769; stellenweise stehen die in den Schichtungsfugen stark roth gefárbten
Schichten auch ganz saiger. Zwischen Lipoltic und Chrtník im Harvaník-Růcken
ist das Verfláchen NO mit 609; auch in der Chrtníker Schlucht ist trotz der
Dislocation das Verfláchen ein NO, W von Svinčan nach 3'/;" mit 489. Bei Horní
Raškovice, wo die in Klippen anstehenden Grauwacken durch bedeutende Stein-
brůche aufgeschlossen sind, geht das Einfallen nach 2"/* mit 53%“ (Mittel aus
4 Beobachtungen 1'/;b—3,) , 409—062"). Auch die kleine Grauwackenscholle,
welche im Heřmanměstecer Parke aus den Korycaner (obercenomanen) Schichten
der Kreideformation zum Vorschein kommt, scheint nach NO zu verfláchen. Ebenso
ist bei Nové Dvory (O von Heřmanměstec) das Verfláchen im Mittel nach 3'/,*—4'
mit 509—56“; in dieser Richtung liegen auch die platten Fláchen der Gerólle. Nur
in Chocenic, wo Auarzgánge die Grauwacke vielfach durchsetzen, auch die durch
den nahen grossen Schichtenbruch veranlasste Zerklůftune eine so bedeutende ist,
dass sie die Schichtung ganz verdeckt, konnte die Richtune des Verfláchens nicht
bestimmt werden. Hinter Chotěnic treten in der Fortsetzung der Streichungslinie
der Grauwacke schon Schichten der Etage D zu Tage.
In Betreff der allgemeinen Lagerung kann in dem Zuge der guarzigen
Grauwackenconglomerate von Tupes úber Lipoltic im Kozí vrch zwischen Ledec
und Chrtník und noch etwas weiter in der Richtung gegen Raškovic entweder eine
4
50
steile antiklinale Schichtenstellung angenommen werden, da das Verfláchen in der —
Lipoltická skála saiger und steil nach NO und SW gerichtet ist; oder aber eine ©
beinahe in der Richtung des Streichens gehende Verwerfung, was der wahrschein-
lichere Fall ist. Fůr diese letztere Annahme sprechen folgende zwei Beobachtungen. ©
In dem Thalrisse von Tupes gegen den westlichen Lipolticer Teich Fig. 5, ist
námlich eine solche Ver-
Fig. 5. | werfung in den Grau- ©
Pá P 79 © wackenschichten B ange-
> mym VW Fm deutet, obwohl sie wegen
Z SPRL UE M nicht hinreichend deut-
licher Entblóssung nicht
ganz sicher bestimmt werden kann und desswegen auf dem Durchschnitt nicht
dargestellt ist. Die zweite Beobachtung bezieht sich auf die Chrtníker Schlucht,
; | B wo die Grauwacken
Fig. 6. durch den Diabas-
N vom R stock durchsetzt
werden (Figur 6),
m JYA //— Bachlein Ausserdem aber in
= bí ť A A2 2 z ihrer Lagerung noch
| durch Nebenverwer-
fungen gestort sind. Der Diabas ist mit Pyrit impraegnirt und von Adern eines
spáthigen Calcites durchsetzt; er steht in den schroffen Wánden bei der Chrtníker
Ságe deutlich entblósst an, und ist ofenbar jůnger als die guarzige Grauwacke;
wahrscheinlich liegt er in der Richtung der erwáhnten Verwerfungskluft.
Die guarzigen grob- bis grosskórnigen Grauwacken an den Klippen „Skály“
bei Raškovic lieferten einen, wenn auch ganz undeutlichen organischen Rest in
der Form eines federkieldicken etwas plattgedrůckten Stengels, als Steinkern :;
die Deutung desselben ist unmóglich, da die Erhaltung gar zu roh ist; man kónnte
hiebei etwa nur an Fucoidenreste erinnert werden.
SW von dem Grauwackenzuge, d. h. im Liegenden des guarzigen Grau-
wackenconglomerates folgt constant ein verháltnissmassig enger Zug von grauen,
oder graugrůnen, oder dunkelgraugrůnen, oder graulichblauen Grauwackenschiefern,
welche stellenweise petrographisch den Grauwackenschiefern der silurischen Pri-
mordialzone C von Jinec und Skrej zum Verwechseln áhnlich sind. (Ob dieselben
hier wirklich als Vertreter der Etage C angesehen werden kónnen, ist eine Frage,
deren Lósung noch nicht gelang. Wůrden dieselben der Etage C entsprechen, so
můsste angenommen werden, dass der eben beschriebene Grauwackenzug B, unter
dem diese Schichten liegen, úberkippt gelagert ist, so dass die jiingeren, den C-
Schichten hnlichen Šchiefer, unter die álteren Grauwacken der Etage B ver-
schoben wáren. Bei Lipoltic, wo das Einfallen der Schichten saiger ist, kann aber
die Lagerung die beiden oben angefůhrten Deutungen zulassen.
Aus der Schichtenlagerung ergiebt sich also keine Aufklárung des eigent-
lichen Schichtenbaues. Nur eines ist vollig sicher, námlich dass diese den Schie-
fern der silurischen Etage C so áhnlichen Grauwackenschiefer mit den guarzigen
Grauwackenconglomeraten, die hier als Analogon der Etage B angenommen werden
Báchlein
|
bl
-der Bildungszeit nach aufs engste verbunden sind, indem sie mit denselben wechsel-
ist. Man erkennt daselbst, dass diese Šchiefer ebenso durch Wechsellagerung,
als auch durch allmáhlichen Úbergang aufs engste mit den graulichorůnen oder
dunkelgraugrůnen kórnigen Grauwacken verbunden sind. Šámmtliche drei Gesteins-
gruppen, die Zone der guarzigen Grauwackenconglomerate B, die den Schiefern
C sehr áhnlichen Grauwackenschiefer, und die kórnmigen meist graugrinen Grau-
„wacken, sind also miteinander auís engste verbunden, und gerade aus dieser
Ursache lásst sich die Frage, ob die zwei letzteren Gesteine der Etage B oder
C angehóren, vorláufie nicht lósen. Wůrde der Grauwackenzug B mit dem NO
Verfláchen in natůrlicher Lage sich befinden, so můssten diese Gesteine, da sie
das Liegende desselben bilden, eleichfalls der Etage B angehóren.
Der den Schiefern der Etage C áhnliche Grauwackenschiefer vom Liegenden
des Grauwackenzuges B, zeigt von Spitovic bis gegen Benešovic keine Eigenthůmlich-
keit, nur dass er etwas phyllitartig wird und nach 2'/;* mit 35“ einfállt und stark
transversal zerklůftet ist. Bei Benešovic und Seník aber, wo sich dieser Zug bis
auf '/,„ Kilom. erweitert, wáhrend sonst seine Breite kaum "/, Kilom. betrágt, ist
der Grauwackenschiefer beinahe in echten grauen Phyllit von schwach seiden-
| artigem Glanze an den ebenen Schieferungsffáchen metamorphosirt. Die phyllit-
"hnlichen Schiefer verfláchen nach 1'/;* mit 74“ und brechen in bis 2 meterlange
und 1" breite recht důnne Platten. Innerhalb der Schiefer kommen 1'/,„" máchtige
Bánke einer klein- bis feinkornigem Grauwacke (Grauwackensandstein) vor, wáhrend
im Liegenden kórnige Grauwacke vorherrscht. In den Phylliten, deren Schieferung
durch die transversalen Klůfte nicht stark beeintráchtigt wird, kommen stellenweise
háufige lichtgraue Streifchen von feinkorniger Grauwacke vor. Auch bei Pelechov
zeigen sich áhnliche Grauwackenschiefer von grůnlich grauer Farbe, jedoch in den
kórnigen Grauwacken eingelagert und nach 1'/,* mit 849 verfláchend. Die Schichtung
ist ganz undeutlich, dafůr aber die transversale Schieferung stark hervortretend.
O von Lipoltic etwa 1000 Schritte davon, ist der Grauwackenschiefer schwarzgrau,
und durch transversale Schieferung dickgriffelfórmig zerbrockelnd; die Schichtung
und wahre Schieferung ist gánzlich verwischt; die transversale Schieferung zeigt
das sůdliche Verfláchen nach 12*/,* mit 81“.
Sehr instructiv sind auch die Verháltnisse in der Chrtníker Schlucht,
genau N von Svojšic 1"/, Kilom. Hier sind die stellenweise bis zum Verwechseln
den Schiefern der Etage C von Skrej áhnlichen Grauwackenschiefer im Liegenden
des guarzigen Grauwackenzuges (fig. 6.) so stark transversal geschiefert, dass in
denselben die wahre Richtung des Verfláchens der Schichten, die nach 4";» mit
899 einfallen, verwischt ist. Die wahre Schichtung ist nur noch an den Bánken
von kórniger Grauwacke, die mit den Schiefern wechsellagern, zu erkennen; aber
auch diese Grauwacken-Bánke zeigen eine wiewohl nur undeutliche, falsche
Schieferung. Das Verfláchen der transversalen Schieferung betrágt im Mittel 769
nach 13',* (649 bis 859). Gegen das Liegende herrschen dann Grauwacken vor.
Im Liegenden des guarzigen Grauwackenzuges von Chotěnic sind die Grauwacken-
schiefer wieder manchen Schiefern der Etage C von Jinec áhnlich.
4*
D2
s žnoná — <é ní < u vně
Eine ganz áhnliche Farbe haben auch die Grauwackenschiefer von Morašic
(OS von Heřmanměstec); es ist aber bei dem Umstande, als hier irgendwo die-
grosse Verschiebungsspalte durchgeht, nicht móglich, die Identitát der Schiefer
von beiden Localitáten zu constatiren, da auch andere metamorphische Schiefer
ahnlich aussehen.
4
Im Liegenden dieses den Schiefern der silurischen Etage C hnlichen.
Zuges finden sich die in der Zeichenerklárune als graugrůne kórnige Grauwacken
bezeichneten Gesteine.
Was die Verbreitung anbelangt, so sieht man die Grauwacke zum ersten
male S von Trnavka aus den Schichten der Kreideformation hervorragen; dann
aber nach einer Unterbrechung durch die Phyllitzunge deren Deutung als A oder
B ungewiss ist, zieht sich der Grauwackenzug in der Breite zwischen Spitovic
und Zdechovic úber Krasnic, Šeník, Pelechov, Lipoltic, Urbanic, Ledec, Svojšic,
Stojic und ist noch nach einer Unterbrechung durch úberlagernde Schichten der
Kreideformation in Kostelec und am Palácbere (SO von Heřmanměstec) nach-
weisbar. Gegen NO wird der Grauwackenzug von den C šhnlichen Grauwacken-
schiefern begránzt, und ist an der Gránze mit denselben durch Wechsellagerung
verbunden. SW aber begránzen ihn Chlorit-Dioritaphanit und tuffige Grauwacken-.
gesteine. Die Breite betrágt 1—1'/, Kilom., was auch seiner Máchtigkeit entsprechen
důrfte, da das Verfláchen der Schichten ein sehr steiles ist.
Was den Gesteinshabitus anbelangt, so herrschen verschiedenartige licht
oder dunkel graugriůne kórnige Grauwacken vor, die mitsammen und mit Grau-
wackenschiefern wechsellagern, und auch bedeutendere Einlagerungen von dunklen
Grauwackenschiefern enthalten. Diese Grauwacken sind bei Urbanic (Vrtáčková
skála, na široké cesté) mittelkórnie, blass graulicherůn, mit theilweise kaolinisirten
Feldspáthen und bis fingerdicken Auarzadern reichlich durchsetzt. An andern
Orten sind wieder gróssere Auarzbrocken in die kórnige Grauwacke eingestrent.
Bei Ledec ist die Grauwacke graugrůn, kleinkórnig, guarzig, durch Ouarzklůfte
durchsetzt, auch von Chloritklůften durchsetzt, oder sie wird sehr kleinkórnig,
bis schiefrig kleinkórnig und einer Auarzitgrauwacke oder einem GAuarzitsandstein
ahnlich. Bei Svojšic-Stojic sind in der klein- bis mittelkórnigen dunkel graugrůnen
Grauwacke erbsen- bis nussgrosse weisse Ouarzgerólle háufie. Die Schichtung ist
theils deutlich důnn, theils grob. Die grůne Farbe verdankt ihren Ursprung den
nahen Aphaniten, die das Material zur Bildung dieser Grauwacken theilweise
abgaben; darnach wůrden die Grauwacken jinger sein als die Aphanite, die jeden-
falls cambrisch sind.
Wenn Grauwackenschieferschichten in die Grauwacke eingelagert sind, so
erscheinen dieselben meist transversal geschiefert.
Das Verfláchen der Grauwacken und der eingelagerten Grauwackenschiefer
ist durchwegs ein sehr steiles, ja oft stehen sie ganz saiger, sowohl nach NO
als auch nach SW. SW von Kozašic etwa 2000 Schritte unter dem B-Zuge sind
die grůnen, weissen, Guarzbrocken enthaltenden Grauwacken transversal zerklůftet;
die Zerklůftung verfácht nach 19" mit 469; daselbst haben aber andere klein-
kórnige Grauwacken, die etwas schiefrig erscheinen, das Verfláchen von 629 nach
D3
1*/,). Bei Zdechovic O kommen auch róthliche oder grauróthliche halbschiefrige
"kórnige Grauwacken vor. ;
Bedeutend steiler ist das Verfláchen bei Lipoltic, wo die Schichten in der
Vrtáčková skála nach 2*/," mit 749 sich neigen. Zwischen Lhotka und Urbanic
ist die guarzice gróbere oder sehr feinkórnice schiefrige Grauwacke mit 839 nach
1*/," geneigt. In und bei Ledec aber verfláchen die Schichten, wenn sie nicht
saiger stehen, bald nach 1';—2'/;" mit 86—88", bald unter demselben steilen
Winkel nach SW. Die transversale Zerklůftune in den kórnigen Grauwacken
(Grauwackensandsteinen), oft blos durch diůnne Ouarzklůftchen angedeutet, verflácht
nach 10" mit 70".
Bei Svojšic und Stojic ist das Verfláchen der oleichfalls griinen guarzigen
oder schiefrigen, mitsammen wechsellagernden Grauwačken ebenfalls steil, nach
1—3",» mit 70—899; stellenweise, wie unter der Svojšicer Ruine, stehen die
wechsellagernden kórnigen Grauwacken und schiefricen Grauwacken saiger (Strei-
chen 8'/,*) oder fallen steil verkehrt ein, das ist nach 15*/,* mit 899, Die trans-
versale Zerklůftung oder Schieferung verflácht hier nach 24* mit 74.
Schliesslich sind hier nur noch diejenigen Gesteine zu erwáhnen, deren
Lagerungsverháltnisse in der Richtung der Zbislavec-Chotěnicer Bruchlinie derartig
„verworren und beinahe unentwirrbar sind, dass eine náhere Erklárung derselben
wegen der vielfachen Stórungen gar nicht zulássig ist.
Das steile oder steil gefaltete Verfláchen der Schichten ándert sich hier
stellenweise in ein sůdliches um, obzwar diese Verháltnisse nur local zu beobachten
sind, indem hier die Schichtung und transversale Schieferung von einander kaum
unterschieden werden kónnen. Es kommen hier sowohl tuffige als auch grůne
Grauwacken und dunkle Grauwackenschiefer vor. Nur im Thale bei Kostelec ist
das Verfláchen gut entblósst. Die grůnlichgrauen, lichterau cebánderten, fein-
kórnigen Grauwacken und die festeren kórnigen guarzigen Grauwacken, welche
hier durch Steinbriůche unter der Kirche entblósst sind, verfláchen nach Sůd,
námlich nach 12" mit 12—13“. Die Máchtigkeit der einzelnen gebánderten
Schichten ist tiefer unter dem Ausbiss zu bemerken, sie betrágt bis 1'," Unter
dem Rasen aber sind die Schichten in holzscheitáhnliche grobe Stůcke zerklůftet,
und werden guer von einer den Schichten parallel gehenden Streifung durchsetzt.
Diese transversale Zerklůftung verflácht nach 20* mit 709; eine andere Zerklůftung
aber verflácht saiger nach 16"
Sůdlich von diesen klein- bis feinkórnigen Grauwacken folgen tuffige und
andere grůne Grauwacken und schiefrigce Grauwacken, welche sich ber die Palác-
kuppe bis Radlín verfolgen lassen, wo dieselben an der Bruchlinie, die dort irgendwo
durchgeht, absetzen. Noch eine eigenthůmliche graue guarzige feste Grauwacke
mit erbsengrossen Geróllstůcken von vorherrschendem Guarze, findet sich hier
vor, jedoch nur im Bereiche der Zbislavec -Chotěnicer Bruchlinie, u. zw. unter
solchen Verháltnissen, dass es nicht sicher nachweisbar ist, ob dieselbe noch der
cambrischen, oder der primordialen Zone oder schon den Schichten der zweiten
Silurfauna angehórt. An gewissen Orten, wie in dem Kostelec-Podoler Thal scheint
es, als wůrde sie zur Zone d, angehóren; an andern Orten ist aber irgend eine
Deutung der Lagerung gar nicht měglich. Diese dunkelgraue, feste, guarzige
D4
Grauwacke zeiet zwischen Jetonic und N von Sušic und Zdechovic, nur im.
Kostelecer Thale eine deutliche Lagerung, mit dem Verfláchen von509 nach 12 —
Ein- bis zweifingerdicke weisse Guarzklůfte durchsetzen hier die Grauwacke -
háufig. Westlich davon lásst sich die Lagerung nicht nachweisen, da sie wahr-
scheinlich sehr gestort ist.
Úberhaupt sind die Lagerungsverháltnisse zwischen Zbislavec -Chotěnic
wegen dem sich hieher ziehenden Hauptbruche des Schichtenbaues und wegen
der mangelhaften Entblóssune schwer oder gar nicht zu deuten. So findet man
zwischen Licoměřic und Zbislavec schwarze Phyllite, diegestort gelagert sind,
und graue feinkórnige GAuarzite darin, welche der Etage d, und d;, angehóren
důrften, anstossend an Phyllite der Etage A, und graue, feste, guarzige Grau-
wacken, die eben frůher erwáhnt wurden und die oleichfalls gestórt gelagert
sind, so dass es bei der hohen Umwandlung der Gesteine der Zonen A und d,
sehr schwierig ist, dieselben auseinander zu halten, und der willkůrlichen Deutung
derselben um so mehr freier Raum sgegeben ist, als in solchen Gesteinen die
Bruchlinien keine scharfe und deutliche Begránzung zeigen.
Im Bereiche der Bruchlinie bleibt also noch manches unaufgeklárt und
wird es noch so lange bleiben, bis nicht andere gůnstigere Beobachtungen oder
zufállice Entblóssungen die klare Darlegung der Lagerungsverháltnisse ermóglicht
haben werden.
Um wenigstens ein ideales Bild der Lagerungsverháltnisse dieses Theiles ©
des Eisengebirges zu geben, sei hier die Fig. 7 eingeschaltet. Bei Semtěš liegen
Fig. 7.
Idealer Durchschnitt durch das Eisengebirge von Semtěš gegen Lipoltice.
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auf laurentinischen Glimmerschiefern schwarze Schiefer der Etage A, dariůber in
wenig entblósster Lagerung Grauwackentuffe, Aphanite, Aphanitconglomerate, end-
lich steil stehende Grauwacken mit Grauwackenschiefern, die der Etage C so
áhnlich sind. Den Schluss bildet der Wall von Grauwacken B bei Lipoltic, deren
Hangendes ganz von der Ebene der Kreideformation verdeckt wird.
e) Das Silur vom Hauptbruch bis Slatiňan.
Sůdlich und čstlich von der Bruchlinie, welche zwischen Zbislavec-Lico-
měřic nach Chotěnic sich zieht und lángs deren Richtung die cambrische Schichten-
zone mit der silurischen der Etage D unter verworrenen Lagerungsverháltnissen
an einander stossen, kommen nur Gesteine dieser letzteren Etage u. zw. ihrer
Unterabtheilungen dy, dz, dz vor. Dieselben werden im Norden von Gebilden des
Kreidesystems bedeckt, das in einzelnen Buchten in das silurische Gebiete ein-
dringt; im Sůden aber, zwischen Zbislavec, Rudov, Kraskov bis Rtejn, stossen sie
.
i
|
D5
-am jiingeren Granit an, von da aber bis Škrovád werden sie von schiefrigem
Felsitporphyr abnorm begránzt.
Die Lagerungsverháltnisse sind hier schon einigermassen deutlicher als
-im Gebiete der vordem beschriebenen cambrischen Zone, so dass hier eine Unter-
- scheidung von verschiedenen Etagen auf Grund von gewichtigen Analogien mit
- dem centralbohmischen Silur versucht werden kann.
Im kurzen kónnen die Lagerungsverháltnisse folgenderweise angedeutet
werden. Sůdlich von der Linie Míčov, N Prachovic, N Boukalka, N Vápenný
Podol, N GCitkov, N Mladoňovice, Deblov, Teinic, Podhůra, Slatiňany verflůchen
die von uns als Analogie der silurischen Etage D angesprochenen Schichten vor-
herrschend nach Siůden. Nordlich von dieser Linie ist das Verfáchen derselben
ein steil wellenformiges, bald nach Sůd bald nach XN einfallend; unter der Decke
der Kreideformation aber scheint der Schichtenbau weniger steil zu sein und
bildet antiklinale und synklinale Faltungen, die úberhaupt die geologischen Ver-
háltnisse dieses Theiles des Eisengebirges charakterisiren. Die hier vorherrschen-
den Gesteine sind: schwarze Thonschiefer, stellenweise ebenschiefrig, stellen-
weise aber ziemlich parallel zart gefáltelt und wahrscheinlich der Etage d,
angehorend. Diese Schiefer enthalten an sehr vielen Orten etwas verdrůckte und
bráunlich angelaufene Hohlabdrůcke von Pyritwůrfeln; Pyrit aber selbst in Wůrfeln,
wird nur an wenigen Orten, so bei Morašic, angetroffen. Ausser den antiklinalen
-und synklinalen Hauptfalten des Schichtenbaues kommen noch secundáre gewunden
wellenfórmige Faltungen vor, wodurch es in manchen Fallen schwierig wird, die
Hauptrichtung des Verfláchens festzuhalten. In diesen Thonschiefern nun ist kry-
stallinischer weisser, stellenweise ein wenig bláulicher oder graulich gefleckter
Kalkstein eingelagert. Im Liegenden ist derselbe etwas schiefrig und blaulich-
schwarzgrau, und graphitisch. In Klůften werden an solchen Stellen kleine hockerige
Ouetschfáchen mit glánzendem Graphit- (Anthracit?) Úberzigen beobachtet.
Dieser krystallinische Kalkstein (Podoler Kalk) enthált stellenweise Úri-
noidenstielelieder; dieselben lassen sich aber nur in den graulichen Stellen, wenn
dieselben angeschliffen sind, deutlich erkennen. Besser zeigen sich diese Crinoiden-
reste in den liegenden schwarzen halbschiefrigen Kalksteinen knapp ober den
schwarzen Thonschiefern in der Schlucht von Citkov, wo gewisse Handstůcke viele
solche aus weissem spáthigen Calcit bestehende Crinoiden-Bruchstůcke enthalten.
Das Vorkommen dieser Crinoidenreste und dann der Gesteinshabitus der
nahen Grauwacken weisen offenbar darauf hin, dass das Kalksteinlager von Podol
palaeozoisch ist. Im Cambrischen und in den Primordialschichten kommen zwar
Crinoiden nicht vor, aber im Untersilur treten sie auf, obwohl seltener als im
Obersilur. Auf der Grundlage dieses palaeontologischen Merkmales, so wie noch
anderer Merkzeichen ist die Annahme die plausibelste, dass die Podoler Kalksteine
und die sie begleitenden Schiefer dem Untersilur angehoren. An Devon kann
schon desshalb nicht gedacht werden, weil der Zusammenhang des Gebirgszuges
mit dem centralbohmischen Silurbecken bis beinahe zur Sicherheit wahrscheinlich
ist. Die Crinoidenstielelieder und auch verschiedene schlecht erhaltene Basal-
theile von Crinoidenkelchen lassen allerdings keine náhere Bestimmung zu; es ist
selbst der Nahruneskanal in denselben nicht immer ersichtlich. Die besser er-
56
haltenen, durchwegs cylindrischen Stieleliederreste, zeigen entweder einen kreis-
runden oder einen pentagonal sternfórmigen Nahrungskanal, so dass hier vielleicht
zwei Arten vorkommen. Ausser Crinoidenstielgliedern sind noch důnne Mollusken-
Schalen von undeutbarem Charakter und sehr spárlichem Vorkommen hier auf-
gefunden worden.
Bemerkenswerth ist es, dass die Thonschiefer im Liegenden des Kalklagers
(nordlich) die schon erwáhnten negativen Pyriteindrůcke zeigen, im Hangenden
aber (sůdlich) dieselben ganz fehlen.
Sehr verbreitet ist fěinkórnicer Ouarzit von gelblicher, graulicher bis
dunkelgrauer Farbe, der an die schwarzen Thonschiefer gebunden ist. Schon der
petrographische Charakter des Gesteines lásst darin die Zone Dd, vermuthen. Zur
beinahe vólligen Sicherheit wird diese Annahme aber noch dadurch, dass sich
normal zur Schichtung, sowohl in den lichten als auch in den grauen Auarziten
jene langen Róhrchen zeigen, welche unter dem Namen $Scolithus (Tigilites) trotz
ihres problematischen Wesens doch fiir die Erkennung der Auarzitzone d, im
centralbohmischen Becken so bezeichnend sind. Es sind diese Scolithusrohren an
zahlreichen Štellen vorgefunden; so namentlich reichlich zwischen Deblov und
Lipina, N von Podhůra, W von Mladoňovic bei Sušic, kurz beinahe durchwegs in
dem Auarzitzuge, wenn auch nicht úberall sehr háufig. Durch dieses Vorkommen ©
wird fůr den Auarzit des Eisengebirges die Einreihung in die Zone d, mit beinahe
volliger Sicherheit bestimmt, woraus nun folgt, dass die schwarzen Thonschiefer,
welche das Kalklager von Podol einschliessen und unter den Guarziten liegen,
der Zone Dd, angehóren můssen, trotzdlem dass ausser den wenig charakteristischen
Crinoidenresten kein palaeontologisches Merkmal vorliegt. Es kónnten zwar diese
schwarzen Thonschiefer auch als d; gedeutet werden, doch dem widersprechen die
Lagerungsverháltnisse, da diese Thonschiefer unter den Auarziten ruhen.
Die Auarzite sind dort, wo sie in den Sátteln der antiklinalen Faltungen
vorkommen, meist lose zerfallen und zeigen demnach keine Schichtung, oder sie
sind von einem Trimmerwerk von Auarzadern durchsetzt und wieder verkittet, so
dass die Krkennune ihrer Schichtung ungemein schwierig wird. Da die Auarzite
wegen ihrer Spródigkeit allen Biegungen nicht so folgen wie die liesenden Thon-
schiefer, so treten sie in losen, angeháuften Blócken auf, namentlich an den Stellen
der stárksten Schichtenfaltungen. Diejenigen schwarzen Thonschiefer, welche auf
den Ouarziten d, aufruhen, scheinen, trotzdem sie von den Thonschiefern der Etage
Dd, petrographisch nicht zu unterscheiden sind, Vertreter der Zone d; zu sein.
An der Granitgránze sind sowohl die Thonschiefer der Zone d, als auch
jene der Zone d; gánzlich in Ottrelitschiefer umegewandelt, indem sich derselbe
durch allmáhligen Úbergang aus den schwarzen Thonschiefern entwickelt.
Fůr den Fall, als die im vorhergehenden Capitel erwáhnte dunkelgraue,
kórnig-guarzige Grauwacke in der Richtung der Zbislavec-Chotěnicer Bruchlinie,
schon diesen Silurgebilden der Etage D angehóren nhl wůrde sie die láogoslh
schichten der Zone d, bilden.
DT
Die Etage Dd,.
| Dieselbe besteht aus schwarzen, auf den Schichtungsfiáchen oft schwach
(parallel gefáltelten Thonschiefern und zeiet an vielen Orten verdrůckte Hohldrůcke
-von verschwundenen Pyritwůrfeln. Sie verflácht nach beiden Seiten, das ist nach
© Nound S, wie dies in dem unteren Theile der Ouertháler von radove und Podol
„ gegen Kostelec, dann in den beiden Schluchten von Cíitkov gegen Morašic zu
© beobachten ist. Ein ideales. Bild des Schichtenbaues dieser vorherrschenden
Gesteine gibt die Fig. 8., welche die Verháltnisse der Citkover Schlucht darstellt,
Fig. 8.
Linkes Thalgehinge der Schlucht von Dolan-Citkov, 1:50000
NNO Thalweg nach Nerozhodov Ss8W
honsnd | Z ZES9Y
ka a ds | d |
Da die Schichten synklinale und antiklinale Wellen bilden, so muss es auch Stellen
geben, wo dieselben beinahe horizontal liegen. Die Lagerungsverháltnisse sind aber
- oft durch die stark hervortretende transversale Schieferung oder Zerklůftung ver-
deckt. So zeigen die Schichten SW von Morašic, nahe an der Bruchlinie, die
wahrscheinlich der Zone d, angehóren, ausser einer horizontalen Plattung noch
folgende Richtungen, nach denen sie sich spalten: eine Spaltungsrichtung námlich
nach 8" mit 44“, eine andere nach 14'/,» mit 30“ und eine weitere nach 2';* mit
569. Welche von den vier Richtungen als Schichtung anzunehmen Wáre, lásst sich
nicht entscheiden. Hier enthalten die Schiefer bis 1% breite Pyritwůrfel. An der
Můndung des Prachovicer Thálchens in das Podoler Thal enthalten die schwarzen
Thonschiefer im O Gehánge ein N verfláchendes graues Auarzitlager eingeschaltet,
und zeigen nahe bei diesem Auarzitlager Schieferungsrichtungen mit den Ver-
láchungsrichtungen nach 13" mit 55“, so wie nach 24" mit 709. Auch hier lásst
es sich nicht entscheiden, was die eigentliche Schichtung und was transversale
Schieferune ist, obwohl weiter sůdlich davon die Schichten schon nach N verfláchen.
In demselben Thale, aber am W Gehánge desselben, geht das Verfláchen der
Schichten deutlich nach Siden. N von Sušic zeigen dieselben Schiefer zwei Rich-
tungen des Einfallens; die eine neigt sich nach 10'",* —11*/," mit 30%, die
andere mit 909 nach bh.: ; die liegenden (also etwas N davon streichenden) grauen
guarzigen Grauwacken, m Zugehorickeit zu B oder d, zweifelhaft ist, besitzen
zwei Kluftrichtungen, die eine fállt nach 8';,* —11',* i 82—88", die andere
nach 21" mit 30“ ein. Was hier in diesen beiden Fállen Schichtung und Schieferung
oder transversale Zerklůftung ist, bleibt allerdings unentschieden. Auch unter dem
Míčover Glockenthurme ist der Thonschiefer so stark gefaltet und durch eine so
grosse Zahl von Spaltungsrichtungen durchsetzt, dass keine davon hervorgehoben
werden kann, und man ůúber die Schichtung věllig im Unklaren bleibt. Die
Spaltenrichtungen zeigen das Einfallen nach 16* , nach 14*, dann nach 10* mit
68“ und 18'/," mit 909. Die letzten Fálle aus der Náhe des Bruches entnommen,
zeigen den wechselvollen Charakter der Zerkliftung und Schichtung.
D8
In Folge dieser Zerklůftungen zerfallen die Thonschiefer an vielen Orten
in Holzscheit- oder Griffel-áhnliche Bruchstůcke, besonders dort, wo sie unmittelbar
zu Tage ausgehen.
Es besteht allerdings eine Ahnlichkeit derselben mit den schwarzen
Phylliten der Zone A, doch unterscheiden sie sich von denselben durch die
Abwesenheit von Kieselschieferschichten, indem nur bei Šušic unbedeutende
Andeutungen davon vorkommen, dann auch durch die schon frůher erwáhnten
verdrůckten wůrfelfórmigen Hohlráume. Nichtsdestoweniger konnte in der Náhe
des Schichtenbruches zwischen Zbislavec und Licoměřic die Scheidung der Gesteine
nur so durchgefůhrt werden, dass die Gesteine mit Auarziten d, als Thonschiefer d,,
die anderen schwarzen Phyllite mit Lyditen aber als Etage A ausgeschieden wurden.
In der Náhe der Granitgránze und zwar im Gebiete des Bučina-Berges bei
Podol, sowie W und O von demselben úbergeht der Thonschiefer in Ottrelitschiefer.
Schwache unbedeutende Gánge von Minette durchsetzen die Schiefer d,
nahe ONO von Tasovic und N von Citkov in den Waldgehángen des Kočičí Ocas.
Die schwachen Minettegánge sind nur nach den losen Bruchstůcken erkennbar.
W von Mladoňovic finden sich in der Zone der Schiefer eigenthůmliche
undeutlich schiefrige, grůnlich graue Gesteine, die Diorittuffen nicht unáhnlich sind,
aber wegen der geringen Frische keine weitere Bestimmung zulassen. Auf der
Karte sind sie als schiefriger Felsitporhyr ausgeschieden. ONO von Deblov etwas
úber */, Kilom. scheint eine Verwerfung die Schichten d, von den mauerartig
aufragenden Auarziten d, zu trennen. In dem Thálchen, das sich von hier guer
durch die Auarzite zieht, findet man Grauwacke in Bruchstůcken, welche an die
im Tiefsten der Zone d, vorkommenden Gesteine erinnert, die das Liegende der
Haematitlager der Zone d, im centralbohmischen Silurbecken bilden. Wirklich
trifft man hier auch Andeutungen solcher rothen Fárbungen und von erzigen Ge-
steinen an, doch alles nur in einzelnen Brocken und nirgends anstehend.
Eine der interessantesten Erscheinungen des ganzen Eisengebirges ist
jedenfalls das sehr máchtige lenticulare Lager oder der Lagerstock des Kalksteines
bei Podol, der in einer Lánse von 3*/, Kilom. zwischen Prachovic und Citkov
sich erstreckt und seine grósste Máchtigkeit zwischen Prachovic und Boukalka
mit mehr als 2, Kilom. entwickelt. Dieses Kalksteinlager keilt sich schnell an
beiden Enden aus und verflácht durchwegs nach S, ebenso die dasselbe begleitenden
Schiefer im Liegenden sowie im Hangenden, wobei sich erst weiter im Liegenden
die bedeutenden Faltungen dieser Schiefer zeigen.
In Prachovic verfáchen die Bánke des weissen mittelkrystallinischen, stellen-
weise graulich gestreiften Kalksteines im Mittel nach 12"/,» mit 489; die parallele
Zerklůftung stellenweise nach 18'/,* mit 47%. Bei Boukalka betrágt das Einfallen
nach 12'/;„* 609; bei Vápenný Podol nach 14* mit 57".
Am čstlichen Ende gegen CČitkov wird das Kalksteinlager bedeutend ver-
worfen, und es erscheinen in der Verwerfungskluft zermalmte graphitische Schiefer
mit einer schwachen eingelagerten Ouarzitschicht. *) Verwerfungen, und zwar oft
recht bedeutende, sind úberhaupt in diesem Kalksteinlager háufig. Im den Ver-
werfungskliůften treten Calcitkrystalle — "'/, R. o R., auch — 2 R oder grob-
spáthige Kalksinter auf. In der Stockmitte ist der Kalkstein grobbánkig, gegen
:
das Hangende und Liegende zu aber mehr grau, kleinkórnig und
unvollkommen schiefrig, so wie besonders bei Citkov etwas reicher
an Crinoidstieloliedern, die an dieser Stelle obwohl nur áusserst
selten, auch im Thonschiefer vorkommen.
In Podol selbst enthált der Kalkstock eine, aber wegen
des verschůtteten Einganges unzugángliche, ziemlich grosse Hóohle.
Ein Durchschnitt durch die máchtige Anschwellune des Lager-
stockes bei Boukalka stellt die Fig. 9. dar. Im Liegenden ver-
fláchen die Thonschiefer nur bis zu eines gewissen Entfernung
nach Sůden, dann aber sind sie vielfach gefaltet; im Haugenden
des Lagers verfláchen die Schichten bis zum Granitgránze gleich-
mássig nach S, stellenweise nur wenig steil.
Im Hangenden Theile das Kalkstein- Fig. 10.
lagers sind auch einige Minettegánge zu be- 1:200, Imm. — 2dm.
merken, deren Máchtigkeit unter 1" bleibt. * | i
In einem Šteinbruche S von Boukalka zeigen
sich ihrer vier, wie in der Ansicht Fig. 10.
dargestellt ist. Diese vier vom Kalksteine
scharf getrennten Minettegánge verfláchen
nach 22';,* mit 809—84". Die Textur des
Pe boatetics ist eine ziemlich deutlich kórnig
schuppige; die broncefárbigen nicht mehr frischen, ziemlich deut-
lichen Schuppen des Biotites sind ziemlich parallel zu den Gang-
ulmen. Einige Gánge an der Gránze mit dem Kalksteine enthalten
scharfkantige Bruchstůcke von krystallinischem Kalkstein. Es ist
dies die einzige Entblóssung von Minettegángen in diesem Gebiete.
„ Da im mittel-bohmischen Silur die Minette das Alter der
Zone d; besitzt, so muss sie allerdings auch áltere Schichten
gangfórmig durchsetzen, was auf die hiesigen Verháltnisse an-
gewendet dafůr spricht, dass das Podoler Kalksteinlager mit den
Thonschiefern álter sein kann, als die Zone d;, und dass mithin
dieser Kalkstein der Zone d, angehóren kann.
An manchen Orten, wie besonders am rechten Thalgehánge
bei der Vereinigung des Podoler Thales mit der Prachovicer
Schlucht kommt in Schiefern grauer feinkórniger Auarzit vor, der
also hler nur untergeordnet auftritt.
Die Etage Dd,.
Dieselbe besteht aus grauen, dunkelgrauen bis gelblich-
grauen, feinkornigen Auarziten, oft von weissen Ouarzadern durch-
59
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schwármt, besonders an den Stellen, wo der Schichtenbau gewůlbeartio sich
erhebt.
Die friiher erwáhnten Scolithusrohrchen, senkrecht gegen die Schichtung
eingewachsen, begleiten als ein sehr bezeichnendes Merkmal das Vorkommen dieser
60
Ouarzite. Im westlichen Theile des beschriebenen Terrains kommt der Auarzit
in zwei getrennten Zůgen vor, im óstlichen Theile aber vereinigen sich diese beiden
Zůge zu einer wellenfórmig gebogenen Decke.
Zwischen Zbislavec und Jetonic finden sich nur losgerissene, nach den
herumliegenden Blócken kenntliche Theile der Zone vor; die Lagerungsverháltnisse
konnten daselbst aber wegen Mangel an tieferen £inschnitten nicht náher bestimmt
werden. Von Sušic úber Tasovic bis Ouherčic zieht sich die Zone in der Gestalt
eines bald breiten, bald verengten Štreifens, was von der Neigung der Schichten
abhánst, von W nach O. Meist ist das Verfláchen nicht gut kenntlich; nur in
der Kostelecer Schlucht verfáchen die GAuarzitschichten verschieden stark nach
Sůden. Bei Ouherčic und Dolan enthalten die Auarzite zahlreiche stecknadel-
grosse Abdrůcke von Pyritwůrfeln.
Von Ouherčic an lagern sich die GOuarzite wellenfórmig flach in Form
einer Decke bis gegen Dubina und Morašic, und verfláchen weiter unter die
Schichten des Kreidesystems. Das Verfláchen geht hier sowohl nach 5"/,„:—6", als
auch nach 15'/,* mit 40—609; an den Stellen der stárksten Schichtenbiegungen
sleht man háufig weisse Auarzadern. Durch einen Luftsattel oder unter der
Decke der Kreideformation stehen die Ouarzite von Zbliznovic (/A459%. Smrt) mit
der vorigen Auarzitdecke in Verbindung und sind gleichfalls wellenfórmig, oft
aber ziemlich steil gelagert. Eine Schicht N von Zbliznovic fállt sogar nach 19* mit
809, nicht weit davon nach 7" mit 80“ ein. Der zweite Zug der Auarziten scheint,
obwohl keine gute Entblóssung denselben aufschliesst, sondern nur herumliegende
Blócke ihn andeuten, doch gegen den Granit, also nach SW zu verfláchen. Dieser
Zug zieht sich im S Gehánge des Bučinaberges bei Skoranov an dem Bučina-
Jágerhause vorbei, und setzt hinter demselben SO an dem Granit ab. Das Gestein,
in welches dieser Auarzitzug eingelagert ist, besteht beinahe durchgehends aus
Ottrelitschiefern, die aus den Thonschiefern der Zonen d, und d, entstanden sind.
Diese Metamorphose liess den Auarzit unverándert, obwohl derselbe'*doch
etwas mehr krystallinisch erscheint, als die andern Auarzite der Zone d;.
Durch einen Luftsattel důrfte die Zbliznovicer Decke mit dem Zuge von
Deblov-Rabstýnek zusammenhángen, der sich O von Deblov in der Gestalt einer
Felsenmauer, wahrscheinlich lángs einer Verwerfungskluft hinzieht und melist
ziemlich steil nach SOS (Deblov N, 11* 76%—809), bei Rabstýnek aber weniger
steil einfállt.
Ein eigenes Auarzitlager, welches von dem bei Deblov-Rabstýnek anstehen-
den durch schwarze Thonschiefer getrennt ist, u. zw. entweder mittels einer Ver-
werfung oder eines Luftsattels tritt als eine niedrice Felsenmauer bei Mladoňovic-
Lípa auf, mit dem Verfláchen gegen Lipina nach 12" mit 30“—50“, und bildet,
indem es eine ganz deutliche Wólbung zeist, einen Theil einer antiklinalen Schi-
chtung. Šehr deutlich sind in der Auarzitmauer gewisse Klůfte entwickelt; eine
scharf markirte Kluftrichtung verflácht nach 5'/," mit 907, eine weniger deutliche
nach ?/,". mit 25%. Die Zerklůftung verdankt ihre Entstehung wahrscheinlich einer
Verwerfung, an der die Schichten weiter óstlich absetzen. Auch bei Teinic-Tiroler-
Haus tritt ein Ouarzitstreifen auf, doch ist es unentschieden, ob derselbe ein
eigenes Lager bildet, oder ob er mit dem Rabsteiner zusammenhánst. Gegen O zu
61
- aber vereinigen sich beide Ouarzitzůge von Deblov-Rabstýnek und Teinic in der
Waldkuppe Hůra bei Slatiňan. Der Auarzit wechsellagert im NW Gehánge dieses
Berges mit Thonschiefern und hat ein Verfláchen nach SO und S, bis er unter
Schichten der Kreideformation lánes der Bogenlinie von Lhota, Slatiňan, Škrovády,
Kuchanovice verschwindet. Bei Slávková hůra geht das Verfláchen nach 3* mit
65%, bei St. Anna ober Slatiňan nach 9" mit 60%. Auf den Kuppen Hůra und
Podhůra wechselt das Verfláchen; die Guarzitschichten sind da stellenweise aber
auch horizontal gelagert und stark mit Guarzadern durchnetzt, sie nehmen einen
grossen Theil der Kuppen ein, indem sie die Decke der Schiefer d, bilden.
Die westlichen durch antiklinale Schichtenstellungen von einander getrennten,
stellenweise auch wellenfórmige Decken bildenden Auarzitzůge náhern sich einander
gegen O so, dass sie sich endlich in der Hůra vereinigen, nachher aber bald unter
den Schichten der Kreideformation verschwinden, wobei sie schwach von W gegen
O einfallen.
Die in den Auarziten háufig undeutliche Schichtung ist einer blossen
Zerklůftung áhnlich ; in den liegenden Schiefern der Zone d, aber wird durch die
hier herrschende Faltung der Schichten der Unterschied zwischen Schichtung und
Zerklůftune verwischt, so dass aus diesen beiden Ursachen die hier zahlreich auf-
tretenden Verwerfungsklůfte schwer erkennbar sind.
Die Zone DU..
Dieselbe tritt meist nur als Ottrelitschiefer (Chloritoidschiefer) auf, und
zwar im Hangenden des Auarzitzuges d, von Bučina, zwischen diesem und dem
rothen Granit. Blos in Folge dieser Lagerungsverháltnisse, also blos wegen der
Auflagerung auf Auarzit wird der Zug dieser Schiefer als das Analogon der Zone
d, betrachtet. Die Gesteine desselben lassen sich úbrigens von den metamorphi-
schen Gesteinen der Zone d, nicht unterscheiden.
Bei dem Kraskover Jágerhaus (NO von Kraskov) kommt mit diesen Schie-
fern auch ein Corsitstock in Berůhrung. An dieser Stelle ist auch die Umwandlung
derselben in Ottrelitschiefer am deutlichsten.
Um auch die Lage-
rungsverháltnisse des ost- Fig. 11.
lichen Theiles des Eisen- Idealer Durchschnitt durch das Risengebirge von NNW nach S50 uber Deblov.
gebirges anzudeuten, ist NNW 1: 50000 S80
: . * Mejtky Deblov Pohořalka
ein Durchschnitt senk- :
recht zum Streichen úber x : —=M
Deblov (Fig. 11) dar-
gestellt, in welchem nur die schwarzen Schiefer d, und die Auarzite d, vorkommen.
In den schiefrigen Felsitporhyren, an welchen in der S Gránze die Schichten
der Etage D absetzen, finden sich auch Schollen dieser Schiefer. Es ist aber
der Nachweis dieser Schollennatur nicht immer leicht, da auch die Felsitschiefer,
wenn sie faul erscheinen, den zersetzten sedimentáren Schiefern hnlich sehen.
62
Solche Schollen wáren etwa, allerdings in einem verwitterten Zustande, wo also
eine Irrung móglich ist, bei Pračov und bei Licibořic nachwěisbar. Das Verfláchen
an derselben ist S; die Klůfte sind von Limoniten gefárbt.
f) Die Silurinsel von Hlinsko.
Dieselbe zieht sich auf die Lánge von 25 Kilom. zwischen Kreuzberg,
Hlinsko, Skuč úber Richenburg; die grósste Breite derselben betrágt zwischen
Mrákotín und Ranná etwas úber 5 Km.
Die Schiefer sind hier zwischen dem Gneus des bohmisch-máhrischen
Gránzgebirges und zwischen grauem, theilweise auch rothem Granit des Nassa-
berger Massivs eingeschlossen und werden nordlich von Schichten des Kreide-
systems úberlagert, wáhrend sie sich sůdlich bei Vojnoměstec auskeilen.
In der Richtung Vojnoměstec, Chlum, Vítanov, Kouty liegen die Schichten
discordant auf Gneus; weiter úber Hlinsko, Plaňan, Dědová, Krouna, Otrádov,
Miřetín, Kutřín schiebt sich zwischen Gneus und Silurschiefer ein enger Štreifen
von rothem Granit ein. Dieser liegende Gneus gehórt schon dem Gránzgebirge
an. Um dieses Verháltniss der discordanten Lagerung der Silurschiefer gegen
Gneus zu verdeutlichen, sei hier die
Fig. 12. Fig. 12 beigefůgt, welche das Contact-
verháltniss der nach 4';* mit 30?
verfáchenden, vielfach durch Ver-
werfungen gebrochenen Silurschiefer
gegen den nach 17"/;* mit 206“ ver-
fláchenden Gneus zeigt, wie es O
von Vojnoměstec sich darbietet.
Von Vojnoměstec bis Kreuzberg bilden die iúberlagernden Schichten der
Kreideformation die Gránze der Schiefer; von Kreuzberg ůúber Kohoutov, Stan,
Unter Holetín, Mrákotín, Skuč aber grauer Granit und grauer Gneusgranit und
zwar als ein Eruptivgestein von spáterer Entstehung. Von Skuč úber Richenburg,
Hněvětic, Peralec bildet die im óstlichen Boóhmen weithin sichtbare Terrainstufe
des mittleren bóhmischen Kreidesystems, die Decke úber den Silurgesteinen, die
dann nur im Thalgrunde unterhalb Richenburg bis gegen Doly noch entblósst sind.
Die Gesteine dieser Schieferinsel sind theils graue, theils grůnliche echte
Phyllite, mit oder ohne ausgeschiedene Auarznester, so namentlich zwischen Chlum
und Vojnoměstec oder zwischen Mrákotín-Hlinsko-Kladné. An gewissen Orten zeigen
diese Phyllite einen allmáhlichen Úbergang in Grauwackenschiefer, aus denen sie
entstanden sind, so dass zwischen beiden keine scharfe Gránze besteht. Diese
Mittelgesteine sind auf der Karte aber als Phyllit ausgeschieden. Sie wechsel-
lagern mit dem Phyllit und bilden im rothen Granit zwischen Podměstí (Proseč)
und Peralec eine Scholle mit gestórter Lagerung; sie verfláchen hier stellenweise
nach 4" mit 72%. Diese von rothem Granit umfasste Phyllitscholle setzt unter
Ouadersandsteinen also unterhalb Bor in der Richtung gegen Jarošov weiter
fort, denn sonst kónnten in den zwei nur etliche Schritte langen Entblóssungen
SW 1:10000 NO
Můhle
V OY JO. ET
63
im tiefsten der Thalschluchten S von Vranic oder NW Jarošov nicht ebenfalls
zerbrockelte Phyllite zum Vorschein kommen. In der nordostlicheren Entblóssung
-im Thalwege (S Vranic) stósst der Phyllit sogar an rothen Granit noch an.
In Proseč selbst ist ebenfalls eine Scholle schiefriger Gesteine im rothen
Granit eingeschlossen. Diese Gesteine, welche S90 von Proseč am Farský kopec
besser zu Tage treten, sind wohl keine Phyllite, sondern sehr feinkórnige den
Phylliten ihnliche Amphibolschiefer von dunkler Farbe, die hie und da einen
Epidotstreifen einschliessen. Sie fallen vorherrschend sehr steil beinahe nach O ein
(jedoch auch stellenweise nach WSW oder N). Vielleicht wáre der Name Amphi-
bolphyllit fůr dieselben passender. Auf der Karte sind dieselben als schiefrige
Amphibolite ausgeschieden.
In diesen grauen bis schwarzen Phylliten und phyllitáhnlichen Thonschiefern
oder umgewandelten Grauwackenschiefern kommen Grauwackenschiefer von grauer
oder grůnlich schwarzer Farbe vor, ganz áhnlich den Schiefern C von Skrej und
Jinec, des centralbohmischen Silurbeckens. Doch ist diese Ahnlichkeit fůr die
Bestimmung des Alters derselben sehr ungenůgend, da neben denselben auch
solche schwarze Schiefer vorkommen, die an die Etage A oder auch an Dd,
erinnern. Es sind úberhaupt sámmtliche Schiefer hier so bedeutend umgeándert,
dass nach ihrer petrographischen Beschaffenheit auf die Silur-Etage, der sie etwa
angehóren, nicht geschlossen werden kann. Dieser Umstand ist in der Farben-
erklárune berůcksichtigt worden und es erhielten demnach die Schiefern kein
| Etagen- Zeichen.
Das zweite vorherrschende Gestein ist graue Grauwacke. Sie nimmt den
NO Theil der Silurinsel ein, wáhrend die schwarzen Schiefer die SW Hálfte
zusammensetzen. Die graue mittelkórnige guarzige Grauwacke entspricht beiláufig
derjenigen Varietát, die als grau-grůne Grauwacke im Eisengebirge bezeichnet
wurde. Sie geht durch Verfeinerung des Kornes in gebánderte licht- und dunkel-
graue feinfórmige Grauwacken ber, wie man dies unter der Kirche von Kostelec
(S Heřmanův Městec) sieht; auch bei Richenburg finden sich solche Grauwacken
unter den grauen kórnigen Gesteinen.
Die grauen Grauwacken enthalten ausser Ouarz und wenig zersetzten
Orthoklas nur spurenweise Glimmerschůppchen; sie sind wahrscheinlich von gleichem
Alter mit den graugrůnen Grauwacken des Eisengebirges, nur sind sie hier lokale
Bildungen, zu denen nicht der Dioritaphanit, wie im Eisengebirge, sondern schwarz-
grauer Auarzporphyr das Materiale lieferte. Es treten námlich in der Umgebung
von Richenburg bei Skuč, Lešan, mit der grauen Grauwacke auch schwarzgraue
Ouarzporphyre als gleichzeitige Bildungen auf und an diese lehnt sich die Grau-
wacke theils an, theils wird sie aber auch von den Porphyren durchsetzt. Diese
Grauwacken kónnten demnach auch als schwarze Auarzporphyrtuffe bezeichnet
werden. Die Trennung derselben von den Eruptivgesteinen, denen sie stellenweise
zum Verwechseln áhnlich sind, gelingt mit Sicherheit nur dort, wo die Lagerungs-
verháltnisse ganz deutlich sind, wo námlich die Schichtung den sedimentáren und
die Gangbildung den eruptiven Charakter der Gesteine unzweifelhaft bezeichnet.
Bei Lagergángen ist dann die Entscheidung schwer zu treffen. Gewóhnlich ist
aber die Grauwacke (oder Porphyrtuff) etwas weniger frisch und enthált Spuren
04
von Glimmerbláttchen. Zwischen Richenburg und Voldříš aber wird diese Grau-
wacke theilweise schiefrig und graulichgriůn, so dass auch hier eine Ahnlichkeit
mit der vorhin erwáhnten Grauwacke des Eisengebirges bemerkbar wird.
Auch die guarzige Grauwacke (oder Porphyrtuff) tritt in verschiedenen
Varietáten auf; namentlich sind sehr háufig phyllitáhnliche Grauwackenschiefer,
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die durch allmáhlige Úbergánge mit der Grauwacke verbunden sind, in denselben ©
eingelagert. Diese Grauwackenschiefer sehen den Grauwackenschiefern der Etage
B oder C der Umgebungen von Prag áhnlich.
Zwischen den Schiefern und Grauwacken besteht keine schánlé Gránze,
wie dies auf der Karte zwischen Žďárec und Voldříš angegeben ist, sondern der
Úbergang ist ein so unmerklicher, dass diese Gránze nur als eine durchschnitt-
lich mittlere anzusehen ist. Untergeordnet kommen in den Gesteinen der Schiefer- ©
parthie im SW Theile der Insel an den Gránzen mit Granit und Gneus verschiedene
Contactmetamorphosen vor. 80 sind gewisse Schichten ganz einem kleinkórnigen ©
recht festen Biotitelimmerschiefer áhnlich, wie zwischen Mrakotín und Babákov;
áhnliche Glimmerschiefer sind auch bei Stan und zwischen Vítanov und Chlum zu
sehen, wo sie die Phyllite von Hlinsko mit denjenigen von Kreuzberg verbinden.
Doch lásst sich, wie schon frůher angefůhrt wurde, das Alter dieser mit lenticu-
laren Auarznestern versehenen Glimmerschiefer keineswegs sicher nachweisen, so
das auch ihre Zugehórigkeit zum Laurentin nicht ausgeschlossen ist.
Am Contacte mit Granit werden auch Amphibolschiefer angetroffen, so
bei Vítanov, Stan, Unter-Babákov; doch bleibt es hier wegen mangelhafter Ent-
blóssung unentschieden, ob diese Amphibolschiefer zum obersten Laurentin gehóren,
oder ob sie umgewandelte cambrische Schiefer sind. Nahe an diesen Amphibolit-
schiefern finden sich recht háufig in den Gránzschiefern auch bis 1" máchtige
Lagerecánge von schiefrigem Felsitporphyr, wie derselbe bei Lukavic vorkommt,
und auch von rothem Granit; deutlich sieht man dies aber nur am Eisenbahn-
einschnitt.
Diorite und Auarzporphyre siad ebenfalls háufige Gránzbildungen, so bei
Plaňan, bei Babákov, Vojnoměstec und an andern Orten, doch sind die Ent-
blóssungen ůúberall mangelhaft.
Lángs der Gránze mit dem Granit sind die Phyllite oder stark gefáltelte
schwarze Thonschiefer als sogenannter Fruchtschiefer entwickelt, so von Mrákotín
an bis gegen Stan; aber auch etwas entlegener von der Gránze findet sich diese
Gesteinsvarietát in Phylliten eingelagert, so namentlich bei Vojtěchov.
Bei Kladné zeigen die Phyllite eine feine Fáltelung und ebenfláchige
Schieferung und enthalten keine Auarzausscheidungen, dafůr aber fůhren sie Stau-
rolith, so dass sie als Staurolithphyllite angefůhrt werden kónnen. Die schwarzen
Thonschiefer bei Hlinsko aber sind Andalusit(Chiastolit)-Schiefer. Úbergánge werden
úberall háufig angetroffen.
Gewisse Schichten, besonders an den Gránzen, sind durch dichten sehwarz-
grauen, mit kleineren weissen Auarzadern durchschwármten Lydit, ersetzt. Solche
Lydite bilden lenticulare Schichten in ganzen Ziůgen, wie nahe der Gránze bei
Dědová, wo ausser schwarzen Lyditen auch blaufleischrothe, manchem Felsit
ahnliche Lydite vorkommen, die etwas gestreckte Glimmermembranen fůhren, so
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'namentlich bei Čertovina am Metkový kopec, bei Oflenda und bei Mrákotín. Die Lydite
'bilden in Folge ihrer grósseren Festigkeit in dem Schieferterrain flache Kuppen. Auch
„weiter von den Gránzen finden šich einzelne Schichten von Lydit vor, so bei Kladné,
(Vojtěchov, SO von Holetín, jedoch in nur ganz untergeordneter Lagerung.
S von Chlum (N von Kreuzberg) sind die Thonschiefer in Ottrelitschiefer
| umgewandelt.
Wenn Schollen von Schiefern im Granit eingeschlossen erscheinen, so sind
| dieselben, insofern sie weit von děr Silurgránze auftreten, wie bei Stružinec, wo solche
| grossen Schieferbrocken von grauem Granite umhůllt werden, in Amphibolit umge-
'wandelt; nahe an der Šilurgránze aber, wie im rothen Granite W von Kreuzberg,
(sind die zahlreichen Schieferschollen in dem Granite stark metamorphosirt und
E n gefárbt.
Bemerkenswerth ist es, dass in den Schiefern auch graue kleinkórnige Grau-
Říh (vielleicht Borpiivtulřé) vorkommen, die jedoch keine scharfe Scheidung
(zulassen, so bei Ober-Holetín.
Bei Kladné, W im Štrassenbuge kommt in etwas gefalteten grauem Stau-
"rolithphyllit eine '/„" máchtige Schicht von feinkórnigem Ouarzit vor. Ein áhnlicher
Ouarzit, als graue feste guarzige Grauwacke auf der Karte bezeichnet, findet sich
-in grósseren Massen zwischen Kreuzberg und Vojnoměstec, stellenweise auch mit
"grůnlichen Phylliten wechsellagernd. Diese feste guarzige Grauwacke ist in den
"Klůften von Haematit roth gefárbt, der in derselben oft ganefórmige Nester bildet,
und in denselben Anfiůge von Malachit und Lunit enthált. Das Vorkommen dieser
feinkórnigen, festen,; dguarzigen Grauwacken (oder Auarzit) deutet das Alter der
Kreuzberger Schieferzone an. Da námlich in der Etage A solche Guarzite oder
Grauwacken nicht vorkommen, so kónnen die Schiefer-Gesteine trotz der bedeu-
tenden Ahnlichkeit mit gewissen Schichten der cambrischen Etage A und trotz
des auch bekannten Vorkommens von Lyditen in denselben, doch nur der Etage
B zugetheilt werden, weil solche guarzitische Gesteine im centralbohmischen Becken
nur in dieser Etage auftreten.
In dem Gebiete der grauen guarzigen Grauwacken kommen ausser den
schon vorerwáhnten Phyllit-Thonschiefern auch solche Grauwacken von feinem
Korne vor, die an die Kostelecer Šchichten (S von Hefřmanměstec) erinnern,
folglich auch móglicher Weise der cambrischen Etage B angehóren. Nebstdem
sind auch feste oraue guarzige Grauwacken namentlich bei Richenburg und im
Thale des Krounabaches, N von Richenburg neben grauen tuffigen Grauwacken
háufig eingelagert,
Lydit tritt hier nur selten auf; nur bei Kutřín findet er sich im Contact
zwischen Grauwacke und Granit.
In der Peralecer kleinen Schieferinsel ist auch ein Zug von grůnlichen
kórnigen Grauwacken mit den Schiefern verbunden.
Diese Merkmale deuten darauf hin, dass die Grauwackenschiefer, Thon-
schiefer und Grauwacken, sowie die Phyllite hóchst wahrscheinlich den cambrischen
Schichtenzonen angehóren, indem sie eine so grosse Ahnlichkeit mit den Gesteinen
der mittelbohmischen Etage B haben, wobei jedoch keineswegs das Vorhandensein
der Etage A und der Primordialzone C ausgeschlossen ist.
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Die sámmtlichen Schichten der grossen Schieferscholle stehen bei dem
Streichen von N nach S beinahe am Kopfe, desshalb die Entscheidung, was das
Liegende oder Hangende darstellt, schwer zu treffen ist. Es gilt freilich als Regel,
dass gewóhnlich in einer Schichtenzone die gróberen Schichten die álteren, die
weniger groben, also die schiefrigen, die jingeren sind. Dem zu Folge wáren die ©
Grauwacken von Skuč das vermuthliche Liegende, und die Schiefer von Hlinsko ©
das Hangende der hiesigen Schieferbildung. Allein da auch Abweichungen von ©
dieser Regel bekannt sind, indem allenfalls die mittelbohmischen Etagen A und..
B im Zusammenhange in den tieferen Schichten A aus Schiefern, also aus feineren ©
Gesteinen, in den hóheren Schichten B aus Grauwacken und Schiefern bestehen;
und da es weiter nicht entschieden ist, ob in dieser Schieferinsel nur eine oder
mehrere cambrische Etagen entwickelt sind, so ist auch der Hinweis auf die obige ©
Regel nicht maassgebend, und es bleibt also das Liegende und Hangende unsicher.
Die Schichten streichen, wie erwáhnt, meist von N nach S und stehen
am Kopfe; nur gegen die Gneusgránze nehmen sie ein sanfteres Verfláchen an
und streichen an dieser Gránze selbst lángs der Contactlinie, so dass nur spátere
Verschiebungen in den gehobenen Schichten die Richtung des Štreichens geándert
haben konnten. |
Wenn man das Verfláchen der mit Grauwackenschiefern und Thonschiefern
wechsellagernden Grauwacken von Skuč ber Žďárec, Račic, Voldřetic verfolet, so
ergiebt sich im Mittel das Verfláchen nach 7'/;" mit 809—909, und ebensoháufig
auch das entgegensetzte Einfallen nach 19" mit 809—909. Sůdlicher von Ranná ©
neigen sich die Schichten im Mittel schon nach 3" mit 359 (2"/,"-—4* ) und sind
vielfach gebogen oder antiklinal gewólbt, wie bei Vojtěchov an der Eisenbahn.
Nebstdem stellt sich eine Zerklůftune ein, deren Verfláchen nach 1" mit 80“ geht.
An solchen Orten enthalten die Schiefer zahlreiche Nester von halbdurch-
sichtigem OAuarz, so wie armdicke Lagergánge von GAuarz mit scharfkantigen
Schieferbruchstůcken.
Bei Kladné, also noch náher an der Gneuseránze, von derselben nur 1",
km. entfernt, wurde ein Verfláchen der Staurollitphylite nach 4"—5*" mit 209—329
beobachtet. Ahnliche Verháltnisse bemerkt man auch an den festen, grauen, guar-
zigen Grauwacken am Krounabache N von Richenburg, wo dieselben mit schwarzen,
schiefrigen Grauwacken wechsellagern, und dadurch ihren Schichtenbau ganz deut-
lich zeigen. Bei Dol und Lhota fallen die Schichten am linken Bachufer meist
nach 5; —9" mit 659—909, am rechten Ufer meist nach 16*—18* mit 75. Bei
Richenburg, westlich von der Kirche in der Schlucht haben die Schichten nahe
am Ausbiss, also hóher im Schluchtgehánge, das Verflichen nach 21" mit 36"
bis 389, wáhrend an der Sohle der Schlucht ihr Einfallen sich nach O wendet,
und die Schichten also eine isokline Mulde bilden. Bei der Miihle NW von
Kutřín in der Richenburger Schlucht, nur etwa "'„ km. von der durch Granit-
gánge zahlreich durchsetzten Gránze, geht das Verfláchen nach 20%," mit 17",
also der Richtung der Gesteinsgránze angepasst, obwohl noch bei Hněvětic die
Schichten ganz saiger stehen.
Bei Mrakotín ist das Einfallen des Glimmerschiefers nahe an der Granit-
gránze noch nach 8" mit 809— 90“ gerichtet; bei Dolní Holetín wechselt es aber
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„mach 9% mit 889 bis 909 oder entgegengesetzt nach 19"—20* mit eben demselben
| steilen Winkel. Bei Stan, 2'/, Km. SW von Hlinsko, ist, ganz nahe an der Gneus-
(gránze die Lagerung wieder so geándert, dass sich Schichtenneigungen nach 15 *
| mit 85" zeigen. An solchen gestorten Stellen kommen auch amphibolháltige umge-
(wandelte Schiefer vor. Bei Vítanov an der Eisenbahn wurde stellenweise das Ver-
| fláchen nach 23" mit 439 beobachtet.
NW von Kreuzbere haben die graulichgrůnen, phyllitáhnlichen Thonschiefer,
Vin denen in gewissen Schichteň auch Amphibolnadeln im Gemenge erscheinen,
(das wechselnde Verfláchen nach 10:*—14* mit 20—509, weil úberhaupt diese Silur-
' schieferscholle durch bedeutende Zerklůftune im Grossen ganz zeřstůckt ist. Im
' Kreuzberg selbst (N) verfiáchen die Schiefer, die hier durch "/„" máchtige aplit-
' ahnliche Graniteángce durchsetzt werden, nach 8" mit 45"; sie befinden sich hier
-schon ganz nahe an der Graniteránze. Dass auch in der kleinen Scholle im Granit
| zwischen Peralec und Podměstí das Verfláchen und die Richtune desselben sich
-sehr ándert, ist wahrscheinlich eine Folge der Guetschung derselben. Eine Be-
| stimmung der Richtung des Einfallens ergab hier 4" mit 72.
| In der Náhe der Granitgránze bemerkt man an manchen Orten, wo die
| Entblóssuncen gůnstig sind, wie bei Maliny (SW Skuč), Kreuzberg und Stan,
-dass die Schiefer von Granitgángen durchsetzt werden. Diese wenig máchtigen
Graniteánge haben aber nicht die typische Zusammensetzune der bedeutenderen
- Granitmassen, sondern sie sind theils aplitisch, theils etwas porphyrartig.
g) Jůngere Gesteine auf dem Laurentin und Silur des Eisengebirges.
Die jingeren auf dem alten laurentinischen oder silurischen Terrain des
Eisengebirges abgelagerten Formationen nehmen nur einen sehr beschránkten Raum
ein. Sie sind blos die noch ůúbrig gebliebenen, nicht weggeschwemmten Reste
von Schichten, die nicht nur das Eisengebirge, sondern einen grossen Theil von
Bóhmen bedeckt haben und wegen der schon fertig dastehenden Gestalt des Eisen-
gebirges, besonders zur Zeit des Kreidesystems von den geneigten Fláchen des
Gebirges leichter wieder weggeschwemmt werden konnten, als. es in dem mehr
ebenen Flachlande der Fall war.
Von jiůngeren Bildungen, die sich an geschůtzteren Stellen als Úber-
deckung der álteren Gesteine erhalten haben, treten hier nur Reste des Perm- und
Kreidesystems, so wie auch einige Alluvialbildungen auf.
Das Permsystem.
Dasselbe ist hier nur mit den allertiefsten Schichten des unteren Perm-
systemes, u. zw. in seiner limnischen Ausbildung, als sogenanntes Rothliegendes,
in der beckenartigen Vertiefung zwischen Seč und Rudov vertreten, Diese durch
ihre ganz gůnstige und geschůtzte Lage vor gánzlicher Abschwemmune verschont
gebliebenen Permschichten, die von dem náchsten Vorkommen gleichalteriger Ge-
steine bei Bohmisch-Brod, Pecka, Rokytnic gleich weit, etwa 50—60 km entfernt
B*
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sind, geben Anhaltspunkte zu der Ansicht, die úbrigens. auch durch andere Be-
obachtungen bestátigt wird, dass das Permsystem einst beinahe ganz Ostbohmen
bedeckt haben mochte.
Die hier beobachteten Reste der Permformation nur sind 9anz unbetráchtlich
und auch meist von Ackererde bedeckt; doch verráth sich ihre Anwessenheit schon
vom weiten durch die róthliche Fárbung des Bodens. Sie bestehen aus ziemlich
consistenten, rothbraunen Arkosen, Sandsteinen und Conglomeraten, in wenig nach
N geneigten Schichten; man trifft sie N von Seč (O von Žďárec) unterhalb der
Wálder von Kraskov an, wo sie in einem kleinen Steinbruch gut entblósst sind.
Diese Conglomerate sind in Betreff ihres Gesteinscharakters ganz áhnlich den
bekannten Gesteinen dieser Formation am Fusse des Riesengebirges. Dieser per-
mische Rest bildet nur eine kleine Parthie von 1 km Lánge und Breite; ein
zweiter gróssere Rest unweit davon bei Počátek hat die Ausdehnung von 5 km
und eine Breite von 2 km; der Granit und Syenit, der hier die Unterlage des
Perms bildet, trennt zugleich beide Parthien von einander.
Zwischen Počátky, Kraskov, Skoranov, Staré Dvory bis Rudov liegen die
ganz flach gelagerten Permschichten theils auf rothem Granit, theils auf Gneus.
Die Schichten sind hier bróckelig und weniger fest, und bestehen aus einem
oroben GAuarzsandstein mit rothem thonig-elimmerigen Bindemittel, obwohl auch
festere Conglomerate und sogar graue sandige wenig feste Schieferthone wie in
Kraskov, wo sie mitten im Dorfe gegen S mit 15“ verfláchen zum Vorschein
kommen. Lánes des NO Fusses der Kaňková Hora, an die sich die Permschichten
anlehnen, findet man oberfláchlich zerstreut auch róothliche Hornstein- und Jaspis-
knollen, die gewiss aus den zerbrockelten Permschichten herrůhren. Schon wegen
dieser Knollen allein kónnen diese rothen Šchichten nicht als Vertreter des unteren
Cenomanes, das manchmal auch róthlich gefárbt erscheint, indem es stellenweise
durch Zusammenschwemmung von permischen Schichten entstand, angesehen werden ;
úbrigens wirden dieser Annahme auch die Conglomerate widersprechen, da sie in
der hier vorkommenden Weise nirgends in unserem Kreideterrain bekannt sind.
Die hier vorkommenden Schichten gehóren offenbar zu der allertiefsten
Schichtengruppe der bohmischen Permformation; ihre Máchtigkeit ist hier so gering,
dass das an den tiefsten Stellen des Systems an sehr zahlreichen Orten ent-
wickelte schwache Steinkohlenlager, oder statt dessen die bituminosen Schiefer
(Brandschiefer), hier durchgehend fehlen.
Das Kreidesystem.
Abgesehen von dem ostlichen niedrigen Ausláufer des Eisengebirges am
rechten Elbeufer zwischen Lžovic und Jelen, wo die Schiefer desselben von ober-
cenomanen und unterturonen Schichten des Kreidesystems bedeckt werden, kom-
men Schichten der rings um das Gebirge verbreiteten Kreideformation nur in
geschůtzten Lagen des Gebirges selbst vor, dessen hóhere Parthieen zur Kreide-
zeit vielleicht inselformig aus dem Meere hervorragten.
Ein solcher Rest von obercenomanen Schichten (Korycaner Sch.), aus
einém Kalksandstein mit vorherrschendem Kalkgehalte bestehend, nimmt die tiefe-
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ren Lagen O von Vinařic an rechtem Ufer der Elbe ein, und zieht sich von da
| als ein nicht breiter Streifen auf die Lánge von 2 km: Die sandigen Kalksteine
© enthalten stellenweise die fůr die obercenomane Stufe charakteristischen Versteine-
, rungen, treten aber selten zu Tage, da sie meist unter Moorerde in Bodendepres-
- sion verdeckt sind. Die Máchtigkeit derselben ist nur gering; die Lagerung der
Schichtenplatten ist horizontal. Nahe NO von Bernardov ist ein einziger Rest
von obercenomanen meist zerfallenen Sandsteinen erhalten.
In der Semtěšer Schlucht zwischen Semtěš und Vápenka trifft man einen
kleinen Rest von Sandstein mit eisenschůssigem Bindemittel an; es ist měglich,
dass derselbe einen Rest von untercenomanen Schichten darstellt; aber auch das
ist móglich, dass er zu den losen Sanden gehórt, wie sie auf dem Eisengebirge
hier háufig vorkommen und dass er erst spáter durch den aus der Zersetzung des
| Alaunschiefers der Etage A entstehenden Limonit verkittet wurde. Es ist jedoch
| das Vorkommen gar zu geringfůgig.
Erst ziemlich weit gegen Osten u. zw. zwischen Libáň und Radochlín
-sowie S von Malé Lukavice W von Žumberg (im Walde v Dubinách, pod Víš-
"kama bei der Libáňer Ságe gut entblósst) trifft man schwache Decken von losen
- feineren bis groben Sanden an, u. zw. auf einem mit Teichen bedeckten Plateau.
ju weissen und gelben Sande werden von graulichweissen thonartigen Schichten,
£ unmittelbar auf Granit ruhen, unterlagert. Sowohl die Thone als auch die
- Bande, deren Gesammtmáchtigkeit eine ganz unbedeutende ist, stellen einen Rest
der tiefsten Lagen von untercenomanen Schichten (Perucer Sch.) vor, die mit den
mur 2—3 km entlegenen analogen Schichten von Lukavic und Smrček einst im
Zusammenhange waren.
Ebensolche weisse Sand- und Schottermassen, meist aus Auarzgeróllen
bestehend, im Liegenden aber aus weissen thonigen Schichten (das ist aus auf-
gelósten sandigen Schieferthonen) zusammengesetzt, breiten sich flach auf den stark
umgewandelten Grauwackenschiefern und schiefrigen Grauwacken der Schieferinsel
von Hlinsko u. zw. am flachen Westgehánge bei Voldřetic aus. Sie sind gleich-
falls zerfallene Reste des unteren Cenomanes, von dessen intactem Complexe bei
Skutičko sie nur 3 Kilom. entfernt sind. Die durch die Eisenbahn entblóssten
„Schichten, aus vorherrschenden weissen Geróllen von Auarz und auch aus dunklem
Lydit, sowie aus weissen, groben Sandlagen bestehend, die in einem weissen tho-
migen Bindemittel stecken, stellen eher Schotter und Sandbánke als Schickten
von Sandstein und Conglomerat vor, sind aber durch Lockerung aus denselben
entstanden. Die Máchtigkeit dieser Schichten betrágt mehr als 3—4", auch důrfte
im Liegenden weisser Thon verborgen sein.
Eine sehr bedeutende Lánge von 6 km bei der Breite von nur 1 km
besitzt der Rest der allertiefsten zerbróckelten untercenomanen Schichten, an der
bohmisch-máhrischen Gránze, wo sie eine flache Vertiefung ausfůllen. W vom
Byratka sind die allertiefsten Schieferthone der untercenomanen Schichten zu
graulich weissem sandigen Thon zerfallen, und werden von einer ganz unbedeuten-
den Decke von weissem Ouarzsand bedeckt, auf der sich dann Torf von ';"
Máchtickeit ausbreitet.
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In der Niederung am Svratkabache werden die Thone als guter Modellir-
und Těpferthon benůtzt; die Máchtiskeit důrfte nach der Tiefe der Gruben zu.
schliessen etwa 6" betragen. Gegen Krejcar und Kameničky zu steigt die Terrain-
Depression etwas an und man findet daselbst nur lose Auarzschottermassen mit
untergelagerten, weissen thonigcen Schichten, die aber nirgends deutlich entblósst
sind. Dieser Rest von ganz gelockerten und zerfallenen untercenomanen Schichten
zwischen Kameniček und Svratka ist von den náchst gelegenen zusammenhángen-
den Gebilden der Kreideformation bei Vojnoměstec 7 km entfernt.
Ganz kleine Reste von untercenomanen Sandsteinen und mit Limonit ver-
kitteten Conglomeraten finden sich bei Čertovina unweit Hlinsko; Limonite aus
ebendenselben tiefsten Schichten bei Voldříš (NW von Krouna). Diese gering-
fůgigen Reste sind auf der Karte nicht dargestelit.
Diluvium und Alluvium.
Auf dem Ausláufer des Bisengebirges am rechten Elbeufer, sowie N von
Elbeteinic, sind auf den Hohenfláchen Auarzkiese und Schotter verbreitet, die
offenbar aus zerfallenen, zusammengeschwemmten cenomanen Sandsteinen, sowie
aus Sanden bestehen, welche die Elbe aus den zerbróckelten Schichten des Perms
des Riesengebirges zugeschwemmt hat. Diese Sande und Schotter sind eine alluviale
Bildung, und gelansten in ihre jetzige Lage durch die ehedem bei Elbe-Teinic
aufgestaute Elbe, bevor dieselbe ihr jetziges tieferes Flussbett in den Schiefern
ausgewaschen hat. Man kónnte diese Alluvionen allenfalls auch als álteres AL-
luvium bezeichnen, zum Unterschiede von dem im jetzigen Inundationsgebiete
verbreiteten jiingeren Alluvium, das nach Durchwaschung der Felsenwehr von
Elbe-Teinic sich in einer tieferen Lage absetzt. Dass áltere, auf der Plateau-
terasse verbreitete Alluvien nicht an Ort und Štelle liegen gebliebene zerfallene
cenomane Schichten, sondern angeschwemmte Sande und Schotter sind, wird da-
durch bewiesen, dass sie auf turonen Plánern liegen und dass sie Bruchstůcke
von eben denselben Plánern enthalten.
Im Elbe-Alluvium finden sich auch Bruchstůcke von Psaronien; ein Hin-
weis auf die Entstehung des Flusssandes und Schotters aus permischen Schichten.
Auf dem Plateau des Eisengebirges zwischen Morašic, Krasnic und bei Litošic,
dann bei Vedralka und WW von Vápenka finden sich lose weisse oder bráunliche
Anháufungen von sehr feinem Guarzsand. Stellenweise, besonders gut sichtbar
NW von Vápenka, bilden diese Sande langgezogene Wálle von meist 4 Metern
Hohe. Es sind das ebenfalls Alluvien, nur ist deren Abstammung nicht immer
sicher. Dort, wo sie sich in flachen Niederungen in der Náhe von Teichen finden,
důrften sie den Boden von Wasseransammlungen darstellen, in welche sie als ©
Abschwemmung der letzten Reste der Kreideschichten vom Plateau des Eisen- ©
cebirges gelansten. Es ist jedoch auch měglich, dass diese feinen Sande als Flug-
sand durch Wind vielleicht aus der Elbeniederung, wo cenomane zu Sand zerfallene
Schichten vorkommen, heraufgeweht worden sind.
Andere Alluvialbildungen im Eisengebirge finden sich im Gebiete von noch
bestehenden Teichen.
M le E 4. M m dě 2"
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Lehm ist im Eisencebirge selten. Er kommt theils an Stellen vor, wo noch
© Reste von Kreideschichten nachweisbar sind, als deren letztes Product der Auflósung
-er hinterblieb, wie bei Voldřetic (SW von Skuč), bei Dolívka und NO von Hlinsko,
wo bei Čertovina noch ganz unbedeutende Spuren von untercenomanen Sandsteinen
yorkommen, oder er findet sich als Gehánglehm an aus Granit oder Gneus be-
| štehenden Bergen.
| Einen solchen aus der Verwitterung dieser Gesteine entstandenen und
E scnwemintén Lehm sieht man allenfalls bei Rudov, am rechten Ohebkaufer
| bei Bojanov, bei Ober-Bradlo, Trhová Kamenice und Krouna; im Ganzen aber
Cist der Lehm im Eisengebirge recht selten, weil eben Schichten des Kreidesy-
„stems fehlen.
vá In feuchten Thalniederungen trifft man auch Torf an, so W von Elbe-Teinic,
-bei Březinka (SO von Podhořan), S von Dolan (SOS von Heřmanměstec), O von
| Citkov, W von Mladonovic, zwischen Hrbokov und Deutsch-Lhotic, bei der Zlatník-
| pe, zwischen Slatiňan und Chrudím.
Ebenso sind die feuchten Thalschluchten im Gebiete der Thonschiefer dg,
Fčiche mit Pyrit impraegnirt sind, so in den Schluchten des Geheges „Kočičí
Ocas“ oder „pod kočkou“, SSO von Heřmanměstec durch Limonitfárbungen auf-
fillie und es tritt hie und da auch Rasenerz auf, namentlich im vermoorten Boden.
Sehr bedeutend sind die Alluvionen, die aus durch Lehm verbundenen
( Blsken bestehen, im Gebiete zwischen Chlum und Stan (SSW Hlinsko) verbreitet.
© Erwáhnenswerth sind noch die Geróllmassen des Báchleins, welches den linksseitigen
Zufluss des Okrouhlicer Baches bildet und der bei Svídnic in die Ohebka miindet.
Unter Petříkov bei Pohořalka sind diese Schottermassen durch alte Šeifen auf-
gewůhlt; der Zweck der Seifen ist unbekannt.
9. Das Kreideflachland NO vom Eisengebirge.
Den NO allmáhlich sich verflachenden Fuss des Eisengebirges beoránzt
das Kreideflachland des Chrudímer und Kónigorátzer Kreises, welches nur ganz
sanfte Wellenhůgel oder auch ebene Stufen bildet, wie dies der horizontalen
© Schichtung entspricht.
% Von Krakovan angefangen bis Trnavka lehnen sich an das alte Eisen-
gebirge meist nur die Alluvionen der Elbe an, so dass aus ihnen nur an erhóhten
3 Stellen der turone Pláner in flachen E unu hervorragt, wie dies bei Krakovan
der Fall ist. Am linken Elbeufer aber umsáumt von Kojic an bis Jankovic ober-
Ccenomaner Auadersandstein (Korycaner Stufe) den Fuss des Gebirges; zuerst bei
Kojic als enger Streifen, dann zwischen Jankovic bei Lhota Přeloučská als ziemlich
breite Fláche. N von den flach liegenden Ouaderschichten, die leicht zerbrockeln
und demnach mit losem feinen Sande bedeckt sind. breiten sich nur Elbe-
alluvien aus.
Solche obercenomane Ouadersandsteine drincen theils als wirkliche Schichten,
theils schon zu feinem Sand zerfallen, in die Thalbuchten des Eisengebirges ein, 50
bei Zdechovic und Morašic. Innerhalb der Ouader kommen auch kalkig sandice
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Schichten, meist als Uferbildungen, mit zahlreichen Versteinerungen zum Vor-
schein. Solche Ufergebilde des Korycaner Kalkes dringen in Form von Zungen in
das Terrain der álteren Gesteine ein, wie bei Telčic, wo sie schwach gegen N
geneigt sind. ;
In der meist mit feinem Sand bedeckten Ebene, unter der die Korycaner
Ouader liegen, zeigen sich zwischen Zdechovic und Lhota Přeloučská flache, aus
álteren Gesteinen des Eisengebirges bestehende Hůgel, und in deren Náhe Reste
von turonen Plánern, wie zwischen Chvaletic und Zdechovic, so wie bei Spitovic.
Von Jankovic bis Tupes bilden nur turone Pláner die Begránzung des
Eisengebirges, indem der obercenomane Guader unter denselben sich verbiret.
Nur bei Podvrd zeiot sich derselbe zwischen den Schichten der Zone B und dem
Pláner. —
Von Tupes bis Raškovic sind zwar ebenfalls turone Pláner úberall an der
Gránze vorhanden, sie treten aber nur in den erhóohten Terrainstufen frei zu
Tage, sonst sind sie aber mit máchtigen Lehmdecken bedeckt. Auch in den
Buchten findet man noch Reste von Plánerschichten, wie in der Thalschlucht
zwischen Chrtník und Švojšic.
Von Raškovic an drinet die Kre'deformation tiefer in das Eisengebirge
ein, indem sie úber Stojic, Vlastějov, Vyžic, Kostelec, Nové dvory bei Heřman-
městec einer weite Thalbucht einnimmt, aus der nur in Thalschluchten, wie bei
Vlastéjov und Kostelec oder an den Gipfeln der Erhohungen áltere Gesteine ent-
blósst erscheinen.
Hier sind auch zwischen den Korycaner Auadern und den Schiefern des
Eisengebirges die untercenomanen Perucer Schichten eingeschaltet. Nahe der
Gránze mit den Korycaner Sandstejinen zwischen Vlastějov und Kostelec sind die
Perucer Schichten in ihrem Hangenden sandsteinartig, im Liegenden aber durch
Zerfallen der graulichen Schieferthone thonig lettig, und von losen Sanden, Kies
oder Schotter als dem Rest von aufgelósten Sandsteinbánken bedeckt. Diese lie-
gendste Parthie zwischen Vyžic und Kostelec (S Heřmanměstec) enthált Knollen,
Nester und platte důnne Lagen von Limonit oder mit Limonit verbundene Sande,
und aus derselben wird durch Graben bis 6" tiefer grubenartigen Vertiefungen
das Erz fůr den Hedwigsthaler Hochofen zeitweilig noch gewonnen, namentlich
anf dem Riede „na jezerkách“.
Úberhaupt ist bei Kostelec der Ausbiss der tiefsten Lagé der Perucer
Schichten, welche oft auch róthlich gefárbt sind, durch herumliegende kleine Fund-
stůcke von Limonit angedeutet.
Die flach gelagerten obercenomanen Sandsteine von nicht bedeutender
Haltbarkeit enthalten als gleichzeitice Bildungen kalkige Sandsteinschichten (Ko-
rycaner Kalk) mit zahlreichen Versteinerungen. Die Lagerung der Schichten ist
eine beinahe ganz flache, nur wenig nach N geneigte, und bei Heřmanměstec in
einer bedeutenden Breite entwickelt. Erst W davon beginnen die turonen Pláner-
schichten und bilden eine zusammenhangende Decke der cenomanen Sandsteine.
Merkwůrdig ist bei Nové dvory (O von Heřmanměstec) eine Stelle, welche
das gewesene Ufer des Kreidemeeres genau andeutet. Man sieht hier námlich Klippen
einer festen guarzigen Grauwacke, um welche herum weisse, kalkige, etwas porós
13
luckige, mit fingerdicken Lagen weissen erdigen Kalkes durchsetzte Sandsteine der
» Korycaner Stufe horizontal abgelagert sind. Die Klippen, sowie einzelne, zerstreute
- grosse Grauwackenblócke sind an den Kanten abgerundet und die Blócke ellyp-
I soidal abgeschliffen, gerade so wie an sandigen Kůsten, wo kleine Klippen von
|- der Brandung der Wellen benagt und abgerundet werden. Ahnliche, jedoch nicht
so deutliche Uferbildungen finden sich auch bei Tupes und Spitovic.
Von Chotěnic bis zur Dolanmůhle und bei Holíčky herum bis Janovic
nehmen die Korycaner sandigen Kalksteine eine ziemlich grosse Bucht ein, haben
aber entweder keine oder nur eine unbedeutende Unterlage von Perucer Schichten.
(In den krystallinischen, weissen sandigen Kalken kommen hier háuůg Cidarisstacheln
Ť vor. An der Gránze mit den altsilurischen Gesteinen sind die Korycaner Kalk-
- steinschichten ziemliche geneigt gelagert, so bei der Bačala-Můhle nach 8* mit
269, nehmen aber in der Tiefe bald eine flache Lagerung an.
Zwischen Janovic bis Sobětuchy bildet der Korycaner Auader eine breite
Zone im Eisengebirge; bei Skupic wird er durch sandigen Kalkstein ersetzt; meist
tritt er aber als zerfallener Sand (wie bei Lhotka) auf und trágt theilweise auch
Pláner im Hangenden.
Um die Hůra herum bis Slatiňan und bei Škrovád sind nur Lehme als
© Beckung der Kreideformation angetroffen. In dem Thale der Ohebka bei Škrovád
- aber sind an der Basis der Formation wieder Perucer Ouadersandsteine entblósst
i und durch grosse Šteinbrůche aufgeschlossen. Darůber bilden wieder Korycaner
Ouader die Decke, und breiten sich von Kuchanovic bis Gross-Lukavic aus; NO
von Kuchanovic treten dazwischen auch sandige Kalksteine auf, die hier wegen
Mangel an anderen Kalken zeitweilig gebrannt werden.
Weiter óstlich von Lukavic angefangen lassen sich an der Gránze der
zum Eisengebirge gehorigen alten Gesteine in einem ununterbrochenen Zuge bis
Proseč, bis zu den Gránzen unserer Karte die untercenomanen Schichten ver-
folgen. Dieselben bilden einen Zug von Lukavic úber Bitovánky, Studená Voda,
W Smrček, W Hlína, Kostelec, Skutičko, N Skuč ist das Thal von Richenburg-
Luže, wo dieselben im linken Ufer bis Doly gehen, dann aber im rechteu Ufer
- úber Zhoř, Hněvětic, Kutřín, Peralec, Zderaz, Bor bei Proseč O sich weiter
- fortsetzen.
Bei Bitovánky und Studená Voda bestehen diese Schichten nur aus zu
Schotter zerfallenen Bánken, zwischen Smrček (W) und Hlína (S) aber lagern sie
- ach und sind nur als die tiefsten thonigen Schichten in der mit Teichen bedeckten
-— Ebene vorhanden.
O von Hlína angefangen am Fusse der hier deutlich als eine Terrainterasse
auftretenden Schichten der Kreideformation kommen am Fusse derselben u. zw. zu
allertiefst rothbraune thonige Sandsteine (oder mergelige sandige Schiefer), so wie
rothe (eisenschůssice) Sandsteine zum Vorschein. Diese tiefsten rothen Schichten
ziehen sich, indem sie auf Granit aufruhen, am Fusse der erwáhnten Terasse úber
Kostelec bis gegen Skutičko. Die tiefsten rothen untercenomanen Schichten stellen
sich wegen den reichlichen Impraegnationen und auch wegen den ausgeschiedenen
Nestern von Limonit als eine eisenerzfůhrende Schichte dar. Es ist nicht unměglich,
dass abgeschwemmte permische Schichten, welche einst vor der Bedeckune des
14
Landes durch das Kreidemeer so sehr verbreitet waren, wenigstens theilweise diese
rothen Fárbungen der Schichten bedingt haben.
Erst. oberhalb dieser rothen Schichten folgen sandice graulichweisse Schie-
ferthone mit eingelagerten dunkelgrauen Schieferthonen, die schwarze Braunkohlen-
schmitze und Kohlennester fůhren, worauf erst die lichten, festeren, sogenannten
Perucer (untercenomanen) Ouadersandsteine folgen. Die Máchtigkeit der einzelnen
Abtheilungen ist wechselnd; meist fehlen die tiefsten rothen Schichten. Hier bei
Kostelec wurde 10—20" als Máchtigkeit der Zone bestimmt.
Der áusserste Rand der Kreideformation besteht aus zerfallenen Sandsteinen
oder zu Thon aufgelósten Schieferthonen; weshalb dieselben am Fusse der Terasse
von Kostelec bis Richenburg die bedeutende Breite von 1 Kilom. und darůber ein-
nehmen. Bei Skutičko, wo die Perucer Schichten zu Tage ausgehen, dann bei Št.
Anna in dem Roubovicer Thálchen (hier jedoch unter Plinerůberlagerung), wurde
allerdings ohne Erfolg auf Kohle geschůrft, die hier in Nestern als eine schóne
schwarze Braunkohle vorkommt und von bráunlich hyacinthrothem Šuccinit in
bis kindskopfgrossen Knollen begleitet wird.
In der Schlucht von Richenbure-Luže sind am Krounabache bei Doly, die
bis 6" máchtigen Perucer Schichten sehr gut entblósst. Sie ruhen hier auf Grau-
wacken, verfláchen sanft gegen N und bestehen aus sandigen, lichterauen Schiefer-
thonen und aus nur wenigen Sandsteinen mit dunkelcefárbten Schieferthonschichten,
welche die Vertreter der kohlenfůhrenden Schicht sind.
Erst bei Peralec werden die Perucer Schichten máchtiger, indem die
hangenden Auadersandsteine ansehnlich anwachsen. Auch hier sind die aller-
tiefsten Schichten róthlich gefárbt wie bei Kostelec, jedoch nicht so verbreitet.
Die liegenden sandigen Schieferthone enthalten auch hier bis fingerdicke Pláttchen
von Limonit sowie Nester von schwarzer Braunkohle, in gewissen Lagen auch
Krystalgruppen von Markasit.
Im weiteren Verlaufe des Streichens gegen O erweitern sich die máchtigeren
untercenomanen Auader bei Bor bedeutend und erlangen daselbst ihre máchtigste
Entwickelung im Gebiete des ganzen Eisengebirges.
Die hoheren obercenomanen (Korycaner), úber der Perucer Zone gelagerten
Schichten, treten in dem seichten Thálchen von Bitovan deutlich zu Tage. Sie sind
hier theils merglig, sandig, theils rein merelig oder sandsteinartig, durchgehends
aber reich an Glaukonitkórnern. Der Zug der grůnlichgrauen feinkórnigen Sand-
steine folgt der schwachen Neigune bei Studená Voda ber Smrček, Hlína in das
Kostelecer Thal. Bei Smrček und Hlína sind reichliche Versteinerungen zu finden
so namentlich: Ostrea carinata, Cardinm Hillanum, Exogyra columba, Ammonites
cenomanensis, Cidarisstacheln u. s. w. Von Kostelec an úber Skutičko, Štěpánov,
Zbožnov, Lhota, Doly, Brda, Zhoř, Hněvětic, Peralec, Zderaz ist der Korycaner
Ouader nur in dem Gehánge der Terrainterasse anstehend zu finden. Bis Zhoř ist
seine Máchtigkeit entweder eine gróssere, oder mindestens eine gleiche mit dem
darunter liegenden Perucer Auadern; zwischen Peralec und Bor werden die unteren
Ouader aber bedeutend máchtiger. Zwischen Lukavic bis Hlína, von wo sich ein
almáhliges Ansteigen der turonen Pláner úber den cenomanen Sandsteinen zeigt,
bildet das Kreideplateau den Fuss des Eisengebirges oder bleibt doch annáhernd
15
-jm gleicher Hóhe mit demselben. Von Kostelec an bis Bor aber bilden die Pláner
I eine hohe Terrainterasse, die ber die Granite und die silurische Schieferinsel
- bei Skuč bedeutend sich erhebt und weithin sichtbar ist. Diese Plánerhochfláche
L. wird von der malerischen Thalschlucht von Kostelec bis Chacholic, in deren Sohle
Diorite erscheinen, dann von dem Thálchen von Roubovic und von der Schlucht
des Krounabaches N von Richenbure durchschniten, in welcher letzteren an der
Bachsohle Grauwacken zu Tage. treten.
An tiefer gelegenen Orten entspringen aus den Perucer Schichten zahlreiche
Ouellen ; allein auch gewisse Schichten des Pláners, namentlich die tieferen sammeln
JA das Wasser an, wie bei Podlažic und bei dem Bade St. Anna N von Skuč.
| Am rechten Ufer des Krounabaches zwischen Luže und Košumberk wird
"der Pláner von Basalt durchbrochen, und zwar in zwei Hůgeln, auf deren einem
die Kirche von Chloumek und auf dem anderen die Burgruine Košumberg steht.
(Der an Olivin reiche Basalt ist stellenweise in Wacke umgeándert, und im frischen
— Zustande ein Nephelinbasalt. '9)
| Im Gebiete der Kreideebene finden sich háufig auf kalkigen Korycaner
- Schichten, wo dieselben niedrig liegen, schwarze Moorerden, als Andeutung von
© frůheren Versumpfungen, wie zwischen Jankovic und Mokošín (SW von Přelouč).
Dieselbe torfige Moorerde breitet sich bei Lodenic (S von Přelouč) auch auf die
tieferen Plánerschichten aus, die immer weicher und bedeutend mergeliger aus-
-© gebildet sind, als die oberen Plánerschichten.
Sonst sind als oberfláchliche Ablagerungen besonderes Lehme háufig, die
meist aus der Zersetzung von Pláner entstanden sind (Elluvium). Dieselben ver-
decken den Pláner oft gánzlich, so dass er nur an den Rándern oder in hóheren
- Stufen der Terrainterassen sichtbar wird. Einzelne Lehmlager zeigen sich bei
Brloh; eine grosse Fláche nehmen sie aber zwischen Poběžovic bis Jenikovic in
der Umgebung von Choltic ein, wo aus denselben nur flachere Plánerhůgel sich
erheben.
Diese Lehmdecke dringt auch bei Stojic und Ledec in die flache Bucht
- des Eisengebirges ein, da wo die Schichten der Kreideformation abgelagert sind,
- oder es frůher waren, so dass der Lehm hier die letzten Spuren derselben an-
| deuten měchte.
| Eine bedeutende Lehmfláche dehnt sich zwischen Nové Dvory (O von
- Heřmanměstec) bis zum linken Ohebkaufer (Chrudimka) bei Chrudim aus, aus der
nur die ganz flachen Terrainwellen des Pláners bei Rozhovic, Markovic frei von
- Lehmbedeckung sich erheben. Die Plánerterasse des rechten Ohebkaufers, an der
ein Theil der Stadt Chrudim liegt, ist im Gegensatze zu dem tieferen linken Ufer
lehmlos. Nur einzelne oder bedeutende Lehminseln bedecken die ausgedehnte Pláner-
láche bei Zaječic, Chrast, Podlažic. *»)
Gegen die Elbe zu werden die Pláner der turonen Stufe zuerst von dilu-
© vialem Kieslager von wenigen Metern Máchtigkeit oder vom Lehm bedeckt. Wo
beide Úberlagerungen zum Vorschein kommen, bildet der Kies oder Schotter die
tiefere Bank.
W-
ko
4. Das ausserhalb des Eisengebirges liegende Terrain des Kreide-
systems, auf den Bláttern Elbe-Teinic-Kóniggrátz und Hohenmauth-
Leitomyšl.
Die turonen Pláner sind nur in der Náhe des Eisengebirges u. zw. als
unterste Turonstufe entwickelt; sie entsprechen etwa dem festen Baupláner vom
Weissen Berge bei Prag. Diese unterste Stufe des Turons reicht jedoch nur an
wenigen Stellen iiber das rechte Elbeufer hinůber, wo sie úbrigens von Alluvien
bedeckt wird. Am weitesten gegen Norden gerůckt sind auf den bezeichneten
Generalstabskarten diese unteren Pláner bei Elbe-Teinic und bei Přelouč.
Die mittleren turonen Pláner, die sonst als sogenannte Isersandsteine oder.
als festere kalkigere Pláner entwickelt erscheinen, treten hier, námlich am Grad-
kartenblatte Zone 5, Colonne XIII durchwees nur als Pláner, jedoch von etwas
mehr brockliger und desshalb leichter erweichender Beschaffenheit auf. Aus dieser
Ursache ist die Gránze sowohl gegen die untere Abtheilung des Turons (Baupláner
vom Weissen Berge) als auch gegen das Oberturon weniger deutlich. Die Gránze
der einzelnen Turonstufen gegen einander wird nebstdem auch noch durch die
ausgebreiteten Alluvialbildungen der Elbeniederung verwischt.
Annáhernd geht die Gránze zwischen dem Mittelturon und dem Unterturon
etwa úber Božec (N Elbe-Teinic) in gerader Richtung unter dem Elbealluvium N
bei Přelouč vorbei, úber Popkovic, Dražkovic (S bei Pardubic) in der Richtung
gegen Chrudim, wo die tieferen Lagen des Pláners am linken Ohebka (Chrudimka)-
Ufer dem unteren, die hóheren Lagen des Plateaus des rechten Ohebkaufers dem
mittleren Turon angehóren.
Auch das obere Turon (oder die Teplicer Schichten) lásst sich hier petro-
graphisch von dem mittleren Turon nicht unterscheiden; es nimmt den nordlichen
Theil des PBlattes Kóniográtz-Elbe-Teinic-Pardubic ein.
Der Verlauf der Gránze zwischen dem Oberturon und dem Mittelturon
geht etwa vom Žehuňer Teiche angefangen entlang des Cidlinabaches úber Ziželic,
Chlumec, Nové Město, Klamoš, Vápno, Bělá, Práv, Dobřenic, Vosic und von da
in gerader Richtung etwa unter dem Elbealluvium gegen Vysoká (S von Kónig-
grátz). Alles nordlich von dieser Linie gelegene Plánergebiet wáre als oberturonisch,
alles sůdwárts davon aber als mittelturonisch anzunehmen, wenn auch die Gránz-
angabe hier nur einen approximativen Werth hat.
Die von Alluvialsand SO von Pardubic bedeckte, niedrige Plánerfiáche
des Mittelturons, welche am Chrudimkaufer bei Pardubiček und Drožic am einer
wallartigen Terasse entblósst ist, wird von einem mehre Meter máchtigen Gang
von Nephelinbasalt durchsetzt.
Der Basaltgang streicht SSO u. zw. von Hůrka bei Spojil vorbei in der
Richtung gegen Černá, wo derselbe aber dann plótzlich nach W sich wendet.
Offenbar ist dieser Gang ein Ausláufer von der Basaltmasse des Kuněticer Berges.
Der Kuněticer Berg, der in der N Fortsetzung dieses eben erwáhnten Ba-
saltganges am rechten Elbeufer sich erhebt, und unregelmássige Schollen des mitt-
leren Pláners in sich einschliesst, wird nur von einem engen Ring des mittelturonen
dí
| Pláners umgeben, in so weit sich derselbe unmittelbar am Fusse des Berges úber
j „die Alluvial oder Diluvialsande der Elbeniederung erhebt.
M Die grob-pfeilerfórmig abgesonderte Basaltmasse der Kunětická Hora fiůhrt
: in den Blasenráumen Drusen von deutlichen Natrolithkrystallen und von Calcit,
© stellenweise ist sie auch etwas amygdaloidisch. Sowohl der aniiegende Pláner, als
| auch derjenige, den der Basalt in Schollen einschliesst, ist in eine harte, klingende,
. graue, wie verkieselt aussehende. Masse von ziemlich scharfkantigem Bruche um-
© gewandelt. —
| Beinahe das gesammte flache Terrain des Blattes Zone 5 Colonne XIII,
- welche das rechte Elbeufer umfasst, besteht aus ebenen hůgeligen Terassen von
© mittel- und oberturonem mergligem Pláner, deren Scheitelláchen meist von Dillu-
| vium (Schotter) oder Lehm bedeckt sind, wáhrend an den ausgewaschenen Gehángen
© der Terassen sich die Alluvien der Elbe, sowie ihrer Zuflůsse, oder der durch Ver-
| witterung des Pláners entstandene und abgeschwemmte Lehm, anlagern.
| Bedeutendere Entblóssungen des Pláners kommen S von Koniggrátz in
- der Umgebung von Roudnička, O und S von Nechanic bei Přim und Bohárna, in
der Umgebung von Neu-Bydžov bei Mlikosrb (S von Neu-Bydžov), NO von Chlumec
-und bei Žiželic, N bei Elbe-Teinic, dann in der Umgebung von Vápno (SO Chlumec)
vor. Kleinere Plánerterassen sind an ihren Gehángen etwas háufiger entblósst.
Í- Die mittel- und oberturonen Pláner sind an den Plateaus meist von einer
bis mehrere Meter máchtigen Lage von Auarzkies oder Schotter bedeckt, die als
álteres Alluvium oder Diluvium aufzufassen ist. ©
Das Material des Auarzschotters, welches die Oberfláche des Pláners be-
deckt, stammt vom Riesengebirge her, und zwar grósstentheils aus den zer-
brockelten, guarzreichen Schichten des unteren Permsystems, worauf die hie und
- da vorkommenden Araucaritesstrůnke (wie bei Lhota Uhlířská NNO von Elbe-
Teinic) hindeuten. .
Es finden sich zwar ebensolche Schotter auch in der alluvialen Ebene,
- allein dieselben sind dann von der ursprůnelichen Lagerstátte herabgeschwemmte
-© Schotter-Parthieen. Nicht selten sind solche Schotterlager durch die jetzt flies-
- senden Gewásser in groben Kies und feineren Sand gesondert, so dass sich ein
- grobes und feineres Alluvium unterscheiden lásst.
: Úber den Schottern folet auf dem Kreideplateau, aber auch manchmal
© unmittelbar auf dem Pláner, der Lehm. Doch finden sich Lehme eben so in tieferen
-© Lagen als auch am Plánerplateau, wie dies bei den ziemlich bedeutenden Lehm-
© lagen des rechten Elbeufers zwischen Kónigerátz und Bohdaneč der Fall ist;
solche Lehmablagerungen sind tiefer herabgeschwemmte Lehmbánke, welche p
das Plateau bedeckten.
Auch hier sind, wie am rechten Elbeufer zwischen Konigerátz und Boh-
daneč, dann am linken Ufer der Cidlina, die Lehme die Grundbedingung der
Fruchtbarkeit dieser Gegend, in der namentlich der Anbau der Zuckerrůbe schwung-
haft betrieben wird.
Die jingsten Alluvien der Elbe sind theils grobe, theils feine Sande, die
ihren Ursprung den álteren Alluvien des Plánerplateaus verdanken, aber in Bezug
78
auf Fruchtbarkeit weit zurůckstehen. Důrftige Kieferbestánde bezeichnen háufie
den etwas sterilen Character dieser Fláchen.
In versumpften Gebieten der Elbe werden auch Torflager angetrofften, wie
zwischen Březhrad und Libišan, an welchem letzteren Orte der Torf gestochen wird.
Das Gebiet des Gradkartenblattes Zone 6 Colonne XIV Hohenmauth und
Leitomyšl wird nur in seinem SW Viertel mit silurischen Gebilden ausgefůllt,
indem die nordliche Hálíte und das SO Viertel desselben dem Gebiete des Kreide-
systems angehórt. Die auf diesem Blattgebiete verháltnissmássig weit ausgebrei-
teten Schichten des Kreidesystems stehen aber mit dem Eisengebirge in gar
keinem Zusammenhange, und nur die Vollstándigkeit der Beschreibung des bei-
gelegten Kartengebietes erfordert es, dass die geologische Beschaffenheit dieses
Gebietes hier im Kurzen dargestellt werde.
Die Gránze der Kreideformation, welche vordem schon bis Peralec und
Zderaz angegeben wurde, lásst sich von da S von Bor, O von Proseč nahe an der
Glashůtte Marienthal úber Budislav, Pořič, W von Zrnětín úber das W Ende
des langgezogenen Dorfes Lubna gegen Široký Důl (Breitenthal) verfolgen; doch
liegt das letztere Dorf schon ausserhalb des Rahmens der Karte. Von Pořič bis
gegen Široký Důl ist die Gránze zwischen grauem Granit und dem Kreidesystem
orographisch durch eine enge Thalschlucht scharf angedeutet, indem ein Gehánge
derselben, námlich das ostliche aus Ouadersandstein, und das andere, námlich das
westliche, aus Granit besteht.
Lánges der hier angegebenen Gránze treten untercenomanen Auadersand-
steine auf, und zwar in ihrer gróssten Entblóssung zwischen Zderaz und Budislav.
Die durchwegs mit Fóhrenwald bewachsenen lichten Ouadersandsteine erscheinen
hier stellenweise als ruinenartige Gesteinsanháufungen; sie ziehen sich dann in
dem Thale des Neuschlosser Baches ber Vranic und Roudná bachabwárts bis
gegen Doubravic in das Richenburger Thal als ein breiter Streifen mit stellenweise
steilen und mauerartigen an den Thalgehángen anstehenden Felsen weiter fort.
Nur S von Vranic im Riede „v maštali“ und W von Budislav bei dem Weiler
„na Borkách“ sieht man ober dem Guader eine schwache Plánerdecke, die zu
unterst an der Gránze mit dem Ouader wohl noch den obercenomanen, sonst aber
schon den unterturonen Schichten angehěrt. Im Riede „v pečené huse“ N von
der Glashůtte Marienthal lásst der Auader zwei kleine Granitparthieen von rothem
und grauem Granit zum Vorschein kommen; ebenso besteht die tief eingerissene
Thalschlucht unter dem Weiler „na Borkách“ aus einem unter dem GAuader sicht-
baren langgezogenen Granitstreifen.
Von Budislav gegen Široký Důl erscheint der untercenomane Ouader nur
als ein engerer Streifen, der sich nur bei dem Jágerhause SSW von Zrnětín an
der Gabelung der Strasse von St. Kateřina gegen Lubna und Zrnětín etwas erweitert.
An dieser Erweiterung nehmen-jedoch nur die allertiefsten lettig schieferthonartigen
Schichten der untercenomanen Stufe Theil, die sonst an andern Orten Spuren von
schwarzen Kreide-Braunkohlen fiihren. Hier trifft man auch zerstreute Blócke eines
festen dguarzig groben Sandsteines mit kieseligem Bindemittel an, der in diesen
tiefen cenománen Schichten so háufig kurze linsenfórmige oder blockfórmige Ein-
lagerungen bildet.
|
| |
| 79
| Der untercenomane GAuader: bildet in seinen oberen Zonen nur grobe
l Schichtenbánke; sonst besteht er aus mittelkórnigem, oberfláchlich etwas wenig
„bróckligem, graulichem bis weissem Sandstein, an dessen von der Luft und vom
| Regen angegriffener Oberfláche úberall grůbchenfórmige Vertiefungen ausgewaschen
© sind. Dié tieferen Sandsteinschichten zeigen an den zahlreichen Entblóssungen W von
| Budislav, kurze róthlichbraungefárbte, den Schichten parallel eingelagerte Streifen
-oder Nester eines Eisensandsteins. Es ist dies nur die Wiederholung des in dieser
| untercenomanen Stufe so háufig auftretenden nesterfórmigen Vorkommens von Li-
| monit oder von mit Limonit impraegnirten Sandsteines. Man sieht aber auch Ver-
| M penklule in dem Auadersandstein, die mit Limonit impraegnirt sind und aus
ebensolchem Eisensandsteine bestehen; ein deutlicher Fingerzeig, dass sámmtliche
-solche erzige Nester, Štreifen und Impraegnationen einer spáteren Bildung an-
gehoren, die wohl in den Sandsteinen, aber keineswegs in einem bestimmten Niveau
desselben auftreten, wenn sie auch in den tiefsten Schichten am háufigsten zum
|
Vorschein kommen.
| Die obercenomane (Korycaner) Stufe ist zwischen den untercenomanen
Ouadern und den turonen Plánern als ein wenig fester, meist blass grůnlicher,
gegen oben zu aber allmáhlie mergeliger Sandstein, nur noch im Gebiete des
Thales, in welchem der Neuschlosser Bach láuft, dann aber bei Zderaz bis Bor
- kenntlich. In dem Gebiete der máchtigsten Entwickelung des untercenomanen
- Guaders zwischen Budislav bis Bor und bis Nové Hrady (Neuschloss), dann aber
in dem Ouadergehánge von Budislav bis Široký důl ist das Ober-Cenoman ent-
weder nur in einer áusserst unbedeutenden Máchtigkeit entwickelt oder aber ist
diese Štufe gánzlich als Pláner ausgebildet und demnach von der turonen Ab-
theilung des Kreidesystems nicht zu unterscheiden, und wo Versteinerungen fehlen,
-auch nicht leicht zu trennen.
dá Nur im úussersten NO Eck des Gradkartenblattes Zone 6 Colonne XIV
- erscheinen abermals an der Sohle des tiefen Thales, welches von der stillen Adler
- bewássert wird, obercenomane Sandsteine. Am Ufer der stillen Adler treten hier
© námlich im Fusse des steilen linken Gehánges an etlichen unbedeutenden Stellen
- rothlichgraue Granite als kleine Inseln im Gebiete der vorherrschenden Pláner-
- schichten zu Tage, und auf diesen Graniten liegt ohne Vermittelung des unter-
- čenomanen GAuaders sogleich der glaukonitische obercenomane Sandstein. Seine
© Máchtigkeit ist unbedeutend; sie misst nur wenige Meter; im Hangenden iúbergeht
-der Sandstein in die Mergel der Turonstufe. Sowohl das linke Ufer der stillen
- Adler, wie auch das rechte zeigen unterhalb Hrádek, zwischen Luhy und Perna
-an den entblóssten tiefsten Stelien der steilen Gehánge diese obercenomanen Sand-
steine an einigen Punkten.
Sammtliche Schichten, welche auf dem Ouader aufruhen, gehóren dem
Turon an, das hier durchwegs als Pláner entwickelt erscheint. Das ganze Plateau
„von Chrudim úber Hrochová Tejnice, Chrast, Hohenmauth, Leitomyšl bis Polička
(letztere Stadt schon ausserhalb der Karte) besteht aus Plánern der Turonstufe.
Im Westen, also etwa in der Gegend zwischen Chrudim und Luže hat das
Plateau des Kreidesystemes eine flach wellige Oberfláche; von Luže gegen Ost und
Sůdost, also in dem Gebiete der Stádte Hohenmauth, Leitomyšl, Polička bilden
|
> tro od
80
die turonen Schichten, nachdem sie durch zwei stufenfórmice Terassen aus dem.
niedrigeren Flachlande sich hóher gehoben haben ein weithin sichtbares Plateau
von 450 bis etwa 480% mittlerer Hohe, das einen eigenthůmlichen individuell
orographischen Charakter besitzt. Bedeutendere wellenfórmig ausgebildete Hůgel
werden vermisst, dafůr aber ist die Hochfláche durch tief eingewaschene meilen-
lange enge Tháler mit steilen Gehángen und ziemlich wenig gekrimmten Lauf
durchschnitten. Sámmtliche lange Thalfurchen laufen zu der tiefsten Terrain-
depression des Loučnábaches, der in der Richtane von Leitomyšl gegen Hohen-
mauth und Zámrsk breite Wiesengrůnde bewássert. Auf dem Plánerplateau zwischen
Vraclav und Polička sieht man nur Felder und keine Důrfer; letztere sind mit
wenigen Ausnahmen in den langen engen Thálern zerstreut und zwar so, dass
besonders im Sůden, also zwischen Leitomyšl und Polička manche Dorfer in stunden-
langen Háuserreihen in den Thalschluchten sich ausdehnen. Das Turonplateau
hat eine sanfte kaum merkbare Neigune gegen die Loučnádepression; dieselbe
zieht sich zwischen Leitomyšl (Hohenmauth) und Zámrsk gegen NW und hat im
Mittel eine Hoóhenlage von 300" Von dieser Terraindepression der Loučná steist
die Fláche sanft an, u. zw. einestheils nach NO bis zu den steil und parallel
abfallenden Uferterassen des Thales der stillen Adler; anderntheils gegen SW, wo
die Hochfláche durch zwei orographisch interessante sich weithin ziehende steile
Stufen in das angránzende niedrigere Flachland absenkt. Das hóchste Ansteigen
der ebenen Hochfláche des Pláners an den Steilgehángen der stillen Adler und an
den zwei steilen vorgenannten Terrainstufen zwischen Luže (Vraclav) und Polička
betrást an der Adler 400", bei Vraclav 360", bei Polička aber gegen 600. Es
steiet die Fláche also gegen Polička bedeutender in die Hóhe als in der Richtung
gegen Luže oder Vraclav. Sámmtliche Plánerschichten des Zuges der zwei steilen
Terrainstufen der Richtung Luže-Polička verfláchen sanft gegen NO also gegen
die Loučnániederune, wáhrend von der entgegencesetzten Seite, námlich von der
stillen Adler eine ganz flache Neigung der Schichten gegen SW, demnach ebenfalls
in der Richtung gegen die Loučná zu beobachten ist. Vereleicht man die Hóhen-
unterschiede zwischen der Loučnániederung und den beiden entgegengesetzten
Rándern der Hochfiáchen an der stillen Adler und in den Terrainstufen zwischen
Luže-Polička miteinander, so ergibt sich, dass sich die turonen Schichten muldenartig
beiderseits gegen die Loučnániederune unter der sanften Neigung von im Mittel
etwas mehr als 1'/,"—1'/,„“ verffáchen. Die Richtung der Loučná deutet also die
Richtung des Muldensohle an, und die beiden Steilránder, námlich das Adlerthal-
gehánge und der Hochfláchenrand von Luže-Polička bilden die beiden, NO und |
SW Muldenflůgel einer flachen Plánermulde. (Fig. 13.)
n
Die turonen Pláner sondern sich in diesem Terrain ganz deutlich in vler
orographische Stufen, u. zw. von unten nach oben in der Weise, dass zu unterst
das Unterturon auftritt, das etwa den Plánern vom weissen Berge bei Prag ent-
spricht; dann folgt das untere Mittelturon (etwa den Malnicer Schichten analog),
welches sonst selten selbststándig individualisirt erscheint, in dieser Gegend aber
durch eine Terrainstufe auffallend deutlich orographisch ausgeprást ist; darůber
folet das Mittelturon (vergleichbar mit den Iserschichten), und endlich das Ober-
turon (mit den Teplicer Schichten vergleichbar).
k Den Raum des niedrigeren Flach-
landes zwischen Chrudim und Luže nimmt nur
Mi Unterturon und theilweise das untere
ittelturon ein; das Mittelturon und zum
Theil auch dá Oberturon bildet aber die
Hochfláche von Hohenmauth, Leitomyšl, die
(durch ihre steilen Ránder so deutlich und
weithin sichtbar sich úber das angránzende
lachland hervorhebt.
Das Unterturon, eine Analogie der
Pláner vom Weissen Berge bei Prag, niramt
in der Richtuně von Vorel, Chrast úber Luže
bis Nové Hrady (Neusehlose) und Bor einen
'bedeutenden Raum ein. Die in den Umge-
bungen von Prag beobachtete Thatsache, dass
die tieferen Schichten aus einem weicheren,
leichter zerbrockelndem Mergel bestehen, der
als Baustein ungeeignet ist, wáhrend die
oberen Schichten den eigentlichen Baupláner
Mefern, bestátigt sich auch hier. Die tieferen
weicheren Schichten sind allenfalls bei Lu-
kavic entblósst und sonst vom Ackenboden
verdeckt, wáhrend die Baupláner, die hier
etwas kalkiger erscheinen als die gleich-
Bnru Gesteine bei Prag, durch zahlreiche
Steinbrůche aufgeschlossen sind. Von Nové
Hrady an folgt das untere Turon mit den
zu Bausteinen verwendbaren Plánern der Rich-
tung der markanten tieferen Terrainterasse,
welche sich von Luže angefangen bis gegen
Polička verfolgen lásst. Der "/„ bis 1"/, km
breite Daum zwischen den untercenomanen
Ouadern und der eben genannten tieferen
Terrainterasse, auf welchem die Ortschaften :
Mokrá Lhota, Nové Hrady, Nová Ves, Ja-
rošov, O Budislav, W Pořič, W Lubná liegen,
jehórt diesem Unterturon an.
Auch im steilen Gehinge der stillen
Adler zwischen Hrádek und Sudislav bilden
die festeren Baupláner des Unterturons sen-
krecht stehende klůftige Wánde.
k M Das untere Mittelturon ist ein Schich-
tenzug, welcher nur desshalb hier erwáhnt
wird, weil er orographisch so deutlich zu
Tage tritt. Es enthált durchwees důnnplat-
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tige, grauliche, als Bausteine unverwendbare Pláner, die stellenweise weichere,
stellenweise etwas festere der Verwitterung mehr widerstehende Lagen fůhren.
Namentlich die obersten Bánke, welche die Fláche der ersten Terrainterasse bilden,
sind etwas kalkreicher und fester und gewiss auch die Ursache, welche die Bildung
dieser Terasse veranlasste. Im westlichen Theile des Gradkartenblattes bildet diese
Schichtenzone (die indessen kaum eine geologische Berechtigung hat), das Plateau
des rechten Chrudimka-ufers von Chrudim an ber Tuněchod, Kočí, Hrochová.
Tejnice, Chroustovic, Městec, Uhersko.
Doch erst bei Rosic und Podlažic beginnen sich diese weicheren Pláner
orographisch deutlich anzuzeigen, indem sie eine 35 bis 40" hohe Terrainstufe
bilden, welche unvermittelt unter ziemlich bedeutendem Bóschungswinkel úber der
Fláche des Unterturons sich erhebt. Der Verlauf der Boschung oděr des Abfalles.
dieser ersten oder tieferen, auffallend deutlichen Terrainterasse zieht sich zwischen
Bor und Zalužan (S Chroustovic) und geht úiber Podhůrka, Roubovic, Bělá, Radim,
Losic, Jenšovic abermals nach Losic (O) ber Voletic, bildet die Terrainterasse
Klapatka, setzt O von Bílý Koníček (Weissróssel) úber Doubravic, Leština (W),
Rybníček (O von Mokrá Lhota), dann O von Nové Hrady úber Volšan, gegen
Lubníček, Pořič, Zrnětín und W von Lubná fort, bis ausserhalb des Kartengebietes
gegen Polička, wo die stufenfórmige Erhóhung des Plánerplateaus noch ganz
deutlich ist. |
Am Steilgehánge des Thales der stillen Adler zwischen Hrádek und Sudislav
sind diese Schichten orographisch nicht ausgeprást, wohl aber erkennt man sie
nach ihrer Auflagerung iiber den festeren Bauplánern. Die grauen diůnnplattigen
Pláner sind aber nur in den oberen Lagen kalkig, in den tieferen Schichten aber
so weich und so merglig, dass sie im Gehánge zerbróckeln und frisch gebrochen
an der Luft in kurzer Zeit in ganz kleinen Gruss zerfallen, welcher nachher durch
Frost, Sonnenschein und Regen so gelockert wird, dass er befeuchtet sich als
eine lettig erdige Masse darstellt. Im Thalgehánge der stillen Adler werden diese
Mergel seit vielen Jahren gegraben und in der Umgebung als mineralisches Dung-
mittel auf sandigerem Boden mit Vortheil verwendet.
Die Schichten dés Mittelturons sind den im Flussgebiete der Iser so gut
charackterisirten sogenannten Iserschichten (Isersandsteinen) águivalent. Dieselben
bilden eine zweite oder obere Terasse, deren relative Hóhe im Mittel 40" betrágt.
Diese zweite oder hóhere Plánerterasse besteht in ihrem tieferen Theile aus grauen
důnnplattigen, wohl auch mergligen und dann bróckeligen Plánern mit kugeligen
Concretionen oder linsenfórmigen Schichtenlagen oder mit einzelnen ziemlich aus-
gedehnten Lagen von kalkigem Pláner. Diese Einlagerungen erscheinen um so
háufiger, je hoher man in der Terassenstufe hinaufgelangt. Der obere Terassenrand,
sowie das ebene Plateau besteht dann fast durchgehends nur aus dem erwáhnten
kalkigen Pláner, der in den Steinbrůchen oder an andern entblóssten Stellen ziemlich:
dickplattig und durch senkrechte Klůfte abgesondert erscheint. Da der ziemlich
steile Abfall der Stufe unbewachsen ist, kann man in demselben den Úbergang
der tieferen důnnplattigen und mergligen Schichten durch Wechsellagerung in die
oberen kalkigen Schichten verfolgen.
83
|
: | Gerade so wie die tiefere Terassenstufe ihren Charakter dem Umstande
JŠ verdankt, dass etliche festere kalkige Plánerschichten die ebene Fláche der Stufe
l bilden, eben so ist die Plateaubildung der zweiten Terassenstufe auch nur eine
: olge der grósseren Bestándigkeit der oberen Plánerkalkschichten.
'$ In den eingelagerten Plánerkalkkugeln, sowie in den kalkigen festeren
Plánern úberhaupt finden sich, wenn auch nicht in solcher Háufigkeit wie bei Lei-
| tomyšl, Krebsscheeren der Gattuné Callianassa,
ř Das háufigere Vorkommen dieser Krebsart ist fůr die kalkigen Iserpláner
p fir die sandig kalkigen Pláner (Isersandsteine) charakteristisch. Aus dem
festen Callianassen-Plánerkalk sind alle Gebáude der darauf zerstreuten Ortschaften
| aufgebaut. Der frische Plánerkalk ist grau, der durch Atmosphaerilien aus-
gelaugte aber gelblicherau, in kleine Guader brechend, sowie ziemlich fest und
-haltbar, entgegen den zum Bau untauglichen tieferen, důnnplattigen Plánern. Diese
i Plánerkalke fůhren stellenweise auch Markasitconcretionen.
bo Im Gebiete der steilen etwa 110—120"- úber der stillen Adler erhóhten
| Thalgehánge sind die Plánerschichten dieser Stufe unten důnnplattig und grau,
gegen oben mehr kalkig und fest, als Bausteine verwendbar. Wenn auch diese
hóheren, im frischen Zustande lichterauen Plánerkalke, welche das Gebiet des
Plateaurandes einnehmen, ein hohes Niveau in der Stufe des Mittelturons bilden,
| so schliessen sie diese Adléta gegen oben doch nicht ab. In dem Gebiete
-des Loučnábaches zwischen Zámrsk, Hohenmauth und Leitomyšl folgen úber diesen
lichterauen Plánerkalken ebenso dickbánkige, weissgraue áusserst feinsandige Pláner-
E welche einen ausserordentlichen Reichthum an Callianassa-Resten bergen.
S sind das die echten sogenannten Isersandsteine, die den Gebilden bei Turnau
M allem, selbst in der Bildung von steilen Kluftformen ganz áhnlich sind. Je
her nun diese ŠSchichten liegen, desto zahlreicher sind in denselben die Callia-
massen, so dass in dem Gebiete der Stadt Leitomyšl selbst, wo die hóchsten
jg olícn dieser Stufe entblóst sind, diese Plánerbildungen als sandiger Callia-
massenkalkstein bezeichnet werden kónnten. Nirgends findet man eine bessere
- Gelegenheit zur Beobachtung der Thatsache, dass die Callianassenreste um so
- háufiger im Mittelturon auftreten, je hoher die Schichten sind, als eben hier. Der
-steile Rand der Terrainterasse, welcher bei Neudorf (Zámrsk) und Janovičky die
Alluvionen der Loučná untersetzt, und wo die Schichten neben der Neigung nach
-NO auch schwach gegen N einfallen, zieht sich als ein deutliches von Weitem
© sichtbares und erkennbares Terrainmerkmal mit seinem Rande úber Vraclav (Ka-
© menecplatte), Vinary, Štěnec (0), Srbec (0), Domanice, Střemošnic, Doubravic (0),
- Dvořišť, Libejcina, den oberen Theil von Leština, Podhořany, Příluka, Chotovic,
Makov, den unteren Theil von Seč, Chotěnov, Mladočov, den unteren Theil von
Desná, den mittleren Theil von Lubná bis Široký Důl. Selbst N von Polička und
„S von Lesník etwa bei Hanov ist diese Terrainstufe bemerkbar.
Wie schon mehrfach erwáhnt, bilden beide Stufen, námlich das Unter- und
das Mittelturon im Thalgebiete der stillen Adler eine steile Uferwand. Eine Eigen-
thůmlichkeit der oberen kalkigen Pláner besteht hier noch darin, dass sie stellen-
weise mehr kalkig, stellenweisse wieder mehr mergelig und mit Fucoiden úhnlichen
gegabelten Formen besprenkelt erscheinen, Hie und da aber schliessen sie Concre-
6*
84 ! i
tionen eines festeren kleinkrystallinischen grauen kaum mergeligen Kalkes ein..
Die sonst flachen Schichten haben nur W bei Sv. Mikuláš (unweit Vraclav) also
nahe an den Orten, wo sie unter dem Loučná-Alluvium verschwinden, eine Neigung ©
von 10—15“ nach ONO. |
Die oberturonen Schichten, die ein Aeguivalent der Teplicer Pláner dar- ©
stellen, nehmen orographisch die tiefste Lage der Plánermulde ein, geologisch aber ©
bilden sie die hochste Schichtenlage derselben. Sie sind nur in dem Gebiete der
Loučná-Niederung, welche die Muldensohle einnimmt, verbreitet. Bei Leitomyšl
nehmen diese oberturonen Schichten nur eben die Niederung der beiden Ufer der“
Loučná ein; gegen Hohenmauth erweitert sich aber der von diesen Schichten ein-
genommene Raum so, dass dieselben westlich bis an die Strasse von Leitomyšl
úber Hohenmauth nach Zámrsk reichen, óstlich aber úber Bohňovic, Netřeby,
Heřmanic in gerader Richtune gegen Choceň sich ausdehnen. In der Muldensohle
zwischen Hohenmauth und Choceň sind sie durch Aluvien verdeckt; bei Hohen-
mauth aber bilden sie wallartige oder kuppige Hůgel bis zur relativen Hóhe
von 50"
Diese oberturonen Pláner lassen sich schon durch ihre bláulichgraue Farbe
und mergelige Béschaffenheit von den oberen Schichten des Mittelturons, die mehr
kalkig, ziemlich fest und durch Callianassenreste ausgezeichnet sind, unterscheiden. ©
Nur die tiefsten Lagen des oberturonen Pláners, sind dicht, fest und klingend,
nicht leicht brocklig, als Bausteine aber nur desshalb weniger benůtzt, weil die
Schichtenbánke nicht die Máchtigkeit der unmittelbar darunter liegenden fein-
kórnigen sandig-kalkigen Callianassenpláner besitzen. Diese tiefsten festen bláulich-
orauen Bánke, deren Auflagerung auf dem Mittelturon SOS von Hohenmauth, bei
Cerekvic, Lány unweit Leitomyšl deutlich zu sehen ist, enthalten keine Spur mehr-
von Callianassen, dafůr aber háufige Reste des grossen Inoceramus Brongniarti.-
So fest die tiefsten Bánke auch erscheinen, so gehen sie doch allmáhlig gegen
oben zu in ganz důnnplattice mergelige Pláner ber, welche leicht zerbrockeln
und in den obersten Lagen durch Feuchtigkeit lettig mergelig werden.
Diese mergeligen, oberen Plánerschichten nehmen W von Choceň und NO
von Zámrsk das Terrain am Rande der Karte ein und bilden die kuppigen Hůgel;.
in ihrem dusseren Aussehen sind sie ganz denjenigen mergligen Plánern áhnlich,
die sich zwischen dem Unterturon (Baupláner vom Weissen Berge) und dem Mittel-
turon (Iserkalkpláner oder Isersandstein) in dem Gebiete des Gradkartenblattes
Hohenmauth-Leitomyšl an zahlreichen Stellen entblósst vorfinden. Allein in den
genannten Hůgelkuppen scheinen dunkelgraue Anflůge von manganhaltigem Limonit
in den Klůften dieses oberturonen Pláners ein gutes Unterscheidungsmerkmal
gegen den tieferen Horizont des ganz áhnlichen Gesteines anzudeuten.
Hoóhere Stufen des Kreidesystems kommen in diesem Gebiete nicht vor.
Die hóheren Fláchen des Plánerterrains sind háufig mit Schotter oder Kies
bedeckt. Die Schotterbánke wechseln bedeutend in ihrer Zusammensetzung, wesshalb
auf diese lokalen Ausbildungen hier Růcksicht genommen wird.
Aa 26 ao
Zwischen Hohenmauth und Leitomyšl ruhen die Schotter auf Oberturon:
Dieselben sind NO von Cerekvic sowohl aus GAuarz- als auch aus Plánerkalk-
| i
|
l geschieben der mittelturonen Stufe (Iserkalk, Isersandstein) zusammengesetzt; die
| oberen Lager aber bestehen aus feinkórnigem weissem Sand, in welchem nur selten
„Streifen von weissem GAuarzkiese eingelagert sind. N von Srub, knapp ausserhalb
(des Rahmens der Karte liegen úber den weichen oberturonen Plánern, Schotter-
| bánke, die aus weissen Auarzgeróllen so wie aus Geschieben von blassgelblich-
| grauem Iserkalkstein Bis, bestehen, zu denen sich noch Gerólle von
j Gneus beimengen. |
| Bei Nová Ves unweit Zámrsk und an allen Orten auf dem niedrigen
| (no zwischen dem Loučná und Neuschlosser Bache in der Richtune Vostrov-
„Moravany bestehen die Schotter aus feinem weissen Sande mit grósseren Geschieben
-von Iserkalkpláner nebst etwas Auarzgeróllen. An ersterem Orte tritt auch noch
Kieselschiefergeschiebe hinzu. An allen diesen Orten jedoch kommen Bánke vor,
die nur aus Geschieben des festen kalkigen Pláners des Mittelturons bestehen
A“ in Lehm oder sandigen Lehm eingebettet sind.
Je weiter gegen Westen, desto mehr nimmt der Lehm besonders in den
| oberen Schotterbánken úberhand; auch die Bánke des feinen Sandes werden lehmig,
-so dass die bei Zámrsk noch deutlich schotterice Decke ihren sandig schotterigen
Charakter einbůsst und in einen Lehm ůbergeht, in welchem Kies- und Pláner-
ald blos untergeordnet auftreten. Derartige lehmige
Schotter, wie namentlich bei Dvakačovic sind dann schwierig auszuscheiden, weil
-es schwer zu entscheiden ist, ob dieselben mit der Schotter- oder mit der Lehm-
farbe anzudeuten wáren.
Bei Topol, Kočí, Třibubny '*) sind die Lehmmassen gegeniůber den darin
M zerstreut eingebetteten Kies- und Plánerkalkceschieben so vorherrschend, dass
p Decke auf der geologischen Karte als Lehm ausgeschieden ist.
Nur dort, wo solche mit Schotterbrocken gemengten Lehme auf einen
eteren Horizont herabgeschwemmt worden sind, erscheinen sie rein und ungemischt.
Dieses Verháltniss zeiet sich bei Třibubny (O bei Chrudim) deutlich. Auf der
-m kommen also die mit Geschieben gemengten Lehmen, an den Lehmen
aber, námlich in den tieferen Lagen, wie bei Kočí und Vorel die reineren, abge-
schwemmten Lehmlager vor.
Die lehmige Beschaffenheit der Schotter erklárt sich einfach aus ihrer
Entstehung. Im óostlichen Theile, also bei Hohenmauth, wo die festen mittelturo-
„mischen Kalkpláner theilweise zur Bildung der Schotterbánke beigetragen haben,
-ist die Beschaffenheit derselben verháltnissmássig wenig lehmig. Im Westen aber
(0 von Chrudim), wo nebstdem auch die dort ausegebreiteten weichen Pláner-
Schichten in Geschiebeform zusammengeschwemmt erscheinen, erhielten sich nur
je Ouarz- und Iserkalkcerólle in ihrer Form, die weichen Pláner zerfielen aber
mit der Zeit zu Lehm, der dort demnach oa
Nórdlich vom Loučnábache, hart an der nordlichen Gránze des Grad-
kartenblattes enthalten die Geschiebeanháufungen deutliche Sand- und Schotter-
bánke, und ganz sparsame Geschiebe des Iserkalkes.
Die kalkigen Callianassenpláner des Mittelturons verwittern in ihren Schichten
am Ausbisse gelbbraun, mit der Farbe der lehmigen Ackererde. Es kommt daselbst
jedoch zu keinen Lehmblagerungen, ausser in der Náhe der Loučnádepression,
56
Die meisten Lehme der Niederung des Loučnábaches sind aus aufeelósten
weichen Plánern des Oberturons entstanden. Sie bedecken entweder das Oberturon
oder die Schotterbánke auf den Hůgelkuppen in dieser Niederung. Nur in einem
Gebiete findet man auch am festen mittelturonen Plánerkalk eine máchtige Lehm-
decke, und zwar an der sanften Abdachung zwischen Vraclav und Cerekvic. Hier-
sind die Lehme die Reste der ausgelausten kalkigen Pláner und sind offenbar
an dieser sanft geneigten Fliche herabgeschwemmt worden. Es ist úberhaupt keine
seltene Erscheinung in Bóhmen, Lehme auf den gegen Ó geneigten Gehángen
abcelagert zu finden, wenn die zur Lehmbildung gůnstigen Verháltnisse, so wie
hier, zusammenwirken.
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Die petrographische Beschaffenheit einiger Gesteine des
Eisengehbirges.
| In diesem Abschnitte werden einige fůr eine náhere Untersuchung wichti-
„geren Gesteine, namentlich Gesteine eruptiven Ursprungs, ihrer petrographischen
» Beschaffenheit nach, beschrieben, nachdem die anderen gewohnlicheren Gesteine
- schon bei der geologischen Beschreibung des Gebirges, mit ihren entsprechenden,
- kurz angedeuteten Merkmalen berůcksichtigt werden.
j Es zerfállt dieser Abschnitt in die Beschreibung der krystallinisch schief-
Tigen, dann der krystallinisch massigen Gesteine, nebstdem ist auch ein klastisches
| Gestein aufgenommen worden.
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Namentlich ist es die Gruppe der Porphyre, Diorite und Corsite, welche
hier ausfiihrlicher behandelt wird.
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potopěon la nia 4 vite aj seobladan omiajed) 199 a PV ní8i tttodávní ah
ž a | obrody ně
Krystallinisch schiefrige Gesteine.
| Amphibolgneus.
| Dieses Gestein findet sich besonders gut entblósst in der Doubravkathal-
(schlucht zwischen Ronov (S) und Mladotic. Die ganz deutlichen Schichten, welche
nach 4,* mit 429 verfláchen, also parallel mit dem Eisengebirge streichen, sind
entweder ganz typischer Syeniteneus oder sie enthalten Biotit in accesorischer
(oder so zunehmender Menge, dass sie dadurch in Biotitoneus úbergehen, mit
„welchem sie dort auch wechsellagern. Doch ist der Amphibolgneus vorherrschend.
Sowohl der Amphibolgneus, als auch der an weissen Orthoklas und Auarz reiche
schiefrige Biotitgneus enthalten accesorisch Granat in grosser Menge. Die Granat-
jÚ sind recht gross, meist mehr als nussgross.
Der Syeniteneus zeigt ein kleines bis mittleres Korn und schiefrige Textur,
„Wenn er keinen Biotit enthált; durch theilweise Vertretung des Amphiboles durch
Biotit erscheinen die Gemengtheile deutlich mittelkórnig, aber wie flasrie, was
beim schiefrigen Biotitgneus oft der Fall ist, indem die schiefrige Textur als
Schiefrig flaseriggestreckte ausgebildet ist.
Ť Der Auarz und Orthoklas ist immer weiss, in kleinen Stůckchen durch-
: ichtig, zuweilen ist auch gestreifter Plagioklas in dem weissen Gemenge sichtbar.
Der Amphibol ist dunkelgrůn oder schwarzgrůn.
Um zu bestimmen, ob in den weissen Kórnern Zwischen dem Amphibol,
Orthoklas oder Plagioklas (Oligoklas) der vorherrschende Gemengtheil neben Auarz
ist, wurden die weissen Kórnchen (die aber trotzdem durch Spuren noch anhán-
genden Amphibols verunreinigt waren) auf den Si0,-Gehalt untersucht. Es gaben
3 g. davon einen Gliihverlust von 649; und 66919, Si0,. Es ist also die Menge
„des Orthoklases und Auarzes doch eine ziemlich ansehnliche, wenn auch der Pla-
Sioklas in nicht ganz unbedeutenden Ouantitáten mit auftritt.
i Ein Důnnschliff des Syeniteneuses, dessen lángste Amphibolaggregate
1" Breite hatten, zeigte u. d. M. etwas kleiner geformte Aggregate der
Weissen durchsichtigen Mineralien. Lappig zertheilte Prismen von dunkel bouteil-
lengrůnen Amphibol, nur Spaltbarkeit und keine Faserung zeigend, halten das
Gleichgewicht mit kleineren Aggregaten, die aus Kórnern bis 17" Grósse bestehen.
Im polarisirten Lichte zeigen die durchsichtigen Kórner durchaus gleiche intensive
Farben, wodurch der sonst satter fárbige Ouarz von dem weniger satt gefárbten
Orthoklas nicht zu unterscheiden ist. Nur nach der Form der Kórner kónnen die
92
mehr abgerundet polygonalen auf Guarz, die lánglichen -auf Orthoklas bezocen
werden. Ganz untergeordnet tritt hie und da auch ein grosses Plagioklaskorn mit.
Zwillingsstreifung und eben so satter Firbung zum Vorschein. Auch etliche Biotit-
guerschnitte von grinlichbrauner Farbe erscheinen in dem Gemenge. ,
Der Amphibol zeigt bedeutenden Pleochroismus. — Ein anderes Praeparat i
des Syeniteneuses mit zahlreichen parallelen Biotitschuppen zwischen den Ampl
bolsáulen und mit Granat, nur wenig schief zur Fláche der Schieferung geschnittem
zeigte u. d. M. bis 3"" breite Gemengtheile. ;
Der grasgrůne, etwas ins bouteillengrůne geneigte Amphibol bildet lappig
zertheilte Prismen ohne Faseruneg; der Biotit bouteillengrůne Lappen, wenn der
Schnitt ziemlich parallel zur Spaltungesffáche geht, sonst aber wenn derselbe im
Schliff als langes Rechteck erscheint, zeigt er blassbraune Farbe. Beide Mineralien —
sind stark pleochroitisch. |
Das polarisirte Licht lásst in den weissen kórnigen Ageregaten mit bis 2"
grossen Kórnern den Auarz vom Orthoklas der Fárbung nach nicht unterscheiden,
weil dieselbe bei beiden Mineralien eleich stark ist. Ein bedeutender Theil der“
Feldspáthe, gewiss '/,„ der Menge des Auarzes und Orthoklases zusammen, zeigt
ausgezeichnete Streifune, ist also Plagioklas; gewise GAuerschnitte zeigen flecken-
weise in der Streifung noch eine senkrecht durchgehende zweite Farbenbinderung
wodurch sie gegittert erscheinen. '*)
Die Zwillinesstreifung des Plagioklases ist so deutlich, dass sie schon
ohne Zuhilfenahme des polarisirten Lichtes hervortritt. Flissigkeitseinschlůsse
sind báufig in den Feldspáthen und im Guarz.
Ganz selten ist nur hie und da ein Magnetitkórnchen im Amphibol ein-
gewachsen. Von Granat fiel nichts in den Důnnschnitt. 1
Eine andere Varietit des Syeniteneuses zeigt bis mittelkórniger Textur,
schwarze, gut spaltbare bis 2%" lange Amphibolprismen und weisse Agegregate von
Ouarz und Feldspath. Dazwischen sind winzig kleine hyacinthrothe, diamantelán- ©
zende Prismen, von denen die kleinsten bei der Lánge von 1"% die Breite von
ab"" haben, welche der Form nach wahrscheinlich auf Rutil zu beziehen wáren.
Das Mikroskop zeigt lappig vertheilte Prismen des Amphibols von bouteil-
lengrůner Farbe, seltene Biotitflitter und im Amphibole Kórner von Magnetit als
Aggregate von guadratischen Auerschnitten dieses Minerales. Die Guarz- und Feld-
spathagegregate bestehen aus Kórnern von der mittleren Breite von ',„"“; die
Ouarze und Orthoklase sind im polarisirten Lichte beide gleich lebhaft gefárbt,
so das nur die Form derselben massgebend ist fiir das Auseinanderhalten beider
Mineralien. Gestreifter, eleichfalls lebhaft cefárbter Oligoklas ist als unwesent-
licher Gemengtheil sehr háufig im Gesteins-Gemenge sichtbar. © Die zu Rutil ver- j
muthungsweise gestellten lánelichen Kórnchen sind nur ganz selten.
Sowohl Auarz als auch beide Feldspáthe zeigen Flůssigkeitseinschlůsse,
Was sonst als selbstverstándlich nicht angefůhrt wird.
2 6 oo
93
Gneusgranulit.
: In dem terassenformigen Abhange des Eisengebirges gegen die Čáslauer
/Ebene ist zwischen Podhořan und Semtěš verherrschend mittelkórniger Glimmer-
schiefer mit untergeordnetem, theilweise gestrecktem Amphibolit nach 3'/,»* bis
1/,k mit 559—60* verfláchend abgelagert. In dem Glimmerschiefer ist zwischen
Podhořan und Semtěš ein Lager von Gneusgranulit in der Máchtigkeit von 1"
eingelagert. Dasselbe tritt inmitten der Schlucht die von Bumbalka zur Ebene herab-
geht, dann etwas hóher nahe bei der Háusergruppe Husí Hovno (O von Semtěš)
zum Vorschein, wo einige Gruben das Streichen dieser festeren Schichte andeuten.
| Der Gmeusgranulit besitzt eine blassfleischrothe Farbe; im Guerbruche,
also senkrecht gegen dessen Schichtung, zeigt er ein feines Korn von róthlichem
Orthoklas in welchem theils kleine Kórnchen, oder kurze platte parallel gezogene
Ouarzlamellen, die an der Gránze des mit dem freien Auge noch Sichtbaren stehen,
eingewachsen sind. Der Guarz in untergeordneter Menge auftretend, hat rauch-
graue Farbe. Lange papierdůnne Lagen von Guarz durchziehen das Gestein
ausserdem in spárlicher Menge parallel zur schiefrigen Textur. Sonst weiset der
Ouerbruch nichts mehr auf. Der schiefrige Druch parallel der Schichtung des
Lagers zelet einen durch ganz kleine Muscovitschůppchen, die sich jedoch nicht
ganz berůhren und zwischen sich noch die blassfieischrothe Farbe des Orthoklases
hervortreten lassen, bedineten schimmernden Glanz. Diese Schieferungs-Brůche
zeigen auch eine Anlage zur Streckung der Gemengtheile. Der Muscovit muss
enmach nur als accesorischer Gemensgtheil betrachtet werden; das in die Gruppe
es Gneuses gehórige Gestein enthált keinen Granat, obwohl andere deutlicher
Eee Varietáten eines áhnlichen Gneuses, welche untergeordnet schlierenartige
chichten im Biotiteneus von Starkoč bilden, Granatkorner enthalten. Das Auf-
treten von Muscovit muss fůr ein Gestein, welches mit Granulit verglichen wird,
(= ein ungewohntes bezeichnet werden.
Ein Důnnschliff guer zur Schieferune des Gesteines, oder normal zur
Richtung der Schichtung angefertist, zeiete bei Vergrósserung u. d. M. im Mittel
2%" breite polygonale Auerschnitte von Orthoklas, die nach einer Richtung
unvollkommen gelagert waren. Durch langgezogene Auarzlagen oder flache Auarz-
„kórner von der Dicke etwa von 1"", die entweder aus einem Individuum bestehen,
da sie im polarisirten Lichte nur einerlei Farbe zeigen, oder auch ein Aggregat
vorstellen, ist die plane Paralleltextur angedeutet. Der Orthoklas herrscht bedeutend
„úber den Auarz vor. Zwischen den Orthoklaskórnern erscheinen noch blassgrůnlich-
$rane Stábchen von Muscovit von 55" Dické (Schnitte parallel zur krystallo-
graphischen Achse) sowie ganz diinne, ebenso unvollkommen parallel zerstreute
Haematitguerschnitte wie auch ganz seltene Erzkórnchen, vielleicht dem Magnetit
angehorig bis -;"" breit.
: Ein Důnnschliff parallel zur Schieferune zeigt beinahe durchgángie regellos
| ABgregirte Orthoklaskórner der eben angefůhrten mittleren Grósse von +£"",
k la azwischen hie und da etwas Guarz und Muscovitláppchen bis zur Breite von
: Auch kommen hyacinthroth durchscheinende Hámatitschuppen vor meist ein-
zeln verthleilt und stellenweise Andeutungen hexagonaler Umrisse zeigend, dann
k
od
94
findet sich auch in gewissen, zur Streckung des Gesteines parallelen Lagen Erz-
(Masnetit)staub vertheilt. Die ganz kleinen, jedoch nicht die kleinsten Erzstaub-
kórnchen haben die Breite von 3)45"%". Zwillinge von Orthoklas, sowie gestreifte
Plagioklase liessen sich nicht nachweisen.
Porphyroid.
Unter diesem Namen werden den Auarz- und Felsitporphyren áhnliche,
jedoch schiefrice Gesteine bezeichnet, die demnach eine felsitische Grundmasse
mit ausgeschiedenen parallel gelagerten Krystallen besitzen. Nur dasjenice Gestein,
welches mit Gneus im Zusammenhange vorkommt, wird hierher gestellt, wáhrend
andere ganz an Porphyroide erinnernde Gesteine bei Lukavic (S von Chrudím)
zu den echten Auarz und Felsitporphyren gestellt werden, mit denen sie genetisch
verbunden sind. |
Das Porphyroidgestein unter der Burgruine Lichnice und Podhrad (Ruine
Lichtenburg, O Ronov) bildet im Gneuse untergeordnete Schichten und úbergeht
in echte Gneuse. Solche Úbergangesgesteine sind von Zbislavec (Stráně) angefangen
bis úber Hostětinky im Zuge des steilen Abfalles des Eisengebirges gegen die
Ebene von Čáslau sehr verbreitet. Auf der Karte erscheint jedoch der Porphyroid bei
Lichnice wegen dem zu kleinen Maasstab der Karte nicht ausgeschieden, sondern
als Gneus bezeichnet.
Das deutlich schiefrige compacte Gestein hat eine dunkelgraue Farbe mit
stelienweise hervortretenden gestreckten kleinen Flasern von róthlich oder weisslich
gefárbtem Orthoklas, oder róthlich weissen Lagen. Die eingewachsenen Krystalle
von rauchgrauem Auarz und blass fieischrothem Orthoklas sind meist klein, bis
2“m Jang; nur selten sind centimeter lange Orthoklaskrystalle von weisslicher
Farbe ausgeschieden. An dem ziemlich ebenen Bruche schimmern PBiotitschůppchen,
welche gleichfalls eine Streckung des Gesteines andeuten. Die Grundmasse ist
sehr feinkórnig, demnach nicht vóllig felsitisch, im Bruche splittrig.
Ein ziemlich nahe parallel zur Schieferungsrichtung hergestelter Diinn-
schliff zeigt eine kórnig ageregirte Orthoklaserundmasse, deren Individuen von
polygonaler Form im Mittel 55%" Grósse erreichen. In der Grundmasse ziehen
sich schlierenartige, ziemlich parallele, jedoch lappig vertheilte Zůge von Biotit- |
ageregaten. Diese Biotitaggregate bestehen aus im Mittel „5"" breiten Biotit-
schuppen von bráunlich bouteillengrůnem Biotit; die Schuppen sind einander
stellenweise mehr genáhert, wáhrend sie sich wieder anderweitig von einander so
entfernen, dass sie beinahe ohne Zusammenhang erscheinen. In dem kleinkórnigen
Gemenge mit recht deutlich angezeigter planer Paralletextur sind háufie deutlich
oder undeutlich hexagonal begránzte, im Mittel 4*“ breite Ouarzkórner aber auch
láneliche solche Auarze anzutreffen. Nachher erscheinen Orthoklaskórner, manche
auch als Zwillinge entwickelt, einige auch mit rissig paralleler Streifung '*) versehen.
Plagioklase kommen in ausgeschiedenen Kórnern auch, jedoch verháltnissmássig
selten vor. Stellenweise erscheint im Biotit auch ein schwarzes Erzkorn vereinzelnt
eingewachsen. Flůssigkeitseinsch liisse sind in den eingewachsenen Krystallkórnern
sehr háufig.
——Ě =
95
Glimmerschiefer.
i Dieses Gestein ist sehr verbreitet; insbesondere ist der kleinkornige Glim-
| merschiefer mit vollkommen eben- und důnnschiefriger Textur im dem Steilabfalle
"des Eisengebirges gegen die Čáslauer Ebene entwickelt, wo demselben Amphibolite
| eingelasert sind. Der Biotit-Glimmerschiefer bricht stellenweise in bis Auadrat-
(meter grosse Platten; die diůnnsten kleineren Scherben wůrden selbst einen dicken
(Dachschiefer abgeben, da selbst 5" dicke Spaltungsstůcke zu erlangen sind. An
"den Schieferungen, welche die Fláche der Biotitschuppen zeigen, ist eine undeut-
liche Streckung bemerkbar; im Auerbruche zeist sich das sehr feinkórnige Auarz-
(gemenge mit den parallel gelagerten Biotitschůppchen. Das Gestein úbergeht stellen-
'weise in Amphibolitschiefer mit deutlicher Streckung.
| Ein parallel zur vollkommen ebenen Schieferung hergestellter Důnnschlif
„von Bumbalka bei Semtěs zeigte u. d. M. ein korniges Aggregat von £—+1"" breiten
"Auarzkórnern und fetzenartigen, ebenso grossen Biotitschuppen von brauner Farbe,
„welche die Tendenz zeigten, nach einer Richtung sich háufiger an einander zu
„schliessen, als dies normal auf diese Richtung der Streckung der Fall wáre. Zwischen
der Gemenge-Masse, sowohl im Auarz, als auch im Biotit sind strichweise entweder
staubartice oder zu winzigen Aggregaten vereinigte Erzkórnchen reichlich ein-
gestreut. Die guadratischen Auerschnitte derselben deuten auf Magnetit. Bei der
"gánzlichen Durchsichtigkeit des nicht getrůbten reinen Gemengtheiles námlich des
Avarres und der starken Fárbung im polarisirten Lichte ist auf die Abwesenheit
des Orthoklases als accesorischen Gemengtheiles zu schliessen. Die Erkennung von
Řorthoklas neben Auarz hátte im polarisirten Lichte seine Schwierigkeiten, da
Orthoklas, wenn derselbe ganz frisch ist, vóllig gleich lebhaft sich fárbt wie der
Fonarz. Oligoklas wurde natůrlicher Weise auch nicht angetroffen.
So leicht sich diese Důnnschliffe parallel zur Schieferung auch anfertigen
lassen, so misslingen diejenigen, welche man normal zur Schieferung anzufertigen
bestrebt ist, so dass die Dicke der Biotitschuppen unbekannt bleibt.
+
%
Phyllit.
Die náher untersuchten Phyllite (Glimmerschieferphyllite) stammen von
Er Hlinsko-Skučer Schieferinsel und zwar von deren sůdlichem Theile her, welcher
dem Gneuse und Granite genáhert ist. Diese Phyllite verfáchen hier (ONO Hlinsko,
„S Skuč) vorherrschend nach NNO und enthalten stellenweise verkieselte Schichten,
ie demnach zu Lydit umgewandelt sind.
Die reinen Phyllite von lichtgrauer Farbe sind an der Sůdgránze der
Ý chieferinsel etwas weniger háufig als die Staurolith fůhrenden Schiefer.
vá Staurolithphyllit.
Die meisten Abarten davon finden sich bei Kladné (von Hlinsko an der
I insko-Krounaer Reichsstrasse 5:8 Kilom. ONO entfernt). Der Phyllit in der
Behlucht, die von Vojtěchov sůdlich heraufgehend die Strasse, welche daselbst
96- |
:
einen Bug macht, %, km NW von Kladné, úbersetzt, ist ganz deutlich eben- ©
fláchig geschichtet, mit wechselndem aber doch vorherrschend NNO Verfláchen. ©
Der lichtgraue beinahe sehr vollkommen spaltende Pbyllit hat auf der
Schieferungsfláche entweder eine gedránet stehende parallele Linierung, oder oinělí
deutliche nach einer Linie gerichtete schwache Runzelune. Hie und da bemerkt ©
man schwach bráunliche Fárbungen, welche von diinnen Háuten von Biotitschuppen ©
herrůhren.
Die ganz ebenfláchigen, linirten Pbyllite zeigen sehr zahlreich ganz kleine
schon dem blossen Auge oder erst bei Vergrósserung sichtbare schwarze Punkte,
welche meist hóckerig hervorragen und die Grósse von "/;"% bis 345"%" besitzen.
Die grósseren sind Staurolith, die kleineren Magnetit. Auch Granatkórnchen finden
sich, jedoch nur ganz spárlich vor. Die runzlig geradlinig gefalteten Phyllite, oder
die nur ebenschiefrigen, insbesondere '/„ km W oder NW von der obenerwáhnten
Strassenbiegung in der Vojtěchover Schluchtdepression zeigen, abgesehen von den
winzigen Magnetitpůinktchen entweder vereinzelnte Staurolithkrystállchen 4—5 auf
der Fláche von 1[ Jem oder selbst stellenweise in grósseren Flecken so an einander
geháufte Krystállchen, dass an gewissen Štellen deren bis 80—120 auf die Fláche
1[ Jem. entfallen. Doch sind solche Stellen immerhin nicht háufig anzutreffen.
Die Staurolithprismen aus dem Bruche W von der Strassenbiegung bei
Kladné, dann auch N und S von der Strasse zeigen bei einer Lánge von bis
2=m. die Breite von 4%“ Die Farbe ist bráunlichschwarz. Die herausgekratzten
undurchsichtigen Krystállchen haben Glasglanz und zeigen die Form
oo P.Po. woPo.0P.
kl
Einige zeigen trotz ihrer Kleinheit eine wenn auch nicht sehr deutliche Spalt-
barkeit nach oP w, natůrlich erst unter dem Mikroskope. Die Krystállchen ritzen
Guarz, haben demnach die Hárte von 7',.
Wenn nicht alle, so erweisen sich doch die meisten Krystállchen als Zwil- ©
linge der eben angefůhrten einfachen Form nach */„P*/,. Die wenig glánzenden ©
Fláchen sind nicht gánzlich eben. Unter dem Mikroskop gemessene Kantenwinkel
gaben: © P: wPw vorne: 113945' (statt 1159 177) oo P: o P o hinten 1139 12“:
dann. 00 P: 00 P vorne: 1329 59" (statt: 1297207), oo P: oo P himien lon =
Abweichung der gemessenen Werthe von den richtigen ist im Vergleich zur Un-
ebenheit und Kleinheit der Fláchen eine nur unbedeutende zu nennen.
Vor dem Lóthrohr bleibt das Mineral unverándert.
Die Phyllite und Staurolithphyllite enthalten keine Ouarznester, auch nicht
sichtbare důnne Guarzlagen im Guerbruche, so dass irgend ein Glimmer der Haupt- |
gemengtheil derselben ist. "*)
Důnnschliffe lassen sich nur nach der Richtung der Schieferung anfertigen. ©
Da zeigen nun Důnnschliffe bei Vergrósserung auserordentlich zahlreiche
sich deckende Schuppen von Muscovit (Sericit), zwischen welchen einzelne Biotit-
schuppen, oder ganze aus Schuppen bestehende Ageregate die lichte, schuppige
Masse verdunkeln. Zwischen die parallelschuppige Masse, in welcher Ouarz oder
cin anderer Gemengtheil entweder ganz fehlt oder in so untergeordneter Menge
vorkómmt, dass derselbe durch die Schuppen verdeckt wird, findet sich ganz
regellos Magnetitstaub eingestreut. Die Magnetitkórnchen von ganz unscheinbaren
9
Punkten angefangen, bis zur Grósse von 35" und noch darůber, zeigen meist
guadratische Ouerschnitte. Man kann deren an Orten, die keinesfalls zu den
Nur verháltnissmássig vereinzelnt finden sich braune durchsichtige Staurolithprismen
in dem schuppigen Gemenge. Allein auch die Staurolithe sind nie rein, auch
| o enthalten Magnetitstaub in Kórnchen bis zu 5g""“ Breite čin bovadhodní
Andere Gemengtheile, ausser stellenweise aber recht selten, nur in gewissen
'Důnnschliffen eingewachsenen rundlichen kleinen Kórnchen von Granat von kaum
[Imerkbarer, blass rosenrother Farbe kónnen in dem Gemenge nicht nachgewiesen
werden. —
| Im polarisirten Lichte zeigen die einzelnen Muscovitschuppen, deren nicht
(vertikalen Achsenrichtungen nicht orientirt sind, verschiedene Farben, wodurch
jihre mittlere Grósse von „£—1;""“ bestimmt werden kann. Der Staurolith zeigt
I Agoregatpolarisation; dieses Verhalten wůrde nicht so sehr Eigenschaft des Stau-
! 'rolithes, als vielmehr der darin zerstreut eingewachsenen Muscovitschuppen sein.
Als Belege dafůr, dass zur Zusammensetzung des Phyllites vornehmlich
der Muscovit beitrágt, dient das Verhalten vor dem Lóthrohr. Der Phyllit bláttert
sich námlich ganz unbedeutend auf, ist beinahe unschmelzbar und wird nach
| Verlust der grauen Farbe silberweiss.
Andalusitphyllit.
An anderen Orten nahe der Granit- und Gneusgránze finden sich dié unter=
I silurischen Grauwackenschiefer in Andalusitschiefer ungewandelt. Vornehmlich sind
| diese Gesteine in den Eisenbahneinschnitten O und W von Hlinsko entblósst. Eine
Probe des Gesteines in der Náhe des Bahnhofes von Hlinsko, nahe der Granit-
gránze stellt einen dunkelerauen unvollkommen schiefrigen Phyllit (Thonschiefer-
Phyllit) vor, dessen Schieferungsfláchen kurze wellig gebogene Runzeln zeigen.
Der Glanz ist an solchen Fláchen ein matt seidenartiger. In der scheinbar
dichten Phyllitmasse, ohne alle noch so kleinen Auarzeinschlůsse, welche ziemliche
Festigkeit besitzt, finden sich kleine Wůlstchen oder Hóckerchen, dann aber por-
(phyrartig eingewachsene Andalusitkrystalle, welche in Bruchfláchen auftreten. Die
Wůlstchen und Hóckerchen sind auch Andalusitkrystalle, deren Krystallfláchen
'jedoch mit der Phyllitmasse, eigentlich sehr zarten parallelceháuften Biotit-
(schůppchen bedeckt zum Vorschein kommen. Die stark glaselánzenden Andalusit-
bruchfláchen oder wenn eine Spaltung nach w» P erfolgte, also Spaltungsffáchen
(erweisen sich als ganz durchsichtig und blass rosenroth gefárbt, demnach nicht so
' umgewandelt, wie es die meisten weissen undurchsichtigen Chiastolithe schon sind.
3 Die Spaltung nach o P ist mehr als vollkommen, zufolge der ebenen
Beschaffenheit der Fláchen und auch vermoge der irisirenden Farbentone im
/ Inneren der Krystalle parallel den Spaltunesfláchen, welche letztere Eigenschaft
(immer einen bedeutend vollkommenen Grad von Spaltbarkeit andeutet. Dann und ©
| wann aber tritt ein Andalusitguerbruch zum Vorschein; dann ist in dem guadra-
| tischen Bruche das schwarze Schieferkreuz zu sehen, sahat diese Andalusite
„zur Varietát Chiastolith gehóren. Trotz der frischen Beschaffenheit der Krystalle
he Ť
98
erreichen sie doch nicht die Hárte des Andalusites (7—1',) sondern zeigen dej
geringeren Hártegrad des Chiastolithes.
Die Lánge der ausgeschiedenen Andalusitkrystalle betrágt selbst mehr alé
10, die Breite bis zu "/;©% ; die meisten Krystalle sind jedoch kleiner. Spaltungs-
fáchen zeigen unter dem Mikroskop gemessen einen an 909 sehr genáherten
Neigungswinkel, der sich mit mehr Genauigkeit nicht bestimmen liess,» da eben
die Spaltbarkeit keine sehr vollkommene ist.
Der Fhyllit selbst schmilzt stellenweise an den Kanten etwas an, was auf.
den Biotitgehalt desselben zurůckzufiůhren ist. |
Důnnschliffe zeigen eine deutlich kórnige (schiefrige) Grundmasse mit aus-
geschiedenen Krystallen von Andalusit. Dickere Andalusitdůnnschliffe zeigen noch.
die blassrosenrothe Farbe, diůnnere Pláttchen sind durchsichtig. Meist ist die.
Gránze zwischen Andalusit und Schiefergrundmasse eine scharfe, was um M
deutlicher ist, als die opaken oder stárker fárbigen Gemengtheile derselben an.
den Gránzen mit den durchsichtigen Krystallen zusammengedránet zu sein scheinen.
Nur ganz selten zeicgt sich ein Úbergane der durchsichtigen Krystalle in die Grund-
masse dadurch, dass nahe dem Rande graue Nebelflecke, mit opakem Staub
darinnen, den Úbergang in die Grundmasse bedingen. Manchesmal zeigen die |
Andalusitkrystale nahe den Rándern vereinzelnte opake schwarze Kórnchen ein-
gewachsen; oder legt sich an den Rand der Krystalle etwas Pyrit an.
Die Spaltbarkeit zeigt sich deutlich im Andalusite; wenn gewisse Krystalle
durch Druck der Schiefermasse etwas verschoben sind, So zeigen sie viele paraleo
Spaltklůften parallel oo P, welche durch wenige GAuerspáltchen (vielleicht >
einem Pinakoide) netzfórmig verbunden sind. Dann zeigen sich von den Spalten-.
ráumen aus die Krystalle weiss getrůbt, also wahrscheinlich durch Wasserauf-
nahme umgewandelt. Im polarisirten Lichte erscheinen nur die Kerne zwischen.
dem weissen schwachdurchscheinenden groben Netzwerk gefárbt, wáhrend eine.
chromatische Wirkung auf die umgewandelten Netzleisten nicht zu erkennen U
Senkrecht auf die Achse geschnittene Andalusite zeigen das dunkle Kreuz.
mit der guadratisch prismatischen Mitte, welches aus einer blassgrauen feinkórnigen.
Masse mit nur eingestreutem Erzstaub besteht, die nicht ganz scharf von der
durchsichtigen Krystallmasse getrennt ist, wáhrend gegen die Schiefermasse die
Trennung eine scharfe ist. Die Kanten der Andalusitprismen zeigen keine Margi-
nalausfůllune, welche mit der mittleren durch die dinnen Kreuzarme verbunden.
wáre; vielmehr verlieren sich diese Arme, welche von den Ecken des mittleren —
guadratischen Prisma ausgehen, ehe sie den Kantenrand erreichen, in der Andalusit-
masse. Das sonst dunkle Kreuz, welches aus Schiefermasse bestehend gedacht wird
demnach auch die Bezeichnung des Schieferkreuzes fůhrt, besitzt jedoch nicht se
Zusammensetzung derselben. Es besteht nur aus einer kleinkornigen, durch diese
Aggregation graulich erscheinenden Masse, in welcher man Andalusit zu vermutbe
Grund hat, mit eingestreutem Erzstaub, welcher wegen an gewissen Kórnchen sicht-.
baren guadratischen Auerschnitten auch Magnetit (wenigstens zum Theil) sein
kónnte. Gegen die Randbegránzung des Kreuzes wird der Erzstaub, in dem die
Kórnchen etwa z45"" Breite haben, spárlicher, wodurch der nicht scharfe Úberganě
in die Andalusitmasse vermittelt wird. Die vier Sectoren zwischen den Kreuzarmen.
J9
Die Grundmasse, also der Phyllit ist durchaus krystallinisch. Sie besteht
Jlaus in einer Richtung oder wellenfórmig orientirten durchsichtigen Kórmchen,
|welche sich so wie Andalusitmasse verhalten; dann Biotitschuppen, beide von
ziemlich gleicher Grósse bis zur Breite von 1" und eingestreutem Staub eines
opaken Kórpers, in welchem wenigstens theilweise Magnetit vermuthet werden
kann. Es ist moglich, dass auch Muscovit oder Amphibol in zarten Stábchen in
der Grundmasse, jedoch nur in ganz geringer Menge vorkommen, weil ein im
fAndalusit aufgefundener Auerschnitt die Vermuthung auf eines dieser beiden
„Mineralien lenkte.
| In der Náhe der Andalusite ist die Biotitmasse etwas reichlicher in der
/Schiefermasse angeháuft, auch nicht parallel der Schieferung gelagert, sondern
scheinbar den Andalusit parallel zu seinen Begránzungesfiáchen umhůllend, als
"wenn durch die sich ausdehnenden Andalusitkrystalle die Schiefermasse an die-
Iselben angepresst worden wáre. Die in der Schiefermasse so háufigen braunen
Biotitpláttchen fehlen in dem Achsenkreuz der Andalusitkrystalle beinahe ganz,
denn nur hěchst spárlich findet sich ein ganz kleines Biotitpláttchen in denselben.
| Eine Analyse und zwar eine mechanische wůrde nun den sicheren Auf-
Ischluss geben, ob die opaken schwarzen Kórnchen, Magnetit oder Anthracit oder
(beides, námlich im Gemenge sind; ebenso kónnte dadurch die muthmassliche
(Andalusit-Natur des durchsichtigen u. d. M. kórnigen, sonst aber dichten Schiefer-
|gemengtheiles nachgewiesen werden, welches letztere aber auch eine chemische
Analyse hinreichend klar zu legen im Stande wáre.
| Es finden sich aber in der schwarzen Schiefermasse noch bemerkenswerthe
Eigenthůmlichkeiten, die erwáhnt werden miissen. Eine Eigenthůmlichkeit ist die,
dass sich deutlich kórnige Aggregate von Andalusit mit noch eingeschlossenen
(Biotitschuppen und schwarzem Staub, jedoch ohne sonderlich scharfe Scheidung
von der Grundmasse vorfinden, welche Tendenz zeigen, guadratische Figuren (wenn
(der Ouerschnitt senkrecht zur Achse geht) nachzuahmen und die sich auch so
| mn als wáren sie die Grundmasse selbst, in welcher jedoch die fárbigen
'Gemengtheile (Biotit, opaker Staub) von den grósseren durchsichtigen (Andalusit)
| Gemengtheilen zurůckgedránot worden wáren. Es scheinen das in Bildung begriffene
(Andalusitkrystalle zu sein.
8 Dann finden sich kleine, hochstens getreidekornerosse ellypsoidale Auer-
"schnitte, welche im Důnnschliffe bedeutend mehr durchscheinend sind als die
Schiefermasse selbst. Dieselben bestehen aus einer Hůlle von etwas mehr ange-
láuften Biotitschůppchen, werden also von einem dunkleren Hof umsáumt, innerhalb
'welchem ein ellypsoidaler enger Kranz von Andalusitkórnern mit wenig Biotit und
Wenig schwarzem Staub folet, welcher dann den grossen ellypsoidalen inneren
Kern, der die Zusammensetzung des Andalusitachsenkreuzes hat (demnach aus
Kleinkórnigen, licht graulich erscheinenden Ageregaten, mit zartem schwarzem
Staub und hóchst spárlich winzigen Biotitschůppchen) einschliesst. Die etwas
biotitreichere Hůlle, der durchsichtigere enge Kranz sowie die graue Kernmasse
„*
'
"
100 : |
sind jedoch nicht scharf, sowohl von der Schiefergrundmasse als auch unter sich,
getrennt.
Wahrscheinlichkeit durchfůhrbar ist, so wáre der graue Kern die Analogie des
noch nicht fertigen Achsenkreuzes, die durchsichticere Hůlle aber mochte dem noch
nicht vóllige Individualisirung, das ist Spaltbarkeit und Krystallformbegránzung
)
|
Wenn eine Deutung hier zulássig ist, welche nur mit einigem Grade von |
besitzenden Andalusit selbst angehóren.
Fruchtschiefer. ;
Etwas weiter von der Graniteránze im Bogen zwischen Ranná und Vojtěchov,
Horní Holetín, N Hlinsko, Vítanov, O Horní Babákov, Dolní Holetín, also zwischen
zu Phyllit umgewandelten Grauwackenschiefern und den oben angefiihrten Staurolith-.
und Andalusitphylliten, welche náher der Granit- und Gneusgránze liegen, folgen.
diese metamorphischen Schiefer. Die typischesten Phyllite (Fruchtschiefer) sind in.
der Schiefermasse ganz áhnlich dicht, dunkelgrau, gebogen parallel welligrunzlig,-
wie die Andalusitschiefer von Hlinsko, jedoch erscheinen in denselben guer gegen.
die Runzelung gestellt dunkelgraue dichte getreidekorngrosse Einschlůsse ein-
gewachsen, an denen sich die Runzelung etwas bogig einengt. In Guerbrůchen
sieht man, wie die durch scharfe Knickung hervorgebrachte, im Schieferbruche.
wellig parallele runzelige Fáltelung sich an die Kórmer anschmiegt.
Die dichten Kórner sind keineswegs homogen, da sie bei starker Vergro čsse-
rung glitzernde Fláchen von Glimmern zeigen. V. d. L. sintert oder frittet die Masse :
nur etwas, indem sie sich lichterau gestaltet. Nur dle anhaftenden hóchst zarten
Biotitschůppchen schmelzen. Das Mineral ritzt Calcit, gegliiht aber erhoht sich seine
Hárte. Abceschalter Staub der Kórner, welche an den allerdůnnsten Kanten schwach
durchscheinend sind, zeigt sich zusammengesetzt aus durchsichticen Theilchen von
undeutbarer Natur und aus Biotitschůppchen von brauner Farbe. Sehr zarter
schwarzer Staub durchdrinst das Gemenge. Dadurch, dass nach dem Glihen das
Mineral lichter geworden ist, scheint mit dem schwarzen Staube eine Veránderune
vor sich gegangen zu sein; indessen finden sich aber auch noch in den geglihten
Splittern schwarze Kórnchen, die durch Glůhen desshalb nicht gelitten haben, weil
sie entweder aus Magnetit bestehen oder weil sie gut und vor Veránderung geschůtzt
nmhůllt waren.
Es ist jedenfalls hier der Ort, darauf hinzuweisen, dass čt in dem An“
dalusitschiefer ahnliche Kórnchen sich finden, wie sie zuletzt (bei dem Andalusit-
schiefer) beschrieben wurden, es muss aber jedé náhere úrklárung, als wáren die
Kórner etwa noch nicht ausgebildete oder in der Bildung gehemmte Andalusit- oder ©
Staurolithindividuen noch dahingestellt werden. '“) |
Lydit.
An den Gránzen zwischen den zu Phyllit umgewandelten untersten Silur- |
grauwackenschiefern mit dem Granit, wie zwischen Krouna und Dědová oder nahe
den Gránzen am Medkový kopec (Čertovina) und bei Mrakotín (alles O oder NO ©
von Hlinsko) finden sich zu Lydit verkieselte Phyllitschichten in Zůgen, das ist
in Wechsellagerung mit schwarzem Phyllit, Auch einzelne Lyditschichten finden
|
|
| 101
sich zerstreut vor. Aus einer schicht- oder lagerartigen Phyllitverkieselung in
| Lydit, ohne scharfe Gránzen, in dem schon oben angefihrten Strassenbuge, W
Kladné, wurde eine Probe HA Gninaře
Gewisse sehr deutlich eben schiefrige Lydite von Schiýžetlé Farbe
zeigen an den Schieferungsfláchen noch den etwas seidenartigen Glanz des Phyl-
Hites, obwohl sie aus dichtem Guarz bestehen. Andere zeigen auch GOuarzklůftchen
M weisser Farbe, welche dieselben durchsetzen, wáhrend der Ouarz im eigent-
lichen Phyllit in derartigen, sogenannten gleichzeitigen Bildungen (Schnůrchen,
(Nesterchen) nicht nachweisbar ist.
| Vor dem Lóthrohr stark geglůht werden diůnne Splitter lichtgrau, bis bei-
(nahe weiss und an den Kanten durchscheinend.
| Důnnschliffe, welche sich bei der Hárte des Gesteines in ausserordentlicher
Důnne herstellen lassen, lósen sich u. d. M. ganz deutlich in die Gemengtheile auf.
Schwache Vergrósserungen zeigen den ganz durchsichtigen Auarz von weisser Farbe,
in welchem ausserordentlich viel schwarze Staubkórnchen in kaum záhlbarer Menge
| eingestreut sind. Stellenweise, und zwar in unvollkommen parallelen Strichen finden
sich Parthieen vor, welche weniger Staubtbeilchen enthalten, demnach lichter er-
Funkce theilweise ist der Staub wieder so gedrángt, dass sich die schwarzen
Půnktchen beinahe zu berůhren scheinen. Starke Vergrósserungen aber zeigen
(zwischen den Štaubkórnchen doch noch Auarzmasse. Die Staubkórnchen kónnen
"nur Anthracit sein; ihre Form ist eine rundlich unregelmássige und bei starken
Vergrósserungen nicht scharf begránzte, so dass der Kern der grósseren An-
thracitkórnchen von „3g—=g"" im Durchmesser schwarz opak, der Rand aber
grauschwarz gefárbt erscheint.
Winzige Guarzklůftchen von ganz reinem Guarz durchsetzen die Lydit-
masse in verschiedenen Richtungen, es herrscht aber ein Richtungssystem solcher
Schnůrchen vor, welche scharf begránzt sind. Nur zuweilen ist ein abgerissenes
Bróckelchen von Lydit in solchen Klůftchen eingeschlossen ; dann und wann erscheint
eine vereinzelnte Haematitschuppe nahe am Rande der Auarzklůftchen; es ist
das vor der Ausfůllung der Klůftchen durch Auarz an den Wánden abgesetzter
Haematit. Manche Gránzfáchen zwischen Auarzklůftchen und Lydit tragen einen
schwarzen opaken důnnen Úberzug, námlich die vor der Bildung der Auarzklůftchen
ausgeschiedenen Anthracitanfůge. Die diinnsten Auarzklůftchen besitzen die Breite
von z3j5"", die breiteren im Praeparate bis 1"", obwohl in Handstůcken die Guarz-
klůfte oft mehrere Millimeter breit sind.
Ausser Ouarz und Anthracitstaub enthált die Lyditmasse ausserordentlich
Selten auch tief braune Kórner, deren Deutung eine unsichere ist; dieselben werden
fůr Staurolith gehalten wegen der Ahnlichkeit des Vorkommens dieses Minerales
in den Phylliten, in denen der Lydit auch eingelagert ist. Doch sind diese Stauro-
hth-áhnlichen Kórner gánzlich einschlussfrei. Die Verdrángung der Phyllitmasse
durch Lydit wáre demnach eine vollstándige. Auch scheint das Vorkommen des
Lydites den Umstand, dass die metamorphosirten Grauwackenschiefer, jetzt also
Phyllite keinen Ouarz und auch keine Auarznester von Bedeutung einschliessen, zu
erkláren, weil sich eben aller Auarz als Lydit gesondert abgeschieden haben důrfte.
102
Sehr bedeutende Vergrósserungen zeigen im Auarze eine ausserordentliche.
Menge von Flůssigkeitseinschlůssen. Im polarisirten Lichte erweisen sich die mit
Staub reich angefůllten Stellen aus ganz kleinen Guarzkórnchen zusammengesetzt;
die an Staub weniger reichen dichten Auarzparthieen bestehen aus bis jmm grossen
Ouarzkórnchen, die das Ageregat bilden. Ebenso verhált es sich mit den Ouarz-
klůftchen, die breiteren bestehen aus grósseren GAuarzkórnchen (bis „£== Breite),
die feineren aus ganz zarten Auarzindividuen.
Ebenso zeigt die Beleuchtung mit polarisirtem Lichte, dass nicht alle Ouarz- ©
klůftchen von gleichem Alter sind, da etliche davon andere durchsetzen; es ist
der Lydit demnach nicht gleichzeitig rissig geworden.
Ottrelitphyllit. ;
Dieses Gestein findet sich im Liegenden und Hangenden des Auarzitzuges,
der wahrscheinlich zur Untersilurzone Dd, gehórt und durch den SO-Abfall der j
Bučina von NW nach 90 streicht. Diese Schiefer lassen sich durch die Bučina ©
und nach einer Unterbrechung an der Strasse von Vápenný Podol gegen Hrbokov ©
bis Rtein verfolgen. Die sůdliche Begránzung derselben geht úber Skoranov und |
Kraskov (NW Seč). Die liegenden Ottrelitphyllite, also die NO vom GAuarzitzuge i
gelegenen důrften der Zone Dd,; die SW vom Guarzitzuge bis zur Granitgránze ©
streichenden aber der Zone Dd; angehóren. Da beide Zonen Dd, und Dd, ur- i
sprůnglich aus petrographisch nicht unterscheidbaren glimmerigen schwarzen Thon- i
schiefern (Grauwackenschiefern) bestanden, so ist die Metamorphose derselben in |
ein gleiches Ottrelitphyllitgestein erklárlich. Die Ottrelitschiefer sind Contact- ©
metamorphosen der schwarzen Thonschiefer mit Granit; die Metamorphose reicht
bis 1 km weit, in horizontaler Richtung gemessen, von der Granitgránze in die ©
Thonschieferschichten hinein; der dazwischen eingelagerte feinkornige Auarzit aber
ist unverándert erhalten, wenn von dessen Zerklůftung abgesehen wird.
Der Ottrelitphyllit úbergeht in der Entfernung von mehr als 1 km von ©
der Granitgránze allmáhlig in den schwarzgrauen Thonschiefer. Besonders auffállig
ist die Metamorphose dort, wo neben Granit noch andere Eruptivgesteine den
Contact bilden, so etwa NO von Kraskov, wo der Corsitstock (von Kraskov) mit
den geschichteten Gesteinen in Contact tritt; hier ist nun die Metamorphose eine
ganz vollstándige.
Eine weniger ausgedehnte Ottrelitphyllitparthie, oder wenigstens eines
metamorphischen, diesem Phyllit áhnlichen Gesteines findet sich in der grossen
Schieferscholle bei Kreutzbere (Krucenburk), námlich S vom O Theile des Dorfes ©
Chlum (N Kreuzberg), wo alte, wahrscheinlich cambrische Gesteine von ursprůng-
licher Thonschieferausbildung eine áhnliche Metamorphore erlitten haben.
Der Ottrelitphyllit zeigt noch ziemlich deutliche Schieferung, die durch
eine schmutzig lichtgraue unvollkommen schiefrige phyllitische Grundmasse bedinst ©
wird, in welcher auch noch ebenfalls vorherrschend annáhernd parallel gelagert
dunkelgrůne bis 1'4—1"" breite důnne Pláttchen von Chloritoid (Ottrelit) ein-
gewachsen sind. Meist entfallen auf 1[j*“ der Gesteinsschieferfláche 40—50 solcher ©
Chloritoidschuppen, obwohl in gewissen Varietáten die Zahl um €in mehrfaches
steigt. Die schuppig schiefrige Grundmasse lásst sich etwas schaben und zeigt.
pb
; %
|
schwachen matten Perlmuterelanz; die oP Fláchen des Chloritoides (Ottrelites)
glinzen stárker. ;
Diese Chloritoidpláttchen (Ottrelit) stecken in einer sehr feinkórnigen
'Grundmasse, welche unter der Loupe stellenweise ausgezeichnete Spaltunesfláchen
Izeigt und den Eindruck eines sehr feinkórnigen Muscovites hervorbrinst, was
insofern einen Unterschied von dem Ottrelitschiefer von Belgien bedingt, als in
(diesem letzteren Gesteine die Grundmasse von licht grauer Farbe, vollie dicht ist. **)
Gewisse Ottrelitschiefer zeigen noch bis fingerdicke und lineal gestreckte,
auch bogige schlierenáhnliche der Schieferung etwas parallel gelagerte Einschlůsse
von dem ursprůnglichen, nur schwach gebleichten Thonschiefer, aus welchem die
|Metamorphose hervorgegangen ist. Es setzt der Ottrelitschiefer von lichterer Farbe
im Vergleich zur Farbe der eingeschlossenen noch nicht metamorphosirten Thon-
schieferschlieren, von denselben ganz scharf ab, ein Fingerzeig, dass die Unwandlung
/nicht gleichmássig in der ganzen Schiefermasse vor sich ging, sondern von Aussen
nach Innen nach Art einer Verdrángunespseudomorphose stattfand, indem durch
Vorrůcken der krystallinischen Ottrelitschiefermasse, die sich aus den Elementen
des Thonschiefers mitgebildet haben mochte, der Thonschiefer aufeezehrt wurde.
Die Schlieren von Thonschiefermasse wáren also nur noch ůúbrig gebliebene Kerne
(Reste) der sedimentáren Schiefer. Wenn den Thonschieferrest zufállie ein Klůft-
„chen durchsetzt, so besteht dasselbe aus Ottrelitschiefergrundmasse (sehr fein-
'kórnigem Muscovit) mit Ottrelitschuppen. In dieser Art modificirt ist demnach
der oben angefihrte allmáhlige Úbergang von Thonschiefer in Ottrelitschiefer zu
verstehen und nicht etwa so zu deuten, als wenn die Thonschiefermasse selbst
immer mehr und mehr metamorphosirt wáre, bis sie im hochsten Grade der Meta-
morphose zu echtem Ottrelitschiefer umgewandelt wáre.
Von der durch Verwitterung angegriffenen Oberfiáche aus fárben sich die
Ottrelitschiefer blass rostbraun. Důnne Splitter der Grundmasse bleiben vor dem
Lothróhr beinahe unverándert, ausser dass sie etwas blasser werden und dadurch
ihre Muscovitnatur noch besser hervortreten lassen, welche Eigenschaften das bel-
gische Gestein ebenfalls zeigt.
Unter dem Mikroskope besteht die schuppig feinkornige Grundmasse aus
nicht vóllig parallel, sondern sich stellenweise regellos kórnig anreihenden durch-
sichtigen Agoregaten, welche an Muscovit erinnern. Einzelne, besser umrandete
Individuen des muscovitáhnlichen Minerales besitzen die Breite von 1;"". Ganz
vereinzelnt jedoch finden sich auch blass bráunliche Schuppen, welche vermuthungs-
weise dem Biotit nahe gestellt werden kónnten.:
ý Die unregelmássig polygonalen Chloritoidpláttchen zeigen blass graulich-
grůne Farben und deutlichen Dichroismus. Nur die Schnitte senkrecht oder guer
zur Fláche oP zeigen sich durch die oPfláchen eben und parallel begránzt;
solche Stábe erscheinen dann 1%" dick, was also der Dicke der Chloritoidschuppen
entsprechen wůrde.
| Im polarisirten Lichte fárben sich die vermuthlichen Muscovitschuppen
ziemlich satt, etwas intensiver aber noch gewisse Chloritoidguerschnitte. Die
senkrecht oder beinahe senkrecht zu 0P geschnittenen Ottrelitblátter, die als dicke
105
104
Stábe erscheinen, zeigen deutliche Zwillingsbildung der Zwillingsebene oP ent- |
sprechend, wornach also die eine Stabhálfte eine andere Farbe zeigt als die andere. |
Sowohl die Glimmergrundmasse als auch die Chloritoide enthalten in sich ©
ganz spárlich schwarze Magnetitstaubkórnchen. Sonstige LHinschlůsse sind aber
nicht zu erkennen.
Nur zufállig, weil námlich die Probe doch nicht aus dem vóllig frischen
Schiefer geschliffen wurde, finden sich feine Klůftchen nach infiltrirtem Limonit;
manchesmal auch noch daneben ein schwarzes Infiltrat einen Erze angehórig
dessen Deutung unentschieden erscheint.
Der Ottrelit zeigt keine Zerklůftung, und erscheint auch ziemlich homogen
und bis auf die spárlichen Magnetitstaubkornchen frei von Einschlůssen.
Krystallinisch massige Gesteine.
Rother Granit.
Der Granit mit fleischrothem Orthoklas, welcher mit dem grauen Granit
im Eisengebirce so háufig zum Vorschein kommt, zeigt sich an den Gránze mit
den Silurgesteinen immer etwas abweichend zusammengesetzt, als dies entfernter
von der Gránze der Fall ist.
Der Granit von Pračov (S Chrudím), welcher durch die Ohebkaschlucht
durchschnitten wird, bildet das Hangende úber den umgewandelten Schieferschollen
und den schiefrigen Felsiten; seine Bánke, in welche er abgesondert ist, fallen
nach S ein. Ganz nahe der Gránze erscheint der Granit etwas aplitisch, indem
der dritte námlich glimmerige Gemengtheil desselben sehr zurůcktritt.
Eine Probe dieses aplitischen rothen Granites von kleinem Korne, in dem
im Mittel die Gemengtheile die Grósse von 1""“ erreichen besteht aus durch-
sichticem GAuarz und fleischrothem Orthoklas, welche beiden Gemengtheile sich
das Gleichgewicht halten, und nur accesorisch zerstreuten ganz kleinen Schuppen
von Biotit, sowie noch kleineren Kórnchen von Turmalin. |
Unter dem Mikroskope ist der Guarz von Kórnerform ganz durchsichtig,
wasserhell, lebhaft chromatisch im polarisirgen Lichte; der fleischrothe Orthoklas,
dessen Gestalten prismatisch verlángert sind, zeigt sich nicht durchsichtig, Was
einen grellen Unterschied neben demOuarze hervorbringt. Ausser den grósseren
bis úber 1%" breiten Kórnern des Auarzes im Granitgemenge erscheinen im Ortho--
klas auch kleinere Auarzkórner von etwa '"" Breite eingewachsen. Einzelne
schmutziggrůne Biotitguerschnitte und lángliche opake Turmalinaggregate sowie
Magnetitkornchen von schwarzer Farbe sind nur ganz vereinzelnt eingewachsen.
Eine zweite Probe zeigt etwas reichlichere kleinere Biotitaggregate, welche
manchen Turmalinkórnchen nicht unáhnlich sehen, in dem fleischrothen Orthoklas-
Ouarzgemenge. Unter dem Mikroskope erscheinen neben nur durchscheinendem
Orthoklas zahlreiche Ouarzkórner unter 1" Breite und unfórmliche ebenfalls kleine
(unter 17" Grósse) Aggregate von dunkel bouteillengrůnem Biotit; dann und wann
|
105
! auch kurze schwarze Kórner von Magnetit. Gewisse Feldspáthe sind weiss getrůbt
(und zeigen Aggregatpolarisation; ob dieselben dem Oligoklas angehóren, kann
(nicht entschieden werden.
Der rothe Granit von Rudov (O Ronov) bildet im grauen Granit einen
| kleinen Stock mit nicht bestimmten Gránzen, weil dieselben durch Wald bedeckt
| sind. Von der Rudover Můhle WS finden sich im Walde Blócke dieses eigen-
| thůmlichen rothen Gránzgranites.
| Dieser Granit macht den Eindruck eines biotitreichen Felsitporphyres oder
mindestens kleinkórnigen Granitporphyres; denn in einer graulichfleischrothen,
| beinahe wie dicht aussehenden, sehr feinkórnigen Grundmasse sind zahlreiche bis
12- lange grůnlichschwarze Biotitschuppen regellos eingewachsen, neben welchen
auch weisse kleine Orthoklas- und Oligoklaskrystalle, die jedoch erst unter der
| Loupe deutlich hervortreten, dann ganz selten Ouarzkórner zum Vorschein kommen.
| Gewisse Biotitschuppen wachsen bis zu 1%% breiten Lamellen an; auch kleine
Amphibolaggregate sowie winzige Pyritkornchen, an einigen ist die asě O0, 00m
sichtbar, erscheinen in dem Gemenge eingewachsen.
nur blass kleinfleckige, mit Biotitguerschnitten darin. Das polarisirte Licht aber
lóst alles ganz gut auf. Die frůher als scheinbar dichte Grundmasse angefůhrten
Gemengtheile stellen eine kleinkórnige vorherrschend aus Orthoklas bestehende
Masse vor, in welcher kleine Auarzkórnchen nur nach den lebhaften Farben, welche
sle im polarisirten Lichte annehmen, erkennbar, in geringerer Menge eingewachsen
erscheinen. Die Grósse der kleinen Kórner von Orthoklas und Auarz in dem
Aggregate wechselt von NON Die háufigen schmutzig gelblichgrůnen oder
braunen Biotite sind —39—+g""“ dick und meist nur i—1*" breit.
|
In Důnnschliffen erscheint die Granitmasse als eine weisse, durchsichtige
|
|
Kleine, bis hochstens 1"* lange Feldspathguerschnitte erscheinen nicht
zahlreich porphyrartig ausgeschieden; dieselben gehóren theils dem Orthoklas,
theils dem Oligoklas an, letztere zeigen manchesmal auch unter beinahe rechten
Winkeln sich kreuzende Zwillingslamellen. (Gróssere Ouarzkórnchen fielen in den
Důnnschliff nicht. Einzelne grasgrůn gefárbte lappig zertheilte Prismen von fas-
riger Zusammensetzung důrften Amphibol sein. Die wenigen Pyritkornchen erreichen
selbst die Grósse von 1"m,
Dieser rothe Granit kóonnte demnach ebenso gut auch Granitporphyr ge-
nannt werden, da er ein Mittelding zwischen kleinkórnigem Granit und Granit-
porphyr vorstellt. Wegen seiner genetischen Beziehungen zum rothen Granit sei
„derselbe hier dem kleinkornigen Granite zugezáhlt.
Grauer Granit.
Graue Granite des Eisengebirges besitzen einen weiss gefárbten Orthoklas
und Biotit im Gemenge; wegen der dadurch bedingten Farbe sind sie als graue
ausgeschieden. Von diesem gemeinen Gesteine wurden nur zwei Proben náher
untersucht,
106
Der graue Granit "/„ km W von Hutě (W Ransko), welcher da von.
Dioritcángen auch spárlich von schwachen Corsitgángen durchsetzt wird, erinnert
an den Gneusgranit (von Šeč); er scheint aber doch dem regellos kórnigen Gra--
nite náher zu stehen. Die Textur ist eine zwischen klein- und mittelkórnige;.
Ouarz und Orthoklas von gleich rein weisser Farbe und bedeutender Durchsichtig-
keit lassen sich im Bruche nicht sogleich von einander unterscheiden; der Biotit
ist schwarz nur in důnnsten Pláttchen tiefbraun durchscheinend. Accesorisch
kommt schwarzer Amphibol, -vom Biotit schwierig auseinander zu halten, dann
honiggelber Titanit bis 1% lang, in den gemeinen Krystallformen, wie er sich
auch in Syeniten vorfindet, eingewachsen vor. Die Auarze oder Orthoklase sind
bis úber 2"" breit, die Biotite in Acgregaten kleiner.
Unter dem Mikroskope herrschen die durchsichtigen Ouarze und die eben-
falls durchsichtigen oder nur €ganz wenig matten Feldspáthe vor; sie bilden bis ©
2—2',"m lange und breite Anháufungen, wáhrend der Biotit meist lappig zertheilte
Aggrecate, die aus kurzen Krystallguerschnitten derselben zusammengefůgt erschei-
nen, bildet. Im gewoóhnlichen Lichte sind nur die ganz schwach matten oder durch
Spaltungsffáchen rissigen Feldspáthe vom Auarze zu unterscheiden. Im polarisirten ©
Lichte aber zeigen die wasserhellen Orthoklase eben so lebhafte Farben wie der
Ouarz, so dass beide Mineralien nur nach der Form auseinander gehalten werden
kónnen. Einzelne bis 1I—1';"“ bis 2%% lange Auarz- oder Orthoklasindividuen
finden sich háufig, andere im gewóhnlichen Lichte durchsichtige Aggregatanháu-
fungen bis zur Lánge von 3%“ bestehen im polarisirten Lichte gesehen aber aus
Ouarz und Orthoklaskornchen von etwa 17% Breite. Oligoklas ist wohl nur ver-
einzelnt in kleineren Kórnern aber doch in ziemlicher Zahl anzutreffen; diese
gestreiften Plagioklase zeigen im polarisirten Lichte ebenso satte Farben wie der
Ouarz, ein Hinweis auf ihre Frische. Die zu lappig zertheilten Aogregaten grup-
pirten Biotite zeigen bouteillengrůne Farben und den starken Dichroismus. Eben
solche lappig zertheilte dunkelgrasgrůne Amphibole finden sich in spárlicherer
Menge eingewachsen.
Die bis 17“ breiten, scheinbar guadratischen Magnetitguerschnitte lieben
es in den Biotit- oder Amphibolaggregaten eingewachsen vorzukommen.
Titanit erscheint blass braun in dem Důnnschliffe; im pol. Lichte zeigt
er keine grellen Farben. Einzelne Pyritkornchen, bis 1%% gross sind ganz selten.
In derselben grauen Granitparthie, welche in der Náhe des Diorites des
Ransko-er Waldes als Amphibolgranit entwickelt ist, finden sich 1 km SW von
Nové Ransko mittel- bis kleinkórnige Biotit- und Amphibolgranitabarten vor, welche
durch Dioritrůmmer durchsetzt werden. Eine ganz frische kleinkórnige Biotit- ©
granitvarietát von dunkelgrauer Farbe und nur unter der Loupe sichtbaren winzigen ©
Pyritkórnchen zeigte im Důnnschliffe ein scheinbar vorherrschendes Auarz-Feld-
spathgemenge und Diotit, sowie Amphibol; beide letzteren Mineralien etwa in
gleicher Menge.
Der Auarz und der Feldspath sind durchsichtig im gewóhnlichen Lichte
nicht gut von einander unterscheidbar. Die Biotitguerschnitte finden sich zerstreut,
die Amphibole aber zu Aggregaten mit lappig zertheilten Rándern gehánít vor,
erstere haben gelblichbouteillengrůne bis braune, letztere dunkel grasgrůne Farbe.
107
(Meist an die Amphibolaggregate gebunden, wenn auch zeitweilig in den durch-
Jsichtigen weissen Gemengtheilen auch vorkommend, finden sich einzelne, bis , ""
Ibreite guadratische Ouerschnitte von Magnetit vor.
Das polarisirte Licht lóst die durchsichtigen Mineralageregate vollig auf;
(bei der bedeutenden Frische derselben zeigen sowohl Orthoklas als auch Auarz
satte Farben ; neben diesen beiden Mineralien kommt aber auch in ziemlich bedeu-
"tender Hrsnké Plagioklas vor. Die Menge des Plagioklas scheint mit dem Amphibol
zuzunehmen, so dass beide Mineralien einander im Gemenge bedingen. Die gróssten
Ouarz-, oder Orthoklas-, oder Plagioklas-Individuen erreichen kaum ,"", die son-
stigen Kórner in dem Aggrecate sind bedeutend kleiner. Die Biotitstábe erlangen bei
einer Dicke von ;%"" bis 10fache Lánge, auch noch mehr.
Wegen des Úbergewichtes, welches der sonst nur zu den accesorischen
Gemengtheilen hinzugerechnete Ampůibol hier besitzt, bildet dieser kleinkórnige
Granit das Bindeglied zwischen Biotit- und Amphibolgranit, es passen also beide
Namen fůr denselben, oder auch der Name Biotitamphybolgranit allein.
pm PT S BAY F 0 < ee a
Gneusgranit.
In beiden Elbeufern, bei Elbe-Teinic und dem gegeniberliegenden Vinařic
werden sowohl kleinkórnige Glimmerschiefer als auch der Gabbro durch echte sowie
auch Lagergánge von Granit durchsetzt, welcher in verháltnissmássig nicht bedeuten-
der Máchtigkeit bis 20—530== wie dies im linken Ufer in den entblóssten Eisenbahn-
einschnitten zu sehen ist, hier mehrmals zu Tage tritt. Die Fig. 3 versinnlicht das
Vorkommen der Graniteánge. Es sind jedoch die Biotitschuppen des Granites ziemlich
nahe den Gangbegránzunesfláchen parallel, so dass die Textur des Granites eine
unvollkommen schiefrige wird, wesshalb der Name Gneusgranit gerechtfertigt er-
scheint. Wůrden die Lagerungsverháltnisse des Gneusgranites nicht so deutliche
sein, so wáre das Gestein gewiss als Gneus bezeichnet worden, allein als eruptives
Gestein, welches bei bedeutenderer Máchtigkeit die Gneustextur etwas weniger
deutlich zeigt, kann es nur als Granit bezeichnet werden, ausser man wůrde auch
„eruptive, das ist ganefórmige Gneuse annehmen. '*)
Im linken Elbeufer zeigen sich derartige Gneusgranitgánge zwischen Záboř
und Vinařic knapp W vom Wůchterhaus Nr. 281, dann in Vinařic O vom Viaducte
der Eisenbahn, dann nahe O und W vom Wáchterháuschen 280 zwischen Vinařic
und Kojic. Ebenso verhált es sich auch unter Elbe-Teinic, im rechten Elbeufer,
Wo jedoch die Zahl der Gneusgranitgánge nicht genau festzustellen ist. Das
„Streichen der Gánge, die meist Lagergánge vorstellen, ist von SO nach NW.
Bemerkenswerth ist noch, dass mit der Zunahme der Máchtigkeit der Gánge die
Korngrosse oleichfalls zunimmt, indem die Textur zugleich zu einer unvollkom-
(menen plan parallelen wird.
| Der Gneusgranit */„ km Ó von Elbe-Teinic, als kurzer Gangstock den
Amphibolschiefer durchbrechend und niedrige Kuppen bildend, ist unter allen hier
beobachteten Gneusgraniten das kórnigste Gestein. Die Textur ist mittelkórnig,
der Orthoklas uud Auarz weiss, die kleinschuppigen schwarzen Biotitaggregate
108
sind unvollkommen flasrie vertheilt, kurz das Ge-
steln sieht einem unvollkommen schiefrigen kurz-
flasrigen Gneus ziemlich áhnlich. Die Lánge der
weissen Gemengtheile, die unvollkommen parallel
gelagert sind, betrást bis 6m.
Wichterh.
281
235 335:5 Km,
Viadukt
Unter dem Mikroskop zeigen sich in weis-
sen durchsichtigen Aggregaten schuppige Anháu- ©
fungen von braunem bis grůnem Biotit, dazwischen.
selten kleine Kórner von Ilmenit mit einer důnnen
Leukoxen-(Titanomorphit)rinde umhůllt. Die Biotit-
schuppen erlangen Dreiten bis 1"". Das durch-
sichtige Aggregat besteht aus kleineren, im Mittel
'/„“m breiten Ouarzaggregaten, in welchen kleinere,
bis úber 17" lange Orthoklaskrystalle eingewachsen.
sind. Auch ein parallel gestricheltes Orthoklaskorn
(wie man es sonst Mikroklin nennt) wurde sicht-
bar. Nur ganz vereinzelnt finden sich Plagioklas-
krystalle; einerdavon zeigte sich als Zwilling nach
dem Karlsbader Gesetz, dessen eine Hálfte im
polarisirten Lichte einfárbig, die andere gebándert
erschien. Auch solche Plagioklase, die nur flecken-
weise Zwillingsbánder zeigen, finden sich; dieselben.
lassen aber die Deutung, als wáren sie von Ortho-
klas umwachsen, desshalb nicht zu, weil der nicht
zwillingsartig gebánderte Theil nicht scharf von
dem gebánderten getrennt ist, ausserdem aber
auch dieselbe Grundfarbe zeigt wie die gebán-
derte Parthie.
Bei stárkeren Vergrósserungen werden auch
Apatitnadeln in den Feldspáthen sichtbar. Stellen-
weise zeigen sich graulich grasgrůne Flecken oder.
Umrandungen des Biotites, welche aus spiessigen
Nadeln bestehen und auf Amphibol hinweisen.
Vinařice
1:10000, Imm.= 10m,
SW
== Zabe Flie—>
— ——— Wsenbuhn
Bahnhof Zaboř (Station Elbe-Teinic)
280
Á :
/ ZLÁ VÍÍ POD / W;
HSM ý s 857 M
dpd a 205
ph 200
834 Km,
Der Gneusgranit zwischen Zaboř (Eisen-
bahnstation Elbe-Teinic) und Vinařic, der in zwei
Gángen im Glimmerschiefer an der Gránze mit
dem Gabbro vorkommt (siehe Wáchterhaus Nr. 281
auf Fig. 3 pag. 110), wurde in zwei Proben unter-
sucht. Die eine Probe (etwa 100 Schritte) W vom.
Wáchterhause Nr. 281 an der Bahn, war zwischen
mittel- bis kleinkórnig, die andere kleinkórnig und
aus dem etwa 20" máchtigen Gange entnommen.
Bis auf die weniger grobe Textur ist dieser Gneus-
granit dem frůher beschriebenen Gesteine von
A
Pře
109
|
|Elbe-Teinic áhnlich. Die erste Probe wurde normal auf die plane Paralleltextur,
14 zweite parallel derselben zu Důnnschliffen verwendet.
Erstere zeigten aus grósseren DBiotitpláttchen zusammengesetzte, in einer
(Richtung .orientirte Flasern in der aus Auarz- und Orthoklas-Krystallkórnern be-
|stehenden weissen Masse. Accesorisch werden die flasrigen Biotit-Aggregate von
wechselnder Breite von Amphibolnadeln, meist an den Rándern, begleitet. Die
| Amphibolnadeln von 55 "" Breite und 10facher Lánge sind entweder einzeln oder
in Gruppen geháuft zu finden. (Ganz spárlich sind auch Magnetitkornchen ein-
| gewachsen; bedeutendere Vergrósserungen lassen u. d. M. Apatitnadeln erkennen.
Die der Schiefertextur parallel geschnittene Diůnnschliffprobe in dem klein-
kórnigen Gesteine zeigt vorherrschend die weissen durchsichtigen Aggregate von
Ouarz mit den ganz wenig getrůbten Orthoklasen, in welchen die Biotite unregel-
mássige, lappig zertheilte Háufchen und auch einzeln zerstreute Krystallguer-
schnitte darstellen. Amphibol ist in grasgrůner Farbe in kleinen Háufchen ganz
selten, dessoleichen auch feiner Magnetitstaub nur ganz sporadisch eingewachsen.
Im polarisirten Lichte erweisen sich die ganz durchsichtigen Auarze als Aggregate
von bis úber */„*“ grossen Kórnern von lebhaften Farben. Die Orthoklase in der
Form von langen rechteckigen Auerschnitten auftretend, zeigen die Eigenthůmlich-
keit, dass ihr Kern matt, schwach fárbig, die áussere Schale von ziemlicher Důnne
aber wasserhell, lebhaft fárbig im polarisirten Lichte, erscheint. Diese Erscheinune
kann als Schalenbildung gedeutet werden. Gewisse gestreifte Feldspáthe kónnten
entweder als Plagioklas gedeutet werden, wenn sie nicht vielleicht parallel an-
gelagerte Orthoklase der eben erwáhnten Ausbildung vorstellen.
Genau O von Vinařic etwa /„—1 km sind in einigen Gruben die Fort-
setzungen der Gneuseranitgánge, welche in Vinařic und O von Vinařic im Elbe-
ufergehánge ausbeissen, aufgedeckt. Von einem Gange von 3" Máchtigkeit, welcher
unvollkommen schiefrigen Gabbro (Uralitdiorit) durchsetzt, sowie von einem arm-
dicken, ganz geradlienig streichenden Gangtrumm wurden Proben entnommen.
Beide Gesteine sind kleinkórnig schuppig; wenn die Lagerungsverháltnisse nicht
so deutlich vorliegen wůrden, kónnte an unvollkommen schiefrigen Gneus gedacht
werden. Das vorherrschende Auarz-Orthoklasgemencge ist blass graulichgelb; die
einzigen Biotitschippchen bilden ganz kurze Flasern.
Ein Důnnschliff des Gneusgranites aus dem 3" máchtigen Gange zeigt
ganz áhnliche Texturverháltnisse, wie die ůúbrigen oben beschriebenen Gneus-
granite, nur dass die Textur eine zartere ist. In der weissen Auarz-Orthoklas-
Grundmasse ist schon in gewóhnlichem Lichte der Ouarz durch seine Durchsichtig-
keit von dem getrůbten Orthoklas zu unterscheiden. Der getrůbte Orthoklas
verleiht auch der Masse die gelbliche Farbe. Der Biotit bildet, weil der Schnitt zu
keiner Texturrichtung parallel láuft, entweder bis 1'/,*“ lange, '/„"“ breite la-
© serige Anháufungen, oder stark lappig zerschlitzte und lappig getrennte Háufchen,
-Oder einzeln eingewachsene Krystallschuppen. Die kleinsten hexagonalen Schuppen
des Biotites messen bei der Breite von 54" in der Dicke 345"". Ebenso breite
Magnetitstaubkórnchen sind ganz selten. Im polarisirten Lichte bestehen die durch-
sichticen Ouarze aus Aggregaten bis zu 4%% im Durchmesser; der feckig getrůbte
Orthoklas, von etwas grósserer Breite als der Ouarz, zeigt nur in den weniger
110
trůben Theilen noch Farben. Manche Orthoklasprismen besitzen noch einen ganz
engen Saum, also eine Schale von bedeutenderer Durchsichtigkeit. Bei der getriibten
Beschaffenheit der Feldspáthe ist die Anwesenheit von Plagioklas nicht zu erfassen.
Bei 100facher Vergrósserung kamen Apatitnadeln u. d. M. nicht zum Vorschein.
Der Gneusgranit aus dem armdicken geraden Trumm in der Náhe des
vorerwáhnten Ganges ist demselben ganz áhnlich, nur dass stellenweise der Biotit |
etwas zurůcktritt. Ein Schnitt in unbestimmter Richtung zeigte unter dem Mikro- ©
skope eine ganz áhnliche Beschaffenheit, nur dass die entfernter stehenden Biotit-
Aggregate etwas kleiner, die Feldspáthe bedeutend frischer und nur stellenweise
weiss getrůbt erschienen. Die Auarze bis zum Durchmesser von 17" herrschen
vor; der in geringerer Menge auftretende Orthoklas ist nur stellenweise, manches-
a im Kerne getrůbt. Spárlich sind auch kurz rechteckige Oligoklase mit hóchst
zarter Strichelung im polarisirten Lichte und dann und wann mit scharf begránztem
trůbem Kerne sichtbar. Apatit bei 100facher Vergrósserune noch nicht nachweisbar.
pyenit.
Die neueren Untersuchungen des Šyenites lehren, dass Gesteine dieses
Namens nur wenig bestimmte Gránzen haben, indem sie theilweise zu Amphibol-
Granit, theilweise zu Diorit Verwandtschaften zeigen. Immer aber enthált der Syenit
Oligoklas, manchesmal in solchen Mengen, dass eine Umdeutung des Syenitbegriffes
angezeigt wáre. Wenn auch die mikroskopische Untersuchung die geringere Sta-
bilitát der Gemengtheile darthut, so ist doch nach álterer Anschauungsart der
Syenit durch sein deutlich korniges Gefige, den schwarzen Amphibol, den oft
rothlichen Orthoklas und den charakteristischen Titanit wohl erkennbar.
Auf der Karte sind nur wenige Syenitvorkommnisse ausgeschieden; ein
Theil diůrfte unter der Farbe des Diorites insbesondere an den Gránzen mit Granit
verdeckt sein, weil sich solche Gránzbildungen wegen des allmáhligen Verlaufes in
Amphibolgranit und Diorit nicht scharf scheiden lassen. Insbesondere gilt dies
Gesagte von der Umgebung von Nassabere.
Eine bedeutendere Syenitparthie, ohne scharfe Begránzung, befindet sich
zwischen Seč und Kraskov, an der Gránze zwischen Diorit und rothem Granit.
Der Syenit von mittelkórniger Textur enthált 2—3"" und stellenweise noch
gróssere Gemengtheile; einen weissen (Plagioklas), stellenweise aber wieder vor-
herrschend róthlichen Feldspath (Orthoklas), dies besonders am Kopanina -Hůgel
(NNW Seč, SOS Žďárec), und schwarzen Amphibol. (Ouarz ist nicht bemerkbar.
Stellenweise, wo gróssere Feldspathanháufungen sich vorfinden, hat der Amphibol
die Tendenz lange Stengel zu bilden. Kleine (millimetergrosse) Titanitkrystalle von
honiggelber Farbe sind stellenweise reichlich anzutreffen. Die regellos kórnige
Textur zeist an gewissen Orten, vornehmlich an der Granitgránze, eine Tendenz
zur unvollkommen schiefrigen.
SO von Kraskov 1 km, ist im rechten Ufer des seichten Zlatý potok
ein Syenit entblósst, in welchem nicht nur Magnetitkórner sondern sogar hóchst
grobkůrnige Ausscheidungen von Auarz, Epidot, Granat mit Magnetitnestern vor-
kommen. Die Zerklůflung des Syenites trágt dann auch Epidot an sich, nebstdem
Pyritkornchen, welche auch in dem kórnigen Gemenge vorkommen. Der Magnetit
: bili
Důnne Schliffe von einer unvollkommen schiefricen Probe (also einem
|Gránzgestein), zeigen frische Orthoklase vorherrschend "in Krystallen bis zu 5""
Lánge und 2"" Dreite, sehr lappig zertheilte Amphibole, in welchen kleine Kórnchen
list immer vorhanden, jedoch nicht gleich erkennbar. Es kommen hier mittelkórnige,
und dunkelgraue kleinkórnige Varietáten vor, welche schlierenartig mitsammen ver-
bunden sind, Titanit ist háufic. |
| Ein Důnnschliff, jedoch nur von geringer Grósse, zeiot Amphibol in etwas
lappig zertheilten bis 2'/,—3"" langen und ziemlich breiten Parthien, je nach der
(Orientirung, von bráunlichbouteillengrůner bis graserůner Farbe und starkem Dich-
roismus; etwa in gleich bedeutender Menge auch Feldspáthe in kleineren, aber
deutlich begránzten rechteckigen Formen. Es ist schwierig zu entscheiden, ob auch
Ouarz in dem Gemenge vorhanden ist, einestheils wegen der nicht bedeutenden
Grósse des Práparates, dann aber wegen der vollstándicen Durchsichtigkeit der
Feldspáthe, welche auch im polarisirten Lichte ebenso lebhaft sich fárben, wie es
sonst fůr den Auarz charakteristisch ist. Im gewóhnlichen Lichte zeigen gewisse
Feldspathrechtecke ganz deutlich die Zwillingsstreifung, um so mehr tritt die zarte
gedránet stehende Bánderung im polarisirten Lichte zum Vorschein, wo erst recht
(deutlich bemerkbar ist, dass sich Orthoklas und Plagioklas in ziemlich gleichen
"Mengen im Gemenge vorfinden. Grosse, ebenfláchig contourirte Magnetitkórner
enthált der Amphibol háuůg, die Breite der grósseren Magnetite misst bis 1',““.
Blassroóthlichbrauner Titanit zeiet unregelmássige Formen und wenn auch wenig
bedeutenden, so doch ganz deutlichen Dichroismus.
Die nicht constatirbare Gegenwart von Auarz, welcher in Syeniten selten
fehlt, důrfte sich in Proben mit nicht mehr ganz frischen Feldspáthen, wo der
Ouarz in Důnnschliffen dann ganz deutlich zum Vorschein kommen wůrde, sicherer
nachweisen lassen. Wegen der bedeutenden Oligoklasbeimengung náhert sich der
Byenit dem Diorite; und wenn fůr denselben der Name eines orthoklasfihrenden
Diorites gewáhlt werden wůrde, kónnte nichts eingewendet werden. Doch sind alle
andern Eigenthůmlichkeiten des Gesteines derartige, dass sie noch nicht eine
Trennung von Syenit rechtfertigen.
Unter Zbyslavec (O Ronov), dann in der N und S Umgebung des Dorfes
befinden sich kórnige Diorite, sowie auch an der Gránze mit dem rothen Granit
Syenite und Syeniteranite. Sámmtliche drei Gesteine sind durch Úbergánge ver-
knůpít und schwer auseinander zu halten. In kurzen Gangstócken durchsetzen
die Syenite auch die Gneuse in der steilen Lehne (Železné hory) W von Zbyslavec.
Die Textur ist mittelkórnie, zuweilen mit grobkórnigen Ausscheidungen
und bis federkieldicken, beinahe fingerlangen schwarzen oder grůnlichschwarzen
Amphibolsáulen im licht aschgrauen Orthoklas, in welchem auch grosse Auarz-
kórner von weisser Farbe ausgeschieden sind. (Gewisse dguarzarme Šyenite an
Gesteinsgránzen zeigen unvollkommen schiefrige Textur. Pyrit in Kórnchen ist
Sstellenweise háufig, ebenso auch Epidotanflůge in dinnen Klůftchen. In manchen
Handstůcken zeigen sich kleine rothe Punkte, welche unter dem Mikroskop undurch-
sichtig erscheinen, etwas stárkeren Glanz besitzen und deren Deutung nicht gelang. "*)
Diese dioritisch-syenitischen Gesteine sind auf der Karte mit der Farbe
des Diorites, der eigentlich nur die Mitte einnimmt, gekennzeichnet.
112
von Magnetit nicht gar zu spárlich eingewachsen sind, dann untergeordnet Plagioklas
und bis "= breite, fůr Ouarz beanspruchte Kórnchen. Wegen des vorherrschenden
Orthoklases entferní sich das Gestein vom Diorit bedeutend, was auch aus der unvoll-
kommen schiefrigen Textur ersichtlich ist, welche die Náhe der Granitgránze anzeigt.
Der ganz geringe Ouarzgehalt' náhert vielmehr das Gestein dem Amphibolgranit. |
Granitporphyv.
Diese Gesteine sind nicht háufig, es sind das ebenfalls Gránzgesteine, wie
die Auarz- und Felsitporphyre und werden bei den Auarzporphyren angefihrt
werden. Hier sei nur derjenige Granitporphyr W von Dolní Holetín angefihrt,
welcher zwischen zu Glimmerschieferphyllit umgewandelten Untersilur-Grauwacken-
schiefern an der Gránze von Granit auftritt und dem unbedeutenden SW gerichteten
Thálchen 1"/, km W von Dolní Holetín (N Hlinsko) entnommen ist. Die Lagerungs-
verháltnisse zeigt die Fig. 14.
Fig. 14.
S 1:8000 Imm- 8m, - N
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VA 27
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Diese Granitporphyre sehen theils feinkornigen Glimmerschiefern, theils
Minetten áhnlich, wenn námlich in denselben die grósseren Krystalle stellenweise
verschwinden und die Textur mehr schiefrig wird, oder dem kórnigen sich náhert;
solche Gesteine durchsetzen in Gángen die Gránzschiefer in Holetín zahlreich,
sind aber auf der Karte wegen der geringen Máchtickeit derselben nicht verzeichnet.
Das Gestein W von Holetín von dem in dem Schnitte angefiihrten Orte
ist auf den ersten Blick schwierig zu deuten. Es ist ein unvollkommen schief-
riges Gestein. Die anscheinend dichte Grundmasse von graulicher Farbe, splittrigem
Bruch ist eigentlich hóochst feinkórnig; darin sind ganz kurze, gestreckte, aus
zarten Biotitschuppen bestehende Flasern (in GAuerschichten bis 19% lang und
wenig breit), welche die unvollkommene zu den Gránzschiefen parallele Textur
bedingen. Bis */,%“ grosse Ouarzkrystalle und 3"" lange Orthoklaskrystalle be-
dingen die porphyrartige Textur. Ein eigentlicher Granitporphyr ist das Gestein
nicht, da es unvollkommen schiefrig ist, ein schiefriger Porphyr gleichfalls nicht,
weil die schiefrige Textur wieder zu unvollkommen erscheint. Eher ist es ein
Úbergangsgestein zu schiefrigen Felsitporphyren (Auarzporphyren), námlich zu
denjenigen Gesteinen, die tiefer unter diesem Namen angefiihrt werden. In der
Grundmasse ist der Ouarz gánzlich durchsichtie, der Orthoklas trůbe.
Důnnschliffe ziemlich parallel zur unvollkommen schiefrig flasrigen Textur
zeigen in der Grundmasse ausser grossen Auarz- und Orthoklaskrystallen (Kórnern)
noch kleine zahlreiche Auarzkórner von ";—"/„"“ Breite und ebensolche Ortho-
klaskorner. Erstere sind vorherrschend wasserhell, letztere untergeordnet, trůb.
Die Grundmasse erscheint im polarisirten Lichte vollig kórnig; wegen der
lebhaften Farben scheint der vorherrschende Gemengtheil Auarz zu sein. Die
Grósse der Kórner betrágt im Mittel „5—7%"", obwohl es auch gróssere und
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Mrleinere darunter gibt. Biotitschuppen von brauner Farbe und der Breite von
k—z2£"" sind zahlreich, entweder einzeln, oder zu haufenáhnlichen Aggregaten
Flasern) verbunden. S luhkórachou von ohni sind ©anz selten.
v Die Grundmasse wáre demnach eigentlich ein guarzreicher Biotitgranit
on unvollkommen schiefrig flasrigem Gefige und bis auf den Biotit von hóchst
2“
|
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|
|
4
inkorniger Textur.
Ouarzporphyr.
Die Auarzporphyre treten im Eisengebirge in nicht gerade beschránkter
kuntergeordnet. Es werden unter Ouarzporphyren hier diejenigen Felsitporphyre
[verstanden, in denen Auarz neben Orthoklas entweder in úberwiegender, oder doch
(in betráchtlicher Menge vorkómmt, wáhrend als Felsitporphyre Gesteine mit vor-
|wiegenden Orthoklas- und nur ganz untergeordnet ausgeschiedenen Auarzkrystallen
Ibezeichnet werden; zwischen beiden Porphyren wůrde es demnach keine auch nur
Vannáhernd bestimmte Gránze geben.
Die Auarzporphyre erscheinen mit Vorzug jeder andern Lagerung an der
lěninze zwischen rothem Granit mit anderen Gesteinen in verháltnissmássig nicht
Ibreiter Zone, meist als Gánge, wo námlich die Lagerungsverháltnisse durch Ent-
'blossungen beobachtet werden kónnen.
Ď Solcher Art ist das Vorkommen von Ouarzporphyren in einem engen Zuge
ischen rothem Granit und schwarzen Untersilurphylliten W und SO von Chvaletic
(W Přelouč, WSW Elbe-Teinic) auf die Lánge von gegen 4 km zu beobachten;
"dann nach einer Unterbrechung zwischen Zdechovic und Morašic, noch weiter so
"bis beinahe gegen Vápenka, auf die Lánge von 3 km im Verlaufe derselben
IGránze. Zwischen rothem Granit und zu Ottrelitschiefer umgewandelten Schichten
(der Silurzone Dd,, W von Rtein (NO Seč). Endlich in etwas weniges zum schief-
Irigen geneigter Textur zwischen grauem Gneusgranit und zu Phyllit umgewandelten
'umtersilurischen Grauwackenschiefern S von Dolní Babákov und lánes der Gránze
in einzelnen Gángen durch Dolní Holetín, was aber wegen der Geringfůcickeit
(des Vorkommens auf der Karte nicht verzeichnet erscheint und auch schon bei
Sámmtliche hier aufgezáhlte Vorkommnisse
(gehóren dem licht (oder hdohateis graulichbraun) gefárbtem Auarzporphyr an.
Grauschwarze, sehr feste, duarzreiche Ouarzporphyre treten reichlich,
S in nicht sehr máchtigen Gángen unter Richenburg und den Fichénkuracl
Schluchten, nahe der von Kreideschichten bedeckten Gránze von Silurgrauwacken
mit rothem Granit auf, ebenso auch S von Skuč gleichfalls nahe der Gránze mit
(grauem Gneusgranit; nur 9anz vereinzelnt auch bei Lešan (SO Skuč). Es sind
aber diese grauschwarzen Ouarzporphyre, welche in ebensolchen Grauwacken, die
theilweise auch als Auarzporphyrtuffe aufzufassen wáren, vorkommen, nur dann
(deutlich erkennbar, wenn die abnorme Lagerung derselben oder die durchgreifende
Lagerung etwas jingerer Porphyrgánge — welche die aus zertrimmerten Porphy-
(ren, demnach petrographisch gleich zusammengesetzten jedoch geschichteten Grau-
wacken durchsetzen — eine solche Trennung beider Gesteine gestattet. Denn
l 8
114
nicht mehr ganz frische Ouarzporphyre sind in Handstůcken oder bei nicht deut- ©
lichen Lagerungsverháltnissen von der kórnigen Grauwacke (Sumackor
Ouarz-Porphyrtuff) nicht zu unterscheiden. ?“)
Die Guarzporhyre sind demnach auf der Karte nicht nach den unměglici |
verfolebaren Lagerungsverháltnissen PoPne sondern nur nach einzelnen ©
Anzeichen.
Die Auarzporphyre von Rtein sind durch allmáhlige Úbergánge auch duní
Felsit mit dem Felsitporphyr verbunden, welcher gleich nachher beschrieben *
werden wird.
Der Guarzporphyr bei Chvaletic stellt meist blass weisse oder ver- *
bleichte Gesteine vor, wie sie sich am Ausbisse insbesondere W von Chvaletic
finden und bei ganz flůchtiger Besichtigung manchen zersetzten Granulit nach-
zuahmen scheinen. Im sůdlichen Ende von Chvaletic selbst aber tritt als Gránz=
gangbildung zwischen rothem Granit und schwarzem Silurphyllit ein Gestein auf;
welches fest und deutlich entwickelt ist. Die eingewachsenen Krystalle, welche
ziemlich entfernt stehen, somit deutlich in der Grundmasse eingebettet erscheinen;
sind vornehmlich Orthoklaskrystalle mit abgerundeten Ecken bis úber 1“*“ Lánge
und Breite besitzend, blass róothlichgsrau und schwach durchscheinend; dann biš
1/,em grosse Auarzkrystalle von lichtrauchgrauer Farbe und der hola 1m Krystall-
form —+-R.— R mit mattrauher Oberfláche aber volliger Durchsichtigkeit. Die
Zahl der kleineren Auarzkrystalle ist bedeutender als die Zahl der Orthoklase,
allein die Masse des Orthoklases důrfte úberwiegen.
Die Grundmasse ist grau, nicht felsitisch, sondern sehr feinkórnig splittrig,
mit schwarzen, bis 1',*“% grossen nicht zahlreichen Flecken, welche feinkórnige
Biotitaggregate vorstellen. Dadurch ist dieser Auarzporphyr, weil derselbe keine
rein felsitische Grundmasse besitzt, etwas dem Granitporphyr náher gerůckt; es
ist aber die Verknůpfung mit Auarzporphyýr eine ausgeprágtere, so dass der letztere
Name hier beibehalten ist. Das záhe feste ziemlich frische Gestein zeiet im Důnm-
schliffe in der Grundmasse gánzlich durchsichtige, aber trotz deutlicher Krystall= ©
form (freilich mit abgerundeten Kanten) doch nur ovale oder sackfórmig ovale ©
Auarzguerschnitte, welche bei bedeutenderer Vergrósserung — was méěist immer.
selbstverstándig ist — zahlreiche Flůssigkeitseinschlůsse zeigen. Die Ouarze sind ©
meist zersprungen, die wenigen Sprůnge in denselben nicht durch Erschůtterung
bei der Formatisirung hervorgebracht, weil nach gewissen Spruneklůften Limonit
in die Krystallmasse infiltrirt wurde. Meist sind die durch Klůfte durchsetzten ©
Ouarzindividuen nicht von einander verrůckt, da sie im polarisirten Lichte gánz-
lich einfárbig erscheinen; dann und wann aber lásst sich auf diese Art eine un-
bedeutende Verschiebung derselben gegen einander nachweisen. Wo die Móglichkeit ©
vorhanden war, gewisse orientirte Ouerschnitte auf die Ablenkung des polarisirten
Lichtes zu průfen, erwiesen sie sich als linke Krystalle. Der Orthoklas ist beinahe
ganz weiss, wolkig getrůbt, die weniger trůben Stellen zeigen Aggregatpolarisation;
dadurch, dass die Feldspáthe so getrůbt sind, ist der Nachweis von Plagioklas |
neben Orhokla: nicht móglich.
Die Grundmasse enthált entweder ganz zerstreute, oder zu Gruppen oder
selbst ganzen Haufen aggregirte, winzige Schůppchen von schwarzem Biotit, der
115
'wenig durchsichtig ist, da nur die důnnsten Pláttchen desselben schmutzig grůne
!Farbe sowie auch Dichroismus zeigen. Durch dieselben erhált die Grundmasse
(stellenweise einen graulichgrůnen Ton. Es scheinen die Biotitschuppen durch
Iicscs Verhalten dem Lepidomelan nahe zu stehen. Die ganz vereinzelnten Biotit-
'schuppen erreichen Lángen im Mittel von 35"" bei einer Dicke von —!3"". In
|der Grundmasse zeigen sich auch ganz vereinzelnt guadratische Auerschnitte von
Fram Breite, welche als Magnetit zu deuten versucht werden.
Im polarisirten Lichte zeigt die ziemlich durchsichtige Grundmasse eine
(so deutliche Aggregatpolarisation, dass derselben eigentlich der Name des deutlich
(kleinkórnigen zukómmt, wodurch die Anlehnung dieses Auarzporphyres an Granit-
(porphyr gleichfalls eine Stůtze findet. Die Kórner von Auarz sind in der Grund-
masse durch ihre satten Farben von den etwas blasseren, aber vorwiegenden Ortho-
klaskórnchen zu unterscheiden; 35—+;"“ breite Kórner in dem Gemengce gehěren
keinesfalls zu den gróssten. Die Grundmasse dieses guarzporphyráhnlichen Granit- *
porphyres wáre demnach eigentlich ein sehr feinkórniger Granit, welcher scheinbar
dicht, die Felsiterundmasse nachahmt. Wegen der mit der Loupe jedoch nicht
zerlegbaren Grundmasse und der Nachahmung von Auarzporphyr in dem Gesteine
'sowie wegen der Úbergánge in echte Auarzporphyre wurde das Vorkommen hierher
gestellt, obwohl die Anreihung zum Granitporphyr vielleicht eben so entsprechend
(gewesen wáre.
Der Auarzporphyr SOS von Morašic útoku ber 1 km) zeigt Ahnlich-
keit zu demjenigen W von Chvaletic. An der Oberfláche erscheinen 1—2*= dicke
Krusten von kreideweisser umgewandelter Felsiterundmasse, wáhrend das Innere
licht bráunlich weiss erscheint. Die vorherrschenden Auarzkrystalle von 2—3*"=
Breite neben ganz untergeordnetem Orthoklas bilden die ausgeschiedenen Krystalle
in der dichten Grundmasse.
Die mikroskopische Untersuchung ergab aus einem nur ganz kleinen Brocken,
dass die ausgeschiedenen Auarze wasserhall erscheinen und die felsitische Grund-
masse aus weissem kaum durchscheinendem, wegen der vorgeschrittenen Um-
wandlung kaum Aggregatpolarisation zeigendem Orthoklas besteht, von welchem
die 557" bis 7;"" breiten Ouarzkórnchen gut abstechen. Die Aufloósune der Felsit-
EE noise ker dem Mikroskope gelingt also vollkommen.
Der Auarzporphyr ist noch weiter sůdlich und zwar an der halbkreis-
fórmigen Biegung der Strasse von Litošic nach Horka im Walde ganz eigen-
thůmlich entwickelt. Entweder zeigt er sich gestreckt, beinahe wie Gneus (aber
ohne Glimmer), die Auarze sind licht, die Orthoklase aber und die Grundmasse
von theilweise zersetztem Aussehen blass fleischroth. Alle Klůften selbst kurze
Adern sind mit rothem erdigem oder hóchst feinkórnigem Haematit erfůllt, der
also als Impraegnationsmineral zu betrachten ist. Oder sind andere Proben massig,
blass feischroth mit splittriger Felsitgrundmasse, halberdigen Orthoklasen und kaum
Sichtbarem Ouarz, der in der Farbe der Grundmasse nicht gut absticht. Zudem
scheint nicht alles die wůnschenswerthe Frische zu haben.
Důnnschliffe zeigen wohl eine Grundmasse, welche Aggregatpolarisation
zeigt, Kórnchen von Haematit enthált und auch zersetzte Orthoklase gleichfalls
8*
116
mit Agoregatpolarisation aufweiset, jedoch in so fern ein befremdendes Aussehen
besitzt, als der Guarz keine regelmássigen Kórner sondern deutlich kórnige Aggre-
gate bildet. Es ist dleses nicht ganz frische Gestein demnach der Textur nach
noch unentwirrbar und wůrde auch an nicht mehr frischen Aplit deuten. Es ist
demnach nur vorláufig zum Auarzporphyr gestellt, da diese Einreihung nicht auf
Grund ganz frischer Proben geschehen konnte.
In den Schluchten von Richenbure ist der schwarzgraue Auarzporphyr
bedeutend guarzreich; die Ouarzkórner von rundlichen Auerschnitten verdránsen
die dunkle Grundmasse bedeutend. Eine Irrung mit den schwarzorauen Grauwacken
hierselbst ist um so leichter moglich, als dieselben nur aus wiederverkittetem Ouarz-
porphyrmateriale bestehen, so dass nur die schwieriger constatirbaren Lagerungs-
verháltnisse und die bedeutende Frische und Festigkeit des Gesteines, wenn es
in Blócken zufállig zu beobachten ist, die Erkennung ermoglicht. Unter dem
Mikroskope wáre die Unterscheidung von der Grauwacke (Auarzporphyrtuff-Grau-
wacke) nicht móglich, ausser vielleicht in gewissen Proben mit schon zersetztem
Feldspath. Die Auarzporphyre enthalten jedoch nie Muscovitschůppchen wie die-
Grauwacken. Ahnliche schwarzgraue Ouarzporphyre finden sich auch in der Um-
gebung von Prag und zwar N an beiden Moldauufern bei Klecan und pod Morání. *")
Doch sind dieselben hier vermóge der winzig kleinen ausgeschiedenen GAuarz-
órnchen (Krystallen) mehr einem Felsit áhnlich, wáhrend bei Richenbure die
gedránet eingewachsenen Auarzkórner bis 4%" Docs besitzen, gewóhnlich
aber viel kleiner sind.
In der dunkelgrauen Grundmasse stecken zahlreiche kleinwinzige Auarz-
kórner, die wohl wasserhell sind, aber in der dunklen Grundmasse dunkel gefárbt
erscheinen; manche zeigen ziemlich ebene Spaltunesffáchen; daneben nun sind
stellenweise gróssere Ouarzkórner (Krystalle), die nur selten einen bláulichmilchigen
Schein besitzen. Orthoklaskrystalle von lánelicher Form sind nur spárlich ein-
|
|
gewachsen, weiss, nicht durchsichtig, sonst noch ganz selten Pyritkórnchen. Der
Ouarzporphyr ist fest, recht gut der Verwitterung trotzend.
Unter dem Mikroskope zeigen sich nur die rundlicheckigen oder scharf-
eckigen Auarzkórner so gedránet nahe, dass sich dieselben stellenweise berůhren
die Grundmasse nimmt den dazwischen befindlichen Raum ein. Die Auarzkórner,
vóllig wasserhell, im polarisirten Lichte lebhaft gefárbt, ohne Sprůnge, dominiren
wie schon erwáhnt. Die Orthoklase sind recht untergeordnet, jedoch frisch; der
Plagioklas nur in ganz wenigen, ebenfalls lebhaft gefárbten Kórnern zu bemerken,
welche ohne Zwillingsstreifung von Guarz nicht zu unterscheiden wáren. Hóchst
selten ist Amphibol von dem sich nur ein $"" langes Prisma fand; Pyrit in 545"%
orossen und auch noch etwas grósseren Kórnern ist nur vereinzelnt anzutreffen.
In der Grundmasse tritt der Biotit in vorwiegender Menge entweder in
Haufen oder einzelnen braunen Krystallschuppen auf. Die gróssten Krystallpláttehen
sind 4=m, dje vorwiegend mittleren 35""“ die allerkleinsten, einem Biotitschuppen-
staub úhnlichen aber, die alles nur nicht den Auarz durchdringen, sind enger
als $$g"". Dem Biotitstaub und den Biotitschůppchen verdankt die Grundmasse
die Farbe. Die eigentliche Felsiterundmasse zeigt ganz deutliche Aggregatpolari-
117
j
sation, Wo nicht viel Biotitstaub die durchsichtigen Gemengtheile derselben verdeckt.
(Spěrlich ist in der Grundmasse vereinzelter Magnetitstaub nachweisbar. Auch hier
Hóst sich die Felsitorundmasse vóllig in winzige Kórnchen auf.
;
Nach dem beim Auarzporphyr im Allgemeinen schon gesagten sind hier
als Felsitporphyre Gesteine mit vorherrschenden (demnach nicht ausschliesslichen)
Orthoklaskrystall-Ausscheidungen verstanden, was eigentlich gegen den Sinn der
neueren Deutung des Felsitporphyres ist, welcher keinen ausgeschiedenen Auarz
enthalten soll. Die eigenthimlichen Verháltnisse des Vorkommens und auch der
Textur unterscheiden diese Gesteine jedoch von den Gránz-Auarzporphyren hin-
sichend. Das Vorkommen derselben ist an den mehr als 1 Myriameter langen
| und bis 2 km breiten Gránzstock zwischen rothem Granit im Sůden und schwarzen
„Thonschiefern der Silur-Etagen Dd, und Dd;, im Norden gebunden, welcher von
„Rtein ber Šiškovic, Trpíšov, Svídnic, Práčov, Vejsonín, bis úber Malé Lukavice
Felsitporphyr.
streicht. In diesem Stocke sind die Felsitporphyre nicht nur porphyrartig, sondern
auch felsitisch und felsitisch schiefrig entwickelt; nebstdem treten aber auch Diorite
Hund Dioritaphanite zum Vorschein, die wegen des áhnlichen Aussehens der ober-
láchlichen Verwitterungszone sich auf der Karte schwierig trennen lassen. (Ganz
vereinzelnt trifft man diese Porphyrgesteine auch in einem schmalen Zuge an der
Gránze zwischen unterstem Untersilur und Gneus SW Hlinsko und gewiss auch
jan andern Orten; wo dieselben des untergeordneten Auftretens wegen mit andern
| Gesteinen zusammengefasst sind.
Allein streng genommen wůrde der Name Felsitporphyr auf die porphyr-
artig ausgebildete Gesteinsmasse des oben erwáhnten bedeutenden Gesteinsstockes
(auch nicht passen, weil dieselben eine schiefrige Textur besitzen, die wenn auch
. unvolikommen, doch so deutlich ist, dass der Name des Flaserporphyres oder des
| Porphyroides der passendste fiir diese Gesteine wáre, wenn nicht ihr Eruptiv-
„charakter bestiinde. Da nur geschichtete, also gneusartige Gesteine als Porphyroid
| bezeichnet werden, so passt diese Bezeichnung auf die Eruptivgesteine nicht, in
( denen die schiefrice Textur ledielich die Folge der Bildung von Bánken oder
| Schlieren im grossartigen Maassstabe ist, demnach als Bewegungs- und Erstar-
| rungserscheinung auftritt. Demnach wáre Eruptivporphyroid oder schiefriger Felsit-
p-Phyr die passendste Bezeichnung; die letztere wird hier beibehalten.
Die schiefrigen Felsitporphyre, welche aufallend an Porphyrtuffe
* erinnern, sind durch allmáhlige Úbergánge mit Felsiten und diese wiederum mit
| Felsitschiefern, ausserdem aber mit zersetztem Porphyr verbunden.
1 Am besten enutblósst sind die schiefrigen Felsitporphyre in der Schlucht
l von Svídnic gegen Škrovád (S Chrudim), wo das sůdliche Verfláchen ihrer schichten-
| dhnlichen Bánke deutlich entblósst ist.
bi: Eine Probe wurde NW von Velké Lukavice entnommen. Ganz nahe
k X W von der Schwefelsáurefabrik, knapp an den ůúberlagernden turonen Kreide-
i schichten ist ein unbedeutender Bruch in diesen, scheinbar nicht bedeutend ange-
(am schiefrigen Felsitporphyren eroffnet.
i
118
Das unvollkommen schiefrige Gestein zeigt in der blass gelblichgrauen
felsitischen Grundmasse ziemlich parallel gelagerte, bis */,“* lange und weniger
breite sehr gut spaltbare, jedoch nur an den Kanten durchscheinende, blass graulich-
weisse deutliche Orthoklaskrystalle, deren Menge der Ouantitát der Felsiterundmasse
entsprechen wůrde. Zwillingsbildungen nach dem Karlsbader Gesetze sind deutlich.
Nur spárlich (auf 5—10 Orthoklase erst ein Korn) kommen mehrere Millimeter
breite Auarzkrystalle auch eingewachsen vor. Unter der Loupe erweiset sich die
Felsitgrundmasse als splittrig und hóchst feinkórnig bis dicht.
Eine theilweise Analyse dieses Gesteins zur volligen Bestimmung desselben,
trotzdem dass an dessen (schiefriger) Porphyrnatur kein Zweifel obwaltete, ergab
mit '72g Substanz:
Glihverlust 1:39
S10, 7598
Weil Auarz nur ganz untergeordnet ausgeschieden erscheint, so muss die
felsitische Grundmasse wegen des bedeutenden Kieselsáure-Gehaltes, den die Ana-
lyse nachgewiesen hat, bedeutend guarzreich sein, womit auch die hóchst fein-
|
;
j
i
|
kórnige Textur, welche sie unter der Loupe zeigt und die von der dichten der
gewohnlichen Felsitporphyre abweicht, gut úbereinstimmt.
Unter dem Mikroskope zeigt sich, dass die Grůndmasse mehr als die
Hálfte von den ausgeschiedenen Krystallen ausmachen důrfte. Die ausgeschiedenen ©
Orthoklase sind beinahe gánzlich weiss, undurchsichtig, nur an noch durchscheinen-
den Stellen schwache Aggregatpolarisation zeigend. Die Auarzkórner (Krystalle)
sind theils ganz wasserheli, einige aber enthalten wenige, jedoch sehr grosse,
schlauchformige Einschlůsse bis 1" und noch mehr Lánge, und 55"“ und darůber,
an Breite. Ob diese Einschlůsse aus Glas, also isotroper Masse, oder aus schon ent-
glaster Masse bestehen, kann nicht entschieden werden, da im polarisirten Lichte
die darunter oder darůber befindliche GAuarzschicht den Indifferentismus gegen.
polarisirtes Licht nicht erkennen lásst. Indessen zeigen stárkere Vergrósserungen.
winzige Punkte in der Masse, die wohl den Eindruck einer Glasmasse hervorbringt,
deren isotroper Charakter sich aber im polarisirten Lichte nicht bestátigen lásst.
Stellenweise enthált die Einschlussmasse in den Schláuchen zarte Staubkórnchen
von Magnetit, die trotz der Kleinheit von 3!5—z)9"" doch guadratische Auer-
40
schnitte zeigen.
Die Grundmasse ist stellenweise hell, stellenweise getrůbt, wenn der Důnn-
schliff nicht áusserst diinn erscheint. In diesem Zustande zeigt dieselbe Mikro-
fluctuations-Textur in vollkommenem Grade. Die trůberen Parthieen behaupten eine
Richtung und nur an den eingewachsenen Krystallen beugen sie plótzlich von
derselben ab. Das polarisirte Licht lásst stárker gefárbte, als Guarz deutbare
Kórnchen darin erkennen, welche úbrigens auch keine Trůbung zeigen. Erzkornchen
von der Grósse von —5—+$g"" herab sind einzeln recht zahlreich eingewachsen;
jedoch sind ihre immer ganz deutlich guadratischen Auerschnitte ebenfalls in einer
Richtung, námlich die Fluctuation andeutend, eingestreut. Gewisse guadratische Auer-
schnitte sind schwarz, opak, demnach Pyrit, seltener auch Magnetit, andere gróssere
Kórnchen erscheinen im auffallenden Lichte róthlich im durchgehenden Lichte,
119
bei Abhaltune des auffallenden aber schwarz; die allermeisten von den kleinsten
! VOuadraten sind aber auch im durchgehenden Lichte bráunlichroth. Gewisse gróssere
|Pyrite zeigen róthiiche Flecken. Die rothen guadratischen Kórnchen kónnen nur
| als Haematit u. zw. als Pseudomorphose nach Pyrit gedeutet werden. Es lassen
sich wohl auch sehr selten hexagonale Schippchen von Haematit beobachten; wenn
I'dieselben nicht zufállig, was bei der grossen Zahl von rothen Wůrfeln in der
„Grundmasse měglich ist, centrale Schnitte im Wůrfel parallel zur Octaederfáche
jvorstellen, so wůrden sie als ursprůnglicher Haematit zu deuten sein. Die erstere
"Moglichkeit hat aber Wahrscheinlichkeit fůr sich. Wo Pyritguadrate geháuft
'erscheinen, oder wo kaum merkliche Klůftchen das Gestein durchsetzen, zeigen
sich graubraune Trůbungen von Limonit, welche jedoch in Orthoklase nicht háufig
1 eindringen und nur dem nicht ganz frischen Gestein eigenthůmlich sind. Stellen-
| weise ist auch der Richtung der Fluctuationsflaserung nach ein hell olgrůnes Mi-
neral eingeschaltet; dasselbe scheint auch gewissen Klůftchen nachzufolgen. Obwohl
die Deutung des Minerales als Epidot manches fůr sich hátte, wird dieselbe hier
doch unterlassen, da es auch auf Pyrophyllitschuppen hinweisen kónnte.
Wenn die Grundmasse aber ausserordentlich důnn geschliffen wird, dann
. zeigt sie vollig deutliche kleinkórnice Textur unter dem Mikroskope; polarisirtes
'Licht fárbt dann die Auarzmikrolithe lebhafter als den noch ziemlich frischen
| Orthoklas.
| Die Pyritkrystállchen und die Haematitpseudomorphosen (Staub) sind in
| den Krystallen des Orthoklases und Guarzes weniger háutig als in der Grundmasse.
| Eine andere Probe von demselben Orte bei Lukavic, welche noch sehr gut
(spaltbaren, wenn auch nicht durchsichtigen Orthoklas neben wenig Guarz ein-
| gewachsen enthielt, zeigte sich doch schon etwas weniger frisch als die vorher-
| gegangene. Auch Plagioklas, mit deutlicher tiefer Zwillingsfurchung ist erkennbar.
" Wenn die unter der Loupe hóchst feinkórnig sandsteinartig splittrige Grundmasse
in der Richtung der unvollkommenen Schieferung bei schwacher Vergrósserung,
bund seitlicher Beleuchtung besehen wird, so zeigt sie durch glimmeráhnliche,
| parallel gelagerte Schippchen eine an hóchst feinkórnigen elimmerarmen Phyllit
| erinnernde Textur. Das glimmeráhnliche Mineral in zarten Schůppchen bildet nur
( flaserartige kleine Pláttchen in der Grundmasse. Stellenweise zeigen sich auch
| dunkelgrůne aus zarten Schůppchen bestehende Fleckchen als Zeichen einer vor
-sich gehenden Umwandlung.
: Die glimmeráhnlichen Schippchen sind Pyrophyllit.
| Der Důnnschliff zeigt aber entgegengesetzt dem eben erwáhnten Anscheine
| die Orthoklase theilweise durchsichtig, also frischer (Plagioklas fiel keiner in den
Schliff) und eine ganz deutlich kórnige Aggregatpolarisation zeigende Grundmasse,
-deren Kórner sich stellenweise lebhaft fárben; darin derselbe Haematitstaub und
| Weniger zahlreich auch Pyritstaub, beides nur in guadratischen Auerschnitten.
| Jedoch zeigen sich, und darin besteht der nicht mehr frische Zustand, breite
| wolkig schlierigce Fárbungen von gelbbráunlichem durchscheinenden Limonit der
| also in ganz schwacher Impraegnation vielleicht zwischen den Pyrophyllitschůppchen,
die dadurch verdeckt werden, auftritt; nur stellenweise sind weniger pellucide
| bráunlichgraue Anháufungen zu finden. Auch zeigen sich ganz vereinzelnt kleine
120
rundlich polygonale Kórner von grůnlicher Farbe, die einem an Chlorit erinnernden
Minerale zugehoren důrften. Gewisse in Ouerschnitten stabfórmige Formen, welche.
das Aussehen von Muscovitguerschnitten haben, důrften dem Pyrophyllit angehóren.
In den Gehángen der Ohebka zwischen Svídnic und Škrovád, also in
der westlichen Fortsetzung des Gesteines von Lukavic zeigen sich sti sohlen at)
gegen Sůd verfláchende Bánke eines blass fleischroth und auch in andern Tónen
gefárbten unebenschiefrigen Gesteines, welches auf den ersten Blick den Namen
irgend eines talkschieferáhnlichen Gesteines erhalten můsste. Allein das Gestein
ist schiefriger Felsitporphyr.
Der schiefrige Felsitporphyr von Škrovád zeigt im Bruche, parallel zur Rich-
tune der Schiefrigkeit noch das Aussehen eines unvollkommen schiefrigen feinen tal-
kigen Glimmerschiefers, was durch usserst zarte Pyrophyllitschůppchen in důnn
flasriger Anháufung hervor gebracht wird. Unter der Loupe erscheinen noch ein-
zelne Auarzkórnchen und wůrfelfóormice Hohlráume von brauner Fárbune nach
verschwundenen Pyritwůrfeln von —<—+;"“ Kantenlánge. Im GAuerbruche zeigen
sich die gebogenen Flasern der áusserst diůinnen Pyrophyllitlagen, dann aber eine
blassfleischrothe Felsiterundmasse mit nicht mehr wahrnehmbaren Orthoklaskry-
stallen, welche als nicht mehr ganz frisch, die Spaltbarkeit eingebůsst haben důrften.
Ouarzkórner sind frisch, ebenso noch spárlich Pyritwůrfelchen, diese jedoch nur
unter der Loupe sichtbar. An dem angeschliffenen Auerbruch lassen sich aber noch
Spuren von wenig kenntlichen Orthoklaskrystallen wahrnehmen, sowie auch die
sehr diůnnen, róthlich gefárbten Pyrophyllitflasern, welche nur als áusserst zarte
Linien zum Vorschein kommen.
Der in einem Umwandlungsstadium befindliche schiefrige Felsitporphyr vom
linken Ohebkaufer, S Škrovád, (N Svídnice) mit vorherrschend felsitischer Grund-
masse, besteht aus:
S10, 7053
Al; 0; —- Fe, O0, 17.59
CaO Spur
Mg0 '82
Glůhverlust | 322
Alkalien wurden unbestimmt gelassen.
Ein ganz kleiner Důnnschliff senkrecht zur Richtung der Schieferung zeigte
in der Grundmasse ein sehr feinkórniges Gefiige aus durchsichtigen oder nur
durchscheinenden Kórnchen von Guarz und Orthoklas, welche im polarisirten
Lichte Aggregatpolarisation zeigten. Eine Tendenz, wenn auch nur eine unbedeu-
tende, zur Orientierung der kurzen Orthoklasmikrolithen parallel zur Ebene der
unvollkommenen Schieferung zeigt sich auch hier. Die wahrnehmbaren Guarz-
kornchen besitzen die Breite von —$5—7g"". In der Richtung der Schieferung
zeigen sich róthliche Schnůre von mit Haematit gefárbtem Pyrophyllit, sowie auch
blasse flaserige Fárbungen von Haematit, die keine scharfen Gránzen zeigen. Die
Breite der durch Haematitimpraegnation roth gefárbten Pyrophyllitschnůre, wie sie
sich im Ouerschnitte darstellen, variirt von "56—'/39"". In der Grundmasse zeigen
sich auch gróssere Auarzkórner von vólliger Durchsichtigkeit auch schon in
dickeren Diinnschliffen, sowie trůbe Orthoklaskórner. Frische Pyritkorner von
j
i
121
| schwarzer Farbe, sowie rothe, in Haematit ungewandelte Wůrfelchen des Pyrites
I sind gleichfalls bemerkbar.
In dem Gebiete dieses schiefrigen Felsitporphyres zwischen Rtein und
Lukavic finden sich manniefaltige Varietáten desselben, manche enthalten auch ein
I grůnes glimmeráhnliches Mineral, so dass auch Anklánge an Porphyrtuffe zum
© Vorschein kommen. Es ist hier jedoch das Richtige der Bezeichnung mancher
| Gesteine um so weniger zu treffen, als Entblóssungen von frischen Gesteinen nicht
© háufig sind und die zersetzten Felsarten der Oberfláche der Porphyre, Porphyr-
"schiefer und Diorite, welche hier vorkommen, nicht immer von einander zu
| trennen sind.
Ahnliche porphyrartige Felsitporphyre von lichter Farbe mit sehr zarten
| Muscovit- und auch Biotitflasern finden sich an der Gránze zwischen Gneus und
I Phylliten zwischen Hlinsko und Stany, sowie an andern Orten. Dieselben kónnten
u jedoch sowohl mit Gneus als auch mit feinkórnigem Gneusgranit verwechselt werden“
Neben porphyrartigen Gesteinen findet sich in dem Gebiete zwischen Rtein
und Lukavic auch Felsit; derselbe hat entweder blass gelblich fleischrothe, oder
gelblichgraue oder graue Farben, massige oder schiefrige Textur, wodurch dann
scheinbar phyllitartige Gesteine mit wirklichen Porphyren im Zusammenhange stehen.
Ein Felsit vom Podjahodnicer Berge, ONO nahe von Malé Lukavice, von
blassgrauer Farbe in Klůftchen gelblichbraun gefárbt auch mit zarten Pyrophyllit-
schůppchen stellenweise úberzogen, zeigt sich im Bruche ausserordentlich splittrig
und erscheint unter der Loupe hóchst feinkórnig beinahe wie sandsteinartig. Eine
theilweise Analyse des Felsites, welcher, wie der bedeutende Glihverlust zeigt,
nicht gánzlich frisch sein důrfte, ergab:
BIO, 1861
ALO, 18061
Fe, O, Spur
CaO | Spur
MgO Spur
Glůhverlust 2:45
Die Analyse deutet auf einen sehr bedeutenden Auarzgehalt und auf wenig
Alkalien, da sich die Summe dieser nachgewiesenen Bestandtheile ohne Alkalien
schon ziemlich zu 100 náhert.
In den Ufern des Ohebkabaches in Svídnic (S Chrudim) treten neben
- schiefrigen Felsitporphyren Gánge von grauem klůftigen Felsit auf, die an gewissen
Orten zerklůftet, mit weissen Aderchen von Calcit impraegnirt erscheinen und an
-- andern Fundstellen wieder Tendenz zur schiefrigen Textur zeigen.
E
Das dichte Gestein von felsitischer Textur von Svídnice zeigte unter
| - der Loupe spárliche, winzige grůne Fleckchen ohne scharfe Begránzung, auch leere
mit Limonit úberkleidete und dann mit Calcit erfůllte Sprůnge. Eine theilweise
Analyse mit '52g. Substanz gab:
S10, 65.90
Al, 0; 23.71
Fe, 0,253 |
Ca03 "4118 :
MgO Spur
Glůhverlust | 2:62
Wiewohl der Si0,-Gehalt des Gesteines ein nicht bedeutender ist, kann.
das Gestein weder als Diorit noch als guarzfreier Orthoklasporphyr gedeutet werden.
Der nur ganz geringe Gehalt an CaO, welcher moglicher Weise auch theilweise
einer Calcitimpraegnation zukommen kann, spricht gegen die Anwesenheit von viel
Plagioklas. Da nebst Orthoklas noch Gemengtheile in geringerer Menge hinzukom-
men, welche den Si0O,-Gehalt des Gesteines herabdrůcken, so kann trotzdem etwas
Ouarz in diesem Gesteine vorhanden sein, dessen Einreihung zum Felsit demnach
begrůndet erscheint. **)
Důnnschliffe zeigen unter dem Mikroskope die kleinkórnige Grundmasse,
welche in ausserordentlich důnnem Schliffe vornehmlich aus Stábchen von Ortho-
klas besteht, die bei der Breite von ;5"" eine vielfache Lánge besitzen. Ob auch
Ouarz in etwas auffallender gefárbten Kórnchen bei Anwendung von polarisirtem
Lichte in der Grundmasse vorkommt, kann nicht mit Bestimmtheit, sondern nur
mit Wahrscheinlichkeit behauptet werden. Diese Grundmasse enthált Magnetit-
staub in guadratischen Kórnchen von im Mittel -5% Grósse in nicht besonderer
Menge eingestreut, ausserdem aber noch winzige grůne Fleckchen, welche ein nicht
ursprůngliches Mineral zu sein scheinen, da sie sich auch, uud zwar in grósserer
Menge als in der Grundmasse, in der Náhe zahlreicher winziger Risse, welche das
Gestein durchsetzen, angeháuft finden. Man bezeichnet solche Mineralien sonst
als Chlorit, auch hier spricht manches dafůr, dass diese Fárbungen demselben
angehóren kónnten; ganz bestimmte Kennzeichen oder Belege dafiir kónnen jedoch
nicht gegeben werden. Bis 1%% breite Schnůre von Calcit, aus Kórnern mit deut-
licher Zwillingstextur bestehend, und mit Limonitflecken an gewissen Stellen, ent-
sprechen iufiltrirten Mineralien.
Trotz der Bezeichnung des Gesteines als Felsit zeigt das Mikroskop doch
wenige ausgeschiedene, lang rechteckige Krystalle von bis */„;*" Breite in der
dichten (unter dem Mikroskop deutlich kornigen) Grundmasse. Diese Krystalle
sind Orthoklas, welche zuweilen auch zwillingsartige Verwachsungen zeigen.
In Folge der Einmengung von Mineralien im Felsite, welche keine oder
wenig S10, enthalten, wie Magnetit, Calcit, das grůne chloritáhnliche Mineral,
wird der Gesammtgehalt der SiO, im Gesteine bis zu etwa 669, wie die Analyse
zeigt, herabgedrůckt. Da nun Orthoklas selbst etwa 64';9; SiO, enthált, so muss
Ouarz doch in geringer Menge in der Grundmasse vorhanden sein, worauf manche
im polarisirten Lichte in derselben lebhafter gefárbten Kórnchen hinweisen důrften.
Diorit.
Unter diesem Namen werden alle deutlich kornigen Abarten dieses so
gemeinen und recht typisch im Eisengebirge auftretenden Gesteines bezeichnet,
welche theils guarzfiihrend oder guarzfrei oder auch epidotháltig sind. Die dichten
125
V aphanitischen Varietáten sind sowohl der Textur, als auch, was noch mehr ins
|| Gewicht fállt, genetisch von dem kórnigen Gesteine getrennt, wesshalb sie auch
| eigens angefiihrt erscheinen. Es ist recht merkwůrdig, dass sobald ein Dioritmagma
(in silurischen Gesteinen auftritt, dasselbe im Eisengebirge meist dicht oder bei-
I mahe dicht, in krystallinischen anderen Gesteinen meist Eruptivgesteinen von etwas
geringerem Alter (als das Untersilur) aber deutlich krystallinisch kórnig sich
| ausbildet. Der Grund dafůr liegt nahe. Die Diorite des Silures sind meist gleich-
£ Bildungen mit den tiefsten Schichten desselben (meist B auch C), desshalb
das Dioritmagma, weil die Schichten B und C sedimentáren Ursprunges sind unter
I! Wasser schnell erstarrte und sich zu Dioritaphanit ausbildete; wáhrend die Gang-
' oder Gangstockmassen in anderen krystallinischen Gesteinen (meist Graniten) ohne
| schnelle Abkůhlung, die deutlichst kórnige Textur annehmen konnten. Úbrigens
treten auch deutlich kórnige dioritische Gesteine im Silure dort zum Vorschein,
| wo sie gangfórmig gelagert erscheinen, was mit dem Auftreten in Graniten den
| | Bildungs- und Erstarrungsumstánden nach zusammenfálit.
Die Hauptmasse der kórnigen Diorite ist an das Nebengestein des rothen
Granites gebunden. Diorite und rothe Granite scheinen mitsammen in einem nahen
genetischen Verháltnisse zu stehen, weil sie so háufig vergesellschaftet angetroffen
werden. Diorit bildet Gánge oder Gangstócke im rothen Granit; rother Granit
durchsetzt auch den Diorit in Gangform. Leider kann etwas Bestimmtes úber das
Verháltniss beider Gesteine zueinander zur Zeit desshalb noch nicht gegeben
werden, weil es noch an hinreichenden und bestimmten Beobachtungen fehlt; die
Angabe von gewissen Verháltnissen sich demnach theilweise nur als Vermuthung
herausstellt, welcher oft die beobachteten Thatsachen als sichere Basis noch
| abgehen. Ausser in rothen Graniten sind Diorite in andern theils laurentinischen
( theils silurischen Gesteinen ebenfalls, jedoch nicht so háufig anzutreffen.
| Beachtenswerth, aber keineswegs als Regel aufzustellen sind die Beobach-
© tungen betreffs der Textur der Diorite. Wenig máchtige Dioriteánge sind in der
Regel kleinkorniger ausgebildete als máchtigere Stócke. Gangfórmige Dioritlager-
© státten sind in gewissen Fállen nur in der Gang(Stock)-Mitte regellos kornig, in der
| Náhe des Nebengesteines parallel zur Begránzungsfáche schiefrig, mit oft angerei-
© chertem Amphibol, so dass bei flichtigen Beobachtungen oder mangelnden Auf-
I schlůssen, insbesondere in der Náhe von wirklich geschichteten Gesteinen das
© Verkennen solcher schiefrigen Diorite der Gangstockulmen mit Amphiboliten
- (Amphibolschiefern) měglich wáre. Es bestehen zwischen den schiefrigen Aus-
| bildungen der Diorite an den Gangulmen und den granitisch kórnigen in der
Gangstockmitte unmerkliche Úbergánge. Tiefer unten, bei den Uralit-Dioriten wird
dieses besonders auffállige Verháltniss noch erwáhnt werden.
Eine andere Erscheinung bei máchtigen Dioritstoócken ist die, dass in
© Gewissen derselben in der Mitte Corsit erscheint, dass sie demnach eine Hůlle um
das Anorthit-Amphibolgestein bilden, obwohl es auch Corsite gibt, die nicht immer
eine solche Diorithůlle besitzen. Es wáre nun recht erwůnscht das Verháltniss
- zwischen der Diorithůlle und den Corsitstockmitten zu kennen: ob námlich beide
Gesteine dadurch allmáhlig in einander úbergehen, dass entweder neben Plagioklas
auch Anorthit in zunehmender Menge hinzutritt, oder dass sich die Plagioklas-
124
masse (als Molekůl-Gemenge von Albit mit Anorthit betrachtet) durch allmáhligen |
Růcktritt der Albit-Molekůle in Anorthit umándert, oder dass im zweiten Falle.
Corsit und Diorit scharf getrennt sind und allenfalls nur durch Apophysen mit
einander verbunden erscheinen. So erwůnscht es nun wáre, dieses Verháltniss klar-
gestellt zu wissen, so sind die thatsáchlich beobachteten Verháltnisse doch so
unzureichend und bald der einen allmáhligen, bald der andern scharfen Gránze
zuneigend, dass sie derzeit noch keine bestimmiere Ansicht aufkommen lassen,
die auf Grund beobachteter Thatsachen viel Wahrscheinlichkeit in sich hátte.
Vielleicht sind beide Fálle móglich, weil man sich unter verschiedenen Ver-
háltnissen versucht fůhlt bald der einen oder der andern Erklárungsweise das
|
Úbergewicht einzuráumen. Die neueren Gesichtspunkte in der Geologie werfen ©
immer solche Fragen auf, deren Lósung oft nur spáter gelingt, und die vorláufig
nicht praeciser zu beantworten sind.
So wie gewisse Diorite sich als Hůlle von Corsiten ergeben, so werden die-
selben wiederum in gewissen Fállen von Syeniten umhůllt, welche letzteren, den
Mantel mancher Dioritstócke bildend, dieselben wiederum mit den Graniten ver-
binden. Die Syenite scheinen nun durch Úbergang aus dem Diorite sich dadurch
herauszubilden, dass blass fleischrother oder anderer Orthoklas in ziemlicher und
gegen die Nebengesteinsgránzen in zunehmender Menge zum Dioritgemenge hin-
zutritt. Auch hier zeigen dann die Syenite (die oligoklasháltie sind) theilweise eine
Tendenz zu planer Paralleltextur. Dieses Verháltniss zwischen Diorit und Gránz-
Syenit scheint auch die Móglichkeit des Úberganges von Corsit in Gránzdiorit
begreiflich zu machen, es fehlt jedoch fůr die Annahme des letzteren Falles noch eine
unumstóssliche Beobachtung. Es ist dieses hier desshalb vorausgeschickt worden, weil
auf der geologischen Karte diese Gránzverháltnisse nicht immer darstellbar sind und
dass demnach manche Fálle, wo die Karte Dioritfarben zeigt, das Ende oder die
Gránze solcher Ausscheidungenals Syenit zu deuten wáren; ebenso wáren theil-
weise als Syenite verzeichnete Gesteine stellenweise mehr dem Diorit áhnlich, da
eben eine scharfe Trennung unmoglich ist.
Im Allgemeinen sind die Diorite dort háufiger, wo auch rothe Granite zum
Vorschein kommen, demnach in WS Fortsetzung des Eisengebirges, besonders im
Parallelkreise von Nassabere. Hier treten deutlich mittelkórnige Diorite in Gángen
und Gangstocken von Kraskov an gezáhlt in der Richtung von West nach Ost bis
úber Podskalí (WN Skuč) zum Vorschein, wo nur die Bedeckung durch Kreide-
gebilde die weitere nordostliche Verfolgung derselben unměglich macht. Eine Auf-
záhlung der einzelnen Lagerstátten kann desshalb schon nicht gegeben werden,
weil gewiss nicht alle erkannt sind.
Deutlich mittelkórnige Diorite finden sich bei Kraskov, Žďárec, N Seč hier
mit Corsit verbunden, an der Ohebka in Bojanov und W Bojanov, bei Deutsch-
Lhotic und Samářov, W Křižanovic, Slavic, Hradišť und Bohmisch-Lhotic, W
Nassabere. Ein langer Gangstock zieht sich von Nassaberg úber Bratránov nach
Krupín in der Linge von úber 3 km und in der Máchtigkeit von bis ?,„ km. Der
bedeutendste Gangstock setzt aber S Podlejštan úber N Božkov, N Podbožovský
mlýn ůúber den Hořičkaberg (S Smrček), N Louka in die Schlucht, welche von
Chácholic gegen Kostelec (WNW Skuč) sich hinzieht. Hier wird jedoch der Gang-
125
|| stock durch úberlagerte cretaceische Schichten bis auf die Thalsohle ganz verdeckt.
| Die Lánge des Stockes dem Streichen nach von S Podlejštan bis S Chlácholic
k betrágt beinahe 1 Myriameter; gewiss setzt sich aber der Stock noch unter Kreide-
| gebilden weiter fort.
j i Mehr vereinzelnt finden sich kórnige Diorite theilweise auch an Gesteins-
| gránzen O und W von Hlinsko, so bei Plaňan, Srny, Rváčov, Stany, Schónfeld
| (Jasné pole).
V Eine andere betráchtliche Masse mittolkůžnige Diorites bildet eine kranz-
| Rormice Hůlle um den Corsitkranz, der wiederum Serpentin umhůllt bei Ransko.
Der Durchmesser des umfassenden Dioritringes betrágt etwa 5 km. Seine innere
|) Fláche berůhrt Corsit, sein áusserer Rand geht in Amphibolgranit úber und berůhrt
| theils rothen, theils grauen Granit, theils schiefrig flasrigen Biotiteneus. Ein Theil
Y des Dioritkranzes liegt unter jingeren Gebilden verdeckt. Seine sůdlichen Depen-
| denzen bilden die einzelnen Gangstocke S Peršikov NW und SO Hutě (bei Ransko
1 W). Eine sehr bedeutende Gangstockmasse, von rothem Granit und rothem Gneus
eingefasst ist N Studenec (O Chotěboř), von Dolní Vestec ber Štiková, Huť,
Žalost bis gegen Rovné ausgebreitet. Vielleicht hánet diese Masse unter Kreide-
schichten mit dem Ranskoer Dioritmassiv zusammen oder steht mit demselben
wenigstens in ursáchlichem Zusammenhange. Die Lánge des Štockes důrfte bis
4 km, seine sichtbare Máchtigkeit der Anschwellung nach etwa 2 km betragen.
Erwáhnenswerth ist noch der Stock mittelkórnigen Diorites bei Zbyslavec (WNW
Ronov), der mit Syenit vergesellschaftet ist. Sámmtliche diese mittelkórnigen
( Diorite sind theilweise auch guarzfůhrend.
| Kleinkórnige Diorite enthalten bei Vejsonín (S Svídnice, S Chrudím) und
S Malé Lukavice (N Žumberg) bedeutende Mengen von Pyritkórnern ausgeschieden,
so dass sie als Pyritdiorite angefůhrt werden kónnten. Auf der Karte sind sie als
© gewóhnliche Diorite eingetragen.
V „ Epidotdiorite bilden Gánse SW Trpišov, O Práčov, (S Chrudím) in Felsit-
porphyren und rothem Granit. Theilweise sind sie so kleinkórnig, dass sie den
Úbergang zu Epidotdioritaphanit bedingen, mit welchem sie gleichzeitiger Ent-
„ stehung sein důrften.
An den Elbeufern bei Elbe-Teinic, vornehmlich aber linkerseits der Elbe
( werden oberlaurentinische oder tief cambrische Gesteine durch Gánge durchsetzt,
© welche nur als Diorit zu deuten sind. In denselben ist aber der Amphibol meist
| "dunkelgrůn, wáhrend er in den vorerwáhnten Massen grůnlichschwarz gefárbt
© erscheint. Am Contacte mit andern Gesteinen zeigen diese Diorite, welche auch
"Biotit in sich aufnehmen, vornehmlich aber bei und in Vinařic plane Parallel-
| textur. Nur in Handstůcken betrachtet kónnten dieselben auch mit unvollkommen
schiefrigen Amphiboliten verwechselt werden. Trotz der Dioritnatur dieser Gesteine,
|
|
|
| -sie bestehen námiich aus Plagioklas und Amphibol, werden dieselben aber erst
„ bei dem Gabbro spáter angefůhrt werden, da sie mit demselben in ursáchlichem
- Zusammenhange stehen, indem sie eigentlich zu Diorit umgewandelte Gabbro-
+ masse vorstellen. Der Amphibol derselben ist námlich Uralit und sie werden als
« Uralit- oder Labrador-Diorit dem Gabbro angefůst, getrennt von den eigentlichen
> Dioriten beschrieben werden,
=
NA
126
Im Allgemeinen sind die Diorite den Corsiten recht áhnlich, denn es
besteht ja doch nur ein feiner Unterschied, die Natur des Plagioklases betreffend,
welcher beide Gesteine von einander trennt. Die etwas gróber mittelkórnig zusammen-
gesetzten Diorite besitzen wie der Corsit eine weisse erdige Verwitterungskruste
an Stelle des Plagioklases; dennoch sind narbige und grubig-luckige Oberfáchen.
von Dioritblocken mit vertieften Plagioklasauswaschungen und erhóhten Amphibol-
narben verháltnissmássie selten gegenůber dieser Ausbildung der Verwitterungs-
kruste beim Corsit, so dass in diesem mehr negativen Verhalten ein Erkennungs-
zeichen fůr Diorit vorhanden wáre. Wáhrend bei Corsit die Amphibole mindestens.
oberfáchlich immer grasgrůn, zuweilen auch im frischen Bruche ebenso, sonst
aber meist dunkel grasgrůn gefárbt erscheinen, was theilweise Folge der Lockerung
durch Zerfaserung ist, sind bei Diorit die Amphibole im frischen Bruche nur
grůnlichschwarz, so dass sie hier immer nur als schwarz bezeichnet werden, an
der angewitterten Oberfláche aber bedeutender dunkelgrůn als dies beim Corsit
der Fall ist. Die schwarze Farbe des Amphiboles, herrůhrend von einer an FeO
reicheren Varietát desselben ist fůr Diorit charakteristisch. Ebenso verschieden
ist das Verhalten des Diorit-Plagioklases gegenůber dem Anorthite des Corsites.
Frische Bruchfláchen zeigen beim Dioritplagioklase die sehr gute Spaltbarkeit,
einen vom Anorthite unterschiedlichen Glanz und falls die oPfláche ůúberhaupt
wahrnehmbare Zwillingsriefung zeigt, so ist dieselbe immer ganz deutlich, scharf
und ununterbrochen, was dem Anorthite nicht zukommt.
Der Diorit des langen Gangstockes von Božov-Chácholic zeigt meist grob
bis mittelkórnige Varietáten, zuweilen auch kleinkórnige; der Diorit ist demnach ein
guarzfůhrender. Eine Probe des Gesteines vom Berge Hořička (bei Hlína W,
Smrček S) zeigt die mittelkórnice bis grob-kórnige Textur deutlich, die Gemengthleile
erreichen in der mittelkórnigen Varietát bis 3—4%" Preite; der Plagioklas herrscht
etwas vor. Nur ganz spárlich und vereinzelnt sind in dem kórnigen Gemenge viel
gróssere Ouarzkórner von weisser etwas ins bláuliche spielenden Farbe und milchig
schielendem Glanze eingewachsen. Die Plagioklasspaltunesfláchen zeigen beinahe
keine Zwillings-Streifung unter der Loupe, wesshalb das Gestein mit Syenit zu ver-
wechseln wáre. Die Klifte und Ablósungen welche den Diorit durchsetzen, sind mit.
Epidotdrusen, sogar mit langen, bis diinn fingerdicken Epidotsáulen bedeckt, welche
stellenweise Krystallfláchen zeigen. Eine andere Gesteinsprobe W vom Hořička-
hůgel, zwischen demselben und der Podbožover Můhle stammend, in fingerdicken
Klůften und Ablósungen ebenfalls mit Epidot stellenweise úberdrust, oder nur
einzelne Krystallgruppen tragend, besitzt etwas vorwiegenden schwarzen Amphibol
und nebst Placgioklas etwas reichlichere aber doch nur accesorisch auftretende
Ouarzkórner. Die Grósse der Gemengtheile betrágt im Mittel 2—3"". Hie und
da ist ein Kpidotkornchen oder ein ganz unbedeutend kleines Pyritkórnchen, letzteres
meist im Amphibol eingewachsen, zu beobachten. Die Plagioklase zeigen unter der
Loupe keine warnehmbare Streifung.
Aus dieser zweitgenannten Probe wurden nach Zertrimmerung derselben
zu einem róschen Korne die reinsten Plagioklaskórnchen ausgesucht. "Trotz der
Můhe des Auslesens derselben zeisten sie doch bei stárkerer Vergrósserung Spuren
von Amphibolnádelchen und Epidotkornchen, die nicht zu entfernen waren, auf
————
127
| die Analyse aber nur ganz verschwindend einwirken konnten. Die theilweise Unter-
| suehung des Dioritplagioklases mit "2gr Substanz und des Diorites selbst mit
-1169 gab
fůr den Plagioklas fůr den Diorit
1 Si0, 57:09 47-99
| Ca0 | 9.76 12:07
| Mg0 Spur unbestimmt
3 Glihverlust | 215 2-43
o im Plagioklas noch einen Al; O;,-gehalt von mehr denn 259%,. Da der
-in Spuren dem Plagioklase anhaftende Amphibol weniger Si0, und mehr CaO,
; als der Plagioklas, der Epidot aber Si0, — 38, Ca0 — 259, enthált, so trachten
I die Spuren beider Mineralien den SiO,-Gehalt der Analyse herabzudrůcken und
den CaO-Gehalt zu erhóhen. Die ganz reine Plagioklassubstanz hátte demnach
-um etwas unbedeutendes mehr Si0, und weniger CaO als die Analyse angibt.**)
| Dieser Diorit bestinde demnach aus einem Gemenge von 569, Plagioklas,
4396 Amphibol und etwa 1%, Magnetit, Epidot.
Unter dem Mikroskop zeigt die Varietát vom Hořičkahůgel theilweise
| wolkig getrůbte und fleckenweise ganz durchsichtige Plagioklase, welche Aggregate
| zu je einigen Individuen, deren Grósse 1'/,"" bis */,"= betrágt, bilden, und die
- dann die oben angefůhrten, mit freiem Auge sichtbaren weissen Kórner zusammen-
| setzen. Die etwas weniger bedeutenden Amphibolaggregate — den Raum zwischen
-den Plagioklasen einnehmend — bestehen trotz des Důnnschliffes, aus so bedeutend
- stark gefárbter, weil sehr viel Ferromonoxyd enthaltender Mineralvarietát dass sie
- beinahe gánzlich undurchsichtig, dunkelgrasgrůn bis tieflunkel bouteillengrůn gefárbt
- erscheinen. In diesem Verhalten, der geringeren Pelluciditát liegt der Unterschied
der Dioritamphibole von den graserůn durchsichtigen Corsitamphibolen. Nur die
allerdůnnsten Splitter sind entweder grasgrůn oder bráunlich bouteillengrůn, je
nach dem Schnitte derselben. Der Pleochroismus ist sehr bedeutend, die Spalt-
barkeit gut sichtbar, das lángste beobachtete Amphibolprisma misst 3'/,""; kleinere
Amphibolsáulen sind in den Plagioklasaggregaten nicht so háufig eingewachsen,
als dies beim Corsit der Fall ist. Magnetit in ganz geringer Menge ist in dem
Amphibol in Kórnchen eingewachsen zu finden. Der Plagioklas zeigt im polari-
sirten Lichte nur unvollkommene Zvwillingsfárbung in Bándern und das nur in den
gánzlich durchsichtigen Flecken desselben. Nach dem Auftreten von vielen blass
einfárbigen Auerschnitten kónnte der Vermuthung Raum gegeben werden, dass
ein ziemlicher Antheil des Feldspathes monoklin sei, das Gestein demnach zu
Syenit zu stellen wáre. Dem widerspricht aber die oben angefiihrte Analyse des
Plagioklases selbst. Es ist demnach bei Deutung von einfárbigen Feldspáthen
neben gebánderten Vorsicht zu gebrauchen, da nicht alles was keine Zwilling-
streifung im polarisirten Lichte zeigt, desshalb schon Orthoklas ist. Von GAuarz
fiel kein Korn in den Schliff, weil dieses Mineral obwohl in grossen Kórnern ohne
fremde Einschlůsse, doch nicht háufig, sondern nur untergeordnet auftritt.
Einige Amphibolkórner sind stellenweise mit olgelbem bis zeisigeelbem
Epidot eingefasst, auch im Plagioklas finden sich bis hóchstens '/„*" grosse Kórner
úieses Minerales als unwesentlicher Gemengtheil, Vornehmlich liebt es der Epidot
128
sich in gewissen Klůften im Plagioklas anzusiedeln, in deren Náhe, wiewohl sehr
selten, auch aus Schůppchen von Haematit bestehende Kerne anzutreffen sind. Wenn
schon das Vorkommen der Epidotkrystallgruppen in den Klůften und Ablósungen
dieses Diorites die spátere Bildung dieses Minerales aus den zersetzten Gemeng
theilen des Diorites klar darthut, so bestátigt auch die Art des mikroskopischen
Vorkommens die spátere Entstehung dieses so háufigen Minerales.
Die etwas weniges kleinkórnigere frischere Varietát von Podbožov zeigt
u. d. M. das gleiche Verhalten. Die Plagioklase sind frischer, im polarisirten.
Lichte, obwohl nicht durchgehends deutlicher gebándert; der Amphibol beinahe
undurchsichtig, tief dunkelgrasgrůn bis schmutzie bouteillengrůn. Im Amphibol
sind kleine, im Mittel 35" messende Magnetitkórner eingewachsen. Epidot bildet
entweder den Saum gewisser Amphibole, oder ist er in Klůftchen im Plagioklas
angesiedelt, oder aber impraegnirt er, den Spaltunesfláchen nach eindringend,
gewisse Parthieen des Feldspathes. Im Ganzen aber ist die Epidotmenge ganz
gering. (Auarz, der am Bruche sichtbar ist, fiel nicht in den Důnnschliff.
Sůdwestlich von Skála, NO von Kostelec, ONO von Hlína, ist in der
Schlucht daselbst an der Bahn ein frischer Diorit des obbenannten langen Gang-
stockes entblósst, in welchem, neben mittel- und grobkórnigen Abarten eine beinahe
feinkórnige ganz tadellos frische Varietát von dunkelgrauer Farbe gangfórmige
Ausscheidungen bildet. Die Ablósungen dieses Diorites sind nur schwach kreide-
weiss gefárbt und tragen keine Epidotkrusten an sich. Im Bruche zeigt das stark
glitzernde frische Gemenge keine unterscheidbaren Gemengtheile, ausser unter der
Loupe durchsichtige und schwarze Spaltungsfláchen von starker Spiegeluag.
Eine theilweise Untersuchung mit 1'2g dieses Gesteins ergab:
S10, 4354
ALOa2155
Re
Ca0 1229
MgO 640
Fe,0, 400
Glihverlust 85
Die Analyse bestimmte das FeO des Amphiboles nur als Fe, O, da eine
Trennung nicht vorgenommen wurde; Alkalien, auf welche keine Růcksicht genom-
men wurde, důrften nur in ganz geringer Menge etwas úber 19, vorhanden sein.
Der Gehalt an Magnetit Fe, O, wurde derartig ermittelt, dass das gepulverte
Mineral in der Kálte mit Chlorwasserstoffsáure behandelt wurde, welche Fe, O, lóst.
Auffallend ist der niedrige Gehalt an SiO,, welcher fůr Corsit sprechen
wůrde; doch wenn die SiO,menge auf magnetitfreie Substanz berechnet wird,
ergibt sich Si0, = 45,9, allein auch das ist fůr Diorit niedrig genug zum
Beweise, dass der Amphibol ein sehr eisenreicher und siliciumdioxydarmer ist,
worauf seine bedeutend geringe Durchsichtigkeit im Důnnschliffe hindeutet. *“*)
Wenn mit Benitzung der theilweisen Analyse des Plagioklases unter der
Voraussetzung, dass derselbe auch in dieser Dioritvarietát dieselbe Zusammen-
|
| 129
(| habe, die Mengenverháltnisse der Dioriteemengtheile und die genáherte
|Zusammensetzung des Amphiboles selbst, berechnet werden, ergibt sich folgendes:
M Das Gemenge von Amphibol und Plagioklas steht im Verháltnisse von di;
Jda aber auch Magnetit hinzutritt, so kommen Amphibol, Plagioklas und Magnetit
lim Verháltnisse von 74:22:4 im Gemenge zum Ausdrucke.
| Der Amphibol hátte dann etwa folgende Zusammensetzung, wenn von
dessen geringer Alkalimenge, die derselbe enthalten důrfte, abgesehen wird:
Si0, 44%,
| AL 0, 20
Fe, O; 11:8 oder auf FeO umgerechnet be 107,
| Ca0 14"/,
| Ms0 8%,
"Der Amphibol wáre demnach ein bedeutend thonerdehaltiger, eisenreicher.**)
Wenn der Diorit fein zerrieben wird, so zeigen die staubfórmig zertheilten
'Gemengtheile unter dem Mikroskope A atích durchsichtice Plagioklassplitter und
graulich- bis rein bouteillengrůne Amphibolspaltungsstůckchen. Die satte Farbe
der hóchst zarten, zu Staub zerriebenen Amphibole deutet schon die bedeutend
geringe Pelluciditát der Krystallageregate an.
In concertrirter HC1 gekocht gibt das feine Pulver des Gesteines nur Eisen-
verbindungen (FeCl,, FeCl;) aber keine Zersetzungssalze des Plagioklases. Der
Plagioklas ist demnach trotz der geringen Si0,-Menge des Diorites kein Anorthit,
Im Důnnschliffe zeigen sich Leisten von Plistaklna von ziemlich gleichbleibender
Grósse, der Lánge bis zu *;"", der Breite von ;$—1;"" In untergeordneter Menge,
neben ebenfalls stabartigen nějak gleich grossen, "„—'/;"» langen, 35—2;""
breiten vorherrschenden Amphibolen derartig untermischt, dass die Krystallprismen,
wenn auch nicht ganz, so doch annáhernd parallel vertheilt vorkommen, demnach
eine Orientirung zeigen. Magnetitkorner meist von ziemlich gleicher Grosse von
15%" etwa, sind in grosser Zahl dazwischen vertheilt und meist an den Amphibol
gebunden, selten auch im Plagioklas eingewachsen. Die kleinsten Magnetitkórner
von 35—5"" Grósse zeigen guadratische Formen.
Nur stellenweise und ganz untergeordnet kommen porphyrartig ausgeschie-
den bis “/„"" grosse Plagioklas- oder Amphibolkrystalle vor.
Sehr selten sind 345"" breite Nadeln im Plagioklas, die wahrscheinlich
zum Apatit zu stellen wáren. Auch hier sind die Amphibolstábchen wenig durch-
sichtic, bei důnneren Schichten pleochroitisch, ebenso gefárbt wie schon oben ange-
fůhrt wurde. Die meisten der Plagioklasleisten sind im polarisirten Lichte einfárbig,
die zwillingsartigen Farbenbánder der Hemitropien sind oft bis 4fach wiederholt
Sichtbar. Nur die spárlich eingewachsenen porphyrartig ausgeschiedenen Plagio-
klase zeigen ganz deutliche Farbenbánder. Epidot und Auarz ist im Gemenge
micht beobachtet.
Eine andere untersuchte Dioritprobe stammt ', km westlich von Křiža-
novic (WNW Nassabers) wo ein ziemlich máchtiger Gangstock (úber 100") neben
9
130
andern Gůngen im rothen Granit zum Vorschein kommt. Der mittelkórnige Diorit
mit 3—4"" groben Gemengtheilen ist ganz frisch und dem Diorit vom Hořička-
hůgel úhnlich. Der Plagioklas hat einen Stich ins graulichviolette. Gewisse
Spaltungsiláchen desselben zeigen deutlich eine zarte Streifung. Durch concentrirte
Chlorwasserstoffsáure wird der Plagioklas nur ganz unbedeutend angegriffen.
Eine theilweise Analyse des Gestéines mit 1'5g ergab:
S10, 48:45
A130; 18:66
Das FeO des Gesteines gewogen als Fe, 057" 5'68
CaO 1222
MgO 758
Glůhverlust "02
BB O 202
Der Magnetit wurde auf die Art bestimmt, dass das zerriebene Gestein
mit HCI in der Kálte behandelt wurde. Ohne Anwesenheit des Magnetites wiůrde
der Gehalt an Si0, zu 49%, steigen. Der bedeutende Rest von 5%, welcher
zur Summe 100 fehlt, entfállt an die nicht bestimmten Alkalien. In dem Gemenge.
lásst sich herausrechnen: ein Gehalt von Plagioklas 50,97, Amphibol 47*/,, Ma-
gnetit 2*/,9/.
Unter dem Mikroskop erscheint der schwarze Amphibol im Důnnschliff
unrein grasgrin, zu lappigen Fetzen zertheilt, an denen eine unvollkommene Zer-
faserung sichtbar ist. Winzige Magnetite sind eingestreut in der Amphibolmasse ;
aber auch bis 1%" grosse Kórner dieses Minerales durch Anháufung der kleineren
entstanden, sind háufig anzutreffen. Nur stellenweise lehnen sich an den Rand
der Magnetite kleine Haematitpláttchen an, als Zeichen einer anfangenden Zer-
setzung. Der Plagioklas mit nur wenig kleinen, eingewachsenen Amphibolkórnern
ist ziemlich frisch, nur ganz gering trůbe gefleckt. Zwillingsstreifung zeigt er im
polarisirten Lichte viel auffálliger als die Proben vom Hořičkahůgel oder von Pod-
božovský mlýn. Sonst erinnert das Verhalten ganz an das schon oben beschriebene.
Epidot und Auarz ist nicht nachweisbar.
Bei Stan und Jasné pole (Schonfeld) durchsetzen dunkle kleinkórnige
Diorite Glimmerschiefer, Gneuse und Granite in nicht bedeutend máchtigen Gángen.
Eine Probe von Jasné pole (Schonfeld) von kleinkornigem Gefiige und schmutzig
dunkelgrůner Farbe zeigte nur an der etwas angewitterten Oberfláche, wo die Plagio-
klase kreideweiss gefárbt erschienen, kurze, 2—3=m lange, '/„—1%» breite Sáulchen
von schwarzgrůnem Amphibol.
Unter d. M. erscheinen die Amphibole verschieden grasgrůn gefárbt, unregel-
mássig lappig und an den Rándern moosartig zertheilt, aus Fasern bestehend. Im
durchsichtigen Plagioklas treten entweder kleine 120150" breite, bis 12m lange
Stábchen von etwas blásser grasgrůnem Amphibol in grosser Anzahl zum Vorschein,
welche stellenweise moosartige Aogregate bilden. Magnetitkórnchen oder Háufchen
oder zusammenhángende Aggregate sind vornehmlich im Amphibol eingewachsen.
Pyritkorner bis „m oross sind selten. Der Plagioklas aus Krystallkórnern bestehend
131
© zeiet nur theilweise die chromatische Zwillingsstreifung ganz deutlich, námlich ins-
- besondere dort, wo die Krystallagoregate nicht bedeutend klein sind, denn durch
- minimale Dimensionen wird bei Plagioklasen die Zwillingsstreifung sehr háufig
- verdeckt. Ganz diůnne Nadeln von s5g"% Durchmesser, die im Plagioklase ein-
- gewachsen sind, kónnten als Apatit gedeutet werden. ití ganz seltene schwarze
- Stábchen von eben solcher Breite wie der Apatit kónnten vielleicht [lmenit sein.
Auch sehr pyritreiche Diorite sind verbreitet im Eisengebirge. Dieselben
stellen jedoch meist sehr kleinkornice Varietáten vor. An der Gránze zwischen
| č. Granit und Guarzporphyr oder Felsit oder schiefrigem Felsitporphyr
"kommen Gánge und Gangstocke dieses Gesteines in dem Felsitporphyrzuge Rtein-
„Malé Lukavice vor. Zwei Proben sind entnommen von einem Gange zwischen
| Born und Žumberg (etwas náher an Bitovan), dann von Vejsonín SW an der
Reichstrasse von Chrudím nach Nassabere.
P.
faul, etwas ausgebleicht, in Klůften aber mit braunen Limonitůberzůgen oder An-
še ligen úberzogen. Beide Proben sind ganz frisch.
P: : Das Gestein von Bitovan S (Žumberg N) ist grůnlicherau, sehr klein-
Ě "kórnig, beinahe feinkórnig, jedoch nicht aphanitisch; dle Zusammensetzung der
| (Grundmasse ist nicht ersichtlich, ausser kleinen, etwa 1—2""“ grossen porphyr-
: artig ausgeschiedenen Plagioklaskrystallen. Kleine, jedoch auch erbsengrosse Pyrit-
i Die Pyritdiorite zeigen sich stellenweise unter Tage gánzlich zersetzt und
kórner sind sehr zahlreich, mindestens fleckenweise eingewachsen; gewisse davon
- besitzen erkennbare růrfelform
Das Mikroskop lóst die Masse des Důnnschliffes vollkommen auf. In dem
weissen durchsichtigen Plagioklas erscheinen ohne alle Regel zerstreut Amphibol-
stábchen von ziemlich gleichbleibender Grósse von £g"" Breite und ';"" Lánge;
selten sind die blass grasgrůnen Stábchen sehr breit. Štellenweise liegen einige
- Amphibolstábchen geháuft, meist aber sind sie einzeln, ohne jede Orientierung
zerstreut. Ebenso ungleichfórmig zerstreut und etwa in gleicher Menge vorkommend
wie der Amphibol findet sich Magnetit, von zarten Punkten an, also staubformig
bis zu Aggregaten von !""% Breite; meist aber herrschen die mittleren Gróssen
von 34"" Breite vor. Sámmtliche Magnetitkůrner zeigen deutliche guadratische
4 Formen. Im polarisirten Lichte zeigt auch der Plagioklas eine kleinkórnige, aus
ziemlich gleich grossen Prismen von 3%—;5"" Breite und bis 55"" Lánge bestehende
regellos kórnige Zusammensetzung. Der Plagioklas erat bedeutend vor, Am-
- phibol und Magnetit in untergeordneter Menge halten sich das Gleichgewicht. Nur
- einzeln kommen gróssere Pyritkórner bis '/„"% Breite zum Vorschein.
Der Plagioklas zeigt im polarisirten Lichte nur einerlei Farben, bei auf-
© merksamer Beobachtung sieht man jedoch in den breiteren Stábchen desselben
- vereinzelnte Zwillingsstriche. Er hat ganz das Aussehen von Orthoklas, was wahr-
- scheinlich in der Kleinheit der Individuen desselben seinen Grund hat.
A © Die Varietát WSW von Vejsoním, in einem Steinbruche in ganz frischem
Ž © Zustande entblósst, gleicht ganz der Vorigen. Nur ist die Farbe im Bruche etwas
- wenices lichter grau, weil mehr kleinere Krystállchen von Plagioklas, die sich von
ý | 9*
132
der Grundmasse aber schlecht abheben, eingewachsen erscheinen. Das Mikroskop
zeigt ausser grósseren und etwas háufigeren Pyritkórnern, was nur zufállig ist, ganz.
die gleiche Textur und Zusammensetzung, wie sie vordem angefiihrt wurde. In der
durchsichtigen Plagioklasgrundmasse lassen sich die porphyrartig eingewachsenen.
orósseren Plagioklase wohl, aber doch nur bei einiger Aufmerksamkeit erkennen,
weil in denselben weniger Amphibole eingewachsen vorkommen. Die kleinkórnige
Plagioklas-Grundmasse zeigt ganz das Verhalten von Orthoklas ausser in einigen.
Ouerschnitten, welche bei aufmerksamerer Beobachtung Andeutungen von Zwillings-
bildung wahrnehmen lassen. Allein die im polarisirten Lichte deutlich hervor-
tretenden Plagioklasrechtecke der porphyrartig eingewachsenen Krystalle von */, "=
Breite und bis 1',""“ Lánge zeigen durchwegs, wenn auch nur wenige, so doch
deutliche, nie fehlende Zwillingsbánder von verschiedenen Farben.
Es ist nun něthig den Grund anzugeben, warum die kleinkórnige Grund- -
masse vom Verhalten des Orthoklases im polarisirten Lichte als Plagioklas gedeutet |
wird. Es ist eine durch Analysen vielfach erhártete Thatsache, dass beinahe dichte. |
oder sehr kleinkórnige Plagioklase keine Zwillinosstreifung im polarisirten Lichte ©
zeigen, sich also áhnlich wie Orthoklas verhalten, trotz dieses Verhaltens aber |
doch die Plagioklasnatur besitzen, da chromatische Bánder in winzig ausgebildeten ©
Krystállchen meist verschwinden. Indessen zeigen in diesem Falle doch einige ©
Kórnchen Andeutungen von Zwillingsriefen. Es wáre eine Anomalie, dass die in ©
einer sehr feinkornigen Grundmasse ausgeschiedenen Feldspathkrystalle eine andere |
Zusammensetzung hátten, wie die Grundmasse selbst, da sie ja doch nur unter ©
gůnstigeren Bedingungen aufgewachsene einzelne Krystalle der Grundmasse sind. |
Es kann demnach die u. d. M. kleinkornig zusammengesetzte Grundmasse nicht ©
Orthoklas sein, wáhrend die ausgeschiedenen Krystalle, die durch herabsinkende
Gróssenverháltnisse mit den kleinen Gemengtheilen der Grundmasse, also durch ©
Úbergang in dieselbe verbunden sind, aus Plagioklas bestehen. Endlich bestehen ©
Úbereánge des Gesteines in wirklich deutlichen kórnigen Diorit. Ausserdem aber ©
spricht das Vorkommen von zahlreichen Magnetitkórnern neben Amphibol gegen ©
Orthoklas.
Eine Analyse zur Constatirung der Plagioklasnatur durchzufůhren ist bei
dem Gewichte der Grůnde, die allein úberzeugend genug sind, nicht nothie. Úbrigens ©
wůrde die variirende Pyritmenge, theilweise auch der Magnetit bei der Inter-
pretation derselben irrend hinderlich sein.
Man bezeichnet wohl derartige Gesteine auch als Porphyrite, es ist aber
in diesem Falle kein Grund vorhanden, dieselben nicht als Diorit zu bezeichnen,
da sie ja in kórnige Varietáten desselben ůúbergehen.
Bei starken Vergrósserungen zeigen die Plagioklase, gerade so wie bei den
andern oberwáhnten Dioriten Flůssigkeitseinschliisse, obwohl dies nicht besonders ©
hervorgehoben wurde. —
Epidotdiorite fůhren in ziemlich bedeutenden Mengen Epidot, nicht
in Form eines unwesentlichen Gemengtheiles, wie dieses Mineral in den kórnigen ©
Dioriten vom Horčičkahůgel etc. erkannt wurde, sondern in einer solchen Mence, die ©
neben Plagioklas und Amphibol an der Gesteinszusammensetzung Theil nimmt. Epidot-
133
( diorite erscheinen háufig in der Umgebung von Trpišov, Práčov, (S Chrudím) in
|Felsitporphyren, auch im Granit. :
18 Im Ohebkaufer N Práčov durchsetzen Gánge dieses Gesteines faule,
scheinbar schiefrige Gesteine in der Náhe der Granitgránze. Die faulen Gesteine
sind entweder ausgelauste Diorittuffe oder Felsite von schiefriger Textur. Ein
beiláufig 10" máchtiger Gang von Epidotdiorit durchsetzt dieselben etwa inmitten
zwischen der Práčover Kirche und der Papiermiůhle bei Svídnic. Der Gang tritt
(m Contacte zwischen faulen schiefrigen Gesteinen und zersetztem Felsitporphyr
Jauf und erscheint ziemlich frisch.
| Den Dioritgang bildet ein kleinkorniges und ein feinkorniges Gemenge.
(In dem kleinkornigen Diorit, dessen Gemengtheile weisser Plagioklas, Amphibol,
Epidot schon mit der Loupe deutlich, wegen ihrer Grósse von 1—1","“ sichtbar
|sind, erscheinen ganz spárlich Pyritkórnchen eingestreut. Durch Calcit ist das
| Gestein nicht oder nur in ganz unscheinbaren Mengen durchdrungen.
Unter dem Mikroskope werden aber vier Gemengtheile im kórnigen Durch-
leinander erkannt. Lange Rechtecke zu Aggrecaten verbunden aus Plagioklas
bestehend, welcher nur stellenweise weisse wenig durchsichtige Flecken zeist;
'dann regellose Kórner oder Sáulen, auch lappig zertheilte Aggregate meist von
sichtbar fasriger Zusammensetzung dem Amphibol angehórend; unfórmliche Kórner
von Epidot innwendig rissig, stellenweise aber sich andern Gemengtheilen etwas
anschmeigend und endlich regellos dazwischen zerstreute vorwiegend guadra-
tische Magnetitkorner, meist in der Náhe des Amphiboles oder in demselben,
(bilden die Gemengtheile. Die Magnetitkoórner sind im Mittel 1""% gross. Pyrit-
'kórner sind verháltnissmássig wenig háufig; ebenso untergeordnet erscheinen
'schwarze undurchsichtige Stábchen, welche wegen ihrer Ausdehnung in einer
"Richtung als Ilmenit zu deuten wáren. Sie besitzen die Breite von etwa 4.
(Ganz vereinzelnt sind —45"" breite Nadeln, die fůr Apatit zu halten wáren.
| Der Plagioklas zeigt meist deutliche, wenn auch nicht zahlreiche Zwillings-
lamellen im polarisirten Lichte. Nur die etwas fleckigen zeigen diese Erscheinung
nicht; obwohl es auch ganz reine Auerschnitte gibt, die einerlei Farben im pola-
risirten Lichte besitzen, was bei der Breite der Zwillingslamellen erklárbar ist. —
Der feinkórnige Epidotdiorit aus demselben Gange von graulichgrůner Farbe
zeigt unter der Loupe ausser spárlich ausgeschiedenen Leistchen von Plagioklas nur
bis „== lange Stábchen von Feldspath; alles andere ist unerkennbar.
U. d. M. aber stellt sich dieser Diorit als regelloses Gewirre von bis £""
breiten Plagioklasstábchen mit Amphibolaggregaten dar, in welchen besonders
háuig die im Mittel etwa '—;4"“ grossen úahlkušéken Magnetitkorner einge-
wachsen sind. Im H dauláán Lichte zeigen die meisten, auch stellenweise trůben
Stábchen des Plagioklases Zwillingsstreifung, oder doch Andeutungen derselben.
Einige ganz durchsichtige bis 17" breite, scheinbar hexagonale Kórner mit starker
Fárbung im polarisirten Lichte, scheinen auf Ouarz hinzudeuten. Der Epidot tritt
nur untergeordnet in ganz kleinen Kórnchen zum Vorschein. In Sáuren entwickelt
das Gestein ganz wenig Bláschen. Wahrscheinlich hat der Calcit den Sitz in den
wenigen grósseren etwas getrůbten Plagioklasen.
134
Apatitnadeln sind wie vordem spárlich, meist im Plagioklas beobachte |
worden. — |
Beide Varietáten des Diorites zeigen als aufangende Zersetzung in de
Náhe gewisser Magnetite Gruppen von hyacinthrothen hexagonalen Schuppen von
Haematit. — Andere Dioritgesteine und zwar derjenige Diorit, dessen Plagioklas
zum Theil aus Labradorit besteht und dessen Amphibol auch als Uralit bezeichnet ©
werden kónnte, sind unter den Gabbrogesteinen eingereicht. i
Dioritaphanit. |
Unter diesem Namen „Aphanit des Diorites“ sind verschiedene entweder
dichte oder sehr feinkórnige, auch klein porphyrartige Gesteine, deren Textur auch
-ebenso gut „andesitisch“ heissen konnte, bezeichnet, welche trotz der Verschieden-
artigkeit der Textur doch nur Ausbildungsweisen einer Gesteinsmasse sind. Auch.
amygdaloidische Texturen finden sich bei dem Gesteine. Die porphyrartigen (andesi-
tischen) Gesteine gehóren streng genommen gar nicht zu den Aphaniten, sie sind aber
desshalb von denselben nicht zu trennen, weil sie durch Úbergánge aufs engste
mit denselben verknůpft sind. Die Dioritaphanite sind gleichzeitige Bildungen mit
den tiefsten silurischen (cambrischen) Etagen. Wahrscheinlich verdanken sie ihre
feinkórnige Textur der Erstarrung unter dem Wasser des Silurmeeres. $
Das Vorkommen derselben fállt in den Zug altsilurischer Gesteine zusammen. |
Gang- und noch háufiger Lagerstócke ziehen sich von S Telčic (SO Elbe-Teinic)
angefangen úber Zdechovic, Morašic, Krasnic, Lhota, Sobolusk, Turkovic, Bukovina,
Licomělic bis Vlastějov, wo sie durch Kreideschichten bedeckt werden, also auf ©
die Streichungslánge von 2 Myriameter. Die grósste Breite des Lagerstockmassives,
in horizontaler Richtung gemessen, ist bei Holetín-PBřezinka, und betrást dieselbe
etwa 3 km. In diesem Hauptzuge treten diese kurz als Dioritaphanite bezeichneten
Gesteine unter verschiedenen Structurverháltnissen auf, indem sie durch Úber-
gánge mitsammen verbunden erscheinen. Diorittuffe und grosskórnige Diorittuft-
conglomerate begleiten den Zug. Auch innerhalb des Porphyrmassives zwischen
Bitovan (SO Chrudím) und Rtein (NO Seč) kommen derartige aphanitische Aus-
bildungen des Diorites in Form von Gangstocken zum Vorschein.
Bei Licomělic (W Heřmanměstec) finden sich Diorite, welche trotz ihren
theilweise sichtbaren Gemengtheilen dennoch zu den Aphaniten gerechnet werden,
weil sie durch Úbergánge mit denselben verbunden sind. Kleine Krystállchen
von Plagioklas in einer sehr feinkornigen Grundmasse ausgeschieden, machen das
Gestein porphyrartig (andesitisch). Gewisse solche Gesteine zeigen durch parallele
Anordnung der ausgeschiedenen Plagioklaskrystállchen unvollkommen schiefrige
Textur, sowie auch eine an Schichtung erinnernde bankfórmige Absonderung.
Dieses Gestein mit porphyrartiger Textur, das also strenge genommen nicht ©
als Aphanit zu benennen wáre, wenn es nicht aphanitische Úbergánge aufweisen j
wůrde, wurde von secundárer Lagerstátte untersucht. i
N von Kostelec (S Heřmanměstec) streicht in der flachen Bachufer=
terasse ein orobschichtiger, grosskórniger Diorittuff aus. In dem Diorittuffe sind biš
135
faustgrosse Gerólle des Dioritaphanites von klein porphyrartiger Textur einge-
| wachsen. Die Gerólle erscheinen stellenweise ganz frisch.
Das Gestein besitzt schmutzie lichteraue Farbe im frischen Zustande, im
angewitterten aber ist es licht grůnlichgrau mit bráunlicher Geróllrinde oder
l Klůftchen von Limonitfárbungen durchsetzt. — Bis auf kleinere ausgeschiedene
Kórnchen erscheint das graue Gestein beinahe dicht.
Allein unter der Loupe oder bei aufmerksamer Betrachtune erkennt man
ji in der dichten Grundmasse zahlreiche, bis 4"" lange, 2—3"" breite und */,=m
© bis 1% dicke Krystalle von Plagioklas der Form
oPo.wP. oP oP. Po,
welche aber durchwegs als nach dem Karlsbader Zwillingsgesetze verwachsene
Hemitropien sich darstellen. Ein Krystallindividuum hátte dann nur die halbe
Dicke von etwa "/„""%. In den angewitterten Geróllstůcken sind die Krystállchen,
die immer ganz gut auseebildet erscheinen, recht gut erkennbar, lassen sich auch
durch Zufall oft herauslósen. In GAuerbrichen zeigen die Fláchen der sehr guten
Spaltbarkeit oP, wenn dieselbe zum Vorschein kommt, starken Glasglanz und trotz
der geringen Breite doch starke Zwillingsriefung, die mit der Loupe gut wahr-
nehmbar ist. Mit der Loupe sieht man auch, dass die Fláchen der Krystállchen-
- oberfáchlich matt, rauh und mit hochst zarten Chloritschiippchen bedeckt sind
Ein herausgelóster Zwilling, dessen Fláchen oP und oo P o durch Spaltung rein
entblósst waren, gab unter dem Mikroskop gemessen oPA oP 85? 54 aus 5
Messungen. Die sanidináhnlichen Krystállchen sind demnach Plagioklase.
In der dichten grauen Grundmasse mit den zahlreichen Plagioklaszwillingen
ist ausser undeutlich wahrnehmbaren spárlichen Kórnchen von Magnetit und klein-
winzigen, ebenso spárlichen schwarzbraun ausgekleideten zerfressenen Poren und
"seltenen griůinen Kórnchen nichts weiter zu bemerken.
Manche Aphanitgerólle sind blassgrůnlich ©anz dicht; es bestehen eben
die Gerólle aus verschiedenen Aphanitvarietáten.
Das frische graue, kleinporphyrartige Gestein gab, nachdem es frůher mit
entwickelte Wasser ausgekocht wurde, mit Salzsáure keine Bláschen von CO,; es
- enthált demnach in dem sogenannten frischen Zustande keinen Calcit.
Das sp. Gewicht (mit 249g bestimmt) ist 27012. Ein 1:39 schweres Stůck-
-chen, welches mit Wasser ausgekocht war, um die Menge der Luftblasen aus den
Poren bestimmen zu kónnen, ergab 1%/, dem Volumen nach an Poren; es ist
dies zu wenig; wahrscheinlich war das Stůckchen zu gross, um ganz vom Wasser
durchdrungen werden zu kónnen. Kleinere Stůckchen gaben 2"/, (dem Volumen
nach) an Poren. Zwei theilweise Untersuchungen verschiedener Bruchstůcke des
frischen Gesteines gaben:
S10, 62:43 63:06
AL 0, 19:60 19:57
Fe, 0, 5:35 531
Ca0 6:40
MgO 2:11
Glůhverlust 1:61 155
156
Die Alkalien wurden nicht bestimmt; alles Fe als Fe,O, gewogen. m
H Cl in der Kálte behandelt, lóst sich aus dem Gesteine so viel Fe auf, dass “
als Fe,O, berechnet 4079, ergibt. Ein bedeutender Theil davon stammt aus de
Magnetit und Limonit, ein anderer Eisenantheil aus anderen zersetzbaren Mineralien 3
Im Důnnschliffe des Gesteines bemerkt man gleichfalls die Poren, trotz
welchen aber die Důnnschliffe doch haltbar sind. ;
Drei Dinnschliffe aus diesem Gesteine zeigten selbst bei schwacher Ver-
grósserung vorherrschend die schon oben beschriebenen Plagioklase in stabartigen
Durchschnitten, von denen die gróssten etwa bis 4"" Lánge, die kleinsten nur + bis
2"“m Breite und eine vielfache Lánge hátten. Diese Stábchen und Rechtecke kommen
regellos eingewachsen, ziemlich geháuft vor, so dass die Grundmasse nur wenig,
námlich den úbrie bleibenden Raum zwischen denselben ausfůllt. Die Plagioklase
sind beinahe ganz frei von Einschlůssen, selten ist in denselben ein Magnetitkornchen
oder spárlicher Chloritstaub zu bemerken; von der Grundmasse sind sie scharf ge-
trennt. Ein weiteres Praeparat zeigte gewisse Rechtecke des Plagioklases mit einer.
bis 5%" dicken Rinde von Chlorit umhůllt, welcher auch eine getrennte Spaltungs-.
fláche ganz ausfůllt, sich aber mit Vorliebe in der Náhe der Plagioklase, besonders
in Rissen ansiedelt. Im polarisirten Lichte zeigen die Rechtecke meist, wenn auch
nur wenige breite, so doch deutliche Zwillingslamellen; nur diejenigen Schnitte,
welche nicht die Form von Rechtecken, sondern die Form der Fláche o P w zeigen,
demnach zu derselben parallel geschnitten erscheinen, zeigen keine Farbenbánder.
sondern nur einfache Farben. Es sind das, weil die Krystalle nach oPo tafel-
artig gestaltet sind, eben die gróssten GOuerschnitte, welche einfárbig erscheinen..
Die Grundmasse, der Menge nach untergeordnet ist ein regelloses Durch-
einander von Plagioklasleistchen von der Breite von 345"“ mit Magnetitstaub,
bis zur Breite von —+$5"", welcher guadratische Guerschnitte zeigt. Das polarisirte.
Licht lóst das Gewirre recht schón auf; gewisse Leistchen zeigen sogar trotz ihrer
Kleinheit doch zarte Zwillingsstreifung. Diese Grundmasse ist der eigentliche Aphanit.
Manchesmal legt sich der Magnetitstaub um gewisse gróssere Plagioklas-
kórner an, die er dann in Form eines schwarzen Ringes umhůllt. Nur ganz ver-
einzelnt fnáen sich gróssere Magnetitkoórner; die mittlere Breite derselben betrást
Imm, Stellenweise besteht die Grundmasse nur aus Plagioklas und Magnetit, viel
háufiger sind aber in derselben Chloritschůppchen entweder spárlich oder so háufig
eingewachsen, dass sie ziemlich an Durchsichtigkeit einbůsst. Diesem Chloritstaub
verdankt der Aphanit auch die graue Farbe.
Der Dioritaphanit mit kleinporphyrartiger Textur besteht demnach vor-
nehmlich aus Plagioklas, wenig Magnetit, wie die Analyse zeigt viel weniger als
49, und Chlorit, ebenfalls nur in ganz geringer Menge. Orthoklas ist keiner
vorhanden, trotz des ziemlich bedeutenden Si0,-gehaltes von bis 659. Der Plagio-*
klas důrfte ein ziemlich saurer Oligoklas, oder wenn auf die Molekularmischung des-
selben zurůckgegangen wird, ein solcher sein, dessen Albitgemenge (689, Si0,)
einen grossen Úberschůss gegeniber der Anorthitmenge aus macht.
Eigentlich enthált dieses zu den Dioriten gezogene Gestein keinen nach-
weisbaren Amphibol, sondern nur Chlorit und doch wird es hier als Chlorit-Diorit
bezeichnet, weil es statt des Amphiboles das Zersetzungsproduct desselben, den
|
|
|
jl
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„Chlorit enthált. Gánzlich frische Gesteine wůrden Amphibol enthalten, worauf der
ziemlich saure Plagioklas hinweiset, welcher háufie mit Amphibol vergesellschaftet
„sich findet, wáhrend der Labradorit die Gegenwart des Augites in vielen Fállen
bedingt. Bei den Geróllen, die also auf secundáre Lagerstátte durch Wasser erst
Iverfůhrt wurden, porós sind und Einwirkungen des Wassers ausgesetzt waren, ist
ja Ersatz des Amphiboles durch Chlorit erklárbar. Merkwiirdig ist es aber
jedenfalls, den Plagioklas noch so frisch zu finden.
Betreff der Benennung des Gesteines als Porphyrit wurde schon frůher
jerwáhnt, wie ungerechtfertigt eine solche Bezeichnung wáre.
| Bei Bukovina an der Reichsstrasse von Čáslav nach Heřmanměstec,
isowie in der gesammten Umgebung findet sich ein dichter, důster graugrůner
'Aphanit, in welchem nur Punkte von Epidot bis hochstens MkoPShoksé unter-
|scheidbar sind. Das Gestein ist regellos zerkliůftet, an gewissen Orten aber unvoll-
(kommen schiefrig. Die Probe knapp sůdlich von Bukovina ist Epidotchlorit-
dioritaphanit und zeigt u. d. Mikroskope in zwei verschiedenen Důnnschliffen
folgende Zusammensetzung:
| Ein fleckig regelloses Gemenge von weissem noch ziemlich durchsichtigem
Plagioklas mit kurzen Stábchen von faserigem Amphibol und mit zahlreichen
Chloritschuppen, welche die dunkelgrůne Farbe bedingen. In dieser Masse finden
sich so zu sagen porphyrartig ausgeschiedene Kórner und selbst polygonal begránzte
Formen von ganz reinem, innen rissigem Epidot, welcher keinerlei Einschlůsse
enthált und beinahe schwefelgelb ins zeisiggrůne geneigt gefárbt, sowie durch-
sichtig ist. Die kleinsten Epidotkórnchen besitzen die Breite von 55"". Dazwischen
finden sich Magnetitkórnchen in Form von grobem Staub vertheilt u. zw. scheint
derselbe eine, wenn auch etwas wellig gebogene Richtung beizubehalten, was also
eine Tendenz zur Mikrofluctuationsstruktur andeuten wůrde. Die meist guadra-
tischen Magnetitkornchen, welche vornehmlich an die grůnen Amphibol- und Chlorit-
parthieen gebunden sind, haben die mittlere Grósse von „46"%.
Im polarisirten Lichte lost sich die weisse Masse in ein regelloses Gemenge
von im Mittel 5;5—+5g"" breiten Stábchen von Plagioklas auf, welche Zwillings-
bildungen nicht hervortreten lassen. (Ganz spárlich sichtbare gróssere Rechtecke
aber zeigen wenn auch blasse, so doch deutlich wahrnehmbare Farbenbánder.
In dem Gemenge erscheinen ausserdem einzelne, grosse, weisse, kaum
durchscheinende Aggregate, auf die das polarisirte Licht geringe Wirkung ausůbt;
dieselben sind ausgeschiedener Calcit.
Wenn ein Důnnschliff mit concentrirter Chlorwasserstofisáure einen halben
Tag in der Kálte behandelt wird, so erscheint er stark unzusammenhángend mit
grossen Hohlráumen von verschwundenem Calcit; ausserdem aber bleicht er etwas
Wweniges aus, indem die Sáure einen Theil des Chlorites auflóst und nur die Štáb-
chen des Amphiboles zurůcklásst, wodurch eben der Nachweis der sonst schwierig
in der Chloritmasse erkennbaren Amphibo'sáulchen gegeben ist.
Von Sobolusk (W HeřmanůvMěstec 1 Myrm) WN entfernt ist eine
Kuppe, welche aus amygdaloidischem Chloritdioritaphanit besteht. Das Gestein
ist licht graugrůn, unvollkommen schiefrig, in der Fláche der undeutlichen Schiefe-
rung unter der Loupe zart runzelige Chloritlagen zeigend mit erbsen- bis hasel-
138
nussgrossen Amygdaloiden aus Auarz, oder Calcit bestehend. Die Amygdaloide von
meist gestreckter Form sind zuweilen in der Mitte zerfressen, zersprungen; die
Sprůnge mit Limonit bedeckt. Gewisse Mandeln bestehen aus einer dicken áusseren
Ouarzlage, die unmittelbar den Aphanit berůhrt und aus einem Calcitkerne, der
zuweilen zerfressen ist. Nicht selten lásst sich in den Ouarzmandeln auch Chlorit
in Schuppen nachweisen zum Belege daťfůr, dass der Chlorit ein spáter im Gesteine
gebildetes Mineral ist. j
Das Mikroskop zeigt eine vorherrschende weisse kleinkornige Grundmasse,
mit wenig Chloritlappen. Eine feine ziemlich parallel laufende Zerklůftung im
Aphanite ist mit Limonit ausgefůllt, welcher bis auf unbestimmte nicht bedeutende
Entfernungen die Grundmasse impraegnirt. Ebenso ist Chlorit in bedeutenderen
Mengen solchen Klůftehen nach in der Grundmasse angesiedelt. Es hat den An-
schein, als wenn hie und da noch ein Amphibolsáulchen in den Chloritlappen
anzutreffen wáre, allein bei der gleichen Farbe der beiden Mineralien bedarf diese
Mósglichkeit doch noch einer Bestáttigung. Der Magnetit ist gánzlich verschwunden,
denn die sehr seltenen kleinwinzigen Staubkórnchen (£35—+55"") desselben, die ganz
vereinzelnt noch zum Vorschein kommen, sind kaum erwáhnenswerth.
Im polarisirten Lichte zeigen die Stábchen des Plagioklases bis zu 35 ""
Breite, aus denen die Grundmasse besteht, noch schwache Farben; sogar Zwillings-
streifung lásst sich bei manchen noch ganz deutlich unterscheiden. |
Von Sobolusk 1%/, km nordlich liegt Lhotka; ganz nahe von Lhotka, ©
und zwar sůdlich, findet sich ein ebensolcher licht graugrůnlicher Chloritaphanit, ©
in welchem zahlreiche, ziemlich nahe stehende bis haselnussgrosse Amygdaloide von
Epidot, ausserdem aber auch winzige Plagioklaskrystállchen (eigentlich Zwillinge ©
nach dem Karlsbader Gesetze) porphyrartig, jedoch scheinbar weniger háufig, ein- ©
gewachsen sind. Das Gestein hátte also eine kleinporphyrische und zugleich
amygdaloidische Textur.
Eine angeschliffene Fláche zeigt dieses Verháltniss ganz deutlich, da in der
dichten dunkelgrauen (an einem andern Handstůcke) Aphaniterundmasse sowohl
weniger háufice Plagioklaskrystallguerschnitte, als auch zahlreichere rundliche oder
etwas verzogene Epidotmandeln zum Vorschein kommen.
Da der Epidot in diesen Aphanitgesteinen so háufieg schon genannt wurde,
so folgt hier der Nachweis darůber. Aus mehr als erbsengrossen Amygdaloiden
wurde der Epidot moglichst rein ausgesucht und mit 42 g eine Analyse angestellt,
welche ergab:
S10, 40:73
ALO, 31:64
7,0 446
FeO 90
CaO 21:41
MgO Spur
Glůhverlust A0,
Tons
Trotzdem, dass die Mandeln des Epidotes, wie die mikroskopische Unter-
suchung gleich nachweisen wird, nicht ganz homogen sind, stimmt die Analyse
139
i -doch ziemlich gut mit der Zusammensetzung děs reinen Epidotes, wesshalb die
i | Gegenwart dieses Minerales dadurch sicher nachgewiesen erscheint.
; Unter dem Mikroskope lóst sich das ganze Gemenge sehr deutlich auf.
| Die Grundmasse von aphanitischer Textur besteht aus einem Gewirre von Plagio-
L | klasstábchen, die im Mittel die Breite von „%"" besitzen und zwischen welchen
© entweder nur Magnetitstaub reichlich, oder in solcher Menge eingewachsen ist,
| dass die Stábchen in einer undurchsichtigen homogenen Magnetitmasse stecken.
) "Gewisse Stellen zeigen ausserdem noch Chloritláppchen und Schuppen in der
| | Grundmasse.
i Scharf begránzt erscheinen in der Grundmasse lance einzelne Rechtecke
© und Rechteckgruppen von der Breite 1r=—1me und vielfacher Lánge. Diese Pla-
| gloklasrechtecke sind meist durchsichtig, weil frisch, nur zuweilen mit weissen,
wenig durchscheinenden Flecken, welche den Anfang von Umwandlungen andeuten,
| durchzogen.
|
Alles dieses jetzt erwáhnte stimmt, bis auf das weniger háufige Vorkommen
-der grósseren ausceschiedenen Krystalle ganz mit dem porphyrartigem Chloritdiorit-
aphanit der Gerólle im Diorittuffconglomerat von Kostelec iberein.
i In dem eben erwáhnten Gesteine sind nun die grossen Epidotmandeln ein-
| gewachsen und scharf von der Gesteinsmasse getrennt. Ausser einigen vereinzelnten
"Calcitkórnchen oder Plagioklaskórnern oder einem Chloritlappen, letzteres jedoch
nicht háufig, findet sich in dem Epidot von kleinkornicer Textur, der also Aggregat-
polarisation zeigt oder ganz rein durchsichtig, inmen zerrissen erscheint, kein
anderes Mineral eingewachsen. Meist sind aber die kleineren Amygdaloide ganz
rein. Epidot in Kórnchen oder Schnůrchen durchzieht ausserdem noch gewisse
Plagioklase. oder kommt in Punkten auch in der Grundmasse vor.
Im polarisirten Lichte zeigen selbst gewisse Plagioklasleistchen der Aphanit-
grundmasse Andeutungen von Zwillingsstreifen, die grósseren, ausgeschiedenen Kry-
stalle aber satte Farben und bis auf die trůben weissen Flecke ganz deutliche
Zwillingsbánder oft in ziemlicher Zahl.
| Hie und da sich in der Grundmasse zeigende Schiippchen von Haematit,
-die hyacinthroth durchscheinen, gehóren zu Seltenheiten.
Das Gestein wáre also ebenfalls amygdaloidischer Chloritdioritaphanit.
Bei Zdechovic (WS Přelouč) sind áhnliche Epidotchloritdioritaphanite
vorhanden. Die Probe stammt vom westlichen Teichufer 1 km N von Zdechovic.
| Das licht graulichgrůne Gestein zeigt in einer Richtung einen etwas deut-
licheren Bruch, auf welchem unzusammenhángende Chloritschůppchen schimmern;
kleine Epidotkórnchen finden sich eingesprengt im Gesteine.
Ganz frisch ist der Aphanit nicht mehr, weil er lichtere Farben zeigt;
allein die Textur ist doch noch deutlich unter dem Mikroskope. Das Gestein ist
bis auf das beinahe gánzliche Zurůcktreten des Magnetites, der nur in ganz selten
Ssichtbaren Kórnchen auftritt, etwas áhnlich dem Gestein von Bukovina. Die weissen
Plagioklase von ganz kleiner Form, wélche jedoch wegen der nicht mehr gánzlichen
Frische im polarisirten Lichte nicht so deutlich auftreten, sind mit Chloritlappen
stellenweise bedeutend verdeckt; nur wo der Chlorit zurůcktritt, lassen sie sich noch
gut bemerken, Es scheint, dass auch noch spárliche Amphibole auftreten, allein
140
es ist nicht náher nachweisbar. Hie und da treten gróssere Plagioklas-Rechtecke
bis */„"% und noch mehr breit auf. Diese grósseren Plagioklasstábe fárben sich
im polarisirten Lichte nur ganz blass, zeigen auch nur stellenweise wohl blass
gefárbte aber doch deutliche Zwillingsbánder. (Gewisse Krystalle sind guer zer-
brochen, etwas voneinander verschoben und durch Chloritschuppen verkittet. —
Epidotkórner und Aggregate kommen in Menge in dem Gesteinsgemenge vor; es
enthalten die Plagioklase dieses Mineral wie auch den Chlorit, sowohl in Kórnchen
als auch gewissen Fugen nach, also als Infiltration in sich eingeschlossen.
Diabas.
Dieses Gestein findet sich als Gangstock, welcher guarzige Grauwacken-
conglomerate durchbricht nur an einem Orte, námlich mitten zwischen Chrtník
und Ledec (WN Heřmanměstec 7 km). Der Gangstock von der Lánge 1'/, km
und der gróssten Máchtigkeit von úber 100" ist in der Chrtníkschlucht entblósst
fig. 6. Sámmtliche Diabasvarietáten sind etwas porós, weil sie im heissen Wasser
Luftbláschen entwickeln; allein auch mit Calcit sind sie ziemlich impraegnirt,
weil Brocken davon, die vorher im Wasser ausgekocht wurden, um alle Luft- ©
bláschen auszutreiben, in Sáuren stellenweise recht lebhaft brausen. Die Textur
ist durchwegs mittelkórnig.
Fig. 6.
N 1: 5000, imm 25m. S
Báchlein Báchlein
Eine ganz reine Varietát zeigt in weissem vorherrschendem Plagioklas,
welcher nur durchscheinend ist, bis 2:3%% breite kurze Sáulen von graulichbraunem
Augit, ausserdem aber neben wenigen kleinen Pyritpunkten auch stellenweise
schwarze Kórnchen.
Unter dem Mikroskope herrschen auch die langen (bis 6**) Rechtecke
des Plagioklases vor, welcher ziemlich rein und trotz stellenweise zum Vorschein
kommender Trůbung im polarisirten Lichte doch deutliche Zwillingsstreifung zeigt.
Die kurzen Sáulen des Augites sind blassbraun durchsichtig, rissig frei von Ein-
schlůissen und mit einem sehr důnnen blassgrůnen Saum, ;5—+s"", von Chlorit
umseben. Seltener dringt der Chlorit Klůftchen nach in die Augitmasse. Bedeuten-
dere Anháufungen von Chloritschuppen, meist scharf vom Plagioklas getrennt,
finden sich auch im Důnnschliffe, jedoch nur in ganz geringer Zahl; ebenso selten
sind einzelne Chloritláppchen im Plagioklas. Ageregate von schwarzen Kórnern, bis
jem breit, deuten auf titanháltigen Magnetit, weil sie mit dem weissen, Leukoxen
genannten Titanat (Titanomorphit) umhůllt werden.
Blassbráunliche dichte Aggregate durchsetzen die Ablósungen in dem
Diabas. Unter d. M. bestehen sie aus einem Gewirre von Stábchen, welche der
i 141
| Lánge nach in der Mitte durch eine Linie getheilt sich als „5"" breite Zwillings-
| stábchen darstellen, die der starken Fárbung nach, die sie im polarisirten Lichte
Die Augitguerschnitte zeigen starke Farben im polarisirten Lichte. Einzelne,
"dann und wann guadratische Pyritkornchen und spárliche Nadeln von —+4""
| Breite den Plagioklas nur stellenweise vereinzelnt durchsetzend, deuten auf Apatit.
Das Gestein ist demnach ziemlich frisch und wohlerhalten. Eine andere Variettá
-von ebenfalls mittelkorniger Textur zeigt in etwas vorherrschendem, blass lauch-
griůnem durchscheinenden Plagioklas 2—2',"" breite Prismen von blass schmutzig
| graulichbraunem spaltbaren Augit, nebst spárlichen schwarzen Kórnchen.
| Unter dem Mikroskop zeiet der Důnnschliff Rechtecke von Plagioklas,
die schwachen Rissen nach blass grůnlich oder sattgrůn wenn die Klůftchen bis
25—3e"" breit erscheinen, durch infiltrirten Chlorit gefárbt sind, innen reine zer-
klůftete Kórner von Augit von blass róthlich brauner Farbe mit einer diůnnen blassen
| Chloritlage umhůllt, die nur selten irgend welchen Klůftchen nach ins Innere
'eindrinst. Háufie sind scharf begránzte, aus Chlorit bestehende Aggregate zwischen
dem Gemensge scheinbar wie eingeklemmt. Kleine Aggregate von diinnen Stábchen
von Ilmenit, die einander genáhert erscheinen sind durch umhůllenden Leukoxen
© verbunden. Lange Stábe von Ilmenit bis +“ dick und 4*" lang sind gebrochen
(und mit Leukoxen, der eine schwache Hůlle bildet, verkittet.
Pyritkórnchen erscheinen spárlich.
In den Chloritausscheidungen ist manchesmal kórniger Magnetit und
Pyritstaub zu treffen. |
Eine dritte Varietát ist schmutzig grůn gefárbt; nur lange (bis 1“"), diůnne
| Plagioklasleisten erscheinen deutlich sichtbar, sonst ist nur dichter Chlorit in
- Kórnchenform noch dazwischen bemerkbar.
| Das Mikroskop zeigt eine weiter gehende Umwandlung. Es cibt frische
- Plagioklasleisten und solche, die durch Chlorit durchzogen oder gefleckt sind, in
„der Masse. Die Augite sind den Klůften nach durch Chlorit erfillt, so dass dieser
-ein Netzwerk bildet, innerhalb welchem noch frische Augite stecken; oder umhůlit
-der Chlorit Augite so bedeutend, dass die Hůlle gegeniber dem frischen Augit-
© kerne sehr vorherrscht. Nebstdem kommen auch selbststándige scharf begránzte
Chloritaggregate von satt graserůner Farbe, vielleicht schon gánzlich umgewandelte
- Augite, zum Vorschein. Mit dem Chlorit, oder unabhángicg von demselben erscheinen
© gelblichbraune Flecken von Limonit, sowohl im Plagioklas als auch im Augit; in
- ersterem Falle zeigt sich der schón grasgrůne Chlorit bráunlich gefleckt. Nadeln
oder Stábe von Ilmenit erscheinen durchwegs von Leukoxen eingefasst. Stellen-
Wweise gruppiren sich die Ilmenitstábchen derartig, dass sie áhnliche winkelig ge-
brochene und dreieckige Formen bilden, wie es an den dinnen Sylvanitůberzigen
-von Offenbanya in Siebenbůrgen bekannt ist.
Calcitkórner oder kurze dicke Klifte dieses Minerales sowie Nadeln von
Apatit lassen sich gleichfalls nachweisen. Trotz der bedeutenden Veránderune,
welche Wasser durch Absatz von Chlorit in dem Gesteine hervorbrachte, ist der
2 >
142
: „o Plagioklas doch noch so frisch geblieben, dass.
58 24 mancher davon im polarisirten Lichte lebhafte
Ě „8 Farbenbánder zeigt.
=)
„< a
„lov makak Gabbro.
s 37 A> k]
1 3 EE Dieses Gestein reiht sich unmittelbar an
E =2 den Diabas an, weil es aus denselben Gemene-
5 J" © theilen námlich aus Plagioklas (Labradorit) und
= 2 ; Augit (Diallag) besteht. Es verhált sich aber in.
Ř s8 5 gewisser Hinsicht etwas verschieden, was in
3 < 78. Grund zur Trennung von dem Diabase ist.
ěL s Der Gabbro ist háufiger im Eisengebirge
k š als der Diabas selbst, er ist úberhaupt viel háu--
: P figer, als dies sonst von diesem nur zerstreut
R auftretenden Gesteine angenommen wird. Nirgends
Bahnhof Zaboř (Station Elbe-Teinic)
aber sind die Gangstócke des Gabbros bedeutend.
ausgedehnt. Die Hauptverbreitung des Gesteines ©
fállt mit dem Granitstocke zusammen, welcher
sich von Bernardov (SO Elbe-Teinic) bis úber
Morašic hinzieht. In dem Granitstocke und bis zu
einer gewissen Entfernung von demselben finden
sich die Gangstócke des Gabbros eingelacert,
welche mit ihrer Streichungesrichtung der nach
SO sgerichteten Achse des kleinen Granitmassivs
parallel laufen.
Es seien hier nur drei der kurzen Gang-
stócke angefůhrt, welche sámmtlich in einer Linie
von NW nach 90 setrennt von einander auftreten.
282 W. H.
Brůcke
Der máchtigste Ganegstock ist unter Vi-
nařic, am linken Elbeufer gegeniiber Elbe-Teinic,
in der Lánge von 1", km und der Máchtigkeit
von etwa 3*/, hundert Meter abgelagert. Derselbe
reicht mit seinen NW Ausláufern bis unter Elbe-
Teinic ins rechte Elbeufer hinein. (Gneusgranit
durchbricht den Stock in weniger máchtigen Gán-
gen. Wegen der Eigenthiimlichkeit der Lagerung
sei das Profil des linken Elbeufers vom Zahořer
Bahnhofe (Station Elbe-Teinic) bis Náhe gegen
Kojic hier noch eingefiot Fig. 3 um das Ver-
háltniss des unter Vinařic zum Vorschein kom-
menden Gabbrostockes zu den Nebengesteinen
ersichtlich zu machen. An der Gránze gegen Neben-
gesteine ist der Stock klein- bis mittelkornig,
145
.
| vé unvollkommen schiefrig und mit manchem Amphibolitschiefer dann ver-
- wechselbar; in'der Mitte der grobkórnigen Stockmasse aber zeigt er die regellose
| grossblóckige Zerkliftung. Der zweite Gangstock SW von der Kuppe v Oklikách
(806" A) ist im Walde genau O vom Bernardover Jágerhause, in dessen Náhe er
einem Amphibolit gleicht, wie dies auf der Karte auch beibehalten ist. Seine
Begránzung ist unvollkommenen Aufschlusses wegen nicht genau anzugeben; er ist
jedoch sicher 2/„ km lang.
ň Der dritte bedeutende Stock, welcher durch einen Gang rothen Granites
| durchsotzt wird, befindet sich im Walde inmitten zwischen Kašparův dolík und
Zbraňoves. Der grobkornige Stock gestattet keineswegs, wegen nicht úberall nach-
E barer Begránzung desselben seine Máchtigkeit und Streichungserstreckune
- sicher anzugeben; er besitzt aber eine ziemlich bedeutende Ausdehnung von gewiss
-ber 1 km und eine Máchtigkeit von ber 200".
Der Vinařicer Stock durchbricht Glimmerschiefer ; die beiden letztsenannten
ind im rothen Granit eingelagert.
k: Zahlreiche andere Gánge, welche mit dem Gabbro in genetischem Zusam-
- menhange stehen, werden gleich nach der Beschreibung dieses Gesteines als Uralit-
- oder Labradordiorite beschrieben werden.
In Vinařic lassen sich vornehmlich drei Varietáten des Gabbro unter-
scheiden, welche gegeneinander keine scharfen Gránzen bilden. In Mitten des
| Btockes eine grobkórnige, in grossen polyedrischen Blócken regellos zerklůftete,
- eine mittelkórnige recht deutlich gemenste, und eine kleinmittelkornige dunkle, mit
„worwaltendem Diallag, der den andern feldspáthigen Gemengtheil verdeckt; diese
letztere Varietát ist ganz unvollkommen schiefrie, insbesondere nahe an den Gránzen
„des Stockes mit dem Nebengesteine. Die grobkórnige Gabbrovarietát zeigt Gemeng-
theile, die bis úber 19“ Lánge erreichen.
Der Placioklas besitzt auf der oPfláche sehr deutliche, wenn auch nicht
zahlreiche Zwillinesstriche, seine Farbe ist licht, mit einem Stich ins graulich
wiolette; sonst ist derselbe durchsichtie. Ausgesuchte Stůckchen des Plagioklases
© zeigten 8 der Analyse, mit Vernachlássigung des Alkaligehaltes die Zusammen-
setzung des Labradorites. Labradorit aus grobkórnigem Gabbro ganz nahe dem
Wáchterhůuschen Nro 281 an der Eisenbahn gegenůber der nach Elbe -Teinic
fihrenden Holzbrůcke gab (aus 1 gr. verwendeter Substanz):
S10, 5213
ALO, 3051
E: Mg0 '68
Glůhverlust 98
unbestimmte Alkalien | 350
10000
Trotz der scheinbaren Reinheit hatte der Plagioklas doch etwas Augit
-© (Diallae) eingeschlossen, sonst wůrde sein MgO-halt kein so bedeutender sein. **)
Der Diallag zeigt důster graugrůne Farbe, an der angewitterten Oberfláche
ist er aber dunkelorůn, wáhrend der Plagioklas weiss, undurchsichtig erscheint-
144
Im Ouerbruche ist er matt glánzend, an der sehr guten Spaltungsfláche aber stark
perlmutterartig glánzend und dunkelgrůn. Ganz důnne Splitter sind beinahe člgrůn. ©
etwas ins lauchgrůne geneigt. (Grosse Fláchen der Theilbarkeit zeigt der Diallag
nicht, aber dafůr glánzen ausgedehnte, aber vielfach durch andere eingewachsene.
Gemengtheile unterbrochene Fláchen zu gleicher Zeit, i
Zuweilen finden sich in dem Gabbro bis nussgrosse Aggregate von Diallag-
prismen und regellos dickfasrige Sáulchen, welche Amphibol sind, der mit dem ©
Namen Uralit hier angefůhrt werden wird. An den Gránzfláchen solcher Aggre-
gate finden sich auch kleine Biotitschuppen in ganz geringer Menge, obzwar dieses
Mineral zuweilen auch, ohne an diese Aggregate von Uralit gebunden zu sein
sich vereinzelnt oder in Aggregaten vorfindet. Der Diallag bestimmt die im Grossen ©
distere Farbe des Gesteins, obwohl er keineswees im Úbergewichte auftritt.
Nebst diesen beiden Gemengtheilen finden sich accesorisch noch bis 2"
breite Kórner, wahrscheinlich von Magnetit und ebenso spárlich bis '/;,"" dicke
Platten von Ilmenit. Pyrit ist kaum wahrzunehmen; Olivin nirgends bemerkbar. ©
Das ganze Gabbrogestein gab nach Vernachlássigung der Alkalien und
Wágung des Fe als Fe, 0, statt als FeO, aus 1:2g zur Analyse genommenen Sub-
stanz folgende Zusammensetzung:
Si0, 51:87 |
Al; 0; —- Fe, 0, 27217
CaO 1267
MgO | 636
Glůhverlust | 1:04
Hált man dem gegeniber die Zusammensetzune des Plagioklases, so ergibt
sich fůr den Diallag unter Nichtberůcksichtigung der Alkalien und des Wasser-
gehaltes die Zusammensetzung von etwa:
SiO, 499
Al, 0, -+ Fe, 0, 224
Ca0 135
Ms0 130
Befremdend erscheint hier der hohe Gehalt fůr die Summe von
Al, 0; — Fe, 0;;
andere Diallage enthalten nur 10—199,; von diesen Gemengtheilen (wenn FeO als
Fe, 0, umgerechnet wird). Die Erklárung muss dahingestellt bleiben. Eine Analyse
konnte nicht durchgefůhrt werden, weil sich der Diallag rein nicht auslesen liess.
Demnach wiůrde der Gabbro bestehen aus weniger denn 52%, Plagioklas,
weniger als 48%, Diallag und einem geringen nicht náher angebbarem Reste von
Ilmenit und Magnetit.
In Sáuren entwickelt das im Wasser vorher ausgekochte Gestein stellen-
weise lebhaft Blasen von CO,.
Unter dem Mikroskope ist der Plagioklas durchsichtig, der Diallag aber
lauchegrin bis ins bráunliche oder blass grasgrůne geneigt; oft ziemlich durch-
sichtie nicht zersprungen, oder wie Augit nicht rissig erscheinend. Manche etwas
rissigen aucitáhnlichen Kórner zeigen oft schwarze Inpraegnationen den Rissen
| 145
jnach, die vielleicht aus Psilomelan bestehen. Auch ganz durchsichtige, blass
tróthlich bráunliche Fláchen dem Biotit, und zwar im Schnitte ziemlich parallel
"zur Fláche oP angehórig, zeigen sich neben Diallag. Spárlich sind Magnetitkórner
(eingewachsen so wie auch kleine vereinzelnte Pyritkoórnchen. Ein Ilmenitguerschnitt
fiel nicht in den Důnnschliff. Im Plagioklas bemerkt man nur selten kurze Nadeln
von Apatit in der Breite von 55"". Das Gestein ist ganz frisch bis auf die in Plagio-
klasen so háufig sich oh děnilcní getrůbten Háuíchen, welche auch hier, jedoch
nur spárlich, zum Vorschein kommen und theilweise vielleicht auf Calcit bezogen
werden kónnen. Trotz der Frische des Gesteines finden sich gewisse Diallage mit
Fleckchen von Limonit schwach umrandet, welcher auch in Klůftchen in dieselben
eindringt. Solche Diallage zeigen aber eine graserůne Farbe u. d. M. und stellen
ein Aggrogat von regellos zerstreuten Amphibolstábchen, von der mittleren Dreite
von —5—%4"" vor, es ist das also Uralit. Ob die Uralitbildung aus dem Diallag
eben durch das ácéů des Limonites bedinst war, oder ob umgekehrt der
Limonit erst nach erfolgter Umwandlung des Diallages in ein Amphibolaggregat
eindringen konnte, bleibt dahingestellt. Man sieht auch ziemlich scharf getrennt
vom Diallag solche deutlicher grůnen Uralitaggregate; manchesmal zeigen gewisse
Randlinien des Diallages einen důnnen grasgrůnen Saum von Uralit. Im Ganzen
ist aber der Uralit nicht háufig.
Der Plagioklas zeiet ganz reine Farben und deutliche Zwillingsstreifung,
zuweilen auch Zwillingseitterung im polarisirten Lichte.
Die fůr den Labradorit des Gabbro angegebenen Nádelchen von schwarzer
Farbe, oder Táfelchen von brauner Farbe, auf welche sonst der violette Stich
desselben bezogen wird, konnten nicht nachgewiesen werden. Wohl findet sich
'ganz vereinzelnt hie und da ein schwarzes Nádelchen oder ein blassgrůnlicher
Mikrolith (vielleicht Diallag) im Plagioklase, allein es ist dieses Vorkommen wegen
(der Seltenheit nicht zu beachten.
| Die mittelkórnige Varietát des Gabbro besteht aus bis úber „©“ langen
und entsprechend weniger breiten Gemengtheilen. Einzelne, grob nadelfórmige
Plagioklase von der Breite von 1',"“ erreichen selbst die Linge von ber *,©.
Die Farbe des Plagioklases ist weiss mit einem Stich ins Violette, die Durchsich-
tigkeit bedeutend, die Streifung ganz deutlich. In dieser Varietát kommen entweder
graulichschwarzgrůne oder an den vollkommensten Spaltungsfláchen dunkelbráunliche
| Diallage vor, welche letztere aber im GAuerbruche dunkelólgrůn gefárbt sind. Die
erst genannte Abart bildet ziemlich feste záhe knollenartige Ausscheidungen in
andern Gabbroarten, die zweite Varietát aber kommt als Gestein, in dem Vinařicer
Stocke allmáhlig aus der grobkornigen sich entwickelnd vor. In Wasser ausgekochte
Stůckchen brausen stellenweise ziemlich lebhaft in Sáuren.
Von accesorischen Gemengtheilen kommen nur kleine Punkte eines schwarzen
| Erzes (Magnetit, IImenit), dann kleine Kórnchen von Pyrit und Pyrrhotin sehr unter-
| geordnet zum Vorschein.
| Eigenthůmlich ist fůr den mittelkórnigen Gabbro die Erscheinung, dass
auf ziemlich bedeutenden Bruchfláchen gewisse Diallagspaltungsfiáchen trotz ihrer
| Unzusammengehorigkeit zugleich glánzen. Auf der angewitterten Oberfláche tritt
10
--
146
aber der Diallag als dunkelgrůner Amphibol, der Plagioklas als weissliche matte
undurchsichtige Masse auf. |
Die Proben stammen von der Eisenbahn in Vinařic gegeniber dem Eisen-
bahnviaducte (etwas weniges O von dem Fundorte der grobkórnigen Varietát).
Eine davon zeigt genau das Verhalten des grobkornigen Gesteines, jedoch
sind manche der zersprungenen Diallage von blass róthlichbrauner Farbe durch
cin infiltrirtes schwarzes Mineral, wahrscheinlich Psilomelan wie mit einem Netz.
durchzogen und mit einem grůnlichgrauem wolkigen Hof von „$—!"* Breite.
umgeben. Die Deutung des Hofes gelang nicht. Sonst sind gewisse Diallage auch
in das Amphibolaggregat, námlich den Uralit umgewandelt. Eine weitere Probe
zeiet wohl noch schmutzig grůne Diallage, sowie blass róthlichbraune. Biotite,
allein erstere nur mehr in Form von scharf begránzten Kernen; denn alles andere,
was als Diallag zu deuten wáre, ist eigentlich schon Uralit. An den Gránzen mit
dem Plagioklas zeiet sich der Uralit besonders stark zerfasert und theilweise
moosartig zertheilt. Im Plagioklas finden sich nicht parallel gelagerte lange hexa-
gonale Táfelchen, die vielleicht als Diallag zu deuten wáren, auch ganz spárlich
auftretende Nádelchen von schwarzer Farbe kommen vor; von den Nádelchen wird
bei dem Corsit von Ransko das Náhere noch erwáhnt werden. Die blassen Táfelchen
sind kaum £5"" lang. Kbenso beherberget der Plagioklas entweder Einschlůsse;
oder Einschlůssen áhnliche Pooren. Einzelne Nadeln von Uraiit 5%" und mehr
breit und bis J"% lang und liegen zerstreut herum. Tief nn zersprungene
Ouerschnitte in diesem Gabbro sind entweder als Augit oder Olivin zu deuten, was
nicht zu entscheiden war.
Die Probe mit den dunkelólgrůnen Spaltunesfáchen des Diallages besteht
nur zum geringsten Theil aus Diallag ; der bedeutendste Theil ist regellos fasriger
Uralit, dessen Stábchen bis 3%" Breite erreichen. Ob die kleinen guadratischen
Magnetitkórnchen in solchen Uraliten ursprůnglich oder spáter gebildet worden sind;
bleibt unentschieden. Diese Varietát stellt also nur mehr den Úbergang zu dem
Uralit oder Labradordiorit vor, weil der Uralit vorherrscht.
Es darf nicht unerwáhnt gelassen werden, dass trotz der Umwandlung des
Diallages in Uralit der Plagioklas gar keine Einbusse an seiner Frische erlitten
hat; Plagioklase des Gabbros und dieses Úbergangscesteines zeigen ein unvet-
úndertes Verhalten u. d. M.
Die dritte Varietát des Gabbro im Vinařicer Stocke mit vorherrschendem
Diallae, grob schiefriger Textur, besitzt Gemengtheile in der Grósse von 2—3""
Nur der dunkelegriůine Gemengtheil herrscht vor, das Strichpulver des Gesteines
ist lichterůnlich. Zuweilen, wie O knapp bei Vinařic enthált das Gestein auch
Jotitschuppen. Ausser Diallag bemerkt man unter der Loupe in dem Gesteine
kleine Punkte von Magnetit (IImenit) in bedeutender Háufigkeit, etwas weniger
zahlreich kommen noch kleinere Pyritkornchen zum Vorschein.
Im Důnnschliffe zeigt sich der Plagioklas recht untergeordnet, er nimmt
nur den zwischen dem grinen Minerale ibrio gelassenen Raum ein und zeigt
nur in etwas bedeutenderen Stůckchen Zwillinesstreifung. Der Biotit ist in der
blass rothlichbraunen Varietát gnzlich durchsichtig, im polarisirten Lichte satt
fárbio; die schmutzie lauchgrůne Varietát des Diallages ist wenig durchscheinend,
141
© wahrscheinlich schon etwas umgewandelt. Einen bedeutenden Antheil an der Zu-
[ sammensetzung des Gesteines nimmt aber der fasrige, an den Begránzungsfláchen
zerfaserte Uralit ein, dessen Fasern im Ganzen ziemlich die Richtung der ganz
unvollkommenen planen Parallelstructur besitzen.
| Er umhůllt die dunklen Parthieen des vermeintlichen Diallages, welcher
| aber bei náherer Betrachtung in radialfasrige Uralitagorecate umgewandelt erscheint.
- Zahlreiche Erzpunkte und Kórnchen durchsetzen in reichlicher Menge die Minera-
-lien des Důnnschliffes.
Eigentlich wáre dlieses Gestein schon náher dem Uralitdiorit als dem
ž
- Gabbro zu stellen, dessen Reste von Diallag nur mehr geringe sind.
Der Gabbro O vom Jágerhaus von Bernardov ist grobkórnig, die nicht
breiten Plagioklasrechtecke des Gesteinsbruches. so wie das diallagáhnliche Mineral
erreichen Lángen von */,““ und darůber.
Důnnschliffe zeigen Plagioklase von frischer Beschaffenheit von lang recht-
eckigen Schnitten, neben dem grůnen Mineral, im Gleichgewichte entwickelt. Der
Diallag kommt háufig noch im Gesteine u. zw. in Form scharfbegránzter polygo-
„naler Kórner, welche wenig durchscheinend, schmutzig lauchgrůn gefárbt sind und
de feinen Risse des Diallages parallel zu einer Richtung durchsetzen, dabei aber
© ganz unbedeutenden Dichroismus, zeigen.2“) Vielleicht ist der Diallag nicht mehr
ganz frisch. Nur in um etwas weniger bedeutender Menge findet sich verworren
© fasriger gras- grůner Amphibol in Ageregaten, welche moosartig zerschlitzte Be-
gránzunesfláchen besitzen. Kórner von Ilmenit und Magnetit sind in ziemlicher
Mense eingewachsen.
Nebensáchlich ist das Vorkommen von Limonit in gewissen Rissen, die
das Gestein durchsetzen.
In dem Gabbrostocke von Vinařic finden sich aber gewisse mittelkórnige
Gesteinsvarietáten, in welchen das diallagáhnliche Mineral eine dunkelgrůne Farbe
besitzt und unter der Loupe nebst hóchst zart faseriger Zusammensetzung aber
noch die Spaltbarkeit des Amphiboles zeigt. Die Plagioklase sind ganz frisch,
ins Viollete spielend. Hie und da sind Kórner von Pyrrhotin sichtbar. Selten auch
kleine Schuppen von Biotit. Dieses Gestein ist demnach nicht mehr Gabbro, son-
- dern aus der Umwandlung desselben hervorgegangener Uralit- oder Labrador-Diorit.
U Ú—
„Da
K E X
J'
Uralit-Diorit.
Uralit- oder Labradorit-Diorit ist demnach ursprůnelich Gabbro gewesen,
aus dem er durch Umwandlung des Diallages in Uralit hervorgegangen ist, wobei
der Plagioklas von der Umwandlung nichts an seiner Frische eingebůsst hat. Es
gibt keine scharfe Gránze zwischen Gabbro und diesem Uralit-Diorit, weil sich
das ursprůngliche Mineral, der Diallag in solch' bedeutender Menge vorfinden kann,
- dass die Zuweisung des Gesteines zum Gabbro oder zu dem Diorit unausfiihrbar
erscheint. Insgesammt sind aber die Uralit-Diorite doch etwas weniges deutlicher
grůnlich, also dem mittelkórnigen Corsit áhnlich, weil der dunkelbraune oder
dunkelbraungrůne Ton des Gabbrodiallages sich in einen dunkelgraugrůnen um-
© wandelt, wenn námlich die Umwandlung des Diallages in ein Uralit vollzogen ist.
10*
148
Von Bernardov (SO Elbe-Teinic) nach NO, */, km ist an der Gránze
von rothem Granit und Chloritdioritaphanit ein Stock von Uralitdiorit von mitt-
lerem Korne in der Erstreckung von etwa 200“ eingelagert. Weiter NW treten
in tiefsten untersilurischen Phylliten noch etliche wenig máchtige NW streichende
Ginge dieses, jedoch nur kleinkornigen Gesteines auf.
Das mittelkórnige Gestein von důster grůner Farbe hat Gemengtheile,
deren Grósse gegen 2"" betrást; nur die gróssten Uralitsáulen und die lángsten
Plagioklasrechtecke erreichen Lángen von 2", und 4%"". Im frischen Bruch ist
beim Labradorit auch der Stich ins Viollete bemerkbar, wáhrend sich der dunkel-
grůne Amphibol nicht deutlich begránzt zeigt.
Die Zusammensetzung des Gesteines ist sehr áhnlich derjenigen des Gab-
bros von Vinařic, denn 1 gr Substanz gab:
S10, 49:60
A078
FeO, und etwas Fe, 0, bestimmt und gewogen als Fe,0, | 872
CaO 1128
MgO 769
Glůhverlust 162 152
Alkalien unbestimmt. . .. .- —
Wird fůr die Zusammensetzung des Plagioklases diejenige des Labradorites
von Vinařic pag. 143 angenommen, so wůrde das Gestein bestehen aus etwa 50%;
Uralit (und Diallag), 489%, Labradorit und etwa 2%, Biotit, Magnetit, Ilmenit,
Pyrit, Calcit.
Darnach wůrde sich auch die Zusammensetzung des Uralites, wenn der
Glihverlust, dann die Alkalien unbericksichtigt werden und das FeO als Fe, 0;
in Rechnung gesetzt wird, wie folst, berechnen:
SDIO, 473
10000
Fe,0, 171 7%*) (statt FeO, est ist aber der Fe, O,-Halt zu gross)
CaO 109
Mg0 151
Im Důnnschliffe zeigen sich frische Plagioklasrechtecke mit lebhaften
Farben im polarisirten Lichte; dann scharf begránzte oder noch háufger an den
Rándern zerfranste Uralite von fasriger Textur meist ohne, wohl aber auch noch
hie und da mit Diallagkernen, welche nur die zarte Spaltungs-Faserung und
lebhaftere Farben im polarisirten Lichte zeigen. Hie und da zeigt sich accessorisch
ein Rechteck oder ein Lappen róthlichbráunlichen Biotites, dann Magnetitkorner
und Imenitstábe, sowie auch Pyritkórnchen. Das Aussehen des Uralit-Diorites
erinnert ganz an den umgewandelten mittelkórnigen Gabbro von Vinařic.
Zwischen Vinařic und Kojic durchsetzen (etliche 10 an der Zahl) echte
und Lager-Gánge die Glimmerschiefer und silurischen Phyllite des linken Elbeufers.
Der am weitesten VO von Vinařic entfernte Gang im Glimmerschiefer (am náchsten
Kojic zwischen dem Bahnwáchterháuschen Nr. 279 und 280, von 279 flussabwárts
úber 200" entfernt), etwa 3" máchtig, besteht aus einem ganz áhnlichen Uralit-
Diorit, dessen Gemengtheile bis 2'/,"“ und darůber, an Grósse erreichen.
149
Das ganz frische Gestein zeigt stellenweise Diallagspaltungsfláchen, sonst
aber sehr zartfasrigen Uralit und ins blassviollete spielenden Labrador.
Die Zusammensetzung ist unter Nichtbeachtung der Alkalien mit 13 gr
Substanz folgende:
S10, 47-38
A1;0; + Fe,O0, 3223
C0.. 346
MgO 69
Glihverlust | 1'70
Es úberwiegt demnach der grůne Diallag- und Uralitgemengtheil.
Zwei Důnnschliffe zeigten stellenweise wolkig weiss getribten, sonst aber
frischen Labradorit in langen rechteckigen Formen, auf welche polarisirtes Licht
stark einwirkte. Die Zwillingslamellen sind sehr deutlich; hie und da eine Apatit-
nadel von 35""% Breite eingewachsen enthaltend. Der eine Důnnschliff zeigt nur
faserigen Uralit, der zum Theil an den Begránzungsfláchen zerfranst und mit lose
zerstreuten Uralitstábchen begleitet ist, und keinen Dialla© sowie auch keinen
Biotit; der andere Důnnschliff zeigt noch unbedeutende Reste von gelblich gras-
- grůnem Diallag, der aber durch eine ganz důnne Lage von Uralit von grasgrůner
Farbe umhůllt wird; nebstdem zahlreiche faserige Uralite mit Lappen und Recht-
ecken von blassrothlichbráunlichem Biotit. Bei der Drehung des Objectes um 909
úber dem Polarisator (ohne Analysator) ándert die Uralithůlle um den Diallag den
Farbenton bedeutend, wáhrend sich der Diallag nur ganz unbedeutend in der
Farbennuance ándert.
Gewisse Magnetit- und Ilmenitkórner und Stábe stecken in einer Leukoxen-
kruste. Pyritkornchen kommen auch zum Vorschein.
Ahnliche Uralitdioriteánge finden sich auch S und SO von Telčic und
3, km O von Chvaletic (SO Elbe-Teinic) in tiefen untersilurischen Phylliten.
Ebenso an der Strasse von Bernardov nach Zbraňoves, móslich dass auch N von
Vedralka (Franciscahain).
Ein kleinkórniger, grob bankfórmiger Uralit-Diorit mit wenie zelligen Auarz-
klůften durchsetzt und allseitig vom Pláner umgeben, wesshalb seine Lagerungs-
verháltnisse unbekannt sind, befindet sich an dem Wege von Heřmanměstec nach
Nákle, *, km S von Nákle. Im Bruche ist nur der dunkelgrůne Uralit sichtbar,
welcher stellenweise zartfaserice Textur unter der Loupe zeigt.
In Sáuren entwickelt das Gestein Pláschen von CO,. Eine theilweise
Analyse unter Vernachlássigung der Alkalien mit 1:05 und 1:11 g Substanz ergab
NOK BL A009 C one vě re 80
ku kgstusáure loslichese BeCO> > <, ye LAD
a i k B ha 1 7 ep
: BEECO ae MPR
CO rarhiné nach Abzug der CO, der še ange-
fůhrten drei Carbonate. . . . KASKO Se
Mo kostek sla falc dr aá a Va. šla Kána sand k
PYPW s rn sz OE o nero otakál n vdova dajujak 2
S70 lkkě PP dale 3 vá o AL
MCO oka o MS VT 2 MONO S AS SRNÍ
Das gróssten Theils als FeO in der Verbindune enthaltene Eisen ist hier
als FeO, in Summe mit Al;O; angefihrt.
Der Důnnschliff zeigt in grůnen Aggregaten von mehreren mm Lánge
hóchstens 1% lange Plagioklasrechtecke oder ungestaltete Formen, die dann und
wann auch Zwillingsstreichung im polarisirten Lichte zeigen. In den grůnen Aggre-
gaten kommen auch unbedeutende Kórnchen von Plagioklas eingewachsen vor.
Das grůne Aggregat mit lappig oder moosartig verzweisten Rándern besteht
theils aus fasrigen Anháufungen von Uralit, theils aus lappigen Schuppen, welche
wegen des bedeutenden Gliihverlustes, der demnach meist Wasser im Gesteine
nachweiset, auf Chlorit hinweisen. Das grůne Aggregat wáre demnach ein Gemenge
von Uralit mit Chlorit.
In dem Gemenge finden sich gróssere Kórner von Magnetit und kórnige
Anháufungen von Ilmenit in Leukoxenhůllen eingeschlossen.
Corsit.
Dieses Gestein, welches zu den sonst seltenen gehórt, ist im Gebiete der
Karte des Eisengebirges sowie in der an das Eisengebirge anliegenden Gegend
ziemlich verbreitet.““) Es bildet der Corsit daselbst meist Gangstocke insbesondere
an den Gránzen des roth gefárbten Granites mit anderen, entweder laurentinischen
oder silurischen Gesteinen. Die Gangstócke sind zumejist von keiner bedeu-
tenden Lángenerstreckung, obwohl einige recht ansehnliche solche Stócke erkannt
worden sind.
Das schónst entwickelte grobkórnigste Gestein, in welchem die Gemeng-
theile ausserordentlich deutlich zum Vorschein kommen ist in dem kurzen Gang-
stocke "/„ km NO von Částkov, ebensoviel N von Prostějov, etwas mehr als 1 km
S von Žumberg in grobkórnigem rothem Granit eingelagert. Der Corsit an seinen
Rándern von kórnigem Diorittrůmmern eingefasst, bildet hier die kleine Kuppe
(Hóhe 380%). Diesem Gesteine schliesst sich, was den guten Erhaltungszustand
der Gemengtheile und die deutlich kórnige Textur anbelanst, die Gesteinsmasse
des Corsites an, welche, soviel eben in dem bewachsenen Terrain zu entnehmen
ist, einen recht langen Gangstock bildet, indem sie sich im Contacte von rothem
Gneus und grauem Granit oder rothem Granit mit grauem sůdlich von Polom
úber Unter-Brádlo (O) an der Ohebka (Chrudímka), O Vršov bis SW gegen
Polanka hinzieht. Wenn die nachgewiesenen anstehenden -„Corsitmassen wirklich
nur einen zusammenhángenden Gangstock bilden, so káme demselben dem NNW
Streichen nach die Lánge von 7 km zu; die grósste Máchtigkeit wůrde '/„ km
betragen. Das sůdliche Gangstockende am rechten Ohebkabachgehánge, wo es
durch rothen Granit durchsetzt wird, zeigt die oben angerůhmte grobkórnige und
theilweise frische Zusammensetzung.
Andere Gangstócke zeigen wohl noch ein ziemlich grobes Korn, sind jedoch
im Veroleich zu den oberwáhnten nicht mehr so auffallend. Die Umrandung
151
-derselben mit deutlich kórnigem Diorit ist eine allgemein giltige Eigenthůmlichkeit
(derselben. Diese anderen, wohl auch noch grobkórnigen Corsitvarietáten sind an fol-
genden Orten zu finden: Ein rinefórmiges Stockmassiv inmitten aus Serpentin- und
Olivingestein (Troktolit) bestehend mit einem lichten Durchmesser von 3 km und
einer Ringbreite von '/„—1 km, von einem noch breiteren Dioritrine eingefasst, bildet
"den Fuss des 665%—615“ hohen bewaldeten Kuppenhůgels, an dessen N-Fusse
Ransko liegt.
(M Ein nur wenig máchtiger Gang an dem Contacte von rothem Granit mit
| Phyllit des Untersilurs streicht 1"/, km SW von Kladné (O Hlinsko). Zwei, 4 bis
2 km lange, bis "/„, km máchtige Stócke streichen NS der eine unter Srny, der
andere '„ km Ó von Petrkov an der Gránze zwischen Gneus und Gneusgranit
oder rothem Granit (NW Hlinsko). Zwei unbedeutendere Gánge streichen 1'/, km
WNW von Trhová Kamenice an der Gránze zwischen zwei Granitvarietáten. Knapp
„S bei Jančour und *„ km W von Možděnic (SS0 und SW Trhová Kamenice)
sind gleichfalls máchtigere Gánge bekannt; an ersterem Orte ein Contactgang
zwischen rothem Granit und grauem Gneus, an letzterem ist die Entblóssung
unzureichend zur Bestimmung der Lagerung. Je ein Gang-ŠStock ist */, km O
bei Drahotic (NO Nassaberg) und 1 km NW Vršov (SO Seč), an ersterem Orte
am Contact zwischen rothem Granit und Gneusgranit, an letzterem zwischen
rothem Granit und rothem Gneus. S */, km von Kovářov ist ein schwacher Gang
an der Gránze von rothem Granit mit einer Scholle von Gneusgranit in rothem
Granit; 1 km SW von Hrbokov oder 1 km WW von Kovářov (Seč NW) ist ein
bedeutender Gangstock von 2 km Lánge und '/;„ km Máchtigkeit im rothen Granit
an der Gránze mit Gneusgranit. Bei Kraskov NO 1 km (Seč NW) ist ein unbedeu-
tenderer Stock zwischen rothem Granit und zu Ottrelitschiefer umgewandelten
untersilurischen Thonschiefern, eleichfalls in Begleitung mit Dioriten, wie bei
Hrbokov eingelagert. Bei Mladotic schief guer úber die Doubravaschlucht streichend,
ist ein etwa nur 100" —200" und noch weniger máchtiger Gang auf 2km Lánge
an der Gránze zwischen Biotit-Gneus und Amphibolgneus gut entblósst (SS0
Ronov an der Doubrava). In der sůdlichen Fortsetzung dieses Gangstockes "/„ km
-NO Moravan (NNO Vilímov) ist ein Corsithůgel entblósst, die Gránze nicht je
mehmbar. Móglich dass auch NW Zbyslavec (Ronov a. d. Doubrava NO) ein Corsit-
Sang streicht.
; Es ist měglich, dass manche dieser Corsitstocke, in welchen die minera-
logische Natur des Plagioklases als Anorthit nicht náher untersucht wurde, welche
also nur nach ihrer Ahnlichkeit mit andern Varietáten dem blossen Ansehen nach
bestimmt wurden, dem Diorite náher stehen kónnten, wie etwa der Gang “; km
ONO von Seč oder der unbedeutende Gang 1 km SW5 Bistřic bei Včelákov und
andere, die demnach als Corsit áhnlich zu bezeichnen wáren. Dafůr aber kónnten
wieder gewisse als Diorit ausgeschiedene Gesteine wie NO Blatno (bei Hlinsko)
und andere bei náherer Untersuchung dem Corsite anheimfallen. *“)
Es wurden nur die Corsite von vier Fundórtern námlich von Mladotic
(8 Ronov), von Hrbokov (NO Seč), vom Kraskover Jágerhaus (NO Kraskov, NW
Seč), sowie von Ransko und 1—1', km W Ransko, náher untersucht. Da der
Charakter dieser Gesteine doch nur wenig veránderlich ist, wurden desshalb nur
diese vier Fundortern eingehender studiert.
— 872 T =
—— —— u 6.
Ve
152
Der Gang von Mladotice, welcher nach 22"3/, also parallel der Richtung
des Eisengebirges streicht, setzt SSO vom abgetragenen Mladoticer Meierhofe an,-
erlanst im W-Theile von Mladotic (und bei dem gewesenen Hofe), wo er úber die
Doubravathalschlucht ins rechte Ufer úbersetzt, die grósste Máchtigkeit von etwa
Fig. 2.
NO 1: 10000 Doubravka SW
4 Z
Gneus Corsit Amph.-(Gn.
200“ bei sehr steilem Einfallen nach O (Fig. 2). Im rechten Gehánce der Bach-
schlucht verengt er sich bedeutend, indem er bei der heil. Kreuzkirche nur 507 ©
bis 60% Máchtigkeit hat. N von der Kreuzkirche, die auf obercenomanen Schichten ©
steht, wird der Gang von diesen Kreidecgebilden bedeckt und kommt in der Ver-
lángerung seines Streichens an dem S Ende von Ronov (N Korečnický mlýn) noch
eine entblósste Corsitmasse von geringem Umfange zum Vorschein. Der sůdliche
máchtigere Gangstocktheil ist regellos kórnig, der nordliche verengte Theil aber,
besonders nahe der Kreuzkirche (S) zeigt eine grobe plane Paralleltextur, durch ©
unvollkommen parallele Lagerung der Gemengtheile, zu den einander ziemlich
genáherten, nicht mehr so steilen Gangbegránzungsffáchen. Mit diesem Gange in.
irgend einem genetischen Zusammenhange stehen ein ganz kleines Serpentinmassiv
knapp WW an der Mladoticer Můhle und ein Troktolitgestein, gleichfalls als kleines
Massiv, gegenůber der St. Martinkirche (am linken Ufer); beide diese Gesteine sind
am rechten Ufer des Doubravkabaches. Das Hangende des Ganges bildet grauer
Biotiteneus, das Liegende granatfihrender Amphibolgneus. Der Durchschnitt ganz
wenig N vom Šerpentinstock in der doppelten Doubravkabiegune von NNW nach
SSO und wieder nach WW (Fig. 2) versinnlicht die Lagerung. Diorit-áhnliche
Gesteine finden sich an den Gangberůhrunesfláchen mit dem Nebencestein nur in
dem máchtigeren sůdlichen Theile in nicht bedeutender Menge, so dass beinahe
der ganze Gang, mit Ausnahme der wenig ausgebreiteten Gránzlage von Diorit,
aus Corsit besteht.
In dem grobkórnigen Corsitgesteine herrscht Anorthit, nur S von der Kreuz-
kirche, námlich in dem Gangetheile mit unvollkommener planen Paralleltextur und
zwischen dem W Theil von Mladotic und dem gewesenen Mladoticer Meierhof, also
S von Mladotic, úber den Amphibol vor; sonst scheinen beide Gemengtheile, Amphibol
und Anorthit, sich das Gleichgewicht zu halten, wenn auch der dunkle Amphibol
die Farbe des Gesteines bedinget.
Die Beschaffenheit des Corsits an der Oberfláche, das ist in der Masse
der am Gangstockausbiss liegenden wenig veránderten Blócke, wird bei Gelegen-
heit der Beschreibung des Gesteines bei Hrbokov erwáhnt werden, so dass hier
oleich die Beschaffenheit des frischen Gesteines angefihrt werden kann.
Das ziemlich grobkórnice Gestein enthált S von Mladotic stellenweise an
Anorthit reichere Ausscheidungen, wodurch seine dunkelgraugrůne Farbe zu einer
lichten wird. Selbst sehr grosskórnig ausgebildete Ausscheidungen finden sich hier
vor, welche aus grobkornigen zusammenhángenden Aggregaten von ziemlich frischem
155
Anorthit, aus denen man beinahe faustgrosse, fast amphibolfreie Handstůcke schlagen
| kann, und aus kleineren bis kindsfaustgrossen Amphibolaggregaten, welche entweder
| aus ganz reinem, oder nur untergeordnet mit Anorthitkórnern gemeugtem Amphibol
bestehen.
| Nahe am Ausbisse oder in den Klůftchen, welche unter dem Rasen das
| Gestein durchsetzen, findet sich auf demselben stellenweise ein weisser undurch-
sichtiger kreideáhnlicher, důnner erdiger, jedoch nicht abfárbender Úberzug von
Kaolin als Zersetzungsprodukt des Anorthites, welcher an derartigen Stellen auch
schwach weiss getrůbt ist. Der erdig kreideartige Úberzug besteht aus Schiůppchen
-von krystallinischer Form wie der Kaolin und erscheint nur in ganz unbedeuten-
-dem Grade mit Calcit impraegnirt, da er in Sáuren sehr wenig CO,- Bláschen
entwickelt.
Die grobkórnigen Anorthitageregate sind durchscheinend, kleinere Bruch-
-stůcke durchsichtig, blassweiss, bis hóchstens beinahe 1[ Jem. grosse, meist aber
etwas kleinere Spaltunosfláchen zeigend. An den nur ziemlich ebenen Spaltungs-
fláchen von etwas ins Perlmutterartige geneigtem Glasglanz zeigt sich wohl auch
die Zwillingsstreifung auf oP, jedoch nicht so háufig und so gut ausgeprágt, wie
dies bei den andern Plagioklasen der Fall ist. Důnne durchsichtige Splitter schmel-
„zen an den Kanten schwer an und werden dadurch weisslich trůbe. Das sp. G.
betrást 2'7202 (mit 985 g. Substanz). Gewisse Kórner und Spaltungsformen
zeigen schalige Zusammensetzung nach oP. An Spaltungsgestalten wurde unter
| dem Mikroskope gemessen die Neiguneg von oP zu © P m mit 859 20" (aus 5 Mes-
| sungen, statt 852 50" was innerhalb der Fehlergránzen liegt).
| Eine Analyse des nicht bei 1009 getrockneten Anorthites, dessen Glůh-
„verlust und Alkalien nicht bestimmt wurden ergab, nach Rob. Uhlig:
S10, — 42-34
ALO, | 3550
CaO | 1870
M O kopischo Feuchtigkeit, Glihverlust, unbestimmter Rest: 3:46
100:00
Ganz reine durchsichtige Anorthitbrocken bedecken sich in Šáuren mit
kaum irgend nennenswerthen Bláschen von CO,.
| Der Amphibol solcher grosskůrnigen Ausscheidungen zeigt sich in zweierlei
(Varietáten: selten in spáthigen Individuen; háufie in feinstenglie schuppig kórnigen
| Aggregaten.
! Die seltenen spáthigen Amphibole bilden bis 2“ lange und etwas weniger
| breite Individuen ohne Terminationsfláchen mit stark vertikal gerieften oscillatorisch
| unebenen © P-Fláchen. Die sehr ebenen Spaltungsfláchen, die den fůr das Am-
| phibolprisma co P charakteristischen Winkel mitsammen bilden, zeigen nur Spuren
| von vertikalen Strichen, nebstdem aber einen so starken Glanz, dass man bei dem
| Vorhandensein von nur einer solchen Spaltunesrichtung die Spiegelung beinahe
| als dem Diallag áhnlich bezeichnen kónnte. Die Oberfláchenfarbe ist schwarzgrůn
| mit einem Stich ins Bráunliche; důnne Splitter sind schmutzig graugrůn durch-
| scheinend, leicht zu einer Kugel von ebensolcher Farbe v. d. L. schmelzbar. Man-
| chesmal dringen ganz dinne Úberziige von Kaolin zwischen die Spaltunesrisse ein,
154
was jedoch unwesentlich ist. Gewisse Amphibolprismen zeigen auf den Spaltungs-
fůchen bedeutende vertikale Risse und Unterbrechungen, weil dieselben aus parallel
verwachsenen kleineren Individuen in Form von zarten Stengeln aufeebaut sind;
solche Amphibole sind schwárzlich lauchgrůn. Noch andere bestehen nur aus
beinahe parallel verwachsenen dicken kurzen Fasern und dann ist die Spaltbarkeit
bedeutend unterbrochen; die Farbe ist die gleiche. Diese Gruppenkrystalle ver-
mitteln den Úbergang zu den immer im frischen Zustande schwárzlichorůn gefárbten
schuppig kórnigen Acggregaten.
Diese Aggregate, deren Kórner ziemlich parallel oder ganz regellos kórnig
geháuíft sind, zeigen ebene hochstens 1[')""“ grosse, sonst immer kleinere Spaltungs-
fláchen. Durch ziemlich parallele Anordnung der winzigen kurzen schuppigen
Stengel entstehen grobfasrice Individuen. Es kommen die kórnigen Aggregate
auch scharf abgesetzt an den Krystallindividuen von etwas anderer Farbe und
ebenen Spaltunesfláchen vor. Die kleineren Anháufungen von schuppig kórnigen
Aggregaten, welche Krystallkórner nachahmen, sind etwa hanfsamengross.
Die nicht mehr gánzlich frischen Amphibole, also in Gesteinssplittern nahe
der Tagesoberfláche entnommen, werden deutlicher grůn, allenfallsdunkel graserůn.
Der Anorthit aber wird weiss, trůbe.
Die Farbe des Corsites ist bedingt von der Aggregirung der Anorthit- und
Amphibol-Gemenetheile. Sind beide in groben Kórnern im Gleichgewichte ent-
wickelt, so verdeckt der dunkle Amphibol die halb durchsichtigen Anorthitkórner.
Bei vorherrschendem Anorthit bilden die kleineren kórnigschuppigen Amphibol-
Aggregate nur Flecken in dem Anorthitaggregate. Es kónnen aber auch in kórnie-
+
iy AC-
|
,
d
|
|
|
|
:
p.
schuppig-aggregirtem Amphibolen weisse scheinbar untergeordnete Anorthitkórner
zum Vorschein kommen, dann hat das Gestein das Aussehen eines kleinkórnicen
Gemenges.
Unter dem Mikroskope zeigen die grobkornigen Anorthitausscheidungen
bei geringen Vergrósserungen (von 60mal) ausser den Spaltungsfugen und der
schaligen Zusammensetzung nach oP, und auch nach andern Fláchen noch Sprůnge |
in anderen Richtungen, die zufállig sein kónnen. Dann aber nach gewissen Štri-
chen grauliche Háufchen als Einschlůsse, die von einander mehr oder weniger.
weit entfernt sind und im Mittel „"" messen, jedoch auch um das Vielfache
grósser erscheinen. Die Durchsichtigkeit der Krystallageregate im Dinnschliffe
ist eine vollkommene. Die kleineren Krystallindividuen, die zum Durchschnitte
kommen, besitzen Breiten von mehr als "/,„"», wáhrend die grossen Individuen
Dimensionen von 3—5"" aufweisen.
Im polarisirten Lichte zeigen sehr viele Durchschnitte eine bedeutende Zahl
von Farbenstreifen, gewisse aber nur hie und da einen Streifen, was von der
Orientirung der Durchschnittes derselben abhánet. Bei manchen Individuen ist
die Streifenzahl so bedeutend, dass man auf die Breite von „5% sieben verschie-
dene Farbenlamellen, bei 220facher Vergrósserune aber sogar 24fárbige Zwillings- ©
lamellen in derselben Breite von $5"" abzáhlen kann. In der Mehrzahl der Indi-
viduen kommen die Zwillingslamellen nich in so grosser Zahl zum Vorschein.
Viele Individuen vielleicht !—+ aller beobachteten zeigen nur einfache, umd
wegen der bedeutenden Frische des Anorthites demnach lebhafte Farben im polari-
155
Mirten Lichte. Es sind nicht gerade die kleinsten; es zeigte sogar ein 5""“ grosser
ji rystallschnitt nur einen Farbenton. Diese Erscheinung růhrt davon her, dass
»tweder wirklich Individuen ohne hemitrope Ausbildung zum Vorschein dále.
der dass der zufállige Durchschnitt durch eine einzige dickere Zwillineslamelle
Rh durchgeht, ohne eine anliegende zu treffen, oder dass beide Ursachen mitwirken.
ITedenfalls ist die ziemlich bedeutende Zahl der nur einen Farbenton zeigenden
"Auerschnitte bemerkenswerth; es zeigt dies deutlich, dass es nicht die Zwillings-
verwachsung allein ist, welche fůr Plagioklase charakteristisch ist, da es eben auch
FDurchschnitte ohne Farbenbánder gibt (die nicht Orthoklas sind). Am seltensten
/inden sich aber Ouerschnitte mit gitterartig (senkrecht, eigentlich nur nahezu
senkrecht, je nach der Schnittrichtung) sich kreuzenden Farbenlamellen, welche von
einer doppelten Zwillinesverwachsung nach co P w und oP herrůhren.**) Im pola-
Irisirten Lichte zeigt sich die schalige Zusammensetzung vieler Individuen ganz
“leutlich, ausser durch eine schwache oder bedeutende Anderung des Farbentones
auch oftmals durch den Absatz der Zwillingslamellen an den Berůhrungsfáchen
Ider Schalen |
h Ein Důnnschliff aus einem mittelkórnigen Gemenge von Kórnern bis úber
ilimeter Grósse, die aus kórnig schuppigem Amphibol und aus Individuen von
[Anorthit bestehén, zeigte unter dem Mikroskope Anháufungen von vorwiegenden
'Amphibolkórnern neben Anorthitaggregaten. Selten ist in den geháuften Amphibol-
'Ageregaten ein Anorthitkorn zu finden, wáhrend in den Anorthitaggregaten Am-
Vphibolkórner etwas háufiger sind. Die Amphibole mit deutlichem Pleochroismus
izeigen meist grasgrůne (gelblich-, gelblichbráunlich- bis dunkelgrasgrůne) Farben,
sind nicht EAoŠh nur wenig zerfasert; die kleineren Individuen von den Dimen-
slonen '/+ uud +% "", die grósseren Prismen 1%% breit und £"" lang. Die Anor-
(thite mit aneh bedeutender Durchsichtigkeit und děntitchér Spaltbarkeit sind
etwas grósser wie die Amphibolindividuen. Mit den Amphibolen, aber nie im
Anorthit, kommen im Mittel 55""“ grosse schwarze Magnetitkornchen (nicht Py-
jrite, da die grell beleuchteten 'Bruekášialién unter der Loupe dieses Mineral nicht
(zeigen) spárlich, meist vereinzelnt, seltener einige beisammen eingewachsen vor.
Im polarisirten Lichte zeigt der Anorthit neben deutlich mit Farbenbándern
(gezeichmeten Individuen auch einfárbige, letztere aber nicht vorherrschend. Der
'Amphibol zeigt sich etwas zersprungen nur aus einfachen Krystallindividuen be-
"stehend, die dann und wann auch geradlinig begránzt sind. — Zur deutlichen
(Erkennung des Gemenges im Corsite reicht schon die Vergrósserung von 60mal hin.
| Der Corsit, welcher nicht mehr vóllig frisch ist, allein im polarisirten
Lichte noch keine Farbenabschwáchung seiner Gemengtheile zum Vorschein kommen
[lámst, zeiet gewissen Klůftchen nach und in Sprůngen des Amphiboles, sowie an
(den Begránzunesfláchen von Amphibolkrystallen gegen einander oder gegen den
'Anorthit, wohl auch im Anorthit selbst, kleine Aggregate von Epidot, welcher
'im gewóhnlichen Lichte zeisigerůn und pleochroistisch, ziemlich stark chromatisch
! aber im polarisirten Lichte erscheint. Er důrfte ein Zersetzungsprodukt eines,
"oder beider Gemengtheile des Corsites sein. —
Der Gangstock SW Hrbokov, welcher auf mehr als 2 km. Lánge dem
0w Streichen nach, in der Měchtickeit bis 300—350= bekannt ist, wird nordlich
i
:
Je
156
rothem Granit, von einer Scholle von grauem Gneusgranit, und dann vorherv-
schend von grobkornigem Diorit begránzt. Es ist jedoch die Entblóssung keine
derartige, um das Verháltniss des Contactes des Corsites mit Diorit angeben.
zu kónnen, ob námlich der Diorit durch Úbergang mit dem Corsit vereint oder
von demselben scharf geschieden sei. Es ist nur eine, noch durch keine Thatsache
begrůndete Vermuthung das Erstere anzunehmen.
Der Ausbiss des Stockes ist durch grosse Blócke gekennzeichnet, welche
zahlreich im Walde und auf den iHutweiden herumliegen. Die grossen, theilweise
bemoosten Blócke von dunkeler Farbe sind stark narbieg, Erhohungen von dunkel
grasgrůnem, stellenweise rostig geflecktem Amphibol, sowie viele Millimeter tiefe
Grůbchen, bis zu Erbsengrósse bedingen das grobnarbigce Aussehen der Oberfláche.
Die Grůbchen růhren von ganz zersetztem und durch Wasser und Wind weg-
gefihrtem Anorthit her, der gegenůber den hervorstehenden Narbenhóckern des
wetterbestándigeren Amphiboles ein leicht zersetzbares Mineral ist. In einer Tiefe
von 2—3""7 unter der Narbenkruste von Amphibol ist der Anorthit kreideweiss
erdig, aus Kaolin bestehend und nur mit Calcitspuren impraecnirt, wáhrend in
kaum *„ cm Tiefe unter der narbigen Oberfláche schon frischer spáthiger Anor-
thit das Gemenge, mit dem nur etwas weniges dunkler grasgrůnem Amphibol, bildet.
Klůfte im Gestein zeigen, wenn sie nahe unter der Gesteinsoberfláche
entblósst sind, neben etwas kreideweiss gefárbtem Anorthit zuweilen ganz schwache
flechtenartige Úberzůge von halberdigem Calcit, wohl auch Epidotkórner.
In der grobkórniesten Varietát des Corsites besitzen die Anorthitkrystalle
Lángen bis zu 1" und Breiten bis zu ";““; zuweilen kommen nur Kórner ohne
deutliche Krystallform zum Vorschein. In den kleinkórnigsten Gesteinen haben
die Anorthitaggregate nur wenige Millimeter im Durchmesser. Der Amphibol
zeigt seltener prismatische, meist recgellos kórnige Gestalten, die aus zahlreichen
Fasern aufgebaut sind, desshalb ihre Spaltunesfláchen nie eben erscheinen. In den
grob zusammengesetzten Corsiten sind Amphibole dunkel grasgrůn, in den mittel-
kórnigen etwas lichter graulich graserůn, jedoch kórnig ageregirt, desshalb nicht
immer mit sichtbar guter Spaltbarkeit.
Die Anorthitspaltungsfláchen lassen trotz ihrer deutlichen Grósse unter
der Loupe nicht immer sogleich die Zwillingsstreifung erkennen, obwohl gewisse
Fláchen dieselben recht gut zeigen. Es důrfte diese Erscheinung theilweise auf
die nur gute Spaltbarkeit (und nicht sehr gute, wie bei den andern Plagioklasen)
zurůckzufůhren sein. Obwohl die durchsichticen bis halbdurchsichtigen Anorthite
weissliche Farben haben, zeigen sie doch in gewissen Gesteinen einen schwachen
Stich ins Graulichviolette. In den mittelkórnigen Corsiten sind die Anorthitaggre-
gate weiss, nur durchscheinend, weil sie kleinkornig zusammengesetzt sind.
Gewisse Gesteine zeigen Pyritkórnchen in spárlicher Zahl, schon ohne
Zuhilfenahme der Loupe. Dem blossen Anblick nach kann die Zusammensetzung
zu gleichen Theilen aus Anorthit und Amphibol geschátzt werden, wenn auch der
Amphibol den Farbenton im Grossen bedingt.
Der rein ausgesuchte Anorthit, dessen spec. G. nicht bestimmt wurde,
sowie das ganze Corsitgestein in der grobkórnigen Ausbildung, gleichfalls ohne ©
von rothem Granit, sůdlich aber in der Richtung von O nach W gleichfalls a
i Sn o o
157
Bestimmung des spec. G. wurden ersteres mit 1:0 gr, letzteres mit 1:42 gr luft-
ekono: Substanz analysirt.
SE MĚ Anorthit Corsit.
1 810, 4284 Si0, 46:59
vč A1,0; 35.21 A1,0, —- Fe,0; 2812
ně CaO 1707 CaO 1410
Ro MsO Spur Ms0 799
„ Gliůhverlust, Glůhverlust, © 94
'unbestimmte zen 98 unbestimmte Alkalien | 226
i 10000 100:00
ha Die Menge der unbestimmten Alkalien im Corsite důrfte etwas weniges
b edeutender sein als 2:26, weil statt Fe0 in der Analyse das wirklich gewogene
Fe,O;, das im Amphibol nur in geringerer Menge vorhanden ist, eingesetzt wurde.
0 Anorthit enthált auch Alkalien, denn das Verháltniss des O in Si0,, Al,0;,
h a0 ist 4:19:3::89 statt 4:3:1, demnach bei CaO zu wenig.
Wird aus den beiden aňetňkětám Analysen des Anorthites und des Corsites
| (das Mengenverháltniss des Anorthites und Amphiboles in dem Gesteine berechnet,
"so k bibé sich fůr die analysirte Felsart ein Gemenge von 65',9, Anorthit und
: 59, Amphibol; der Magnetit bildet nur ganz geringe Bruchtheile eines Prozentes.
ch fůr den Amphibol kann man die beiláufigce Zusammensetzung berechnen, er
„důrfte aus S10, 53%,
| ALO, (Fe,0;) 147;
| Ca0 8,
ji Ms0 23,
(be stehen. ?*) Doch ist diese herausgerechnéte Zusammensetzung desshalb ver-
|besserungsfáhig, weil fiir die Ableitune derselben der Gehalt an Alkalien vernach-
| lássigt worden ist; und auch die als FeO in der Verbindung vorhandene Mono-
0 ydstufe des mišehis unbekannt und nur als Sesguioxyd mit Al,O; summarisch
| angefůhrt ist. Auch auf den Glůhverlust wurde keine Růcksicht genommen;
(desshalb diese herausgerechneten Ziffern nur relativen Werth besitzen und mit
WVorsicht zu gebrauchen sind.
| Im Důnnschliff zeigen die Anorthite des grobkórnigen (aber nicht des
igrobkórnigsten) Corsites, dessen Anorthit analysirt wurde, deutliche Anorthitkry-
stalle, deren kleinsten bei der Breite von 1"" die Lánge von 3"*, die gróssten
„bel der Breite von 4%% die Lůnge von 8%" besitzen. Dieselben sind rissig, meist
jmach den Spaltungsrichtungen; durchsichtig, nur stellenweise scharf begránzt,
(Weiss getrůbt und ganz rein, ausser ganz seltenen unbedeutend kleinen Kórnchen
ron Amphibol, denen die Spur MgO0 der Analyse des Anorthites zuzuschreiben
jist. Auch Schalenbildung zeigt sich. Ein beobachteter Krystall zeigte zu sechs
(Fláchen (wahrscheinlich 00"P, oo P" o Po) eine Krystallschale, die dadurch deutlich
je Var, dass eine schwach griůnlich grauliche Trůbung mit recht spárlich eingewachsenen
T órnchen von Amphibol, deren bedeutendsten 3%"%" lang und <5*" breit sind, die
KGránzfláche der Schale gegen den Kernkrystall herstellt. dně Zwillinge nach
Vdem Karlsbader Gesetze gebildet, (Zwillingsebene 00 P © ), also mit einer Zwillings-
(maht in der Mitte, sind nachweisbar. Merkwůrdiger Weise zeigt ein grosser solcher
k
158
Zwillingskrystall mit der vorerwáhnten Schale von 1%" Dicke umhůllt nur in Kern-
krystall und der Schale der zugehórigen Hálfte und zwar nur in der einen Zwillines-
hálfte Farbenbánder triklinischer Feldspáthe, wáhrend die andere Zwillingshálfte
bis auf drei kurze, gemeinsam verbundene, kaum ein Viertel der Krystalllánge ein-
nehmende Leistchen ganz einfárbig erscheint. Die mittlere Hauptzwillineslamelle:
lóst sich aber im polarisirten Lichte in drei Farbenbánder auf. Dieses Verhalten
ist ein deutlicher Fingerzeig, dass die andere Zwillingshálfte die mit Ausnahme
des kurzen interponirten Bandstreifens parallel zu o Po ganz einfárbig erscheint
wegen dem erwáhnten Bandstreifen kein Orthoklas ist, und dass wirklicher Anorthit
auch in beinahe nicht zwillingsartig gestreiften, demnach nicht polysynthetischen,
also einfachen Krystallen vorkommen kann. Úbrigens wáre die Verwachsung von
Anorthit mit Orthoklas in zwillingsartiger Form auch gar nicht moglich, ohne
genetische Verháltnisse zu verletzen.
Der Amphibol in unfórmlichen Krystallen oder kórnigen Aggregaten nimmt
den Raum zwischen den Anorthitkrystallen ein. Die krystallinischen Aggregate
scheinen etwas gegen den Anorthit zurůckzutreten. Eine grobe Zerfaserung ist
auch hier fiir Amphibol charakteristisch, welcher verschiedene Nuancen der gřas-
orůnen Farbe aufweiset. Im Amphibol sind sehr spárlich bis „."" grosse Magnetit-
kórner vereinzelnt und noch spárlicher etliche, etwa eben so grosse Pyritkornchen
eingewachsen.
Ein anderer Důnnschliff stammt von einem Gestein, dessen Anorthitkorner
von bis "/„[ Jem Grósse auf der Bruchfláche sehr kleinkornig aggregirt, die da-
zwischen liegenden ausgedehnteren Amphibolaggregate schuppigkórnig und graulich-
grasgrůn gefárbt erscheinen.
Unter dem Mikroskope bildet Anorthit und Amphibol landkartenartig be-
gránzte Fetzen, welche aus krystallinischen Aggregaten von Anorthit und Amphibol
bestehen. In den Anorthitaggregaten finden sich lappige Formen von Amphibol
oder auch kurze Stábchen regellos, jedoch nicht in bedeutender Menge eingewachsen;
die kleinsten Amphibolstábchen im Anorthit sind 35"" lang und halb so breit.
Dessgleichen erscheinen in den Amphibolaggregaten Anorthitkorner, ebenfalls in
ansehnlicher Zahl eingestreut. Manche Amphibole sind fasrig, manche nicht, sie
sind beinahe wie lappig zertheilt, jedoch deutliche Spaltunesfugen zeigend. Ganze
Lappenparthien des Amphiboles enthalten ausser Anorthit keinen anderen Einschluss,
wáhrend wieder an gewissen Stellen-Háufchen von entfernt stehenden Magnetit-
kóornchen mit guadratischen Auerschnitten, von denen die mittleren $5"“ breit
sind, zu beobachten sind. Fárbungen von Haematit begleiten die Magnetitkórnchen
als Zeichen der aufangenden Zersetzune.
Im polarisirten Lichte zerfallen die fetzenfórmig gruppirten Anorthit-
aggregate deutlich in meist fárbig gestreifte, jedoch auch einfárbige Kórner, deren
Mittelgrósse $"“ betrást. Die Krystallkorner des Amphiboles důrften im Mittel
dieselbe Grósse haben. —
Der Corsit oberhalb (NNO) des Kraskov-er Jágerhauses, an welchem
die an dieser Stelle, námlich am nórdlichen Gangulm besonders deutlich zu
Ottrelitschiefer metamorphosirten untersilurischen Grauwackenthonschiefer absetzen,
bildet einen Gangstock, dessen sůdliche Begránzung vermuthunsweise Diorit oder,
|
|
159
-Syenit im Granite ist. Die sůdliche Entblóssung ist nicht deutlich. Die nicht
hedeutende Máchtigkeit, jedenfalls aber zwischen 50—100" ist nicht genauer
bestimmbar.
M Das Gestein ist ganz ahnlich dem grobkornigen Corsit von Hrbokov, die
Blócke oberfláchlich luckig narbig, die Anorthite kreideweiss, jedoch trotzdem schon
wenige Millimeter unter der grubigen Rinde frisch. Im Diůnnschliff sind Anorthit-
kórner und Amphibolsáulen theilweise ebenfláchig begránzt zu bemerken, der Anor-
thit scheinbar vorwiegend mit bis ![“% grossen Fláchen, der Amphibol mit etwas
kleineren Fláchen zum Vorschein kommend. Die Anorthite und Amphibole verhalten
sich sonst genau so, wie vordem erwáhnt wurde, jedoch mit dem Unterschiede,
dass hier im polarisirten Lichte auch gitterfórmige Farben bemerkt wurden, was
nur zufállig ist und gewiss auch bei den Schliffen von Hrbokov zum Vorschein
gekommen wáre, wenn deren noch mehr vorgelegen hátten. Ausserdem ist hier
im Anorthit auch Magnetit in Háufchen zu etlichen nicht sehr genáherten Kórnchen,
der mittleren Grósse von 345"", beobachtet worden. Die Magnetitmenge in diesem
Corsit diůrfte aber eine so unbedeutende sein, dass sie sich erst durch hundertstel
„Prozente fiihlbar machen wůrde. Der nicht beobachtete Pyrit důrfte auch hier
-kaum fehlen. —
s In bedeutendster Menge kommt der Corsit als kranzformige Umhiůllung
-des Serpentinmassivs im Ransker Walde (S Ransko) zum Vorschein. Die innere
- Fláche des Corsitkranzes bildet theils Serpentin theils Troktolit, mit welchen
Gesteinen der Corsit durch Úbergánge, welche dadurch vermittelt werden, dass
Olivin zum Corsite bis zur Verdrángung der andern Gemengtheile desselben,
-hinzutritt, verbunden ist. Die áussere Umhůllung des Corsitkranzes bildet ein
Dioritring, dessen Verháltniss, wegen mangelnden deutlichen Aufschlůssen in dem
durchaus bewaldeten Gebiete nicht náher klarzulegen ist. Wenn ein allmáhliger
Úbergang in Diorit vermuthet wird so hat diese Anschauung eben den Werth einer
-durch anderweitige Erfahrungen móglichen Wahrscheinlichkeit, die jedoch noch
-der Sicherstelluneg entbehrt. Der Corsit durchsetzt aber wie der Diorit die Granite
und Syenitgranite der áusseren Ringfláche des Diorites in schwachen Gángen, wie
© dies vereinzelnt und zwar bei Hutě (W Ransko) angetroffen wurde.
Dieses Gestein des den Serpentin umhůllenden Ringes wird hier kurz nur
Corsit von Ransko genannt werden. Blócke von kleinnarbig luckiger, mit Moos
bewachsener Oberfláche, genau den Blócken von Hrbokov áhnlich deuten die An-
wesenheit des Corsites an. Das Gefiige des Gesteins ist ein deutlich mittelkorniges,
desshalb die Narben und luckigen Vertiefungen etwas kleiner als bei der Hrbokover
Varietát ausgepráct sind. Bei etwas pyritreicheren Varietáten ist die narbige Rinde
mehr rostig gsefárbt; auch Klůftchen zeigen den rostfarbigen Beschlag des Limonites.
© Merkwůrdiger Weise findet man gerade an gewissen Blócken des an Anorthit rei-
ke Corsites unter einer bemoosten Verwitterungsrinde von nur 1“ schon den
- Ganz frischen Bruch des Anorthites und dunkel grasgrůnen Amphiboles. (Gewisse
- Gesteine, insbesondere diejenigen mit iúberwiegendem Amphibol zeigen Pyrit-
kórnchen bis zur Breite von '/„"*“, ja sogar +4"“ dicke, unterbrochene Klůftchen
dieses Minerales. In den deutlich mittelkórnigen, bis beinahe grobkórnigen Gesteins-
160
abarten zeigt der Anorthit auch einen Štich ins Graulichviolette. Sonst stimmt
alles mit dem schon bei dem Hrbokover Gesteine erwáhnten ůúberein,
Zur Untersuchung wurden Proben knapp S von dem Hůttendorfe Ransko
und 1 km W von Ransko, wo der Corsit mit Diorit zugleich zum Vorschein
kommt, gesammelt. i
Aus einem beinahe grobkórnigen Gemenge dieses Gesteines mit vorwie-
gendem Anorthit wurde das sp. G. des schwach ins Graulichviolette stechenden,
sonst halbdurchsichtigen Anorthites mit 27443 (aus 87 ©) bestimmt. Die Analyse ©
mit :85 £ lufttrockener Substanz unternommen, ergab:
S10, 4421
AL 0; 3590
Ca0 1833
MgO Spur
Glůhverlust 05
Unbestimmt "61
10000
Unter dem Unbestimmten sind entweder ganz geringe Mengen von Alka-
lien, oder der analytische Fehler zu verstehen. Dieser Anorthit wáre demnach im
Vergleich zu denjenigen, welche frůher mit ihrer Zusammensetzung angegeben
worden sind, der reinste, da er auch sehr gut dem Verháltnisse 4:3:1, welches
die Sauerstoffmengen der Si0,, Al, O0,, CaO geben, entspricht, indem sich dafir
4:2:85:'89 herausrechnen lásst.
Die zu Dinnschliffen verwendeten Proben zeigten unter dem Mikroskope
meist vorherrschenden Anorthit und untergeordneten Amphibol, trotzdem dass sie
dunkel gefárbt erscheinen, denn nur an einer Probe sieht man schon mit freiem
Auge das Vorherrschen des Anorthites. Die weissen Anorthitparthieen von bis
5—6"" Durchmesser, sowie die bis úber 2" grossen Amphibole lósen sich u. d.
M. im polarisirten Lichte in kórnige Aggrecate auf; bei den Anorthiten messen
die einzelnen Kórner der Lánge nach, die kleinsten bis unter */„"" die gróssten
ber 12/;,==, Beim Anorthit ist die Schalenbildung weniger háufig, dafůr aber tritt
die zwillingsartice Zusammensetzung an gewissen Dinnschliffen auch schon ohne
Zuhilfenahme der Polarisation gut zum Vorschein, indem gewisse Zwillingslamellen
bei schwacher Vergrósserung (etwa 60fach) in der Richtung oo P scharf begránzte
Nebelflecke zeigen, in welchen bei aufmerksamer Beobachtung hóchst zarte schwarze
Stábchen eingewachsen zum Vorschein kommen.
Kleine fetzenartige Parthieen, sowie auch im Mittel ";,"“ breite und ',"*%
lange Amphibolstábe von lichtgrasgrůner Farbe finden sich im Anorthit ganz spár-
lich vertheilt und sind die Ursache, warum die Anorthitanalyse Spuren von Mg0
nachweiset. Seltene Magnetite im Amphibol von geradlienig begránzter lappiger
Form oder fasrig an den Endfláchen zertheilten Kórner, sowie noch seltenere
Kórnchen dieses Minerales im Anorthit sind beinahe ganz belanglos zu nennen,
trotzdem dass sie sich stellenweise zu Háufchen gruppiren. Die Mittelgrósse der
Magnetitkórner ist ';,"". Manche Amphibole zeigen vielleicht Schalenbildung,
denn gewisse Důnnschliffe besitzen im polarisirten Lichte um bráunlichgrůne Am-
pbibolprismen grasgrůne Sáume.
161
Im polarisirten Lichte sind die allermeisten Anorthite stark chromatisch
'gebándert, etliche wenige auch gegittert und nur eine ganz unansehnliche Menge
(zeiet einfache Farben ohne Zvwillingsbánder.
kommen auch in winzig kleinen Gruppen zerstreut vor, aber nicht in allen Dánů“
schliffen. Dann schneiden sie sich unter beinahe rechten Winkeln oder unter
spitzen Winkeln von 30—40* etwa, indem gewisse Štábchen immer zu diesen Rich-
tungen parallel sind. Die Nebelflecke zeigen bei schwacher Vererósserune (60mal)
kaum wahrnehmbare schwarze Půnktchen zwischen den Stábchen; die (Ouer-
schnitte solcher Stábchen stehen schief oder normal zur Ebene des Schliffes,
(indem nur die nahezu zur Schliffebene parallel laufenden stabartig erscheinen.
(Die hěchst zarten Stábchen zeigen auch bei bedeutenden Vergrósserungen von
1220mal, sowie die punktfórmigen Ouerschnitte der im Raume des Anorthites
/ zerstreuten Nadeln, doch nur schwarze Farbe ohne Durchsichtigkeit. Erst bei
55Ofacher Vergrósserung nehmen die Punkte polygonale nicht deutbare Umrisse
an und sowohl Punkte als auch Nadeln scheinen mit tief a Farbe durch.
Die Breite der Nadeln betrágt dann im Mittel etwa „g5g—156o"", die Lángce ist
variabel bis 1%. Dieses Vorkommen der schwarzen (eigentlich býsůneh Nadeln
| oder Stábchen erinnert an das Vorhandensein gleichartiger Gebilde von noch
| nicht sicher gestellter mineralogischen Stellung im Labradorit, nur dass in diesem
die Nadeln weniger zart erscheinen. Erwáhnt muss noch werden, dass sich die
Corsite von Ransko beim Schleifen zu Důnnschliffen nur ausnahmsweise bróckeln
und sonst wie sámmtliche andern Vorkommnisse dieser VPPIANESKUPOEÍ in aus-
| gedehnten angeschliffenen Fláchen haltbar erscheinen.
In gewissen Corsiten und zwar vornehmlich in denjenigen, welche aus
der Náhe der inneren Peripherie des Corsitringes im Ranskoer Walde stammen,
(werden gelbbraune bróckelnde mit Limonit theilweise (unter der Mn terungs-
rinde) gefárbte Kórnchen bis 2"*% Ausdehnung bemerkt, welche im frischen Bruche
| důstere graubraune Farbe besitzen und aus Olivin bestehen. Der Amphibol tritt
bei Zunahme dieses Minerales zurůck, so dass Olivin als Štellvertreter desselben
| anzunehmen ist. Auch hier zeigt sich unter der Verwitterungskruste neben gelb-
braun gefárbtem zersetztem Olivin ganz unveránderter Anorthit. Dieser Olivin-
Corsit bildet das erste Úbergangselied in den Troktolit, welcher den Zwischenring
bildet, der zwischen der Serpentinkuppe als Massiv der Ransker Waldkuppe und
dem Corsitkranz eingeschaltet ist. Leider gestattet die mangelhafte Entblóssung
nicht diesen allmáhligen Úbergane von Corsit in Troktolit, durch Austritt des
Amphiboles und endliche Verdrángung des Anorthites, deutlicher verfolgen zu
kónnen, Unter dem Mikroskope zeigen kleinwinzige Brocken des Olivins (aus
(einem anderen Handstůck), der táuschend an Serpentin erinnert, člerůne Farbe
bei volliger Durchsichtigkeit und Frische.
In dem Troktolite sind die Olivine nicht immer ganz frisch.
| | Die schon erwáhnten zarten Stábchen, welche die Nebelflecken bilden,
11
162
"T'roktolit.
Unter diesem Namen kónnen olivinreiche Gesteine, die neben dem oft
iberwuchernden Olivin noch Anorthit, Bronzit, Diallag oder nur eines dieser Mine- ©
ralien enthalten, bezeichnet werden. Die Umgránzung dieses Gesteinsbegriffes ist
demnach keine genaue und wenn demselben allenfails auch ein anderer Name
gegeben werden sollte, so wird dies von keinem Belange sein. Um dem Gestein
einen kurzen und móoglichst passenden Namen zu geben, ist die Bezeichnung
desselben als Troktolit zutreffend.
Dieses Gestein bildet den zwischen dem Corsitringe und der Kuppe von
Serpentin bei Ransko eingeschalteten Kranz, welcher beiderseits ohne scharfe
Gránzen, nach aussen also in Corsit, nach innen in Serpentin sich allmáhlig
umwandelt. Leider gestattet die nur unvollkommene Entblóssung der Gesteins-
ausbisse in der Waldkuppe von Ransko nicht diese allmáhlige Umwandlung des
Corsites in Troktolit durch Hinzutreten des Olivines, dann in Olivinfels, durch
allmáhliges Zurůcktreten des Anorthites und Amphiboles und endlich in Serpentin,
Schritt fůr Schritt zu verfolgen.
Zwei Varietáten des Troktolites, der in mit Moos bewachsenen Blócken |
im Walde vorkommt, welche hier untersucht wurden, stammen vom alten Wald-
wege her, der vom Opočnohammer nach Peršikov fiihrt, vom Ransko-er Hochofen
genau 2 km SW entfernt.
Der Name Troktolit (Forellenstein) ist ganz passend fůr das Gestein,
welches důstere, tief schmutzie rothbraune fleckige Farben besitzt; in der Tiefe,
wo das Gestein gánzlich frisch anzutreffen wáre, důrfte die Farbe mehr ins Grůn-
liche sich ándern.
Die erste Varietát stammt aus jenem Theile des Troktolitkranzes, welcher
etwas náher der Corsiteránze gerůckt ist. Das schmutzie braun gefárbte Gestein
enthált róthliche Flecke und weisse schriftáhnliche Einsprengungen. Eine geschlit-
fene Fláche zeigt das fleckige Aussehen deutlich.
Im Důnnschliffe herrscht das Olivinmineral, eigentlich dessen Umwandlung
bedeutend úber die andern Gemengtheile vor.
Der Olivin ist jedoch nur mehr in kleinen Kórnchen von 1—,5*" Breite
als Rest in einem netzfórmig sich verschlingenden Maschenwerk vorhanden, welches
aus Serpentin, zu Šchniůren und Netzen angeháuften Kórnchen eines schwarzen
Erzes, vielleicht Magnetit, dann kleinen ausgeschiedenen Nestern von nicht schup-
pigem, sondern erdigem Haematit, aus Flecken und Schnůren von Limonit besteht.
In dem zersetzten Olivin sind eingewachsen Erzkórner von guadratischem
Ouerschnitt bis 1"% gross, vielleicht Magnetit oder Chromit, dann auch zerstreut
auftretende Chloritschuppen bis zur Breite von 5, "*.
Gróssere Kórner im Serpentin zeigen Spaltungsrisse in einer Richtung,
ste důrften entweder dem Diallag oder Bronzit angehóren, was nicht sicher zu
bestimmen ist. Die schriftartig verzogenen eingewachsenen Kórner von weisser
Farbe sind zum gróssten Theil undurchsichtig getrůbt, demnach nicht mehr ganz
163
(tisch; dieselben werden aus dem Grunde fiir Anorthit gehalten, weil dieses Gestein
(pe Úbergang mit Corsit verbunden ist.
-n Eine zweite Probe dieses Gesteines náher den Serpentine entnommen,
zeiet bei ebensolcher fleckiger Beschaffenheit der Oberfláche wieder vorherrschend
7 zersetzten Olivin und das dem Diallag oder Bronzit áhnliche Mineral. Die frischen
Olivinkórner als Rest des Minerales sind zersprungen, die Spriinge durch infiltrirten
Limonit braun gefárbt, sonst aber stecken sie in dem Serpentinnetzwerk, in welchem
die schwarzen Erzschnůre, die rothen und braunen Haematit- und Limonitanháu-
fungen, dann die bis 1'/,*" langen Sáulen des augitáhnlichen, nicht náher deut-
baren, wahrscheinlich auch nicht mehr frischen Minerales eingewachsen vorkommen.
“ Chloritschuppen und guadratische schwarze Erzkórnchen kommen ausserdem noch
7 m geringerer Menge zum Vorschein.
Im beiden Fállen hat man es hier also nur mit einem schon hochgradig
| umgewandelten Olivingestein zu thun.
Klastische Gesteine.
Von diesen wird nur eines derselben, námlich das als
Diorittuff- Conglomerat
auf der Karte ausgeschiedene hier erwáhnt. Das Gestein ist ein Tuffgestein des
Chloritdioritaphanites, welcher kurz immer nur als Dioritaphanit bezeichnet wird.
Es begleitet in máchtigen Schichtengliedern die kurzwee als Dioritaphanite bezeich-
neten Gesteine und lásst sich parallel zur Richtung des Eisengebirges streichend von
Krasnic, úber Litošic, Lhotka bis úber Urbanic, also in einem etwa 3/, Myrm. langem
Zuge verfolgen. Es findet sich aber noch unter iúberlagernden jůngeren (Kreide-
schichten) an andern Orten wie zwischen Přibylov bei Heřmanměstec und Kostelec,
-Wo die Entblóssung das Gestein zu Tage kommen liess. Auch blosse hal
tuffe finden sich vor; dieselben sind aber leicht, sowohl mit echten Aphaniten,
welche nicht mehr ganz frisch sind, als auch mit aphanitischen Grauwackenschie-
fen zu verwechseln.
E Das tuffartige Bindemittel enthált mehr oder weniger bis faustgrosse Aphanit-
gerólle, auch Ouarziterauwacke, Lydit, die sich theils berůhren, theils aber in
spárlicherer Menge zum Vorschein kommen. Das Bindemittel, also der Aphanittuff
hat je nach dessen Frische entweder eine graue Farbe und gewisse Ahnlichkeit
mit frischem Aphanit, oder leckig grůneraue oder selbst blassgrůne Farbe, letztere
im Zustande von schon weiter vorgeschrittener Zersetzung. Mehr zersetzte Grund-
massen sind etwas porós oder kleinluckig, in den Hohlráumen bráunlich gefárbt.
Die bráunlichen und stellenweise fleckenartig auftretenden anderen, meist graulichen
11*
164
oder grůnlichen Farben růhren wahrscheinlich von zersetzten Mineralgemengtheilen
her. Die etwas faulen Grundmassen sind matt, manchesmal mit erdigem Bruche.
Dieses Trůmmergestein vom rechten Bachufer unter Kostelec, dessen Ge-
rólle schon frůher (pag. 134) in der Gruppe der Chloritdioritaphanite eingereiht
wurden, ist auch in der Grundmasse untersucht. Es wurde nur die anscheinend
frischeste, graue sehr feinkórnige Masse, welche nur stellenweise kleine schmutzig
orůnen Fleckchen zeigte, zu einem Diinnschliff hergerichtet,
Die grůnlichen Stellen bestehen aus einer Anháufung von scharf begránzten
Plagioklasrechtecken, deren gróssten die Breite von +" besitzen. Gewisse kleineren
Rechtecke legen sich mit ihren Lángenseiten aneinander, jedoch so, dass sie an
den Enden ůberragen, wodurch gewisse davon stufenfórmig vertieft sind. Die
meisten Plagioklase zeigen im polarisirten Lichte wenig Zwillingsbánder; Schnitte,
die angenáhert zu oo P © parallel gehen, also von breiter und von lang hexago-
naler Form erscheinen, sind nur einfárbig. Die ziemlich lebhaften Farben im pola-
risirten Lichte deuten auf wenig zersetzte Feldspathmasse hin, was auch die
Durchsichtigkeit des Minerales bestátigt.
Zwischen den Plagioklasrechtecken, welche wohl ein Gewirre bilden, in dem
aber doch die Tendenz zu paralleler Anlagerung vieler Leisten ersichtlich ist,
befindet sich das griůne Mineral, welches nach seiner Farbe und dem Dichroismušs,
sowohl fůr Amphibol als auch fiir Chlorit gehalten werden kónnte. Es sprechen
manche Grinde von Gewicht dafůr, es zu dem letzteren Minerale beizuzáhlen, wie
dies auch bei der Deutung des Aphanites von Kostelec pag. 136 schon geschah.
Die graue Masse im Tuffe besteht aus ebensolchen Plagioklasrechtecken,
zwischen welche sich aber schwarzes Erz statt des Chlorites eindránet, stellenweise
auch in Form von sehr zartem Štaub in die Plagioklase eindringt. Im ersteren
Falle sind die Gránzen zwischen Erz und Plagioklas ganz scharf, wodurch der
Unterschied der Farbe beider ein greller wird, was im letzteren Falle weniger
auffallend ist. Nach der guadratischen Form der Staubkornchen zu urtheilen
konnten dieselben auf Macgnetit bezogen werden. Zwischen den grůn und grau
gefárbten Parthieen des Tuffes gibt es keine scharfen Gránzen, da in den mit
Chloritstaub verbundenen Plagioklasen fleckenweise Gruppen von mit Magnetit
getrennten Auerschnitten vorkommen. Flecken von Haematit sowie winzige Háufchen
finden sich spárlich in der Grundmasse.
Unter dem Mikroskope wáre der Tuff von dem frischen Aphanit auf keine
Art zu unterscheiden; die Sicherstellung der Tuffnatur konnte nur nach den
makroskopischen Verháltnissen stattfinden; ein neuerlicher Beleg, dass die Art
der Bildung eines Gesteines unter dem Mikroskope nicht in allen Fállen zu
ergrinden ist.
II.
Das Vorkommen von Mineralien im Eisengebirce.
P An Mineralien ist das eigentliche Eisengebirge, sowie die sůdbohmische
© Gneushochfláche, welche sich SW von dem Gebirge weiter ansteigend ausdehnt,
-nicht reich. Nichtsdestoweniger sind manche Vorkommnisse, sowohl im Eisen-
© gebirce, als in der siidbohmischen Gneushochfláche, insoweit sie auf der geolo-
ischen Karte neben dem ersteren zur Darstellung gelangen konnte, erwáhnenswerth.
- Natůrlicher Weise sind die Gemengtheile von Gesteinen nicht als Mineralien hier
- aufgezáhlt, wenn sie nicht etwa unwesentlich in den Felsarten auftreter.
| Die Mineralvorkommnisse kónnten je nach dem Vorkommen gruppirt
werden in Mineralien aus der gescbichteten Gesteinen der Laurentin- und Silur-
formation, aus Eruptivgesteinen und aus jingeren an's Eisengebirge sich anlehnenden
© Schichten.
| Mineralien der laurentinischen Gruppe des Eisengebirges.
P? Es ist vornehmlich der Gneus, welcher wegen seiner Mineralien ein-
M uossenden Lagerstátten in erster Reihe Beachtung verdient. Am reichsten sind
| noch im Verháltniss zu andern Vorkommnissen solche Lagerstátten, die an die
Náhe des krystallinischen Kalkes im Gneuse gebunden sind. In erster Reihe steht
| das Mineralvorkommen bei Bojanov (Seč O, Nassaberg W), welches an die im
| Gneuse vorkommenden Kalklagerstátten gebunden erscheint.
É Der Gneus des rechten Ohebka(Chrudímka)-Ufers zwischen Bojanov und
| Křižanovic ist zwisehen rothem und grauem Granit als máchtige Scholle ein-
| gezwánet; seinen Textur ist eine derartige, dass er sowohl als Gneuseranit als
-auch als Graniteneus aufgefasst werden konnte. Wegen des Vorkommens von
Kalklagerstátten wurde hier die Benennung Granitgneus fůr den undeutlich schie-
| frigen Biotiteneus, der nur dicke Bánke mit einem NO, jedoch auch SW oder W
© Verfláchen bildet, angenommen. Wůrden die Kalldsbrstůstéh fehlen, so wáre die
Entscheidung ob das Gestein Gneusgranit oder Granitgneus sei, eloviořiá zu treffen.
|
166
Von Chlum (O Bojanov) angefangen finden sich in dem Granitgneuse.
Kalklagerstátten von kurzer Ausdehnung dem Štreichen nach, in der Richtung
von NO gegen SW auf die Lánge von 2 km. Sámmtliche kurze Kalklager stellen
sich als stufenfórmig abgerissene in dieser Richtung hinter einander folgende oft
weit entfernte Reste einer ursprůnelichen Lagerstátte dar; das Streichen derselben
geht vorwiegend von NNW nach 980. Solcher einzelner Kalk-Lagerůberreste
kennt man viel mehr als 6, die meisten sind aber nicht mehr erkennbar, da die
darauf bestandenen Gruben schon seit Dezennien verlassen und mit Wald bewachsen
sind. Nur ein einziger Bruch gestattet noch, sich úber das Vorkommen des Kalkes
nur eine theilweise Vorstellung zu machen. W von Polanka, wo der Granitgneus.
nach etwa 19: mit 609 verflácht, folot die Dehetníkschlucht mit dem entgegen-
gesetzten Einfallen der Graniteneusbánke. Hier ist im rechten Gehánge im oberen
Theile der Schlucht, nicht weit vom rechten Ufer des Báchleins ein Bruch auf
krystallinischen Kalk noch theilweise offen, obwohl er schon lange verlassen dasteht.
Diese Stelle in der Dehetníker Schlucht ist 750 Schritt W von Polanka, oder
genau 1:6 km SSO von Bojanov oder */„ km vom bewaldeten Ende der Schlucht,
bachaufwárts situirt. Im Dehetník bei Polanka also verfiáchen die Granit-
gneusbánke etwa nach 2"/," mit 609 und dazwischen ist ein mehrere Decimeter
máchtiges (kaum 1") Lager von mittelkrystallinischem Kalke aufgeschlossen. Der:
Lagercharakter wird hier nur desshalb angenommen, um die parallele Lagerung.
desselben mit den Granitgneusbánken anzudeuten; die Entblóssung ist keine der-
artige, um mit volliger Sicherheit diese Behauptung aufrecht erhalten zu kónnen.““)
Das sogenannte Lager ist nur auf kurze Entfernung dem Streichen nach bekannt,
(rund 10"), inzwischen verworfen, durch weisse, zertrimmerte bis */„" máchtige
Graniteánge durchsetzt; es setzt gegen S plótzlich an einem weissen nicht máchtigen ©
Granitgange ab und erscheint erst wieder in bedeutender Entfernng vorworfen in
der linken Lehne. Der krystallinische weisse, in důnnen Scherben durchscheinende
Kalk hat bis erbsengrosse Kórner und ist ziemlich rein, die Spaltungsfláchen
zeigen oft zahlreiche Zwillingsstreifung nach —'/, R.
Das Dehetníker Lager ist wegen der Verwerfungen, an denen der weisse
Granit, der den Granitgneus in bis meter- und noch bedeutend máchtigeren Gángen
und Trimmern durchsetzt, so hervorragend Theil nimmt, eine reiche Lagerstátte
von sogenannten Contactmineralien, deren ursprůnglicher Sitz, weil dieselben theil- ©
weise nur von der Halde stammen nicht immer mit der wiinschenswerthen Sicher-
heit bekannt ist.
Im kórnigen Kalke sind Kliůfte, die in der Mitte offen erscheinen, bis zu
8—4 auf beiden Seiten von dem Kluftrisse von kleinkórnigstahligem Amphibol
(Actinolit) eingefasst, welcher vom kórnigen Kalk nicht ganz scharf getrennt ist.
Der verworren kurzfasrige, stellenweise blass lauchorůn gefárbte Actinolit ist an
den Kanten stark durchscheinend und wůrde, falls er etwas weniges kleinkórniger
zusammencesetzt wáre, ein Mittelding zwischen kórnigstengligem Amphibol und
zwischen dichtem Nephrit vorstellen. Nur ist-er nicht so záhe. Wo die Kluft
frei ausgebildet ist, erscheinen kurze diinne Stengel von Amphibol in liegender
Stellung auf derselben. Solche Klůfte sind aber meist mit jingeren Mineralien
bedeckt, so allenfalls mit
167
Albit. Derselbe ist beinahe durchsichtieg, nur schwach graulich gefárbt
J und nahezu mit den Fláchen oo P o angewachsen, indem er Drusen bildet, deren
| Krystalle parallel orientirt sind. Die gróssten Krystalle, aus wenigen kleineren
aufgebaut, haben ganz das Aussehen von Adularen und erreichen Lángen bis zu
1 em bei einer Breite von mehr als 1%. Die Fláchencombinationen sind:
oo'P. 00 P/. 0P. o Po oder o0/P. © P".0P. oP. 2P mw.. Po. oP3'.
Parallel zu oP zeigt sich Schalenbildung bei gewissen kleineren Krystallen. Die
1 Fláchen oo/P. ooFP“ zeigen schwache verticale Streifung, oP aber entweder flache
( Zwillingsrinnen oder Zwillingsstreifung. Ohne diese Streifung kónnten die Gruppen
L oder einfachen Krystalle leicht mit Adular verwechselt werden.
/
Auf dem kleinkrystallinischen, grobfasrigen, blassgrůnlichen Amphibol
| (Actinolit), welcher die Albitkrystalle trágt, sind kleine, hóchstens 1'/,"" dicke
( kurze Sáulen von Apatit der Form o P. oP, als Gruppenkrystalle entwickelt,
blass berggrůn gefárbt, beobachtet worden.
Auf ebensolchen finger- bis zweifingerdicken Unterlagen von kórnig fein-
stengligem Amphibol oder einem Gemenge der kurzen Actinolitnadeln mit Calcit
findet sich auch Pyroxen (Diopsid).
M Der Diopsid bildet lichtgrůnliche oder graulichweisse, an den Kanten durch-
scheinende grosskrystallinische Parthieen zugleich mit verworren bis radial diůnn-
stengligem Amphibol (Actinolit), der den Raum zwischen den Pyroxenindividuen
| einnimmt. Dazwischen stecken auch gróssere spáthige Calcite mit zarter Zwillings-
riefung nach —'/„R und halber Durchsichtigkeit. Der Actinolit hat einen etwas
bedeutenderen Glanz wie die grossspáthigen, weniger glánzenden Diopsidfláchen.
Selbst lange Stengel bis úber Decimeterlange und mehr als Fingerbreite, welche
deutliche Individualisirung zeigen, finden sich vor.
|
|
Diese individualisirten Diopsidaggrecate lassen, wenn sie deutlich zum
Vorschein kommen, eine recht gute Spaltungsrichtung nach oPo, die einen
schwachen Perlmutterglanz zeigt, erkennen. Doch ercibt sich bei náherer Be-
obachtung dieser Fláchen, dass sie weniger als Spaltungsrichtungen, vielmehr als
weniger vollkommene Schalenbildung nach « Pow, theilweise aber auch als
Zwillingszusammensetzungsfláche (oo Po fzu deuten ist. Diese Fláche zeigt sich
nebstdem stark horizontal gestrichelt und zwar in Abstánden von etwa '/„""“ im
„Mittel. „Dieser Strichelung nach ist das Mineral ebenfalls theilbar und erweiset
sich diese Theilbarkeit als Folge der Schalenbildung nach oP. Weil ein jeder
die Schalen, von der durchschnittlichen Dicke von '/, bis etwas úber 1"", trennende
Strich eine, wiewohl geringe aber doch bemerkbare Dicke besitzt, so liegt dle
M zmuthung nahe, ob nicht die Schalentextur nach oP etwa durch verwendete
Ausserst důnne Pyroxenlamelien bedingt ist. Úbrigens ist die Schalenbildung nach
oP beim Diopsid schon bekannt, demnach hier nicht zum erstenmale erwáhnt. **)
Der Winkel oP und oP betrágt 1059 30" was dem Winkel C im mono-
symetrischen Systeme von 749 30" (bei Pyroxen ist C — 74? 11") entspricht. Da
die Fláchen oP und oP nur ganz wenig spiegeln, demnach nur unter dem
Mikroskope gemessen werden konnten, so ergibt sich die durch die Messmethode
bedingte geringe Differenz der Winkelangaben.
ya
——————— P S O,
168
An einem Individuum, welches nach der Fláche oP, die hier die Juxta-
positionsfláche eines Zwillinges vorstellt, gespalten ist, von dér die schaligen Lam-
mellen oP beiderseits abfallen, indem sie in dieser Fláche sich treffen, lásst sich der
Winkel, den sie mitsammen einschliessen, mit 1499 bestimmen. Úm nun úber die
Diopsidnatur des Minerales die vollige Úberzeugung zu gewinnen, wurde es vor ©
dem Lóthrohr versucht; dann dessen spec. Gew. mit 31992 (aus 1:11 G) bestimmt
und endlich die unvollstándige Analyse desselben ermittelt, welche ergab:
BIO, S01 15
CaO 20:24
Mg0 18:15
Der zu 100 fehlende Rest von etwa 3%,9, důrfte den nicht bestimmten
Glůhverlust, Fe- und vielleicht auch Spuren von Alverbindungen vorstellen.
Der Diopsid zeigt verměge seiner lammellar-schaligen Zusammensetzung
nach oP und auch, wiewohl etwas weniger deutlich, nach oo Po die vollkommene
Spaltbarkeit nach coo P nur in solchen Individuen, welche weniger deutlich schalig
sind. Es verhindert demnach die lammellar schalige Zusammensetzung die Hervor-
bringung von Spaltungsfláchen nach coo P bedeutend.
Einige Diopsidindividuen bestehen in gewissen Theilen ihrer Masse, meist
am Rande aus grůnlichen oder auch weissen, feinen parallelen dicken Fasern von —
(. . 0. . - Ů "
etwas anderem, námlich stárkerem Glanze. Es ist dies eine anfangende Pseudo-
morphose das Diopsides in Tremolit, die vom Rande gegen den Kern fortschreitet;
die Tremolitnadeln behaupten die Richtung der Hauptachse des Diopsides.
Es scheint der Diopsid in áhnlichen Klůften vorzukommen, wie der Albit,
oder mindestens in aderfórmigen Nestern, námlich auf der kornigfaserigen Actinolit
oder Tremolitunterlage. |
Mit dem Diopsid, háufiger noch in Nestern im kórnigen Kalke, welcher
an solchen Stellen auch mit dem Tremolit (Actinolitnádelchen) durchdrungen ist,
oder auch knapp an der Gránze mit dem weissen Granit finden sich Nester von
grobspáthigem
Skapolith. Derselbe tritt demnach meist in Contactnestern in derben
bis kopferossen Stůcken auf, welche von schwach gelblichgraugrůn gefárbtem kór-
nigem Kalke bis in fingerdicken Lagen begleitet werden. Die grobkrystallinischen
bis langgezogenen undeutlichen Sáulen des Skapolithes sind an den Spaltungsfláchen
schwach rissig, der Durchscheinheit, dem Glanze nach, ganz dem Skapolit áhnlich
und nicht mit kórnigem Orthoklas, welcher ebenfalls Nester bildet zu verwechsein.
Die angewitterte Oberfláche des Skapolithes, ist in Bruchstůcken, welche lange an
Luft lagen, etwas getrůbt, undurchsichtig.
Der Skapolith ist hier keinesweos selten, trotzdem dass er in Bohmen zum
erstenmale nachgewiesen worden ist. Vor dem Lóthrohr schmelzen kleine Splitter
unter Aufscháumen zu einer durchsichtigen Perle. Die Hárte ist 5',; das specif.
Gew. 26945 (mit "969g bestimmt). Im Wasser entwickelt das Mineral eine bedeu-
tende Mence von Luftbláschen.
Dieses Vorkommen des Skapolithes im kórnigen Kalke als Contactmineral
stimmt mit dem Auftreten dieses Minerales an andern Orten úberein.
169
Orthoklas bildet Nester von krystallinischem Gefiige mit oder ohne
! Skapolith als Gránzmineral. In denselben ist manchesmal auch lauchgrůner Talk
v in Krystallen zu finden, wie derselbe spáter beschrieben werden wird. Ein Theil
' Ouarz findet sich als Gránzmineral zwischen den durchsetzenden weissen
M Granitgángen und dem kórnigen Kalk, oder zwischen Kalk und Granitgneus. Er
|| ist derb, weiss und durchscheinend ; enthált auch Tafeln von blasslauchgrůnem Talk.
| Rhodonit. In den krystallinischen weissen Orthoklasnestern wurden
| als Seltenheit kleine mehr als mohngrosse Kórner dieses Minerales eingewachsen
| jE den.
| Granat (Grossular). Als Seltenheit auf dem verworren kurzfaserigen
Amphibol (Actinolit) in Begleitung mit den vorerwáhnten Mineralien, in dessen
» Klůften er in kleinen gelblichbraungrůnen Krystallen oo 0 aufgewachsen ist.
E pidot in grossspáthigem zwillingsartig gestreiftem Calcit, am Contacte
W mit dem weissen Granit und dem kórnigen Kalk oder im Orthoklas oder Ska-
„polith, wie wohl seltener eingewachsen, ist nur in guergebrochenen Krystallen von
J 1—2"" Breite bekannt. Im Bruche muschlig, diamantartig glasglánzend, die Be-
; gránzungen nur den Fláchen oP, — Poo, w Pow entsprechend. Die dunkelpista-
1 Ciengrůne Farbe, der Glanz und das Verhalten vor dem Lóthrohr lassen dieses
„ hier so seltene Mineral erkennen.
| Im Skapolith findet sich Titanit in kleinen bis 1% langen und */,
| breiten Krystallen eingewachsen, doch sind die kleinen Krystalle viel háufiger als
© die grossen, welche ihrer Grósse nach an die Krystalle von Arendal erinnern. Die
| braunen glánzenden Krystalle zejgen die Fláchen *;P2. oP. Poe.
Im kórnigen Kalke fand sich, jedoch nur ein einziges Mal, demnach als
| Seltenheit, ein eingewachsenes zerbrochenes Individuum von Columbit von den
- Fláchen o P o deutlich, aber vielleicht auch von oo P begránzt, vor. Im Auer-
bruche ist der beinahe eisenschwarze, ganz schwach bráunliche, halb metallisch
glánzende undurchsichtice Columbit von kirschrothem Strich und von der Hárte 6.
Vor dem Lóthrohr wird das Mineral nicht magnetisch, ist unschmelzbar und gibt
eine sehr deutliche Manganreaction. Mehr Proben konnten nicht angestellt werden.
Das als Columbit erkannte Mineral ist das erste Vorkommen in Bóhmen. 39) Wegen
-des verháltnissmássig reichlichen Mitvorkommens von Titanit ist dessen Vorhanden-
sein nicht aussergewohnlich. Ausser diesen Mineralien kommen in der Dehetníker
„Schlucht noch andere vor, welche sich der genauen Bestimmung entziehen.
So werden manche Skapolithe von Aderu eines dem edlen Serpentin
áhnlichen durchscheinenden schwefelgelben Minerales durchzogen. Kórnige Amphi-
bole und Kalke durchziehen an den Kanten stark durchscheinende Trůmmer,
welche blass schmutziggrůnlich ebenfalls an edlen Serpentin erinnern, die sich
aber fettig anfůhlen und durch den Fingernagel ritzen lassen, vielleicht deuten
sie auf dichten Talk (Steatit) oder Kaolin (Steinmark), wiewohl sie auch an manche
Pseudophyte (von Markirchen in den Vogesen) erinnern. Ohne genaue Unter-
suchungen, zu welchen es an reinem Materiale gebricht, lassen sich derartige
Mineralien nicht immer bestimmen. Das Mineral ist vor dem Lóthrohr schwer
170
schmelzbar, demnach vielleicht auch ein nicht homogenes Mineral, etwa Talk mit
irgend einer andern Beimengung.
In weissem kórnigen Kalke erscheinen Adern eines dichten gelblicherauen, ©
gewiss aus dem Kalkstein durch Impraegnation entstandenen Minerales, von Kalk
nicht ganz scharf getrennt, in welchem kleine Kórner von blass honiggelber Farbe,
mattem Glanze im dichten Bruche und geringer Hárte, eingewachsen erscheinen.
Diese Kórner entziehen sich, ihrer geringen Menge wegen, der náheren Unter-
suchung, machen aber den Eindruck, als wáren sie bei ihrer ganz geringen Hárte
Pseudomorphosen vielleicht von Talk oder einem Thon nach Chondrodit oder Augit.
Die Begrůndung wird spáter bei der Erwáhnung der Mineralien des Kalklagers
von Rychnov bei Krouna folgen.
Die alten bewachsenen Gruben auf Theile des Kalklagers im Walde Ochoz,
500 Schritte W von Chlum, im Gehánge am rechten Ohebkaufer, důrften áhnliche
Verháltnisse wie der Dehetníker Bruch gezeigt haben. Auch hier sind die Gánge
des weissen Granites háufig, an denen die Lagertheile plótzlich absetzen.
Ouarz als Contactbildung fůhrt hier eingewachsen důnne unrein licht
orůnlicherau gefárbte hexagonale Tafeln von Talk, wie derselbe schon vordem,
jedoch in kleineren dickeren Tafeln erwáhnt worden ist. Die bis 2«%“ Durchmesser
besitzenden Tafeln sind eben oder etwas gebogen, auf der oP Fláche auch un-
bedeutend runzlig. Der Talk ist wenig, aber deutlich optisch zweiachsig.
Nester von Skapolith, umgeben von dem mit Tremolit durchzogenen gelblich-
grůnen Kalke und mit serpentináhnlichen Kórnchen finden sich auch hier háufig.
In eben einer solchen Scholle von Granitgneus der Třemošnicer Schlucht
(in welcher das Eisenwerk Hedwigsthal liegt), deren linksseitige obere Nebenschlucht
Peklo heisst,*“) ist nahe unter der Peklomiihle, etwa 500 Schritt darunter (W
Kraskov) im rechten Gehánge ein kórniger Kalk bekannt, dessen Fortsetzung gegen
NW am einen nicht bedeutend máchtigen Gang von rothem Granit plótzlich absetzt.
Auch durch weniger bedeutende Granitgánge ist der in seiner Lagerung gestorte
kórnige Kalk durchsetzt. Die Lagerstátte scheint ein Lager zu sein, wiewohl die
Aufschlůsse noch geringen Zweifeln Raum lassen. In den Granitgingen sind auch
mit Biotit umhůllte Kalk- und Skapolithnester anzutreffen. Das Verfláchen des Lagers,
dessen Máchtigkeit bis zu 1'/;"“ ja sogar zu 3“ anschwillt, wechselt von 22" bis
24"/,» mit 20—409. Es ist nur in der Mitte rein weiss, nur mit grůnlichen
Streifen; "/„“ vom Hangenden und Liegenden aber grůnlich gefárbt durch Serpentin
oder Actinolitimpraegnationen. Der kórnige Kalk wird durch fingerdicke Adern von
verworren kórnig-kurzfaserigem Actinolit von graulich-grůner Farbe oder mit
Tremolit von lichterer Farbe durchsetzt. Sowohl in diesen Adern als auch am
Contacte mit dem Nebengestein finden sich Skapolith; die Kliftchen erscheinen
mit schwachen Úberzůgen eines serpentinarticen Minerales úberzogen. Im derben
Skapolith sind auch kleine Titanitkrystalle eingewachsen.
Das Vorkommen von Skapolith erinnert an die Mineralfundorter bei Bojanov.
Im důnnplattigen Glim merschiefer und seinen Úbergángen in Amphibol-
schiefer finden sich nur kleine Granatkórnchen in der Umgebung von Podhořan. In
den Gneusglimmerschiefern W von Mrákotín (zwischen Skuč und Hlinsko auf der
Karte als Glimmerschiefer aufgetragen) kommen gleichfalls kleine Granatkórner vor.
171
V Im OS Fusse der Železné hory sind meist zahlreiche Baue auf Gánge und
| Trůmmer von Limonit zwischen Licoměřic bis Chvalovic (Žlebské Chv. NO
- Ronov) im Betrieb gewesen. Bei Licoměřic entweder in faulem Glimmerschiefer
- oder Phyllit-Glimmerschiefer oder Amphibolitschiefer, was nicht immer nach alten
Pingen genau zu entnehmen ist; bei Chvalovic in einem faulen Gesteine, welches
nicht mehr deutbar ist und das zersetzter Amphibolit oder Diorit sein kónnte,
in Amphibolschiefer. Die Limonite důrften Ganotrůmmer oder Gangnester als
“ Rasenláufer vorgestellt haben; ob dieselben vielleicht der Ausbiss von Magnetit-
trůmmern bilden, kann, weil der Bergbau zum Erliegen kam, nicht behauptet werden,
7 wo nur Vermuthungen nach den an den Halden vorfindlichen Gesteinen gestattet
© sind. Die am spátesten zum Erliegen gekommenen Stollenbaue sind knapp bei
Chvalovic nahe úber der Gránze des schiefrigen Amphibolgneuses und Amphibol-
schiefers úber der Kreidestufe, die sich an den Fuss des steilen Abhanges anlehnt.
Bei Licoměřic finden sich auch Auarznester von kleinkrystallinischer Textur
mit dem dichten Limonit, der hier nesterfórmig vorzukommen scheint. *“)
In den laurentinischen Gesteinen, welche das Eisengebirge in der Náhe des
„ bohmisch-máhrischen Gebirges zusammensetzen, finden sich nur wenige beachtens-
| - werthe Mineralien; so allenfalls im S Theile des Dorfes Krouna (Hlinsko O), wo
k nicht weit von den sůdlichsten Hůtten des Dorfes in einem Biotitgneuse mit aus-
- geschiedenen weissen Orthoklasaugen Biotitglimmerschiefer wechsellagert, in dessen
Wtottarmeren granulitáhnlichen Varietáten grůne Schuppen von Muscovit (Fuchsit)
| und braunschwarze Tur ma linsáulchen vorkoramen. Das Verfláchen dieser Schichten
© hier ist gegen 22" mit 30" gerichtet.
| Zwischen Krouna und Rychnov, jedoch náher zu Rychnov kommen im
kleinkórnigen Biotiteneus mit weissen Kórnern von Orthoklas (Augengneus), der
nach 17%/," mit 459 verflácht, viele schwache, hóchstens etwa 1" máchtige Lager
und lenticuláre Nester von kórnigem weissem Kalke vor, welcher vielfach verworfen
ist und durch zahlreiche weisse aplitische oder kleinkornige, echte, wenig máchtige
Graniteánge durchsetzt und ebenfalls verworfen wird. Nur wenig máchtige Gneus-
schichten trennen stellenweise die Kalklager.
In dem kórnigen Kalke kommt stellenweise ein schuppiges oder grůnliches
dichtes durchscheinendes Mineral vor, welches als Talk zu deuten wáre theils in
Nestern, theils in Klůftchen. Ebenso sind auch Klůfte im Gneus durch grůnliche
- Steatitůberzůce gefárbt, wie auch in den Graniten manche Orthoklase grůnlich
$ gefárbt sind, als wenn eine anfangende Pseudomorphose in Steatit vorliegen wůrde.**)
Ausserdem finden sich bis beinahe erbensgrosse Kórner von blass honig-
gelber und grauschwarzer Farbe, dichter Textur und der Hárte von 1—1'/, im
kórnigen Kalke, welche als irgend eine Pseudomorphose nach Augit oder Chondrodit
zu deuten wáren. Dieselben verlieren im Kólbchen Wasser, werden dabei schwarz,
brennen sich unter Leuchten weiss ohne zu schmelzen und enthalten kein Al,0,.
Winzige Psilomelandendrite sind im Kalke háufig.
In dem kórnigen Kalklager, von 8" Máchtigkeit und NOVerfláchen, von
Javorka im Eisengebirge (O Bestvín), dessen Liegendes weiss, das Hangende aber
graphitisch, dunkel gefárbt ist, erscheinen im Liegenden gleichfalls Serpentinnester.
172
In dem unter Rychnov liegenden Biotit-Muscovitgneuszugse kommen in
Ruda bei Pustá Kamenice (bei Čachnov NNO Svratka) in ganz untergeordneten
Amphibolitschiefern Magnetitanháufungen und Nester vor. *“)
Ebenso wird Magnetit in Einsprengungen im Amphibolitschiefer bei Stru-
žinec (SW Hlinsko) angefůhrt, wo bei dem Hegerhause vor 20 Jahren noch Schůr-
fungen bestanden. Es heisst auch das Hegerhaus „u Rudy“.
In der Hodonínerschlucht, die oberhalb der Peklomůhle in die Ohebka-
schlucht můndet, finden sich W von Nassaberg in der Náhe des Weges nach
Bohmisch-Lhotic in der Thalschlucht in einer kleinen Gneusscholle, welche im
grauen Granit oder Diorit eingeschlossen ist, kurze Gangtrimmer von Limonit
von kaum bauwůrdiger Máchtigkeit. Die kurzen Nesterchen und Gangtrůmchen
von dichtem Limonit in dem ganz faulen Gneuse scheinen auch nur Rasenláufer
zu sein und moglicher Weise ebenfalls an der Gránze von schiefrigem Diorit oder
Nestern von Amphibolit mit Granit vorzukommen. Sie důrften den in Dioriten
eigenthůmlichen Pyriten, die sich gánzlich zersetzt haben, den Ursprung verdanken.
Eine deutliche Entblóssune in dem vielfachen Wechsel von Gesteinen fehlt, desshalb
náhere Angaben ber die Lagerungsverháltnisse unzulássig erscheinen um so mehr
als der Stollen des Versuchsbaues verbrochen ist.
In den Gesteinen im Liegenden des Eisengebirges also SW von demselben ©
ist vornehmlich Granat ein sehr gemeiner accesorischer Gemengtheil in manchen
Gesteinen.
In den schiefrigen Biotitgneusen, welche sich als niedrige Klippen aus der
Kreideniederung von Zbislav SO gegen Loučic (ONO Časlau) hinziehen, erscheinen
ganz untergeordnet biotitarme Parthieen, oder Schichten von Muscovitgneus, oder
Turmalingneus ganz untergeordnet eingelagert. Die schiefrigen Biotitgneuse mit
oder ohne kurze Auarz- oder weissen Orthoklasflasern fůhren in grosser Zahl bis
eigrosse colombin- bis colombinrosenroth gefárbte Granatkórner (Almandine). Zu-
weilen sind die Almandine schalig oder auch kórnig zusammengesetzt mit etwas
Orthoklas durchwachsen, háufig aber mit einer důnnen Orthoklasrinde umhůllt.
In dem ganzen Zuge Zbislav-Chotěboř sind Granate in Gneusen háufig,
so dass eine Aufzáhlung der einzelnen Fundstátten zu weitláufig wáre.
Reichlich sind bis nussgrosse colombinrothe Granate in dem Biotitgneus
und dem schiefrigen Muscoviteneus S und SW von Ronov; noch zahlreicher treten
bis mehr als wallnussgrosse Granatkórner aber im Amphibolgneus zwischen Ronov
und Mladotic zum Vorschein.
Ebenso finden sie sich auch im Granitgneus von Staré dvory bei Lichnice.
Im Amphibolschiefer von Markovic (NW Žleb), sowie auch im Zuge dieses
Schiefers (auch Amphibolgneus) von Kněžic gegen Moravan, dann bei Zvěstovic
sind Epidot-Ausscheidungen in Kórnern und kurzen Sáulen so háufig, dass die
Bezeichnung dieser Schiefer als Epidotamphibolschiefer cerechtfertiot wáre. Bei
Markovic finden sich in denselben ausserdem noch gróssere nesterfórmige bis mehr
als ingerdicke Ausscheidungen von weissem Orthoklas.
In dem Biotit-Amphibolgneus von grobstengliger Textur, der nach 6%,*
mit 58 verflácht, in der Umgebung von Borová sind winzige Pyrrhotinkórnchen
bis zu erbsengrossen Aggregaten angeháuft; mit denselben treten ganz spárlich
173
| auch Chalkopyritkórnchen, die jedoch erst unter der Loupe. sichtbar sind, auf.
| Vornehmlich in dem Hůgel S von Borová, auf dem die Kirche steht, zeigt das
| Gestein die vorerwáhnten Impraegnationen.
| Sůdlicher bis zur Sázava (bei Přibyslav) zeigen biotitreichere Gneuse
wiederum zahlreiche Granatkórner.
In dem Biotiteneus von grobflasriger Textur bei Svratka und Svratouch
finden sich kurze Gangnester von durchsichtigem Rauchauarze.
In der Umgebung von Golčův Jeníkov vornehmlich gegen Siden bis Le-
štinka und Nové dvory finden sich oberfláchlich viele Brocken von wasserhellem
1 Onarz (Bergkrystall) oder von blass rauchgrauem durchsichtigem Auarze, an denen
noch theilweise blass fleischrothe Orthoklasbruchstiůcke oder spárliche gróssere
Schuppen von Biotit haften. Diese durchsichtigen Auarze stammen sámmtlich aus
schwachen Gángen von Pegmatit, die den biotitreichen Gneus durchsetzen oder in
Nesterform auch ausgebildet sind.
jb Ahnliche Rauchguarze finden sich aber auch an andern Orten wie nahe
-der Sázava, allenfalls bei Kácov recht háufig, was jedoch schon weit aus unserem
Gebiete fállt.
Ouarze in lenticuláren Nestern sind in dem flasrigen Biotitgneuse oder
om dem Glimmerschiefergneuse SW vom Eisengebirge in dem S90 bohmischen
- Gneusplateau háufig. Die scharfkantigen Brocken gemeinen Auarzes, welche stellen-
-Weise in den Feldern auf dem Gneusgrunde so háufig sind, stammen aus diesen
E: Nestern.
ZRD U ",, BŘE ZSE: oto m ——
Auch Turmalin in recht ansehnlichen bis fingerdicken Krystallen bildet
einen háufigen Gemengtheil des Gneuses vornehmlich, wenn er etwas Muscovit
- enthált. Auffállig ist die Menge des Turmalines in jenen festen schuppigen Mus-
-= coviteneusen, welche gróssere Kuppen von granitáhnlichem Aussehen bilden, wie
© die Bláníkkuppen bei Louňovic u. s. w. Eine solche Kuppe aus schuppigem Mus-
coviteneus, der áhnlich wie Granit in dicke Bánke zerfállt, ist die Tisí skála
zwischen Časlau und Golčův Jeníkov, in welcher der Turmalin recht háufig ist.
Indessen durchsetzen den Gneus SW vom Eisengebirce háufig auch Tur-
malinpegmatite, deren Bruchstůcke sich an allen Feldwegen finden.
| In dem Biotitgneus n. zw. in der flasrigen und biotitreichen Varietát des-
- selben findet sich zwischen Borek und Kraborovic SO Vilímov, nahe sůdlich von
© der Hauptstrasse ein Lagerstock von Serpentin, der úber 100“ Máchtigkeit besitzt,
- steil nach 2%/," wie der Gneus beinahe saiger verdácht und deutlich bankfórmig
p“ abgesondert ist. Die Bánke gehen parallel zur Schichtung des Gneuses.
Das Liegende des Serpentinlagerstockes ist Eklogit, das Hangende bildet
Amphibolschiefer. Accessorisch finden sich im Serpentin Kórner von zu Phaestin
umgewandeltem Bronzit; die Kliifte desselben sind durch weisse Magnetitanflůge
ausgefůllt.
p a In den Biotitgneusen, die nach 5,—6', mit 80—175“ verfláchen, finden
sich auch kleinere gangfórmige Nester von Serpentin: so bei der Brůcke (Bráu-
haus) NW von Borová im rechten Bachufer, wo dieses Gestein mit eingewachsenen
Kórnern von Bronzit und Pyrop auf viele Schritte Lánge zum Vorschein
kommt, dann irgendwo im N Gehánge der Žáková hora (A 809" schon in Máhren)
174
S von Heralec in Form eines Stockes in den Wiesen des flacheren Gehánges.
Dieser Šerpentin von schmutzig graugrůner Farbe und sehr feinkorniger Textur
ist schon ausserhalb des geologisch colorirten Bereiches der Karte.““)
Bei der Můhle von Stany (SW Hlinsko) kommen in Gneusen und schiclů
rigen Felsitporphyren bis armdicke Auarznester mit kleinstengligen und verworren
dickfasrigen Aggregaten von schwarzem Turmalin vor.
s
Mineralien der geschichteten Gesteine der silurischen Gesteine des
Eisengebirges.
In den Silurschichten des eigentlichen Eisengebirges, in welchem diese
Gesteine bis gegen Slatiňan zu im Zusammenhange auftreten, finden sich ins-
besondere zwischen Bumbalka und W Litošic in den schwarzen phyllitáhnlichen
Thonschiefern der cambrischen Etage A lenticuláre Lager von weissem dichtem
oder feinkórnigem Guarz von solcher Ausdehnung, dass sie selbst auf der Karte ©
aufgetragen werden kónnen. Lenticuláre Ouarznester von geringerer Grósse sind ©
aber, ebenso wie Trimmer und Schniire, sowohl in Grauwacken als auch Grau-
wackenschiefern, Thonschiefern Ouarziten, so háufig, dass dieselben nicht besonders
erwáhnt werden kónnen. In einem bedeutenden solchen nesterfórmigen Auarzlager —
genau W, etwa 100—200 Schritte von Vápenka (bei Semtěš), welches wahrscheinlich
in schwarzem cambrischen Thonschiefer A oder am Contact desselben mit Granit ©
eingelagert ist, finden sich Adern und kurze bis fingerdicke Nester von klein- ©
kórnigem derbem Arsenopyrit, welche unter dem Rasen etwas graulich an-
gelaufen sind und in Klůftchen mit Anfliigen von blassgrůnlich gefárbtem Arsenit
úberzogen erscheinen.
In denselben Thonschiefern der Etage A sind Pyritimpraegnationen recht
háufig; durch theilweise Zersetzung der Pyrite werden die schwarzen Phyllite
brócklig, zu Alaunschiefer verwandelt, sind mit braunen oder citronengelben schwa-
chen Krusten úberzogen wie O von Vinařic (Fig. 3, O von Vinařic bei Stange 225).
Anháufungen von Pyritkórnern oder Krystallen in Form von kurzen Nestern oder
den Schichten nach gehenden Impraegnationsschnůrchen wurden in diesen Gesteinen
vielfach beschůrft und auch theilweise versuchsweise abgebaut: so in der Schlucht,
welche N von Licoměřic ausmůndet, zwischen der Můndung derselben und den
verlassenen Kalkgruben daselbst etwas tiefer unter denselben, im linken Gehánge
genau NNO von Licoměřic etwa 550—600* entfernt. Die schwarzen Thonschiefer
zeigen am Ausbisse braune Limonitfárbungen. Im Walde Stráček NW von dem
Jágerhause bei Zbislavec ist in der Bachsohle Pyrit in Ouarznestern ebendesselben
Thonschiefers A in Kórnern eingewachsen. Sonst sind andere Fundórter nicht
erwáhnenswerth.
Aber auch in den phyllitáhnlichen schwarzen Thonschiefern der Etage Ddy,
welche durch die Citkover, Podol-Prachovic-Kostelecer, und andere Schluchten
entblósst sind, zeigen sich Spuren von einstiger reichlicher Anwesenheit von ein-
gewachsenen Pyritkrystallen der Form o 0 m. Es finden sich hier námlich in
den Phylliten úberall zahlreiche einzelne oder geháufte Hohlráume nach verschwun-
175
selben doch auf die Wůrfelgestalt der einst da eingewachsen gewesenen Pyrite
geschlossen werden kann. Die negativen verdrůckten Hohldrůcke sind bráunlich
© angeflogen. Es ist nicht unměglich, dass unter dem Ausbisse dieser Thonschiefer
die Pyrite wirklich noch eingewachsen anzutreffen wáren.
J In dem kórnigen Kalke, welcher einen Lagerstock in den Phylliten Dd,;
| bei Vápenný Podol-Prachovic bildet, erscheinen Klůfte durch spáthigen Calcit
ausgefůllt oder auch mit Drusen der Form — ",R. o R úberkleidet. Im óstlichen
| © Lagerende ist der Kalk durch eine mit zerriebenem graphitischen Phyllit ausgefůllte
© Verwerfungskluft dislocirt, in deren Náhe im kórnigen Kalke Calcitdrusen der
|
[ denen Pyriten, aus denen trotz der eingedrůckten und deformirten Formen der-
:
|
Form — 2R und auch Selenitkrystállchen vorkommen.
Im kórnigen Kalke der Etage A in der Schlucht von Licoměřic sind in
| Limonit umgewandelte Pyritkórnchen, oder oberfláchlich bráunliche Pyrite der Form
|
o p =- bis 17% Grosse, eingewachsen.
, Aber auch echte Gánge von Mineralien durchsetzen die cambrischen
- Gesteine.
Durch Chvaletic (OS Elbe-Teinic) streicht ein máchtiger Limonitgang
1 in Schichten der Etage A, von dem sich lose Brocken von dichtem reinen Limonit
-am Wege vom oberen Theile des Dorfes gegen Zdechovic reichlich zerstreut vor-
> finden. Aber 55o= WNW von der Mitte des Dorfes aus gemessen, kommt der
-40—50 Schritte máchtige Gangausbiss im Wege gut entblósst zum Vorschein, in
— dessen Streichungsrichtung Erzfundstufen gesammelt werden kónnen. Der Gang
-- besteht aus einer faulen gebleichten Phyllitbreccie, welche durch Limonitschnůre
-- durchsetzt und mit Limonit verbunden ist; im Gange findet sich auch ein gánzlich
$ - aufgelóster, vielleicht granitischer Gang, der durch ein Limonitnetzwerk durchsetzt
- wird. Das Erz ist stellenweise geodenartig, auch aus verschieden fárbigen in
© einander geschachtelten Schalen zusammengesetzt. Das Nebengestein, ein ebenfalls
-— fauler, am Ausbiss gebleichter und aufgelóster Thonschiefer mit steilem NNO Vex-
fláchen zeigt Limonitimpraegnationen, sowie auch citronengelbe Anflůge, die auf
zersetzte Pyritimpraegnationen hindeuten. Im Ausbisse sind kleine Nester von
„Psilomelan, sowie auch Psilomelankrusten auf halb zu Lydit umgeánderten
"Thonschiefern háufig. Ebenso finden sich im lettig aufgelósten Thonschiefer des
-- Gangausbisses unter dem Rasen kleine Knollen von Diadochit mit traubiger
-— Oberfláche. Das ganze Erzvorkommen erinnert ungemein an den Erzgang im W
-— Abfall des Chlumberges bei Mezihoří. **)
In den licht grůnlichorauen cambrischen Grauwacken oder schiefrigen
- Grauwacken sind kurze Auarzgánge oder Klůfte háufig.
| Ganz nahe bei Ledec (N) (SW Choltic) verffáchen die Grauwacken mit
909 nach 1—1'/,*, sind aber transversal zerklůftet; das Verfláchen der transversalen
Zerklůftung, welche in schiefrigen Einlagerungen eine falsche Schieferung hervor-
bringt, ist aber nach 8%/,* mit 64% gerichtet. Klůftchen oder arm dicke Gang-
trůmmer von weissem Guarz von krystallinisch zerfressenem Aussehen in den
drusigen Hohlráumen, stellenweise nach verschwundenem Pyrit braun gefárbt mit
bis handgrossen Nestertrimmern von feinkórnigem Chlorit, durchsetzen die
RzS „O
176
Schichten in Menge, weil die bedeutende Dislocation hier die Bildung vom
Spaltenráumen begiinstigte. Ouarz und Chlorit sind gleichzeitige Bildungen. Selten
fand sich hier auch ein derbes beinahe nussgrosses Korn von Chalkopyrit,
dessen Vorkommen so háufie an Auarz-Chlorit-Gánge gebunden ist. Dass das
schmutzig grůne sehr feinkórnige Mineral wirklich Chlorit ist, zeigt dessen spec.
Gew. von 2:9815 (mit 284g Substanz bei 299 C). ' Der lufttrockene Chlorit hat
beinahe kein hygroskopisches Wasser enthalten, denn úber Schwefelsáure verlor
derselbe hóchst unmerklich an Gewicht; das spec. Gew. bezieht sich auf das
getrocknete Mineral. Die Schuppen des Chlorites von hexagonaler Form haben
die Breite von 5—z54g".
Úbrigens ist in kórnigen Grauwacken sehr feinkórniger (sogenannter dichter)
Chlorit in Auarztrimmern und ebenso mit Limonitimpraegnationen von zersetztem
Pyrit herrůhrend an unterschiedlichen Orten des Eisengebirges anzutreffen.
Abgesehen von den in Šchiefern eingewachsenen Mineralien, wie dem.
Ottrelit im S Abhange der Bučina der zusammenhángenden Silurgebilde im Eisen-
gebirse, dem Staurolith, Andalusit, Granat in der Hlinsko-Skučer, im Granit
eingehůllten Schieferinsel, und bei Nichtberůcksichtigung der zahlreich in Schiefern
auftretenden Auarznester sind in der Schieferinsel bei Kreuzberg (Krucburg) noch.
Mineralien bekannt. |
In den grauen, grůnlichgrauen cambrischen Phylliten oder Glimmerschiefer-
phylliten, also metamorphosirten ehemaligen Grauwackenschiefern, die nach 10*—14%
mit 209—509 verfláchen, sind bei Kreuzberg kleinkórnige guarzige Grauwacken ein-
gelagert. Dieselben erscheinen zwischen Stadt Kreuzberg und dem Kreuzberge
(A 659=) durch zahlreiche seichte Gruben entblósst, in welchen auf kurze Gánge
und Gangnetze oder Gang-Nester von kleinkórnigem (Eisenglanz) oder dichtem
Haematit Tag-Baue gefihrt worden sind. Alle Klůftchen der graulichen fein-
kórnigen Ouarzit-Grauwacke sind mit dichtem Haematit oder wenigstens schwachen
Úberzigen dieses Minerales braun roth gefárbt. In den Hohlráumen des Haematites
sind Malachite in tafelartigen Aggregaten als Pseudomorphosen nách irgend
einem Mineral anzutreffen. *?) Ausserdem finden sich auch schwache Úberzůge,
důnne Rinden oder Aufliige oder auch hanfsamengrosse halbkuglige, sehr dinn
concentrisch schalige Aggrecate einzeln oder vereinigt. Die Farbe des Malachites
ist zwischen span- und smaragdgrůn. Mit dem Haematit findet sich auch Chalko-
pyrit **). Nebstdem zeigen die Klůfte der guarzigen Grauwacke einzelne kugel-
fórmige, oder aus Halbkůgelchen bestehenden diinnen Krusten von schwárzlich
smaragdgrůnem Lunnit. Die Krusten haben bis mehr als Millimeterdicke, die
Kůgelchen sind grósser als eine kleine Erbse. Selbst die reinst ausgesuchten
Lunnitkůgelchen von hóchst zart radialfasriger Textur, oder die klein traubig-
nierenfórmigen Krusten erscheinen mit wenig Malachit verunreinigt.
Die Hárte — 5'/,, das specif. Gewicht konnte, da sich selbst das allerreinst
ausgesuchte Mineral als mit Malachit verunreingt ereab, nicht bestimmt werden
In Essigsáure und auch theilweise im Ammoniak ist er lóslich. Manche Krusten sind
mit einem schwachen Úberzuge von Haematit (mit Limonit gemengt) oberfláchlich
braunroth gefárbt, ein Hinweis auf die jůngere Bildung mancher rothen Úberzůge,
welche in der Regel álter sind als der Malachit und Lunnit.
177
p Eine Analyse mit T 14 g. Substanz ergab:
jé Umgerechnet auf die bei 100%C
H.O bei 1009C 74 getrocknete Substanz
Glůhverlust 1091 PRIPĚTD "ro l OT rod POVORSVÉ
CuO 68:46 DOE VOLTIOPTAO C, TELO TAGS O)
Fe, 0;, P4L0; 374 2.10% PIBGONBN 00. 00
P, 0; 1466 JL, 2 8, 10109 OVV AA
As, 05 Spur ZDE roků S HOZGT BO (D8
Unlóslich (Gangart) | 290 19007915., UHS.. „OTO Sh
10141 10139
Diese Analyse gibt auch folgendes:
Glůhverlust 10:97
CuO 6893
109024200
Pa 6:0
As, 0; „Spur
PRO atArt 291
oder da das Eisensesguioxyd als Limonit vorhanden war, ergibt sich:
Glihverlust des grůnen Minerales 1063
CuO 6893
01108
As, 05 Spur
Limonit | 234
unlósliche Gangart., 291
bi : Der Glůhverlust von 10'63 besteht aus H, O des Lunnites und Malachites
sowie H;O, CO, des Malachites, welcher als untrennbare Verunreinigung mit dem
unnit zum Vasek kommt. Da wegen Mangel an reinerem Material die Menge
der CO, nicht direkt bestimmt werden konnte, um daraus das Mengenverháltniss
A des Malachites bestimmen zu kónnen, musste bei der Berechnung der Analyse
"9 Verháltniss des H+O und CO,, welche der Malachitbeimengung entsprechen
růrden, etwa so gewáhlt werden, dass auf die P, O; Menge ein durch eine ganze
| Z hl ausdrůckbares aeguivalentes Multiplum von A, O entfalle.*“) Es ergibt
si sich dann als Verháltniss des O im H,O, (des Glihverlustes nach Abzug des
1,0, CO, des Malachites) CuO und P, O; wie 610:1121:934 oder 327:6:5,
vas der Lunnitformel entspricht.
Das zur Analyse verwendete Lunnitmateriale wůrde darnach bestehen aus:
jh Lunnit 815, Malachit 13-22, Limonit 2:30, unlóslicher Gangart 2:87, zu-
sar mmen 100: 009.
F
rten beitragen und welche theils kórnig oder porphyrartig ausgeschieden sind,
12
178
wenn auch manche davon, wie die bis fingererossen blassfleischrothen Orthoklas-
krystalle des Gneusgranites O von Slavětín Erwáhnung verdienen.
In dem grauen Gneusgranite der Umgebung von Horní Babákov (NWN
Hlinsko) vornehmlich an der Gránze mit den krystallinischen Schiefern der Hlinsko-
Skučer silurischen Schieferinsel finden sich zentnerschwere weisse Ouarzblócke, als
Trimmer von Gangnestern, auf der Oberfláche. In denselben sind grobkórnig
bláttrige Aggregate von Muscovit eingewachsen, welche entweder áltere, oder
mit dem Auarze gleichzeitige Bildungen vorstellen, da sich unvollkommene Krystall-
aggregate im Auarze, wenn dieselben entfernt erscheinen, als Hohldrůcke abformen.
Selbst kopferosse, kórnig schuppige, nur aus Muscovit bestehende Aggregate finden
sich hier háufig lose herumliegen.
Im SW Abfalle der Kaňková hora, oberhalb Kubíkové Duby und Třemoš-
nice, werden schwache Pegmatiteánge in dem' groben Graniteneuse bemerkt, in
welchen oft ziemlich bedeutende Muscovittafeln, wenn der Orthoklas blassfieisch-
roth; noch háufiger aber, wenn die Gánge weissen Biotitpegmatit vorstellen, gróssere
Biotittafeln eingewachsen erscheinen.
Im Amphibol- und Biotit-Amphibolgneus, der nach 4'/,* mit 267 verflácht,
erscheint S von Ronov, ganz nahe (etwa nur 200 Schritte SW, von der Můhle
„na kořečníkách“ ein etliche Meter máchtiger zertrůmmefter Pegmatitgang, aus
weissem grosskórnigem Orthoklas, blass rauchgrauem, sehr grobkornigem Auarz
und wenig Biotitplatten zusammengesetzt. Am Wege von Ronov zur heiligen
Kreuz-Kirche, knapp SO hinter der erwáhnten Můhle, důrfte der Gang wieder aus-
beissen, aber er scheint hier ein Trumm, das beinahe nur aus Biotittafeln besteht
zu bilden, denn der Orthoklas ist zu róothlichgrauem Kaolin verándert, der Ouarz
unversehrt. Der Biotit (Meroxen) bildet bis thalergrosse und noch gróssere bis
fingerdicke, unvollkommen hexagonale, ebene oder schwach gebogene Platten, die
durchaus leicht unter der Strasse auszugraben sind. Die schwarzgrůnen Tafeln
sind oberfláchlich und in feinen Klůftchen bráunlich roth, durch Thon gefárbt.
In einem weissen grobkórnigen, beinahe an Pegmatit erinnernden Granite,
welcher zahlreiche, wenn auch wenig máchtige Gánge und Trimmer am Berge
Krásný, im Ochozwalde bei Chlum, in der Dehetníkschlucht bei Polanka bildet
und die Ursache von Verwerfungen in den Kalklagern hierselbst vorstellt, sind
kleine bis beinahe linsengrosse graubraune Krystalle von Titanit der Form
2/,P2. oP. +P o háufig eingewachsen.
Der Granit erinnert an Aplit und Pegmatit zugleich, da er arm an deut-
lichen grósseren Biotitschuppen ist, statt welchen oft nur kurze lichterůne Am-
phibolsáulchen den dritten Granitgemengtheil bilden. Der rein weisse Orthoklas
herrscht bedeutend vor, der Ouarz ist nur ganz untergeordnet, blasseraulich, durch-
sichtig. Ob der Amphibol ursprůnglich, oder vielleicht eine Pseudomorphose von
fasrigem Actinolit nach irgend einem Minerale vorstellt, bleibt fraglich, obwohl
das erstere, bei der Frische des Gesteines eine hohe Wahrscheinlichkeit besitzt.
Stellenweise zeigen die Granitgemengtheile eine Tendenz zur Bildung von schrift-
granitartigen Verwachsungen, was das Gestein wieder dem Pegmatit náher růckt.
In diesem Granite mit fleckenweise blassgraulichem Orthoklase und seltenen
grósseren Biotittafeln ist im Kalkbruche der Dehetníker Schlucht auch Apatit
E -——
k oo
179
von schón blassgrůner Farbe, táuschend áhnlich dem DBeryll in der Form o P,
ohne Endflache, von Rabenfederkieldicke eingewachsen vorgefunden worden. Das
sehr seltene Mineral von der Hárte 5, ist in Sáuren lóslich.
Auch im Biotitgneus, welcher glimmerreich erscheint (Glimmerschiefer-
gneus) und zwischen Moravan und Spitic (N Vilímov) langgezogen lenticuláre
Ouarznester eingeschaltet enthált, erscheinen in den Schluchten bei Bučovic ganz
schwache Gánge von Pegmatit, die wenig Tur m alinsáulen, aber dafir nette bis
mehr als 1" breite rhombische Prismen von Muscovitkrystallen eingewachsen
enthalten. |
Eines von den gemeinsten Mineralien auf Klůften im rothen Granit, welches
vornehmlich dort zu finden ist, wo dioritische Gesteine den rothen Granit durch-
setzen, ist dichter Epidot. Krusten bis zu Fingerdicke oder důnne Anflige sind
vornehmlich in der Umgebung von Nassaberg, der Umgebung von Seč (Kraskov,
Žďárec, Rudov, Kovářov) háufig. An die Aufzáhlung sámmtlicher Orte, wo der
Epidot in rothem Granit vorkommt, kann hier nicht eingegangen werden.
In Graniten finden sich auch Impraegnationen und ader- sowie nesterartige
Ausscheidungen von dichtem Haematit, so allenfalls im Dorfe Včelákov selbst,
wo jedoch ůúber das Verháltniss der Impraegnirung wegen unvollstándiger Ent-
blosung keine náhere Angabe moglich ist; dann auch in dem Šteilabfalle des
Eisengebirges zwischen Bestvín und Roušínov, wo vornehmlich der rothe Granit
unter Hoješín, wenn derselbe etwas zersetzt erscheint, durch Impraegnationen oder
Haematittrůmmer und Schnůre durchsetzt wird.
Der Auarz- und Felsitporphyr fůhren kein nennenswerthes unwesentliches
Mineral. Nur in den schiefrigen Felsitporphyren des máchtigen Rtein-
Lukavicer Gangmassivs finden sich etliche Mineralien von Belang. Die grauen
Felsite und Felsitschiefer des Svídnicer Thales enthalten stellenweise zahlreiche
Impraegnationen von Pyrit, sowie bis 2%" breite Pyritwůrfel eingewachsen. Der
oberfláchlich nicht mehr ganz frische Porphyr des rechten Thálchen-Ufers zwischen
Petříkovic und Pohořalka (SW Slatiňan) ist am Wege, welcher von da, námlich
*75—'76 km ONO von Petříkovic, nach Liboměric fůhrt, stellenweise rothbraun
gefárbt und wird durch einen deutlichen, etliche wenige dm máchtigen, aus reinem
dichten Haematit bestehenden Gang durchsetzt, dessen Ausbiss in den Wec fállt.
Fingerdicke Haematitschnůre und Impraegnationen durchsetzen auch den
schiefrigen Felsitporphyr von Bitovan.
Der "56 km ONO von Malé Lukavice entfernte Hiůgel, genannt Podjahod-
nický vrch (A331), der aus hóchst feinkórnigem Felsit besteht, fiihrt in Klůften,
die durch Limonit bráunlich angeflogen sind ausser Schůppchen von Pyrophyllit
auch, wiewohl seltener bis úber Centimeter breite, radial-stengligschuppige Aggre-
gate dieses Minerales. Die stengligen Bláttchen sind perlmutterelánzend und blass
gelblichbráunlich.
In Velké Lukavice (Gross L.) selbst kommt kein schiefriger Felsitporphyr
zum Vorschein, weil derselbe zur Gánze verfault, und in ein schiefriges, dem
ersten Anblicke nach an Talkschiefer erinnerndes, nicht bedeutend festes Gestein
umgewandelt ist, welches aus zarten, blass gelblichgrauen Schůppchen von Pyro-
phylliit und GAuarzlagen oder gedehnten Auarzkoórnern besteht. Dass die hochst
12*
|
180
zarten Schůppchen nicht Talk, sondern Pyrophyllit (ein Zersetzungsprodukt des
verfaulten Orthoklases) sind, ergibt die Untersuchung, indem dieselben Al;0,
enthalten und nach dem Verluste von :419/, H,O bei 1009 C, bezogen auf das
lufttrockene Mineral, einen Gliůhverlust von 5:199% (aus '/,„ g) erleiden. Das Wasser
entweicht schnell aus dem Minerale, wenn sich dasselbe auch nicht aufbláht, wie
die bláttrigen Varietáten desselben (bei Talk wird das HO erst bei lange anhal-
tendem Glůhen verjagt). Stellenweise zeigt der Pyrophyllitschiefer keine Auarz-
kórner, stellenweise tritt das umgekehrte Verháltniss statt. In dem Pyrophyllit-
schiefer selbst, oder in der Náhe der Auarznester, die darin oft zum Vorschein
kommen, oder auch in den Auarznestern findet sich Pyrit in Krystallkórnern, oft
bis zur gánzlichen Verdrángung der Schiefermasse gedrángt vor, meist aber.in
einzelnen Kórnchen zerstreut. Die Form gewisser, deutlich krystallisirter Pyrite ist
entweder 00 O o oder auch — E deren gróssten bis 1©% im Durchmesser breit
sind. Sonst erscheinen auch Einsprengungen dieses Minerales. Alles Nábere darůber
wird im III. Abschnitte folgen, der dem Bergbaue zu Lukavic gewidmet sein wird.
Úbergánge von frischen schiefrigen Felsitporphyren in diese Pyrophyllit-
schiefer finden sich bie Skrovád, indem sich in der Porphyrmasse důnne, parallel
gelagerte Membranen von schuppiger Zusammensetzung zeigen.
In schiefrigen ganz faulen graulich gebleichten Gesteinen, von denen es
nicht sicher ist, ob sie eine Phyllitscholle oder schiefrige Felsite waren, NO bei
Licibořic sind nahe der Granitgránze auch Baue auf Haematitimpraegnationen
durch Pingen angedeutet. Eine Bedeutung důríte das Vorkommen nicht haben.
Im Syenit von Kraskov (SO, von Ždárec NNO, von beiden Orten beinahe
oleich weit etwa 1 km entfernt) finden sich im rechten Ufer des Zlatý potok in
dessen nicht flachen Ufern bedeutende Nester eines Epidotgesteines, welches aus
Ouarz, dichtem Epidot, braunem Granat in bis faustgrossen Gemengtheilen
besteht. In dem Epidotgesteine erscheinen schwache weisse Calcitadern von faseriger
Textur. Klůfte des Syenites úberzieht Epidot in áhnlicher Weise wie im rothen
Granit; auch Pyritkrystállchen fůhren dieselben. In den Epidot- oder Epidot-
guarznestern sind nun Impraegnationen von Magnetit háufg, stellenweise sind
die Magnetitkorner so gedránst, dass sie derbe nesterartige oder gangartige Aus-
scheidungen bilden ; theils sind sie an Epidot, theils an Granat gebunden. Zahlreiche
kleine Pingen von da gewesenem Bergbaue **) deuten die Richtung des Streichens
dieses magnetitfihrenden Epidot-Granatgesteines im Syenit an, welche sich stellen-
weise von O nach W gehend, erkennen lásst.
Der Titanit in diesem Syenit, welcher winzige Krystállchen bildet, der
aber auch in DBiotit-Amphibolgranit von Hutě (b. Ransko) und an zahlreichen
andern Orten in Syenit und Diorit vorkommt, ist schon bei den betreffenden
Gesteinen jm Abschnitte I. genannt worden.
Die im Diorite und zwar in der kórnigen Varietát desselben, gleich-
giltig, ob er echter Diorit oder Uralit-Diorit sei, vorkommenden accessorischen
Mineralien wie Magnetit, Pyrit, Pyrrhotin, Ouarz, werden hier nur dann erwáhnt,
wenn sie in auffálligerer Menge vorkommen, denn das Vorkommen derselben ist
in gewissen Fállen selbstverstándlich.
181
Im Diorite des Zuges Božov-Hořička (Hůgel) finden sich ausser beinahe
durchsichtigen eingewachsenen Auarzkórnern bis mehr als Erbsengrósse von blass-
bláulichmilchweisser Farbe, welche dadurch an Cordierit erinnern, noch Auarze
in Krystalldrusen als Ausfůllung von Klůften. Ebendaselbst und zwar in den
Hůgeln von der Podbožover Můhle bis zum Hořičkahůsgel sind in Klůften federkiel-
bis beinahe fingerdicke Epidotkrystalle, meist nur mit vóllie entwickelten hori-
zontalen Prismenfláchen, oder krystallinische Úberzůge sehr háufig. Der Epidot
gehórt úberhaupt zu den háufigen Mineralien im oder auf kórnigem Diorit, so
findet er sich in Kórnchen im Epidot von Trpíšov; im schwarzen, aus Blócken
angeháuften kleine, niedrice Kuppen bildenden Diorit S von der gewesenen Kies-
Pochmiůhle bei Malé Lukavice aber finden sich Amygdaloide von Erbsengrósse,
welche aus radialfasrigem Epidot bestehen. Der ziemlich kleinkórnige Diorit fůhrt
noch ausgeschiedene Amphibole auch Pyrit, selbst bis in nussgrossen Aggregaten,
etwas seltener Pyrrhotinkórner. Weitere Epidotfundorter im Diorit werden nicht
aufgezáhlt.
Ebenso háufig findet sich in eingesprengten Kórnern Pyrit. Besonders
reich an solchen Einsprengungen, welche selbst in den kleinsten Brocken des Ge-
steines nicht fehlen und bis nussgrosse Anháufungen bilden, ist der feinkórnige
Diorit, welcher zwischen Vejsonín, S Malé Lukavice, dann ONO Malé Lukavice
im Žumberger Thale, einen oder mehrere Gangstócke bildet. Bei der Můhle in
Svídnic finden sich in Dioritaphanit und Felsit bis 2""* Kantenlánge messende Pyrit-
wůrfel háufig. Es braucht nicht eigens erwáhnt zu werden, dass der Ausbiss des
Dioritgangstockes braun gefárbt ist.
Der Pyrrhotin, so háufig derselbe in Dioriten in kleinen Kórnchen
auftritt, bildet in demselben doch nicht háufig kórnige Anháufuncen. Erwáhnens-
- werth ist ein Gang von schwarzgrůnem mittelkórnigem Diorit mit etwas Olivin,
welcher im Ransker Walde, in der Nikolaizeche nahe der Můndune des Stollens
auftritt, in Kliůften stark braun gefárbt ist und in welchem Pyrrhotinkórnchen,
Pyrit, seltener Chalkopyrit ja sogar Arsenopyritkórnchen bis hochstens
hanfkorngrósse so reichlich eingewachsen sind, dass sie einen bedeutenden Bruch-
theil der Gesteinsmasse ausmachen.
Durch den westlichen Theil des Dorfes Včelákov streicht ein viele Meter
máchtiger, kleinkórniger, mit Pyrit impraegnirter Dioritgang etwa von N nach £.
Derselbe zeigt sich in einen mit Wasser ertránkten Tagbau und Schachteinbaue im
Dorfe selbst, in der Náhe des durch Haematit gefárbten Granites. Aus dem Diorite
wurden einst Pyrrhotin, dann andere Erze, Chalkopyrit ““) und Galenit ge-
wonnen. Es kann úber die Art des Vorkommens, nachdem keine Anhaltspunkte mehr
vorliegen, kein Urtheil abgegeben werden, wahrscheinlich waren es Nester und
Impraegnationen. Der Pyrrhotin kam in bis faustgrossen, derben, etwas schalig aus-
gebildeten Massen vor, welche als unverwendbar galten, da aus den Haldenstůcken
Gartenmauern aufgefiihrt wurden. Dass auch Galenit hier gewonnen und daselbst
verschmolzen wurde und wahrscheinlich das eigentlich werthvolle Mineral dieses
Bergbaues vorstellte, von dem die Daten so důrftig sind, folgt daraus, dass im
Wege nach starken Regen noch Bleitropfen als Reste der gewesenen Schmelzwerke
aufzufinden waren.
182
An der Ohebka u. zw. im linken Ufer finden sich in kleinkornigen Dioriten,
die mit Syeniten und Syenitgraniten die rothen auch grauen Granite hier durch-
setzen, besonders zwischen Řeka und Mezisvětí S unter Křižanovic (NW Nassaberg)
im Ufer selbst Pik rolitůberzůge (Serpentin) in důnnen Klůften. Da Pikrolit nur
in Serpentinen zu treffen ist, so ist dieses Vorkommen bemerkenswerth. Bei Řeka
findet sich in kórnigen Dioriten kleinkórniger Chlorit in kleinen Hohlungen
und Klůftchen.
In Zersetzung begriffene Diorite bei Ransko, sowie Diabas bei Chrtník
fůhren in Klůften spáthigen Calcit háufic.
Die aphanitische Ausbildung des Diorites der Chlorit-Epidot-Diorit fůhrt
in Mandeln bis zu Nussgrósse dichten Epidot, wie S bei Lhota (W Choltic).
Im Corsite sind nur die grósseren Ausscheidungen von Anorthit erwáh-
nenswerth, wie sich solche neben grósseren Amphibolnestern bei Mladotic finden.
Es lassen sich sogar Formatstůcke schlagen, welche beinahe durchwegs aus reinem
weissen, durchscheinendem, grobkórnigem Anorthit bestehen. In allem anderen
wird auf den Corsit pag. 150 verwiesen.
Im Gabbro von Vinařic sind nebst dem schon erwáhnten Pyrrhotin auch
kleinkornice Chlorite und Plagioklaskrystalle in Gangklůftchen háufig.
Der Serpentin, welcher in einer unbedeutenden stockfórmigen Masse
in Mladotic (einige Schritte NW der Můhle) licht- bis důstergraugrůn gefárbt,
orobbankformig abgesondert, unter dem Rasen ziemlich zersetzt vorkómmt, enthált
noch kleine Olivinkórnchen. Nebstem aber Bronzit in krystallinischen kleinen
Kórnern und Chromit in winzigen Kórnchen eingewachsen. Der etwas zersetzte
Serpentin unter dem Rasen fůhrt weisse Ma gnesitknoten und Úberzůge; frischere
Gesteinsbánke sind durch fingerdicke Schnůre von spáthigem Calcit durchzogen,
andere wieder durch Gymnit von schmutzig gelblichgrůner Farbe ausgefůllt.
Der an den Kanten schwach durchscheinende, schimmernde, fettelánzende, ziemlich
leicht zerbrockelnde und unvollkommen muschlig brechende, mit zahlreichen
schwarzen Psilomelanklůftchen durchtrůmmerte Gymnit hat, rein ausgesucht
das sp. G. von 24400 (aus 125 ©). Er ist mit zahlreichen mikroskopischen
Poren durchzogen, da er im Wasser bedeutende Mengen von Luftbláschen ent-
wickelt. Das hier gefundene spec. Gew. ist gegenůber den sonst fůr Gymnit
angegebenen Zahlen von 194—231 zu gross, was vielleicht auf den oberwáhnten
Umstand, der nicht bei allen Gymniten sich einstellt, zurůckzufůhren sein důrfte;
měglich dass dies auch auf andere Verunreinigungen, welche in amorphen Zer-
setzungs-Mineralien so háufig vorkommen, bezogen werden kann. Manche der
erwáhnten Calcitadern in etwas frischerem Serpentin enthalten in der Mitte eine,
wenige mm dicke Lage von grůnlichgrauem Gymnit, der demnach erst nach erfolgter
Calcitbildung die Adern ausfůllte.
Unter dem Rasen ist stellenweise der Serpentin ganz in einen gymnitischen
zersetzten Serpentin umgewandelt, in welchem kleine Nester von weissem Auarz,
eines im zersetzten Serpentin so seltenen Minerales aufeefunden worden sind. An
den Berůhrungsstellen mit den Auarznestern finden sich in dem zersetzten Serpentin
griůine Schuppen, die man sonst als Chlorit zu bezeichnen pflegt, welche aber auch
Pennin oder Talk sein kónnten.
183
Die aus schmutzig graubrauném, oberfláchlich etwas luckigem Serpentin
- bestehende bewaldete Kuppe von Ransko, um welche ein Troktolit-, dann ein
Corsitring die Serpentinbegránzung bilden, enthált trotz der Entstehung des Serpen-
tines aus Olivin doch wenig fůr den Serpentin charakteristische Mineralien. Viel-
leicht ist die Umwandlung des Serpentins schon eine zu bedeutende. Nur Klůftchen
mit dichtem Magnesit und mit Pikrolit sowie Marmolit zeigen sich in demselben,
wie an der Malá louka auf der Kuppe. Auch lanefaseriger Chrysotil soll im fri-
scheren Serpentin unter der Erzdecke in der Nikolaizeche vorgekommen sein.
Besonders bemerkenswerth fůr den Serpentin ist dessen Úberlagerung
durch Decken von erdigem oder oolithischem Limonit, dessen Máchtigkeit etliche
š Meter betrágt. Es sind diese ausgedehnten Limonitdecken ein Gegenstand sehr
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regen Bergbaues gewesen und wird das Náhere darůber im III. Abschnitte folgen.
Mineralien der jůngeren an das Eisengebirge sich anlehnenden
Schichten.
In der Insel von permischen Sandsteinen und Conglomeraten von theil-
weise lockerem Zusammenhange sind bei Nouzov am NO Fusse der Kaňková hora
(NW Seč) Nester von dichtem Auarz, Hornsteine námlich, von róthlichen oder
bráunlichen Farben zu finden. Dieselben liegen zerstreut im Walde und stammen
aus aufgelósten Schichten.
In den Schichten des Kreidesystems, welche das Eisengebirge umfassen,
finden sich Mineralien vornehmlich in den tiefstem limnischen Schichten der unter-
cenomanen Stufe (Perucer Schieferthone). Wo diese tiefsten Schieferthonschichten,
die zu Thon zercehen, allein oder mit zu Sand oder Kies zerfallenen Resten der
úber ihnen lagernden Auadersandsteine (Perucer Auader) zu Tage treten, dort finden
sich oberfláchlich kleine Nester von thonigem Limonit zerstreut. Diese Limonite
bilden Knauer, dann Impraegnationen in dem Thon oder in eingelagerten Sand-
steinlagen und důrften frůher Sphaerosiderit gewesen sein. In dem Rande der
tiefsten Schichten des Kreidesystems, welche im Bogen von Načešic, Vlastějov etwa
úber Vyžic nach Kostelec (SW Heřmanměstec) sich schleppen, sind derartige Erz-
anháufungen durch bis 6" tiefe Scháchtchen (Duckeln) zahlreich aufgeschlossen
und unter der nicht máchtigen weissgrauen Thonlage gegraben worden *').
In dem Gehánge zwischen Kostelec und Skutíčko (bei Skuč) sind diese
tiefsten untercenomanen sandigen Schieferthone und durch Erze impraegnirte Sand-
steinlagen, mit Haematit und Limonitknauern róthlich gefárbt, darůber folgen
erst die weissen oder graulichen Schieferthone und Sandsteine, in welchen sich
Schmitze, Lagen und Nester von schwarzem Lignit finden. Meist stellen die
Lignitnester die Form von verdrůckten Baumstrůnken manchmal als Protopteris
erkennbar vor, sind sehr rein, muschlig brechend, glánzend, demnach dem Gagat etwas
áhnlich. Leider ist das Vorkommen dieser Nester von Braunkohle ohne jeden prak-
tischen Werth. Zahlreiche Schirfungen auf diese schwachen Nester haben dieselben
bei Skutíčko, Peralec, (O0SO Richenburg) in der sůdwestlichen Terasse des Okrou-
hlíkberges bei Hlubokov (S Kreuzberg), 1"/, km SO von Vojnoměstec nachgewiesen.
184
Wo die Schichten des Kreidesystems jetzt gánzlich vorschwunden sind, finden sich in
geschůtzten Lagen in Vertiefungen oder in Gesteinsklůften noch Reste der Limonite
als Bindemittel von Sand- oder Geschiebkórnern, von Guarz oder Phyllit, wie dies
den allertiefsten untercenomanen Schichten entspricht, vor. Solche Erznester und
Knauer sind in der Čertovina (NO Hlínsko) auf Lyditen und Phylliten zu finden,
indem daselbst jede andere Spur der gewesenen Úberlagerung durch Kreideschichten
verschwunden ist. ó
In der Náhe der aus Baumstrůnken bestehendén Kohlenschmitze fanden
sich in den dunkel gefárbten Schieferthonen in Skutíčko, als daselbst vor Decennien
noch geschůrft worden ist, halbdurchsichtige, dunkel honiggelbe bis bráunlich
hyacinthrothe, ziemlich feste, muschlig brechende bis kindskopfegrosse Knollen von
Succinit vor, welche nur oberfláchlich unter der sandigen Thonhůlle etwas
matter gefárbt erscheinen.
In den weissen Schieferthonen und Thonen — die ebenfalls fingerdicke
Limonitpláttchen einschliessen — in welchen die Kohlennester in Peralec eingelagert
sind, erscheinen bis nussgrosse Marka sitkrystallgruppen. Einzelne Fláchen der bis
erbsengrosse Krystalle von der Form Poo.Po oP erscheinen durch kleinere Pyrit-
krystalldrusen aus einzelnen parallel verwachsenen Krystallen der Form O úber-
kleidet. —
In dem tertiaeren Basalt und der Basaltwacke von Košumberg, welche noch
auf die Karte des Eisengebirges fallen, finden sich bis haselnussgrosse O li vi nkórner.
Die allerjůnesten tertiaeren, das ist die alluvialen Bildungen sind der
Calcit als Kalktuff in Decken gelagert unter der Dammerde im Žehušicer Parke
(NON Čáslau) und der Fichtelit zu erwáhnen. Letzteres Mineral findet sich in den
Kliften der Wurzelstócke des nur wenig nachgedunkelten Holzes der Pinus uligi-
nosa Neum. (Pinus obligua Suter) in dem Radostíner Torflager (S Vojnoměstec).
Die erwáhnte Pinusart wáchst jetzt noch an diesen Stellen. Die meist den Jahres-
ringen nachgehenden Klůfte des Wurzelstockes enthalten die diinnen lamellenartig
krystallinischen Krusten des weissen bis graulichweissen Fichtelites.
Die Sandanschwemmungen des Zlatý potok fůhren unter Kraskov Geschiebe
von Rutil, Turmalin, Granat, Pyrop, deren urspriůngliche Lagerstátte nicht
bekannt ist, obwohl sie nur aus der Thalweitung N von Seč stammen kónnen.
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III.
Das Vorkommen von einigen Lagerstátten nutzbarer Mineralien
im Eisengebirce,
Berebau wird im Eisengebirge, námlich in dessen SO-Fortsetzung nur in
Lukavic, dann aber auch bei Ransko — hier orographisch schon in der Gneus-
hochebene des ostlichen Bóhmen, jedoch sehr nahe dem Eisengebirge — gefiůhrt.
An ersterem Orte ist es Pyrit, an letzterem Limonit, welche den Gegenstand des
Berebaues bilden und schon desshalb eine náhere Beschreibung verdienen, weil
die Kenntnisse úber beide Lagerstátten bisher mangelhaft waren.
Der Pyrit (Kies)- Bergbau zu Lukavic.
In der Umgebung von Lukavic herrschen schiefrige Felsitporphyre vor.
Dieselben treten in Entblóssungen oder im Bachláufen vornehmlich an der Ohebka
zu Tage, werden N von Velké Lukavice durch Schichten des Kreidesystems
verdeckt und schliessen selbst Stócke von pyritfůhrendem Diorit ein. Stelienweise
sind die schiefrigen Felsitporphyre, deren petrographische Beschreibung schon im
II. Abschnitte pag. 117. gegeben wurde, als Felsite, theils als schiefrige Felsite
entwickelt. Im Ohebkabacheinrisse zwischen Svídnic und Škrovád sind dieselben
dadurch in halber Metamorphose begriffen, dass in denselben zarte schuppige Flasern
von Pyrophyllit auftreten, wodurch die Schichten und Bánke daselbst noch mehr
deutlich schiefrig werden. Das Verfláchen der Schichten und Bánke des Felsit-
porphyres, sowohl des ganz frischen, wie er sich knapp N hinter der Lukavicer
Fabrik zeigt, als auch des in anfangender Umwandlung durch Hinzutreten von
zarten Pyrophyllitschůppchen befindlichen, wie er sich gut entblósst in der Bach-
schlucht der Ohebka (SW von Velké Lukavice) zeist, ist ein vorherrschend
ostliches nach 6*,>—8',» gerichtet zwischen 359—509 schwankendes. Stellen-
weise ist das Verfláchen ein ziemlich steiles, von 50—75“ und das meist an den
Gesteinsgránzen, sonst aber ein mittleres.
188
Sámmtliche hier vorkommende Gesteine sowohl Porphyre als,auch Diorite, ©
ebenso die an den Gránzen mit dem Granit allenfalls in den Eruptivgesteinen
eingehůllten Schollen von geschichteten Schiefergesteinen sind mit Pyrit in unter-
schiedlicher, aber nirgends (bis auf gewisse Diorite), in bauwůrdiger Menge im-
praegnirt und an den Gesteinsgránzen und in Klůften, sowie an Stellen, wo sie
etwas angegriffen erscheinen, vornehmlich am Ausbisse rostbraun gefárbt oder braun
impraegnirt. Die Gesteine mit dem zersetzten Pyrit werden faul, kurzklůftig, brůchig
und bróckelig; die durch Zersetzung des Pyrites gebildeten Eisensulphate aber,
welche der Regen abspůlt, setzen an den grossen Geróllsteinen des Ohebkabaches
von Práčov an abwárts Limonitháute ab, wesshalb das Bachbett aus oberfláchlich
braun gefárbten Geróllsteinen besteht.
Im Dorfe Gross-Lukavic ist kein schiefriger Felsitporphyr entblósst, weil
derselbe hier in ein gánzlich umgewandeltes Gestein verándert ist. Es kommt
hier námlich Pyrophyllitschiefer als Stock ohne scharfe Gránzen im Felsitporphyr
zum Vorschein, welcher durch allmáhlige Úbergánge in denselben úbergeht. Der
pyrophyllitháltice Felsitporphyr des Svídnicthales stellt ein solches Úbergangsglied
in schiefrigen Felsitporphyr vor. Unter Lukavic waren also die Verháltnisse, welche
die gánzliche Metamorphose des schiefrigen Felsitporphyres in Pyrophyllitschiefer
durch Zuhůlfenahme von Wasser bedingten, die gůnstigsten. Der Umfang dieses
zu Pyrophyllitschiefer verfaulten Porphyres, welcher als Stock keine scharfen
Gránzen zeigt, ist kein bedeutender, seine Mitte důrfte im Dorfe selbst liegen.
An den Pyrophyllitschiefer ist der Bergbau auf Pyrit gebunden; je mehr man sich
von dem Pyrophyllitschiefer gegen den Felsitporphyr náhert, was nur in dem
Úbergangsgesteine, in welchem Feldspáthe zunehmen geschieht, desto unregelmás-
siger vertheilt sich der Pyritgehalt im Gesteine, bis er endlich bloss als Impraeg-
nation erscheint.
In den Schiefern von Lukavic ist nun die Pyritlagerstátte. Dieselbe streicht
genau so wie die Schiefer, verflácht mit den Schiefern nach 6*/, bis 7"/, unter 65“
bis hochstens 759, im Mittel unter etwa 170".
Die Schiefer von Lukavic kann man durch Bergbau aus der Tiefe frischer
und unveránderter erhalten, als von der Tagesoberfláche. Dieselben sind ziemlich
guarzie, jedoch nicht bedeutend fest, da der Auarz in denselben keine zusammen-
hángenden Pláttchen oder Lagen, sondern nur kleinere oder gróssere Nester in
der Richtung der Schichtung und Schieferung bildet. Der Auarz ist licht weiss
und hochst feinkornig.
Dem Anschein nach wůrde man die Schiefer sogleich als Talkschiefer
bezeichnen; sie glánzen so perlmutterartig wie Talkschiefer, fárben ab, haben ein
fettiges Anfůhlen und sind schwach gelblichgrau oder schmutzig weiss bis rein
weiss wie Talkschiefer. Trotzdem sind sie nicht Talkschiefer, sondern ein zersetztes
umgewandeltes Porphyr-Gestein, in welchem der Auarz unverándert, die andern
Gemengtheile aber in Pyrophyllit zersetzt oder auch pseudomorphosirt worden
sind, wesshalb das Gestein nicht so bedeutend fest erscheint.
Die weissen Schůppchen, oder die schmutzig weissen, důnnen, an den
Kanten kaum durchscheinenden, kurzen, gewundenen weichen Lagen, welche die
189
gedehnten Auarzkórner von einander trennen, sind Pyrophyllit, der Schiefer dem-
-nach ein Pyrophyllitschiefer.
Der Nachweis der Pyrophylitnatur des talkáhnlichen Minerales wurde
"schon bei der Aufzáhlung der Mineralien des Eisengebirses im Abschnitte II.
pag. 179. gegeben.
Weil das Pyrophyllitgestein im Vergleich zum Felsitporphyr oder zum
pyrophyllitháltigen schiefrigen Porphyr verháltnissmássic weniger fest ist, so
beisst es nirgends zu Tage aus, und kommt nur in der schwachen Depression von
Gross-Lukavic vor.
| In diesem metamorphischen, guarzháltigen Schiefer (Pyrophyllitschiefer)
kommen lenticuláre Nester von weissem Auarz und zwar in gewissen Schichten
háufiger als in anderen vor und liegen dieselben demnach zur Schichtung parallel.
| Im Pyrophyllitschiefer selbst oder in der Náhe der Auarznester, oder auch
in den Auarznestern findet sich úberall Pyrit, entweder in kleinen Kórnchen ein-
gesprengt oder in kleinen Krystallen der Form © 0m eingewachsen. Man wird selten
ein ganz pyritfreies Schieferstůck, das aus der Grube stammt, finden. Es sind also
nur einige Schichten reicher mit Pyrit durchwachsen. In diesen mit Pyrit reich-
licher durchwachsenen Schichten finden sich parallel zur Schichtung und Schie-
ferung reichere lenticuláre oder echte Lager von Pyrit, welche den Schiefer nicht
selten ganz verdrángen und dann viele kurze Lager von unbedeutender, bis zu
einer Máchtigkeit von selbst */, Meter ja beinahe selbst ein Meter bilden. Zumeist
sind die kurzen Lager von geringerer Máchtigkeit háufiger, als die bedeutend
máchtigen. Diese kurzen Lager bestehen entweder vorherrschend aus Pyrit mit nur
ganz wenig eingeschlossener Schiefermasse, demnach aus reicher Impraegnation
oder bei gánzlicher Verdrángung des Pyrophyllitschiefers durch derbes Erz in der
Richtung der Schieferung (Schichtung) aus reinem grosskórnigen Pyrit, der unter
gůnstigeren Verháltnissen eingewachsene, dann und wann selbst 1 cm grosse und
noch gróssere Krystalformen —- E annimmt.
Die kurzen lenticuláren Lager von Pyrit im pyritischen weissen Pyro-
phyllitschiefer wiederholen sich úbereinander, demnach sowohl in der Richtung
der Máchtigkeit der Schichten, als auch dem Streichen und Verfláchen nach. Dem
Streichen nach ist die erzfůhrende Zone auf etwa 200 Meter bauwůrdig und reich-
háltig bekannt; dem Verfláchen nach noch unbekannt, weil selbst die grósste jetzt
erreichte saigere Tiefe von úber 160 Meter erzhaltie ist. Fig. 15, 16, 17, 18 ver-
sinnlicht das Erzvorkommen der Schiefer; die drei ersten Streckenorter fie. 15,
16, 17 mit der Erzfůllung der Lagerstátte sind aus tieferen Horizonten der Grube
(7., 6., 5. Lauf); die Fig. 18. stellt ein Abbauort aus einem hoheren Horizonte
(1. Lauf) vor.
Es handelt sich um die Bezeichnung der Lagerstátte: Die Erze treten
wohl als unbauwůrdige Imprágnation in Schichten von Schiefer auf, zwischen
denen und in denen kůrzere oder lángere Lager von reichen Imprágnationen oder
-selbst derbem Erz zum Vorschein kommen. Demnach ist die ganze Lagerstátte
sowohl den Lagerungsverháltnissen als auch der Bildung nach ein Lager oder
mehrere Lager.
190
zelnen kurzen also lenticuláren Lagern oder
Nestern von Finger- bis Meterdicke besteht,
kónnte folglich entweder als ein Lager,
welches aus vielen Lenticulár-Bánken mit
tauben (durch Pyrit nur imprágnirten) Zwi-
schenmitteln besteht, oder falls man auf die
bedeutendere Máchtigkeit der ganzen, solche
Lagerbánke fůhrenden Zone Růcksicht nimmt,
auch als Lagerstock gedeutet werden. Die
Bildung der Erzlagerstátte ist diejenige eines
Lagers, denn die derben, oder als reiche Im-
praegnation zwischen den Pyrophyllitschiefern
eingelagerten Erzbánke sind mit dem Pyro-
phyllitschiefer zu gleicher Zeit entstanden.
Freilich ist der Pyrophyllitschiefer selbst
kein ursprůngliches, sondern ein aus dem
ursprůnelichen schiefrigen Felsitporphyr ent-
standenes Gestein, in welchem sowohl die
Pyrophyllitschuppen wie die Auarzkórner als
2 die lenticuláren Auarznester Reste oder Zer-
Derber Pyrit pon W Pyrophylit-Schtefer | Setzungsproducte der Gemengtheile des Por-
phyres entstanden sind. Die Pyritanháufungen
V604 „1 Centimeter — 1, Meter
4
—
verdanken die Entstehung den ursprůnglich in den Porphyren in geringer Menge
als eingewachsen vorhanden gewesenen Erzpartikelchen, welche also als regene-
rirter Pyrit den Ort gewechselt und sich lagerartig neu, und in mehr angeháuften
Parthieen wieder gebildet haben.
In den oberen Horizonten des Bergbaues, so zwischen dem 1. und 2. Laufe
(bis 40% Tiefe) ist das Verfláchen der Schichten und Lagerbánke nur 65%, wáhrend
es zwischen dem 6—8. Laufe (110—165= Tiefe) 759 betrágt. In den oberen
Horizonten sind die Lagerbánke einander ziemlich genáhert wie es die Fig. 18
einer Abbaustrasse versinnlicht. Dieselben werden mit der ganzen Breite der Abbau-
strasse, also in der ganzen Máchtigkeit von bedeutend ber 6" abgebaut. Es kónnte
hier die Lagerstátte von mehr als 6" und noch bedeutend darůber als Lager-
stock bezeichnet werden. — In den tieferen Láufen aber wird das gesammte
Die Lagerstátte, welche aus ein-
191
Berg-Mittel, welches die Erzbánke fůhrt, máchtiger, ober die einzelnen bau-
wůrdigen Bánke (Lagerbánke) entfernen sich mehr von einander; in Folge dessen
werden die Zwischenmittel bedeutender und es kónnen demnach die einzelnen
Lagerbánke nur fůr sich abgebaut werden, wie solche einzelnen Lagerbánke die
Figuren 15, 16, 17 zeigen. Die Verengung des bauwůrdigen Theiles des Stockes
betrágt vom 7—8. Lauf 1'/,", es ist also ein echtes Lager. Freilich treten dann
mehrere, durch etwas máchtigere mit spárlicheren Pyritlinsen durchsetzie oder
durch Pyrit impraegnirte, jedoch unbauwůrdige Zwischenmittel getrennte Lager zum
Vorschein. GAuarznester mit oder ohne Pyritimpraegnation begleiten die lenticu-
láren Lagerbánke oder Lagernester des Pyrites durchwegs.
Die Erzlagen (Lagernester) keilen sich meist bald aus, nehmen auch oft
plótzlich an Máchtigkeit zu oder zerstreuen sich in Impraegnationen. Háufie sind
dieselben gewunden, oft stark gewunden, gerade so wie die schlůpfrigen nachgie-
- bigen Pyrophyllitschieferschichten.
Kurze Verwerfungen findei man nicht háufig, weil der sehr nachgiebige
schlůpfrige Schiefer sich leichter unter dem Drucke windet, als dass er reisst;
lángere, und zugleich bedeutende Verwerfunegsklůfte sind wohlbekannt und mit
gar leicht schlůpfrigem, rutschendem, zermalmtem weissem Schiefer ausgefůllt.
Dieselben haben auf die Erzlagerstátte keinen sonderlichen Einfluss.
Die Bergbauverháltnisse.
Das Lager ist durch eine Fláche von 6 einfachen Grubenmassen belehnt;
durch einen von der Chrudimka aus dem Liegenden ins Hangende getriebenen
Stollen von 1593 Meter Lánge, welcher 22%/, Meter Saigerteufe einbringt, und
dann durch drei Scháchte aufgeschlossen. Alle drei Scháchte sind Saigerscháchte
und im Hangenden des Lagers angelegt.
Der Hauptrichtschacht ist als Bartholomei-Fórderschacht mitten im Dorfe
Gross-Lukavic knapp nórdlich an der nach Bytovan fůhrenden Strasse in geringen
lichten Dimensionen angelegt, durch 8 Láufe mit dem Lager verbunden und 165
Meter tief. Am Schachte steht ein zweipferdiger Pferdegoppel fůr Tonnenforde-
rung eingerichtet.
Ueber 100 Meter sůdlich vom Fórderschacht ist der mit einem oberschlách-
tigen Wasserrad versehene Kunstschacht, der auf den dritten Lauf, 66"/, Meter
tief, herabgeht. Noch etwas weniges sůdlicher ist der auf den Štollenhorizont,
223/, Meter, abgeteufte Wetterschacht.
Der Stollen, welcher die Grube von Wássern lóst, ist nicht befahrbar, da
derselbe so eng gewólbt ist, dass nur hagere Burschen durchschlůpfen kónnen.
Die 8 Láufe, welche in Saigerabstánden von 20 Meter unter einander
folgen, sind mit dem Forderschachte durch Auerschláge verbunden, der erste Lauf
oder der Stollenhorizont ist unter dem Schachttagkranz 22*%/, Meter, der dritte
66'/, Meter, der fůnfte 104'/, Meter, der siebente tiefst zugángliche 1384 Meter.
Der achte Lauf 163 Meter tief, ist ertránkt.
192
Im Lager sind, je tiefer desto unregelmássigere Strecken getrieben, was
das Vorkommen der Lagerstátte charakterisirt, indem die einzelnen bauwůrdigen
Lagerbánke von einander entfernter stehen, die Aufschlussstrecken auch von einer
vertaubten Lagerbank guerschlácig oder schief auf eine andere ansetzende Bank
iibergehen, wodurch die Unregelmássigkeit bedingt wird. Durch Gesenke, in welchen
Haspelforderung stattfindet, werden die Láufe unter einander verbunden. Der
Aufschluss und die Ausrichtung des Lagers ist besonders in der Tiefe unvoll-
kommen.
Der Abbau ist ein Firstenstrassenbau; die Penis hatten in den
oberen Bauen, wo das Lager máchtiger war, bedeutende Breite und sind die-
selben sogleich nach dem Abbau versetzt worden, so dass keine Kastenzimmerung
nothig war.
Die Štrecken stehen trotz der Milde des Gesteins ausserordentlich gut,
meist ganz ohne Zimmerung, ebenso die Firstenstrassen, was dem Mangel an
eigentlichen zusitzenden Wássern zuzuschreiben sein důrfte; denn die Kunst besorgt
nur die Hebung der in den oberen Horizonten sickernden Tagwásser.
Auch bedeutende áltere verhaute Zechen stehen <anz gut ohne Verbruch.
Bei einer bedeutenderen Wasserlássigkeit důrfte das Gestein aber, insbesondere
an den schlůpfrigen Verwerfungsklůften ziemlich druckhaft erscheinen.
Die Wasserhaltung besoret ein enges oberschláchtiges Wasserrad von
7:6 Meter Durchmesser, auf welches das Aufschlagwasser durch eine geneigte
Holzrohre aus einer fůr die Fabrik bestimmten Wasserleitung von Radochlín
(Libáň) zugeleitet wird. Der Kraftaufwand ist 3 Pferdekráfte. Die wenigen Wásser
heben zwei Plungerpumpen, eine am dritten und die andere am zweiten Lauf bis
auf die Stollensohle. Das Gestánge ist ein Drahtseil, mit einem Gewicht von 280 Kg
belastet. Die Plunger sind ganz von Hartblei 11:85 cm im Durchmesser und von
91:6 cm Hub. Die Steigróhren sind von Blei. Die Grubenwásser (Tagwásser) sind
ziemlich sauer und wůrden Eisenbestandtheile bald unbenitzbar machen.
Der Stand der Arbeiter ist im Jahre 1874 gewesen: etwa 43 Háuer und
50 Fórderer. Die Háuer haben ein Geding von 32 i. 0. W. fůr 40 Tonnen
(— 44 Kubikmeter) erziges Hauwerk; die Fórderer, welche selbst die Haspel-
forderung besorgen, per 40 t. 15 A. Die Háuer verdienen sich in der 8stiůndigen
Schicht 41 bis 45 kr. 0. W. Die Fórderer 36 bis 37 kr. 0. W.
Die Schachtfórderung geschieht in Tonnen von 11 Kubikmeter (9'/, Kubik-
Fuss) Inhalt.
Die jáhrliche Fórderung an Erzhauwerk betrug:
18601... . . . 860 Kubikmeter
1862547 40J0. mano0 ; 1860910. ovhióln555 Kubikimot65
1863303 1685 ě 1870x, opia uj0a :
1864118 sedlo: 880 4 187kyf „128 1dlkaw 188 i
1965 jg dotiný Vápddl0 e BTD 5
1806 1x9 dB ž 1813, bula k Seas 5
BB k dy dšpaješa EU BLA P 1874 SEPA 6 b
1868 , Ráda Cd A 1875 (halb. Jahr) 600 h
Ein Kubikmeter gefórdertes Erzhauwerk gibt etwa 23 t. Erz.
193
Das gefórderte Hauwerk wird gewaschen, indem es im fliessenden Wasser
mit Schaufeln durchgearbeitet wird; kleineres Erz wird auf die allereinfachste
Art geschlemmt.
Da das Erz nur in etwa hanfkorngrosser Zerkleinerung, die durch horizontal
sich bewegende Můhlsteine erzielt wird, zum Verbrennen zu schwefliger Sáure
bestimmt ist, welche in Schwefelsáurekammern geleitet wird, so ist dasselbe nicht
rein von der Bergart zu scheiden oder aufzubereiten; es ist dies aber dem Ver-
brennungsprozesse nicht hinderlich.
Es kann auf die Bergart und den Waschverlust */; abgerechnet werden.
Geschichtliches. Die Erzlagerstátte wurde zu Anfang des 18. Jahr-
hundertes durch Zufall (beim Brunnengraben) erschůrft und von Prager Gescháfts-
leuten bebaut. Doch scheint der aus dem Bergbau gezogene Nutzen kein sonder-
Jicher gewesen zu sein, da dieselben um einen kleinen Abfindungsbetrag den Bergbau
im Jahre 1732 an den Erben sámmtlicher Graf Schonfeld'schen Gůter, Firsten
Johann Adam Auersperg úberliessen, dessen Nachkommenschaft jetzt noch den
Bau besitzt.
Seitdem der Bergbau im fůrstlichen Besitze ist, wurde aus dem Pyrit
Schwefel u. z. bis zum Jahre 1808 gewonnen; aus den Bránden aber durch Ab-
wittern derselben Eisenvitriol, dann rauchende (bohmische) Schwefelsáure “*) und
Caput mortuum (Engelroth) erzeugt. Um das Holz der Wálder zu verwenden,
wurden móglichst viele Holz verzehrende neue Industrien an die neu entstandene
Fabrik angereiht, so eine Salpetersiederei und Salpetersáurefabrik. Lukavic war
neben Altsattel die einzige Fabrik in Bohmen, welche Schwefelsáure und Salpeter-
sáure erzeugte und in Handel brachte. Kremnitz und Felsóobánya in Ungarn erzeugten
wohl auch diese Sáuren, jedoch nur zum Verbrauch der eigenen Miůnzámter.
Die Kiese, sowie auch die Rostrůckstánde wurden theilweise auch an die
Silberhůtten Jung-Vožic und Ratibořic im Táborer Kreise abgegeben.
Die Fórderung geschah bis 1760 durch den jetzigen Wetterschacht mittelst
Haspeln, in welchem Jahre der jetzige Bartholomei-Schacht abgeteuft und auf
Pferdefórderung eingerichtet wurde. Derselbe wurde im Jahre 1809 auf seine gegen-
wártige Tiefe 163 Meter niedergebracht und spáter noch der Štollen angelegt. In
der ersten Zeit muss aber der Bergbau, insbesondere etwas nach der Mitte des
vorigen Jahrhundertes Mangel an Arbeitern gehabt haben, da die fůrstlichen Patri-
| monialgerichte Diebe und Frevler zur Grubenarbeit, die ihnen mit 4 kr. Wiener
Wáhrung per Schicht vergůtet wurde, verurtheilten.
Seit dem jetzicen Jahrhundert ist der Bersbau mehr in den Hintergrund
| getreten und war derselbe nur als Mittel, um die chemische Fabrik zu erhalten,
angesehen worden. In der That vermehrte sich die Erzeugung der chemischen
Producte und die Verschiedenartigkeit derselben (ausser den schon angefůhrten
wurden noch Adler-Vitriol, Kupfervitriol, Salzsáure, Superphosphat und andere
Producte gewonnen).
Seit 1868 wird kein Schwefel mehr erzeust, sondern das Erzklein im
© Gerstenhoferischen Schiůttofen gánzlich todt gebrannt und auf englische Schwefel-
© sáure verarbeitet.
13
194
Auch jetzt noch ist der Fabriksbetrieb -die Hauptsache, obwohl er nicht
mehr als Mittel der Holzverwerthung angesehen werden kann, und der Bergbau
auch nur ein Mittel zum Zwecke “*) der Erzeugung von chemischen Producten ist.
Die Limonit-Tagbaue von Ransko.
Wie schon frůher oft bemerkt wurde, besteht die bewaldete Kuppe, an
deren NW Fusse das Hůttendorf Ransko liegt, aus einem runden Šerpentinmassiv,
welches von Innen nach Aussen durch einen Ring von Troktolit, dieser durch
Corsit umhůllt wird, der mit Diorit und Amphibolgranit oder Gneus in Beriůhrung
tritt. Das kreisformige Serpentinmassiv besitzt den mittleren Durchmesser von
etwa 2"/, km. Vom Troktolit derselbe nicht scharf getrennt, ebenso ůúbergeht
der Troktolit durch das Zwischengestein des olivinháltigen Corsites in echten
olivinfreien Corsit, obwohl wegen der Bewaldung die Gránzen nicht úberall mit
der wůnschenswerthen Schárfe kenntlich sind. Den čstlichen Fuss der Ransko-
Kuppe bedecken untercenomane Sandsteine. Der Corsit- und Troktolitkranz sind
durch zahlreiche Blócke im Walde angedeutet.
An vielen Orten sowohl am Corsit, Troktolit, als auch am Šerpentin, der
dessen Mitte einnimmt, findet man entweder horizontale oder sehr schwach geneigte
Lagerstátten, das ist Decken von Limonit, der aus der Zersetzung des Corsites
oder Serpentins hervorgegangen ist und im Liegenden durch Úbergánge mit beiden
Gesteinen verbunden ist, in Ausláufern und Klůften in dieselben eingreift, sowie
auch noch unzersetzte Kerne derselben einhůllt.
Weil sich die Umwandlung des Diorites oder Šerpentins in Limonit gerade
nur an Stellen zeigt, die eine sanfte Neigung besitzen, oder aber ebene Ráume
mit schwacher Vertiefung auf der Hóhe der Serpentinkuppe bilden, so liegt die
Vermuthung nahe, dass blos Gewásser die Zersetzung der Gesteine bewirkt oder
doch unterstůtzt haben mógen.
Es findet diese Vermuthune nicht nur darin eine besondere Stůtze, dass
sich in der Náhe solcher Limonitdecken auf der Serpentinkuppe noch schwache
Reste von zu sandigen Letten umgewandelten untercenomanen Schieferthonen
(Perucer Schichten) vorfinden, sondern sie ist auch durch die Art der měglichen
Umbildung des Serpentines in Limonit, wobei Wasser jedenfalls zur Wegfůhrung
der Magnesia- und Siliciumverbindungen, die durch Zersetzung frei wurden, noth-
wendiger Weise mitwirken, leicht begreiflich.
SS0 und SO von Ransko vom Hochofen aus gemessen in den Entfernungen
von 550—600* , dann 850—880= , 1100—1200= befinden sich am zersetzten,
ursprůnslich wahrscheinlich olivinháltigen Corsite drei Tagbaue von Limonit; die
zwei ersteren sind die sogenannten Ransko-Zechen. Dieselben liegen, und zwar die
ersten zwei (Ransko und Pelles-Zeche) zwischen dem Damme des Řekateiches und
dem Dorfe Ransko, die letzte oder dritte (Gabrielagrube) am Ende des Řeka-
teiches an dessen linkem Ufer. Die zwei ersten Tagbaue auf der Limonitdecke
sind beinahe erschopft, die zweite Zeche ist jetzt als Grubenbau im Betriebe.
195
Die Neigung des Lagers in dieser sogenannten Ransko-Grube ist sanft
gegen den Teich, also gegen NO. Das Erzlager hat eine Máchtigkeit von 2 bis 3 m,
welche aber bis zu 9 m sich ermáchtist. Das Hangende von 2 bis 9 m Tiefe
besteht aus Letten, in welchem grosse Knauer von mehr oder weniger frischem
Corsit, augenscheinlich die letzten Reste von zerstorten und vom sanftea Gehánge
herabgelansten Corsitmassen liegen.
Der Limonit ist entweder ochrie oder halbfest, auch ziemlich fest mit Rinden
- von dichtem, festerem Erze, wohl auch mit Geoden durchsetzt. Gegen das Liegende
zu wird das erdige Erz schwach grůnlich (etwa wie Seladonit), mit schwachen
Adern von Calcit durchzogen, was den Úbergang in festeren oder brockligen auf-
gelósten Corsit vermittelt. Solche, den Úbergang bildende faule Gesteine sind mit
Erzadern durchfliochten, durch ein grůnes chloritáhnliches Mineral grůn gefárbt,
einem Diorittuff nicht unáhnlich, zugleich brócklig und kalkreich, schmutzig
dunkelgrůn, rothbraun angelaufen, mit erdigen Kernen.
Sůd-oóstlich 350—380“ weit von der Ransko'er Grube ist am linken Teich-
ufer die dritte Zeche, Gabrielagrube, mit einem unter áhnlichen Verháltnissen auf
zersetztem Corsit auftretenden Limonitlager, welches durch stellenweise 9" máchtigen
Lehm mit grossen frischen oder faulen Corsitblócken úberlagert wird.
Die Erze sind am flachen Fusse, also náher gegen das Teichufer máchticer,
wáhrend sie dem sanften Gehánge aufwárts schwácher werden, bis sie sich auskeilen.
Auf der Hóhe der Kuppe, die aus Serpentin besteht und Ebenheiten zeigt,
befinden sich zwei Gruben, die Josefigrube und die Nikolaigrube, beide nahe an
der Strasse, welche von Ransko nach Borová fůhrt. Erstere SSÓ von Hochofen
Ransko 2150“ , wenige Schritte S vom der Biegung der Strasse von S nach WSW,
- letztere S vom Hochofen 2450" oder genau W von N Ende von Hlubokov 1330".
Beide besitzen gegen 3 m ochrige Limonite, die von gelben bis gelbbraunen
thonigen Sanden von 2 m und darůber Máchtigkeit bedeckt werden. Im Hangenden
sind Brocken und lose eincgebettete Stůcke von wenig zersetztem Serpentin. Im
Liegenden des Ockers halbzersetzter Serpentin. In der Nikolaigrube zeigt sich im
Liegenden ein Gestein, welches noch nicht gánzlich ausgeprágter Serpentin ist,
demnach ein weit in Umwandlung begriffener Troktolit, weil die Nikolaigrube
gerade so wie die vorerwáhnten nahe am Rande liegt und zwar schon im Bereiche
des Troktolitkranzes, wáhrend die hier vorher erwáhnten Gruben noch randlicher,
auf dem Olivin-Corsit sich befinden. :
Nur die Josefizeche befindet sich im wirklichen Serpentin mit Marmolit-
und Pikrolitklůftchen und Magnesitschnůrchen.
Die sandig lettige Decke des Erzlagers stellt die letzten Reste von unter-
cenomanen zerfallenen Schieferthonen vor, welche durch Erz ochrigeelb gefárbt sind.
Die 5 hier angefůhrten Decken von ochrigem Limonit, welcher nur unter
- einer restlichen untercenomanen Decke mit oder ohne gróssere Gesteinsknauer als
wirkliche lagerartige (Contactlagerstátten) Bildungen auftreten, besitzen bei einer
Breite von 50—150" eine 2 bis 2", fache Lánge; sie bilden demnach Ellipsoide.
Die bedeutendste Limonitablagerung als Decke auf faulem Troktolit (bei-
nahe durchwegs aus Olivin zusammengesetzt) und nicht auf echtem Serpentin, weil
ste sich auch am Rande der Serpentinparthie befindet, liegt mitten zwischen Ransko
13*
196
und Borová, vom Ranskoer Hochofen gegen SW 2"/; km entfernt. Die Hauptrichtung
dieser O von der Ransko-Borová-er Strasse sich ausbreitenden Limonitdecke ist
WSW; die Lánge des Tagabraumes betrágt genau */, km, die grósste Breite
bedeutend mehr als 150"“.
Der Bau, welcher sich an der Gránze des Ransko'er und des Borová'er
Waldes befindet, fůhrt den Namen der Borová-Grube.
Die Máchtigkeit des braunen meist ochrigen Erzes betrást bis 12" , also
weniger als dessen nicht festes lettie sandiges Hangende mit den Brocken von
zersetztem Serpentin. Im Liegenden úbergeht das Erz in Serpentin oder auf-
gelósten Troktolit. Das Lager wird durch einen beinahe 1 km langen Stollen, der
aber nur 13'/, m, unterteuft, vom Wasser gelóst. Der Stollen ist mit dem Mundloch
in serpentináhnlichem Troktolit angelegt und im máchtigsten Lagertheile ist der-
selbe in Erz getrieben, so dass in dessen Sohle noch 3 bis 4 m Erz ansteht.
Frůher wurde in dem Lager Grubenbau getrieben, desshalb die Fláche
Pinge an Pinge und darin auch Wassertůmpel zeigt. Jetzt werden die Erzlagerreste
mittelst Tagbau gewonnen.
Ausnahmsweise zeigt sich an einigen Orten im Lager ein oolitischer
thoniger Limonit mit bis hanfkorn- und erbsengrosseu, entfernt von einander
stehenden kugelrunden Ooliten.
In dem Lager ragten aus dessen Liegendem taube, das ist nicht ganz in
Erz umgewandelte Parthien von Šerpentin oder zersetztem Troktolit in das Erz
hinein; dieselben stehen jetzt als Klippen in dem beinahe ganz erschopften Tagbaue,
dessen Sohle uneben erscheint, da die Umwandlung des Serpentines oder faulen
Troktolites unterschiedlich tief stattfand. Eine scharfe Gránze zwischen ochrigem
Erze und dem Liegend-Serpentin gibt es nicht, weil sowohl allmáhlige Úbergánge
als auch Durchtrimmerungen, die erzig sind, stattfinden. *“)
In dem Serpentin bemerkt man stellenweise noch Úbergánge von Diorit
oder Corsit oder Troktolit in Serpentin. Ein solches Úbergangsgestein enthált in
geringer Menge Arsenopyrit accessorisch eingesprenst. Im nicht ganz frischen
Diorit oder olivinháltigen Corsit in der Náhe des Stollenmundloches streicht ein
festerer mittelkórniger Dioritgang mit zahlreichen kleinen eingewachsenen Kórnchen
von Pyrrhotin, spárlichem Pyrit und noch spárlicheren Chalkopyritkórnchen.
k o E
Anmerkungen.
1) Auch bei Biskupic unweit Ronov wird ein Kalklager angegeben. Ohne Autopsie.
$) Es muss auf die eingehenden Arbeiten und zwar: Krejčí, Studien im Gebiete
der bohmischen Kreideformation; Frič, Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen
Schichten der bohmischen Kreideformation (Archiv d. naturw. Landesdurchforschune v.
Boóhmen 1869 Bd. 1. 1878 Band 4 Nr. 1) verwiesen werden.
+) Auf der Karte nicht besonders dargestellt, wegen der nicht bedeutenden
Máchtigkeit.
9%) Die Brůche auf den stellenweise serpentinisirten Kalk, der am Contacte mit
- den durchsetzenden Eruptivgángen gemenst, demnach unrein ist, sind seit 1840 nicht
mehr im Betriebe. Die Lagerungsverháltnisse sind desshalb nicht mehr deutlich.
S) Sowohl Biotit, als auch der cordieritáhnliche Ouarz wurden untersucht.
7) In England schiebt man zwischen das Laurentin und die cambrische Gruppe
noch eigenthůmliche Stufen ein, welche den Namen der Etagen, von unten nach oben
gerechnet: Dimetian, Arvonian, Pebidian kurz Pre-Cambrian erhielten. (Hicks, on a new
Group of Pre-Cambrian Rocks in Pembrockshire p. 285—295; Hicks, on the Pre-Cam-
brian Rocks in Caernarvonshire and Anglesea p. 295—309 ete. (Auarterly Journal of
- the Geological Society London 1879 Vol. 35 Part 2, H. Hicks, on the Metamorphic and
- Overlying Rocks in the Neighbourhood of Loch Maree, Ross-shire, Ib. 1878 Vol. 34 Part.
4, p. 811—819).
Wollte man diese Gebilde auch bei uns in Bóhmen nachgewiesen haben, so
můssten máanche unter der Etage A liegenden Amphibolschiefer, Glimmerschiefer dazu
gerechnet werden, deren Verknůpfung mit dem Laurentin aber eine engere ist. Es důrfen
úberhaupt geologische Verháltnisse eines Landes nicht sogleich auch in ein anderes úber-
tragen werden, weil die Bildung von Schichten und Formationsstufen nicht nach unseren
theoretischen Eintheilungen, sondern nach andern Gesetzen, deren Auffindune Zweck des
Studiums ist, vor sich gingen.
8) Im Jahre 1831 wurde der Bruch verlassen.
9) Zwischen Nutic und Citkov wurden in den Klůften, welche das čstliche Kalk-
steinlagerende verwerfen und die durch den zermalmten schwarzen Thonschiefer ausgefůllt
werden, von unternehmungslustigen aber wenig unterrichteten Leuten auf Graphit geschůrft.
19) Bořický, Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens p. 92;
© Archiv d. naturw. Landesdurchforschung Bóohmens 1874 Bd. II, Abth. II., Theil II.
11) Úber das Eisengebirge findet sich schon eine áltere Beschreibung unter dem
Titel: Ferd. Andrian, Geologische Studien aus dem Chrudímer und Cáslauer Kreise im
© Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt Wien 1863 Band 13 p 183—208. | Dieselbe
2) Diese Nummer wurde bei der Redaction des Textes úbersehen und kann daher hier
nicht berůcksichtiget werden.
198
konnte aber nicht benůtzt werden. Noch áltere, wenn-auch ganz kurze, dabei aber richtige
Andeutungen úber das Eisengebirge finden sich von Zippe in Sommers Topographie
Bóhmens 1847 Band 5 u. 11 (Chrudímer und Čáslauer Kreis) und Reuss, Kurze Úber-
sicht der geognostischen Verháltnisse Bóohmens Prag 1854. Zippe hat eine besondere
Gabe gehabt, in kurzen Worten die Verháltnisse klar zu legen. Wenn sich auch manches
wáhrend der Zeit in der Terminologie geňndert hat, so bleibt die meist richtig auf-
gefasste Thatsache doch bestehen.
12) In der náchsten Náhe der Kirche von Třibuben befinden sich auf dem wenig
ausgedehnten Lehmplateau drei bedeutende Wálle aus uralter Zeit ganz nahe neben
einander.
13) Diese Eigenthůmlichkeit der Gitterung ist nicht als Mikroklin zu deuten,
welcher Feldspath keineswegs eine ganz gut fixirte Mineralspecies ist, da er noch ver-
schieden gedeutet wird; sondern sie <ehórt zwei Zwillingsgesetzen des Plagioklases,
námlich dem háufigen nach oo Po und dem weniger gemeinen, nach oP an. Wenn die
Gitterung, abgesehen von der kritischen Berechtigung der Mikroklin-Species, als Mikroklin
gedeutet werden wollte, so můsste sie den ganzen Auerschnitt umfassen und nicht in
einem gebinderten Plagioklase fleckenweise auftreten. Ein Fingerzeig, mit der Deutung
solcher Gittererscheinungen als Mikroklin vorsichtig zu sein.
14) Diese Formentwickelung des Orthoklases wird als Mikroklin bezeichnet. Ob
diese Bezeichnung auch zukůnftig beibehalten werden wird, muss, da die Berechtigung
der Aufstellung der Feldspathart Mikroklin noch in Discussion begriffen ist, dahingestellt
bleiben. (Gegen die Mikroklinnatur des gestreiften Feldspathes erklárt sich Michel-Lévy,
welcher denselben fůr Orthoklas hált (Identité probable du microcline et de Vorthose;
Bulletin de la societé mineralogigue de France 1879 Nr. 5 p. 135—139).
'5) Ahnliche Staurolith-Phyllite finden sich auch in den Pyrenáen bei Bagněres,
wo dieselben gleichfalls wie bei Hlinsko in Andalusitschiefer úbergehen, wenn der glimmer-
reichere Phyllit sich zu einem dunklen Thonschiefer-Phyllit umwandelt.
19) Wenn man die kurze Mittheilung Rosenbusch's úber die Phaenomene, welche
den Contact des Granites mit Thonschiefern zu besleiten pflegen, insbesondere bei Barr-
Andlau in den Vogesen im Neuen Jahrbuch f. Miner., Geologie u. Palaentologie Stuttgart
1875 p. 849—851 durchliest, findet man in derselben eine solche Ahnlichkeit mit den
Verháltnissen in der untersilurischen Schieferinsel von Hlinsko-Skuč, dass sich die Ver-
muthung aufdránst, als wenn diese Phaenomene ůberall die gleichen wáren.
17) Ottrelit ist nur ein Varietátsname fůr Chloritoid; derselbe enthált bedeutende
Antheile von Mn, gibt demnach diese leicht kenntliche Reaktion vor dem Lóthrohr. Unser
Ottrelit enthált aber kein Mn oder nur ganz unbedeutende Spuren, so dass derselbe mit
der Varietát Vénasguit, welche manganfrei ist, zusammenfálit. (Note sur la Vénasguite;
Damour Bulletin de la Société miner. de France 1879, II T, 6, p 167). Es wird jedoch
hier im Texte meist nur der Name Ottrelit neben Chloritoid gebraucht, obwohl, wenn
schon Varietátsnamen gebraucht werden sollen, die Bezeichnung Vénasguit (wegen der
Abwesenheit von Mn) passender wáre.
Etwas verschieden wie der bohmische Ottrelitschiefer verhált sich das Gestein
des Berges Elias bei Vavdhos, Chalcidice. (F. Becke, Gesteine der Halbinsel Chalcidice,
| Tschermak, Mineral. u. petrograph. Mittheilungen 1878 Wien, Bd I. p. 269 ete.)
15) Manche solche Gneusgranite wurden auch fůr wirklichen Gneus gehalten, dem
also eine eruptive Entstehung nicht abgesprochen werden kann. Allein die Bezeichnung
als Gneus geht doch etwas zu weit fůr ein Eruptivgestein, in welchem Biotit als Ge-
mengtheil sich parallel zu den Contactláchen mit dem durchbrochenen Gesteine gelagert
hat. Die Granitnatur solcher eruptiven schiefrigen Gesteine muss betont werden. Zutreffend
ist der Aufsatz von Herm. Credner: Der rothe Gneus des sáchsischen Erzgebirges, seine
S —
199
Verbandverháltnisse und genetischen Beziehungen zu der archáisehen Schichtenreihe in
Zeitschrift d. deutsch. geol. Gesellsch. Berlin 1877 Bd. 29 p. 757—793. Es erscheint hier
nachgewiesen, dess der Begriff Gneus zu weit gefasst wird und auf granitische Gesteine
mit durchgreifender Lagerung ausgedehnt wird, wáhrend der echte Gneus geschichtet ist.
19) Es lag zu wenig Untersuchungsmaterial vor, so dass úber das rothe Mineral,
das dem Rutil, oder auch dem Haematit, vielleicht auch Haematitpseudomorphosen nach
Pyrit áhnlich sieht, keine náhere bestimmtere Angabe gemacht werden konnte.
20) Zippe, welcher ein feines Gefůhl fůr Erkennung von Gesteinen hatte, nannte
diese Ouarzporphyre, zur Zeit, wo die besten Hilfsmittel nur in der besten Úbung bestanden
(also vor etwa 40—50 Jahren), mit dem Namen „schwarzer Granit.“ Ohne die besseren
Hilfsmittel der neuen Mineralogie wůrde es mancher Petrograph, dem die geologischen
Verháltnisse ebenso unklar wáren, wie vor einem halben Jahrhunderte, kaum besser
bestimmen kónnen. Wenn das Gestein, das Zippe damals meinte, jetzt Ouarzporphyr heisst,
so ándert dies nichts an den bedeutenden Verdiensten Zippes, der das Richtige zu treffen
wusste.
*1) J. Krejčí und R. Helmhacker Erláuterungen zur geologischen Karte der Um-
gebung von Prase. Archiv fůr naturw. Durchforsch. v. Bóhmen Bd. IV. Nr. 2 geol. Abthl.
p. 76 und pag. 187.
22) In Justus Roth Beitráge zur Petrographie der plutonischen Gesteine Berlin
1869, 1879 (Abhandl. d. k. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1869, 1879) finden
sich Felsitporphyranalysen angefůhrt, deren Si0,-Gehalt selbst bis 65—59'/,9/, herabsinkt,
also noch geringer ist als in dem Felsite von Svídnice. Unter Félsitporphyr fasst Roth
aber guarzháltige Gesteine nach dem álteren Eintheilungsprincip zusammen.
25) Dieser Plagioklas stůnde zwischen Oligoklas und Labradorit in der Mitte.
Mineralogen, welche den Andesin nicht anerkennen, sondern zu dem Oligoklas ziehen,
wůrden den Plagioklas zu Oligoklas stellen. Wenn aber die Andesinvarietát anerkannt
- wird, so wáre der Plasioklas wirklicher Andesin. Das ándert aber nichts am Charakter
des Diorites, welcher nur aus irgend einem Plagioklas und Amphibol besteht. Freilich
© nennt man den Plagioklas am háufigsten Oligoklas. Es liegt aber an der Trennung der
Plagioklasvarietáten, die keine scharfen Gránzen besitzen, wenig. Spáter, beim Gabbro
werden sogar Diorite (Uralit-Diorite) angefůhrt werden, deren Plagioklas ein Labradorit ist.
24) Indessen fůhrt auch Roth I. c. Anmerkung ??) in seinen beiden Zusammen-
stellungen von Dioritanalysen (nicht Corsiten) Kieselsáuregehalte von 449—419/, also
noch weniger als im Diorite von Skála an.
25) Solchen Berechnungen ist indessen umsoweniger Vertrauen zu schenken, je
veránderter das Gestein und je zahlreicher die Gemenstheile desselben sind und je weniger
factische Unterlagen eine solche Berechnung besitzt. Bei zwei Gemengtheilen ist eine
solche Berechnung noch halbwegs wahrscheinlich, da zwei Gleichungen mit zwei Unbe-
kannten aufzulósen sind (der 3te Gemenstheil, námlich der Magnetit, wurde eigens bestimmt) ;
bei mehr Gemenstheilen aber ist dem Einbildungsvermogen freier Raum gegeben, denn es
erscheinen mehr Unbekannte als gegebene Gleichungen. Die Methode befolgt demnach nicht
mehr den fůr wissenschaftliche Forschungen nothigen Gang.
Es werden in den folgenden Zeilen p. 132 die Grůnde, wesshalb eine klein-
kórnige, keine Zwillinesstreifung im polarisirten Lichte zeigende, sich also áhnlich dem
Orthoklas verhaltende Aggrecatmasse, doch Plagioklas ist, desshalb angefůhrt, weil durch
die Nichtbeachtung anderer Verháltnisse leicht Fehler entstehen. Da bei der Volum-
verminderung von Plagioklasen die Zwillingslamellen sich nicht in gleichem Massstabe ver-
jůngen, demnach viel weniger schnell in der Breite abnehmen, als es den kleinen Indi-
viduen der Plagioklase entsprechen wůrde, so můssen dieselben ganz verschwinden, wenn
die Grósse der Plagioklase bis zur Breite der Zwillingslamellen sich verkleinert hat. Die
200
Streifung ist fůr Plagioklase sehr charakteristisch, kommt aber nicht *“ausnahmslos vor;
wesshalb das Fehlen derselben noch nicht -die Plagioklasnatur der Feldspáthe ausschliesst.
Eigentlich ist also nicht die Streifung ohne Ausnahme, das Charakteristische fůr Plagioklas
oder das Fehlen derselben ein Erkennungszeichen fůr Orthoklas, sondern nur die chemische
Zusammensetzung, wo die Krystallform nicht nachweisbar ist. Ein Plagioklas von der che-
mischen Zusammensetzune und den anderen damit verbundenen Eigenthůmlichkeiten bleibt ©
Plagioklas, mag er eine Streifung oder keine Streifung zeigen. Die Zwillingsstreifung ist fůr
winzige und auch gróssere Plagioklaskrystalle ein sehr beguemes und schnelles, aber nicht
ausschliesslich an Plagioklasen vorkommendes Merkzeichen, welches čfters fehlt, als man
anzunehmen geneigt war. Bei Beschreibung des Corsites wird mehrfach erwáhnt werden,
dass der Plagioklas (Anorthit) keine Streifung besitzt.
26) Eine ganz áhnliche Zusammensetzung zeigt der Labradorit des Gabbros von
Iron Mountain, Laramie Hill U.S, nach Wiedemann; nur enthált er etwas FeO, wahr-
scheinlich als mechanische Verunreinigune. Die Alkalien sind hier K2O und Na,O im
Verháltniss von 19,:39/. (Zirkel Microscopical Petrography pag. 109 in Report of the
Geol. Exploration of the Forthieth Parallel Vol. VI.)
27) Fůr den Diallag wird als charakteristiseh der geringe Grad von Dichroismus
angegeben. Es ist dies richtig, allein nicht von allgemeiner Geltung; die allermeisten
Diallage verhalten sich so. Es kam mir ein Diallag von Salzbures unter die Hand, welcher
in důnner Platte gespalten, in der dichroscopischen Loupe ebenso starke Farbendifferenzen
zeigte, wie manche Amphibole. Ein neuer Belee dafůr, dass bei Bestimmung von Mine-
ralien in Důnnschliffen Vorsicht geboten ist.
28) Die herausgerechnete theilweise Analyse des Amphiboles (Uralites) hat wie
alle berechneten Analysen nur geringen Werth, weil die accessorischen Gemengtheile weder
der Menge noch der Zusammensetzung nach bekanmt sind. So ist der herausgerechnete
Gehalt von Fe,O0,, abgesehen davon, dass ein bedeutender Theil als FeO in der Ver-
bindung vorhanden ist, desshalb zu gross, weil der auf den Fe-Gehalt der Analyse Einfluss
besitzende Magnetit im Gemenge des Gesteines der Menge nach nicht bekannt ist. Solche
Analysen, welche die Rechnung ercibt, sind desshalb nur mit Vorsicht aufzunehmen und
darf man dieselben nur als genáherte Werthe betrachten.
29) Der Corsit auf Corsica, wo derselbe zuerst in der merkwůrdigen sphaeroidalen
Textur schon vor mehr als 50 Jahren bekannt geworden ist, bildet im Amphibolgranit, der
aus Orthoklas, Oligoklas, Sphen, Amphibol, welcher letztere theilweise in Chlorit umgewandelt
ist, besteht (wohl auch Auarz?) drei Stócke in der geogr. Breite von 419 43'/,' und der
óstlichen Lánge von Paris 69 45“/,". Die kurzen, nahe an einander liegenden Stůcke, von
denen der nordliche und sůdliche bis 4"/„ km. lang und 2"/, km. breit sind, der mittlere
aber unbedeutend ist, liegen NO von Sarthene 1'/, Myriam., innerhalb eines Dreieckes,
welches durch die drei Ortschaften Serre, Levie und St. Lucia di Tallano (Campo longo)
gebildet wird. Das Neueste ber dieses Vorkommen jedoch in der gróssten Kůrze ab-
gefasst ist in Hollande, Géologie de la Corse (Annales des Sciences géologigues par M.
Hébert « A. Milne Edwards Paris 1877, Tome 9) zu finden. Das Vorkommen des Cor-
sites in amphibolhaltigen kórnigen Gesteinen wůrde auffallend an das Vorkommen in
Bóhmen erinnern, wo bei Ransko, Hrbokov ete. auch Syenit und Amphibolgranitgesteine
vorkommen.
Es důrften Corsite aber nicht so selten sein, als nach den wenigen Daten, welche
úber dieselben vorliegen, zu urtheilen wáre; die meisten důrften noch unter dem Namen
Diorit versteckt sein, worůber nur die wirkliche Analyse des Plagioklases Aufschluss
geben kann. Bekannt sind Corsite vom Konžavoskoi kamen im Nord-Ural, Poudičre in
Frankreich, Yamaska mountain in Canada. Bóhmen ist recht reich an diesen sonst so
seltenen Gesteinen. Ein Corsit in der Umgebung von Prag bei Klokočná (bei Mnichovice)
wurde schon frůher beschrieben. (Archiv der naturw. Landesdurchforschung v. Bóhmen
IV. Bd. No. 2. Geol. Abtheil pas. 226.)
no
201
30) Es ist auf Reisen bei Inangriffnahme der Kórperkráfte, dann bei der Zer-
streuung der Gedanken nicht immer měglich den Anorthit von anderen Plagioklasen
sogleich zu erkennen, da das nur mit der Erfassung von' Thatsachen im gróssten Mass-
stabe angewóhnte Auge nicht mehr an das Winzige der Gesteinsuntersuchung accomodirt
ist. Storend wirkt auch die ungewohnte Beleuchtune oder die zu weit gehende Zersetzung.
Nichtsdestoweniger lásst sich der Anorthit von anderen Plagioklasen dem blossen Ansehen
nach, als auch nach der Art der Verwitterung im Arbeitszimmer bei gewohnter Accomo-
dation des Auges an nahe liegende Gegenstánde und weniger Zerstreuung durch geo-
logische Verháltnisse im Grossen, erkennen.
31) Wie dies auch bei Labradorit schon háufig nachgewiesen worden ist, Bei
Diorit wurde das Vorhandensein von gegittertem Plagioklas (Andesin) auch nachgewiesen.
Es ist demnach bei der bekannten Zusammensetzung solcher gitterfórmig doppelt hemi-
tropen Feldspáthe nicht an Mikroklin zu denken, zu dem mán solche Feldspáthe manchmal
voreilig ohne die Zusammensetzung derselben zu kennen, stellt. Es ist richtig, dass die
optischen Eigenschaften recht charakteristisch sind fůr die Bestimmung der Mineralien
unter dem Mikroskope, sie sind aber doch nur ein Theil der Mineral-Kennzeichen, denn
zu" EKrkennung eines Minerales gehůren alle seine Merkmale; in allererster Reihe ist es
die chemische Zusammensetzung, welche in den schwierigsten Fállen das einzige und auch
sicherste Kennzeichen bleibt.
32) Wie schon vorher angefůhrt, ist die herausgerechnete Analyse immer mit
Vorsicht aufzunehmen. Weil hier aus zwei Gleichungen je eine Unbekannte aufzusuchen
war, so ist die herausgerechnete Analyse des Amphiboles ziemlich nahe seiner wirklichen
Zusammensetzune.
33) Die Aufschlůsse můssten zahlreicher sein, um sich mit Sicherheit fůr den
lager- oder gangartigen Charakter der Lagerstátte aussprechen zu kónnen. Die Bezeichnung
als Lager scheint den Verháltnissen, wie sie sich darstellten, angemessener zu sein,
wesshalb sie gewáhlt wůrde. Leider gestatten die anderen verfallenen zahlreichen Gruben
keine Untersuchung der Lagerungsverháltnisse.
34) (Tschermak, Úber Pyroxen uud Amphibol, Tsch. Mineralocische Mittheilungen
1871 p. 22 1te Folge).
35) Spáter wurde auch im Granit des Isergebirges dieses Mineral (Niobit) von
Janovský aufgefunden (Berichte der deutschen chem. Gesellsch. 1880, XIII, p 139 ete.)
und da das Vorkommen etwas reichlicher ist, auch amalysirt.
99) Die Třemošnicer Schlucht entsteht durch Vereinigung der linksseitigen Peklo-
schlucht und der rechtsseitigen Starodvorská rokle (Althofer Schlucht).
87) Verschmolzen wurden die Erze im Hochofen von Hedwigsthal in der Tře-
mošnicer Schlucht.
8) Auf Talk ist nur dem Ansehen nach geschlossen worden, eine eingehendere
Untersuchung liegt nicht vor. Keinesfalls ist aber das Mineral Serpentin, schon wegen
der geringen Hárte von 2.
39) Ohne Autopsie.
40) Ebenso findet sich noch ausserhalb des Bereiches der Karte am rechten
Sázavaufer zwischen Ronov und Pořič (náher an Pořič) oberhalb Přibislav im Gneuse,
dessen Verfláchen nach 3'/, mit 529 gerichtet ist, und der durch Muscovitgranitgánge
durchsetzt wird, ein mehrere (10—15) Schritt máchtiges Lager von Olivin, mit stengligem
Talk, viel kleinen Bronzitkdrnern und Pikrolit. Zwischen dem Schloss Přibislav und der
Spiritusbrennerei (also O von Přibislav) ist an der Strasse im flasrigen glimmerreichen
Biotiteneus mit lenticuláren Schichten von lichtem grobkórnigem Gmeus alles nach 4'/,»
mit 659 verfláchend, in welchem ein 1',"“ máchtiges Lager von dichtem Orthoklas
(Haelleflint) von licht grauer Farbe eingeschaltet ist.
202
41) Welcher auch in ganz áhnlichen Gesteinen mit ebenso bedeutender Máchtigkeit
zum Vorschein kommt. Helmhacker, Geognostische Beschreibung eines Theils der Gegend
zwischen Benešov und Sázava 1874 (Archiv d. naturw. Landesdurchforschung v. Bóhmen
II. Bd II. Abth. I. Theil).
42) Den Nachweis ob Baryt?, erlauben diese Pseudomorphosen wegen ihres
spárlichen Vorkommens nicht zu fůhren.
43) Der Chalkopyrit (dessen Vorkommen sich aber nicht auf Autopsie grůndet)
ist hier gewiss das ursprůngliche Mineral, aus dessen Zersetzung die andern sauren
Kupfermineralien als wie Malachit und Lunnit hervorgegangen sind,
44) Dieses ist eine willkůhrliche Deutung, weil eben die CO,-Menge nicht
bestimmt werden konnte; wird aber die Rechnung durchgefůhrt, so stimmt der Rest des
Kupferphosphates ganz mit Lunnit und nicht mit Ehlit, fůr welchen sonst dieses Mineral
gehalten wird, úberein. Ehlit hat úbrigens auch eine geringere, schwankende Hárte von
1"/4, 2, 7; der Ehlit (frůher Prasim = Lunnit von Libethen genannt) hat nur die Hárte von
o ergeben.
Da nun diese etwas willkůhrliche Deutung des Glůhverlustes, die aber allein in
diesem Falle zu der Formel des Lunnites fůhrt, —— auf andere Art gedeutet kommt
die Ehlitformel nicht zum Vorschein, — doch nicht einwurfsfrei ist, indem derselben
wohl Wahrscheinlichkeit, aber nicht durch einen Beleg bewiesene věllige Sicherheit zu
Grunde liegt, so wáre eine erneuerte Analyse mit direkter Bestimmung der CO, erwůnscht,
zu der aber als Hauptbedingung hinreichendes Material vorhanden sein můsste, da durch
das Ergebniss derselben entweder diese hier aufgestellte, mit nicht vóllie hinreichendem
Materiale angestellte Deutung des Minerales als Lunnit zu bestátigen oder zu wider-
legen wňre.
Nebenbei sei hier erwáhnt, dass die meisten lteren Analysen der Kupfer-
phosphate nicht vólliges Vertrauen verdienen, da nirgends die Angabe vorhanden ist, dass
sie rein und nicht mit Malachit verunreinist waren. Der Glůhverlust wurde einfach als
H,O gedeutet und dann die Formeln berechnet. Das důrfte neben der Móglichkeit der
Mengung vorschiedener Kupferphosphate mit einander auch mit ein Grund sein, warum
die Analysen solcher Mineralien von einander abweichen.
Schrauf, úber Phosphorkupfererze (Zeitschrift f. Krystallographie und Mineralogie
v. Groth IV. Bd. 1879 p. 1 ete.) erwáhnt auf pag. 2, dass Exemplare von Kreuzberg dem-
selben zur Untersuchung vorlagen; in dem Aufsatze ist aber von dem Kreuzberger
Minerale keine náhere Angabe mehr vorhanden, so dass auch hier die zu einer Analyse
benůthigte Menge unzureichend gewesen sein důrfte.
45) Fůr den Hochofen von Hedwigsthal bei Třemošnic. Schlackenreste finden
sich hier im Walde háufig, desshalb das Erzvorkommen ein altbekanntes sein muss.
46) Das Vorkommen des Chalkopyrites wird hier ohne Autopsie angefůhrt.
47) Úber das Erzvorkommen gilt alles das, was schon im Archiv der naturw.
Landesdurchforschung von Bóhmen II Bd., II. Abth. I. Theil, Vála u. Helmhacker, Das
Eisensteinvorkommen in der Gegend von Prag und Beraun auf pag. 353—357. (Die Erze
der Kreideformation) angefůhrt erscheint.
48) Da der Pyrit selenhaltig ist, enthált die bohmische Schwefelsáure Selen
gelóst, welches durch Verdůnnune derselben als rother Schlamm ausgeschieden wird.
49) Sucht man fůr dieses Vorkommen ein anderes hnliches, so wird man an
Walchern bei Oblarn im Ennsthale Obersteiermarks erinnert, wo Pyrite auf eine áhnliche
Art, jedoch in festen krystallinischen Gesteinen im Auarzschiefer und Glimmerschiefer
vorkommen. Es ist diese Lagerstátte noch zu wenig bekannt, um bessere Vergleichungen
anstellen zu kónnen; dieselbe sollte nur erwáhnt werden, damit sie sich der Aufmerk-
samkeit nicht entziehe. Vielleicht wáre auch das Vorkommen von Kiesen (Pyrit, Pyrrhotin)
203
in Norwegen zu vergleichen. (Forekomster af Kise i Visse Skifere in Norge af Amund
Helland, Christiania 1873 (Universitestsprogram for 1Iste Semester 1873). —
Die geschichtlichen Daten stammen von Herrn Fabriksdirektor zusleich Gruben-
> betriebsleiter Th. Woat.
90) Analogien dieses Limonitvorkommens in Form von lagerartigen Decken auf
- Serpentinen finden sich an andern Orten auch. So im Bůhmerwalde bei Chmelná am
Fusse des Blánsker Waldes, im Wáldchen und bei der Einschicht Šimeček, sowie in den
Nebengráben und dem Plateau zwischen dem Tanzmeister- und Sommergraben bei St.
Stephan im Murthale, Obersteiermark. (Helmhacker Úber einige Lagerstátten von Limonit
im Serpentin, Zeitschrift des berg- und hůttenmannischen Vereins fůr Steiermark und
Kárnthen 18706.)
Erklárung der Figuren im Texte,
Fig. 1 pas. 15. Amphibolgneus in der Schlucht zwischen Ronov und Mladotic
an der Doubravka in einer etwa "/,"“ máchtigen Lage innerhalb einer Schichtenbank
schiefrig geknickt, obwohl die Hangend- und Liegendbank ganz ebenschiefrig ist. Die
schwarzen Linien bezeichnen den Amphibol des Gneusgemenges, das weiss gelassene den
Orthoklas, Oligoklas und Auarz.
Fig. 2 pas. 18, 152. Ein Schnitt durch den máchtigen Corsitsang in der Rich-
tung von NO nach SW unweit NW von Mladotic bei dem bedeutenden Buge des
Doubravkabaches. Das Liegende des Corsitganges bildet Amphibolegneus; das Hangende
ist Biotitgeneus (im Holzschnitte bloss als Gneus bezeichnet).
Fig. 3 pas. 30, 108, 142. Die Ansicht des linken Hlbeufers gegenůber Elbe-
Tejnic, wie dasselbe von dem Eisenbahneinschnitte entblósst ist, vom Zabořer Bahnhofe
aus (Station Elbe-Tejnic) bis nahezu gegen Kojic dem Laufe der Elbe folgend. Der
Schnitt geht demnach nicht vóllig senkrecht gegen die Richtung der Schichten. Die von
b zu 5 fortlaufenden Zahlen unter dem Schnitte sind die Nummern der Telegraphen-
stangen; ebenso sind die Kilométerzahlen angegeben. Unter dem Bahnhofe sind Elbe-
aluvionen; darunter deutlich důnnschiefriger Amphibolit a, welcher durch Glimmerschiefer-
phyllit ph úberlagert wird und nahe vom Wáchterhaus Nr. 282 mit 339 nach 24* einfállt.
Darauf folgt wieder Amphibolschiefer a und wieder Glimmerschiefer und Glimmerschiefer-
phyllit ph; bei dem Wáchterhaus Nr. 281 aber zwei Lagergánge von Gneusgranit ž, welche
durch Glimmerschiefer ph getrennt werden. Eine Scholle von dem Schiefer pž im Liegend-
gange bei Telegraphenstange 239 beweiset die eruptive Natur des Gneusgranites. In der-
selben kommen gegen das Hangende zu schwache Ouarzgánge vor, welche immer spátere
Verschiebungen andeuten und die auch als lenticulare Ouarznester, weiter oben bei Kilo-
meter 334, so háufig sind und an die Náhe von Dioritcángen gebunden erscheinen. Vom
Gabbrostocke g, welcher vom Háuschen 281 bis zum Bahnviaducte unter Vinařice ent-
blósst ist, trennt den Gneusgranit eine schwache Glimmerschieferlage ph. Vom Viaducte
aufwárts folgen Glimmerschiefer, die durch schwáchere Gneuseranit- sowie Gabbro wie
Uralitdioriteánge (g) durchbrochen werden. In dieser Parthie, Stange 229 bis zum Bahn-
viaduct, wo der tiefere Theil von Vinařic steht, ist die Lagerung deutlich, zwischen
Stange 226 und 229 aber bedeckt, so dass auf der Figur 3 das Zeichen ph als Glim-
merschiefer nur mit Wahrscheinlichkeit aufgetragen ist. Bei der Telegraphenstange 225
nahe des Hohlweges ist aber eine recht bedeutende Verwerfung, da auf Glimmerschiefern
ph, Thonschiefer der tiefsten Silurétace A (cambrisch) aufruhen, in welchen ein sehr
feinkdrniger (Uralit) Dioritsang d bemerkbar ist. Die grauschwarzen Thonschiefer A, die
nach 1%/,» verfiáchen, sind im Liegenden gestůrt gelagert und mit citronengelben Anflůgen
bedeckt. Im Hangenden úber A folgen důnnschiefrige Glimmerschiefer ph wahrscheinlich
in etwas discordanter (úberschobener) Lagerung und in denselben bei Wáchterhaus 280
echte Gáůnge von Gneusgranit Ž und von Uralitdiorit ďd. Der Hangendgang des Uralit-
o
oa ke a
205
- diorites wird durch Chloritschiefer c getheilt. Weiter flussaufwárts folgsen dann wieder
© Glimmerschiefer pň, Amphibolit-Glimmerschiefer a und zwei durch Glimmerschieferphyllit
p getrennte Lagergánge von Uralitdiorit d 1"/,“ —1'/,"“ máchtig, in deren Náhe, und zwar
im Liegenden, im Glimmerschiefer lenticulare Ouarznester folgen. Das Hangende bildet wieder
Glimmerschiefer ph, der nach 1“/,» mit 409 verflácht, mit lenticularen Auarznestern ; dann
bei 196 ein 3" máchtiger Uralitdioriteang. Im weiteren Hangenden ein sehr důnnschie-
friger Glimmerschieferphyllit ph mit einem echten Dioritgange d von 1% Máchtigkeit bei
© 192, in dessen Hangendem wieder langgezogene Auarzlinsen erscheinen. Beim Wáchterhaus
279 wendet sich die Glimmerschiefer-Uferterasse in der Richtung des Streichens gegen
Kojic, wesshalb sie hier nicht weiter ausgefůhrt erscheint. — Massstab 1: 10000.
Fig. 4 pag. 48 stellt die westliche Stirnansicht der Černá skála WNW. von
Hošťalovic vor; dieselbe ragt aus Chloritdioritaphaniten hervor, ist ganz deutlich ge-
schichtet, vielfach gefaltet und durch Auarzklůfte durchsetzt.
Fig. 5 pase. 50 das Thálchen von Tupes gegen den WNW Kipolticer-Teich. Bei
Tupes tritt die aus groben lichten guarzigen Grauwacken der Etage B bestehende Mauer
aus der turonen Kreideůberlagerung č hervor und wird durch eine nicht ganz deutlich
entblósste Verwerfung, die parallel zum Streichen geht, durchsetzt. Am Ausbisse zeigen sich
grosse, von der Brandung des Kreidemeeres abgerundete Knauer der Grauwacke. (Gegen
SW folsen Wechsellagerungen von Grauwackenschiefern, die denjenigen der Etage C
áhnlich sind, mit den guarzigen Grauwacken B; dann ebensolche Wechsellagerungen, jedoch
mit dunklen kórnigen Grauwacken C, bis dieselben unter Lipoltic vorherrschend werden.
Die Zeichen B, C bedeuten nicht das Zeichen der betreffenden Etage, sondern beziehen
sich nur auf das (Gestein.
Fis. 6 pag. 50, 140. Der Gangstock des Diabases in dem zu einer Schlucht
verengten Thálchen bei Chrtník (S Choltic). Bei der Ságe durchbricht Diabas ď das
guarzige feste Grauwackenconglomerat B und schliesst auch eine Scholle von Conglomerat
B und Grauwackenschiefer C ein. Das Liegende C, sůdlich von der Můhle besteht aus
transversal schiefrigen Grauwackenschiefern, in denen gewisse, in der Zeichnung punctirte
Grauwackenschichten den Verlauf der Schichtung andeuten, welche sonst durch die falsche
Schieferung ganz verdeckt werden wůrden.
Fig. 7 pag. 54. Idealer Durchschnitt durch das Eisengebirge zwischen Semtěš
und der Skála bei Lipoltic. Aus der Kreideebene der Doubravkadepression bei Semtěš
erhebt sich úber turonen Schichten ť, der Steilrand des Eisengebirges, welcher aus Glim-
merschiefern p, p und Amphibolschiefern am gebildet ist. Deutlich aufgelagert sind die
cambrischen Schichten A mit der lagerartigen Kalklinse bei der Vápenice. Des ůúber der
Etage A folgende, bis gegen Lhotka ist nicht so gut entblósst, als es wůnschenswerth
wáre. Es sind dies zuerst tuffige dunkelgrůne Grauwacken und Grauwackenschiefer d Z,
dann Chlorit-Dioritaphanite a mit eingeschaltěten Stócken von Aphanitconglomerat s,
welches bei Lhotka steil nach NO einfállt. Die nun darůber folgenden graugrůnen Grau-
wacken ď und dunklen Grauwackenschiefer b mit transversaler Zerklůftung, welehe immer
die Mauer der festen guarzicen Grauwacke der Etage B besleiten, sind ziemlich deutlich
entblósst, steil verflichend. Was das Liegende und was das Hangende hier wáre, bleibt
unbestimmt. Bei Podvrd verlieren sich die Schichten B abermals unter obercenomanen
und turonen Schichten ko, ť.
Fig. 8 pag. 57. Ein Durchschnitt durch das Thal von der Bačala-Můhle gegen
Citkov. Bei Dolan bilden korycaner sandige Kalke ko den Fuss der Eisengebirges. Die
graugrůnen Grauwacken d und die festeren grauschwarzen guarzigen Grauwacken ds sind
der Lagerung nach zu den Auarziten d, nur ideal dargestellt, da hier irgendwo die
Zbislavec-Chotěnicer Bruchlinie durchoehen důrfte, welche nicht gut entblósst ist. Weiter
folgen vielfach gefaltete antiklinal, synklinal und isoklinal verbogene schwarze Thon-
206
schiefer der Zone d,, deren Lagerungsverháltniss gegen d, gleichfalls nicht zweifellos
blossgelest ist. Die Lagerung wird erst im Liegenden des Kalklagers eine deutliche,
weniger gestórte; nur das Podoler Kalklager v ist in der Citkover Schlucht lokal ver-
worfen. Die Hangendschiefer d, verfláchen wenig gestůrt, bis sie an aplitische Granite ap
und rothe Granite g anstossen, in welchen Guarzporphyrgánge p eingelagert sind.
Fig. 9 pag. 59. Der máchtigste Theil des Kalkstockes bei Boukalka. Sowohl
im Hangenden wie im Liegenden verfláchen die schwarzen Thonschiefer d, nach S ganz
deutlich, trotz ihrer transversalen Schieferung. © Erst im linken Gehánge der Prachovicer
Schlucht stellen sich die vielfachen Schieferknickungen ein. Bei m treten im Kalkstocke
die Minettegánge auf, welche auf
Fig. 10 pas. 59 vergróssert dargestellt sind. Die Figur stellt die entblósste Wand
eines Kalkbruches oberhalb (S) Boubalka vor; m sind die Minettegánge im kórnigen,
wohl geschichteten Kalke.
Fig. 11 pae. 61. Ein Durchschnitt, ideal gehalten, durch den óstlichen Theil
des Eisengebirges ber Deblov. g sind rothe Granite mit Felsiten f, schiefrigen Felsit-
porphyren fp, und Dioritaphaniten a, an welchen die Schiefergesteine des Eisengebirges
absetzen. NNW von Pohořalka raet die deutlich geschichtete geneigte Mauer von d,
mit Scolithus-Resten hervor; diese Schichten sind gewoólbartig gebogen; unter denselben
erscheinen schwarze Thonschiefer bis zur Mauer von d; bei Deblov. Hier bleibt das
Verháltniss von d, und d, insofern unklar, als es nicht sicher erwiesen ist, ob unter
Deblov eine Verwerfungskluft durchoeht, trotzdem dasz viel Wahrscheinlichkeitsgrůnde
fůr den Bestand einer Bruchlinie vorliegen, Unter Mejtky sind wieder schwarze Thon-
schiefer d, abgelagert, die sich unter korycaner Schichten ko verlieren. Unbestimmt
bleibt es, ob ein oder zwei Zůge von GAuarziten hier bestehen.
Fig. 12 pag. 62. Contactstelle zwischen silurischen Thonschiefern p und lauren-
tinischem Gneuse 7 in der Schlucht, welche von der čstlichen Můhle bei Vojnůvměstec
gegen ONO aufsteist. Die Stelle des Durchschnittes ist beinahe genau *9 km Ó von
Vojnůvměstec. Die Thonschiefer liegen auf dem Gneuse discordant und werden SW von
obercenomanen ce und turonen Schichten ť úberlagert.
Fig. 13 pae. 81. Ein Durchschnitt durch das Kreideplateau von Leitomyšl-
Hohenmauth. Der Schnitt geht úber Proseč und Sudislav in gerader Richtung. Bei
Proseč herrschen rothe Granite (* vor, welche eine Scholle von zu Amphibolphyllit um-
gewandelten tiefsten Silurgesteinen J* einschliessen. Auf dem Granit ruhen měchtige
Ouaderschichten U. C. des Unteren Cenomans (Perucer Schichten), darauťf die Unterturonen
Pláner U. T., welche in der tieferen Stufe aus dem Baupláner in der oberen parallel
schraffirten Stufe aus merelig důnnplattigsen Schichten bestehen, welche die erste tiefere
Terrain-Stufe unter Chotovice bilden. Die zweite Terrain-Stufe bilden mittelturone unten
plattige, oben festere Kalkpláner (Iserschichten) M. T., welche in den obersten Lagen
sandig kalkig und reich an Callianassa-Resten sind. In der Loučná-Niederung bedecken
diese Mittelturonpláner bláulich graue důnnplattige Pláner und Mergel des Oberturons
(Teplicer Schichten) O. T, welche der Schnitt zwischen Cerekvice und Heřmanic zeigt.
In dem Horizonte der Stillen Adler zeigen sich keine Untercenomanen GAuader, sondern
bloss glaukonitisehe Sandsteine des Obercenomans O, C. (Korycaner Schichten) welche
stellenweise auf inselartig zum Vorschein kommenden Graniten G aufruhen. Diese ober-
cenomanen Sandsteine důrften im SW Theile des Durchschnittes zwischen Bor und
Chotovice in der tiefsten Lage des Unterturons U. T. vorhanden sein, da sie hier schwach
und mergelig entwickelt sind. Im Steilrande der Ufergehánge der stillen Adler bei
Sudislav wiederholt sich die Auflagerung der Plánerschichten U. T. (Unterturon) M. T'
(Mittelturon) wie schon erwáhnt. Der dargestellte Durchschnitt zeigt den flach mulden-
fórmigen Charakter der ganzen Ablagerung des Kreidesystems.
201
Fig. 14 pag. 112. Ein Durchschnitt in der unbedeutenden Thalschlucht mitten
zwischen Unter-Holetín und Ober-Babákov, oder genau S 1'/, km von Stříteř (N Hlinsko),
die Gránze zwischen Granit und Phyllit p (umgewandelten Grauwackenschiefer der Hlinsko-
Skučer Schieferinsel) darstellend.
Der jůngere Biotitgranit, grauer Granit žŽ von etwas gneusáhnlicher Textur gránzt
an Phyllit, welcher zu kleinkórnigem gestrecktem Amphibolschiefer a metamorphosirt ist,
der in Phyllit p úbergeht. Gánge von Diorit d und ganz unvollkommen schiefrigem Granit-
porphyr (oder Ouarzporphyr) po durchsetzen nahe der Gránze die Phyllite, welche in der
Náhe der Gánge in der Lagerung gestórt sind. Der Schnitt, welcher genau von N nach
S geht, durchsetzt die Schichten etwas schief, da deren Verfláchen (falls es nicht die
transversale Textur ist) nach 8*/," mit 78 bis 9"/,* mit 809 gerichtet ist. Die unvoll-
kommene Schieferung des Granitporphyres geht parallel der schiefrigen, wahrscheinlich
aber transversalen Textur des Phyllites.
Fig. 15, 16, 17 pas. 190. Streckenórter auf Pyritlagern im Pyrophyllitschiefer
am 7, 6 und 5 Laufe des Bartholomeischachtes in Gross-Lukavic. Die derben lager-
artigen Pyritbánke und Schnůre, welche schwarz gehalten sind, begleitet Ouarz in lenti-
culáren Nestern. Die Máchtigkeit ist sehr wechselnd.
Fig. 18 pag. 190. Ein Abbauort auf einzelne lenticuláre Pyritbánke (Lager) und
lagerartige Schnůrchen am 1 Laufe. Die Pyrophyllitschiefer sind stellenweise, da sie nicht
tief unter Tage liegen durch in Zersetzung begriffenen Pyrit bráunlich gefleckt. Sámmtliche
Knickungen der Schichten machen die Bánke des Pyrites mit, welche in ihrer Ge-
sammtheit als Lagerstock aufzufassen wáren.
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DAS ARCHIV
fůr die
i maturwissenschaftliche Landesdurchforschune von Bóhmen
A unter Redaktion von
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J ý Krejčí
enthált folgende Arbeiten :
ERSTEBR BAND.
1 L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hóohenverháltnisse)
| Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Mittelsebirges und des
Sandsteingebirges im nordlichen Boóhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
| 139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte.
| 3) Erste Serie gemessener Hóhenpunkte in Bóohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof.
M. Dr. Kořistka. 128 Seiten Text.
c) Hóhenschichtenkarte, Section II., von Prof Dr. Kořistka. Diese Karte enthált
die in dem Text «) beschriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch,
im Massstabe von 1:200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hóhenverháltnisse
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt.
Preis i. 4— Preis der Karte app. . . - -+ + + * © P k 110 Ad 1 js E60
| II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
(a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verháltnisse des něrd-
-© lichen Bohmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte.
9) Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation von Prof. J. Krejčí.
V 142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte.
(ce) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bóhm.
5“ Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von
(ME Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte.
(4) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel.
on Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic jí sy:
0 o P oa KT RO V, 5, al „45
II. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (L Theil.)
not iSeiten Lext tBPO18 1 ea boa- deseo 6 PO koa eds rřvjjje. 1. 1—
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
- a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text.
-7 db) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bóhmens vom Assi-
— stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln.
| c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bóhmen vom Real-Lehrer
M manuel Barta. 10 Seiten Text.. Preis... -. <. 44 "84 l. 2—
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 kr.
Preis des ganzen I. Bandes (Abth. I. bis V.) geb. < « < « « + + + +++ +++: 1. 9
ZWVEITER BAND.
Erster Theil. (Hálfte.)
c I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- und Hóohenverháltnisse).
Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und die Hóhenverháltnisse des Iser- und des Rieseu-
-© gebirges und seiner sůdlichen und čostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl
-| Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte.
5) Zweite Serie gemessener Hoóhenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt III.) von Prof.
— Dr. Kořistka. 84 Seiten Text.
c) Hohenschichtenkarte, Section III, von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte
thált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation, sie ist 58 Centimeter lang,
"41 Centimeter hoch, im Massstabe von 1:200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen
- Hóhenverháltnisse durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben
Mausgedrickt. Preis dieser Abtheilung . - - -< < ©- ++ -+++ +5: 1. 450
Po >
k ů
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthált: =
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Boóohmens mit 4 Ta l
b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stí
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten.
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Geg n
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte. x
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gege há
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte. "i
Dieser Theil enthált 448 Seiten Text, 11 'Tafeln, 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten,
Preis“ '$" 4 o vyleze VAK Ae ně V Sovy nen ye 2007 030-2 asd +20 (3 a MOMNSaoa NON B
IK. Theil enthált:
Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens
mit 294 Seiten Text únd 8 Tafeln, + Erels.t441t Jdi- © = 0. 2000 eV PS č fl. 3" 50
ZVV ETUEE BAND.
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Zweiter Theil. (Hálfte.) |
IMI. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált: |
Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský ar. p
288 0Seiten"Pext: und“ v "Pafélo VPreisun. dil 2ulalihačuí. tit. eS321CGni10F0hh 260
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: ony MÁ
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bohmens. * |
5) 8 % 4 i Die Flussfischerei in Bóohmen. i
c) 5 Die Krustenthiere Bohmens. jE 4508
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 272 Beiten "Eext. Preiss dy vztah nude 8 zoe 1 3—
V. Chemische Abtheilung. ;
Prof. Dr. Em. Bořický: Uber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure
in den Gesteinen Bohmensi „58 Seiten Text. Preiss: /. 40. 4241. «dk ci 60 kr.
Preis der ganzen zweiten Hálfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. A. 5—
Es kann der zweite Band sowohl im Ganzen, wie auch in den fůnf angefůhrten Hanpe:
abtheilungen, deren jede ein fůr sich abgešchlossenes Ganzes bildet, bezogen werden.
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Davon ist bisher erschienen:
JI. Geologische Abtheilung:
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bohmens vo
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text, Preis. . A. 1—
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Běhmens von
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preis l 1
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Gustav Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 Seiten Text.
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III. Botanische Abtheilung:
Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský.
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IV. Zoologische Abtheilung:
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II. Heft. Die Cladoceren Běóhmens „vón Bohuslav Hellich mit 70 Holzschnmitten
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VIEERTEBR BAND.
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berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič mit 155 Holzschnitten.
FO aPiten. Vesi. PP6IS © 4 s ju se 4 160 67 4 00060000 0 odešle M V E . „ Ag
No. 2. Erláuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von
s Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten A. 450
No. 3. Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský,
"v Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss und Register. E
No. 4. Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Býk von Prof. Dre
Em. Bořický (noch nicht erschienen). “
No. 5. Flóra dés Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal
No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von B
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Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1882, — Se)bstverlag.
SAUDI
im Gebiete der
BOHMISOHEN KREIDEP ORLA LION,
Dolaoontaloischo Unirouohunoen det únadhoy Sitha
III.
Die Iserschichten.
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Dr. A DIT. EBRIČ.
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(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN.)
V. Band. Nro. 2. (Geolosgische Abtheilung.)
BEUIILN
im Gebiete der
BOHMISCHEN KREIDEFORMATION
Palaeondolootsoh ÚnŘeruaunoeu dol eZen SADIAkÍA
ZVE
Die Iserschichten.
Von
It A, BOM. EB LC.
Mit 132 Textfiguren.
(Archiv der naturw. Landesdurchforschung von Bóhmen.)
V. Band Nr. 2. (Geolog. Abtheilung.)
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UINOIS
nerv. OF ILLINOL
UNIVERSITÍ ——— —— AML
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Commissions-Verlag von Fv. Řivnáč. — Druck von Dr. Ed. Grégr.
1885.
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Die vorlievcende Arbeit ist die Fortsetzung der Detailstudien in den
einzelnen Schichten der boóhm. Kreideformation, wie ich mir dieselbe zur
Aufgabe gestellt habe. Die cenomanen Perutzer und Korycaner Schichten
wurden im ersten, die turonen Weissenberger und Malnitzer Schichten im
zweiten Bande des Archives fůr die Landesdurchforschung behandelt. Es
folgen nun die zunáchst jingeren senonen Iserschichten, deren Studium
mit ganz besonders grossen Schwierigkeiten verbunden war.
Es zeigte sich aber auch hier, dass aus dem Labyrinthe der álteren
verschiedenen Auader- und Plánerbezeichnungen nur durch Festhalten an
paláontologischen Horizonten der Ausweg zu finden ist und dass die meist
locale petrographische Beschaffenheit der Ablagerungen von untergeordneter
Bedeutung ist.
Das Einsammeln der Petrefacten und die Untersuchung der Profile
begann im Jahre 1864 und dauerte mit kleinen Unterbrechungen bis zum
Jahre 1881 und zwar immer in den Ferienmonaten, wáhrend in den Winter-
monaten an der Sichtung und Bestimmung der Petrefacten gearbeitet wurde.
Trotz der vielen verwendeten Můhe kann man nachfolgende Arbeit
nicht als eine den Gegenstand erschopfende Monographie betrachten, son-
dern nur als einen Fiůhrer, welcher weiteren Studien zur Basis dienen soll.
Bezůglich der einschlágigen Literatur erlaube ich mir darauí hinzu-
weisen, dass bereits im ersten Bande des Archives pag. 171 ein Ver-
zeichniss der einschlágigen Werke sowie deren Wůrdigung von Prof. Krejčí
gegeben wurde.
Es kann nicht meine Aufgabe sein, in Nachfolgendem alle veralteten
hie und da gemachten Aeusserungen úber die Iserschichten zu kritisiren,
denn es sind dieselben meist ganz ohne paláontolocische Basis oder stůtzen
sich auf spárliches Material. Bei dem den Publicationen des Archives knapp
zugemessenen Umfange wůrde es eine undankbare Aufgabe sein, Behaup-
tungen zu bekámpfen, an deren Vertheidigung wohl heutzutage Niemand
denken wird.
Auch die álteren Versuche der Parallelisirung der Iserschichten mit
Ablagerungen in anderen Lándern waren vor der Verarbeitung des reichen
Materials an Petrefacten werthlos und man wird nach der Erkenntniss des
in Nachfolgendem geschilderten Detail die analogen auswártigen Localitáten
von Neuem sgenau untersuchen můssen und vielfach neue Einsammlungen
von Petrefacten mit genauer Prácisirung der Fundschichte vorzunehmen
gezwungen sein, bevor man zur Vergleichung mit unseren Iserschichten
wird schreiten kónnen.
Ich theilte auch diese Arbeit in drei Abschnitte, von denen der erste
die allgemeine Charakteristik der untersuchten Schichten, der zweite die
specielle Beschreibung der einzelnen Localitáten enthált, wáhrend der dritte
Ulustrirte Belege fůr die vorgefundenen Arten nebst kurzen Anmerkungen
liefert und vor Allem zur Orientirung unserer einheimischen der grossen
paláontologischen Literatur entbehrenden Freunde der Paláontologie dienen
soll und keineswegs auf eine erschopfende Bearbeitung des vorliegenden
Materiales Anspruch machen will.
PRAG im Jánner 1883.
Dr. A. Frič.
I. Charakteristik und Glederuno der Iserschichten.
Charakteristik der Iserschichten.
Die Iserschichten wurden unter diesem Namen zuerst von Prof. Krejčí *) als
ein selbststándiges Glied der bohmischen Kreideformation angefihrt. Es geschah
diess vor Allem wegen ihrer orographischen Bedeutung, da sie in einer Máchtigkeit
bis zu 100 Meter auf weite Strecken die gleiche Beschaffenheit behalten und als
ein orographisch individualisirtes Plateau den ganzen Raum zwischen dem basal-
tischen Mittelgebirge, der Elbe und der Iser bis zur Landesgrenze und darůber
hinaus in das Bereich der sogenannten sáchsischen Schweiz einnehmen. Die
paláontologische Begrůndung blieb spáteren Detailarbeiten vorbehalten.
In den álteren Schriften des Prof. Reuss finden wir aus dem Grunde nichts
Náheres darůber, weil diese Schichten in dem von ihm untersuchten westlichen
Theile von Bohmen nur schwach angedeutet und nicht in ihrer charakteristischen
Form entwickelt sind. Bloss bei einigen Petrefacten fůhrt er **) an, dass sie in
dem kalkigen Sandsteine des ostl. Bohmens vorkommen.
Es sind diess z. B. Mytilus Ligeriensis (jetzt Modiola typica), Cyprina oblonga
von Auscha und Callianassa von Triebitz.
In einer spáteren Schrift ***) erwáhnt er der Schichten, mit denen wir uns
befassen und reiht die sandsteinartigen Gebilde im óstlichen Bohmen bei Trůbau,
Triebitz etec. (p. 76) in die „mittlere Abtheilung der bóhm. Kreide“, fiůigt aber
hinzu, dass ihre Stellung noch keineswegs sichergestellt ist.
Die Ouadersandsteine dieser Schichten machten den Geologen viel Schwierie-
keiten und man guálte sich ab mit der Sicherstellung, ob es ein Unterguader,
Mittelguader oder Oberguader sel.
In Bóhmen ist es aber nicht rathsam, die petrographische Erscheinung des
Ouadersandes als Hilfsmittel zur Pezeichnung von einzelnen Schichten verschie-
denen Alters zu benůtzen, denn wir haben nicht weniger als 8 Guadersande ver-
schiedenen Alters:
1. Ouadersandsteín. Cenomane Sůsswasserablagerung mit Pflanzenabdrůcken.
(Perucer Schichten.)
2. Auadersandstein. Cenomane Meeresablagerungen. (Korycaner Schichten.)
*) Zweiter Jahresbericht der Durchforschung von Bóhmen 1867 und Archiv fůr Landes-
durchforschung, erster Band Sect. II pag. 48.
**) Versteinerungen der bóhm. Kreideformation II., pag. 4 und 16.
**) Kurze Uebersicht der geognostischen Verháltnisse Bohmens, Prag, Calve'sche Buchhand-
lung 1854, pag. 76.
| 1
3. Ouadersandsteín. Sandige Facies der: turonen Schichten mit Inoceramus
labiatus in der sáchsischen Schweiz. (Weissenberger Schichten.)
4. Auadersandstečn. Rhynchonellenguader der Dřinover Knollen (bei Melnik).
(Weissenberger Schichten.)
5. Auadersandstečn. Rhynchonellenguader der Byšicer Uebergangsschichten.
(Iserschichten.)
6. Auadersandstein. Erster Kokořiner AOuader. (Iserschichten.)
7. Ouadersandstečn. Zweiter Kokořiner Auader. (Iserschichten.)
8. Auadersandstein. Die Ouader von Grossskal und Tannenberg. (Chlomeker
Schichten.)
Da die Ouadersandsteine petrographisch meist vollkommen gleich sind und nur
selten (mit Ausnahme der Korycaner Schichten) hinreichend bezeichnende Petre-
facten enthalten, so ist man darauf hingewiesen, ihr relatives Alter nach den
paláontologischen Einschlůssen der plánerigen und kalkigen Lagen, welche unter
und úber ihnen liegen, zu beurtheilen. Im das Bereich der Iserschichten fallen
von den angefůihrten Auadern drei: Nr. 5, 6 und 7 der oben angefiihrten Reihe.
Auf den álteren Karten der geologischen Reichsanstalt waren die Iserschichten
nicht ausgeschieden, sondern mehr vom petrographischen Štandpunkte aus ihre
Ouader und Auadermergel mit denselben Farben wie die álteren Pláner und Auader
bezeichnet. Erst Dr. U. Schlónbach, welcher unsere Petrefactensammlungen durch-
zusehen Gelegenheit hatte und welchen ich zu den von uns eruirten instructiven
Aufschlůssen begleitete, erkannte die Richtigkeit der Ausscheidung der Iserschichten
als selbststándiges Glied unserer Kreideformation und fůhrt die Weissenberger,
Malnitzer und Iserschichten in seinem Mittel-Auader und Mittelpláner an *), in
welcher Auffassung sie seither auf den Karten der geol. R.-Anstalt aufgetragen
erscheinen. |
Die paláontologische Begrůndune der Selbststándigkeit der Iserschichten
blieb mir vorbehalten und ich wurde in der Lósung der Aufgabe sehr ausgiebig
durch die Bearbeitung der Echinodermen von Dr. Otom. Novák unterstůtzt, deren
Ergebnisse die Selbststándickeit der Iserschichten elánzend bestátigten.
Der stratigraphische und paláontologische Charakter der Iserschichten lásst
sich in kurzen Worten folgendermássen ausdrůcken :
Die Iserschichten sind kalkicge und sandige Ablagerungen,
welche den Malnitzer Schichten mit Ammonites Woolgari auf-
gelagert sind und in ihren oberen Lagen durch A mmonites con-
ciliatus, Trigonia limbata, Pholadomya nodulifera, Modiola typica,
Micraster Michellini, Hemiaster plebeius und Caratomus Laubei
charakterisirt sind.
Ihnen fehlt Ammonites Woolgari und sie besitzen noch nicht
den Amm. D'Orbignianus und Cardium Ottonis, welche spáter zu-
gleich mit der sich wiederholenden Trigonia limbata in den
Chlomeker Schichten auftreten. !
*) Sitzungsber. der geol. Reichsanstalt 1869, pag. 145.
3
Die Iserschichten werden von den Teplitzer Schichten mit Terebratula sub-
| rotunda und Micraster breviporus (M. coranguinum frůherer Autoren) ůúberlagert.
(Leitomischel, Abtsdorf, Chlomek bei Melnik.)
| Da die Teplitzer Schichten nicht úberall gut entwickelt anzutreffen sind und
"wo sie gut entwickelt sind, wieder die Iserschichten nicht typisch auftreten, so
1 kamen wir auf den Gedanken, dass sich beide vertreten und nur verschiedene
© Facies einer Ablagerung reprásentiren, zu welcher Auffassung man auch von an-
' deren Seiten zeitweise geneigt war.
Diese Gedanken mussten aber fallen, sobald das grosse Material an Petre-
© facten gesichtet war und genaue Profile an neuen gůnstigen Aufschlissen auf-
© genommen wurden.
| Zu den Eigenthůmlichkeiten der Iserschichten gehórt auch das Fehlen der
| Exogira columba, welche wir frůher vielfach als in denselben vorkommend ange-
| fůhrt haben. Bei sorgfáltiger Untersuchung der betreffenden Exemplare, welche
© durch ihre Gesammterscheinung und ihr massenhaftes Auftreten ganz an Ex. columba
erinnern, zeigte es sich, dass sie sámmtlich Anwachsfláchen haben, die aber oft
- sehr klein sind und leicht úbersehen werden. Na ch wohlerhaltenen Exem-
© plaren wurde festgestellt, dass alle in den Iserschichten vor-
| kommenden Exociren, die frůher fůr Ex. columba gehalten wurden,
| der E. conica Sow. angehóren.
Oefters wurden frůher von Geinitz und von uns die Iserschichten denjenigen
-von Kieslingswalde parallelisirt, da sie mit denselben die Trigonia limbata gemein-
- schaftlich haben; aber es zeigte sich nach der Entdeckung der Chlomeker Schichten,
dass diese den Priesener Bakulitenthonen aufgelagerten, durch Cardium Ottonis
gekennzeichneten viel jůngeren Sandsteine das wahre Aeguivalent der Kieslings-
walder Schichten sind.
Man darf sich nicht durch die Trigonia limbata táuschen lassen, denn sie
tritt bei uns zweimal auf: erstens in den Iserschichten, ohne Card. Ottonis
(dann ánderten sich die Verháltnisse und es lagerten sich die Priesener Baku-
litenthone ab) und zweitens in den Chlomeker Schichten, welche eine modificirte
Wiederholung der Iserschichten sind, und da in Gesellschaft von Card. Ottonis,
Zur Orientirung ůúber das Lagerungsverháltniss der Iserschichten gebe ich
in Fig. 1 ein schematisches stark verkůrztes Profil der ganzen bohm. Kreideforma-
tion und zwar in der Richtung von Raudnitz gegen Jung-Bunzlau, wobei die Gegend
durchschnitten wird, in welcher die Iserschichten am besten entwickelt sind und
in Fig 2 ein Schema der Schichtenfolge mit Andeutung und Charakterisirung der
einzelnen Lagen.
Diese Schichtenfolge, wie wir sie, Prof. Krejčí und ich, im ersten Bande des
Archives (Sect. II p. 46) aufgestellt haben, wurde seither durch die weiteren
Arbeiten als die richtige bestátigt und durch paláontologische sowie auch strati-
oraphische Thatsachen der Beweis geliefert, dass diess eine feste Basis fůr weitere
Studien bildet. (Kleine Modification z. B. bezůglich der Zugehorigkeit des Exogiren-
sandsteins von Malnitz, den wir frůher zu den Iserschichten rechneten, der aber in
die Weissenberger Schichten gehort, ándern am Ganzen nichts.)
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Es sei erlaubt, hier eine kurze
Charakteristik der einzelnen Schichten ©
folgen zu lassen:
1. Perucer Schichten. Sůss-
wasserablagerungen cenomanen Alters.
Ouader mit Einschlissen von Schiefer-
thonen, die eine reiche Flora, welche
soeben neu bearbeitet wird *) und spár-
liche Thierreste, Mollusken und Insekten
fůhren. **)
2. Korycaner Schichten.***)
Meeresablagerungen von cenomanem
Alter mit Trigonia sulcataria, Pecten
asper und Ostrea diluviana. Sandsteine,
Kalksteine, Conglomerate, weissliche od.
grůne Letten.
3. Weissenberger Schich-
ten. +) Meeresablagerungen turonen
Alters mit Inoceramus labiatus, Ammo-
nites Woolgari und zahlreichen Fisch-
resten. Mergel, gelbe Baupláner und
Knollenpláner oder GAuadersande mit
In. lab. (meist die Basis der Sand-
steinwánde der sáchsischen Schweiz
bildend).
4. Malnitzer Schichten.
Meeresablagerungen turonen Alters, in
denen noch Am. Woolgari háufig ist,
Arca subelabra in grossen flachge-
drůckten Exemplaren auftritt und von
Gastropoden, Fusus Renauxianus, Turbo
cogniacensis und Rapa cancellata. Die
úbrige Fauna stimmt mit den Weissen-
berger Schichten úberein. Glauconitische
und Knollen fůhrende Pláner.
*) Velenovský: Die Flora der bóhm.
Kreideform. (Beitráge zur Pal. Oesterr.-Ung.
v. Mojsisovies und Neumeyer. Wien 1882.)
**) Dr. Frič: Perucer Schichten. Archiv
fůr Landesdurchforsch. Band I. Sect. II. p. 185.
***) Archiv L. c. p. 189.
+) Archiv. IV. Band Nr. 1. Geol. Abth.
Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation.
Die Weissenberger u. Malnitzer Schichten. 1878.
“
Chlomeker Schichten
Priesener Schichten
Teplitzer Schichten
Iserschichten
Malnitzer Schichten
Weissenberger Sch.
Korycaner Schichten
Perucer Schichten
Fig. 2.
|
|
|
Ouadersand mit Cardium Otto-
nis (Ueberguader) = Kies-
lingswalde
Sphárosiderite
Gelbe und sraue Bakuliten-
thone
Plánerkalke mit Terebratula
subrotunda oder bláuliche
Mersel
Briozoengchichten
Trigoniaschichten
Zweiter Kokoříner Auader
Zwischenpláner
Erster Kokoříner Ouader
Byšicer Uebergangsschichten
Avellanenschichte
Launer Knollen
Malnitzer Grinsand
Wehlowitzer Pláner
Dřinover Knollen
Semitzer Mergel
Kalke, Sandsteine etc. mit
Meeresthieren cenomáanen
Alters
Ouadersand mit Landpflanzen
Schieferthon mit Kohlen-
schmitzen
Silur- oder Kohlenformation
Schichtenfolge der bóhm. Kreideformation.
O1
5. Iserschichten. Meeresablagerungen untercenonen Alters mit Ammo- ©
nites conciliatus, Trigonia limbata, Pholadomya nodulifera, Micraster Michellini, ©
Hemiaster plebeius und CČeratomus Laubei. Haben keinen Amm. Woolgari mehr
und noch kein Cardium Ottonis. Kalkige, sandige Pláner ohne oder mit einge-
lagerten Auadersanden, oder bloss als petrefactenleere Ouader auftretend. Bilden
die obere Partie der Šandsteinwánde der sáchsischen Schweiz und den hohen
Schneeberg.
6. Die Teplitzer Schichten. Meeresablagerungen cenonen Alters mit
Terebratula subrotunda und Micraster breviporus (M. coranguinum frůherer Autoren).
Máchtige Plánerkalke oder blaue feuchte Letten.
7. Die Priesener Schichten. Meeresablagerungen cenonen Alters mit
zahlreichen Scaphytes Geinitzii und Baculites Faujassi, mit Ammonites D'Orbi-
onianus.
Feuchte bláuliche oder bráunliche Thone, oft mit verkiesten Petrefacten; bei
hoher trockener Lage weisse dinnschichtige Plattenpláner.
S. Chlomeker Schichten. Meeresablagerungen cenonen Alters mit Car-
dium Ottonis, Amm. D'Orbignianus, Trigonia limbata.
Ouadersande von Chlomek, Grossskal, Tannenberg (die Schichten von Kieslings-
walde als Litoralbildung).
Diese jiingsten Schichten unserer Kreideformation sind noch álter als die mit
Belemnitella guadrata.
Gliederung der Iserschichten.
Der Schliůssel zum Verstándniss der Iserschichten ist in der Melniker Gegend
zu suchen, wo man beim Studium von Profilen, die vom Rande der von den Iser-
schichten gebildeten Mulde gegen deren Centrum bei Mšeno-Dauba hin sich ver-
folgen lassen, nach und nach einen klaren, wenn auch můhsam erworbenen Einblick
in die complicirte Gliederung bekommt.
Namentlich sind es zwei Linien, welche die Zusammenstellung des idealen
Profiles (Fig. 2) ermoglicht haben. Die eine ist von Liboch úber Schellesn, Zimoř,
Kokořin nach Kanina, die zweite von Všetat, Byšic, Řepin, Chorouška, Kanina.
Beide Profile werden weiter unten detailirt beschrieben werden.
Der ganze Complex lásst sich in 4 Horizonte theilen: Profil Fig. 3.
17Byšicer Uebergangsschichte m. 1 sl NOU:
2..Kokořiner,Uuwaderschichten -5 -2 4 ceddaddné, ee
32 Ghorousker'ErigaonienschichtEnaemi-< 4.2.0 „ 8—1I5.
4IKanner bn ozopenschichten "4 < MPA Bin | ic
Die Auaderschichten sind nicht úberall entwickelt und stellenweise nur durch
petrefactenleere Pláner vertreten. Dort ist es oft sehr schwer die Grenze zu ziehen,
wo die eigentlichen Iserschichten beginnen, denn sie sind nur in ihren oberen Lagen
reich an bezeichnenden Petrefacten. |
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1. Byšicer Uebergangsschichten.
Die Feststellung der unteren Grenze der Iserschichten gegen die sie unter-
Jagernden Malnitzer Schichten hin ist mit grossen Schwierigkeiten verbunden, denn
petrographisch zeigt sich an den aufgeschlossenen Contactstellen kein auffallender
Unterschied und in Bezug auf die Fauna ist auch der Uebergang ein allmáhliger.
Es wáre beguem die Iserschichten erst mit dem Kokořiner Auader beginnen
zu lassen und alles darunter Liegende bis auf die Wehlowitzer Pláner herab den
Malnitzer Schichten zuzurechnen, wenn dieser Auffassung nicht mehrere Umstánde
entgegenstehen wůrden. Erstens sind die Kokořiner Auader nicht ůberall ent-
wickelt und dann entfiele der Vortheil dieser gewaltsamen Abtheilung, und zweitens
finden wir zwischen diesen Auadern und den als Aeguivalent der Malnitzer Schichten
erkannten Lagen eine Reihe von eigenthůmlichen Knollenplánern mit zahlreichen
Fischspuren, die wir als selbststándiges Glied in der Schichtenfolge unserer Kreide-
formation anerkennen můssen. Ich will diese den Malnitzer Schichten aufgelagerten
tiefsten Iserschichten als Byšicer Uebergangsschichten bezeichnen.
Als Byšicer Uebergangsschichten fasse ich die sámmtlichen
sandigen knollenfiůihrenden, stellenweise guaderartigen oder
plánrigen Ablagerungen zusammen, welche zwischen den Mal-
nitzer Schichten und dem ersten Kokořiner Ouader liegen.
Wáhrend die Malnitzer Schichten durch háufiges Auftreten von grossen ach-
gedrůckten Arca subglabra ausgezeichnet sind und in ihren Knollenlagen be-
zeichnende Gastropoden (Turbo cogniacensis, Fusus Renauxianus, Rost. Buchi)
enthalten, treffen wir in den Byšicer Uebergangsschichten auffallend háufig grosse
Knollen von Fischschuppen, grosse Exemplare von Pholadomya aeguivalvis und
das ráthselhafte Petrefact, das frůher als Hamites strangulatus angefůhrt wurde,
traf ich hier ebenfalls an. Den Knollenlacen der Byšicer Schichten entstammt
auch der schóne Beryx ornatus Ag. von Benatek.
In der Umgebung von Byšic, namentlich in Hleďseb, kann man in den Pyšicer
Schichten folgende Lagen unterscheiden:
1. Plánrige Lage mit festen, an Fischschuppen reichen Knollen, etwa 3 m.
2. Losen - Band- l 000 Re o m
9. +Rhynchonellenaua der. 3.10 m bo
4 *Kalkige.Fucoidenbankés 7 7.5 1 0 „„Wioam
auf welche unmittelbar der erste Kokoříner orly: folat.
Am reichsten an Petrefacten ist der Rhynchonellenguader, aber diess nur in
Beziehung auf Individuen, denn ausser der R. plicatilis (und zwar der Form, die
frůher als R. alata angefůhrt wurde) kommt hóchstens noch Vola guinguecostata,
Pecten laevis und Spongites saxonicus darin vor.
Die besten Localitáten zum Studium dieser Schichte sind Schellesn, Zimoř,
Hleďseb, Byšic und Košátek. An anderen ist sie nur schwach angedeutet und
bloss nach einer rostigen Verfárbung der Schichten kenntlich (z. B. zwischen
Čečelic und Byšic).
Dem usseren Aussehen nach oleicht dieser Rhynchonellenguader auffallend
demjenigen, welchen wir in den Dřinover Knollen z. B. in der Schlucht bei
9
Liboch *) kennen gelernt haben; doch ist seine Lagerung úber den Weissenberger
und Malnitzer Schichten unzvweifelhaft, wie aus mehreren weiter unten folgenden
Profilen ersichtlich ist.
Fig. 4. Rhynchonellenguader mit R. plicatilis und Vola guinguecostata von Hledseb bei Byšic.
Nat. Grósse.
EM EZS
== = ps . By za S SN RRŮ R
Z vr TS UN NSN SBÁR NSA,
Fig. 5. Partie aus der Náhe von Zimoř. 1. Rhynchonellenguader der Byšicer Schichten.
2. Loser Sand, welcher die untersten Lagen des ersten Kokořiner Guaders deckt. 3. Mittlerer
Theil des ersten Kokořiner Guaders mit zahlreichen Hoóhlungen. 4. Oberer Theil des ersten Ko-
kořiner Auaders mit deutlicher Řehapbene, 5 ROA den Humus des Waldbodens
iefernd.
*) Weissenberger Schichten p. 84.
10
Die kalkige Fucoidenbank verdient aus dem Grunde Beachtung, weil sie das
durch die Guadersande durchsickernde Wasser aufhált und an vielen Stellen zur
Entstehung von Auellen Veranlassung vcibt.
2. Die Kokořiner Guader.
Die Kokořiner Auader, wie wir sie in den tiefen Thálern in der Mitte des
Bereiches der Iserschichten finden, sind zwei 15—20 m. máchtice, in grosse
Ouader zerklůftete Sandsteine, die von einander durch eine plánrige Zwischen-
schichte getrennt sind.
An den Rándern der Mulde, bei Byšic, Benatek, Jung-Bunzlau etc. sieht
man sich nach denselben vergebens um, bald gewahrt man aber ihre Spuren,
wenn man sich lánes der Tháler dem Centrum der Mulde náhert und kann ihre
rasche Zunahme an Máchtigkeit gut beobachten. Oft sind sie an der Thallehne,
die dem Muldenrande náher ist, viel schwácher, als an der entgegengesetzten
dem Centrum der Mulde náheren Lehne.
Specielle Beispiele davon werden bei der Schilderung der einzelnen Locali-
táten gegeben werden und vorderhand mag die Hinweisung auf das schematische
Profil Fig. 3 geniigen, wo die allmálige Zunahme der Auader anschaulich dar-
gestellt ist.
Wir unterscheiden dort:
a) den ersten, unteren Kokořiner Auader |. . . - - „. Nro. 5,
b) die Aa 0 PRES. o PARA Mon 0
c) den zweiten, oberen Kokořinét Oidér M je
(Im Adlergebiet sind die Auader gar nicht entwickelt nil wahrscheinlich
durch plánrice Lagen vertreten.)
a) Der untere Kokořiner Auader zeichnet sich im Allgemeinen durch
die mehr graue, auf frischem Bruche weisse Farbe aus. Die tieferen Bánke sind
compacter und werden meist von dem Verwitterungsproduct dem losen weissen
Sande verdeckt (Fig. 5 Nro. 2). Die mittleren Bánke zeigen oft grosse Hohlungen an
den verwitterten Wánden (Nro. 3) und die hochsten, etwa das oberste Fůnftel ein-
nehmenden Bánke zeigen deutliche Schichtung (Nro. 4). Die Vegetation-Schichte,
welche man am Gipfel des unteren Auaders antrifit, hat ihren Humus der plán-
rigen Zwischenschichte zu verdanken (Nro. 5). Von Petrefacten ist hier bloss
Spongites saxonicus und Fucoiden áhnliche Gebilde anzutreffen.
Bezůglich der mineralogischen Beschaffenheit beschránke ich mich darauf,
dass die Mehrzahl der Auarzkórner, welche den Sandstein zusammensetzen, aus
rein weissem Ouarz besteht und dass nur spárliche rosenrothe und dunkle Auarz-
kórner vorkommen.
Das Bindemittel hált die Kórner sehr ungenigend zusammen und es ist fast
unměglich, ein Handstůck fůr die Sammlung davon zu machen. Deshalb ist auch
der technische Werth dieses Sandsteines ein sehr beschránkter. Die zu localen
Bauzwecken gebrochenen Blócke verwittern, wenn sie nicht gleich verwendet
werden und bekommen bald abgerundete Kanten oder zerfallen gánzlich, wenn
sie ein oder zwei Jahre den Einfliissen der Witterung ausgesetzt bleiben. Nur
11
selten werden hártere Partien angetroffen, die dam zu Grenzstejnen oder Štein-
metzarbeiten verwendet werden.
In diesem Guader sind die Figuren bei Liboch gehauen, welche aus den
Lehrjahren des berihmten Bildhauers Levý stammen (siehe weiter unten).
Der erste Kokoř. Ouader reicht mehr bis zum Rande der Mulde und man trifft
ihn bei Schellesn zuerst allein ohne den zweiten an den Thallehnen, dann senkt er sich
immer tiefer und tiefer, bis er die Thalsohle erreicht und zuletzt ganz verschwindet.
Wo er in den Thálern des Kokořiner Gebietes etwa zur halben Hóhe der
Thallehne reicht, dort gewahrt man auf ihm den zweiten Ouader entwickelt, wie
er sich aus den die Zwischenpláner deckenden Wáldchen erhebt.
b) Der Zwischenpláner von Hleďseb ist ein die beiden Auader tren-
nendes Glied, welches leicht úbersehen wird, denn die můrben sandigen Pláner
sind in der Regel von Vegetation verdeckt. 80 werden z. B. die malerisch schónen
Felsenwánde des Kokořiner Thales in ihrer halben Hóhe von einem Bande Fiáhren-
wáldchen horizontal in zwei Hálften getheilt und dieser schóne grůne Saum steht
eben auf diesen Zwischenplánern.
Unverdeckt sieht man sie oberhalb Hleďseb am Vruticer Bache, zwischen
Melnik und Řepín lángs des Weges nach der auf der Anhčhe stehenden Hauser-
gruppe, welche dort Vystrkov genannt wird. Dann sehr deutlich bei Kovánec.
Von Petrefacten sind bisher nur wenige vorgefunden worden und diess nur
solche, welche fast in allen Schichten unserer Kreideformation vorkommen.
Der Zwischenpláner scheint gegen Dauba und Auscha hin sowie in der
sáchsischen Schweiz so sandig zu werden, dass man ihn nicht mehr von den
Ouadern unterscheiden kann, worauf die beiden Kokořiner Auader als eine com-
pacte zusammenhángende Auaderbildung erscheinen.
Verzeichniss der in den Zwischenplánern aufgefundenen Arten.
(Nach der Sammlung des Herrn Jos. Pražák in Choroušek.)
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Goprukihkrang. sw : A (eo Se
Nautilus sublaevigatus, (59017 + |— | — Jik
Ammonites peramplus, Mant. . . -< <| — | — | — — |- —
Natica Róomeri, Gein. PAB OSAC OMEGA) 1aindoj vk ab
Rostellaria sp. SBE on e8b (oi dlem|ams
Eriphyla lenticularis, Stol. gra srub ny
Arca subglabra, d'Orb. (?) < | — =
Pinna decussata, Goldí. 2 veky čá neony A o ak = T
Lithodomus spatulatus, Reuss... .- . | — | — |-
(Jenichov (Vystrkov
Bosin (oberhalb
der neuen Můhle)
Kovanec
Nosadlov
oberhalb Hleďseby)
Lhotka
Hostin
Pholadomia aeguivalvis, d'Orb. ==
Panopaea gurgitis, Brongn. . . . ... —
Avicula anomala, Sow.5% |-
Inoceramus Brongniarti, S0w. . . . - -|
Gastrochaena amphisbaena, Gein. . . .|-—
Lima (186TICA 07297 3 Me ee +
Limá "uMačostata, "Go1130 K0 V n
Lima spi 1102113 120% PARSEE (BG VES +
Lima Sowerbyi, Geinitz ; —
Pecten laevis, Nilss. . - - . . kaja cs
Pecten curvahuss Gems gu +
Pecten Reuss OT 32 e na) zl: „2 —
Pečte“ Důjardini AMOR a
E
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PŘŘJÍ
| EEE |
sa
be EA
č delší al SE k ab sb!
E Re S 25 l
Vola guinguecostata, Stol.. . . - « «
Exogyra sčonieca BOW. - o |x:
Exogyra matheroniana u 45 vu I
Ostrea Hippopodium, Nilss.. . . . .. .
Ostrea semiplana, 5ow.. . - . - - k
Anomia 'subtruneata "44 -88
Rhynchonella plicatilis, Sow.
Magas Geinitzii, Schlonbach . . ...
Spondýlusí( 2) MO a
Hippothoa labiata, Nov. ako lo
Berenicea folium, Nov... . . ... |
Diastopora acupunctata, Nov... . ..... .
Catopygus fastigatus, Nov. (?). . . . . |
Cardiaster Ananchytis, Leske . . . . .
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ou
Serpula gcordialis,bch. 13% Se ee:
Serpula socialis, Goldí.. . . ... odié
Spongites saxonicus, Gein. . . . . « «
Flabellina cordata, RBUSSR 2,- + 0-
Cristellaria25(rotulata) Eo- ,< o:
Fucoides columnaáris; £rse2- . -| "|
Fycoidesumformis, BT. =
+
Brány:
Pk S P SPC Se
r l
|
c) Der zweite Kokořiner Auader nimmt den oberen Theil der Fels-
wánde des Kokořiner Thales ein. Seine Máchtigkeit ist in der Regel eine etwas
geringere als die des ersten. In der petrographischen Zusammensetzung sowie in
seiner ganzen Erscheinung ist er dem ersten Kokořiner Ouader sehr áhnlich, aber
auf der verwitterten Oberfláche erscheint er schon von weitem rostroth. Auf
frischem Bruche ist er auch mehr gelblich und nur da, wo in einem grossen
Bruche tief in unverwitterten Partien gearbeitet wird, erscheint er auch weiss.
13
In seinen hochsten Lagen fihrt er Lagen von mehr oder weniger grobem Gerólle,
deren weisse und rothe Kieselsteine schon von weitem sichtbar sind.
Der zweite Kokořiner Ouader ist eben so arm an Petrefacten wie der erste,
und es treten nur selten in ihm schwache kalkigere Lagen mit Rhynchonellen auf.
Hie und da trifft man Šteinkerne von Lima multicostata darin. Spongites saxo-
nicus ist eine háufige Erscheinung. Sein technischer Werth scheint noch geringer
zu sein als der des ersten.
Fig. 6. Partie aus der Gegend von Truskavna, wo beide AGuader entwickelt sind.
1. Loser Sand, der die Basis der ersten Kokořiner OGuader verdeckt. 2. Erster Kokořiner Auader.
8. Plánrige Zwischenschichte bewaldet. 4. Zweiter Kok. Auader.
9. Choroušker Trigoniaschichten.
Die meist kalkig plánrigen Trigoniaschichten, welche man auch als eigen-
tliche Iserschichten im engeren Šinne des Wortes bezeichnen kónnte, bestehen
aus einer ganzen Reihe von festeren und můrberen Lagen, die bald mehr kalkig,
fest, bald mehr plánerig, můrbe, stellenweise wieder mehr sandig sind und ganz
den Habitus des Ouadersandes annehmen. Jede der Lagen hat ihre gewisse petro-
graphische Eigenheit, jede einen etwas abweichenden Charakter in Bezug auf Petre-
factengruppirung, wie man sich an ihren verwitterten Rándern an den Thallehnen
oder an alten Hohlwegen und Wasserrissen úberzeugen kann. Wo die Felswand
durch Steinbrecherarbeit bis auf ganz gesunde Schichten entblósst ist, dort wird
die Entzifferung der einzelnen Glieder zur Unměoglichkeit.
Die petrographische Beschaffenheit der Trigoniaschichten wechselt bedeutend,
was hauptsáchlich von dem verschiedenen Grade der Verwitterung und der theil-
weisen Entkalkung abhángig ist. Grósstentheils sind es kalkige, sandige Pláner,
welche feste sraue Knollen fůhren und in diesen sind dann die meisten Petrefacten.
14
Stellenweise nehmen die verwitterten Lagen, wo sie gleichmássie feinkórnig
sind, das Aussehen des gewohnlichen Plánersandsteins der Weissenberger Schichten
an, wáhrend dieselbe Schichte einige Meter weiter einen festen grauen compacten
Kalkstein darstellt, wie er kaum von manchen Varietáten des silurischen Kalkes
der Etage M oder G zu unterscheiden ist. (Brandeis an der Adler.) In der
sáchsischen Schweiz und in den Weckelsdorf-Adersbacher Felsen ist die hóchste
Fig. 7. Trigonia limbata. D'Orb.
Lage des Auadersandes als Aeguivalent der Trigoniaschichten anzusehen. Die
Bildung von Erscheinungen, wie es z. B. das Praebischthor in der sáchsischen
Schweiz ist, glaube ich folgendermassen erkláren zu kónnen: Die feste Decke des
Thores entspricht den Trigoniaschichten, wáhrend die Stiůtzen dem zweiten Koko-
řiner Auader angehůren důrften, worůber weiter unten ausfůhrlicher gehandelt
werden wird.
Wir finden in den Choroušker Schichten eine reiche Fauna, welche zwar
noch im Ganzen den Charakter der tieferen Weissenberger und Malnitzer Schichten
trágt, aber eine Menge neuer Formen aufweist, von denen frůher keine Spur vor-
handen war.
Die auffallendste Erscheinung ist die Trigonia limbata, dann Perna sub-
spathulata, Pholadomya nodulifera, Exogira laciniata, E. matheroniana. Bezeich-
nend ist auch die grosse Háufigkeit der Lima multicostata var. canalifera und der
verschiedenen Arten von Echinodermen.
Den jahrelang fortgesetzten Beobachtungen und dem fleissigen Sammeln
meines Freundes Herrn Jos. Pražák in Choroušek ist es gelungen, in seiner Um-
gebung 8 Hauptlager im Bereiche der Trigoniaschichten zu unterscheiden, mit
denen sich meine anderweitig gesammelten Erfahrungen oft sehr gut in Einklang
bringen lassen.
Die in Nachfolgendem gebotene Gliederung bietet Anhaltspunkte fůr die
Unterbringung der petrefactenreichen Schichten gleichen Alters, die wir in weiter
ostlich gelegenen Theilen, bei Jungbunzlau, Turnau und Leitomischl vorfinden.
15
Gliederung der Trigoniaschichten bei Choroušek nach Beobachtungen
des Herrn Jos. Pražák.
1. Můrbe zerfallende Pláner mit Nautilus rugatus. Pholadomya
nodulifera, riesigen Inoceramus Brongniarti, Micraster Mi- | Profil Fig. 3
chellini, Hemiaster plebejus Nov. Čatopygus albensis, Serpula © auf Seite 1.
S E PTE P 7 E R adí Nro. 8
2. Feste sandig kalkige Schichte, die als erste vorspringende
Stufe an den Thallehnen wahrzunehmen ist und oberhalb
welcher Auellen entspringen. Dieselbe enthált riesige Am-
monites peramplus und Inoceramus Brongniarti . j
3. Můrbe gelbliche Plánerschichte mit Trigonia limbata, Piňná
decussata und sehr zahlreichen Petrefacten. . . .......... DO)
4. Feste sandige, oben und unten von einer sehr harten guarzigen
Lage begrenzte Schichte, welche an den Thallehnen die zweite
NOESDrIRECBGE-DLIODGBG < sy., ee odd
5. Aus 6 Lagen bestehende Partie, reich an Petrefaciéé ších
oben hin durch eine Bank mit Exogira conica begrenzt ... „ I2a<f.
6. Rostrother Auader mit Reihen kalkiger, an Petrefacten (na-
mentlich Rhynchonellen) reichen Knollen. Hauptlager der
Pseudomya anomioides :
T. Brocklige grobsandige Pláner mit "zahiětndkém Sponitikí k sa-
ZA K2 PO RK V 90T E R S . o dh
8. Rostrother de p: eat Ela knnorehonon
Verzeichniss der fůr die Trigoniaschichten bezeichnenden Arten.
| Elbe-Iser-| Adler-
Gebiet Gebiet
EPEE BM I — 2 C S po ceooh S k ra o 2 ašy —
Halec Sternbergii, Ag.. . : | -E
Nautilus galea, Fr. et Schl.
Ammonites conciliatus, Stol.
Turritella iserica, Fr. - .
Turbo Goupilianus, Orb.
Opis chocenensis, Fr.
Crassatella cf. austriaca, Zitt.
Crassatella cf. macrodonta, Zitt.
Trigonia limbata, Orb. . .
Arca Schwabenaui, Zitt. . . as hy ant dkásdy
PER DIPL CEM NOJED, 120 láe. oře 6a dobad oo nh, dě |
Modiola typica, Forbes s PÁN z zon SEA
aan tldes; "EPP 89 1
Pholadomya nodulifera, Můnst.
Cytherea cf. polymorpha, Zitt.
(+++ +++
bh +++
16
Adler-
Gebiet
| Elbe-Iser-
| Gebiet
Perna. subspatilata, REHBS 375 401. ze lab aa
Lima, Důpiniana "OE gk Ž had Nella 2ba 5
Limaiserica, Er:1W146 220 B SUZULOMK 07 : i
Lima ,;dichotoma, Reuss; -54474 A000
Exogyra Jaciniaba, d'Or ela í dají
Exogyra, Matheroniána, GOT: OP
Krabbe-a) 3... 0 „230 2 MCE eee ON
Krabbe 8), M40 EEE 0 Mo o is
Galianassa antigua;"Otto:.* A430 s :
Serpula socialis;; Goldie P0506 étos
Bitlustra: Pražáki; NOV 4:08 0080.
Entalophora (Geinitzi Reuss" 00 Ze
Petalopora. seriata: Now.
Cidaris cf. Vindocinensis, Ag. ad l An
Cyphosoma Sp. -4T4-5- 1.0 PERO louka 91 PMAMK 0,
Holaster elongatus; Nomystagdaf. s sdabyt: silaníl his:
Micraster Michellini Ae. c" ní <4har-slrnéh 6
Hemiaster plebejus, Nov. ....... Z Ep
Catopy cus fastd6s, RNOVA E291 V0 0- ENEC
Nucleolites „bohéiitc m9- VA S
+444 ++
4 HH+H+4++
Aus diesem Verzeichniss geht hervor, dass die Trigoniaschichten sich nicht
bloss von den álteren Weissenberger und Malnitzer Schichten, sondern auch von
den jingeren Teplitzer Schichten unterscheiden, denn es gehen nur wenige Arten
in dieselben hinauf. Einige der Iserarten intermittiren und erscheinen dann wieder
erst in den viel jingeren Chlomeker Schichten.
4. Bryozoenschichten von Kanina.
Die Bryozoenschichten bilden den Schluss der Iserschichten und stellen
oleichsam den bloss local entwickelten Rahm des úppigen Thierlebens der voran-
gehenden Perioden dar.
Die grósste Entwickelung erreichen diese fast aus lauter Bryozoen bestehenden
Schichten beim Dorfe Kanina, wo sie als fester Kalkstein von 6 m. Máchtigkeit
entblósst sind. Verwitterte Stellen der Kalkbánke sind ganz mit den kleinen
Aestchen der Bryozoen bedeckt und andere Petrefacten sind hier sehr selten und
schlecht erhalten.
Schwácher entwickelt finden wir die Bryozoenschichten bei Gross-Újezd, bei Cho-
roušek, noch weniger scharf abgegrenzt bei Čejtic und Libichov (bei Jungbunzlau),
Lindenau bei Bóhm.-Leipa. Im Adlergebiet sind sie bei Brandeis a. d. Adler, bei
Desná und Chotzen angedeutet, und zwar durch Vorkommen von bezeichnenden
Bryozoenarten in den hóchsten Lagen der plattenfórmigen Kalksteine, mit denen
hier die Iserschichten abschliessen,
|
:
l
:
|
17
Bei Leitomischl důrften die als „Sadrák“ bezeichneten Lagen den Bryozoen-
Schichten entsprechen.
4 1
Localsammler werden bei detailirter Untersuchung ihrer Umgebung gewiss
| Gelegenheit finden, nene Fundorte der Bryozoen-Schichten sicherzustellen.
Fig. 8. Fragment der Kaniner Bryozoen-Schichten, an dessen verwitterter Ober-
fláche zahlreiche Arten von Bryozoen sichtbar sind. Nat. Grósse.
Verzeichniss der in den Bryozoen-Schichten der Umgebung von
Kanina und Choroušek aufgefundenen Arten.
Oxyrhina angustidens.
Belemnites sp.
Nautilus sublaevigatus.
Nautilus galea.
Ammonites peramplus
plare).
Belemnites sp.
Turritella iserica.
Turritella Fittoniana.
Nerita dichotoma.
Turbo Goupilianus.
Avellana sp.
Isocardia gracilis.
Protocardia Hillana.
Crassatella austriaca.
Crassatella macrodonta.
Trigonia limbata.
Mutiella ringmerensis.
Eriphyla lenticularis.
Cytherea polymorpha.
Arca echinata.
Pinna decussata.
Arca subglabra.
Modiola typica.
Pholadomya aeguivalvis.
(kleine Exem-
Panopaea gurgitis.
Pseudomya anomioides.
Tellina sp.
Venus sp.
Avicula anomala.
Inoceramus Brongniarti.
Lima semisulcata.
Lima iserica.
Lima pseudocardium.
Lima canalifera.
Lima Dupiniana.
Pecten laevis.
Pecten curvatus.
Pecten Dujardinii.
Vola guinguecostata.
Exogyra conica.
Exogyra lateralis.
Exogyra laciniata.
Exogyra Matheroniana.
Ostrea hippopodium.
Ostrea semiplana.
Ostrea sp.
Ostrea frons.
Anomia subtruncata.
Anomia subradiata.
18
Rhynchonella plicatilis.
Rhynchonella CČuvieri.
Rhynchonella Mantelli.
Magas Geinitzii.
Serpula socialis.
Serpula gordialis.
Serpula ampulacea.
Serpula macropus.
Hippothoa labiata.
Biflustra Pražaki.
Diastopora acupunctata.
Proboscina bohemica.
Proboscina Suessl.
Entalophora Geinitzii.
Entalophora raripora.
Spiropora verticillata.
Lruncatula tennis
Petalophora seriata.
Antedon (Glenotremites sp.)
Cidaris subvesiculosa.
Glyphocyphus sp.
Cyphosoma radiatum.
Cyphosoma sp.
Holectypus Turonensis.
Cardiaster Ananchytis.
Holaster elongatus.
Micraster Michellini.
Hemiaster plebeius.
Catopygus Pražáki.
Catopygus albensis.
Catopygus fastigatus.
Nucleolites bohemicus.
Caratomus Laubel.
Micrabatia coronula.
Flabellina elliptica.
Spongites saxonicus.
Vioa.
Ventriculites sp.
Die mit durchschossenen Lettern gedruckten Arten sind bisher nicht in den
Trigoniaschichten aufgefunden worden und es haben daher die Bryozoenschichten
um 17 Arten mehr als diese.
Das Hangende der Iserschichten.
Der Schichtenfolge gemáss sollen auf die Iserschichten nun die Teplitzer
Schichten mit Terebr. subrotunda und Micraster breviporus folgen, wie wir sie
in der Gegend von Teplitz, Laun und Leitmeritz entwickelt finden. Únd in der
That gelang es endlich, auf den typischen Iserschichten die Schichten mit Terebr.
subrotunda aufgelagert zu finden und zwar bei Leitomischl und bei Abtsdorf, wie ©
es weiter unten náher beschrieben werden wird.
Auf diesen Mergeln liegen unmittelbar die tiefsten Lagen der Priesener
Schichten in Form von grauen oder weissen Platten.
Wo die Teplitzer Schichten gut entwickelt sind, dort sind gewóhnlich wieder
die Iserschichten schwer nachzuweisen.
Diess fůhrte natůrlich auf den Gedanken, ob die Iserschichten nicht ein
Aeguivalent der Teplitzer Schichten sind und nur als locale Facies von Ablage-
rungen einer Periode aufzufassen seien.
Solche Vermuthungen konnten aber nur damals aufgestellt werden, wo man
vom paláontologischen Charakter der Iserschichten noch nichts wusste. Gegen-
wártig hat man hinreichende Griůnde, aus der Fauna auf die Selbststándigkeit der
Iserschichten zu schliessen.
Aus dem Erscheinen mancher Brachiopoden und Bryozoen Rh. Cuvieri, R.
Mantelli in den hóchsten Lagen der Iserschichten erkennt man zwar eine An-
k
náherung an die Fauna der Teplitzer Schichten, aber an eine Parallelisirune der-
selben ist gegenwártig nicht zu denken.
Die Teplitzer Schichten mit Micraster breviporus und Terebratula sub-
rotunda haben in ihrer Fauna (mit Ausnahme der Echinodermen und Brachiopoden)
eine sehr grosse Aehnlichkeit mit den Wehlowitzer Plánern der Weissenberger
Schichten und haben sich gewiss unter sehr áhnlichen Verháltnissen abgelagert.
Sie gehen ganz allmáhlig in die Priesener Bakuliten-Thone úber, in denen die
entschieden jůingeren senonen Arten auch erst in deren hóheren Lagen auftreten.
PSN SNN AN AN AN A SN SN
I Beschreibuno der im. Bereiche der Iserschichten unter-
suchten Localitáten.
Meine Untersuchungen der Iserschichten fallen in zwei Perioden: Die erste
fállt in die allgemeinen Begehungen der Kreideformation in den Jahren 1864—6%,
wo hauptsáchlich an Petrefacten reiche Localitáten ausgebeutet wurden und nur
eine allgemeine Uebersicht der gesammten Schichten angestrebt wurde und die
zweite, wo ich in den Jahren 1878—81 den Iserschichten eine specielle Auf-
merksamkeit widmete.
Chronologisch mag dies folgendermassen dargestellt werden.
Allgemeine Untersuchungen:
1864. Die sáchsische Schweiz und die Umgebung von Bóhm.-Leipa.
1805. Die Strecke der Kralup-Turnauer Bahn.
1866. Umgebung von Jung-Bunzlau und Turnau.
1867. Bohmisch-Trůbau — Leitomischl, Jičín, Kieslingswalde.
Detailuntersuchungen.
1878. Všetat, Byšic, Choroušek, Kanina, Hlavno, Benatek.
1879. Chotzen, Leitomischl, Polička, Bohm.-Trůbau, Landskron.
1880. Chotzen.
1881. Weckelsdorf — Braunau.
Im Ganzen wurden an 60 Localitáten untersucht und von denselben circa
180 Arten in mehreren Hunderten von Exemplaren den Sammlungen des Museums
eingereiht. Dieselben befinden sich gegenwártig in dem geol. Pavillon und sind
zum gróssten Theile hinter Glas ausgestellt. Grosse Formatstiůcke, welche den
Charakter der Gebirgsarten besser als kleine Handstůcke zur Darstellung bringen,
zleren die Schránke als Aufsatzstůcke.
Die lange Reihe von Jahren, in denen ich mit grossen Unterbrechungen
meist nur in den Ferienmonaten diese Untersuchungen fortsetzen und die zur
Bestimmung und Ordnung něthige Zeit mit Můhe meinen úbrigen Berufscescháften
abgewinnen konnte, mógen manche Mángel entschuldigen, welche Fachmánner an
nachfolgenden Schilderungen wahrnehmen důrften.
2*
20
Wáhrend der Excursionen wurde ich vielfach, namentlich durch Verabreichung
von Petrefacten, von nachstehenden Herren gefórdert:
Herr Em. Barta, Prof. in Leitomischl.
„ Erxleben, Apotheker in Landskron.
„ Fr. Hlaváč, Apotheker in Chotzen.
„ Musika, Ingenieur.
„o J. Pražák, Grundbesitzer in Choroušek.
„ Je. Prach, Bienenzůchter in Rovensko.
„ Gonstantin Schuster, Ingenieur in Turnau.
„o Prinz Alexander Taxis in Laučín.
„ Dr. C. Watzel in Bóhm.-Leipa.
In Bezug auf die Reihenfolge, in der ich die Localitáten beschreiben soll,
stosse ich hier auf gróssere Schwierigkeiten, als es bei den Korycaner und Weissen-
berger Schichten der Fall war. Dort konnte ich annáherungsweise den ehemaligen
Ufern des Kreide-Meeres folgen, was hier bei der Zerklůftung des Terrains nicht
recht thunlich ist und ich bin daher genóthiet, theils instructive Profile vom
Rande zum Centrum der einzelnen Mulden hin zu schildern, theils den durch die
Iser und Stille Adler gefurchten Thálern zu folgen.
Es erwies sich als zweckmássieg, die zu beschreibenden Partien je nach dem
Stromgebiete, in dem sie liegen, zu gruppiren und ich theilte daher den ganzen
Complex der Iserschichten in das Elbe- und Isergebiet und in das Adler-
gebiet.
Jedes dieser Gebiete hat seine petrographischen sowie auch paláontologischen
Eigenthůmlichkeiten und obzwar sie mit einander nicht zusammenhángen, so haben
sie doch die bezeichnendsten Arten gemeinschaftlich, wie weiter unten hinreichend
klar dargelegt werden wird.
Das Elbe-Isergebiet.
Das Elbe-Isergebiet nimmt den nordostlichen Theil des mittleren Bohmens
ein, lásst sich von Turnau ab lángs der Iser bis Benatek verfolgen. Sodann ist
der Rand úiber Košátek, Byšic nach Schellesn und Sowice (gegenůber von Raudnitz)
wahrzunehmen und mit Unterbrechung des basaltischen Mittelgebirges dann in den
malerischen Sandsteinwánden der sáchsischen Schweiz wieder zu finden und bis nach
Sachsen hin nachweisbar. Der nordostliche Rand lásst sich aus der Jičíner Gegend
úber Libuň, Turnau, Sichrov, Liebenau, Lindenau in die Gegend von Bohm.-Leipa
verfolgen.
Die Sandsteinpartien der Iserschichten reichen in der sáchsischen Schweiz
westlich bis inclusive dem hohen Schneeberg óstlich bis zu Bóhm.-Kamnitz, von
wo ab sie dann von den Priesener Bakuliten-Schichten und den Chlomeker Auader-
schichten verdeckt werden. |
Die Felsenpartien von Adersbach-Weckelsdorf sind eine Wiederholung der
sáchsischen Schweiz und kónnen als zu derselben gehórig betrachtet werden. Die
orographische Beschreibung findet man bereits im ersten Bande des Archives von
21
Prof. Krejčí, weshalb ich mich auf die Schilderung des Terrains nicht weiter ein-
zulassen brauche.
Den petrographischen Charakter anlangend lásst sich derselbe dahin be-
zeichnen, dass die sůdlichen Ránder der Iserschichten kalkig plánrige petrefacten-
reiche Ablagerungen sind, die nach Norden hin immer mehr von den sich zwischen
dieselben einschiebenden GOuadern verdrángt werden, so dass endlich bloss petre-
factenleere Sandsteine anstehen, die aber eine bedeutendere Máchtigkeit haben
als die kalkigen Ufergebilde eleichen Alters.
Die Fauna weist nur spárliche Diferenzen auf, welche sich im Fehlen einiger
Arten kundgeben. Auffallend ist der Mangel an Callianassa im westlichen Theile
des Elbegebiets, in dem man in der Umgebung von Mšeno vergeblich darnach
sucht und erst im Iserthal von Zamost bis Turnau zahlreiche Scheeren derselben
trifft. Dagegen ist Trigonia limbata hier háufiger als im Adlergebiet.
Von den Echinodermen sind Catopygus fastigatus, Echinobrissus bohemicus
und Ceratomus Laubei bisher nur im Elbegebiet nachgewiesen worden.
Auch die Entwickelung der Bryozoenschichten ist hier viel namhafter als
weiter in Osten.
1. Die Gegend von Wehlowitz, Schellesn, Kokořin bis Kanina.
Fůr das Studium der Iserschichten in der Melniker Gegend ist es rathsam,
mit dem Profile zu beginnen, das sich bei Liboch vom Flussbette der Elbe bis
zur oberen Libocher Kirche verfolgen lásst und das ich in meiner letzten Arbeit “)
eingehend geschildert habe.
Als Vorstudie wáre auch das Profil von Wehlowitz zu empfehlen, weil dort
seit der Zeit meiner Schilderung die Brůche grossartig geoffnet wurden und weil
man hier Gelegenheit hat, von den Arbeitern eine gute Suite von charakteristischen
Arten, namentlich Fische und Crustaceen, zu erhalten. Da ich in meiner Arbeit
keine Zeichnung des Wehlowitzer Profils gegeben habe, so will ich es hier nach-
tragen (Fig. 9).
Ist man nach dieser orientirenden Vorbereitung endlich an der oberen Libocher
Kirche angelangt, so kann man die Pláner lángs der Berglehne des nach Schellesn
sich hinziehenden Thales in ihrem Einfallen unter die ersten Auadersandsteine
der Iserschichten beobachten.
Gegenůber dem „Geweihtenbrunn“, etwa am halben Wege nach Schellesn,
„bergen die bewaldeten Hůgel die riesigen Ouaderblócke des ersten Kokořiner
Ouaders, welche unserem genialen Landsmanne, dem Bildhauer Levý, Gelegenheit
gaben, durch Ausfihrung einer Reihe von geschichtlichen und humoristischen
Genrebildern eine Erinnerung an seine Lehrjahre als Dilletant **) zu hinterlassen. ©
In Schellesn selbst, wo sich das Thal gegen Tupadl und Zimoř theilt, bilden
die Auadersande schon nahezu das obere Drittel der Thallehne und werden in
ihnen Hohlungen gehauen, die als Wohnungen benůtzt werden.
*) Die Weissenberger und Malnitzer Schichten pag. 84.
**) Den Zutritt zu den Bildhauerarbeiten erhált man nach Anmeldung beim Forstamte.
Hier fand ich Gelegenheit, das unmittelbare Liegende des ersten Kokořiner.
Ouaders genau zu untersuchen. Es sind kalkig sandige Knollen mit Rhynchonella
plicatilis, Pholadomya aeguivalvis und Fucoides (frůher Hamites) strangulatus.
Auch sind diese Schichten am Wege nach Tupadl zugánelich, wo sie vor Jahren.
einen riesigen Ammonites peramplus lieferten.
Hig. 9. Profil der Weissenberger und Malnitzer Schichten bei Wehlowitz unweit
Melnik. E. Die Elbe. 1. Pláner vom Alter der Dřinover Knollen. 2. Rhynchonellenguader der
Dřinover Knollen. 3. Obere Partie der Dřinover Knollen. 4. Feste, durch Fucoiden verfilzte
Schichte „Věčnost“ genannt. 5. Wehlowitzer Fischpláner. 6. Knollenlace der Fischpláner.
T. Plattenpláner (Z Grůnsand d. Malnitzer Schichten). 8. Launer Knollen d. Malnitzer Schichten.
Blickt man von der Anhóhe bei Schellesn in das Thal gegen Zimoř, so be-
merkt man, wie sich der Guadersand immer mehr zur Thalsohle senkt. (Nun ist
es an der Zeit, sich einen Fůhrer zu suchen, der den weiteren Weg durch das
Labyrinth der kreuz und guer zerklifteten Ouaderschluchten zu den in Folgendem
genannten Ortschaften weisen wůrde, denn stundenlang kann mán hier herumirren,
ohne einem Menschen zu begegnen, der Auskunft úber den richtigen Weg zu geben
im Stande wáre.)
Die plánrigen Byšicer Uebergangsschichten nehmen immer weniger und weniger
an der Bildung der Thallehne Antheil und im Orte Zimoř selbst findet man den
ersten Kokořiner GAuader in seiner vollen selbststándicen Entwickelung und
nur am Fusse desselben steht eine an grossen Rhynchonellen reiche Auaderschichte
der Byšicer Uebergangsschichten (Fig. 5).
Ausser den Rhynchonellen finden wir noch folgende Arten:
Vola guinguecostata, Pecten laevis, Spongites Saxonicus.
Die Basis der Auader ist in der Regel von losem, durch Verwitterung von
den Wánden herabgeschwemmten Sand verdeckt, welcher hie und da eine spár-
liche Vegetation trágt. Ihre mittlere Partie ist von grauer Farbe, zeigt horizontale
Schichtung und Reihen von ausgewitterten Hóhluncen.
Die oberste graue geschichtete Partie ist von der
mittleren mehr guadrigen durch eine eisenschůssice
rostrothe Schichte getrennt und trágt am Gipfel einen
Fáhrenbestand.
Setzt man seine Wanderung in dem stillen Thale
fort, so gewahrt man, unterhalb Truskavna ange-
langt, schon den zweiten Kokořiner Ouader, wie er von
dem ersten durch eine Schichte můrben, plánrig san-
digen Gesteins (Hleďseber Zwischenpláner) getrennt ist.
Diese můrbe Lage trágt in der Regel einen ůppigen
Wald, dessen lebhaftes Grůn die beiden grauen und
rostrothen Auaderpartien von einander trennt.
Zur Ausbeutung dieser Zwischenschichte findet
sich hier keine Gelegenheit, denn kein ŠSteinbruch
offnet in ausgiebigerer Weise diese an Petrefacten
armen Schichten.
Bei „Nový mlýn“ soll nach Herrn Pražák im
Zwischenpláner auch eine schwache Guaderschichte auf-
treten, an deren Basis Rhynchonellen zahlreich sind.
Der GAuader selbst besteht aus 2 Bánken, von
denen jede etwa 10 m. Hóhe hat.
Die Oberfláche erscheint mehr rostfarbie als beim
ersten Ouader und die hóchsten der Verwitterunc trotzen-
den Ránder sind ein Conglomerat, dessen bis faustgrosse,
meist aus weissem Auarz bestehende Gerólle von Weitem
bemerkbar sind.
Die malerische Schonheit beider Auader wird noch
durch den Umstand erhóht, dass an den Gránzlinien
zwischen den horizontalen Abschnitten derselben eine
úppige Erica-Vegetation im Herbste als mild rosenrothe
Linien erscheint.
Von Truskavna gegenůber muss man die
Schlucht verfolgen, welche allmáhlig aufsteigend uns
auf das Plateau des Dorfes Kokořin fůhrt, das
schon auf den Trigonia- und Bryozoenschichten steht.
Hat man seine Kórperkráfte in dem bescheidenen
Gasthause des Dorfes gesammelt, so steigt man durch
Einschnitte im zweiten Auader zur Burgruine
Kokořin, welche auf dem Gipfel des ersten Guaders
steht.
Das Auge an den Schonheiten des Thales wei-
dend, schreitet man nun in der Thalsohle an der Basis
des ersten Guaders bis unterhalb des Dorfes Kanina,
wo man gezwungen ist, die steile Lehne hinauf die
beiden Guader zu erklimmen, um unter dem Dorfe
BO
03
zer-
pláner
6. Zwischen
(Ideal verkůrzt und
Ouader
9. die Kaniner Bryozoenschichten.
S, lose Sande
Kokoř.
5. Erster
8“ Malnitzer Schichten.
šicer Uebergangsschichten
8. die Choroušker Trigoniaschichten.
(K), Kanina (Ka) nach Choroušek.
řin
ehlowitzer Fischpláner.
NA
o
Ry
o
bd
=
N
k
>
o"O.
=
He
N A
obě
S
MN
er Auader.
er Auader.
řin
I. Erster Koko
der zweite Kokořin
v
2. Rhynchonellenguader.
) úber Liboch (Z“), Schellesn (
Hen.
no
1. Dřinover I
Fig. 10. Profil vom Elbeflusse (L
fallener erster Kokořiner Auader.
von Hleďseb. II. und 7.
geradegestreckt.)
24
selbst die kalkigen Choroušker Schichten mit ihrer Exogyrenbank zu erreichen
und die Bryozoenschichten aufzusuchen.
Die Choroušker Trigoniaschichten unterhalb Kanina sind nicht so schón auf-
geschlossen wie bei Choroušek selbst; doch sieht man nach dem Auftreten der
Exogirenbank, dass hier nach lángerem emsigen Sammeln dieselben Lagen nach-
gewiesen werden kónnen, wie im nahen Orte Choroušek, welche wir im náchsten
Fig. 11. Profil bei Kokořin. 1. Byšicer Uebergangsschichten mit Rhynchonellenguader, meist
von Schuttsand verdeckt. 2. Erster Kokořiner Auader mit der Burg Kokořin. 3. Zwischenpláner.
4. Zweiter Kokořiner (Yuader mit dem Dorfe Kokořin. 5. Trigoniaschichten. 6. Bryozoenschichten
auf der Anhóhe, welche das Kokořiner Thal von dem Zimoř-Truskavnathal trennt.
Fig. 12. Profil unterhalb Kanina. 1. Erster Kokořiner Ouader. 2. Zwischenpláner. 3. Zweiter
Kokořiner Auader. e, e Ericastreifen. 4. Conglomeratschichte des zwejten Kokořiner uaders.
5. Trigoniaschichten. 6. Rostrother Sand. 7. Bryozoenschichten. 8. Diluvium.
29
Abschnitt werden kennen lernen. Deshalb lassen wir uns deren Detailstudium
dorthin. i
Um so wichtiger ist hier die Aufgabe, die Kalkbrůche ausfindig zu machen,
in denen die Bryozoenschichten so schón entwickelt sind.
Der Steinbruch, in welchem die Bryozoenschichten gewonnen werden,
ist nahe am Dorfe, aber sehr versteckt, so dass man ihn ohne Erkundigung nicht
selbst aufzufinden im Stande ist. Man nennt den Ort „Nad Kaninskou studnicí“
oder auch „u dražného kalu“.
Daselbst angelangt, findet man die Bryozoenschichten in einer Máchtigkeit
von 6 m. entblósst und der sámmt-
liche Kalkstein, aus dem die Schichten
bestehen, ist fast aus lauter Bryozoen
zusammengesetzt.
Das Liegende bildet die hóchste
sandige Lage der Trigonienschichten,
welcher ein bláulich grauer zerfallender
Pláner in der Máchtigkeit von 5—6 cm.
aufliegt. Aus diesem kann man die
kleinen Aestchen der Bryozoen durch
Schlemmen gewinnen. (Fig. 13 Nro. 2.)
Darauf folgen 3 Bánke festen Ge-
steins.
Die erste Bank, 2 m. máchtig,
wird zu Kalkbrennen verwendet und
die verwitterte Oberfláche wimmelt von
Bryozoen.
Die zweite Bank, 3 m., wird als
Baustein verwendet.
: k a Fig. 13. Profil der Bryozoenschichten
Die dritte Bank, 1 m., wird zu ná Kanina im Steinbruche „nad Ka-
Schotter geschlagen. ninskou studánkou“. 1. Rostrother
Sandstein, hóchste Lage der Trigoniaschichten.
Ueber der dritten Bank legen 2. Blaugraue brócklige, aus lauter Bryozoen
30 cm. losen Sandes, dann 75 cm. bestehende Lage. 3. Fester Kalkstein (zum
: = de Brennen, 2 m.). 4. Fester Kalkstein (Bau-
grobsandigen Pláners und 50 cm. rost- stein, 3—4 m.). 5. Kalkstein (zum Schotter,
rothen Sandsteins. 1 m.). 6. Loser Sand (30 cm.). 7. S 1
: teter grobsandiger Kalkstein (75 cm.). 8. Rost-
(Den Schluss der Schichtenfolge rothkéř Seat (50 cm.). 9 Dilaviallchau mit Lóss-
auf dem ganzen Plateau dieser Gegend kindeln. 10. Gelblicher Diluviallehm „Bělka“.
3 . . : 1 1 ka“.
bilden Diluvialablagerungen, an denen Koks esk o oo tě
man drei Lagen unterscheiden kann:
1. Lage von Lósskindeln, 2. gelben Diluviallehm und 3. rothen Diluviallehm, in
hiesiger Gegend „Červenka“ genannt.)
Ausser den Bryozoen findet man hier sehr wenig andere Versteinerungen und
wir werden erst an einem der folgenden Profile Gelegenheit haben, uns zu ůúber-
zeugen, dass man in den Bryozoenschichten noch etwa 5 paláontologische Hori-
zonte unterscheiden kann.
Bei Kanina sind wir am Ende der ersten Linie angelanst, welche uns vom
26
westlichen Rande der Isergebilde úber die Byšicer Uebergangsschichten, die beiden
Kokořiner Auader, die Trigoniaschichten bis zu den Bryozoenschichten gefůhrt hat.
Wir werden nun zu demselben Punkte Kanina im náchsten Abschnitt vom sůd-
lichen Rande der Ablagerungen zu gelangen suchen.
2. Die Gegend von Všetat, Čečelie, Byšice, Řepin, Choroušek und
Kanina.
Die ersten Andeutungen der Iserschichten úreffen wir auf dem Gipfel des
langen Hůgels, welcher sich von Všetat *“) nach Dřiš hinzieht und aufállig aus
der Ebene des Elbealluviums hervorsteht. An der Basis des Hůgels im Dorfe
Všetat selbst stehen Semitzer Mergel mit zahlreichen Versteinerungen an. Ammo-
nites Woolgari und A. Dravaisianus sind hier háufig. Reihen von festeren kalkigen
Knollen, welche úber den Mergeln sich hinziehen, entsprechen den „Dřinover
Knollen“, die Wehlowitzer Pláner, die Malnitzer und Byšicer Schichten můssen
hier alle eine sehr geringe Máchtigkeit haben.
Die Berglehne, welche aus plánricen und knolligen Lagen besteht, ist wenig
aufeeschlossen und von den Auadersanden der Iserschichten ist hier keine Spur.
Am Gipfel des Hůgels trifít man in kleinen Gruben und an den Feldrainen Platten
von sandigem Kalke mit Inoceramus Brongniarti und ich halte dieselben nach
Analogie mit anderen Localitáten fůr die tiefsten Lagen der Trigoniaschichten.
Wenn wir auch an dem gleich folgenden Profile bessere Einsicht in die
Schichtenfolge erlangen werden, so ist doch der Besuch von Všetat beim Beginne
der Excursion sehr anzurathen, weil man an anderen Localitáten die petrefacten-
Fig. 14. Profil zwischen Byšic und Čečelie. B. Bahn bei Byšic. Č. Čečelic. S. Schůttboden.
1. Semitzer Mergel mit zahlreichen Petrefacten beim nahen Orte Všetat. 2. Dřinover Knollen mit
Lima elongata. 3. Wehlowitzer Pláner in einem Šteinbruche gut entblósst. 4. Malnitzer Schichten.
5. Grosse Knollen mit Fischschuppen. Byšicer Uebergangsschichten. 6. Rostrothe Sande (Aegui-
valente der beiden Kokořiner Auader). 7. Die tiefsten Lagen der Trigoniaschichten (mit grossen
Inoceramus Brongniarti).
reichen Semitzer Mercel nicht zugánglich findet und nur als feuchte Letten oder
als guellenfůhrenden Horizont wahrnimmt und doch die Kenntniss dieses guten
Reprásentanten der Weissenberger Schichten fiir das Verstůándniss der ganzen
Gecend sehr wichtig ist. |
*) Hisenbahnstation Všetat-Přívor der osterr. Nordwestbahn.
Ein analoger Hůcel trennt die nahen Ortschaften
Čečelic und Byšic und ein Feldweg, der an einem .
Steinbruche vorbeifiihrt, gewáhrt einen Einblick, wie
ihn das Profil Fig. 14 gibt.
Von Všetat kommend trifft man die Semitzer
Mergel am Fusse des Hůgels in den Gárten von
Čečelic (1). Beim Schittboden kann man etwa 5
Reihen von Dřinover Knollen mit Lima elongata
záhlen (2). Den Wehlowitzer Fischpláner sehen wir
in dem ŠSteinbruche (3) entblósst, dessen hóchsten
Lagen den Malnitzer (4) Schichten entsprechen. Die
DByšicer Uebercangsschichten (5) verrathen sich durch
orosse, an Fischschuppen reiche Knollen.
Die Kokořiner Auader sind durch Štreifen von
rostrothen Sandsteinen angedeutet (6), welche hie
und da, namentlich an der Basis, Rhynchonellen
fůhren.
Den Gipfel des Berges nehmen graue, an der
Oberfláche weiss verwitterte Plattenkalke mit Inoce-
ramus Brongniarti, wie bei Všetat, ein und důrften
auch hier den tiefsten Lagen der Choroušker Tri-
goniaschichten entsprechen.
Ganz analoge Profile constatirte ich bei Ko-
nětop und Hlavno sudovo. (Der Ausdruck „Ko-
nětop“ deutet darauf hin, dass die Pferde in den
feuchten Lagen der Semitzer Mergel, die am Fusse
des Berges anstehen, einsinken.)
Die Berglehne nordlich von Byšic ist eine
Wiederholung des eben geschilderten Profils. Die
Semitzer Mergel sind durch die Háuser von Byšic
maskirt und důrften in den Brunnen des Ortes nach-
zuweisen sein. Am Wege zum Steinbruche begleiten
uns die Dřinover Knollen, in welchen Herr Pražák
Ammonites Woolgari vorfand und im Šteinbruche
selbst finden wir den fast ganz petrefactenleeren
Baupláner, in dessen hóchsten Lagen die rost-
rothen Spuren des Rhynchonellen-Auaders sich be-
merkbar machen, der die Basis der hier noch nicht
entwickelten Kokořiner GOuader andeutet. | Weiter
gegen Hostin bei Harbáasko findet man an
Feldrainen Stůcke der Trigoniaschichten, die hier
nirgends gut entblósst sind und bei Hostin selbst
von Teplitzer und Priesener Schichten bedeckt
werden.
Ch.
7. Cho-
2
1. Weissenberger Schichten.
6. Zweiter Kok. Auader.
E Elbe.
P Priesener Schichten.
(CA), Choroušek (ch), nach Kanina (K).
šic
4. Erster Kokořiner Auader.
8. Kaniner Bryozoenschichten.
yšic (B), Řepin (R), Choru
3. Byšicer Uebergangsschichten.
Profil in der Linie von B
2. Malnitzer Schichten.
Fig. 15.
5. Zwischenpláner.
roušker Trigoniaschichten.
28
Etwas óstlich beim Orte Košátek sind die Iserschichten máchtiger entwickelt.
Ein Eisenbahneinschnitt entblósste daselbst die Byšicer Uebergangsschichten mit
einem verwitterten Rhynchonellenguader und die in der Umgebung darůber liegen-
den sandigen Kalke lieferten folgende Versteinerungen:
Verzeichniss der in den Choroušker Schichten bei Košátek auf-
gefundenen Petrefacten.
(Meist Geschenk des Herrn Constantin Schuster.)
Trigonia limbata. Lima iserica.
Arca subglabra. Pecten laevis.
Pinna decussata. Pecten curvatus.
Pholadomya aeguivalvis. Pecten Dujardinii.
Pholadomya nodulifera. Vola guinguecostata.
Pholadomya perlonga. Ostrea sp.
Panapaea gurgitis. Exogyra conica.
Inoceramus Brongniarti. Rhynchonella plicatilis (depressa Schl.).
Lima semisulcata. Biflustra Pražaki.
Diese Arten wurden wáhrend des Eisenbahnbaues gesammelt und es ist bei
solchen Gelegenheiten die Provenienz der Stůcke immer mit Vorsicht aufzunehmen.
Doch deutet die Trigonia limbata und Pholadomya nodulifera darauf hin, dass in
der Náhe von Košátek die wahren Trigoniaschichten anstehen.
Will man einen guten Einblick in das Liegende der Kokořiner GAuader
erlangen, so muss man das Hochplateau auf dem Wege úber Hostim passiren, um
zu dem kleinen Orte Hledseb zu gelangen. (Die mit Wald und Feldern bedeckte
Hochebene zeigt bei Hostim die Priesener Schichten in Form eines weisslichen,
důnnschichtigen Pláners mit Inoceramus Cuvieri.)
Im Dorfe Hleďseb trifft man an der Basis der Anhóhe „Vystrkov“ einen
Fig. 16. Profil von Hleďseb (zwischen Melnik und Řepin). Hleďseb H, Vystrkov V.
1. Byšicer Uebergangsschichten (3 m.). 2. Můrber Sand (1 m.). 3. Rhynchonellengnuader (1:50 m.).
4. Feste Fucoidenbank. 5. Erster Kokořiner Auader. 6. Hleďseber Zwischenpláner.
29
kleinen Steinbruch, in welchem die Byšicer Uebergangsschichten mit mehreren
Reihen von grossen grauen Knollen entblósst sind. (Fig. 16). 1. Darůber folgt
etwas můrber Sand (2) und dann eine Bank des Rhynchonellenguaders (3), welche
als Decke eine harte dunkelgefárbte Fucoidenbank trást (4). Es folgt sodann der
erste Kokořiner Auader (5) und darůber der můrbe Zwischenpláner, mit welchem
die Reihenfolge hier endet und auf welchem die „Vystrkov“ benannte Háuser-
gruppe steht. Verfolgt man nun das čstlich sich unterhalb Řepin hinziehende
Thal, so gewahrt man bald den zweiten Kokořiner Auader, ůúber welchem die
Trigoniaschichten immer mehr entwickelt auftreten, je mehr man sich gegen
Chorušic náhert.
Vor Chorušic zweigt links ein Thal ab, das an der neuen Generalstabskarte
als Husovodol bezeichnet ist. Hier trifft man den zweiten Kokořiner Auader
schon in der Thalsohle anstehend an und lángs eines Waldweges kann man die
sámmtlichen Lagen der Trigoniaschichten sowie die der Bryozoenschichten, wie
sie bei Choroušek und Kanina prácisirt sind, wiederfinden.
Zwischen Chorušic und Choroušek ist: ein tiefes Thal, dessen Lehnen ganz
allein von den verschiedenen Lagen der Trigoniaschichten gebildet werden. Der
von der Thalsohle gegen Choroušek hinfůihrende Weg ist es, an welchem Herr
Pražák die Vertheilung der Arten so prácise studirt hat, dass sie als Anhalts-
punkt fůir die Gliederung der Trigoniaschichten in anderen Gegenden dienen kann.
Die petrographische Beschaffenheit wurde bereits auf Seite 15 geschildert.
Das Liegende der Trigoniaschichten, den zweiten Kokořiner Auader, hat man
etwas weiter sůdóstlich im Thale zu suchen.
Auch die erste Lage (Fig. 17 Nro. 1) der Trigoniaschichten ist gerade unter-
halb Choroušek vom Thalalluvium verdeckt und wird erst bei der als „Sion“ be-
zeichneten Thalpartie sichtbar. Dieselbe ist durch mehr als 50 Arten Petrefacten
gekennzeichnet.
Der Weg berůhrt beim Aufsteigen gegen Choroušek zuerst die feste, sandig
kalkige Schichte (2), welche riesige Inoceramen und Ammoniten fiihrt, dann eine
můrbe thonige Lage (3) mit Trigonia limbata, Pinna decussata ete. Die weitere
Lage (4) ist mehr durch die dieselbe oben und unten begránzende, sehr feste
Schichte als durch Petrefacten gekennzeichnet.
Der Steinbruch zur rechten Seite des Weges ist in plánrigen kalkigen Lagen
geóffnet (5), deren man sechs (a—f) unterscheiden kann. Jede dieser Lagen weist
eine gewisse Eigenthůmlichkeit in Bezug auf Gruppirung der fůr die Trigonia-
schichten bezeichnenden Arten auf. So hat z. B. b viele Pinna decussata und
Lima dichotoma, senkrechte und verdrůckte Fucoiden, c ist reich an Catopygus,
f ist eine Bank von Exogyra conica.
Náhere Details sind in einer Specialarbeit ber Choroušek und Umgebung
anzuhoffen.
Weiter nach oben macht sich ein rostrother Sandstein (6) mit petrefacten-
reichen Knollen bemerkbar. Darauf folgen brócklige, grobkornig sandige Pláner (7)
und den Schluss der Reihe bildet ein rostrother Sand (8), in welchem unregel-
mássige Concretionen liegen. Die Bryozoenschichten sind an der Choroušker
30
Thallehne selbst nicht anzutreffen, sondern in náchster Umgebung bei Oujezd,
Živonín, Vtelno, Nemeslovic, Kanina, Nebužel und vielen anderen Localitáten.
Beim Anlegen der neuen Štrasse wurde die geschilderte Schichtenfolge noch
deutlicher aufgeschlossen.
Fig. 17. Profil der Thallehne unterhalb Choroušek. 1—8 Lagen der Trigoniaschichten.
1. Tiefste Lage in der Thalsohle verdeckt, etwas weiter čstlich im Thale gegen Kadlin zu Tage
tretend. 2. Sandig kalkige Lage. 3. Můrbe thonige Lage, an der Basis ein wichtiger Horizont
fůr Auellen. 4. Sandige, oben und unten mit festem Gestein begránzte Lage. 5. Plánrige, aus
6 Bánken zusammengesetzte Lage, f Bank mit Exogira conica. 6. Rostrother Sandstein mit Pe-
trefacten-Knollen. 7. Brócklige, grobkórnig sandige Pláner. 8. Rostrother Sand mit unregel-
mássigen Concretionen.
Das nun folgende Verzeichniss basirt sich theils auf die von mir und
Dr. O. Novák gesammelten Arten, hauptsáchlich aber auf die durch jahrelangen
Fleiss zusammengebrachte Sammlung des Herrn Landtagsabgeordneten Jos. Pražák
in Choroušek. Die den Fundorten beigefůgten Ziffern bedeuten die Lage der Fund-
schichte nach dem Profile Nro. 17.
der in der Umgebung von Choroušek in den Trigonia- und Bryozoen-
Verzeichniss
schichten aufgefundenen Petrefacten.
| Choroušker Trigonia-
cO 00 21 O3 OU O9 DI
| Kaniner Bryozoen-
|
|
„ Oxyrhina angustidens .
. Belemnites sp. .
„ Nautilus sublaevigatus
„ Nautilus galea .
. Nautilus rugatus .
„ Ammonites peramplus .
. Turritella Fittoniana
„ Turritella iserica .
„ Natica Gentii
„ Natica lamellosa
„ Nerita dichotoma .
„ Turbo Goupilianus
. Avellana sp.
. Gardium productum
. Protocardium Hillanum
„ Isocardia gracilis .
. Oyprina guadrata .
. Mutiella Ringmerensis
„ Eriphyla lenticularis
. Cytherea polymorpha .
. Trigonia limbata .
„ Arca subglabra .
. Arca echinata
„ Pinna decussata
21. Solen Guerangeri. .
. Gastrochaena sp. -
29. Pseudomya anomioides
. Lithodomus spatulatus
„ Modiola typica .
„ Mytilus radiatus
. Pholadomya aeguivalvis
. Pholadomya nodulifera
. Pholadomya perlonga .
. Panopaea gurgitis
. Panopaea mandibula
. Panopaea Ewaldi .
„ Avicula anomála :
. Inoceramus sp. (striatus ?) :
. Inoceramus Brongniarti?
„ Lima ovata tř
„ Lima Dupiniana
„ Lima semisulcata .
„ Lima multicostata
Choroušek
Choroušek
Choroušek
Choroušek
Choroušek
Hus.,
| Choroušek
| Choroušek
Choroušek
Choroušek
Choroušek
| Choroušek
' Choroušek
Choroušek
Choroušek
—
Choroušek
„| Choroušek
Choroušek 1
Chor.
Choroušek 1
Choroušek 2
Schichten Schichten
— Živonín
— „ Vtelno
-| | Choroušek bo Ziv., Vtelno
Choroušek j 3 Vtelno
(Choroušek 1 , -=
'Choroušek 1, 5, 6, Živonín, Vtelno
| „Vtelno
E koronsk 6 Zivonín, Vtelno
-| Choroušek 1 —
Chorušice 8 =
-| — Gr.-Ujezd
„| Choroušek 5 Zivonín
| — Zivonín
„| Choroušek 3, 5 —
Choroušek 3, 5 =
I — Kanina
. Crassatella cf. austriaca . „| Choroušek 1, 3 Gr.-Ujezd
. Crassatella cf. macrodonta . | Choroušek 1 Vtelno, Ziv.
Husodol, Gr.-Újezd
i Bezno
1 Zivonín
LB) — |
1,8 Vtelno, Živ.
1 Zivonín
1, 5D, lo dkaniňa, L) 1ez0
Nemeslovic
6! ?
l Vtelno
1 Pramínek
Zivonín
Zivonín
1M Zamachy
je 8 —
oh
Vtelno, Z., Ž.
1 Zivánía! Vtelno
ti 5bÝ tpé
Kanina
Kanina
4 © Živonín, Gr.-Újezd
1—8 Újezd, Živonín
| Choroušker Trigonia- | Kaniner Bryozoen-
Schichten Schichten
| 46. Lima dichotoma „| Choroušek 6 —
47. Lima Sowerbyi. | Choroušek RO dBA Vtelno, Živ.
48. Lima iserica -. | Choroušek 1, 5, 6, 8 Kanina
49. Lima pseudocardium Choroušek —
50. Pecten laevis Choroušek 1, 8 Újezd
51. Pecten curvatus Choroušek 1—8 „ Zivonín
52. Pecten Dujardinii . Choroušek 5 Zivonín, Vtelno
53. Vola guinguecostata Choroušek 1—8 Zivonín etc.
54. Exogyra conica Choroušek 1—8,5! Zivonín etc.
D5. Éxogyra lateralis . Choroušek 1 Zivonín etc.
56. Exogyra laciniata . Choroušek 6, € Zivonín
DT. Exogyra Matheroniana . Choroušek 1, 6, 8| © Zivonín
58. Ostrea semiplana . Choroušek 3, 5 Zivonín, Vtelno
59. Ostrea frons.. : Choroušek 5—8 Zivonín, Vtelno
60. Ostrea hippopodium Choroušek 1-—8 —
61. Ostrea diluviana — ř —
62. Anomia subtruncata, ďOrb. Choroušek 1 „Zivonín, Vtelno ©
63. Anomia subradiata, Reuss. Choroušek 1, 8 Ziv., Ujezd, Vtelno,
64. Anomia semielobosa Choroušek 5 Ujezd?
65. Anomia sp. - Choroušek 6, 8 —
66. Rhynchonella plicatilis Choroušek 6! 8 Hl., Živ., Vtelno
67. Rhynchonella Cuvieri . — UN Z NOD
68. Rhynchonella Mantelli — VOV Vtelno
69. Magas Geinitzii Choroušek 1 šd "Vtelno
70. Hippothoa labiata Choroušek 1, 3,5. k
(1. Biflustra Pražáki . Choroušek 1, % Živ., (Vtelno
12. Diastopora acupunctata Choroušek I Zivonín
73. Proboscina Bohemica = Ujezd
74. Proboscina Suessii . . — Ujezd |
15. Entalophora Geinitzii . Choroušek 1, 4 Hl., Ziv., Vtelno |
16. Entalophora raripora — Hl., Ziv., Vtelno |
17. Spiropora verticillata — Hl., Ziv., Vtelno
18. Truncatula tenuis Choroušek 1 HI., Ziv., Vtelno
79. Petalophora seriata . |(Choroušek 1, 5, 7| HI., Živ., Vtelno
80. Osculipora plebeia — Zivonín
81. Antedon (Glenotremites) sp. . Choroušek 1 Vtelno, Ziv.
82. Cidaris subvesiculosa Choroušek 1 Vtelno, Živ.
89. Glyphocyphus sp.. — U. V
84. Cyphosoma radiatum Choroušek 1 VE. Z., Kan.
85. Cyphosoma sp... ps Choroušek Ujezd, Ziv.
86. Holectypus Turonensis = Živonín
87. Cardiaster Ananchytis Zamachy 1 Hus., Vtelno
88. Holaster elongatus — Vtelno
99. Micraster Michellini . | Choroušek 1 Hus., Živ., Vtelno.
90. Hemiaster plebeius . Choroušek 1 Hus., Živ., Vtelno-
91. Catopygus Pražáki é "Vtelno
92. Catopygus albensis . (Choroušek 1, 5 Živ., Vtelno
93. Catopygus fastigatus | Choroušek 1, 5 Hus., Živ.
94. Nucleolites bohemicus . „| Choroušek 1, 5, 8, Led., Živ., Mšeno
95. Caratomus Laubei | — Živ., Vtelno
33
Choroušker Trigonia- | Kaniner Bryozoen-
Schichten- Schichten
96. Holaster elongatus. ..... — Vtelno
97. Cardiaster ananchytis . . . .| Zamach 1 Vtelno, Ziv.
98. Serpula socialis . . . . . . . Choroušek 1, 2 Újezd?
99. Serpula ampulacea ©. . . . „| Choroušek 1, 5 „ Zivonín
100. Serpula macropus - . . . . „| Choroušek 1 Ziv., Vtelno
101. Serpula gordialis . ....... Choroušek 1, 5 Vtelno, Hl., Ziv.
102. (Fungia) Micrabatia coronula ? . | Choroušek 2, 5, 6| Zivonín, Vtelno
103. Spongites saxonicus . . . . . | Choroušek 1—8 Vtelno
KOMOMIa7sp4 MOHDBU di 5 Choroušek =
105. Vioa Exogyrarum . ...... -| Choroušek 5 —
BO Vina mianis jahnby + * Choroušek 7 —
| RO 3 ORLICHNLES BDS < so — Zivonín
108. Flabellina elliptica. . . ... . Choroušek 1 Zivonín
109, Fucoides funiformis ....... Choroušek 5 —
110. Fucoides columnaris . ....... Choroušek 1, 2 —
111. Fucoides cauliformis . . . „. „| Choroušek 5 —
112. Fucoides strangulatus —. . . „| Choroušek 1 —
3. Die Gegend von Vrutice, Sušno, Nemeslovic, Zamach und Choroušek.
Ein áhnliches Profil wie das eben geschilderte kann man in einem mehr
ostlich gelegenen Thale verfolgen, das uns von der Eisenbahnstation Vrutic úber
Sušno, lángs des Hlubokabaches unterhalb Nemeslovic und Zamach, wieder bis zu
Choroušek hinfůhrt. |
Mit dem Studium des Liegenden der Iserschichten beginnt man unmittelbar
hinter der Vruticer Zuckerfabrik und verfolgt die Schichten lánes des Feldweges
nach Vtelno, an der Lehne gegenůber dem Meyerhofe. (Profil Fig. 18.)
Die Semitzer Mergel der Weissenberger Schichten sind in der Thaltiefe ver-
deckt und sind gewiss in enger Beziehung mit den máchtigen Auellen, welche hier
zu Tage treten und in neuerer Zeit bei der Trinkwasserfrage der Stadt Prag zur
Discussion kamen.
Im Steinbruch hinter der Zuckerfabrik stehen graue Baupláner an, welche
trotz ihres abweichenden Aussehens dennoch als die Wehlowitzer Fischpláner auf-
zufassen sein werden. Die máchtigen Bánke werden von senkrechten runden Stángeln
durchzogen, welche vielleicht als Róhren von Arenicola zu betrachten sind.
Der Feldweg nach Vtelno fiihrt uns bei den Byšicer Uebergangsschichten (2)
vorbei, in welchen wir grosse Knollen mit Fischschuppenanháufungen antreffen.
Es sind dies sehr merkwůrdige, in dieser ganzen Gegend einen bestimmten Hori-
zont bezeichnende Erscheinungen. Die Knollen sind an 50 cm. lang, haben 30 bis
40 cm. im Durchmesser, stehen senkrecht in den Schichten und enthalten zwei
neben einander liegende, aus lauter Fischschuppen bestehende Wůlste von 4—5 cm.
Durchmesser. (Ich fand sie in dem nahen Řepiner Thale ganz im selben Niveau.)
Darůber gewahrt man eine schwache, aus lauter Fucoiden bestehende Schichte (5),
3
34
die wohl mit der von Hleďseb (Profil Fig. 16 auf Seite 28) verelichen werden muss.
Nun folgen sandige Pláner mit glasirten, von senkrechten Fucoiden durchsetzten
grossen Concretionen, welche als die Ausbisse der mehr nordlich entwickelten
Kokořiner Ouader aufzufassen sind (4, 5). Die weiter nach oben anstehenden
grauen, grobsandigen Kalke
fůhren graue rundliche Knollen
(6), weiter unregelmássige Con-
cretionen (7), daňn rostrothe
Reste nach Spongien (8).
Die Reihe schliesst hier
mit flachen Kalkplatten, áhn-
lich wie auf den Hůgeln bei
Všetat und Byšic (9, 10).
Die sámmtlichen Lagen
6—10 gehóren ohne Zweifel den
tieferen Trigonia-Schichten an,
doch wird ein lángeres Sam-
meln eines den Ort ofter besu-
chenden Paláontologen něthig
sein, um dies genau zu prá-
Cišsiren.
Nach dieser © Vorstudie
muss man SŠušno zu erreichen
suchen, wo ein áhnliches Profil
ansteht, und sodann das unter-
halb Nemeslovic sich hinzie-
hende, vom Hlubokabache be-
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JE verfolgend, am Fusssteige nach
EB Sušno zuerst auf den zweiten
= (7 ve s
ES s Kokořiner Auader, welcher sich
5 © i nach Norden hin immer mehr
© c.
oc! der Thalsohle náhert und end-
ská. | lich darin ganz verschwindet,
=" 8“ so dass die ganze Thallehne
Bunka von den Choroušker Trigonia-
© .
BESS schichten und den Bryozoen-
© 958 schichten gebildet wird.
o =" í . 4
oBBÝ Gegenůber Kadlin, wo
noch der zweite Kokořiner
Ouader in der Thalsohle ansteht, lassen sich die einzelnen Lagen der Trigonia-
schichten an den Contouren der Thallehne nach den verschiedenen Verwitterungs-
graden unterscheiden, wie das aus beifolgender Skizze (Fig. 19) zu ersehen ist.
Man gelangt (mit Fiihrer!) unterhalb Chorušic an eine Stelle, wo sich das
35
Thal spaltet: links fůhrt es zu dem uns bekannten Profile unterhalb Choroušek,
rechts zieht es sich mehr als eine Stunde weit bis hinter Gross-Oujezd, wo die
Schichtenfolge mit reichen Bryozoenschichten endet. Von den zahlreichen Locali-
táten, an denen die Bryozoenschichten in dieser Gegend zugánglich sind, ist
Živonín die ausgiebigste und belehrendste, denn hier werden sie von Resten der
Teplitzer und Priesener Schichten ůúberlagert.
Assoc
6
X
OBOSO GE2o BO C0
Fig. 19. Profil der Thallehne segenůber Kadlin. K1. Erster Kokořiner Auader in der Thal-
sohle verdeckt. O. Zwischenpláner. K2. Zweiter Kokořiner Auader. 1.—8. Lagen der Trigonia-
schichten, mit denen von Choroušek (p. 30) úbereinstimmend.
Herr Pražák war hier im Stande, drei paláontologische Niveaus wahrzunehmen:
Im unteren Drittel sind die Catopygus- und Micraster-Arten, dann Glypho-
cyphus anzutreffen und die Schlemmungen weisen eine Unzahl von mikroskopischen
Foraminiferen auf. Das mittlere Drittel ist das Hauptlager fůr die Bryozoen;
es enthált die kleine Varietát der Ostrea hippopodium. Das oberste Drittel
liefert den Holectypus turonensis, sowie die kleinen Exemplare von Rhynchonella
Cuvieri und Mantelli.
Hier sind wir abermals auf dem Hochplateau bei Kanina angelangt.
Das Iserthal von Benatek bis Turnau.
Um die Berglehnen des Iserthales verstehen zu lernen, muss man mit den
orientirenden Excursionen in der Gegend von Lisá beginnen (Fig. 20 L). Hier úber-
zeugt man sich, dass die Stadt auf dem Horizont der Dřinover Knollen (1)
(Weissenberger Schichten) steht.*) Die Steinbrůche oberhalb der Stadt sind.
*) Die Semitzer Mergel sind von dem Elbeschutte verdeckt und důrften in den Brunnen
von Lissa nachzuweisen Sein.
e
36
typische Wehlowitzer Fischpláner (2), welche Enoploclythia Leachii und in neuester
Zeit auch Macropoma speciosum geliefert haben. Mehr nach Norden vor dem Orte
Vrutic liegen Pláner mit Lima multicostata und důrften dem Horizont der Mal-
nitzer Schichten (8) entsprechen. |
Lánes der Strasse gegen Benatek hin trifft man beim Orte Jiřic die Byšicer
Uebergangsschichten (4) an, wo bei einem flůchtigen Besuche folgende Arten ge-
sammelt wurden.
Verzeichniss der in den Bischitzer Uebergangsschichten bei Jiřic
(zwischen Lisa und Benatek) aufgefundenen Petrefacten.
Scaphites Geinitzii. Lima pseudocardium.
Isocardia sp. Pecten Nilssoni.
Nuculla sp. Pecten Dujardinii.
Arca sp. Ostrea sp.
Lithodomus spatulatus. Rhynchonella.
Tellina sp. Micraster ?
Inoceramus Brongniarti.
Der hier im Terrain bemerkliche Růcken der Bischitzer Schichten zieht sich
westlich bis nach dem Orte Hieronimberg (Číhadla), wo ich in einem Hohlwege
ganz dieselben Petrefacten antraf, wie bei Jiřic.
An allen den erwáhnten Schichten ist ein Einfallen gegen das Iserthal, nach
Norden wahrnehmbar, und von dem Vorhandensein von Auadersanden keine An-
deutung vorhanden.
Im Thale des Iserflusses angelangt findet man wenig Anhaltspunkte, um sich
zu orientiren und es wáre sehr nůtzlich, wenn ein Localsammler zur Charakteristik
der hier anstehenden Schichten mehr paláontologische Belege aufsammeln móchte.
Am linken Ufer der Iser beim Schůttboden in Alt-Benatek ist in einem
kleinen Steinbruche ein petrefactenleerer Pláner aufgeschlossen, dessen máchtige
Bánke von senkrechten meterlangen (Fucoides? columnaris) Sáulchen durchsetzt sind.
Am rechten Ufer ist hinter der Háuserreihe, welche „Obodř“ genannt wird,
der Fundort des Beryx ornatus (Fr. Rept. und Fische, Taf. 5 Fig. 2—3).
Beim Háuschen Nr. 48 zieht sich in der Hóhe von 7 Metern an der steilen
Felswand eine Reihe grosser grauer Knollen und in einem derselben fand sich
der erwáhnte schóne Fischrest. Ich nahm mir grosse Můhe, in diesem Niveau
eine Reihe von Petrefacten ausfindig zu machen, erhielt aber nur wenig bezeich-
nende Arten.
Inoceramus Brongniarti. Exogyra lateralis.
Pecten curvatus. Ostrea hippopodium.
Pecten Dujardinii. '
Die úbrige Thallehne von Neu-Benatek besteht aus můrben, sandigen, bráun-
hichen Plánern, in denen etwa von Meter zu Meter festere kalkigere Knollenlagen
,
i
i
D0
auftreten. (Grosse Ammonites peramplus und Inoceramus Brongniarti kommen
sowohl in den tieferen als auch in den hoóheren Lagen vor.
Es ist bisher sehr schwer, diese Schichten zu deuten und im Nachfolgenden
sollen nur Vermuthungen ausgesprochen werden.
Manche der tiefen petrefactenleeren Pláner měgen den Kokořiner Auadern
entsprechen. Die Fischknollen und die Schichten mit Ammonites peramplus und
Inoceramus Brongniarti důrften dem unteren Drittel der Trigoniaschichten ange-
hóren. Zu dieser Ansicht gelangte ich bei der weiteren Verfolgung des Iserthales
gegen Jungbunzlau hin, wo áhnliche Pláner wie bei Benatek von den hoheren Lagen
der Trigoniaschichten bedeckt werden.
J
A B
A ET“ = D >.
=== ==>B8 == . — = I
— a.. = ——————
7 2 3 i 6
Fig. 20. Profil von Lisa (Z) nach Benatek (B).
1. Dřinover Knollenschichte. 2. Wehlowitzer Fischpláner. 3. Malnitzer Schichten. 4. Byšicer
Uebergangsschichten bei Jiřic (J). 5., 5' Trigoniaschichten. « Tiefere Lage mit Fischknollen
(Fundort des Beryx ornatus). » Hóhere Lage (etwa Nro. 3 des Profiles von Choroušek) mit Ino-
ceramus Brongniarti und Ammonites peramplus.
Verfolet man die Iserschichten am rechten Iserufer stromaufwárts, so gewahrt
man, dass sie ganz allmáhlig gegen Nordwest einfallen, so dass die hóchsten Lagen
der Trigoniaschichten, welche bei Zámost und Jungbunzlau hoch auf der Thallehne
anstehen, bei Bakov sich der Thalsohle náhern und in einem Steinbruche náchst
dem Bahnhofe, also nicht gar hoch úber dem Wasserspiegel, zugánelich sind.
Viel gůnstiger als die Profile von Byšic, Choroušek, Kanina, ist fůr die rasche
Orientation in den Iserschichten das Thal, das sich von der Eisenbahnstation Zamost-
Krnsko (Prag-Turnauer Bahn) unterhalb Stranov ber CČetno und Kovánec nach
Skalsko hinzieht.
Die Máchtigkeit der einzelnen Lagen der Trigoniaschichten ist hier eine viel
- bedeutendere, als bei Choroušek und Kadlin. Namentlich macht sich eine der
tieferen Lagen als ungewohnlich máchtiger braungelblicher, feinsandiger Pláner
bemerkbar. Dieses vorzůgliche, auch zu Steinmetzarbeiten taugliche Gestein wurde
zur Zeit des Bahnbaues, namentlich bei „Podvinec“, gebrochen. Es ist arm an
Petrefacten und ich erhielt daraus nur wenige Arten, welche weiter unten auf-
gefůhrt werden (Seite 40). Senkrechte Fucoides columnaris sind darin háufig.
Fiůr diese Gegend und namentlich fůr das Profil Zámost-Skalsko ist es zweck-
mássie, diese Schichte als Podvinecer Baustein zu bezeichnen.
Ich muss hier bemerken, dass man nicht erwarten kann, an den Thallehnen
der Iser alle Lagen der Trigoniaschichten in gleicher Máchtigkeit und mit voll-
kommen ůbereinstimmender petrographischer Beschaffenheit wiederzufinden wie bei
Choroušek, und man muss daher mit der Parallelisirung der hier entblóssten Lagen
mit denen auf dem Profil Fig. 17 angedeuteten vorsichtig sein.
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Gar manche Erscheinungen sind geeignet, den
Beobachter zu vexiren. Vor Allem ist es die Bildung
der Bánke der grossen Exogyra conica, welche nicht
bloss an das im Schema angedeutete Niveau gebunden
sind, sondern auch in den tieferen Lagen stellenweise
auftreten kónnen.
Ein grosser Šteinbruch, welcher westlich vom
Viaducte zur Zeit des Bahnbaues gedffnet wurde, ent-
blósst uns die Choroušker Trigoniaschichten in ausge-
zeichneter Weise. Dieselben werden gegen Skalsko hin
immer weniger máchtig und nehmen immer geringeren
Antheil an der Bildung der Thallehne und unter ihnen
tritt zuerst der hohere, zweite Kokořiner Auader, dann
die Zwischenpláner und endlich der erste, tiefere Ko-
kořiner Ouader zu Tage (Fig. 21).
Am Fusse des genannten Steinbruches gewahrt
man eine Auelle, nach der man schliessen kann, dass
hier das Niveau der ersten Lage der Choroušker
Schichten in der Thalsohle verdeckt ist. (Fig. 22.)
Die tiefsten zugánglichen Schichten enthalten eine
Unzahl von Spongites funiformis nebst kleinen Lima-
und Pecten-Arten. Die unterste der abgebauten Lagen
ist etwa 4 m. máchtig, enthált viele Fucoides colum-
naris und zahlreiche grosse Exemplare der Exogyra
conica. Nun folgen etwa 7 m. feinkórnigen sandigen
Pláners, der sich in 4 Bánken darbietet und den wir
als Podvinecer Baustein bezeichnet haben. Er lásst
sich dann lángs des ganzen Thales gegen Kováň hin
und zwar an der óstlichen Thallehne verfolgen. Am
Gipfel dieser Bánke gewahrt man zahlreiche Lagen
vom Knollenpláner, welche aber hier nicht ohne Ge-
fahr zugánelich sind. Ich konnte dieselben auf der
nordlichen Seite der zum Viaduct fiůihrenden Bóschung
náher untersuchen.
Ich fand, dass die ersten den máchticen Pláner-
bánken auflagernden Knollenreihen sehr reich an Serpula
socialis sind (Fig. 21, 4) und von einer etwa 1 Meter
máchtigen Schichte Ouaders bedeckt werden.
Auf einige Binke můrben Pláners folet noch eine
guaderáhnliche feste Bank mit grossen kalkigen Knollen
und diese trift man im Niveau des Bahngeleises im
Einschnitte gegen Kuttenthal zu an. Auf diese folgen
nun abwechselnd festere und můrbere Lagen mit oder
ohne Knollen, welche die Vertreter der oberen Hálfte
der Choroušker Trigoniaschichten darstellen und reich
39
an Petrefacten sind. Die hochsten Bánke, welche an der Umbiegungsstelle der Bahn
(wo diese das Iserthal verlásst, um nordwestlich gegen Kuttenthal zu fůhren) im Ein-
schnitte entblósst sind, halte ich schon fůr die Reprásentanten der Bryozoenschichten.
Wo die Bahn das Hochplateau erreicht, da liegt auf den kalkigen Iserschichten
ein grauer Letten, in welchem zahlreiche Steinkerne verschiedener, die Trigonia-
s
NI
Fig. 22. Profil der Lehne des Iserthales beim Viaducte in Zámost (Station Krmsko-Stranov).
(J.) Iserfluss. 1. Tiefste Lagen der Trigoniaschichten. 2. Bank mit grossen Exogyra conica.
3. Podvinecer Baustein. 4. Sandige Knollenpláner mit zahlreichen Serpula socialis. 5. Zwei schwache
Auaderbánke durch Plánerlagen getrennt. 6. Die hochsten Lagen der Trigoniaschichten (vielleicht
schon Bryozoenschichten).
schichten charakterisirenden Arten vorkommen, deren eine Suite auch in der Samm-
lung des Herrn Pražák zu finden ist. Dieselbe Schichte tritt auch bei Bezno auf,
wo Herr V. Vaněk, Lehrer daselbst, nachfolgende Arten gesammelt und dem Museum
zugesandt hat.
Verzeichniss der vom Herrn Lehrer Vaněk auf einem Ackerfelde bei
Bezno gesammelten Arten. (Steinkerne.)
Nautilus sp.
Scaphites Geinitzii.
Natica Roemeri.
Natica sp.
Pleurotomaria sp.
Turbo sp.
Rostellaria Schlottheimi.
Rostellaria (calcarata ?).
Fusus sp.
© Voluta suturalis.
Rapa sp.
Avellana?
Cardium productum.
Crassatella ?
Cyprina ?
Nucula sp. (gróssere Art).
Nucula sp. (kleinere Art).
Trigonia limbata.
Arca subelabra.
Arca (echinata?)
Vola guinguecostata.
Serpula ampullacea.
Nucleolites Bohemicus.
Ventriculites.
Plocoscyphia.
Vioa sp.
40
Um das Liegende der Choroušker Trigoniaschichten zu constatiren, muss man
der Strasse entlang das Thal von Krnsko gegen Skalsko hin verfolgen; man gewahrt
bei Strenic (Fig. 21 S) an der rechten Berglehne hinter den letzten Háusern des Ortes
kleine Steinbrůche, in welchen der zweite Kokořiner Auader gebrochen wird. Der
sehr můrbe Sandstein enthált stellenweise grosse linsenfórmige Auarzconcretionen
(Fig2173)
Dieser Auader kommt nun immer hóher und hóher an der Berglehne zu
liegen, so dass er vor Četno schon fast in halber Hóhe der Lehne als deutliche
Stufe wahrzunehmen ist. Unter demselben liegen hier máchtig entwickelte Zwischen-
pláner mit harten Knollen (Fig. 21, 2) und hart am Wege macht sich schon der
erste Kokořiner Ouader bemerkbar, welcher von hier an immer mehr hervortretend
die Thalsohle von beiden Seiten bis unterhalb Skalsko einnimmt (Fig. 21, 1). ©
Der Weg, welcher von der Thalsohle gegen Kovánec hinfůhrt, bietet vor-
treffliche Gelegenheit, alle erwáhnten Schichten zu studiren.
Von unten nach oben folgen hier:
a) Erster Kokořiner Auader,
b) Zwischenpláner,
c) Zweiter Kokořiner Auader,
d) Choroušker Trigoniaschichten mit dem Podvinecer Baustein in den tieferen
Lagen.
Diese letzteren nehmen hier schon kaum das obere Fůnftel der Lehne ein
und werden gegen Kovaň hin noch schwácher. Auf der Anhóhe Hradek zwischen
Skalsko und Katusic fehlen sie ganz und der zweite Kokořiner Ouader bildet den
Gipfel dieser malerischen Partie.
Das geschilderte Profil wůrde eine gůnstige Gelegenheit zu einer genauen
Messung der einzelnen Schichten und deren ab- und zunehmenden Máchtigkeit,
sowle deren Einfallswinkel bieten, was natůrlich nicht alles von einem Paláontologen
verlangt werden kann.
Fůr die Umsebung von Jungbunzlau war fůr mich am meisten das Profil
belehrend, das ich im Jahre 1866 unweit dem Bahnhofe bei Čejtic auf-
genommen habe. Ein daselbst damals geodffneter Steinbruch liess keine gůnstige
Untersuchung zu, aber ein knapp daran liegender, an der ganzen Berglehne sich
hinziehender Wasserriss mit hervorstehenden festeren Bánken, machte es móglich,
die einzelnen Schichten genau nach ihren Petrefacten zu untersuchen.
Die tiefsten Lagen, ein grauer fester Kalkstein (Fig. 23, 1), erwiesen sich
wáhrend des Eisenbahnbaues auf der ganzen Linie Zámost-Jungbunzlau als der
Sitz riesiger Exemplare von Ammonites peramplus, Nautilus galea und Inoceramus
Brongniarti. Sie entsprechen den Nr. 1 und 2 der Trigoniaschichten des Choroušker
Profiles (Seite 30).
Das nach oben náchstfolgende Glied ist ein an 10 m. máchtiger, feinkórniger
gelblicher, kalkiger Sandstein (2), welcher nicht weit von hier bei Podvinec zu Stein-
metzarbeiten ausgebeutet wird. Ich erhielt aus diesem Sandstein: Lima multicostata
mit gespaltenen Rippen, Pecten Dujardinii, Ostrea semiplana und Serpula macropus.
Dann folst eine 60 cm. máchtige Sandsteinbank (9) und darauf kalkige Schichten
mit Magas Geinitzii (4) und nachstehenden Petrefacten :
Fischfragmente.
Scaphites sp.
Trigonia limbata.
Pinna decussata.
Modiola capitata.
Modiola typica.
Lima Sowerbyi.
Lima semisulcata.
Lima sp.
Lima multicostata.
Lima iserica.
Pecten curvatus.
Eine zweite
Pecten Dujardinii.
Vola guinguecostata.
Exogyra laciniata.
Ostrea hippopodium
(vesicularis).
Ostrea frons.
Anomia subtruncata.
Anomia subradiata.
Rhynchonella.
Magas Geinitzii.
Serpula socialis.
Flabellina elliptica.
Sandsteinbank von 9 m.
(5) trennt die letzterwáhnte petrefactenreiche
Schichte von rostigen kalkigen Plattenlagen,
welche nachstehende Arten enthielten:
Verzeichniss der in den obersten Lagen
(6) bei Cejtic (Eisenbahnstation Jung-
bunzlau) aufgefundenen Petrefacten.
Corax heterodon.
Pycnodus scrobicu-
latus.
Scheere einer Krabbe.
Turritella iserica.
Eryphila sp.
Pectunculus sp.
Trigonia limbata.
Arca subelabra.
Solen? cf. Guerangeri.
Tellina.
Perna subspatulata.
Aus
Spondylus?
Lima pseudocardium.
Lima multicostata.
Lima semisulcata.
Pecten laevis.
Pecten curvatus.
Vola guinguecostata.
Exogyra.
Exogyra.
Anomia subtruncata.
Rhynchonella.
Biflustra Pražáki.
diesen zwei Verzeichnissen ersieht
man zur Genůge, dass die betreffenden Lagen
den oberen Trigoniaschichten wahrscheinlich Nro. 5—8 des Choroušker Profils
entsprechen.
41
r u č
Fig. 23. Profil der Thallehne bei
Čejtic (Bahnhof Jungbunzlau).
1. Tiefste Lagen der Trigoniaschichteu
mit riesigen Ammonites peramplus und
Inoceramus Brongniarti. 2. Máchtiger,
feinkórniger, kalkiger Baustein (10 m.).
3. Sandstein. 4. Kalkige Schichte mit
Magas Geinitzii. 5. Sandstein. 6. Pe-
trefactenreiche Schichte, den hóheren
Trigoniaschichten entsprechend.
Die zwei Sandsteinbánke sind die Fortsetzung derjenigen des Profiles bei
Zámost.
Bei lángerem Sammeln durch einen Localgeologen důrfte es měglich werden,
eine prácisere Uebereinstimmung mit Choroušek nachzuweisen.
Obzwar die Petrefacten, die nicht mit genauer Angabe der Fundschichte
versehen sind, einen beschránkten Werth fůr gegenwártige Arbeit haben, so muss
42
ich hier doch ein Verzeichniss derjenigen Arten beifigen, welche ich in der
Gegend zwischen Zamost, Jungbunzlau, Bakov und Můinchengrátz wáhrend des
Bahnbaues theils selbst gesammelt theils von Gónnern unseres Museums geschenkt
erhalten habe.
Verzeichniss der in den Choroušker Schichten in der Gegend zwischen
Zámost, Jungbunzlau, Bakov und Můnchengrátz wáhrend des Bahn-
baues aufgefundenen Petrefacten.
Oxyrhina Mantelli. Tellina semicostata.
Osmeroides-Schuppen. Inoceramus Brongniarti (Riesen-Exem-
Pycnodus scrobiculatus. plare). ©
Ammonites peramplus (Riesen-Exem- Lima Sowerbyi.
plare). Lima iserica.
Nautilus sublaevigatus. Lima semisulcata.
Turritella Fittoniana. Lima elongata.
Rostellaria sp. Lima multicostata.
Cardium productum. Pecten Nilssoni.
Protocardia Hillana. Pecten curvatus.
Crassatella austriaca. Pecten acuminatus.
Mutiella sp. Vola guinguecostata.
Cyprina guadrata. Exogyra Matheroniana.
Eriphyla lenticularis. Exogyra laciniata.
Trigonia limbata. Exogyra lateralis.
Pectunculus sp. Exogyra conica.
Arca subglabra. Ostrea semiplana.
Pinna decussata. Ostrea diluviana.
Modiola capitata. Ostrea frons.
Modiola typica. Anomia n. sp.
Lithodomus spatulatus. Anomia subradiata.
Pholadomya nodulifera. Anomia subtruncata.
Pholadomya aeguivalvis. Rhynchonella plicatilis.
Panopaea mandibula. Eine Krabbe.
Gervillia solenoides. Callianassa antigua.
Perna subspatulata.
Die hóchsten Lagen der Trigoniaschichten fand ich bei Jungbunzlau in einem
kleinen Steinbruche unterhalb Libichov und sammelte daselbst viele Arten.
Verzeichniss der in den Trigoniaschichten in Libichov bei Jung-
bunzlau aufgefundenen Petrefacten.
Fischschuppen. Turritella multistriata.
Ammonites peramplus. Cardium productum.
Nautilus. Mutiella sp.
43
Crassatella austriaca. Ostrea hippopodium.
Cyprina guadrata. | Kleine „vesicularis“, Varletát in grosser
Modiola capitata. Menge mit Exogyra Matheroniana zu-
Lima multicostata. sammen.
Pecten curvatus. Anomia subtruncata.
Exogyra conica. Hemiaster plebeius.
Exogyra Matheroniana. Micraster Michellini.
Die Gegend von Bakov (Station), Weisswasser, Bóhm.-Leipa, Písnik
und Lindenau nebst den Bergen Bósig und Roll.
Hat man sich beim Bahnhofe Bakov durch Auffinden von Callianassa-Scheeren
und Bryozoen von dem Reichthum an Petrefacten úberzeugt und die Kalkháltigkeit
des Gesteines nicht úbersehen, so wird man beim Verfolgen des Thales gegen Weiss-
wasser hin von dem allmáhligen Verschwinden dieser Schichten und dem Zunehmen
der Ouadersande ůúberrascht sein, welche hier áhnlich wie im Thale bei Krnsko
einer nach dem anderen auftritt.
Bald verliert man alle paláontologischen Anhaltspunkte und nackter eisen-
schůssiger Ouader steht an, welcher am Habichtstein bloss Kerne von Lima multi-
costata aufweist.
Verlásst man die Niederung und steigt durch den Ouadersand gegen die
Bósigberge hinauf, so trifft man unterhalb dem Dorfe Bósig kalkige Trigonia-
schichten mit einer Bank von unzáhligen kleinen Ostrea hippopodium und Serpula
socialis an, auf welche dann Priesener Bakulitenschichten folgen.
Einen áhnlichen Saum der kalkigen Iserschichten fand ich am Sůdabhange
des Rollberges bei Raabendorf.
Von hier aus fallen die Trigoniaschichten allmáhlie gegen Norden ein; man
gewahrt sie noch am Eisenbahneinschnitt bei Aschendorf und in Písnik bei Bohm.-
Leipa sind sie schon in der Thalsohle verdeckt. Nur dem gůnstigen Umstande einer
Brunnengrabung verdanken wir, dass wir in dieser Gegend eine ansehnliche Reihe
von fůr die Trigoniaschichten bezeichnenden Arten vorfinden konnten.
Verzeichniss der in Písnik aufgefundenen Petrefacten.
Natica lamellosa. Lima multicostata.
Protocardium Hillanum. Pecten Nilssoni.
Cyprina sp. (ligeriensis?) Pecten laminosus?
Trigonia limbata. Pecten curvatus.
Pholadomya aeguivalvis. Vola guinguecostata.
Modiola typica. Exogyra laciniata.
Avicula anomala. Ostrea Hippopodium (var. vesicularis).
Lima Sowerbyi. Ostrea frons.
Lima semisulcata. Anomia (imitans).
Lima pseudocardium. Callianassa antigua.
Lima iserica. Serpula ampulacea.
H
Weiter nordostlich in dem Thale bei Lindenau treten die Trigoniaschichten
mit Cailianassa-Scheeren zu Tage, um dann unter den máchtig entwickelten Chlo-
meker Sandsteinen zu verschwinden. Ich fand daselbst:
Callianassa antigua. Vola guinguecostata.
Cyprina guadrata. Pecten laevis.
Lima semisulcata. Fungia coronula.
Lima multicostata.
Die Gegend von Jičín, Rovensko, Turnau, Liebenau.
Um den nordostlichen Rand der Iserschichten, wie er sich aus der Turnauer
Gegend gegen Liebenau und dann am Fusse des Jeschkengebirges hinzieht, im
Zusammenhange betrachten zu kónnen, ist es nóthig, weiter sůdlich in der Jičiner
Gecend zu beginnen.
Man ůberzeust sich bald, dass hier die Ouader der Iserschichten nicht auf-
treten und deshalb auch die untere Gránze der Iserschichten unsicher bleibt, dafůr
aber die Trigoniaschichten zur vortrefflichen Entwickelung gelangt sind.
Zwischen Jičín und Turnau ist der Rand der Kreideschichten an den Melaphyr-
zug des Kozákov angelagert und wáhrend die cenomanen Korycaner Auader meist
steil gehoben anstehen, die turonen Plánerablagerungen zum gróssten Theile weg-
geschwemmt sind, findet sich von den Iserschichten ein schmaler Streifen, der nur
an wenigen Punkten dem Studium in Bezug auf Lagerung und Petrefacten zu-
gánglich ist.
Zuerst trifft man einen Aufschluss in den Trigoniaschichten an der Strasse
bei Knížnice vor Libuň. Dieser Fundort liefert manche Arten, welche wir gewohnt
sind in den Malnitzer Schichten anzutreffen, aber das Vorhandensein der Trigonia
limbata und Lima iserica beweisen hinlánglich, dass wir uns hier im Bereiche
der Trigoniaschichten befinden.
Verzeichniss der bei Knížnice unweit Libuň aufgefundenen Petrefacten.
Osmeroides levesiensis Schuppen. Modiola capitata.
Ammonites sp. (Bruchstůck einer ge- (Siligua Petersi?)
knoteten Art). Pholadomya aeguivalvis.
Ammonites peramplus. Panopaea gurgitis.
Scaphites Geinitzii (sehr háufig). Panopaea mandibula.
Baculites undulatus. Tellina sp.
Fusus (Nereidis ?) Avicula anomala.
Voluta Rómeri. Gervillia solenoides.
Natica lamellosa. Inoceramus Brongniarti.
Cyprina guadrata. Lima elongata.
Trigonia limbata. Lima iserica.
Pinna decussata. Pecten curvatus.
Lithodomus spatulatus (háufig). Vola guinguecostata.
Exogyra Matheroniana.
Exogyra laciniata.
Ostrea hippopodium.
45
Ostrea frons.
Anomia subtruncata.
(Amorphospongia rugosa).
Ostrea semiplana.
Libuň.
Scaphites Geinitzii (háufig). Tellina.
Baculites undulatus. Gervillia solenoides,
Turritella Fittoniana. Lima elongata.
Cyprina guadrata. Pecten curvatus.
Arca. Exogyra laciniata.
Panopaea. Micraster.
Bei Rovensko ist es die Anhóhe bei Blatec, welche die Iserschichten mit
ihrer typischen Fauna erkennen lásst. Am čstlichen Abhange der Anhóhe daselbst
liefern die kalkigen Schichten folgende Arten:
Blatec bei Rovensko.
Otodus appendiculatus. Lima multicostata.
Turritella Fittoniana. Vola guinguecostata.
Eriphyla lenticularis. Exogyra laciniata.
Crassatella sp. Exogyra Matheroniana.
Cyprina guadrata. Ostrea hippopodium.
Panopaea gurgitis. Ostrea semiplana.
Panopaea mandibula. Anomia subtruncata.
Perna subspatulata.
Eine andere Stelle, wo die Iserschichten sich erkennen lassen, ist die An-
hohe zwischen Kotva und Rovensko.
Deutlich kann man die Iserschichten bei Lochtuš beobachten, wo sie den
Schichten mit Lima elongata aufgelagert sind und von einem Sandsteine der Chlo-
meker Schichten úberlagert werden. (Dieser Sandstein enthált bei Volavec Massen
von Inoceramen.)
Ich sammelte daselbst, ausser anderen Arten, Perna subspatulata, Modiola typica
und Pholadomya nodulifera, alles fůr die Trigoniaschichten bezeichnende Arten.
Fig. 24. Profil bei Lochtuš (Z). 1. Malnitzer Schichten mit Lima elongata. 2. Iserschichten
mit Pholadomya nodulifera. 3. Auadersand der Chlomeker Schichten.
46
Máchtig entwickelt und vom Iserthale tief eingeschnitten finden wir die Iser-
schichten bei Turnau und Rohosec. Die ganze Hohe der Thallehnen wird von den
Choroušker Trigoniaschichten eingenommen. Die riesigen Ammoniten von 75 cm.
Durchmesser, welche die Durchfahrt unseres Museums zieren, růhren aus den
tiefsten hier zugánelichen Schichten im Kottlerischen Garten und charakte-
risiren die erste Stufe der Choroušker Schichten (Ideal-Profil Fig. 3 Nro. 8).
Fig. 25 a bei Dolanek gegenůber Rohosec findet man unweit des Wehres am
Fusssteige graue Pláner mit faustgrossen Knollen, welche ganz von Heteropora
magnifica Nov. durchsetzt sind (Fig. 5).
Die gelblichen, graue Knollen enthaltenden Pláner, die in einem Steinbruche
gewonnen werden, lieferten in den tieferen Lagen:
Verzeichniss der in den Cho-
roušker Schichten bei Dola-
nek unweit Turnau aufgefun-
denen Petrefacten.
(Profil Nro. 1.)
Turritella Fittoniana.
Natica Roemeri.
Turbo Goupilianus.
Rostellaria Buchi.
Cardium productum.
Protocardium Hillanum.
Crassatella austriaca.
Crassatella macrodonta.
Mutiella ringmerensis.
Cyprina guadrata.
Cyprina sp.
Trigonia limbata.
Arca Schwabenaui.
Arca subglabra.
Modiola typica.
Pinna decussata.
Pholadomya aeguivalvis.
Panopaea gurgitis.
Tellina semicostata.
-= < a
E o
Fig. 25. Profil der Lehne bei Dolanek
segenůber von Rohosec bei Turnau.
J Iserfluss. P Fusssteig. a Tiefste Lage der Tellina sp.
Trigoniaschichten mit riesigen © Ammoniten os ideas
(weiter flussabwárts im Kottlerischen Garten Gervillia solenoides.
anstehend). b Knollen mit Heteropora ma- Perna subspatulata.
gnifica. 1. p Lage mit Perna subspatulata :
p' mit Pholadomya nodulifera. 2. Lage mit Fecten acuminatus.
Pecten acuminatus. 3. Lage mit zahlreichen Pecten curvatus.
Pectunculus. 4. Lage mit Callianassa. 5. Exo- Spondylus sp.
gyrenbank. 6. Priesener Bakulitenthone (die
Lagen darunter unzugánglich). Exogyra columba.
4
Exogyva. Rhynchonella.
Ostrea vesicularis. Clodocora?-
Anomia subtruncata.
Die etwas hoheren Lagen enthielten:
(Profil Nro. 2.)
Fischschuppenknollen. Avicula anomala.
Turritella Fittoniana. Perna subspatulata.
Scala decorata. Inoceramus.
Natica. Lima pseudocardium.
Turbo Goupilianus. Lima aspera.
Protocardia Hillana. Lima ovata.
Crassatella macrodonta. Lima elongata.
Eriphyla lenticularis. Lima dichotoma.
Pectunculus sp. Lima multicostata.
Arca subelabra. Pecten curvatus.
Arca pholadiformis. Pecten acuminatus.
Arca Schwabenaui. Vola guinguecostata.
Pinna decussata. Exogyra lateralis.
Modiola capitata. Ostrea hippopodium (var. vesicul.).
Modiola typica. Terebratula.
Mytilus radiatus. Rhynchonella.
Pholadomya aeguivalvis. Callianassa antigua.
Pholadomya nodulifera. Serpula socialis.
Noch hohere, wenig aufgeschlossene Lagen, lieferten auffallend viele Exem-
plare eines Pectunculus (Fig. 25, 3) und dann folgt eine Bank mit Callianassen (4)
und eine mit Exogiren sp.? In der Callianassabank fanden sich:
(Profil Nro. 4.)
Crassatela sp. Pecten curvatus.
Pinna decussata. Ostrea frons.
Mytilus sp. Anomia subtruncata.
Lima pseudocardium. Callianassa antigua (sehr háufig).
Lima multicostata.
Nicht weit von da lieferten noch zwei Localitáten typische Iserversteinerungen,
Loučkov und Ohraženic.
Verzeichniss der in den Choroušker Schichten bei Loučkov (Turnau)
gefundenen Arten.
Turritella Fittoniana. Modiola capitata.
Turbo Goupilianus. Panopaea.
Protocardium Hillanum. Perna subspatulata (sehr háufig).
48
Lima iserica. Ostrea.
Pecten laevis. Anomia subtruncata.
Pecten curvatus.
Verzeichniss der bei Ohraženic unweit Turnau gefundenen Arten.
Pleurotomaria (Steinkern einer grossen Exogyra Matheroniana.
Art). Anomia subtruncata.
Modiola typica. Callianassa antigua.
Avicula anomala. Spongites saxonicus. (Exemplar mit
Pecten curvatus. Kieselnadeln.) |
Lima pseudocardium.
Gegeniůber am rechten Ufer der Iser unterhalb Rohosec, sammelte ich fol-
gende Arten:
Rohosec.
Otodus appendiculatus. Inoceramus sp.
Crassatella austriaca. Lima pseudocardium.
Cyprina guadrata. Pecten curvatus.
Circe? Exogyra conica.
Trigonia limbata. Exogyra Matheroniana.
Modiola typica. Anomia subtruncata.
Perna subspatulata.
Die an Perna subspatulata reiche Schichte des Profiles von Dolanek trifft
man auch am entgegengesetzten Ufer und die etwa 30 cm. máchtige Schichte be-
steht aus lauter Perna spatulata, eine wahre Pernabank.
Die Vergleichung des Profiles von Dolanek mit dem von Choroušek wird
mit der Zeit eine grosse Uebereinstimmung zeigen, denn die Exogyrenbank wird
gewiss demselben Horizonte entsprechen, wie diejenige unterhalb Choroušek.
Es ist zu bedauern, dass bei letzterem Orte es noch nicht gelungen ist, die
Callianassa aufzufinden.
Die Lagen, welche bei Dolanek die Trigonia limbata und Pholadomya nodu-
lifera fůhren, entsprechen dem Nro. 3 und 5 des Profiles von Choroušek.
Sobald bei Dolanek mit solchem Eifer und mit solcher Ausdauer gesammelt
und beobachtet werden wird, wie es in der Gegend von Choroušek durch Herrn
Pražák geschehen ist, dann wird meiner Ueberzeugung nach die Uebereinstimmung
beider Profile immer deutlicher hervortreten.
Das Adlergebiet.
Das Adlergebiet liegt im ostlichen Theile von Bóhmen und wird von der
máhrischen Gránze an von der Stillen Adler und von dem Lužnabache durch-
schnitten. Nordlich reicht es bis Koldin, westlich ist es durch die Linie Vraclav,
Neuschloss, Desna begránzt, sůdlich reicht es úber Leitomischel bis Lesnik und
ostlich bei Triebitz nach Máhren hin.
49
Die petrographische Charakteristik besteht in dem Mangel von Auadersanden,
-denn mán findet hier nur unreine kalkige Pláner von grauer, okergelber oder auch
rothlicher Farbe, welche schwer von den dieselben untertéufenden Malnitzer Schichten
zu unterscheiden sind. Wegen Abgang der Ouader ist auch ihre Máchtigkeit eine
viel geringere, aber trotzdem bilden sie zwischen Chotzen und Wildenschwert
malerisch schóne Gruppen, welche in ihren Contouren an die analogen Formen
des Auadersandes der sáchsischen Schweiz und der Weckelsdorfer Felsen erinnern.
Die Fauna zeichnet sich durch grósseren Reichthum und bessere Erhaltung
der Petrefacten aus. Abgesehen von dem Auftreten der áusserst seltenen Vogel's
Cretornis Hlaváči und des prachtvollen Fisches Halec Sternberoii ist das massen-
hafte Vorkommen der Callianassa antigua bezeichnend. Von Cephalopoden ist
Ammonites conciliatus Stol. interessant. Bei den Echinodermen ist das háufge
Vorkommen des Hemiaster plebeius und Micraster Michellini eine Erscheinung,
die sich im Elbe-Iser-Gebiet nicht wiederfindet.
Rhynchonellen bilden nicht mehr Bánke und sind úberhaupt sehr sparsam.
Unter den ráthselhaften Gebilden, bei denen man schwankt, ob man sie zu
den Fucoiden oder zu den Schwámmen stellen soll, ist der mit einem bis faust-
grossen Knollen beginnende Fucoides funiformis fůr das ganze Adlergebiet sehr
bezeichnend.
Umgebung von Chotzen, Brandeis a. d. Adler und Wildenschwert.
Náhert man sich der Bahn entlang von Westen der freundlichen Umgegend
von Chotzen, so gewahrt man in den Gráben, zu beiden Seiten der Bahnstrecke,
mit Wasser gefůllte verlassene Steinbrůche und hie und da noch aufgeschlichtetes,
plattenformiges Gestein mit zahlreichen Fucoiden und Spongiten, sowie mit Ab-
drůcken einer Lima oder einer Auster. Dies sind die ersten Anzeichen, dass wir
uns dem Gebiete der Iserschichten náhern, welche hier noch ganz unten unter
dem Niveau der Bahn gelagert sind, und wie man an Hinschnitten und an den
nordlich gelegenen bewaldeten Hůgeln bemerken kann, von máchtigcen Lagen der
Priesener Bakulitenthone ůúberlagert werden.
Von der Bricke in Chotzen ůberraschen uns am rechten Ufer der Stillen
Adler die malerisch prachtvollen steilen Wánde, zu denen sich hier die Iser-
schichten erheben und die „Peliny“ genannte Partie, von der wir beifolgend
eine Skizze bringen, macht gewiss auf jeden Freund der Natur einen tiefen
Eindruck (Fig. 26). |
Die Basis der Wánde nehmen Pláner mit Lima elongata ein und durch die-
selben wurde auch der Tunnel gsefůhrt (Fig. 29, 1).
Ich sammelte sowohl an der Basis der „Peliny“ als auch in dem Gestein,
welches aus dem Tunnel gehoben gegenwártig auf der Anhóhe ober dem Tunnel
auf grossen Halden liegt.
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Verzeichniss der in den Tunnelschichten bei Chotzen aufgefundenen
Petrefacten.
Osmeroides levesiensis. Pecten curvatus.
Aptychus sp. Ostrea hippopodium.
Panopaea mandibula. Anomia subtruncata.
Lima elongata. Enoploclythia Leachii.
Pecten subpulchellus. Plocoscyphia sp.
Pecten Nilssoni.
Das Gestein ist plánerig; feste Bánke wechseln mit můrberen zerfallenden
Lagen und es ist kein Zweifel, dass dies die hóheren Weissenberger Schichten
sind. (Die an Inoceramus labiabus reichen tieferen Weissenberger Schichten sind
erst bei Brandeis a. d. Adler zugánelich.)
Weiter nach oben sind die Schichten mit Ostrea semiplana zu bemerken und
vertreten hier den Malnitzer Horizont (Fig. 29, 2, 3).
Dann folgen Knollenpláner, welche den Byšicer Uebergangsschichten und dem
Horizonte des Halec Sternbergii entsprechen (4).
Dieselben sind oberhalb dem Schiesshause in einem kleinen verlassenen Stein-
bruche entblósst, wo ich selbst Spuren von Fischresten auffand.
Nun kommen die an Lima-Arten und Echinodermen reichen Trigoniaschichten
(5, 6), welche am besten in dem Steinbruche „Báčův lom“ (unweit dem Bahnhofe
an der Strasse nach Leitomischel) entblósst sind, wo sie zu Schotter geschlagen
werden. Diesem Umstande hat man es zu verdanken, dass es mir mit Hilfe des
eifrigen Sammlers Herrn Fr. Hlaváč, Apothekers in Chotzen, gelungen ist, eine
so reiche Suite an Arten hier anfůhren zu kónnen.
Verzeichniss der in den Trigoniaschichten bei Chotzen aufgefundenen
Arten.
Cretotnis, Hlavačla Bros - | „ . Zářecká Lhota.
EESKEMIM: Nhatellko asi © 1-56, PKLOANOL.
Oxyrhina angustidens . . ..... „+ „„Efledhok
Otodus semiplicatus. . . . . ©. . . . Báč. Steinbruch.
Otodus appendiculatus ©. . . . . . . . Friedhof.
Carex Netorodai 1% Zi 2 -ce + + s Erledhoh
Ena ACURA bag XD. © ©6046 Date O DUCÍ:
Lamna raphiodon. . ....... 2 BEIeTDoT:
OBIMELOMIONG A aFobo. 50 324: „.. Vrchoviny.
Halec Sternbersii. . -< .. —. - © . Jung-Koldin.
BEPMEROTGM (mire Shlks < ©- ee ac ZVČZČM,
Ammonites peramplus - . . . ——- . . . Báč. Steinbruch.
Ammonites conciliatus. . . . . . . . . Báč. Steinbruch.
Nautilus sublaevigatus:::: <- . . «,. , Friedhoť.
ZR RELILUS SALA dona Da dd 1 © 340 7 POMOVEM
D2
Baculitesspras04 E50 JEST G
Turritella Fittoniana
Turritella multistriata .
Natica lamellosa
Natica Roemeri
Pleurotomaria"liňearis 7
Turbo Goupihants 50
Rostellaria Schlottheimi
Mitra' Roemeri-0.00.
Voluta suturalis
Cerythtum 7.p.
Rapa sp.
Avellana sp. 22
Opis chocenensis .
Isocardia gracilis. .
Cardium productum
Crassatella macrodonta
Mutiella ringmerensis . .
Gyprina dguadrata -sr k,
Cyprina cf. crassidentata, Zittel
Eriphyla lenticularis
krieona.JimData, 28
ATCA, „SUbelaDrá, | A380 de. aale.
Pinnadecussata 709 2E
Mytilus radiatus
Lithodomus spatulatus
Modiola capitata
Pholadomya perlonga ...
Panopaea mandibula
fellina. sp. 89V Han
Menus.sps KM
Cytherea cf. polymorpha . .
Avicula anomala
Perna. subspa tulák
Inoceramus Brongniarti . . . ......
Lima Dupiniana v
Lima Sowerbyl 2
Lima dichotonak Me s
Lima, multicostat R 00
Lima aspeta ina
Lima 1s6ri6a72
Pecten"]a6vi8 094058
Pecten (urvat s
S Jj jE TÝ Pe aka L Mc
Voluta Sp.C. 7 Joo emi dlse, Velde
. Friedhof.
Friedhof.
. Friedhof.
. Friedhof.
. Báč. Steinbruch, Friedhof.
. Báč. Steinbruch.
Báč. Steinbruch, Friedhof.
Báč. Steinbruch, Friedhof.
. Friedhof.
Friedhof.
. Friedhof.
„ . Friedhof.
. Friedhof.
Friedhof.
. Báč. Steinbruch.
. Báč. Steinbruch.
. Friedhof.
. Báč. Steinbruch, Friedhof.
„ Báč. Steinbruch.
„-. Báč. Steinbruch.
„ Báč. Steinbruch.
Friedhof.
„ Báč. Steinbruch.
Báč. Steinbruch, Friedhof.
Báč. Steinbruch.
„ Báč. Steinbruch.
. Báč. Steinbruch.
. Báč. Steinbruch.
Báč. Steinbruch.
. Střižek's Steinbruch.
Friedhof.
„ Friedhof.
. Báč. Steinbruch.
„ . Báč. Steinbruch.
„ Báč. Šteinbruch.
Báč. Steinbruch.
Báč. Steinbruch, Friedhof.
. Báč. Steinbruch.
Báč. Steinbruch.
. Báč. Steinbruch.
Báč. Steinbruch, Friedhof.
, Báč. Steinbruch.
Báč. Steinbruch, Friedhof.
„ Báč. Steinbruch.
. Báč. Steinbruch.
D3
Pecten acuminatus <. © ©% <. « Báč. Steinbruch.
Pecten, Dujardinii 1-5 <.. < 4. « Báč/Steinbruch.
Mola jauinahecostata „2-5 |. < „dsrdtá. Báč. Steinbruch.
PT IS se 4 200 PSW Báč. Steinbruch, Friedhof.
KORaDO | Jeka jc +p -< Báč. Steinbruch, Friedhof.
Bxagyra: laciniata jg ji) + 4:4 -© Báč. Steinbruch, Friedhof.
Exogyra matheroniana —. ... ....... . Báč. Steinbruch, Friedhof.
Exogyralaleralisyejk ine ae +36 Báč: Steinbruch.
(Okeed sehrplanaietáty pí yu) soy +najp: Báč. Steinbruch, Friedhof.
Oskar Arans:v sive dosti dyzely 4 Báč;+Stelnbruch,
koed dinuána hehe ole ore Venele 6 Báč. Steinbruch.
Ostred Hippopodium: T404 „. Báč. Steinbruch.
Anomia semiglobosa . . . . . . . . . Báč. Steinbruch.
nota sabradata: <.. Báč. Steinbruch.
PonasnPbiruncatac < < Mé s a 6 Báč. Steinbruch.
BnoMam < se 4 PĚK re Báč. Steinbruch:
Rhynchonella plicatilis . . . . . . . . Báč. Steinbruch.
Maess GElnlizii. .-..... . R MI0dat
Gallinjssa antigua . ... ©. . %%. . Báč. Steinbrueh.
EOEMGHes"8D:.. < + 13 R37 u gta“ nor Friedhof.
BMNEMA EVIZ40b -20 -0 ee 4 6 0+0 Hitedhof.
MRODESNÍDOTA CE) < -u n“ „ . Báč. Steinbruch, Friedhof.
Berpulausociális. -< < < <. beer Báč, Steinbruch.
PERU MACFOPNS 2 2- - -2 . . . Báč. Steinbruch.
Serpula AmpulacBA < ,2.-.- + « „-.. Báč. Steinbruch, Friedhof.
Edem speř! Reuss 70 Báč. Steinbruch.
Cyphosoma sp... . . ... S M 300 POR E GET TRW PUN:
Cardnister'onanehýts' (2.24. + + « Dač. oteinbruch.
Hemiaster plebetus ''..* . . .. .. Báč. Steinbruch, Friedhof.
Micraster Michellini. . . . . . . . . . Báč. Steinbruch, Friedhof.
Micrabatla (corona). "9707" "Pyjedhoť.
Plocoscyphia labyrinthica . . . . - « « Steinbruch am Tunnel.
TOPO pREA CB- PGK, „ME SIS „-. Friedhof.
Ventriculites sp. . ... . .... SEMI UD BAG" SEL DPrGH
PDEMEMES RAXOMIC0S -< -© -4+ 000040 Báč. Steinbruch.
Flabellina elliptica . . . . .. -© Báč. Steinbruch.
Cristellaria rotulata. . . . - 4 Báč. Steinbruch.
Fucoides funiformis . . . . . . ... „. Báč. Steinbruch, Friedhof.
Pucoilesicolumnaris (40421144 Báč. Steinbruch.
Die tieferen Lagen der Trigoniaschichten zeigen stellenweise ganze Reihen
von faust- bis kopfgrossen Hohlungen, in welchen man eine můrbe poróse Masse
wahrnimmt, die nach sorgfáltig vorgenommenem Schlámmen unter dem Mikro-
skope Kieselnadeln der Gattung Plocoscyphia aufweist (Fig. 27, 28). In anderen
der Hohlungen sind Reste von walzenformigen, zu den Hexactinelliden gehórigen
D4
Schwámmen, welche nicht náher bestimmt werden konnten. Das diese Schwamm-
reste umgebende Gestein bildet eine feste Hůlle, an der man concentrische Ringe
von verwittertem Brauneisenstein.beobachtet, so dass der Guerschnitt demjenigen
eines Astes nicht unáhnlich ist.
Ein interessanter Fundort wurde jůnest bei der Verlegune der Strasse behufs
Vergrosserung des Friedhofes in Chotzen entdeckt. Die obersten Lagen der unteren
Trigoniaschichten zeigen die Oberfláche zu einem sandigen miirben gelben Pláner
umgewandelt, in welchem man die Petrefacten mit dem Messer herausarbeiten
kann, was besonders bei den Schalen von Ostrea laciniata gelingt. Sonst findet
man darin nur sehr schón erhaltene Negative, áhnlich wie wir sie bald auch bei
Fig. 27. Plocoscyphia labyrinthica. Die Hóhlung in Fig. 28. Nadeln in dieser
den unteren Trigoniaschichten veranlassend. Hóhlung gefunden.
Brandeis an der Adler werden kennen lernen. Eine der hochsten Lagen dieses
Gesteines zeiet zahlreiche, 3 cm. breite flache Gánge, welche mit feinem grauen
Letten erfůllt sind und ursprůnelich entweder Wurmgánge oder Fucoidenstángel
waren. Die darauf folgenden zerfallenden stark glauconitischen Pláner enthalten
zahlreiche grůne walzenfórmige Špongien und grůne glatte Steinkerne der
meisten in den Trigoniaschichten bei Chotzen nachgewiesenen Arten.
Die Beschaffenheit der Steinkerne ist eine ganz eigenthůmliche; denn man
findet in der Regel keine Spur von Schale daran, aber die Bohrschwámme und
die Gánge von Wůrmern, welche die einstige Schale durchbohrt haben, die decken
die Oberfláche der Steinkerne.
Auch Haifischzáhne gehóren nicht zu den Seltenheiten.
Die Aeguivalente der Bryozoenschichten findet man sowohl in Báč's Stein-
bruch, als auch oberhalb des Friedhofes nur schwach entwickelt, aber doch deutlich
und zwar in Form von důnnen, mit Kalkinkrustationen bedeckten Platten, in denen
man SŠerpula socialis und Flabellina cordata vorfindet. Bryozoen sind auch in diesen
Platten nicht selten, aber beim Spalten des Gesteines bekommt man bloss ihre
Spaltfláchen, sehr selten etwas von der Oberfláche zu Gesicht. Biflustra Pražáki
ist die háufigste Erscheinung. Das Gestein hat ganz das Aussehen wie der „Sa-
drák“ bei Leitomischel, in dem wir weiter unten auch den Reprásentanten der
Bryozoenschichten erkennen werden.
D5
Trachtet man ůúber Ausbreitung der Iserschichten in der Umgebung von
Chotzen sich zu orientiren, so findet man, dass nach Norden hin wenig Auf-
schlůsse vorhanden sind, dass die petrefactenreichen Trigoniaschichten sich bald
ganz verlieren und meist nur noch die Byšicer Fischknollen in Steinbrůchen ent-
blósst sind. -
Gewóhnlich sind nur bei Meierhófen und einzelnen Dórfern kleine Stein-
brůche zu finden, in denen gelegentlich eines zufállig vorkommenden Baues ge-
brochen oder im Winter etwas Schotter geschlagen wird.
So ist beim Meierhofe „Vrchoviny“ ein kleiner Steinbruch, wo im ver-
gangenen Winter die vordere Hálfte des interessanten Fisches Osmeroides sp.
gefunden wurde. Die Schichten gehóren den Byšicer Fischknollen an und ich fand
von anderen Petrefacten bloss Lima cenomanensis, Ostrea semiplana und den eigen-
thůimlichen Fucoides funiformis, welcher hier eine gewóhnliche Erscheinung ist.
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Fig. 29. Profil durch die „Peliny“ bei Chotzen uná die Anhóhe, durch welche der Tunnel fůhrt.
H. Chotzener Friedhof. O. Stille Adler. P. Parkwiese „Peliny“. 7. Tunnel. 1. Weissenberger
Schichten. 2., 3. Vertreter der Malnitzer Schichten. 4. Knollenlage mit Fischresten (=7=? Byšicer
Uebergangsschichten. 5. Kalkige plánerige Lagen der Trigoniaschichten, welche nach oben hin
viele Hóhlunsen nach Spongien fiihren und schon die reiche Fauna mit Lima multicostata etc.
besitzen. 6. Důnne kalkige Platten, deren hóchste Lagen den Kaniner Bryozoenschichten ent-
sprechen. 7%. Fette Letten (Teplitzer Schichten ?). 8. Diluvial-Gerólle.
Beim Meierhofe Jung-Koldin wurde schon zu Sternbero's Zeiten, zur Zeit,
als der Meierhof gebaut wurde, der prachtvolle Fisch Halec Sternbergii ge-
funden. Jetzt ist der Steinbruch fast ganz verlassen und nur mit grósster Můhe
© gelang es mir, die zur Feststellung des Alters nothigen Petrefacten aufzufinden,
welche darauf hinweisen, dass ausser den Byšicer Fischknollen in den hóchsten
Lagen des Steinbruches auch ein kleiner Rest von den Trigoniaschichten hier vor-
handen ist.
Verzeichniss der bei Jung-Koldin aufgefundenen Petrefacten.
Halec Sternbergii, Ac. Isocardia gracilis. -
Fischschuppen. Inoceramus sp.
Ammonites? Lima multicostata.
Bulla? Lima elongata.
D6
Dim a I8eTICA: Ostrea semiplana.
Lima dichotoma. Ostrea Hippopodium.
Lima Sowerbyl. Rhynchonella ?
Pecten Nilssoni. Callianassa antigua.
Pecten acuminatus. Pollicipes sp.
Pecten curvatus. Cyphosoma.
Vola guinguecostata. Hemiaster plebeius.
Ostrea Matheroniana. Micraster Michellini.
Meine Ansicht, dass die Fundstelle des Halec den Iserschichten angehórt,
fand ich spáter auch bei Vinar bestátist, wo auch dieser Fisch kůrzlich gefunden
wurde und wo man das Liegende und Hangende genau sicherzustellen im Stande
ist. Auch dort liegt er in Knollen vom Alter der Byšicer Uebergangsschichten.
Beim Orte „Cuclava“ fand Herr Havlíček, Baumeister in Chotzen, einen
interessanten Ammoniten, welcher wahrscheinlich ein sehr altes Exemplar des
Ammonites conciliatus Stol. ist und vom Herrn Fr. Hlaváč, Apotheker in Chotzen,
unserem Museum geschenkt wurde.
Brandeis an der Adler.
Ueber das Liegende der Iserschichten in dieser Gegend wird man besser bei
Brandeis an der Adler belehrt. |
Das tiefste Glied ist hier ein grauer Pláner mit Inoceramus labiatus, welchen
man am linken Ufer der Stillen Adler in der idyllischen Waldpartie „Klopoty“ in
der Umgebung des Amos Comenius Denkmals anstehend findet. Am rechten Ufer,
hinter der Můhle, sind etwas jingere graue Pláner mit Pecten pulchellus
entblósst und diese haben in dieser Gegend als Dungmittel eine hochwichtige
Bedeutung.
Fig. 30. Profil bei Brandeis an der Adler. (A. Monument von Amos Comenius am Fusse der
Anhóhe Klopoty. O. Stille Adler. B. Brandeis. Z. Ruine. K.' Kaliště. 1. Weissenberger Schichten
mit Inoceramus labiatus und Pecten pulchellus. 2. Semitzer Mergel. 3. Wehlowitzer Fisch-
pláner. 4. Petrefactenarme (Malnitzer?) Pláner. 5. Trigoniaschichten mit grossen Ammonites
peramplus. 6. Andeutungen von Bryozoenschichten.
DT
| Unterhalb der Ruine trifft man am Fahrwege nach „Kaliště“ gelbgraue
| Mergel, welche, nach den Petrefacten zu urtheilen, den Semitzer Mergeln ent-
- sprechen důrften. Ich fand hier nur wenige Arten, aber in der Fortsetzung der-
- selben Schichte am Fusse der Thallehne „Brandýsské paseky“ gelang es mir
(am Fusssteige) folgende Arten sicherzustellen:
Verzeichniss der beim Fusssteige unterhalb der „Brandýsské paseky“
in den Semitzer Mergeln gesammelten Arten.
Schuppen von Beryx. Pinna decussata (sehr klein).
Schuppen von Osmeroides. Lima Sowerbyi.
Aptychus. Pecten Nilssoni.
Natica lamellosa. Pecten curvatus.
Rostellaria. Pollicipes.
Dentalium cidaris. (Hemiaster ?)
Inoceramus. Ventriculites.
Nucula.
Es folgen nun petrefactenarme Pláner, die man als die Vertreter der Wehlo-
witzer Fischpláner (3) betrachten kann und auf welchen die Ruine der Burg steht.
Etwas weiter oben in einem Steinbruche entblósste Schichten důrften den Malnitzer
entsprechen (4).
Beim Auisteigen lángs des Fahrweges lassen sich bald die grauen Fischknollen
der Byšicer Schichten erkennen und ich fand darin ein Fragment des Macropoma.
Nun kommt man zum Horizont der Lima multicostata, den riesigen Ammo-
niten A. peramplus und Callianassa antigua (5).
Ganz oben am Plateau liegen dann plattenfórmige kalkige Pláner, welche
Serpula filif. fůhren und schon das Aussehen der Bryozoenschichten annehmen,
indem die Oberfláche der Platten mit kalkigen Inkrustationen úberzogen ist.
Die petrefactenreichen Schichten sind auch an der Štrasse nach Chotzen in
Steinbrůchen zugánglich, in denen man stellenweise eine merkwůrdige Veránde-
rung des Gesteins wahrnimmt.
Wáhrend der unverwitterte feste Kalkstein áusserst hart, schwer und von
mohngrauer Farbe ist, sind dessen Schichten stellenweise, offenbar durch Einfluss
des Wassers ganz ausgelaust und in ein leichtes, rostgelbes Plánergestein ver-
wandelt, das man mit dem Messer schneiden kann. Dasselbe enthált bloss die
Abdrůcke der Petrefacten, die Schalen sind meist vollstándie verschwunden, dafůr
zeigen die Negative prachtvoll das Detail der Schalenoberfáche, wie man sie bei
Exemplaren aus dem festen Kalkstein nie zu Gesicht bekommt. In den hóchsten
Lagen kamen viele Bryozoen vor, doch kann man hier die bryozoenfiihrende
Schichte nicht so genau absondern wie bei Kanina.
D8
Verzeichniss der in den Trigoniaschichten bei Brandeis an der Adler
gefundenen Arten.
Ammonites peramplus.
Pleurotomaria linearis.
Lithodomus spatulatus.
Modiola capitata.
Modiola typica.
Avicula anomala.
Inoceramus Brongniarti.
Lima elongata.
Lima multicostata.
Exogyra laciniata.
Exogyra lateralis.
Ostrea Hippopodium (var. vesicularis).
Ostrea semiplana.
Ostrea frons.
Anomia n. sp.
Hemiaster.
Serpula macropus.
Callianassa antigua.
Lima iserica. Biflustra Pražáki.
Pecten curvatus. Heteropora magnifica.
Pecten serratus. (Mehrere nur im Negativ erhaltene
Pecten Dujardinii. kleine Arten von Bryozoen.)
Vola guinguecostata.
An der gegeniberliegenden, am linken Adlerufer sich erhebenden Berglehne
(Klopoty) kann man wegen dichter Bewaldung die einzelnen Schichten nicht ver-
folgen und muss sich damit begnůgen, am Fusse die tiefsten Weissenberger
Schichten mit Inoceramus labiatus und oben bei der Ruine Orlík die petrefacten-
reichen Trigoniaschichten zu constatiren.
Neuer Bahnhof (Kerhartitz) bei Wildenschwert.
Einen noch tieferen Einblick in die Schichtenfolge der die Iserschichten
unterteufenden Glieder unserer Kreideformation gewáhrt das beim Bahnbau ent-
blósste Profil im neuen Bahnhofe in Wildenschwert. Beim Wáchterhause in Ker-
hartitz tritt Gneiss zu Tage, an welchen sich unmittelbar rothe glimmerreiche
Schichten des Rothliegenden anlagern. Am westlichen Ende des Bahnhofes liegen
auf dem Rothliegenden glauconitische Ouader der Korycaner Schichten, von denen
wir nach den Aufschlůssen bei Hnatnitz wissen, dass sie Pecten asper und Ostrea
carinata fůhren (Fig. 31, 1).
Nun sehen wir hi die Weissenberger Schichten in einer úbeřináchénd manig-
faltiger Entwickelung, wie sie fůr die ganze Umgebune charakteristisch ist.
Die erste Plánerschichte, welche dem elauconitischen Auader aufcelagert ist,
enthált den Inoceramus labiatus in Unzahl, dabei Exemplare von mehr als
25 cm. Lánge (2). In dem weiter folgenden rostgelben Pláner (3) ist er schon
seltener. Derselbe enthált in seinen mittleren Lagen eigenthůmliche Knollen-
fucoiden, wie ich dieselben schon frůher *) aus der Gegend von Luže und Brůnlitz
beschrieben habe (4).
*) Weissenberger Schichten, pag. 40.
P
Nach oben hin (5) enthált
dieser leichte sandige Pláner einen
| Seeigel (Epiaster sp.), welcher in
-dem ganzen Adlergebiete von
Adlerkosteletz angefangen ber
Wamberg bei Senftenbere, Zohsee
bei Landskron, Polička, Neuschoss
úberall in demselben Gestein in
oleichem Horizonte, welcher den
tiefsten Lagen der Semitzer Mer-
gel entspricht, vorkommt.
Der Erhaltungszustand ist
ein derartiger, dass bloss der
Steinkern des stets verdrůckten
Seeigels, sowie das Negativ der
Schalenoberfláche erhalten ist;
die Schale selbst ist gánzlich
verschwunden. |
Nun folgen ziemlich scharf
abgegrenzte graue, důnnschichtige,
zerfallende Pláner mit Inoceramus
labiatus, Pecten pulchellus und
zahlreichen Fischschuppen (7). In
der sattelfórmigcen Vertiefung be-
merkt man gelbe Mergel (8).
Auf die nassen gelben Mer-
gel folgen schwarzgraue brócklige
Pláner mit Schuppen von Cyclo-
lepis (9) und eine aufallend fe-
stere Bank (10) trennt dieselben
von Bauplánern, welche auffal-
lend rostig gefárbte Spaltfláchen
haben (11).
Unter den nun folgenden
Schichten erinnert eine durch
massenhaftes Auftreten von Glau-
conitkórnern an den Grůnsand der
Malnitzer Schichten der Launer
Umgegend [Čenčic, Malnitz (12)].
Sie enthált:
Oxyrhina angustidens.
Schuppen von Beryx.
Schuppen von Osmeroides.
Aptychus.
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ge Pláner mit Fischschuppen.
15. Trigonia-Schichten mit Lim
mit Cyclolepis-Schuppen.
ge der Weissenberger Schichten mit Massen von Inoceramus labiatus.
schwarze bláttri
piaster sp. 6. Festere Plánerschichte.
(Kerhartitz). Nach links steht beim náchsten Wáchterhause Gneiss und Permformation an.
graue Pláner
2. Tiefste La
Rostgelbe Pláner mit E
9. Schwarz
e Knollenschichte und darůber
14. Schichten mit grossen Hohlungen nach Spongien.
er Mergel).
ycaner Schichten.
5.
12. Glauconitisch
4. Knollige Pláner.
Profil beim neucn Bahnhofe in Wildenschwert
8. Gelbe nasse Letten (Semitz
1. Glauconitische Guader der Kor
gelbe Pláner.
rothen Spaltfláchen.
elongata (Malnitzer).
Fig. 31.
Pláner.
60
Inoceramus Brongniarti (Trůmmer Exogyra lateralis.
sehr grosser Exemplare). Ostrea hippopodium.
Pecten Nilssoni. Magas Geinitzii.
Pecten pulchellus. | Flabellina cordata.
Etwas hóher folgen schwarze bláttrige Mergel mit Fischschuppen und dann
blaue Pláner mit Lima elongata (19) und důrften die Basis der Iserschichten dar-
stellen, denn es folgen darauf die durch Hóhlungen nach Spongien bezeichneten
tieferen Iserschichten und gleich darauf die durch Lima multicostata kenntlichen
Trigoniaschichten.
Das in Fig. 31 gegebene Profil ist stark verkůrzt und soll nur einigermassen
das Verstándniss der Schichtenfolge erleichtern. Es wurde nach 3 Photographien
gezeichnet, welche ich mit einem leicht tragbaren Apparate von Dreiroll in Paris
aufgenommen habe.
Umgebung von Bóhm.-Trůbau.
Fůr das Verstándniss der Lagerung der Iserschichten bei Bohm.-Trůbau wird
es fórderlich sein, wenn man frůher das eben geschilderte Profil am neuen Bahnhof
in Wildenschwert, sowie die Umgebung von Chotzen studirt. Dann wird man sich
leichter zurecht finden und die Schichten wiedererkennen, deren Lagerung dort klar,
hier aber schwer zu verstehen ist.
Auch ist es zweckmássig, bis zu den Randgebilden in Zohsee hinter
Landskron einen Ausflug zu machen, wo die an Inoceramus labiatus reichen
tiefsten Weissenberger Schichten in Steinbrůchen geoffnet sind..
Ich wurde auf diese interessante Localitát durch Herrn Em. Erxleben in
Landskron, den Besitzer einer recht netten geologischen Sammlung aufmerksam
gemacht und aguirirte von dort theilweise als Geschenk des genannten eifrigen
Paláontologen folgende Arten: :
Mytilus Neptuni. Exogyra conica.
Inoceramus labiatus. Ostrea hippopodium.
Lima elongata. Epiaster sp.
Pecten curvatus. Spongites saxonicus.
Pecten Dujardinii. Fucoides columnaris.
Exogyra lateralis.
Hat man in Zohsee die Eigenthůmlichkeiten des Gesteines, welches in dieser
Gegend die Weissenberger Schichten aufweisen, kennen gelernt, so erkennt man
es leichter bei dem Profile von Triebitz, zu dessen Schilderung wir nun úbergehen.
Das eine belehrende Profil ist in der Richtung von Triebitz nach Rybník zu
verfolgen und wird wohl Niemandem grosse Schwierigkeiten machen.
Am nordlichen Ende von Triebitz findet man am rechten Ufer des Baches
oberhalb der letzten Háuser den gelben Pláner mit Epiaster sp. (Nro. 5 des Wilden-
schwerter Profils) entblósst. (Fig. 32, 1.)
61
Am linken Ufer steht glauconitisches festes Gestein an (Wild. Profil Nro. 13)
und die darauf lagernden Plánerschichten enthalten zahlreiche Lima elongata
(Fig. 32, 2).
| 9 +
d
4
Fig. 32. Profil zwischen Triebitz (7) und Rybník (R).
1. Weissenberger Schichten mit Epiaster. 2. Glauconitische Lage mit Lima elongata. 3. Lage
mit Spongites gigas und 4. mit senkrechten Concretionen. 5. Trigoniaschichten mit Hóhlungen
nach Spongien. 6. Einlagerungen von Hornstein. 7%. Callianassaschichten.
Dem Wege nach Rybník entlang sieht man gewohnlichen Pláner mit Spongites
gigas (3) und mit senkrechten baumstrunkáhnlichen Concretionen (Fig. 32, 4).
Nach und nach gehen diese Pláner in die durch Fucoides funiformis charakteri-
sirten Schichten ber. Es treten hier auch Knollenfucoiden auf, welche hier in
dieser Gegend nicht auf das Vorkommen in den tiefsten Weissenberger Schichten
beschránkt sind.
Am hóchsten Punkte, an welchem die Strasse úber den zwischen Triebitz
und Rybník sich erhebenden Bergrůcken fiihrt, stehen die durch Hohlungen nach
Spongien kenntlichen tieferen Lagen der Trigoniaschichten an (5).
Beim Herabsteigen gegen Rybník hin trifft man in denselben eine Exogyren-
bank sowie eine Schichte von Hornstein eingelagert (6).
Dann folgen erst die an Callianassa und Šerpula socialis reichen platten-
fórmigen Kalke (7).
Wáhrend die Schichten an dem geschilderten Profil von Triebitz gegen Rybník
hin einfallen, liegen vom letzteren Orte die an Callianassen reichen Schichten an
den Lehnen des seichten Thales bis Bohm.-Trůbau hin horizontal. In zahlreichen
kleinen Steinbrůchen, die hier aufgeschlossen sind, arbeitete ich mit meinem Petre-
factensammler durch lángere Zeit im Jahre 1877, wodurch der paláontologische
Charakter der frůher als „Callianassen-Sandsteine Reuss“ bezeichneten
Schichten erst klar wurde und seine Uebereinstimmung mit den Trigoniaschichten
des Isergebietes ausser Zweifel gesetzt wurde.
Das Gestein ist ein róthlicher plattiger Kalkstein, der sehr fest mit den
Petrefacten zusammenhángt und dieselben meist nur als Šteinkerne loslásst.
Verzeichniss der in den an Callianassen reichen Trigonia-Schichten
bei Bohm.-Trůbau aufgefundenen Arten.
Turritella Fittoniana. Isocardia gracilis.
Natica Roemeri. Protocardium Hillanum.
Pleurotomaria sp. Mutiella ringmerensis (var. crassi-
Rostellaria sp. testa).
62
Crassatella macrodonta. | Pecten laevis.
Cyprina guadrata. Pecten curvatus.
Trigonia limbata. Pecten acuminatus.
Arca subglabra. Pecten Dujardinii.
Pinna decussata. Vola guinguecostata.
Modiola capitata. Exogyra conica.
Pholadomya aeguivalvis. Exogyra lateralis.
Panopaea Ewaldi? Exogyra laciniata.
Panopaea gurgitis. Ostrea hippopodium (var. vesicularis).
Tellina semicostata. Ostrea semiplana.
Cytherea polymorpha. Ostrea frons.
Avicula anomala. Anomia subtruncata.
Perna subspatulata. Anomia semiglobosa.
Inoceramus (cf. striatus). Anomia subradiata.
Lima Sowerbyi. Magas Geinitzii.
Lima dichotoma. Krabbe.
Lima ovata. Callianassa antigua.
Lima iserica. | Serpula ampulacea.
Lima semisulcata. Cardiaster ananchitis.
Lima multicostata.
Ammonites conciliatus und Stelaster tuberculifera wurden vor Jahren in der
Umgebung von B.-Trůbau gefunden.
Viel schwieriger und complicirter ist das Profil von Schirmdorf gegen die
Anhóhe, iiber welche die Strasse nach Leitomischel fůhrt, dieses hat aber eine
mehr stratigraphische als paláontologische Bedeutung.
Unmittelbar bei Schirmdorf (Semanín) stehen die Trigoniaschichten mit zahl-
reichen Callianassen an und lehnen sich an die steil aufsteigende Bergelehne, welche
aus viel álteren Schichten besteht (Fig. 33).
In der Schlucht unterhalb der „Alten Angerflur“ sind noch Spuren eines
Versuchsbaues nach Kohle in den Perutzer Schichten (1). Die Korycaner cenomanen
Schichten sind hier durch einen etwa 1 Meter máchtigen glauconitischen Auader
mit Pect. asper. 3., 4. Weissenberger Schichten.
zahlreichen Foraminiferen („u Kapličky“). 6. Byšicer Uebergangsschichten mit grossen grauen
Knollen. 7. Trigoniaschichten mit Callianassen. 7" Trigoniaschichten am Fusse des Kozlovberges
bei Semanín (S).
63
angedeutet (2), worauf oleich graue Pláner mit Inoceramus labiatus folgen (3).
Die nun folgenden Schichten findet man lángs der Strasse entblósst, aber die
grosse Armuth an Petrefacten lásst Einen lange in Unsicherheit úber das genaue
Alter und das Aussehen des Gesteines und lásst nur vermuthen, dass es Pláner
der Weissenberger Schichten sind (3, 4). Erst bei der Semaníner Kapelle ist eine
Lettengrube gečffnet, welche zahlreiche Terebratulina gracilis liefert (5),
Weiter treffen wir einen Steinbruch
in festem Plánergestein geoffnet, in dessen
oberster Lage ich Ostrea semiplana (die
kurze breite Varietát) vorfand, welche in
dieser Gegend den tieferen Horizont der
Trigoniaschichten andeutet.
Die petrefactenreichen Trigoniaschich-
ten treffen wir erst auf der Anhóhe bei
Pozucha, wo sie gegen das Leitomischler
Thal einfallen.
Bezůglich des Hangenden der Iser-
schichten in dieser Gegend finden wir den
nothigen Aufschluss bei Abtsdorf. Auf den
in zwei máchtigen Bánken (Fig. 34, 1, 2) auf-
tretenden Trigoniaschichten lagern die důnn-
plattigen Bryozoenkalke (3), welche von einer
etwa 1 m. máchtigen Schichte dunkelblauen
Lettens, welcher sich durch die daselbst auf-
gefundene Terebratula subrotunda Fig. 34. ooemasdee Poea tep plz bei
als Reprásentant der Teplitzer Schichten od tí
d : : 1., 2. Trigoniaschichten | I bichleu
erkennen lásst. Derselbe wird von typischen 3. Bryozoenschichten fo
Priesener Baculitenschichten úberlagert, wie plně PE VRT KLLNOJOUT V tý ODA
man sie bei Leitomischel und Chotzen wieder- 5. Priesener Baculitenschichten.
findet. Diese Auffassung der Schichtenfolge
fand neuestens bei einem Strassenbau in Leitomischel ihre Bestátigung.
Die Gegend von Sichrov, Liebenau, Bóhm.-Eicha und Světlá.
Die Untersuchung dieser Partie fállt in die friůheren Jahre meiner Arbeiten,
wo ich noch nicht die Gliederung der Iserschichten kennen gelernt habe und da
es mir nicht moglich war, seitdem wieder lángere Zeit in der Gegend zuzubringen,
so muss ich mich bloss darauf beschránken, das Vorkommen der Trigoniaschichten
im Allgemeinen zu erwáhnen. Ein flůchtiger Besuch der Gegend wůrde da wenig
geholfen haben, denn um die einzelnen Lagen der Trigoniaschichten constatiren
zu kónnen, ist ein lángeres intensives Sammeln durch einen in der Gegend woh-
nenden Paláontologen nóthig. Im Ganzen scheint das Profil von Dolanek bei Turnau
auch fůr diesen Zug der Iserschichten massgebend zu sein. Die tieferen Lagen
sind selten zugánglich und die Anhóhen bei Sichrov, sowie der gegen Liebenau
hinziehende Semmelbere liefern zahlreiche Callianassascheeren. Aus der Umgebung
64
von Bóohm.-Eicha erhielt ich von dem Oekonomen Jos. Škoda aus Radvanic zahl-
reiche Arten aus den Trigoniaschichten, aber dieselben waren bloss im Thalgerólle,
nicht in der Schichte selbst gesammelt. Ich erwáhne davon bloss: Exogyra laci-
niata, E. conica, Heteropora magnifica, Callianassa antigua etc. (Ein Fragment
von Macropoma speciosum deutet darauf hin, dass in dieser Gegend ein guter
Fundort von Fischen in den Wehlowitzer Plánern besteht.) Die Rhynchonellen-
bank von Wlachai dem Alter nach náher bezeichnen zu wollen, ist bis jetzt
schwierig, denn es lásst sich nur vermuthen, dass es entweder die Rhynchonellen-
schichte der Byšicer Ueberganosschichten ist (Zimoř) oder dass sie dem Zwischen-
pláner angehórt. Eine auffallende Erscheinune ist, dass sich die petrefactenfůhrenden
Trigoniaschichten so hoch gegen das Jeschkengebirge hinaufziehen, denn sie lassen
sich selbst unterhalb des Ortes Světlá beobachten.
Die sáchsische Schweiz ist fůr den Paláontologen ein trostloses Gebiet und
ich muss mich hier darauf beschránken, die Grůnde anzugeben, weshalb wir einen
Theil der máchtigen Ouaderwánde als zu den Iserschichten gehórig betrachten.
Den ersten Anhaltspunkt fand ich am Fusse des hohen Schneeberges, wo
úber den Auadersanden mit Inoceramus labiatus glauconitische und graue Pláner
mit Ammonites Woolgari (Malnitzer Schichten) den Ouader des eigentlichen Schnee-
berges unterteufen. *) Nach den in der Melniker Gegend gemachten Erfahrungen
kónnen also die Ouader des hohen Schneeberges nur den beiden Kokořiner Auadern
entsprechen. Die hier aufgefundenen Petrefacten Lima multicostata und Rhyncho-
nella (Steinkerne) sprechen nicht dagegen. Hóchstens wáre hier darůber noch die
Ouaderfacies der Trigoniaschichten zu suchen, was bei dem Mangel an gut erhal-
tenen Petrefacten eine undankbare Arbeit ist.
Vom hohen Schneeberge aus neigen sich die Guaderschichten dem Elbethale
zu und bei Herrnskretschen nehmen sie etwa die obere Hálíte der Felswánde ein.
Die oberste Lage der Ouader ist bedeutend fester als die tieferen und kann gut
als Ouaderfacies der Trigoniaschichten aufgefasst werden.
Diese feste Schichte ermoglichte die Bildung des Prábischthores.
Bei Dittersbach fand ich in den hóchsten Lagen dort, wo das Gloriett am
Rudolfstein steht, eine 16rippige Lima multicostata, ganz wie sie in den typischen
Trigoniaschichten vorkommt.
Vom Elbethal liegen die Auader der Iserschichten fast horizontal, ostwárts
bis in die Gegend von Bóhm.-Kamnitz; hier liegen darůber die Priesener Bacu-
litenschichten und darauf die Chlomeker Sandsteine, die dann auch fast horizontal
bei Tannbere und Schonlinde sich direct an das Urgebirce anlagern. **)
Die Gegend zwischen Weckelsdorf und Braunau.
Zur Orientirung bezůglich des Alters der berůhmten Adersbach - Weckelsdorfer
Felsen habe ich zwei Profile aufeenommen und zwar das eine vom Rande der
*) Weissenberger Schichten, p. 48.
**) Vergleiche Prof. Krejčí: Archiv I., II. p. 130.
65
| Kreidegebilde im Braunauer Thale, nach dem Weckelsdorfer Thale gegen Mohren,
| das andere von Weckelsdorf gegen die Felsenpartie hin.
Das erste beginnt mit einem interessanten Contactprofile am Eisenbahn-
| einschnitt bei der Station Bodisch.
Wenige Schritte in der Richtung gegen Braunau hin gelangt man an einem
| Punkte an, wo die Kreideformation sich an die Permformation an einer Rutschungs-
© spalte anlegt.
Die tiefsten Schichten, die Perutzer, sind hier verdeckt und die Sandstein-
| Felsen, welche sich an das Rothliegende (Fig. 38, 1) anlagern, gehoren den Kory-
caner (2) und den tiefsten Lagen der Weissenberger Schichten an und haben das
| Aussehen wie die Inoceramenschichten von Zohsee bei Landskron (3).
Leider gibt es hier keine Petrefacten und man kann bei Schilderung des
Profiles gegen Weckelsdorf hin nur annáherungsweise die Absátze im Terrain nach
ihrem petrographischen Charakter und durch Vergleichung mit áhnlichen anderwárts
petrefactenfůhrenden Schichten deuten.
Bei der Station Bodisch (9, 4) finden wir schwarzgraue, an Fucoiden reiche
Pláner mit hárteren glauconitischen Partien, welche sehr an das Gestein von Zohsee
bei Landskron erinnern. In der nun folgenden sattelfórmigen Niederung gewahrt
man nasse gelbe Mergel (Semitzer), welche aber nirgends aufgeschlossen sind (5).
Die náchste Anhóhe besteht aus festen grauen (rostroth verwitterten) Bauplánern,
in welchen es mir gelang, Inoceramus Brongniarti und Lima Sowerbyi nachzuweisen.
Wir befinden uns hier ohne Zweifel im Niveau der Wehlowitzer Pláner (6).
Den Kamm dieser Anhóhe bildet ein an Spongiten reicher, sehr fester Sand-
stein (7), den wir spáter am Weckelsdorfer Profile an der Basis der Iserschichten
antreffen werden und welcher dem Rhynchonellenguader der DByšicer Schichten
entspricht (8).
Die bewaldete Niederung, welche sich gegen den Vostašberg hinzieht, birgt
wohl ausser etwas Uebergangsschichten hauptsáchlich den unteren Kokořiner
Guader, der genannte Berg aber, welcher nur ein Fragment der Weckelsdorfer
Felsen darstellt, wird vom zweiten Kokořiner Auader gebildet (9).
Die beigelegte Skizze entwarf ich von einer Anhčhe zwischen Ober-Weckels-
dorf und der Station Bodisch am Wege nach Deutsch-Wernersdorf, passirte dann
das Thal, um mich von der Beschaffenheit der einzelnen Schichten zu iberzeugen.
Die Basis fůr das zweite Profil findet man im Steinbruche an der Marien-
kirche in Weckelsdorf und in einem anderen an der gegenůberliegenden Lehne. Es
sind hier graue feste Baupláner P plosseny in denen ich nach langem Suchen
nachstehende Petrefacten vorfand:
Fischstachel, 10 cm. lang, an der Basis Pecten curvatus.
2 cm. breit, mit rauher Oberfláche. Vola guinguecostata.
Ammonites peramplus. Exogyra conica.
Baculites. Cidaris (subvesiculosa ?), Stacheln.
Inoceramus Brongniarti. Micraster ?
Lima multicostata. Stelaster sp.
Lima sp.
66
Von dem Steinbruche gegenůber der Marienkirche verfolste ich die Schichten
an dem Waldwege, der gegen den Holsterberg hinfůhrt.
Ich fand bloss fucoidenreiche, graue, knollige Pláner mit sehr harten kleinen ©
Knollen und erst hinter einem Holzschlage fiihrte der Weg an einer Bank festen
orauen Spongitensandsteins vorbei, der einen Vergleich mit dem Rhynchonellen-
guader der Byšicer Uebergangsschichten zulásst.
Es liegen darauťf noch etwas graue Pláner und dann gleich die máchtigen
Ouadermassen, welche ich fůr die beiden Kokořiner Auader unseres Ideal-Profiles
halte (Fig. 35, 3, 4).
Die hóchste Lage der Auader ist merklich fester als die tieferen Partien
und zeichnet sich durch zahlreiche nuss- bis kopfgrosse Hóohlungen an den ver-
witterten Wánden aus (Fig. 39).
Diese Hohlungen betrachtete ich frůher als durch Auswaschung der můrberen
Stellen entstanden, war aber nicht wenig úberrascht, diese Hohlungen an frisch
gesprengten Blócken in ganz gesundem Gestein wiederzufinden (Fig. 36).
Da in kalkigen Schichten gleichen Alters in der Gegend von Chotzen zahl-
reiche Hóhlungen vorkommen, von denen ich nachgewiesen habe, dass sie vom
dem Meeresschwamme Plocoscyphia labyrinthica herrůhren, so ist es sehr wahr-
scheinlich, dass auch diese Hóohlungen áhnlichen Meeresschwámmen ihren Ursprung
verdanken.
Es gewinnt dadurch auch meine Ansicht, dass diese festen hóchsten Sandstein-
lagen der Weckelsdorfer Felsen dem unteren Theile der Choroušker Trigoniaschichten
in der Facies von Auadern entsprechen, eine Bestátigung.
Eine Wiederholung des geschilderten Profiles finden wir am Wege, den die
Touristen von Springer's Restauration zu dem Felseneingange einschlagen. Man
geht zuerst an grauen Plánern der Weissenberger Schichten mit Lima elongata
vorbei, trifft dann unterhalb der Echobaude kalkige Lagen mit ziemlich viel Petre-
facten an, welche den Byšicer Uebergangsschichten angehóren.
Scaphites Geinitzii. Inoceramus Brongniarti.
Hamites ? Lima elongata.
Mutiella sp. Ostrea semiplana.
Cyprina guadrata. Exogyra conica.
Tellina?
Am Eingange in die Felsenstadt haben die Auadersande 65 m. Hóhe und
ist darin wohl hauptsáchlich der zweite Kokořiner Auader vertreten, wáhrend die
Spitzen der Ouadersáulen, welche durch ihre bizarren Formen an Kronen (Fig. 37),
Vogel, Menschenkopfe u. s. w. erinnern, wieder die Trigoniaschichten vertreten,
wie wir es am frůheren Profile gesehen haben.
Die durch fortschreitende Verwitterung theilweise oder ganz gedffneten
Spongienhohlungen unterstůtzten die Bildung der zackigen Formen, wie wir sie
z. B. an der sogenannten Krone wahrnehmen. Da das Gestein selbst aber sehr
fest ist, so widersteht es den Witterungseinfliissen sehr lange und důrfte bis zur
Bildung der jetzigen Gestalt viel Zeit verstrichen sein. (Der schwefelgelbe Anflug
61
an den Auaderwánden sind Soridien von Lebermosen. Hie und da trifft man an
den herumliegenden Blócken den. kleinen Pilz Sphyridium bissoides in Unzahl.)
Auch bei Adersbach habe ich schon frůher *) nachgewiesen, dass die grauen
Pláner, welche unter die Auaderfelsen einfallen, vom Alter der Weissenberger
Schichten sind; denn sie lieferten:
Inoceramus labiatus, Lima elongata, Lima multicostata.
Fig. 35. Profil der Weckelsdorfer Felsen. A. Weg nach Adersbach. S. Springer's Restauration.
E. Echobaude. 7. Eingang zu den Felsen. 1. Blaue Pláner mit Lima elongata. 2. Byšicer
Uebergangsschichten. 3., 4. Kokořiner GOuader. 5. Lage mit Schwammhohlungen, verschiedene
Figuren bildend, wahrscheinlich ein Aeguivalent der Trigoniaschichten.
Fig. 36. Frisch gesprengter Sandsteinblock der Fig. 37. Die sogenannte „Krone“. Ver-
hochsten Lagen d. Weckelsdorfer Felsen mit Hóh- witterungsrest der an Spongienhohlungen
lungen nach Spongien. ',, nat. Grógse. reichen hóchsten Lage der Weckelsdorfer
Felsen. (Trigoniaschichte?) etwa ';, nat.
Grósse.
*) Weissenberger Schichten, p. 44. a
08
Zur Aufnahme von Profilen sind hier aber die Verháltnisse nicht so gůnstig
wie bei Weckelsdorf.
Budislaver Thale aus gute Gelegenheit haben.
Als erste Tour wollen wir die Linie Vinar-
Vraclav-Zámrsk betrachten.
Vinar erreicht man etwa in einer Stunde
von der Station Uhersko oder Zámrsk-Hohenmauth
und findet daselbst sůdlich vom Dorfe in einer
Schlucht „u Pazderny“ am Fusse des sich nach
sidóstlicher Richtung hin erhebenden Pláner-
zuges Semitzer Mergel und graue Pláner vom
Alter der Dřinover Knollen (1, 2), welche letztere
sehr reich an Scaphiten, Baculiten und anderen
Petrefacten sind.
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EM2 Spongien. (Von dem Růcken, der sich von Weckelsdorf gegen
o 3 Ro coo den Holsterberg hinzieht.) '/„, nat. Gr.
©, ES
5885 Die Gegend von Hohenmauth und Leito-
DEB A mischel.
me
©
zh Bei Zámrsk beginnt das muldenfórmige Thal,
5 B al: das sich úber Hohenmauth bis hinter Leitomischel
jme © . .
FEE = hinzieht und dessen Lehnen von den zur Achse des
E Thales einfallenden Iserschichten gebildet werden.
Ph Auch hier empfiehlt es sich, behufs des ein-
2953 cehenden Studiums, Profile vom Rande des Com-
2 8 © plexes gegen dessen Centrum zu verfolgen, wozu
15 . . . : v
E wir hier namentlich von dem Luže-Neuschloss-
S |=
"SB
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-snae1ger) nose oSuuejd-Srpues '% “€
-0 19191nn pun U91WIY988
69
(Dieselben Schichten sind auch an der Strasse nach Vraclav entblósst, am
Fusse der Anhóhe „Na vartě“, wo meine Schůler, die Gebrůder Hanuš, sehr
fleissig sammelten. Das háufige Vorkommen der Terebratulina rigida ist sehr be-
zeichnend und kónnte nebst anderen noch náher zu untersuchenden Vorkommnissen
den Anfánger zu der Idee verleiten. es seien dies Teplitzer Schichten.)
Fig. 40. Profil von Vinar nach Vraclav (unweit Hohenmauth). Vi. Vinar. P. Pazderna. Vr. Vraclav.
M. St. Niclas. 1. Semitzer Mergel. 2. Dřinover Knollen. 3. Wehlowitzer Fischpláner und Mal-
nitzer Schichten. 4. Byšicer Uebergangs-Schichten mit Halec Sternbergii. 5. Tiefere Lagen der
Trigoniaschichten. 6. Hóhere Lagen der Trigoniaschichten mit Callianassa und Hemiaster plebeius.
Verzeichniss der bei Stadouň (,„Na vartě“) in den Semitzer Mergeln
der Weissenberger Schichten aufgefundenen Arten.
(Gesammelt von Herrn Hanuš.)
Ammonites peramplus.
Hamites sp.
Scaphites Geinitzil.
Aptychus sp.
Baculites sp.
Scalaria Clementina.
Natica lamellosa.
Rostellaria megaloptera.
Rostellaria subulata.
Rostellaria calcarata.
Voluta Roemeri.
Voluta suturalis.
Rapa cancellata.
Dentalium cidaris.
Nucula pectinata.
Nucula sp.
Leda.
Arca sp.
Modiola capitata.
Lithodomus cf. rostratus.
Tellina sp.
Venus,
Inoceramus.
Gervillia solenoides.
Avicula anomala.
Lima Sowerbyi.
Lima semisulcata.
Lima multicostata.
Lima elongata.
Pecten Nilssoni.
Pecten curvatus.
Pecten subpulchellus.
Pecten (serratus).
Spondylus spinosus.
Ostrea hippopodium.
Ostrea semiplana.
Ostrea frons.
Exogyra lateralis.
Anomia subradiata.
Anomia subtruncata.
Terebratulina rigida.
Terebratulina chrysalis.
Rhynchonella (Cuvieri?).
Magas Geinitzii.
10
Pollicipes.
Tragos globulare.
Frondicularia augusta.
Crystellaria rotulata.
Micraster sp.
Cyphosoma radiatum.
Auf der Anhóhe bei Vinar sind grosse Steinbrůche im Plánersestein geoffnet
und obzwar Petrefacten hier keine Seltenheit sind, so macht hingegen die prácise
Eruirung der Schichte, aus der sie stammen, doch orosse Schwierigkeiten. Ein
Theil der aufgefundenen Arten gehórt unzweifelhaft dem Wehlowitzer Pláner an,
welcher hier eine der tiefsten der abgebauten Bánke bildet (3); es sind dies z. B.:
Dercetis Reussi.
Enoploclythia Leachil.
Glyphitheutis ornata.
Perna cretacea.
Die Malnitzer Schichten konnte ich bisher nicht genau ausscheiden.
Verzeichniss der in den Steinbrůchen bei Vinar gesammelten
Otodus appendiculatus.
Lamna raphiodon.
Corax heterodon (bis 22 mm. breit).
Saurocephalus marginatus.
Spinax sp.
Ptychodus sp.
Picnodus scrobiculatus.
Dercetis Reussi.
Halec Sternbercii.
Osmeroides sp.
Beryx (Schuppen).
Lepidenteron.
Scaphites Geinitzii.
Aptychus sp.
Ammonites peramplus.
Ammonites Austeni.
Glyphithentis ornata.
Turritella Fittoniana.
Scala decorata.
Pleurotomaria seriatogranulata.
Turbo (Goupilianus).
Rostellaria Reguieniana.
Voluta Roemeri.
Cardium productum.
Isocardia gracilis.
Eriphyla lenticularis.
Nucula sp.
Petrefacten.
Leda sp.
Arca subdinensis.
Arca echinata.
Pinna decussata.
Pholas sclerotites.
Modiola capitata.
Pholadomya aeguivalvis.
Panopaea mandibula.
Panopaea Gurgitis.
Venus sp.
Avicula anomala.
Gervillia solenoides (Riesenexemplare).
Perna cretacea.
Inoceramus Brongniarti.
Inoceramus sp.
Lima dichotoma.
Lima multicostata.
Lima iserica.
Lima Sowerbyi.
Pecten Nilssoni.
Pecten Dujardinii.
Ostrea semiplana (breite Varietát).
Ostrea frons.
Exogyra lateralis.
Anomia subtruncata.
Anomia semiglobosa.
Rhynchonella plicatilis.
11
Enoploclythia Leachii. ! Stellaster.
Pollicipes. | Flabellina cordata.
Cidaris sp. Serpula adhaerens.
Micraster sp. Seguoia Reichenbachi.
Cyphosoma (Stacheln).
Etwa 6 Meter unter der Ackerkrume kommen Knollenlagen vor, welche die
Lagerstátte des Halec Sternbergii sind und wahrscheinlich dem Alter nach den
Byšicer Uebergangsschichten entsprechen (4). Auch wurde in diesen Knollen ein
Prachtexemplar eines 68 cm. langen Osmeroides aufgefunden, der wahrscheinlich
einer neuen Art angehórt.
Die hěchsten, im Steinbruche bei Vinar entblóssten Schichten entsprechen
dem tieferen an Petrefacten armen Theile der Trigoniaschichten (5); der obere
Theil ist hier nicht vorhanden.
In der Richtung gegen Vraclav hin treten auf diesen Plánern der Vinarer
Brůche immer jingere Lagen hinzu.
In einem kleinen Steinbruche bei Vraclav traf ich schon die Trigoniaschichten
mit Exog. laciniata an, im Orte selbst stehen schon Lagen von Plattenkalken mit
Callianassa antigua, Hemiaster plebejus und Serpula socialis an (6).
In Vraclav selbst lásst sich das Profil von der Thalsohle bei der Kirche
St. Nikolai lánes des Weges bis zur oberen Kirche verfolgen.
Die Auellen bei der Nikolaikirche stehen unzweifelhaft mit den in der Thal-
sohle verdeckten Semitzer Mergeln in Zusammenhang.
In einem Steinbruche neben der Nikolaikirche sammelte mein Schůler Herr
Hanuš viele, die Dřinover Knollen charakterisirenden Arten.
Etwa in der halben Lehne fand ich einen Zweig von Seguoia Reichenbachi,
welche den Wehlowitzer Horizont hier andeutet und ganz oben hinter dem Fried-
hofe stehen die Trigoniaschichten an.
Von Vinar úber Vraclav bis auf den Vrchovitzer Berg hin lagern die uns
bescháftigenden Schichten fast horizontal mit einer ganz schwachen Neigung gegen
die Achse der Mulde, aber der áusserste Rand ist dann plótzlich umgebrochen und
fállt in einem Winkel von 45“ gegen dieselbe ein, wie man das beim Meierhofe
Mladějov und bei Zámrsk beobachten kann.
Ein vollkommenes Profil finden wir in Neuschloss beim Aufsteigen gegen
die Anhóhe bei Chotovis. Am Bache stehen in der Richtung zur Haberský-Můhle
die glauconitischen Auadersande der Korycaner Schichten an (1), auf welche ganz
áhnlich wie bei Wildenschwert die mit Inoceramus labiatus angefůllten Pláner
liegen (2). Die nun folgenden Schichten sind am Fahrwege nach Chotovis ent-
blósst; zuerst knollige graue Pláner (3), dann vor dem ersten Kreuze die Knollen-
fucoiden und die gelben Pláner mit Epiaster (4), auf welche gewohnliche Semitzer
Mergel folgen (5). |
Beim zweiten Kreuze stehen festere Plánerschichten an, die den Dřinover
Knollen und Wehlowitzer Plánern entsprechen (6). Im Dorfe Chotovis sind nasse
Mergel mit zahlreichen Fischschuppenfolgen zugánglich (7) und důrften ebenso wie
12
die darauf liegenden blauen Pláner mit Lima elongata vom Alter der Malnitzer
Schichten sein (8).
Beim Aufsteigen gegen die auf der Anhóhe gelegene Kirche trift man úber
den Plánern mit Lima elongata die Knollenschichten der Byšicer Uebercgangs-
schichten an, welche wahrscheinlich dem Horizont des Halec Šternbergii in den
Steinbriůichen von Vinar entsprechen (9). Die darauf folgenden Baupláner kónnte
man als ein Aeguivalent der Kokořiner Auader ansehen (10), denn die darauf
liegenden petrefactenarmen Pláner erweisen sich durch die Scyphienhohlungen,
sowie durch die stammfórmigen Concretionen als die tieferen Glieder der Trigonia-
schichten (11), welche hier den Schluss der Schichtenfolge bilden.
E ]
Sny
Fig. 41. Profil von Neuschloss (N) auf die Anhčhe von Chotovis (ch).
1. Glauconitische Korycaner Schichten. 2.—6. Weissenberger Schichten. 2. Lage mit zahlreichen
grossen Inoceramus labiatus. 3. Knollige graue Pláner. 4. Gelbe Pláner mit Epiaster sp. 5. Se-
mitzer Mergel. 6. Dřinover Knollen, nach oben in harten (Wehlowitzer?) Baupláner úbergehend.
7. Bláuliche Letten mit Fischschuppen. 8. Blaue Baupláner mit Lima elongata (Malnitzer). Dorf
Chotovis. 9. Byšicer Uebergangsschichten mit Fischknollen. 10. Baupláner (vielleicht Aeguivalent
der Kokořiner (Yuader). 11. Pláner mit senkrechten Concretionen und kleinen Hóhlungen nach
Spongien. Kirche Chotovis. (NB. Die Trigoniaschichten beginnen erst weiter gegen Leitomischel
beim Wirthshause „u 3 kocourů“.)
Die petrefactenreichen Trigoniaschichten der Iserschichten treffen wir erst
weiter gegen Leitomischel hin, wo sich bei dem isolirt stehenden Wirthshause
„bei 3 Katern“ eine gute Gelegenheit zum Einsammeln von Petrefacten findet.
Ich fiihre hier die vorkommenden Arten nicht an, weil wir diese Fauna beim
náchsten Profil „Desna“, das die Fortsetzung derselben Schichte liefert, Gelegen-
heit haben werden, besser kennen zu lernen.
Ein áhnliches Profil treffen wir etwas weiter sůdlich bei Budislav, Desna
und Lubná an.
13
Die an das Urgebirge angelagerten Korycaner Schichten treffen wir bei Bu-
dislav in Steinbriichen geoffnet. Dort fand ich auf Platten, welche mit einer Thon-
lage in Berůhrung standen, positive Abdrůcke irgend eines Organismus, welche
beim ersten Anblick an die Erscheinung des Cheirotherium aus dem bunten Sand-
stein lebhaft erinnern. Bei genauerer Beobachtung zeigte es sich, dass nicht bloss
4 oder 5 fingerartige Wůlste, sondern oft 6—7 vorhanden sind. Geinitz bildet
etwas sehr Aehnliches unter dem Namen Epitheles furcata Goldfuss ab. (Elbe-
thalgeb. I. Taf. 8 Fig. 8.)
Die weitere Schichtenfolge der tieferen Weissenberger Schichten ist hier
nicht so zugánglich wie bei Neuschloss und man muss sich in den verschiedenen
Thálern hier die Glieder des Profils zusammensuchen.
In Lubná findet man die scaphitenreichen Dřinover Knollen, wie wir sie in
Vinar bei der „Pazderna“ kennen gelernt haben und die jůingeren Lagen sind
dann gut bei Desna zugánglich. (Fig. 42.)
Hier stehen in der Thalsohle bei der Můhle Pláner mit Lima elongata und
Ostrea lateralis an (1) (Wehlowitzer?).
In der Linie oberhalb der Můhle auf der alten Strasse (S) findet man Bau-
pláner ohne Petrefacten (2) von Alter der Malnitzer Schichten (?); an der neuen
Strasse (V) blaue Baupláner mit senkrechten Concretionen (3). Dann folgen die
tieferen Lagen der Trigoniaschichten, welche nach oben hin zahlreiche Hohlungen
nach Špongien aufweisen (4).
Unterhalb der ersten Háuser von Desna stehen schon die Trigoniaschichten
mit zahlreichen Lima multicostata an (5), worauf dann erst im Dorfe selbst in
einem zwischen den Háusern befindlichen Steinbruche die sehr reichen Lagen mit
Serpula socialis, Callianassa, Lima iserica und Bryozoen folgen und in ibren
hochsten Partien den Bryozoenschichten entsprechen důrften (6).
Fig. 42. Profil bei Desna. M. Můhle. S. Alte Strasse. W. Neue Strasse. D. links: die tieferen
Háuser von Desna. D. rechts: die hůchsten Háuser von Desna. 1.—3. Weissenberger Schichten.
© L Graue Pláner mit Lima elongata. 2. Baupláner. 3. Blaue Baupláner mit senkrechten Concre-
tionen. 4. Tiefere Trigoniaschichten, nach oben mit kleinen Hóhlungen nach Spongien. 5. Tri-
goniaschichten. 6. Bryozoenschichten (?),
14
Verzeichniss der in den Trigoniaschichten in Desna aufgefundenen
Arten.
Baculites (undulatus). Avicula anomala.
Turritella iserica. Tellina semicostata.
Turritella Fittoniana. Lima Doupiniana.
Pleurotomaria linearis. Lima iserica.
Turbo Goupilianus. Lima dichotoma.
Rostellaria. Pecten curvatus.
Crassatella macrodonta. Pecten acuminatus.
Mutiella ringmerensis. Vola guinguecostata.
Trigonia limbata. Exogyra conica.
Arca subglabra. Exogyra Matheroniana.
Mytilus radiatus. Ostrea semiplana.
Modiola capitata. Anomia subradiata.
Modiola typica. Serpula socialis.
Pholadomya aeguivalvis. Vioa catenata.
Panopaea gurgitis. Flabellina elliptica.
Panopaea Evwaldi.
Von Desna aus kann man dann die Trigoniaschichten auf der ganzen Hoch-
ebene bis gegen Leitomischel verfolgen, wo sie dann unter die Teplitzer und
Priesener Schichten einfallen.
Im Sůden von Leitomischel erreicht man die Grenze der Kreidegebilde unter-
halb Polička, wo ein verlassener Kohlenbau „v Letkovnách“ die Perutzer Schichten,
sowie die glauconitischen Auader der Korycaner Schichten entblósste.
Auf diesem ruhen nasse Mergel (Semitzer) und dann Inoceramenpláner, die
bis nach Polička hin, wo denselben an der Stadt selbst der rostgelbe Pláner mit
Epiaster (Nro. 5 des Kerhartitzer Profils) aufoelagert ist.
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Fig. 43. Profil bei Leitomischel (Z) in der Richtung von Osten nach Westen.
E. Trigoniaschichten mit grossen Exogyra conica. C. Desgleichen mit zahlreichen Scheeren von
Callianassa antigua. B. Bryozoenschichten (Sadrák). T. Blaue Thone mit Terebratula subrotunda
(Teplitzer Schichten). P. Priesener Schichten.
Wo die Strasse gegen den „Velký kopec“ nach Hana aufsteigt, gewahrt man
graue Knollenpláner (Dřinover Knollen), aus denen ich in der Schulsammlung von
Polička unter anderen Petrefacten Baculites undulatus vorfand.
In Lesnik ist das Thal bis auf die nassen Semitzer Mergel eingeschnitten.
„den Pláner scheinen noch in das
75
Die Dřinover Knollenpláner in der halben Hóhe der Thalsohle lieferten
zahlreiche Scaphiten und Baculiten, sowie das Fragment eines grossen Hamiten.
Die hóchsten hier anstehen-
Bereich der Malnitzer Schichten
zu gehóren, denn ich erhielt
daraus ein typisches Exemplar
der Pleurotomaria seriatogranu-
lata, wie wir sie gewohnt sind
im Čenčicer Grůnsande zu finden.
Die typischen Iserschichten
treffen wir erst weiter nordlich,
wo die Strasse „am Nadel-
wald“ das Sebranitzer Thal
kreuzt. Diese Gegend heisst „Na
Dolečkách“. An dem gegen
Leitomischel aufsteigenden Theile
der Strasse ist ein Steinbruch
geoffnet, in welchem die grauen ně
Fischknollen der Byšicer Schich- Fig. 44. Profil im Steinbruche „Na Líbánkách“ bei
< : . Leitomischel (aufgenommen im Jahre 1867.) 1. San-
ten entblósst sind und ich fand dige Lage. 2. Lage mit Exogyra. 3. „Havle“-Kalk-
in einem derselben Reste eines stein ohne regelmássige Lagerung mit Callianassa.
; ops . ks 4. „Hlavní Pecina“, guter Baustein mit zahlreichen
Picnodus. D ariber liegen die Tri senkrechten Fucoidenstángeln. 5. „Pecina“ - Baustein,
Soniaschichten, die sich von hier zweite Categorie. 6. Rumovka oder Sadrák (Bryozoen-
aus bis nach Leitomischel ver- schichten).
folgen lassen.
In der unmittelbaren Náhe von Leitomischel, namentlich bei Cerekvic,
treten die Trigoniaschichten an vielen Stellen zu Tage und das von Callianassen-
scheeren wimmelnde Gestein liefert den Baustein fůr die genannte Stadt.
In einem Steinbruche „Na Líbánkách“ úberzeugte ich mich, dass auf eine
sandige Lage (1) eine Exogyrenbank folst (2), welche von dem an Callianassen
reichen Kalkstein úberlagert wird. Die nun folgenden Lasen von Bausteinen,
welche hier „Pecina“ genannt werden (4, 5), entsprechen den hóheren Trigonia-
schichten und das oberste zerstórte Gestein Rumavka, das hier „Sadrák“ genannt
wird, stimmt mit den Bryozoenschichten berein und ist namentlich an der Kalk-
Incrustirung kenntlich. |
An der Strasse nach Polička wurde in der am rechten Ufer der Lužná ge-
legenen Partie von Leitomischel das Hangende der Iserschichten vom Herrn Prof.
Bárta gut constatirt, indem er in den auf den „Sadrák“ sich anlagernden dunklen
Letten die Terebratula subrotunda (semiglobosa Aut.) sammelte, welche bei uns
fůr den Teplitzer Horizont so bezeichnend ist.
Es ist somit kein Zweifel, dass auch im Adlergebiete die Iserschichten von
einem Vertreter der Teplitzer Schichten úberlagert werden, auf welchen dann erst
die Priesener Baculitenschichten in máchtiger Entwickelung zu liegen kommen.
16
Nachtrag.
Zum Schlusse muss ich noch einiger unsicheren Randgebilde erwáhnen,
welche bei Raudnitz und Leitmeritz zu Tage treten und der Lagerung nach den
Iserschichten angehóren důrften.
Die eine Localitát ist Třeboutic bei Leitmeritz, wo ich graue Knollenpláner
antraf, welche auf blaugrauen (? Malnitzer) Plánern liegen und von Teplitzer
Kalken úberlagert werden. Die aufgefundenen Petrefacten deuten auf die Byšicer
Uebergangsschichten hin.
Verzeichniss der in Třeboutic bei Leitmeritz aufgefundenen
Petrefacten.
Nautilus sublaevigatus. Viele nicht náher bestimmbare Stein-
Turritella Fittoniana. kerne aus der Gruppe: Venus, Arca,
Natica Roemeri. Tellina etc.
Rostellaria ovata, Goldfuss. Avicula anomala.
Avellana sp. Gervillia solenoides.
Arca Geinitzii? Inoceramus Brongniarti.
Arca subelabra. Lima Sowerbyi.
Pectunculus ? Pecten Nilssoni.
Pinna decussata. Pecten Dujardinii.
Leguminaria Petersi. Vola guinguecostata.
Modiola capitata. Ostrea hippopodium.
Pholadomya aeguivalvis. Micraster sp.
Tellina concentrica.
Die zweite Localitát ist am Fusse des Sowice-Berges unweit Raudnitz. Dort
trifft man lángs des Weges nach Wettel im Dorfe Brozánek oberhalb der Pláner,
welche sich von dem Gastorf-Wegstádtler Plateau hier immer tiefer herabsenken,
graue Knollenpláner, welche nach oben hin immer mehr und mehr grobsandig
werden. Dieselben sind sehr reich an Turritella Fittoniana; ausserdem fand ich:
Natica lamellosa. Inoceramus sp.
Avicula glabra. Lima pseudocardium.
Isocardia gracilis. Ostrea semiplana.
Pholadomya aeguivalvis. Rhynchonella plicatilis.
Arca subglabra.
Es sind Vorkehrungen getroffen worden, dass hier grůndlich gesammelt
wird, damit man den Charakter dieser zweifelhaften Schichten besser consta-
tiren kann.
Die hóchste Lage dieser Pláner ist sehr můrbe, ohne Knollen, und verspricht
viel Petrefacten zu liefern.
Die Felder oberhalb dieser Schichten sind sandig und stellenweise entstammt
der Sand augenscheinlich einem Auadersand (wahrscheinlich dem ersten Kokořiner
v
Ouader). Dies wůrde die Vermuthung bestárken, dass die Knollenpláner von Brozánek
den Byšicer Uebergangsschichten entsprechen.
Am linken Ufer der Elbe habe ich bloss bei Podlusk, westlich von Raudnitz,
áhnliche Knollen bemerkt, doch wird es wohl dem eifrigen Geologen Herrn Prof.
Zahalka in Raudnitz, den ich auf diese Frage aufmerksam gemacht habe, bald
gelingen, diesen Horizont an mehreren Stellen der neu angelegten Wege und
Strassen nachzuweisen.
Bei Auscha waren meine Bemihungen bisher fruchtlos, denn hier scheinen
die Trigoniaschichten schon den petrographischen Habitus des Auaders angenommen
zu haben und die gesammelten Petrefacten sind sehr mangelhaft erhalten. Die Um-
gebung von Auscha lieferte mir:
Ammonites sp. Lima pseudocardium.
Callianassa. Vola guinguecostata.
Eriphyla lenticularis. Ostrea hippopodium (var. vesicu-
Panopaea Ewaldi. laris).
Avicula anomala. Anomia n. sp.
Inoceramus Brongniarti. Anomia subtruncata.
Lima multicostata. Rhynchonella plicatilis.
Dies reicht natůrlich nicht hin, náhere Einsicht in die Gliederung der Iser-
schichten dieser Gegend zu gewáhren.
Hiemit schliesse ich die Schilderung der untersuchten Localitáten und hoffe,
dass eine Reihe von strebsamen Paláontologen daran gehen wird, das von mir
Gebotene zu vervollstándigen.
PLL VÉ O O S VS V
Tabellarische Uebersicht
der in den Iserschichten aufgefundenen Petrefacten.
Korycaner Schichten
Schichten
Malnitzer Schichten
Weissenberger
Iserschichten
gangs-Sch.
Zwischen-
Pláner
Byšicer Ueber-
| Trigonia-Sch.
Bryozoen-Sch.
Teplitzer Schichten
Aves.
Cretornis Hlaváči. 7.
Pisces.
Oxyrhina Mantelli. Ag.
Oxyrhina angustidens. Reuss.
Otodus semiplicatus. v. Mižnst.
Otodus appendiculatus. Ag..
Corax heterodon. Reuss.
Lamna raphiodon. 49.
Lamna subulata. 49...
Pycnodus scrobiculatus. Reuss. -
Osmeroides Lewesiensis. Ag.
Osmeroides Vinarensis. Fr..
Cyclolepis Agassizi. Reuss.
Halec Sternbergii. Ag.
Beryx ornatus. Ag.
Lepidenteron. F.
Cephalopoda.
Belemnites sp.
Nautilus sublavicatus. D'0»b.
Nautilus rugatus. Fr. et Schl.
Nautilus galea. Fr. et Schl.
Ammonites conciliatus. Stol.
Ammonites peramplus. Man«.
Scaphites Geinitzili. D?0»%. .
Helicoceras Reussianum. Gein. .
Hamites sp.
Baculites ndulátus. D'0rb. i
Gastropoda.
Turritella multistriata. Reuss.
Turritella iserica. Fi. .
E PE PE
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(+ |+++ ++ ++
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Korycaner Schichten
Schichten
Malnitzer Schichten
Weissenberger
Byšicer Ueber-
Iserschichten
gangs-Sch.
Zwischen-
Pláner
| Trigonia-Sch.
Bryozoen-Sch.
Teplitzer Schichten |
Turritella Fittoniana. Goldf.
Scala decorata. Gein. .
Natica Roemeri. Gein.
Natica lamellosa. Rom.
Natica Gentil. Sow.
Nerita dichotoma. Gein. .
Pleurotomaria linearis
Turbo Goupilianus
Rostellaria Reguieniana. D'0rb.
Rostellaria megaloptera ?
Rostellaria Schlottheimi. Róm. .
Rostellaria ovata. Goldf. .
Fusus Renauxianus. D'0rd. .
Voluta Roemeri. Gein.
Voluta suturalis. Goldf.
Mitra Roemeri. D'0r%.
Avellana sp..
Pelecypoda.
Opis Chocenensis. Fi.
Protocardium Hillanum. (o
Cardium productum. $ow.
Isocardia gracilis. Fž.
Crassatella cf. austriaca. Zi..
Crassatella cf. macrodonta. Zr.
Mutiella ringmerensis. Gein.
Cyprina guadrata. D?0+»b.
Cyprina cf. crassidentata. Zit. .
Eriphyla lenticularis. Stol. .
Trigonia limbata. D*0rb. .
Pectunculus sp. i
Arca subglabra. D'0rb.
Arca echinata. D*0rb. .
Arca Schwabenaui. Zčtr. .
Arca pholadiformis. D'0. .
Pinna decussata. Goldf.
Mytilus radiatus. Goldf. .
Solen? cf. Guerangeri.
Pholas sp.
DOrů.
Lithodomus spatulatus. | Reuss.
Lithodomus cf. rostratus. D?0rb.
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Gosau.
Gosau.
Gosau.
Gosau.
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Gosau.
90
Iserschichten
Schichten
Malnitzer Schichten
Weissenberger
Pláner
Zwischen-
Korycaner Schichten
gangs-Sch.
Teplitzer Schichten
Trigonia-Sch.
Bryozoen-Sch.
| Byšicer Ueber-
Gastrochaena amphisbaena Gein.
Leguminaria Petersi? Reuss.
Modiola capitata. Zčtt.
Modiola typica. Forb. :
Pseudomya anomioides. F*.
Pholadomya aeguivalvis. D'0rb. | +
Pholadomya nodulifera. Můnst. - | —
Pholadomya perlonga. F. < .|—|—
Panopaea gurgitis. Brongn. < -|—
Panopaea mandibula. Sow. sp. - |—
Panopaea Ewaldi? Reuss. :
Tellina semicostata. Gein. < -|
Tellina concentrica. Reuss.
Venus Sp E PE
Cytherea cf. polymorpha. Ziz. . | —
Avicula anomala. Sow. ;
Gervillia solenoides. Defr. < |-
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Gosau.
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Gosau.
Perna subspatulata. Reuss.
Inoceramus Brongniarti.
Inoceramus 6D..
Lima cf. Dupiniana. D'0r. .
Lima semisulcata. Nils.
Lima elongata. Sow.
Lima multicostata. Gein.
Lima pseudocardium. Reuss.
Lima iserica. Fr. A
Lima aspera. Mant. < -< - <|
Lima ovata. Róm. k teach
Lima dichotoma. Reuss. <- <|—
Lima Sowerbyi. Gein.
Pecten Nilssoni. Goldf. ar
Pecten laevis. Něls. T-
Pecten curvatus. Gein. < . <|-
Pecten Dujardinii. Róm. -.
Pecten serratus. Nils.
Pecten acuminatus. Gein. i
Vola guinguecostata. Sow. sp. -
Spondylus hystrix. Goldf.
Exogyra conica. Sow. -
Exogyra lateralis. Nils.
Exogyra laciniata. D?0rb. sp.
Exogyra Matheroniana. D'0r%. .
Ostrea diluviana. Linné
Ostrea frons. Park.
NE EÉCSEEEEEE
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81
Schichten
Malnitzer Schichten
Weissenberger
Iserschichten
|
Byšicer Ueber-
gangs-Sch.
Zwischen-
Pláner
Trigonia-Sch.
Bryozoen-Sch.
Teplitzer Schichten
Ostrea semiplana. Sow. :
Ostrea hippopodium. Nils. .
Anomia subtruncata. D'0»+.
Anomia semiglobosa. Gein. .
Anomia subradiata. Reuss.
Anomia sp. .
Anomia imitans
Brachiopoda.
Magas Geinitzii.. . .
Rhynchonella plicatilis. Sow.
Rhynchonella Cuvieri
Rhynchonella Mantelliana. s
Terebratula sp.
Bryozoa.
Hippothoa labiata. Nov. .
Bifustra Pražáki. Nov. re
Diastopora acupunctata. Nov. .
Proboscina Bohemica. Nov. .
Proboscina Suessi. Nov.
Entalophora Geinitzii. Reuss.
Entalophora raripora. D'0rb.
Spiripora verticillata. Goldf.
Truncatula tenuis. Nov.
Heteropora magnifica. Nov. -
Petalophora seriata. Nov.
Osculipora plebeia. Nov.
Crustacea.
Krabbe
Callianassa antigua
Pollicipes sp.
Vermes.
Serpula socialis. Gold.
Serpula ampulacea. So.
PER
| [| | 1 | -+>- | Korycaner Schichten
Je
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Korycaner Schichten
Weissenberger
Schichten
Malnitzer Schichten
Byšicer Ueber-
Iserschichten
gangs-Sch.
Zwischen-
Pláner
Trigonia-Sch.
Bryozoen-Sch.
—————————————————————————————————————————————————————————————————————————— —— ——u u mmm
|
Serpula macropus. So.
Serpula gordialis. Goldf. .
Echinodermata.
Antedon sp. (Glenotremites)
Cidaris cf. Vendocinensis. Ag.
Cidaris subvesiculosa. D'0rb.
Cyphosoma radiatum. Sorignet.
Cyphosoma sp. ž
Glyphocyphus sp.
Holectypus Turonensis. Da
Cardiaster ananchytis. DOrb.
Holaster elongatus. Nov.
Micraster Michelini. Ag.
Hemiaster plebelus. Nov.
Catopygus Pražáki. Wov.
Catopygus albensis. Gein.
Catopygus fastigatus. Nov. -
Nucleolites bohemicus. Nov.
Caratomus Laubei. Nov. -«
Stellaster (Asterias) tuberculi-
fera. Drescher . .. .
Coelenterata.
Micrabatia cf. coronula . i
Plocoscyphia la. Reuss
(Hexactinellida) ;
Ventriculites angustatus. Rěm. )
Ventriculites radiatuš. Mant.
Vioa EÉxogyrarum. Fi.
Vioa catenata. F.
Vioa miliaris. Fr. -
Spongites saxonicus. Gein.
Foraminifeva.
Flabellina elliptica. Nils.
Frondicularia sp.
Cristellaria rotulata. Lam.
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Teplitzer Schichten
83
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Plantae ?
Fucoides funiformis. Fr. < <| — | — | —|(— -E -+ —
Fucoides columnaris. Fr. © <| — | — —| -+ -E -+ —
Fucoides cauliformis. F% © <| — | — —— — -> > —
Fucoides strangulatus. Fr. < <| — | — — -| — -+ =
175 Arten 3357 61,17 34 150|81 37
Von den 175 Arten, welche bisher in den Iserschichten vorgefunden wurden,
kommen bloss 33 in den cenomanen Korycaner Schichten vor und dies sind melist
solche, welche in allen Lagen unserer Kreideformation auftreten. Aus den Weissen-
berger und Malnitzer Schichten geht nur etwa ein Drittel der Arten in die Iser-
schichten úber.
Die jingeren Teplitzer Schichten weisen, so weit man es vor der eingehenden
Bearbeitung derselben bestimmen kann, bloss 37 Arten auf, die in den Iserschichten
vorkommen.
Daraus geht zur Genige hervor, dass die Iserschichten einen selbststándigen
palaeontologischen Charakter haben und es verdienen, als ein besonderes Glied
in unserer Schichtenfolge hervorgehoben zu werden.
6*
94
JL Kritisches Verzeichniss der in den Iserschichten vor-
kommenden Versteinerunoen.
In Beziehune auf die Regeln, nach welchen ich dieses Verzeichniss zusammen-
gestellt habe, verweise ich auf das, was ich in der Einleitung zu einem áhnlichen
Verzeichnisse der Versteinerungen der Weissenberger und Malnitzer Schichten
(pag. 95) gesagt habe.
Auch hier ist die Bestimmung zum Theil noch von provisorischem Charakter,
denn die definitive Schichtung des Materiales kann nur in Monographien durch-
gefihrt werden, welche die einzelnen Petrefactengruppen durch alle Schichten
unserer Kreideformation verfolgen.
Ausser den bereits bestehenden Monographien úber Reptilien, Fische, Cephalo-
poden und Bryozoen sind mehrere weitere in Vorbereitung. Dr. Ot. Novák voll-
endete soeben eine Arbeit úber die irreguláren Echinodermen, auf welche ich mich
in Nachstehendem berufen werde, da ihr Erscheinen binnen Kurzem zu erwarten ist. *)
Zu einer Monographie der Crustaceen, die ich vorbereite, sind die meisten Tafeln
bereits lithographirt. Ausserdem arbeiten in den Laboratorien des Museums mehrere
jingere Kráfte an den Gastropoden, Bivalven und Spongien.
Wenn auch áhnliche Arbeiten vielleicht in der Zukunft manchen von mir
jetzt gebrauchten Namen ándern werden, so konnte ich mit der Veróffentlichung
nachstehender Uebersicht nicht lánger zógern.
Manche Bestimmungen erweisen sich auch aus dem Grunde unsicher, weil
der Erhaltungszustand der Exemplare ein sehr mangelhafter ist. Dies ist nament-
lich bei den Pelecypoden (Bivalven) der Fall, wo nur in seltenen Fallen die Schalen-
oberfláche und das Schloss wahrzunehmen ist. Sehr oft blieb nur der Steinkern
das einzige Substrat der Bestimmung. Es ist dies am meisten bei den Arten zu
bedauern, welche in ihrer Gesammterscheinung sehr an Gosauarten erinnern, aber
aus dem Grunde, weil wir nur Steinkerne haben, keine sichere Bestimmung zu-
lassen.
Es móge daher das Gebotene nicht zu streng beurtheilt und wohlwollend
aufgenommen werden.
Bei Arten, welche auch in den Weissenberger oder Malnitzer Schichten vor-
kommen, werde ich bloss die in meiner letzten Arbeit **) gegebenen Abbildungen
citiren und zwar mit „W. Sch.“ Nur in Fillen, wo die Exemplare aus den Iser-
schichten stark abweichen, gebe ich neue Abbildune derselben. Die Abbildungen
sind diesmal nicht in Holzschnitt, sondern mittelst der Chemigraphie, welche sich
*) Sitzungsbericht der k. bohm. Ges. der Wissenschaften, 10. Nov. 1882.
**) Die Weissenberger und Malnitzer Schichten 1878. Archiv fůr Landesdurchforschung,
IV. Band Nro. 1.
85
zur Darstellung der Petrefacten viel besser eignet, durchcefůhrt *), denn sie
gleichen in Kreidemanier verfertigten Lithographien, die man bisher nicht im
Buchdruck zu verwenden im Štande war.
A. Ves.
Cretornis Hlaváči Fr. (Vesmír, X. Jahrgang, Seite 233. Sitzungsberichte der
k. bohm. Gesellschaft der Wissenschaften 26. Nov. 1880.) — Pig. 45 a—f.
Bei Zářecká Lhota unweit Chotzen offnete man im Herbste 1880
unterhalb des Teiches, in der Schlucht gegen die Korab-Můhle hin, einen
DE oc Bo 5
one
ve
Fig. 45. (Cretornis Hlaváči, Fr.
Steinbruch, um Materiale zu einem Strassenbau zu gewinnen. Da ging zufállig
Frau Tomek aus Chotzen vorbei und sah, dass die Arbeiter etwas im Ge-
steine besehen und bewundern. Als sie wahrnahm, dass es eine Versteine-
rung ist, so erbat sie sich ein Stůckchen, um es Herrn Apotheker Hlaváč
zu úberbringen, da derselbe áhnliche Sachen sammelt. Derselbe erkannte
die Wichtigkeit des Fundes, begab sich sogleich an den Fundort und sam-
melte alles, was noch aufzufinden war.
*) Die Zeichnungen wurden auf englischem Kornpapier (Maclure et Macdonald) von den
Herren L. Lukáš und Langhans ausgefůhrt und von der Firma Angerer © Goeschel in Wien,
Ottakringstrasse 33 die Clichés angefertigt.
86
Die mir eingesandten Exemplare sind róthlich weisse im festen grauen
Kalksteine der Iserschichten eingebettete Knochen, deren Splitter unter
dem Mikroskope die Knochenstructur sehr gut erhalten zeigen. Alle haben
sehr důnne Wánde und demnach geráumige Lufthóhlen.
přsho HtRene
Fig. 45. Gretornis Hlaváči, Fr.
Der eine Knochen ist ein ganzes Exemplar eines Coracoideum von
75 mm. Lánge, im Gesammthabitus etwa demjenigen einer Gans áhnlich
(Fig. 45 a, db).
Dann ist ein Fragment des Oberarmes (Fig. 45 c), eine Ulna (d, e), ein
Handwurzelknochen und zwei Finger (Fig. 45 g, f) vorhanden. Eine ein-
gehende Bearbeitung dieser Vogelreste wird vorbereitet.
—
87
Pisces.
Oxyrhina Mantelli Ag. (Fr. Rept. und Fische, pag. 7, Fig. 12).
Die Haifische sind in den Iserschichten úberhaupt áusserst selten und
ich erhielt bloss ein Exemplar von bedeutender Grósse aus der Gegend
von Jungbunzlau und ein etwas kleineres Exemplar befindet sich in der
Schulsammlung in Chotzen aus dem grauen Kalke der „Báčova skála“
daselbst.
Oxyrhina angustidens Reuss. (Fr. Rept. und Fische, pag. 8, Fig. 13).
In den glauconitischen můrben Lagen der Trigoniaschichten am Fried-
hofe bei Chotzen. Sehr selten in den Bryozoenschichten von Živonín.
Fig. 46. Otodus semiplicatus, Můnst. Nat. Grósse.
Otodus semiplicatus Můnster (Fr. Rept. und Fische, pag. 7, Fig. 10). — Figur
Nro. 46.
Das prachtvolle abgebildete Exemplar erhielt unser Museum vom Herrn
Pfarrer Plachta aus Svijan bei Můnchengrátz.
Es scheint aus dem rostigen Auader der Iserschichten zu stammen,
doch ist der Horizont, aus dem es stammt, nicht ganz sichergestellt.
Dass diese Art sicher den Iserschichten angehórt, beweist ein zweites
Exemplar, welches in den kalkigen Trigoniaschichten im Steinbruche „Báčův
lom“ bei Chotzen gefunden wurde. Dasselbe befindet sich in der Sammlung
des Herrn Fr. Hlaváč, Apothekers in Chotzen.
Otodus appendiculatus Ag. (Fr. Rept. und Fische, pac. 5, Fig. 5).
Kleine Exemplare dieser in unserer Kreideformation sehr verbreiteten
Art fanden sich in den Iserschichten bei Zamost, Rohosec und Blatec (Ro-
vensko) in der gewohnlichen Grósse von 10—12 mm. vor.
Lamna raphiodon (Fr. Rept. und Fische, pag. 10, Fig. 17).
Sehr selten in den Trigoniaschichten bei Chotzen.
Lamna subulata Ag. (Fr. Rept. und Fische, Seite 9, Fio. 15).
Selten in den glauconitischen Schichten beim Friedhofe in Chotzen.
Corax heterodon Reuss. (Fr. Rept. und Fische, pas. 11, Fig. 23, 24).
Ein kleiner, elánzend schwarzer Zahn der normalen Form, ohne den
Seitenlappen, wurde im Steinbruche bei Čejtic (Bahnhof Jung-Bunzlau) in
den hóchsten Lagen der Iserschichten, welche wahrscheinlich den Bryozoen-
schichten von Kanina entsprechen, gefunden. © Einige grosse Exemplare ©
stammen aus den glauconitischen můrben Plánern der Trigoniaschichten.
beim Friedhofe in Chotzen.
Pycnodus serobiculatus Reuss. (Fr. Rept. und Fische, pag. 22, Taf. 2 Fig. 7).
Das grósste aller bisher in der bóhm. Kreideformation aufgefundenen.
Exemplare stammt aus einem in den Iserschichten geoffneten Steinbruche
bei Můnchengrátz a. d. Iser. ©
Es ist von schwarzer Farbe, 12 mm. breit und die charakteristischen
Punkte an der Oberfláche sind gut wahrzunehmen.
Ein Schneidezahn von 6 mm. Lánge, hellbraun, růhrt aus den Trigonia-
schichten von Čejtic bei Junebunzlau her. Wahrscheinlich gehóren zu der-
selben Art die Skelettreste sowie die Schuppen, welche ich in den Fisch-
knollen „v Dolečkách“ bei Leitomischel gefunden habe.
Fig. 47. Halec Sternbergii, Ag. von Jung-Koldín, etwa ", nat. Grósse.
Osmeroides Lewesiensis (Fr. Rept. und Fische, pag. 32, Fig. 55).
Normale Schuppen dieser Art wurden bei Jungbunzlau, Choroušek und
Knížnic gefunden. Auch trifft man sie massenhaft auf den Fischschuppen-
knollen, welche in den Byšicer Uebergangsschichten auftreten, Vrutic,
Řepín etc.
Osmeroides Vinarensis n. sp.
Von der Gattung Osmeroides wurden in der jůngsten Zeit mehrere
ganze Exemplare in der Gegend von Chotzen und Vinar bei Hohenmauth
gefunden, es wird aber erst eine sorgsame Untersuchuneg derselben voran-
gehen můssen, bevor man wird entscheiden kónnen, ob es andere Arten
als Lewesiensis sind. Nach den Schuppen zu urtheilen ist es eine neue Art
und ich will sie vorderhand als O. Vinarensis bezeichnen.
Cyclolepis Agassizi Gein. (Fr. Rept. und Fische, pag. 34, Fig. 59).
Die zarten, glánzenden, meist goldbraunen Schuppen trifft man als Be-
standtheile der Fischschuppenknollen der Byšicer Uebergangsschichten bei
89
Vrutic, Sušno etc. an; auch in den tiefsten an z rodin. von Dolanek
| bei Turnau habe ich sie gefunden.
Halec Sternbersgii Ag. (Fr. Rept. und Fische, pag. 37, Taf. 9). — Big. 47.
Das von Agassiz Reuss und mir abgebildete Exemplar, dessen photo-
graphisch verkleinerte Figur ich hier beifůge, wurde in den Iserschichten
bei Jung-Koldín, nordlich von Chotzen, gefunden. Im neuerer Zeit erhielt
ich áhnliche Reste aus den Šteinbrůchen bei Vinar unweit Hohenmauth.
Auch hier stammen sie aus den tieferen Lagen der Iserschichten.
Beryx ornatus Ag. (Fr. Rept. und Fische, pag. 493, Taf. 5, Fig. 2, 3). — Text-
figur Nro. 48. |
Růhrt aus den grauen Knollen der Byšicer Uebergangsschichten in
Benatek an der Iser her und zwar aus der Berglehne hinter der „Obodř“
genannten Háusergruppe.
Fig. 48. Beryx ornatus, Ag. Fast ganzes Exemplar aus den Fischknollen in Benatek.
1/, nat. Grósse.
Lepidenteron sp.
Unter diesem Namen fůhre ich hier láneliche Wůlste an, die an der
Oberfláche áhnlich wie das L. longissimum mit zahlreichen Fischschuppen
verschiedener Gattungen bedeckt sind (Osmeroides Cyclolepis etc.) Man
findet sie meist horizontal liegen. Aehnliche Anháufungen von Fischschuppen
fand ich auch in senkrecht stehenden grossen Knollen und zwar senkrecht
zwei nebeneinander aufgestellt, wodurch die Fraglichkeit ihrer Natur noch
grósser wird. Diese Fischschuppenwůlste halten einen gewissen Horizont
in den Byšicer Uebergangsschichten, kommen aber einzeln auch anderwárts
in den hoheren Iserschichten vor.
Cephalopoda.
Belemnites sp. — /%g. 49.
Das kleine Fragment aus den Bryozoenschichten von Vtelno wurde von
Herrn J. Pražák gefunden und ist der einzige Rest, den wir von dieser
wichtigen Gattung aus den Iserschichten besitzen. Die mangelhafte Erhal-
90
tung erlaubt keine, auch nicht eine annáherungsweise Bestimmung und ich
beschránke mich darauf aufmerksam zu machen, dass die Oberfláche ganz
áhnlich wie bei Belemnitella guadrata gekórnt ist und dass die Achse etwas
aus dem Centrum gerůckt ist. Von der Furchung und den Aderungen, welche
fůr die genannte Art charakteristich sind, sind keine Andeutungen vorhanden.
Nautilus sublaevigatus d'Orb. (Fr. et Sch. Cephalop. pag. 21, Taf. 12, Fig. 1).
Exemplare dieser Art kommen in Gesellschaft des Ammonites peram-
plus in den tiefsten Lagen der Iserschichten in der Umgebung von Jung-
bunzlau vor, sind aber sehr schwer von den jungen des Nautilus Galea zu
unterscheiden, welcher in denselben Schichten vorkommt. Wir besitzen
auch Exemplare aus den hoheren Lagen von Libichov bei Jungbunzlau,
Choroušek, Živonín, Vtelno und Chotzen.
b
a
Fig. 49. Belemnites sp. Aus den Fig. 50. Nautilus rugatus, Fr. et Schl.
Bryozoen-Schichten von Vtelno. Aus den tieferen Trigoniaschichten von
a Nat. Grósse. 5 Ein Stůckchen Choroušek. "; nat. Grósse.
der Oberfláche vergróssert.
Nautilus rugatus Fr. et Schl. (Cephalop. der b. Kreideform. pag. 23, Taf. 12, 15).
Figur Nro. 50.
Diesen durch grobe wulstige Radialrippen ausgezeichneten Nautilus lie-
ferten die Iserschichten von Jungbunzlau, Choroušek, Řepín, Leitomischel
und Chotzen.
Bei Choroušek tritt er bloss in den tieferen Lagen (Profil Nro. 17, 1) auf.
Nautilus galea Fr. et Schl. (Cephal. der b. Kreideform. pag. 23, Taf. 12, 15).
Fig. 51.
Dieser riesige Nautilus wurde in 2 Exemplaren in den tiefsten Lagen der
eigentlichen Iserschichten (Profil Fig. 22, 1) beim Bau der Kralup-Turnauer
Eisenbahn unweit Zamost gefunden. Spáter erhielt unser Museum ein drittes
Exemplar vom Prinzen Alexander Taxis, das in Bezděčín bei Jungbunzlau ge-
funden wurde. Auch aus der Gegend von Chotzen besitzt ihn Herr F. Hlaváč.
Ammonites conciliatus Stol. (Fr. et Schl. Cephalop. pae. 35, Taf. 7, Fig. 1, 2).
Big. 52.
Das abgebildete Exemplar stammt aus den Iserschichten zwischen Bohm.-
Trůbau und Wildenschwert. Neuester Zeit wurde auch ein doppelt so grosser
i | 91
Ammonit bei Cuclau, nordlich von Brandeis an der Adler, gefunden und
von Herrn Fr. Hlaváč unserem Museum geschenkt.
Es ist etwas weniger als die linke Hálfte des in der Siphonalfláche
gespaltenen xemplares vorhanden und da die Anfangswindungen, an denen
a 5
Fig. 51. Nautilus galea, Fr. et Schl. Aus den tieferen Trigoniaschichten bei Jungbunzlau.
a Seitenansicht '/; nat. Gr. b Auerschnitt der Wohnkammer.
die Knotenreihen deutlich erhalten zu sein pflegen, verdeckt sind, so ist
die Bestimmung noch nicht ganz sicher. Diese Art scheint den Amm.
Woolgari der Weissenberger und Malnitzer Schichten zu vertreten.
Ammonites peramplus Mant. (Fr. et Schl. Cephal. pag. 38, Taf. 8, Fig. 1—4).
Kommt in riesigen Exemplaren in den tieferen Lagen der Trigonia-
schichten vor, wie z. B. im Kottlerischen Garten bei Turnau, von wo das
90 cm. messende Exemplar herrůhrt, das am Eingange in unser Museum auf-
gestellt ist. Aber auch die hóheren Lagen (etwa der Horizont des Micraster
Michellini) lieferten riesige Exemplare bei Libichov unweit Jungbunzlau.
Kleine Exemplare fand Herr Pražák in den Bryozoenschichten von Živonín
und Vtelno.
b a
Fig. 52. Ammonites conciliatus, Stol. Aus den Iserschichten von Bóhm.-Trůbau. '„ nat. Grósse.
a von der Seite. d von Vorne.
92
Helicoceras Reussianum Geinitz (Helicoceras armatus dďOrb. Fr. et Schl. Ce-
phalop. d. b. Kreideform. pag. 48, Taf. 13, Fig. 16).
Ein grosses Windungsfragment aus den Trigoniaschichten von Dolánek
bei Turnau, dessen Abbildung ich oben citire, kann als zu dieser Art ge-
hórig betrachtet werden, denn trotz des mangelhaften Erhaltungszustandes
lassen sich zwischen den erhabenen mit 4 Knotenreihen versehenen Rippen
noch schwache wellige Rippen an den Šeiten wahrnehmen. —
Scaphites Geinitzii d'Orb. (Fr. et Sch. Cephal. pag. 42, Taf. 13, 14). — Figur
Nro. 53 a, b.
In den Byšicer Uebergangsschichten bei Jiřic (nordlich von Lisa) fand
ich kleine gestreckte, deutlich geknotete Exemplare, die aber wohl auch
von Sc. Geinitzii nicht zu trennen sein werden (Fig. 53, b). |
Fig. 53. Scaphites Geinitzii, d'Orb.
a Von Jizerní Vtelno. Nat. Gr. 5 Von Jiřic. Nat. Gr.
Auffallend háufig traf ich diese Art in den tieferen Lagen der Trigonia-
schichten an der Strasse bei Knížnic nordlich von Jičín und in den tieferen
Trigoniaschichten von Vinar bei Hohenmauth vor.
Aus den echten Iserschichten sind nur wenige Exemplare bekannt und
zwar von Čejtic aus den mittleren Lagen der Trigoniaschichten.
Ein sehr grosses stark involutes Exemplar, dessen Abbildung ich bei-
fůge, fand ich in einer Mauer in „Jizerní Vtelno“ und dem Gestein nach
zu urtheilen stammt es aus den Trigoniaschichten, welche die hóchste Lage
des Čejticer Profils (pag. 41) bilden.
Dieses Exemplar gleicht in Form und Grósse auffallend denjenigen,
welche ich in den Riesenexemplaren des Ammonites peramplus aus den
Teplitzer Schichten bei Koštic gefunden habe.
Baculites undulatus d'Orb. (W. Sch. pag. 103).
Diese unsichere Art trifft man in mangelhaften Exemplaren auch in
den Trigoniaschichten, z. B. bei Knížnic und Desna.
Eine Wohnkammer von Desna besitzt die Breite von 13 mm. Alles
vorliegende Material reicht bloss dazu aus, das Vorkommen der Gattung
Baculites in den Iserschichten sicherzustellen.
cO
c
Grastropoda.
k
Turritella multistriata Reuss. (W. Sch. pag. 1083, Fig. 38). — Fig. 54.
Kommt sehr sparsam in den hóheren Lagen der Trigoniaschichten bei
Libichov (Jung-Bunzlau) und als Steinkern beim Fried-
hofe in Chotzen vor. Diese Steinkerne zeigen eine
deutliche Furche der Mitte der Umgánge entlang und
ich wůrde Anstand genommen haben, sie als zu Turvr.
multistriata gehórig zu betrachten, wenn nicht ein
Fragment die wohlerhaltene Schale dieser Art be-
sitzen wůrde. Ein kleines Fragment besitzen wir auch
aus den Bryozoenschichten von Živonín.
Turritella iserica Fr. n. sp. — Fig. 55 a—d.
Diese herrliche neue Art erreicht die Lánge von ne OPM
10 em., der Winkel betrágt 239. Der Steinkern zeiet © gotriata. Renee
rundlich gewólbte Windungen, aber an der sehr dicken poř ne den =
Schale sind die Windungen fach mit drei scharfen, oů an
vorspringenden Auerlinien. Die Ráume zwischen diesen ac 4 Chotzen.
Linien sind mit sehr feinen zahlreichen GAuerlinien z mn VS
besetzt.
Fig. 55. Turritella iserica, Fr. (von Cejtic bei Jungbunzlau). a Ein fast ganzes Exemplar in nat.
Grósse. b Eine der oberen Windungen 3mal vergróssert. c Fragment der letzten Windung stark
vergróssert. d Drei Windungen eines zweiten Exemplares von demselben Fundorte. e Eine dieser
3 Windungen vergróssert.
94
Die letzte Windung zeigt auf der Schale eine zierliche Sculptur. Die
Anwachsstreifen sind oberhalb der Mitte der Windung schón nach hinten
ausgeschweift und mit áusserst feinen Auerlinien geziert (Fig. 55 c).
Ein zweites Exemplar, das im Ganzen mit dem beschriebenen ůúberein-
stimmt, zeigt eine bedeutende Anschwellung im obersten Viertel einer jeden
Windung (d, e).
Diese zwei Exemplare fand ich in den hoheren Lagen der Trigonia-
schichten in Čejtic bei Jungbunzlau, ein anderes in Desna bei Leitomischel.
Ausserdem gehóren hierher wahrscheinlich auch grosse Steinkerne von Cho-
roušek, Živonín und Vtelno.
Turritella Fittoniana Můnst. (W. Sch. pa«. 103, Fig. 39). — Fig. 56.
Normale Exemplare fanden sich bei Třeboutic, Brozánka, Dolánek, Blatec
bei Rovensko und bei Knížnic. Durch stárker gewólbte Windungen und
gróbere Granulation sind Exemplare von Loučkov bei Turnau ausgezeichnet,
weshalb ich davon eine Abbildung gebe.
Fig. 56. Turritella Fittoniana von Loučkov. a Nat. Grósse. b Eine Windung stark
vergróssert.
Scala decorata Gein. (W. Sch. pag. 104, Fig. 41).
Es wurde bloss ein kleines Exemplar mit 3 Windungen in den Tri-
goniaschichten von Dolanek bei Turnau gefunden.
Natica Rómeri Gein. (W. Sch. pag. 105, Fig. 44).
Selten in den Uebergangsschichten von Třeboutic und in den Trigonia-
schichten von Dolánek, Chotzen und Bóhm.-Tribau.
Natica lamellosa A. Róm. (W. Sch. pas. 105, Fig. 43).
Selten und schlecht erhalten in den Trigoniaschichten von Brozánek,
Knížnic und Chotzen, sowie in den Bryozoenschichten von Živonín und
Vtelno.
Natica Gentii Sow. (W. Sch. pag 105, Fig. 45).
Ein einzigesmal in der tiefsten Lage der Trigoniaschichten von Cho-
roušek vorgekommen.
Nerita dichotoma Fr. (Natica dichotoma Geinitz, Elbth. pag. 245, Taf. 54, Fig. 18).
Von dieser Art, die nach Exemplaren von Korycan zur Gattung Nerita
95
gehórt (und von mir bereits 1809 als solche angefůhrt wurde “), fand sich
ein kleines Exemplar mit Schale in den Bryozoenschichten von Gross-Oujezd
bei Choroušek. Es mag das umsoweniger úberraschen, als Geinitz diese Art
sowohl aus dem Plánerkalke von Strehlen, als ne von Kieslingswalde (Chlo-
meker Schichten) anfůhrt.
Pleurotomaria linearis? Mant. (Geinitz Elbthalgeb. II. Taf. 29, Fig. 10). —
Pig. 57 a, b.
Steinkerne kommen in den Trigoniaschichten des Adlergebietes nicht
selten bei Brandeis an der Adler, Bóhm.-Trůbau und Chotzen im Iser-
gebiete bei Ohraženic vor; ein Exemplar von Desna bei Leitomischel, das
ich abgebildet habe, zeigt am letzten Umgange ein Stůckchen obzwar be-
schádigter Schale, von der ich in Fig. 57 b eine vergrósserte Skizze gebe.
Die Windungen der Steinkerne sind hóher und gewólbter als bei der Pl.
lnearis aus den Teplitzer Schichten.
Fig. 57. Pleurotomaria linearis, Mant. Von Desna bei Leitomischel. a Nat. Grósse. b Fragment
der Schale vergróssert.
Die Verzierung der Schale stimmt ziemlich mit P. linearis úberein
und zeigt bei einer gewissen Stellung zum Lichte auch die schwache Kór-
nung, welche durch die Kreuzung der Lánoslinien mit den Auerlinien ent-
steht. (Dies ist auf der Zeichnung nicht hinreichend dargestellt.)
Jedenfalls ist die Art aus den Iserschichten eine sehr nahe verwandte
zu Pl. linearis und erst die Auffindung. von Exemplaren mit wohlerhaltener
Schale důrfte Sicherheit bringen, ob wir es mit einer neuen Art zu thun haben.
Die Grósse anlangend so messen die gróssten Exemplare von Brandeis
an der Adler an der Basis 10 cm.
Turbo Goupilianus ďOrb.? (D'Orb. Pl. 185, Fig. 7—10). — Fig. 58.
Mangelhaft erhaltene Exemplare eines Turbo liegen aus den Trigonia-
schichten von Choroušek, Libichov, Dolánek, Loučkov, Desna und Chotzen
*) Archiv fůr Landesdurchforsch. von Boóhmen I. Band, Sect, II pag. 232.
26
vor. Die Schale ist nur theilweise an dem abgebildeten Exemplare von
Dolánek wahrnehmbar.
In der Gesammterscheinung und namentlich durch die stark gewólbten
Windungen náhert sich diese Art dem Turbo Goupilianus d'Orb., welchen
sie aber in Beziehung auf Grósse úbertrifft, denn D'Orbigny's-Exemplare
waren bloss 7 mm. hoch, unsere sind 23 mm. hoch und eben so viel breit.
Bis man Exemplare mit erhaltener Schale finden wird, muss man darauf
achten, ob die elatten Lángsstreifen zwischen die gekórnten eingeschoben
sind, welche Art von Verzierune fůr T. Goup. charakteristisch ist.
Der áhnlich granulirte Trochus amatus dďOrb. (Geinitz Elbthal. II. 29,
Fig. 7) ist viel hóher und seine Windungen sind facher.
Rostellaria Reguieniana? ďOrb. (W. Sch. page. 107, Fig. 51).
Ein fast ganzes Exemplar besitzen wir aus den Trigoniaschichten von
Dolánek bei Turnau. Die Flůgelfortsátze lassen sich nicht mit Sicherheit
erkennen und es wáre moglich, dass das Exemplar zu der nahe verwandten
Rost. ornata d'Orb. gehóren kónnte, denn es sind Spuren eines lángs des
Gewindes aufsteigenden Fortsatzes vorhanden.
Ein Fragment ohne Flůgel růhrt aus denselben Schichten von Vinar her.
Fig. 58. Turbo Goupilianus, d'Orb. Fig. 59. Rosteilaria ovata, Můnst.
Von Desná. Nat. Gr. Von Třeboutic.
Rostellaria ovata Můnst. (Goldfuss III. pag. 17, Taf. 170, Fig. 3) (— ? Strombus
bicarinatus d'Orb. Geinitz Auadersandstein-Gebirge Taf. IX, Fig. 4). —
Fig. 59.
Aus den Byšicer Uebergangsschichten von Třeboutic bei Leitmeritz,
sowie aus den Bryozoenschichten von Živonín besitzen wir diese Schnecke,
welche an der letzten Windung zwei vorspringende divergirende Leisten
trást. Das Gewinde ist bei unseren Exemplaren noch niedriger als bei den
von Goldfuss aus der grůnlichen Kreide von Haldem abgebildeten und áhnelt
mehr dem von Geinitz als Strombus bicarinatus angefihrten Exemplare aus
Nagořany.
Da die Ausláufer der Lippe nicht bekannt sind, so bleibt die Bestimmung
unserer Exemplare unsicher.
Rostellaria Schlottheimi (Geinitz Elbthalgeb. pag. 168, Taf. 30, Fig. 1, 8). —
Fig. 60. |
Schalenlose Exemplare ohne Flůgel kommen in den Trigoniaschichten
von Desna, Bohm.-Trůbau, Bezno und Chotzen vor. Ein Exemplar aus der
„Báčová skála“ bei Chotzen zeigt einen Theil des Fliůgels, von welchem
97
ein Fortsatz sich an die Windungen des Geháuses anlehnt. Mein Assistent,
Herr Weinzettl, welcher soeben die Rostellarien der bohm. Kreideformation
bearbeitet hat, stellt diese Art zu der R. Schlottheimi Romer, welcher sie
durch das kurze Gewinde und die bauchige letzte Windung nahe kommt.
Ne
Fig. 60. Rostellaria Schlottheimi von Chotzen. Nat. Gr.
Fusus Nereidis Goldf. (W. Sch. pag. 109, Fig. 53).
Von Knížnic bei Libuň besitze ich zwei aus den an Scaphiten reichen
Trigoniaschichten Exemplare dieses Fusus, den ich frůher nur nach einem
Fragmente kannte. Er stimmt im Wesentlichen mit der Goldfussischen Ab-
bildung, ist aber durch die stark vorspringende Lángsrippe ausgezeichnet,
die sich úber den am meisten winklig vorspringenden Theil der letzten
Windung hinzieht. Der nach unten ausgezogene Theil der Schale ist nicht
erhalten.
Voluta Roemeri (Geinitz Elbthalgeb. pas. 172, Taf. 30, Fig. 15).
Ein ganzes 30 mm. langes Exemplar besitzen wir aus den Trigonia-
schichten von Knížnic bei Jičín, wo es in Gesellschaft von Turritella Fitto-
niana und Scaphites Geinitzii vorgefunden wurde.
Voluta suturalis Goldf. (W. Sch. pag. 110, Fig. 55).
Steinkerne, welche am meěisten dieser Art verglichen werden kónnen,
fanden sich in dem glauconitischen můrben Pláner der hochsten Lagen der
Trigoniaschichten beim Friedhofe in Chotzen und auf einem Felde bei Bezno,
wo sie Herr V. Vaněk, Lehrer daselbst, sammelte. Exemplare von beiden
Fundorten zeigen ein zerfressenes Aussehen und keine Spur von Šchale.
Mitra sp. Zweifelhafte Steinkerne besitzen wir vom Friedhofe bei Chotzen und
von Bezno bei Jungbunzlau.
Avellana sp. Nicht náher bestimmbare Exemplare fanden sich in den Ueber-
gangsschichten von Hradek bei Černosek und Třeboutic bei Leitmeritz, in
den Trigoniaschichten bei Chotzen.
Pelecypoda.
Opis Chocenensis Fr. — F%g. 61.
Es wurde bisher ein einziges Exemplar dieser neuen Art in den Tri-
goniaschichten bei Chotzen vorgefunden. Die Muschel ist auffallend kurz,
-
í
08
fast doppelt so hoch als lang, ihre Dicke ist um weniges geringer als die
Lánge. Vom Wirtel aus zieht sich ein gewólbter Růcken zur Ecke, welche
der vordere Rand mit dem unteren bildet, und ein zweiter zur hinteren
Ecke. Die Wirbel sind deutlich ber den Schlossrand erhaben, der Vorder-
rand schwach eingebuchtet, der hintere mássig gewólbt.
Die Bestimmung der Gattung ist bisher unsicher, denn nur Opis neoco-
miensis d'Orb. zeigt eine entfernte Aehnlichkeit in der Gesammterscheinung.
Auch kónnte man an eine sehr verkůrzte Crassatella denken, doch muss
die Entscheidung bis zur Auffindung von Exemplaren mit erhaltenem Schloss
verschoben werden.
Die Verzierung der Schale besteht in mehr als 40 wulstigen Anwachs-
streifen, welche an der Fláche zwischen den 2 Wůlsten deutlich sind, an
der vorderen und hinteren Fláche aber sehr schwach angedeutet sind.
Fig. 61. Opis Chocenensis Fr. von Chotzen. Nat. Gr.
a Von der Seite, b von oben.
Protocardium Hillanum Sow. (W. Sch. pag. 112, Fig. 64).
Nur einzeln in schlechterhaltenen Šteinkernen bei Choroušek, Jung-
bunzlau, Dalovic, Dolánek und Loučkov bei Turnau, in Bohmisch-Trůbau
und Písník bei Bóhm. Leipa.
Cardium productum Sow. (C. intermedium Reuss. B. Kr. II. 1. T. 35, Fig. 15, 16).
Schlechte Steinkerne von Choroušek, Libichov bei Jungbunzlau und Do-
lánek bei Turnau; schón erhaltene, aber kleine ŠSteinkerne aus den glauco-
nitischen Lagen der Trigoniaschichten vom Friedhofe bei Chotzen und von
Bezno.
Isocardia gracilis Fr. (W. Sch. pag. 114, Fig. 67).
Kommt ganz in derselben Form und Grósse vor, wie in den Weissen-
berger und Malnitzer Schichten und zwar in den Byšicer Uebergangsschichten
bei Jiřic und Brozánka, in den Trigoniaschichten von Chotzen, Bohmisch-
Trůbau, Libuň und Jung-Koldin, in den Bryozoenschichten von Živonín.
| Crassatella ef. Austriaca Zittel (Bivalven der Gosau, pag. 151, Taf. VIII., Fig. 1.
Erklárung dieser Tafel hat dort aus Versehen Nro. X). — Fig. 62 a, b.
Unter den zahlreichen meist als Šteinkern vorliegenden Exemplaren
der Gattung Crassatella kónnen wir zwei Typen, eine lange und eine kurze,
JO
unterscheiden. Wenn es auch an manchen Stůcken schwer fállt zu bestimmen,
zu welcher Form sie gehóren, so hat man doch extreme gute Štůcke, von
denen sich die langen der Čr. Austriaca am náchsten stellen, wáhrend die
kurzen hohen wahrscheinlich mit Cr. macrodonta identisch sind.
Die lange Form erreicht bei Dolánek 4 cm. Hóhe und 7 cm. Lánge.
Die Schale ist in krystallinischen Kalkspath verwandelt und bleibt in der
Regel fest am negativen Abdrucke hángen. Auch am Šteinkern bleibt eine
Kruste von Kalkspath, welche wir durch Erhitzung mittelst des Lóthrohres
absprengten und so die schónen abgebildeten Steinkerne erhielten. Die
kleinen Fragmente der wohlerhaltenen Schale zeigen, dass dieselbe bedeu-
tende Stárke besass und mit regelmássigen Anwachsfurchen geziert war.
Die Steinkerne zeigen sehr kráftige Muskelansátze, dann den Abdruck des
gefalteten und am Rande fein gekerbten Mantelrandes.
Fig. 62. Crassatella ef. Austriaca Zittel, von Jungbunzlau in natůrlicher Grósse.
Das Hauptkennzeichen der lángeren Form ist das, dass die Wirbel weit
nach vorn oberhalb dem ersten Viertel der Schalenlánge zu stehen kommen,
wáhrend sie bei der folgenden Art oberhalb der Mitte stehen.
Diese Art gehórt zu den gewóhnlichen Erscheinungen in den Trigonia-
schichten von Choroušek, Dolánek, Libichov, Jungbunzlau, Rohosec ete. Die
Bryozoenschichten lieferten sie von Gross-Újezd. Sie kommt zusammen mit
der Cr. macrodonta vor.
Als Vorgánger dieser Art ist die Crassatella protracta Reuss aus den
Launer Knollen zu betrachten (W. Sch. pag. 115, Fig. 70).
70
100
Crassatella cf. macrodonta Sow. sp. (Zittel Bivalven der Gosau pag. 150,
Taf. VIN Fig. 2, 3, Astarte macrodonta Sow.). — Pig. 68.
Diese kůrzere und hóohere Art hat den Wirtel fast in der halben
Schalenlánge. Das grósste Exemplar eines Steinkernes von Dolánek ist
Ď cm. hoch, 65 cm. lang. Die Eindrůcke der Mantelfaltung und die feine
Randkerbung sind deutlich. Die Oberfláche der Schale war mit viel deut-
licheren und tieferen concentrischen Furchen geziert als die vorige Art.
Fig. 63. Crassatella macrodonta Sow. Steinkern von Dolanek bei Turnau. Nat. Gr.
Kommt háufig in den Trigoniaschichten von Bóhm.-Trůbau, Chotzen,
Desna, Dolánek, Rohosec, Choroušek und Vtelno vor. Exemplare mit Schale
haben wir nur von Desna, sonst sind es immer nur ŠSteinkerne.
Diese Form ist in den álteren Schichten durch Čr. arcacea und regu-
laris vertreten, welche aber in Grósse sehr zurůckbleiben (W. Sch. pag. 115).
Mutiella Ringmerensis Mant. sp. (Geinitz Elbthalgeb. II., pag. 61, Taf. 10,
Fig. 11—13. Corbis rotundata, Róm. Fimbria coarctata Zittel. W. Sch.
pag. 116, Fig. 75). — Fig. 64.
Steinkerne, welche Reste von einer bis 2 mm. dicken Schale an sich
tragen, finden sich háufig in den Trigoniaschichten bei Chotzen, Bóhm.-
Trůbau, Desna, Dolánka, Libichov bei Jungbunzlau, Husovodol bei Cho-
roušek u. s. w. Auch aus den DBryozoenschichten von Gross-Újezd liegt
diese Art vor.
Die Oberfláche der Schale sowie deren Sculptur sind sehr selten erhalten,
ebenso haben wir nirgend ein gut erhaltenes Schloss, weshalb die Artbestim-
mung eine provisorische bleibt.
Cyprina guadrata d'Orb. (W. Sch. pag. 116, Fig. 76). — Fig. 65.
Steinkerne von 8 cm. Lánge trifft man háufig in den Trigonia-
schichten von Chotzen, Bóohm.-Trůbau, Dolánka bei Turnau, Choroušek,
Lindenau, Libuň, Knížnice, Blatec etc. fast úberall, wo man in den ge-
nannten Schichten intensiver sammelt.
101
Cyprina cf. crassidentata Zittel. |
Neben der.C. guadrata kommen noch Steinkerne vor, welche einer
nach hinten mehr ausgezogenen Art angehóren. Dieselben náhern sich in
Form der Ú. crassidentata, Zittel namentlich der Figur 2a. Ein schones
Exemplar besitzen wir von Písnik, dann andere von Chotzen und Dolánek,
úberall aus den Trigoniaschichten.
Fig. 64. Mutiella Ringmerensis, Mant. sp. Steinkern von Chotzen. Nat. Grósse.
Fig. 65. Cyprina guadrata, d'Orb. Steinkern von Chotzen. */, nat. Grósse.
Eriphyla lenticularis (W. Sch. pag. 116, Fig. 78).
Steinkerne von mittlerer Grósse kommen in den Byšicer Uebergangs-
schichten von Třeboutic, dann in den Trigoniaschichten von Choroušek,
Čejtic, Jungbunzlau, Dolanek, Blatec und Chotzen vor. Am letzgenannten
Orte in letzterer Zeit besonders in den glauconitischen Schichten beim
Friedhofe.
Trigonia limbata d'Orb. (Pal. franc. Crét. III. pag. 156, 298. Zittel Bivalven
der Gosau pas. 160, Taf. IX, Fig. 1a—c). — Fig. 66 a, b.
Steinkerne mit anhángenden Resten der krystallisirten Schale sind in
den Trigoniaschichten des Elbe-Isergebietes háufig; bei Choroušek (schon
102
in den tiefsten Lagen des auf Seite 30 dargestellten Profils), Kováň, Ko-
šátek, Čejtice, Jungbunzlau, Dolánek, Rohosec und Písnik. Glatte, sehr gut
erhaltene Steinkerne erhielt ich vor Kurzem von Bezno durch den Lehrer
Herrn Vaněk.
Viel seltener ist die Art im Adlergebiete, wo sie z. B. bei Chotzen
bisher nur in einem Exemplar, welches sich in der Sammlung des Herrn
Hlaváč befindet, vorgefunden wurde. Ausserdem ganz einzeln in Desna und
Bóhm.-Trůbau.
In den Bryozoenschichten kommt sie nicht vor.
Durch die mássige Ausbildung der Kórnung der Rippen, so wie durch
die gedrungene Gestalt náhert sich unsere Art entschieden mehr der
T. limbata als der T. scabra, deren specifische Selbststándigkeit gewiss
eine zweifelhafte ist und bei der neueren Anschauungsweise wenig Be-
deutung hat. T. aláformis, limbata und scabra sind gewiss nur Glieder
einer Reihe.
Pectunculus sp. (Ganz jámmerlich erhaltene Exemplare, an denen man selbst
die Gattung mit Schwierigkeit feststellen kann, kommen selten bei Tře-
boutic, Choroušek, Jungbunzlau, Cejtic und Dolánek vor.
a
Fig. 66. Trigonia limbata d'Orb. Nach einem Gypsabgusse in das Negativ aus der Gegend von
Areca
Bohm.-Trůbau. Nat. Grósse. «a von der Seite, d von Oben.
subglabra d'Orb. (W. Sch. pag. 119, Fig. 85). — Fig. 67.
Diese in unserer Kreideformation sehr verbreitete Art ist auch in den
Iserschichten háufig als Steinkern anzutreffen. Im den Byšicer Uebergangs-
schichten fand ich sie bei Třeboutic, Brozanek und Košatek, in dem Zwischen-
pláner in den Trigoniaschichten von Choroušek, Čejtic, Jungbunzlau, Můn-
chengrátz, Bosig, Dolanek, Rohosec, Chotzen, Bóohm.-Trůbau und Desna.
Die Steinkerne sind in verschiedener Richtung und in verschiedenem
Grade zerdrůckt, so dass die Art in sehr verschiedener Form in die Hánde
des Sammlers kommt und daher fůr den Anfinger schwer zu bestimmen ist.
Die zu Seiten des Schlossrandes nach hinten sich hinziehende Furche hilft
jedenfalls bei der Sicherstellung der Gattung.
103
Der abgebildete, sehr wohl erhaltene ŠSteinkern zeigt bei der Ansicht
von unten (Fig. 67 c), dass die Schale etwas, klaffend war wegen der
Bissusplatte.
Arca echinata d'Orb. (W. Sch. pag. 119, Fig. 84).
Ein Exemplar mit wohlerhaltener Schale fand Herr Pražák in den
Bryozoenschichten bei Živonín.
Fig. 67. Arca subglabra d'Orb. Steinkern aus den glauconitischen Lagen der Trigoniaschichten
vom Friedhofe bei Chotzen. Nat. Grósse. a Von der Seite, d von Oben, c von Unten.
Arca cf. Geinitzii Reuss (Elbthalgeb. II. Taf. 16, Fig. 7 a).
Von den zahlreichen der Gattung Arca angehórigen Steinkernen sind
diejenigen von Třeboutic, Dolánek und Knížnice bei Libuň der Arca Gei-.
nitzii Reuss am hnlichsten, namentlich der Abbildung bei Geinitz. Der
mangelhafte Erhaltungszustand lásst keine sichere Bestimmung zu.
Fig. 68. Arca Schwabenaui, Zittel. Von Dolánek bei Turnau. a Nat. Grósse, d SŠculptur
vergróssert.
Arca Schwabenaui Zittel (Bivalven der Gosau Taf. X, Fig. 7a). — Fig. 68.
Ich fand bloss zwei mangelhaft erhaltene Exemplare, die stellenweise
die Sculptur doch erhalten haben, in den tieferen Lagen der Trigonia-
schichten in Dolanek bei Turnau.
In der schmalen Form, dem seitlichen Eindruck und der klafenden
Schale stimmen unsere Exemplare genau mit der Abbildung von Zittel.
In der Gosau kommt diese Art am Wegscheid und Tauerngraben
selten vor.
104
Arca -ef. pholadiformis d'Orb. (Pal. Fr. Pl. 315, Fig. 1—5). — Fig. 69.
Es liegt bloss eine rechte Schale vor, welche in den Contouren und
der Sculptur mit der franzósischen Art ziemlich úbereinstimmt, nur ist sie
nach hinten etwas schmáler.
Von den Reussischen Arten wáre Arca angulata in Beziehung der Form
zu vergleichen, doch zeigt die Reussische Abbildung keine radiale Sculptur,
welche an unserem Exemplare viel deutlicher erhalten ist, als sie an der
Zeichnung dargestellt ist.
Die franzósische Art kommt in der chloritischen Kreide des unteren
Turon bei Mans vor.
Fig. 69. Arca cf. pholadi- Fig. 70. Mytilus radiatus, Goldt.
formis, d'Orb. Von Dola- Von Desna. Nat. Grósse.
nek bei Turnau. Nat. Gr.
Pinna decussata Goldf. (W. Sch. pas. 120, Fig. 86).
Kommt in allen Lagen der Iserschichten vor; besonders háufig in den
mittleren Trigoniaschichten. Die normale Lánge betrágt 20 cm. Bei Bóhm.-
Trůbau bildet diese Art stellenweise fast Bánke. Bei Abtsdorf fand ich auf
einem Steinkern den Abdruck einer Perle.
Die Museumssammlung besitzt Exemplare von Chotzen, Bóhm.-Trůbau,
Choroušek, Kanina, Gross-Újezd, Košátek, Čejtic, Jung-Bunzlau, oben
Lochtuš, Blatec, Písnik, Bósig, Auscha u. s. w.
Mytilus radiatus Goldf. (W. Sch. pag. 120). — Fig. 70.
Schón erhaltene Exemplare mit Schale liefern die Trigoniaschichten
von Chotzen, Desna und Dolanek.
Solen cf. Guerangeri d'Orb. (Pal. Franc. Ter. Cret. pag. 321, pl. 951, Fig. 1, 2).
Fig. 71 a, db.
Zwei Steinkerne von Choroušek und Čejtic stimmen in der Gesammt-
form mit der franzósischen Art aus dem grčs inferieur des Turon von Mans,
nur stehen die Wirbel etwas mehr in der Mitte der Schalenlánge. Die
Fragmente der Schale zeigen die Sculptur nicht.
105
Lithodomus spatulatus Reuss. (W. Sch. pag. 122, Fig. 92).
Kommt einzeln sowohl in den Byšicer Uebergangsschichten bei Jiřic,
als auch in den Trigoniaschichten von Chotzen, Knížnic, Brandeis a. d. Adler
und Dalovic bei Jungbunzlau vor. Das sehr schón erhaltene Exemplar von
Knížnic hat 66 mm. Lánge, 15 mm. Breite.
Lithodomus ef. rostratus d'Orb. (Pal. Franc. pag. 292, Taf. 344, Fig. 16, 11).
Hig. 72 a, b, c, d.
Kleine Exemplare eines rauhen Lithodomus aus den Byšicer Ueber-
gangsschichten von Jiřic bei Lissa náhern sich etwas dem L. rostratus
d'Orb., aber sie sind etwas schmáler und nach vorne hin mehr zugespitzt.
Die Oberfláche zeiet bei genauer Betrachtung mit der Lupe rauhe Auer-
runzeln, welche von Lánesfurchen in schmale Felder gesondert werden.
Auch náhert sich diese Art etwas der Myoconcha angustata Fr. (W. Sch.
pag. 120, Fig. 91).
| Pholas sp. Ein ziemlich gut erhaltener 10 mm. langer Steinkern kam mir (wáh-
rend des Druckes dieser Arbeit) aus den glauconitischen Lagen der Tri-
goniaschichten vom Friedhofe in Chotzen zu.
Auch kommen Ausfillungen von Bohrlóchern, welche zu Pholas oder
Gastrochaena gehóren, an mehreren Štellen in den Iserschichten vor.
Fig. 71. Solen cf. Guerangeri, d'Orb. Fig. 72. Lithodomus cf. rostratus, d'Orb. von Jiřic bei
áus den Trigoniaschichten von Čejtic. Lissa vergróssert. a von oben, d von der Seite, c von
a von der Seite, b von oben. Nat. Gr. vorne. d Ein Fragment der Schale stark vergróssert.
Gastrochaena amphisbaena Gein. (W. Sch. pag. 122, Fig. 93).
Ist in den Iserschichten eine seltene Erscheinung und nur im Zwischen-
pláner wurden mangelhafte Fragmente vorgefunden.
Siligua Petersi Reuss. (W. Sch. pag. 123, Fig. 96).
Selten in dén Uebergangsschichten von Třeboutic bei Leitmeritz und
in den Trigoniaschichten von Knížnic bei Libuň.
Modiola capitata Zittel (W. Sch. pag. 123, Fig. 91).
Ziemlich vereinzelnt aber weit verbreitet kommt diese Art in den
Uebergangsschichten von Třeboutic, sowie in den Trigoniaschichten von
106
Choroušek, Čejtic, Libichov bei Jungbunzlau, Dalovic, Dolánek, Loučkov,
Knížnic, Chotzen, Brandeis a. d. Adler, Desna und Bóhm.-Trůbau vor.
Modiola typica Forbes sp. (Mytilus typicus, Forbes. Mytilus ligeriensis, Reuss.
Verst. d. b. Kreideform. II. pag. 16, Taf. XXXIII. Mytilus Reussi W'Orb.
Prodr. 22 Nro. 740. Fig. 3. Modiola typica Zittel Bivalven der Gosau
pag. 78, Taf. XI. Fig. 5 a, b, c). — Fig. 73 a, b, c.
Diese Art ist eine der bezeichnendsten fůr die Iserschichten, denn sie
tritt hier zum erstenmale auf. Schon Reuss fůhrt sie als M. ligeriensis aus
dem „kalkigen Sandstein von Wildenschwert“ also aus den Iserschichten an.
D'Orbigni erkannte bereits, dass dies nicht der echte M. Ligeriensis ist und
fůhrt die Art im Prodrom (22. 740) als Mytilus Reussi d'Orb. an.
Fig. 73. Modiola typica Forbes von Jungbunzlau. Nat. Grósse. a von der Seite, % von oben,
c Fragment der Schale vergróssert.
Die genaue Vergleichung zahlreicher Exemplare zeigte aber, dass es
vollig úberflůssig ist, die bohmische Art von der aus der Gosau als Mo-
diola typica von Zittel beschriebenen Art zu trennen.
Zuerst fand ich die Art in den Uebergangsschichten von Třeboutic,
dann in den Trigoniaschichten von Choroušek, Čejtic, Jungbunzlau, Dolánek,
Ohraženic, Rohosec, Písnik und Desna bei Leitomischel.
An dem abgebildeten Exemplar von Jungbunzlau, welches seinerzeit
von Herrn Štecker gesammelt wurde, bemerkt man die wahrscheinlich von
einer Natica gebohrte Oeffnung.
Pseudomya anomioides Fr. n. gen. et sp. — Fig. 74 a—e.
Diese interessante Muschel wurde vom Herrn J. Pražák in der 6. Lage
der Trigoniaschichten von Choroušek entdeckt. Zuerst hielt ich dieselbe fůr
eine Anomia, aber bald úberzeugte ich mich, dass alle Exemplare durch den
beschádigten Wirbel ein zahnartiges, kráftiges, gefurchtes Gebilde wahr-
nehmen lassen, welches auf den Schlosszahn der Gattung Mya erinnert.
107
Alle vorhandenen Schalen?gehůren der rechten Seite an und deuten darauf
hin, dass die Muschel vorne und hinten klaffend war. Zwischen dem Wirbel
und dem Vorderrande zieht sich eine Furche nach unten hin.
Zusammen mit der rechten gewólbten Schale kommen flache runde
Austern áhnliche Schalen vor, welche vielleicht als linke Schale aufzufassen
sind und zu der grósseren rechten in einem áhnlichen Verháltniss stehen
wůrden, wie die bei Corbula, Pandora etc. So lange man nicht beide Schalen
beisammen findet, muss die Frage offen bleiben.
| Fig. 74. Pseudomya anomioides Fr. an den Trigoniaschichten von Choroušek. a—d in nat. Grosse.
-a Von der Seite, b von oben; durch den beschádigten Theil des Wirbels ist der starke Zahn zu
| sehen. c von unten. d von vorne. e der Schlosszahn vergrossert.
Pholadomya aeguivalvis dOrb. (W. Sch. pag. 124, Fig. 98).
Grosse Exemplare kommen in den Byšicer Uebergangsschichten vor.
Ich fand sie in Třeboutic, Brozánek und in Schellesn. Auf letzterem Orte
in dem unmittelbaren Liegenden des ersten Kokořiner GAuaders. Auch
unterhalb Vraclav traf ich grosse Exemplare etwa im Niveau der Byšicer
Schichten.
Aus den Trigoniaschichten besitzen wir Exemplare von Chotzen, Desna,
Bóhm.-Trůbau, Písnik, Jungbunzlau, Dolánek, Lochtuš und Knížnic. Die
Bryozoenschichten lieferten sie von Živonín.
Pholadomya nodulifera Můnster (Goldfuss Petref. Germ. pag. 273, pl. 158,
Fig. 2. — Reuss Verst. II. pag. 18. — Ph. umbonata, Róm. pag. 16 n. 3,
pl. 10, Fig. 6. — Ph. nodulifera M. in Geinitz Elbthal. II. pag. 70, Taf. 19,
Fig. 5). — Fig. 75 a—c, Fig. 76.
Die geknotete Pholadomya kommt in den Trigoniaschichten des Elbe-
gebietes bei Košátek, Junebunzlau, Lochtuš und Dolánek vor.
Sie kommt in der normalen unverdrůckten Form vor und gleicht dann
auffallend der recenten Ph. candida (Chenu Manuel II. pag. 42). Die von
vorne nach hinten verdrickten Exemplare stimmen mit der Ph. umbonata
Róm. úberein. Doch kommen Uebergánge vor, welche es nicht zulassen,
diese zwei Arten zu unterscheiden.
Reuss fihrt die Ph. nodulifera aus dem unteren Auader von Tetschen
an, doch ist es sehr wahrscheinlich, dass die Exemplare aus den hóchsten
den Trigoniaschichten entsprechenden Lagen der Auadersande stammten,
aus denen sie auch Geinitz anfůhrt.
108
Ganz áhnliche Pholadomyen kommen dann auch háufig in den Chlo-
meker Schichten (= Kieslingswalde) vor. ;
Pholadomya perlonga Fr. (W. Sch. pag. 124, Fig. 99).
Selten in den Trigoniaschichten von Choroušek, Košátek und Chotzen.
Panopaea gurgitis Brongn. (W. Sch. pag. 125, Fig. 100).
Kommt selten in den unteren Partien der Trigoniaschichten vor. Wir
besitzen sie von Choroušek, Košátek, Zámost, Dolánek, Blatec, Knížnic,
Desna und Bóhm.-Trůbau.
Fig. 75. Pholadomya nodulifera M. var. umbonata Róm. von Dolánek. "/, nat. Grósse.
a Von oben, b von der Seite, c von unten.
Fig. 76. Pholadomya nodulifera M. von Jungbunzlau. Nat. Grósse.
Panopaea mandibula Sow. (Geinitz Elbthal. II. pag. 70, Taf. 18, Fig. 20, 21).
Diese sehr kurze Art ist selten in den tieferen Lagen der Trigonia-
schichten von Chotzen, Jungbunzlau, Blatec und Knížnic. Ein Exemplar
stammt auch aus den DBryozoenschichten von Vtelno. Uebrigens ist es
schwer zu entscheiden, ob unsere Exemplare nicht bloss verkůmmerten
Individuen der Panopaea gurgitis angehůren.
Panopaea Ewaldi Reuss? (Reuss Verst. II. pag. 17, Taf. 37, Fig. 1).
Es kommen an mehreren Orten mangelhaft erhaltene Steinkerne vor,
welche in ihrer Erscheinung an eine Unio erinnern und wáren sie nicht
b
109
unter marinen Arten gefunden und wůrde man nicht Bryozoen- und Serpula-
i arten daran bemerken, so wůrde man sehr geneigt sein, dieser Ansicht bei-
zutreten. Von den aus unserer Kreideformation bekannten Arten steht diesen
Muscheln die Panopaea Ewaldi am náchsten.
| Wir besitzen Exemplare von Choroušek, Chotzen, Auscha, Desna, Bóhm.-
| Trůbau und vor Kurzem fand Prof. Zahálka aus Raudnitz ein Exemplar in
| Markwartic bei Turnau.
(Tellina semicostata Reuss (W. Sch. pag. 126, Fig. 102).
Sehr schlecht erhaltene Exemplare besitzen wir aus den Trigonia-
schichten von Chotzen, Čejtic und Knížnic und eines aus den Bryozoen-
schichten von Živonín.
Tellina concentrica Gein.? (W. Sch. pag. 126, Fig. 103).
Steinkerne, welche wahrscheinlich dieser Art angehóren, aber nur
schwache Spuren der concentrischen Štreifung zeigen, besitzen wir aus den
Uebergangsschichten von Třeboutic, aus den Trigoniaschichten von Čejtic,
Dalovic, Dolánek, Knížnic, Desna und Bóhm.-Trůbau.
:
a b
Fig. 77. Venus cf. parva Sow. Steinkern aus den glauconitischen Schichten vom Friedhofe bei
Chotzen. a Von der Seite, > von oben. Nat. Grósse.
Venus cf. parva Sow. (Reuss Verst. IL pag. 20, Taf. XLI. Fig. 17). — Fig. 77.
Steinkerne mit wohlerhaltenen Muskelabdrůcken und der Šiphonallinie
fand ich in den glauconitischen Trigoniaschichten beim Friedhofe in Chotzen.
In der Gestalt náhern sie sich am meisten der V. parva Sow., zu der ich sie
vorderhand stelle.
Cytherea polymorpha Zittel? (Bivalven der Gosau pag. 126, Taf. III. Fig. 6 a—d).
Fig. 78.
Steinkerne mit spárlichen Spuren der Schale finden sich in den Trigonia-
schichten von Choroušek, Jungbunzlau, Rohosec, Bohm.-Trůbau und Písnik.
Avicula anomala Sow. (W. Sch. pag. 128, Fig. 108).
Kommt einzeln meist in kleinen Exemplaren in den Uebergangsschichten
in Třeboutic, in den Trigoniaschichten in Choroušek, Dolanek, Ohraženic,
Knížnic, Brandeis a. d. Adler, Desna, Bóhm.-Trůbau und in Písnik, in den
Bryozoenschichten von Vtelno und Živonín vor.
Gervillia solenoides Defr. (W. Sch. pas. 128, Fig. 129).
Diese fast in allen Schichten unserer Kreideformation vorkommende
Art ist auch sowohl in den Uebergangs- als auch in den Trigoniaschichten
zu finden. Besonders grosse Exemplare bis 20 cm, Lánge finden sich in
110
den Steinbrůchen bei Vinar. Wir besitzen sie von Třeboutic, Jungbunzlau,
Dolanek, Libuň, Knížnic und Chotzen. i
Perna subspatulata Reuss (Reuss Verst. d. b. Kreideformation II. pag. 24. Im
Register ausgelassen. Taf. XXXII Fig. 16, 17). — Fig. 79 a—c.
Diese in den Iserschichten stellenweise háufige Perna hielt ich zuerst
fůr P. laceolata Gein., bis mich reicheres und besseres Material úberzeugte,
dass sie mehr mit P. subspatulata Reuss úbereinstimmt, da ihre Form nicht
Fig. 78. Cytherea polymorpha Zittel. Steinkern aus den Trigoniaschichten von Písnik. Nat. Gr.
a Seitenansicht, d von oben.
so schief verzogen, sondern mehr viereckig ist. Wenn auch P. subspatulata
von der in den Korycaner Schichten vorkommenden P. lanceolata abstammen
mag, so můssen doch beide gegenwártig als selbststándige Arten angefůhrt
werden, da die Uebergánge noch nicht vorliegen.
Einzeln kommt diese Art in den Trigoniaschichten sowohl des Elbe-
als des Adlergebietes vor, aber eine fórmliche Bank von 20—30 cm. Hóhe
bildet sie bloss bei Rohosec unweit Turnau (vergl. Profil Fig. 25 pag. 46).
Exemplare von Blatec bei Rovensko sind 95 cm. hoch 75 cm. lang, werden
aber von denen bei Chotzen gefundenen noch an Grósse iúbertroffen.
Wir besitzen auch Exemplare von Jungbunzlau, Dolanek und Bóhm.-
Trůbau.
Die Reussischen Exemplare stammten aus dem Exogyrensandstein von
Malnitz.
Inoceramus Brongniarti Sow. (W. Sch. pag. 130, Fig. 111). — Fig. 80.
Riesige Exemplare bis zu einem halben Meter Hóhe fanden sich wáh-
rend des Bahnbaues bei Jungbunzlau. Bruchstůcke der Schale, die fast
úberall in den Iserschichten vorkommen, deuten auf eine weite Verbrei-
tung dieser grossen Inoceramen hin. Kleinere Exemplare besitzen wir von
Choroušek, Košátek, Jiřic, Dolánek, Knížnic, Brandeis a. d. Adler und
Písnik.
111
Inoceramus sp. Ausser dem In. Brongniarti kommen noch in den Trigonia-
schichten von Bóhm.-Trůbau und Vinar kleine Inoceramen vor, welche dem
Inocer. striatus Mant. áhnlich sind, doch wird ihre sichere Bestimmung
erst in einer Monographie aller bohm. Inoceramen moglich sein,
Fig. 79. Perna subspatulata Reuss. a Ganzes Exemplar von der Seite. Nat. Grósse von Dolánek
bei Turnau, b von hinten, c das Schloss eines anderen Exemplares.
a
d
Fig. 80. Inoceramus Brongniarti. Stein- Fig. 81. Lima Dupiniana ďOrb. aus den Trigonia-
kern aus den tieferen Lagen der Tri- schichten von Chotzen. a Vergróssert, db Fragment
goniaschichten bei Jungbunzlau. ',, nat. | der Schale stark vergróssert.
Grósse.
112
Lima Dupiniana dOrb. (Pal. Fr. Terr. cret. III. pag. 535, PI. 415, Fig. 18—22).
Fig. 81.
Diese kleine Art, welche ich in den Trigoniaschichten von Čejtie, Chotzen
und Desna vorfand, macht bei oberfáchlicher Betrachtung den Eindruck der
Lima septemcostata. Reuss (W. Sch. 132, Fig. 114) unterscheidet sich aber
von derselben durch zahlreichere 10—12 radiale Rippen und sehr deutliche
Radialstreifung derselben. Sie stimmt ziemlich mit der Lima Dupiniana
d'Orb., von der sie bloss durch etwas schmálere Form abweicht. Unsere
Exemplare haben die Lánge von 9 mm.
!
n n r m CA
C
Fig. 82. Lima multicostata Gein. aus den Trigoniaschichten von Chotzen. a Šteinkern von nor-
maler Form in nat. Grósse. b Ansicht eines Exemplars mit Schale von vorne, nat. Grosse.
c Fragment der Schale vergróssert. d Fragment mit Dreitheilung der Rippen vergróssert.
Lima semisulcata Nilss. (W. Sch. pag. 132, Fig. 115).
Háufig und meist mit wohlerhaltener Schale in den Trigoniaschichten
von Košátek, Choroušek, Jungbunzlau, Bóhm.-Trůbau, Cerekvic, Písnik,
Lindenau etc.
Lima elongata Sow. (W. Sch. pag. 132, Fig. 116).
Diese in den Weissenberger und Malnitzer Schichten háufige und weit
verbreitete Art kommt nur einzeln in den Iserschichten und nur an wenigen
Localitáten bei Dolánek, Jungbunzlau, Libuň, Knížnic, Brandeis a. d. Adler,
Koldin und Chotzen vor. Bei manchen Exemplaren unserer Sammlung war
es nicht sicher, ob sie nicht aus tieferen Lagen stammen.
113
Lima multicostata Gein. (L. canalifera Goldf. W. Sch. pag. 192). — Fig. 82 a—d,
Fig. 55 var. | :
Die normalen Exemplare (a), welche in der Regel nur ohne Schale aus
dem Gestein gewonnen werden kónnen, zeigen 16—20 Rippen. Wo die Schale
erhalten ist, zeigen sich die ziemlich scharf auftretenden Rippen durch doppelt
so breite Zwischenráume getrennt und von stárkeren und schwácheren con-
centrischen Linien geziert (c). Bei manchen Exemplaren zeigen die Rippen
eine Theilung in zwei oder drei, was namentlich nach einem stárkeren
Wachsthumsabsatz der Fall zu sein pflegt und ziemlich unregelmássig auf-
tritt (Z und Fig. 83). Die gróssten Exemplare erreichen eine Lánge von
10 mm.
Diese Art ist in den Trigoniaschichten eine der háufigsten Erschei-
nungen und ich besitze namentlich aus der Gegend von Chotzen Hunderte
von Exemplaren, welche dort mit Lima dichotoma Reuss und Hemiaster
plebeius Nov. in dem zum Sechotterschlagen verwendeten Gestein vor-
kommen.
In den Auadersanden des Hohen Schneeberges, sowie in den hóheren
Lagen der sáchsischen Schweiz deutet diese Art den Horizont der Trigonia-
schichten an.
Auch in den Bryozoenschichten von Gross-Újezd und Živonín tritt diese
Art auf.
Fig. 83. Lima multicostata Gein. Varietát Fig. 84. Lima iserica Fr. n. sp. Aus den Tri-
mit dichotomirenden Rippen, nat. Grósse, gonia-Schichten von Brandeis an der Adler.
von Podvinec bei Jungbunzlau. a 2mal vergróssert, b Fragment der Schale
stark vergróssert.
Lima pseudocardium Reuss (W. Sch. pace. 133, Fig. 119).
Steinkerne, welche dieser Art nahe stehen, besitzen wir aus vielen
Localitáten, aber die Bestimmung bleibt unsicher, so lange man die Ober-
fláche der Schale nicht vereleichen kann. In vielen Fállen erwiesen sich
áhnliche Steinkerne bei genauer Untersuchung des Negativs als zu der
L. iserica gehórig.
Lima iserica Fr. n. sp. — Fig. 84 a, b.
Diese neue Art, welche fiir die Trigoniaschichten sehr bezeichnend ist,
áhnelt in Beziehung auf den Steinkern sehr der L. pseudocardium, hat
8
114
Lima
Lima
aber statt 40—50 bloss 20 Rippen, welche scharfkantig nicht abgerundet
sind. Die Verzierung der Rippen besteht in drei Lángsreihen von deut- ©
lichen Knoten, von denen die eine die Kante, die beiden anderen die
Flanken einnehmen, wáhrend der Mitte des Zwischenraumes entlang auch
eine solche Knotenreihe verláuít. Eben durch die letztere unterscheidet
sich unsere Art von der L. cenomanensis d'Orb., welcher sie úbrigens sehr
nahe steht. Die franzósische Art ist viel rundlicher, breiter und besitzt an
40 Rippen.
aspera Mant. (W. Sch. pag. 132, Fig. 118).
Selten in den Trigoniaschichten von Chotzen und Dolánek bei Turnau.
ovata Rómer bei D'Orb. (D'Orb. Pal. Fr. Terr. cret. pag. 553, Pl. 421,
Fig. 16—20). — Fig. 85.
Bei der Bestimmung unserer Exemplare, welche aus den Trigonia-
schichten von Dolánek, Choroušek und Bóhm.-Trůbau stammen, schwankt
man zwischen L. intermedia d'Orb. (Pl. 421, Fig. 1—5) und zwischen der
Art, welche D'Orbygní als L. ovata Roemer anfůhrt (P. 421, Fig. 16, 11).
In Beziehung auf Form und Verzierung halten unsere Exemplare ziemlich
die Mitte zwischen beiden Arten. Eine Vergleichung mit der von Nilsson
als Plagiostoma ovatum abgebildeten Form, auf welche Romer und D'Orbygni
sich als auf Lima ovata beziehen, ist nicht recht měglich, weil dort die
Sculptur der Schale nicht abgebildet ist.
Unsere Exemplare zeigen etwa 30 feine geknotete Rippen und die
Verzierung der breiten Zwischenráume gleicht dem Abdruck einer groben
Leinwand.
Fig. 85. Lima ovata Rómer? von Bóhm.-Trůbau. a Nat. Grósse. b Schale vergróssert.
Lima dichotoma Reuss. (Verst. d. bóohm. Kreidef. II. pag. 35, Taf. 38, Fig. 10).
Fig. 86 a—d.
Diese in die nahe Verwandtschaft mit Lima Hoperi gehórige Muschel
wurde von Reuss wegen dem Dichotomiren der Rippen nach einem Exem-
plare von Hundorf als eine neue Art ancefůhrt. Aehnliche Formen von
sehr wandelbarer Vertheilung der Rippen finden sich háufig in den Tri-
goniaschichten von Choroušek, Dolánek, bei Turnau in Chotzen, Bóhm.-
Trůbau, Koldín, Desna und Cerekvic, stets mit Lima multicostata zusammen.
Die vertieften punktirten radialen Linien verlaufen stellenweise, ohne zu
115
dichotomiren, bis zum Rande; dichotomirende treten einzeln oder in Gruppen
auf. Bei grossen Exemplaren erreichen mehr als 80 Streifen den Schalenrand.
Oft fehlt die radiale Streifung in der Mitte der Schale oder ist sogar
bloss auf den vorderen und hinteren Rand beschránkt, was aber durchaus
nicht von dem zunehmenden Alter abhánst, indem es bei kleinen Exem-
plaren vorkommt, wáhrend grosse dicht gestreift sind.
Fig. 86. Lima dichotoma Reuss. a Grosses Exemplar in nat. Grósse von Chotzen. 5 Fragment
der Schale desselben Exemplars vergróssert. c Kleines Exemplar mit spárlicher Streifung in nat.
Grósse von Chotzen. d Dasselbe von vorne.
Lima Sowerbyi Geinitz (W. Sch. pag. 133, Fig. 120). — Fig. 87.
Normale kleine Exemplare kommen in den Trigoniaschichten von Chotzen,
Jungbunzlau, Bohm.-Trůbau, Koldín, Písnik ete. vor. Ein grosses, vielleicht
zu dieser Art gehoóriges Exemplar fand ich in den glauconitischen Schichten
am Friedhofe in Chotzen. Es zeigt eine dichte Streifung am vorderen und
hinteren Rande und zwar stárker, als es bei den kleinen Exemplaren der
Fall zu sein pflest.
Pecten Nilssoni Goldf. (W. Sch. pac. 133, Fig. 124). — Fig. 88.
Kommt in breiten echt typischen Exemplaren besonders schón in den
Trigonia-Schichten von Bóhm.-Tribau vor.
Sonst besitzen wir die Art aus den Uebergangsschichten von Třeboutic
und Jiřic, sowie aus den Trigonia-Schichten von Jungbunzlau, Koldín
und Písnik.
Pecten laevis Nilsson. (W. Sch. pag. 133, Fig. 125).
Háufig in den Trigonia-Schichten von Choroušek, Košátek, Čejtic,
Loučkov, Písnik, Lindenau, Chotzen, Bohm.-Trůbau etc.
S*
116
Pecten curvatus (W. Sch. pag. 136, Fig. 127).
Normale kleine Exemplare úberall háufig, wo die kalkigen Trigonia- |
schichten aufgeschlossen sind. Auch in den Uebergangsschichten von Jiřic
und im Zwischenpláner von Kovánec und Řepín.
Pecten Dujardinii Romer. (W. Sch. pag. 136, Fig. 129).
Kommt in den Uebergangsschichten von Jiřice und Třeboutic, in den
Trigoniaschichten von Choroušek, Košatek, Čejtic, Brandeis a. d. Adler und
Bóhm.-Trůbau, in den Bryozoenschichten von Živonín etc. úberall sparsam vor.
Fig. 88. Pecten Nilssoni
Gein. aus den Trigonia-
schichten von Bóhm.-Trů-
bau. Nat. Grósse.
Fig. 87. Lima Sowerbyi Gein. Grosse Varietát aus den
glauconitischen Trigoniaschichten in Chotzen. Nat. Gr.
Pecten serratus Nilss. (Reuss II. pag. 30, Taf. 39, Fig. 19).
Kleine, 33 mm. lange Exemplare haben prachtvolle Negative in den
verwitterten Trigoniaschichten von Brandeis a. d. Adler hinterlassen, ich
olaube aber, dass úberhaupt diese Art bloss den Jugendzustand des P. acu-
minatus darstelit.
Pecten acuminatus Geinitz (Reuss Verst. II. pag. 29, Taf. 39, Fig. 20, 21). —
Big. 89 a—d.
Bis 80 mm. lange Exemplare von Desna zeigen die Form und die
Grósse des P. acuminatus, aber die wohlerhaltene rechte Schale weist
schuppige Verzierungen wie bei P. asper auf (c). Ein kleineres Exemplar
von Loučkov zeigt, dass die linke Schale flach, die rechte gewólbt ist.
Minder gute Exemplare besitzen wir von Zvířetic, Dolánek, Chotzen, Koldín,
Boóohm.-Trůbau etc.
Vola guinguecostata Stol. (W. Sch. pag. 137). — 4g. 90 a, b.
Háufig in allen Lagen der Iserschichten. In den Uebergangsschichten
von Třeboutic, begleitet meist die Rhynchonella plicatilis, wo diese Bánke
im Auader bildet. Háufig in den Trigonia- sowie in den Bryozoenschichten.
Spondylus hystrix Goldf.? — Fig. 91.
Im den an Echinodermen reichen Schichten bei Chotzen kommen Stein-
kerne vor, welche deutlich erkennen lassen, dass die Rippen nicht gleich
117
waren, sondern dass 5—6 viel stárker waren als die anderen, wodurch die
Verwandtschaft zu Sp. hystrix deutlich angedeutet ist.
Diese Art erreichte hier eine bedeutende Grósse, denn die Steinkerne
sind 7 cm. hoch.
Fig. 89. Pecten acuminatus Gein. a Grosses Exemplar von Dolánek, %/, nat. Grósse. b Fragment
der rechten Schale desselben Exemplars. c Ein Exemplar mit beiden Schalen von Loučkov, nat.
Grósse. d Verzierung der linken flachen Schale.
Fig. 90. Vola guinguecostata Stol. a Die gewolbte Schale, % die flache Schale, nat. Grósse, aus
den Trigoniaschichten von Chotzen.
Exogyra conica Sow. (W. Sch. pag. 139, Fig. 134). — F%g. 92 a, db, c.
Diese Art wurde frůher von mir, wo sie Bánke bildend auftritt, als
E. columba angefůhrt. Eine genaue Untersuchung vieler wohlerhaltener
118
Exemplare zeigte, dass alle eine kleinere oder gróssere Anwachsfláche be-
sitzen und daher nicht zu der stets freien E. columba gezáhlt werden
kónnen. Auch die mehr viereckige Gestalt und das stark entwickelte
Schloss weisen auf die Identitát mit E. conica.
In den Trigoniaschichten bildet diese Exogyra Bánke meist in der
Lage 5f des Profiles von Choroušek (Seite 30), doch scheint ihr massen-
haftes Auftreten in den Trigoniaschichten nicht an diese Regel gebunden
zu Sein.
Auch im Adlergebiet kommt sie sůdlich von Chotzen háufie und in
grossen Exemplaren vor. Einzeln bei Desna, Bóhm.-Trůbau ete. Aus den
Bryozoenschichten besitzen wir kleine Exemplare von Zivonín.
Fig. 91. Spondylus hystrix Goldf. Steinkern aus den Trigoniaschichten von Chotzen.
Nat. Grósse.
Exogyra lateralis Reuss. (W. Sch. pag. 140, Fig. 136).
Kommt vereinzelnt in den T'rigoniaschichten von Choroušek, Jung-
bunzlau, Dolánek, Libuň, Chotzen, Brandeis a. d. Adler und Bóhm.-Trůbau
vor; in den Bryozoenschichten von Živonín etc.
d c | a
Fig. 92. Exogyra conica Sow. Aus den Trigoniaschichten von Choroušek. a Von oben, % von
unten, c das Schloss eines grossen Exemplars. Nat. Grósse.
119
, Exogyra (Ostrea) laciniata d'Orb. (D'Orb. III. pag. 159, Taf. 486, Fig. 1—3).
Fig. 95 a, b, c. |
Diese fiir die Iserschichten sehr bezeichnende Art kommt in etwas klei-
neren Exemplaren vor, als das von D'Orbygni abgebildete ist, doch lásst
die Gesammtform, die wellige Verzierung sowie die der Ex. haliotidea áhn-
liche Deckelschale keinen Zweifel darůber, dass unsere Art mit der fran-
zósischen identisch ist. Die ŠSteinkerne sind nach der bedeutenden Hóhe
kenntlich. Diese Art ist in den Trigoniaschichten von Choroušek, Čejtic,
Blatec, Libuň, Knížnic, Písnik, Chotzen, Brandeis a. d. Adler und Bóhm.-
Trůbau háufig. In den Bryozoenschichten von Živonín kommt sie auch vor.
In Frankreich kommt die Art selten im unteren Senon von Saintes (Cha-
rante-Inferieure) vor. Im Deutschland auch in áhnlichem Niveau bei Achen,
Caesfeld, Auedlinburg etc.
Fig. 93. Exogyra laciniata d'Orb. aus den Trigonia-Schichten von Choroušek. a Unterschale von
oben, d dieselbe von unten, c Oberschale eines anderen Exemplares. Nat. Grósse.
Exogyra (Ostrea) Matheroniana dOrb. (Pal. Franc. Terr. Čret. III. pag. 737,
Pl. 485, Fig. 6, 1, 8). — Fig. 94 a, b, c.
Ausser der E. laciniata ist diese Art eine der bezeichnendsten fůr die
Trigoniaschichten. Sie ist an der tiefen Furche kenntlich, welche sich unter-
halb des Kieles der Unterschale hinzieht und auch am Šteinkern deutlich
wahrzunehmen ist.
Ausserdem ist der feingekerbte Manteleindruck (c) auch ein Kennzeichen,
nach dem man selbst Fragmente der Schale erkennen kann.
Unsere Exemplare stimmen mit der kleineren unverzierten Form úber-
ein, welche D'Orbygni in Fig. 6, 7, 8 darstellt und welche er in Saintes
gesammelt hat. In Frankreich ist diese Art fiůir das Senon des Sůdens und
Westens bezeichnend.
Bei uns kommt sie ziemlich háufig in den Trigoniaschichten von Cho-
roušek, Jungbunzlau, Ohraženic, Rohosec, am Fusse des Bósig, in Knížnic,
Chotzen, Koldín und Desna, in den Bryozoenschichten von Živonín ete. vor.
Bei Libichov unweit Jungbunzlau, sowie am Fusse des Bósig und Roll ist
sie untermischt zwischen die kleine massenhaft auftretende Varietát der
O. hippopodium.
120
Ostrea diluviana Linné (Reuss II. pag. 38, Taf. 30, Fig. 16, 17. — Geinitz
Elbthalgeb. pag. 176, Taf. 39, Fig. 1—3). — Big. 95 a, b, c.
Da O. diluviana bei uns in Bohmen als ein Leitpetrefact fůr die ceno-
manen Korycaner Schichten betrachtet wurde, so waren wir frůher geneist,
Fig. 94. Exogyra (Ostrea) Matheroniana dOrb. a Unterschale von Choroušek, nat. Grósse. b Des-
gleichen. c Fragment der Unterschale von innen mit dem gekerbten Manteleindruck.
Fig. 95. Ostrea diluviana Linné, aus den Trigoniaschichten in der Náhe von Můnchengrátz.
2 Nat. Grósse. a Oberschale von oben, d ein ganzes Exemplar von vorne, c Unterschale
von innen.
i
121
die áhnlichen in den aus den Trigoniaschichten stammenden Exemplaren die
Ostrea santonensis d'Orb., welche aus den Senonen-Schichten Frankreichs
als eigene Art angefihrt wurde, wiederzuerkennen. Zahlreiche schón erhal-
tene Exemplare, welche wir aus der Gegend von Můnchenerátz erhielten,
zeigten aber nicht den fůr O. santonensis als bezeichnend angefůhrten
schmalen Schlossrand. Da úberdiess die Abtrennung der Arten (die mehr
nach der Verschiedenheit des Alters der Fundorte aufgestellt wurden) keine
Anerkennung findet und von Geinitz auch O. santonensis wieder zu O. dilu-
viana gezogen wird, so můssen wir uns auch der Thatsache fůgen, dass
diese cenomane Art plótzlich wieder in den viel jiingeren Iserschichten
auftritt,
Fragmente besitzen wir auch aus den Trigoniaschichten von Choroušek,
Jungbunzlau und Chotzen. Die Exemplare von Můnchengrátz lagen in einer
Masse, die aus lauter Coprolithen von Seeigeln besteht.
Ostrea frons. Park. (Geinitz Elbthalgeb. II. pa«. 30, Taf. 8, Fig. 12). — Fig. 96 a, b.
Sehr verschieden geformte kleine Austern aus der Verwandtschaft der
O. carinata kommen bei uns sowohl in den Trigonia- als auch in den Bryozoen-
b a
Fig. 96. Ostrea frons Park. aus den Bryo- Fig. 97. Ostrea semiplana var. Kurze Va-
zoenschichten v. Živonín. 2mal vergróssert. rietát aus den unteren Trigonia-Schichten
a Oberschale von oben, » dieselbe von innen. bei Schirmdorf. Nat. Grósse.
schichten vor. Man fihrt solche Formen meist unter dem Namen 0. frons
an, welche nach Geinitz auch durch Uebergánge mit O. carinata verbunden
sein soll. Manche Exemplare áhneln auch Jugendzustánden von O. semiplana.
Wir besitzen Exemplare von Choroušek, Čejtic, Jungbunzlau, Písnik, Knížnic,
Chotzen, Bóohm.-Trůbau, Brandeis a. d. Adler etc.; aus den Bryozoenschichten
von Živonín etc. |
Ostrea semiplana Sow. (W. Sch. pag. 141, Fig. 138). — Fig. 97 var.
Normale Exemplare kommen an vielen Orten in den Trigoniaschichten
vor. Oft zeigt sich, dass sie gruppenweise an den Stángeln irgend eines
Spongiten oder Fucoiden angewachsen waren (Chotzen).
Eine fast gleich breite als lange Varietát (Fig. 97) kommt ziemlich
constant in den tieferen Lagen der Trigoniaschichten vor und scheint einen
gewissen Horizont anzudeuten.
122
Ostrea Hippopodium Nilss. (W. Sch. pag. 140, Fig. 137). — Fig. 98.
Eine kleine Varietát kommt stellenweise in grosser Menge als kleine
Austernbank vor, z. B. am Fusse des Bósigberges und bei Libichov (unweit
Jungbunzlau) und zwar in dem Gestein, wo auch Serpula socialis so háufig
ist. Gróssere gewoóhnliche Exemplare, sowie die vesicularis-Form kommen
in den Trigoniaschichten in Choroušek, Dolánek, Knížnic, Písnik, Chotzen,
Koldín, Brandeis a. d. Adler und Bóhm.-Trůbau vor.
Fig. 98. Ostrea Hippopodium Nilss.
Fig. 99. Anomia? sp. aus
dem Sandstein v. Auscha.
2mal vergróssert.
Anomia subtrunecata d'Orb. (W. Sch. pag. 141, Fig. 139).
Ziemlich háufig in den Trigonia- und Bryozoenschichten fast an allen
grůndlicher untersuchten Localitáten.
Anomia semiglobosa Gein. (W. Sch. pag. 142, Fig. 141).
Einzeln in den Trigoniaschichten von Chotzen und Bóhm.-Trůbau.
Anomia subradiata Reuss (W. Sch. pag. 143, Fig. 143).
Sehr schóne grosse Exemplare, welche bei einer monographischen Be-
arbeitung eine besondere Beachtung verdienen werden, lieferten die Trigonia-
schichten von Chotzen und die Sammlung des Herrn Apothekers Hlaváč
enthált eine Prachtgruppe an einer Limaschale aufeewachsen. Einzeln kommt
die Art in Choroušek, Čejtic, Desna und Bóhm.-Trůbau vor.
Anomia? sp. — Fig. 99.
Eine flach gewólbte radial gerippte Anomia, von der man schwer ent-
scheiden kann, ob die Form nicht von der Muschel abhángig ist, auf welcher
die Art befestigt war, fand sich im Ouadersand bei Auscha und ein anderes
Exemplar, wahbrscheinlich die Unterschale, in Brandeis a. d. Adler.
Etwas Aehnliches fůhrt Stolička als Anomia variata aus der Arioloor-
Gruppe an.
Anomia imitans Fr. (W. Sch. pag. 142, Fig. 140).
Einige Exemplare kamen in den tieferen Lagen der Trigoniaschichten
bei Chotzen vor.
Brachiopoda.
Magas Geinitzii Schl. (W. Sch. pag. 145, Fig. 148).
Kommt einzeln an wenigen Localitáten der Trigoniaschichten in Cho-
roušek, Košátek, Chotzen und Bóhm.-Trůbau vor. Etwas háufiger in einer
1253
Schichte des Čejticer Profils (Seite 41, Flg. 23). In den Bryozoenschichten
von Zivonín, Vtelno ete. auch nur sehr sparsam.
Rhynchonella plicatilis Sow. (W. Sch. pag. 144, Fig. 140).
Bildet eine máchtige Bank zuerst in den Byšicer Uebergangsschichten
an der Basis des ersten Kokořiner Guaders, z. B. bei Zimoř (Seite 9).
Stellenweise kommen auch an Rhynchonellen reiche Schichten auch hóher
im Zwischenpláner, sowie in den hóheren Lagen der Trigoniaschichten
(Choroušker Profil pag. 30, Fig. 17, Lage 6, 8) vor. Die Exemplare aus
den Byšicer Schichten sind die gróssten, nach oben hin werden sie immer
schwáchlicher.
© Rhynchonella Cuvieri Schl. (Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 27, Taf. 7, Fig. 12, 13).
| Big. 100.
Kleine Exemplare dieser Art kommen als Seltenheit in den Bryozoen-
schichten von Vtelno in Gesellschaft mit R. Mantelliana vor, ganz áhnlich
wie in den Teplitzer Schichten bei Koštic. Dadurch, dass diese von Geinitz
bloss als Varietát der R. plicatilis betrachteten Formen bei uns in Boóhmen
| einen gewissen Horizont bezeichnen, verdienen sie eine besondere Beachtung.
Fig. 100. Rhynchonella Cuvieri Schl. Fig. 101. Rhynchonella Mantelliana
aus den Bryozoenschichten v. Vtelno, aus den Bryozoenschichten v. Vtelno,
4mal vergróssert. | vergróssert.
Rhynchonella Mantelliana Gein. (Reuss Verst. II. pag. 48, Taf. 25, Fig. 21, 22,
Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 27, Taf. 7, Fig. 11). — big. 101.
Sehr selten mit der vorigen Art in den Bryozoenschichten von Vtelno.
Terebratula sp. Ein Bruchstůck einer grossen Terebratula aus der Verwandt-
schaft der T. nerviensis d'Arch. wurde in den Trigoniaschichten von Do-
lánek (Seite 46, Fig. 25, 2) gefunden.
124
Bryozoa.
Bezůglich der Bryozoen verweise ich auf das Náhere an die Arbeit des
Dr. Ot. Novák: „Beitráge zur Kenntniss der Bryozoen der bóhm. Kreideforma-
tion.“ Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften. Wien 1877. (Auch als
Separatabdruck zu haben.)
Die Abbildungen, die ich hier beniitzte, sind dem Werke des Hrn. Dr. Novák
entnommen.
Ausser den hier angefiihrten Arten entdeckte Herr Pražák seit der Publica-
tion des Hrn. Dr. Novák noch eine Reihe von Bryozoenarten, welche erst griůndlich
untersucht werden můissen.
Hippothoa labiata Nov. (Taf. III. Fig. 1—5, page. 10). — Fig. 102.
Kommt in den Trigoniaschichten von Choroušek in den Lagen 2, 3 und 5
und schon im Zwischenpláner vor.
Biflustra Pražáki Nov. (Novák Beitráge pag. 18, Taf. III. Fig. 20—25). — Big. 105.
Eine der háufigsten Arten sowohl in den Trigonia- als auch in den
Bryozoenschichten. Aus den ersteren besitzen wir sie von Choroušek, Čejtic,
Jungbunzlau, Chotzen, Brandeis a. d. Adler etc., aus den letzteren von
Živonín, Vtelno, Gross-Újezd etc.
Fig. 102. Hippothoa labiata Nov. A in nat. Fiw, 103. Biflustra Pražáki Nov. von Cho-
Grósse. B Vergróssert von oben. C Seit- roušek. „A Nat. Grósse. B Vergróssert.
liche Ansicht einer vergrósserten Zelle. C Auerschnitt. D Eine Zelle stark ver-
gróssert.
Diastopora acupunectata Nov. (Taf. VI. Fig. 1—14, pag. 23). — Fig. 104.
Kommt schon in den Korycaner Schichten von Kamaik vor. In den
Trigoniaschichten von Choroušek (1) und in den Bryozoenschichten von
Gross-Újezd, Živonín etc.
Proboscina Bohemica Nov. (Novák Beitráge pase. 25, Taf. V. Fig. 24, 25). —
Fig. 105.
Kam auf einer Austernschale in den Bryozoen-Schichten von Gross-
Újezd vor.
Proboscina Suessi Nov. (Novák Beitráge pag. 27, Taf. V. Fig. 14—19).
Tritt schon in Kamaik auf und kam nun auch in den Bryozoenschichten
von Gross-Újezd vor.
125
Entalophora Geinitzii Reuss. (Nov. Beitráse pag. 31, Taf. VII. Fig. 1—10). —
Fig. 106.
Háufig in den puaRěnšáhotiohné von Choroušek und in den Bryozoen-
| schichten von Vtelno und Gross- -Újezd.
- Fig. 104. Diastopora acupunctata Nov. a Nat. Grósse, b eine Gruppe Zellen vergróssert, c drei
Zellen stark vergróssert.
Fig. 105. Proboscina Bohemica Nov. aus den Bryozoenschichten von Gross-Újezd. a in nat. Gr.
b Vergróssert.
Fig. 106. Entalophora Geinitzii Reuss. a Aus den Bryozoenschichten von Vtelno, in nat. Grósse.
b Vergróssert.
Entalophora raripora d'Orb. (Nov. Beitráge pag. 32, Taf. VIII. Fig. 1—5, Taf. X.
Fig. 1—2). — Fig. 107.
Gehórt zu den Arten, welche bisher bloss in den Bryozoenschichten bei
uns vorkamen.
1206
Spiropora verticillata Goldf. sp. (Nov. Beitráge pag. 34, Taf. VIII Fig. 7—12).
Fig. 108.
Diese Art fand schon Prof. Reuss in den cenomanen Schichten von Weiss-
kirchlitz und den Schillingen bei Bilín. Wir besitzen sie bloss aus den Bryo-
zoenschichten von Hlavno, Gross-Újezd, Živonín und Vtelno.
Fig. 107. Entalophora raripora d'Orb. aus den Bryozoenschichten von Gross-Újezd.
Fig. 108. Spiropora verticillata Fig. 109. Truncatula tenuis Nov. aus den Bryozoen-
Goldf. Aus den Bryozoen-Sch. Schichten von Gross-Ujezd.
von Gross-Ujezd.
Fig. 110. Heteropora magnifica Nov. Fig. 111. Petalophora seriata Nov. von
aus den Trigoniaschichten von Bran- Choroušek. a Nat. Grósse, b vergróssert.
deis a. d. Adler.
i
!
121
Truncatula tenuis Nov. (Nov. Beitráge pag. 37, Taf. X. Fig. 9—14). — Hig. 109.
Kommt schon in den tiefsten Lagen der Trigoniaschichten (1) vor und
dann in den Bryozoenschichten von Hlavno, Živonín und Vtelno.
Heteropora magnifica Nov. (pag. 39, Taf. IX. Fig. 1, 2). — Fig. 110.
Bildet in den tiefen Lagen der Trigoniaschichten bei Dolánek (Profil
Fig. 29) faustgrosse Knollen und kommt auch sonst in grossen Exemplaren
in Brandeis a. d. Adler und in Rovensko vor.
Petalophora seriata Nov. (Novák Beitráge pag. 41, Taf. IX. Fig. 21—28, Taf. X.
Fig. 3—4). — Fig. 111.
Sehr verbreitet in den Iserschichten sowohl in den Trigonia-Schichten
(1, 5, 7) als auch in den Bryozoen-Schichten von Hlavno, Živonín, Gross-
Újezd, sowie in Lindenau béi Bohm.-Leipa.
Osculipora plebeia Nov. (pag. 36, Taf. X. Fig. 16—34).
Wurde unlángst von Herrn J. Pražák auch in den Bryozoen-Schichten
von Živonín entdeckt.
Crustacea.
Ich besitze drei Krabbenschilder aus den Trigoniaschichten von Jungbunzlau,
Bóhm.-Trůbau und Landskron (von H. Em. Erxleben), welche bereits auf einer
Tafel des von mir vorbereiteten Werkes úber Crustaceen der bóhm. Kreideforma-
tion abgebildet sind, die ich aber jetzt noch nicht mit Namen zu bezeichnen im
Stande bin.
Callianassa antigua Otto (Geinitz Auadersandsteingeb. Taf. II. Fig. 2—5. —
Fr. úber die Callianassen der boóhm. Kreideform. Abhandl. der k. b. Gesell-
schaft der Wissensch. Band XV. 1867 pag. 7, Taf. II. Fig. 1—06). — Fig. 112.
Diese Crustacee, welche uns stellenweise Massen von Šcheeren in den
Ablagerungen der Iserschichten hinterlassen hat, wurde bisher in der Gegend
von Choroušek nicht nachgewiesen und es ist daher noch ungewiss, in welcher
Lage des Profiles sie hauptsáchlich auftritt.
Fig. 112. Callianassa antigua Otto. Ein fast ganzes Exemplar aus den Trigoniaschichten von
Bóhm.-Trůban. Nat. Grósse.
128
Man trifft sie zuerst in einem Šteinbruche sůdlich von Kuttenthal und
dann úberall im Iserthale von Zámost bis Turnau. Bei Dolánek (Profil
Fig. 25) úberzeugte ich mich, dass ihr háufigstes Auftreten in den hoheren
Lagen der Trigoniaschichten unterhalb der Exogyrenbank zu suchen ist, also
etwa Nro. 5 des Choroušker Profils. Bei Chotzen liegen im Báč's Steinbruch
die Callianassen meist unterhalb der an Lima multicostata und Hemiaster
plebeius reichen Schichten, in Leitomischel, oberhalb der Exogyrenbank.
Ganze Exemplare fand ich bloss bei Bóohm.-Trůbau gegen Abtsdorf hin.
Ausser den schon genannten Localitáten fand ich diese Art bei Čejtic,
Jungbunzlau, Bakov, Sichrov, Ohraženic, Rohosec, Koldín, Brandeis an der
Adler, Písnik bei Bohm.-Leipa, Lindenau etc.
Vermes.
Serpula socialis Goldf. (S. filiformis Sow.) (Reuss Verst. I. pag. 20, Taf. 5, Fig. 206,
Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 200, Taf. 37, Fig. 2). — Big. 115.
Diese sehr verbreitete Art tritt in den Trigoniaschichten schon in der
1. und 2. Lage bei Choroušek auf, erscheint aber in Menge erst in den
jingeren Lagen; so z. B. bei Zámost oberhalb des Podvinecer Bausteins
Profil Fig. 22) bei Chotzen in den hochsten Partien des Báč's Steinbruches,
dann bei Bóhm.-Trůbau und Desna.
Fig. 113. Serpula socialis Goldf. aus den Trigoniaschichten von Jungbunzlau. Nat. Grósse.
Serpula ampulacea Sow. (Reuss I. pag. 20, Taf. 5, Fig. 22, Taf. 24, Fig. 6, 7.
Geinitz Elbthalgeb. I. pag. 284, Taf. 63, Fig. 10—12. II. Taf. 37, Fig. 6—9).
Fig. 114.
Kommt einzeln in Choroušek, Jungbunzlau, Chotzen und Bóhm.-Trůbau
vor. Die áusserste Schale bleibt meist am Gestein hángen, so dass man
bloss die tiefere Schichte oder den Steinkern herausbekommt.
Serpula macropus Sow. (S. triangularis Goldf. Pl. 70, Fig. 4. Geinitz Elb-
thalgeb. II. pag. 201, Taf. 37, Fig. 10—12). — Fig. 115.
Diese am Durchschnitt dreieckige Art findet sich meist an der Innenfláche
der Schale grosser Ammoniten, Nautilen, Inoceramen u. s. w. angewachsen,
= 27 S
129
so dass die Steinkerne derselben die breite Basis der Serpularohre an ihrer
A Oberfláche zeigen. Exemplare mit Schale sind selten in Choroušek, Dalovic,
| Chotzen und Písnik.
bad
|
| =
a b
Fig. 114. Serpula ampulacea Sow. von Fig. 115. Serpula macropus Sow. aus den Tri-
Choroušek. a Nat. Grósse, b Fragment goniaschichten von Choroušek. a Nat. Grósse,
d. Schale vergróssert, die Mittelschichte b ein Fragment der Schale vergróssert.
zeigend.
Serpula gordialis Schlott. (Goldfuss T. 71, Fig. 4, Reuss I. pag, 19, Taf. 22,
Fig. 11, Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 200, Taf. 37, Fig. 3, 4).
Selten in Choroušek und Brandeis a. d. Adler.
Echinodermata.
Die hier angefůhrten Arten wurden von Dr. O. Novák bestimmt und nach
'Tafeln, welche derselbe fůr ein grosses Werk úber die Echinodermen der bóhm.
Kreideformation angefertigt hat, gezeichnet. Einen vorláufigen Bericht veróoffent-
lichte Dr. Novák úber die Echinodermen der Iserschichten in den Sitzungsberichten
der k. bóhm. Gesellschaft der Wissenschaften 10. November 1882. Das Material
verdanken wir grósstentheils dem Herrn Landtagsabgeordneten J. Pražák.
Antedon sp. Sowohl Stielglieder als auch die als Glenotremites bekannte Basis
des Kelches wurden, obzwar sehr selten, in den Trigonia- und Bryozoen-
schichten der Umgebung von Choroušek gefunden.
Cidaris ef. Vendocinensis Ag. — Fig. 116.
Ein ganzes wohlerhaltenes Exemplar wurde vor Jahren in den tieferen
mergligen Lagen der Iserschichten in Sedlovic bei Sichrov gefunden.
Fig. 116. Cidaris cf. Vendocinensis Ag. von Sedlovic bei Sichrov. Eine Tafel in nat. Grósse.
(Cidaris subvesiculosa d'Orb. Stacheln fanden sich bei Choroušek und Chotzen.
Cyphosoma radiatum Sorig. (Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 8, Taf, 2, Fig. 7—10).
Ganze Exemplare in den Trigonia-Schichten von Choroušek und den
Bryozoenschichten von Zivonín etc.
9
130
Cyphosoma sp. Eine áhnliche, aber in der Form der Porenreihen abweichende
Art. Kommt mit der vorigen, ausserdem auch bei Bóhm.-Trůbau vor.
Glyphocyphus sp. Kleine Exemplare dieser Gattung fand Herr Pražák bei Cho-
rušic, Živonín, Vtelno und Gross-Újezd.
Fig. 117. Holectypus Turonensis Desor. aus den Bryozoenschichten von Živonín. Nat. Grósse.
a Von oben, b von unten.
Holectypus Turonensis Desor. — Fig. 117.
Mehrere Exemplare liegen aus den Bryozoenschichten von Živonín vor.
Cardiaster ananchytis d'Orb. (Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 10, Taf. 3, Fig. 4,
Taf. 4, Fig. 7). — Fig. 118.
Einzeln in den Trigoniaschichten von Husovodol bei Choroušek, in
Chotzen und Bóhm.-Trůbau, sowie in den Bryozoenschichten von Vtelno.
Holaster elongatus Nov. Eine neue Art aus den Bryozoenschichten von Vtelno.
a b
Fig. 118. Gardiaster ananchytis d'Orb. aus den Trigoniaschichten von Chotzen. Nat. Grósse.
a Von oben, b von vorne.
Micraster Michelini Ag. — F%g. 119.
Eine fůr die Iserschichten sehr bezeichnende Art. Findet sich sowohl
in den Trigoniaschichten von Choroušek, Čejtic, bei Jungbunzlau und in
Knížnic. Massenhaft mit Hemiaster plebeius bei Chotzen, aber stets ohne
Schale. Auch in den Bryozoenschichten von Živonín und Vtelno.
Hemiaster plebeius Nov. — Fig. 120.
Eine sehr verbreitete und háutige Art; kommt mit der vorigen Art an
denselben Localitáten vor. Wáhrend des Schotterschlagens kann man bei
Chotzen Hunderte von Šteinkernen von den Arbeitern erhalten.
131
"Catopygus Pražáki Nov. Eine neue Art aus den Bryozoenschichten von Vtelno.
Catopygus Albensis Gein. (Geinitz Elbthalgeb. II. pas. 9, Taf. 3, Fig. 1). —
Pig. 121.
In den Trigoniaschichten von Choroušek, Záměkt Bohm.-Trůbau und
Desna; in den Bryozoen-Schichten von Vtelno und Živonín. Diese Art
kommt bei uns bereits in den Korycaner und Malnitzer Schichten vor.
Fig. 120. Hemiaster plebeius
Fig. 119. Micraster Michelini Ag. Steinkern aus den Tri- Nov. Steinkern aus den Tri-
der Seite. Nat. Grósse.
: goniaschichten von Chotzen. Nat. Gr. a Von oben, von goniaschichten von Chotzen.
|
Catopysus fastigatus Nov. — Fig. 122.
Eine neue Art, welche schon in den Malnitzer Schichten auftritt,
im Zwischenpláner sich wiederholt, dann in den Trigoniaschichten von Cho-
roušek und Husovodol, in den Bryozoenschichten von Živonín und Vtelno
vorkommt.
Fig. 121. Catopygus Albensis Gein. von Choroušek. a Von oben bd von der Seite. Nat. Gr.
: a
| Fig. 122. Gatopygus fastigatus Nov. von Choroušek. Nat. Grósse. a Von oben, d von der Seite.
Nuecleolites bohemicus Nov. — F%g. 125.
Diese Art, welche wir frůher bei Hiůchtiger Betrachtung fůr den Cassi-
dulus lapis cancri hielten, verleitete uns seinerzeit die Iserschichten mit
dem Exogyrensandstein von Malnitz parallelisiren zu wollen. Sie kommt in
9*
den Trigoniaschichten von Choroušek und ziemlich háufig in den Bryozoen-
schichten von Živonín, Vtelno, Kanina, Gross-Újezd und Sedlec vor.
Caratomus Laubei Nov. — Hg. 124.
Kommt schon in den Trigoniaschichten von Choroušek, hinnc in den
Bryozoenschichten von Živonín, Gross-Újezd, Kanina, Sedlec und Vtelno vor.
Fig. 124. Caratomus Laubei Nov. aus den
Bryozoen-Schichten v. Vtelno. a Von unten,
Fig. 123. Nucleolites bohemicus Nov. aus b von oben 2mal vergróssert.
den Bryozoenschichten von Zivonín, 5mal
vergroóssert.
Stellaster (Asterias) tubereulifera Drescher. (Ueber die Kreidebildungen der
Gegend von Lówenberg, Zeitschr. der deutsch. geol. Ges. Band XV. pag. 360,
Taf. VIII. Fig. 5). — Big. 125.
Ein fast ganzes Exemplar erhielten wir vom Herrn Ober-Ingenieur
Swoboda, welcher es bei Bohm.-Trůbau gesammelt hat. Dem Gestein nach
stammt das Exemplar aus den tieferen Trigoniaschichten aus einem Ein-
schnitte zwischen Bóohm.-Trůbau und Wildenschwert.
a
Š
Fig. 125. Stellaster (Asterias) tuberculifera Drescher. Von Bohm.-Trůbau. Nat. Grósse.
133
Coelenterata.
Micrabatia coronula Goldf. sp. Einzeln in den Trigoniaschichten v. Choroušek,
Chotzen und Lindenau.
PPlocoseyphia labyrinthica Reuss. (Verst. der bóhm. Kreideform. II. pag. 11,
Taf. 18, Fic. 10). — F%g. 126.
Tritt háufig in den tieferen Lagen der Trigoniaschichten bei Chotzen
auf, wo aber ihre Masse meist ©anz zerstórt ist und man nur nach der
Hónlung in dem plánrigen Gestein auf die ehemalige Form des Schwammes
schliessen kann. Bei Untersuchung des geschlemmten und mit Salzsáure
práparirten Inhaltes dieser Hohlungen erhált man die fůr diese zu den
Hexactinelliden gehórige Gattung charakteristischen Kieselgebilde.
P
Fig. 126. Plocoscyphia labyrinthica Reuss. a Hóhlung nach derselben, ?/, nat. Grósse. b Kiesel-
gebilde aus der Hóhlung stark veroróssert.
Hexactinellidae gen. indet. Zusammen mit der Plocoscyphia kommen auch
walzenfórmige bis 10 cm. lange Spongien vor, welche stark durch Braun-
eisenstein zerstort sind und nur schwache Spuren von Kieselgebilden
lieferten, welche auf ihre Stellung bei den Hexactinelliden hinweisen.
Andere unregelmássic walzenfórmige Spongien kommen háufig in den
olauconitischen Trigoniaschichten beim Friedhofe in Chotzen vor, Wo sie
alle horizontal liegen und bis 20 cm. Lánge erreichen. Herr Ph. Počta,
welcher sich nun eingehend mit dem Studium dieser Schwámme bescháftigt,
vermuthet, dass sie zur Gattung Isoraphinia gehóren.
Ventriculites angustatus Róm. sp. (Scyphia angustata Róm., Reuss Verst. II.
pas. 74, Taf. 17, Fig. 11).
Háufig in den zur Ackerkrume verwitterten Bryozoenschichten bei
Bezno (Jungbunzlau).
134
Ventriculites radiatus Mant. (Cribrospongia radiata, Geinitz Elbthalgeb. II.
pag. 3, Taf. 1, Fig. 1, 8. — ŠScyphia radiata Reuss Verst. IL pag. 14,'
Taf. 17, Fig. 14).
In den glauconitischen Trigoniaschichten beim Friedhofe in Chotzen,
sowie in den Dryozoenschichten von Nemeslovic und Bezno.
Vioa Exogyrarum Fr. Die Schalen der Exogyren, welche von diesem Bohr-
schwamm angegriffen sind, zeigen auf der Oberfláche runde Oeffnungen
von 3—4 mm. Durchmesser in ziemlich regelmássicen Abstánden von ein-
ander, so dass es das Aussehen hat, als wáren sie mit Schrott angeschossen.
Fig. 127. Vioa catenata Fr. In einer Limaschale bohrend. Von Desna. Nat. Grosse.
Vioa catenata Fr. — /%g. 127.
In den Schalen der Lima canalifera bei Desna, Bohm.-Trůbau und Da-
lovic fand ich netzfórmig verástelte Bohrschwámme, welche durch knoten-
artige Anschwellungen ein kettenfórmiges Aussehen bekommen. Ob diese
Bohrschwámme identisch sind mit Clyona Conybearei Bronn sp., von welcher
Geinitz (Elbthalgeb. II. pag. 233, Taf. 36, Fig. 6, T) erwáhnt, dass sie auf
Steinkernen von Lima vorkommt, můssen erst genaue Untersuchungen sicher-
stellen. Der Gesammthabitus ist bei unseren Exemplaren ein ganz ver-
schiedener.
Fig. 128. Spongites saxonicus Gein. Aus den Trigoniaschichten von Jungbunzlau. Nat. Grósse.
Vioa miliaris Fr. Neben der Vioa Exogyrarum kommen noch bei Choroušek
Bohrschwámme vor, welche an der Oberfáche nur sehr feine dichtstehende,
wie Nadelstiche aussehende Oeffnungen hinterliessen.
Eine eingehende Untersuchung dieser beiden Bohrschwámme wird von
H. Počta durchgefůhrt werden.
135
- Spongites saxonicus Gein. (Elbthalgeb. I. pag. 21, Taf. 1). — Fig. 128.
| Kommt in allen Lagen der Iserschichten vor, aber unsere Exemplare
sind nicht so gut erhalten, um zur definitiven Lósung der Frage, ob diess
wirklich ein Schwamm sei, verwendet werden zu kónnen.
An den birnfórmigen Anschwellungen gewahrt man oben eine hóckrige
Oberfláche und an der unteren Fláche (Ohraženic) zieht sich der Lánge
nach eine schmale rundliche Leiste, welche sich auch auf die sich dicho-
tomisch geweihartig verzweigenden Aeste verfolgen lásst.
Eoraminifera.
Flabellina elliptica Nilss. (W. Sch. pag. 149, Fig. 152).
Selten in den obersten Lagen der Trigoniaschichten von Choroušek,
Čejtic, Ohraženic, Chotzen und Desna.
Frondicullaria sp. Sehr selten in den Trigoniaschichten von Brandeis a. d. Adler.
Cristellaria rotulata Lam. (W. Sch. pag. 149, Fig. 154).
Einzeln in den hóchsten Lagen der Trigonia-Schichten von Chotzen.
Ausser diesen drei grósseren Arten zeigen sich beim Schlámmen von
meroligen Lagen zahlreiche kleine Foraminiferen-Arten, zu deren Bearbei-
tung aber jetzt nicht geschritten werden konnte, da dieselbe nur im Zu-
sammenhang mit allen Foraminiferen unserer Kreideablagerungen nutzbrin-
gend werden kann.
Plantae “*?
Fucoides funiformis Fr. — /%g. 129.
Unter diesem Namen fasse ich zweierlei sehr verschiedene Gebilde zu-
sammen; erstens flache strickfórmige, sich verzweigende, oft wie ein Geweih
aussehende Aeste und zweitens knollige bis fausterosse kegelfórmige, in der
Mitte genabelte Hócker, von denen die langen Aeste entspringen. Ich hatte
fůr diese Hócker, welche in dem Adlergebiete in den tieferen Trigonia-
schichten sehr verbreitet sind, schon einen hůbschen Namen Fucotruncus
umbonatus vorbereitet, als ich an mehreren Exemplaren, von denen ich in
Fig. 129 f eins abbilde, mich úberzeuste, dass diess nur die Štamm- oder
Wurzelhócker der strickfórmigen Aeste sind.
Die Basis der Hócker, nach deren Abschlagen von dem Gestein, aus
dem sie hervorragen, zeigt ein schwammiges Aussehen (Fig. 129e); es ge-
lang aber nicht, irgend welche Kieselgebilde darin nachzuweisen.
Spátere Untersuchungen werden erst dieses ráthselhafte Gebilde auf-
kláren.
Fucoides? columnaris Fr. — Fig. 190.
So bezeichne ich vorderhand sáulenfórmice Kórper mit runzliger Ober-
fláche, welche in den máchtigen Bánken der sandig-kalkigen Iserschichten
senkrecht bis 1 Meter und mehr sich verfolgen, nicht dichotomiren und
von ganz rundem oder nur schwach comprimirtem Auerdurchmesser sind.
136
Bei Betrachtung dieser eigenthůmlichen Erscheinung, wie man sie bei
Alt-Benatek, Sušno, Zamost u. s. w. zu beobachten Gelegenheit hat, kam
ich auf den Gedanken, dass diess Wurmróhren von irgend einer riesigen
Arenicola selen. Der Umstand, dass die Basis dieser Sáulen aber etwas
gekrůmmt und erweitert zu sein pflegt, spricht eher dafir, dass diess
Planzenstángel sein důrften.
Fig. 129. Fucoides funiformis Fr. « Ein sich verzweigender strickformiger Ast, '/, nat. Grósse.
b Fragment desselben mit (Yuerrunzeln, nat. Grósse. c Auerschnitt, nat. Grósse. d Wurzelhócker
mit Nabel von oben, nat. Grósse. e Schwammige Basis des Hóckers. f Ein genabelter Hócker,
von dem ein strickfórmiger Ast entspringt, '/; nat. Gr. (Alles aus den tieferen Trigoniaschichten
beim Friedhofe in Chotzen.)
Fucoides cauliformis Fr. — Fťg. 191.
Comprimirte hohle Stángel mit unregelmássigen Lángsfurchen áhneln
aufallend den getrockneten Stángeln grosser Laminarien und ich bin hier
fest úberzeugt, dass wir es hier mit einem Pflanzenreste zu thun haben.
Diese Gebilde halten einen ganz genauen Horizont Nro. 5 des Choroušker
Profils ein und sind in der Umgebung von Choroušek nicht selten.
Fucoides? strangulatus Fr. (Hamites strangulatus dOrb., H. intermedius Gein.)
Fig. 152. |
Dieses ráthselhafte Ding wurde nach dem im Ouader der Chlomeker
Schichten bei Neusorge vorgefundenen Exemplar als ein Hamites beschrieben.
131
Unsere Exemplare aus den Iserschichten lassen keine Spur von Lobenzeich-
nung erkennen, dafůr aber einen lichtgriůinen erdigen Ueberzug, wie er ofters
k
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JN in den Teplitzer Schichten an entschieden pflanzlichen Resten vorkommt.
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i Fig. 130. Fucoides columnaris Fr. Fig. 131. Fucoides cauliformis Fr. a Fragment mit
-Fragment in nat. Gr. von Chotzen. ausgefůllter Hóohlung von Choroušek, nát. Grósse.
M b Guerschnitt.
; ,
os
VÁ
x
>
Fig. 132. Fucoides? strangulatus Fr. « Aus den Trigoniaschichten von Leitomischel, > von Cho-
roušek, c von Schellesn. Nat. Grósse.
Auch die ganze Form des besten Exemplares aus der Gegend von Leito-
mischel lásst eher einen gekerbten Fucoidenstángel als ein Cephalopoden-
ceháuse vermuthen. Ich fand diese Versteinerung an der Basis des ersten
Kokořiner Auaders bei Schellesn, Herr Pražák bei Choroušek, Prof. Bárta
bei Leitomischel.
Schlussbemerkunc.
K
Ueberblickt man die Fauna der Iserschichten und verseleicht dieselbe mit
den zunáchst álteren Weissenberger und Malnitzer Schichten, so ist vor Allem
die viel geringere Anzahl von Haifischen auffallend, deren Vorkommen zumeist
nur auf sehr vereinzelnte Funde beschránkt ist. Auch die úbrigen Fischreste
kommen nur selten an wenigen Localitáten vor.
Von Cephalopoden ist bloss Ammonites peramplus allgemein verbreitet und
das in kráftigen, oft riesigen Exemplaren, alle iúbrigen kommen nur einzeln vor.
Unter den Gastropoden ist nur Turritella Fittoniana eine immer wieder-
kehrende Erscheinung und Turbo Goupilianus war den Weissenberger und Mal-
nitzer Schichten ganz fremd, obzwar ganz dhnliche Formen schon in den Kory-
caner Schichten vorkommen.
Die Pelecypoden sind sehr vorherrschend, Crassatella, Cyprina, zahlreiche
Lima- und Exogyra-Arten treten in den Vordergrund. Auffallend ist das stellen-
weise Vorkommen der cenomanen Ostrea diluviana, sowie das Fehlen der echten
Exogyra columba, welche hier durch E. conica vertreten wird.
Brachiopoden sind mit Ausnahme der Rh. plicatilis sehr selten, dafůr die
Bryozoen in den jůngeren Schichten sehr háufig und weit verbreitet. Von Cru-
staceen tritt bloss Callianassa massenhaft auf, wáhrend Enoploclythia ganz zurůck-
getreten ist, um dann in den jingeren Teplitzer Schichten wieder zu erscheinen.
Unter den Wůrmern ist Serpula socialis zu erwáhnen, welche in keiner an-
deren Schichte der bohm. Kreideformation so massenhaft vorkommt, als in manchen
Lagen der Iserschichten.
Zinen grossen Reichthum an Arten und Individuen weisen die Echinodermen
auf, welche in den zunáchst tieferen Schichten sehr vereinzelnt vorkamen.
Von Foraminiferen kommen nur 3 gróssere Arten sehr selten vor, wáhrend
Schlámmungen an manchen Stellen die gewóhnlichen mikroskopischen Formen
genug háufig erkennen liessen.
Ausser den zweifelhaften fucoidenartigen Resten kommen Pflanzenreste meines
Wissens gar nicht vor.
(Bernstein wurde von Herrn Pražák bei Krp nachgewiesen.)
i
Alphabetisches Verzeichniss der untersuchten Localitáten.
maart 438 oa 98 4
- Adersb
Auscha
| Blatec
aebh-;":
Z P O
Neu-Benatek .
Alt-Benatek .. .
Bodisch
Bósig
Brandeis a. d. Adler
Braunau
9 Brozán
ek
Choroušek . K: po Sa
Chotovis .
Chotzen .
> Cuclava
Desna
Dolánek
Dolečka
Drei Kater
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ala P ea, jsm eb **é
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Habichtstein ...
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Hrádek . ;
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Jungbunzlau . .
Jung-Koldín .
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Kerhartic
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Kokořít < ..*.
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Košátek . .
Kovánec. .
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Leitomischel .
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Zása i-
Loučkov.. .
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Můnchengrátz
Neuschloss
Ohraženic
Podvinec
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Rovensko
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Schirmdorf
Schneeberg
Sovice-Berg
Stradouň
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Bohm.-Trůbau .
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INHALT.
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Vorwort.
I -Charakteristik uud"Gliedérune' der Iserschichtení 4 a
Charakteristik der Išerschichteniim. (= 2). eu JN 60
Gliederung der. Isergchichtemé," 4.2 0 A Eb 00
1. Byšicer Uebergangsschichten . . ..... KARET GW, 1250 0 EVE
2, Die Kokořiner Oundem 4 -s 2 75: -E NE
S. .Choroušker Trigoniagchichten <: .- „srstí am-
4. Bryozoengehichten-von "Kaniná. < 2 „ojyoslojí eo
Das ,Hangende der Isersehichten -.-. .*.,... RAM. 06- 2
II. Beschreibung der im Bereiche der Iserschichten untersuchten Localitáten . . . .
Das Hlbegcebiet """, |. „eb MOSS 0 Ca ee: © NO
Die Gegend von Wehlowitz, Schellesn, Kokořín bis Kanina .....
Die Gegend von Všetat, Čečelic, Byšic, Řepín, Choroušek und Kia ;
Die Gegend von Vrutic, Sušno, Nemeslovic, Zamach und Choroušek ......
Das Iserthal"vor "Benatek. bis TVuřnauděě. 8.. 2.910.04.
Die Gegend von Bakov, Weisswasser, Bóohm.-Leipa, Písnik hl Liábaů neb
den Bergen, Bósig und Roll., „35 K-
Die Gegend von Jičín, Rovensko, Turnau und Liebenau.. .. .. « + + «
Das Adlergebiet.
Umgebung von Chotzen, Brandeis a. d. Adler und Wildenschwert . .....
Umgebung von Bohm.-Trůbau -...:<- 3 ké: 0, POPART n.. +s 88 o k)
sb ae n Gegend von Sichrov, Liebenau, Bohm.-Eicha und Světlá ........
Seite 44. Die Gegend zwischen Weckelsdorf und Braunau... ...... . . + «.
Die Gegend von Hohenmauth und Leitomischel . ....... +.
Nachtrag: Třeboutic,' Sovice und Auscha "0/72
Tabellarische Uebersicht der in den Iserschichten aufgefundenen Petrefacten . ...
III. Kritisches Verzeichniss der in den Iserschichten vorkommenden Versteinerungen
x PSV SVD
THE LIBRARY OF THE
APR 23 1935
UNIVERSITY OF ILLINOIS
21
-© DAS ARCHIV
fůr die
naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Bóhmen
unter Redaktion von i
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí
enthált foloende Arbeiten :
EN S UTEB BAND.
L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hohenverháltnisse).
| Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nordlichen Bohmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte.
b) Erste Serie gemessener Hohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof.
k. Dr. Kořistka. 128 Seiten Text.
j c) Hohenschichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált
die in dem Text a) beschriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch,
im Massstabe von 1 :200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hóhenverháltnisse
: durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt.
Preis A. 4— Preis der Karte app. .... . +... . P ao je o 8 fl. 1:60
Il. Die Arbeiten der geolosgischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verháltnisse des ped“
i lichen Bohmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte.
3) Studien im Gebiete der bohm. Kreideformation von Prof. J. Krejčí.
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte.
c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bohm.
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte.
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel
: 120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas.
E o 0 C elb o AS ee ao ete dla a fl. 450
"
III. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (L a
MO LB ABE DRE A4 a SNS 4 dá kodu doj « (875 Á.
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text.
db) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bohmens vom Assi-
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln.
c) Verzeichniss der Spinnen des něordlichen Bohmen vom Real-Lehrer
mai Barta, AOzsbiten Text: Preis. U" 2. 20 ee fl. 2—
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 kr.
Preis.des. ganzen I Bandes“(Abth. A bis V) geb. .. ... < ©. 2 > + + 4 1. 9—
Z WV ELT E E BAND.
. Erster Theil. (Hálfte.)
I. Die Arbeiten der toposraphischen Abtheilung (Terrain- und Hohenverháltnisse).
Dieselbe enthált:
P a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Iser- und des Riesen-
-© gebirges und seiner sůdlichen und ostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl
A Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte.
b) Zweite Serie gemessener Hoóhenpunkte in "Bohmen (Sect. -Blatt III.) von Prof.
Es Dr. Kořistka. 84 Seiten Text.
c) Hohenschichtenkarte, Section III., von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte
enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation, sie ist 58 Centimeter lang,
41 Centimeter hoch, im Massstabe von 1:200.000 gezeichnet, und es sind die allsemeinen
Hohenverháltnisse durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben
ausgedrůckt. Preis dieser Pekne A Poa roh So dkopdí 2,0 ko S A NES oa oka A. 450
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthělt:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bohmens mit 4 Tafeln.
b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, hesly
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten. — :
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Hisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte.
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend ©
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte.
Dieser Theil -enthált 448 Seiten Text, di "Tafeln, 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten.
Preiss vyje vě 00 A SMEs y. KYadenl olea m eds Res NeST ek Mn MC S
H Theil enthált: |
Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Boóohmens
mit 294 Seiten Textund 8 Tatelůě- LOB vkus al dí 04 eM o) o H. 350
Preis der ganzen ersten Hálfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. A. 10—
ZV EITER BAND.
Zweiter Theil. (Haálfte.)
IMI. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (1 They
288 Seiten Text-und. 1- Tafel 'PréisJ: i. % 074W 23 Ioanuiá 6 n
IV. Zoologisché Abtheilung. Dieselbe enthált:
: Prof, Ds A mt. pk: Die Wirbelthiere Bohmens.
n “ 5 $ Die Flussfischerei in Bohmen.
ě Die Krustenthiere Bohmens.
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 212 Beiten Fexi.:BRáihoXUs 5 tedka 40s A3.
V. Chemische Abtheiluns.
Prof. Dr. Em. Bořický: Uber die Verbreitung des Kali und der Phosphorskure
in den Gesteinen Bohmens.'158"Belten: Texi.Drei8:405 < « © ee 60 kr.
Preis der ganzen zweiten Hálíte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zehnéků) geb. 1. 5'—
Es kann der zweite Band sowohl im Ganzen, wie auch in den fůnf angefůhrten Haupt-
abtheilungen, deren jede ein fůr sich abgeschlossenes Ganzes bildet, bezogen werden.
DRIUTEE BAND.
Davon ist bisher erschienen:
P II. Geologische Abtheilung:
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bohmens von
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text. Preis. . A. 1—
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrcesteinen Bohmens von
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preis A1. 1—
„IL Heft. Die Geologie des bohmischen Erzgebirgés (I. Theil) von Prof. Dr.
bon Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 3 Pe
VOS "o Vede er 80 ele 06 oa Ves! <5).0. ud +288 NE MNE Esa . 2—
III. Botanische Abtheilung:
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský. (III. Theil.
Schluss.).320SSeten Text. Preis: 1 T S S08 = 1. 240
IV. Zoologische Abtheilung:
I. Heft. Die Myriopoden Bohmens von F, V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Seiten
LOxt, v BFGIB STA A 8 o [L praní m EN nadlíšá Vl moe M ot ES n nn O 60 kr.
II. Heft. Die Cladoceren Bohmens von Bohuslav Hellich mit 70 Holzschnitten.
1320 PP1L0n BExki 73 fe; ET < verš PÍT sk Aya: 5 Šuk pe p o 6 A. 1:60
V. Chemisch-petrologische Abtheilung:
Elemente einer neuenchemisch- -mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse
von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. fi. 1:40
VIERTEBR BAND.
No. 1. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. Die Weissen-
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič mit 155 Holzschnitten.
154 Děhen Texk Přelš „m s i s ae se aa 00 Se O 1. 3—
No. 2. Erláuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von
J. Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten l. 4:50
No. 3. Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský.
(IV. Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss und Register. . . . < + < + «. l. 2-40
No. 4. Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bohmens von Prof., Dr.
Em. Bořickýu c p 8 allšýy 1 díš "rack -doo Jí, SNO NN So. S fl. 1:80
No. 5. Flora des F Isoobíčtch der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal.
1.
No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl
Feistmantel.
FŮUNETEBR BAND.
No. 1. Erláuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné hory)
und der angrenzenden Gegenden im ostlichen Bohmen von J. Krejčí und
R. Helmhatkeř za í te) Bisnsrě, Fibre als eřě Janne U fi. 2—
(Die Karte selbst erscheint spáter.)
No. 2. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. III. Die Iser-
schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 132 Textfiguren.-. .. <... « + «. 1. 3—
Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1883, — Selbstverlag.
Zd 70 el
ř ji: Zk Šk
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DIR MITTELBŮHMISCHF
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V. Band. Nro. 3. (Geologische Abtheilung.)
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In Commission bei FR. ŘIVNÁČ.
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Mit 20 Holzschnitten.
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(V. Band, Nro 3. — Geologische Abtheilung.)
PRAG.
COMMISSIONS-VERLAG VON FR. ŘIVNÁČ. — DRUCK VON Dr. ED. GRÉGR.
1883.
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aĎ nů
NÁVORAÁ 7 i — „a 5 „nan m
| Die Mittelbohmische Šteinkohlenablagerung.
| Die mittelbohmische Steinkohlenablagerung, něrdlich und westlich von
| Prag verbreitet, und unmittelbar auf Schichten der untern Abtheilung des Silur-
gebirges, vorwaltend auf den azoischen Schiefern Barrande's, zum Theile auf
| Granit aufruhend, in ansehnlichen Strecken das Terrain bedeckend, befindet sich
in einer Anzahl mehr oder weniger von einander getrennter sehr ungleich grosser
Parthien abgelagert, die als eben so viele einzelne selbststándige Steinkohlenbecken
betrachtet wurden.
Diese einzelnen Parthien sind nachfolgende: |
1. Das Kladno- Rakonitzer Steinkohlenbecken. Es umfasst das nordlichste
Gebiet der Steinkohlenablagerung, und erstreckt sich von Kralup an der Moldau
úber Kladno-Rakonitz bis Woratschen, zumeist von azoischen Schiefern westlicher-
seits theils von Granit unterlagert, dann in einer gegen Siůiden gerichteten Aus-
buchtung úber Flóhau, Lubenz, Jechnitz bis Plass; wáhrend es sich in nordlicher
Richtung úber Welwarn, Schlan, Klobuk, Kounowa etc. wegen Uiberlagerung durch
jůngere Schichten in nicht genau bestimmbarer Erstreckung befindet.
2. Das Pilsner Steinkohlenbecken. Dasselbe beginnt unmittelbar bei Plass,
von den sůdlichsten Ausláufern des vorhergehenden bloss durch die schmale
Thalweitung des Střelaflusses getrennt, und verbreitet sich erst gegen Šiid, von
Pilsen an mehr in siůdwestlicher Richtung ausgedehnt úber die Orte Kaznau,
Třemoschna, Pilsen, Lititz, Mantau, Nůrschan, Tuschkau an der Mies und Wscherau,
mit einer kleinen eh Parthie óstlicherseits bei Wobora.
3. Manetin und Breitenstein. Eine von letzterer durch eine schmale Zone
azoischer Schiefer nordwestlicherseits geschiedene, und in nordlicher Richtung bis
an den Fuss des Berces Wladař abgelagerte Parthie, zu der noch eine kleine
isolirte Ablagerung in der Umgebung von Stědra gehórt.
4. Wittuna, auch als Merkliner Becken bekannt, siůdlich von der Pilsner
Ablagerung zwischen den Orten Stankau und Merklin gelegen.
5D. Wranowa; eine kleine in der Náhe von Mies, nordwestlich vom siůdlichen
Theile der Pilsner seně situirte Parthie.
6. Die Radnmitzer Steinkohlenablagerung, aus mehreren isolirten Parthien
bestehend, die sich um die Orte Radnitz, Wranowitz, Lochowitz, Swina ete.
Sruppiren.
1*
7. Miróschau. © Ein sůdlich von Radnitz, zwischen Dobřiw und Miróschau
gelegenes, bis gegen Skořitz hinaus geschobenes Steinkohlenbecken.
8. Lettkow. Eine unbedeutende Ablagerung von Saudsteinen und Schiefer-
thonen, mit schwachen Spuren von Šteinkohle zwischen Miróschau und Pilsen.
9. Holoubkau; eine ebenso beschránkte Parthie.
10. Stilez bet Žebrak. Ein kleines Šteinkohlenbecken, óstlich von Holoubkau,
mit einem bereits abgebauten Steinkohlenlager.
11. Das Ltseker Stetnkohlenbecken ; nordwestlich von Beraun gelegen, vom
Liseker Guarzitkamme sich in nordlicher Ribhtině nach 0) herabziehend und
vom Beraunfiusse durchschnitten.
12. Das Klein- Přileper Steinkohlenbecken, von letzterem eine kurze Štrecke
weit in nordostlicher Richtung abgelagert.
7 Den weitaus gróssten Fláchenraum bedecken vorerst die Ablagerung Kladno-
Rakonitz, bei einer Ausdehnung von beiláufig 7 Meilen (nahe 53 Kilom.) in ost-
westlicher Richtung zwischen Kralup und Petrowitz, und bei einer nach Lipold
auf circa 3'/, Meilen (etwas ůúber 26 Kilom.) geschátzten Erstreckung von Sůd
nach Nord mit mehr als 24 Auadr. Meilen, wozu noch der westlich verbreitete
Antheil bei Jechnitz, Kriegern ete. bis Plass mit mindestens 5 Auadr. Meilen
hinzukómmt; und ihr zunáchst die Ablagerung bei Pilsen mit einem etwas ber
10 Guadr. Meilen bedeckenden Terrain.
Die Gruppirung der gesammten Ablagerung ist eine derartige, dass die
gróssten Complexe, die ohne die unbedeutende, durch den Thaleinschnitt bei Plass
erzeugte Unterbrechung ein einziges zusammengehóriges Gebilde ausmachen wůrden,
in einem weiten Bogen gegen Nord und West sich verbreiten, und vorwaltend ©
sůdlich und sůdóstlich von kleineren isolirten Parthien umgeben sind.
Die Oberfláche der gesammten Ablagerung weist auch in der Richtung von.
Sůd gegen Nord, und von Sůdwest gegen Nordost eine allmálige Senkung auí.
Die einzelnen Erhebungen steigen nur in der Umgebung von Pilsen bis
beiláufig 500 Meter úber die Meeresfláche; in der Umgebung von Rakonitz werden
Hóhenpunkte bis zu 450 Meter angetroffen; von da aber senkt sich das Terrain
in ostlicher Richtung ber Kladno bis Kralup, und ebenso in nordlicher Richtung
gegen das Thal des Egerflusses bis unter 200 Meter herab.*)
Die Oberfláchengestaltung des von unserer Steinkohlenablagerung einge-
nommenen Terrain's bietet wenig Bemerkenswerthes dar. In der Umgebung von
Pilsen, so wie zwischen Plass und Flóhau ist ein mehr unregelmássig hůgeliges
Land vorherrschend, wáhrend die Gegend von Kladno-Rakonitz-Schlan durch den
Verlauf mehrer von West gegen Ost fast parallel erstreckter Tháler eine mehr
wellenfórmig gestaltete Oberfláche besitzt.
Die Tháler schliessen bald mehr, bald weniger langgestreckte, ziemlich
oleichfórmig abgeflachte Růcken von wenig unterschiedlicher Hóhe zwischen sich
ein, die je mehr gegen Nord, desto mehr von Schichten der Kreideformation
úberlagert, die zur Steinkohlenablagerung gehorigen Gebilde nur in den Thalge-
*) Mittheilungen der k. k. geolog. Reichsanstalt, und fůr das mehr čstliche Gebiet Prof.
R. v. Kořistka hypsometrische Arbeiten in der Umgebung von Prag 1858.
l Tae está lassen, nd der Biaoeháé zugáncic halten.
M Die in den weiter gegen Norden gelegenen Thaleinschnitten durch Kreide-
| -schichten, in Folge deren ebenfalls gegen Nord gerichteten Einfallen, bestehende
v Ausfůllung auch der Thalsohlen durch dieselben entzieht die nordlichste Verbrei-
|| tungsgrenze der Ablagerung einer genauen Bestimmung. Doch lásst das Erscheinen
I! einzelner ihr noch zugehórigen Sandsteinschichten am Grunde der nordostlich
|* befindlichen Thalweitungen bei Perutz, Bernikow und Mscheno auf die Ausdehnung
+ der Ablagerung bis in die Náhe des Egerflusses mit Wahrscheinlichkeit schliessen.
I. Stratigraphische Verháltnisse.
Gliederung der Ablagerung
!
i Die Gesteinsschichten, aus denen die mittelbohmische Steinkohlenabla-
| -gerung zusammengesetzt wird, sind im Allgemeinen von derselben Beschaffenheit,
wie sie in anderen, namentlich benachbarten Steinkohlenbecken angetroffen werden.
ndeleinc und Schieferthone sind es, die hier wie dort eine Aufeinander-
p folge von in ofterer Wiederholung abwechselnden Schichten bilden, denen sich
zuletzt nur vereinzelt Schichten von Kalk und Hornstein zugesellen, und zwischen
- welchen untergeordnet Steinkohlenlager eingeschaltet sind.
Die Sandsteine, die vorwaltend Caolin als Bindemittel besitzen, stehen hie
und da mit Conglomeraten in Verbindung, die von unterschiedlicher Beschaftenheit
und in verschiedenen Horizonten angetroffen werden.
Mannigfaltiger ausgebildet erscheinen auch die Schieferthone, bald rein,
oder vorwaltend thonig, bald mehr sandig, mit Kohle imprágnirt, als Kohlen-
schiefer, von Eisenoxydhydrat durchzogen, und dann sphárosideritisch werdend,
endlich als Brandschiefer, stellenweise bituminós. Sie werden zumeist als náchste
Begleiter der Kohlenflótze angetroffen.
In Bezug auf die Kohlenflótze ist aber unsere mittelbohmische Ablagerung
keineswegs so ginstig bedacht, wie diess oft in anderen Gegenden der Fall ist,
-wo zahlreiche Kohlenschichten, in kurzen Abstánden ber einander erscheinen,
und auf grosse Strecken in ununterbrochener Fortsetzung sich befinden, wo also
„vielfach kohlenfihrende Horizonte bestehen.
In unserer Ablagerung werden Kohlenflótze nur in drei, zumeist durch
ansehnliche Abstánde von einander entfernten Horizonten beobachtet.
Die zahlreichen Bergbaue, die im Gebiete derselben noch thátig sind,
oder wenigstens frůher bestanden, befinden sich auf den Kohlenlagern im sámmtlichen
drei Horizonten, wodurch eine eingehende Einsicht in die Beschaffenheit und
Gliederung der einzelnen Kohlenlagen und eine Vergleichung der Vorkómmnisse
an von einander weit entfernten Punkten erleichtert ist.
| Der tiefste Horizont, auf dem Kohlen erscheinen, befindet sich an der
Basis der gesammten Ablagerung, so dass die Kohlenschichten durch eine nur wenig
máchtige Gesteinsschichtenreihe vom Grundgebirge getremt lagern, oder fast un-
6
mittelbar demselben aufruhen. In ihm sind zwei, nahe zu einander in Beziehung
stehende Kohlenflótze fast úberall entwickelt, und treten meist gemeinschaftlich auf.
Diesen beiden Kohlenflótzen, als den tiefsten in der Ablagerung wurde
die Benennung „Liegendjlótze“ ; dem gesammten mit ihnen in Verbindung stehenden'
Schichtencomplexe jene als „Ltegendflótzzug“ ertheilt.
Von der Localitát Radnitz, wo die Kohlenflótze dieses Horizont's in be-
sonders instruktiver Weise entwickelt sind, ist der betreffende Schichtencomplex
auch als „Radnmitzer Schichten“ bezeichnet worden.
Zunáchst nach den Liegendflótzen wurde die Selbststándigkeit eines Kohlen-
lagers erkannt, das in bedeutend senkrechtem Abstande ober jenen, und durch
auffállig abweichende Merkmale unterschieden, von einer Reihe nicht minder sich
unterscheidender Gesteinsschichten úberlagert, den Schluss der in unserer Abla-
gerung entwickelten Kohlenschichten bildet, sich sonach im Hangenden der ersteren
befindet, und desshalb „Hangendfiotz“, der Complex der ihm zugehórigen Gesteins-
schichten der „Hangendjlótzzug“ genannt wurde.
Seine characteristischen Merkmale sind besonders deutlich in der Um-
gebung von Kounova ausgeprágt und zuerst genauer erkannt worden, in Folge
dessen diese Schichtengruppe auch als „Kounova'er Schichten“ in die Litteratur
eingefůhrt wurde.
Erst spáter gelang es, die Selbststándigkeit eines Kohlenflótzes auf einem
dritten Horizonte, zwischen beiden frůheren eingeschaltet, theils mit Hilfe von
Beweis liefernden bergminnischen Aufschlůssen, theils durch náhere Erkenntniss
der Flótzbeschaffenheit und der organischen Uiberreste sicher zu stellen, nachdem ©
das betreffende Kohlenlager frůher theils dem Liegend-, theils dem Hangendzuge
angehórig betrachtet worden war.
Dieser Horizont bildet sonach, da ausser auf ihm weiter keinerlei Kohlen-
flótz zwischen beiden ersteren mehr erscheint, einen „Měttelflotzzug“, das Kohlen-
flótz selbst das Měttelflotz. Von der Localitát Nůrschan, in deren Umgebung
zuerst die Nachweise fůr die Selbststándigkeit dieser Flótzeruppe erbracht wurden,
kann dieselbe auch als „Nůrschaner Schichten“ bezeichnet werden.
Die mittelbohmische Steinkohlenablagerung gliedert sich sonach naturgemáss
in drei úber einander folgende Schichtengruppen. Diese sind:
1. Der Lčiegendílótzzug oder die Radnitzer Schichten.
2. Der Mittelflótzzug oder die Nišrschaner Schichten.
3. Der Hangendjlótzzug oder die Kounova'er Schichten.
Jeder dieser drei Flótzzige besitzt seine eigenthiůmliche, von jener der
úbrigen abweichende Beschaffenheit und Entwicklung, die die Zugehěrigkeit abge-
sonderter isolirter Theile richtig zu beurtheilen gestattet, und das Wiedererkennen
des Horizontes in seinen entgegengesetzten Punkten erleichtert.
1. Der Liegendflótzzug oder die. Radnitzer Schichten.
Der Liegendflótzzug beginnt an der Basis der gesammten Ablagerung mit
Sandsteinen oder Conglomeraten, seltener thonigen Schichten, die unmittelbar den
silurischen Schichten oder auf Granit aufiagern.
:
'
Die Conglomerate enthalten čfter wenig abgerolite, selbst scharfkantige
Bruchstůcke von den in der Umgebung anstehenden Gesteinsschichten als Beweis
nur auf kurze Entfernung erfolgten Transport's derselben, |
Zumeist auf Geróllstůcken dieser Conglomerate eingewachsen wurde das
Vorkommen von Granaten bereits an mehreren Orten beobachtet; bei Lhota unweit
Radnitz, Elhotten bei Pilsen und an der Adalbertigrube bei Rakonitz.
Zwischen diesen an der Basis befindlichen und den weiter aufwárts fol-
genden Gesteinsschichten befinden sich zwei Kohlenflótze, deutlich von einander
- unterscheidbar, eingeschaltet.
Das untere dieser Kohlenflótze liegt unmittelbar den Schichten an der
-Basis auf; zwischen ihm und dem oberen liegt ein Schichtencomplex, der hóchst
bemerkenswerthe Eigenschaften besitzt. | Er besteht durchaus aus hellgefárbtem,
feinkórnigem Materiale, das theils als Sandstein, theils als eigens feinkórniger,
etwas sandiger, plattig brechender Schiefer von fester Beschaffenheit ausgebildet
ist. Die Fárbune ist immer weiss, gelblichweiss oder lichtgrau, und von Kohle
imprágnirte dunklere Schichten erscheinen nie mit ihm.
Unmittelbar auf dem unteren Kohlenflótze ist zumeist eine bei 06 Meter
máchtige hellgelbliche Sandsteinschichte mit festem caolinischen Bindemittel auflie-
gend, úber welcher in wechselnder Máchtigkeit Schieferschichten folgen, die durch
důnne plattenformige, dunkler gefárbte, guarzigere, oftdicht úbereinander, verschieden
stark folgende Einlagen, die dem Gestein ein bandartig gestreiftes Ansehen ertheilen,
ausgezeichnet sind, und Schleifsteinschiefer benannt wurden. Namentlich sind jene
Parthien besonders characteristisch, Wo die dunkleren schwachen Einlagen hell-
gelbliche Schiefer durchsetzen ; aber auch bei mehr grauer Fárbung der Schichten
jst deren Wechsel mit dunkleren Streifen kennzeichnend. Dieser Schleifsteinschiefer,
dessen Eigenthůmlichkeit an keiner anderen Schichtenreihe in der gesammten
Ablagerung ausgesprochen vorkommt, begleitet, nur hie und da einer, die Wesenheit
desselben aber nicht unterdrůckenden Modification unterliegend, úberall die Han-
gendschichten des unteren Kohlenfdtzes und bildet so eine sichere Leitschichte im
Bereiche des Liegendfiótzzuges.
Er schliesst háufig Sphárosiderite ein, auf deren Spalten oder Hohlungen
Mineralien ausgeschieden sind, wie Caolin, weiss, oft in grósseren Parthien; Pyrit,
Ankerit, Siderit, Calcit und Baryt, in einzelnen Kristallen oder in kristallinischen
Úberzůgen, endlich Kristalle von Sphalerit, die von Blattnitz und vom weissen
Berge bei Pilsen bekannt auch bei Rakonitz beobachtet wurden, und die ich auch
in Sphárosideriten am K. Franz Josefs-Schachte bei Kladno auffand, so dass man
auch in diesen nebensáchlichen Erscheinungen eine gewisse Gleichfórmigkeit der
Schichtenausbildung zu erkennen Verma?g.
Úber den Schleifsteinschichten liegt das zweite, das obere Flótz, je nach
der Máchtigkeit jener bald mehr bald weniger vom untern entfernt, da diese
Schichten oft viele Meter hoch entwickelt sind, oft zu einer so schwachen Lage
herabsinken, dass an derlei Štellen beide Kohlenflótze als ein einziges be-
trachtet wurden.
Beide Kohlenfótze sind in verschiedener Weise entwickelt. Das untere,
regelrecht auch immer das weniger máchtige, ist oft úberwiegend von Schieferthonen,
Oberbank
Mitttelbank
|
„M
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S
©
m]
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VLI7ALPUETAITILTINPTIAPLIETUIIIL 1
ARSALATATIP PIZEKAKAGYIIIIIXKAK
Brandschieter- und Kohlenschieferschichten, jedoch un-
regelmássig und absátzig durchzogen, und daher meist
Kohle geringerer Aualitát liefernd.
Das obere wird dagegen von einer Anzahl Ge-
© steinsschichten durchsetzt, die in regelmássiger, stets
gleich bleibender Reihenfolge, als constante Zwischen-
mittel, dieses Flótz in einzelne gut unterscheidbare
Bánke zu gliedern gestatten, wo dasselbe in seiner
ganzen Máchtigkeit zur Ablagerung gelangte.
Eine solche Stelle, wo das obere Kohlenflótz
typisch ausgebildet ist, befindet sich in der Radnitzer
Ablagerungsparthie und gibt nebenstehende Fig. 1. ein
Profil davon, in welchem die zu unterscheidenden Bánke
sich deutlich herausstellen. Diese sind von oben herab:
1. Die Oberbank oder Firstenbank, beiláufig zwei
Meter máchtig, unterlagert von einem 0:10 Mt., stellen-
weise mehr messenden grauen Schieferthonzwischen-
mittel, local der Firstenstein genannt.
2. Die Mittelbank, bei 5 Meter máchtig, immer
die beste Kohlengualitát liefernd von zwei, in Abstánden
von beiláufig 1:50 und 1:30 Meter unter einander ein-
geschobenen Zwischenmitteln durchsetzt, deren oberes
Local als Flička oder klečne Opuka, das untere als
Schrammjlótz oder grosse Opuka bekannt ist, und letz-
teres stets das máchtigere bleibt.
3. Die Unterbank oder Sohlendenckenbank, an der
Basis des Kohlenflótzes 1 bis 2 Meter máchtig gegen
die Mittelbank durch ein thoniges graues Zwischen-
mittel begránzt, dem in kurzer Entfernung von ein-
ander, im Allgemeinen nur schwache Kohlenschichten
vorwaltend minderer Gůte zwischen sich einschliessend,
mehrere Zwischenmittel gleicher Beschaffenheit, aber in
der Máchtigkeit wechselnd, folgen, die local als Sohlen-
decken bekannt sind, hie und da aber weniger selbst-
stándig ausgeschieden, die Bank mit zahlreicheren we-
niger regelmássie vertheilten Schieferthonlagen unter-
brechen.*)
Die Zwischenmittel der Unterbank weisen viel Ahnlichkeit mit dem Firsten
steine den Oberbank auf.
Die Zwischenmittel der Mittelbank sind dagegen von
*) An mehreren Ortlichkeiten, wie bei Nůrschan, Wittuna, Kaznau, in der Umgebung von
Kladno und Radnitz wurde die Kohle dieser Unterbank stellenweise dicht von sich
kreuzenden schmalen, mit bráunlichgrauem Siderit ausgefůllten Klůftchen durchsetzt
beobachtet, oft in einer Weise, als ob kleine Kohlentrůmmer brecienartig durch Siderit
verkittet wáren; eine Erscheinung, die aus keiner der anderen Bánke des Flótzes bis jetzt
bekannt wurde,
9
- beiden schon durch ihre mehr ins bráunliche fallende Fárbune, durch ziemlich
(gleich bleibende, im Ganzen geringe Máchtigkeit, und eine scheinbar kórnige oder
| gewissermassen schuppige Struktur, so dass sie von Bergleuten auch als sandiger
Schieferthon bezeichnet werden, unterschieden.
| In der That aber wird diese Struktur grossentheils durch den Einschluss
| jener eigenthůmlichen kleinen Kórperchen in oft gedrángter Menge hervorgebracht,
"die ich zuerst in der Umgebung von Radnitz erkannte und zur Fixirung des
| Vorkommens als Bacillarites problematicus bezeichnete.
| Úberlagert wird das Oberflótz von einer oft mehrere Meter máchtigen
- Reihe Schieferthonschichten, unter denen rein thonige mit mehr sandigen, oder
-von Kohle stark imprágnirten, oder Kohlenschieferschichten abwechseln, die aber
- hie und da fehlen. Dann wird das Kohlenflótz unmittelbar von den weiter aufwárts
-die Schichtenreihe zusammensetzenden Sandsteinen, mit denen der Bestand des
Liegendflótzzuges seinen Abschluss erreicht, bedeckt. Nie aber erscheint eine
einzelne gesonderte, jener úber dem Unterflótze bekannten, áhnliche Sandsteinlage
als Decke dieses Flótzes.
In paiáontologischer Hinsicht zeichnen sich die Schichten des Liegendzuges
durch einen besondern Reichthum an Pflanzenresten aus; thierische Organismen
erscheinen nur als Seltenheiten und nur niedern Classen angehórig und spora-
disch vertheilt.
Die Pianzenreste sind hauptsáchlich zusammengedrángt auf Schichten in
der Náhe der Kohlenflótze, in der das Unterflótz deckenden Sandsteinlage, und
den darůber folgenden Schleifsteinschichten; und dann in den Hangendschiefern
des Oberflótzes und auf dessen Zwischenmitteln.
Daraus ergeben sich zwei ůúbereinander liegende Pflanzenreste fiihrende
Horizonte, von denen der obere sich gegen den unteren durch ein Vorherrschen
der Selagineen, Lepidodendra und Sigillarien bemerkbar macht.
Ausserdem sind die Arten theilweise auf einzelne Schichten ungleich
vertheilt. So finden sich Planzenreste aus allen Gattungen sowohl im Firstensteine
als in den Zwischenmitteln der Mittelbank des Oberflótzes eingeschlossen, in letz-
teren namentlich auffállig, neben háufigen Abdrůcken von Stigmaria, Bruchstůcke
von Lepidodendron microstigma O. F., einer Art mit kleinen gedránsten Blatt-
polstern; wáhrend jene der Unterbank, die Sohlendecken, oft fast ausschliesslich,
immer aber zahlreich, theils grosse Exemplare der Art Stigmaria ficoides Brongn.
enthalten.
Die Gesteinsbeschaffenheit der Begleitschichten der beiden Flótze, wie
auch die organischen Einschlůsse bieten daher geeignete Merkmale, die einzelnen
Schichtengruppen oder Kohlenbánke allerorts wieder zu erkennen, und bezeichnet
namentlich einen bestimmten Horizont das Erscheinen des Bacillarites, der weder
in einer Schichte úber dem Oberflótze, noch auf Schichten zwischen dem Unter-
flótze weiter sich einstellt.
Nur hie und da ist es mir geglickt, einzelne gut erhaltene Exemplare
dieses Fossils in Schichten des Schleifsteinschiefercomplexes, also in Hangend-
schichten des Unterflótzes mittelst Diůnnschliffen nachzuweisen.
10
Doch ist die Verbreitung desselben in diesen Schichten nur eine ver-
einzelte. Trotz mehrfach fortgesetzter Untersuchungen ist das Vorkommen nur bei
Blattnitz, Břas und Hostokrey sicher zu stellen gelungen. Proben von verschiedenen
andern Localitáten sind ohne Resultat geblieben.
Nichts desto weniger muss das erste Erscheinen von Bacillarites bereits
vor der Ablagerung des Oberflótzes erkannt werden.
Das gemeinschaftliche Vorkommen desselben auf Gesteinsschichten im
Oberflótze und auf den Hangendschichten des Unterflótzes, das Fehlen desselben
auf den Schichten der hoheren Flótzzůge, und die bedeutende Annáherung der
beiden Kohlenflótze stellenweise an einander geben genůgende Veranlassung, zwischen
beiden Flótzen des Liegendzuges einen gewissen verwandtschaftlichen Verband zu
erblicken, und beide als zusammengehorige Untergruppen zu betrachten.
Es ist diesen Verháltnissen durch die Untertheilung der Radnitzer Schichten
in eine obere Kohlenffótzgruppe (Oberflótz und seine Hangendschichten), in eine
untere Kohlenflótzgruppe (Unterflótz und dessen Hangendschichten) und in die
flotzleere Gruppe (Liegendschichten des Unterflótzes) Rechnung getragen.
Die gesammte Schichtenreihe dieser drei verschiedenen Gruppen wird
indessen nur an wenigen Stellen entwickelt angetroffen; bei weitem am háufigsten
ist diess bruchstůckweise erfolgt, indem bald nur die eine oder die andere Gruppe
abgelagert angetroffen wird, bald selbst eine Gruppe nur durch einzelne ihrer
Glieder vertreten erscheint.
Es werden in dieser Beziehung in der Entwicklung der Radnitzer Schichten
interessante Erscheinungen hervorgebracht.
Zum Liegendflótzzuge gehórigce Schichtengruppen werden fast úberall im
Bereiche der Ablagerung, an der Basis derselben und zumeist an deren sůdlichen
Rándern hinausgeschoben gefunden, deren mannigfaltige Entwicklung an oft nahe
gelegenen Localitáten, selbst in denselben Ablagerungsparthien aus einer náheren
Betrachtung dieser sich ergeben wird.
Die sůdóstlichsten isolirten Parthien.
Unter diesen ist dče Radnitzer Ablagerungsparthie die wichtigste. Es finden
sich hier nicht nur sámmtliche drei Gruppen des Liegendzuges vollkommen aus-
gebildet, sondern auch das Oberflótz in seiner ganzen Máchtigkeit in der bei Břas
befindlichen Parthie entwickelt.
Ausserdem ist hier klar dargelegt, wie in die einzelnen nahe gelegenen
Parthien weder beide Kohlenflótze, noch das obere Kohlenfloótz in seiner ganzen
Máchtigkeit, mit allen seinen Bánken fortsetzen; dass im Gegentheile bald nur
das Unterflótz allein, bald nur mit einer oder der anderen Bank des Oberflótzes
in Gemeinschaft, oder eine solche Oberflótzbank ausschliesslich abgelagert erscheint;
was ich in einer anderen Abhandlung „ber die Steinkohlenbecken in der Umgebung
von Radnitz“, detailirt zu schildern Gelegenheit hatte.*)
*) Die Steinkohlenbecken in der Umgebung von Radnitz. Archiv fiir Landesdurchforschung
von Bohmen. I. Bd. 1869.
m
Ahnlich wechselnde Entwicklungsverháltnisse werden nun auch weiter in
anderen isolirten Parthien angetroffen.
Bei Klein- Přilep und beč Stilez, wo úbereinstimmende Verháltnisse bestehen,
ist nur je ein Kohlenflotz, ohne regelmássige Zwischenmitteleinlagerung bekannt,
beiderseits das. Flótz mit einer 05 bis 06 Mtr. máchticen, hellgefárbten, an
Pílanzenresten reichen Sandsteinlage iúberdeckt, auf welcher meist weisse Sand-
steinschichten und Schleifsteinschiefer lagern, woraus sich die Zugehorigkeit
beider zur unteren Radnitzer Kohlenflótzgruppe, und die Abwesenheit der oberen
Gruppe ergibt.
Bež Lisek ist ebenfalls nur ein Kohlenfiótz abgelagert. Dieses wird aber
von grauen Schieferthonen gedeckt, die reich an Pflanzenresten, besonders Ab-
drůcke aus der Classe der Selagineen enthalten, die háufig auch auf den das
Kohlenflotz zahlreich, aber in unregelmássiger Lagerung durchziehenden Schiefer-
thonen mit der Art Stigmaria ficoides vertreten sind.
Aufwárts folgen caolinische Sandsteine. Unter dem Flótze liegen vor-
waltend Schieferthone, háufig Sphárosiderite einschliessend hellgelblich (besonders
bei Dibřy) stellenweise hellgrau (Stradonitz, Hiskow) gefárbt, feinkórnig und fest,
zwischen welchen hie und da in schwachen Lagen Schleifsteinschiefer sich einfinden.
Die Deutung dieser Ablagerungsparthie ist sonach eine keineswegs schwie-
rige, und gibt sich das Kohlenflótz als ein der Unterbank des Radnitzer Oberflotzes
analoges Gebilde, in welchem die Sohlendecken aber weniger typisch ausgeschieden
sind; der dasselbe unterlagernde Schichtencomplex als die Hangendschichten des
hier nicht oder sehr unbedeutend zur Entwicklung gelangten Unterflótzes zu erkennen.
Ahnliche Verháltnisse zeigt die Ablagerung von Měróschau. Das dort im
Abbaue befindliche Kohlenflótz ist von regelmássig ausgeschiedenen Zwischen-
mitteln durchsetzt, die sehr in ihrer Máchtigkeit wechselnd angetroffen werden.
Im Allgemeinen gliedert sich das Kohlenflotz nachfolgend:
1. Kohlenlage: (Oberbank local) . ...... 0,15— 0,30 Mt.
Schieferthonzwischenmittel. . ......... 0,30—2.00 „und darůber
2. Kohlenlage: (Mittelbank local). ...... 0,55—0,065 „
Schieferthonzwischenmittel. . ....... 0,01—1,00 —„ und darůber
3. Kohlenlage: (Unterbank local) . . . . „ 0,45—0,65
»
Unter diesem im regelmássigen Abbaue stehenden Flótze folet, jedoch
durch eine oft viele Meter máchtige Gesteinslage geschieden, noch eine 0,6 Mt.
auch mehr máchtige, mit zahlreichen Schieferschichten durchsetzte, unbestándige
Kohlenschichte. — Dann erscheint gelblichweisser Schieferthon, zu beiden Šeiten
der Ablagerungsparthie zu Tage gehend und ganz solchen áhnlich, wie sie háufig
unter dem Liseker Flótze bei Dibřy angetroffen werden, und áhnliche Pílanzen-
reste wie dort einschliessend.
An der Basis liegen Conglomerate; úber dem Kohlenflótze erst graue
Schieferthone mit Pflanzenresten, Sigillarien und Lepidodendra, wáhrend Stigmaria
háufig auf den Zwischenmitteln erscheint.
Das Kohlenflotz besitzt sonach auch hier alle úňaločiů mit der Unterbank
des Radnitzer Oberflótzes, der darunter liegende Schiefer mit den Hangendschichten
des Unterflótzes.
12
Die beiden kleinen Ablagerungen bei Holoubkau und Lettkow gestatten
bei dem Mangel erschlossener Kohlenlager eine bloss annáhernde Beurtheilung
und scheint ersteres mehr den tieferen Gruppen des Radnitzer Oberflótzes, letzteres
wahrscheinlich der Unterflótzgruppe sich anzuschmiegen.
Sámmtliche sůdostlich verbreiteten isolirten Ablagerungsparthien sind
sonach nur von solchen Gebilden ausgefůllt, die den tieferen Gruppen der Radnitzer
Schichten correspondiren und es zeigen sich einestheils jene von Přílep, Stilez
und Lettkow, anderentheils jene von Miróschau, Lisek und vielleicht Holoubkau
in verwandter Weise entwickelt.
Anders gestalten sich die Verháltnisse, sobald man in die grósseren Par-
thien Kladno, Rakonitz und Pilsen úbertritt.
Kladno-Rakonitzer Ablagerungsparthie.
Mit der ostlichsten Verbreitungsgránzé derselben beginnend findet man
in Kralup, in dem kleinen Hůgel Červená hůrka, Schieferthone, zwischen denen
nur unbedeutende Kohlenschnůrchen sich zeigen, die aber zahlreich Pflanzenreste
Fig. 3.
úbereinstimmend mit den in der Radnitzer Oberfótzeruppe bekannten enthalten
und unter denen schleifsteinartige Schichten azoischen Schiefern aufruhend vor-
kommen, so dass die beiden Radnitzer Kohlenfótzgruppen vertreten sind, wenn
gleich ausgebildete Kohlenfótze selbst fehlen. Darůber lagern caolinische Sand-
steine in ziemlich máchtiger Entwicklung.
13
Auch in der náchsten Erstreckung gegen Westen sind Kohlenflótze noch
| unbekannt, obwohl Schieferthone, nahe an der Basis der Ablagerung, jenen bei
© Kralup áhnlich und ebenfalls Pflanzénabdrůcke enthaltend, die Fortsetzung des
- gleichen Horizont's andeuten.
Erst in der Umgebung von Minitz und Wotwowitz ist ein Kohlenflótz
- abgelagert und erschlossen. Durch freundliche Zuvorkommenheit des Bergver-
walters Herrn Czurda ist es mir móglich, nachstehend zwei genaue Profile durch
dasselbe, aus der ostlicher gelegenen Franz de Pauli- und der westlicheren Sct.
- Gotthardi-Grube zu liefern. (Fig. 2 und 3.)
Br 21720800 1
| ROE DoK M a 1 dbs Joe 0,66 Mt.
| DATE TEPUBOR R R ŘE 003:
Kohlenlacer V "2 3v M, A 2D
| Zwischenmittel mit Bacillarites . . . . 0,05 „
HRORIUN AGO A oz O4 do tan bye eny 6 WIP
ochlefertnon 1244 14 TM Pk val 9 2 oelátE
Kohlenlage ... PR k Ul 66 O6"
Zwischenmittel mit Bacillarites . . . .0,16 |,
Kohenaee 4 vai), 4 0, DB 160:
Gesammtmáchtigkeit. . 4,01 Mt..
u“zw/IKohletbtu35 |,
Zwischenmittel D0
St. Gotthardi.
IOMIOnTASEV Mane o ej 08 6 2 eee „0,82 Mt.
SChTelettBon 411.1. SAAE NENÍ dk daným o 172
BOMBA MP a ea te 2 O |
Zwischenmittel mit Bacillarites . . . .0,05 |, (kleine Opuka)
VSTANK ZA zvý Ve VEAá VODE dod KOVAR A S ASOB AS) MÁ ooo
PORLOTL NOH 0 5 6 a 6.6 ea O0
Kohlenlane 6 k sty pub eds! 0,410 odla
Zwischenmittel mit Bacillarites. . . . .0,20. „ (grosse Opuka)
KahlonlagGen V HOD
DCHIOTSPLTO HMP o bo 00, 0,02 „ (Sohlendecke)
Kollentabes -0M PAZ 1 ne, O0"
BCSTBPURON 49 S05 P U DO dtto.
Kohlenlase 12954140), SAE STEM Ob
DE NeleTthoms 412103158, SKU DON, A421 0 © "ADS dto.
KOM ce o v ea aaa ta 0,47 „
Sehelertheno r ilal i do. Satin ani W247 dto.
Kohlenlage aji: RE ladila 92
Gesammtmáchtigkeit . . 6,99 Mt.
u. zw. Kohle. .534 ,
Zwischenmittel „1,65 „
Unverkennbar zeigt sich in beiden Profilen die Úbereinstimmung mit dem
bei Radnitz im Oberflótze bestehenden Profile; bei de Pauli nur erst durch die
14
Mittelbank, bei St. Gotthardi schon durch diese und die Unterbank vertreten,
wobei die ber dem oberen Bacillarites-Zwischenmittel befindliche Schieferthon-
schichte mit der obersten Kohlenlage einen Theil der Oberbank darstellt.
Hier wie dort ist das untere Bacillarites-Zwischenmittel das stárkere, die
unter der Mittelbank bei St. Gotthardi folgenden Schieferthone zeigen ganz den
Character der Sohlendecken und merkwůrdiger Weise ist zwischen ihnen und der
unteren Bacillarites-Schichte eine gleich máchtige Kohlenschichte eingelagert, wie
zumeist bei Radnitz.
Trotz der geringen Entfernung der beiden Wotwowitzer Localitáten zeigt
das Flótz eine abweichende Entwicklung, in sofern, als die Sohlendeckenbank
erst westlicher, bei St. Gotthardi, erscheint, und die einzelnen Kohlenschichten
in dieser Richtung máchtiger werden.
Im Liegenden des Flótzes sind Schleifsteinschiefer abgelagert, sonach
beide Flótzgruppen vertreten, obwohl das Unterflótz durch Bergbau nicht zugángie
gemacht ist.
-Das Verfláchen des Flótzes und seiner Begleitschichten, Schieferthone im
Hangenden und darůber Sandsteine, ist gegen Nord gerichtet, und erleidet be-
sonders in dieser Richtung das Kohlenflótz Modificationen, theils durch neu zu-
tretende Schieferlagen, theils durch allmálige Verschie-
ferung der Kohlenschichten, so dass Profile von anderen
Stellen abweichende Ergebnisse liefern. Es werden diese
Modificationen mit der Entfernung vom Ablagerungsrande
auffálliger, und mehrfache in weiter nordlicher und ost-
licher Gegend durchcefůhrte Schurfversuche konnten eine
entsprechende Fortsetzung des Kohlenflótzes nicht mehr
nachweisen. Auch in der Richtung des Štreichens von
Ost gegen West bestehen derlei Veránderungen im Flótze
und ausserdem Unterbrechungen desselben durch mehrfach
hervorragende und in das Ablagerungsgebiet hineinreichende
Růcken und Kuppen von Thon- und Kieselschiefer, wo-
durch die ganze Kohlenflótzentwickelung eine gewisser-
massen unstete wird.
Ahnliche Verháltnisse bestehen auch in weiter west-
licher Erstreckung ůúber Zakolan, Koleč bis in die Um-
z ba gebung von Brandeisl, wo erst wieder Bergbau auf Stein-
=== kohle eingeleitet wurde, nachdem mehrfache Versuche
= zwischen Wotwowitz und hier ohne die erhofften Resultate
— blieben.
— Nach einem von Lipold gegebenen Profile war das
2 Kohlenflótz bei Brandeisl nachfolgend gegliedert:
Fig. 4.
Kohlenlage':. -2 -k sěsské ds, DUSAN
Schletérthon. 4 dssy jí Ss o 0,24 „
Kohlenlace "20444 055-
Zwischenmittel (mit Bacillarites) . . .0,08 „
Kohlenláge“:* 141 s átešk 14 VAE, EKOS
Zwischenmittel (mit Bacillarites) . . . 0,13 Mt.
ska AML ES MĚS BD u
a versčhielert: 4 sv 4 0,64 „
Gesammtmáchtigkeit. .5,22 Mt.
u. zw. Kohle. .41% „
Zwischenmittel. .0,45 „
Die Flótzgliederung zeigt deutlich eine Fortsetzung
-jener von Wotwowitz an, nur fehlt das dort zwischen den
Bacillarites- Schichten eingeschobene Zwischenmittel und
| sind die Sohlendecken nicht mehr scharf entwikelt, son-
dern durch eine Verschieferung der Kohlenlage an der
Basis des Flótzes angezeigt, áhnlich wie bei Lisek.
Schleifsteinschiefer kommen im Liegenden vor; So-
nach sind beide Flótzgruppen vertreten. Dieselben Ver-
| háltnisse bestehen auch weiter westlich in der Umgebung
-von Kladno.
Hier, wo die ausgedehntesten und gróssten
| Bergbaue getroffen werden, ist auch vielfach Gelegenheit
geboten, die Kohlenflótzentwicklung kennen zu lernen. Bei
den wenig bestehenden Abweichungen geniůgt es, dieselbe
nur von einigen Stellen zur Anschauung zu bringen, was
mir fiir mehrere derselben durch freundliche Unterstůtzung
des Oberingenieurs Herrn Fabianek in genauer Weise er-
móglicht ist.
Profile aus der Umgebung von Kladno von Ost gegen West.
In der Náhe des Kaiser Ferdinand-Schachtes, westlich von
Brandeisl. (Fig. 5.)
Kohlenlace . 0,60 Mt.
Schieferthon OD
Kohlenlage . . 00%
Schieferthon 0,30,
Wahlenlages115 7 -7:9:040 ;
Zwischenmittel mit Ba-
cillarites „0,05 „ (kleine Opuka)
Kohlenlage, mehrfach von
schwachen absátzigen
Bacillarites-Schichten
durCHSPEZKA 31%. 2,20. 4
Zwischenmittel mit Ba-
ETA OR 0 a vlatle 0,10. „ (grosse Opuka)
Kohlenlage, unten ver-
schiefert. „is SOL
Gesammtmáchtigkeit. . 8,45 Mt.
mzw.' KohleS 7 10:
Zwischenmittel. .. 0,75 „
0,30
15
00 SŘ
16
Unter*dem Flótze folgen Schleif-
SLON SCATOTert 00 AO 1,00 „| máchtig
und dann das Unterflótz von
ungenůgender Beschaffenheit 2,50
»
Beim Thienfeldschachte náchst Kladno. (Fig. 6.)
P Kohlenlase. ..... „0,316 Mt.
-0,003 SRNÍ Schiéferthon. -01 0,237 „
de Kohlenlace“ 20328
Zwischenmittel mit Ba-
cillarites . . . . „0,053 „ (kleine Opuka)
Kohlenlage |" 20
Zwischenmitiel mit Ba-
eilarites- 4 (Cr 0.0537"
Kohlenlase . ...... "09091
Zwischenmittel mit Ba-
eilarites 1- (005300
Kohlenlacejt70 110 Zo
Zwischenmittel mit Ba-
CIlarTites 0071200005315
Kohlenláse 02.300
Zwischenmittel mit Ba-
cillarites . . . . „0,105 „ (grosse Opuka)
Kohlenlage, unten ver-
SCREIErt -OT SV 1 O0
Gesammtmáchtigkeit 11,790 Mt.
uz. Kohle"9511236095
Zwischenmittel. . 0,554 „
Unter dem Kohlenflótze Schleif-
SLenschi6fST 35s 9,055 Mt. máchtig,
als Hangendschichten des hier
in drei verschieden starke
Bánke getheilten Unter-
AO(ZOS MiL 03 Olo Ela Mk Gesammt-
máchtigkeit.
Beim Mayrau-Schachte, weiter nordwestlich. (Fig. 7.)
Kohlenlagse . . . ... -0,160 Mt.
OChLOlertRon 0091009010308
Kohlenlage 270
Zwischenmittel mit Ba-
Gillarites 7 ae 0,060. „ (kleine Opuka)
Kohlenlac6700-: 001608
Zwischenmittel mit Ba-
cillarites,. 2408 2:27 0005
Kohlenlage 217270780
Í
- worauf das Unterflótz folgt in
|
|
17
Zwischenmittel mit Ba- | Fig. 7.
eillarites 1 << „0040
Pohlenlapé 25451 s E560.
Zwischenmittel mit Ba-
PEIDRRIEB n. cr= 160 6 U
Kohlenlagce s 7% 734 + 1;100
Zwischenmittel mit Ba:
cillarites . . - . „0,130 „ (grosse Opuka)
Kohlenlage . . . . . 2,700
O anaontigkétt -8.950 Mt.
u z: Kohle-. - 9,000" |
Zwischenmittel. . 0,430 |,
Darunter Schleifsteinschiefer . 2,100 Meter máchtig,
einer Máchtigkeit von. . . 1,500 „
Zwischen den Schichten der Schleifsteinschiefer kom-
men allenthalben Sphárosiderite eingeschlossen vor.
In der Umgebung von Kladno sind sonach ůúberall
das Oberflótz und das Unterflótz, die hier als Hauptflótz
und Grundfotz bezeichnet werden, entwickelt. Die An-
wesenheit beider ist auch in den weiter óstlich situirten
Rapitzer Gruben schon frůher durch Stollen- und Schacht-
betrieb nachgewiesen.
Das Oberflótz zeist in der Richtung von Ost gegen
West erst eine Zunahme, dann eine allmálige Abnahme
seiner Máchtigkeit; das Grundflótz, úberall wegen unge-
nůgender Kohlengualitát wenig benůtzt, erleidet aber in
derselben Richtung eine fortwáhrende Verminderung seiner
Máchtigkeit, und in gleicher Weise verhált sich der Schleif-
steinschiefer-Complex.
Der Máchtigkeitswechsel ist in einer Anderung der
Stárke der einzelnen Kohlenlagen, nicht im Hinzutreten neuer, oder im Abgange
frůherer Kohlenlagen begrůndet. Die Ubereinstimmung mit Profilen von friiheren
Localitáten und mit dem Oberfiótze von Radnitz ist deutlich.
Nur ist die Mittelbank bedeutend mehr entwickelt, und erscheinen die
Bacillarites-Zwischenmittel in mehrmaliger Wiederholung, immer schwach, háufig
absetzend, meist reich mit kohliger Substanz gemengt, die beiden áussersten aber
constant, und das unterste immer am máchtigsten, die hier local als kleine und
grosse Opuka benannt werden. Hauptentwicklung der Bacillarites-Schichten.
Die Unterbank ist auch hier vorwaltend nur durch eine an der Basis des
- Kohlenflótzes befindliche stark verschieferte Kohlenlage, in der nur einzelne
stárkere Schieferschichten ausgeschieden erscheinen, angezeigt.
Unterlagert wird das Unterflótz von Sandsteinen und Schieferthonen theils
von Conglomeraten mit scharfkantigen Bruchstiůcken von Thonschiefer und Kiesel-
schiefer, 6 bis 10 Meter máchtig; selten liegt es wie bei Rapitz fast unmittelbar
auf silurischem Untergrunde. Im Hangenden folgen zuerst meist Schieferthone,
2
m
18
reich an Pflanzenresten, wie auch die Zwischenschichten, und endlich Sandsteine
in bedeutender Máchtigkeit.
Ist die Umgebung von Kladno vor andern Localitáten schon ausgezeichnet
durch die ungewóhnliche Entwickelung der einzelnen Kohlenlagen des Flótzes, so
wird sie es noch mehr durch den Umstand, dass sich das Flótz in seinem Ver-
fichen gegen Nord auf weite Strecken vom sůdlichen Rande der Ablagerung in
deren Inneres hinein in unveránderter Beschaffenheit erhált.
Es ist die Ausdehnung desselben in dieser Richtung bis ber die nordlich
von Kladno zwischen Motitschin und Wolschan sich hinziehende Thalweitung, also
úber beiláufig 2,5 Kilometer sicher gestellt.
Dass aber auch hier allmálig unerwiinschte Anderungen eintreten, haben
weiter gegen Nord, bei Malkowitz und Jemnik gemachte Erfahrungen gezeist,
indem zwar Vertreter des Hauptflótzes in einzelnen Kohlenschichtchen, und die
fůr die Mittelbank desselben massgebenden Bacillarites-Schichten, so wie Andeu-
tungen des Unterflótzes bis an die genannten Punkte fortsetzen*), aber in einem
durch meist eingetretene Verschieferung nicht mehr bauwůrdigen Zustande.
Ausserdem sind auch in der Umgebung von Kladno
Unterbrechungen der Kohlenlager durch vom Rande herein-
tretende Thonschieferrůcken nicht unbekannt, und scheinen
in westlicher Richtung in weit grósserem Masse einer un-
gestorten Flótzablagerung hinderlich gewesen zu sein. In
dieser Richtung schwindet der Kohlenreichthum nehmlich
sehr, wie die in der Umgebung von Dokes, Žilina, Kat-
schiz etc. resultatlos gebliebenen Untersuchungen erwiesen
haben, und wo an einzelnen Štellen, wie bei Lahna Kohlen-
flótzparthien aufgefunden wurden, entbehren sie bereits
jener Máchtigkeitsentwicklung, zeigen im Gegentheile eine
auffállig ungleichfórmige Ablagerung, und scheinen zumeist
nur aus Reprásentanten der unterer Radnitzer Kohlen-
schichten zu bestehen.
Erst bei Rakonitz erscheint des Kohlenflótz wieder
stellenweise in ansehnlicherer Entwicklung, lásst aber eine
gewisse Unbestándigkeit in derselben erkennen, so dass
Profile durch dasselbe, verschiedenen Ortlichkeiten zu an-
deren Zeiten entnommen, Abweichungen zeigen.
Eine Messung aus neuerer Zeit, unweit dem Rande
gende Schichtenreihe im Kohlenflótze ergeben: (Figur 8.)
Kohlenbank "42.244 S
Zwaschenmittel-mit Bacillarites 141/20 n
Kohlenbanko 0 1.
*) Geologische Verháltnisse des Jemnik-Schachtes der Steinkohlenwerkschaft Humboldt
bei Schlan v. D. Stur; Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt. 1878.
der Ablagerung, in der Náhe der Adalbert-Grube -hat fol- —
19
Schieferthon mit schwachen Kohlenlagen durchsetzt 0,40 Mt.
Rohlenbank 5 005 v kaj S NÍ OF
Gesammtmáchtigkeit. . . 3,57 Mt.
uz. Kohle. +310;
Zwischenmittel. . .0,47
| Hier gibt sich ein Theil der Mittelbank und die Unterbank des Radnitzer
| Oberflótzes zu erkennen, letztere mit bereits deutlicher ausgeschiedenen Schiefer-
1 zwischenmitteln, als noch bei Kladno. |
| Etwas nordwestlich von diesem Punkte, bečm Johanni-Schachte ist, nach
'gefálliger Mittheilung der H. Bergbeamten die Reihe der Gebirgsschichten bei der
| Abteufung, also von oben nach abwárts, nachfolgend durchsunken worden:
| In 16—17 Meter Tiefe vom Tage aus ein Kohlen-
| MOUZONCK 481030 Pu BYL zahile VšOaO sd le 0,40 Meter
| dann bis circa 58 Mt. Gesammtteufe Schieferthon 0,15.,
| endlich das Kohlenflótz in folgender Gliederung:
PRE JEMDANÍC o 72 S rose ea) E otjje ste « 1,16 Meter
-© Schieferthon reich an Stigmaria . . « + - 0,40 „| mit Kohlenschnůrchen
zekohlenbank cem ona šla al eyce7 sine le bo | durchsetzt.
| Es erscheinen von unten noch aufwárts im Kohlenflótze dieselben Schichten,
-wie im vorhergehenden Profile; aber die Bank mit dem Bacillarites-Zwischenmittel
wird nicht mehr beobachtet. Von den beiden noch vorhandenen Bánken liefert die
obere eine bessere Kohle als die untere, was dem durch das stigmarienreiche,
mit Kohlenschnůrchen durchzogene, 0,4 Mt. Zwischenmittel angedeuteten P
der Sohlendeckenbank entspricht. :
Unter der 2. Kohlenbank lagern dann weiter beim Johannischachte:
Schleifsteinschiefer úberall als hellgefárbte gebánderte Schieferthone . 250 Meter
AH. ©... bk (230 RSS
Letztere Kohlenbank ist sonach unzweifelhaft ein Vertreter des Radnitzer
Unterflótzes. Die geringe Máchtigkeit der Schleifsteinschichten růckt die beiden
Flótze ziemlich nahe an einander, so dass beide als eines betrachtet wurden, um
so mehr als an andern Stellen die Schleifsteine noch weniger máchtig entwickelt
sind. Lipold gibt ihre Máchtigkeit mit 1,75 Mt.; Prof. Krejčí mit nur 1,25 Mt. an;
beide verzeichnen úberdiess úber den Kohlenlagen 1., 2. noch úber 2 Mt. máchtige“
Kohlenschichten, die hier nicht mehr erscheinen, ein Beweis, wie schwankend die
Entwicklungsverháltnisse des Kohlenlagers bei Rakonitz in gewiss nur kurzen Ent-
fernungen sich gestalten.*)
In der náchsten Náhe des Johanni-Schachtes, bei dem dazu gehórigen
Wasserschachte wurden ausserdem úber dem Kohlenflótze zwei schwache Kohlen-
lagen beobachtet, u. z. unter folgenden Verháltnissen:
Erste Kohlenbank ....... 0,10 Meter
Sandstein und Lettenschichten . 2,35.,
*) Lipold das Steinkohlengebiet im nordwestl. Theile des Prager Kreises. Jahrbuch der
k. k. geolog. Reichsanstalt 1861—62 und Prof. J. Krejčí Lehrbuch der Geologie 1877.
2*
20
Zweite Kohlenbank . . . . .. -0,19 :.,
Sandstein' und, Det6n 1 200
dann das Kohlenflótz wie beim Johanni-Schachte.
Ohne Zweifel stellen die beiden neuen Kohlenlagen, die weiter nicht mehr
erscheinen, isolirte Ausláufer jener frůher noch beobachteten úber 2 M. máchtigen
Kohlenbank vor, voraus sich eine bemerkenswerthe Ungleichfórmigkeit in der
Flótzablagerung ergibt, aus welcher gewiss auch das, óstlich von Rakonitz, na
spravedlnosti, bekannte Vorkommen mehrerer schwácherer Kohlenlager, die auf
Grundlage dort vorkommender Pflanzenreste dem Liegendflótzzuge zufallen, zu er-
kláren ist.
Der Liegendflótzzug ist ferner in der Umgebung von Rakonitz weiter aus-
gedehnt, und erscheint sowohl mit der durch Schleifsteinschiefer angezeigten
Unterfótzgruppe am Rande der Ablagerung, theils in Steinbrůchen an der Strasse
nach Pawlikow, (im Krčelak) úber Hostokrey bis Petrowitz; so wie mit der Ober-
flotzeruppe durch in mehreren Bergbauversuchen sůdlich von Rakonitz nachgewie-
senen und durch die im Hostokreyer Bergbaue erschlossenen tieferen Kohlenlager,
die sich bis hinter Petrowitz hinausziehen, vertreten.
Úberall aber bestehen die Kohlenflótze in einer gewissen Unbestándigkeit,
in geringerer Máchtigkeit, und zeigen namentlich in der Richtung ihres gegen
Nord geneigten Einfallens ein baldiges Verschwinden. Es sind denn auch unter-
schiedliche Schurfversuche in den mehr vom Ablagerungsrande entfernten Lagen
in der Umgebung von Rakonitz ohne den erwůnschten Erfolg geblieben.
Im weiteren Verfolge des Ablagerungsgebietes úber Woratschen, Jechnitz,
Scheles etc. bestehen weder Bergbaue, noch werden Gesteinsschichten beobachtet,
die dem Liegendzuge eingereiht werden kónnten, bis in der Náhe von Plass con-
olomeratische Sandsteine an der Basis der Ablagerung die flótzleere Gruppe der
Radnitzer Schichten anzudeuten scheinen, und etwas nordwestlich davon in der
Náhe von Zebnitz bestandene Kohlenschiůrfe durch die mit den Gesteinsschichten
gewonnenen Pflanzenreste das Vorhandensein von zum Liegendflótzzuge gehórigen
Gebilden bezeichnen.
In der Kladno-Rakonitzer Ablagerungsparthie weisen sonach die Kohlen-
fotze des Liegendzuges bei háufiger Unterbrechung durch Gebirgsrůcken im Allge-
meinen von Ost gegen West erst eine Máchtigkeitszunahme, dann wieder eine
merkliche Abnahme auf, hervorgebracht theils durch ein locales Anschwellen
oder Herabsinken der einzelnen Kohlenbánke, theils durch die vollstándigere oder
nur bruchstůckweise und ungemein unbestándige Entwiklung derselben.
Dabei erscheinen die wenigen máchtig entwikelten Flótzparthien, also ostlich
und westlich, vom Rande aus weniger weit in das Innere der Ablagerung unver-.
ándert fortsetzend, als das máchtigere Kohlenlager im Centrum des Gebietes; úberall
wird aber durch allmálige Vertaubung und durch Zunahme eingeschobener Schiefer-
schichten der Abschluss des Kohlenflotzes im Verfláchen beobachtet, und ist in der
nordlichen Verbreitung des Ablagerungsgebietes weder durch Bergbaue noch durch
zu Tag gehende Schichten die geringste Andeutung gegeben, dass der Liegend-
flótzzug sich bis dahin erstrecke oder einen Gegenflůgel zum sůdlichen Rande bilde,
so dass die ganze Flótzablagerung dieses Zuges als eine einseitige, als eine aus-
gesprochene Randbildung sich zu erkennen gibt.
Pilsner Ablagerungsparthie.
21
Hier bestehen Bergbaue, zunáchst sůdlich von Plass, bei Kaznau. Ein
Profil durch das dort erschlossene Kohlenflótz zeigt folgende Gliederung derselben:
Figur 9.
O ve BOJI (PoněÍ 41,00 6008 0,15 Meter
Zwischenmittel mit Bacillarites . . . . . ..... 0067
' 8 a E od DES S SS SE 6 AB 9
| Schieferthon, durch eine schwache Kohlenschicht
| mtzwel Lassen cetřennt < s% 4-54. « * DM
| KO OR A O PM O ea 6 6 yd VEC P 33 NONE
Gesammtmáchtigkeit. .4,51 Meter
| u. z. Kohle. .405 —,
| Zwischenmittel. .0,46
ma darunter. das. Enierfiotz -4 se ls vec ek o
Bei Kaznan besteht sonach eine fast vóllige Úber-
einstimmung in der Gliederung der Flótzablagerung mit
— der stellenweise bei Rakonitz befundenen, und sind nament-
-© lich die, die Sohlendecken vertretende Schieferthonlage und
die Schleifsteinschiefer gleichmássie entwickelt.
Aber wie dort, ist auch hier eine sehr ungleich-
mássige Ausbildung der einzelnen Kohlenlagen bekannt,
so dass verschiedenen Punkten entnommene Profile Ab-
weichungen aufweisen, und auch die Bacillarites-Kohlen-
- schichte stellenweise fehlt.
Eben so verlieren sich im Verfláchen, das nach
der Configuration des Ablagerungsrandes etwas wechselt,
im Allgemeinen aber ein westliches ist, einzelne Kohlen-
lagen, und es entstehen schon nahe am Rande unterschied-
liche Modificationen in der Entwicklung des Flótzes, das in
weiter westlicher Erstreckung durch angestelite Unter-
suchungen nicht mehr in entsprechender Ausbildung an-
getroffen wurde, so dass auch hier wesentlich eine Rand-
bildung sich kund gibt.
Und in áhnlichen Verháltnissen verbreitet sich
die Flótzablagerung in sůdlicher Fortsetzung iiber Jalovčin,
und in dem wenig bedeutenden Vorkommen bei Wobora,
bis in die Umgebung von Třemoschna.
Dann folgen vollkommen ausgebildete Schleifsteinschiefer
2,50 Meter máchtig
125 » »
0,40
O Z
VET LRALBA ZE ZZIIELAL
Von Třemoschna ist ein Profil durch das dortige Liegendflótz bereits in
Prof. D. Fritsch's Fauna der Gaskohle etc. enthalten, und
máchtigkeit von 1,37 bis 1,88 Mt. bloss ein Zwischenmittel
weist bei einer Flótz-
(mit Bacillarites) auf.
Das Flótz ist dann mit 0,8 bis 3,0 Mt. Sandstein unterlagert, ohne das Grundflótz
zu enthalten.
22
Nachdem der Bergbau weiter fortgeschritten ist, wurde das Kohlenflótz |
an einer anderen Stelle abweichend gegliedert befunden, und liefert nachstehendes
Profil: Figur 10, fůr das ich dem Bergverwalter Herren Kolb dankbar bin
Kohlenlage, schwankend zwischen . . . 0,70—1,30 Meter
Schieferthon, : ť 00,0D—100105
Kohlenlage, 3 : 210010900
Zwischenmittel mit Bacillarites . . .. . 0,05—0,10 je
Kohlenlage, schwankend zwischen . . . 050—0,80 |,
Zovischenmitteb" 1 2-0. ý
Kohlenlage Ee o o s
Hier erscheinen bereits mehrere Zwischenmittel; eines úiber jenem schon
frůher bekannten mit Bacillarites; eines unter demselben. Ersteres ist noch durch
eine Kohlenlage úberdeckt, auf welcher Schieferthon als
Fig. 10. Hangendes ruht, der aber von jenem in diesem Zwischen-
mittel abweicht, fester und sandiger ist, und wenig Pflanzen-
reste enthált, und der úberall dort als directe Auflagerung
fehlt, wo die neu hier zugekommene oberste Kohlenlage
(0,7— 1,3 Mt.) nicht erscheint. Dann bildet der pflanzen-
reichere Schieferthon des Zwischenmittels die Hangend-
schichten.
Das zweite neu hinzugekommene Zwischenmittel ist
eine bemerkenswerthe Erscheinung; dasselbe besteht aus
vollkommenen Schleifsteinschiefern, deren Máchtigkeit hier
in auffallenden Weise auf die unbedeutende Grósse von
0,15 Meter herabsinkt und durch welches die unter ihm
liegende Kohlenbank als Unterflótz sich herausstellt.
Es ist bei Třemoschna demnach die Mittelbank zum Theil, ein Theil der
Oberbank des Oberflótzes, und ausserdem das Unterflótz der Radnitzer Schichten
entwickelt, nicht aber die Sohlendeckenbank, so dass sich hier eine Abweichung
in der Flótzentwicklung gegen die nicht weit entfernte Localitát Kaznau herausstellt.
Bei Třemoschna heisst die oberste Kohlenlagce im Profile Fig. 10. Firsten
flótz, alles Úbrige bis zur Sohle herab Grundflótz; worin aber ein Theil des
Oberflótzes und der Reprásentant des Unterflótzes inbegriffen sind.
Die Schichten verfláchen ebenfalls gegen West; das Kohlenflótz ist aber
in dieser Richtung, nicht zu entfernt vom Ablagerungsrande, durch einen sich
vorlegenden Thonschieferrůcken begránzt, und hinter demselben, im Innern des
Ablagerungsgebietes nicht weiter nachgewiesen; so wie auch am entgegengesetzten
Rande keine dem Liegendflótzzug angehórig šich erweisenden Gebilde zu beobachten
sind, sonach dieser Zug nur auf den čstlichen Rand beschránckt sich herausstellt.
Von Třemoschna in sůdlicher Richtung iiber den Weissen Berg bis Pilsen
erscheinen aber wieder Vertreter der Sohlendeckenbank und gehen in der Náhe
von Pilsen stellenweise zu Tage.
Sůdlich von Pilsen zeigt sich l eine abweichende Entwicklung der
Kohlenflótze. Bei Littitz sind durch Bergbau zwei, ziemlich weit von einander
abstehende Kohlenflótze erschlossen. Das obere derselben, beiláufig 1:20 Mt. máchtig,
23
enthált ein schwaches Zwischenmittel mit Bacillarites, ehtspricht sonach einem
© Theile, wie es scheint dem oberen, der Mittelbank.
Bis 40 Mt. darunter liegt das zweite Flótz, 2 bis 22 Mt. máchtig. Die
Gesteinsschichten zwischen beiden schliessen Schleifsteinschiefer ein, und Un-
mittelbar ber diesem unteren Flótze lagert eine einzelne Sandsteinschichte,
jener anderorts úber dem Unterflótze bekannten ganz áhnlich (nur hier háufig
kleine Pyritkórner einschliessend, daher an der Laft bald verwitternd), so dass
die Zugehěrigkeit des zweiten Flótzes zum Radnitzer Unterflótze keinem Zvweifel
unterliegt.
Bemerkenswerth ist, dass die Kohle dieses Flótzes ausnahmsweise hier von
guter Oualitát befunden wird.
Die Schichten verfláchen gegen Nordwest; vom Rande der Ablagerung
wird zuerst das untere Flótz allein; weiter vom Rande entfernt erst auch das
obere Flótz angetroffen, beide mit sehr unregelmássig, buchtig gestaltetem Aus-
gehenden, und durch Schieferrůcken stellenweise unterbrochen.
Beide Flótze aber unterliegen dem Verfláchen nach allmáliger Anderune,
die auf ein stellenweise frůheres, stellenweise spáteres Verschwinden derselben
hindeuten, wie sie auch im weitern Innern des Gebietes nicht mehr nachgewiesen
werden konnten.
Das Unterflótz unterliegt ausserdem hie und da bereits einer Spaltung,
wodurch es sich in einzelne Pánke zerlegt.
Diese Tendenz besteht auch in der sůdlichen Fortsetzung der Ablagerung
bis Mantau. Dort werden mehrere Kohlenflótze beobachtet. Davon ist das oberste
1:3 bis 15 Mt. máchtig und wird Oberflótz genannt. Darunter folgt circa 20 Mt.
máchtig ein Schichtencomplex mit Schleifsteinschiefern; dann das Mittelflótz bis
2:00 Mt. máchtig; 5 Mt. bis 12 Mť. tiefer das sogenannte Niederfiótz, bis etwas
iiber 2:00 Mt. máchtig, und darunter noch das unbestándige absátzige, háufg
verschwindende Unterfiótz. |
Simmtliche unter dem Schleifsteinschiefer liegende Kohlenbánke lassen
sich als das schon frůher sich spaltende Unterflótz auffassen; zwischen dem
Oberflótz erscheint eine Bacillarites-Schichte, so dass hier die Ablagerung jener
bei Lititz, jedoch in weiter modificirter Weise entspricht.
Von allen bei Mantau unter dem Schleifsteinschiefer liegenden Kohlen-
bánken ist nur das Mittelflótz stabil; die úbrigen bleiben stellenweise aus, und
geben sich als locale, sich meist wieder vertaubende Flótztheile kund.
Die Kohlenfótze fallen vom Rande weg in něrdlicher Richtung erst steiler,
dann weniger steil, und es hat sich gezeigt, dass stellenweise das Mittelfilótz unter
einem grósseren Winkel verflácht (35 Grade), als das ober ihm liegende Oberflótz
(mit nur 23 Grad) so dass der beide trennende Schichtencomplex gegen die Tiefe
zu an Máchtigkeit zunimmt. |
Auch wechselt úberhaupt die Máchtigkeit der Schichten zwischen den
Kohlenlagen, und diese treten háufig náher an einander.
Da weiter in das Hangende versetzte Schurfversuche die Flótzablagerung.
jn nur sehr reducirter Weise darthun konnten, so ist auch hier eine im Verfláchen
eintretende Abnahme der Kohlenlagen sicher gestellt.
Etwas nordlich vom Mantaw'er Bergbaue, bei Chotě-
schau, lagern deutlich Kohlenausbisse zwischen Sandsteinen
auf azoischen Schiefern, womit die sůdlichste Begránzung
des Liegendflótzzuges in der Pilsner Ablagerungsparthie
bezeichnet ist.
Dann sind Kohlenfótze vielfáltie durch Bersbau am
| entgegengesetzten, nordwestlichen, Rande der Ablagerung -
| úber Wilkischen und Nůrschan hinaus erschlossen, die
| | dhre Zugehorigkeit zum Liegendzuge erkennen lassen.
Zuerst ist in der Umgebung von Wilkischen nur ein
Kohlenflótz abgelagert. © Es streicht dasselbe gegen Osten
nach Blattnitz, Nůrschan. Bet Blattnitz tritt úber ihm ein
zweites Flótz auf, sich allmálig ansetzend, und es besteht
von da an in ostlicher Richtung ein Unterflótz und ein
Oberflótz, bis in die Umgebung von Dobraken, die bald
in geringerer, bald in grósserer Tiefe, mehr oder weniger
von einander getrennt, auch in der Máchtigkeit schwan-
kend erscheinen.
Das obere Kohlenflótz wird von Zwischenmitteln aus
per | grauem Schieferthone mehrfach durchsetzt, in welchen
= nirgends Bacillarites, dagegen háufig Stigmaria einge-
r schlossen vorkómmt.
> Ein Auerschnitt durch dieses Flótz in der Grube von
Steinaujezd liefert folgende Gliederung: (Fig. 11.)
= z Kohlenlage“ 4717 E A0 Sde
9,50. = = Sehiefertkon 33 eye V:
— Kohlenláse 4434540
= Schieferthon *"3%2.5% F 20800 E
— Kohlenlage: 7. 729712)
——== Gesammtmáchtigkeit . . 1:60 Mt.
u..zw.-Kohle -080-5
Schieferthon . . 080 „
Doch ist die Entwicklung des Kohlenfótzes fortwáhrend Anderungen
unterworfen; in geringer Entfernung von vorstehendem Profil z. B. ergibt sich die
Gliederuns:
Kohlenlage 0:60 Mt.; Schieferthon 0:60 Mt.; Kohlenlage 0-70 Mt.; im
Ganzen 1:30 Mt. Kohle und 060 Mt. Schieferthon; und so wechseln Kohlenlagen
und Schieferthone, bald máchtiger, bald schwácher werdend, an Zahl bald zu-, bald
abnehmend und schwankt das Kohlenflótz zwischen 15 bis 2 Metern. In ganz
kurzen Entfernungen treten merkwůrdice Unterschiede in der Gliederung des
Flótzes auf.
Der Character der Unterbank des Radnitzer Oberflótzes ist aber úberall
hervortretend.
Uber dem Unterflótze, also zwischen beiden, liegen Schleifsteinschiefer,
25
| ausgezeichnet ausgebildet und Sphárosiderite einschliessend. Das Unterflótz wird
zudem von einer Sandsteinschichte, ganz jener bei Lititz úber dem Unterfótze
* befindlichen hnlich, úberlagert. Die Schleifsteinschiefer 9 bis 10 Mt. máchtig. —
(Unter dem Unterflótze werden besonders bei Blattnitz, Conglomerate mit scharf-
kantigen Thonschieferbruchstůcken, den azoischen Schiefern aufruhend gefunden.
Es sind sonach am nordwestlichen Rande der Ablagerung auch beide
| Radnitzer Flótze vertreten, das obere aber bloss durch die Unterbank, woraus sich
hier eine Abweichung in der Entwicklung der Liegendflótze an den entgegenge-
setzten Rándern ergibt, indem zwar das Unterflotz beiderseits erscheint, das
Oberflótz aber nordwestlich durch áltere, sůdostlich durch jůngere Lagen ver-
treten ist.
Das Unterflótz ist hier úberall wieder von wechselnder meěist ungenů-
© gender Beschaffenheit; 10 bis 15 Mt. máchtig.
Das Verfláchen der Gesteinsschichten und děr Kohlenflótze ist jenem am
sůděstlichen Rande bestehenden entgegengesetzt, nehmlich gegen Sůd gerichtet;
die Schichten sind in diesem Theile der Pilsen'er Ablagerung synclinal gestellt,
und es sind Gegenflůgel vorhanden.
Aber auch hier am nordwestlichen Rande werden die Kohlenflótze in der
Richtung des Verfláchens frůher oder spáter verschwindend befunden, also gegen
das Innere der Ablagerung zu sich verlierend, oder sie erscheinen in dieser
Richtung und eben so dem Streichen nach durch hervortretende Schieferrůcken
unterbrochen, oder auch scharf absetzend, und so in einzelne verschieden grosse
Kohlenfótzschollen zertheilt.
Zumeist lehnen sich die Flótze an die Schieferrůcken, allmálig schwácher,
unreiner, selbst sandig werdend, an; oder es wird ein plótzliches Enden des
Flótzes ohne Verschwáchung beobachtet, das nicht durch Verwerfungsklůfte bedingt
ist, so dass stellenweise an VOr Abschluss der Ablagerungsthátigkeit stattgehabte
Erosionen gedacht werden kánn, wodurch die unterschiedlichst geformten, vielfach
buchtigen, oft in ganz schmale Zungen ausgezogenen isolirten, nicht selten als
eigene Becken betrachtet gewesenen, Kohlenfótzparthien entstanden, die in Ge-
meinschaft mit den auch hier háufig genug bekannten Verwerfungen dem Bergbaue
oft sehwer úberwindliche Anstánde bereiten, und in den zwischen ihnen nicht
selten in genug grosser Ausdehnung befindlichen Kohlenflótzleeren Gebirgsparthien
fůr die ungůnstigen Ergebnisse so mancher in dieser Gegend unternommenen
Schůrfung Aufklárung liefern.
Der freundlichen Unterstůtzung der Hr. Bergdirektor Rossipal und Mark-
scheider Pěkny bei der Ermittlung der hier bestehenden Lagerungsverháltnisse
muss ich mit Dank erwáhnen.
Die bekannte Verbreitung der beiden Liegendflótze reicht nun dem Streichen
nach bis in die Umgebung von Dobraken, ist aber weiter úber Tuschkau an der
Mies hinaus nicht nachgewiesen.
Das allmálige Verschwinden der Kohlenflótze ihrem Verfláchen nach von
* beiden Rándern des sůdwestlichen Pilsner Ablagerungsgebietes gegen das Innere
zu, gibt auch diesem, eine gróssere Ausbuchtung der gesammten Ablagerung dar-
20
stellenden Theile den Character einer vorwaltenden Randbildune, die die weiter ©
einwárts liegenden Parthien frei von Kohlenflótzen liess, wie mehrfache Unter- |
suchungen dargethan haben.
Ablagerungsparthie bei Wranowa náchst Mies.
In dieser unbedeutend ausgedehnten Ablagerungsparthie ist das Vorkommen
nur eines Kohlenflótzes bekannt.
Dasselbe erreicht 2—4 Meter Máchtigkeit, wird un-
Fig. 12. mittelbar von grauem Schieferthon, weiter von Sandsteinen
úberlagert, von drei Zwischenmitteln aus ebenfalls granuem
Schieferthone in mehrere einzelne Bánke zerlest und deutet
hiedurch wie durch das zahlreiche Vorkommen von Štig-
maria-Abdrůcken in letzteren, und durch den sonstigen
Character der in den Begleitschichten erhaltenen Pílanzen-
reste, worunter Lepidodendra und Sigillarien, auch in den
Kohlenschichten erkennbar, seine Zugchorigkeit zu den
Radnitzer Schichten und seine Analogie mit der Unter-
bank des Oberflótzes derselben an.
Es ist diesemnach mit dem oberen der beiden Lie-
gendflótze bei Nůrschan in Úbereinstimmung, mit dem es
auch die Unbestándigkeit in der Entwicklung der einzelnen
Kohlenlagen und den Máchtigkeitswechsel der Zwischen-
mittel gemeinsam hat, in Folge dessen die Flótzmáchtigkeit
zwischen 2 und 4 Mt. schwankt.
Die Ablagerung stellt sich sonach wahrscheinlich als
der Úberrest einer ehemals weiteren Verbreitung des Pils-
ner Ablagerungsgebietes heraus, der durch allmálige Zer-
stórung der Zwischenglieder isolirt wurde, worauf noch
zwischen beiden Localitáten Wranowa und Nůrschaner
Umgebung vorkommende Sandstein- und Schotterparthien
hinweisen.
Ablagerungsparthie Wittuna.
Etwas čstlich von Stankau, vor dem Dorfe Strich-
lowa oder Krchleb, beginnt diese Parthie mit conglomera-
tischen Sandsteinen, und erstreckt sich, unregelmássig
begránzt, gegen Merklin. In ihr ist ein Kohlenflotz ab-
gelagert, das aber nicht das ganze Gebiet derselben ein
nimmt, sondern von den Rándern entfernt seine Aus-
gehenden hat.
Die Gliederung dieses Kohlenflótzes, besonders wo es máchtiger entwickelt
ist, gibt sogleich Aufschluss ber dessen Stellung. Eine solche ist aus nach-
stehendem Profile ersichtlich: (Fig. 12.) |
Kohlenlage +14 1:781kystid 40 ša 8 OHM
21
Zwischenmittel, grauer Schieferthon 0,35 Mt.
Kohlenlage 7 A4 ve 0,15 „
Zwischenmittel, grauer Schieferthon - 0,15; ; «
Rahlenlase: Teo 050%,
Zwischenmittel, grauer Schieferthon . 0:05:75
Kohlenlage . ATO POOO o0 W BDX
Gesammtmáchtigkeit „200 Mt.
u. zw. Kohle L nA váš
Zwischenmittel ODD
Die Zwischenmittel sind reich an Stigmarla, und ihr Erscheinen in grósserer
Anzahl úber einander, so Wie
der Charakter der úbrigen beobachteten fossilen
Planzen reiht das Flótz dem Liegendflótzzuge und speziell der Unterbank des
Radnitzer Oberflótzes an.
Wie verschiedenartig sich di
e Gliederung des úber ein nur beschránktes
Gebiet verbreiteten Kohlenfiótzes entwickelt, zeigt eine Anzahl weiterer Profile
durch dasselbe, deren genaue Verzeichnung mir durch Gůte des Bergverwalters
Hr. Kahler ermóglicht wurde.
An einer Linie, die von West gegen Ost durch die Flótzablagerung ziemlich
in der Mitte derselben gelegt ist, wird das Flótz an einzelnen hinter einander
folgenden Punkten in nachstehender Weise zusammengesetzt befunden :
I. (Westlichster Punkt.) TE III.
Kohlenlage 0,16—0,21M. © Kohlenlage 0,16—0,21 M. © Kohlenlage 0,47 M.
Schieferth. 0,21—0,52 „ Schieferth. 0,10—0,16 „ Schieferth. 0,16—0,52 „
Kohlenlage 0,32—0,47 „ Kohlenlage 0,32—0,40 , Kohlenlage 0,32 i
Schieferth. 2,00—5,00 „ Schieferth. 0,10—0,18 ,
Kohlenlase 0,08 M Kohlenlage 0,16 ň
TV
Kohlenlage 0,39—-0,47 M.
Schieferth. 0,32—1,26 ,
Kohlenlage 0,15—0,26 ,
Schieferth. 0,16—0,52 „
Kohlenlage 0,32— 0,47 „
V
Kohlenlage 0,10 M.
Schieferth. 0,20 ě
Kohlenlage 0,21—0,32 ,
Schieferth. 2,00—5,00 ,
Kohlenlage 0,08 é
Schieferth. 0,16—0,32 ,
Kohlenlage 0,32—0,41 ,
VI. (Óstlichster Punkt.)
Kohlenlage 0,16—0,32 M.
Schieferth. 0,03—0,08 ,
Kohlenlage 0,63—0,79 ,
Schieferth. 0,16—0,32 ,
Kohlenlage 0,08 ň
Schieferth. 0,03—0,10 „
Kohlenlage 0,40—0,47 ,
© Die Entfernung der Endpunkte betrágt beiláufig 2200 bis 2300 Meter, so
dass die einzelnen Profile durchschnittlich an 400 Meter von einander weit liegen.
Einzelne davon, wie II. und V. auch VI. sind ziemlich úbereinstimmend,
aber durch andere gánzlich verschie
Máchtigkeitsveránderung. der Zwischenmittel, theils
Wiedererscheinens einzelner Kohlenlager, getrennt. :
Etwas. sůdlich von den beiden Punkten IV. und V. ist das oben zuerst
mitgetheilte Profil (Fig. 12) entlehnt. Auf einer ebenfalls von Ost nach West durch
den gegliederte, theils in Folge einer localen
des localen Ausbleibens und
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den Punkt dieses Profis gelegenen Linie findet man, westlich von demselben das
Kohlenflótz nachfolgend gegliedert:
Kohlenláge > 728 Oo Meter
Schieferthon 7 071015=092-
Kohlenlage: "3729003501026
Und in dieser Gliederung befindet sich dann das Kohlenflótz iiber einen
ansehnlichen Theil seiner Verbreitung in westlicher Linie stabil.
Schon die gegebenen Profile, denen noch eine gróssere Anzahl bestehender
Modificationen angereiht werden kónnte, genůgen, neben dem ůberall erhaltenen -—
Character der Sohlendeckenbank, die auffallende Mannigfaltigkeit der Entwicklung
der einzelnen Schichten in oft so kurzer Entfernung zu zeigen, und die Steigerung
der schon in der Umgebung von Pilsen in der Entwicklung und Verbreitung der
einzelnen Kohlenlagen sich kundgebenden Unregelmássigkeit und Unbestándigkeit
in der sůdlichen Richtung des Ablagerungsgebietes darzuthun.
Úberlagert wird das Kohlenflótz von grauen, hie und da sandigen Schiefer-
thonen, dann von Sandsteinen 20 bis 40 Meter máchtig; hie und da erscheint
úber demselben noch eine 0,15 Meter starke Kohlenschicht.
In die Tiefe durchgefiihrte Untersuchungen haben weiters 3 bis 50 Meter
máchtig Sandsteine und Schieferthone nachgewiesen. Zwischen diesen ist mehrmal,
ungleich tief, ebenfalls eine schwache Kohlenlage beobachtet worden; zugleich
werden weisse Sandsteine, und eben solche, feinkórnige Schieferthone angetroffen.
Móglicher Weise vertritt diese schwache Kohlenschichte das Unterflótz; jene erstere
eine hóhere Bank des Oberflótzes in bruchstůckweiser Erhaltung.
2. Der Mittelflótzzug oder die Nůrschaner Schichten.
Die Verbreitung des Mittelflótzzuges ist auf die beiden Ablagerungsgebiete
Pilsen und Kladno-Rakonitz beschránkt. In keiner der úbrigen Parthien sind bis
jezt irgend welche Anhaltspunkte fůr des Vorkommen desselben vorhanden.
Der Beginn dieses Flótzzuges lásst sich nur in den Horizont des in der
Reihe der Ablagerungsschichten von unten nach aufwárts zunáchst úber jenen des
Liegendzuges erscheinenden Kohlenflótzes versetzen.
Eine Vereinigung einer grósseren Parthie der unter diesem Flótze (zwischen
ihm und den Liegendflótzen) befindlichen Gesteinsschichten noch mit dem, dem
Mittelflótzzuge zugehóorigen ber dem Flótze folgenden Schichtencomplexe ist bei
dem Mangel abweichender Lagerungsverháltnisse stratigraphisch nicht geboten.
Auch in paláontologischer Hinsicht ist bei dem Umstande, dass organische
Úberreste in entsprechender Menge erst mit dem Kohlenflótze und den ihm an
seiner Basis zuzurechnenden Schichten, und weiters in dessen Hangendschichten
angetroffen werden, keine Veranlassung hiezu gegeben.
Das Kohlenflotz des Mittelzuges erweist sich im Allgemeinen schon durch
den Umstand auffállig abweichend von jenen des Liegendzuges, dass es aus
zweierlei in verschiedenen Bánken erscheinenden Kohlengattungen zusammengesetzt
ist; aus echter Schwarzkohle, und aus einer, oft plattenfórmigen Cannelkohle-
s!
© besteht, und eine veránderte Kohlenbeschaffenheit nur in der grósseren oder gerin-
/
29
| artigen Varietát, die wegen ihres reichen Gehaltes an Leuchtgas ein sehr gesuchter
| Artikel ist, zuerst aus der Umgebung von Nůrschan bekannt und unter dem Namen
- Plattelkohle in den Handel gebracht wurde, wáhrend bei den Liegendflótzen ein
derartiger Unterschied in der Kohlengattung einzelner bestándiger Lager nicht
geren Beimengung schiefriger Schichten im Allgemeinen bedingt ist.
Ein anderes Unterscheidunegsmerkmal bietet ferner der Abgang sámmtlicher
den Liegendflótzen eigener Zwischenmittel.
Bacillarites-Schichten fehlen durchaus; und obwohl aus diesem Mangel
allein keineswegs auf die Abwesenheit von Radnitzer Schichten (bei unvollkom-
mener Entwicklung derselben) ein Schluss gestattet ist, so ist diess der Fall doch
in Anbetracht der gánzlich abweichenden Anordnung und der anderweitigen Be-
schaffenheit der das Mittelflotz begleitend Zwischenschichten.
Insbesondere sind auch die paláontologischen Verháltnisse geeignet, das
Mittelflótz von den Liegendflótzen unterschieden zu erkennen; namentlich ist das
Vorkommen von Wirbelthierresten, deren erste Spuren in der Schichtenreihe unserer
Ablagerung auf einzelnen Bánken dieses Flótzes erscheinen, zu bemerken.
Rs begleitet diess Vorkommen von Wirbelthierresten das Mittelflotz nicht
úber seinen ganzen Verbreitunesbezirk; aber wo sie auch erscheinen, werden sie
immer nur auf die Schichten an der Basis des Kohlenflótzes beschránkt gefunden,
und weder unter demselben, noch in den hóheren Lagen des Kohlenflotzes oder
seinen weiteren Hangendschichten irgendwie angetroffen.
Der erste Wirbelthierreste fůhrende Horizont in unserer Steinkohlen-
ablagerung ist sonach in enger Verbindung mit der Erscheinung des Mittel-
kohlenflótzes.
Dagegen erscheinen Pflanzenreste am zahlreichsten in den das unmittelbare
Hangende des Flótzes bildenden, meist graugefárbten, háufig aber in's Rothliche
oder Violette geneigten, auch von róthlichen Adern durchsetzten oder gefleckten,
stellenweise grůnlichen Schieferthonen eingeschlossen, nur seltener auf Schichten
des Kohlenflótzes selbst, woraus ein neuer Planzenreste fiihrender Horizont entsteht.
Die Selbststándigkeit des Mittelflótzes wird ausserdem durch die beste-
henden Lagerungsverháltnisse in den beiden Parthien seines Vorkommens deutlich
erwiesen, wie sich aus einer náheren Betrachtung dieser ergibt.
Pilsner Ablagerungsparthie.
In der Umgebung von Nůrschan wurden mehrfach, besonders nordostlich
bei den sogenannten Pankrazgruben bei Abteufungen drei unter einander folgende
Kohlenflótze angetroffen, von denen die beiden unteren sich den friiher geschilderten
Liegendflótzen zugehórig erwiesen, wáhrend des oberste dritte eine neue Er-
scheinung blieb.
Vom nordwestlichen Rande der Ablagerung weg wird dort zuerst das
Unterflótz, weiter einwárts das dem Oberflótze des Liegendzuges entsprechende
Kohlenlager ausgehend getroffen, iiber denen sich zuletzt, am meisten gegen das
Innere der Ablagerung vorgerůckt endlich das dritte Flótz, als das jůngste ansetzt,
k
30
so dass Scháchte in dieser Richtung abgeteuft, erst nur ein Flótz, dann zwei
solche, endlich alle drei durchteufen.
Dieses dritte jingste Flótz verbreitet sich dann in sůdwestlicher Richtung,
wo besonders in den zum Humboldt- und zum Ziegler-Schachte gehórigen Gruben
noch jetzt ein lebhafter Abbau desselben besteht.
Das Flótz ist besonders in der Náhe dieser Scháchte vollkommen ent-:
wickelt und geeignet, seine Eigenthůmlichkeiten zur Anschauung zu bringen.
Ein Profil durch dasselbe liefert folgende, schon in Prof. Dr. Fritsch's
Fauna der Gaskohle etc. dargelegte Gliederung, von oben nach abwárts:
Schwarzkohle, wůrflig spaltend . ... . . .0,30 Mt.
Zwischenmittel, schwarzer Schieferthon, mit |
wenig PRanzenresten 9 W ne 0,03—0,20 „
Schwarzkohle, wůrflig spaltend ....... 0,30 :
Cannelkohle, muschlig brechend, mit viel Stig-
maria, seltenen Farrenresten, und ein-
zelnen Knochen kleiner Saurier . . . -. 0,90 M
Brandschiefer, in diůnnen Platten, mit Sauriern-
fischen, Gampsonychus und Farrenresten 0,25 ň
Zwischenmittel, grauer fester Schieferthon .0,02—0,05 „
Plattelkohle, in dicken Platten, mit weissen
thonigen Streifen und theilweisse důnnen
Thoneisensteinlagen, als Hauptfundort der
Daurier 52 345885 Ado ee ké + 0,30 R
Kohlenlage, bláttrig, in grůnlichen Platten |
und háufig mit in Kies umgewandelten
Calamiten -543 Xn 0004 Ao Ask 0,08 ss
Gesammtmáchtigkeit. . 1,58 Mt. :
u. z2Kohe— 11535
Zwischenmittel. .0,05 „
Die in der untersten Kohlenlage eingeschlossenen Calamitenreste erscheinen
háufig auch mit einem grůnlichen Úberzuge versehen, und es beginnen in derselben
die Saurierreste zu erscheinen. Die Cannelkohle ist oft von so fester Beschaffenheit,
dass sie sich zu gedrechselten Gegenstánden verarbeiten lásst.
Úber dem Kohlenflótze lagern dann Schieferthone mit Pfanzenabdrůcken,
bis 10 Meter máchtig und endlich Sandsteine.
Die Abweichung dieses Flótzes von jenen des Liegendzuges ist hier in
der ganzen Zusammensetzung desselben ausgesprochen; zudem ist seine Ver-
breitung von jener der Liegendflótze in derselben Gegend abweichend, und wird
auch in dieser Hinsicht auf die Selbststándigkeit dieses Flótzes hingewiesen.
Es úberlagert dasselbe nehmlich vielfach solche Strecken, wo die beiden
Liegendflótze fehlen, und fehlt háufig wieder dort, wo sich jene verbreiten.
So ist seine Ausdehnung von den Pankrazeruben in einem keineswegs-
sehr breiten Streifen sůdwestlich ber Nůrschan hinaus bekannt. Denn wáhrend
es dort an dem nordwestlichen Rande der Ablagerung (Mariaschacht) noch fehlt,
31
Ibei den sůdlicher liegenden Scháchten aber angefahren wurde*), ist es bereits bei
Jdem noch sůdlicher stehenden Krimich-Schachte nicht mehr gefunden worden,
Jund hat dieser Schacht mit 175 Mt. Tiefe gleich das obere der beiden Liegend-
Hlótze erreicht.
| In dem etwas weiter resilich gelegenen Šteinaujezd-Schachte sind ebenfalls
(nur die beiden Liegendflótze angetroffen, und keine Spur des Mittelflotzes vorhanden;
'erst in den sůděstlichsten Gránzen des zu diesem Schachte gehórigen Giřubono
„feldes, also ansehnlich weit von ihm entfernt, reicht in sehr beschránktem Masse
-eine schwache Kohlenschichte in hóherem Niveau ber jene herein, als Aus-
"gehendes des bei dem sůdlich angránzenden Humboldt-Schachte wieder fast aus-
"schliesslich vorkommenden Mittelflótzes.
Bei diesem Humboldt-Schachte sind nehmlich nur an dessen ostlichsten
| Gránzen, unter diesem aus seiner nordlicheren Verbreitung úber den Liegend-
Aótzen sich herabziehenden Mittelflótze erstere ein wenig herreichend, im gróssten
| Theile des Grubenfeldes aber nicht vorhanden.
Vom Steinaujezd-Schachte, wo beide Liegendflótze entwickelt sind, fallen
dieselben gegen den sůdlich situirten Lazarus-Schacht, ohne dass bis dahin das
Mittelflótz úber ihnen zum Vorschein kómmt.
Erst sůdlich vom Lazarus-Schachte setzt sich dasselbe an, eine Strecke
weit von dem oberen der Liegendflótze unterlagert, nachdem das untere derselben
schon beim Lazarus-Schachte sich auszukeilen beginnt, und weiter verschwindet.
| Bei dem weiter westlich sich befindenden Grubenbaue Blattnitz wurde
das Mittelflótz in 154 Mt. Tiefe, das Flótz aber nur 0,75 Mt. máchtig angefahren,
und mit 167 Mt. Tiefe der azoische Thonschiefer erreicht, ohne auf die Liegend-
lotze zu treffen.
Něrdlich von dem, wieder sůdlich von Blattnitz stehenden Zieglerschachte
wurde aber angetroffen, von oben nach abwárts:
In beiláufig 88 Mt. Tiefe das Mittelflótz, als das oberste . 1,15 Mt. máchtig,
in 115 Mt. Tiefe, also 27 Mt. unter ersterem das obere
Be SEM ODE S29 bd Ko, oby SKO
in 124 Mt. Tiefe, 9 Mt. tiefer, das untere Liegendflótz. .1,70 :
und bei 133 Mt. Tiefe azoischer Schiefer als Grundgebirge.
In der Grube beim Zieglerschachte selbst setzt wieder nur ausschliesslich
das oberste, das Mittelflótz fort, und ist in dessen sůdlicher Umgebung, in der
Náhe des Janow-Teiches in Tiefen von 109 bis iber 170 Mt., mit 1,6 bis 1,8 Mt.
Máchtigkeit angeschůrft worden; und soll neuerer Zeit bis in der Náhe von
Gottowitz beobachtet worden sein.
In nordwestlicher Richtung, gegen Wilkischen, wird dasselbe nirgends
mehr gefunden, und eben so wenig ist im sůdlichen und sůdostlichen Gebiete der
Pilsner Ablagerungsparthie irgend welche merkbare Fortsetzung dieses Mittel-
flótzes bekannt. Es erscheint vorwaltend auf die nordwestliche Hálfte der Abla-
gerung beschránkt, ist sonach ebenfalls einseitig entwickelt, und in einem mit
*) (Silvia-, Antoni- und Marthaschacht.)
92
jenem der Liegendflótze nicht correspondirenden Verbreitungsbezirke gelagert.*)
Erst in der Umgebung von Třemoschna erscheint úber den dort kennen gelernten
Liegendflótzen wieder ein Kohlenlager, das mit Ausnahme seiner geringeren
Máchtigkeit, vollkommen analog jenem bei Nůrschan zu oberst befindlichen
sich erweist.
Die Zusammensetzung dieses Flótzes zeigt nehmlich von oben nach abwárts
folgende Gliederung:
Schwarzkohle -i 4uzliuus has BR V Ak Vla Ee 10 son 8
Cannelkohle, Stigmaria enthaltend. ©... ...... ..010 „
Plattelkohle, dinnbláttrig mit Wirbelthierresten „0,09 |,
Plattelkohle gestreift, mit Wirbelthierresten . . .0,04 „
Die Úbereinstimmung in der Zusammensetzung dieses Kohlenflotzes mit
jenem bei Nůrschan ber den Liegendflótzen befindlichen ist in der Reihenfolge
der verschieden beschaffenen Kohlenbánke so wie durch das Vorkommen der
gleichen Thierreste an seiner Basis deutlich ausgesprochen.
Und auch die Selbststándigkeit des Flótzes ist durch die bestehenden
Lagerungsverháltnisse ausser Zweifel gesetzt. Die Liegendflótze verbreiten sich
vom Rande der Ablagerung ausgehend; erst in weiterer Entfernung mehr im
Innern derselben erscheint das Mittelflótz úber ihnen und durch Gesteinsschichten
getrennt, und setzt dann in dieser Richtung, erst úber den Liegendflótzen, dann
aber nur allein auftretend fort, nachdem letztere an dem friůher erwáhnten Schie-
ferrůcken ihr Ende erreichen. Eingehend sind diese Verháltnisse erórtert in Ver-
handlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt vom Bergverwalter Kolb und in Dr.
Fritsch Fauna der Gaskohle.
In der Umgebung von Třemoschna ist die Verbreitung dieses dem Mittel-
zuge zugehorigen Flótzes ebenfalls nur eine geringe; es scheint, durch úberlagernde
jůngere Schichten in der Strecke zwischen Třemoschna und Nůrschan der Beo-
bachtung entzogen, in einem von Nordost gegen Siůidwest sich hinziehenden Streifen
abgelagert zu sein. Jedenfalls ist aber auch hier das Ausgehen des Flótzes vom
sůdostlichen Rande der Ablagerung entfernt, und lásst sein Erscheinen vorwaltend
gegen Nordwesten hinausgeschoben, die Tendenz zur mehr einseitigen Entwicklung
nicht verkennen.
Kladno-Rakonitzer Ablagerungsparthie.
Nordlich von Třemoschna, und in dem ganzen westlichen Gebiete der
Kladno-Rakonitzer Ablagerung úber Plass-Jechnitz ete., ist nirgends eine zuver-
lássige Andeutung von dem Vorhandensein zum Mittelzuge gehoriger Schichten
gegeben.
*) Eine Bohrung bei Auherzen, nordlich von Mantau hat folgendes Resultat geliefert:
Sandstein und Schieferthon 57“ 5' 2"" tief; dann Kohle 12'', Schiefer 46"' und Kohle 6';
Sandstein und Schieferthon bis zur Tiefe von 65% 0" 6"': dann Kohle 22"'; weiter Sand-
stein und Schieferthon bis 699 3' 6'' Tiefe; dann Kohle 7“ und endlich bis zur Tiefe
von 819 5' 7" Sandsteiu, worunter azoische Thonschiefer. Es scheinen sonach hier noch
die bereits sehr verschwáchten beiden Liegendflótze, úber ihnen das Mittelflótz, bereits
gespalten, erreicht worden zu sein.
33
Erst in der Umgebung von Rakonitz, besonders bei Lubna und Senez, ist
-ein Kohlenflótz bekannt, das seit langer Zeit in bergbaulichem Betriebe hefindlich,
| die Anwesenheit des Mittelflotzzuges wieder erkennen lásst.
Eine náhere Betrachtung der Gliederung dieses Flótzes zeigt keinerlei
© Merkmale, die dasselbe in die Reihe der Liegendflótze einzureihen geeignet sind,
© "denen zugehorig es in frůherer Zeit betrachtet wurde. Dagegen ist eine auffallende
© Verwandtschaft mit der Beschaffenheit des in der Pilsner Ablagerung zunáchst úber
-den Liegendflótzen kennen gelernten, sog. Nůrschaner Flótzes auseesprochen.
Es zeigt dieses Flótz von Lubna-Senez nehmlich nachfolgende Gliederung:
Kohlenlage (Firstkohle) compact, theils dunkelbraun . . . . 0,30—1,00 Mt.
„© Zwischenmitel, schwarzgrauer Letten . .. <.. <.. 4. 008—0,20 „
P- Kohlenlage, schwarze, wůrflig brechende Kohle . . . . . . .0,20—0,30 ,
l Cannelkohle, compact, bráunlich, enthált Stigmaria . . . . .0,20—0,2 „
(© Brandschieferlage, důnnplattig mit Farrnresten . . . . . « -0,10—0,20 ,
| Zwischenmittel, Letten, mit Sphárosideritplatten ©. . . . . .0,20—050 ,
| Brandschiefer, hart, plattig geschichtet, mit Pflanzenresten . . 0,10—0,20
| Es folgen dann unter dem Kohlenflótze in der Máchtigkeit sehr wechselnde
| Schieferthone mit eingelagerten schwachen Brandschieferschichten, in welchen Cala-
miten mit einem grůnlichen Úberzuge beobachtet werden, wie bei Nůrschan und
Třemoschna.
Hier wie bei Nůrschan tritt vor Allem der Unterschied in der Kohlen-
gattung, aus welcher die oberen und die unteren Lagen bestehen, vor Augen;
Schwarzkohlenlagen, durch ein Zwischenmittel getrennt, oben, Cannelkohle und
plattelkohlenartige Brandschiefer unten; die Cannelkohle enthált Stigmaria; die
Brandschiefer fůhren Farrnreste, zwischen ihnen stellt sich eine Lage Spháro-
siderite ein, und an der Basis werden grinlich úberzogene |Calamiten gefunden.
Es liegen sonach, mit Berůcksichtigung der durch die Entfernunzg erklár-
baren geringen Modificationen in stratigraphischer Beziehung alle Anzeichen fůr
die Analogie des Kohlenflótzes von Lubna-Senez mit jenem von Nůrschan vor, wie
Sschon zuerst Prof. Kušta in mehrerer Mittheilungen nachzuweisen in der Lage war.
In palaeontologischer Beziehung aber ist ein wesentlicher Unterschied zu
verzeichnen, indem zwar die fossilen Pflanzenreste sich úbereinstimmend erweisen,
Wirbelthierreste aber bisher nirgends zum Vorschein gekommen sind.
Nichts desto weniger kann doch die Lagerung des Kohlenflótzes in einem
selbststándicen, úiber dem Liegendflótzzuge befindlichen Horizonte nicht ver-
kannt werden.
Es wird dasselbe von Sandsteinen und Schieferthonen úber 100 Meter
máchtig unterlagert, ohne dass zwischen diesen weiter ein Kohlenflótz eingeschlossen
ist, woraus freilich nicht, wie bei Nůrschan, schon durch die Reihenfolge der
abgelagerten Kohlenflótze sich das Lubna-Senezer als oberstes herausstellt; es ist
indess schon die máchtige Unterlagerung, wie sie sonst nirgends bei den Liegend-
- Hótzen entwickelt ist, geeignet, eine andere Stellung fůr jenes wahrscheinlich
-zu machen.
,: Etwas westlich von Lubna, bei Hostokrey, ist aber úber den, dort wieder
- abgelagerten Liegendflótzen die Fortsetzung des Flótzes von Lubna Ad metténd. und
| 3
34
so ist hier durch die bestehenden Lagerungsverháltnisse das jingere Alter und der
selbststándige Horizont desselben dargethan, zugleich auch die Andeutung fůr einen
von jenem der Liegendflótze unabhángigen Verbreitungsbezirk desselben gegeben.
Úberlagert wird das Flótz bei Lubna erst von theilweise rothlichen, sonst
orauen Schieferthonen und endlich Sandsteinen. Die oben gegebene Gliederung des
Lubna'er Kohlenflótzes unterliegt vielfachen Anderungen, in sofern dessen einzelne
Lagen in Bezug auf ihre Máchtigkeit sehr wechselnd befunden werden, so dass
Profile verschiedenen Stellen entnommen, namhafte Abweichungen aufweisen, wobei
sich namentlich in der Richtung des Verfláchens gegen Nord ein allmáhliges
Schwinden der einzelnen Lagen einstellt, und das Flótz nach und nach in dieser
Richtung seinen Abschluss erhált.
Auch hier befindet sich die Flótzentwicklung am meisten in der Náhe des
Ablagerungsrandes ausgebildet.
Von den einzelnen Lagen sollen sich die in der oberen Hálfte des Flótzes
am lángsten erhalten, die an der Basis befindlichen plattenfórmigen am ehesten
schwinden, und es erscheinen einzelne derselben am Rande des Flótzes nur
schwach, verstárken sich im Verfláchen, verschwinden aber weiterhin immer mehr.
Eine áhnliche Unbestándigkeit in seiner Entwicklung zeigt das Flótz auch
in seiner Streichungsrichtung von Ost gegen West, wie dessen geringere Máchtig-
keit schon bei Hostokrey lehrt.
Und so ist es hóchst wahrscheinlich, dass das 40 Mt. úber dem oberen
Liegendflótze bei der Rakonitzer Adalberti-Zeche, wie dort schon erwáhnt, beo-
bachtete 0,40 Mt. máchtige Kohlenflótzchen die Fortsetzung des verschwáchten
Lubna'er Flótzes darstellt, und die Verbreitung des Nůrschaner Flótzhorizontes
in dieser Richtung andeutet.
Im weitern ostlichen Gebiete iúber Kladno hinaus wurde bei den seiner-
zeitigen Berebauunternehmungen vielfach ein Kohlenflótzchen von geringer Mách-
tigkeit mit Schieferthon in 80 bis 150 Meter Hóhe úber den Liegendflótzen beo-
bachtet. — Lipold hat von mehreren Stellen dieses Flótzvorkommens Pflanzenreste
gesammelt, auf Grund deren Stur den von ihm eingenommenen Horizont als
Zeměch-Schichten bezeichnete.
Dieses gleichfórmige mehrfache Erscheinen einer Kohlenschichte ist ganz
oeeignet, das DBestehen der weiteren Verbreitung eines Kohlenfotzhorizontes in
grosserem Abstande úber den Liegendflótzen zu erweisen, der, obwohl der náhern
Beschaffenheit der betreffenden Kohlenschichte, die aber gegenwártig nicht mehr
zugáneie ist, wegen Unbauwůrdigkeit wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, in
Berůcksichtigung seiner Lage sehr wohl als die Fortsetzuneg jenes bei Lubna aus-
gesprochenen, durch das Mittelflótz bezeichneten, betrachtet werden darf.
Erst in der áusserst ostlichen Verbreitung der Ablagerung geht, zwischen
Lobeč und Můhlhausen ein Kohlenflótzchen stellenweise zu Tage, das in dieser
Jeziehune náhere Anhaltspunkte liefert.
Dieses Kohlenflótzchen, im Ausbisse 0,20 bis 0,21 Mt. můchtig, besteht
von oben herab aus einer Lage schwarzer wůrfelig brechenden Steinkohle, die
von einem schwachen thonigen Zwischenmittel durchsetzt ist. — Unter ihr lagert
sich eine mehr compacte bráunliche Kohlenschichte, und endlich an der Basis
© plattenfórmig brechender Brandschiefer.
und Hangendschichten desselben hervor.
35
Úberlagert wird dasselbe von grauen, ganz jenen bei Lubna áhnlich ins
Rothliche geneigten Schieferthonen mit Pflanzenresten und zuletzt von Sandsteinen.
Trotz der verringerten Máchtigkeit und der bestehenden Reduction der
einzelnen Lagen ist dennoch die Verwandtschaft in der Gliederung und in der
Zweitheilung der vorfindigen Kohlenschichten, dann in dem die oberste Lage durch-
setzenden Zwischenmittel mit jener im Nůrschaner und Lubnaer Flótze bestehenden
unverkennbar, und lásst diess Flótz von Můhlhausen nur dem Mittelflótzzuge
einreihen.
Es liefert dasselbe aber zugleich eine bedeutende Unterstůtzung fůr die
Annahme, dass jene frůher besprochenen mehrfach beobachteten Kohlenflótzchen
einem und demselben Gebilde und dem gleichen Horizonte, wie jene, angehůren,
was noch durch den Umstand unterstůtzt wird, dass das Můhlhaus'ner Flótz úber
dem bei Kralup bestehenden Liegendflótzhorizonte sich in áhnlicher vertikaler
Hóhe abgelagert befindet.
So zeigt sich die Zone des Mittelflótzzuges, oder der Nůrschaner Schichten
von Sůdwest, bei Nůrscham, bis an die óstlichste Gránze des Ablagerungsgebietes
ausgedehnt, in der Richtung des Verfláchens analog mit dem Liegendflótzzuge
frůher oder spáter das zugehorige Kohlenflótz abschliessend, und so iibereinstimmend
mit diesem eine mehr vom Rande aus stattgehabte Bildung darstellend.
3. Der Hangendflotzzusg oder die Kounova'er Schichten.
Den Hangendflotzzug kennzeichnet ebenfalls das Vorkommen nur eines
Kohlenflótzes, das von jenem des Mittelzuges durch eine immer gróssere Reihe
von Gesteinsschichten abgetrennt erscheint,
In seiner ganzen Máchtigkeit besteht dieses Kohlenflótz wieder nur aus
einer, mit jener in den Liegendflótzen vorkommenden, iúbereinstimmenden Kohlen-
gattung, aus der sogenannten Schieferkohle.
Die Máchtigkeit ist stets nur eine geringe, und an den meisten Stellen
des Flótzvorkommens eine ziemlich gleiche, beiláufig 0,8 Mt. betragende.
Das Flótz ist fast úberall von einer schwachen, gelblich weissen Schiefer-
thonschichte in zwei ungleich starke Bánke getheilt, von denen die obere, die
stárkere gewóhnlich 0,5 Mt. misst, die untere sich als die schwáchere erweist.
Diese Schieferthonschichte behált úber den gróssten Theil der Flótzverbreitune
eine ziemlich gleiche geringe Stárke, und wird nur local anders befunden. Es
erweitert sich nehmlich in der ostlichsten und westlichsten Verbreitung des
Kohlenflótzes das erwáhnte Zwischenmittel keilfórmig, wodurch die beiden Binke
etwas weiter voneinander entfernt erscheinen.
Die Kohle wird háufig von Pyritlagen und Knollen begleitet, und im
ganzen Bereiche ihrer Verbreitung trifft man die Kluftfláchen derselben háufig mit
důnnen Galenitbláttchen úberzogen.
Das Kohlenflotz erweist sich sonach schon in seiner Zusammensetzung
und Gliederung von jener der tiefer liegenden Flótzzůge verschieden.
Noch mehr tritt diese Verschiedenheit in der Beschaffenheit der Liegend-
g*
30
Die unmittelbaren Hangendschichten sind theils thonige, theils mehr san-
m n NÍ
dige hellgraue Schieferthone, zwischen welchen, nahe ber dem Kohlenflótze, und ©
von ihm durch eine schwache Lage getrennt, eine dunkle, fast schwarze, diinn-
bláttrig spaltende Schiefer-Schichte von fester záher Beschaffenheit sich einge-
lagert vorfindet.
Zumeist werden in dieser Schichte neben einigen Pflanzenabdrůcken zahl-
reich Wirbelthierreste, Sauriern und Fischen angehórie, angetroffen, in welchem
Falle dieselbe ausgezeichnet bituminos wird, und unter dem Namen „Schwarte“
bekannt ist.
Stellenweise indess fehlen diese Wirbelthierreste, und zeigt sich hier eine
áhnliche Erscheinung, wie sie beim Mittelflótzzuge in Bezug auf deren ZE
beobachtet wurde.
Ausserhalb dieser Šchichte werden solche Wirbelthierreste weder auf
einer Kohlenfiotzschichte, noch sonst irgendwo im náchsten Hangenden gefunden ;
woraus sich ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Mittelflótze und
dem Hangendfiótze bei der Anwesenheit jener ergibt.
Unterlagert wird das Kohlenfloótz von einer verschieden máchtigen Reihe
von Sandsteinen und, theilweise dunkeln, stellenweise in grossen linsenformigen
Parthien auseceschiedenen Schieferthonen, die bald mehr, bald weniger háufig
Sphárosiderite einschliessen.
Diese Sphárosiderite enthalten nun stellenweise ebenfalls Wirbelthierreste
und darunter von solchen Arten, die nur wieder in der bezeichneten Hangend-
schichte des Flótzes erscheinen.
Hindurch ist die Nothwendigkeit gegeben, den Beginn des Hangendzuges
bereits unter das Kohlenfloótz zu versetzen.
Auch in diesen Sphárosideriten ist das Vorkommen der Wirbelthierreste
auf gewisse Strecken beschránkt, und werden solche anderorts nicht gefunden.
An solchen Orten besteht indess ein anderes untrůgliches Verbindungs-
merkmal.
Die Hater oielo ne des Kohlenflótzes schliessen zahlreich Pflanzenreste
ein, unter denen Gattungen und Arten vertreten. sind, die auf Schichten der
tieferen Wlótzzuge fehlen, hier sonach als neue und eigenthůmliche erscheinen.
Solche neu erschienene Arten nun werden auch in Sphárosideriten unter
dem Kohlenflótze dort beobachtet, wo die Thierreste in ihnen fehlen, und hieraus
folgt, dass auch an solchen Stellen der Beginn das Hangendzuges bereits mit dem
Erscheinen dieser Sphárosiderite angesetzt werden muss.
Stellenweise liegt unter den Spárosideriten noch eine Lage von Pyrit-
knollen, unter welchen weiter keinerlei durch paláontologische konán 17 aus-
gezeichnete Schichten bekannt sind.
Die Begránzung des Hangendflótzzuges gegen den Mittellótzéne wird
dadurch náher markirt, und kann mit der Erscheinung der Pyritknollen bestimmt
werden. Zwischen den Hangendschieferschichten iiber der Schwarte macht sich
ferner das fast iberall verbreitete Vorkommen einer aus meist platt gedrůckten
Sphárosideriten bestehenden Lage bemerbar, in welchen aber nur Pflanzenreste,
nie solche vou Wirbelthieren gefunden werden.
37
Alle die das Kohlenflótz begleitenden Schichten bilden sonach zugleich
einen neuen Pfilanzenreste fihrenden Horizont.
Von den daselbst vertretenen Planzenresten sind von besonderer Wichtigkeit
die der Classe der Coniferen zugehorigen, die als verkieselte Stammstůcke der
Gattung Araucarites ziemlich zahlreich in den Gesteinsschichten des Hangend-
floótzzuges eingeschlossen vorkommen, und auch fůr die Unterscheidung des Han-
gendflótzes selbst ein wichtiges Merkmal bilden, da sie dasselbe fast úberall, in
mit Kohle imprágnirtem Zustande, als sogenannte schwarze Araucariten, von
Prof. Dr. Fritsch zuerst beobachtet, begleiten.
Nirgend, wo eine den tieferen Flótzzůgen angehórice Schichtenreihe unter
dem Kohlenflótze des Hangendzuges durch Wasserrisse etc. der Beobachtung zu-
cáneig ist, oder durch Bergbaue durchěrtert wurde, und keine Dislocationen vor-
- liegen, ist das Vorkommen solcher verkieselter Coniferen-Stůcke nachgewiesen,
und so bilden dieselben, an Ort und Štelle, ein wichtiges Leitfossil fůr die zum
Hangendzuge zugehorigen Schichten.
Die weitern Hangendschichten des Kohlenflótzes bis zum Abschlusse des
Flótzzuges, und somit der gesammten Ablagerung. bilden Sandsteine und Schiefer-
thone, oft reich an beiderlei Arten Glimmer.
Die Sandsteine sind zu unterst vorwaltend hell, gelblich oder grau, stellen-
weise conelomeratisch, reich an caolinischem Bindemittel, so dass sie vlelfach
technischen Zwecken dienen, und die Hauptlagerstátte der Araucariten. Mehrfach
jst in einzelnen Bánken derselben eine Art transversaler Schichtung der im Ge-
menge vorkommenden grósseren Geschiebe entwickelt; Kottiken, Klobuk.
Darůber erscheinen vorwaltend braunrothe Schichten, welche die Ver-
anlassung zu der schon aus der Entfernung ihre Anwesenheit andeutenden rothen
Fárbung der Bóden bieten. |
Weiter aufwárts werden die Sandsteine oft kalkháltig, und einzelweise
findet man, besonders gegen Nordosten schwache Kalksteinlagen und Hornstein-
schichten zwischen ihnen eingeschaltet. Mit diesen Kalkstein- und Hornsteinschichten
werden Jaspis, gemeiner Opal, Chalcedon und Aragonit, letzterer nach Bořický 's
Untersuchungen strontianháltig gefunden. z)
Der Hangendflótzzug besitzt sonach ausser dem ihm zugehorigen Kohlen-
fAótze auch in seinem úbrigen Schichtencomplexe genůgende Merkmale, die ihn vor
den úbrigen Flótzzůgen kenntlich machen, und seine Verbreitung in verlásslicherer
Weise zu verfolgen gestatten. bk i |
Die zu diesem Flótzzuge gehórigen Gebilde werden nur in den beiden
umfangreicheřen Ablagerungsparthien: Kladno, Rakonitz und Pilsen, und in dem
in der Umgebung von Manetin befindlichen Gebiete, also vorwaltend gegen Norden.
hinausgeschoben angetroffen, nirgends aber in den mehr sůdlicher gelegenen Theilen
- der Ablagerungsparthien. -
-*) Von anderen Mineralien aus diesem- Flótzzuge -sind zu erwáhnen: Schóne Drusen von
Calcit und Gyps in grósseren Parthien auf Spalten in der Kohle; Dolomit und Baryt,
seltener Millerit auf Hóhlungen hie und da im Sándsteine. Í
38
Kladno-Rakonitzer Ablagerungsparthie.
Hier lásst sich die Begránzung des Hangendflotzzuges gegen Sůden, in
einer ziemlich von dem Rande der Ablagerungsparthie zurůcktretenden Linie aus
der Umgebung von Welwarn úber Slatin, Želenic bis gegen Koleč, Pcher, Stern,
dann weiter úber Kruschowitz, Rakonitz, Lubna bis Kletscheding, wo ich noch
Araucariten im ŠSandsteine (westlich vom Dorfe nahe an der Auflagerung von
Granit), eingeschlossen beobachtete, verfolgen.
Von dieser sůdlichen Begránzungslinie gegen Norden wird das Terrain
durchaus, wo nicht Kreideschichten als jingere Auflagerung erscheinen, nur von
Schichten des Hangendzuges bedeckt, und zeigt vorwaltend braunrothe Fárbung
der Bóden; sonach in dem Thale von Kraučova úber Srbec, Kwilitz, in jenem
von Štern ber Studnioves, Schlan, úber Pcher, Podležin, von Klobuk ber Zlonitz,
Budenitz und Jarpitz, sámmtlich in ostlicher Richtung, ferner im Thale von Perutz
gegen Stradonitz, theilweise noch bei Brnikow und Mscheno, und in den nórdlich
verlaufenden Thálern vom Žban úber Solopisk, Rotschow und Winařitz gegen den
Ecerfluss.
Im weiter westlichen Gebiete fehlen Kreideschichten bereits, und nur zum
500 ně
Hangendflótzzuge gehórige Schichten werden von Rakonitz, Herrndorf und Kou-.
nowa ůúber Woratschen, Tschernitz, Flóhau, Rudig, Kriegern, Jechnitz bis in die
Náhe von Plass die Oberfláche bildend angetroffen, grósstentheils zu rothen Bóden
aufgelóst, in den Gehángen aber die Schichtenreihen erkennen lassend.
Im ganzen Hangendzuge verfláchen die Schichten ebenfalls gegen Nord,
mit geringen Ausnahmen, wo wie bei Pcher oder Konotop stellenweise wellen-
fórmige Lagerung beobachtet wird.
Das Kohlenflótz, das zwischen diesen Schichten eingeschlossen ist, befindet
sich in weit geringerer Verbreitung. Es ist in seiner sůdlichen Ausdehnung durch
eine Linie begránzt, die durch die Orte Welwarn, Nauměřitz, Podležin, Studniowes
bis Stern, dann iber die Umgebung von Kruschowitz bis Herrndorf und vielleicht
bis Kletscheding gezogen werden kann, die sonach nórdlicher fállt, als die Be-
gránzungslinie des Hangendzuges selbst.
In weiter westlicher Richtung, und in der ganzen gegen Plass erstreckten
Ausbuchtung ist das Vorkommen des Kohlenflótzes nirgends bekannt.
Aber auch in nordlicher Richtung befindet es sich in weit beschránkterer
Ausdehnung, als die úbrigen Gesteinsschichten. Wenigstens ist es an weiter
nordlich gelegenen Punkten, wie úber Kwilitz, Zaboř, Milay, Kroučowa hinaus,
und eben so něrdlich vom Žbau nicht weit mehr fortsetzend, oder wenig bauwůrdig,
und scheint sich in dieser Richtung zu verlieren. Wo es aber vorkómmt, dort
zeigt es úberall fast dieselbe 0,8 Meter betragende Máchtigkeit einer, háufig an
den Kluftflůchen mit Bleiglanz iiberzogenen und oft pyritháltigen Kohle, und die
Zusammensétzung aus zwei ungleich máchtigen Bánken, und zwar einer oberem
circa 0,5 M. und einer unteren bei 0,5 M. messenden, die durch eine schwache
Schieferschichte getrennt sind. Nur in seiner óstlichsten Verbreitung nimmt diese
Zwischenschichte allmálig keilfórmig an Stárke zu, und trennt seine beiden Bánke
am Ausgehenden bis 8 Mt. von einander. (Jemnik, Knobis.)
39
Úberall wird das Kohlenflotz von der Hangendbrandschieferschichte be-
oleitet; als Wirbelthierreste enthaltende Schwarte tritt dieselbe aber von Kounowa,
Herrndorf an nur bis gegen Libowitz-Tuřan auf; weiter óstlich erscheinen solche
Reste fast nicht mehr, nur vereinzelte Fischschuppen konnte ich zuerst noch bei
Studniowes nachweisen. Dann ist die Schichte durch schwarze Fárbung, und
záheres bláttriges Gefůge von den ůúbrigen Hangendschichten ausgezeichnet.
Ausserdem wird das Kohlenflótz von Bruchstůcken mit Kohle imprágnirter
Araucariten, bei Tuřan, Libowitz, Kounowa, Swojetin ete.; im Hangenden von an
- Pflanzenresten oft sehr reichen Sphárosideritplatten, wie bei Zaboř, Kwilitz ete.
- begleitet, und wo Aufschlůsse die Erkenntniss erměglichen, von einer Lage oft
© grosser Spbárosiderite mit fossilen Pflanzenresten unterlagert befunden, wie bei
Zaboř, Hředl, Střebichowitz, Podležin, Kamenimost, die an letzteren beiden Orten
orossentheils in Eisenoxyd umgewandelt, gewonnen und als Róthel in Handel
gebracht werden. — Anzeichen dieser dem Hangendiótzzuge zugehórigen Liegend-
schichten werden vereinzelt noch im westlichen Theile des Ablagerungsgebietes
an dunkeln Letten mit Sphárosiderit-Einlagerungen beobachtet.
Die, die Ablagerung abschliessenden hangenden Gesteinsschichten, VOr-
waltend Sandsteine, selten (Kriegern-Kwilitz) etwas conglomeratisch, wo sich dann
in den Gemenegtheilen Bruchstůcke von Ouarz, Porfyr und róthlichem Gneuss be-
finden, von Farbe grůnlichweiss. und rothbraun, abwechselnd mit eben So gefárbten
Letten, oft sehr reich an beigemengten weissen und schwarzen Glimmerbláttchen,
stellenweise, wie bei Kwilitz gróssere Caolinanháufungen erzugend, erweisen sich
in einzelnen Lagen kalkháltig, und Kalksteinschichten sind ihnen hie und da
eingeschaltet.
Solche kommen vereinzelt bereits bei Podležin und Knobis vor; háufiger
erscheinen sie in nordostlicher Richtung bei Lunkow, Drchkow, namentlich in der
Umgebung von Klobuk und Klein-Paletsch, hier einzelne Thierreste (Anthracosia)
einschliessend, und bei Perutz; dfter in mehreren Schichten úber einander abgelagert.
Im weiter westlichen Gebiete fehlen sie zwar nicht, werden aber doch
seltener beobachtet, wie bei Kriegern, Rudig.
Auch Hornsteinschichten treten untergeordnet auf, namentlich im nord-
čstlichen Gebiete, in der Umgebung von Klobuk, theils zwischen Sandstein-
schichten eingeschlossen, theils in Begleitung schwacher Kalksteinlagen und an
einer Stelle mit einer kohligen Schieferlage in Verbindung.
Zahlreiche Verwerfungen und Stórungen im Schichtenbaue bringen háufig
die tieferen hellgefárbten Schichten zwischen den rothen parthienweise zum Vor-
schein, wodurch Unterbrechungen in der sonst allgemeinen rothen Fárbung der
Bóden entstehen. |
Oft aber wird rothes Sandmateriale ziemlich tief unter die Basis des
Hangendfiótzzuges, in die denselben unterlagernden Gebilde niederreichend, und
wie auch bei Bergbauarbeiten beobachtet, eingerissene unregelmássige Mulden
ausfůllend angetroffen, eine Erscheinung, die mit stattsehabten Auswaschungen in
der Ablagerung uud spáter erfolgter Einschwemmune von Ablagerungsmateriale
aus der Umgebung sich erkláren důrfte.
40
Pilsner Ablagerungsparthie.
Schon bei Plass gibt die Beschaffenheit und rothe Fárbune anstehender
Sandsteinschichten zu erkennen, dass sich die Glieder des Hangendflótzzuges aus
dem nordlicheren zur Kladno-Rakonitzer Ablagerung gehórigen Gebiete in die
Pilsner Parthie fortsetzen. In dieser Parthie sind auch genůgend Nachweise fůr
die Anwesenheit eines Kohlenflótzes zwischen diesen Schichten vorhanden, das
alle Merkmale des zwischen Schlan-Rakonitz verbreiteten Hangendflótzes besitzt..
Verschiedene Bergbaue, leider zumeist aufgelassen, und nur noch ihre
Halden eine Untersuchung ermoglichend, sowie stellenweise Ausbisse des Kohlen-
flótzes gestatten die Verbreitung desselben náher kennen zu lernen.
So war bei Liehn, sůdlich von Pilsen ein Kohlenflótz, ungefáhr 0,8 Mtr.
máchtig, erschlossen, war in zwei ungleiche Bánke getheilt, enthielt, nach Geinitz,
Bleiglanz auf den Klůften ausgeschieden, und ich konnte bei demselben schwarze
Araucariten, eine dunkle, feste Brandschieferschichte, sowie plattenfórmigce Spháro-
siderite auffinden, was eine věllige Úbereinstimmung mit den Eigenheiten des
Kohlenfiótzes bei Kounowa ergibt.
In der Fortsetzung von Liehn gegen Norden wurde bei Weipernitz durch
Schurfversuche in geringer Tiefe das Flótz mit beiláufig 0,8 Mtr. Máchtigkeit
beobachtet.
Auf den Halden alter Versuchsbaue bei Lochotin, in der Umgebung von
Malesitz und Kottiken wurden Úberreste vollkommen ausgebildeten Schwarte an-
getroffen, die schon Stur beobachtete.“)
Ich habe úberdiess das Vorkommen schwarzer Araucariten auch bei dem
Kohlenflótze von. Lochotin nachweisen kónnen. |
Bei Kottiken ceht das Kohlenflótz in einigen Wasserrissen zu Tage und
zeiot sich durch ein schwaches Zwischenmittel in zwei ungleich starke Bánke
zerlest. Mit ihm erscheinen zahlreich schwarze Araucariten, und úber ihm liegen
eine bituminóse Schieferschichte und plattige Sphárosiderite. Unmittelbar wird
dann weisser caolinreicher Sandstein mit zahlreichen, oft grossen Stammstůcken
von Araucarites darůber angetroffen, der zuletzt von rothen Gesteinsschichten
bedeckt ist.
Eine kurze Strecke weit westlich von Kottiken ist das Kohlenfiótz durch
Scháchte erschlossen gewesen, 0,7—0,8 Mtr. máchtig, und sind Schwarte und
schwarze Araucariten bei demselben angetroffen worden.
Etwas weiter, bei Guscht, ist das Kohlenflótz ebenfalls mit nahe 0,8 Mtx.
Máchtigkeit angetroffen worden. Seine Zusammensetzung ist hier aber einiger
Modification unterworfen. Bei einem, in neuester Zeit abgeteuften Schachte, etwas
nordwestlich von Guscht wurde folgende. Gliederung desselben beobachtet:
Kohlenbank, in der Mitte etwas in Kohlenschiefer úbergehend . . . 0,59 Mt -
Zwischenmticl 3:2- =x =. > ka
Kohlénbank. 1408. 0,10:
fester Schieferthon . . . .0.20 „ P z Porty 14
Kohlehbank“ 43570 167
*) Verhandlunsen der k. k. geolog. Reichsanstalt 1874; Momentaner Stand meiner Unter-
suchungen etc.
41
| Deutlich sind die beiden, anderorts das Flótz bezeichnenden Bánke, auch
(hier erkennbar, beide in der ihnen auch anderwárts zukommenden Máchtigkeit, so
(dass auch das Gesammtflótz mit 0,87 Mtr. der gewohnlichen Flótzmáchtigkeit
(entspricht.
| Aber das die beiden Bánke trennende Zwischenmittel wird hier 0,3 Mtr.
stark, und ausserdem wird 'die untere Bank durch eine frůher nicht bekannte
E otorthonsohichte theilweise ersetzt, so dass in diesem mehr gegen West gele-
(genen Gebiete eine Modification in der Flótzgliederung Platz zu greifen beginnt.
| In nordlicher Richtung von Kottiken ist das Kohlenfiotz wieder bei Ledeč
'angeschůrft, bei 0,7 Mt. máchtig befunden, und geht von da weiter aufwárts in
(der Schlucht „V propastech“ theilweise zu oa Mit demselben wurden Schwarten-
| Brandschiefer, schwarze Araucariten und plattige Sphárosiderite angetroffen.
Es sind weitere Nachweise fůr das Vorkommen des Kohlenflótzes bei
Břis, Trnowa, Wieskau vorhanden, und lassen sich bis in die Náhe von Ribnitz
(bei nep verfolgen, wo Spuren desselben und seiner Hancgendschichten noch in
-einem kleinen Caolinsandbruche entblósst waren.
|
| Im westlichen Theile der Ablagerung war ein Kohlenflótz unweit Kokořow,
-dann bei Wscherau, Lipowitz und im Walde Fribus durch Bergbau erschlossen.
Bei Wscherau waren zwei durch ein stárkeres Zwischenmittel getrennte Kohlen-
bánke abgelagert, die gegenwártie der Beobachtung nicht mehr zugáncie sind.
"Die Beschaffenheit der auf den Halden vorfindigen Úberreste der gefórderten
Gesteinsschichten, zwischen denen Brandschiefer vorherrschen und Sphárosiderite
eingemengt sind, so wie das Vorkommen einzelner Pruchstůcke schwarzer Arau-
cariten weisen auf Begleiter des Hangendfiótzes hin, was eben so bei den Locali-
táten Lipowitz, Kokořow und Fribus der Fall ist, in deren Náhe sich zu dem
rothe Schichten anlagern.
Die weitere Entfernung der beiden Kohlenbánke bei Wscherau in Folge
máchtigerer Gesteinszwischenlagen steht ohne Zweifel mit der schon bei Guschi
kennen gelernten grósseren Anschwellung derselben in Verbindung.
An allen den kennen gelernten Localitáten zeigt sonach das Kohlenflótz
úbereinstimmende Beschaffenheit mit dem Hangendflótze in der Kladno-Rakonitzer
Ablagerung, und kann nur als die Fortsetzung des letzteren in die Umgebung
von Pilsen, und den gleichen Horizont bezeichnend, erkannt werden.
Es scheint dasselbe úbrigens weiter verbreitet, als durch die Localitáten,
an welchen es erschlossen wurde, angedeutet wird, und důrfte sich, bedeckt von
den Hangendschichten mehrerorts vorfinden, so in der Umgebung von Nůrschan,
wo in der Náhe des Janowteiches bei Abteufung von Scháchten auf das Mittelfiótz
ober diesem eine schwache, im Hangenden von grůnlich und róthlich gefárbten
Schiefern begleitete Kohlenlage beobachtet worden ist.
Trotz dem besitzen die dem Hangendflótzzuge zugehoricen Gesteins-
schichten eine gróssere Verbreitung, als sie sich fůr das Kohlenflótz allein
herausstellt. © bee
Man findet sie beréits im sůdlichsten Theile des Ablagerungsgebietes bei
Sekerschan, von wo sie sich ber Gottowitz, Teinitzl, Anherzen und Rothaujezd,
dann in einem zwischen Nůrschan und Tlučna einerseits, anderseits zwischen Liehn
42
und Weipernitz verbreiteten Streifen gegen Kozolup und Ratschitz an der Mies.
hinziehen.
In diesem Bezirke sind sie an der Basis durch hellgefárbte, caolinreiche
Sandsteine vertreten, die bei Rothaujezd in ausgedehnter Weise technisch benitzt
werden und zahlreiche oft bedeutend grosse Araucariten-Stammstiůcke einschliessen
und werden von rothbraun gefárbten Schichten úberlagert.
Dann kann man diese Schichten verfolgen von Ratschitz úber den Locho-
tiner Berg nach Třemoschna bis in die Gegend von Kaznau; von Kozolup ber
Tschemin und Wscherau fort am nordwestlichen Rande der Ablagerung ber Losa
bis Plass, und sonach hier mit Ausnahme des óstlichen Randes das ganze Ab-
lagerungsgebiet úberziehend.
Auch hier, wie schon bei Kottiken erwáhnt, besteht die Basis der Hangend-
schichten aus meist hellgefárbten caolinreichen Schichten, die bei Kottiken, Tře-
moschna, Nebřem, Břis etc. ausgebeutet werden, denen sich die rothen Sandsteine
und Schieferthone auflagern.
Úberall werden verkieselte Araucariten in ihnen eingeschlossen gefunden;
ausser bei Kottiken und Rothoujezd, in der Gegend von Teinitzl, Auherzen, Liehn,
Weipernitz, am Lochotiner Berge, bei Třemoschna, Břiz, Kaznau, Ledeč, Kra-
schowitz etc.
Auch die Pilsner Ablagerung ist sonach zum gróssten Theile an ihrer
Oberfláche mit Schichten des Hangendzuges bedeckt; im nordlichen Theile der-
selben treten die tieferen Schichtenzonen nur in einem verháltnissmássigen, schmalen
Gůrtel am ostlichen Rande unter ihnen zu Tage, wáhrend die Sandsteine des
Hangendzuges den úbrigen Theil des Gebietes bis an den westlichen Rand ein-
nehmen und hier unmittelbar auf azoischen Thonschiefern aufruhen.
In den sůdwestlichen Theil der Ablagerung setzen sie in einem die Mitte
desselben einnehmenden Streifen fort, zu beiden Šeiten Schichten des tiefer liegenden
Mittelflótzzuges und Liegendflótzzuges unbedeckt lassend.
An mehreren Štellen sind die noch dem Hangendzuge zuzurechnenden
Liegendschichten des Kohlenflótzes bekannt geworden. |
Eine die bei denselben bestehenden Verháltnisse gut darstellende Localitát
ist Kottiken. Der auch das Kohlenflótz daselbst entblóssende Wasserriss zieht
sich in eine Schlucht erweitert tiefer herab, und bringt die unter demselben fol-
gende Schichtenreihe deutlich zur Ansicht, in welcher unter Sandsteinen dunkle
Schieferthone, Planzen- und Thierreste enthaltende Sphárosiderite einschliessend,
gegen Malesitz sich herabziehend erscheinen, nirgend mehr aber Spuren verkieselter
Araucariten angetroffen werden.
Dieselben Verháltnisse werden in der Schacht zwischen Gumberg und
Guscht und in deren Abzweigungen beobachtet, wo ebenfalls, das Kohlenflótz
unterlagernd, Sandsteine nnd weiter Schieferthone von dunkler Fárbung, oft in
linsenfórmigen Parthien mit, Wirbelthierreste einschliessenden Sphárosideriten,
auftreten, und zu unterst eine Schichte mit Pyritknollen folgt. Araucariten-Bruch-
stůcke werden aber eingelagert nicht beobachtet.
In weiter nordlicher Richtung findet man bei Ledec, in der Schlucht
„V propastech“ unter dem Kohlenflótze Schieferthone mit zahlreichen Spháro-
sideriten, aber ebenfalls ohne Araucariten, die auch hier erst in den das Kohlen-
| 43
flotz úberlagernden lichten Sandsteinen, auf welchen zuletzt rothe Schichten ruhen,
Isich zahlreich einstellen.
Aus frůher bestandenen Bergbauen bei Žilow něrdličch von Ledec ist weiter
(das Vorkommen eines schwachen, wahrscheinlich die Fortsetzung von Ledec bil-
'denden Kohlenflótzes und unter demselben das Anstehen von Schieferthonen mit
(Sphárosideriten, in welchen Wirbelthierreste, namentlich Fische in ausgezeichneter
| Erhaltung gefunden wurden, bekannt, unter welchen sich ebenfalls die Pyritknollen-
"lage vorfindet.
Hier, wie bei Ledec und fortsetzend bis Guscht wird unter den Pyrit-
I knollen eine Lage grauweissen Sandsteins beobachtet, der an der Gránzscheide der
"mittleren und hangenden Flótzzone befindlich zu sein scheint, und bereits von
Prof. Fritsch hervorgehoben und Ledecer Sandstein benannt worden ist.
Noch in mehr nordlicher Richtung, zwischen Břiz und Wieskau, unter
-dem bei letzterer Localitát durch Schurfe nachgewiesenen EO Dleuno konen. steht
(in einem bis jetzt unbedeutenden Wasserrisse Schieferthon an, in welchem theils
| grosse Sphárosiderite eingelagert sind, die, wie die Schiefer selbst, Pflanzenreste
© enthalten.
Sámmtliche Localitáten, von denen die Liegendschichten des Kohlenflótzes
© náhere Einsicht gestatten, befinden sich in der Náhe einer von Sůd gegen Nord
gerichteten Linie, von Malesitz bis Wiskau, und dieser Umstand scheint auf eine
in derselben Richtung befindliche Dislocations-Stelle hinzudeuten, durch welche
die tieferen Schichten náher als anderorts an die Oberfláche gedránst wurden.
Die Vermuthung findet eine Bestátigung schon in dem in der Kottikener
Schlucht nahe unter der Oberfláche liegendem Kohlenflótze, das dann weiter
westlich von Kottiken gegen Guscht zu, fast eben so nahe unter der Oberfláche
wieder angetroffen wird, obwohl es, ohne eingetretene Dislocation daselbst bei dem
bestehenden Verfláchen gegen West in weit grósserer Tiefe sich befinden můsste.
Solche Unregelmássigkeiten im Verfláchen werden ůúbrigens ausserdem oft
genug im Bereiche des Hangendflótzzuges auch in der Pilsner Ablagerungsparthie
angetroffen, und erscheinen nicht selten die tieferen hellgefirbten Schichten in
Folge dessen zwischen den hóheren rothen hervorragend.
Im Allgemeinen gibt sich aber ein Verfláchen des ganzen Complexes vor-
waltend in der Richtung gegen West kund, das wohl am nordwestlichen Rande
stellenweise, wie bei Wscherau in die entgegengesetzte, ostliche, iibergeht, jedoch
nicht weithin in derselben beharrt, auch sonst Abweichungen erkennen lásst, so
dass streckenweise eine Art wellenfórmiger Lagerune sich herausbildet, als unter-
geordnete Erscheinung zwischen der regelrechten Lagerung.
| Bei Schůrfungen, namentlich in der siidwestlichen Gegend, sind rothe
Sandsteinschichten hie und da in unerwarteter Tiefe, unter das vom Hangend-
flotzzuge eingenommene Niveau hinabreichend beobachtet worden. Es scheinen
auch hier wie bei Kladno-Rakonitz tiefer reichende Erosionen durch das spáter
zur Ablagerung gelangte Materiale der Hangendzugschichten wieder ausgefůllt
© worden zu sein.
Eine bemerkenswerthe Erscheinung sind noch háufig genug, besonders in
der Umgebung von Nůrschan, auch nórdlicher, zerstreute grosse grobconglome-
ratische Blócke an Stellen, wo Schichten das Hangendzuges nicht hinreichen, und
—
44
die aus in ihrer Náhe befindlichen Gesteinsschichten nicht abstammen. Ihre Ůber--
einstimmung mit der Beschaffenheit solcher an andern Localitáten noch an Ort
und Stelle lagernden, dem tieferen Schichtencomplexe des Hangendzuges angehó-
rigen Conglomerate ist geeignet, in diesen Blócken die Úberreste der einst weiter:
als jetzt verbreiteten Hangendzugs-Gesteinsschichten vermuthen zu lassen, und
die Selbststándigkeit der letzteren in Bezug auf die Radnitzer und Nůrschaner:
Schichten darzuthun, die sich ůbrigens in dem Umstande bekundet, dass, wie bei
Nůrschan und Třemoschna, Schichten dem Hangendzuge zugehórig úberoreifend
úber solche im Mittelfloótzzuge befindliche bestehen.
Ablagerungsparthie Manetin.
In dieser gibt sich lediglich eine Fortsetzung der im Nordwesten. der
Pilsner Ablagerung bestehenden Verháltnisse kund.
Schon die im grósseren Theile dieses Gebietes an der Oberfláche befin-
dlichen rothen Schichten weisen auf die Anwesenheit des Hangendflótzzuges hin.
Die Verbreitung der Ablagerungsparthie ist durch die Orte Zahradka Littau,
Preitenstein Manetin, Tomaschin Modschidl bis an den Fuss des Berges Wladaf
gegeben. Von der Pilsner Ablagerung wird sie nur durch eine schmale, vielleicht
einer Hebung ihre Entstehung verdankende Zone von azoischen Thonschiefern
zwischen Draschen und Neustadtl getrennt, so dass ein einstiger Zusammenhang
beider wahrscheinlich ist.
Eben so darf die noch weiter nordwestlich bei Stědra, Prohoř wenie aus-
gedehnte, zwischen Tomaschin und Prassles durch eine wenig breite Unterbrechung
von der Manetiner isolirte Parthie erst im Verlaufe der Zeit ausser Zusammenhang
gebracht angesehen werden. Die Gesteinsschichten, die an der Oberfláche ange-
troffen werden, Sandsteine und Schieferthone sind besonders im westlichen und
nordlichen Theile der Ablagerung vorwaltend roth gefárbt, wáhrend am óstlichen
und sůdlichen Rande mehr solche von gelblicher oder grauer Farbe erscheinen
und háufig mit groben Conglomeraten abwechseln, wie in der Gegend von Manetin
in daselbst eroffneten Steinbrichen gut beobachtet werden kann.
Das Verfláchen der Schichten ist ein gegen West gerichtetes und es
folgen in dieser Richtung úber den grauen Sandsteinen die rothgefárbten, so dass
erstere als die unteren, letztere als die oberen erscheinen, entsprechend derselben.
Ordnung in den úbrigen Verbreitungsbezirken des Hangendflótzzuges.
Stellenweise trifft mán grobe lose Geschiebelagen, unzweifelhaft nach zer-
setzten Conglomerat-Bánken am Rande der Ablagerung an, und dazwischen grosse
Blócke noch unzersetzten Conglomerat's, wie bei Littau, die sich ©ganz jenen in
der Umgebung von Nůrschan kennen gelernten áhnlich zeigen.
Derlei Blócke sind auch in grósserer Menge in der Náhe der in diesem
Gebiete anstehenden Pasaltkuppen, wie an der óstlichen Seite des Chlumberges,
anzutreffen, als ob sie in Folge des Empordringens derselben bloss gelegt worden
wáren. Schieferthone werden zumeist mit dem Complexe der rothen Schichten
abwechselnd, und ausser von rother, auch von grůnlicher und grauer Fárbung,
oft bandartig gestreift, reich an Glimmerbláttchen beiderlei Art, angetroffen.
Pruchstůcke verkieselter Araucariten kommen allenthalben vor, bei Ma-
netin, Modschidl, Preitenstein, Spankowa etc., wie in der kleinen Parthie bei
-45
P Prohoř-Stědra. Ich habe die Anwesenheit solcher auch in Schieferthonen, in dem
© westlich von Manetin sich hinziehenden Thale, unterhalb Aujezdl beobachten kónnen.
, Untersuchungen dieser Ablagerung auf das Vorhandensein des Kohlen-
© fAótzes sind mehrfach vorgenommen worden, haben aber nirgend Veranlassung zu
dem Aufleben grósserer Unternehmungen gegeben.
Úberhaupt konnte das Vorkommen des Kohlenflótzes nur an einzelnen
Stellen des Ablagerungsgebietes nahe dem čstlichen Rande desselben nachgewiesen
« werden, und wurde immer nur unbedeutender Bergbau, wie bei Modschidl, Zwoln,
"Ladměřic und Rading versucht, oder das Kohlenfiótz durch Schůrfe in na
diger Beschaffenheit, wie bei Spankowa, aufgefunden.
Dermalen besteht nur noch im Sauberge bei Modschidl unbedeutender
- Berebau. Die Máchtigkeit des erschlossenen Kohlenflótzes soll 0,7 bis 1,0 Mt.
| betragen, in zwei Bánken, die durch ein stárkeres Zwischenmittel getrennt liegen.
- Etwas sůdlich von dieser Localitát waren bei Zwoln ebenfalls Scháchte auf das
| Flótz abgeteuft, sind aber nun verlassen. Unter dem auf den alten Halden befin-
dlichen Materiale sind noch erhaltene plattenformige Brandschieferstůcke, Spháro-
- siderite und Bruchstůcke schwarzer Araučariten vorfindie.
| Die durch diese Funde angedeutete Zugehorigkeit des Kohlenflotzes zu
: den Kounowa'er Schichten, die sich durch áhnliche Vorkómmnisse auch an den
-weiter sůdlich gelegenen Localitáten verráth, wird besonders erhártet durch das
— Vorkommen von Bruchsticken der Schwarte áhnlicher Schiefer mit eingeschlossenen
Fischschuppen bei Spankowa, wo sie durch einen Schurf zu Tage gefórdert wurden.
Von letzterer Localitát ist die Verbreitung des Kohlenflótzes noch bis in
das Dorf Spankova hinein bekannt, wo es bei Grundgrabungen angetroffen wurde.
Immer ist dasselbe aber in der Náhe des óstlichen Ablagerungsrandes
-gefunden, und scheint in der Richtung seines Verfláchens gegen West, also weiter
in das Innere der Ablagerungsparthie, nicht nachhaltig zu sein.
Westlich vom Bergbaue am Sauberge wurde in nicht zu weiter Entfernung
von ihm ein Schacht vorgeschlagen, der bei 40 Mt. Tiefe, ohne auf das Kohlen-
Hlotz zu treffen, das Grundgebirge erreichte.
| Bei Ladměřic, wo das Kohlenfloótz durch mehrere Schieferzwischenlagen
sich gespalten zeigt, wurde ebenfalls westlich von den bestandenen Gruben eine
-bis 137 Mt. tiefe Bohrung durchcefihrt, mit welcher zwar Lettenschichten und
-etwas Moore, vielleicht als Vertreter des Kohlenflótzes, dieses selbst aber nicht
mehr, angetroffen und das Grundgebirge erreicht wurde.
Es geht sonach auch hier die Fortsetzung des am Rande der Ablagerung
befindlichen Kohlenflótzes wenig weit gegen das Innere derselben, und in der
That ist bis jetzt von dem Vorkommen eines Kohlenflótzes im westlichen Theile
der Ablagerung nichts bekannt geworden.
Das Vorkommen des in seinen Eigenschaften mit dem Kounowaer úber-
einstimmenden Kohlenflótzes am čstlichen Rande der Ablagerung im Bereiche der
-mit Conglomeraten wechselnden grauen Sandsteinschichten verweist auch diese
letzteren in die Hangendflótzeruppe, der sie als unterer Schichtencomplex an-
gehóren, wáhrend die etwas weiter westlich sich diesem auflagernden rothen Ge-
bilde den hóheren Horizont einnehmen, und so eine Úbereinstimmung mit dem
Hangendfiótzzuge an andern Orten neon:
46
Nur ist das Kohlenflótz gegen andere Localitáten etwas abweichend ge- ©
gliedert, wozu aber der Beginn mit dem máchtiger werdenden Zwischenmittel
bereits in den westlichen Parthien der Pilsner Ablagerung bei Guscht, Wscherau ©
zu finden ist, und wozu ein Analogon in der bedeutenden Trennung der beiden
Flótzbánke durch ein keifórmig sich erweiterndes Zwischenmittel bei Schlan-Pod-
ležin besteht.
Die ganze Ablagerung in der Umgebung von Manetin ist sonach ein dem
Hangendflótzzuge angehóriges Gebilde, und ein Gleiches muss fůr die westlich
situirte kleinere Parthie bei Stědra, in welcher ein Kohlenflótz noch nicht bekannt
ist, anerkanut werden.
Úberblick úber die stratigraphischen Verháltnisse.
Aus den in der Gesammtablagerung bestehenden stratigraphischen Ver-
háltnissen hat vor Allem besonderen Anspruch hervorgehoben zu werden der
Unterschied, durch welchen jedes der auf den einzelnen Horizonten befindlichen
Kohlenflótze, theils in Bezug auf seine Gliederung, theils in Anbetracht seiner
Begleitschichten, vor allen úbrigen sich auszeichnet.
Dieser Unterschied begleitet jedes der einzelnen Kohlenflótze, mit Aus-
nahme unwesentlicher Modificationen, in seiner ganzen Verbreitung, und drůckt
demselben derart einen selbststándigen Character auf, durch den es úberall sich
wieder zu erkennen gibt.
Als die wichtigsten jedem der Kohlenflótze eigenthimlichen Merkmale in
dieser Beziehung haben sich herausgestellt:
fůr das untere Radmitzer Kohlenflótz, der Mangel regelmássig dasselbe durchsetzender
Zwischenmittel; die dasselbe unmittelbar bedeckende (Swina'er) Sandstein-
lage und der darůber folgende Schleifsteinschiefercomplex ;
fůr das odere Radnitzer Kohlenflótz; die Anwesenheit constanter, petrographisch
gleichbleibender Zwischenmittel, vorzůelich jener mit Bacillarites probl.
und der an Stigmaria reichen Sohlendecken bei gleicher Kohlengattung
in sámmtlichen einzelnen Bánken;
fůr das Nůrschaner oder das Můttelflótz die Verschiedenheit der Kohlengattung in
den oberen und unteren Bánken desselben, und das Vorkommen von platten-
fórmig brechenden, streckenweise zahlreiche Wirbelthierreste einschlies-
senden Brandschiefern oder Plattelkohlen an seiner Basis;
fůr das Kounowwer oder Iangendílótz die Zweitheilung in eine obere máchtigere
und cine untere schwáchere Bank von gleicher Kohlengattung, die im
náchsten Hangenden dasselbe begleitende, zumeist Wirbelthierreste ein-
schliessende, als Schwarte bekannte Brandschieferlage, und die unter
demselben lagernden Schichten mit Sphárosideriten.
Die anderweitigen die Kohlenflotze begleitenden Gesteinsschichten in der
Ablagerung bieten im Allgemeinen, besonders jene der tieferen Flótzzůge nicht
genůgende Unterschiede dar, um sie dort, wo das sie trennende Kohlenfloótz man-
gelt, und sie unvermittelt úber einander folgen, mit einiger Verlásslichkeit gegen
einander begránzen zu kónnen, um so weniger, als in der Art ihrer Lagerung
jí
l
—
p sE
|
č
© Gleichmássigkeit besteht und die Schichten der einzelnen Flótzeruppen conform
-zum Absatz gelangten.
Es sind bisher keine entscheidenden Merkmale bekannt, um scharfe Gránzen
zwischen den Gesteinsschichten der beiden unteren Flótzzuge ziechen zu kónnen.
Nur die Schichten des jůngsten
-oder des Hangendflótzzuges zeich- Fig. 18.
nen sich mehrentheils durch Ei- A T,
genthimlichkeiten aus, welche sie ea
gegen jene der tieferen Horizonte, = =. zekdbo 1 2m
troz der bei allen bestehenden = 35E » Caolinsandsteln mit Arau-
Rothe Sandstelne und
Schieferthone
. < . : HOD i 19. carlten und Conglomerate
gleichfórmigen Lagerung, sicherer ak
zu begránzen gestatten, wozu das === 6 hen u. Sphárosiderite
chwarte
Hangend-Flótzzug
Kounowaer Schichten
Han gendkohlenflotz
Auftreten vorwaltend rothgefárbter
Gesteinsschichten, der Einschluss
verkieselter Araucariten und das
Zutreten kohlensauren Kalkes als
Gemenstheil gehórt.
In úberwiegender Weise ist
Sandstein und Schieferthon
mit Sphárosideriten
Pyritknollen |
sonach die Gliederung der mittel- 3
bohm. Steinkohlenablagerung auf. | sy 85
das Eintreten der in ihrer Ent- 0 .
wicklung verschiedenen Kohlen- E 3
flótze, in drei Gruppen oder Flótz- E
zige bedingt, deren Reihenfolge = —jr TM :
beistehende schematische Darstel- : 1 Sohwarzkohloj Mittelkohlon-
lung versinnlicht. (Fig. 13.) O =
Die Aufeinanderfolge dieser | Z ZZS
drei Flótzzůige ist von unten nach — |ISS7£5S sí
aufwárts eine růckschrittliche, von = ska
dem am weitesten gegen Sůden und
Schieferthon
hinausgeschobenen Rande der Ab-
lagerungsbasis eine immer weiter
Obere Kohlenfotzgruppe
. .. . . 4 =
sich zurůckziehende, so dass die 3 8
Schichten, je jinger in der Reihen- obi LA HAV) = =
. .. . . . l m 3
folge, ihren sůdlichen Rand immer dn dě =
.. Fi rst b k| N š
mehr gegen Nord zurůckverlest ZAssěe AE S 5
s : Mittelbank | N OE 3 3
zZe180n. 6 mit |A99 =
In Fol 1 f : Bacillarites 898
„In Folge dessen ehlt in allen IpUniemak Šebo
sůdlich und sůdostlich situirten ZBO A 3
. : 4 Bchleifsteinschiefer | o 4 A
einzelnen kleineren Ablagerunos- ECE:
41: : k i 3. Sandsteinlage Sick
parthien jede Spur der hoheren 2 Radnitz.unt. Kohlenfi. S
Flótzzůige, und nicht nur der (1. Šandstoin und | š88
tiefste derselben, der Liegend- Conglomerate (28
flótzzug findet sich in denselben
allein vertreten, sondern dieser noch ausserdem lediglich durch seine untersten
Parthien.
48
Eben so erscheinen in den grossen, nordlich und westlich befindlichen.
Ablagerungsparthien die Gebilde des Liegendflótzzuges an die sůdlichen Ránder
hinausgeschoben, und zwar je weiter sůidwestlich mit desto unvollkommenerer,
bruchstůckweise gebliebener Kohlenflótzentwicklune.
Die náchstfolgenden Nůrschaner Schichten treten bereits, wo ihre An-
wesenheit mit Sicherheit bestimmt werden kann, weiter entfernt vom Rande der
Ablagerung, gegen das Innere derselben zurůckgezogen, nordlich hinausgedrángt
auf, und noch weiter in gleicher Richtung eingeschránkt ruhen endlich die Kou-
nowa'er Schichten auf.
Es erscheinen sonach sowohl der Liegendflótzzug, wie auch der Mittel-
flótzzug, dort wo auch der Hangendflotzzug vorhanden ist, nur in verschieden,
selten breiteren Zonen zu Tage anstehend, wáhrend die Gebilde des letzten, allein
in der ganzen Ausdehnung der Ablagerung gegen Norden verbreitet, vorwaltend
die Oberfláche derselben bedecken, und deren nordliche Begránzung bilden.
Allem Anscheine und aller Erfahrung entsprechend steht auch mit der
mehr sidlich beginnenden Ablagerung der tieferen Flótzzůge ein frůherer Abschluss
derselben in nordlicher Richtung in Verbindung, so dass úberhaupt die jingeren
Gruppen úber die áltere hinausgeschoben sich befinden, und an ihrem nordlichen
Ende sich auf anderem Untergrunde befinden als sůdlich, wie sich in der That
die Schichten der Hangendflótzeruppe im nordlichen Gebiete bereits unmittelbar
den azoischen Thonschiefern aufeelagert zeigen.
Die Art der Ablagerung der drei Flótzzůge úbereinander stellt sich sonach
als eine treppenfórmige, gegen Nord geneigte heraus.
Unsleich weit in der Richtung vom Rande gegen das Innere der Abla-
gerung werden die Kohlenflótze anhaltend befunden.
Entgegen anderorts gemachten Beobachtungen, wo die Kohlenflótze mit
ihrer Entfernung vom Ausegehenden, dem Verfláchen nach an Máchtickeit zu-
nehmend geschildert werden, hat sich in unserer mittelbohmischen Steinkohlen-
ablagerung eine allmálige Verschlechterung und friůher oder spáter ein gánzliches
Schwinden der Kohlenlagen in gleicher Richtung herausgestellt.
Am auffálligsten und deutlichsten ausgebildet ergeben sich diese Ver-
háltnisse bei dem Liegendflotzzugse. Schon in den kleinen isolirten Ablagerungs-
parthien, Radnitz, Lisek etc.; mehr in der, Kohlenflótze nur von ihrer sůdlichen
Begránzung ausgehend einschliessenden Ablagerunesparthie Kladno-Rakonitz ist
der frůhere oder spátere Abschluss der Kohlenlagen in der Richtung des Ver-
fláchens nachgewiesen; eben so in der Umgebung von Pilsen, wo in dem nórd-
lichen Theile der Ablagerung die Kohlenflótze des Liegendzuges nur am čstlichen
Rande derselben bekannt sind; im sůdlicheren Theile aber auch die an beiden
entgegengesetzten Rándern des hier eine Ausbuchtung bildenden Ablagerungs-
gebietes vorkommenden Liegendflótze nur vom Rande weg abgelagert, also ein-
seitig ausgebildet erscheinen, wobei beiderseits, anderen Parthien der Total-
máchtigkeit des liegenden Oberflótzes entsprechende Kohlenlagen, also solche
nicht oleichzeitiger Entstehung, vorhanden sind, und diese beiderseits eben so wie
das sie begleitende Unterflótz gegen die Mitte, dem Verfláchen nach, sich allmálig
verlieren.
49
Und áhnliche Verháltnisse sind bei der Betrachtung der Kohlenlager in
-den beiden hoheren Flótzzůgen in Bezug auf ihre Verbreitung und Entwicklung
beobachtet worden.
Den Kohlenflótzen unserer Ablagerung kann sonach der Charakter becken-
artiger Einlagerung in keiner Hinsicht zuerkannt werden; sie stellen ausschliesslich
-mehr oder weniger ausgedehnte Anháufungen des vegetabilischen Materials in
der Náhe des Ablagerungsrandes dar, und lassen sich úberall nur als einseitie
zur Entwicklung gelangte Strandbildungen erkennen.
Auf die Máchtigkeit der Kohlenflótze aber scheinen wáhrend der Zeit
ihrer Entstehung mehrmaliger Anderung unterlegene Verháltnisse Einfluss geůbt
zu haben.
-Deutlich weist darauf hin der manniefaltige Wechsel in der Máchtigkeit
-der Liegendflótze bei ihrer Verbreitung im Bereiche der gesammten Ablagerung,
-der in einer unterschiedlich unvollkommenen und bruchstůckweisen Entwicklung
der einzelnen, den Bestand des Oberflótzes in seiner Gesammtheit bedingenden
Kohlenbánke seine Begrůndung findet.
Es scheint bei der Ablagerung dieses Kohlenflótzes ein wiederholtes
Schwanken im Niveau des Untererundes bald diese, bald eine andere Stelle dem
Bereiche des Absatzes oder der Anháufung vom Kohlenflótzmateriale entrůckt und
so die Lůcken im Zusammenhange der einzelnen Kohlenlagen herbeigefůhrt zu
haben, durch welche sich unvollstándige Gliederung und daher vieler Orten ge-
ringere Máchtigkeit erkláren.
In dem Befunde der Kohlenflotzentwicklung und in der ausgesprochenen
Neigung, sich mehrfach zu spalten, sind alle Anzeichen vorhanden, dass je mehr
gegen Siiden, desto intensiver jene Unstetheit im Bodenniveau thátig gewesen
sein mag, wie sich deutlich genug in der Ungleichartigkeit der an den entgegen-
gesetzten Rándern siidwestlich von Pilsen zur Ausbildung gelangten Kohlenlacen,
in der dort herrschenden Unbestándigkeit in der Anzahl und Máchtigkeit der
auftretenden Zwischenmittel insbesondere jener bei der Ablagerung von Wittuna
-zu erkennen gibt.
Weniger intensiv erscheinen derlei Ungleichfórmickeiten in der Periode
des Mittelflótzabsatzes, dessen wechselnde Máchtigkeit nicht so sehr in dem gánz-
lichen Mangel einzelner Lagen desselben als in einer Verschwáchung aller der-
selben besteht.
Noch weniger geben sich Schwankuncen beim Hangendflótze wáhrend
„dessen Entwicklung kund, das in fast gleicher Máchtigkeit úberall angetroffen -
wird, und bei dem nur sowohl in der áussersten óstlichen wie westlichen Ver-
breitung ein Anschwellen des Zwischenmittels zu grósserer als gewohnlicher Stárke
besteht.
Die den ungehemmten Absatz der Kohlenflótze beeintráchticenden Er-
scheinungen sind sonach vom Beginne der Ablagerung gegen das Ende derselben
in abnehmender Intensitát begriffen.
Dass dieselben auch auf die Entwicklung der die Kohlenflótze beeleitenden
Gesteinsschichten nicht ohne Einfluss blieben, geht aus der so sehr wechselnden
Máchtigkeit der einzelnen Schichtencomplexe hervor, die gewiss nicht úberall
in einer local in grósserer Menge und Intensitát stattsehabten Zusammenháufung
4
D0
von Gesteinsmateriale zu suchen ist, sondern eben so oft wenigstens in der zu-
fálligen Unebenheit des der Ablagerung sich darbietenden Untergrundes, womit
wohl das háufig zu beobachtende allmálice Auskeilen einzelner Schichten in nahe
Beziehung gebracht werden kann.
Auf den Wechsel in Bodenschwankungen und in einer dadurch im Ver-
laufe der Ablagerung herausgebildeten abweichenden Configuration des Unter-
orundes deutet ausserdem die Verschiedenheit der Verbreitungsbezirke, in denen
die Kohlenlager der einzelnen Flótzzůge sich befinden, und die keine correspon-
dirende Úberlagerung gegen einander aufweisen.
Eine Fortsetzung derartig eingeleiteter Stórungen gibt sich in der Ab-
lagerune selbst noch nach deren Abschluss in den zahlreichen Klůften und Spalten,
von welchen ihre Schichtensysteme zumeist in den Richtungen von Sůd gegen
Nord, ausserdem von SO nach NW und SW gegen NO durchzogen werden, zu
erkennen, womit háufig ansehnliche Verwerfungen, Schichtenstorungen und Niveau-
veránderungen in Verbindung stehen. Zahlreich sind solche in den Grubenbauen
aufgeschlossen; wie an der Hauptverwerfung in der Umgebung von Radnitz, wo-
durch eine bei 24 Meter betragende Dislocation hervorgebracht wird; mannigfaltig
und in verschiedener Intensitát bei den ausgebreiteten Bergbauen in der Umgebung
von Kladno ;*) aber auch deutlich genug bis zu Tage gehend kenntlich, wie entlang
der Rinnsale des Miesflusses, des Třemoschnabaches bei Pilsen, in der Umgebung
von Kottiken und Ledeč u. s. w.
Kleinere locale Unterbrechungen wurden endlich durch das Hervorbrechen
einzelner Basaltstróme bewirkt, wie bei Schlan, Winařitz, bei Libin nórdlich von
Lubenz, ferner bei Přischow (Umgebung von Pilsen), bei Manetin, Netschetin und
Dobrawitz. Gróssere Stórungen durch diese vulkanischen Gebilde hervorgebracht,
werden nicht beobachtet, und das von dem Winařitzer Basalte mit einzelnen Apo-
physen durchsetzte Liegendflotz bei dem Mayrau-Schachte náchst Motitschin zeigt
weder Verwerfungen, sondern blosse Spaltung der Kohlenmasse und Umwandlung
derselben an den Contact-Stellen in Koaks.
Alle die, die Ablagerung betreffenden Entwicklungsverháltnisse werden in
oleicher Weise in sámmtlichen Parthien derselben, entsprechend den in dieselben
hineinreichenden Schichtencomplexen, angetroffen, und diese Erfahrung, beruhend
auf der Gleichartigkeit und Úbereinstimmung der ůúberall in derselben Ordnung
úbereinander folgenden Schichtengruppen, und der auf gleichen Horizonten stets
in demselben eigenthůmlichen Character ausgebildeten Kohlenfiótze zeigen un-
zweifelhaft, dass die mittelbohmische Steinkohlenablagerune als ein, in allen ihren
einzelnen Parthien zusammengehóriges, gleichartie aufgebautes, einheitliches,
nicht aus verschiedenartie entstandenen Becken bestehendes Gebilde betrachtet
werden muss.
Profile durch das Ablagerungsgebiet an verschiedenen Stellen gelegt, geben
diesemnach auch úbereinstimmende Beschaffenheit, wie die beistehenden Darstel-
lungen darthun.
Fig. 14. Ein Profil durch die Ablagerung in einer von Sůd nach Nord gehenden
Linie iiber Kladno bis Schlan, die einseitige Entwicklung des Liegend-
*) Siehe Prof. Joh. Krejčí Geologie.
51
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flótzzuges, des dariber folgenden, durch ein schwaches Kohlenfiótzchen
bezeichneten Mittelflótzzuges und des nordlich hinaus gerůckten Hangend-
Hótzzuges enthaltend.
4*
O
vÝ
15. Ein Profil von Lubna ber Rakonitz an den Bere Žban, ebenfalls in
Fig.
einer von Sůd nach Nord gelegten Linie, sámtliche drei Flótzzůge in
treppenfórmiger Úberlagerung kreuzend.
Fig. 16. Ein Profil durch die Ablagerung nórdlich von Pilsen, úber Radnitz, Tře- ©
moschna nach Manetin, die verschobene Aufeinanderfolge der drei Flótz-
zůge in der Richtung von Sůdost gegen Nordwest darlegend. |
Fig. 17. Ein Profil durch die Ablagerung sůdlich von Pilsen zwischen Lititz und
Nůrschan, von Sůdost nach Nordwest, die in diesem Theile bestehende
synclinale Lagerung der Schichten sámmtlicher drei Flótzzůge darstellend.
Úber die Máchtigkeit, bis zu welcher die Ablagerung
vě sich erhebt, einige Anhaltspunkte zu erhalten, bietet be- ©
= sonders das von Kladno gegen Schlan gelegte Profil (Figur ©
14.) gůnstige Gelegenheit. |
Die daselbst in fast. gerader Linie hinter einander in ©
der Richtung des Verfláchens von Sid gegen Nord durch-
gefůhrten Abteufungen haben folgendes Ergebniss geliefert.
Bei dem am sůdlichsten angesetzten Franz-Schachte
5 = musste bis an das obere Liegendfiótz beiláufie 185 Meter
EB a VS abgeteuft werden; bei dem náchstfolgenden Layer-Schachte ©
á DE 225 Mt., bei dem weiteren Thienfeld-Schachte 291 Mt. und.
; NĚ bei dem Kůbek-Schachte 346 Mt. : |
X NÉ Bei der Abteufung des dann in weiterer něrdlicher ©
9; E Entfernung angesetzten Versuchs-Schachtes unweit Jemnik
© y, 9 wurde das Grundgebirge erst mit 504,3 Mt. erreicht, und
jz 7) AUDE die Bohrung bei Malkowitz musste circa 580 Mt. nieder-
zj V WS gehen, um das Grundgebirge zu erreichen. Die Máchtigkeit
2 8 SE der Ablagerung stellt sich sonach stellenweise úber 500 Mt.
VE heraus, wovon weitaus der gróssere Antheil der Liegendflótz-
DV oruppe zuzufallen scheint.
DOE Dass die Máchtigkeit einer und derselben Flótzgruppe
A W oft auffallendem Wechsel unterliegt, ist bereits erórtert worden
NE und bei der gleichfórmigen Lagerung ist namentlich dort,
NE wo das zugehorige Kohlenfiotz mangelt, die Gránzscheide
zwischen dem Liegendflótzzuge und dem Mittelflótzzuge bel
der wenig verschiedenen Beschaffenheit der ihnen angehóri-
gen Gesteinsschichten nicht mit Sicherheit zu ermitteln, das
beiderseitige Máchtigkeitsverháltniss sonach nicht klar.
Der Hangendflótzzue allein bietet hiezu immer genů-
gende Gelegenheit, in der mehrentheils abweichenden Be-
schaffenheit seiner Gesteinsschichten von jenen die tieferen
mm SVG. "71 : 77
nm. 5%
|
l
Nurschaner Sch. Kounováer Sch. Kreideformation
Grundgeblrge Radnitzer Sch.
der Steinkohlenablagerung.
Steinkohlenfiot2 mu
D3
Flótzgruppen zusammensetzenden. Dieser Flótzzug kennzeichnet sich schon in
seinen stratigraphischen Verháltnissen als ein von den tiefern, unter bereits modi-
-ficirten Bedingungen entwickeltes Gebilde.
Der Unterschied in der Máchtigkeit einzelner Schichtencomplexe beruht
C nicht immer auf ursprůnglicher Anlage; háufig genug hat der Bestand derselben
durch spáter erfolete Erosion und Abschwemmung Einbusse erlitten, und sind
© Schotteranháufungen theils im Bereiche der Ablagerung befindlich, wie bei Kro-
schau (Chrastian), Hlavačow, Littau etc.; theils weiter hinausgefiihrt, wie bei
Chrast, Wuttau etc., Belege hiefůr.*)
Es ist einleuchtend, dass derlei Érosionen und Abschwemmungen stellen-
weise endlich bis zur Trennung des einst im Zusammenhange befindlichen Ge-
- bildes fůhren konnten, und die Ablagerung in dem uns jetzt vorliegenden Zustand
| der Zertheilung in mehrere isolirte Parthien zu versetzen vermochten, worauf noch
die hie und da zwischen einzelnen Parthien, wie Wranowa und Nůrschan ete.
-© vorhandenen Rudimente ehemaliger Gesteinsschichten hindeuten, und so einen
ehemals weiter bestandenen Umfang der Ablagerung erkennen lassen.
I. Paláontologische Verháltnisse.
Organische Úberreste, sowohl aus dem Thierreiche wie aus dem Pfanzen-
reiche werden in den Schichten der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung in
ansehnlicher Menge, und in sámmtlichen Horizonten, von dem tiefsten bis zum
hóchsten, wie schon angedeutet, gefunden.
Solcher Horizonte bestehen im Ganzen vier, indem die den Liegendflótzzug
erfůllenden Gesteinsschichten, je nachdem dieselben das untere Kohlenflótz des-
selben, oder das obere úberlagern, als eigene Gruppen aufgefasst werden kónnen,
wáhrend die beiden hóher folgenden Flótzzůge, nur mit je einem Kohlenflótze in
Beziehung stehend, auch nur je einen Horizont in dieser Beziehung vertreten.
! Der grósste Reichthum an organischen Úberresten wird im Allgemeinen
in den, die náchste Begleitung der Kohlenflótze bildenden Gesteinsschichten sowohl
im Hangenden, wie theilweise im Liegenden, oder in den vorhandenen Zwischen-
mitteln angetroffen, und so finden sich die jedem Horizonte eigenthůmlichen orga-
nischen Úberreste vorwaltend auf einer verháltnissmássig geringen Schichtenreihe
versammelt, wáhrend sie in den, den weitern Bestand eines Flótzzuges zusammen-
setzenden, in grósserer Entfernung von dem zugehorigen Kohlenflotze lagernden
Schichten gewóhnlich nur einzeln zerstreut beobachtet werden.
+) Ansserhalb dieser Schotterablagerungen werden úber das ganze Ablagerungsgebiet zer-
streut beobachtet einzelne Blócke verschiedener Grósse eines plattfláchigen, graugelb-
lichen, meist abgerollten dichten Kieselsandsteins, der nirgends in den anstehenden
Schichten bekannt ist, daher andern Ursprungs sein mušs. Ich habe diese Blócke be-
obachtet sehr háufig bei Wetzlau, danň mehr oder weniger zahlreich bei Kriegern;
Ledeč, Ober-Břiz, Wscherau, Nůrschan, Rothaujezd, Manetin, sámmtlich im Bereiche
des Hangendflótzzuges, und sie kommen ausserdem in der Umgebung von Laun vor.
D4
Diesemnach vertheilen sich die vier vorwaltend paláontologische Belege
jiefernden Horizonte derart, dass dem Hangend- und dem Mittelflótzzuge je einer
angehórt, im Liegendflotzzuge aber zwei derselben unterschieden werden kónnen,
die als untere und obere Abtheilung desselben zu betrachten wáren.
Fůr die Ermittlung der úberhaupt auf der mittelbohmischen Steinkohlen-
ablagerung erscheinenden Arten aus beiden organischen Reichen bieten die zahl-
reichen Abhandlungen und Mittheilungen frůherer Forscher von Sternberg ange-
fangen bis in die neueste Zeit ein reiches Materiale.
| Die meist genaue Angabe der Fundorte fiůr die einzelnen beobachteten
Arten ermóglicht es auch, mit Zuverlássigkeit den Horizont festzusetzen, welchem
dieselben angehóren, selbst dort wo nur auf den vorhandenen Halden gesammelt
wurde, da bei der eigenthůmlichen, treppenfórmig úber einander vorgeschobenen
Beschaffenheit der Kohlenfiótzlagerung nur in seltenen Fallen mit einem und
demselben Schachte Schichten zu mehr als zu einem Horizonte gehórig in Angriff
genommen sind, und wo es hie und da doch der Fall ist, die verschiedene Ge-
steinsbeschaffenheit gewóhnlich ohne Můhe die richtice Einreihung zu treffen
gestattet. |
Der Beschreibung und náheren Schilderung der verschiedenen kennen ge-
lernten Arten, sowohl aus dem Thier- wie aus dem Pflanzen-Reiche, ist eben auch
in den zahlreichen erwáhnten Abhandlungen in mehrfacher und genigender Weise,
theils selbststándig, theils mit Beziehung auf andere Fachschriften, entsprochen, so
dass hier von einem speziellen Eingehen auf dieselbe abgesehen werden, und vor-
zůslich der Verbreitune derselben in den einzelnen Horizonten, den Verháltnissen
ihrer Vergesellschaftung und ihres Auftretens Berůcksichtigung zu Theil werden soll.
a) "hierreste.
Das erste Thierpetrefact aus der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung
wurde vom Grafen Caspar Sternberg 1834 bei Chomle in der Umgebung von
Radnitz entdeckt, und als fossiler Skorpion von Corda mit dem Namen Cyclo-
phthalmus senior beschrieben.
Erst nach viele Jahre betragenden Zeitabstánden kamen dann weitere
Arten, immer vereinzelt zum Vorscheine. Insbesondere gehórt die Kenntniss von
dem Vorkommen der Wirbelthiere einer erst verháltnissmássig kurzen Zeit an.
Zwar wird die Anwesenheit von solchen, namentlich von Fischschuppen, in
der Schwarte des Hangendflótzes bei Hředl, Kounowa bereits von Reuss und Lipold
angezeigt. Ihre náhere Schilderung, so wie die Ermittlung von dem Auftreten
derselben auch im Bereiche des Mittelzuges bei Nůrschan und Třemoschna, ver-
danken wie erst den Bemůhungen des Prof. Dr. A. Fritsch, der dieselben in seinem
umfangreichen Werke: „Fauna der Gaskohle etc.“ ausfůhrlicher Bearbeitune und
Jeschreibung unterzieht.
Auch die aus anderen Classen vorgekommenen Thierreste finden wir vor-
waltend in einzelnen Abhandlungen von Dr. Fritsch eingehend behandelt. (Fauna
der Steinkohlenformation Bohmens, Arbeiten der geolog. Abtheilung der Landes-
durchforschung von Bóhmen 1873; und fossile Arthropoden der Steinkohlen- und
D5
| Kreideformation Běhmen's in Beitrágen zur Paláontologie Osterreich- Ungarn's
(II. Ba. 1882.) |
j Es geniigt sonach, in Bezug auf die Thieřreste unserer Steinkohlenabla-
gerung auf die angefůhrten Special-Arbeiten zu verweisen und nur die fůr vor-
| stehenden Zweck sich aus denselben ergebenden Folgerungen zu berůcksichtigen.
| Nach dem heutigen Stande unserer Kenntniss betrágt die Anzahl aller
bekannt gewordenen Arten thierischer Úberreste aus unserer gesammten Stein-
© kohlenablagerung achtzig.
Von diesen 80 Arten entfallen auf die Wirbelthiere allein 59; diese sind
© sonach bis jetzt úberwiegend vertreten.
| Sie gehóren den beiden Úlassen: Stegocephali, Cope (Labyrinthodontia)
und Pisces an; der erstern mit 36 Arten aus 7 Familien; der letzteren mit 23
Arten, woran 2 auf die Lurchfische, 21 auf die eigentlichen Fische entfallen.
Das erste Erscheinen von Wirbelthierresten fállt mit dem Auftreten des
Mittelflótzes zusammen, wo, wie bereits erwáhnt, die an der Basis des Kohlen-
| flótzes befindlichen Cannelkohlen und Brandschieferschichten solche eingeschlossen
- enthalten, und den ersten Wirbelthierreste fihrenden Horizont bilden.
Nach ziemlich langer Unterbrechung sind Wirbelthierreste erst wieder in
-der Begleitung des Hangend- oder des Kounowa'er Kohlenflótzes bekannt, und
zwar einestheils in den, das Flótz unterlagernden Sphárosideriten eingeschlossen,
anderntheils in der im Hangenden des Flótzes befindlichen, Schwarte genannten,
© Brandschiefer-Schichte,
Hiedurch wird ein zweiter vornehmlich Wirbelthierreste fůhrender Horizont
hergestellt. Nur vereinzelt sind bis jetzt in den hóher folgenden Schichten des
Hangendflótzzuges die Spuren von Wirbelthierresten, namentlich in Fischschuppen
bekannt.
Auf den Mittelflótzzug, oder auf die Nůrschaner Schichten entfallen nun
von sámmtlichen Wirbelthieren 32; auf den Hangendflótzzug, oder die Kounowa'er
Schichten: 29 Arten und zwar sind vertreten:
In Nůrschaner Schichten ; in Kounowaer Schichten
E S DCCpha k Mk 65 29 APV 0 T- Arten
PROM OULU MI 0 O O n nao 0 oc 0 A Col m
oder die Stegocephali er-
scheinen in Bezug auf ihre
gesammte Artenmenge pr.
PR o Oo a o OKP) ICL Se Je ve be a ja) ca je 06 DAD pet.
EME CHO (es l61CNG MLD 5 70. jee S08 4706) 00 06 6 A m
Die Anzahl der Arten aus jeder Klasse ist sonach auf den beiden Ho-
rizonten in umgekehrtem Verháltnisse beflndlich ; es erscheinen auf den Nůrschaner
Schichten vorwaltend Stegocephali, untergeordnet Fische; dagegen auf den Kouno-
wa'er die Fische úberwiegender als die Stegocephali vertreten sind.
Die Stegocephali verhalten sich zu den Fischen in den Nůrschaner Schichten
wie 3,57:1. Dagegen in den Kounowa'er Schichten die Fische zu den Stegocephali
wie 1,64:1. Der Unterschied in der Vertretung beider Classen ist sonach in
ersteren Schichten ein bedeutend grósserer als bei den letzteren.
56
Von allen, aus beiden Horizonten bekannt gewordenen Arten sind es bis
jetzt bloss zwei, die beiden gemeinschaftlich zukommen, und diese zwei gehóren
den Fischen an; es sind diess die Arten Orthacanthus bohemicus, und eine sp.
Phillolepis. — Nicht eine Art der Stegocephali ist bis jetzt in beiden Horizonten
vorkommend bekannt. Es besteht sonach eine sehr untergeordnete Verbindung
zwischen denselben durch die verschiedenen Arten von Wirbelthierresten.
Dagecen zeiet das bekannte Vorkommen der in der Schwarte, bei Kou-
nowa, Zaboř ete. eingeschlossenen Fischreste, Acanthodes gracilis Róm. und Am-
blypterus gigas Fr. auch in den Sphárosideriten unter dem Kounowa'er oder
Hangend-Kohlenflótze (bei Žilow, Umgebung v. Pilsen ete.) bei gánzlichem Mangel
derselben im Bereiche des Nůrschaner Horizontes, die Zugehórigkeit der diese
Sphárosiderite umhůllenden Schichten zum Hangendflótzzuge an.
Die úbrigen 21 Arten unterschiedlicher Thierreste vertheilen sich in nach-
folgende Classen: Insecta — 7 Arten; Arachnida — 3 Arten; Myriopoda — 3 Arten;
Crustacea — T% Arten; Mollusca — 1 Art.
Sie sind unterschiedlich auf die einzelnen Schichtengruppen vertheilt und
erscheinen immer nur sporadisch.
In der beistehenden Tabelle sind die einzelnen Arten aus allen Classen
dieser niedereren Thiere angefůhrt, und ihr Vorkommen sowohl in Bezug auf die
Schichtengruppe, aus welcher sie stammen, als auf die Localitát, an welcher sie
bisher beobachtet wurden, zusammencestellt:
Radnitzer Sch.
Untere | Obere
Flótz- | Wlótz-
gruppe | gruppe
Nůr- | Kouno- |
schaner| wa'er |
Schicht, | Schicht.'
|
Arthropoda. |
Insecta. |
Acridites priscus André von Stradonitz sE |
Gryllacris Bohemica O. Novák von Stradonitz jv |
Palingenia Feistmanteli Fritsch von Kralup .... 4 p VSM
Flůgelreste eines Orthopteren (Eugereon ?) von Nůrschan =
Xylorictes septarius Fritsch, Bohrgánge von Insekton |
von-OWDa 6 3900 ads O E s
Xylorictes planus Fritsch , PARS AE von Insekten
von Nůrschan 005 tla Ro vk
BlattmaSp-von Lubná 0:00 | Ms:
Arachnida. | |
Cyclophthalmus senior Corda von Chomle, Kralup, Ho- | | |
BLolatey (4.7.0700 Ae: a : 3
Fragmente eines Sonne von Nůrschan-Studniowes boa + | +
Palaranea borassifolia Fritsch von Swina ........ > pýTkÉ
Myriopoda. |
Julus constans Fritsch von Nůrschan . . ........ ; Sh
Julus costulatus Fritsch von Nůrschan S: AIP“ |x :
Julus pictus Fritech Kounowa-Zaboř . ....... MP Pax lo a +
Crustacea. |
Gampsonychus parallelus Fritsch von Dibry at. | U a | S
Gampsonychus Krejčii Fritsch von Nůrschan, Třemoschna KRNKYN sE
Lepidoderma Imhoffi Reuss von Wilkischen . .. . « = Me
Estheria tenella Fritsch von Nůrschan + ž
bi
Radnitzer Sch.
—————— | Nur- | Kouno-|
Untére | Obere |schaner| wa'er
Flótz- | Flótz- poehloní Schicht.
gruppe | gruppe
JEohern AD, vom, Premosehná |% 124 EA Je braly PP | : +
Estheria (cyanea) von Kounowa, Herrndorf . ... i" 3 ska NĚ: dě č vi ke B
Cypridea sp. im Kalkstein von Klobuk ©.. ...... SUI : -+
Molluska.
Anthracosia sp. im Kalksteine von Klobuk-Peruz bo |
a 6 5
10
Die Arten aus niedereren Thierclassen sind sonach auf die einzelnen
Horizonte gleichmássiger vertheilt. Von allen 21 Arten sind jedoch bloss zweie
nicht auf einen einzigen beschránkt, und beide diese Arten gehóren den Scorpionen
an, die sonach bis jetzt allein in sámmtlichen Flótzzůigen beobachtet wurden.
Auch in den beiden Unterabtheilungen der Radnitzer Schichten, oder des
Liecendflótzzuges ist es nur die Art Cyclophthalmus senior, die in beiden gemein-
schaftlich erscheint; alle úbrigen Arten bleiben auf die eine oder die andere
Abtheilung beschránkt.
Insgesammt an Wirbelthierresten und an Arten aus niedereren Thiecrlassen
haben sonach die einzelnen Horizonte der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung
folgsende Anzahl Arten geliefert:
; : untere Abtheilung . . .... .
Liegendflótzzug | obere Abtheilung . . . . .8 Zusammen 10 Arten
Mittelflotzzug „ágto vll. VM O Psa MRV s o)
Hangendflótzzug.——. . . . "ono ZPM ed KKK Jo od oa od ná NL 7: SL Aé
Macht. . .84 Arten
Darunter auf mehr als einem Horizonte erscheinnde Arten . 4 „
Gibt die ganze bekannte Artenanzahl. . .80 Arten
Trotz der nicht geringen Anzahl verschiedener Arten von Thierresten sind
dieselben, mit Ausnahme der stellenweise háufiger gedrángt erscheinenden Wirbel-
thierreste dennoch, ihres nur sporadischen Auftretens halber, weniger dienlich,
die einzelnen Schichtencomplexe auf ihre Zugehorigkeit zu einem oder dem andern
Flótzzuge bestimmen zu lassen; selbst die Wirbelthierreste werden in demselben
Horizonte streckenweise nicht angetroffen, und wo sie sich einstellen, sind sie nicht
in solcher Menge stets zu finden, wie es nach ihrer Anzahl bestimmter Arten
den Anschein haben kónnte, die aber durch vieljáhrice Bemihung und Aufmerk-
samkeit allein endlich von Prof. Dr. Fritsch zusammengebracht werden konnten.
Am gleichmássigsten verbreitet finden sich die Wirbelthierreste in der,
das Hangendflotz (Kounowa'er Flótz) im Hangenden begleitenden Brandschiefer-
schichte der Schwarte, und sind aus der Umgebung von Pilsen, von Manetin und
zwischen Kounowa-Schlan bekannt; den Mittelotzzug, die Nůrschaner Schichten,
begleiten sie nur in der Umgebung von Pilsen.
Viel massgebender in dieser Beziehung als die Thierreste erweisen sich
die Planzenreste.
58
b) Pílanzenreste.
Auch die Planzenreste werden am ergiebigsten auf den in der náchsten
Begleitung der Kohlenflótze befindlichen Schichten angetroffen. Vorwaltend sind
diess Schieferthone in ihrer unterschiedlichen Beschaffenheit. Nur seltener sind
die Sandsteine, und dann zumeěist jene mehr feinkórniger Zusammensetzung gin-
stigere Lagerstátten fůr dieselben, wie jene, die úber dem unteren der beiden
Liegendflótze entwickelt sind.
In den grobkórnigeren oder mehr porósen Sandsteinen, wie auch in den
von den Kohlenflótzen entfernter gelagerten Gesteinsschichten, fehlen zwar vege-
tabilische Úberreste nicht, sind aber meist ungenůgend erhalten und vereinzelt
zerstreut anzutreffen, seltener nur, besonders in zwischengelagerten Schieferthon-
schichten regelmássiger eingebettet. Die Planzenreste erscheinen sonach vorwaltend
auf vier verschiedenen Horizonten.
Dovon gehóren zweie dem Liegendfiotzzuge an, in dem die das Unterflótz
und jene das Oberfiótz begleitenden Gesteinsschichten als je ein Pflanzenreste
fůhrender Horizont, als untere und obere Abtheilung des Liegendflótzzuses be-
trachtet werden, und der Mittelflótzzug, so wie der Hangendflótzzug als weitere
selbststándice Horizonte erscheinen. Fůr jeden dieser Horizonte sind Pflanzen-
reste von einer genůgenden Anzahl von Localitáten gesammelt und beobachtet
worden, um fiir den Character der in jedem derselben eingeschlossenen fossilen
Flora einen entsprechend verlásslichen Anhaltspunkt zu besitzen, da allein die
Betrachtung des Vorkommens von Pflanzenresten an mehreren, wo móglich ent-
fernter gelegenen Localitáten ein hinlángliches Bild derselben zu liefern vermag,
wáhrend die Ausbeute einzelner Fundstellen allein oft nur zu einseitigen Ergeb-
nissen fůhrt.
Es sind sonach fůr die untere Abtheilung des Liegendflótzzuges die Er-
gebnisse von folgenden Localitáten zur Verfůgung: Klein Přilep; Žebrák; im Li-
seker Becken die Fundorte Stradonitz, Dibřy, Hiskow; Miróschau die unteren
Schichten; Swina; Chomle, Wranowitz zum Theil ete.; Kladno, Rakonitz und Um-
gebung; Kaznau, Třemoschna, Blattnitz etc.
Fůr die obere Abtheilung des Liegendfiotzzuges: vor Allem Umgebung von
Radnitz; besonders Břas; Miróschau; Lisek mit Zlejčina; Kralup; Wotwowitz;
Kladno; Umgebung von Pilsen; Kaznan; Třemoschna; Nůrschan; Wilkischen ;
Weisser Berg, Mantan; Merklin und Wranowa etc.
Fůr den Mittelflótzzug: Umgebung von Nůrschan, Pankrazgruben, Hum-
boldtschacht und Zieglerschacht, ferner Třemoschna Barbaraschacht; Lubna, Zeměch
und Můhlhausen.
Endlich fůr den Hancendflótzzug : sámmtliche bekannten Fundorte im Schlan-
Rakonitzer Bezirke von Nauměřitz bis Herrndorf, in der Umgebung von Pilsen,
Kottiken, Ledeč, Břiz etc., und Umgebung von Manetin.
Sámmtliche aus den Schichten der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung
bis jetzt bekannt gewordenen Arten fossiler Pflanzen sind demnach auf Grundlage
ihres Vorkommens, in die entsprechenden Horizonte oder Flótzzůge eingereiht, in
der beistehenden Tabelle ersichtlich gemacht, wie folgt:
Fossile Flora der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung.
(TMS OR OE S PO B SL
OR
| © Radnitzer Schicht en | Nůrscha- | Kouno-
| Untere Abth. | Obere Abth. sm ner Sch. wa'er Sch.
7 TT WP ZEM C O E 6 n
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| | | |
A. Thallophyta. P | |
(l | |
1. Confervideae. | 1 k |
Solenites furcatus L. « H. | | -lo 4 -HT 0
© Bacillarites problematicus K. F. 0|0,-0| (0,0. |-
| | | |
2. Fungi. a
(ryromices ammonis Gópp. 0 m5
Sphárites Feistmantelianus Rab., IH-0 | +
Xylomides ellipticus K. F. ZEN) kv | 0
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B. Cryptog. vaseulares.| | dea vá 6 PENN n
v VŘE | VEB.
1. Filices. >.. P M
Pí | | l |
Wedelbruchstiicke. | M | | |
a) Sphenopterideae. 1 | 1 | MU | |
Sphenopteris lanceolata Gutb. -+ 0 oj +- | u |
3 Gutbieri Ettingsh. +0, m -HH | 1
i linearis Stbg. +0 LHO, | | HH T
i tenuissima Štbg. |—0 o | M + | |
i tenella Brongn. | VAM | + 1 |
i meifolia Stbg. H.0|0 0.0900 "i
: elegans Brongn. +.0,0,0.00-—+/|0 |(000-—-— 0 h |
á spinosa Gópp. +0 0, | ste -| | | |
: flexuosa Gutb. | | T 0 (h | | |
i c. f. distans Stbg. — 0 | ČH | 1
4 laciniata Gutb. © o, | | the s | | 4
; Linki Gópp. | »AbP PP rr 0 | M
fi intermedia Ett. (+10,0| |-| | | -+ | |
R Hónigshausi Brong.-+-|. (0,0, 0+0 P 1 ol0olj0o -+010
R microloba Gópp. ohrada jí je- 0 |- 9
Á tridactylites Brong.--| 10. | (0--| | (000-0
i c.f.Schlotheimi Br/.+-| (0, +0, (0 bd |
Gravenhorsti Bron. 6% | | | -+0 | dě
s cristata Gein. | | |- 0 | -+ | l bay
: latifolia Brongn. (+0, (0, 0- 0| -| B RĚ 4
Á tenuifolia Brongn. + (0 | | HT | ní
k Duboissonis Brong.--|0|0. | | = | |
ý davallia Gópp. HH- 0 | B | -+ l
í debilis Gópp. +0, TE SEEN betáne 10 1 :
5 coralloides Gutb. L rojojoj0.-+'0| |0 | 0 + + 0|0, | | |
i l i | | u !
7 Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno-
Untere Abth. | Obere Abth. | ner Sch. |wa'er Sch.
T AE l ora [aw ose velo i :
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T No c k
. decipiens Lesg. |-| „0 + |
Ň acutifolia Bronen. =- 0 .- | |
5 inaegualis Stbg. |-+-,0 + |
é trifoliata Brongn. je)
(rigida Bgt.) |+| |0 | 0,0|---0., 0
3 rutaefolia Gutb. -F 0,0, |- |
: irregularis (botry- | |
oides) Stbe. — (—0|0|,010| |- 0 |- —/0
28 obtusiloba Brongn.-—-—|0 0,0 ,.0|,0|=|0|0|0|10| | -+000 |
k flavicans Stbg. +0 al —
stricta Stbg 0 -+
M muricata Brongn. -+00 0|0--0 0|0|10-—--0
Ň macilenta L. © H.—-0 0 O 0| -+00
: artemisiaefol. Stbg. +0 +
zá sporangifera n. sp- 0 pr
5 erosa Gutb. [o 0 .0|,0|--0 0,0, -1-0 00 |
5 cristata Gutb. | | (1,0 010, |--0,
1 K L
Hymenophyllitos furcatus Bron.--| 0|0|0,0|,0-0|0|0 00-00, |- 0
ň alatus Brongn. Hm 0 0| | | T
H Phillipsi Gópp. HH 0 0|+ 0 hor RO
; stipulatus Gtb.-—-| |0 | 0- oj0| -10,0 + |0
a guercifol. Gp. | E.0.'0 jE |
Á Partschi Ett. -+ 0 0 + | |
s c. f. semiala- | | |
tus Gein. | | -+ 10
b) Rhacopteridae. | | | | |
Rhacopteris elegans Schimp. (As-; | | | | | |
plenites elegans Ett.) -.0|0,00010+ 0,0. -++ 00? 2
Rhacopteris sp. (ns o | = | jé
Palaeopteris Reussi Schimp. (As-' | |
plenites Reussi Ett.) | 0 | -+ |
©) Něggerathieae. | |
9, Noggerathia speciosa Ett. -+0 RO +
M intermedia K. F. |—+ 0|0-0 0.0,- |
i foliosa Stbg. „lo o, -H0| (0 aE: |
» Sp. RE 0- |
d) Neuropterideae. 1 | | |
Neuropteris angustifolia Brongn.--| |0| |- |0--0| (00,0 -- |
7 Hemom Sg. — odalojojo| Jolrjojojojolo|uulololo|
n exuosa Stbg. -T | r |
1 PE tomu ol | atoloj na MITA
i eterophylla Bron. +, ke EE | A (8
: Loshi Brongn. +H|ejoje| jo T 0|0jojojo Heh
U rubescens Stbg. | ' nh | jojo ++ 0;0|, |
l tenuifolia Schloth. zr 0 | + (o/|0 0, +- | |
auriculata Brongn. -+|0| '0|0 -+0|0 0, + + M | |
t coriacea Ett. HRCHO 5+ | | | u el |
61
Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno-
Untere Abth. | Obere Abth. | £| Per Sch. | waer Sch.
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Š|B|s (3 S |
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Neuropteris hispida n. sp. -| (0 =
% c. £. crenulata Br. | -+0
: Grangeri Brongn. -+0 + VÍ
| | a |
Odontopteris Reichiana Gutb. |-| 01010, |- 0,0, + |
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: britannica Gutb. (—| |0|0 -H+
k otopteroides Gp.sp.-+| 10 +
EO: Schlotheimi Gutb.-—| |0 | 0 +|-+.0,0, |--0
ň obtusiloba Naum. : +? -+0
8 aegualis n. sp. +. 10 -- | |
c. £ Permiensis Br. +0,
| 81| Triphyllopteris rhomboidea E. s/—-| |0 0|0 +
82 5 tenera Ett. sp. -—-. |0 +
| 83, Dictyopteris Brongniarti Gutb. -—;0|0|0|0|0- 010, -FH 010
84 bo neuropteroides Gtb.--. |0|0 -0 010, +- 0|0
85, Cyclopteris orbicularis Brongn. |- 0|0,0 Ho 0|0|----0|0 |
86 -M tenuifolia Gópp. -0 -+ |
87 n © oblongifolia Gópp. | | | +0
88. Adiantites giganteus Gópp. +. (0 0-0 ojo|----o0
89 y Haidingeri Ett. -H.0 | | |
e) Pecopterideae. |
90, Cyatheites arborescens Gópp. |(—. |0 0|=-|0|0|0,0|0|4-.0|0,0,--.0|0|,0
91. 4 oreopteridis Gópp. |- 0 0|--.0|0,0|010|----10|010-0| |
92 í Miltoni Gópp. Hlololojo|0--0|0|0,0,0,--|4+.0,0,0,-0|0,0
| 93 k bohemicus Ett. sp. -0 H+! |
94 ý candolleaneus Bron. -Hlo| olo, j++. (0,.--0
95 i argutus Brongn. + 0 H--5l0 -Ho
96 » dentatus Gópp. --/0 oj0|0|10/--|010|0 0,0 ----.0|0,0-5|0| 10,
97 , mucronatus Stbg. -0 -0 n | 4
98 É pennaeformis Brongn.— 0. -+010 A |
99 i Gůntheri Gópp. +. ,0 | -+ | I
100 E: unitus Brongn. -| 10,0 sh. (0 |0
101 i Wolfii Stur bál „+0
102 s Bredovii Germ. | jedn = 0,
103 4 „ agualis Brongn. -010 za :
104, Alethopteris Serlii Brongn. Hlo| 10, 10--.0|0,10,10| |---0.0|0--.0|0|0
105 pi pteroides Brongn. =- 10,010, +----.0.010--|0|0
106 M aguilina Brongn. -+ 0.0, | ---.0.0,. | -HU
107 : Plukeneti Schloth. -—— 0 -+H/0|0|0,0| |---- 010
108 A3 nervosa Brongn. + 0|0| |-
"oo MR oj longifolia Gópp. -0,0 Ho jolo, ---0|0j -| jo
110 : radnicensis Stbg.sp..-+. 0 | -
111 Ž similis Stbg. sp. -+0 h
| | M |
52
"m j Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno-
| Untere Abth. | Obere Abth. | 5 er Sch. |wá'er Sch.
n m=| ECT 0 EE
z 5 si s o = a É š ó|.d =
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| i a)|| 1| 2| 8| 4| 5|b)! 6| 7) 8, 9110/A.|B.|11|12|13|C.|14|15|16
112| Callipteris conferta Brongn. sp. | | hd +Hlolo
113| Taeniopteris c. f. coriacea Gópp. | | -+0
114, Oligocarpia Gutbieri Gópp. E 010 0 „ 010 ++ 0 Hi |
115, Steffensia davallioides Gópp. | + 0 +
116, Beinertia gymnogrammoides Gp., 0
117) Lonchopteris rugosa Brongn. -—|0|0|0 + 0.0, |-H+-0.0
Stipulargebilde.
118| Schizopteris lactuca Presl (5m 0-0, 100, + -+ (0
119 adnascens Latt. —|0 0| -+-|0| 10,j0| -5+ (0
120 "caryotoides Stbg. -+00 -+ 0 +
121 5 Gutbieriana Gein. -| '0|0 H0|0|010| +---0|0
122 : Goldenbergi Sch. | +0 +- (0 |
123 5 anomala Brongn. | | +. 10 |
124 : trichomanoides Gp. 1 | -+0
Stammbruchstiicke. | | 1 |
125| Megaphytum giganteum Goldb. | „0 oj |- | j
126 : trapezoideum O. F. | -= 0 |-|. |
127 E macrocicatrisatum | | | 1) 1
i | -+ O si
128 i majus Presl | + o. + | | |
129 Goldenbergi Weiss. | HH o| |-| 1
130 : Pelicani O. F. | | - o |- | |
(131 ch Cordai O. F. (Zip- | Ujesal I |
pea distycha Corda)—- 0 0. | --0 =
132 Ě musaeforme (Psaro-| | vadi M |
nius musaeformis| | | | a
Corda) -00 | -+
133 2 pulchrum (Psaro-| |
nius pulcher Cor.)-- 0 + |
134| Caulopteris peltigera Brongn. | | | | | +Ho0| |
135 X Cisti Brongn. el -+ (0 zel
136 : Phillipsi Latt. + | 0|=-| 0,-
137 : c. £. Rittleri Stur. -| | 0, | ztl
138 í macrodiscus Brongn.| | | +0 |
139 B angustata K. F. | | +0 |
140 k arenacea (Psaron. | | Již | |
arenaceus Corda) —-—-.0 | +. | | | |
| II | ] k | | |
141, Psaronius c. £. Cottai Corda | | V | + 0
142 E inexspectatus 1. sp. | | NL fe: | ele STA Němá | ke Ae NO ae
Filices. . -87 | (4 EE | (80
| | | | hm, UP:
i | | | I | l l | l | l
145
65
143
144
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
1063
170
172
171
|
Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno-
n |n1 ; Jar
Untere Abth. | Obere Abth. |= ner Sch. |wa'er Sch.
Raka E BA
Š|E s| |s
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| AA 3
2. Calamarieae. P 1 PŮ |
Calamites Suckovi Brongn. -F/ojojojo0|0 +lo0 0|0,0|,0 ++ o|0,0,--0|0|0
2 cannaeformis Schloth/--| |0;0,010,-0,0|0,0)0,--—00|010--0'0
k (varians) Stbg. appro- | |
ximatus Brongn. |-—— 0,00 0|-.010,010,0|1+-.0|010--.0|0
5 Cisti Brongn. -| (0,0 —..10/,010,.. |- —.0
: tenuifolius Ett. | —.0 0 =- m!
: gigas Brongn. | -+0
Asterophyllites grandis Stbg. -— 0,0,0|0|0--0|0,0,0|0 + | |
: foliosus Latt. |+|0,0|,0|0|,0,- 0 0/0, | ---0 +.0
: rigidus Brongn.|-| |0,0| (10-0000, |+|
5 longifolius Bron,+ |0 0-- 0 0/00,- | m
s eguisetiform. Br.-|-| oj0/--—0, (0,0|0----/0|0|0|+.0|0|0
Volkmannia gracilis Stamm nach, © | | | |
Stur |- 0, 10-0000, -5 | |
Annularia longifolia Brongn. |- 0.0|.0,00--0.0.0|000---000 -Ho 010;
5 radiata Brongn. | -0 0|0,..|- | |
sphenophylloid. Zenk.| | | T] rm|0|,0
P l! | |
Sphenophyllum Schlotheimi Br.--| (0, |0,0,-0000,0-+-+-000-+00
sz emarginatum Br./--|0|0|0 0|=-/0|0|,01010---- 00,0 -.0|0
3 saxifragaefolium S! 1
Stbes. |-——-0 0 VO 00 0 |
ý oblongifol. Germ.|-- 0 nieiký | 40
“ microphyllum St.—| 0 010 -+ | |
Cyclocladia major L. « H. -+|0| oj -lolojojo| -+-H0| 0 -Ho
Calamarien Pruchistinde. |
Fruchttráger in der Mitte des 1
Internodium's:
Macrostachia infundibuliformis 1 1
Sch. |--0|, 10, | -0 0| |----0 +0
gracilis Stbg. sp. | © 0-00 0|0|0--.0|0| |+,0
Calamostachis polystachia St. sp. + 0 +- 0|0| |
tenuifolia K. F. |- 0 -+0 0 49 |
Stachannularia tuberculata Weiss -+| 10 H|0 ojojoF--+ (19 +0 0
Fruchttráger im Winkel des | | |
Blattwirtels: na
169, Volkmannia distachya Stbg. -+0 10 — 0 = „0
A arborescens Stbg. -+ 0, —!/0 010, |- 1 ++0
Palaeostachya elongata Stbs. sp..--—| 010,0 -+0 O0-
Huttonia spicata Stbg. HM olo | Ee HH
Calamarieae. . .|25 26 28,15 18,
l l NÍ
64
| | Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno-
| | Untere Abth. | Obere Abth. || 5| "er Sch. (wa'er Sch.
MEM saše | ass | 8
REBEL: MBPEBEESREPL EE
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BREPEERREEFFREBESEE
dí ja | A3 335 | ls
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k VN VA 8| 4] Sb) 6] 7| 8| 9|10|4.B.|11|12 13,C.14|15|16
3. Selagineae. |
a) Lycopodiaceae. | | | keší
173| Lycopodites selaginoides Stbg. -| o|o -|0|0|0|0|0 7,0 RU
174 á Erdmanni Germ. | + 0 +
175) Lepidodendron dichotomum Stbg.--|0| |0,0,0--0.0|,0|0|0----|0|0|0. |? |?
176 A microstigma O. F. -0 0 -+
177 : fusiforme Corda |-+-|0 -+10 +
178 k elegans L. £ H. -H 0,0, |o,0|,+|0.0l0,0,0|+--o00lc |
179 : aculeatum Stbg. -0 ojo--ojojojo o ----o|o |
180 é obovatum Stbg. |--|0 oj--(o. ojoj0,0----o0|0| ||
(inclus. Bergeria guadrata, rhom- l |
| bica, marginata, Presl; Knorria | |
| Stbg., und Aspidiaria indulata |
Stbe. sp.) |
181| Lepidophlojos laricinum Stbg. | | |
(inclus. Halonia u. Ulodendron) -+0 |0|0|10-—-0 00/010 +H+0 0,0, 1?
l | | | | |
182, Lepidophyllum majus Brongn. | 0 0- 0,010|000 -L +/0|0| | |
183 binerve Ett. -10 -E10 |0 -E | | |
184 a horridum 0. F. -— CO m 0,0, -+000 |
l l | eh ! |
Po | U PK
185| Lepidostrobus variabilis Latt. —-|0 0|0,0|=-|0|0|0,0|,0---|0|0|0|-0|
186 é lepidophyllaceus Pe A
Gutb. Má VON N KO jee JM 6
187 i Goldenbergi Sch. -= 0. |- a BE BC
188 Lycopoditis O. F. Mn o, W | | |
1 | I |
8 ( | |
b) Sigillarieae. | I 1 1 | |
189| Sigillaria Cortei Brongn. O0 +Hlojolojojo-=--H-|0.0|.|-|0 |
190 ň subrotunda Brongn. +0 0| |-— 0 H+- (0, | | m
191 s intermedia Brongn. + 0/0, |- |
192 5 elliptica Brongn. 1 | P — 0
193 í oculata Schloth. + 0 0 — 00, -40 1
194 i angusta Brongn. | + 10 O0, |
195 : cyclostigma Brongn. | + | +, | T
196 : diploderma Corda I+-.0 -+0 | + | bd B
197 i distans Gein. 1 -+ (010,0, ---0, | |
198. alternans L. «H. |- o, |- lojojolo-e| ||| |+lo| |
199 * catenulata L. « H. |- 0- (0| |0 r | AN
200 . rimosa Goldb. | +. 0, +. | Ina
201 ň c. £. elegans Brongn. ! | | -+0 | |
202 i elegans Brongn. | | Sa r+,0 | + |
203 í alveolaris Brongn. © (oj o j-Ho0r -oso -|| | |
204 ť Knorri Bronen. | | -H-/0; 10 yh 0 |
205 : Feistmanteli Gein. -+0 0 |-|- |
206 i tesselata Brongn. +0 0 HL
207 ka trigona Stbg. +0 O | | (8
| l | | | ) j
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65
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Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno-
Untere Abth. | Obere Abth; | 5, ner Sch. |wa'er Sch.
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| Jana 100 BULU 8
208| Sigillaria ornata Brongn. -+0 0 | -|
209 5 striata Brongn. + 00-
210 > obligua Brongn. + 0. + 0 |
211 i rhomboidea Brongn. | | br: 0, -= |
212 5 Brardii Brongn. -0 |
213 Ě denudata Gópp. | -+|0 |
ý sp. indet. Po00 00,000 0,0 Wa
214| Sigillariaestrobus Sch. -+0 010 -+000 |
| Á i i |
215| Stigmaria ficoides Brongn. IH-.01 |(0,0,0--.0|0|,0|0|10|--|--0|,010--0|0| |
Selagineae . . .|19| | Fe a CE OV O VAN B VN HE
IL Phanerocamae. © | |
A. Gymnospermae. | | |
216| Walchia piniformis Schl. | Holojo|
217| Araucarites spicaeformis Germ. +0
218| Araucaroxylon Schrollianum Gp. —+.0.0|0
219 : Brandlingi Gópp. | (ob
220 » carbonaceum Gp. +0 0| H+ 22 |?
Gymnospermae . - -| | ma aka B
B. Monocotyledonae. bz |
221| Cordaites borassifolius Stbe. |- 0 .o|0,.0|.0-—-0.0|0|,0,0---00|0-—0, 0.
222 A principalis Germ. + 0 F- 10, -0
223 j palmaeformis Gópp. + 0 -+ -+.0
224 3 crassus Gůpp. sp. | -+0
225 s Beinertianus Góopp.sp.--. 10,0 | BE |
226| Antholites triticum André 1+ 0 da 0, je |
227 $ Pilkairnae L. « H. |- |0 + 0 -„H|-l010
228 ži gracilis K. F. -+0
228 5 Sp. + | 0, + |
229| Artisia transversa Stby. Hloljo Eo + |
230, Gramminites Volkmanni Ett. |- |0 + | by
231 5 Feistmanteli Gein. -+0 -= NE
Monocotyledonae. . .| 6 zo vo TO EN E
Incertae sedis. | | | MO
JI j | | j 1 | j 1
'232| Pinnularia capillacea L. « H. |— 0, + 0.0.0100 ++ 0 (+ Oldřl |
233, Selerophyllum alatum K. F. | 1 AKO NO | roky Mo
ků | bd | | |
|
i L | ělkedí | |
| | Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno-
| | Untere Abth. | Obere Abth. | 8 "8" Sch. | wa'er Sch.
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| | | | | |
235| Cardiocarpum emarginatum Br.|-— 0 -| (0,0 -+0 | |
236 4 marginatum Art. |- 0 IH 10 |
237 S Gutbieri Gein. |- (0 0- (0,0 + |
238 5 Kůhnsbersi Gutb/ | +. (0 | -+ -+0
239 9 orbiculare Ett. || |0 01.|- 10,0 +-+.0 0. -+10
240, Trigonocarpum cycadinum Cord.-—- 0 =
241 i folliculum Cord.|--| 0 ==
242 5 suleatum Corda |-+-|0 0 +
243 5 Parkinsoni Bron. + 010-
244. Rhabdocarpum Bockschianum | |
Gópp. + 010,-
245 Á amygdelaeformis| | |
Gópp. | o|+| | jojoj |H-Ho0
246, Jordania moravica Helmh. +0
247, Carpolites insignis K. F. -+-/0|0
248 k coniformis Gópp. +.0 0-0, 100, -+--1.90| -0
249 „© corculum Stbg. +. 0 +0 ++- |
250 x placenta Cord. +0 -|
251 „© discus Cord. -+(0 BE
252 „ lentiformis Corda -0 + 0 |- |
253 „| dmplicatus Corda © |+-0 „ml |
254 ť ovoideus Corda -| 0 -+ |
255 „© macrothelus Corda |—|0 an |
256 A reticulum Corda +0 nz! be |
257 3 granularis Stbg. + 0 + |
258 4 morchellaeform. Gein. „0 0 T 1 (8
259 clavatus Stbg. + 0 -+ 0 EE +0
260 „© clipeiformis Gein. + 0| T | |
261 : contractus Stbg. +H0 -+0 -n |
262 „© minimus Stbg. Ho + | |
263 £ microspermus Corda -+0 Iu! | |
264 É ellipticus Stbg. -+0 -|
265 Á cerasiformis Stbo. +0 -HI | |
266 á sepelitus Stbg. -+0 I-
267 i annularis Stbg. +0 (n |
268 k putaminifer Corda -+.0 jas |
269 „ lenticularis Stbg. +0 Inu! | |
270 a bicuspidatus Stbg. -+0 |
[271 „ © membranaceus Gópp. je r 0 |
1272 5 pyriformis Corda +0 T |
273 „| Tetusus Stbo. „0 |ns! | |
274 5 disciformis Stbo. H+-,0 Ex |
1275 k copulatus Stbg. +0 nz |
276 „| excavatus Stbg. | -Ho HI
277 “ incertus Stbg. © | | --|0 Hr | | |
278 : tesselatus Stbg. | | Ho! HI | | | |
l | | ků |
i
67
Radnitzer Schichten Nůrscha- ' Kouno-
— K5) = 2)
Untere Abth. | Obere Abth. |, ner Sch. (wa'er Sch.
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í | | | l Í
p (279 Carpolites truncatus Stbg. + 0 + 1
-1280 i umbillicatus Šíbe. -0 + |
f (281 „ costatus Corda +0 (kz |
| 282 a macropterus Corda |--|0 (nm |
pe (283 " Sternbergi Corda +0 0 + | l
ců Incertae sedis. . .|25 | | 32! uz 7 | 9!
| Gesammtflora. . .|38 | => | ze | dd
| 9 Ja i |
In dem vorstehenden Verzeichnisse der fossilen Pflanzenreste sind einige
|Arten aufgenommen, die in frůheren Zusammenstellungen nicht erscheinen, in
deren Besitz ich durch wiederholte Aufsammlungen gelangte, und die, da sie
'theils neue, theils bisher hier nicht bekannte Arten vorstellen, nicht unberůck-
(sichtigt bleiben sollen; andere haben eine von frůherem ech abweichende
Einreihung in's System erfahren.
Was die ersteren anbelangt, so sind es folgende:
Sphenopteris sporangifera n. sp. Fig. 18.
Fig. 18.
Mehrmals vorgekommene Abdrůcke eines Farnwedels in den Schieferthonen
-von Stradonitz der Liseker Ablagerung.
| Wedelbruchstůcke zweifach sefiedert; Fiedern ziemlich genáhert, wechsel-
| stándig, mit stumpfem Winkel an der Rachis angesetzt, lánglich dreieckig gestaltet.
5*
68
Die Fiederchen ebenfalls wechselstándig; gegen die Spitze der Fieder allmálie
kůrzer werdend, nach der nur bruchstůckweise erhaltenen Blattspreite eine lánglich.
eifórmige, vielfach ausgebuchtete Gestalt besitzend, an der Basis keilfórmig zu-
sammengezogen, mit gefligeltem Mittelnerv in die Rachis verlaufend.
Mittelnerv stark, unter spitzem Winkel aus der Fiederspindel abgehend,
dann sich aufrichtend; Šeitennerven entfernt, wechselstándig, in die Lappen úber-
cehend und sich daselbst einfach gabelnd. Das Ende jedes Seitennerven von
Fruchtháufchen, drei bis vier Sporangien in einer Gruppe vereinigt, bedeckt;
letztere eirund, verháltnissmássig gross, oft fein gestreift oder runzlig, an der An-
heftungsstelle etwas zugespitzt. An den meisten Fiederbláttchen sinb bloss die.
Nerven mit den Fruchtháufchen erhalten, die Blattspreite fehlend. Wo Bruch-
stůcke der letzteren vorliegen, zeigen sie die oben angegebene Gestalt der Bláttchen
an, und sind so wie der Mittelnerv dicht trichomatos.
Die Art der Nervatur, die keilfórmige Endigung der Fiederbláttchen und
ihre Anheftung an die Fiederspindel lásst die Abdrůcke weder mit Neuropterideen
noch mit Pecopterideen in Beziehung stellen.
Von allen úbrigen bekannten Spheropteriden sind sie durch die Gestalt
der Fiederbláttchen, und durch den úberwiegend erhaltenen Fructifications-Stand
unterschieden.
Einige Ahnlichkeit bestánde mit Pecopteris bifurcata Stbg. (Alethopteris
Plukeneti Bet.) in Bezug auf Gestalt, Grósse und Nervatur der Bláttchen, die aber
bei letzterer Art mit ganzer erbreiteter Basis ansitzen und mehrfach verzweigte
Seitennerven besitzen. In Gestalt, Nervatur und Fructification der Bláttchen besteht
eine gewisse Verwandtschaft mit der recenten Gattune Cheilantes.
Hg. 19.
Neuropteris hispida n. sp. Fig. 19.
Ein Wedelbruchstůck, doppelt gefiedert; die Fiederen lánglich, wechsel-
stándig, genáhert, etwas aufwárts gerichtet. Fiederbláttchen an der Basis herz-
fórmig, kurz gestielt, die oberen lanzettlich, ganz, die tieferen mehr eiformig,
allmálig ausgebuchtet bis gelappt, sámmtlich zugespitzt endigend. Mittelnerv deutlich
ausgedriůckt, vor der Blattspitze verschwindend. Seitennerven schůtter, schwach,
bogie auslaufend und gabelnd.
Einige Ahnlichkeit besteht an der Spitze der Fiedern mit Neur. acutifolia
JM der Úbergang der tieferen Fiederchen in die eifórmige, buchtige Gestalt
Jist unterscheidend. Eine allen unserer Neuropteris Arten mancelnde Eigenthiim-
Hichkeit besteht in dem Vorhandensein zahlreicher, mit dem Mittelnerven parallel
né in seiner Náhe am dichtesten r scharfer Eindriůcke, die sich
als von Borsthaaren hervorgebracht darstellen, deren Anwesenheit sich auch an
"“ Spindel kund gibt.
Die Beschaffenheit der Bláttchen scheint ausserdem eine feste, etwas
m gewesen zu sein. Die Art stammt ebenfalls aus etwas gelblichen
„Schieferthonen der Localitát Stradonitz der Liseker Ablagerungsparthie.
Odontopteris gualis n. sp. Fig. 20.
Fig. 20.
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235
Einzelne Fiedern eines Farnwedels, von lanzettfórmigcer Gestalt, besitzen
an einer ziemlich kráftigen Rachis wechselstándice Fiederbláttehen; diese etwas
lánglich, gleich breit, und kurz abgerundet endigend, etwas schitter gestellt, sitzen
mit ihrer Basis, in der obern Hálíte ein wenig stumpf sich von der Spindel lósend,
sonst ganz an derselben, mit ihrer unteren Hálfte an ihr herablaufend. Nervatur
zart; Mittelnerv kaum ausgedrůckt, schief aufsteigend; Seitennerven von der Basis
gegen den Blattrand fácherfórmig sich verbreitend und verzweigend.
Nervatur und Anheftung der Bláttchen weisen auf die Zugehorickeit zur
Gattung Odontopteris; die Form der Bláttchen, abweichend von jener der bisher
bekannten Arten rechtfertigt die Selbststándigkeit der vorliegenden.
Fundort: Štradonitz der Liseker Ablagerung; gelblicher Schieferthon.
Psarontus inexpectatus n. sp.
Das mehrfach in der Schwarte des Hangendflótzes, namentlich bei Kounowa
beobachtete Vorkommen luftwurzelartiger Gebilde, dessen schon in meiner Ab-
handlung „Der Hangendfiótzzug im Schlan - Rakonitzer Steinkohlenbecken“ Er-
wáhnung geschah, dort aber bloss als Psaronius sp. aufgefůhrt erscheint, ist unter
dem obigen Namen nun in das Verzeichniss eingestellt.
Odontopteris c. f. Permiensis Brongn; Cyatheites Bredowit Germ.; Táinio-
pteris c. f. coviacea Gópp. sind in neuerer Zeit beobachtete Arten, ůúber deren
Vorkommen in Sitzungsberichten der k. bóhm. Gesellschaft der Wissenschaften
T. Folge 1882 „Neue Fundorte von Steinkohlenpfanzen“ Mittheilung gemacht ist.
Eine abweichende Einreihung schein bei folgenden Arten angezeigt:
Bacillarites problematicus K. F.
Die Erklárungen, welche von ausgezeichneten Forschern, wie Geinitz,
Rabenhorst, Eulenstein, Stur, Grunow ete. úber die mit vorstehender Benennung
10
belegten, in einzelnen Schichten unserer Steinkohlenablagerung so auffállig auf-
tretenden Kórperchen, auf deren Vorkommen ich zuerst bereits im Jahre 1868 auf-
merksam zu machen Veranlassung hatte, abgegeben wurden, haben zwar keine
endgiltige Entscheidung úber die Wesenheit derselben erzielt, doch aber ausser
Zweifel gesetzt, dass wir es in denselben mit Úberresten vegetabilischer Organismen,
und zwar von sehr niederer Stufe, zu thun haben. Die oft massenhafte Erscheinung
derselben steht im Einklange mit der ungemein raschen Vermehrunesfáhigkeit
solcher niedrig organisirter Wesen.
Es weisen diese, beiderseits abgestumpften, oft mehrfach gekrimmten und
cebogenen, sonst gleich breiten, stábchenformigen Koórperchen vorwaltend eine
senkrecht auf ihre Lánce bestehende Gliederung durch mehr oder weniger deutlich
erhaltene Auerwánde auf, die vielleicht als einfach an einander gereihte, mit der
Gesteinsmaste ausgefůllte Zellen betrachtet werden kónnen, und so eine gewisse
Ahnlichkeit mit den heutigen einzelligen, zu Fáden verbundenen, oft in Gallerte
eingehůllten Cyanophyceen, besonders mit der dazu gehórigen Familie der Oscilla-
riaceen anzubahnen scheinen. Letztere mit cylindrischen, unverzweigten, nie zu-
gespitzt endigenden, aus scheibenfórmigen Zellen bestehenden Fáden, Bewohner
des sůssen Wassers oder feuchter Stellen důrften mit unserem Fossile in Beziehung
gebracht werden kónnen.
Sphenopteris erosa und eristata Gutb. Zumeist unter die Gattung Aletho-
pteris eingereiht, diůrften der mit Alethopteris nicht úbereinstimmenden Nervatur
wegen, so wie in Anbetracht der gelappten Fiederbláttchen sich besser den Sphe-
nopterideen anschliessen, wie bereits anderseits geschehen ist.
Noggerathteae. Nach dem jetzigen Stande der Kenntniss von den Fructifi-
cationen dieser Pflanzenreste ist ihre Einreihung unter die Filices nothig geworden.
Farnstůimme.
An neu aufgefundenen Exemplaren von in Bezug auf die erhaltene Innen-
structur mit den von Corda, aus der Umgebung von Radnitz in seinen Beitrágen
zur Flora der Vorwelt beschriebenen Psaronien aus der Steinkohlenformation
Bohmens, úbereinstimmenden Stammbruchstůcken hat sich der die Gattungen Me-
gaphytum und Caulopteris bedingende Character in einestheils zweizeilig gegen-
úberstehend, anderntheils spiral angeordneten grossen Narben an der Stammes-
oberfláche zu erkennen gegeben, wonach diese Stammůberreste mit gleichem Rechte
der einen wie der anderen Gattung eingereiht werden kónnen, wie in ŠSitzungs-
berichten der k. bohm. Gesellschaft vom 27. Oktober 1882 „Úber Psaronien der
bóhm. Steinkohlenformation“ náher auseinander gesetzt ist. Der Zweckmássigkeit,
die schon frůher fůr carbonische Farnstrůnke gebráuchlichen Benennungen Mega-
phytum und Caulopteris beizubehalten, fůr Permische Farnstimme aber Psaronius
gelten zu lassen, wurde in dem vorliegenden Verzeichnisse entsprochen.
Imcertae sedis.
Es scheint von allen den zahlreich verzeichneten, Cardiocarpum ete. bis
Carpolites benannten, diversen Frůchten und Saamen, deren mehrere úberdiess nur
einen abweichenden Erhaltunoszustand einer und derselben Art darstellen důrften,
mit aller Wahrscheinlichkeit angenommen werden zu kónnen, dass ihre Zuge-
horigkeit zu den verschiedenen Classen und Gattungen, die durch andere Organe
11
in den Schichten der Steinkohlenablagerung vertreten sind, eine nicht mit Sicherheit
zu bestimmende ist.
Aus diesem Grunde ist es angezeigt, sámmtliche als Saamen oder Frůchte
zu deutende vegetabilische Úberreste fůr sich allein versammelt in das Verzeichniss
aufzunehmen, um so mehr, als es wahrscheinlich ist, dass einzelne derlei Frucht-
abdrůcke die einzigen Úberreste von, mit keinen andern ihrer Organe bis jetzt
deutlich in den Gesteinsschichten erkannten Arten vorstellen kónnen, und als ein-
zelne der in die Gruppe Incertae sedis unterbrachten Arten sich erfahrungsgemáss
immer auf Schichten desselben Horizontes einstellen, und sonach zur Characteristik
desselben beitragen.
Dagegen ist eine gróssere Anzahl von Arten, die in frůheren Mittheilungen
und Zusammenstellungen fossiler Pflanzenreste von den verschiedenen Localitáten
im Bereiche der mittelbohmischen Šteinkohlenablagerung angefiihrt werden, in
in unserem Verzeichnisse nicht einbezogen.
Es betrifft das zumeist solche, von denen sich nachtráglich ihre Zuge-
hórigkeit zu einer anderen aufgestellten Art erwiesen hat, oder die als nur in
einem abweichenden Erhaltunoszustande vorliegende Exemplare anderer Arten
erkannt wurden, wie zumeist aus der Classe der Selagineen; die verschiedenen
Arten Bergeria-Lepidodendron undulatum Stbg. L. crenatum Stbe.; Knorria; die
als Syringodendron pescapreoli Stbg. benannten und anderweitige sich als Decor-
ticate und innere Rindenabdrůcke darstellende Sigillaria-Arten; Halonia und Ulo-
dendron u. s. w. gehóren hieher.
Ausserdem sind einige wenige Arten, von denen der Fundort, oder wenigsten
die Schichtengruppe, der sie angehóren důrften, nicht eruirt werden kónnen, Angaben
aus álteren Zeiten, und ohne besondere Wichtigkeit, unberůcksichtigt geblieben.
Die laut der oben gegebenen Úbersichtstabelle im Bereiche der mittel-
bohmischen Steinkohlenablagerune vorgefundene fossile Flora zeiet nun folgende
Verháltnisse :
Von den gesammten aufcezáhlten 283 Arten entfallen:
Auf die Radnitzer Schichten: untere Abth. 165 Arten od. v. der Gesammts. 57,69,
obere Abth. 194 „, dj ant h k 68,5
auf die Radnitzer Schichten úberhaupt .248., „m » ko A P
anf die Nůrschaner Schichten í kočáco ven něh AM k ZE dáé
auf die Kounowa'er Scbichten “ ka ká S z B : k
Die grósste Anzahl Arten hat sonach die Gruppe der Radnitzer Schichten,
oder der Liegendflótzzug geliefert, nehmlich 87,6 pct. der Gesammtsumme der be-
kannten Arten; 2,70mal so viel als die Nůrschaner; 3,22mal so viel als die Kouno-
wa'er Schichten.
Von den beiden Unterabtheilungen der Radnitzer Schichten ist die obere
die reichere und verhált sich die in ihr beobachtete Artenanzahl zu jener in der
unteren Gruppe vorgekommenen wie 1:0,84.
Der an fossilen Pflanzenresten am reichhaltigsten gefundene Horizont ist
sonach jener mit dem Radnitzer Oberflótze in Verbindune befindliche; der Horizont
der Radnitzer oberen Flótzgruppe.
12
Von den Radnitzer Schichten ausgehend zeiet die Anzahl der Pflanzenarten
in den hóher folgenden Horizonten eine stetige Abnahme, die sich, wenn die in
der ersteren vertretene Artenanzahl — 1 gesetzt wird, durch die Zahlen 0,37 fůr
die Nůrschaner, und 0,31 fiir die Kounowa'er anzeigt.
Besonders auffállig ist das plótzliche Sinken der in den Nůrschaner
Schichten eingeschlossenen Anzahl von Pflanzenresten, die doch unmittelbar úber
den so reich in dieser Hinsicht bedachten Radnitzer Schichten folgen.
Mit einer geringeren Ausbeutung dieser Schichten, mit einer weniger nach-
haltigen Untersuchung derselben auf die in ihnen enthaltene fossile Flora lásst
sich diese Erscheinung nicht genigend erkláren.
Wohl sind dieselben, ihrer Lagerungsverháltnisse wegen, im Allgemeinen
weniger zugángie, als es die im fast ganzen Umfange der Ablagerung verbreiteten
und zu Tage reichenden Radnitzer Schichten sind; aber jene Parthien, wo eine
Untersuchung měglich war, sind derselben wiederholt, an mehreren Localitáten und
durch lángere Zeit hindurch unterzogen worden. Es wáre zu erwarten, dass, wenn
die auffállig geringere Ausbeute an Arten im Bereiche der Nůrschaner Schichten
lediglich die Folge einer weniger intensiven und eingehenden Bearbeitung derselben
sein sollte, sámmtliche Familien und Gattungen sich annáhernd in gleichem Masse
reducirt zeigen, was aber, wie weiter ersichtlich sein wird, nicht der Fall ist.
Eine weitere Verminderung der Artenanzahl tritt an der in dem obersten
Horizonte der Ablagerung, in den Kounowa'er Schichten eingeschlossenen fossilen
Flora ein. In Bezug auf die zunáchst unter ihnen liegenden Nůrschaner Schichten
weist diese Verminderung wohl nicht jenes auffállige Verháltniss auf, wie es zwischen
letzteren und den Radnitzer Schichten besteht, und wird durch die Zahlen 1: 0,84
ausgedrůckt.
Die Kounowa'er Schichten sind indessen seit Jahren, an vielen Orten ihrer
Verbreitung und noch in der letzten Zeit eingehend und vielseitig auf das Vor-
kommen fossiler Pfianzenreste untersucht worden, und sind nichts desto weniger
In dieser Beziehung hinter den beiden tieferen Flótzzůgen zurůck geblieben, wobei
ebenfalls die Erfahrune lehrte, dass nicht alle Familien und Genera in gleichem
Verháltnisse an der Abnahme der Arten betheiligt sind.
Úberblickt man die einzelnen Classen in Bezug auf die Artenanzahl, mit
welcher jede derselben in den vier verschiedenen Horizonten vertreten erscheint,
so erhált man nachstehendes Ergebniss:
Radnitzer Schichten | Nůr- | Kou-
| msge- 7 | BCRAN. ČROVABE
Untere | Ob | "
M E r Eo 07 eo
P "i pe P V Pek
(2 | Filices. Beobachtete Arten . . ..... +187"| 871840 119|1"48856
PE oder in. Procenten 0 100 63,5| 61,3, 86,8| 35,0, 21,9
(8| Galamariae. Beobachtete Arten . . . .... R10) 25 26 28+ 1,16: |115
oder in Procenten - 204.0. | 100 83,3| 86,6| 93,3, 50,0| 60,0
| 4| Selagineae. Beobachtete Arten . . ..... L 43 19 39 39 9
| oder in Procenten ........ | 100 44,1| 90,7, 90,7) 39,5) 20,9
(> . | M => n
| |
dž
Nůr- | Kou-
(Radnitzer Schichten |
sammt Unt Ober schan. novaer
Maye pe ev 1 Abth, Abíh. |Allgem. | Sch. | Sch.
| (5, Gymnospermae. Beobachtete Arten. . .. | 5. — PT 1 | 5
1. Pročenten : s.: 1,4 6 | 100 — 20 20 20 | 100
G| Monocotyledonae. Beobachtete Arten . . | 12 6 8 10 8 5
Im Procentem „4.0.4 „ 100 50 66,6| 83,3| 25 41,6
7| Incertae sedis. Beobachtete Arten. . . . © 51 | 25 | 82 | 47 7 9
iw Proeemten <... (100 290620921, 18,70, 736
1| Thallophyta. Beobachtete Arten. ...... Mis: 1 4 4 1 1
T BEOCETLEM 8- jee 0f 0016 5e (100 20 80 80 20 20
věd RM- 18 | at |
Gibt im Ganzen beobachtete Arten ©. . . | 288 | 163 | 194 | 248 92 77
Int Procenten' wie oben. <... + 100 B0016" 0876|, 325 |. 272
Schon aus dem in vorstehender Tabelle ersichtlichen Nachweise, wie die
einzelnen Classen auf den verschiedenen Horizouten sich nach Procenten vertreten
zeigen, tritt eine Ungleichformigkeit in deren Vertheilung deutlich vor Augen,
indem die Abnahmen der Artenanzahl aus den Radnitzer Schichten darch die Nůr-
schaner in die Kounowa'er Schichten keineswegs correspondirende Verháltnisse
aufweisen; diese gestalten sich nehmlich:
hemden. Biliess m. den, Zaltern 7 490,0:.800 : 21,9
und bei den Selagineen mit den Ziffern: . .90,%7:395 : 209
in anderer Weise; als diess der Fall ist:
bei den Calamarien mit den Ziffern: . . . .933:50,0: 60,0
bei den Gymnospermen mit den Ziffern: ©. . 20,0 : 20,0 : 100,0
und bei den Monocotyledonen mit den Ziffern: 83,3 : 25,0 : 41,6
Wáhrend sonach in den ersten beiden Classen eine Verminderune der
Arten von der in den Radnitzer Schichten beobachteten Anzahl durch die Nůr-
schaner in die Kounowa'er Schichten bis auf 0,25 und 0,23 erfolet, betrást diese
in den úbrigen Classen bloss 0,64 bis 0,50 von der den Radnitzer Schichten ei-
genen Anzahl; ja bei der Classe der Gymnospermen tritt im Gegentheile eine
Steigerung von 20 auf 100 pct. also auf das Fůnffache ein.
Die Ziffern der vorstehenden Tabelle zeigen weiter, dass das maximum
der Artenanzahl jeder Classe zwar vorwaltend aber nicht durchaus auf den Horizont
der Radnitzer oberen Flótzgruppe fállt. Von der Gesammtsumme der beobachteten
Arten jeder Classe sind nehmlich der Oberflótzgruppe eigen: Calamarien 26;
Selagineen 39; Monocotyledonen 8; Incertae sedis 32; Thallophyta 4; dagegen
von Filices bloss 84, wáhrend der Unterflótzeruppe 87 Arten angehóren, und aus
der Člasse der Gymnospermen das maximum der Arten 5 den Kounowa'er Schichten,
der Oberflotzgruppe aber ein minimum mit einer Art zufállt.
Legt man indessen die Gesammtsumme der in jeder Flótzgruppe ver-
tretenen Arten zu Grunde, so ergeben sich fůr die aus den einzelnen Classen
bekannt gewordene Artenanzahl folgende Verháltnisszahlen :
14
Insge- | Radnitzer Schichten s: Kou-
nt Ob schan. |novaer
| SAMÉ yn | Abrh, |Alsem. | Sch, | Sch.
— : = i
Thallophytal. © 1 1 0,6 2,0 1,6 | tb 1
Filices p 0 | VAB B BB ,400 PEBO 00 ODZNÍ 300
Calamarae -4 00,601 1072 61575 Eo
Selagineae 15,5" |2156:(-201. (145,7 0185001
Gymnospermae bí — 0,5 0,4 | L 6,5
Monocotyledonae 4,3 S atol 4,0 | 3,2. 65
Incertae sedis . AT, 15894 16,51, 90
100. 100 | 100. | 100. | 100 | 100
Diese Verháltnisszahlen erláutern, dass in sámmtlichen Horizonten die Filices
das hochste Procent der zugehórigen Flora betragen, dem sich in etwas schwan-
kender Reihe erst die Calamarien und Selagineen anschliessen, dass aber in der
untern Abtheilung der Radnitzer Schichten die Farne, in der obern Abtheilung
derselben die Selagineen, und in den Kounowa'er Schichten die Gymnospermen
und Monocotyledonen ihren gróssten Artenreichthum entwickeln; dass ferner aus
den Liegendschichten in die Hangendschichten bei der Classe der Farne und Se-
lagineen eine constante Verminderung der Artenanzahl, bei den Gymnospermen
und Monocotyledonen dagegen eine Zunahme derselben statt hat, wáhrend die
Calamarien zwischen wenig entfernten Gránzen schwankend sich erhalten.
Indessen beobachten die einzelnen Ordnungen jeder Classe nicht ein dem
Gesammtergebnisse der letzteren paralleles Verhalten.
Hebt man aus der Classe der Filices die Spheropterideen, Neuropterideen,
Pecopterideen, und die Rhacopterideen und Noggerathien zusammen als eine
gemeinschaftliche Gruppe, mit Nichtbeachtung der wenigstens zumeist nicht selbst-
stándigen Stipulargebilde und Farnstámme hervor, so erhált man die Entwicklung
derselben in den vier úbereinander folgenden Horizonten in nachstehender Weise
in Procenten von der Gesammtmenge der gefundenen Arten:
jE i Rhacopteris |
Né | | PR m a] Nůzperathia Neuropteriden | Pecopteriden
Gesammtzahl. «| 47 | 7 30 do 210 ZOOM
| ky | T
Radnitz. [ Unt. Flótzeruppe 34 Arten 72,39% 6 Arten 85,7% 23 Arten 76,69. 14 Arten 50,0%,
Sch. |Ob. $ (39.798 Tr 34 L Je GTA 107,0 eo 0 1601605 20 SNNKS n
[Nůrschaner Schichtén.. „|I655 ©, (3194. 1..x „lL2 15 0000300 O
(Kounowa/er dy 85, | — 4 13:8 (150 TG
n s » |
Hier zeigt sich eine vorwaltende Entwicklung der Sphenopteriden, Nogge-
rathien und Neuropteriden in der untern Radnitzer Flótzabtheiíung, und zwar mit
der verháltnissmássie stárksten Abnahme nach aufwárts bei den Noggerathien,
denen die Sphenopteriden und endlich die Neuropteriden in dieser Hinsicht folgen.
Anders stellt sich das Verháltniss bei den Pecopterideen, und es gehen
diese fast mit demselben Procente aus dem tiefsten in den hóchsten Horizont ůúber.
Dasselbe Verfahren auf die beiden Ordnungen der Selagineen angewendet,
ergibt folegendes Resultat:
15
i
|
: : © Lepidodendrae | © Sigillariae
Gesammtzahl. . <, 16 Arten 27 Arten
m Untere Abtheilung 11 Arten 68,7 8 Arten 29,6
Radnitzer Sch. Obere É 16., 100,0 28" "05
I- Nůrschanee, Schichteň 5; < 2 9 56,2 8 "02h
Kounowaer R S Ploke ndudnodtat bs 6,2 o
Hier zeigen sich die beiden Ordnungen der Selagineen in ihrer hochsten
Entwicklung der Radnitzer oberen Abtheilung zufallend, und zwar in Bezug auf
die úbrigen Horizonte die Lepidodendrae in hóherem Masse als die Sigillariae,
da von ihnen in dieser Abtheilung sámmtliche bekannte Arten angetroffen werden;
die Lepidodendrae aber sind nach aufwárts zu dann in steter Abnahme begriffen,
wáhrend Sigillariae in allen drei úbrigen Horizonten sich auf gleicher Hóhe er-
halten, indem der Abgang, frůher erschienener Arten wie aus dem Haupt-Ver-
zeichniss ersichtlich, durch das Auftreten neuer Arten in den Kounowa'er Schichten
ausgeglichen wird.
Dieselben Ergebnisse kommen zum Vorschein bei Betrachtung der einzelnen
Gattungen fiir sich. Das Verháltniss, mit welchem in jedem der vier Horizonte die
in demselben bekannt gewordene Artenanzahl zu der im ganzen aufgefundenen
sich befindet, ist z. B. bei den Gattungen Sphenopteris, Neuropteris, Odontopteris,
Cyatheites und Alethopteris in nachstehender Weise entwickelt:
Cyatheites Alethopteris
M | Sphenopteris Neuropteris | Odontopteris,
Von der Gesammtanzahl | ; |
M add |
| 1] Abi
entfallen auf
Radnitz. [ Untere Abth. 75,0 pct. 76,9 pct. 75,0 pct. 50,0 pct. 62,5 pet.
Sch. | Obere $ 60,0 „ 169- p J78 (15. S08 Ta
Nůrschaner Schichten o NA 46,1 25,0, 500 „ 028
ESSE = p la pr hd k Ba (o 0 A
Deutlich ist in diesen Verháltnissen eine stete Abnahme der Arten von
den tieferen zu den hóheren Horizonten bei den beiden ersten Gattungen, ein
geringeres Schwanken bei der Gattung Odontopteris, und eine annáhernd gleiche
Entwicklung in allen Horizonten bei den, den Pecopteriden zugehórigen, Gattungen
Cyatheites und Alethopteris ausgesprochen.
Es liefern sonach sámmtliche, in Bezug auf die verschiedenen Classen,
Ordnungen und Gattungen gemachten Beobachtungen den Nachweis, dass die Ver-
tretung der denselben zugehórigen Arten in den einzelnen Horizonten keineswegs
bei allen derselben in gleichem Verháltnisse mit der Zunahme oder Abnahme der
in jedem Horizonte im Allgemeinen aufgefundenen Artenmenge sich befinde, dass
im Gegentheile, wáhrend bei den Einen deutlich eine Abnahme ausgesprochen ist,
bei den andern eine relative Vermehrung oder wenigstens ein Stillstand befunden
wird, woraus wohl mit Recht gefolgert werden darf, dass die in den hóheren
Horizonten unserer Ablagerune befundene Abnahme in der Artenanzahl an Pflanzen-
resten nicht mit einer unvollkommeneren Durchforschung derselben begrůndet
werden kann.
16
Eine andere bemerkenswerthe Erscheinung ist die Weise, wie sich die in
jeder Flótzzone vorgefundenen Arten zu jenen in den ůúbrigen, und namentlich
ihnen zunáchst liegenden verhalten.
In dieser Beziehung geht aus dem die gesammte fossile Flora enthaltenden
Verzeichnisse hervor:
Radnitzer Schichten
Insgesammt (unter ober gemein- Nůrschaner Kounowa'er
Abtheil. Abtheil. schaftlich Schichten
Es wurden aufce-
fnnden Arten. 289 163 194 248 92 jn
Davon sind aus
tieferen Hori-
zonte úbertre-
ten in hohere — — 109 -— 81 47
Sonach erůbrigen ©
zuerst erschei-
nende Arten in
jedem Hori-
ZOMLE C l: = 165 85 248 5 30
on“ Pá | ae en o | od ší oo ko V O m Ré SA M
248 283
Die grósste Anzahl eigenthůmlicher, in ihm zuerst erscheinender Arten,
fállt sonach auf der Horizont der Radnitzer unteren Abtheilung; von ihm ůúber-
gehen 109 Arten in die R. obere Abtheilung, denen sich daselbst 85 neu auftre-
tende Arten zugesellen.
Es sind sonach eigenthůmlich der untern Abtheilung . . . 54 Arten
der obern i Pře aš ke O9
beiden gemeinsam . . . . „109 „
Macht die Artenanzahl der gesammten Radnitzer Schichten 248 Arten
In Bezug auf eigenthůmliche Arten ist die obere Abtheilung der Radnitzer
Schichten der untern Abtheilung iiberlegen.
In den Nůrschaner Schichten erscheinen dann bloss 5 neue Arten und
87 Arten der diesen Schichten angehórigen Flora sind mit jenen der Radnitzer
Schichten gemeinschaftliche, was ein sehr unbedeutender Antheil an selbststándigen
Arten ist. — Von den 87 Arten sind 69 bereits in der Rad. untern Abtheilung
enthalten.
In die Kounowa'er Schichten úbertreten aus den Nůrschaner 47 Arten,
und es zeigt sich bei diesen in dem Zutritte 30 neuer, frůher nicht vorkommender
Arten eine auffállige Veránderune gegen die bei den Nůrschaner Schichten beste-
henden Verháltnisse.
Von jenen 47T aus den tieferen Horizonten in die Kounowa'er Schichten
úbergegangenen Arten gehóren 46 solchen Arten an, die bereits in den Radnitzer
Schichten erschienen sind, und nur eine Art von den 5 in den Nůrschaner Schichten
neu auftretenden Arten setzt sich in dieselben fort.
Von den 46 Arten sind 36 solche, die bereits in der Radnitzer unteren
M
17
Abtheilung vorkommen und nur 10 solche, die erst in der oberen Abtheilung neu
hinzugetreten sind.
In Bezug auf die Fortsetzung der Arten aus tieferen Horizonten in die
hoheren ergeben sich sonach folgende Verháltnisse:
Radnitzer Schichten
| ET FVE 0 S M o o
untere obere Nůrschaner — Kounowa'er
Abtheilung © Abtheilung © Schichten Schichten
Anzahl der auf den einzelnen
Horizont beschránkten Arten 5
Durch sámmtliche Horizonte
Mureheehent 2 316 zd
Aus. den. untern. Radnitzer
Schichten in die oberen, dann ©
LÍ
©3
O1
nS
©
©
!
Nůrschaner und Kounowa'er
ubersehend 5. ol
Aus den. oberen Eadnitzor
Schichten fortsetzend . .. . 20 18 5
Aus den unteren Radnitzer bloss
in Nůrschaner u. Kounowa'er
SORICHLEM hli jee a 2 1) l
Aus Nůrschaner Schichten in
BROUMOWA GEL bz ae ya l 1]
Macht . . 163 194 92 11
Die Anzahl der zwischen den einzelnen Horizonten gemeinschaftlichen
Arten stellt sich aber nachfolgend heraus:
Untere Radnitzer Flótzgruppe und obere Radnitzer Flótzgruppe ©- «. . 109 Arten
» 5 : „» Nůrschaner Schichten. . . . 69
3 : i < „ Kounowa'er á o by ef r.o 046: ASA
Obere : % : „ Nůrschaner k ZA A ZA (eso o aje
» : A 3 „o Kounowa'er 3 MM dd
MNERCHAner en1ehten und. kouhowa'er Ochichten < - <. < < <: 90. n
Wie sich die aus den einzelnen Horizonten in die úbrigen úbertretenden
Arten in jeder Classe verhalten, zeigen nachstehende Erláuterungen:
| Summa | Radnitzer Schichten ké Kou- |
de an. nováer,
| Azten | Ugbání | Abe JAlsem. | Sch. | Sch. |
Fillices.
In den einzelnen Horizonten vorgsekommen ... .| 137 87 84 |:171 | 48 30
Ubertreten aus tieferen Horizonten ......... JH — 52 | 52 | 48 | 17
In jedem Horizonte neu. —. : .| — | 87 | 32 | 119 5 13
Calamariae. | |
In den einzelnen Horizonten . ...... M5301 || 125 26 51 15744 18
Aus p Horizonten úbergehend ...... = 23 23 2516
In jedem Horizonte neu. . . .| — | 25 3 28 — | 2 |
= | Radnitzer Schichten. al Kou-
|| Unt | Ob „schan. jnovaer
B“ : ntb SCA Arton | Abth. | Abtb. (Als sm. | Sch. | Sch.
Selagineae. | | |
In den einzelnen Horizonten -930202000 ano 39 58 iz 9 |
Aus tieferen Horizonten . ..... R S — 199 0 19 K
In jedem Holana Ne,- 4 19 20 | 39 —-— a
Gymnospermae. | |
In den einzelnen Horizonten.0 500 5 — L 1 B |
Aus tieferen Horizonten . ..... us = = p Mora -8 Ma S Ks
In jedem a neu = S je = 4 |
Monocotyledonae. |
In den.-einzelnen' Horizonten -50 ka no 6 8 143 Bojí
Aus tieferen Horizonten ...... BEK be L ZÁ M- 8 3 |
In jedem Hornte Ne see 6 473110 = 24
Incertae sedis. | | |
In den einzelnen Horizonten-. .- <... 3.55.) 5125 32 57 7 9“
Aus tieferen Horizonten . .... SO K r 10 | 10 7 5 |
In jedem Hokizonte né: — 25 ZA ít — -
Thallophyta. | |
In“den:einzelnen Horizonten(- 0. 00 DOS 4 5 1 1
| Aus tieferen Horizonten . .... MO Ven | zo 9 PA E 1 — |
! In jedem Horzoňté Met 4 — 1
| | j | |
Es geht aus den vorstehenden Erláuterungen hervor, dass der in jedem
Horizonte ermittelte Zuwachs an neuen Arten vorwaltend auf solche aus der Classe
der Filices entfállt, die sonach ihr relatives Úbergewicht in jeder Flótzzone
behaupten.
Ihnen zunáchst wichtig erscheint die Classe der Selagineen mit einem
Zuwachse neuer Arten vertreten; jedoch nur im Bereiche der Radnitzer Schichten,
wáhrend die hoheren Horizonte in dieser Hinsicht nur untergeordnet bedacht sind.
Der gesammte in die Nůrschaner Schichten fallende Zuwachs beschránké
sich auf die Filices, und nicht eine Art aus anderen Classen wird neu zutretend
beobachtet.
Erwágt man nun, dass von den neu auftretenden 5 Farnarten, drei,
nemlich Cyclopteris oblongifolius, Beinertia gymnogrammoides, Schizopteris ano-
mala in Bezug auf Selbststándickeit nicht vollkommen unanfechtbar sein důrften:;
dass Sphenopteris Gravenhorsti sich noch aus einem anderen Horizonte vorfinden
kann, und Odontopteris obtusiloba seit der ersten Mittheilung ihres Vorkommens
nicht wieder beobachtet wurde, so tritt die Eigenthůmlichkeit der in den Nůr-
schaner Schichten enthaltenen Flora deutlich hervor, nur einen bedeutend redu-
cirten Auszug aus der Flora der Radnitzer Schichten ohne jeglichen eigenthiim-
lichen Charakter darzustellen.
Die Kounowa'er Schichten weisen dann wieder bei sámmtlichen Classen
einen Zuwachs an neuen Arten auf, der sich bei den Gymnospermen als der hóchste
úberhaupt herausstellt, und deuten dadurch eine eingetretene Veránderung der
Verháltnisse an.
19
Was nun jene Arten anbelangt, die auf die einzelnen Horizonte beschránkt
- erscheinen, so vertheilen sich dieselben unter die verschiedenen Classen und Ord-
- nungen in nachstehender Weise:
Radnitzer Schichten
m em S ;
untere obere — Nůrschaner © Kounowa'er
Abtheilung Schichten Schichten
PES ODD ae de 60 0 2 0 1
Filices: Sphenopterideae ...... | | " 7]
Rhacopteridae u. Nóogge-
rathiae 21 oblek 3935 128 = 1
Neuropterideae. . ..... 9 2 l 2
Pecopterideae . .... 7] P) oj 10)
K marbae dg. 5 va eee 4 1 2 2
Selagineae. Lepidodendra . | 15
Pelareae v... 10 4
Gymnospermae SB AP AVE 4
řonocobyledonae 4154 « 2 2 2
Pocektaessedis.: i 44 doz. 14 21 4
Macht“ 52 65 4 ON
In Bezug auf die auf einen Horizont beschránkten Arten zeichnet sich
sonach die Radnitzer untere Abtheilung durch die Filices, die obere Abtheilung
durch die Selagineae, der Kounowa'er Horizont durch die Gymnospermen in An-
betracht der vor allen anderen grósseren Anzahl der vertretenen Arten aus,
wáhrend Nůrschaner Schichten sich in dieser Hinsicht indifferent verhalten.
Bemerkenswerth ist es, dass unter den der Radnitzer unteren Abtheilung
eigenthůmlich anheimfallenden Arten aus der Classe der Farne, die Sphenopteriden
allein mit mehr als 34 pct. aller in der Gesammtablagerung bekannt gewordenen
Sphenopterisarten vertreten sind. Weniger ausgezeichnet sind in diesem Horizonte
durch auf ihn beschránkte Arten die Pecopteriden, die mehr selbststándig in den
hoheren Horizonten vorkommen.
Von den Selagineen, die namentlich in der Radnitzer oberen Abtheilung
die meisten eigenthůmlichen Arten besitzen, erscheinen daselbst 5 Lepidodendra
Arten, die in keinem anderen Horizonte wieder auftreten, und von den gesammten
27 Sigillaria Arten sind ihr 10 ausschliesslich eigen, wáhrend alle iúbrigen in der
Ablagerung úberhaupt bekannten Lipidodendren-Arten, und von den Sigillarien,
mit Ausnahme von vieren, erst in den Kounowa'er Schichten hinzukommenden,
sámmtliche auch in der Radnitzer oberen Abtheilung sich einstellen, so dass sich
dieselbe vor allen úbrigen durch die Entwicklung der Selagineen, als eine Sela-
gineen-Zone darstellt.
Es ist bei Aufstellung der in jedem Horizonte beobachteten fossilen Flora
nur auf jene Sigillarien Růcksicht genommen, die der Art nach eine Bestimmung
zuliessen. Decorticate, und undeutliche Exemplare, die theils auf den Hangend-
schichten der Kohlenflótze, theils auf den Schichtungsfiáchen der Kohle selbst
zwar von Sigillarien abstammend sich erkennen, nicht aber die Art, der sie ange-
hóren důrften, bestimmen liessen, konnten nicht berůcksichtiget werden. Solche
80
Decorticate namentlich werden bei den Kohlenfiótzchen aller Horizonte angetroffen,
und ihr Vorkommen ist in dem Verzeichnisse der fossilen Flora der Ablagerung
als spec. indet. bemerkt.
Die Móglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne derlei Decorticate
von Arten herrůhren, die unter den aus einem Horizonte bestimmten bis jetzt
nicht erscheinen, und so eine Vermehrung derselben bedingen wůrden. Kaum lásst
sich indess erwarten, dass durch eine solche Vermehrung die procentuale Ver-
theilung der Sigillaria-Arten auf die einzelnen Horizonte wesentliche Modificationen
zu erfahren hátte; das Vorkommen von Decorticaten, so wie auch solcher Abdrůcke
von Lepidodendren, die ihrer ungenigenden Erhaltung wegen eine zuverlássice
Artenbestimmung nicht gestatten, ist eben auch in der Radnitzer oberen Abtheilunc
zahlreich anzutrefen, und muss bei den Kohlenffótzen der úbrigen Horizonte, ent-
sprechend ihrer geringeren Máchtigkeit nothwendig in unbedeutenderer Anzahl
zwischen den Kohlenschichten eingeschlossen befunden werden.
Die Selagineen úberwiegen demnach in der oberen Radnitzer Abtheilung
nicht nur durch die gróssere Anzahl Arten, sondern zumeist auch durch die Menge
der vorkommenden Individuen vor allen úbrigen Horizonten.
Mehrfach wurde anderorts die gróssere Máchtigkeit von Kohlenflótzen mit
der úppigeren und reicheren Entfaltung von Sigillarien in Verbindung gebracht.
Die im Bereiche unserer Ablagerung gemachten Erfahrungen lehren aber,
dass sich in Bezug auf Máchtigkeit und Gůte der Kohle der durch die vorwaltende
Entfaltung der Sigillarien ausgezeichnete Flótzzug der Radnitzer oberen Abtheilung
ungemein wechselvoll erweise, und dass Sigillarien in nicht weniger zahlreicher
Entwicklung sich auch dort einfinden, wo die Kohlenflótzmáchtigkeit verháltniss-
mássig gering befunden wird, wie in der Umgebung von Pilsen, bei Lisek etc., ja
dass derlei Localitáten selbst eine egróssere Artenanzahl dieser Gattung geliefert
haben, als andere, welche durch eine namhaft gróssere Kohlenffotzmáchtickeit
ausgezeichnet sind. Die Kohlenffótzmáchtigkeit correspondirt nicht mit der Menge
begleitender Sigillarien.
Viel mehr scheint die Máchtigkeit der Kohlenlager mit der, fiir eine durch
lángere oder kůrzere Zeit zur Entwicklung des Kohlen bildenden Materials ge-
eigneten Bodengestaltung, die an verschiedenen Localitáten wechselnden Einfiiissen
unterworfen gewesen sein mochte, in Beziehung cebracht werden zu kónnen, so
wie mit der spáter oder frůher wieder eintretenden Úberfluthung, durch welche
die Fortsetzung einer Vegetation an der betreffenden Stelle ihren Abschluss erhielt.
Die Beobachtung einer mit Beginn der, durchaus ein nur wenig máchtiges
Kohlenflotz enthaltenden Nůrschaner Schichten sich zeigenden geringeren Anzahl
an Šigillaria-Arten steht wohl mit der auffálligen Verminderung an bekannt ge-
wordenen Arten aus allen úbrigen Classen und Ordnungen úberhaupt in entspre-
chendem Verháltnisse, und důrfte in ungůnstigeren, wáhrend der Periode des Ab-
satzes der das Nůrschaner Kohlenflotz von dem Radnitzer oberen Kohlenflótze
trennenden Gesteinsschichten allmálig entstandenen Bedingungen fůr die Entwick-
lung der Vegetation im Allgemeinen ihre Begrůndung finden, wodurch zwar keine
wesentliche Veránderung des Characters der Flora, aber eine weniger úppige Ent-
faltung derselben bewirkt wurde.
91
| Den Radnitzer Schichten insgesammt sind ferner noch theils ausschliesslich,
otheils wenigstens bedeutend úberwiegend eigenthůmlich die Planzenreste aus der
"Familie der Rhacopteriden und Noggerathien, und das noch nicht vóllig sicher
„gestellte Fossil Bacillarites problematicus.
: Von ersteren wird nur Rhacopteris elegans EÉtt. sp. einmal in Nůrschaner
"Schichten in der Umgebung von Nůrschan aufgefunden, angegeben.
ň Eine Mittheilung ber das Vorkommen eines Exemplar's von Nóoggerathia
„foliosa Stbg. bei Lubna lásst, in Anbetracht dessen, dass diese Art bei vielfach
-in spáterer Zeit fortgesetzen Aufsammlungen an derselben Localitát nicht mehr
"zum Vorschein kam, und dass in der Náhe die Radnitzer Schichten mit zahl-
"reichen Resten dieser Art sich befinden, so wie, dass das betreffende Exemplar
"nicht an Ort und Stelle gefunden, sondern aus zweiter Hand erworben wurde,
„gegrůndete Zweifel ber die Zugehorigkeit desselben zum Horizonte der Nůr-
schaner Schichten gerechtfertiget erscheinen.
| Eben so beruht eine Mittheilung úber das Vorkommen der Nóggerathia
intermedia K. F. an Brandschiefer des Lubna'er Kohlenflotzes, also im Nůrschaner
Horizonte, auf unsicherer Basis, indem die Art, nur nach einzelnen unvollkom-
"menen Bláttchen bestimmt, von Prof. Kušta selbst, dem jene Mittheilung entlehnt
ist, nur als wahrscheinlich erklárt wird; jene Bláttchen, vielleicht eher von Rha-
copteris abstammend, kónnten eine Úbereinstimmung des Vorkommens dieser Art
mit jenem bei Nůrschan bekannten anzeigen.
Immerhin bléibt das Vorkommen der in ihrer Gestaltung mit einander
eine gewisse Verwandtschaft zeigenden Rhacopteris und Noggerathia fast aus-
schliesslich dem Bereiche der Radnitzer Schichten angehórig, und kann als eine
Eigenthůmlichkeit derselben, oder des Liegendflotzhorizontes erklárt werden. Sie
erscheinen sowohl in der Artenanzahl, wie besonders in der Menge der Individuen
vorwaltend in der unteren Abtheilung dieser Schichten (Stradonitz, Rakonitz, Tře-
moschna), aus der sie etwas sparsamer in die obere Abtheilung ůúbertreten, um
dann fast gánzlich zu verschwinden.
Das ausschliessliche, zumeist massenhafte Auftreten von Bacillarites pro-
blematicus auf einzelnen Zwischenmitteln des oberen Radnitzer Kohlenflótzes, und
an einzelnen Punkten in den im Hangenden des unteren Radnitzer Kohlenfiótzes
sich befindenden Schleifsteinschiefern ist bereits im Vorhergehenden erórtert. Es
ist besonders bemerkenswerth, dass dieses Fossil den im oberen Flótze einge-
nommenen Horizont nie ůúberschreitet, und nirgends mehr auf Schichten úber
demselben beobachtet wird, wodurch es ausgezeichnete Dienste als leitendes
Fossil leistet.
Zugleich liegt in der Art der Verbreitung sowohl desselben, als der Rha-
copteriden und Nóggerathien eine weitere Rechtfertigung fůr das Zusammenziehen
der beiden Radnitzer Flótzgruppen zu einem gemeinschaftlichen Flótzzuge.
Im Nůrschaner Horizonte kommen, wie schon erwáhnt, in Bezug auf eigen-
thůmliche Arten keinerlei bemerkenswerthe Erscheinungen vor.
Erst wieder mit dem Eintreten der das Hangendkohlenflótz einschliessenden
Kounowa'er Schichten stellen sich diesen ausschliesslich angehorige Arten ein, durch
welche aber bereits eine Wandlung im Gesammtcharakter der Flora sich andeutet,
indem die neu erscheinenden Sigillarien zumeist solehen, frůher fast gar nicht ver-
6
82
tretenen, aus der Gruppe der rippenlosen, Leisdermaria, und namentlich in Bezug
auf die Menge der beobachteten Individuen vorwaltend zukommen; weiters die den
Gymnospermen angehórigen Coniferen plótzlich in grósserer Menge sich bemerkbar
machen, und úberhaupt 30 neue, in den tieferen Horizonten nicht bekannte Arten
erscheinen, die besonders aus der Classe der Filices neue Gattungen vertreten, wie
Callipteris, Tánoipteris, Psaronius und auch aus der Gruppe der Incertae sedis, ©
namentlich der, durch seine Grósse sich auszeichnende und bemerkenswerthe Car- ©
polites insignis zuerst und in nicht seltenen Exemplaren sich einstellt.
Am auffallendsten bleibt fůr den Hangendflótzzug immer das Auftreten
der Gymnospermen, indem dieselben hier nicht nur mit fast allen bekannten Arten
zuerst, sondern auch so allgemein und in einer solchen Menge der Individuen
sich einfinden, dass dieser Horizont mit aller Berechtigung den Gymnospermen
horizont unserer Ablagerung vorstellt.
Eine Charakterisirung der einzelnen Horizonte unserer Ablagerung auf
Grundlage der in jedem derselben vorwaltend in Bezug auf Artenanzahl und
Menge der Individuen, so wie mit Berůcksichtigung der jedem derselben aus-
schliesslich angehórigen Arten, nach der zuletzt gegebenen Tabelle wůrde sonach
die Radnitzer untere Abtheilung als Farn- oder speziell als Sphenopterishorizont,
die Radnitzer obere Abtheilung als Selagineen-Iorizont, die Kounowa'er Schichten
als Gymnospermenhorizont zu erkláren erlauben, wáhrend fůr die Nůrschaner
Schichten kein derartiger Charakter sich zur Verfůgung stellt.
In Bezug auf diese letzteren Schichten gibt sich der Mangel eines durch
irgend eine Eigenthůmlichkeit, ausser der allgemeinen Reduction der Arten, be-
dingten Charakters der Flora sowohl in Betracht der Gesammtschichten des Hori-
zontes zu erkennen, wie auch wenn die in der Umgebung von Pilsen befindlichen
Antheile desselben, so wie jene aus der Umgebung von Kladno-Rakonitz, fůr sich
gesondert zur Vereleichung genommen werden.
In letzterer HHinsicht sind aus den Nůrschaner Schichten in der Umgebung
von Pilsen 73 Pflanzenarten, aus jenen aus dem Bezirke Kladno-Rakonitz ebenfalls
13 Arten bekannt geworden. Es zeiet sich sonach beiderseits eine zufállig voll-
kommene Úbereinstimmung in Bezug auf die gegen die tieferen Radnitzer Schichten
eingetretene Verminderung der Arten.
Von den in beiden Localitáten bekannt gewordenen Arten sind beiden
gemeinschaftlich 54 Arten, so dass bei Pilsen 19, eben so bei Kladno-Rakonitz
19 Arten erůbrigen, die bis jetzt in der andern Localitát noch nicht beobachtet
wurden, die sich aber unter einander in der Weise auseleichen, dass sie wechsel-
seitig mit einander zumeist in naher Verwandtschaft stehen.
Betrachtet man ferner die Zusammensetzung der den beiden Localitáten
angehórigen Flora, so ergibt sich nachstehendes Resultat:
Pilsen Kladno-Rakonitz
Thallophyta KVĚ DA zadky Pk oc 68 ne 1
Filicés. "35 A8" 3D V E sk SME SSK
Calamarieae' 44 sy HCS E
Sélagineáe: Lépidodendra 0.2149 FE
Oleillariae "s ',147-.49 dat) čsl zeje k AA SSSSO SNS
Gymniospermae5 72 MAR oh |
93
MOnOBOLNLORON A6 oc Pay 8 slon hn a 9010 01s kos
PŘGOTG G: REG Vy 24775 KEM VRP K eds ike c Kk
MOC < P kot 41206514 adíěd koa 4 sh
Hieraus gibt sich auch eine Úbereinstimmung der Flora an den beiden
Localitáten in Bezug auf die Artenanzahl aus den verschiedenen Clássen und
Ordnungen deutlich zu erkennen, und wird die Zusammengehorickeit der, bis
jetzt bei Kladno-Rakonitz noch nicht durch Thierreste gekennzeichneten Flótz-
gruppe mit jener bei Pilsen zu demselben Mittelhorizonte ausser den bereits
dieselbe nachweisenden stratigraphischen Verháltnissen auch durch jene der ent-
wickelten Flora erhártet.
Endlich bietet auch die Betrachtung der durch sámmtliche Horizonte durch-
gehenden 28 Arten einige bemerkenswerthe Ergebnisse. Es gehóren nehmlich von
den derartig sich verhaltenden Arten:
E EBOMOT (010K 2005 deknlo ao ArLEn
den Calninatien 20:5: jsa Vee nl bida 740 0
AE D2 0neen 6300: dela By
den Monocotyledonen . ....... TM
VEM HiNTETta6 SEG V B8668) B
28 Arten.
Unter den 9 Arten Farnen befindet sich nicht eine aus der Gattung Sphe-
nopteris; es hat sich von dieser Gattung nicht eine Art vorgefunden, die nach
ihrem Erscheinen in tieferen Horizonten durch alle hoheren fortsetzt.
Eine eleiche Erscheinung bietet die Gattung Neuropteris, von welcher
keine einzige Art durch sámmtliche Horizonte hindurchreicht, von der aber aus
den Radnitzer Schichten ein verháltnissmássig weit grósserer Antheil noch in die
Nůrschaner Schichten úbertritt, als diess bei Sphenopteris der Fall ist.
Dagegen gehen die Pecopteriden mit 6 Arten durch alle Horizonte durch,
und erweisen auch durch diess Verháltniss ihre allen úbrigen Familien gegenůber-
stehende gróssere Beharrlichkeit.
Am meisten bestándig werden die Calamarien befunden, da selbst dann,
wenn die drei von den 12 stabilen Arten bloss auf aufgefundene Fruchtstánde
bestimmten, ausser Berůcksichtigune gelassen werden wollen, immer noch 9 Arten,
also mehr als bei allen úbrigen Classen, erůbrigen, die allen Horizonten gemein
sind. Auch die Selagineen liefern ihren Antheil zu den stabilen Arten, worunter
eine Sigillaria, dann die úberall, bis in die hochsten Schichten der Ablagerung
hinaufsteigende, oft háufige, in den Sohlendecken des Radnitzer oberen Flótzes
stets vorwaltend entwickelte Art Stigmaria (ficoides, und Lepidostrobus, der
merkwůrdiger Weise oft auch an Localitáten nicht zu selten erscheint, wo Lepi-
dodendron sich bis jetzt fast gar nicht vertreten zeigt.
Die Monocotyledonen erscheinen mit der Art Cordaites borassitfolius Stbg.
in sámmtlichen Horizonten, und fehlen, wie schon anderorts bemerkt, fast keiner
Localitát.
Und so ist auch die Weise, wie die einzelnen Classen an den durch
sámmtliche Horizonte fortsetzenden Arten betheilt sind, geeignet, die Ansicht zu
bestátigen, dass die beschránkte Artenanzahl in den ober den Radnitzer folgenden
6*
84
Schichten nicht einem Zufalle, sondern einer gesetzmássigen Verminderung derselben
in den meisten Classen und Ordnungen zuzuschreiben ist.
Aus einem allgemeinen Úberblicke úber die in der mittelbohmischen Stein-
kohlenablagerune bestehenden paláontologischen Verháltnisse geht hervor:
1. Die Radnitzer Schichten sind vor allen úbrigen hervorragend durch die
iberwiegend in ihnen entwickelte Menge von Pflanzenarten, durch das ausschliess-
liche Vorkommen von Bacillarites problematicus, der Noggerathien und die grósste
Entwicklung der Rhacopteriden; die untere Abtheilung derselben durch die reichste
Anzahl von Arten aus den Gattungen Sphenopteris und Neuropteris, die obere Ab-
theilung durch die in ihr erscheinende vollkommenste Entfaltung der Šelagineen,
und durch das ausschliessliche Beschránktsein oder die vorwaltende Verbreitung
einzelner Arten auf bestimmten Schichten dieser Flótzzone; — bei untergeordnetem
Auftreten einiger weniger Thierreste von niedrigerer Organisation.
2. Die Nůrschaner Schichten kennzeichnen sich durch die plótzliche Er-
scheinung zahlreicher Wirbelthierreste neben einer, fast keine neue Pflanzenarten
aufweisenden, in der Zahl der in ihr beobachteten Arten aber gegen jene der Ra-
dnitzer Schichten auffallend zurůckgegangenen Flora, dié auch in keiner ihrer
Classen irgend welche bemerkenswerthe Eigenthimlichkeit besitzt.
3. Die Kounowa'er Schichten sind ausgezeichnet neben der aus den Nůr-
schaner Schichten sich fortsetzenden Erscheinung zahlreicher Wirbelthierreste,
durch eine Flora, die zwar eben so wie letztere reducirt aber bedeutend modi-
ficirt sich darstellt, indem mit ihr 30 Arten von Pflanzenresten eintreten, die hier
zum erstenmale erscheinen und neuen friůiher nicht bekannt gewesenen Gattungen
angehóren, so dass ein neuer Charakter der Flora sich herausbildet, zu dessen
Wesenheit nicht wenig die erst hier zahlreich sich einstellenden Coniferen bei-
tragen, — und durch den die Gruppe der Kounowa'er Schichten in einen merklichen
Gegensatz zu den beiden frůheren, in der Zusammensetzung der Flora unter einander
úbereinstimmenden Gruppen gebracht ist, indem namentlich die dort reichlich
vertretenen Gattungen Sphenopteris, Neuropteris, Lepidodendron sich fast gánzlich
ausgestorben zeigen.
Die paláontologischen Verháltnisse liefern sonach ebenfalls die Bestá-
tigung, dass die in Berůcksichtigung der stratigraphischen Verháltnisse nothwendig
erkannte Gliederung der mittelbohmischen Steinkohlenablagerune in drei selbst-
stándige Schichtengruppen oder Flótzzůge ihre volle Berechtigung besitze.
HI. Vergleichende Betrachtungen.
Es ist nicht unwichtig, die in unseren mittelbohmischen Steinkohlen-
ablagerung bestehenden, besonders die paláontologischen Verháltnisse mit jenen,
in den Steinkohlengebieten anderer, namentlich benachbarter Localitáten bekannt
gewordenen in Vergleich zu bringen.
Solche Ablagerungen finden wir im nordostlichen Bóhmén am Fusse des
Riesengebirges, bei Bohmisch-Brod, in Mábren bei Rossitz, in Máhrisch Schlesien,
85
jm benachbarten Sachsen, in weiterer Entfernung und in bei weitem grósserer
Ě Ausdehnung in Oberschlesien, Westphalen, Saarbrůcken etc.
- Die von verschiedenen Autoren úber die in diesen Ablagerungen beste-
benden Verháltnisse gebrachten Mittheilungen und Abhandlungen erscheinen vor
Allen durch den Umstand befremdend, dass die Anzahl beobachteter Panzenarten
im Vergleiche mit jener in unserer Ablagerung zum Vorschein gekommenen sich
als eine verháltnissmássig geringe úberall herausstellt.
So wurden am Fusse des Riesengebirges aus den carbonisch anerkannten
Schichten 74 Arten, aus den der Permformation zugezáhlten Schichten 22 Arten
bekannt gemacht. Von Bohmisch-Brod werden im Ganzen 15 Arten aufgefůhrt.
Oberbergrath Stur záhlt in seiner Culm-Flora von Máhren und Schlesien 90 ver-
schiedene Pflanzenarten. Geinitz bringt aus der Šteinkohlenformation in der Gegend
von Zwikau in allen fůnf von ihm fůr dieselbe aufcestellten Vegetations-Zonen
156 Planzenarten zur Kenntniss, aus jener im Plauen'schen Grunde bei Dresden
26 Arten. Aus der Kohlenformation von Stockheim werden von C. Růckert 26
Fossile Pflanzenreste beschrieben, aus dem Westphálisehen Kohlengebirge von
Geinitz in: Die Steinkohlen Deutschlandď's und anderer Lánder 79 Arten; aus dem
Saarbrůcker Gebiete 123 Arten. Aus demselben Kohlengebirge von Saarbrůcken
werden von Weiss 120 Arten, in vier Vegetationszonen eingetheilt, aufcefůhrt. Bei
Rossitz in Máhren werden im Ganzen 59 Arten aufgezáhlt. In Bezug auf die
oberschlesische Steinkohlenformation ist leider keine das ganze Gebiet derselben
umfassende Zusammenstellung der beobachteten und in mehreren werthvollen
Werken und Abhandlungen von Góppert bekanntgemachten fossilen Pflanzenreste
veroffentlicht, die als Grundlage einer vergleichenden Betrachtung beniitzt werden
kónnte. —
Die meisten Localitáten haben sonach eine, jener in unserer Ablagerung
aufgefundenen bedeutend nachstehende Anzahl an Pflanzenresten geliefert, die
selbst im gůnstigsten Falle, wir bei Zwikau nur wenig úber die Hálíte von jener
erreicht, und aus den grossen Gebieten von Westphalen und Saarbrůcken noch
weit dahinter zurůckbleibt.
Es ist kaum anzunehmen, dass diese an sámmtlichen angefůhrten Locali-
táten geringer befundene Artenanzahl in der That auf einem Mangel einer reicheren
Flora beruhe, und dass es nicht bei ginstiger Gelegenheit gelingen wůrde, die
bisher nach den mitgetheilten Angaben gewonnenen Ausbeuten wesentlich zu
vermehren.
Mit den sonach augenblicklich zur Verfůgung stehenden Hůlfsmitteln lásst
sich kein auf den gegenseitigen Reichthum an fossilen Pflanzenresten basirter
Vergleich zwischen den verschiedenen Kohlenablagerungs-Parthien durchfihren,
und muss sich ein solcher bloss auf die Gruppirung, in welcher die einzelnen
Classen und Ordnungen etc. sich nach den in den einschlágigen Schriften und
Abhandlungen zur diessbezůglichen Benůtzung vorliegenden Mittheilungen jeweils
befinden, erstrecken.
Eine rein der Culm-Formation angehorige Flora wird uns vollkommen
bearbeitet von Oberbergrath Stur vorgefiihrt, die dem Máhrisch-Schlesischen Ge-
birge entnommen ist. Es werden in derselben 90 Arten Pflanzenreste zytsenit,
die nachfolgend zušammengeselzi sind:
86
Thallophyta -22 ATenr0d0r0 227
Filices“ "R RES eee joo rs
Calamařiea 542 = ja „34
Selagineae T S S POR z 00
(Čýmnospermae 059 E MA VZS
Inceřtae *sedis; j l Dá B
Macht. .90 Arten oder 100 pct.
Wenn die procentuelle Vertheilung der gesammten Arten dieser Flora in
die einzelnen Classen in einen Vergleich gebracht wird mit jener in den vier
Gruppen unserer Ablagerung kennen gelernten, so findet man, dass die Gruppirung
der Máhrisch-Schlesischen Culmflora jener in unserer Radnitzer unteren Abtheilung
bestehenden sich am meisten náhert.
Nur zeigen sich die Filices verháltnissmássie noch stárker, Calamarien
und Selagineen schwácher vertreten in der Culm-Flora als in der Radnitzer unteren
Abtheilung. Die Entwicklung der Filices steht sonach ganz im Einklange mit der
an unserer Flora gemachten Beobachtung, wonach dieselben aus den hóheren
Horizonten gegen die tieferen verháltnissmássig an Menge zunehmen.
Unterzieht man weiters die Entwicklung der einzelnen Ordnungen der
Filices in der Culmflora einem Vergleiche mit jener aus den vier Gruppen unserer
Ablagerung, wobei von Stipulargebilden und Farnstámmen abgesehen werden kann,
und die von Štur unter seine neuen Gattungen Diplotmema, Calymotheca etc.
unterbrachten Arten, um Úbereinstimmung zu erzielen, in die bisher gebráuchlichen
Ordnungen Sphenopterideen, Neuropterideen etc. eingetheilt sind, so erhált man
nachstehendes Ergebniss:
Radnitzer Schichten
Úiteré obere. Nůrschaner Kounowa'er
Culmflora Abtheil. — Abtheil. | Schichten Schichten
Sphenopterideen: Arten . © 39 34 29 15 4
Neuropterideen: Arten . © 13 19 16 12 4
Triphyllopteris u. Adian-
tiden: Arten 4 4 1 1 —
Rhacopterideen u. Nogge-
rathiae: Arten 4 6 4 1 —
Pecopterideen : Arten . . 5 14 20 15 15
PARA 68 r 70 44 23
oder in procenten:
Sphenopterideen . . . . 620 44,2 41,4 34,1 17,4
Neuropterideen . . . . 20,06 24,6 22,8 21,2 17,4
Triphyllopteris u. Adian-
tides s 6,3 D,9 1,4 2,2 —
Rhacopteris und Nógce-
Tathia7 "00,00 6,3 8 5,7 22 —
Pecopterideen © - .".- 4,7 18,1 28,5 34,1 65,2
Es ercibt sich aus der vorstehenden Zusammenstellung eine gewiss be-
merkenswerthe Erscheinung in dem Verhalten der Sphenopterideen und Pecopte-
rideen, von denen die ersteren sonach schon von der Culmflora aus in steter
84
| percentualer Abnahme der Artenanzahl, die letzteren dagegen in steter Zunahme
begriffen sich darstellen, so dass die in der Flora unserer Ablagerung beobachtete
Erscheinung durch das Einbeziehen der im Alter vorhergehenden Culmflora eine
auffallende Bestátigung erhált.
Es scheinen die Farne mit mehr ausgebildeter Differenzirung der Blatt-
spreite in den álteren Schichten vorwaltender zu herrschen, als in den jingeren,
und gibt sich in dieser Beziehung selbst im Vergleich des Culm-Horizont's mit
dem der Radnitzer unteren Abtheilung ein Vorrang fůr ersteren schon an den dem
letzteren bereits zumeist fehlenden Arten der Gattung Rhodea etc. zu erkennen,
wáhrend die daselbst háufiger vertretenen Arten von Adiantides und Rhacopteris
in der Radnitzer unteren Abtheilung mit verwandten Arten, worunter auch die,
unter die Gattung Triphyllopteris Schimp. eingereihten, in den hóheren Schichten-
gruppen nicht mehr vorkommenden und sehr an Adiantides erinnernden gehóren,
noch in genůgender Anzahl erscheinen, weiter aufwárts aber in rascher Abnahme
begriffen sind.
Die nahen Beziehungen, die in vielfacher Weise zwischen der in den Culm-
Schichten bestehenden Gruppirung der Pflanzenreste und jener in der Radnitzer
unteren Abtheilung sich ergeben, důrften die Vermuthung als keine zu gewagte
erscheinen lassen, dass letztere einen zunáchst ůúber ersteren folgenden Horizont
andeutet, mit dem, nachdem Reprásentanten der Culmperiode in unserer Ablagerung
nicht nachzuweisen sind, daselbst zuerst der Beginn der Kohlenperiode eingeleitet ist.
Die Kohlenablagerungen am Fusse des Riesengebirges werden in eine car-
bonische, und eine obere, permische Gruppe gegliedert. Aus ersterer werden 74,
aus letzterer bloss 22 beobachteten Pflanzenarten mitgetheilt, die als selbststándige
betrachtet werden kónnen.
Die stratigraphischen Verháltnisse in dieser Ablagerung sind nicht so klar
gelegt, dass die einzelnen Horizonte, auf welche sich die gewonnenen Pflanzenreste
vertheilen, mit vólliger Gewissheit festgesetzt werden kónnten.
Im Allgemeinen wird die carbonische Gruppe in zwei Hauptzůge unter-
theilt, einen hoheren, flachfallenden und einen tieferen oder stehenden, letzteres
mit Bezug auf die bestehende Lagerung, denen dann als dritter Zug, der soge-
nannte Radoweczer oder das Hangendflótz, bereits im Bereiche der permischen
Formation, angereiht wird.
Eine Eigenthiůimlichkeit der die tieferen Zůge begleitenden Kohlenflotze
ist eine Zersplitterung in eine nicht geringe Anzahl einzelner Kohlenlagen, und
eine háufige Unterbrechung derselben, deren Zusammengehorigkeit an den ent-
fernter von einander gelegenen Punkten, oder in wie fern sie als selbststándige
Horizonte zu betrachten wáren, aus den zur Verfiigung stehenden Mittheilungen
nicht mit geniigender Genauigkeit entnommen werden kann. (Geinitz erkennt in
der carbonischen Parthie der Ablagerung im Allgemeinen drei Flótzgruppen, von
denen jene mit steilerem Verfláchen, oder die sogenannte stehende Flótzeruppe,
als im Liegenden befindlich bezeichnet wird. Sie ist bei Schatzlar und Schwado-
witz erschlossen, wáhrend von der hangenden Flótzoruppe wegen geringer Bau-
wůrdigkeit nur untergeordnet Erwáhnung geschieht. Die aus der carbonischen
Abtheilung dieser Ablagerung bekannt gemachten 74 Planzenarten sind vorwaltend
„drei verschiedenen Localitáten entnommen, Schatzlar, Schwadowitz und Žďdarek.
88
Von den 74 Arten wurden bei Ždarek 25, bei Schwadowitz 49 und bei
Schatzlar 37 gesammelt. Davon sind an den einzelnen Localitáten ausschliesslich,
also an den ůbrigen bisher nicht vorkommend, angefůhrt worden, von Ždarek 8,
von Schwadowitz 23, von Schatzlar 14 Arten; in sámmtlichen Localitáten vorkom-
mend, also gemeinschaftliche Arten 29.
In die einzelnen Classen vertheilen sich die vorgefundenen Arten in nach-
folgender Weise: “) !
| | Ždarek Schwadowitz Schazlar
|
Pilicčes 00 o 15 Arten 60 pot. | 27 Arten 55,1 pct. 19 Arten 51,3 pct.
Calamarieae. . . . . M o Aa V 6 o be
Selagineae i B kon MLO 9 cm SLO. UE 0 aan tn
Monocotyledonae Boy 3 USE dite z Bin VE j SRS 2D
Incertae sedis . .. . . bo Ab Bb 6,1 ea ea k
25 Arten 100 pct., 49 Arten 100 pct. | 37 Arten 100 pct.
| |
Ein Vergeleich mit den einzelnen Gruppen der mittelbohmischen Ablage-
rung lásst Schwadowitz und Schatzlar mit der Radnitzer oberen Abtheilung ver-
wandt erscheinen, wáhrend Ždarek eher zu der Radnitzer unteren Abtheilung
hinneigt.
Fůr letzteres spricht im Allgemeinen das gróssere Verháltniss der Filices
und das geringere der Selagineae, unter denen nicht eine Sigillaria-Art beobachtet
wurde; fiir ersteres der hohe Antheil, mit welchem die Selagineae erscheinen, von
welchen bei Schwadowitz zwei Arten, bei Schatzlar drei Arten Sigillarien sind.
Vorwaltend aber sind die Selagineae daselbst durch Lepidodendron-Arten vertreten,
die hier in einem Verháltnisse erscheinen, das sich besonders jenem in den Schichten
der Radnitzer oberen Abtheilune anschliesst, und zwar noch auffálliger bei Schatzlar
als bei Schwadowitz, was wohl durch weitere Beobachtungen ausgeglichen werden
důrftee Dagegen ist Schwadowitz durch die Anwesenheit von Noggerathia foliosa
Stbg. ausgezeichnet, und so erscheinen beide Localitáten, Schwadowitz und Schatzlar
mit den durch die gewonnenen Pflanzenreste bezeichneten Schichten am besten mit
der Radnitzer oberen Flótzgruppe úbereinstimmend.
Ždarek hat unter den Farnen Rhacopteris elegans geliefert, welche Art
zwar nicht ausschliesslich der Radnitzer unteren Flótzgruppe zukommt; aber das
Vorkommen der Pflanzenreste zum Theil auf schleifsteinschieferartigen Schichten
in Verbindung damit und mit der allgemein bestehenden Gruppirung lásst die
Vermuthune nicht ganz ungerechtfertiget, dass bei Ždarek mit der Radnitzer
unteren Flótzgruppe verwandte Gebilde bestehen.
*) Gegen die von Dr. T. Sterzel in der Abhandlung: „Palaeontologischer Charakter der
oberen Steinkohlenformation und des Rothliegenden im erzgebirgischen Becken 1881“
worin auch die beiden Localitáten Schatzlar und Schwadowitz in Betracht gezogen
werden, bei diesen angesetzte Anzahl Arten aus den einzelnen Klassen, bestehen in
unserer Zusammenstellung einige Abweichungen, begrůndet namentlich durch die Nicht-
beachtung solcher Arten, die bekanntermassen auf andere zu beziehen und sonach nicht
selbststándig sind.
89
Die 22 Arten, die am Fusse des Riesengebirges aus der, der permischen
| Formation zugehórig erklárten Schichtengruppe, an den Fundorten Radowenz,
Stěpanitz, Nedvěz gesammelt worden sind, vertheilen sich nachfolgend unter die
einzelnen Klassen:
T toa 990 OOM 10 Arten 45,4 pct.
Calamarieab < 8 363.
Selagineae.-. «.. .. Zo Ja
Monocotyledonae .. 1. „ 45-
TRCONAE SOOS. 7-0 se 1 Ao
22 Arten 100 pct.
Die Gruppirung dieser 22 Arten náhert sich im Vergleich mit der in den
einzelnen Flótzzůgen der mittelbohmischen Ablagerung bekannten, am meisten
jener in den Kounowa'er Schichten bestehenden. Da wie dort erscheint ausserdem
an allen Localitáten Asterophyllites eguisetiformis Bgt. Annularia sphenophylloides
Zenk., Alethopteris Serlii Bet., und fehlt die Gattung Lepidodendron, was eine
weitere Úbereinstimmung anzeist.
Die besprochenen 22 Arten sind insgesammt auf Schieferschichten in Be-
gleitung des Kohlenflótzes gesammelt worden, und diesemnach ist unter sie die Gat-
tung Araucaroxylon, die im weiteren Schichtencomplexe der oberen Gruppe der
Riesengebiresablagerung durch zwei Arten im zahlreichen Stammbruchstůcken,
namentlich im sogenannten versteinerten Walde von Radowenz Góppert's, vertreten
erscheint, nicht einbezogen. In diesem zahlreichen Auftreten der Art Araucar-
oxylon, die auch im Riesengebirge nirgends in den tieferen Flótzeruppen beobachtet
wurde, liegt eine weitere Uibereinstimmung mit den Kounowá'er Schichten.
Berůcksichtiget man diese beiden Arten, so dass die Flora der oberen
Gruppe aus 24 Arten bestehend sich zeigt, so ergibt die Gruppirung derselben
folgende Verháltnisse:
PD VE E pe ovl Pe 41,6 pct.
CRIIMAt6a67 2.04 Peha AR
POE 0 ae ee Oo
Gymnospermae . . .. . 84
Monocotyledonae . . .. 41 „
Incertae sedis ....... KEE De 100,
Betrachtet man die in den Filices erscheinenden Ordnungen, so ergibt
sich unter den 10 bekannt gewordenen Arten die Anzahl der Pecopteriden mit 6
gegen 4 aus andern Ordnungen oder wie 60 pct.:40 pct. in der Riesengebirgs-
Ablagerung; in den Kounowa'er Schichten betrágt dieselbe 65 pct.:35 pct., eine
Úbereinstimmung, die in Anbetracht der durch die Aufsammlung selbst bedingten
Abweichungen eine vollkommene genannt werden muss.
Aus den, úber die Ablagerung am Fusse des Riesengebirges zur Ver-
fůgung stehenden palaeontologischen Mittheilungen darf sonach mit ziemlicher
Sicherheit gefolgert werden, dass der dort ausgeschiedene obere, oder sogenannte
Radowenzer Flótzzug den Kounowa'er Schichten entspreche, wáhrend die tieferen
Flótzzuge den Radnitzer Schichten, und wahrscheinlich beiden Abtheilungen der-
selben correspondirend betrachtet werden důrfen.
90
Und es scheinen auch die den einzelnen Zůgen angehorigen Schichten-
complexe in ihrer Beschaffenheit beiderseits gemeinschaftliche Merkmale auf-
zuweisen.
Nur fůr die Nůrschaner Schichten lásst sich aus den bis jetzt gemachten
und mitgetheilten Beobachtungen im Bereiche der Riesengebirgsablagerung noch
kein Aeguivalent ermitteln.
Bohmisch-Brod hat nach den darůber bestehenden- Mittheilungen 25 Arten
Pflanzenreste geliefert; darunter
Filices“.. 27972120 Arlendodec19m6t:
Calamarie2e 75.00- Ou S AOA an
Selagineae . — , s
Gymnospermae <. . 2 ze BY
Monocotyledonae . tele z; sj 4
Incertae sedis . .. 1., é o ONA
Die Gruppirung der einzelnen Arten entspricht am meisten jener der
Kounowa'er Schichten durch das Zurůcktreten der Selagineen und das Eintreten
der Gymnospermen. — Die Filices weisen auf: Sphenopterideen 1 Art; Neuro-
pterideen 4 Arten; Pecopterideen 7 Arten, stehen sonach zu einander in dem
Verháltnisse 8,3:33,3:58,4; ein Verháltniss, das in Bezug auf die Gruppirung
der Filices nur bei den Kounowa'er Schichten wieder angetroffen wird; es besteht
sonach zwischen diesen und der Ablagerung bei Bohmisch-Brod ausgesprochene
Verwandtschaft.
Brandau im Erzgebirge hat aus seiner kleinen Steinkohlenablageruneg 15
Pflanzenarten geliefert, und zwar in nachstehender Gruppirung:*“)
Filices < „4 27 2 Aplenoder 20 pet:
Galamařieae < m. = 74 dalo vte
SOlACIneae -č.0 < Okr OS
Monocotyledonae. .1 „ 6.6:
Die der Wirklichkeit mit aller Wahrscheinlichkeit nur untergeordnet ent-
sprechende Anzahl der aus dieser Ablagerung bis jetzt bekannt gewordenen Pflanzen-
arten ist gewiss zu gering, um zu einem befriedigenden Vergleiche benůtzt werden
zu kónnen. Nur der Umstand, dass bei so geringer Ausbeute die Selagineen
zumeist durch Sigillarien vertreten, vorwaltend zur Vorschein kommen, lásst den
Schluss zu, dass ein Aeguivalent der Radnitzer oberen Flótzgruppe, in welcher
die Šelagineen zu ihrer verháltnissmássic gróssten Entwicklung gelanst sich zeigten,
angcenommen werden darf. Den Abschluss der Ablagerung bilden Schichten, die
bereits dem Rothliegenden angehóren.
Bei Rossitz in Máhren wird die Ablagerung in eine untere, rein carbo-
nische, und eine obere, permische Gruppe eingetheilt. Im ersterer werden die
drei Kohlenflótze abgelagert gefunden, von denen das tiefste als erstes, das oberste
als drittes bezeichnet wird. Viele Klafter im Hangenden dieses dritten Flótzes
erscheinen auf den Gesteinsschichten Pflanzenreste carbonischen und permischen
*) Mit Ausscheidung einer nicht selbststándigen Art.
|
JI
i
]
:
i !
© derselben:
| K
| 1. Flótz | 2. Flótz | 3. Flótz | Hangendscbichten
| |
Sphenopterid. | 1 Arten 8,5 pct. 3 Arten 21,4 pct.. — Arten — pet., 2 Arten 11,2 pet.
Neuropterideen| 5 » 417 »| 4 » 286 » OM OB 0 BR íme 103010
Pecopterideen | 6 „ 500 »| 7 » B OE NOD ao Manem Jao da 50,0 » |
12 Arten 14 Arten T Arten 18 Arten
(Charakters gemengt; unter letztere
© verzeichnisse) keinen solchen Rang ein, durch den
9
n Calamites gigas, Walchia, Ullmannia. Thier-
reste und Araucariten werden nicht angegeben.
Aus den, auf den Begleitschichten der einzelnen Kohlenflotze und im
(Hangenden des dritten Kohlenfiótzes vorkommend mitgetheilten Pflanzenresten
'ergeben sich folgende Verháltnisse:
0
| | 1. Flótz | 2. Flótz | 3. Flótz | Hangendschichten
Filices . . „| 12 Arten 54,6 pot., 14 Arten 48,3 pot., 7 Arten 50,0 pct.| 18 Arten 62,0 pet.
Calamarieae D2, m. | z ela Vy Ba adat Uma] NO P
Selagineae k deal. 2000 S OSE 1 0 ZD
Gymnosperm. K » =; » n » = » T " a » 2 » 69 »
Monocotyled.| 1 » 25 2 BEOBA A esa L zad 5m P 690
Incertae sedis|— » —. » po C8 dk R A 20 be 35
22 Arten | 29 Arten 14 Arten 29 Arten
Der namhafte Antheil, mit dem die Selagineen in allen drei unteren
Schichtengruppen erscheinen, weist eine Annáherung an die Radnitzer Schichten
auf. Unter den Farnen nehmen aber die Sphenopteriden (nach dem Special-
an die untere Abtheilung der-
selben gemahnt wůrde, obwohl die Farne insgesammt bei dem tiefsten Flótze mit
"einem etwas hóheren Procente als bei den folgenden vertreten sind.
Unterzieht man die einzelnen Ordnungen, mit denen die Farne bei jedem
Flótze sich einstellen, einer Betrachtung, S0 ergibt sich folgende Vertheilung
Es geht daraus die untergeordnete Stellung der Sphenopterideen hervor,
dabei aber auch das Úberwiegen und die ziemlich oleichbleibende Erhaltung der
Pecopterideen durch sámmtliche Schichten eben so, wie auf den vier Horizonten
der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung.
Fiůr eine den Nůrschaner Schichten entsprechende Gruppe lásst sich bei
Rossitz kein Anhaltspunkt herausfinden, wenn nicht die plótzliche Verminderung
der Arten bei dem 3. Flótze als ein Anzeichen hiefůr betrachtet werden will, die
aber vielleicht in einer zufállig zu ungenůgenden Ausbeutung der betreffenden
- Schichten begrůndet sein kónnte.
Payne
Die Gruppirung der Pflanzenreste in den Hangendschichten entspricht
durch das Herabsinken der Šelagineen, und durch das plótzliche Erscheinen der
Gymnospermen jener in den Kounowa'er Schichten genigend, um eine Beziehung
beider zu einander zu erkennen.
Die Steinkohlenablagerungen in Šach
Grunde sind durch H. B. Geinitz náher geschildert un
sen, bei Zwikau und im Plauen'schen
d auf ihre Panzenreste
32
untersucht. Bei Zwikau werden 5 Horizonte unterschieden, von welchen der
unterste den Culm oder áltesten Vegetationsgůrtel vertritt, dem dann vier andere,
der produktiven Steinkohlenformation angehorige folgen. Von den bei Zwikau
im Ganzen unterschiedenen 157 Pflanzenarten entfallen auf die erste Vegetations-
Zone oder den Culm 22, wáhrend in den vier folgenden Zonen von unten nach
aufwárts der Reihe nach 63, 39, 48 und 97 Arten beobachtet wurden.
In der Culmzone vertheilen sich die 22 Arten folgend:
Galamarieae. 21- O A1(En30 0
Filices' oo net 200, EAU ek já
Belasineen: % "276-454 EA) 520008 56
Monocotyledonae 5 05:00 2.
Incertae SsediS 115500880 ň ZE
Mit der von Štur in seiner Culm-Flora gefundenen Gruppirung, bei welcher
Filices vorwalten, Šelagineen untergeordnet sind, findet hier bei umgekehrtem Ver-
háltnisse keine Úbereinstimmung statt.
Eben so ist mit keinem Flótzhorizonte der mittelbohmischen Ablagerung
irgend eine Verwandtschaft vorhanden.
Die úbrigen vier Vegetationszonen zeigen nach der von Geinitz gegebenen
Gruppirung der Arten (wenn Nogegerathien mit Cordaites vereinigt, Frůchte und.
Samen unter Incertae sedis einbezogen werden) folgende Verháltnisse:
Vegetationszonen.
| IL III. | IV. V.
Thallophyta . — — 1"Arten26 $ 1 Arten 2,1 pet. 2 Arten 2,0-pct:
Filices. -| 25. Arten 39;7"pet. 16.07- :410.0702000 011,60 29
Galamarieae|012 40905 AA 2000 8167 C
Selagineae „| 18. 285 % | 11 1,0 2891110023220 e
Gymnospermá| 1 „, z RO n A 2 bi- bon vii
Monocotyled. | 4 „ 6,450 Z 5,1 to 4 o% 83 6:15 62 +
Incertae sedis| 3 L4L8. 5 | la = a Zi n 8 da -A B
63 Arten 39 Arten 48 Arten 97 Arten
Die Gruppirung in allen vier vorstehenden Zonen ist eine durch keine
bedeutenden Abweichungen verschiedene, und zeigt nnr eine etwas merkliche Ver-
minderung der Calamarieen und Selagineen in der IV. und V. Zone gegen die
beiden frůheren, Wworaus hóchstens auf eine náhere Verwandtschaft der beiden
oberen je zu einander geschlossen werden kónnte.
Die bedeutende Vertretung der Selagineen darf als eine mit unsern Rad-
nitzer Schichten gemeinschaftliche Eigenthůmlichkeit betrachtet werden, und die
Verháltnisszahlen fůr Filices und Calamariae sind nicht auffállig verschieden. Bei
den beiden unteren Zonen erscheinen die Selagineen mit einem grósseren Antheile,
als bei den oberen, und wůrden, analog den bei uns bestehenden Verháltnissen,
dieselben náher an die obere Radnitzer Flótzeruppe anschliessen; ob aber in den
beiden oberen Zonen eine Annáherung an die Niirschaner Schichten vermuthet
werden kónnte, muss bei dem Mangel genůgender Anhaltspunkte unentschieden
|
i 93
bleiben. Úberlagert wird die Zwikauer Steinkohlenformation mit Schichten, die
'als permisch erklárt worden sind, und bei denen solche der ersteren, fremde
(Pílanzenreste wie Walchia piniformis, Odontopteris obtusiloba Naum. etc., sich
'einstellen, Sie werden in ihren tieferen Lagen von grauer, in den hoheren háufig
-von rothbrauner Fárbung geschildert, und Kalksteinbánke zwischen ihnen ein-
'gelagert angegeben. Darin gibt sich eine Úbereinstimmung mit den bei den
|Kounowa'er Schichten bestehenden Verháltnissen zu erkennen; doch ist kein er-
"wáhnenswerthes Kohlenflótz zwischen ihnen eingeschlossen, und sie sind den
"Schichten der Steinkohlenformation ungleichfórmig aufgelagert, wáhrend in der
"mittelbohmischen Ablagerung Ahnliches nicht beobachtet wird. So wie hier werden
'aber bei Zwikau Zerstorungen und Auswaschungen im Steinkohlengebirge unter
"der Ablagerung der permischen Schichten angetroffen, in welche das die letzteren
(bildende Materiale eingeschwemmt wurde, woraus gefolgert wird, dass in Sachsen
eine lángere Zeit zwischen der Ablagerung der oberen Schichten der Steinkohlen-
formation und der unteren permischen Schichten verflossen ist.
| Aus der Steinkohlenablagerung im Plauen'schen Grunde fůhrt Geinitz
+ speziell 26 Arten von Pflanzenresten an, wobei ausdrůcklich des Fehlens jeder
' einer Sigillaria oder einer grósseren Lycopodiacee erwáhnt wird.
Wenn sich schon hiedurch eine Andeutung einer Verwandtschaft mit
(unseren Kounowa'er Schichten kund gibt, so wird dieselbe noch auffálliger durch
"die Gruppirung, in welcher sich die einzelnen Arten der Flora befinden. Diese
(ist nehmlich nachfolgend beschaffen :
Zhalophyta 258 1 Arten 3,8 pct.
: BMPES ka Beko ho va)
babmameé z- y3 450198
DENOAB go ca Yen
Gymnospermae -17:1 , Boa
Menocotyledonie 3398 3: ulibu
Incertae sedis. ..... ro Ph,
26 Arten 100 pct.
In dieser Gruppirung besteht eine unverkennbare Ahnlichkeit mit jener,
jin welcher die in unserer Kounowa'er Schichten beobachteten 77 Pflanzenarten
-sich befinden, wornach auf eine Verwandtschaft zwischen denselben mit den Ge-
| bilden im Plauen'schen Grunde geschlossen werden darf. Es wird eine solche
"noch weiter hervorgehoben durch den Umstand, dass bei letzteren weiter im Han-
"genden rothbraune Schichten erscheinen, zwischen denen Hornstein- und Kalk-
| steinbánke eingeschaltet sind, und in welchen verkieselte Stammbruchstůcke von
Araucaroxylon eingeschlossen vorkommen.
Unzweifelhaft gibt sich im Plauen'schen Grunde zu erkennen, dass min-
destens die die Ablagerung abschliessenden Schichten bereits der permischen
: *) Die Filices sind vertreten durch:
1. Sphenopteris
1. Dictyopteris
8. Pacopteriden
was wieder ein bedeutendes Vorwalten der letzteren beweist.
o né
94
Periode zugezáhlt werden můssen, und es ist nicht ganz unwichtig, aus den Mit-
theilungen úber die Beschaflenheit der Gesteinsschichten entnehmen zu kónnen,
wie auch dort Brandschiefer mehrmals als constant auf weite Strecken fortsetzende *
Lagen erscheinen, und immer nur in geringer Máchtigkeit entwickelt sind.
Im Ganzen betrachtet, scheinen aber die im Allgemeinen in der Ablage-
rung des Plauen'schen Grundes bestehenden Verháltnisse die Vermuthung zu.
unterstůtzen, dass auch die, die tieferen Kohlenflótze einschliessenden, noch dem
echten Carbon zugezáhlten Parthieen derselben, schon der untern permischen Ab-.
lagerung zufallen, in der auch bei unserer Ablagerung noch carbonische Pflanzen-
reste reichlich neben schon permischen erscheinen. Neuerer Zeit sind aus dem.
Plauen'schen Grunde zahlreiche Úberreste von Wirbelthieren aus der Gruppe der.
Saurier entdeckt worden, und werden dadurch gewiss die Verháltnisse in Bezug.
auf die Stellung der sie enthaltenden Schichten klar gelegt werden.**)
Auch in weiter entfernten Steinkohlenablagerungen werden Verháltnisse ©
angetroffen, die an die in Mittelbohmen bestehenden erinnern, wie die Arbeiten | |
von Weiss úber die Ablagerung im Saar-Rhein-Gebiete zeigen.
Weiss gruppirt dieselbe in eine zu unterst liegende Steinkohlenformation;
das darůber folgende Kohlenrothliegende, und ein den Abschluss bildendes obor
Rothliegendes; theilt beide ersteren in je zwei Zonen und erhált sonach 5 Zonen.
Pianzenreste werden nur aus den untern vier Zonen angefůhrt, deren.
Gruppirung sich nachfolgend herausstellt:
:
I. II. JIL. nl
Saarbrůcker Sch. |Ottweiler Schichten| Cuseler Schichten Dadíčí Ša |
|
|
Filices „. . .|| 18 Arten 38,4 pct.| 36 Arten 45,0 pct., 13 Arten 50,0 pct.. 22 Arten 56,3 pct. l
Calamarieae .| 14 „ 29,8 5 JPG u 55 20020 stý P 9 Vse Le (S 17,9 k
Selagineae.. |- 8.: 170.161., 720,00 o
Gymnospermae| 1., 29 A4 SVA gie SSR VCEO A 0,50
Monocotyled. | 2 „ 25 31 dán A 3.8.5 ZA: 52. |
Incertae sedis| 4 „ 801 OM 08 ZR T | 1 2093
47 Arten 80 Arten 26 Arten 39 Arten
Vor allem tritt der bedeutende Antheil hervor, den die Selagineen in den.
beiden untersten Zonen einnehmen, und wie sie in den hoheren plótzlich ver-
mindert erscheinen, wáhrend das gerade Gegentheil bei den Gymnospermen be-
obachtet wird.
Hier besteht eine Analogie mit dem Verhalten der Kounowa'er Schichten
im Vergleiche mit den Radnitzer Schichten.
Mit der oberen Abtheilung der letzteren erweist sich die Gruppirung der
Pianzenarten in der Zone II. am meisten úbereinstimmend. In beiden finden die
Selagineen ihre vorwaltende Entwicklung, und weder Lepidodendra noch Sigilla-
rien werden ausserhalb derselben in gleicher Anzahl befunden.
**) HH. Credner: Die Stegocephalen aus dem Rothliegenden des Plauenschen Grundes bei
Dresden. Zeitschrift der deutschen geolog. Gesellsch. I. Th. 1881, II. Th. 1882. Dr.
H. B. Geinitz und Dr. J. Deichmůller: Die fossilen Saurier in dem Kalke des Roth-
legenden von Niederhásslich im Plauenschen Grunde. Kol. Mineralogisch-geologisches
und prachistorisches Museum in Dresden. 1882.
95
In den die Ottweiler Schichten unterlagernden Saarbrůcker Schichten
besteht aber wenig Gemeinschaftliches in der Artengruppirung mit der Radnitzer
unteren Abtheilung. Namentlich sind die Sphenopterideen in ganz anderem Ver-
háltnisse anwesend, wie eine Úbersicht ber die Zusammensetzung der einer jeden
Zone zugehorigen Filices lehrt:
| I. | II. | III. | IV.
| zlu! | =
Sphenopterid., 3 Arten 16,6 pct. 8 Arten 22,8 pct. 1 Art 7,7 pct. | 3 Arten 15,0 pct.
Nearopterid. | -4£ + -222 „| 10. x 2856 z ZVL ODA (By, IDO
| Pecopterideen, Prot 2 ak AB 0 „2 10 169., „E "10000800
|
18 Arten 35 Arten | 13 Arten (20 Arten
|
Die Sphenopterideen erscheinen sonach in sámmtlichen vier Zonen wenig
zahlreich; die Pecopterideen indessen erweisen sich auch hier in ziemlich gleichem
und ansehnlichen Verháltnisse sich erhaltend.
Den Kounowa'er Schichten náhert die Verminderung der Selagineen und
das hohere Procent der Gymnospermen die beiden oberen Zonen ziemlich gleich-
mássig, wozu noch die Anwesenheit von Wirbelthierresten tritt.
Solche werden aber in der Saarbrůcker Ablagerung bereits mit den Ott-
weiler Schichten erscheinend aufgefůhrt, wáhrend in Radnitzer Schichten keine
Spur davon bekannt ist; doch erlangen sie weder hier noch in den folgenden
Cuseler Schichten jene Mannmiefaltigkeit, wie in den, in dieser Beziehung mit den
Kounowa'er úbereinstimmenden Lebacher Schichten, mit denen zugleich Leitpflanzen
des Rothlieeenden, wie Walchia piniformis, Callipteris conferta, Kieselholzer etc.
in auffáligerer Anzahl sich einstellen.
Es kónnte in den Cuseler Schichten ein etwas modificirtes Aeguivalent
der Nůrschaner Schichten bestehen, bei dem nicht unmóglichen Falle, dass bei
Saarbrůcken die in Bohmen schárfer von einander geschiedenen Zonen mehr in
einander greifend und allmálicer úbergehend zur Entwicklung gelangten, oder es
ist der Beginn dieses Úberganges schon zum Theil in die Ottweiler Schichten
fallend. Wichtig wáre es, genauer den Horizont festgestellt zu wissen, in welchem
sich das von Oberbergrath Stur fůr die Saarbrůcker Ablagerung mitgetheilte Vor-
kommen von Bacillarites problem. befindet, wodurch ein sicherer Vergleich er-
móglicht wáre.*)
Ganz entschieden ist indessen in der Saarbrůcker Ablagerung ausgesprochen,
dass die unteren Zonen einen Gegensatz zu den oberen bilden, und dass die Le-
bacher Schichten sowohl in Anbetracht ihrer palaeontologischen wie stratigraphi-
schen Verháltnisse úbereinstimmend mit solchen anderorts der permischen Forma-
tlon eingereihten Gebilden betrachtet werden můssen.
Nicht unwahrscheinlich ist es, dass ausserdem an verschiedenen andern
Localitáten, deren Ablagerungen ausschliesslich der carbonischen Formation zu-
getheilt wurden, die jingeren Schichten derselben einen mehr dem permischen
sich zuneigenden Character offenbaren důrften, wenn sich zum genaueren Studium
solcher Gelegenheit ergibt, wie neuerer Zeit Weiss an den Schichten von Ballen-
*) Geologische Verháltnisse des Jemnik-Schachtes etec. von D. Stur.
96
stedt nachzuweisen Veranlassung fand;*) und worauf auch die Zusammensetzung
der Flora solcher Localitáten zu deuten geeignet ist, wie z. B. jener von Stock-
heim, die nach Geinitz's Bestimmungen folgende Gliederung besitzt:
Filiees ZE ton DV 14 Arten 53,8 pct.
Calamarieac. -© -1 EES DOOR
NElacin6464 4414 pemid ee D7- obr ý (V R
Gymnosperma6:. 0 40 > D05 1
Monocotyledonae. ....... Pa ROM 0 OT
Incertac Ses 20 309 500 NESL OS ke
26 Arten;
welche fůr eine Annáherung an die Gliederung der Flora in den Lebacher Schichten
spricht, und den dieselbe einschliessenden Schichten eine dem Rothliegenden ent-
sprechende Stellung anweist. |
Aus den voreleichenden Betrachtungen zwischen der mittelbohmischen
Steinkohlenablagerung und jenen an verschiedenen anderen Localitáten ergeben
sich nun, soweit diess die bekannt gewordenen Erfahrungen SEA DD mehrfach
bemerkenswerthe Thatsachen.
Trotz der namhaft unterschiedlichen Anzahl bekannt gewordener fossiler
Planzenarten aus den einzelnen Ablagerungsgebieten zeigt sich doch vielfach eine
ahnliche Gruppirung derselben, die auf gleiche, oder doch wenigstens sehr ver-
wandte Vegetations-Verháltnisse in bestimmten Perioden deutet,
Úberall něthigt diese Gruppirung zu der Erkenntniss mindestens einer
Zweitheilung der Ablagerungen, in eine untere Abtheilung, durch úberwiegende
Entfaltung der fossilen Flora ausgezeichnet; und in eine obere, in welcher die
Pfianzenreste in Bezug auf ihre Anzahl Arten bedeutend zurůcksinken, wo sich
ihnen aber zumeist háufiger Wirbelthierreste zugesellen.
Was die untere Abtheilung anbelangt, werden in ihr úberall, analog mit
den Radnitzer Schichten Bohmens, die Selagineen in ihrer vollkommensten Ent-
wicklung angetroffen; wie in der, bei den meisten Ablagerungen wieder erkannten
Sigillarien-Zone von Geinitz, mit der auch die Saarbrůcker und Ottweiler Schichten
von Weiss correspondiren, die sámmtlich mit der obern Radnitzer Flóotzeruppe
parallelisirt werden kóonnen.
Es fehlen auch Anzeichen nicht, wie am Fusse des Riesengebirges, die
die Entwicklung einer, der untern Radnitzer Flótzgruppe analogen Zone ver-
muthen lassen.
Die Gruppirung der in dieser untern Radnitzer Flótzgruppe eingeschlos-
senen foss. Flora scheint einen Úbergang der Culmflora in jene der wahren pro-
ductiven Steinkohlenformation anzudeuten, und zeichnet sich durch ein Vorherrschen
der Filices namentlich der, aufwárts in stetiger Abnahme befundenen Sphenopte-
rideen aus.
Die obere Abtheilung weist bei sámmtlichen erwáhnten Ablagerungen eine
bedeutend verminderte Anzahl von Pflanzenresten auf, unter denen sich Arten ein-
stellen, wie Hymenophyllites semialatus, Odontopteris permiensis, Sigillaria denu-
—— ==
*) Die Steinkohlenfůhrenden Schichten bei Ballenstedt am nordlichen Hangenden v. Weiss.
Jahrbuch d. k. preuss. geolog. Landesanstalt 1881.
97
data etc., die frůher nicht vorhanden waren, und solche, die neu erschienenen
Gattungen angehóren, wie Callipteris, Tániopteris, Psaronius, Araucarites und
unter denen namentlich die Coniferen sich bemerkbar machen, wodurch €ine
Úbereinstimmung mit unseren Kounowa'er Schichten besteht.
Ein namhafter Antheil der die Flora dieser oberen Abtheilung zusammen-
setzenden Pflanzenarten wird aber von solchen gebildet, die bereits in der unteren
Abtheilung erschienen sind.
Am bemerkenswerthesten in dieser Beziehung zeigen sich die Pecopterideen
unter den Farnen, die fast in eleichem Verháltnisse wie in den tiefsten so in den
obersten Schichtengruppen vertreten gefunden wurden, wáhrend die úbrigen Ord-
nungen in nur zumeist stark reducirtem Masse bis in dieselben fortsetzen.
Der durch diesen Umstand, wie durch das Zutreten neuer Arten merklich
veránderte Character der Flora in der obern Abtheilung, im Verein mit den zusleich
auftretenden Wirbelthierresten ist allgemein bestimmend gewesen, diese obere Ab-
theilung als Glied der permischen Formation zu erkláren, im Gecensatze zu der,
einen rein carbonischen Charakter besitzenden unteren Abtheilung.
In allen Verháltnissen tritt aber eine allgemeine Úbereinstimmung mit
den in der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung gemachten Beobachtungen
hervor, die sich eben so auf die, in der, der obern Abtheilune angehórigen, Kou-
nowa'er Schichten, befindliche, reducirte und durch Hinzutritt neuer Arten modi-
ficirte Flora erstreckt, wie auf die Erfahrung, dass zahlreiche, auch in den Kouno-
wa'er Schichten oft genug einheimische Arten, bereits bei den tieferen carbonischen
Flótzen entwickelt waren, und so ihre Existenz durch sámmtliche Gruppen bis in
die jingsten Glieder der Ablagerung behaupten.
Nur fiir die Nůrschaner Schichten unserer Ablagerung von Mittelbohmen
ist anderorts kein entsprechendes Aeguivalent mit Sicherheit namhaft zu machen.
Wenn man aber erwágt, wie wenig dieser Horizont durch prágnante Merk-
male seiner Flora bezeichnet ist, so ist die Schwierigkeit der Ausscheidung desselben
ohne die Behelfe fůr eingehende vergleichende Betrachtungen erklárlich.
In Beriůcksichtigung der lediglich aus den Radnitzer Schichten entlehnten
Flora dieses Horizontes ohne jeglichen eigenthůmlichen Zuwachs, und die bereits
mit den ihn úberlagernden jůngeren Schichten gemeinsame Fauna, gibt sich fůr
denselben deutlich eine Mittelstellung zu erkennen, die entsprechend den einerseits
echt carbonisch erkannten, anderseits der permischen Periode zufallenden Be-
gránzungszonen wohl passend durch die bereits von Weiss gebrauchte Benennung
„Kohlenrothliegendes“ bezeichnet werden kann. Es zeigt diese Mittelstellung
deutlich genug ein Úberganesstadium aus dem Carbon in's Perm an, scheint aber
náher am letzteres, in Berůcksichtigung der gleich reich entwickelien Wirbelthier-
reste, als an ersteres sich anzulehnen.
Die Steinkohlenablagerung von Mittelbohmen erweist sich sonach durch
den Vergleich mit den in anderweitigen Ablagerungen bestehenden Verháltnissen
als ein, in seinen tieferen Zonen der carbonischen oder productiven Steinkohlen-
Formation, in seiner Hangendzone unzweifelhaft der náchstfolgenden permischen
Formation zugehěriges, durch ein Úberganeselied verbundenes Gebilde, in welchem
sich die drei, in demselben entwickelten Flótzzuge nachfolgend untertheilen:
7
98
1. Carbon- Formation: Radnitzer Schichten im Allgemeinen, oder Liecen-
flótzzug. J
a) Untere Flótzgruppe. Ubergang vom Čulm zur eigentlichen productiven
Kohlenformation, !
b) Obere Flótzgruppe. Productive Steinkohlenformation; correspondirend
mit der Sigillarien- Zone Geinitz's; mit Saarbrůcker und Ottweiler
Schichten bei Weiss.
2. Kohlenrothliegendes: Nůrschaner Schichten oder Mittelfloótzzug.
Jůngeres Gebilde als die echte productive Steinkohlenformation, Úber-
cangselied zum Perm, durch seine Fauna bereits letzteres vertretend.
3. Permformatton, Rothliegendes: Kounowa'er Schichten Hangendfiótzzug.
Correspondirend mit Unter-Perm-Schichten am Fusse des Riesengebirges,
mit den in Sachsen befindlichen, mit Cuseler und Lebacher Schichten im Saar-
Rheingebiete nach Weiss etc.
Und so erscheinen in der mittelbohmischen Šteinkohlenablagerung, bei
dem Mangel jeder Andeutung fůr die Anwesenheit der áltern Glieder der carbo-
nischen Formation Kohlenkalk und Culm, durchaus nur die jůngeren Gruppen
derselben entwickelt, entsprechend den obercarbonischen Schichten und analog den
sodann in Bóhmen zur Ablagerung gelangten cretaceischen und tertiáren Gebilden,
bei denen ebenfalls der Mangel der anderorts bekannten álteren oder Anfangs-
gruppen constatirt ist, und zeigen sich die, den Eintritt der permischen Formation
bezeichnenden Schichten in weit mehr umfassender und verbreiteter Weise, als
frůher angenommen wurde.
|
|
Verzeichniss
der Abhandlungen und Werke, die namentlich in palaeontolo-
gischer Beziehung benůtzt worden sind.
Sternberg, Graf Caspar: Versuch einer geognostisch botanischen Darstellung der
Flora der Vorwelt. 1820—38.
Corda A. C. J.: Beitráge zur Flora der Vorwelt; Prag 1845.
C. v. Ettingshansen: Steinkohlenfiora von Štradonitz in Bóohmen. Abhandlungen
der k. k. geolog. Reichsanstalt 1852.
C. v. Ettingshausen: Steinkohlenflora von Radnitz in Bohmen. Abhandlungen der
k. k. geolog. Reichsanstalt 1854.
D. Stur: Beitráge zur Kenntniss der Steinkohlenflora von Rakonitz. Jahrbuch der
k. k. geolog. Reichsanstalt 18060.
D. Stur: Momentaner Stand meiner Untersuchungen etc. Verhandlungen der k. k.
geolog. Reichsanstalt 1814.
D. Stur: Geologische Verháltnisse des Jemnik-Schachtes etc. Jahrbuch der k. k.
geolog. Reichsanstalt 1878.
D. Stur: Weitere Pílanzenreste aus dem Kohlenbergbaue bei Kounowa-Verhandluncen
der k. k. geolog. Reichsanstalt 1876.
D. Stur: Culmflora der Ostrauer und Waldenburger Schichten. Abhandlungen der
k. k. geolog. Reichsanstalt 1878.
H. B. Geinitz: Die Steinkohlen Deutschland's und anderer Lánder Europa's.
Můnchen 18065.
Helmhacker: Úberricht der geognostischen Verháltnisse der Rossitz-Oslawaner
Steinkohlenformation. Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt 1866.
J. Krejčí: Lehrbuch der Geologie 1877.
Dr. Ant. Fritsch: Fauna der Steinkohlenformation von Bóhmen. Archiv fůr natur-
hist. Durchforschung Bóhmens. II. Bd. 1873.
Dr. Ant. Fritsch: Fossile Arthropoden aus der Steinkohlen- und Kreideformation
Bohmens; Beitráge zur Paláontologie Osterreich-Ungarns etc. 1882.
Dr. Ant. Fritsch: Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation
Bóhmens. Prag 1879—1881.
Ch. E. Weiss: Fossile Flora der jiůnesten Steinkohlenformation und des Roth-
Jiegenden im Saar-Rheingebiete. 1869.
100
Dr. ©. Feistmantel: Úber Pflanzenpetrefacte aus dem Nůrschaner Gasschiefer.
Sitzungsberichte der k. bóhm. Gesellsch. der Wissenschaften 1870.
Dr. O. Feistmantel: Šteinkohlenfiora von Kralup in Bóhmen. Abhandlgen der k.
bohm. Gesellsch. der Wissensch. 1871. „Pflanzenreste von Merklin“, Sitzungs-
berichte der k. bohm. Gesell. der Wissensch. 1872.
Dr. O. Feistmantel: Beitrag zur Kenntniss der Ausdehnung des sog. Nůrschaner
Gasschiefers und seiner Flora; Jahrb. der k. k. geolog. Reichsanstalt 1872;
und Úber das Verháltniss der bohm. Steinkohlen- und Permformation, Jahrb.
der k. k. geolog. Reichsanstalt 1873.
Dr. O. Feistmantel: Steinkohlen- und Perm-Ablagerung im Nordwesten von Prag.
Abhandlungen der k. bóhm. Gesell. der Wissensch. 1874.
Dr. O. Feistmantel: Die Versteinerungen der bohmischen Kohlengebirgsablagerungen
in Paláontographica 1875.
Kušta J.: Zur Kenntniss der Steinkohlenflora des Rakonitzer Beckens (Verhandl.
1879); Úber das geolog. Niveau des Steinkohlenflótzes bei Lubna (Sitzungs-
berichte der k. bohm. Gesellsch. der Wissensch. 1881); o geologických po-
měrech pánve Rakovnické (Sitzungsb. der k. bohm. Gesell. der Wissensch.
1880), zur Kenntniss des Nůrschaner Horizontes bei Rakonitz (Sitzungsb.
der k. bóhm. Gesell. der Wissensch. 1882).
Feistmantel Carl: Die Steinkohlenbecken in der Umgebung von Radnitz. Archiv
fůr naturhist. Durchforschung von Bóhmen I. Bd. 1869.
Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přilep, Lisek ete. Archiv u. s. w.
Bd. II. 1872.
Nur Fundorte von Steinkohlenpflanzen in Bohmen, Sitzungsberichte der
k. bóhm. Gesellsch. der Wissensch. 1882, und kleinere paláontologische
Mittheilungen. |
Z ArbiL.
Be nmelhokhmiche. oteinkohlenablaceriné 17s.. ss s8 2 240 < 006 4 6 606 « 4 6 00 8
St ratoraphisché Merhaltmisse: s 4+ 50 sve 48 04 oo 6 6 SANSA
PAETOTHNO MCT ADLIBOPURE 5 A č S05 ola tento ev de 0 00 S 610 eee s
1. Der Liegendflótzzug oder die Haduraet aebten l ně an ee 6
Diessostlichstem i80lrten Pamthen: 1015740% S ele s <. 0. « ee. 10
icladro-hakomizer Ablagerunesparthie <- <... © 221. S 4. ee ee M2
EHO SRO SDAELNI6 -2 sa avo 60 dek S a ele 6 6 + 6 ee „21
Ablagerungsparthie bei Wranowa náchst Mies... ... .. +.. ke 3 020
BE JASU NABPADLE L VWAMEUMA C bm jeopletvů 00 čavévi i Ka jek Rh m B ee 6 s 596
2. Der Mittellótzzug oder die Nůrschaner Schichten . ...* ... +. «.. 28
Eslgner 'Ablaferungesparthe 3.. we 54 00 a ae 29
Kiadno-HakomtzersAbhlacermmedparthie 7.02% © < s 606 © 2 6 4 eee 82
3. Der Hangendflótzzug oder die Kounowa'er Schichten . .. ..... ......... 35
Kladno-Rakontzer Ablacerunesparthie 1" 4. ,e s 4 la a ea ee 38
E ESNOT DLI GOTTNOSDATLG 137 -losa omdk ja ja al dslná 006 bene 6 oa 08 005 6 6 40
PRELSPRUNOSDAREHC. MAnOL = „8.8.sre (Šoeh mb jse Z sdlie 06 66 > . 44
Úberblick úber die stratigraphischen Verháltnisse. . .... « +. +... 46
II. Palaeontologische Verháltnisse . ...... 0 S oc ie cal a je 06 53
DAV K0 00 CB) O5 OC VOSNE GD ny a oo AE P M SNO 54
PI UZOK O MO leo okn dol B Selena 0 T Ma la ne 6 606 646 58
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P erzctchniss der benůtztem Abhandlungen und Werke. ..-< -. 4.. 2.2 < -ee 99
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DAS ARCHIV
fůr die
naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Bóhmen
unter Redaktion von
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí
enthált folgende Arbeiten :
ERSTEB BAND.
L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hóhenverháltnisse).
Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nordlichen Bohmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte.
b) Erste Serie gemessené! Hohenpunkte in Běohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof.
Dr. Kořistka. 128 Beiten Text.
c) Hóhens chichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált
die in dem Text «) besehriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch,
jm Massstabe von 1 : 200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hohenverháltnisse
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt.
Preis A, 4—, Preis der Karte app. « + +: +"**' And A C jek de 3 EKINNÉT f. 1:60
IL. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verháltnisse des nord-
lichen Bóhmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte.
b) Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation von Prof. J.Krejčí.
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 59 Holzschnitte.
c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der běh m.
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte.
d) Die Steinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel.
120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas.
nk, MO DIV PO O o st. 1 850
III. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált :
Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.)
een Task PRO teda apo pao 2000 50e o pa kladán ha lon 1. 1—
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text.
b) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bohmens vom Assi-
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln.
c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bohmen vom Real-Lehrer
Emanuel Barta. 10 Šeiten Pop Eko A ALES 509 6 es 1. 2—
V. Chemische Abtheiluns. Dieselbe enthált:
Analytische Untersuchungen VON Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 kr.
Preis des ganzen I. Bandes (Abth. I. bis V.) BOD 5 sbloT “ pí poloh 1. 9—
ZW EILITEHB BAND.
Erster Theil. (Hálfte.)
L. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- und Hóhenverháltnisse).
Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Iser- und des Riesen-
gebirges uud seiner sůdlichen und ostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl
Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte.
b) Zweite Serie gemessenSt Hohenpunkte in B čhmen (Sect.-Blatt III.) von Prof.
© Dr. Kořistka. 84 Seiten Text.
c) Hóhenschichte nkarte, Section III., von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte
enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation, sie ist 58 Centimeter lang,
41 Centimeter hoch, im Massstabe von 1 : 200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen
Hóhenverháltnisse durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben
ausgedrůckt. Preis dieser P Mad jojda dir bodl A. 450
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I Theil enthált:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bóhmens mit 4 Tafeln.
d) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stílec,
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten.
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Hisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte. : |
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibune eines Theiles der Gegend
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte.
Dieser Theil enthált 448 Seiten ext, "11 Tafeln, 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten.
Pretty 3 9 L „4
I. Theil enthált:
Sue Saki“ Eon OE . .
Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bohmens
mit 294 Seiten Text und 8 Tatehonenul. i = A. 3:50
Preis der ganzen ersten Hálfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. 1. 10— —
Z VW EITER BAND.
Zweiter Theil. (Hálfte.)
III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált:
288 Seiten Text und 1 Tafel. Přásl nt% zd
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II. Theil)
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Prof Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bohmens.
bř a = . . Die Flussfischereiin Bohmen.
C) seku i k ů Die Krustenthiere Bohmens.
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 272 Seiten Text. Preis“ O11PdB So 4 A
V. Chemische Abtheilung.
Prof. Dr. Em. Bořický: Úber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure
in den Gesteinen Bohmens. 58 Seitén' Text. Préts 197 Jainí bilo dam -60 kr.
Preis der ganzen zweiten Halfte des zweiten Bandes (II., PW V. Abth. zusammen) geb. fl. 5-—
DBRITUTTE R BAND.
Davon ist bisher erschienen:
IL Geologische Abtheilung:
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bohmens von
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text. Preis. a k
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Bóhmens von
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preig l
I. Heft. Die Geologie des bohmischen Erzgebirges (© Theil) von Prof Dr,
Gustav Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 Seiten Text
by B ní ČOS k ee Ve de n k R PPOR l. 2—
III. Botanische Abtheilung: T
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof Dr. Ladislav Celakovský. (III. Theil.
Schluss.) 320 Seiten Text. S D0B8 007 MA ASO A941 90) ate A. 2:40
IV. Zoologische Abtheilung:
I. Heft. Die Myriopoden Bohmens von F. V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Seiten
Da OpolB ee ae APNÁČÁNO od lC SICK DE Ek 60 kr.
IH. Heft. Die Cladoceren Bóohmens von Bohuslav Hellich mit 70. Holzschnitten.
P Chemisok o pápu k onernovgoa jde ETO l. 1:60
o Chemisch-petrologische Abtheilung:
E
No.
No
No.
No.
emente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse
von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. A. 1:40
VIERTER BAND.
-
BRolneše 8 z m MSKE) AODUERGE 5 Okhoné oje rckě .
ojBé Erláuterungen zur geologischen Karte der Umgebuncen von Prag von
J. Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten A. 4-50
. 3. Prodromus der Flora von Běhmen von Prof Dr. Ladislav Celakovský.
(IV. Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss und Repister „s be l. 2-40
-4 Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Běhmens von Prof. Dr.
Flora dos Flusss li SPALDMA koloohlzovaaio 2 ím NÍ „ 180
5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal.
l. 1—
-6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl
Feistmantel.
ž PFŮNFTER BAND. :
8 Erláuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné hory)
und der angrenzenden Gegendenim ostlichen Bohmen von J. Krejčí und
R. Helmhacker .. ..- ee 9.
(Die Karte selbst erscheint spáter.)
"A Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. III. Die Iser-
schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 132 Textfiguren 5:
8. Die mittelbohmische Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel. Mit
20 Holzschnitten.
Druck von Dr. Ed, Grégr in Prag 1888. — Selbstverlag.
LEBERMO
(MUSCI HEPATICI)
BOHMENS.
JOS. DEÉDEČEK,
Prof. bei der k. k. bóhm. Oberrealschule in Karolinenthal.
ARCHIV FŮR NATUR WISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÓHMEN.
V. Band, Nro. 4. (Botanische Abtheilung.)
PRAC.
Commission bei FR. ŘIVNÁČ.
i 6
k :
*,
-
k -© DAS ARCHIV
fůr die
naturwissenschaftliche Landesdurchforschune von Bóhmen
unter Redaktion von
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí
enthált folsende Arbeiten :
EN STEER BAND.
L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hóohenverháltnisse).
Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und dic Hohenverháltnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nordlichen Bóhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte.
b) Erste Serie gemessener Hoóohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof.
Dr. Kořistka. 128 Seiten Text.
c) Hóhenschichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált
die in dem Text a) beschriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch,
im Massstabe von 1 :200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hohenverháltnisse
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt.
Preis i. 4-— Preis“ der, Karte app.. EE 9 en e10 (PSDS N a A. 1:60
I. Die Arbeiten der geologisehen Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geolocgische Verháltnisse des nord-
lichen Boóohmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte.
b) Studien im Gebiete der bohm. Kreideformation von Prof. J. Krejčí.
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte.
c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der boh m.
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte.
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel.
120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas.
Prelá s 3 zeta a ŘE 2 Z TRE o. A. 450
III. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.)
104 Seite Text, Preis ss 7; 300054 A. 1—
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text.
b) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bohmens vom Assi-
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln.
c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bóhmen vom Real-Lehrer
Emanuel Bárta. 10 Seiten Text“ "Preis -7 Ze 0. c eso fi. 2—
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 »kr.
Preis des ganzen I. Bandes (Abths I bis V) gebo. i. 9—
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VON
JOS. DĚDEČEK,
PROF. BEI DER K. K. BÓHM. OBERREALSCHULE IN KAROLINENTHAL.
(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG IN BOHMEN.)
V. Band. Nro. 4. (Boťtanische Abtheilunsg.)
BC
ER. AG.
Commissions-Verlag von Fr. Řivnáč. — Druck von Dr. Ed. Grégr.
| 1886.
BV POPEL NG
——
| Durch die Abfassung vorliegender Arbeit sollen die Resultate einer zehn-
- jáhrigen Beobachtung einheimiseher Lebermoose als Ganzes vorgefůihrt werden,
unterstůtzt und bereichert durch die k. bóhm. Museums-Sammlungen, sowie durch
- erspriessliche Beitráge meiner Gónner und Freunde. Insbesondere fůhle ich mich
- verbunden hierorts den innigsten Dank nachfolgenden Herren auszusprechen: Dem
> Dr. Lad. Čelakovský, k. k. ord. Professor der Botanik an der Universitát zu Prag
-als Custos; dem Friedrich Tempský, Buchverleger, als Inspektor des Museums-
herbarium; dem Fr. Sttenský, Prof. bei der hóh. landw. Lehranstalt in Tábor und
ferner den Herren: Adalbert Geheeb, Apotheker und Botaniker zu Geysa in Sachsen-
Weimar und H. Gustav Limpricht, Botaniker in Breslau.
: Die Arbeit umfasst zwei Abschnitte. Im ersten wird in Kůrze die Morpho-
- logie der Lebermoos-Organe behandelt, hauptsáchlich durch die grůndlichen Be-
- obachtungen des Prof. Dr. Leitgeb in Graz verbessert. Darauf folet eine kurze
3 historiographische Skizze und zuletzt eine Úbersicht úber die horizontale und ver-
- tikale Verbreitung einheimischer Arten.
Der zweite Theil enthált die systematische Reihenfolge bei uns bekannter
- Arten, wobei nur in wenigen Fállen jenes fremde Eigenthum acguirirt worden ist,
- welches von der unmittelbaren Náhe unserer Grenzen bekannt geworden, so dass
-in diesem Falle auf dessen Vorkommen auch im bohmischen Gebiet mit Zuversicht
© geschlossen werden kann.
Das System schreitet in der Hauptsache auf der Bahn der Schule von
- Gottsche-Limdb. und Nees, und nach dem Muster der „Kryptogamenflora von Schlesien
- autore G. Limpricht“ fort, einige bemerkbare Abweichungen ausgenommen, die ich
theils als durch neuere Forschungen gerechtfertiote, theils praktische da vorzufůhren
fůr gut gefunden.
Darnach wurde den Authocerotaceen der erste Platz in aufsteigender Reihen-
„folge angewiesen, wodurch die Riectaceen, als Blatt-Lamellen und bedeuted ent-
wickelte Athmungsorgane fůhrende Pflanzen, an die Seite der Marchantiaceen vor-
gerůckt worden sind. Ferner wird daselbst das Genus Haplomitrium zum Reprae-
-sentanten einer eigenen Familie: „Haplomitrieae“, erhoben, und als Schlussform
„der Hepaticae den Laubmoosen angenáhert. — Die Riceia natans Aut. behauptet
da den Genuscharakter Ricelocarpus, species R. natans Corda.
jek
Nebstdem stehen hier die Gattungen Harpanthus, Chiloseyphus und Lopho-
colea in Nachbarschaft der habituell áhnlichen Plagiochila und durch diese náchst
Sceapanta; ebenso wurden die Jungermanniae integrifoliae in eine Reihenfolge mit
Sphagnecoetis und Alicularia úbertragen. |
Dies zur Begrůndune der Form, die ich meiner Arbeit she einer
Arbeit, durch die wenigstens eine Basis geliefert werden soll, auf der weiter zu
bauen und welche zu erweitern es der Berufs-Pflicht einheimischer Botaniker dahin-
gestellt werden muss. Und dass sie derselben treu nachkommen werden, ist sichere
Hoffnung vorhanden. Denn, wenn schon die Schule des Max. Phil. Opiz in den
Jahren 1820—60 ein sehr reges Streben und Trachten in allen Gebieten der
Botanik an den Tag gelect hatte, kann man von der rigorosen und gewissenhaften.
Handhabune der botanischen Medien, wie solche in der Schule eines Dr. Ladislav
Čelakovský behandelt wird und deren monumentale Bau, der „Prodromus“ mit seinen
„Nachtrčgen“ die besten Hoffnungen an die Bearbeitung eines weiteren botanischen
Gebietes gerechtfertigt, — auch in der bohmischen Kryptogamenflora auf die reich-
lichste Ernte gefasst sein.
Was endlich den typographischen Theil der Arbeit anbelanst, sei erwáhnt,
dass ich diesen Theil dem Modus, wie er im Frodromus der Flora von Bóhmen
durchgefůhrt wurde, vollstándie anzupassen bestrebt gewesen bin. Darnach be-
deutet z. B. das Zeichen „!“, dem Namen eines Šammlers angeschlossen, dass ich
die Planze gesehen, mit Anschluss an die Lokalitát dagegen, dass ich sie selbst
gesammelt habe.
Schliesslich folet die chronologisch geordnete Literatur, von der Gebrauch
gemacht worden.
Opiz Fil. Max.: Deutschlands kryptogamische Gewáchse. 1816.
ae 5 Boheims phanerogamische und kryptogamische Gewáchse 1823.
Corda Aug. Jos.: Genera Hepaticarum, in Opiz Beitr. zur Naturkunde 1828.
M 5 „© Monographia Rhizospermarum et Hepaticarum. 1829.
„o Die Jungermannien Deutschlands in Jak. Sturm's Flora. 1830—35.
Nees von Esenbeck: Naturgeschichte der europaeischen Lebermoose. 1833—38.
Presl J. Svat.: Třicet a dva Obrazy. 1848.
Opia F. M.: Seznam rostlin květeny české. 1852.
Plumert, Dr. Jos.: Zur Flora des Iser- und Jeschkengebirges in „der Curort Liebwerda“. 1869.
Limprich G.: Ergebnisse botan. Wanderungen durchs Isergebirge. Separatabdruck. Breslau. 1870.
Watzel, Dr. Čaj.: Moose und Gefásskryptogamen. Im Jahresbericht der Comm. Oberrealschule in
B. Leipa. 1874.
Fýfeffer, Dr. W.: Die Oelkórper der Lebermoose. Flora. 1874.
Du Mortier Barth. Car.: Hepaticae Europae. Bruxellis. 1875.
Limpricht G.: Kryptogamenflora von Schlesien. 1877.
Leitgeb, Dr. Hub.: Untersuchungen úber die Lebermoose. I—IV. 1879.
Voigt. Beitrag zur vereleichenden Anatomie der Marchantiaceaen. Bot. Zeit. 1879.
Limpricht P.: Neue und kritische Lebermoose. Jahresb. d. schles. Ges. fůr vaterl. Cultur. 1880.
Es móge nun das von mir Geleistete als eine freiwillige in den wenigen
freien Stunden geformte Gabe fůr jůingere Kráfte angenommen und als solche be-
trachtet werden.
Prag, Karolinenthal am 20. Juli 1880.
Der Verfasser.
I. Allgemeines úber die Lebermoose. — Hepaticae.
(Musci hepatici.)
Als Bindesglieder der Thallus- mit den Stengelpflanzen, bewahren manche Leber-
moose habituell den Charakter der Ersteren, wogegen sich deren Mehrzahl durch ihren
beblátterten Stengel an die Ordnungen hóherer Cryptogamen anschliesst.
p Aus der Lebermoosspore entwickelt sich in der Regel der Vorkeim, und aus
ihm die Geschlechtsgeneration, welche durch Vermittelung ihrer Antheridien und Arche-
© gonien wiederum die sporentragende Kapsel als geschlechtslose Generation erzeugt. Ausser
durch Sporen, als mit geringer Ausnahme obligate Vermehrungsorgane, vervielfáltigen
die Lebermoose ihre Individuenzahl wohl sehr oft auch durch die Brut- oder Keimkórner,
| Organe, die polymorph und ofters zahlreich theils in eigenen Beháltern, theils als ein-
- zelne Zellen oder Zellencolonien am Blattrande oder der Blattspitze auffallend emportreten.
- Nebstdem vermehrt sich die Lebermoosart durch eigene Sprossen und Áste, welche einzeln
-oder paarweise entweder am Gipfel der absterbenden Mutteraxe als Innovattonen ent-
springen oder als Brutůste an deren Seite, oder sogar an ihrer, dem Substrat zugekehrten
© Mittelrippe zum Vorschein treten, und im Falle des wirklichen Absterbens der Mutter-
- pflanze dieselbe an demselben Standorte nicht nur erhalten, sondern jene auch ver-
- vielfáltigen.
Die geschlechtliche Generation ist ein dilateraler meist negativ heliotropischer
- Stamm, dessen obere oder Lichtseite anders organisirt ist als die dem Substrat anliegende
- untere oder Schattenseite. Nur untergeordnet ist der Vegetationskórper ein echter blatt-
„loser Thallus, weit mehr verbreitet ist der, unterseits oder auch am Rande bláttertragende
-und in der Epidermis Poren fůhrende čhallusáhnliche Stamm, und bei den vollkommensten
Arten ein 2—3reihig beblátterter Stengel. Die Schattenseite der Vegetationsaxe ist dem
Substrate durch Wurzelhaare (Rhizoiden) angeheftet. — Der Stamm thallusáhnlicher Leber-
- moose ist theils echt, theils unecht gabelig und dann zuweilen mit rand- oder rippen-
stándigen Adventivásten. Bei foliosen Arten tritt theils eine terminale theils eine inter-
calare Verzweigung, und diese oft gefiedert wenn nicht bůschelie auf, oder es entstehen
sogar adventive Astbildungen. Zu intercalaren Zweigen sind insbesondere bei vielen die
Geschlechtsáste, Flagellen und Stolonen, beide letzteren armbláttrig, einzureihen. — Das
Gewebe des Stammes ist rundlich oder polyedrisch, gleichfórmig oder in eine Mittelrippe
differencirt, die auch bei einigen rippenlosen, deren Lángsaxe aus vielen Zellschichten zu-
sammengesetzt ist, scheinbar auftritt. Die Epidermis der Frondosen trást meist Poren, die
entweder als Kanále in den Zellecken auftreten oder als, den Spaltoffnungen hóher orga-
misirter Pflanzen hnliche, von mehreren Epidermis-Zellringen begrenzte und zu eigenen
Luftkammern fůhrende Vorhófe entwickelt sind. Die Dimensionen jener Kammern sind an
„der Thallusoberfláche meist durch deutliche Felder signalisirt.
Die Blětter, bei Frondosen als Blattlamellen und nebstdem als Keulenpapillen,
sind bei Foliosen, wo die Keulenpapillen ebenfalls háufig auftreten, einschichtie, rippenlos
„und von sehr verschiedener, an jene der Gefásspflanzen erinnernden Gestalt. Der Lage
6 Allgemeines úber die Lebermoose.
nach werden sie als Sešten- und Unterblátter angefůhrt. An jenen, wenn sie 2lappig sind,
erscheinen oft die als sogenannte Ohrchen ausgebildeten Unterlappen als beachtenswerthe
Merkmale. — Bei gedránster Blattstellung ist die gegenseitigce Blattlage auch zu berůck-
sichtigen, denn es deckt bei rascherem Wachsthum der oberen Stengelseite der Oberrand
eines últeren Blattes den Unterrand des nachfolgenden jůngeren (oberschláchtige Bl. —
Fol. succuba) ; im umgekehrten Falle ist die Blattlage unterschláchtig (F. incuba). —
Die schráge oder guere Insertion und die Richtung der Blattfláche, das parenchymatische
nur seltener an der Blattbasis mehrschichtige Zellnetz, dessen Wánde, die Verdickung
der Zellecken (anguláre Verdick.), ferner der durch Chlorophyll und Oeltropfen („Zell-
kůrper“) verdichtete Zellinhalt bieten dem Beobachter sehr wichtige Anhaltspunkte. —
Die Blattspitzen und Ránder sind der Herd verschiedengestaltiger Kečmkórner. — Die
guer inserirten Unterblátter (Amphigastria — oder nach Spruce foltola) erscheinen mit
geringen Ausnahmen (Aegusfoliae — Haplomitrium) als kleinere, durch Wurzelhaare
oft verdeckte, dem Stengel meist angedrůckte Bildungen nur selten lángs der ganzen Un-
terseite, sondern beschránken sich gewodhnlich an die Stengelspitze, oder sie fehlen gánzlich.
Die Geschlechtsorgane sind bald in die Oberfláche des Laubes eingesenkt bald
sind sie auf derselben sichtbar, oder stehen an der Unterseite besonderer Receptakeln ;
bei den Stengelpflanzen haben sie entweder die Axeln jůngerer Stamm- oder Astblátter,
inne (laterale oder cladogene) oder aber besetzen sie insbesondere die Stengelspitze (čer-
minule oder acrogene) und sind durch jene oder zuweilen durch Paraphysen geschůtzt.
Deren gegenseitige Lage ist theils etnhůusig (nach Lindberg: gamoectum parotcum, wenn
beide an derselben Axe; gam. autotcum, wenm sie an getrennten Axen; gam. heteroicum,
wenn einháusige mit eingeschlechtigen Asten derselben Pflanze angehóren), theils zwwez-
háusig. — Nach der růckenstándigen oder terminalen Lage der Archegonien und deren
weiteren Entwickelung kónnen die Hepatici in amacrogymnae (Leitgeb. — frondosae
Autorum) und acrogynae (Leitgeb. — foltosae Aut.) eingetheilt werden.
Die Antheridien (©) sind kugelig oder elliptisch, gestielt oder stiellos, einzeln
oder zu mehreren in einer Gruppe. Die einschichtige Wand des Antheridium-Kórpers
biret die Mutterzellen der mit 2 Flagellen bewaffneten Spermatozoiden. — Die Arche-
gonten (©) erscheinen bei acrogynen Arten einzeln oder zu mehreren in Gruppen oberhalb
eigens gestalteter Hůllblátter, und nebstdem mit einem aus Bláttern (Bracteen) verwach-
senen JKelch (perianthtum) umhůllt, wogegen die © anacrogyner Moose durch ein aus
Lauboberfláche emporwucherndes Involucrum geschůtzt werden.
Die geschlechtslose Generation. Aus der befruchteten Centralzelle des © entsteht
die Sporenfrucht (Sporogonium), die, wenn sie stiellos ist, gánzlich, wenn (was normal)
gestielt, nur am Grunde des Stieles von der aus der Archegoniumbasis sgebildeten Hawube
umgeben ist. Der Fuss des Kapselstieles ist in den Stammtheil der Pflanze ohne orga-
nischen Zusammenhang eingesenkt. — De Kapsel ist deckellos, mit geringer Ausnahme
ohne Columella, und entleert sich seltener durch 2, meist durch 4 Klappen oder Záhne,
— wenn nicht unrecgelmássie-deckelartig. Die Sporen sind mit 1-——4spirigen, lángeren
Schleuderzellen (Elateremn) untermischt, die bei einigen Arten am Ende ihnen áhnlicher
Hlaterentráger haften, und sich aus der offenen Kapsel theils emporschnellen, theils an
ihrem Grunde oder an den Klappen angeheftet verbleiben.
Die Sporen sind einzellig, rund, oval oder tetra- bis polyedrisch mit glatter,
oranulirter, stacheliger, netziger oder gefelderter Oberfláche, die zuweilen auch gesáumt
erscheint. — Ausnahmsweise keimen sie (bei Pellia und Fegatella) bereits in der ge-
schlossenen Kapsel, die sie als mehrzellige, grůne und gróssere sporenáhnliche Vor-
koime verlassen.
Geschichtliches. T
PODRA by
II Geschichtliches úber die Ergebnisse im Durchforschen
-© der m Bohmen vorkommenden Lebermoose.
Die Anfánge des Studiums der einheimischen Lebermoosfiora fallen in das J. 1816,
woher sich das von Fď. Max. Opiz (1787—1858) bearbeitete Werkchen: „Deutschlands
iptogamische Gewčichse“ datirt. Darin werden bereits 21 Arten, jedoch ohne Autor
und Lokalitát angefůhrt, nemlich: Jung. complanata, J. dilatata, J. platyphylla,
J. tamariscifola, J. furcata, J. pubescens, J. ciliaris, J. bidentata, J. exsecta, J. guin-
guedentata, J. reptans, J. trichophylla, J. asplenioides, J. epiphylla, J. pinguis, J.
scalaris, Marchantia polymorpha, M. conica, M. hemisphaerica und Riceia fiuitans.
Die zugleich genannte J. viticulosa mag wohl die Calypogeia bedeutet haben. — Bald
darauf wurde die Anzahl durch den Sammeleifer mehrerer Botaniker, so des Martius,
Spengler, Fischer, Palltardi, Jungbauer, Presl, insbesondere aber des Sýkora, Funck
und Op?z um mehrere seltenere Arten vermehrt und in: „Bóhečms phanerogamische und
kryptogamische Gewáchse von Opiz im J. 1823“ sammt Lokalitát und Sammler ver-
zeichnet. Unter jenen sind bemerkenswerth: Mastigobryum deflexum, Chilose. pallescens
und rivularis, Sarcoscyphus Funckii, Jung. Miilleri, Scap. undulata, J. Schraderi,
Blasia pusilla, Riccia natans und Grimaldia barbifrons. Speciell durch H. Sýkora,
Sekretár des Altgrafen Salm, wurden von Štiřín náchst Prag bekannt: Lophocolea hete-
rophylla, Tricholea Tomentella, Lejeunia serpyllifola, Fossombronia pusilla (F. cri-
stata Lindb.), Aneura palmata, Anthoceros laevis und punctatus, und die fragliche Mar-
chantia Sykorae Corda. Zu diesen erwarb Opiz die Jung. minuta (als Gymnom.
| concinnatum), J. connivens, J. exsecta, J. albicans, J. divaricata, Scapania curta,
Seap. nemorosa und Riecia ciliata.
Der Apotheker Krest. Funck aus Gefrees, welcher im Jahre 1819 die Sudeten
durchforscht hatte, vermehrte die bisherige Anzahl um Sacroscyphus Ehrharti, Harpanthus
seutatus, Jung. lanceolata, julacea, saxicola, Taylort, anomala, inflata und alpestris.
Gleichzeitig ist die geringe Zahl einheimischer Naturforscher um einen eifrigen
Arbeiter gewachsen. Dies ist der ehemalige Museums-Assistent Aug. Jos. Corda (1809
bis 1849). In seinen Werken: Genera Hepaticarum 1828; — Monographia Rhizo-
| spermarum et Hepaticarum im J. 1829, besonders aber in „Jungermanmen Deutsch-
lands (1830—35)“ (sowie auch in der Natura. der Lebermoose von Nees v. Esenbeck)
erscheinen als neu besonders folgende Species: Jung. Menzelii Corda, J. barbata, J.
lycopodioides, J. orcadensis, J. porphyroleuca, Scap. trrigua, Seap. rosacea Corda,
Alicularia minor, Lejeunia minutisstma, Riceia sorocarpa, Haplomitrium Hookerť und
Moerkia hibernica,
E- Andere wichtige Ergebnisse aus der Durchforschung des Riesengebirges haben
zu ihren Urhebern den Nees v. Esenbeck und v. Flotow. — Major L. v. Flotow be-
reicherte unser Lebermoosverzeichniss durch Gymnom. concinnatum, Sceap. uliginosa,
J. subapicalis, J. nana, J. obovata, J. sphaerocarpa, J. Wentzelii, J. Floerkei, J.
setacea, Lophocolea minor, Harpanthus Flotowianus, Madotheca laevigata, Pellia ca-
lycina und Duvalia rupestris.
k Dem treuen Gesellschafter v. Flotow's, Nees v. Esenbeck, (7 1858 in Breslau),
ist es gelungen nachfolgende neue Arten auf unseren Sudeten zu ergrůnden: Gymnomaitrium
coralloides, Scapania compacta, Scap. aeguiloba, Jung. Michauxii, J. tersa, J. atte-
nuata, J. rubella, J. setiformis, J. catenulata, Madotheca Porella und Moerkia
norvegica.
Angespornt durch Opiz und durch dessen Tauschverein wohl auch orientirt wid-
„meten in den vierzigen Jahren mehrere, zum Theile auch noch jezt erspriesslich wirkende
Pfianzenfreunde ihre freien Stunden dem Durchforschen ihres Wirkungskreises, wovon so
mancher seltenere Fund die Folge gewesen. Es sind insbesondere die Herren Wondráček,
Kalmus, Menzel, Siegmund, Neumann, Langer, Schobl, Tuček, Fórster, Kratzmann,
Čeněk, Peyl, Pokorný, Veselský, Roth, Winkler, Karl, Hrabal, Lorinser und weiter
auch in spáteren Jahren H. Watzel, Sachs, Braun, Frau Josefine Kablík und v. Leon-
8 G-eschichtliches.
hardi, — In die Zeit dieses Sammeleifers, námlich ins Jahr 1852 fállt auch die Publi-
kation „Seznam rostlin květeny české“ von Max. Opiz. Darin werden schon 104 Le-
bermoos-Arten von Bůhmen angefůhrt, worunter zwar auch einige Schwáchlinge (wie z. B.
Jung. vaginata Op., Metzgeria laetevirens Op., March. macrocephala Čda., March.
Kablikiana CČda; und andere anderenorts einzureihende Formen, die aber mit den von
Opiz als Varietáten jetzt aber als Arten angefůhrten Formen das Maas halten. — Nicht
um vieles spáter, námlich im J. 1856, war es dem Prof. Lehmann gelungen bei Marienbad
einen seltenen Fund in Notothylas feřtilis zu machen.
Im Laufe der letzten 25 Jahre hat sich das hepatologische Studium eine noch
erspriesslichere Aufgabe vorgeschrieben, als deren Resultate mehrere Lokalfloren entstanden
sind. Als erste davon ist die wohl vom H. Pfarrer G. Menzel verfasste und in der von
Dr. J. Plumert publicirten Schrift „der Curort Liebwerda“ veroffentlichte Schilderung
jener Lebermoose, welche die Reichenbere-Friedlánder Gegend und die sůdlichen Abhánge
des Isergebirges bowohnen.
Unter den 69 Arten (leider ohne Lokalitátsangabe), worunter besonders die J.
resupinata (saxicola), J. curvula, J. pumila, Madotheca laevigata und Diplomitrium
LDyelliů Erwáhnung verdienen, erscheint wenigstens die Jung. cordifolta, Alicularia com-
pressa und Saccogyne víticulosa fůr Bůhmen úberhaupt als sehr zweifelhaft.
Unter den zahlreichen Arten, die H. G. Limpricht aus Breslau im J. 1870 im
Iser- und Riesengebirge gesammelt, ist besonders die Lophocolea cuspidata Limpricht,
Sarcoscyphus adustus, Sare. sphacelatus, Sare. denstfolus, Jung. obovata, J. sphae-
rocarpa, J. tersa, J. alpestris, J. Floerke, J. Juratzkana Limpr. J. nana, J. obtu-
sifolia, Scapanta umbrosa, Scap. úrrigua, Plagiochila interrupta und Sphagnecoetis
communis bemerkenswerth. — Auch die im Realschulprogramm vom J. 1874 vom H. Dřr.
Watzel in Bóhm. Leipa verfasste Lokalflora verzeichnet als neu die Geocalyx graveolens
und Mastigobr. dejlecum.
Dem Verfasser dieser Monographie ist es wáhrend eines Decenniums, worin er
seine Heimat kreuz und guer einer sorgfáltigen Besichtigung unterworfen, auch gelungen,
nicht nur das Gebiet bereits bekannter Arten zu erweitern, sondern auch zu diesen mehrere
fůr Bóohmen neue Arten zu gewinnen. So brachte er ums J. 1875 von Písek in Sůd-
běhmen Jung. hyalina, J. Stark, Lejeunia serpyllifola und Reboulia hemisphaerica,
fůr welche letztere ein zweiter Standort im J. 1880 am Běsig und von Prof. Dr. Cela-
kovský bei Chotzen gewonnen wurde. — Die Turnáuer Umgebung mit dem Jeschkenberg
hat dargeboten: Aneura pínguis, Geocalyx, Lophocolea cuspidata, J. Zeyheri, J. com-
nivens, J. Taylori, J. attenata, J. orcadensis, J. bicrenata (auch am Mileschauer mit
J. hyalina), J. incisa, Fossombronta pusilla Lindb., Pellia calycína Preissia und Metz-
geria pubescens. — Das Prager Gebiet wird bei Chabern von zwei Seltenheiten, námlich
der Rřecta erystallina und R. Bischoffit bewohnt. — Durch einen zweimaligen Besuch
des Bohmerwaldes hat der Verfasser die Úberzeugung gewonnen, das dieser Gebirgszug
mit den Sudeten in vieler Beziehune hepatologisch úbereinstimmt und dass er auch einige
Raritáten, wie Hossomdr. pusilla Lindb., J. anomala, J. lamceolata, J. curvifolia, J.
Můllert und Aneura palmata mit A. latifrons beherbergt. An diese reiht sich auch
Harvpanthus scutatus, der unter den Exsicaten des Dr. Em. Purkyně eruirt wurde.
Ein dreimaliger Besuch des něrdlichen und nordostlichen Bohmens ergab zwar
sehr wenig Neues fůr uns, war aber in der Hinsicht sehr lohnend, dass von vielen, nur
vom Gebirgskamme bekannten Arten, oder anderentheils von Lebermoosen, deren Ver-
breitung bei uns frůher in sehr enge Grenzen gezogen werden musste, viele neue Orts-
angaben sichergestellt werden konnten.
Als vóllig neu kann ich nur die Madotheca rivularis hinstellen, welche einen
Gebirgsbach des sůdlichen Glatzer-Schneeberg-Gebirgszuges bewohnt; nebstdem wurden aber
neue Lokalititen fůr Scapanta compacta, Scap. umbrosa, irrigua, uliginosa und Jung.
obtusifola (bisher bei uns wenig bekannt), fůr Jung. acuta, rubella, lanceolata, Starků,
Michaueii, Mastigobryum deflexum und Anthoceros laevis gewonnen.
Die bisher sehr wenig berůcksichtiete Gebiresgegend něrdlich von Neuwelt bis zu
der Elbe- und Pantschewiese, welche der ehemalige Assistent des kón. běhm. Museums
Geschichtliches, 9
fr. Sitenský einer grůndlichen Durchforschung (in Betreff der dort sehr verbreiteten
Sphagneten) unterworfen, erschien wiederum als ein mit den ůúbrigen hepatologisch
oleichartiger Theil des Sudetenzuges, indem sich daselbst die meisten Formen, wie Jung.
obovata, inflata, setacea, Floerket, lycopodioides, attenuata, Taylori (anomala), con-
mivens, incisa, Scapama úrrigua, umbrosa, uliginosa und ein ganz grůner Sarcoscyphus
sphacelatus var. erytrorhyzus wiederholen.
Nach Allem dem ist die Zahl der einheimischen Lebermoosarten im Sinne der vom
H. G. Limpricht verfassten Lebermoosflora des benachbarten Schlesiens auf 124 Arten
anzuschlagen, mit strengem Ausschluss derjenigen Arten, welche bisher als náchste Ange-
horige des něrdlichen Grenzstaates sich erwiesen haben, námlich der Riceta minima, Ric.
bifurca, Aneura pinnatifida, A. multifida, Blyttia Lyellů, J. caespiticia, Hornschu-
chtana, socia, Mildeana, Franciset, dentata, Hookeriana, Frullama fragilifolia und
Fossombronia Dumortiert, auf eine Zahl also, die eigentlich nur um sechs Arten von
der unserigen differirt (mit Růcksicht auf die, im Vergleiche mit Schlesien fůr Bóhmen
eigenen Arten).
Bezůglich der vertikalen Verbreitune bohmischer Lebermoose kónnen wir nach-
stehende Ergebnisse verzeichnen:
Von der Ebene (im Durchschnitte 300 m) bis auťs Hochgebirge verbreitet, aber
„nur zum Theile als gemein kónnen folgende Arten bezeichnet werden: Rceia glauca,
Anthoceros laevis, A. punctatus, Fegatella, Marchantia (auch am Gipfel der Schnee-
koppe), Grimaldia, Metzgeria furcata, Pellia-Arten abwechselnd (P. calycína die Ebene
und Hůgelregion, P. epřphylla die Vorberge und P. Neestana die Gebirgsregion bevor-
| zugend), Aneura pinguis,*) Blasta pusilla, Fossombronia pustlla, F. cristata, Frullama
dilatata, F. Tamarisct, Madotheca platyphylla, Radula complanata, Ptilidtum ciliare,
Lepidozia reptans, Lophocolea bidentata, minor, heterophylla, Jungermannia bicuspi-
data, divaricata, trichoplylla, barbata, ventricosa mit var. porphyroleuca, bicrenata,
intermedia, excisa, tnetsa, crenulata, Scapana curta und Plagiochila asplentotdes.
Die Hůgelregion und theilweise auch die Vorberge bewohnen: Riceta crystallina,
sorocarpa, R. ciliata, Notothylas, Reboulia, Preissta, Metzgeria pubescens, Aneura
palmata, Lejeunia serpyllifoha, Madotheca laevigata, Tricholea Tomentella, Masti-
gobryum trilobatum, Calypogeia Trichomanis, Geocalyx graveolens, Chiloscyphus po-
> lyanthos, Lophocolea cuspidata TLimpricht, Jungermannta Míchawei, J. minuta, obtu-
sifolia, exsecta, albicans, guinguedentata, connivens, hyalina, lanceolata, Menzel,
Scapanta nemorosa, aeguwloba und compacta, Altcularia scalaris und A. minor.
Theilweise greifen in dieses Gebiet auch folgende Arten ein: Aneura latifrons,
Jung. setacea, attenuata, inflata, acuta, Miilleri, Zeyhert, Taylori, Scapana umbrosa,
| undulata und Vrrigua.
| Nur im Hochgebirse oder vereinzelt auf seinen Abhángen werden angetroffen :
- Fimbriaria, pilosa, Měrckia hibermica, M. morvegica, Gymnomitrium concinnatum,
G. coralloides, Sacroscyphus-Arten, Scapania uliginosa, Jungermannta saaicola, orca-
- densis, Helleriana, Starků, rubella, Wemtzelii, catenulata, curvifolia, setiformis, ju-
- lacea, Juratzkana, alpestris, Flórkei, lycopodioides, Schraderi, subapiealis, pumila,
nana, tersa, obovata, Harpanthus scutatus, H. Flotowianus, Sphagnoecetis commums,
Plagiochila interrupta, Mastigobryum dejlexum, Madotheca vývulavis und Haplomt-
trium Hookeri.
Als wasserliebende sind bekannt: die Joectau fiuitans und Iieetocarpus natans.
Fůr Bóhmen charakteristisch ist Jungerm. Juratzkana Limpricht und J. Ment-
zehů Corda, oder da vereinzelt: Lejeunta minutisstma, Fossombronta pusilla Lindb.,
Moórckia, Duvalia, Sacroscyphus densifolius, alpinus und aďustus, Notothylas und
Ficeia Bischoffii.
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10 Eintheilung in Ordnungen und BFarmmilien.
JII. Systematische Úbersicht der Lebermoose.
1. Eintheilung in Ordnungen und Familien.
A. Kapseln schotenfórmie und zweiklappig, auf der Thallusoberfláche zerstreut, mit ©
kubischen oder mehrzelligen Elateren, —— oder es sind die Kapseln in die.
Oberfláche eingesenkt, kugelfórmig, unregelmássig aufspringend, ohne Elateren.
I. Ordnuno. Anthoceroteae N. v. E. — Kapseln schotenfórmig, lang, mit einer
centralen Columella und am Grunde mit bedeutender Hůlle. Die Schattenseite
des Thallus schuppenlos.
II. Ordnuno. Ricetaceae Dmrt. — Kapseln kugelfórmie ohne Columella. Schatten-
seite des Thallus (exclus. Riccia crystallína) mit 2 oder mehr Lángsreihen von
Blattschuppen.
B. Mehrere Kapseln an einem cestielten Fruchtboden. Kapselstiel verkůrzt. Schleu-
derer lang, einzellig, 2-mehr spirig.
III. Ordnunog. Marchantiaceae. N. v. E.
1. Familie. Jecorarieae. — Kapseln in eigenen, strahlenfórmie an der Unterseite
des Fruchtbodens auslaufenden Fáchern zu 1-—mehreren, meist mit einem Kelch
umhůllt, hángend.
2. Familie. Lunularteae. — Fácher 1kapselig, rund um die verdickte Spitze des
rudimentáren Fruchtbodens horizontal ausgebreitet.
C. Kapseln einzeln, kugelrund, elliptisch bis walzenfórmie, lang gestielt, mit meist
4 Klappen oder Záhnen aufspringend, entweder an der Oberfláche des thallus-
áhnlichen Stammes oder am Gipfel eines beblátterten Stengels. Schleuderer wie bei B.
IV. Ordnung. Jungermanniaceae Corda (N. v. E.).
+ Jungermanniae anacrogynae Leitgeb (J. frondosae Autorum). — Der Kapsel-
stiel von der Oberseite (ausnahmsw. der Unterseite) der Frons oder des Stengels und vor
seinem Scheitel (anacrogyn) entspringend, an der Basis mit einer kelchartigen Hůlle um-
schlossen. — Thalluspflanzen meist mit Keulenpapillen unterhalb am Scheitel. Nur os-
sombronia ist eine beblátterte Stengelpflanze.
a) Stamm thallusáhnlich, ohne Blattschuppen, oder mit Keulenpapillen an der Endbucht
seiner Lappen. MSeltener (Blasia) am Rande durch Blátter crenulirt oder mit 2 Reihen von Hůll-
bláttern auf der Oberseite.
- «) Blátter und Keulenpapillen fehlen. Fruchtáste mit bedeutender, mehrschichtiger
Calyptra, theils der Unterseite theils dem Rande der Lappen entspringend.
1. Familie. Metzgerieae. — Laub, die Mittelrippe ausgenommen, einzellschichtig.
Fruchtáste von der Unterseite der Mittelrippe ausgehend.
2. Familie. Aneureae. — Laub mehrschichtig. Mittelrippe fehlend. Fruchtáste
randstándie.
P) Blátter theils randstándig, theils fehlend und durch winzige Keulenpapillen
vertreten; — oder in 2 Reihen an der Oberseite, wo auch die Frůchte erscheinen.
9. Familie. Haplolaeneae. — Involucrum einfach, und dann die Pflanze blattlos,
— oder fehlend und durch eine walzenfórmige Laubauftreibung; vertreten, und
die Blátter randstándie.
4. Familie. Diplomitrieae. — Tnvolucrum doppelt. Die Oberseite des Thallus
mit 2reihigen Hůllbláttern.
b) Stengel fadenformig, 2reihie schrág bebláttert. Involucrum kelchartig.
Eintheilung in Ordnuncen und Familien, 1
5. Familie. Codonieae.
TT Jungermanniae acrogynae Leitgeb (J. foliosae Autorum). — Kapselstiel vom
Scheitel (acrogyn) eines fadenfórmigen Stengels oder seiner Áste hervorstrebend (exclus.
Haplomitrium), an der Basis mit aus Bláttern erwachsenem Kelche umhůllt. — Nur
Blattpflanzen.
a) Stengel 2rcihig bebláttert, oder noch mit einer dritten Reihe von meist unansehnlichen
Unterbláttern.
«) Kelch deutlich, mehr oder weniger úber die Hůllblátter hervortretend und meist
frei, Selten ist der Kelch durch einen schlauchartigen Fruchtast vertreten.
aa) Blátter gečhrt. Das Ohrchen bei Axillarbláttern nicht immer entwickelt.
6. Familie. /nbuleae. — Kelch stielrund, aufgeblasen oder kantig, am Ende in
ein Róhrchen verenst. Unterblátter eingeschnitten oder ausgerandet.
7. Familie. Platyphylleae. — Kelch von vorne nach hinten plattgedrůckt. Unter-
blátter ungetheilt — oder fehlend.
BP) Blátter ohne Óhrchen, ganzrandig oder gezáhnt, gelappt bis hand-
fórmig getheilt.
* Blátter handfórmig getheilt, oder 3—4záhnig. Unterblátter úberall deutlich, mit
den seitlichen gleichfórmic.
8. Familie. Přilidieae. — Kelch walzenfórmig, gegen die Můndung keilenfórmig
aufgeblasen, oder fehlend und durch einen aufrechten schlauchartigen Fruchtast
vertreten. — Bl. handfórmig getheilt, am Rande mit einfachen oder verástelten
pfriemenfórmigen Lacinien.
9. Familie. Lepidozieae. — Kelch walzenfórmig. — Blátter handfórmig getheilt,
oder 3—4záhnig, sonst ganzrandig. — Stengel oft mit armbláttrigen Flagellen.
** PBlátter ganzrandig, — oder 2- bis mehrlappig oder záhn- bis handfórmig
getheilt. Unterblátter selten deutlich und dann besonders gegen den Scheitel und meist bei 2lappig-
bláttrigen Arten deutlich. — Fruchtast schlauchfórmie ins Substrat eingesenkt, — oder normal
- gestaltet und aufstrebend bis aufrecht.
10. Familie. Geocalyceae. — Fruchtast schlauchformie, eingesenkt. Blátter ganz
und ausgerandet, oder durch eine rechtwinkelige Bucht scharf und kurz zweilappig.
. Familie. Jungermannteae. — Kelch úber die Hůllblátter mehr oder weniger
honí aufrecht. Blátter verschiedencestaltig.
P) Kelch fehlend, oder undeutlich und durch Hůllblátter gánzlich versteckt.
. Familie. Gymnomitrieae. — Hůllblátter die Můtze als Vertreter des Kelches
oder diesen selbst gánzlich umhůllend und mit diesem oberhalb des vertieften
Vegetationspunktes scheinbar verwachsen.
|
|
ů
:
|
:
b) Blátter 3reihig, alle gleichfórmig und ungetheilt. Kelch fehlend. Můtze walzenfórmig,
dickwandig und anakrogyn.
13. Familie. Haplomitrieae.
2. Kurze systematische Uebersicht der Gattungen mit Angabe der
Artenzahl.
I. Ordnuns. Anthoceroteae. 1. Anthoceros (2 Arten). — 2. Notothylas (1 A.).
II. Ordnung. Riceiaceae. 3. Riceia (6 A.). — 4. Ricciocarpus (1 A.).
III. Ordnune. Marchantiaceae.
1. Familie. Jecorarieae. — 5. Grimaldia (1 A.). — 6. Fimbriaria (1 A.). —
7. Reboulia (1 A.). — 8. Fegatella (1 A.). — 9. Preissia (1 A.). — 10. Mar-
chantia (1 A.). — 11. Duvalia (1 A.).
12 Notothylas.
2. Familie. Lunularieae. — 12. Lunularia (1 A.).
IV. Ordnuno. Jungermanniaceae.
A. Anacrogynae.
3. Familie. Metzgerteae. — 13. Metzgeria (2 A.).
4. Familie. Anewreae. — 14. Aneura (3 A.).
5. Familie. Haplolaeneae. — 15. Blasia (1 A.). — 16. Pellia (3 A.).
6. Familie. Dýplomitrieae. — 17. Mórckia (2 A.).
7. Familie. GCodonteae. — 18. Fossombronia (2 A.).
B. Acrogynae.
8. Familie. Iubuleae. — 19. Lejeunia (2 A.). — 20. Frullania (2 A.).
9. Familie. Platyphylleae. — 21. Madotheca (8 A.). — 22. Radula (1 A.).
10. Familie. Přilidřeae. — 23. Trichocolea (1 A.). — 24. Ptilidium (1 A.).
11. Familie. Lepidozieae. — 25. Mastigobryum (2 A.). — 26. Lepidozia (1 A.).
. Familie. Geocalyceae. — 27. Geocalyx (1 A.). — 28. Calypogeia (1 A.).
„ Familie. Jungermanmeae. — 29. Chiloseyphus (1 A.). — 30. Harpanthus
(2 A.). — 31. Lophocolea (4 A.). — 32. Plagiochila (2 A.). — 33. Scapania
(8 A.). — 34. Jungermannia (48 A.). — 35. Sphagnecoetis (1 A.).
14. Familie. Gymnomitrieae. —— 36. Alicularia (2 A.). — 37. Sarcoscyphus
(6 A.). — 38. Gymnomitrium (3 A.).
15. Familie. Haptomitrieae. — 39. Haplomitrium (1 A.).
kr
ké o)
I. Ordnung. Anthoceroteae Nees v. Esenb.
Thallus kreisrund, viellappig, rúppenlos und mehrschichtig, oberseits ohne Fpt-
dermis, unterseits mit Poren und Wurzelhaaren. Zellen met je einem grossen Chloro-
phyllkorn. Geschlechtsorgane m Inneren des Thallus. Involucrum walzenfórmig. Můitze
fehlend. © Sporen tetraedrisch, mit 1zelligen kubischen oder mehrzelligen, bandfórmigen
Schleuderern untermischt.
Gattungen:
1. Notothylas. Kapsel kurz (2 mm Ig.), cylindrisch, mit horizontal nieder-
liegendem oder etwas aufgerichtetem Involucrum eingeschlossen. Schleuderer 1zellig.
2. Anthoceros. Kapsel lang, 4seitig, das aufrechte Involucrum weit úberragend.
Schleuderer mehrzellig.
1. Notothylas Sulliv.
1. N. fertilis Milde (1859). — (N. valvata Sulliv. var. $ Gottsche. — Antho-
ceros Austin 1875.) — Thallus angedrůckt, am kreisrunden Umfange mit keilfórmigen
Lacinien. Lappenrand 1schichtig, gegen die Mitte 11schichtig. Alle Inmenzellen wasser-
hell. Kapselwandung Sschichtig; dussere Zellenlage ohne Poren, verbogem rectanguldr,
stark verdickt. Schleuderer hyalin, mečst mit spťraligen, braunen Verdickungsstretfen.
Sporen slatt.
Thallus grůn, 3—7 mm breit, concav. Kapselklappen rinnenfórmig; ihre inneren Zell-
schichten hyalin. Mittelsáulchen frůh in Schleuderzellen sich auflósend. Sporen dunkelbraun bis
schwárzlich.
A nthoceros. — Ricciaceae. 13
Einháusig. © Frucht im Herbste.
Auf Aeckern, sehr selten. — Marienbad (Lehmann nach Limpricht um d. J. 1856).
— (Gleichzeitig von Prof. Milde bei Gráťfenberg im Gesenke unter Anthoceros, Fossom-
bronia und Riceia gefunden).
2. Anthoceros Mich.
1. A. punctatus L. (Presl: Obrazy, XXII. fig. 1471 u. 1472.). — Thallus am
- Rande aufsteigend, wellig-kraus, mt dichten Blattschuppen auf der Oberfláche, und
grossen Lufthóhlen und Oeltropfen. Involucrum cylindrisch. Sporen schwarzbraun, díchtť
stachelig.
Thallus lichterůn, getrocknet schwarzbraun etwas glánzend. Involucrum 4—6 mm, und
Kapsel 2—6 em lang. Kapselwand 4schichtig; die áussere Schicht mt gestreckten Zellen und Porem.
Einháusig. (© Fr. im Sommer (Juli) und Herbste.
Auf feuchteren Aeckern, (besonders auf Stoppeln der Winterfrucht), Feld- und
Hohlwegen u. der. gl., wie es scheint im ganzen Lande bis in die Gebirgsregion ver-
- breitet. — Prag: Stoppeln bei Chabern! — Štiřín náchst Eule (Sýkora)! — Trchowy
- náchst Čekaniz (Velenovský)! © Maleniz und Elschowiz bei Wolin! — Karlsbad (Corda)!
Michaloviz bei Jungbunzlau! — Turnau, stellenweise auf Aeckern und an feuchten Feld-
wegen massenhaft! — Waldgraben bei Stružinez náchst Libstadtel! — Jeschken, Sůd-
abhang auf Aeckern! — Vorberge des Riesengebirges und dessen Culturland, so bei Při-
chowiz, Neuwelt. — Hohenelbe. — Johannisbad. — Freiheit und Trautenau, da úberall
mit A. laevis die Ackerkrumme bewohnend! — Gualich! — Bad Rezek bei Neustadt an
d. Mettau! — Eschenberg oberhalb Mohrau beim Glatzer Schneeberg!
2. A. laevis L. (Corda: Monogr. Rhiz. et Hep. 1829. — Presl: Obrazy: XXII.
fig. 1524 u. 1528). — Thallus berall abgeflacht und glatt. Lufthohlen und Oeltropfen
fehlen. Involucrum gegen die Můndung etwas erweitert. Schleuderer u. Sporen gelblich ;
diese dichtgekórnelt.
Thallus dunkelgrůn, fettelánzend. Involucrum und Kapsel wie bei vor., diese aber meist
lichter gefárbt. Rosetten oft gegen 3 cm breit. Sonst wie vor.
Einháusig (oder polyoecisch ?) (©) Fr. im Sommer und Herbste.
Standorte wie beim vor., nebstdem auch in Waldgráben, in Gesellschaft vom
Sphagnen und in Gemůsegárten, wie der vor. verbreitet. — Štiřín náchst Eule (Sýkora)!
— Kolín (Peyl)! — Trchowy náchst Čekaniz (Velenovský). — Nordabhang des Blaniker
Berges b. Vlaším unter Sphagnum! — Platz in Sůdbohm. (Leonhardi)! — Rosenberg
oberhalb der Ságe im Waldgraben! — Bóhm. Kamniz (Karl)! — Turnau auf Sandfeldern,
besonders zwischen Waldstein und Gross-Skal in enormer Menge! — Reichenberg (Sieg-
mund)! — Am Fusse des Riesengebirges bei Tannwald. — Neu-Welt. — Hohenelbe. —
Johannisbad und Trautenau gemein! — Wiesengraben náchst dem Eingange in die Weckels-
dorfer Felsenvorstadt! — Feld in Unter-Adersbach ! — Adlerkosteletz an Kleefeldern gegen
Wyhnanow, da massenhaft! Grossmohrau und Lipka-Felder náchst Grulich, wohl der
hochste Standort!
I. Ordnung. Riceiaceae Dmrt.
Thallus gabelig getheilt, meist in Rosetten, met Poren auf der Licht- und dlatt-
artigen Schiippchen auf der Schattenseite. Kapseln stiellos, der Oberfláche eingesenkt
und mit deren Gewebe warzenfórmig úberwělbt. Sporen tetraedrisch, meřst netzfaltig.
Schleuderer fehlen.
i
14 Ricciocarpus. — Riccia, i
Gattungen: | |
1. Ricciocarpus. Thalluslappen mehrreihig schuppig. Antheridien in einer Reihe ©
der Mittelfurche. Poren durch einem Zellring umschlossem, mit grossen Luft- ©
kammern verbunden.
2. Riccia. Blattschuppen Zrečhig oder fehlend (R. cryst.). Antheridien veremzelt
in der Mittelfurche. Die Poren als Luftgánge oder Luftkammern im Alter oft
sehr erweitert.
1. Ricciocarpus Corda.
1. R. natans Corda. (Riccia natans L. — Salviniella . Hůben. — Presl: Obr.
XXII. fig. 1470). — Thallus in einzelne dichotomische Laubstůcke zerrissen. Diese Bret
verkehrt herzfórmig, 2- oder Alappig, omt třefer Mittelfurche, sonst flach. Rauchseite
mit langen lanzett-linealen Blattschuppen. Kapseln in gerader oder zackiger Reihe.
Sporen schwarzbraun, gekórnelt.
Laubstůcke dunkelgrůn, am Rande blass oder purpurn, gegen 5 mm lg. und 7 mm breit.
Unten purpurn. Blattschuppen (2reihig angelegt) spůter mehrreihig, purpurn oder blass, se/avach und
entfernt gezdhní, nur am der Landpjflanze mit Wurzelfasern untermengt. Bei der Fruchtreife fangen
die Lappen an sich dichotom zu zerreissen.j
Zweiháusig. — (©9)? — Frůchte sehr selten, im Herbste.
Auf stehenden Gewássern in der Ebene und Hůgelregion, bisher nur stellenweise
beobachtet. Selten auf fester Unterlage. — Bei Opiz schon 1823, von Haencke gesammelt
angefůhrt. — Kolín (Peyl, Veselský)! — Rakonizer Teich (Čelakovský). — Niemes (Lo-
rinser)! — Ražic bd. Písek im Bahngraben! — Frauenberg bei Budweis im Bahngraben!
— Boóhm. Fellern bei Budweis! — Im Graben des „Nový“ Teiches náchst Čekaniz und
in dessen Abfluss (Velenovský)! — Im Teiche „Velký Dubovez“ náchst Lomniz in Sůd-
bohmen (Weidmann)!
2. Riceia Mich.
a) Riccia im eng. Sinne. — Thallus rosettenfórmie, oft (in der Jugend) nur als dicho-
tomes Laubstůck sich prásentirend. Kapseln auf der Licht-seite des Thallus sich óffnend. —
Landpflanzen.
«) Lichenoides Bisch. Lappen oberseits glatt, oder nur durch aufstrebende Epi-
dermiszellen papillós.
+ Lappenrand ohne Haare und Wimpern.
1. R. glauca L. — Lappen úiberal! gleich dick, verkehrt eifórmig, linealisch
oder keilfórmig, abgerundet und ausgerandet, mehr oder weniger flach, nach den Enden
rinnenfórmig. Sporen gelb- bis dunkelbraun, oder schwarzbraun, met deutlichem Saume
gefeldert.
Blaugrůn, am Rande oft entfárbt. Rosetten bis 2'5 cm und einzelne Lappen 1—3'5 mm breit.
a) major Lindenb. — Lappen verkehrt eifórmig bis herzfórmig, mit Ausschluss der End-
Poe Jflach. Sporen gelbbraun, durchscheinend, mit Bedeutendem glatten Saume. Felder im Um-
fange 20—25. Die graden Sporenfláchen weniger regelmássig gefeldert.
0) minor Lindenb. Lappen keilfórmig, ring. Sporen dunkelbraun, weniger durchscheinend.
Baum unregelměsstg, fein gekórnelt. Welder im Umfange 16—18, grósser, auf graden Fláchen selten
regelmássic.
c) minima Lindenb. (non L.). Lappen lichtgrůn, schmal linealisch, flach. Sporen kaum
durchscheinend, mt breitem, bráunlichem nicht ganz glatten Saume. Alle Fláchen regelměssig, ge-
feldert; Welder meist 25!
Einháusig. — (© — (oder ausdauernd ?). Frucht im Sommer und Herbste.
Auf feuchter Gartenerde, Schlamm und Aeckern von der Ebene bis in die Ge-
birgstháler wohl gemein. — Prag, Vereinsgarten (Leonhardi)! Roztok (SchobI)! Sele (Opiz).
Chabern, Pelz und Tirolka! — Mičhálomiž bei Jungbunzlau! — Turnau! — Čekaniz, an
Ricoia. 15
be
Feldern bei Trchowy (Velenovský)! — Jeschken, Felder am Sůdabhang! — Reichenberg
(Siegmund)! — Tannwald, Příchowiz, Neuwelt und lángst am Fusse des Riesengebirges!
— Felder bei Adersbach und Neustadt an der Mettau! — Adlerkosteletz, Wyhnanow. —
Eschenberg oberhalb Mohrau!
| 2. R. sorocarpa Bisch. (Presl: Obr. XXII. fig. 1478). — Lappen unterseits
úberall stark verdickt, comnvex, lánglich, zugespitzt oder stumpflich. Oberfláche mit
scharfer Lčngsfláche, jedoch ohne Rinne, am Rande flach. Sporen undurchsichtig; Saum
unregelmássig, kaum durchscheinend. Ihre Grundfláche durch gekůrnelte dicke Leisten
gefeldert, Seitenfláchen dicht stachelig.
Rosetten blaugrůn, bis 1 cm breit, durch lange, dichte weissliche Wurzelfasern dem Substrat
fest angeheftet. Reife Sporen in schvwarzbraunem Hůujlein dem Laubstiicken aufsitzend,
Einháusig. (©) Frůchte im Sommer und Herbste.
Auf trockenen Lehnen, Waldabhángen, an Strassengráben, ja sogar auf denselben
„Lokalitáten wie R. glauca, jedoch nicht so háufig und zahlreich. — Prag: An Lehnen
und im Vereinsgarten (Leonhardi)! Waldabhang bei Záwisť! — Otawalehne unter der
sogen. „Flachsdórre“ bei Písek! — Felder bei Prachatiz unter R. glauca! — Turnau
- am Kleefelde! — Reichenberg (Corda)! — Am trockenen Strassengraben oberhalb Tann-
| wald gegen Přichowiz mit zahlreicherer R. glauca! — Kůniggrátz (Čeněk)!
| * R. minima L. Lappen keilfórmig, unterseits sehr verdickt und dunkelviolett.
- Sporen dunkelbraun, mit hellerem, durchscheinendem Saume. Felder klen, zahlreich, weniger regel-
mássig; ihre Leisten gekórnelt, dick. — Einháusig. © Fr. im Herbste und Winter. — Bis jetzt
nur am Fusse des Riesengebirges in ausgetrockneten Gráben bei Warmbrunn und Hirschberg
in Schlesien.
- Anmerkung. Nach F. Stephani (Neue und kritische Arten der Gattung Riccia) ist R. soro-
carpa Bisch. mit R. minima L. identisch, und daher der erstere Name einzuziehen.
(Siehe: Referat im Bot. Centralblatt, Bd. XXII. Nr. 12. pas. 356 Jahr 1885).
** R. bifurca Hoffm. Lappen je 2 divergirend, durch (aufgekehrte, dicke Laub-
ránder flach-rinnenfórmig, unterseits purpurn oder dunkelviolett. Sporen wenig oder undurchsichtig,
mit durchscheinendem Saume. Leisten der weniger gleich grossen Felder glatt. — Einháusig. O
© Fr. im Sommer. — Auf Ackern bei Hirschbers und anderswo (Cudova) in Schlesien, resp. in Glatz.
++ Laubránder mit Wimperhaaren oder Spreubláttchen.
3. R. ciliata Hoffm. Lappen Zťnear oder keilfórmig, verlůngert, am Ende
růnnig, schwach ausgerandet, am ganzen Rande mit steifen, einseitig verdickten Wim-
perhaarem. Sporen schwarz, undurchsichtig, durch gekórnelte Leistchen in kleine un-
deutliche Felder eingetheilt.
Rosetten seltener zusammenhángend, gegen 1 cm breit, beiderseits Blaugriin. Wimper-
borsten mehrreihig, besonders an trockenen aufwárts gebogenen Rándern auffallend. Sporensaum
nicht durchscheřnend, zuweilen stumpf záhnic.
Einháusig. (©) Fr. im Herbste.
Auf Kleefeldern, sandigen Flussufern, Bergabhángen und derel. in der Ebene und
Hůgelregion zerstreut. — Prag: bei Bubna und Podbaba, wohl am Moldauufer (Čorda in
Sturm Fl. germ.). Hetzinsel (Opiz) Vereinsgarten (Leonhardi)! — Ounětiz und Tupadly
schon im J. 1823 (Opiz). — Am Moldauufer gegeniber Roztok mit R. glauca und
R. crystallina! — Turnau: auf Kleefeldern bei Waldstein! — Kleefeld am Fusse des
Bósig (Márz 1880)! — Kleefeld bei Michalowiz náchst Jungbunzlau in enormer Menge!
4. R. Bischoffii Hůben. (Presl: Obr. XXII. fig. 1476 u. 1477.) — Lappen fast
rundlich verkehrt herzfórmig, mánnliche meist linear oder keilfórmig, mit schwacher,
gegen die Spitze tieferer und oft dreieckig erweiterter Furche. Schattenseite sehr
verdickt. Randwimpern kurz und spárlicher, an der Endbucht durch breitere Spreubláttchen
„vertreten. Sporen nicht gesumt. und ohne Felder, dřcht und fein warzig.
Rosetten sehr selten zusammenhángend, čfters in einzelne oder paarige Gabellappen
zerfallen, von 4 mm L. und 3 zm Breite. Blaugrůn, am Rande entfárbt, unterseits manchmal
ganz oder theilweise purpurn. Die Lichtseite mit dichten, besonders gegen die Lappenenden
„merklichen Papillen. Die „Wimpern“ entspringen der Schattenseite als Enden der Blattschuppen,
16 Ricoia.
und sind daher am umgerollten trockenen Rande oder gegen die Spitze mehr auffallend, aber nicht
so deutlich, wie běi der vor. Die Wurzelfasern laufen nur von der kielartigen Mittellienie aus. i
Zweiháusig. 23% (Gegenůber bisherigen Angaben). Fruchtet im Herbste.
Auf verwittertem, spárlich huměsen Silurschiefer. — Im J. 1878 in Chabern
náchst Prag am sogenannten „Schlósschen“ von mir entdeekt. Daselbst zu verschiedenen
Jahreszeiten beobachtet gedeiht sie, immer weiter sich vermehrend, fort, ohne dass an.
ihr bis jetzt die Frůchte angetroffen werden konnten. — Am Růcken des Dablitzer Berges
bei Prag mit bedeutenden Lappen am 14. Februar 1881! — In einer Felsenspalte des
Silurguarzes im Přemyšleňer Thal bei Prag, der Můhle gegenůber im Márz 1881!
PB) Spongodes N. v. E. Lappen-Oberfláche schwammig-gruftig.
5. R. crystallina L. (R. cavernosa Hoffm.) — Lappen gelblich griin, durch die
erwetterten Lufthóhlen sehr bald dícht gruftig und schwammartig, úberall fast gleich
dick. Blattschuppen der Unterseite fehlen. Sporen schwarzbraun, schwach durchscheinend,
durch gekórnelte Leisten in wenige (5-—7 im Durchm.) Felder getheilt. Randsaum braun,
fein crenulirt.
Rosetten 7 mm bis 2:5 em breit, Anfangs wie bethaut, glánzend, spáter matt. Die Haupt-
áste von kurzen Gabelástchen scheinbar erenulirt, am Rande ziemlich verdickt, sonst flach, oder nur
auf dem Láppchen seicht rinnig. Durch die Erweiterung der Anfangs kleinen Poren, wird die
Oberfláche schwammig und die gelbgrůne Farbe fahl, fast rostfarbig. — Obwohl fůr einjáhrig ge-
halten, entwickelt sie, wie ich an ihr im November 1879 beobachtet, am Lappenende einzelne
oder gepaarte Innovationen, wodurch sie sich wohl fůr den náchsten Frůhling weiter erhált. —
Die Sporen haben ungleiche Felder, bald rundlich sechseckige, bald lángliche. Der Saum pflegt
auch lichter vorzukommen.
Einháusig. (©), wenn nicht zugleich 24. Fr. im Sommer und Herbst.
Auf feuchtem fettem Grunde, besonders auf ausgetrockneten umgeackerten Wiesen,
Schlammufern, trocken gelegten Teichen und dergl., bisher nur spárlich beobachtet, jedoch
auf ihrem Standort oft massenhaft. — Reichenberg? (Corda?). — Sichergestellt wurde
sie zuerst von der Prager Umgebung, wo ich selbe im J. 1876 zugleich mit einer an-
deren Specialitát, námlich mit Juncus sphaerocarpus bei Chabern auf einer trocken
gelegten umgeackerten kleinen Wiesenfláche („bei den Teichlein“) zuerst gefunden. Daselbst
ist sie gánzlich verschwunden, erschien aber im J. 1879 auf áhnlicher nahen Lokalitát
(oberhalb des Strassenkanals) in enormer Menge. — Am Moldauufer gegenůber Roztok
unter R. ciliata und R. glauca! — Bei Kolín něordlich am rechten Elbeufer an der
Strasse nach Weltrub, auf feuchter Brache mit Scirpus supinus in Menge (1881
Celakovský)!
d) Ricciella A. Br. In aufrechten Rasen, oder in schmal linearischen, anscheinend
dichotomischen Lappen als Ueberzug feuchter Ufern, wenn nicht im Wasser lose herumschwimmend.
Sporenkapseln auf der Schattenseite sich entleerend.
6. R. fluitans L. (Riccia eudichotoma Bisch. — Presl. Všeob. Rostl. pag. 1825).
— Lappen sehmal linear, wiederholt gegabelt, jedoch oft mit uneleichen Láppchen, lángst
der Mittellinie schwach verdickt. Die Unterseite unterhald des Vegetationspunktes mat
einer, seltener doppelten, mečst purpurnen Blattscehuppe. Daselbst, vom Gipfel entfernt,
die Sporenbehálter. Sporen braun, durchscheinend, dreit gesdumt, durch hohe gekórnelte
Leisten auf der Grundflůche 2% ungleich grosse, wentger Felde getheilt. Leisten der Seiten-
fláchen zum The stachelartig, ungleichgross und unregelměissig in einander miindend.
Lappen 05 mm breit, ofters meist am Ende ein wenig breiter und, je nach der Lokalitát,
mehrere em lang. Die Lappenden sind theils gegabelt und dann jedes abgerundet, oder schwach
ausgerandet. Die Wasserpflanze hat keine Wurzelhaare. Die Sporenleisten čfters durch Stachel-
reihen vertreten. Wie bei Ricciocarpus ist auch da jede Pore durch einen Zellring umschlossen.
Einháusig. (© Fr. (auch bei Pflanzen, die zeitweise unter Wasser stehen) im
Herbste. —
In stehenden Gewássern, so in Teichen, Gráben, seltener an ihren Ufern (R. var.
canaliculata Hoffm.) stellenweise beobachtet. Prag: Baumgarten (Opiz u. andere)!
Marchantiaceae. 17
- Niemes (Lorinser)! — Jičín im Stadtteiche sehr zahlreich (Sitenský). — Počátek an der
"Iglau (Dr. Pokorný)! — Soběslau im Teiche „Nadýmač“ (Duda)! — Borkoviz bei Veselí
"und Tábor (Sitenský!) — Písek in Teichen bei Smrkowiz, oberhalb Smrkowiz gegen
- Hůrky in und an Wiesentůmpeln, und in Wiesengráben bei Ražiz stets massenhaft! —
- Im Teiche bei „Vodák“ (Velenovský)! — Bei Bóhm. Fellern náchst Budweis in Babngráben !
III. Ordnung. Marchantiaceae N. v. E.
* Thallusáhnlich, niederliegend, scheinbar gabelie getheilt, oberseits mit Poren,
© unterseits mit 2 Reihen Blattschuppen. Archegonien auf der Unterseite eines gestielten,
m, hut- oder schildfórmigen Receptaculums. Antheridien von © getrennt, entweder
-auf der Oberseite des Recept. oder in Gruppen auf der Lappen- Oberfláche. o veena meist
: in eigenen Fáchern und Hůllen, sehr kurz gestielt, unregelmů
. deckelartig sich offnend. Schleuderer entwickelt.
Familien:
1. Jecorarieae. Kapseln auf der Unterseite eines gestielten Receptaculums.
2. Lunulariae.*) Kapseln mit ihren Hůllen frei am verdickten Ende des gemein-
schaftlichen Trágers strahlig geordnet.
1. Familie. Jecorarieae N. v. E.
Gattungen:
a) Antheridien in Gruppen auf der Lappen-Oberfláche.
«) Blattschuppen am Rande oder in der Endbucht der Lappen auffallend hervortretend.
1. Grimaldia. Antheridien dicht am Lappenende in einer warzigen Scheibe. Der
© Blůthenboden kurz 2—4lappig. Sporen dicht gefeldert.
2. Fimbriaria. Antheridien auť der Oberfáche des Laubes zerstreut. Der ©
Blůthenboden fast gánzrandig. Sporen nur mit wenigen unregelmássicen Feldern.
PB) Lappenrand ohne deutliche Blattschuppen.
aw) Unterseite purpurbraun oder purpurn gefleckt.
93. Duvalia. Antheridien in die Lauboberfláche eingesenkt. © Blůthenboden rund,
ganzrandig. Kapseln braun, deckelartig aufspringend.
i 4. Reboulia. Antheridien in halbmondfórm. Scheiben vor dem Lappenende. Der
: © Blůthenb. 4—6lappig. Kapseln grůn, unregelmássig zerreissend.
| BP) Unterseite gleichfarbig, grůn.,
. Fegatella. Antheridien in rundlichen Scheiben der regelmássig gefelderten
Lauboberfláche. Der © Blůthenb. kegelfórmig, 5—8lappig.
o) Antheridien auf der Oberseite eines gestielten Blůthenbodens.
: 6. Preissia. Der © Blůthenb. kurz 38—5lappig. Laubrand schuppenlos. Brut-
3 knospenbehálter fehlen.
7. Marchantia. Der © Blůthenb. mit 9, 11 o. 13 langen Strahlen. Lappenrand
oft schuppig und dessen Oberfláche mit schůsselfórmigen Brutknospenbeháltern.
P
O1
*) Lindberg vereinigt beide Familien in der Fam. Marchantieae.
18 G rimaldia. — Firm briaria.
Anmerkung. Bei sterilen Pflanzen kann zu den Poren, als zuverlássigem Unterschei-
dungsmerkmal der Gattungen Zuflucht genommen werden, die nach folgendem Schlůssel gelóst
werden kónnen:
A. Porenzellen bilden einen geráumicen Vorhof zur Luftkammer:
Marchantia. Vorhof aus fůnf úber einander liegenden Zellrinsen gebildet. Sein un-
terer Ausgang gross, meist guadratisch.
Preissia. Vorhoť aus 4Zellringen bestehend. Dessen unterer Ausgang lánglich kreuzfórmig.
B. Luftkammern durch einfache Poren mit der Atmosphaere anastomosirend.
I. Die Luftkammer nur mit chlorophyllhaltenden, runden oder eliptischen, in Reihen ge-
ordneten Zellchen theilweise ausgefůllt.
a) Ein oder mehr concentrisch auf der Oberfláche gelagerte Zellkreise. Ihre Zellwánde
meist stark verdickt.
w) Drei oder mehrere Poren-Zellkreise.
Reboulia. Pore lánglich, mit 3 oder 4 Zellkreisen (die 7—8zellig) begrenzt. Ober-
fláchenzellen 7 den Bcken verdickt.
Lunularia. Vier Zellkreise von Porenzellen. Oberfláchenzellen úberall stark verdickt.
Pp) Ein oder zwei Poren-Zellkreise.
Grimaldia. Oberfláchenzellen úberall stark verdickt.
Fimbriaria. Oberfláchenzellen důnnwandig.
b) Einfacher Ring důnnwandiger Porenzellen. Porus undeutlich begrenzt, wie wenn durch
Auflósung eines Zellkreises entstanden.
Duvalia.
II. In die Luftkammer nur farblose schnabelfórmige Zellausláufer hineinragend.
Fegatella.
1. Grimaldia Raddi.
1. G. barbifrons (G. fragrans Cda. — Syndonisce Cda. — G. dichotoma Lin-
denbs. Mannia Opiz 1829). — Lappen am Rande und an der Bndbucht mit spreu-
artigen Blattschuppen. Antheridien in ečherzfórmiger Gruppe dicht am der Endbucht.
Gemeinschaftlicher Stiel auf bečden Enden mit fadenfórmigen Spreuschuppen. Recepta-
culum halbkugelig, 3—4lappig. Fruchtfácher 3—4, ohne Involucrum, mit je einer kugel-
runden, braunen Kapsel; diese deckelartig sich offnend. Sporen gross, durch hohe Leistem
in je 16—20 regelmůssige Felder getheilt.
Laub trůbgrůn, unterseits durch zerenfórmige, vielspaltige Blattschuppen purpurn. Epi-
dermiszellen klein, úberal? stark verdickt. Poren gross, von 2 concentrischen Zellringen umgeben.
Oberfláche im frischen Zustande flach, trocken stark rinnig. — Verbreitet einen gewůrzigen Duft,
der auch bei trockenen Pflanzen lánger bemerkbar ist.
Einháusig. 2%. — Fr. im April.
Auf sonnigen steinigen Lehnen álterer Formationen sehr selten. — Prag: Die
Exsicaten des kůn. Museums stammen von Podbaba her, wo selbe Corda, Presl (1823)
und Kosteletzky gesammelt. Die Lokalitát entdeckte ich 1878 am steilen Silurabhang
westlich von der Ruine, wo die Grimaldia theils in grossen Rasen, theils zerstreut den
Humus bedeckt, aber nur seltener mit Kapseln angetroffen wird. In den Garten trans-
locirt gab sie bereits reichliche Frůchte.
2. Fimbriaria N. v. E.
1. F. pilosa Tayl. (F. tenella N. v. E.) — Laub klein, unterseits stark gektelt.
Antheridien in der Oberfláche zerstreut etngesenkt. Tráger des gem. Fruchtbodens kahl,
am oberen Ende ohne herabhůngende Spreublěittchen. © Receptaculum 4fácherig. Invo-
luerum franzenartig, weit herausragend, mit je einer olivenfarbigen, kugeligen, deckel-
artig aufspringenden Kapsel. Sporen mit wenigem grossen, meist unregelmůssigen Feldern.
Lappen lineavisch keilfórmig, bis 1 cm lang, oberseits grůn, kleinzellig, Zellen diinmwandig.
Poren mit 2, oft undeutlichen concentrischen Zellringen. Der purpurne Rand schwach gekerbt,
aufgerichtet,. Fruchtboden halbkugelig, fast ganzrandig, hanfkorngross, durch weit austretende
Involucra gekennzeichnet.
Duvalia. — Reboulia. — Begatella. 19
Einháusig. 4 Fr. im Sommer.
An sonnigen Stellen in huměsen Felsspalten und auf zersetztem Gestein sehr
selten. — Riesengebirge, um das J. 1807 von Ludwig auf unbestimmter Lokalitát ge-
sammelt. Móslich, dass Schlesischerseits, woher sie durch Milde und Uechtritz auch
ekannt ist. — Auch im Gesenke (Limpricht 1870).
3. Duvalia N. v. E.
1. D. rupestris N. v. E. (Grimaldia Lindenb.) — Laub klein, úberall fast
„gleich dick, mit verkehrt efórmigen Lappen. Epidermiszellen 5—6eckig, diinnwandig.
Poren mit undeutlichem Ring důnnwandig. Zellen umschlossen. — Axthliricse zerstreut
-dn die Oberfláche eingesenkt. Gemeinschaftl. Tráger an beiden Enden mit kurzen Spreu-
- bláttern. Receptaculum hanfkorngross, 3 —4fácherig, mit je 1, deckelartie aufspringenden
- Kapsel ohne Involuerum. Sporen gross, durch geschlángelte "Pltehon undeutlich netzvg,
; schmal gesiumt.
jh Lappen oberseits warzig, grůn, meist mit breitem purpurbráunlichen Saume. Unterseits
- purpuru oder am Ende grůngelb. Lappenlánge 4—15 mm; Br. 2—6 mm.
Einháusig. 4 Fr. im Sommer.
Auf sonniger kalkhaltiger Unterlage der oberen Bergregion, selten. — Bisher
nur im Riesengebirse auf den „alten Halden“ im Riesengrunde von Flotow und spáter
von Limpricht gesammelt!
4. Reboulia Raddi.
1. R. hemisphaerica Raddi. (Marchantia L. — Conocephalus Dmrt. — Achiton
E onadratum Corda. — Grimaldia Lindenb.) — Endlappen drei verkehrt herzfórmig.
- Oberfláche fečnwarzig, spáter lederartig und glatť. Ihre Zellen n den Ecken verdickt.
- Poren in der Richtung der Lángenaxe verzogen, mit 3——4 -concentrischen Zellringen,
© deren Zellen diametral geordnet. — Antheridien in halbmondfórmigen sitzendem Scheiben
- vor der Endbucht. (Gem. Tráger oben mut langen, unten mit kiirzeren Spreubláttchen.
- Receptaculum halbkugelig, mit warzigem Gipfel, 4—6lappig. Fácher 2klappig mit je
einer griimgelben, unregelmůsstg zerreissenden Kapsel. Involucrům fehlt. Sporen brdun-
lichgelb, durch hohe Fáltchen in, selten regelmássige Felder getheilt. Schleuderer gelb.
p ny p V K podm Wpraný | A
In grossen Úberzůgen, deren Randlappen durch Innovationen oft wie crenulirt und kraus
erscheinen. Lappen bis gegen 7 mm lang und ebenso breit, grůn, trocken graulich unď glatt. Gem.
Tráger 6 mm oder darůber lang, unten dicker und bráunlich, oben grůnlich. — Auf Herbarpflanzen
- erscheint durch Anfeuchten die Oberfláche wieder dichtwarzic.
Ein- oder zweiháusio. 2 Fr. im Mai.
An sonnigen Lehnen und Bergabhángen auf huměser Unterlage, selten. — Písek
"an der Otawalehne náchst der sogen. Flachsdórre im Sommer der J. 1873-—74 mit
© bereits eingetrockneten Frůchten von mir gesammelt. — Gross-Bósig, rechts am Kreuz-
- wege (in der Mitte) in nur wenigen Exemplaren, jedoch mit deutlichen Antheridien-
Scheiben in Márz 1880! — Zwischen Chotzen und Brandeis an einer Lehne der Stillen
© Adler náchst der Michover Můhle in Gemeinschaft der Marchantia und Polyp. Rober-
tianum, Mitte Mai 1880. fruchtend (Dr. L. Čelakovský)! — Die von Nees in der Nat.
d. eur. Leb. IV. Th. angefůhrte Lokalitát von Prag (Corda), woher dieser die Reboulia
als Rhaktocarpon beschrieben hatte, scheint auf einer Verwechslung zu beruhen.
5. Fegatella Raddi.
1. T. conica Raddi. (Marchantia L. — Conocephalus vulg. Bisch. — (on. ne-
morosus Hůben. — Presl: Obr. XXII fig. 1473—74 und XXIII fig. 1525.) — Laub
> beiderseits grin, oben deutlich Gseitig gefeldert, mit warzenfórmig aufgetriebenen,
20 Preissia, — Marchantia.
grossen, hěutigen Athmungsorganen. Poren mit grossen Luftkammern verbunden, von
5 concentrischen Zellringen umzingelt. — Antheridien 7 kretsrunden Scheiben am Ende
kiirzerer Seitenlappen. Receptaculum lang gestielt, 5—8fácherig, mit je 1, einkapseligem,
rohrenformigem Involucrum. Kapsel durch 4—8 Záhne sich offnend, lánglich birnfóormig,
braun. Sporen in der Kapsel kečmend, wodurch gross und melvrzellig, griim, dicht warzig.
Laub gross, mit abgerundeten oder ausgerandeten, daselbst háufig lángliche, stark zurůck-
gekrůmmte Innovationen tragenden Lappen.
Zweiháusie. — 2 — Fr. im Frůhjahr.
In Wáldern und an schattigen Flussufern, selbst an feuchten schattigen Mauern,
von der Ebene bis aufs Hochgeb. verbreitet, stellenweise massenhaft. — Prag im Wasser-
becken d. bot. Gart. (Leonh.)! — Medník bei Štěchowic. — Čáslau. — Blaník ete.
6. Preissia N. v. E.
1. P. commutata N. v. E. (Marchantia hemisphaerica L. — M. commutata
Lindenb. — M. guadrata Web. — P. italica Corda. Opiz Natural. p. 647 (J. 1829). —
Laub ausdauernd dicht warzig, reichlich innovirend, weniger oft gabelástig. Innovations-
Lappen verkehrt herzfórmig. Oberfláchenzellen 6seitig, diinnwandig. Poren zahlreich:
ihr Vorhof aus 4 Zellringen gebildet. Antheridien auf der Oberfiche eimer gestielten
kretsvunden Scheibe. Receptaculum halbkugelig, schwach selappt, mit 3—5 freien Fáchern,
mit je 1—3 glockenfórmigen, 1 frůchtigen, 4—5theiligen Hůllen. Kapsel dunkelbraun,
4—8záhnig. Sporen gross, rothbraum, unregelměssig hěckerig und kaum netzigfaltig,
mit durchscheinendem crenulirtem Saume.
Lappen grůn, unterseits und am Rande meist purpurbraun. Seltener mit schwarzbraun
gefleckter Oberfláche (March. nigromaculata Opiz). Innovationen je 1—2 an den Endlappen. Mittel-
rippe stark, dichtwurzelfaserig. Schleuderer kurz, braun. Sporen "4% m brelit.
Einháusie. — 2 — Fr. im Frůh-Sommer.
Auf Urcestein, Sandfelsen und Sandboden, sowie auf kalkhaltigem Substrat, auch
an Mauern, im ganzen Gebiete zerstreut. — Prag: Liboz bei Stern an Sandsteinfelsen
(bereits von Opiz im J. 1816, spáter von And. gesammelt)! Cibulka (Reich ?)! — Jung-
Bunzlau auf der Lehne gegen Neubere! — Turnau, unterhalb Kadeřavec auf sandiger
Waldblósse! — Bei Sloup und Swojkowitz im leitmer. Kreise (Hocke)! — Kuttenplan
im westl. Bóhmen an der Abflussmauer des Regenteiches (Celakovský)! — Ledeč unter-
halb der Stadt an der Sázavalehne gegen Šeptouchov! — Isergebirge (Limpricht). —
Riesengebirge: Johannisbad náchst der Waldschenke (N. v. E.), daselbst jedoch im J. 1879
von mir vergebens gesucht; Elbethal (J. Kablík)! óstlich am Fusse des Finstersteines! —
Am Wege von der Schneekoppe in's Aupathal (Funek)!
1. Marchantia (March. úl.) L.
1. M. polymorpha L. (M. coarctata; M. stellata; M. macrocephala; M. Syckorae
Corda. — Presl: Obr. XXIT und XXIII fig. 1495, 1504, 1514, 1518.) — Laub ober-
seits mat grossem, metst vhombischen Felderm, mit Poren in deren Mitte. Poren-Vorhof
aus 5 Zellringen gebildet. Antheridienscheibe gestielt, kurz, lappig, oberseits mit ein-
gesenkten S. Receptaculum 9, 11 oder 13strahlig, daztwtschen mat fransigen Frucht-
fáchern, zu je 3—6, etnfriichtigen Hiillen. Kapsel lánger gestielt, gelblichgriin, durch
Záhne sich čffnend. Sporen kleďn, gelb, glatt. Schleuderer lang.
Laub ausgebreitet oder aufcerichtet, gelblich- oder dunkelorin, čfters lánes der Mitte
schwarzbraun. Meist mit schůsselfórmigcen Brutknoppen-Beháltern an der Mittelrippe. Rand manchmal
mit, von der Unterseite hervorragenden Blattschuppen markirt. — Die Torfpfianze, welche Corda
als M. coarctata beschrieben, zeichnet sich durch sehr verlůngerte Receptaklstiele und rosenrothe
Fruchtfácher aus. Dessen M. stellata ist eine zarte breitlappige Form mit zahlreichen Brut-
knospenbeháltern.
a) communis. Lederartig bis důnn-durchscheinend, deutlich und gross gefeldert. Mittelrippe
Lunularia. sad
meist schwarzbraun (var. aguatica). Lappenrand oft schuppig (var. domestica). Weibliche Scheiben-
strahlen schlank, meist lánger als der Scheiben-Durchmesser. — Gemein.
b) alpestris Gottsche. (M. Kablikiana Corda). Laub fest-lederartie, glatt, mit kleineren
— Feldchem auf der Oberfláche. Endlappen in je 2 ungleiche Láppchen getheilt, von den nur einer
sich weiter entwickelt. © Scheiben-Strahlen kůrzer, zeitwéise aufgerichtet. Fruchtfácher mit vielen
—— Kapseln. — Seltener, Gebirgspflanze.
Zweiháusig, obwohl © und G oft in einem Rasen. — 2 Fr. im Sommer.
An feuchter Thon- oder Stein-Unterlage von der Ebene bis aufs Hochgebirge
—— gemein. — So z. B. am Gipfel der Schneekoppe! — bd) selten. Hohenelbe (Josefine
Kablík)! — Wosek in Westbohmen (Corda)!
2. Familie. Lunularieae N. v. E.
1. Lunularia Mich.
1. L. vulgaris Mich. (Presl: Obr. XXIII. fig. 1510). Laub obersetis mit un-
regelmůsstg sechseckigem, gegen den Rand meist 4eckigen, grossen Feldern und mit
- mondsichelfórmigen Brutknospenbeháltern. Poren ohne Vorhof, mit 4 concentr. Zell-
ringen umschlossen. Gemeinschaftl. Tráger mit 2—6, wagerecht gestellten, rohrenfoór-
migen Fruchtfáchern, mit 1, lánger gestielten, gůnzlich sichtbaren, dunkelbraunen Kapsel.
Diese bis zur Basis mit 4, zweitheiligen, gedrehten Klappen sich offnend. Sporen klein,
tetrádrisch-rund, gelb und glatt. Schleuderer sehr lang, 2spirig, meist an der Klappen-
spitze haftend.
Laub beiderseits grůn, oder unterseits bráunlich, 1—2 cem lang und 5—8 mm breit, am
Sprossende mit theilweise sich deckenden Seitenláppchen. Innovationen háufig.
Zweiháusig. — A — Bei uns steril, nur mit Brutknospenbebáltern.
Aus Sůd- oder West-Europa, wo sie einheimisch, in unsere Treibháuser ver-
schleppt, wo sie Blumentópfe und feuchte Mauern oft zahlreich ůúběrzieht, und woher
selbe auf schattige Blumenbeete ins Freie ůúbersiedelt. — Prag: im Vereinsgarten im
J. 1878 im Freien gefunden, wo sie bis heutzutage den Standort wechselt, und auch im
milden Winter mit Brutbeháltern zu finden ist! — Turnau im Gartenetablissement des
H. Korselt!
IV. Ordnuno. Jungermanniaceae Corda (N. v. El).
I. Jungermanniae anacrogynae Leitgeb. (J. frondosae Autorum).
Pílanze thallusáhnlich (nur bei Fossombronia in Stengel und Blitter gegliedert),
ohne Blattschuppen, oft mit Keulenpapillen an der Endbucht, seltener mit Randbláttchen
oder mit blattáhnlichen Organen auf der Oberseite. — Kapselstiel (seta) vor dem Scheitel
entspringend, an der Basis mit kelchartigem Involucrum oder mit vertieftem Fruchtaste
umhůllt. Kapsel 4klappie aufspringend.
1. Familie. Metzgerieae.
Thallus einzellschichtig mit deutlicher mehrzellschichtiger Mittelrippe, aus deren
Ventralfláche kurze Geschlechtsáste emporkommen. Lappen, besonders unterseits an der
Rippe mehr weniger dicht behaart. — Geschlechtsorgane in Reihen an der Rippenschat-
tenseite. Haube verlángert keulenfórmig, dicht behaart. Kapsel kurzstielig, 2schichtig.
Sporen tetrádrischrund, grůngelb, dreimal so breit als die einspirigen Schleuderer.
29 Metzgeria. — Aneura.
1. Metzgeria Raddi.
1. M. pubescens Raddi. (M. tomentosa Hoffm. — Echinomitrium furcatum var.
pubescens Corda in Sturm Fl. p. 138. tab. 38). Laub schmal- bandfórmig, sabelástie,
zuweilen mit Randsprossen, beidersevs dicht weichhaarig. Mittelrippe betderseits vor-
tretend, 10—14 Zellen breit, mit mehrreihigen, von den inneren micht verschiedenen
Oberffáchen-Zellen bedeckt.
Laub mit wechselseitigen, kůrzeren, meist 1—2 nm breiten Lappen, grau oder gelbgrůn.
Geschlechts-Astchen beiderseits behaart.
Zweiháusig. — 24 — Frucht bei uns unbekannt.
In schwammig polsterfórmigen Rasen an kalkhaltigen Felsén oder Laub- und
Nadelbáumen, besonders an Flussabhángen zerstreut, — Schon bei Opiz 1816. Auf Wald-
báumen (?) Hartmann ! — Štěchowitz náchst Prag an Felsen der Moldaulehne massenhaft!
Wald bei St. Prokop (Kalmus)! — Muckkendorf (Rybička)! — Tepliz (Winkler)! —
Turnau an Nadelstámmen der Iserlehne selbst an jungen Fichtenstámmen! — Hóchste
Erhebungen des Iser- und Riesen-Gebirges, jedoch spárlich (v. Flotow, Limpricht). —
Sůdbohmen bei Krumau an Felsen und Báumen (Jechl, Jungbauer)!
2. M. furcata Dmrt. — N. v. E. (Jung. L. — Echinomitrium Hůben; Corda
in St. Fl. tab. 21 u. 22. — Presl: Obr. XXII fig. 1493 und XXIII fig. 1511—12.).
Lappen unterseits an der Mttelrippe, am Rande oder zuglech auf der Lappenfláche
behaart, oberseits kahl. Rippe unterseits mit 2—6, oberseits nur von 2 Lángsrehen
grósserer Zellen úberzogen. Ráschen gelblich- oder dunkelgrůn, trocken selten indigblau.
Zellnetz wie bei vor., regelmássig Geckig, gross, durchsichtig, in den Ecken schwach
verdickt. Oft mit zahlreichen Rand- oder von der Rippe ausgehenden Sprossen und mit
Brutknospen am Ende verdůnnter Lappen. — Kapsel kurz sgestielt, rundlich. Sporen
tetraedrischrund, grůnlichgelb, dicht gekórnelt. Schleuderer 1spirig.
a) linearis (Lindb. sp.) Zweihůusig. Stark, verláncert, regelmássig gabelig, zit úberall
glech breiten Lappen. Haare auf der Rippe und am Rande. Rippe bežderseits mit 2 Zellreihen bedeckt.
b) conjugata (Lindb. sp.) — (M. laetevirens Op.). Binhčustg. Verkůrzt, dreitlappig (1 mm):
Lappen čfters am Rande zurůckgerollt. Haare auf der ganzemn Unterseite. Řippe unterseits mit
3—6 Zellreihen úberzogen. — Meist dunkelserůn.
c) furcata (Corda, Lindb.). — Zwethůusig. Lappen kleiner und schmáler, unregelmássig
getheilt, und meist reichlich Sprossen tragend. Unčterseits fast kahl oder spárlich behaart. Rippe
unlerseis mt 4 Zellreihen úberzogen. — Blass gelblichgrůn.
Ein- oder zweiháusig. — 2 — Frucht im Oktober, var. c. steril.
An Baumrinden, Felsen, auf Moosunterlage, séltener auf blosser Erde von der
Ebene bis aufs Hochgebirge gemein. Var. a) bisher nicht beobachtet. Var. d) und c)
meist beisammen. — Prager Umgebung. — Kolín. — Nimburk. — Kuttenberg. —
Turnau. — Jeschken. — Bůsig. — Bóhm. Leipa. — Blaník. — Třemšín in Brdagebirge
und bei Obecniz. — Písek. — Blánsker Wald. — Marienbad. — Tepliz. — Boůhmerwald.
— Iser- und Riesen-Gebirge. — Glatzer Gebirge an den Marchguellen !
2. Familie. Aneureae.
Thallus blattlos, handfórmig viellappig, fast regelmássig gefiedert, gegen die Axe
verdickt. Alle Zellen oleichartig. Geschlechtsáste seitlich. Haube mehrschichtig, fleischig,
zuletzt gegen das Ende hůckerig. Kapselstiel lang, Kapsel oval oder lánelich mit pinsel-
fórmigen geháuften einspirigen Schleuderern und kleinen Sporen.
1. Aneura Dmrt.
w) Geschlechtsáste kurz, seitlich in den Einbuchtungen der Seitenránder. Lappen
fast rechtwinklig abstehend, unregelmássie gabelie verzweict, arósstentheils breit (5—10 mm), und
am etwas w elligen Rande seicht seschw ret,
Aneura. 23
1. A. pinguis Dmrt. (Jung. L. — Metzgeria Corda: St. Fl. tab. 15. — Tri-
chostylium affine Corda: l. c. tab. 34. — Gymnomitrium Hůben). — Laub fettglánzend,
schmal linear (č) oder bedeutend breiter, meist brůchig, flach, bisweilen am Rande
wellig, am Ende breiter, stumpf abgerundet oder seicht ausgerandet, durch blassgelbe
Wurzelfasern fest angeheftet. Die 8—10 Schichten dicke Laubaxe allmáhlig in den 3-
und 2schichtigen (selten 1schichtigen) Rand úbergehend. — Antheridienáste zahlreich,
rundlich. Haube zuletzt walzenfórmig, bis úber 5 mm lang, etwas behaart. Kapsel oval.
Sporen dicht gekórnelt, etwa um die Hilfte breiter als die Schleuderer.
Vielgestaltig. Dunkelgrůn. G Pflanze kleiner; oder S an, bis 2 mm langen Seitenláppchen.
Kapselwand mehrschichtig, innere Schicht mit dicken Halbringfasern. Schleuderer an kurzen Ela-
terentrágern am Klappenende.
Zwei- oder einháusig..— 2 — Frucht im Frůhjahr.
An feuchten Gráben, an Guellen, triefenden Felsen, Sumpfwiesen von der Ebene
bis aufs Hochcebirge zerstreut. — Prag: an kalkhaltigen Guellen bei Kuchelbad ce. fr.
(Leonhardi)! Chabern an kalkiger Guelle um Mitte Mai 1880 mit Frůchten! An Bahn-
- tůmpeln zwischen Neratovic und Liblic! — Lyssa im Bahngraben! — An den Bahn-
tůmpeln náchst der Station Uhřiněves reichlich und noch am 21. Mai 1881 c. fr.! —
Sůdbohmen: Budweis (Jechl)! — Bóhmerwald: Blánsker Wald, St. Thomas, Kuschwart,
Nordabhang des Arber! — W. Bóhmen: Wildsteinruine (Corda). — Nd. Bóohmen: Turnau,
unterhalb Kadeřavec auf sandigen feuchten Waldwiesen! Waldguelle unterhalb Waldstein !
Kalkige Iserlehne im Farářství zahlreich! — Sůdabhang des Jeschken! — Schwarzer
Teich bei Niemes (Sitenský)! — Riesengebirge: an der Elbe (Milde). — Wiesengraben
bei Neuwelt! — Auf feuchtem Glimmerschiefer des Finstersteines an der Elbstrasse gegen
Hohenelbe! (Durch H. Limpricht vom Isergebirge nicht angefůhrt).
P) Einfach bis doppelt fiederig; Lappen schmal, ausgebreitet.
2. A. latifrons Lind. (A. palmata «) major und f) laxa N. v. E.) — Laub
durchscheinend. Lappen důnn, flach, bandfórmig oder lánelich keilfórmig, 5 oder 4schichtig,
mit 1zelliger Randschicht. Oberjláchenzellen gross, lůnglich-rhombisch, wenig oder gar
nicht verdickt. Haube 2—5 mm lang. Sporen so breit als die Schleuderer.
Grůn bis gelberůn, in breiten dichten Ráschen oder vereinzelt zwischen Sumpfmoosen.
Lappen-Enden breit abgerundet, deutlich ausgerandet.
Einháusig, zuweilen beide Geschlechter auf demselben Lappen (Gam. paroicum).
— 2 — Frucht im Mai, an Bergpflanzen im Sommer.
Auf faulendem Holze oder zwischen Sumpfmoosen, mit Á. palmata oft gemein-
schaftlich; ziemlich selten. — Turnau: am Sphagnetum bei Kurovodic! — Bóhmerwald
in Torferáben unterhalb Kuschwart zahlreich! An faulenden Strůnken am Arbersee!
-k A. pinnatifida N. v. E. — Einfach oder doppelt gefiedert. Lappen am Ende
mehrmals eingebuchtet, fast der ganzen Breite nach mehrschichtig. Zellen je mt 1—5
grossen, dunkelbraunen, durchs Trocknen nach Jahren sich aufldsenden Oeltropfen. —
Zweiháusig. 4 — Frucht im Frůhjahr. In dicht gedránsten schwellenden Rasen
oder polsterfórmigen grůnen bis schwárzlicherůnen Ueberzůgen an Steinen und Holz in
Báchen der Schlesischen Sudetenabhánge ziemlich selten.
* A. multifida Dmrt. — Hauptáste kammfórmig doppelt gefiedert. Lappen
anscheinend gerippt, im Auerschnitt linsenfórmig, weil die Axe dicker (10schichtig), als
der 3—5 Zellen breite, am Rande 1zellschichtige Fláchentheil.
Einháusig. — A — Frucht im Frůhjahr.
In kleinen grůnen oder gelberůnen Ráschen, auch zwischen Laubmoosen in
feuchten Wáldern, an Wiesen, Grabenrándern, Sandsteinfelsen schlesischerseits an mehreren
Stellen beobachtet.
v) Hauptáste niederliegend, in aufrechte Lappen handfórmig verzweigt.
3. A. palmata Dmrt. (A. palmata y) polyblasta N. v. E. grósstentheils. — Sar-
comitrinm palmatum Corda: St. FI. tab. 35.) — Laub nicht durchscheinend, dunkelgriin
24 Blasia.
oder gebráunt. Die aufrechten Lappen am Ende kaum ausgerandet, am Rande nicht
1zellschichtig, sondern flach gewělbt; sonst die Laubaxe 6 oder šzellschichtig. Ober-
Jichenzellen kletn, grósstentheis rumdlich, dickwandig. Haube klein. Sporen fast glatt.
Láppchen, gegen 05 mm breit und 2—4 mm lang, in der Regel stumpf abgerundet.
Zweiháusie. — 24 — Frucht im Frůhjahr.
In Wáldern an faulenden Strůnken, auch an Sandsteinfelsen dichte, niedrige,
aber weitláufige Ráschen bildend, zerstreut und meistentheils in Gebirgswáldern reichlich
erscheinend. — Mittelbohmen: Štiřín (Sýkora)! — Sůdbohmen: Krumau (Jungbauer)!
— Hohenfurth bei der Teufelswand, St. Thomas, Kuschwart! Moldauguellen ! — Riesen-
gebirge (Limpricht).
9. Familie. Haplolaeneae.
Mittelrippe des thallusáhnlichen Stammes breit und mehrschichtig, jedoch von
den Seitenfláchen wenie oder undeutlich begrenzt. — Geschlechtsorgane auf der Růcken-
seite, durch Úberwallung einzeln ins Gewebe versenkt. Frucht meist endstándig, lang-
stielig, mit kurzer oder fehlender Hůlle, ohne Kelch, gelblich, 2schichtig. Sporen vielmals
breiter als die langen gelblichen, meist centralstándigen Schleuderer.
Gattungen:
1. Blasia. Laublappen am Rande in 1schichtige, oberschláchtige Blátter ber-
cehend, an deren Basis unterseits je 2 Blattóhrchen bemerkbar sind. — Gegen
die Lappenspitze viele Brutschuppen, oder zugleich flaschenfórmigen Brutknospen-
behálter. Hůlle niederliegend, durch walzenfórmige, schief nach vorn gerichtete
Auftreibung der Oberfláche gebildet.
2. Pellia. Blátter, Ohrchen und Brutknospenbehálter fehlen; jene oft durch Keulen-
- papillen an der Endbucht vertreten. Hůlle mehr oder weniger aufrecht, kelchartig,
am Rande crenulirt oder zerschlitzt, dicht vor der Endbucht.
1. Blasia Mich.
1. B. pusilla L. (Jung. Blasia Hook. — B. Hookeri, B. Funckii, B. germanica
Corda in St. Fl. tab. 13, 23 und 37. — Presl: Obr. XXIII fig. 1494 und 1523.) —
Laub in strahligen Rosetten, seltener aufrecht, durch die dichtere Blattstellung am Um-
fange wellig gelappt, unterseits nahe am Rande und besonders gegen die Spitze mit
schuppenfórmigen Unterblěittern. © Antheridien an der Mittellienie in 1 Reihe, einzeln
von der Oberfáche hockerartig úberwólbt, gelblich. Sporen 1zellig, rundlich.
Mit weisslichen Wurzelhaaren meist eng angeheftet, wird die Pflanze an feuchterem
Standorte oft grósstentheils aufrecht. Randblátter an schmalen Lappen entfernter und kleiner, da
meist bis zur Mittelrippe reichend, die, an frischen Pflanzen meist undeutlich, durchs Trocknen
erst bemerkbar wird. Brutknospen oranefarbig, ihre Behálter meist zahlreich, lánger geschnábelt.
Kapsel langgestielt, kurz oval. Die Hůlle kanalartig, der ganzen Lánge nach mit Lauboberfláche
verwachsen, mit enger Můnduns. Schleuderer sehr lang, meist 2spirig. — G Pflanzen kleiner und
seltener; sterile und © Rasen breitlappiger, und besonders die Knospentragenden leichter anzutreffen.
Zweiháusig, — 2 — Frucht seltener, im Frůhjahr.
Am feuchtem Lehmboden, in Hohlwegen, an Flussufern und Strassengráben von
der Ebene bis an den Fuss der Gebirge zerstreut. — Prag: Baumgarten (Opiz). —
Konopischt bei Beneschau am Strassenkanal! — Sázawa, náchst der Stadt am Waldbache!
— Písek am Flussufer bei der Schwimmschule! — Budweis (Jechl)! — Kónigswerth
im westl. Bohmen (Leonhardi)! — Nixdorf (Fischer [1823] und Neumann)! — Herrns-
kretschen (Rabenhorst). Turnau, im Strassengraben gegen Hruschtiz! — Zbraslawiz
und Haindorf (Corda). — Petersdorf und Aualich an der Waldstrasse gegen Adersbach
yhě
Pellia. 25
massenhaft! — Rothfloss bei Grulich! Wildenschwert! Stružinez und Rudolfoviz bei Lib-
„stadtel! — Bůhmerwald: Teufelsmauer im Waldgraben! — Gráben bei Obecniz im Brda-
- gebirge (Freyn)! Trchowy bei CČekanic (Velenovský)! — Fuss des Riesengebirges: Jo-
- hannisbad im Waldpark!
2. Pellia Raddi.
a) Einháusie, Antheridien an der Mittelrippe unterhalb des © Involucrum.
1. P. epiphylla Dillen. — (Presl: Obr. XXIII fig. 1527). — Laub der fruch-
- tenden Pflanze fast flach und glatt, sehr brei, am Emde mehrfach eingebuchtet, in
der Axe 14—16 Zellschichten dick, am Rande 1schichtig. Involucrum gegen das Laub-
ende gečdjfnet, am schrágen Rande ungleich zerschlitzt. Haube west emporgehoben. Innen-
schicht der Kapsel mit zahlreichen Halbringfasern. Sporen reifer Kapseln als mehrzelliger,
* ellýptischer, grimer Vorkečm auftretend. Elaterentráger 20—36, bráunlich, am freien
- Ende hakenfórmic.
Rasen ausgedehnt, flach, grůn, seltener theilweise purpurn, vorne bis 15 cm breit. Haube
und Involuerum oft rosenroth. Die Lappenbucht meist mit kleinen Innovationsláppchen gekenn-
zeichnet. — Laub durchs Trocknen záhe, lederartig.
Einháusig. — Frucht im Frůhjahr.
An Auellen und Báchen, triefenden Felsen und feuchten Abhángen, zerstreut,
und besonders im Hůgelbaude auftretend. — Turnau: in weiten Úberzůgen an feuchtem
schattigen Sandstein bei Rothstein! © Antoniusguelle im Bad Wartenberg! — Jeschken !
Reichenberg (Langer)! — Reichstadt (Mann)! — Hohenelbe (Josefine Kablík)! Kranichs-
wiese (Sitenský)! — Teplitz (Winkler)! — Unter-Králowiz am Želivka-Flusse! — Bere
Blaník! — In der Litavka bei Obecnic im Brdygebirge (Freyn)! — In Wáldern bei Rož-
mitál (Velenovský)!
b) Zweiháusie: beide Geschlechter an verschiedenen Lappen desselben Rasens. (Sehr
selten erscheinen G' und © an einem Lappen unter anderen eingeschlechtigen).
2. P. Neesiana Gottsche. — (P. epiphylla var. fertilis N. v. E. — P. endi-
„viaefolia Dmrt. — P. epiphylla var. aeruginosa Corda: Sturm, pas. 141. tab. 39.) —
Lappen metst flachrandig, fruchtend 7—10 mm breit, in der Mitte 10—12 Schichten
dick. — Involucrum entweder nedrig, kelchartig oder lčnger, vohrenfórmig, rings ge-
schlossen oder vorne klaffend, gestutzt oder crenulirt. Haube mehr oder wemiger her-
vortretend. Innenschicht der Kapsel mit Halbringfasern.
Laub důnner als bei vor; meist purpurbraun, seltener grůn, fest am Boden kriechend.
Zweiháusig. — 24 — Frucht selten, im Frůhjahr.
An feuchten schattigen Lagen, in Hohlwegen, bei Waldguellen, in Wassergráben
und Moortůmpeln der Hůgel- und Gebirgs-Region háufiger. — Turnau: an der Iserlehne
„Farářství“, obwohl zahlreich und meist steril, doch auch spárlich fruchtend gefunden !
Reichenberg (Siegmund, als Fabronia Raddi)! — Krumau (Jungbauer)! — Worlík (Se-
kera)! — Bóohmerwald: Kuschwart am Bache, Fischerfilz und sonst háufig! Arber-Abhang!
Am Lakka-See (Čelakovský)! — Riesengebirge: verbreitet, so auf den Elbguellen, am
Weisswasser, bei St. Peter, an der Iser bei Wurzelsdorf! — Adersbach und Weckels-
dorf! — Glatzer Schneeberg an den Marchguellen. — Ezsebirge (Knaf sen.)!
u, calycina N. v. E. — (P. epiphylla Corda (part.): Sturm. p. 59 tab. 16).
— Lappenránder meist kraus, gegen die Spitze rinnenfórmig. Involucrum anfangs von
hinten nach vorne zusammengedriickt, riickwěvts gebogen, schtef nach vorm geneugt,
spáter mehr aufrecht, rundum geschlossem, an der zusammenneigenden Můndung ein-
geschnitten-gelappt. Haube mest eingeschlossen. Innenschicht der Kapsel ohne Halb-
ringfasern. — Elaterentráger zu 50—100 am Kapselgrunde.
Bráunlich oder purpurn, untergetaucht smaragdgrůn, und dann starr und besonders im
kalkhaltigen Wasser sehr spróde. Vielfach gegabelte schmale Innovationen zur Sommerzeit aus
26 Morckia.
der Endbucht hervortretend. — Involucra auch an Wasserpflanzen, jedoch steril bleibend. Ela-
teren kůrzer als bei vor.; wenig oder gar nicht geschlángelt, 3—4spirig.
Zweiháusig. — 24 — Frucht im Frůhjahr.
Am feuchten kalkhaltigen Boden, an und in Auellen und Báchen, an Kalkfelsen,
kalkigen Hohlwegen, Lehnen und dergl., besonders in der Ebene bis in die Hůgelregion,
von allen am verbreitetsten. — Prag: Chabern, Podhoř, Kuchelbad, sámmtlich am oder
im Auellwasser und fruchtend! © Motol (Kratzmann)! — Písek bei den „Alten Bádern“;
im Walde bei der Schwimmschule und anderwárts! — Bóhm. Fellern bei Budweis! —
Turnau: an der Iserlehne; unterhalb Waldstein und bei Wartenberg! Jeschken am Sůd-
abhang! — Adlerkosteletz, Waldlehne gegen Wyhnanow! — Wildenschwert!
4. Familie. Diplomitrieae.
Mittelrippe des thallusáhnlichen Stammes deutlich verdickt, von den am Rande
1zellschichtigen Seitenfláchen mehr oder weniger deutlich abgesetzt. Aeusseres Involucrum
aus 4—5 am Grunde verwachsenen Hůllschuppen sebildet; inneres kelchartig, róhren-
fórmig, gross, an der 1zellschichtigen Můndune gezáhnt.
Gattuncgen:
1. Můrckia. Laubaxe ohne einen Centralstrang verdickter Zellen. Haube kůrzer
als das innere Involucrum. Kapselwand 4—6schichtig.
2. Blyttia. Laubaxe mit einem Centralstrang gestreckter, verdickter Zellen. Haube
so lang als das innere Involucrum. Kapselwand 2schichtig.
1. Mórckia Gottsche.
1. M. norvegica Gottsche. — (Jung. Blyttii Mórck. — Gymnomitrium Blyttii
Hůben. — Cordaea Blyttii Corda. — Diplolaena et Diplomitrium Blyttii N. v. E. —
Blyttia Můrckii G. L. et N.) — Laub necht durchscheinend, Seitenlappen breit gerundet,
wellig kraus. Mittelrippe in die Seitenfláchen aliměhlig úbergehend durch Brdunliche
Wwurzelfaserm dicht filzig. Involucrum fast oval, seitlich schwach zusammengedrůckt,
abwárts mehrschichtie. Sporen dicht stachelig. Schlauchhaut der Schleuderer hyalin.
In gedránsten, lichtorůnen, unterseits purpurbraunen Pelliaartigen Ráschen, deren Lappen
bis 2 em lang und vorn 8 mm breit erscheinen. Antheridien-Hůllschuppen vereinzelt oder 2reihig,
faltig, am Rande stumpflappig. © Schuppen wellig faltig, viellappie. Involucrum meist 5 mm lang,
mit an der Můndung gegeneinander geneigten Láppchen.
Zweiháusig (auch einháusig?). — 2 Frucht im Sommer.
Auf sumpfigen Torfwiesen des Hochgebirges sehr selten. — Riesengebirge: ober-
halb der Wiesenbaude an sumpfigen Guellen des Weisswassers in grosser Menge in Ge-
sellschaft des Sevrpus caespitosus und Carex saxatilis von v. Flotow entdeckt, und nachher
von Nees, Elsner und Limpricht wieder gesammelt. — Aupaabhang (Flotow, Nees).
2. M. hibernica Gottsche. (Jung. Hook. — Dilaena et Diplolaena Dmrt. —
Cordaea Flotowiana N. v. E. — Blyttia Lyelli var. $ et 9. — Diplomitrium Corda in
Sturm. tab. 25 und 36.) — Laub zarter, durchschetnend, mit weisslichen, Wurzelhaarem.
Mittelrippe gegen die Seitenflůchen stark abgesetzt. Seitenflůchen mzt dreitem 1schichtigem
Rande. Involucrum rvohrenfórmig, an der gleichweiten lappigen Můndung durch vor-
springende Zellen gezáhnt. Sporen durch gekórnelte Leisten netzfaltig. © Schlauchhaut
der Schleuderer gelblich.
Oft schmáler als Vorige, bis linienfórmig, unterseits gelblich. Antheridienschuppen 2reihig,
wimperig gezáhnt. Weibliche Hůllblátter mit lang wimperig zerschlitzten Lacinien.
a) Hookeriana (Cordaea Flotow. N. v. E.). Lappen kůrzer, kraus, mit dichtgestellten
deutlich 2reihigen Antheridien-Schuppen (Corda, Sturm Fl. germ.: tab. 36).
k a
M o =
E Ve P k ,
>
Blybtia. — Fossombronia. 2
b) Wilsonmana. (Diplomitr, hibernicum Corda.) Lappen schmáler und lánger, mit ent-
© fernteren, abwechselnd 2reihig gestellten © Schuppen. (Corda I. c.: tab. 25).
Zwei- oder einháusig? — 24 — Frucht im Frůbjahr.
In Auellsůmpfen und Waldbáchen des Hochgebirges, selten. — bd) Riesengebirge :
4 Waldbach im Kesselgrund (Flotow, Nees). Isergebirge unweit der Hammerschenke (Corda).
© (Form a) im preuss. Schlesien).
2. Blyttia Gottsche.
* B. Lyellii Endl. — Gottsche. — Laub verlángert linearisch, aufsteigend, satt-
bis dunkelgrůn, durchscheinend, mit 1schichtigen wellie buchtigen Seitenfláchen. Invo-
lucrum rohrenfórmig, lang, mit wimperig gezihnter Můndung, zuletzt wenig kůrzer als
die Haube. Sporen netzfaltig. © Schlauchhaut der sehr langen Schleuderer hyalin. Sonst
der M. hibermica úhnlich,
Zweiháusig. — 2 — Frucht im Frůhjahr. — An Torfmoosen, Wassergráben,
auf torfigen Wiesen in der preuss. schlesischen Ebene vereinzelt; vielleicht auch in Bohmen
noch aufzufinden.
5. Familie. Codonieae.
Stengel fadenfórmig, 2reihig bebláttert. Geschlechtsorgane auf der Dorsalseite
des niederliegenden Stengels. Die Š nackt oder durch den Blattrand eingehůllt. Arche-
gonien am Grunde eines breit glockenfórmigen Involucrum. Sonst wie die Gattungscharaktere.
1. Fossombronia Raddi.
Stengel niederliegend, mit purpurvioletten Wurzelhaaren. Blátter 2reihig, sehr
schrůg imserirt, breit guadratisch, am gerundeten Randé mit 9—5 wellenfórmigen Buchten
und me?st scharfen Lčppchen. Zellnetz licht, sehr weit, zartwandig, angulár nicht ver-
dickt. Involucrum růckenstándie, sglockenfórmig, vorn oder hinten gespalten, am Rande
wellig gelappt. Kapsel kurz gestielt, kugelig, 4klappie. Kappen m Momente der Imt-
beerung in umregelmássige Stiickchem zerfallend. Sporen tetraedrischrund, netzfaltig, am
Rande gezáhnelt.
1. F. cristata Lindb. (Jung. Wondraczeki Corda: Sturm, p. 30. tab. 7. — F.
pusilla P. capitata N. v. E.). — Stengel am Ende mečst schopfig kraus. Sporen gelb-
braum, mit schief aufsteigendem, gechlángelten, fast parallelen Fáltehen, die am dunk-
leren Randé 1 28—56 scharfe Záhme auslaufen.
Sporenfalten in der Sporenmitte oft in Wárzchen aufgelóst, oder verschwindend, wenn
nicht in wenige Felder zusammenfiiessend. Halbrinofasern der inneren Kapselschicht nicht ganz,
bráunlichgelb. — Habituell der Jungerm. incisa dhnlich,
Einháusig. — 2 — Frůchte im Sommer bis August!
Auf feuchtem Thonboden, besonders auf Klée- und Stoppelfeldern, an Gráben,
Hohlwegen, feuchten Waideplátzen und dergleichen von der Ebene bis an den Fuss des
Gebirges zerstreut. — Prag: Thiergarten im Stern (Wondráček)! — Michler Wald (Opiz)!
— Waldwege am Mileschauer! — Sůdlicher Jeschken-Abhang auf Waideplátzen! —
Turnau, bei Waldstein auf Kleefeldern! — Wiesenraine bei Altpaka am Fussé des Berges
Levín! — Acker bei Hohenelbe! — Neuwelt, im September auf Kornfeldern, da wie
dort zahlreich! — GAualich und Adersbach an Feldern! — Adlerkostelez gegen Wyhnanow
sehr zahlreich! © Felder bei Mohrau und Lipka náchst Grulich bis hoch hinauf auf das
| Feld oberhalb des Forsthauses unter dem Eschenberg!
28 Lejeunia.
2. F pusilla Lindb. — (Presl: Obr. 22. fig. 1485). — Blátter necht schopfig
zusammengedránst, 2reihig abstehend. Sporen Braun. Fáltchen minder zahlreich, gegen
die Sporenmitte oft verschwindend, oder in wenige Felder (—3) zusammenfliessend. Spo-
renrand mit 16—24, zuweilen durch eine gelbliche Haut mít einander verbundenem
verldngerten Záhnen.
Kráftiger und lánger (—1 cem) als Vorige. Halbringfasern der inneren Kapselschicht
ziemlich vollstándig, jedoch nur an den Zellwánden, wo sie als Knoten erscheinen, deutlicher und
mehr verdickt.
Einháusig. — 24 — Frucht im Frůhjahre und Sommer.
An feuchten schattigen Waldgráben, seltener als Vorige. — Mittelbohmen: am
Berge Medník bei Stěchowic im April 1878 fruchtend! Rosenberg in Sůdbohmen im Juli
desselben Jahres mit Frůchten! — Hierher gehórt wohl die Pflanze von Stiřín (Sýkora,
im J. 1823); ferner die von mir gesammelte sterile Pflanze vom Waldgraben unterhalb
Kadeřavec bei Turnau, sowie die von den Waldabhángen bei Půrgliz! — Trockengelegter
Teich bei der Glashůtte náchst Obecnic im Brdygebiree (Freyn)!
I. Jungermanniae acrogynae Leitgeb. (J. foliosae Autorum).
(exclus. Haplomitrium.)
Stencelpflanzen, 2—3reihie bebláttert, in diesem Falle mit 1 Reihe meist klei-
nerer oder anders geformter Unterblátter. Kelch gipfelstándie, čfters an ventral aus-
laufenden Asten, meist von anders gestalteten Bláttern (Hůllbl.) am Grunde umgeben und
frei, oder seltener in die erweiterte und vertiefte Stencelspitze eingeschlossen —— aus
drei verwachsenen Bláttern gebildet. Kapsel emporgehoben, 4klappig. Sporen faltenlos.
Schleuderer normal.
1. Familie. Iubuleae.
Stengel niedergedrůckt gefiedert. Blátter gedhrt. Unterblátter breit. Geschlecht-
áste kurz, durch Seitensprossen seiten- oder gabelstándig. Kelch stielrund aufgeblasen,
oder kantig, auf der Můndung in ein Róhrchen verengt. Kapsel kurzgestielt, tief 4klappig,
ihre Wand ohne Ringfasern. Schleuderer vor der Klappenspitze angeheftet, 1spirig.
Gattungen:
1. Lejeunia. Blattohr klein, zahnfórmig, flach, mit breiter Basis mit dem Ober-
lappen zusammenhángend, bei Axillarbláttern nicht fehlend. Kelch 5kantig, ver-
kehrt eilánglich. Kapselklappen zusammengeneigt.
2. Wrullania. Blattohr kappen- oder sackartig ausgehohlt, stielartig mit dem
Oberlappen verwachsen, bei Axillarbláttern fehlend. Kelch verkehrt herzeifórmig,
etwas bauchig, kantie gefaltet. Kapselklappen glockenfórmig ausgebreitet.
„1 Lejeunia Lib.
1. L. serpyllifolia Lib. (Presl: Obr. 22 fig. 1489). — Stengel mit zahlreichen
unterhalb den Blattohrchen entspringenden Seitensprossen, am Grunde der Mutterblátter
kurz wurzelhaarig. Blátter gendhert. Oberlappen aus kurz herablaufender Basis eč-und
convez, Unterblátter fast rund, bis zur Mitte 2lappig.
: Rasen flach, grůn oder gelblich grůn, matt oder glánzend. Blátter mehr oder weniger
genáhert, theils mit kleinem (var. planiuseula Lindb.), theils mit die Grósse der Unterblátter er-
Frullania. 29
reichendem Blattohr (var. cavěfolia Lindb.). Zellnetz zart, angulár schwach verdickt, durchscheinend
oder chlorophyllhaltig, mit vielen kleinen Oeltrópfehen. Kapsel bleich, anfangs auf geknietem
Stielchen, 2zellschichtig, mit grossen gekórnelten Šporen. Schleuderer endstándie, 1spirig.
Einháusig. — 24 — Frucht im Sommer.
An schattigen Lagen, feuchten Felsen, Baumstrůnken, selbst auf bemoostem
Waldboden von der Ebene bis auťs Hochgebirge ziemlich háufig. Bei uns wurde bisher
nur die var. plančuscula beobachtet. — Prag: Záwist stellenweise an feuchten Felsen!
"Štěchovic an Felsen der Moldaulehne sehr zahlreich! Štiřín (Sýkora, bereits 1823)! —
Půrelitz! — Neuhof bei Kuttenberg (Veselský)! — Blaník bei Vlaším! — Písek, an
mehreren Stellen, so im Hradišter und Vrcovcier Revier! — Bohmerwald (Opiz)! —
Marienbad! — Rumburgs an Basaltfelsen des Buchberges (Neumann)! Nordbohmen bei
B. Kamniz (Karl)! Reichenberg (Corda nach Nees). — Hůchste Erhebungen des Iser-
gebirges (Limpricht). — Riesengebirge (Limpricht). — Bukovina (Glatzer Grenze), am
Sandsteinen sehr háufig (Nees). — Litic náchst Pottenstein (Sitenský)!
2. L. minutissima Dmrt. (Corda: Sturm p. 177 tab. 47). — Pflanze needlich,
lichenenartig, 2—6 mm lang. Blátter entfernt stehend, mit grossen Blattohren und
- eifórmigen, an der stumpfen Spitze kurz Zlappigen Oberlappen. Unterblátter kletn,
oft fehlend. Sonst wie vor.
24 Einháusig. — Frucht im Sommer.
In kleinen, kaum sichtbaren gelborůnen Flecken in den Ritzen der Rinde alter
© Laub- und Nadelbáume, ja selbst an modernden Stámmen in der Gebirgsregion sehr selten.
— Bóhmerwald: am Falken bei Eisenstein an alten Buchen (Corda). — Da die diess-
bezůclichen Specimina sich nicht erhalten haben, und weil Cordas Abbildung jener Pflanze
fůr eine Copie nach Hooker sgehalten wird, ist es rathsam, dieser Art die grósste Auf-
merksamkeit zu schenken.
2. Frullania Raddi.
w) Blattohr beutelfórmig, kůrzer und schmáler als die Unterblátter.
1. F. Tamarisci N. v. E. — (Jungerm. L. — Iubula Dmrt.) — /ettglůnzend
Oberlappen kreisrund oder rundlich-eifórmig, mit niedergebogener oft scharfer Spitze.
Blattohr lánglich cylindrisch. Unterblitter viel breiter als der Stengel, lčnglich Aseitig
oder vundlich, kurz herablaufend, am Rande zurůckgerolit. Kelch lánglich, glatt. Sporen
sternfórmig gewarzt.
Rothlich- bis schwarzbraun, selten dunkelgrůn, locker grossrasic.
Zweiháusig. — A — Frucht im Herbste und Frůhling.
An felsigen Lehnen, oder in Wáldern an Felsen, Baumstrůnken und Stimmen
von Mittel-Bóhmen bis auťs Hochgebirge ziemlich háufig. — Prag: háufig an Silurfelsen,
so im Šárka-Thale, bei Motol, Závist, Radotín u. s. w. bis Štěchowiz! Půrgliz! —
Kolín (Veselský)! — Im Wruticer-Thale náchst Melnik! Ledeč an Felsen des Sázawa-
© Flusses! Královic an der Želivka! — Písek, besonders an der Otawa-Lehne unterhalb
der „Flachsdorre“ ! — Hohenfurth! — Eisenstein; hoch auf Buchenstimmen! Am Weiss-
bach náchst Bergreichenstein! — Joachimsthal (Hoffmann)! Schlackenwerth (Reiss)! —
Tópl (Konrad)! Tepliz (Winkler)! Bóhm. Kamniz (Karl)! — Hammerstein (Langer)!
Reichenberg (Siegmund)! Haindorf (Menzl)! Hóchste Erhebungen. des Isergeb. (Limpricht).
P) Blattohr kappen- oder helmfórmig-hohl, so breit oder grósser als die Unterblátter.
2. F. dilatata N. v. E. — (Corda: Sturm pag. 144 tab. 40. — Presl: Obr.
22. fig. 1490.) — Glamzlos. Oberlappen kreisrund. Blattohr fast halbkugelig, kappen-
fórmighohl, grósser als die runden, kurz eingeschnittenen, flachrandigem Unterblátter.
Blattzellen gleichfórmig, undurchsichtie, in den Zelleckem stark verdickt. Kelch hóckerig,
an den Kanten zahnartig crenulirt.
3 0 Madotheca.
In braunen oder schwarzgrůnen, selten frisch grimen (var. viridis), meist důnnsternfórmig
ausgebreiteten, aber auch lockeren stattlichen Uberzůgen.
Zweiháusie. — 2 — Frucht im Herbste und Frůhjahr.
In Wáldern an Baumstámmen und Felsen, sowie auch im Hecken, an Fluss-
abhángen und Rainen von der Ebene bis auťfs Hochgebirge verbreitet, stellenweise in
Gemeinschaft mit der Vor. — Var. věridis) im Walde bei Obecnic im Brdygebirge (Freyn)!
* F, fragilifolia Tayl. (F. dilatata 6. microphylla N. v. E. z. Th.). — Kleiner
und dunkler gefárbt, glanzlos. Oberlappen Zežchť abbrechend, verkehrt eirundlich. Blattohr
breit lůnglich, helmfórmig, so breit als die verkehrtefórmigen, tief und scharf aus-
gebuchteten, fachén Unterblátter. | Zellen ungleichfórmig: Randzellen des Oberlappens
klečner, die mittleren und basalen grósser und dunkler, % ener oder wenigen perl-
schnwrartigen Rečhen. Alle Zellwánde r%ngsum glevchmůsstg verdickt. Kelch glatt.
Zweiháusig. — 4% — Meist steril, sonst Frucht im Herbste und Frůhjahr.
An Felsen und Laubstámmen der unteren Bergregion sehr selten, und zwar
nur von der Nordseite des Riesengebirges aus Schlesien bekannt (Kynast, Prudelbere,
Josefinenhůtte nach Nees und Limpricht).
2. Familie. Platyphylleae.
Stengel wiederbolt fiederástie. © Wurzelhaare spárlich oder 0. Blátter gedhrt.
Unterblátter gross oder fehlend. Kelch parallel zur Stengelebene mehr oder minder
flach zusammengedriickt, 2lippig und guergestutzt. Kapsel bis zur Basis 4klappig oder
4záhnig, deren Winde ohne Ringfasern. Šporen viel breiter als die bis 3spirigen Schleuderer.
Gattungen:
1. Madotheca. Unterblátter gross, ungetheilt. Blattohr mit dem Oberlappen
schmal zusammenhángend. Fruchtáste seitenstándig. Kelch beiderseits convex,
wimperig gezáhnt.
2. Radula. Unterblátter fehlen. Blattohr mit dem Oberlappen lángs seiner Basis
verwachsen. Fruchtáste gipfelstándig. Kelch platt zusammengedrůckt, ganzrandig.
1. Madotheca Dmrt.
«) Blatt-Oberlappen ganzrandig.
1. M. platyphylla Dmrt. — (Jungerm. L. — Porella Lindb. — Lejeunia Corda:
St. tab. 26. — Presl: Obr. 22. fig. 1463). — Dunkelgrůn bis gelbbraun, glamzlos.
Blátter gedrinet, an der Basis etwas vertieft, stumpf abgerundet. Blattohr kaum her-
ablaufend, stumpjlich, an der Basis mit 1 oder wenigen lůngeren Záhnen. Unter-
blátter gerundet guadratisch, an der Spitze und am Rande stark zurůckgerollt.
Rasen gross und dicht. Kapsel hellbraun, bis unter die Mitte 4záhnig. Sporen gelbgrůn,
dicht kurz-stachelig, mehrmals breiter als die oft 3spirigen Schleuderer. — In Form des Blatt-
randes und der Umrollung *besonders der Unterblátter, sowie auch in Farbe sehr veránderlich.
b) Thuja (Porella "Thuja Lindb. — M. navicularis N. v. E. z. Th.) — Sehwach glůnzend.
Stengel regelmássicer gefiedert. Blátter dicht angedrůckt. Blattohr lánglich, stumpf, am Rande
stark zuriickgerolit, entfernt gezčhní. — Grósser als Vor.
Zweiháusig, — A — Frucht im Sommer.
In Laub- und gemischten Wáldern von der Ebene bis zum Fusse des Hoch-
gebirges zerstreut, stellenweise gemein. — Flussthůler der Moldau, Beraun, Sázava, Ze-
livka und Iser gemein. — Bóhm. Kamniz (Hrabal)! — Schlackenwerth (Reuss)! Cekaniz
Radula. 31
-in Sůdbohmen (Velenovský)! — d) An Buchenstimmen am Nordabhang des Spitzberges
bei Eisenstein, spárlich, im August 1881!
2. M. rivularis N. v. E. (Porella dentata Lindb.) — Im frischen Zustande feti-
glánzend, trocken glanzlos. Stengel bis 1 dm lang, unregelmássig gefiedert oder fast
gabelig, an der Spitze oft bůschelig verzweigt. Aste oleichbreit, am Ende abgerundet.
Blátter gross, schtef breit-eifórmig, abgerundet und mit der Spitze nmedergebogen, ganz-
"randig. Blattohr viel kleiner als der Oberlappen, dem Stengel anliegend und vom Unter-
blatte an der Basis bedeckt, schief eifórmig, spitz, am Rande stark zurůckgerollt, und
lang herablaufend. Unterblátter sehr weit herablaufend am der gerundeten Spitze zu-
- růckgeschlagen, am Rande wellig, oft gezáhnt. Zellen důnnwandig durch Chlorophyll und
kleine spindelfórmige Oeltropfen undurchsichtig.
In lockeren Úberzůgen oder auch in stattlichen, schwammicen Polstern von dunkelgrůner
- oder schwarzgrůner Fárbung, vom Habitus der folgenden.
Zweiháusic. — 24 — Frucht bei uns nicht beobachtet.
An triefenden oder ůberriesélten Felsen, auch an steinigen Ufern der Gebirgs-
báche von den oberen Lagen der Hůgelregion bis auťs Hochgebirse sehr selten auf-
tretend. — Im Gebirgsbache in Ober-Lipka oberhalb Grulich im September des J. 1880
in grossen schwammigen Polstern an triefenden Ufern!
P) Blatt-Oberlappen am hinteren Rande cezáhnt.
3. M. laevigata Dmrt. (Lejeunia Hampe. — Porella Lindb.). — Gelblich oder
bráunlichorůn, stets glůnzend. Blátter dicht gedránst, angedrůckt, am Růcken convex,
scharf zugespitzt. Blattohr nicht herablaufend, schmal lůnglich, am Rande meist nicht
zurůckgerollt, welltg und wimperig gezčhnt. Unterblitter angedrůckt, herablaufend, rtgs
wimperig gezůhnt.
Rasen gross, flach polsterfórmig, gelbbraun, selten dunkelorin. Áste gleichen Alters úberall
oleich breit (bis 2 nm), am Ende stumpf. Kelch ber 2 mm lang, weniger zusammengedrůckt,
kůrzer als der Stiel.
Zweiháusig. — 4 — Frucht im Sommer; doch bei uns selten fruchtend.
Besonders an kalkhaltigen schattigen Felsen, auch auf Granit und Silurschiefer
in der Hůsel- und Berg-Region, mit seltener Ausnahme auch in Mittelbohmen. — Prag:
an kalkhaltigen Silurfelsen der bewaldeten Lehne bei St. Prokop im J. 1854 von Kalmus
entdeckt, und von mir 1875 wiedergefunden! Am Zalužaner Bach im Walde bei Zavist
an einem triefenden Felsblock in ausgewáhlten Polstern im J. 1888! [Riesengebirge (nur
schlesischerseits); Grafschaft Glatz].
2. Radula Dmrt.
1. R. complanata Dmrt. (Jungerm. L. — Jubula Corda in Sturm pag. 152.)
Stengel ohne Wurzelhaare, diese nur aus der Mitte des Blatt- Unterlappens entspringend.
Blátter dicht dachziegelig, fast flach, ganzrandie. Oberlappen rundlech, Unterlappen fast
guadratisch, Amal kleiner, an der Ursprungs-Stelle eines Astes micht fehlend. Kelch
verkehrt kegelfórmig, nach der Bauchseite úbergeneict. Kapsel bis zum Grunde 4klappig.
In strahligen, flach angedrůckten, meist gelbgrůnen Úberzůgen mit unregelmássig ge-
fiederten Stengeln. Zellen undurchsichtig mit randstándigen Chlorophyll und entweder ezmem sehr
grossen oder nebstdem mit noch 2 kleineren Oeltropfen. Keimkórner, seltener sehr zahlreich, rand-
stándig, grůn, 'zuletzt 3—4eckig und gebráunt. Sporen sehr eross, tetrádrisch rund, gekórnelt,
bedeutend grósser als die bleichoelben Schleuderer. — var. propagulifera Nees (R. commutata
Gottsche) ist durch viele Keimkórner an den Blattrándern bedeutend habituell geándert.
Einháusig. — 2 — Frucht im Mai, Juni.
An Wald- und Feldstámmen, Baumstrůnken, Felsen, seltener auf abgestorbenen
Moosen, nackter Erde oder sogar an feuchten Strassen-Kanálen von der Ebene bis auťs
Hochgebirge ziemlich gemein. — Am feuchten Strassenkanal wurde sie bei Konopischt;
32 "Erichocolea. — Ptilidium.
náchst Beneschau gesammelt, und zwar in der Náhe des, in der Eichentheorie Epoche
machenden, vergrůnten Trifolčum repens, das von mir dort gesammelt worden. — Var.
propagulifera Nees. An Felsen im Elbgrund im J. 1832 (v. Flotow).
3. Familie. Ptilidieae.
Stengel kriechend oder aufsteigend, gefiedert. Blátter vtelfach zerschlitzt, in
Ober- und Unterlappen getheilt, beide am Rande ihrer Lacinien in einfache oder žstige
haarfeine Wimpern aufgelóst. — Unterblátter kleiner, áhnlich gestaltet. © Geschlecht-
organe spiter auf seiten- oder gabelstándigen kurzen Ástchen. Kapsel fehlend und durch
einen aufrechten fleischigen Fruchtast ersetzt, — oder entwickelt, drehrund keulenfórmig
die Hůllblátter weit úberragend.
Gattungen:
1. Trichocolea. Blátter fast bis zur Basis handfórmie getheilt. Ihre Lacinien
vielástig-haarfein zerschnitten. Fruchtast fleischig, keulenfórmig. Kelch fehlend.
2. Ptilidium. Blátter bis unter die Mitte handfórmie getheilt. Lacinien lang-
wimperig zerschlitzt. Fruchtast normal, mit langem drehrundem Kelche.
1. Trichocolea Nees (Tricholea Dmrt.)
1. T. Tomentella N. v. E. — Weiss- oder gelblichogrůn, mit 2—3fach regel-
mássig gefiedertem, wurzellosem Stengel. Blatt-Oberlappen in 2 gróssere, Unterlappen
in 2 kleinere Abschnitte getheilt. Zellen durchsichtig, in den Ecken nicht verdickt,
meist rectangulár, mit je 4-——10 Oeltropfen. Der keulenfórmige grosse Fruchtast steif
behaart. Kapsel lánslich eifórmig, violett rothbraun. Sporen von der Breite der gleich-
farbigen Schleuderer.
In ausgedehnten, schwammingen filzartigen Polstern mit bis 1 dm langen Stengeln und
schimmelartigen Habitus.
Zweiháusig. — A — Frucht im Frůhjahr.
An Sůmpfen und Auellen in schattigen Wáldern von der Hůgelregion bis auf's
Hochgebirge zerstreut. — Prag: am Waldbache zwischen Štěchowiz und den Johann-
Stromschnellen! — Štiřín, Sýkora bereits im J. 1823 (Opiz, Kalmus u. a.)! — Bei Kuša
náchst Blatna (Velenovský)! — Tepliz (Winkler)! Tepl (Konrad) ! — Rothenhaus (Roth) !
Bóhm. Kamniz (Hrabal)! © Nixdorf (Fischer und Neumann) ! — Schluckenau (Karl)!
Bóhm. Leipa (Watzel). — Turnau in Waldsůmpfen bei Wartemberg! — Am Sůdlichen
Jeschkenabhang! Riesengebirge (Nees). — Adersbach zwischen Torfmoosen ! — Am Nord-
abhang des Blaník bei Vlaším!
2. Ptilidium N. v. E.
1. P. ciliare N. v. E. (Blepharozia Dmrt. — P. pulchrum Corda: Sturm, p. 162
fs. 43.) — Gelb- bis schwarzgrůn, oder rothbraun. Steneel einfach oder doppelt ge-
fiedert, kurz wurzelhaarig. Blattwimpern meist niedergebogen. Zellen der flach abstehenden
Blattláche eckigrund, durchscheinend bis undurchsichtig, in den Ecken stark verdickt.
Kelch mehrmals lánger als die Hůllblátter, aufwárts keulenfórmig, faltig an der Můndung
zusammengezogen und gewimpert. Kapsel oval, hellbraun. Sporen mehrmals breiter als
die gelblichen Schleuderer.
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Mastigobryum. 33
| Je nach der Trockenkeit des Standortes und dem Geschlechte sehr veránderlich. Mánn-
liche Rasen kleiner, mit fadenfórmigem Štengel und kátzchenartigen Asten. Rasen gewóhnlich
schwammig polsterfórmig, oder vereinzelt unter Sumpfmoosen, und dann bis 1 dm lang, und ent-
fernt grossbláttrig.
Zweiháusig. — 24 — Frucht im Frůhjahr und Sommer.
In trockenen Nadelwáldern am Fusse der Baumstimme, oder an Baumstůmpfen
und Stámmen, auť Haideland, seltener in Sůmpfen und auf Torfwiesen, durch die Hůgel-
region bis auťfs Hochgebirge verbreitet. — Mittelbohmen: Prag, Žižkaberg oberhalb des
Invalidenplatzes sehr spárlich! St. Prokop (Opiz)! Motol (Opiz)! Lehne bei Podbaba
- (Velenovský)! — In Wůldern bei Rožmital (Velenovský)! — Sůdbohmen: Písek! Platz
tabor. kr. (Leonhardi)! Blansker Wald! Bóhmerwald ůúberali bis auf den Arber háufig
(Purkyně, Opiz, Corda)! — Westbohmen: Marienbad (Leonh.)! Hauenstein (Op.)! Karlsbad
(Op.)! Pleiswedl bei Schónborn (Opiz 1818)! "Teplitz (Winkler)! — Nordbohmen: Im
Wruticer Thal náchst Melnik! Rollberg (Watzel). Reichenberg (Langer)! Jeschken!
- Turnau! Fuss des Isergeb. (Limpricht). Riesengebirge vom Fusse bis auf den Kamm
gemein (Nees, Flotow, Sitenský)! Johannisbad! Adrsbach (Nees und Flotow). — March-
guellen mit vielen Perianthien! im September 1880. — Ostbohm.: Pardubic (Čeněk).
Bóhm. Trůbau (Stolz)!
4, Familie. Lepidozieae.
Verástelung unregelmássig oder bis 3fach gefiedert. Aste oftť peitschenartig
verlángert und nebstem klečnbláttrige Flagellen aus der Axel der Ublátter. Blátter
handfórmig getheilt oder S—4záhnig. Unterbl. deutlich meist vielzáhnig. © Geschlechts-
áste ventral angelegt, Kelch lang oben Sfaltig. Kapsel normal. Sporen dicht gekórnelt
-so breit oder breiter als die Schleuderer.
Gattungen:
1. Mastigobryum. Blátter unsymmetrisch-eifórmig, niedergebogen, an der meist
guergestutzten Spitze 3záhnig. © Unterbl. 3—5záhnig. Flagellen zahlreich, der
ganzen Lánge nach gleichfórmic, kleinbláttrig.
2. Lepidozia. Blátter und Unterbl. breit, fast guadratisch, 4lappig, Lapen nieder-
gebogen. Aste gegen das Ende flagellenartig verdůnnt.
1. Mastigobryum N. v. E.
1. M. trilobatum N. v. E. — (Jungerm. L. — Herpetium N. v. E. — Pleuro-
schisma Dmrt.) — Stengel bis úber 1 dm lang, straff, breit beblčittert, lángs der Růcken-
mitte convex, reichlich Flagellen tragend. Blátter dachziegelig, Dreit und verlángert
eifórmig, an der gueremn Spitze meist ungleich 3záhnig. Unterbl. fast nierenfórmg,
d—zdhnig. © Zellen diinnwandig, anguldr stark verdicht.
In grůnen oder gelbgrůnen, meist stattlichen Polstern. Die Normalform mit Bláttern bis
5 mm breit. Seltener kleinbláttrig, feiner und niederliecend, mit weniger niedergebogenen Bláttern,
(Var. minus N. v. E.). — Kelch lanzettlich, nach oben verdůnnt, undeutlich kantig. Kapsel lánglich
oval, braun, 5zellschichtig. Sporen breiter als die gleichfarbigen Schleuderer.
Zweiháusig. — 2 — Frucht im Sommer.
Besonders an schattigen Sandsteinfelsen der Kreideformation, aber auch im Urge-
birge, an Abhángen und Hohlwegen von der Ebene (wo seltener) bis in die untere Region
des Hochgebirges zerstreut und da háufiger als am Kamme desselben. — Prag: Motol
(Opiz)! Krč (Stolz)! — Am Sandsteinfelsen im Wruticer Thal! Westbóhm.: Tepl (Konrad)!
Hauenstein (Opiz)! — Sůdbohm.: An Waldbáchen bei Obecnic im Brdagebirge (Freyn)!
— Běhmerwald bei Eisenstein! Am Arber! Schwarzer See (Em, Purkyně)! — Ostbóhm.:
3
94 Lepidozia.,
Počátek (Pokorný)! — Nordbohm.: Turnau in Wůldern an (uadersandstein zahlreich |
(bei Waldstein, Gross-Skal, am Kozákov-Berge)! Jeschken auch var. minus! — Reichen-
bere (Šiegmund u. a.)! Bóhm. Leipa (Watzel). — Schluckenau (Karl)! — Nixdorf
(Fischer u. Neumann)! — Loukovec? (Spengler). — Isergebirge (Limpricht). — Riesen-
gebirge an der Mummel, Elbe, Weisswasser und Aupa! Am Gebirgskamme noch am
Hohen Rad! — Johannisbad (Nees). Adersbacher Felsen (Flotow)! Petersdorf! —
Marchguellen !
2. M. deflexum N. v. E. — (Jungerm. Mart. — Pleuroschisma Dmrt. —
J. tricrenata Wahlenb. — Presl: Obr. 22. fig. 1464). -— Viel kleiner und schwácher
als vor. Stengel mit Bláttern lángs der Oberseite vollie convex, oft mit Flagellen, Blátter
vollstůndig niedergebogen, gegen die Spitze viel sehměler, schrůg gestutzt, 2—3 (4)
záhnig. Unterblátter geawohnlech mit 1 Einschnitt, zuweillen auch 3 oder 4kerbig. Zellen
gleichfórmig verdickt.
In bráunlichen oder gelbgrůnen, dichten Rasen oder schwammigen Polstern. SŠtengel
1—8 cm lang mit spárlicheren kurzen Asten und Flagellen. Zellen mit 2—3 Oeltropfen. Sonst wie Vor.
Zweiháusig. — A — Frucht seltener, im Sommer.
Am Fusse feuchter, úberrieselter Felsen, an Guellen, seltener auf nackter Erde
oder auf Holz von der oberen Hůgelregion bis auťfs Hochgebirge zerstreut. — Bereits
im J. 1823. von Opiz angefůhrt. — Schluckenau (Kari nach Rabenhorst). — Bóhm.
Leipa: auf Sandstein bei Rabenstein (Watzel). — Jeschken (Corda nach Nees). — Hain-
dorf (Flotow). — Isergebirge (Nees). Im Flussbeete der Iser bis auf den hóchsten Erho-
hungen (Limpricht). — Riesengebirge: bereits von Funck 1819 bekannt (wohl die Opiz'sche
Angabe); daselbst nach Nees, Flotow und Limpricht am ganzen Kamme verbreitet, von
mir aber nur bei Weisswasser angetroffen! — Felsenstadt bei Weckelsdorf und Aders-
bach ! — Bůhmerwald: Nordabhane des Arber! So auch am Spitzberg bei Eisenstein
und am Schwarzen See ziemlich háufig!
2. Lepidozia G. L. et N.
1. L. reptans Dmrt. (Jungerm. L. — Herpetium N. v. E.) — Stengel fein, bis
fast doppelt gefiedert, mit oft ča Dlattlose Auslůufer sich verlingernden Aesten. Blátter
mit 5—4, etwas ungleichen, medergebogenen schmalen Lappen. Unterbl. áhnlich, jedoch
breiter als lang. Zellen sehr důnnwandig, angulár schwach verdickt, met zahlrečchen
Oeltropfen. Kelch lánglich, gross, wasserhell, an der stumpf- 3kantigen zusammen-
gezogenen Můndung kleingezáhnt. Kapsel lánglichoval; Sporen kaum breiter als die
Schleuderer.
In dicht verwebten, flachen, bleichgrůnen Ráschen feiner Zergliederung, oder vereinzelt,
Die £ Aste kůrzer als die Blátter, mit angedri úckten Bl. — Die © Áste zahlreich, armbláttrig. Hůll-
blátter 3—4 záhnig, kůrzer als der Kelch.
Einháusig. — 24 — Frucht im Frůhjahr und Sommer.
Besonders in der Kreideformation an Auadersandstein, aber auch auf Wald-
boden, faulenden Strůnken, seltener an lebenden Stimmen, von der Ebene bis auťfs Hoch-
gebirge fast gemein. — Prag: Laurenziberg, Michle, Krč (Opiz)! Kůnigsaal, Závist. —
Medník! — Štiřín (Sýkora schon 1816)! — Pardubic. — Holic. — Jungbunzlau. —
Bósig. — Turnau. — Bóhm. Leipa. — Reichenberg. — Isergebirge (Renger, Nees,
Limpricht)! — Neuwelt! — Riesengebirge bis auf die Schneekoppe (Nees)! — Aders-
bach und Weckelsdorf! — Johannisbad! — Glatzer Gebiroszug! — Erzgebirge: Hauen-
stein (Opiz)! Karlsbad! — Sůdbohmen: Rožmital. — Písek! — Bóhmerwald: úberall
verbreitet bis auf den Arber! |
“
Geooalyx. — Calypogeia. 35
o. Familie. Geocalyceae.
Dreireihig bebláttert. BI. thei/s unterschléichtig, scharf Zlappig, theils oben-
schláchtig, abgerundet oder eingedrůckt. © Unterbl, 2lappig. Fruchtast ventral, kurz,
| umterirdisch, flaschen- oder sackfórmig und fleřčschig, Haube zu */, mit der Kelchform
- verwachsen. © Kapsel gestielt, normal.
Gattuncgen:
1. Geocalyx. Blátter unterschláchtig, eifórmig 4-eckig, seicht-scharf- fast recht-
winkelig ausgebuchtet. Unterblátter mit 2 lanzettlichen, spitzen Lappen.
2. Calypogeia. Blátter oberschláchtig, rundlich eifórmig, abgerundet oder seicht
eingedrůckt. Unterblátter schmal und stumpf ausgebuchtet.
1. Geocalyx N. v. E.
1. G. graveolens N. v. E. (Jungermannia Schrad.). — Stengel fest angeheftet
dicht wurzelhaarig, wenig ástig. BI. schrág inserirt, horizontal und fast flach ausge-
breitet, mit meist spitzigen, abstehenden Lappen. Unterblátter klein, angedrůckt, bis zur
Hálfte čingeschnitten. Zellen 5—6eckig, diinnwandig, angulár schwach verdickt, undurch-
sichtig. © Fruchtast flaschenfórmig, spávlich behaart. Kapsel cylindrisch, mit linearem,
> aussen vinnenfórmigen Lappen. Sporen etwas breiter als die 2spirigen dunkelbraunen
Schleuderer.
In grůnen, zuweilen dunkelgrůnen, flach angedrůckten Uberzůgen. Stengel rechts-links
gewunden, dunkler als die Blátter, bis 2 cm lang und bebláttert 1 m breit. Der obere Blattrand
ist mehr gerade als der im deutlichen Bogen verlaufende untere; beide sind sehr seicht geschweift.
Die Blatt-Lappen sind zuweilen durch eine vorragende Zelle stachelspitz, und seltener gleich-
laufend. Zellnetz trockener Exemplare licht, scheinbar rundlich, mit wandstándigem grosskórnigen
Chlorophyll und lichten, besonders in den Ecken breiteren Zellgrenzen.
Einháusig. — 2 — Frucht im Mai und Juni, jedoch nicht úberall.
An schattigen Felsen, Bachufern, modernden Baumstrůnken, auch zuweilen an
abgestorbenen Moosen der Hůgel- und Bergregion, selten. — Turnau an feuchteren Sand-
steinfelsen unterhalb Waldstein, spárlich! — Bóhm. Leipa: selten an Sandsteinen im
Hóllengrund (Dir. Watzel). — Nach Plumert auch im Gebiete des Iser- und Jeschken-
gebirges. — Riesengebirge: (nur von Schlesien durch Nees und Limpricht bekannt.) —
Bohmerwald: Rabenstein (Martius nach Nees). Eisenstein: beim Teufelsee an Urgestein
und an Baumstrůnken des Waldbaches anfangs Juni mit reichlichen Frůchten. So auch
beim Bache unterhalb Debrník zahlreicher!
2. Calypogeia Raddi.
1. C. Trichomanis Corda. (Mnium fissum L. — Cincinnulus Trichom. et Spren-
gelii Dmrt. — Corda: Sturm pag. 38. tab. 10. — Presl: Obr. 22 und 23 fig. 1496
und 1526). — Stengel kriechend, an den Unterbl. dicht wurzelhaarig und daselbst am
Ende manchmal flagellenartige Áste entwickelnd. Blátter hor?zontal ausgebreitet, abge-
rundete mt eingedriickten, selten 2zdhnigen oft gemischt. Unterblátter breiter als der
Stengel, rundlich, mit eirunden, spitzen oder stumpfen eingebogenen Lappen. Zellen
5—6eckig, důnnwandig, angulár kaum verdickt, licht, mit wandstindigem grosskórnigen
Chlorophyll und wenicen lánglichen oder runden Oeltropfen. Fruchtast sackfórmig, mit
abwárts gerichteten Wurzelhaaren. Kapsel cylindrisch, sowie die Klappen spiíralig ge-
dreht. Sporen tetraedrisch-rund, fast doppelt breiter als die dunkleren Schleuderer.
b) acutifolia mihi. — Kleinbláttrie, Blátter zugespitzt, bogenfórmig herabgekrimmt und
dicht ziegeldachfoórmig sich deckend. In freudig grůnen oder bláulichgrůnen, schwach fettglán-
zenden, flachen, meist stattlichen Uberzůgen.
ak
a
36 Calypogeia.
Zweiháusie,. — A — Frucht im Juni. |
An feuchten, schattigen Felsen, besonders an GAuadersandstein, an modernden ©
Baumstrůnken, Hohlwegen und Grabenrándern, auch an mooriger Erde von der Ebene, ©
wo seltener, bis auťs Hochgebirge verbreitet. — Mittelbohm.: Neuhof bei Kuttenberg
(Veselský)! — Nordboh.: Wálder bei Běsig! — Turnau an Guadersandstein in Wáldern ©
úberall zahlreich! — Jeschken! — Bóhm. Leipa (Watzel). — Haindorf (Flotow). —
Isergebirge (Limpricht). — Riesengebirge: Teufelsbere bei Neuwelt! Pantsche- Wiese,
Weisse Berg und sonst úberall (Sitenský)! Kesselgrund (Nees). Kl. Sturmhaube! Aupathal
und anderwárts (Flotow). — Adersbach (Nees)! © Weckelsdorf! Glatzer Gebirgszug!
Litic bei Pottenstein (Sitenský)! — Westbohm.: Geissberg (Opiz)! — Sůdbohm.: Písek
in Hůrky und bei der Schwimmschule. — Am Langen „Stein“ im Walde bei Obecnic
im Brdagebirge (Freyn)! — Bóhmerwald: Schóninger, Rosenberg, Aussergefilde, Eisen-
stein, Arber! — 9) Am „Fischerfilz“ unter dem Mittagsberg náchst Stubenbach im
Bóohmerwald im J. 1881!
6. Familie. Jungermannieae.
Stencel 2 bis 3reihig bebláttert. Blátter unterschláchtig, ganzrandie, oder wim-
perig gezáhnt, 2-mehr záhnig oder lappig, guer seltener schrág inserirt. Unterbl. meist
fehlend, sonst gegen die Štengelspitze entwickelt, seltener lángs der ganzen Unterseite
sichtbar, grósstentheils wenig deutlich. Kelch am Ende des Hauptstengels oder ventraler
Áste, aus den Hůllbláttern hervorragend (manchmal von ihnen eingeschlossen), walzen-
fórmig oder zusammengedrůckt; seine Můndung verschiedengestaltig. Kapsel bis zur
Basis 4klappig. Sporen kugel- oder tetraedrischrund. Schleuderer 2spirig.
Gattungen:
a) Blátter sehr schrág inserirt, mit dem Dorsalrande herablaufend. Unterblátter meist
deutlich.
«) Unterblátter fast am ganzen Stengel deutlich. Kelch stielrund, 1- selten (am
Grunde) mehrschichtig.
1. Chiloscyphus. Stengel am Grunde der Unterbl. mit Wurzelfasern, © Blátter
guadratfórmig, ganz abgerundet, guergestutzt oder eingedrůckt, Unterbl. klein,
selten 2lappie. Kelch tief Sspaltig, ganzrandig oder gezáhnt.
2. Harpanthus. Stengel úberall mit Wurzelfasern. BI. rundlich-eifórmig, kurz-
stumpf- oder scharf 2lappig. Unterbl. oft so lang als die Seitenbl. — Kelch am
Grunde mehrschichtig, 3——5lappig, sonst ganzrandig.
cÍ
. Lophocolea. Blátter mehr oder weniger tief 2 spaltig oder dimorph: (einige
guergestutzt oder abgerundet, andere ausgerandet oder kurz 2lappig). Kelch
Slappig, kammfórmig gezáhnt.
P) Unterblátter nur gegen das Stengelende deutlich, pfriemenfórmic.
4. Plagiochila. Kelch von den Seiten zusammengedrůckt.
bd) BL., besonders die jůngeren guer inserirt, in der Gruppe der J. integrifoliae und bar-
batae auch etwas schrág und einwenig herablaufend. Unterblátter meist undeutlich oder fehlend.
«) Kelch von vorne nach hinten zusammengedrůckt, seltener wenig abgeflacht.
5. Scapania. Blátter meist unoleich- 2lappig. Lappen gefaltet mit Ober- und
Unterlappen, oft gekielt.
P) Kelch stielrund, hervorragend, oder durch Hůllblátter mehr weniger versteckt,
BI. verschieden.
6. Jungermannia. Kelch am Ende des Stengels oder der Hauptáste; — zu-
weilem an ventral angelegten Ásten; dann sind die Stengelblátter tief 2lappig.
7. Sphagnoecetis. Kelch und Antheridien an ventralen Ásten. Blátter ganz-
randig, ungetheilt.
Chyloscyphus. — Harpáanthus. 37
1. Chylosceyphus Corda.
1. Ch. polyanthos Corda. (Jungerm. L. — Ch. lophocoleoides und pallescens N.
v. E. — Corda: Sturm, p. 35. tab. 9). — Stengel schlají, sparrig gabelástig, lang.
- Blátter fast horizontal tnserirt, dorsal herablaufend. Unterbl. deutlich, evformig, zur *;
-oder tiefer 2spaltig, meist mit linealen Lappen, angedrůckt. Zellen 5—6eckig; Zell-
wánde gleichmássig schwach verdickt. Fruchtast se/r Jel, ventral, mit 2záhnigen Hůll-
bláttern. Haube meist linger als der becherfórmige tief Sspaltige Kelch. Kapsel 5zell-
schichtie mit gelb-braunen, doppelt breiteren Sporen als die Schleuderer.
Sehr veránderlich in Blattgrósse, Farbe und Štárke. Kriechend oder fluthend, bleich- bis
dunkelgrůn, mit ausgebreiteten Bláttern 2 bis 5 »m breit und hóchstens 1 dm. lang. Auch die
Grósse der Zellen und die Dicke der Zellwánde sind nicht constant. —
b) pallescens (Schrad.). Blátter bleich, gelblich oder gelbsrůn. Unterbl. meist deutlich
erhalten. Kelch mit langen dornig gsezáhnten Lappen. — Landform.
c) rivularis (Schrad.). Dunkelgrůn, fettglánzend, meist fluthend und dann bis 1 dm lang
Unterbl. abwárts meist zerstórt. Zellen dickwandig, chlorophyllreich. — Sumpf- oder Wasserform
Einháusig. — A — Frucht im Frůhjahr.
Auf bemoostem Waldboden, an Waldgráben, nassen Wiesen, auf morschem Holze
von der Ebene bis auťs Hochgebirge zerstreut. — Ohne die beiden Formen zu berůck-
sichtigen folgen die bisher bekannten Standorte: — Von Opiz bereits im J. 1823 an-
gefůhrt. Prag: Berg Medník b. Štěchowic! Štiřín (Sýkora)! — Ledeč in einer Waldguelle
náchst Melechov! — Blaníker Nordabhang bei Vlaším! — Obecnicer Revier im Brda-
gebirge (Freyn)! — Písek, an mehreren Waldplátzen und auf einer Můhlrinne in der
Stadt! — Rosenberg! — Teufelsmauer bei Hohenfurth! — Kuschwarda! Moldauguellen,
Fischer- und Ahornfilz, Spitzberg bei Eisenstein! — Josefienenhůtte náchst Ober-Plan! —
Marienbader Waldbach! — Kurovodic b. Můnchengrátz am Torflager! — Turnau, in
Wáldern háufiger! — Jeschken! — Bóhm. Leipa (Opiz! Watzel). — Reichenberg
(Langer)! — Haindorf (Nees, Flotow). — Isergebirge (Nees, Limpricht). — Riesen-
gebirge: Weisswasser! Weisse Wiese (Nees). Navorer Wiese und dort anderswo (Sitenský)!
Elbefall (Flotow). — Aupa (Góppert). — Cudowa an der Glatzer Grenze (Flotow).
2. Harpanthus N. v. E.
1. H. Flotowianus N. v. E. (Jungerm. Hartmanni Thed. Mus. Suec. exs.) —
Stengel lang, bráunlich-gelb, schlaff, kurz wurzelhaarig. Blátter fettglónzend, oberseits
weit herablaufend, aufsteigend, sečcht stumpflich ausgerandet, mit kleinen, stumpflichen,
zahnartigen Láppchen. Unterbl. viel kleiner, tief oder seicht 2—3spaltig, ganzrandig
oder gezáhnt, anltegend, kiirzer als die Bl. — Zellen durchscheinend, důnnwandig,
angulčr schwach verdickt. Hůlblátter auseinandergerickt. Haube kurz. Kelch fast
spindelfórmig, glatt, Sfaltig, mit 3——5 meist ganzrand. Lappen.
In gelbgrůnen, bisweilen bráunlichen, lockeren, schwammigen Rasen, deren Stengel
2—6 cm. Lánge erreichen. Angefeuchtet sehr schlaff, zusammenklebend und schlůpfrig.
Zweiháusie. — 2 — Frucht sehr selten; im Frůhjahr und Sommer.
An Moor-, Torf- und Sumpfwiesen, an GOuellen, seltener auf morschen Baum-
strůnken, nur im Bereiche des Hochgebirges ofters auftretend. — Isergebirge (Limpricht).
— Riesengebirge: Koppenplan und W. Wiese (Flotow 1824, Nees). Sumpfige Stellen am
sůdlichen Fusse des hohen Rades (Flotow). Kleine Sturmhaube in grossen Rasen! Elb-
guellen und Pantsche-Wiese! — Bóůhmerwald: háufiger an Torfmooren, so an den Moldau-
guellen, am Fischer- und Ahornílz!
2. H. scutatus Spruce. (Jungerm. stipulacea Hook.) — Viel kleiner als vor.
Stengel dicht wurzelhaarig, mit aufsteigenden schopfigen Ásten. Blátter dachziegelig auf-
steigend, kleiner, meist zu */„ stumpf eingebuchtet, mt zugespitzten, oft gegeneinander
genevgten Lappen. Unterbl. so lang als die Blátter, breit lanzettlich-pfriemenfórmig, am
38 Lophocolea.
Rande zurůckgebogen, meist ganzrandig, mit bogig eingekrůmmter Spitze. Zellen durch-
sichtig, angulaer ŠSeckig verdickt. Kelch oval, am Ende faltig zusammengezogen. Sonst
wie vor.
Bleichorůn, lockerrasig, von der Tracht einer Jung. Muellert oder einer Form der Jung.
bicuspidata.
Zweiháusig. — 24 — Fr. im Sommer.
Auf faulenden Baumstrůnken, schattigen Felsen, seltener auf nackter Erde.
Bisher selten, und nur im Hochgebirge beobachtet. — Riesengebirge: Elbgrund (Funck
im J. 1819). Háufiger an Schlesischer Seite (nach Nees). — Bóhmerwald: Schwarzer
Seé an modernden Strůnken mit Jung. bicuspidata unter den Exsicaten des Dr. Em.
v. Purkyně gefunden !
9. Lophocolea N. v. E.
«) Alle Blátter gleichfórmic, durch eine tiefere Bucht in 2 lanzett-pfriemenfórmige
oder spitz eifórmige (bei L. minor durch Keimkórner meist erodierte) Lappen getheilt.
* Blattlappen pfriemenfórmig, unversehrt.
1. L. bidentata N. v. E. (Jungerm. L. — L. lateralis Dmrt). Stengel verlángert,
wenig stig, oder durch Sprossung aus der Scheitelregion lang gabelig verzweigt, spárlich
wurzelbaarig. BI. an der Basis so breit als lang, gegen die Spitze schtef verschmálert,
durch eine meist stumpfe oder rundliche Bucht zu ', n 2 ungleiche, metst divergirende
Lacinien getheilt. Unterbl. kleiner, mit dogig eingekriimmten Spitzen. Zellen gleich,
-sehr durchstichtig, důnnwandig, mit je 2—6 kleinen Oeltropfen. Gechlechtsorgane gipfel-
stindig angelegt, spěter seitenstndig. Kelch lánglich, mat spiťz gezáhnten Lappen.
Sporen hellbraum, glatt, fast doppelt so breit als die dunkelbraunen Schleuderer.
Lockerrasig, meist bleichgrůn, in Blatterósse und Ausbuchtung, sowie in Lánge und der
gegenseitigen Richtung beider Lacinien veránderlich.
Zweiháusig. — 2 — Fr. im Spátherbst.
An feuchten, besonders schattigen Feldrainen, Lehnen, Wiesen, besonders aber
in Wůldern an verschiedener Unterlage von der Eb. bis an den Fuss des Hochgeb. úberall
gemein. Seltener im Hochgebirge,
2. L. cuspidata Limpricht. (L. bidentata 6. cuspidata N. v. E. in v. Flotows
Herb.) — Stengel oft weit hinab reich verzweist. BL. eifórmig, nach der Spitze betder-
sets fast gleichměssty verschmálert, durch eine seichte, weit mondfórmige Bucht in
2 metst gerade und gleiche Lacinien getheilt. Unterbl. weit abstehend. Zellen mnder
durchsichtig. © Geschlechtsorgane an ventral angelegten Seitensprossen. Kelch lángs
Skantig, an den gefliigelten Kamten zuweilen gezihnt. Lappen der Můndung geschwesft,
kaum gezdhnt. Sporen vothlichbraun, fein gekóvnelt.
Habituell der Vor. áhnlich, jedoch satterůn.
Einháusig. — A — Fr. im April.
An feuchten Felsen der Hůgel- und niederer Beregregion sehr selten. — Aders-
bacher Felsen (Nees)? — Sůdabhang des Jeschken oberhalb Světlá im J. 1878 spárlich
und steril!
** Blattlappen spitz eifórmig, gerade, meist ausgefressen gezáhnt.
3. L. minor N. v. E. Kleiner als beide Vor. Stengel reich verzweigt, stellen-
weise kurz-bůschelig wurzelhaarig. BL. oval-4eckig, mit fast gleichlaufenden Seiten-
rándern. Unterbl. anliegend oder etwas abstehend, tief gabelig getheilt, mit breit pfriemen-
fórm. jedoch meist ausgefressenen Lappen. Keimkórner reichlich, blassgelblěch, in rand-
stěndigen Kliimpchen, © Frucht endstándie angelest, spáter seitenstándig. © Kelchlappen
mt wenigen tiefen Zčihnen,
. In dichtverwebten, hell- oder gelblichorůnen, oft weiten Rasen. Fast immer mit Keim-
kórnern und daher selten mit Frůchten.
n
Placioohila. 39
(m
Zweiháusie. — 4 — Fr.?
An sandigen, schattig feuchten Hohlwegen, Wegrándern, Baumstůmpfen, zuweilen
auch auf gesunden Stámmen, von der Ebene bis zum Fusse der Hochcebirge zerstreut,
jedoch stellenweise zahlreich. — Prag: Žižkow, Šárka, Sele, Roztok, Chabry, Stern,
EEubočep, St. Prokop, Kuchelbad, Závist. — Am Graben bei der Fasanerie in Uhřině-
ves! — Medník b. Štěchovic! — Kolín (Veselský)! — Am Třemšín im Brdagebirge
(Velenovský)! — Schůttenhofen an der Anhóhe beim „Schutzengel“ ! — Písek! Bóhmer-
wald: Kuschwarda, Arber! — Nordbohmen : Turnau im Walde Farářství, auch an gesunden
Erlenstimmen ! Bósie! Mileschauer! — Fuss des Riesenceb.: Hohenelbe an Feldrainen,
daselbst mit spárlichen Keimkůrnern!
E P) BL. ungleichfórmig: guergestutzt, seicht eingedrůckt oder kurz und stumpf-
appiS.
4. L. heterophylla (Dmrt.). N. v. E. (Presl: Obr. 22. fig. 1492.) — Stengel
stark bůschelig wurzelhaarig. BI. eirund-guadratisch, mevst doppelt gestaltig: die oberen
setcht eingedriickt oder tiefer- ungleich gelappt, mit abgerundeten Ecken, oder ganz
und guergestutzt; die unteren durch eine rundlich stumpfwinkelige Bucht stumpflich
Zlappig. Unterbl. ziemlich gross, angedrůckt, bis unter die Mitte 2theilig. Keleh cylín-
drisch becherfórmig, die Můndung guer gestutzt, an den Lappen grob gezáhnt. Sporen
lichtbraun, fast glatt, etwas breiter als die dunkleren Schleuderer.
In auscedehnten, flachen, meist bleich-gelblichorůnen Ueberzůgen von Grósse der L.
bidentata.
Einháusig. — 2 — Fr. im Mai-Juli.
Meist an Baumstůmpfen, weniger auf nackter Erde oder an kieselhaltigen Felsen
von der Ebene bis auf's Hochgebirge zerstreut. — Prag: Chabry! — Medník b. Štěchowic !
— Štiřín (Sýkora)! — Půrelitz! — An Erlstámmen und Fichten im Planina-Walde bei
Obecnic im Brdagebirge (Freyn)! — Písek! — Blánsker Wald! — Teufelsmauer b. Hohen-
furth! — Kuschwarda! Eisenstein, Spitzbereg,
— Karlsbad! — Mileschauer! Jeschken! Turnau, b. Waldstein! — Fuss des Isergebirces
(Limpricht). — Teufelsberg b. Neuwelt! — Elbgrund! Grenzbauden (Nees). Cudowa an
der Glatzer Grenze (Flotow). Adersbach! — Petersdorf! — Adlerkostelec! — March-
guellen!
4. Plagiochila N. et M.
1. P. asplenioides N. et M. (Jungerm. L. — Presl: Obr. 22. fig. 1481.) Haupt-
stengel kriechend. Aeste aufsteigend oder aufrecht, fast ohne Wwurzelhaare. Bl. dicht
sitzend, meist verkehré etrund, am Rande mehr weniger dichtgrobgezčhnt, mit dem
Hinterrande zurůckgeschlagen. © Unterbl. an der Stengel-Spitze, klein, fadenfórmic, bald
verschwindend. Kelch doppelt hóher als die Hůllbl., mit der Spitze umgebogen, an der
schrůgen Miindung wimperig gezáhnt. Kapsel dunkel purpurn.
Lockerrasig, oft sehr verláncert, grůn- bis gelblich- oder bleich-grůn. Zellen rundlich,
b—8eckig, sleichfórmie, angulaer schwach verdickt, mit mehreren unoleichen Oeltropfen. In Blatt“
grůsse, ihrer Berandung, ja sogar in der Blattform veránderlich. — «) Mumális. Kurz, mit aufrechten
Aesten. Blátter spárlich gezáhnt oder ganzrandig, mit dem Vorderrande stark '"zurůckoebogen,
P) major. Verlángert und kriechend, grossbláttrig. Bl. bis 4 mm lang, meist dicht — zuweilen
wimperig gezáhnt. y) keterophylla. Entferntbláttric. Bl. verschiedencestaltig, guergestutzt, ausge-
randet oder ungleich kurz 2lappig.
Zweiháusig (nach Carrinst. auch einháusig). — 24 — Fr. im Frůhjahr.
In feuchten Wáldern oder auch an sonnigen buschigen Lehnen von der Ebene
bis auť's Hochgeb. gemein. — () zerstreut, besonders in Bergwáldern; so bei Reichen-
berg (Siegmund, Langer)! — Turnau! — Adersbach! — Marchguellen! — Rothenhaus
(Roth)! Werschetitz Eger. Kr. (Thysebaert)! — Blaník! — Písek! — y) selten: Stern
b. Prag im Walde beim Brunnen!
2. P. interrupta N. v. E. (P. pyrenaica 6. interrupta Lindb.) — Stengel und
Áste miederliegend, schlafť, dicht wurzelhaarig. BI. lčnglich rectangulár, stunpf aus-
40 Scapaáania.
gerandet, ganzrandig, horizontal sich deckend. Kelch wemg vortretend, unregelmássig
eingeschnitten. Můndung nicht gezčihnt. Kapsel gelbbraun.
In dicht verwebten, flachen, grůnen Rasen. Kleiner als var. humilis der Vor., und theils
dem Chilose. polyanthos, theils der Jung. lanceolata, Sehraderi oder subapicalis áhnlich.
Einháusie. — 2 — Fr. im Mai, Juni reichlich.
An schattigen Kalkfelsen der Hůgel- und Bergregion, selten. — Isergebirge im
Oueisthal (Limpricht). — Glatzer Schneeberg: Auarklócher und Moravathal (Flotow).
D. Beapania Lindenb.
a) Blátter gekielt.
©) Bl. mit Ausnahme der jůngsten ungleichlappis.
* Der Unterlappen weit herablaufend.
1. S. nemorosa N. v. E. (Jungerm. L.) — Presl: Obr. 22. fig. 1500 a 1501).
— Stengel meist aufsteigend, mit der Spitze gebogen, steif, mehr oder weniger wurzel-
haarig. BL. straff, die oberen grósser, zu “/, ein wenig schrág umfassend, am Ventral-
rande zurůckgebogen. Beide Lappen meistentheils dicht wimpertg gezáhnt. Unterlappen
verkehrt etrund, convex, mit der Spitze niedergebogen, grósser als der mterenfórmige,
aujliegende meist spitze Oberlappen. Zellen gleich gross, wemig durchscheinend, můssig
angulčr verdickt. Kelch bis 4 mm lang, oberseits convex, mut meist schrůger, gerader
oder ausgeschveifter, dicht wimperig gezdhnter Miindung. Wimpern mehr als 50, aus
mehrzelliger Basis bis 5zellýg.
Gelblich- bis olivengrůn oder bráunlich, in stattlichen dichten Rasen. Auf Waldboden
meist niederliegend, nur am Unterlappen kurzgezáhnt, grůn, mit důnnwandigem Zellnetz. An trie-
fenden Welsen, Hlussbeeten und an Báchen purpurn und mit stark verdickten Zellwánden. Blatt-
kiel kurz. :
Zweiháusie. — 4 — Fr. im Frůhjahr.
Auf Waldhumus oder an Felsen (besonders Guadersandstein, nie auf Kalksteinen)
n der Hůgel- und Bergregion ziemlich háufie. — Turnau, bei Waldstein und Wartem-
berg, sowie an einem Feldrain náchst des Waldes Farářství! — Jeschken: Sandsteinbeet
eines Báchleins! — Reichenberg (Langer)! — Běóhm. Leipa (Watzel). — Nixdorf (Neu-
mann)! — Kleisberg b. Leitmeritz (Opiz)! — Flussbeet der Iser und in den Iserwáldern
(Limpricht). — Wurzelsdorf an der Iser! Mummelbach! — Kamm des Riesengeb. (Wimmer,
Nees). Weisse Wiese (Flotow). — Petersdorf gegen Adersbach! — Rothfloss bei Grulich!
— Westbohmen: Půrglitz dem Schloss gegenůber! — Rothenhaus (Martius coll. Berch-
toldt)! — Tepl (Konrad)! — Sůdbohmen: Planina-Wald bei Obecnic an Bachufern im
Brdagebirge (1867) Freyn)! — Wělder bei Rožmital (Velenovský)! — Budweis (Hillardt)!
— Rosenberg! — Schwarzer See im Běóhmerwalde (unter den Exsic. d. Ritter Em.
Purkyně)! Spitzberg bei Eisenstein!
2. 8. undulata M. et N. (Jungerm. L. — Presl: Obr. 22. fig. 1482.) —
Stengel steiť, Diischelig dstig, roth- oder purpurbraum, sehr spůárlích wurzelhaarig. Bl.
trockem kraus, guer angeheftet, gezáhnt oder ganzrandig, břs zur Mitte fliigelig gekielt.
Lappen trapezoidisch-rundlich, zuweilen zugespitzt. Der Unterlappen deutlich, der Ober-
lappen schwach herablaufend. Zellen am Grunde vectangulůr, in der Mitte lčnglich,
gegen den Rand klečner und rundlích, alle mít gleichiměisstg mehr oder mínder ver-
dickten | Zellhvěnden. © Kelchmůndung zahnlos oder unregelměissty und entfernt klein-
gezdhnt. Záhnchen klein, 1zellig.
In kráftigen, polsterfórmigen, rosenrothen oder dunkelpurpurnen, wenn fluthend smaragd-
grůnen Rasen, von 01—1 dm Stengellinge. Die jůngeren Bl. grósser, dicht gestellt und fast
oleichlappig. Blattrand theils gezihnt (an Pflanzen, die feuchte oder zuweilen úberrieselte Felsen
bewohnen), theils ganzrandig (bei der Wasserform). Keimkórner seltener, kugelig, 1zellig.
Zweiháusig. — 4 — Fr. im Mai — Juli.
An úberrieselten Felsen, besonders aber an und in Bůchen der Berg- und
Scapania. 41
Hochgebirgs-Region gemein. — Nach Opiz vom J. 1823 von Palliardi in Bóhmen ge-
© sammelt. — Nordběhmen: Běhm. Leipa, Moor am Schiessniger Teich (Watzel). —
Reichenberg (Menzel u. a.) — Haindorf (Nees). — Isergebirge (Renger u. a.)! —
Riesengeb.: am Gebirgskamme an Guellen und Torfwiesen (Funck, Nees). — Elbgrund
- (Flotow, Gůppert)! — Mummelbach, Pantsche, W. Wasser, Elbufer bis náchst Hohenelbe!
— Grossaupa (Flotow). — Marchguellen! — Sůdbohmen: Teufelsmauer, St. Thomas,
Kuschwarda, Moldauguellen, Mittagsberg, Eisenstein, Arber! Schwarzer See (Purkyně,
Celakovský)!
** Beide Lappen herablaufend.
3. 8. irrigua N. v. E. (J. uliginosa Hůben.) — Stengel schlaff, bis zur Spitze
wurzelhaarig, meist locker bebláttert. BI. sehr schlajf und diinnhůutig, halb-stengel-
umfassend. Der oft gezáhnte Oberlappen convex, mt eingekriimmter Spitze, úber den
Stengel weit vortretend. © Unterlappen rundlich herzfórmig, ein wenie herablaufend. —
Zellen sehr durchsichtig, angůlaer meisť verdickt. Kelch wenig zusammengedriickt, ecktg
5—6faltig, ungleich gezáhnt.
Fettolánzend. In polsterfórmicen bleichgrůnen oder bráunlichen Rasen, oder seltener
zwischen Sphagnen vereinzelt. k
Zweiháusig. — 4 — Frucht im Mai, Juni.
In Torfsůmpfen und Wiesengriben des Hochgebirges, auch in der Ebene ziemlich
verbreitet. — Schiessniger Teich bei Niemes (Sitenský)! — Riesengebirge (schon von
Corda angefůhrt): Weisse Wiese (Goeppert). Gebirgskamm (Flotow). Pantsche Wiese
in Polstern und einzeln! Weisswasser in grossen schwammicen Polstern! Buschwiese bei
den Klappersteinen oberh. Grulich! — Isergebirge: in Wildern, im Flussbeete der Iser,
sowie auf schattigen Lagen des Buchberges (Limpricht).
4. 8. uliginosa N. v. E. (Jungerm. Swartz). — Stengel spůrlích wurzelhaarig,
fast gleichmássig bebláttert. BI. strajf, halbstengelumfassend, stets ganzrandig. Oberlappen
anliegend und stark convex, viel kletmner als der herabgebogene rundliche Unterlappen.
Blattkiel sehr kurz, bisweilen kaum bemerkbar. Zellwánde glevchměissig stark verdickt.
Kelch eifórmig, an der 3lappigen Můndung schwach gezáhnelt.
Firnissglánzend. Rasen ausgedehnt, oft fluthend, steif, rothbraun bis dunkelpurpurn.
Aendert mit schlanken und kleinbláttrigen (f. microphylla), sowie mit locker beblátterten und
schlafferen Formen (forma laxa) ab, und ist mit S. undulata und S. úrrigua zu vergleichen.
Zweiháusig. — A — Fr. im Mai bis Juli.
An úberrieselten Felsen und in Moortůmpeln des Hochgebirges verbreitet. —
Riesengebirge (bereits von Funck): Elbguellen! Pantsche Wiese! Mittagstein: Oberhalb
des KL. Teiches! Weisse Wiese, Weisswasser, Kessel- und Riesengrund, Aupaguellen
(nach Limpricht).
B) Die gekielten Blátter fast gleichlappie.
5. S. aeguiloba N. v. E. (Jungerm. Schwaegr. — 8. Bartlingii N. v. E. z. Th.)
Stengel 0-2—1 dm lang, niederlievend oder aufrecht, meist dicht wurzelhaarig, regel-
měisstg kammfórmig bebláttert. Bl. gleichgross, guer inserirt, něchť herablaufend, kaum
bis zur Hálfte getheilt. Beide Lappen aufrecht abstehend, fast ganzrandig oder schwach
gezáhnt. Zellecken stark verdickt; Zellváůnde beiderseits durch wenige hyaline Fapillen
rauh. Kelch an der Můndung unregelmássig wimperig gezáhnt.
Breit und lockerrasig, dunkelorůn bis bráunlichgelb.
Zweiháusig. — A — Fr. im Mai, selten.
Nur auf Kalkoerund von der Hůgelregcion bis auťs Hochgebirce, selten. — Glatzer
Schneeberg am Anfange des Marchthales (Nees). — Isergebirge (Opiz)! — Jeschken (Opiz)!
b) Blátter nicht Hůgelig gekielt, nur einfach zusammengefaltet.
«) Bl. gleichlappie, die oberen grósser, zusammengebogen.
49 Socoapania.
6. 9. compacta Lindenb. (Plagiochila M. et N.) — Stengel bis 3 em lang,
steif, aufsteigend, wurzelhaarig. Blátter rundlich-herzfórmig, kurz zweilappig, mit par allel
laufenden an dem oberen Bl. meist klein gezáhnten Lappemn. Unterlappen wenig her-
ablaufend; Oberlap. oft etnidrts gekriimmt. Zellen fast gleich gross, rundlich, wenig
durchsichtig, angulár stark verdickt. Kelch platt zusammengedrůckt, mit feingezáhnter
Můnduns.
Gelb- oder roth-bráunlich, selten rein grůn.
Zweiháusig. — A — Fr. im Frůhjahr.
Auf feuchtem Lehm- und Haidegrund in der Hůgel- und Bersgrecion zerstreut.
— Isergebirge: an Waldwegen mit 9. umbrosa und curta. (Limpricht). — Riesengeb.:
am unteren Weisswasser (nach Limpricht). — Wurzelsdorf an der Iser gegen Neuwelt!
P) Blátter ungleichlappig, die obersten grósser, dichter gestellt.
7. S. curta N. v. E. (Jungermannia Mart. — J. Conradi Corda. — Diplo-
phyllum Conradi Dmrt. — Corda: Sturm Flora t. 29 und 30). — Stengel aufrecht oder
aufsteigend, vielástig, wurzelhaarig. Blátter nicht herablaufend, tief 2lappig. — Der Unter-
lappen grósser, rumdlich oder eifórmig, stumpf oder zugespitzt, wie der triangulaere
meist spitze Oberlappen gewóhnlich ganzrandig. — Zellen gross, rundlich, am Grunde
lánglich, mit mehreren grossen Oeltropfen, durchscheinend, angulaer verdickt. — Kelch
lánglich verkehrt eifórmig, zusammengedrůckt, oben schwach gefaltet und kurzlappig, mit
ungleich grossen, divergirenden, scharfen Záhnen. Die Zahnbasis 1—3zellig; Záhne A
schenkelig, bis 5 Zellreihen hoch. — Keimkůrner gelblech griin.
In hellen, gelb- bis dunkelgrůnen, zuweilen bráunlichen oder purpurbraunen, kleinen,
niedricen Ráschen. In Blattform sehr veránderlich.
b) rosacea (J. rosacea Corda). Stengel bis 1 cm lang, kriechend, dicht wurzelhaarig. Bl.
aufwůrts um vieles grósser, dicht dachziegelig gedrčingt, derber; Hůllblátter, besonders die $ rosetten-
fórmig und purpurn. Zellwánde und Zellecken stark verdickt.
Zweiháusig (nach Lindberg), — 4 — Frucht im ersten Frůhjahre; Kelche háufig.
Auf sandig thonigem, zuweilen auf Mergelboden, Haideland, auch an Gráben,
Felsen, von der Ebene bis auťs Hochgebirge ziemlich verbreitet. — Prag: Žižkaberg
(Opic)! Cibulka (Opic)! — Záwist! — Medník bei Stěchowic! — Wůlder bei Rožmital
(Velenovský)! — Jungbunzlau an der Lehne gegen Neuberg! — Turnau an Sandstein-
felsen bei Waldstein, (Opic)! — Isergebirge (Limp-
richt). — Riesengebirge: (Flotow, Nees) Elbgrund! — Adlerkostelec auf der kalkhaltigen
Flusslehne! — Grulicher Wald sehr zahlreich! — Bóhmerwald: Teufelsmauer bei Hohen-
furth! — Karlsbad beim Hammer! — b) Šárka- und Stern-Abhůnge bei Prag (Konrad,
Opic!)! — Kuchelbad im Walde gegen St. Johann! — Čimic, im Thale zur Dynamit-
fabrik! — Tepl (Corda nach Nees). — Rothfloss bei Grulich ! — Adlerkostelec an der
Flusslehne!
8. 8. umbrosa Dmrt. (Jungerm. Schrad, — Plagiochila M. et N. — Corda in
Sturm tab. 27.) — Stengel 0:5—2 em lang, aufsteigend, an der Spitze abwárts gekrůmmt,
wurzelhaarig. © BL nicht herablaufend, tief 2lappig. Die Unterlappen abwdirts gebogen,
fast einseřtswendig; die Oberlappen parallel dem Stengel dícht angedriickt, beide
etlčnglich, spitz, gegen die Spitze scharf geságt. Zellen ziemlich gross, undurchsichtig
bis durchscheinend, besonders die spitzenstůndigen stark 7ngs verdickt. Kelch anfangs
von Lůnge der Hůllblitter, zuletzt doppelt so lang als die Hůllblátter, an der ungleich
ausgeschweiften Můndung necht gezdhnt, sonst wie beim Vor. Keimkůrner dunkelbraun.
In ausgedehnten, flach polsterfórmigen, gelblichorůnen, bráunlichen oder besonders an
der Spitze purpurnen Ráschen,. — Oeltropfen gross, gekórnelt. Cuticula gruftig und deutlich
punctirt.
Zweiháusio. — 4 — Fr. im Frůhjahr, meist reichlich und ofters.
An Baumstrůnken, feuchten besonders guarzigen Felsen, auf nackter Erde, zu-
weilen auch an Torf, in der Bergregion sowie am Gebirgskamme verbreitet. — Bohmer-
wald: auf Urgestein am Bachufer unterhalb des Teufels-Sees bei Eisenstein! Arber-See!
Spitzberg, Schwarzer See, Mittagsberg, Fischerfilz! Aussergefildé! Moldauguellen! —
Ě
Jungermannia. — Compliocatae. 43
K
Isergebirge (Corda). — Iserwálder (Limpricht). — Riesengeb.: vom Fusse bis auf den
Kamm verbreitet (Nees, Flotow), so z. B. am Muldenberg (Sitenský)! oberhalb der Teiche
(Milde)! Kleine Sturmhaube! — Weckelsdorf! Petersdorf! — Grulich und Rothfloss!
6. Jungermannia L.
Úbersicht der Sectionen:
a) Blattspitze 2—5záhnig oder -lappig, seltener die Blattfláche 3—4theilig.
©) Kelch an der Stengelspitze (excl. J. setacea, wo er an ventralen Ásten).
««) Bl. 2lappie. Lappen sich theilweise deckend, zusammengebogen, oder
gefaltet und kielig verwachsen.
1. Sect. Complicatae. Lappen meist ungleich (der Unteri. grósser). Unterblátter
spárlich oder fehlend.
BB) Bl. 2—5lappig oder záhnig, mehr oder weniger flach.
+ Unterbl. fehlend oder von den Seitenbl. verschieden.
2. Sect. Bidentes. Bl. 2lappig oder 2- (sehr selten 3-) zůhnig, niemals rinnen-
fórmig, ausser mit zusammengeneisten Lappen. Unterbl. meist fehlend.
3. Sect. Barbatae. BI. 3—5lappig, oder 3—5záhnig (selten mit 2záhnigen unter-
mischt). Unterbl. fehlen, oder deutlich, oft 2theilig.
+1 Unterbl. mit den seitlichen gleichgestaltig.
4. Sect. Aeguifoliae. Bl. entweder tief 2theilig, oder bis zur Basis in 2—4
pfriemenfórmige Lacinien gespalten.
B) Kelch am Ende ventral angelegter Aste, seltener an seitwárts gedrángten
Hauptaxen.
5. Sect. Cephalozieae. Bl. tief 2lappig, klein bis undeutlich. Unterbl. deutlich
oder rudimentaer, andersgestaltic.
b) Bl. ungetheilt, ganzrandig.
6. Sect. Integrifoliae. Unterbl. nur bei einigen Arten, klein und durch Wurzel-
fasern verhůllt,
1. Sect. Complicatae (Diplophyllum Dmrt. ex parte).
Blátter gekielt oder rinnig, 2lappig, manchmal der eine Lappen tiefer ausgerandet.
* BI. scharf gekielt, unsleich-2lappig. Unterbl. fehlen.
1. J. albicans L. (Diplophyllum Dmrt. — Scapania Rabenh. — J. fissidento-
idea Hůben). — Secundáre Stengel und Áste reihenweise aufsteigend, ojfť eťnwáirts ge-
kriimmt, spárlích wuzelhaavig. Bl. guer */„ stengelumfassend, gegen die Spitze feingesůgt.
Lappen lánglich eifórmig, spitz oder stumpf, der obere um *„ klečner, vorwárts ge-
michtet, selten mit dem unteren fast gleichlaufend, und aufliegend. Zellen am Rande
unregelmássig 4—6eckig, kaum durchscheinend, viel kleiner; lángs der Lappenmitte
einige Reihen langer, einen hyalinen Mittelstreif bildenden Zellen. Kelch verkehrt
eilánglich, unten schwach zusammengedrůckt, oben faltig, ungleich ausgefressen gezáhnelt
und entfernt gewimpert. Wimpern aus 2zelliger Basis 2—3zellic.
In lockeren grůnen, gelblichen oder gebráunten, meist stattlichen und ausgedehnten
Polstern. Aste bis 4 em lang, am trockenen Standorte meist gebogen und zuweilen, besonders
die F, feiner und kleinbláttriger.
b) taxifolia (Wahlenb. spec. — Dipl. taxif. Dmrt.). Kleiner und feiner. Blattlappen fast
gleichlaufend. Der hyaline Mittelstreif sehr kurz oder fehlend.
Zweiháusig. — A — Fr. im Frůhjahr.
Besonders an Auadersandstein, auch an kieselhaltigen Felsen (nicht auf Kalk)
44 Gompliocatae.
oder seltener auf Kiesboden in der Berg- und Hochgebirgs-Region (da besonders var. b.)
verbreitet. — Planina-Wald und Bachufern bei Obecnic im Brdagebirge (Freyn)! — Wálder
bei Rožmital (Velenovský)! — Nordbohmen: Turnau an Guadersand béi Waldstein,
Gross-Skal, Rothstein u.s. w. sehr verbreitet! — Jeschken! — Reichenberg (Siegmund)!
— Isergebirge (Limpricht). — Bóůhm. Leipa (Watzel). — Nixdorf (Neumann)! — Neu-
schloss (1823 Opiz). — Haindorf (Nees). — Schluckenau (Karl)! — Tepliz (Winkler).
— Schneekoppe (nach Nees, Flotow). — Mummel, Wurzelsdorf, Weisswasser! — Aders-
bach! — Bóhmerwald: Eisenstein. — 9) Reichenberg (Corda nach Nees). — Am Kamme
des Riesengebirges und dessen Abhángen: Teufelsberg bei Neuwelt! Wurzelsdorf! H. Rad!
KI. Sturmhaube! Schneekoppe (auch Flotow)! Weisswasser! — Aupathal (Flotow). —
Adersbach ! — Bóůhmerwald: Arber! Schwarzer See!
2. J. obtusifolia Hook. (Diplophyllum Dmrt.) — ste bis 1 em lang, bogig
aufrecht, dícht wurzelhaarig. BL. aufwůrts grósser, auffallend ungleichlappig. © Ober-
lappen um */„ kleiner, fast parallel dem Stengel aujliegend, zuweilen zugespitzt. Der
Unterlappen lánglich, zur Basis schtef verbrettert, abgerundet, ganzrandig oder geságt.
Zellen gegen den Rand rundlich, undurchsichtig, um etwas kleiner als die lěnglich
evfórmigen, durchschetnenden Mittel- und Basalzellen. Kelch anfangs stark gebogen, auf-
geblasen verkehrt-eilánglich, oben zusammengezogen, durch vorspringende Zellen ungleich
und divergirend gezdhnelt.
Kleiner als die Vor. In gelberiůnen, bráunlichen oder purpurnen Truppen, oft auch in
auscedehnten, niedergedrůckten Ráschen von der Tracht d. Scapan. umbrosa und curta. Zellnetz
gleichfórmie verdickt mit ungleichen Oeltropfen. Můtze oft róthlich. Záhne der Kelchmůndung
ofters verláncert (1zellig) und wimperartie.
Einháusig. — 2 — Fr. im Frůhjahr auch sonst mit reichlichen ausdauernden
Kelchen.
An kiesig-thonigen Waldrándern, Abhángen, in Gráben und Hohlwegen, in der
Hůgelregion, besonders jedoch im Gebirge zerstreut. — Nordbohmen: Johannisbad im
Waldpark! Am Weisswasser! Kamm des Riesengebirges, besonders auf der Nordseite an
Fusspfaden (Nees). — Petersdorf, waldige Strassenlehne gegen Aualich! — Weckelsdorf,
am Eingang in die Felsenvorstadt! — Grulich und Rothfloss an Waldgráben! In Wáldern
des Isergebirges (Limpricht). — Reichěnberg (Corda). — Boůhmerwald: Eisenstein am
Waldwege zum Teufels-See! Spitzbereg und beim Schwarzen See!
*% Blátter rinnig zusammencebogen, scharf-, zuweilen stumpflappic.
S Lappen ungleich, sehr scharf gespitzt; der Unterlappen grósser, oft 2lappig.
9. J. exsecta Schmid. (Presl: Obr. 22. fig. 1488). — Secundaere Stengel und
Aeste aufsteigend, fast 3 cm hoch, wurzelhaarig. Bl. oft einseitswendig, aufstevgend, mít
breit abger o oren Bucht. ÚUnterlappen vtelmals grósser, eilanzettlich, zuweilen scharf-
kurz-zweilappig, wie das zahnavtige abstehende Oberlčippchen ganzr andig, meist jedoch
am Imde von schmutziggelben Kečmkórnerhaufen zerstóvrt. Kelch walzenfórmig, stumpf-
faltig; die zusammenneigenden Záhne der Můndung wimperartig zerschlitzt.
Heerdenweise, zuweilen in grůnen oder bráunlichen Ráschen, auch vercinzelt unter Mooser.
Zellen verháltnissmássig gross, rundlich 4—6eckig, am Rande und in den Lappen undurchsichtig,
am Ende zerstorter Lappen durchscheinend oder hyalin. Zellwánde úberall verdickt, benachbarte
Ecken oft zusammenjlhessend. Keimkórner selten fehlend, spáter bráunlich, meist eckig, birnfórmig
und guergetheilt.
Zweiháusic. — 2 — Fruchtet seltener, im Frůhjahr.
Besonders an GAuadersandstein, aber auch auf kiesig-thoniger Erde oder an
Baumstůmpfen schattiger Wálder von Mittelbohmen bis auťs Hochgebirge, wo sie hu-
figer, ziemlich verbreitet, — Prag: Stern (als J. saxicola, Opiz)! Šárka! Košíř! (Opiz)!
— Medník bei Štěchowiz! — An Sandsteinfelsen im Wrutizer Thal náchst Melník! —
— Turnau in Wáldern háufig! — Jeschken (Opiz)! — Bóhm. Leipa (Watzel). — Teufels-
berg bei Neuwelt! — Kamm des Riesengebirges, so auf der Schneekoppe (Nees). Aupa-
thal (Nees). — In Wáldern bei Rožmital zahlreich (Velenovský)! — Bóhmerwald: Rosen-
berg, Spitzberg, Schwarzer See bei Eisenstein! Arber!
SS Blattlappen gleich gross oder fast gleich, beide scharf zugespitzt, oft stacheispitzig.
Complicatae. 45
4. J. Michauxii Web. (J. densa N. v. E. — J. minuta var. procera N. v. E.) —
Stengel niederliegend mit aufsteigender Spitze, halbstielrund, oberseits treppenfórmig,
spárlich wurzelhaarig. Bl. gleichmássig dicht gestellt, etwas schrůg umfassend, fast
guadratisch, tief scharťf 2spaltig. Der Oberlappen mit dem Dorsalrande weit iiber den
Stengel greifend, sparrig abstehend und eřngekriimmt. Beide Lappen gleich gross,
scharf zugespitat oder stachelspitzig. Zellwánde unregelmůsstg- sehr stark verdickt.
Kelch cylindrisch bis keulenfórmig, gegen S mm lang, unten olatt, oben seicht faltig,
mit stark zusammengeneigten, stumpfoezáhnten und in, bis 7zellige lange Wimpern aus-
laufenden Láppchen.
Ráschen grůnlioh-gelbbraun oder dunkelbraun, flach polsterfórmig, in Grósse und Tracht
der J. saxicola, J. minuta oder der J. Flórkei ahnlich. Unterbl. erscheinen nur am Ende der Ge-
schlechtsáste. Zellen klein, mit Chlorophyll und runden Oeltropfen dicht erfůllt, und mit fein-
kórniger Cuticula. — Die Kelche erscheinen an der Můndung zuweilen ganz plattgedrůckt!
Zweiháusig. — 2 — Frucht im Frůhjahr, reichlich.
Auf tief beschatteten Baumstůmpfen und schattigen Sandsteinfelsen der Hůgel-
und Bergregion, selten. — Sandsteinfelsen bei Adersbach an Felsen links vom Zuckerhut
1880! Elbgrund (nach Limpricht).
5. J. Helleriana N. v. E. (Diplophyllum Dmrt. — J. verruculosa Lindb.) —
Stengel Aaarfem, niederliegend, vielástig, oft mit schlanken kleinbláttrigen Sprossen,
unterseits dicht wurzelhaavig. BL. entfernt, zweizeilig abstehend, theils einseitig aufge-
richtet, guer-halbstengelumfassend. Blatt- Bucht fast rechtwinkel'g. Lappen gleich, scharf
gespitzt, gegeneinander geneigt. Zellen gross, bedeutend verdickt, die der obersten Bl.
und des Kelches warzig. Kelch wenig emporgehoben, eifórmig, gefaltet; dessen ausge-
bleichten, wimperig zerschlitzten Záhne kaum zusammenneigend.
In niedrigen bleichgrůnen oder bráunlichen, an den Stengelspitzen oft purpurnen, ver-
webten Ráschen. Die etwa 1 cm langen Stengel tragen meist gezweite, bogige Aste. Hůllblátter
(©) 2- und 3lappig, ungleich dornig gezáhnt. Kelch oft róthlich. — Vom Habitus einer J. minuta.
Einháusig. — 24 — Frůchte sehr selten. Fruchtreife unbekannt.
Auf Baumrinden und faulenden Baumstůmpfen der unt. Bergregion, sehr selten.
— Bisher nur um Wůólfelsdorf am Glatzér Schneeberge (nach Limpricht).
SSS. Blattlappen gleich- oder fast gleich gross, entweder beide stumpflich oder der un-
tere stumpf und der obere zugespitzt, zuweilen auch beide stachelspitzig.
6. J. minuta Crantz. (Diplophyllum Dmrt. — J. Trevirani Hůben.) — Štengel
fadendůnn, niederliegend oder aufsteigend, gleichmássig 2zeilig bebláttert, wenig oder gar
micht wurzelhaarig. BI. guer *„ stengelumfassend, kammartig abstehend, fast bis zur
Hálfte scharf 2spaltig, mit gegeneinander geneigten Lappen. Diese ganzrandig oder
durch Keimkórner gezáhnt. Zellen derb, iiberall stark verdickt. Kelch doppelt hóher
als die aufrecht angedrůckten Hůllblátter, oval, oben faltig, tief geschlitzt. Láppchen
spárlich und ungleich gezdihnelt und (wie bei J. Michauxii) Zánger gewimpert.
w
In verwebten flachen, meist braungrůnen Rasen, oder vereinzelt. Stengel bis 5 cm
hoch, mit theils seicht, theils bis zur '/„ ausgebuchteten Bláttern, deren Lappen mit ihrer ganzen
Fláche gegeneinander geneigt sind. Keimkórner spáter bráunlich oder róthlich von der Form
einer stumpfen vierseitigen Piramide. Die geschlechtliche Pflanze dichter bebláttert. — Der J.
Helleriana sehr áhnlich und sonst auch mit Sarcosc. Funcki zu vergleichen.
Zweiháusig. — 2 — Frůchte seltener, im Sommer.
Am hůufigsten an Sandstein — aber auch an kieselhaltigen Urgebirgsfelsen,
sowie auch auf kieselhaltiger Erde in den Vorbergen und im Hochgebirge verbreitet, in
der Hůgelregion seltener. — Prag: Krč als Sarcose. Funckií (Opiz). — Im Wruticer
Thale náchst Melnik! — Turnau, háfiger an Ouadersandstein bei Waldstein! — Reichen-
berg (Corda). — Bóhm. Leipa (Watzel). — Nixdorf (Neumann). — Pleisswedel (Opiz)!
— Unter den Moosen Malinský's aus Nordbohmen! — Haindorťf (Nees, Flotow). — lser-
gebirge, in Wáldern, im Flussbeete der Iser, sowie auf den hěchsten Erhebungen (Limp-
richt) und daselbst unter den von Opiz gesammelten Moosen! — Riesengebirgse: Teufels-
berg bei Neuwelt! Am Gebirgskamme (Flotow). Weisse Wiese! Weisswasser! Schneekoppe
46 Bidentes.
0
(Nees). — Adrsbach in ausgedehnten Rasen (Nees)! Daselbst auch unter Sphagnum! —
Weckelsdorfer Felsenstadt! — In Wáldern bei Potenstein háufig (Sitenský)! — Bohmer-
wald: Eisenstein am Spitzberg und beim Schwarzen See!
7. J. saxicola Schrad. (Diplophyllum Dmrt. — J. resupinata Wahlenb.) —
Stengel aufsteigend, halbstielrund, obersests flach und fast treppenfórmig, spárlich wurzel-
haarig. Bl. etwas schrág umfassend, nicht herablaufend, breit eirund, durch eine stumpfe
enge Bucht bis zur Mitte 2lappig. Oberlappen etiwas abstehend, spitz; Unterlappen an-
gedriickt stumpf, beide fast gleichgross, ganzrandig nut eingebogenen Rándern. Zell-
wánde dberall stark verdickt. Kelch doppelt lánger als die 2—4lappigen kleingeságten
Hůllblátter, aufgeblasen eifórmig, faltig. Seine cilienartigen Lappen gegeneinander geneigt,
Dichtrasig, meist bráunlich oder gelblich, selten olivengrůn, 2—5 cm hoch. Blátter derb,
ohne Keimkórner. Der J. Michausii náher als der vorigen.
Zweiháusig. — 24 — Fr. im Frůhjahr und Sommér; die weibliche Pflanze bei
uns jedoch unbekannt.
An Felstrůmmern (meist Gneiss) des Hochgebirges, sehr selten. — Riesenge-
birge: Schneekoppe am Fusse des Kegels (Funck 1819 und Coll. Cordae). An der
Serpentine von der Riesenbaude zum Gipfel der Koppe 1879! Angeblich auch im
Isergebirge.
IL. Sect. Bidentes.
Blitter kurz 2lappig oder 2záhnig (seltener 3záhnig), oft rinnenfórmig oder mit
zusammengeneisten Lappen. Unterblátter ofters fehlend.
©) Blattlappen stumpf (ausgenom. J. Můlleri, die mit deutl. Unterbl., und zu-
weilen J. Wenzelii', deren Zellnetz hyalin ist); Blátter sehr schrág inserirt.
+ Blattlappen spitzig, etwas ungleich. Unterbl. deutlich. Zellen undurchsichtieg, wenigstens
in den Ecken stark verdickt,
8. J. Můlleri N. v. E. (J. bantryensis N. v. E. — J. Libertae Hůben. — J.
bantryensis Hook var. B) Můlleri Lindb. — J. Schultzii Nees. — J. Hornschuchiana
Nees). — Stengel 1—4 cm. lang, něchť durchschečnend, wenig stig, wurzelhaarig. BL.
schrág inserirt, nicht herablaufend, rundlich, durch eine fJach mondfórmige Bucht etwas
ungleich spitz Zlappig, seltener einige Lappen stumpf oder abgerundet. Blattfláche bei
der Bucht rickwěrts gebogen. Die žlteren Bl. seitlich fast wagerecht ausgebreitet.
Unterbl, deutlich, lamzett-pfriemenfórmig, ganz bis vteltheilig. — Zellen derb, fast
gleichgross, in den Zellecken sehr deutlich Jeckig verdickt, mit meist kleinen, runden
Oeltropfen. — Kelch cylindrisch, mit 1 Lángsfalte, oben faltig. Můndung langwim-
perig gezdhnt.
Rasen gelb- oder bráunlich srůn, auf feuchter Unterlage niederliegend, auf trockener auf-
steigsend, meist gross. Wurzelhaare lang, zuweilen am Anfange purpurn. Bl, ungleich gross, die
oberen aufsteigend, oft am Grunde des Oberlappens mit kurzem Záhnchen. Wánde der Randzellen
verdickt; die Zellen sonst undurchsichtig, oft aber auch ihr Inhalt wandstándig. Kapsel meist
braunroth. — Die Pflanzen von feuchten Lokalitáten grósser und lánger, gross und mehr wage-
recht bebláttert, mit besonders deutiichen Unterbl. — Die Pflanze von Wildenschwert hat viele
stumpfe oder abgerundete Blattlappen, wenige grosse und gekórnelte Oeltropfen und viele wand-
stándige Chlorophyllkórner.
Zweiháusig. — 2 — Fr. im Frůhjahr und Sommer; oft und reichlich mit
Kelchen. —
An feuchten schattigen Kalkfelsen, oder auf kalkhaltigem Boden in der Hůgel-
und Bergregion zerstreut, stellenweise massenhaft, — Opiz. im bot. Tauschverein; Mar-
tius in Bóhm. Kryptog. Gew. von Opiz. 1823. — Jungbunzlau an der kalkhaltigen Iser-
lehne gegen Neuberg! — Turnau, an Felsen und Wegen des Farářství-Waldes sehr
zahlreich und mit reichlichen Kelchen! — Jeschkenabhang oberhalb Světlá! — Johan-
nisbad an feuchter Waldlehne bei der Kaiserguelle! — Adler-Kostelec gegen Wyhnanov!
Bidentes. 47
v r — — —
— Wildenschwert an der Brandeiser Strasse! — Glatzer Schneeberg (Nees). — Bóhmer-
wald: Kuschwarda! Arber!
++ Blattlappen stumpf oder zugespitzt. Zellen weit, důnnwandig, durchsichtig.
9. J. acuta Lindenb. (J. bantryensis Hook, var. y) acuta Lindb.) — Secundaere
Stengel meist 5 mm lang, mit zahlreichen umherschweifenden Sprossen, dlečch und
durchscheinend, wurzelhaarig. Bl. locker gestellt, sehr schrág inserirt, zarť, rundlich,
durch eine schavfe Bucht in 2 kurze, stumpfe oder zugespitzte Lappen ausgeschnitten.
Unterbl. nur an Geschlechtsčisten deutlich, pfriemenfórmig, oft fehlend. Weibl. Hůllbl,
zuweilen geságt-gezáhnt. Zellen oveiť und lecht, gleichgross, diinnwandig, angulaer nicht
verdickt. Kelch bis 1 mm lang, fast walzenfórmig, an der faltigen abgerundeten Můn-
dung zu etnem Róhrchen zusammengezogen und durch vorspringende Zellen an den
Lappenenden crenulirt.
Rasen stets gelbgrůn, ziemlich dicht und niedrig abgeflacht. Blátter theils aufgerichtet,
theils ausgebreitet; deren Zelltropfen an den Wánden spárlich gelagert. Cuticula dicht und fein-
kórnig. Kelch durch Sprossung bald růckenstándig, anfangs lánglich birnfórmig. Kapsel klein,
purpurn. Sporen etwas breiter als die purpurnen Schleuderer.
Zweiháusig. — 2 — Fr. in Frůhjahr.
Auf sandig-kalkigem Boden, auf verwitterter Glimmerschiefer- und Gneiss-Erde,
in Hohlwegen lichter Waldstellen, ziemlich selten, — Johannisbad im Waldparke auf
einer lichten steinigen Štelie cum Perianth. 1879!
10. J. Wenzelii N. v. E. (Mesophylla Dmrt.). — Stengel bis 4 cm lang,
schlaff aufrecht, ziemlich dick, gelblich, fast einfach, spárlich wurzelhaarig. BI. meist
locker gestellt, sehr schlaf, oben wenig herablaufend, die jůngeren fast guer iaserirt,
rundlich bis oval, durch eine sežchť stumpfwinkel'ge Bucht spitz oder stumpflich 2lappig.
Lappen oft eingeschlagen. Unterbl. nur an der Stengelspitze, spárlich. Weibl. Hůllblátter
grósser, durch enge Buchten ungleich spitz 2—lappig. — Zellen gegen den Rand
kleiner, angulaer schwach verdickt. — Kelch walzenfórmig, 4—5 mm lang, mit 1 Lángs-
falte, oben stumpjfaltig, guergestuzt, ungleich gezáhnt. Kapsel draunroth.
Zwischen Sumpfmoosen zerstreut, gelberůn bis gebráunt, fettglůnzend, den lockerbeblát-
terten Formen von J. inflata úhnlich. Der fleischige Stengel ist an der Spitze gewóhnlich gebogen
und unterseits oft bráunlich. Bei tieferer Bucht sind die Blátter mehr zugespitzt. Kelch zu
2, emporgehoben. Kapsel rundlich-oval mit dunkelbraunen, ungleich grossen Sporen von Breite
der Schleuderer.
Zweiháusig. — A — Fruchtet Anfang Juli.
In den Mooren des Hochgebirges, sehr selten. — Riesengebirge: am Koppenplan
im J. 1824 von Flotow fruchtend gesammelt.
+++ Blattlappen stumpflich. Zellen mehr oder weniger verdickt und derb undurchsichtig.
11. J. inflata Huds. (Gymnocolea Dmrt.). — Stengel 1—2 em; im Wasser
bis 1 ďm lang, niederliegend bis aufrecht, fadendůnn, meist schlaff, stig, spůrlich kurz
wurzelhaarig. — BI. meist locker gestellt, mit Ausnahme der jůngeren schrág inserirt,
etwas herablaufend, rundlich, meist flach. Bucht sečeht und weit, vechtwinkelig und
stumpf (seltener tiefer und spitzer). Blattlappen kurz eifórmig, oft gegenetnander můsstg
geneigt oder eingebogen. Unterbl. nur gegen die Spitze der Geschlechtsáůste. — Zellen
ziemlich gross und gleich, dberal) mehr oder weniger dickwamdig, mit vielen Oeltropfen.
Kelch úber die Hůllbl. oft gámnzlich emporgehoben, lánglich birnfórmig, stumpťf, mit 4—5
zusammenneigenden Záhnen.
In dichten weichen, grůnen, bráunlichen oder schwárzlichen, fettglánzenden Polstern,
oder vereinzelt. Blátter meist kammartig 2zeilig ausgebreitet, auffallend stumpflappig, bald
dichter bald locker gestellt. Kelch am Grunde verdiůnnt, von den kleineren Hůllbláttern ot
gánalich unverhůllt. — Sehr veránderlich, und besonders in folgenden Varietáten auftretend: ©) hercy-
mea, schwammig polsterfórmig. Stengel aufrecht, mit schlanken Sprossen und stets gegen einander
geneigten Blattlappen. B) laza, grósser, lebhaft grůn, mit sehr locker gestellten, achen Bl. y) jřui-
fans; schwimmend, bis 1 ďm lang, sehr entfernt bebláttert.
48 Bidentes.,
Zweiháusig. — 4 — Frucht im Frůhjahr, seltener, jedoch oft mit Kelchen.
In Torfmooren, auf Torfwiesen und in ihren Gewássern, seltener am trockenen
Standort, in Bereiche der Berg- und hůheren Gebirgsregion sehr verbreitet. Rohozna,
chrud. Kreis (Čeněk)! — Sůdlicher, trockener Jesckkenabhang oberhalb Liebenau! —
Torfmoore bei Weisswasser und Kirschberg (Sitenský)! — Isergebirge, Moore und im
Iserbeete (Limpricht). — Riesengebirge: Kesselgrund (Funck, Nees), In Gewássern und
Sůmpfen der Moore am Gebirgskamme zahlreich, so am Koppenplan und auf der Weissen
Wiese (Milde, Beilschmied n. and.)! — Lubocher Ebene («) (Sitenský)! — Gottesgab
im Erzgebirge an Torfmooren (Handtke). — Bohmerwald: Torfwiesen am něrdlichen
Abhange bei St. Thomas! Moldauguellen! Am Fischer- und Ahornfilz! — Torfwiese bei
Heidel oberhalb Innergefilde!
12. J. orcadensis Hook. (Mesophylla Dmrt.). — Stengel lang, bis 1 dm ůber-
greifend, aufrecht oder aufsteigend, starr, wenig ástig, kurz und dicht wurzelhaarig.
BI. fest, genáhert, sehr schrůg insert und herablaufend, aufsteigend und nach vorn
gerichtet. Blattfláche aus breiter Basis rundlich eifórmig, flach, jedoch lngs des Ventral-
randes zuriickgeschlagen. © Bucht sel setcht, stumpf; Lappen 2 (seltener 3), ungleich,
stumptlich, etwas růckwůvts gebogen. Zellen derb, angulaer verdickt, kaum durchschei-
nend, gegen den Rand kleiner. — Kelch und Frůchte unbekannt,
In lockeren, oliven- bis braungrůnen Rasen, oder vereinzelt unter stattlichen Moosen. Bl
Sross, je zwei gegenůberliegende mit der Oberfláche einander zugekehrt. — Nach Nees sind die
Kelche zwischen zwei grósseren Hůllbláttern von 2 kleineren, 2lappigen Bláttehen eingeschlossen.
Uberhaupt sind die © wenig und die £ gar nicht bekannt. Ihre Stelle vertreten grosse, eckige
bis ovale, dunkelrothbraune Keimkórner an den Plattlappen oder an der Stengelspitze.
Blůthenstand? — 3 —
An Felsen oder auf nacktem bemoostem Humusboden, auch auf trockenen
Moosen in den Vorbergen und besonders im Hochgebirge verbreitet. — Sůdlicher Jesch-
kenabhang 1877! — Reichenberg in einer Hóhe von 2750" (Corda nach Nees). — Teu-
felsberg bei Neuwelt, an dessen Fusse circa 600 m hoch! — Am ganzen Riesengebirgs-
kamme am Fusse der Steinblócke und Felsen, so am Hohen Rad! Grosse Sturmhaube!
Mannsteine! Schneekoppe (Flotow, Nees). — Bóhmerwald: unterhalb des Teufelssees bei
Eisenstein mit Mastigobr. trilobatum ! — Nordabhang des Spitzberges! — In den Mooren
der Moldauguellen im Schatten hoher Eguiseten!
B) Blattlappen spitzig (bei J. alpestris zuweilen stumpflich, gegen einander geneigt).
* Blattzellen důnnwandig, zuweilen nur angulaer verdickt.
+ Die jůngsten Blátter (exclus. Hůllblátter) nicht wellig-kraus.
13. J. ventricosa Dicks. Stengel 1—9 cm lang, niederliegend oder aufstei-
gend, dicht und ziemlich lang wurzelhaarig. Bl. schčef 2seitig abstehend, ovalguadratisch,
zart, oft bleich, flach oder seicht rinnig, durch eine Orečte, mečst halbmondfórmige Bucht
spitz 2 (selten 3) lappig. Lappen oft divergěrend. — Unterbl. pfriemenfórmig, nur
gegen die Stengelspitze deutlich. — Zellen weit, zart und gleich, nur angulaer deutlich
verdickt, dicht mit Chlorophyll und unregelm. Oeltropfen gefillt, zuletzt in der Mitte
durchsichtig. Keimkórner gelblech griin, meist kubisch. Weibl. Hůllbl. grósser, faltig,
S—Slappig oder 2záhnig. Kelch aufgeblasen eifórmig, spáter eilánglich, dief herab
stark faltig und durch vorspringende Zellen kurz stumpflich oder scharf und un-
gleich gezdhnt. !
Dicht und flachrasig, licht oder dunkelerůn, seltener purpurbraun. Stengel nnterseits
zuweilen róthlich, ástig, dem Substrat durch dichte Wurzelfasern fest angewachsen. Die keim-
kórnertragenden BL. sind lůnger und spitzer gelappt. Kapsel bei der Normalform violett rothbraun.
Sporen braun, feinwarzig, fast doppelt so breit als die Schleuderer.
b) porhyroleuca (N. v. E. als Art). Stengel purpurn. BI. meist bleich, angulaer stark ver-
dickt. Weibl. Hůllbl. handfórmig 3—4spaltig. Kelch zuletzt Zčnglich bis walzenfórmig, oft weit
o ban am Ende schwach faltig; Můndung ungleich wimperig gezčihnt. Kapsel und Sporen
gelboraun. —
Zweiháusig. — 2 — Fr. Ende Sommer, bei uns, wo meist keimkornertragend,
seltener. —
Bidentes. 49
An schattigen Felsen, Stámmen, Stůmpfen oder auf nackter Erde, auch an son-
nigen Berglehnen und unter Moosen zerstreut, von der Ebene bis aufs Hochgebirge ver-
breitet. — Prag: Zižkaberg, Košíř, Bárkaabhánge, Liboc, Kuchelbad, Kónigssaal, Závist!
"Wálder bei Dobřichovic! — Sůdbohmen: Unter-Královic an Felsen der Želivka! — Písek,
in Wáldern so z. B. bei der Schwimmschule, háufig! — Bohmerwald (Corda): Blánsker-
wald! — Libín b. Prachatic. — St. Thomas. — Kuschwarda! Am Fischerfilz mit Peri-
anthien! — Nordběhmen: Turnau! — Jeschken! — Nixdorf (Neumann)! — Bóhm.
Leipa (Watzel). Isergebirge (Nees, Limpricht). — Tannwald! — Riesengeb.: Teufels-
berg b. Neuwelt! Ziegenrůcken! Am Kamme und den Abhángen (Nees, Flotow), so z. B.
Grosse Sturmhaube und Weisswasser! Johannisbad! — Rothfloss bei Grulich, Klapper-
steine, am Brauner! — Pottenstein (Sitenský)! — Westl, Bóhm: Karlsbad an feuchtem
Granitfelsen am Fusse des Hirschsprungs! — 6) Pleiswedl (Opiz). Haindorf (Flotow).
Jeschken (Corda nach Nees). Kamm des Isergebirgos (Nees). Elbgrund (Flotow). Weiss-
wasser (Wimmer). W. Wiese? (Góppert). H. Rad (Flotow). (G. Sturmhaube! Ziegen-
růcken! — Adrsbach und Weckelsdorf! Petersdorf! — Rothfloss bai Grulich! — Grenz-
bauden (Milde)! Glatzer Schneeberg (Nees) — Bóhmerwald (Corda). Arber! — Ahorn-
filz! — Spitzberg! — Kuschwarda! — Rosenberg! © Wálder bei Rožmital (Velenovský)!
14. J. excisa Hook, (J. bicrenata Hůben. ex parte.) — Stengel Raum 5 mm
lang, durch lange Wurzelhuare dem Substrat dicht angewachsem, mit der Spitze etwas
aufsteigend. Bl. mehr oder weniger aufgerichtet, zarť und dichtgestellt; die ilteren schrág
inserirt, mássig rinnig. Alle rundlich, oder eirundguadratisch, durch eine seichte, flach-
mondfórmige oder stumpfe Bucht in 2 meist ungleich grosse, nur selten stumpfe Lappen
getheilt. Zellen west, gletchgross, sehr diimmvandig, angulůr nicht verdickt, tm Zell-
raume frůh entfčirbt. Weibl. Hůllbl. grósser und breiter als die Bl., scharf oder stumpf-
lich eingeschnitten, mit 3—5 spitzen Lappen. Kelch wweit emporgehoben, lánglich bis
walzenfoórmig, oben stumpf faltig, an der wenig schrágen Můndung kurzlappig. © Lappen
am breiten Ende durch vorspringende lůngliche, am Ende abgerundete und divergirende
Zellen ungleich gezáhnelt. Sporen dicht warzig, doppelt breiter als die Schleuderer.
In kleinen bleicherůnen, zuweilen purpurn angelaufenen Gruppen, selten in Ráschen.
Der vom Substrat nicht leicht isolirbare Stengel oft róthlich, wie auch zuweilen die Kelchspitze.
Keimkórner sehr selten, gross, rundlich — bis abgerundet 4eckig, purpurn.
Einháusig. — A — Frucht im Frůhjahr unď Herbste. ;
Auf kisieg thonigem Boden, besonders an lichten Abhángen, auf Haideland in
der Ebene und Hůgelregion, daselbst stellenweise ziemlich hoch auftretend; zerstreut,
und der Zartheit wegen wohl oft úbersehen. — Prag: auf der Nordseite der Lehnen im
Šárkathale mit J. intermedia! — Půrglitz an lichten Waldabhángen! Sůdabhang des
Mileschauer! Nach Plumert im Bereiche der Flora des Iser- und Jeschkengebirges. —
Písek in Sůdbohm. an einem, von Erica bewohnten Feldraine bei St. Wenzel mit zahl-
reichen Frůchten! — Blánsker Wald bei Krumau!
++) Oberste Blátter sehr gedránst, wellig kraus.
15. J. intermedia N. v. E. (exel. var. minor. — J. excisa 6) crispata Hook.
— J. capitata Hook.) — Stengel kurz, kriechend. Áste aufsteigend, Biischelig, dicht
schopfig bebláttert, wurzelhaarig. Blátter fleřschig, durch eine vzelgestaltige Bucht un-
gleich 2—3lappig; der Ventrallappen meist stumpflich. Die obersten Bl. grósser, fast
guer inserirt, sehr und vosettenavtig gedrůngt, wagerecht abstehend. — Zelen ziemlich
weit, diinnwandig, angulůr micht oder schwach verdickt, dicht mit Chlorophyll gefůllt.
Weibl. Hůllbl. grósser, abstehend, wellig, ungleich spitz 9—5 lappig, stumpfzáhnig bis
winkelig buchtig. Kelch gedumsen eifórmig, tief herab faltig, etwa zur Hálfte em-
porgehoben.
In niedrigen, satt- bis schwárzlichorůnen, zuweilen purpurn angehauchten Rasen oder
Polstern, mit dicht dem Substrat angeschmiegten Stengeln. Die Astspitzen erscheinen Kopfsalat-
fórmig. Keimkórner an den Hůllbláttern, sonst wie bei Vor. — Ist mit beiden Vor. zu vergleichen !
Einháusig. — 2 — Frucht nicht selten, im Frůhjahr und Spátsommer! (Peri-
anthien háufig).
+
50 Bidentes.,.
— - T
——
Auf thonigsandigen Abhngen, Hohlwegen, am Saume der Nadelwálder und
dergl., in der Ebene und Hůgelregion ziemlich háufig (wohl oft úbersehen), im Gebirge
seltener. —— Prag: am něrdlichen Abhange des Žižkaberges in Gesellschaft der J. ven-
tricosa! Im Šárkathal gegenůber Žežulka háufiger unter Hecken ! — Džbán in der Wilden
Šárka (Stolz)! — Medniker Bere bei Štěchovic! — Písek im Kiefernwald b. der
Schwimmschule! — Am Třemšín (Velenovský)! — Riesengrund beim Forsthause (Nees).
**) Blattzellen dickwandig, besonders angulár stark verdickt.
16. J. bicrenata Lindenb. (J. commutata Hůben. — J. intermedia ©) minor
N. v. E.). — Stengel nur gegen 5 mm lang, kriechend, die Spitze aufsteigend, dicht
wurzelhaarig. Blátter klen, gedrůnst, die unteren schrág inserirt, alle durch eine
seichte stumpfliche Bucht in 2 kurze spitze Lappen getheilt. Zellen ziemlich Gross, an-
fangs mit Chlorophyll und Oeltropfen dicht erfůllt, bald aber čm Měttelraume licht und
dann aujffallend besonders in den Ecken dickwandig. Weibl. Hůllbl. aus scharfer Bucht
2—3lappig, fein ungleich sdgezdhmg oder ganzrandig. Kelch ziemlich gross, eifórmig
bis eilinglich, an der faltigen Spitze ausgebleicht, ungleich dicht gezáhnt. Zčihne lang
meist 2—9zellig. Sporen von Breite der Schleuderer.
In niedrigen, licht gelblich griinem, am sonniger Localitát purpurbraunen Háufchen, an
den nur die fruchtenden Stengelspitzen emporragen. BI. nur 0.5 mm lang, aufsteigend, schwach
rinnig, durch eigenthůmlich verdickte Zellwánde, denen auch die in den Kelchzáhnen vorkom-
menden áhnlich sind, áusserst charakteristisch. — Junge Pflanzen und Schwůchlinge haben důn-
nere Zellvánde. Keimkórner bráunlichgelb, gross, sternfórmig-eckig.
Einháusig. — 242 — Fruchtet háutig im Sommer und Anfangs Herbst.
Auf sandig thonicem Boden, an Rainen, trockenen Waldgráben, Haideland, nur
in der Ebene und Hůgelregion, selten auf Bergen, ziemlich zerstreut. — Prag: Nadel-
wald zwischen Běchovic und Ouwal! — Nordběhmen: Nach Plumert im Iser- und
Jeschengebirge. — Sůdabhang des Jeschken! — Bósig! — Sůdabhang des Mileschauer
mit J. hyalina an Hohlwegen ! — Adlerkostelec an der Flusslehne! — Klappersteine am
Kamme des Glatzer Schneebergrůckens 1880! — Westl. Bóhm.: Karlsbad an der Lehne
b. der Porzellanfabrig im Teplthale! — Sůdběhm.: Rosenberg, am Hohlwege čstlich
vom Schlosse!
17. J. alpestris Schleich. (J. sudetica Hůben. — J. Curvula; sicca; vogesiaca
N. v. E.). — Štengel 1—3 em lang, fest, unterseits ofters purpurbrčumlich, dicht
wurzelhaavig. BL. strajf, herablaufend, durch eine vielgestaltige Bucht seřcht und
stumpf. (zuweilen spitz) ausgerandet. Lappen mevst spitz, eingebogemn. Zellen derb,
ziemlich gross, rundlich o—6eckig mit grossen Oeltropfen dicht erfůllt. Die grossen an-
guláren Verdickumgen oft zusammenjiiessend. © Keimkórner mennigroth, lappenstándig,
sternfórmigeckig. Hůllbl. gross, rundlich, 2—3lappig, '/„ so lang als der Kelch, Dieser
lánglich, fast glatt, nur oben stumpffaltig, meist 4záhnig.
Sehr polymorph. In flachen, oft ausgebreiteten, dicht verwobenen Rasen, oder verein-
zelt; mattolánzend, bráunlich, rothgelb, seltener grůn. Wurzelfasern anfangs oft purpurn. Blátter
dicht gestellt, die unteren fiacher, mehr abstehend, die oberen beiderseits úber den Stengel auf-
steigend und zusammenneigend. Kapsel viollet-rothbraun, kaum breiter als die Schleuderer.
Zweiháusig. — 2 — Frucht seltener, im Frůhjahr; meist Keimkórner tragend,
Auf kiesiger Erde, an Felsen, Wegen und Abhángen, auch an trockenen Mooren,
nur in der Berg- und Hochcebirgsregion und da sehr verbreitet von da zuweilen auch an die
Vorberge niedersteigend. — Reichenberg (Corda, Siegmund). — Haindorf (Nees). — Iser-
gebirge (Limpricht); Tafelfichte (Menzl)! — Riesengebirge: Teufelsbere bei Neuwelt!
Kesselgrund (Nees). Ziegenrůcken! Am Gebirgskamme, dessen Gipfel und Wiesen bis
auf die Koppe verbreitet, so auch im Růbezahls Garten bereits von Funck 1819 ge-
sammelt! — Aupathal (Milde, Nees). Brauner oberhalb Grulich! — Bóobmerwald; Am
nórdl. Abhang des Arber! Spitzberg bei Eisenstein, besonders an Felsblocken am Fuss-
pfade von der Station zum Prokop!
Barbatae. 51
III. Sect. Barbatae.
Blátter oft breiter als lang, kurz oder bis zur Basis 8—5lappig, seltener 2lappig.
Unterbl. deutlich oder fehlend.
a) BL. bis zur Basis 3—4 theilig. Abschnitte mit růckwůrts gerichteten Záhnen.
18. J. setiformis Ehrh. (Anthelia Dmrt. — Chandonanthus Lindb. — Presl:
Obr. 22. fig. 1457). — Stengel 2 em oder viel darůber lang, fadenfórmig, drehrund,
briichig, gabelig getheilt, kurz wurzelhaarig bis kahl, Bl. gedrángt, dicht dachziecelig,
fast guer inserirt, breiter als lang, mit aufrechten, spitz eilánglichen Abschnitten. Diese
am Rande auswáris gebogen, unten mit lamgen Zčihnem. © Unterbl. gross, třef getheult,
an der Basis gezdhnt. — Zellen sehr derb, blatterig aufgetrieben, rings dickwanduy.
Kelch dickeifórmig, tief hinab 1Ofaltig, am der zusammengezogenen Můndung hyalm
haarfein gezáhnt.
In gelbbraunen, oft ausgedehnten uud hohen Polstern.
| D) alpina Hook. Kleiner und feiner, mehr grin. Stengel oft verkůrzt, niederliegend
wurzelhaarig, Bl. minder tief getheilt, weniger gezáhnt.
Zweiháusie, — 24 — Frucht bei uns unbekannt, sonst im Frůhjahre.
Zwischen Gerčlle oder auch an Gneissfelsen des Hochgebirges ziemlich ver-
breitet. — Riesengebirge: Schneekoppe (Nees)! oft mit Gymnomitrčum concinnatum, so
an der Serpentine zur Koppe! Nach Plumert auch im Isergebirge. — 0) Elbwiese, KL
Sturmhaube náchst der Spindlbaude, in den Schneegruben (Nees).
B) BI. 3—5 záhnie (zuweilen einige 2záhnic), oder kurz 3—5 lappig.
+ BL 3—5lappiv, sehr faltig-kraus. Unterbl. fehlen oder zuweilen auf den Geschlechtsásten.
19. J. incisa Schrad. (J. viridissima N. v. E. — Presl: Obr. 22. fig. 1459).
Stengel meist verkůrzt, 5 mm lang, in feuchten Gebirgslagen mehr verlángert, dick, auf-
steigend, lang und dicht wurzelhaarig. Bl. saftig, dicht gedrčingt, am der Spitze
schopfartig gehčuft, nach vorn und aufwárts abstehend. Blattfláche breiter als lang,
tief und unsleich in spitzige am Rande zuriickgebogene, kleingezčihnte Lappen getheilt.
— Zellen ziemlich weit, důnnwandig, angulár verdickt, mit Chlorophyll und Oeltropfen
dicht erfůllt. Weibl. Hůllbl, tiefer gespalten und stárker gefaltet. Kelch emporgehoben,
oval bis verkehrt eifórmig, an der faltigen Můndung wimperig gezáhnt.
Rasen freudig lichtgriin oder blaugrůn, gekrčuselt, oft ausgebreitet, dicht verfilzt. Die
verlángerte Form (var. elongata Autor.) mit purpurbraunem Stengel. Kapsel rothbraun, mit runden,
braunen Sporen; diese breiter als die braunrothen Schleuderer.
Zweiháusie. — 2 — Frucht im Frůhjahre, meist reichlich.
In feuchten Wáldern, besonders an Baumstůmpfen, úber Torfmoosen, an schat-
tigen Ur- und Sandsteinfelsen, oder zwischen Moosen zerstreut, von der unteren Hůgel-
region bis auťs Hochgebirge ziemlich verbreitet und daselbst háufiger. — Prag: Liboc!
— Mednik bei Štěchowic! — Wilder bei Třemošna (Velenovský)! — Nordbóhm: Sand-
steinfelsen unterhalb Bósig. — Turnau, unterhalb Waldstein!' — Reichenberg (Cordaj.
— Isergebirge (Nees, Limpricht). — Riesengebirge: Teufelsberg b. Neuwelt! An der
Mummel! Jakschebero (Sitenský)! W. Wiese! Weisswasser! Sehneekoppe (Nees). —
Adrsbacher Felsen (Nees)! — Weckelsdorf! — Litiz bei Pottenstein (Sitenský)! —
Westbohm: Karlsbad an feuchten Granit-Felsen gegen Sanssoucy! — Sůdbohmen: Unter-
královic an d. Želiwka! — Bóhmerwald: Blánskerberg! St. Thomas! Kuschwarda! Eisen-
stein!' Arber! Ahorn- und Fischerfilz, Moldauguellen!
+1 Blátter orósstentheils flach, wagerecht 2reihig 8—5lappig.
20. J. lycopodioides Wallr. (J. barbata var. lycopod. N. v. E.). — Stengel
bis 1 dm lang, oberseits verflacht, niederliegend oder aufsteigend, kurz und dicht wurzel-
haarig. BI. schrág inserirt, die Mitte des Stengelriickens oft iiberschreitend, zwei-
seitig wagerecht abstehend. Rand faltig und buchtig mit 5 (4—53) kurz gerundeten,
fast gleichgrossen, lang stachelspitzigen Záhnen, und an der Basis des Ventralrandes
4*
52 Barbatae.
mit einigen sehr langen, einfachem oder gegliederten Cilten. Der Dorsallappen riick-
wwčirts gerichtet. Unterbl. gross, mt langen Cilien. Kelch oval, oben faltig, gezáhnt.
Grósser als die folgenden. Lockerrasie oft weit auscedehnt, bleich — oder braungrůn.
Zellen derb, verháltnissmássie klein, fast gleich gross, angulár 3eckig verdickt, durch Chlorophyll
und rundliche Oeltropfen undurchsichtig. Unterblátter lanzettlich, angedrůckt.
Zweiháusie. — 23 — Fruchtet im Sommer, jedoch áusserst selten.
In feuchten, schattigen, zumeist nordlichen Gebirgslagen, auf Waldboden, auch
zwischen niederem Baumwuchs oder an Felsen, im Hochgebirge verbreitet und von da
stellenweise bis an die Vorberge herabsteigend. — Jeschken, něrdl. Abhang náchst der
Baude! — Isergebirge (Corda). — Riesengebirge: Wurzelsdorf! Teufelsberg! Elbguellen !
Kessel! Weisswasser' KI. Sturmhaube! Weisse Wiese! Fuss der Schneekoppe (Nees).
Koppenplan (Flotow). Aupaabhinge (Nees). — Glatzer Schneeberg (Nees). Klapper-
stein oberhalb Lipka zahlreich! — Bóohmerwald: něordl. Abhang des Arber in der Rich-
tung vom Oberthurmhofe in sehr ausgedehnten Ueberzůgen! Spitzbers am Nordabhange!
21. J. barbata Schmid. (J. barbata var. Schreberi N, v. E.). — Stengel 2—6 cm
lang, »tedergestreckt, stark, metst Drdunlich, oberseits flach, unterseits dicht und kurz
wurzelhaarig. © BI. schrág inserirt, die Mitte des Stengelrůckens michť erreichend, am
geraden oberen Rande mit (2)—3—5, metst gleich grossen Záhnen. Unterbl. fehlend,
oder klein, schmal. Zellen mássig, aber nicht angulár (oder daselbst schwach) verdickt,
durch kleine Ocltropfen und Chlorophyll undurchsichtig. Kelch eilánelich, an der Můn-
dung faltig, kerbig gezáhnt. Kapsel rundlich-oval, braun.
Rasen flach und locker, olivengrůn oder bránnlich gelb, meist auscgebreitet. Stengel gegen
die Spitze oder im Schatten ganz grůn. BI bei der Bucht theils schwach wellig, theils flach und
mit geraden, zuweilen ungleichen Záhnen. Mánnl. Blůthenstand kurz áhrenfórmig, mit am Grunde
ausgehohlten, mit der Spitze sparrig abstehenden Hůllbláttern, deren eingeschlagener Dorsalrand
mit 1—2 Záhnchen. Kleiner als beide vor.
Zweiháusig. — A — Frucht im Sommer, ziemlich selten.
Auf nackter Erde an Feldrainen, Waldrándern, besonders aber in Wáldern auf
allerlei Unterlage in der Ebene háufig, von da bis auťfs Hochgebirge spárlicher auftretend
oder daselbst stellenweise gánzlich fehlend. Von der Grenze liegen Exemplare namentlich
vor: vom Bohmerwald: Gegend um Eisenstein (Corda, Purkyně)! — Hohenfurth! — Berg
Libín bei Prachatic! — Anhóhe zum Schutzensel bei Schůttenhofen! — Wálder um
Rožmital (Velen.)! — Teplitz (Winkler)! — Wanov (Malý)! — Mileschauer! — Schluk-
kenau (Karl)! — Jeschken! — Abhang der Marchguellen !
+++ Blátter oder nur ihre Lappen mehr oder minder aufgerichtet, oder umgebogen wenn
nicht dem Stengel angedrůckt.
22. J. guinguedentata Web. (J. barb. var. guingued. N. v, E, — J. barbata
var. major et Naumanni Dmrt.). — Stengel kůrzer als bei der vor.; aufsteigend, ober-
seits treppenfórnug, dicht und lang wurzelhaarig. Bl. rundlich guadratisch, etwas
schrág inserirt, schtef und nach vorn aufsteigend und betderseits zusammenneigend-
hohl, von der Spitze schrůg zum Dorsalrande ungleich 3—5 záhnig und faltig. © Záhne,
von denen der ventrale am gróssten, stumpflich, stachelspitz, einwůrts oder nach vorn
gerichtet. Der Ventralrand ohne Čílten. © Unterbl. meist fehlend, oder nur in den
Blůthenstánden vorhanden, tief 2theilig, ganzrandig. Weibl. Hůllbl. breiter, tiefer ge-
spalten und stárker gewellt, mit sehr zugespitzten Záhnen. Kelch oben faltig, wim-
perig gezáhnt.
Rasen ausgedehnt, dicht verwoben, abgeflacht, zumeist grůn oder gelblichbraun. Stengel
seltener bráunlich. Bl. trocken wellig-kraus, nicht wagerecht abstehend und kleiner als bei vor.,
alle ihre Záhne nicht immer stachelspitz. ZŽellen důnnwandig, zuweilen sehr stark angulár ver-
dickt. Kapsel rothbraun. Sporen doppelt so breit als die zahlreichen Schleuderer. — Scheint
mit der folgenden durch Ubergangsformen verbunden zu sein.
Zweiháusig. — 2 — Frucht háufiger als bei den Verwandten, im Frůhjahre
oder Anfang Sommer. —
— =
Barbatae. 53
Auf feuchten, zuweilen auch lichten Waldstellen, auf nackter Erde oder an
Felsen, seltener in der niederen Hůgelregion, háufig im Gebirge. — Mittelbohmen: Stě-
chowic an Silurfelsen und auf nackter Erde in Gesellschaft der J. barbata, fruchtend
und mit $! — Půrglitz eine besondere, lang- nicht stachelspitz-záhnige Form, mit sehr
starken, oft zusammenfliessenden, angulaeren Verdickungen (jedoch nur spárlich gesam-
melt)! — Bůsig! — Reichenberg (Corda nach Nees). Haindorť am Fusse des Kreuz-
berges (Nees, Flotow). Isergebirge (Limpricht). Tafelfichte (Flotow). An der Iser (Nees).
— Riesengebirge: Teufelsberg, am Fusse zahlreich! Weisswasser! — Glatzer Schneeberg
(Flotow). — Píseker Wilder zwischen Mooren zerstreut (Velenovský)! — Bóohmerwald:
am Gipfel und den Abhángen des Spitzberges!
23. J. Flórkei W. et M. (J. barbata var. Flórkei N. v. E.). — Stengel 3 cm
bis 1 dm lang, durch die einseitig aufgerichteten, nicht angedriickten BI. fast drehrund,
aufsteigend bis aufrecht, kurz wurzelhaarig. BI. meist dicht sitzend, fast guer inseritť,
eirund-guadratisch, etwas faltig, am oberen Rande mit 3 (2 oder 4) e'ngebogenen
Záhnen, und an der Basis des Ventralrandes hůujfig mit einigen Čilten. Unterbl. an-
sehnlich, anliegend, meist bis zur Basis getheilt, unten mit einigen Cilien. Zellen derb,
angulaer bis stark 3eckig verdickt (die Ecken oft zusammenfliessend, durch Chlorophyll
und einige runde Oeltropfen erfůllt. Weibl. Hůllbl. £—7 spaltig, stěirker gefaltet. Kelch
lánslich, lánesfaltig, an der Můndung entfárbt, fein gezáhnt.
Sehr veránderlich! Rasen dicht und flach, oder locker und hoch, zuweilen auch schwam-
mig polsterfórmig, oder zerstreut unter Moosen. Hell- bis dunkelorůn, háufig auch bráunlich. Bl.
aufsteigend bis aufrecht, mit čmmer eingebogenen Záhnen (wodurch mit J. sazicola, alpestris, guin-
guedentata zu vergleichen). Keimkórner eckig-oval, in braunrothen Háufchen spitzenstándig. Kapsel
gelbbraun; Sporen braun.
Zweiháusie. — 2 — Frůchte im Frůhjahre bis Juli.
Auf mooriger Erde, zwischen Torfmoosen und in deren Tůmpeln, auch auf
feuchten Felsen der Berge und des Hochgebirges háufig. — Isergebirge: Flussbeet der
Iser (Limpricht). — Riesengebirge: schon von Funck auf der W. Wiese und der Schnee-
koppe gesammelt. Koppenplan! H. Rad (Nees)! KI. Sturmhaube! Spindelbaude! Elb-
guellen! Pantschewiese! Weisse Berg (Sitens.)! Kessel! Weisswasser! — Aupathal (Ebers,
Flotow). — Tenfelsberg b. Neuwelt! Adrsbach! — Glatzer Schneeberg (v. Uechtritz). —
Bóhmerwald: Nordabhane des Arber am 1. Juni 1879 an Felsblócken! — Spitzberg!
Moldauguellen ! :
24. J. attenuata Lindenb. (J. barbata var. attenuata N. v. E.). — Sténgel bis
5 em lang, schlank, oft unter der Spitze mit aufsteigendem fadenfórmigen, drehrundem,
verldngerten Sprossen. Bl. schrůg inserůrt, oval guadratisch, hohl, am den Sprossen
dicht anliegend, am oberen Rande mit 2 oder 3 (4), fast gleichorossen, spitzen Záhnen.
Diese durch Keimkórner oft zerstort. Unterbl. ofť fehlend, kurz 2zdhnig, ganzrandig.
Weibl. Hůllbl. ausgebreitet, und sehr spitz-4lappig. Zellen gegen den Rand kleiner, da-
selbst guadratisch, derb, angulaer stark verdickt, dicht mit Oeltropfen erfůllt. Kelch weit
emporgehoben, cylindrisch oder keulenfórmig, an der gefaltenen Můndung wimperig ge-
záhnt. Kapsel rothbraun.
Feiner als alle vor.; in lockeren, grůnen oder gebráunten Rasen. Keimkórner háufig
gipfel- oder randstándig, rothlich-gelbbriin, oval und lang 8eckig.
Zweiháusig. — 2 — Frůchte sehr selten, im Sommer.
In schattigen Wálderu, an Waldrándern, theils auf nackter Erde, theils an Felsen
und modernden Baumstůmpfen, besonders aus Vorbergen und dem Hochgebirge, wo
ziemlich verbreitet. — Jeschken, am Rande des nůrdl, Abhanges bei der Bande 1877!
— Riesengebirge: Johannisbad am Waldrande oberhalb der „Waldschenke“! Elbgrund
(Flotow). Jakscheberg (Siténský)! Weisswasser! Spindelbaude und anderswo (Nees).
Hohes Rad! Schneekoppe (Flotow). — Glatzer Schneeberg (Nees,. Flotow). — Brda-
gebirge: Ufern des Tok und am „Langen Stein“ im Obecnicer Revier (20 Aug. 1867
Freyn)! Boóhmerwald: bereits von Martius. Eisenstein an Baumstůmpfen unterhalb des
. Teufels-Sees! Am Nordabhane des Spitzberces sehr zahlreich und typisch!
54 A eauifoliae.
IV. Sect. Aeguifoliae.
Unterblátter mit den seitlichen gleichfórmig, daher der Stengel gleichmissig
Sreihie bebláttert.
«) Bl. zur Hálfte oder tiefer 2spaltic.
25. J. julacea Lightf. (Anthelia Dmrt.). — Chandonanthus Lindb.). Stengel
1—5 cem lang, aufsteigend, fadenfórmig, sehr ástig, bloss am Grunde wurzelhaarig.
BI. sehr dicht dachztegelig, angedriickt, eifórmig, bis unter die Mitte schmal und scharf
eingeschnitten, mit 2 ungleich kerbig-gezihnten Lappen. Randzellen guadratisch, sonst
9—6eckig, diberall stark verdickt. Kelch fast zur Hálfte emporgehoben, oval, spáter
prismatisch, von der Mitte aufwárts faltig Zusammengezogen, ungleich gezáhnelt. Sporen
so breit als die zwetspirigen Schleuderer.
Im grossen, fast polsterfórmigen, braungrůnen, čm Alter blamoeissen Rasen, die besonders
an Herbavpflanzen von weissem Schimmel úberzogen sind. Stengel drehrund, mit guer inserirten,
etwas hohlen, spitz-eilanzett-lappigen Bláttern. Lappen oft hyalin. Kapsel klein, dunkelbraun.
Zweiháusio. — 4 — Frucht ziemlich háufig, im Sommer.
An feuchten oder úberrieselten Felsen schattiger Schluchten des Hochgebirges,
ziemlich selten. — Riesengebirge: von Siegmund gesammelt. Abhánge der Schneegruben
und beider Teiche (Nees, Limpricht). Aupagrund (Funck).
26. J. Juratzkana Limpricht. (J. julaceea var. v) clavuligcera N. v. E.). —
Stengel kurz, ziemlich dick, bis zur Spťtze kurz wurzelhamig, mit dicht gedrángten, auf-
rechten Sprossen und verbogenen Ausláufern. Bl. gedránst, an sterilen Sprossen můssic
abstehend, kůrzer und breiter. Zellen zumeist guadratisch und rectangulaer, sehr diinn-
wandig, angulaer nicht verdickt. Kelch die Hiillblčitter kaum úberragend, tief faltie,
oben wenig verenst und klein gezáhnt. Sporen grósser als bei vor., bráunlichcelb, drečmal
so breit als die meist dreispirigen Schleuderer.
In zwergicen (2—4 mm h.), dicht verfilzten, blaugrůnen, abwárts bráunlichen Polsterchen.
Hauptstengel kriechend, aufwárts grůn. Wurzelfasern meist bráunlich. Kapsel sehr kurz gestielt,
klein, fast kugelrund, gelbbraun.
Tahánste: joe Frůchte zahlreich, im Juli.
Auf nackter, festgetretener Erde an Fusswegen des Hochgebirces, sehr selten. —
Riesengebirge: an der Sůdseite des Brunnenberges am Rande der Fusswege in Gesell-
schaft von Sarcose. Funckii in auscedehnten Fláchen (1871. Limpricht),
G) Blátter bis zur Basis haar- oder píriemenfórmig 2—4 theilig,
27. J. trichophylla L. (Blepharostoma Dmrt.). — Stengel haarfein, meist nieder-
liegend, sehr dstig. Blátter gewóhnlích in 3 haarfórmige, aus eřner Zellrethe gebildete,
spitzige Lacinien bis zur Basis getheilt. Unterbl. 4theilig. Zellen der Lacinien rect-
angulaer, verdickt, mít bis 19 rundlichen Oeltropfen. Hůllblátter an der Basis mehr
Húchenartig, die mánnlichem oft wiederholt gabelig oder gewethartig verzweigt. Kelch
oval bis cylindrisch oder keulenfórmig, mit 1 tiefen Lángsfalte und faltig zusammen-
nevgender, fransiger Můndung. Sporenu von Breite der Schleuderer,
In gelborůnen (zuweilen bleicheren) oder Srůnen, dicht verwebten Ueberzůgen, oder ver-
einzelt zwischen Moosen. Kapsel oval, braun.
Einháusig. — 3 — Frucht im Mai. Fast úberall mit Kelchen.
Auf Walderde, an feuchten Felsen, besonders an Ouadersandstein, meist aber an
morschen Baumstůmpfen, von der Ebene bis aufs Hochgebirge gemein.
28. J, setacea Web. (Blepharostoma Dmrt. — Lepidozia Mitten). — Stengel
haarfein, eimnfach oder ástig bis doppelt gefiedert, meist brčunlich, mit Auslůufern.
Alle Bl. zčemlích derb, in 2—4, untem von zwet Zellreihen gebildete, stumpflich pfrie-
menfórmige, schwach eingebogene Lacinien Setheilt. Zellen der Basis rundlích 5—6-
ecktg, die der Abschnitte rectangulaer, alle ziemlich dickwandig, ohne Oeltropfen. Weibl.
Cephalozieae. 55
© Blůthenáste ventral, sehr kurz. Ihre Hůllbl. sehr gross, mit 3—4 sehr spitz-lanzett-
— běchen, wimperig gezáhnten Abschnitten. Kelch fast cylindrisch, an der oveiten Můndung
1 fransig gezáhnt.
In dicht verfilzten, feinen Ráschen oder vereinzelt zwischen Sphagnen. Der Lage von
© Bliůthenásten nach gehórt diese Art eigentlich zur folgenden Section.
Zweiháusig. — A — Frůchte und © Pflanzen sehr selten, im Sommer. Kelch
háufiger. —
In Torfmooren und an GAuadersandstein, zerstreut und bei uns bisher nur vom
Bereiche des Riesen- und Glatzer-Gebirges bekannt! — Kranichswiese bei Neuwelt (Si-
tenský)! — Adrsbacher! und Weckelsdorfer Felsen, ferner sůdlich am Heuscheuer und
an der Glatzer Grenze im Wilden Loch (Flotow, Limpricht). —
V. Sect. Cephalozieae.
k BI. tief 2lappig. Unterbl. deutlich oder fehlend. Die © entweder an ventralen
Astchen, oder terminal, jedoch durch spátere Knospung seitwárts geneigt.
a) Unterbl. úberall deutlich, anders gestaltet als die Blátter.
29. J. Starkii N. v. E. (Cephalozia divaricata Dmrt.). — Stengel 1—2 cm
lang, dick und geschlángelt, gabelástig, mit Ausláufern. Bl. entfernt, weit abstehend,
breiter und lánger als der Stengeldurchmesser. Bucht stumpfwinkelig, unter die Blatt-
mite reichend. Lappen sehr divergirend, scharf oder stumpflich, an der Basis einzela
an 8—16 Zellen breit. Unterbl. adstehend, pfriemenfórmig oder lamzettlich, ausge-
randet oder 2záhnig. Zellen klein, diinnwandig, angulaer nicht verdickt, ziemlich derb,
dicht mit Chlorophyll erfůllt. Weibl. Hůllbl. breitrundlich, bis zur */„ scharf ausce-
schnitten, ausgefressen gezáhnt. Kelch lánglich oval, stumpf 5 faltig, am Ende gezáhnelt,
grůn oder entfárbt.
Sehr fein, habituell der J. divaricata sehr hnlich, in dicht verfilzten, grůnen oder
schmutzigbraunen Ueberzůgen. Bl. am Dorsalrande oft mit 1 grósseren Zahne, von Keimkórnern
zuweilen ausgefressen. Archegonien stehen theils am Ende niederliesender Hauptáste oder an
verlángerten, aufrechten Nebenásten, deren BI. gegen Ende plótzlich grósser werden.
Zweiháusig. — 2 — Frucht sehr selten.
An trockenen, kieseligen Stellen, so an Waldrándern, auf Haideland und dere.,
selten. — Ďáblitzer Bere bei Prag am 14. Febr. 1881! — Tannwald: unterhalb des
Forsthauses an der Stephanshóhe náchst Příchowic 1879! Riesengebirge: unweit der
Grenzbauden (Nees). — Adlerkostelec am Waldrande gegen Wyhnanow! — Písek in
Sůdbohm. auf Haideland hinter St. Wenzel an der Strakonicer Strasse! — Daselbst an
der Budweisser Strasse (Velen.)! — Třemošna im Brdagebirge (Velenovský)!
P) Unterbl. fehlend, oder undeutlich und nur am Ende der Geschlechtsáste entwickelt.
+ Bl. guer inserirt, oder schrág angeheftet aber nicht herablaufend.
* Zellen dickwandig.
30. J. divaricata N. v. E. (Cephalozia byssacea Dmrt.). — Stengel bis 1 cm
lang, ziemlich děck und steif, brdunlichgriin, nicht durchscheřnend, mit aufgerichteten
Ásten und umherschweifenden Sprossen. Bl. entfernt gestellt, fast guer inserirt, minder
abstehend, ihre Fláche so drei als der Stengeldurchmesser. Bucht scharf, spitz- oder
rechtwinkelig, zur *|„ reichend. Lappen divergirend, spitz, am Grnnde je 5—8 Zellen
breit. Unterbl. merst fehlend, oder schuppenfórmig und 2záhnig, zuweilen pfriemenfórmig,
dreieckig bis eilánglich. Zellen klen, derb, iiberall stěirker verdickt, ohne Oeltropfen.
Fruchtáste lang, am Ende lángelichkeulenfórmig. Kelch lánglich und guergestutzt oder
spindelfórmig zusammengezogen, mit einigen Lángsfalten, am wasserhellen Saume durch
vorspringende Zellen crenulirt.
In feinen, glánzend rothbraunen oder grůnen, spinnengewebeartigen Úberzůgen. Blátter
durch rothbraune Keimkórner oft zerstort. Weibl. Hůllbl. zu '/„ in 2 und 3, meist hyaline, aus-
56 Cephalozieae.
gefressen gezáhnte oder ganzrandige Lappen getheilt. Kelch spáter scheinbar seitenstindig. Kapsel
dunkel pnrpurn mit braunrothen Sporen, die so breit sind als die Schleuderer.
Einháusig. — 4% — Frůchte háufig im Frůhling, Spátsommer! (nach Nees auch
im Herbste). —
Auf sandigthonigem feuchten Haidelande, gern ber verwitterten Mooren und
anderen Vegetabilien von der Ebene bis auf die Vorgebirse háufie. — Prag: Zižkaberg
(Stolz im Sept. mit Frůchten)! Krč (Opiz)! Běchowic! — Kolín (Veselský) Podhořan
(Peyl)! — Turnau! — Bůsig! — Jeschken! — Jungbunzlau! — Haindorf (Flotow). —
Mileschauer! — Karlsbad!
31. J. catenulata Hůben. (Cephalozia Lindb. — Trigonanthus Spruce). — Stengel
bis 1 em lang, haarfein, niederliegend, meist mit bleichgriiner Axe und wasserhellem
Saume, stig. Bl. guer inserirt, hohl bis rinnenfórmie vorwárts gerichtet, etwas bretter
als der Stengel. Blattfláche rundlich eifórmig, durch eine enge, metst spitze Bucht bis
zur "/„ in 2, fast grade, spitze, am Grunde 2—4 Zellen breite Lappen getheilt. Unterbl.
nur in den Plůthenstánden deutlich. Zellen gross, meist rundlich, rings dickwandig,
dicht mit Chlorophyll erfůllt. — Fruchtast kůrzer als der Kelch. Dieser cylindrisch, oben
fast prismatisch zusammengezogen, an der Můndung gezáhnelt. Kapsel gelbbraun. Sporen
enger als die Schleuderer.
In feinen, bleichgrůnen, seltener bráunlichen Ueberzůgen vom Habitus der J. divaricata
und Sarků.
Einháusig. — 2 — Frůchte im Frůbjahre bis Juli.
An modernden Baumstůmpfen feuchter schattiger Wilder, zuweilen auch an
Torfmooren, und nur im gebirgigen Gebiete zerstreut auftretend. — Schluckenau (Karl
nach Rabenhorst). — Schneeberg und Wechselbure bei Schluckenau (Rabenhorst). —
Riesengebirge, besonders an den nordlichen Abhángen, so am Fusse der Felsen des Gr.
Teiches (Nees). Grenzbauden (Nees).
32. J. eurvifolia Dicks. (Cephalozia Dmrt. — J. Baueri Mart. — Presl: Obr.
22. fig. 1462. 8). — Stengel 0:5—2 cem. lang, bleich, durchscheinend, ástig, stellenweise
wurzelhaarig, sammt Blěttern drehrund. BI. dicht sitzend, guer inserirt, bedeutend
sackartig ausgehohlt und durch eine abgerundete Bucht bis zur */, in 2 pfriemen-
fórmige, gegeneinander und růckwčivis geneigte, aus 1 Zellreihe (—10 Zellen) beste-
hende Lacinien getheilt, Unterbl. nur in den DPlůthenstánden. Zellen ziemlich gross,
wasserhell, rundlich eckig, rings besonders angulár sehr stark verdickt. Weibl. Hůllbl.
gross, angedrůckt, mit spitzlanzettlichen, scharf geságten Lappen. Kelch doppelt so lang
als die Hůllbl., fast cylindrisch, 3seitig, wimperig gezáhnt.
In ausgedehnten niedergedrůckten weisslichgrůnen bis rothbraunen Ueberzůgen. Frucht-
áste kurz, dicht wurzelhaarig, armbláttrieg, Kapsel oval, braun, mit aussen fast rinnigen Klappen.
Sporen fast so breit als die Schleuderer. (Mit J. bicuspidata var. conferta zu vergleichen).
Polyoecisch. — A — Frucht im Frůhjahre und Sommer.
An morschen Stámmen, Stegen und Umzáunungen der Gebirgsbáche sehr zer-
streut, aber dann oft massenhaft. — Schluckenau bei Kůnigswalde (Karl, nach Raben-
horst). — Haindorf, an alten Buchen- und Tannenstůmpfen stellenweise (Flotow, Nees).
— Heuscheuergebirge (Flotow). — Bóhmerwald: (Corda nach Nees). Eisenstein, beim
Gebirgsbache unterhalb des Teufelssees an modernden Stámmen am 31. Mai 1879 mit
zahlreichen Frůchten!
** Blattzellen důnnwandig.
33. J. Menzelii Corda. — Stengel 3—6 mm lang, verdickt und rigid, bleichgrůn,
zerstreut wurzelhaarig. Bl. schrág tnserirt, aufsteigend, breiter als der Stengel. Blatt-
fláche rundlich eliptisch, durch eine spotzwinkelige, stumpfliche Bucht bis zur "/, in
2 grade spitze Lappen getheilt. Diese am der Basis 4, dann 2 Zellen breit und zu-
letzt in eine, 2 Zellen lamge Spitze auslaufend. Zellen gross, Geckig, durchsichtig.
Kelch kaum 1 m hoch, gegen die Spitze stark 3—4 faltig, gezihnelt.
Cephalozieae. 57
In feinen, bleichgrůnen, winzigen Ueberzůgen vom Habitus der J. trichophylla. Die
Hauptstengel verbogen niederliegend, mit ofters verlángerten Aesten. Die Bl. der sterilen Sprossen
dichtgestellt, die der fertilen unten entfernter, kůrzer, dem Stengel angedrůckt und nicht so breit,
mit kůrzerer und mehr stumpfen Bucht. Die letzten Bl. sind grósser etwas abstehend und mit
schwach divergirenden oder zuweilen gegeneinander geneigten Lappen. Kapsel auf verdicktem
Stiele, braun. |
Zweiháusie. — 2 — Frucht im Frůhjahre.
Auf sandig-thonigen Stellen, Abhángen, an Fusswecen, sehr selten. — Reichen-
berg, hinter den Bádern im Jahre 1835 vom Pfarrer Menzl entdeckt und spáter daselbst
von Corda wiedergefunden,
34. J. rubella N. v. E. — Stengel verdickt, durchscheinend, Zdngs wurzelhaarig.
BI. fast rundlich, etwas breiter als der St. Durchmesser, durch eine enge, metst spitze
Bucht bis unter die Mitte 2lappig, mit spitzigen, oft gegeneinander geneigten, am Grunde
4—5 Zellen breiten Abschnitten. Die letzten Bl. der sterilen Aste oft gezáhnelt. Zellen
ziemlich gross, meist guadratisch; Zellwánde etwas verdickt. Die weibl. Hůllbl. gross,
angedrůckt, tief getheilt, mit spitzigen ungleich ságezáhnigen Lappen. Kelch zu */; empor-
gehoben, cylindrisch, jederseits mit 1 oder 2 tiefen Falten, oben prismatisch, mit wentgen
tiefen Finschnitten. © Diese durch vorspringende Zellen gezáhnt. Kapsel purpurbraun;
Sporen draunroth, dicht gekůrnelt, so breit als die dunkleren Schleuderer.
In feinen, braun- bis hellrothen Ueberzůgen. — Blattlappen durch eine oft schwach
hackenfórmig gekrůmmte Zelle zugespitzt. Keleh purpurn, gegen die Spitze meist hyalin.
Einháusig. — 2 — Frůchte im Sommer.
Auf Waldwecen sehr selten. — Isergebirge: bei der Glashůtte Karlsthal unweit
von Wurzelsdorf im J. 1834 von Nees entdeckt. — Liebwerd in Nordbůhmen (Góppert,
1834). — Brauner oberhalb Mohrau an Waldwegen am 10. September 1880 mit
Frůchten !
35. J. bicuspidata L. (Cephalozia Dmrt. — Presl: Obr. 22. fig. 1461 und 1462
a). — Stengel 0:5-——2 cm seltener darůber lang, kriechend, aufsteigend, selten flutend,
bleich, reichlich verzweigt, stellemweise wurzelhaavig. © BI. schrág inserirt, dis doppelt
breiter als Stengel, entfernt oder dichter gestellt, horizontal abstehend oder aufgerichtet
und zum Stengel gebogem. Blattflůche rundlich guadratisch, durch eine bald engere bald
breitere stumpfliche Bucht bis zur */„ in 2 lanzettliche, grade oder zusammenneigende,
spitze Lappen getheilt. Zellen sehr weit und licht, 5—6eckig oder rectangulár, diinn-
wandig, ohne Oeltropfen. Weibl. Hůllbl. zuweilen verwachsen, mit 2—5 lanzettl. ausge-
schweiften bis geságten Lappen. Kelch lang, aufwárts verdiinnt und prismatisch, gezáhnelt.
In niedrigen, meist lockeren und breiten Ueberzůgen oder Polstern von bleichgrůner,
im Schatten auch dunkelgrůner Farbe. — Sehr veránderlich und daher, wie besonders die var.
conferta mit gegeneinander geneigten Blattlappen, mit Verwandten oft verwechselt. Die Keimkórner-
tragende Form seltener, fremdartig, mit sehr vielen, kurzen, aufgerichteten Aestchen, deren breitere
und dickere Bpitzen durch Keimkórner róthlich erscheinen. — Die Blattzellen, lange mit Luft er-
fůllt, erscheinen dadurch díckwandiger. Kapsel klein, oval, gelbbraun, mit 2schichtigen Klappen.
Sporen bráungelb, so breit als die rothbraunen Schleuderer.
var. aguatica. — Grůn bis trůb purpurn angehaucht, mit fusslangen feinen Stengeln,
© vollig untergetaucht.
Einháusig. — 2 — Frůchte sehr zahlreich und háufig, so wie die bleichen
Kelche im Frůhjahre.
Auf nackter Erde, an Waldwegen, Gráben, morschen Baumstůmpfen, Auadersand-
stein, auf Torfmooren, meist in Gesellschaft der J. trichoph. divaric. intermed. et cet,
von der Ebene bis aufs Hochgeb. gemein. — Z. B. bei Prag: Stern. — Michler Wald!
— Běchowic! — Mednik ! u. s. w. — Písek! — Bůhmerwald, sehr verbreitet! — Bůhm.
Trůbau (Stolz)! — Turnau! — Jeschken! — B. Leipa (Watzel). — Bůsig!' — Mile-
schauer! Iserbirge. Riesengebirge. Adrsbach und Weckelsdorf! Neustadt an d. Mettau!
Glatzer Gebirge bis zum Schneeberg!
58 Integrifoliae.
var. aguatica: in den Moortůmpeln der weissen Wiese im Riesengebirge bei 1400 m
Hóhe im Juli 1883 reichlich mit Frůchten (Limpricht).
++ Blátter sehr schrág inserirt, bedeutend herablaufend.
36. J. connivens Dicks. (J. multiflora Huds. — Cephalozia multilora Lindb. —
Blepharostoma Dmrt.). — Stengel 0'5—5 em lang, schlajf und haavfein, im Umfange
mit grossen hyalinen Zellen, kurz wurzelhaarig. BI. entfernt, flachausgebreitet, kreis-
rund, mit setcht mondfórmger Bucht *|4—*/, tief in 2 spitzige, gegeneinander genevgte
bis fast zusammenstossende Lappen getheilt. — Zellen gross, wasserhell, ohne Oeltropfen
und mit spárl. wandstándigem Chlorophyll, diinnwandig angulár nicht verdickt. Weibl.
Hůllbl. handfórmig getheilt, mit schmalen lang zugespitzten Lappen. Kelch zur Hálfte
emporgehoben, lánglich cylindrisch, oben faltig 3kantig, lang gewimpert. Kapsel gelb-
braun. | Sporen draungeld, so breit als die Schleuderer.
Lockerrasig oder vereinzelt, lichterůn, bleich bis weisslich; ofters mit der áhnlichen J.
bicuspidata vergesellschaftet (und mit ihr verwechselt).
Einháusig. — A — Fr. im Frůhjahre.
Auf morschem Holze tiefschattiger Wálder, in Torfmooren, an (Auadersandstein
von der Hůgelregion bis auťs Hochgebirge zerstreut. — Kurowodic zwischen Můnchen-
grátz und Turnau am Sphagnecoetum! — Turnau, bei Rothstein an GOuadersandstein! —
Habichtstein, unter Exsic. des dr. Poech! — Isergebirge (Flotow, Limpricht). Karlsthal
(Nees). — Riesengebirge: bei den Teichen (Nees). — Weisse Berg (Sitenský)! — Adrs-
bach (Flotow)! — Cudova (Flotow). — Sůdbohm.: Bóhmerwald, unter Exsic. des dr. Em.
v. Purkyně vom Schwarzen See! — Eisenstein mit J. Taylori! Beim Arbersee! Kusch-
warda am Sphagnecoetum! — Ahornfilz bei Mader! — Blánskerwald!
VI. Sect. Intecrifoliae.
Blátter ungetheilt (seltener am Ende seicht ausgerandet), ganzrandig. Unterbl.
nur manchmal deutlich.
a) Unterblátter entwickelt, durch Wurzelhaare verhůllt. Kelch hervorragend, an der
Můndung zusammengepresst, 2lappig oder gestutzt.
«) Blattzellen gross, úberall, besonders angulár stark verdickt. Kelch zusammen-
gepresst oder 2lippig.
87. J. Taylori Hook. (Coleochila Dmrt.). — Stengel bis 1 dm lang, stark und
steif, aufsteigend, dícht und lang wurzelhaarig. Bl. schrág halbstengelumfassend, am
Dorsalrande etwas herablaufend, abstehend bis aufsteigend, kreisrund und eilánglich, ganz,
besonders am Rande riickwěirts gebogen. Cuticula stark netzig gewarzt. Unterbl. aus
breitem Grunde lang pfriemenfórmig. Zellen sehr gross, blatterig aufgetrieben, . stark
dickwandig und angulčr S-vieleckig verdickt. Kelch eilánglich, oben zusammengedrůckt,
wimperig gezáhnt.
Sehr kráftig, lockerrasig oder dicht polsterformig, olivenerůn, bráunlich oder am Ende
purpurn. Keimkórner gelblichgrůn oder purpurn, elliptisch, sehr gross. Kapsel eikugelig mit netzig
geaderten Šporen.
b) anomala N. v. E. — BL eilánglich, fast zugespitzt, sehr schrág inserirt mit glatter
Cuticula. Kelchmůndung mit 2—4 Einschnitten, zahnlos.
Zweiháusig (auch einháusig?) — 4 — Fr. im Sommer.
An modernden Stámmen, an Felsen (besonders Auadersandstein), auf Torfwiesen
und in Moortůmpeln, von den Vorbergen bis auťfs Hochgebirge verbreitet, und meist mit
b) vergesellschaftet. — Marienbad (Leonhardi)! — Karlsbad an Felsen gegen Sanssoucy!
— Bóhm. sáchs. Schweiz (?)! — Nixdorf (mit d) Neumann)! — Bóhm. Leipa: bei Kie-
nast (Watzel). — Turnau bei Waldstein! — Isergebirge (Nees, Limpricht). — Riesen-
gebirge: (Renger). Elbefall, Koppenplan (Flotow, Beilschmied)! Kranichswiese (Sitenský)!
Integrifoliae. 59
— Adrsbach (Nees)! Weckelsdorf! Petersdorf! Heuscheuergebirge (Milde)! — Bůhmer-
wald: Eisenstein! Arber! — bd) Riesengeb.: (Funek). Gros. Teich, Koppenplan (Nees).
Isergebirge (Limpricht, Plumert). — Bóohmerwald, Torfwiesen bei Kuschwarda! (Bayrischer
Wald, Martius).
B) Blattzellen klein, angulár schwach verdickt. Kelch stielrund, aufgeblasen, an
der gestutzten Můndung lang gewimpert.
38. J. Schraderi Mart. (Aplozia Dmrt.). — Stengel schlaff, hin und her ge-
bogen, meist gabelig getheilt, kurz und dicht wurzelhaarig. BI. dicht gestellt, schrág
inserirt und schwach herablaufend, Kreis- oder lánglichrund, aufsteigend. Unterbl.
klein, anliegend, breit pfriemenformig. Zellen durchsichtig, mit kleinen Oeltropfen und
mit meist wandstándigem Chlorophyll. Hůllbl. bald verwachsen, bald getrennt, ausgerandet
oder lappig und dann mit einigen langen Záhnen. Kelch de Hůllbl, weit úberragend,
mit ojfener durch Faltem verengter Miindung.
Gelbgrůn, bráunlich oder rothbraun. Meist vereinzelt unter Sphagnen, seltener in Pol-
stern. Kelch walzenrund oder keulenfórmig. Kapsel oval, braun, mit 4 schichtigeř Wand. Sporen
klein, dunkelbraun, Schleuderer fast purpurn. — Wird meist mit anderen Arten verwechselt.
Zweiháusig. — 24 — Fr. im September, October.
Unter Torfmoosen, besonders in Gebirgsgegenden, und auch da selten. — Riesen-
gebirge: Weisse Wiese (Flotow). — Aupagrund (Funek). Aupaabhang (Flotow). — Nach
Plumert auch im Gebiete des Iser- und Jeschkengebirges.
39. J. subapícalis N. v. E. (Aplozia Dmrt. — J. Schraderi var. Lindb.) —
Stengel strajf, kriechend, gekniet mit aufsteigender Spitze, gespreizt dstig, entfernt kurz
wurzelhaarig. Bl. entfernt, seitlich ausgebrettet, flach, rundlich eifórmig an der Spitze
meist eingedriickt oder abgestutzt mit gerundetemn EÉckemn. Unterbl. dreieckig bis pfriemen-
fórmig. Zellen derb, durch Chlorophyll undurchsichtig. © Hůllbl. angepresst, mit der
Spitze abstehend. Kelch dald gipfelstěndig, kaum doppelt lůnger als die Hbl., eiláng-
lich, an der Můndung durch Falten zusammengezogen; baldď riicken- oder gabelstěndig
und aus den Hůllbl. kaum hervorragend, gestutzt.
In dunkelgrůnen, zuweilen bráunlichen, flachen, verworrenen Rasen. — Kelch oft auf
einer oder auf beiden Seiten mit 1 tiefen Furche.
Zweiháusie. — 2 — Frucht im Sommer. Kelche háufig und zahlreich.
In schattigen Wáldern, besonders in Hohlwegen, an Bachufern, an Steinen und
morschem Holze in der Hůgel- und Bergregion zerstreut. — Reichenberg (Corda nach
(Nees). — Isergebirge (Nees). — Riesengebirge: Am grossen Teiche (Flotow). Elbgrund
(nach Limpricht). — Glatzer Schneeberg (Nees).
b) Unterbl. fehlen. Kelchmůndung allmáhlig oder plótzlich in ein kurzes Róohrchen zu-
sammengezogen.
©) Bl, breit-lánglich oder verkehrt-eifórmic.
40. J. lanceolata N. v. E. (Aplozia Dmrt. — Liochlaena N. v. E.) — Stengel
bis gegen 3 cm lang, kriechend, unregelmássie bis bůschelig beástet, dicht bráunlich
wurzelhaarig. Bl. schrág inserirt, herablaufend, die oberen guer angeheftet; alle auf-
steigend bis ausgebreitet und mit der Spitze zurůckgebogen. Zellen gletchgross, důnn-
wandig, tn den Eckem wenig verdickt, mit Chlorophyll dicht erfiillt. Kelch keulig walzen-
fórmig, oben durch den rechtwinkelig umgebogenen Rand miedergedriickt flach, mit
aufgesetzter kleiner, róhrigen Můndung.
In grůnen oder bráunlichen, stattlichen, flachen und dicht verwobenen, wachsartig glán-
zenden Rasen. Kelch aufsteigend, etwas gekrůmmt, an der Můndung wimperig gezáhnt. Kapsel
oval; ihre Wand 2schichtig: die innere mit Ringfasern, die áussere Zellschicht mit seitlichen Ver-
stárkungsrippen. Sporen gelbbráunlich.
Einháusig. — A — Fr. im Frůhjahr und Sommer.
In schattigen feuchten Wáldern an Stein, Holz und Waldboden, in der Hůgel-
und Bergregion zerstreut. — Riesengebirge: (Funck 1823, Nees). Cudova an der Glatzer
60 Integrifoliae.
Grenze (Gůnther). Adersbach: Weckelsdorf! — Sůdbohmen! Blánskerwald bei Krumau!
Von Plumert auch im Bereiche der Flora des Iser- und Jeschkengeb. angefůhrt.
41. J. Zeyheri N. v. E. (J. pumila Aut. — J. rostellata Hůben. — J. pumila
var. Zeyheri Lindb. — Aplozia rostellata Dmrt. — J. lanceolata Corda: Sturm. t. 6.) —
Stengel kriechend, meist ohne Wurzelsprossen, met langen Wurzelhaaren. Aste anfangs
verdiimnt. BI. entfernt gestellt, schrág inserirt (ausgenom. die jůngeren), grósstentheils
2 reilig ausgebrettet, oder aufgerichtet, mit růckwárts gebogener Spitze und sackfórmiger
Basis. Ale lčnaglich elliptisch mit stumpflicher Spitze. Zellen ziemlich weit, sehr
durchsichtig, důnnwandig, anguldr nicht verdickt, die randstůndigen klemer, fast gua-
dratisch. Kelch doppelt so lang als die Hůllbl., schmal, fast lanzettlich, zu einem kleinen
Róhrchen allmáhlich verengt, zu */, Tiefe faltig, gewóhnlich jederseits mit einer tieferen
Falte. Můndung schrág gestutzt, wimperig gezihnt.
Kleiner als vor., in dunkelgrůnen oder bráunlichen, lockeren und flachen Uiberzůgen,
seltener in Rasen.
Einháusig. — 2 — Fr. im Frůhjahr, gewóhnlich zahlreich.
An feuchten Felsen, triefenden Kiesel- oder kalkhaltigen Lehnen, in der Hůgel-
region, sehr selten. — Turnau, an triefenden Kalkfelsen der Farářství-Lehne an der Iser
und mit Frůchten zahlreich! Waldstein, an feuchtem (Guadersandstein ! — Jungbunzlau,
an einem feuchten Hohlwege im Walde gegen Kováň!
2? 42. J. pumila Wither (Aplozia Dmrt.). — Stengel kurz, kriechend, mit auf-
steigender Spitze, děcht kurz und brčunlích wurzelhaavig, fast einfach, jedoch mit vřelen
ventralen Sprossen. BI. eifórmig, oft stumpf ausgerandet, schief angeheftet, hohl, etwas
aufgerichtet. Zellen gleichgross, west, diinnvandig, angulčr kaum verdickt. Kelch die
Hůllbl. úberragend, verkehrt eifórmig, an der stumpfen Spitze stark gefaltet. Můndung
zusammengezogen, gerade cestutzt, hyalin gezáhnt.
In kleinen, braun bis schwárzlichorůnen Rasen. Stengel gedrángt bebláttert. Sonst der
vor. áhnlich.
Zweiháusig. — 2 — Frucht im Frůhjahr.
An Kalkfelsen gebiroiger Gegenden, sehr selten. — Riesengebirge: Riesengrund
am alten Bergwerk (von Limpricht mit Reserve hieher gerechnet). — Auch von Plumert
vom Iser- und Jeschkengebirge angefůhrt. — Sterngarten bei Prag. (Vondráček) ?
P) BI. kreisrund. Kelch anfanos in eine rohrenfórmige Warze am abgerundeten
Ende verláncert.
+ Wurzelhaare farblos, lángs des Stengels zerstreut oder bůschelie geháuft.
* Wurzelhaare lános der ganzen Unterseite.
S Blattzellen důnnwandig, angulár nicht verdickt.
* J. eaespiticia Lindenb. (Aplozia Dmrt. — J. parvula Lindb.). — Stengel selten úber
5 mm lang, der fertile oft aufgerichtet, dicht wurzelhaarig. Bl. gedránst, schráe inserirt, zuweilen
an der Spitze sclavach eingedriůckt, bleich. Zellen gross, durchsichtig, mit 1—2 lánglichen, grossen,
grobgekórnelten Oeltropfen. Kelch bedeutend hervorragend, verkehrt eifórmig, stumpf 4—5 faltig,
unregelmássig gezáhnt. Kapsel rund, purpurn. Sporen kanm breiter als die Schleuderer. — Keim-
kórner n kugelrunden, braungelben, gipfelstind. Hěufchen. — Zweiháusie. — ©? — Frucht sehr
háufig, im Sommer. — In gelbgrůnen, kleinen und niedrigen Gruppen oder Ueberzůgen an sandig-
thoniger oder kalkhaltiger Unterlage, auf Haideland, Hohlwegen und derel., sehr selten und bisher
von Bohmen unbekannt. — (Schlesien: bei Hirschberg).
SS Blattzellen důnnwandic, angulár vordickt, oder am Rande der Hůllblátter dickwandig.
43. J. erenulata Sm. (Aplozia Dmrt. — A. cristulata Dmrt.). — Stengel krie-
chend, an der Spitze aufsteigend, etwas zusammengedrůckt, reichlich wurzelhaarig, mit
zahlreichen kleinblěittrigen Sprossen. Bl. aufwdirts grósser und gedrčngter, aufgerichtet,
breit eirund bis halbkreisfórmig, mot Drečter Basis schrůg inserůrt. Mánnl. Hůllbl. etwas
sackig. Zellen gleichměsstg, schwach verdickt, mit wandstándigem Chlorophyll und einigen
Integrifoliae. 61
1—3 Oeltropfen; der Rand der Hůllbl. durch eine Rethe sehr grosser, guadratischer
und dickwandiger Zellen gesdumt. Kelch mehr oder weniger hervorragend, fast bis zum
Grunde 4-kantig und daselbst schwach zusammengedrůckt, an der scharfen Kante zu-
weilen gezáhnt. Můndung wimperig gezáhnt. Sporen braun, gekdrnelt.
In Heerden oder Rasen von róthlicher oder grůner Farbe, Der breite Zellsaum fehlt
seltener auch an den úbrigen Bláttern, ist jedoch schmáler; nur an der kleineren róthlichen Form
nicht ausgebildet. Kapsel langgestielt, kugelrund, klein, dunkelbraun.
b) Genthiana Hůben. (Nardia gracillima Lindb.) Klečner, immer róthlich. Hauptstamm
kurz wurzelhaarig, reichlich innovirend. Randzellen michť grósser als die benachbarten. Kapsel
eirundlich,
Zweiháusig. — 4 — Frucht im Frůhjahre (und im Herbste).
Auf kiesig-thonigen Waldplátzen, Hohlwegen, an Wegrándern, ja auch im Sůmpfen,
von der Ebene bis auťfs Hochgebirge ziemlich verbreitet. — Prag: Im Sternwalde (Won-
dráček)! Bahnausstich zwischen Běchovic und Ouval! — Karlsbad! — Lewín bei Alt-
Paka! — Rudolfovic náchst Libstadtel auf permischer Kornfeld-Unterlage! — Reichenberg
(Corda). — Isergebirge (Limpricht). — Riesengebirge: Krausebauden an Glimmerschiefer!
Gebiroskamm am kl. Teiche und den Schneegruben (Nees). Adersbacher Felsen an Wegen!
Adlerkostelec! Grenzbauden (Nees). Braunerberg oberhalb Mohrau! — Boóhmervwald:
Rosenberg, Teufelswand bei Hohenfurt, St. Thomas! — Ď) Wilder bei Dobřichovic! —
Královic an feuchten Felsen der Zelivka-Lehne!' —— Rothenhaus im Ellbogner Kreise
(Sachs, nach Rabenhorst). — Brauner oberhalb Mohrau!
44. J. nana N. v. E. (J. pumila Lindenb. — Aplozia lurida Dmrt.). —— Štengel
kaum 1 cm lang, aufsteigend oder aufrecht, von betden Setten zusammengedriickt, dicht
wurzelhaarig. Bl. zčemlech steif, guer imsertrt, *|„ stengelumfassend, necht herablaufend,
nach oben und vorn gerichtet. Fláche kreisrund bis breitrund, an der Spitze břsweilen
schwach eingedrůckt, bei den oberen am Rande etwas wellig verbogen. Hůllbl. etwas
bauchig. Zellen gross, fast gleich, nur die Randzellen klečner und fast guadratisch,
diinnwandig, angulůr stark d-ecktg verdickt, mit Chlorophyll und runden Oeltropfen
dicht erfůllt. Kelch Kurz, aber hervortretend, oben scharf 4-kantig. Kapsel lang
gestielt, kugelrund, klein und braunroth. Sporen doppelt so gross als die draungelben
Schleuderer.
In dichten, dunkeigrůnen oder bráunlichen Rasen. Stengel auf trockener Lokalitát mit
kriechenden, fadenfórmigen Ausláufern, und unter dem Kelche zuweilen mit kleinbláttrigen Sprossen.
Einháusig. — A — Fr. im Frůhjahr bis Juni. Kelch háufig und zahlreich.
An Wegrándern. und Hohlwegen, vom Fusse bis auf den Kamm der Gebirge
ziemlich háufig. — Haindorf (Nees). — Isergebirge (Elsner, Limpricht). — Riesen-
gebirge: Weisswasser (Nees)! Koppenplan (Flotow). Elbguellen! Grenzbauden (Nees).
45. J. sphaerocarpa Hook. (Aplozia Dmrt.). — Stengel bis 1 cm lang, nicht
zusammengedriickt, fast einfach, dícht und lang wurzelhaarig. BL. meřst schlajf, die
unteren schrág inserirt und etwas herablaufend, die oberen guer angeheftet; alle kreis-
rund, abstehend. Zellen gross, fast gleich, diimnwandig, angulár deutlich verdickt,
mit Chlorophyll und Oeltropfen dicht erfůllt. Kelch mehr oder mínder emporgehoben,
verkehrt eifórmig bis keulenformig, oben 4-kantig und 4-záhnie. Kapsel auf kurzem
dickem Stiele, kugelrund. Sporen grósser als bei vor.; tetraedrisch bis polyedrisch,
doppelt grósser al die draunrothen Schleuderer.
In trůb- oder braungrůnen bis braunen Rasen. Kráftiger als die áhnliche J, nana, ist
jedoch der J. crenulata habituell auch áhnlich.
Einháusig. — 4% — Frucht Ende Frůhjahr.
An feuchten moorigen Waldplátzen, sowie am triefenden Felsen der Berg- und
hěchsten Gebirgs-Region zerstreut. — Teplitz (Winkler). — Karlsbad gegen Sanssoucy!
— Isergebirge (Limpricht). — Riesengebirge: bei der alten Schlesichen Baude auf Steinen
62 Integrifoliae.
in Báchen (Wimmer). Náchst der Grossen Schneegrube (Limpricht). Weisswasser!
Mummel! — Cudowa an der Glatzer Grenze (bereits 1824 von Flotow gesammelt).
** Stengel bůschelig lang und weiss wurzelhaarig.
46. J. tersa N. v. E. (Aplozia amplexicaulis Dmrt.). — Stengel meist aufrecht,
1—6 em lang, mit schlajfem Sprossem. Bl. gleich gross, guer inserirt, weit stengel-
umfassend, breit rund, feucht straff aufrecht abstehend © Blattbasis etwas aufgeschiirzt,
dorsal herablaufend. Zellen ziemlich gross, fast gleich, diinnwandig, angulůr deutlích
verdickt, mit Chlorophyll und Oeltropfen dicht erfůllt. Hůllbl. (das untere oder beide)
hinabgedriůckt. Kelch oeit hervortretend, unten verschměálert, verkehrt eifórmig, oben
4-kantig, zuletzt 4-lappig.
In dunkelgrůnen, schwammigen, bedeutenden Polstern. Mánnl. Hůllbl. sehr hohl, fast
knospenfórmie sich deckend. Kapsel kurz gestielť, klein, kugelrund.
Einháusig. — 2 — Fruchtet im Sommer; Kelche háufig und zahlreich.
An feuchten Felsen und ŠSteinen, besonders an und in Flussbeeten und an
Ouellen, vom Fusse bis auťs Hochgebirge (wo háufiger) zerstreut. — Turnau, bči Klein- .
skal (Neumann)! — Nixdorf (Neumann)! Isergebirge im Flussbeete der Iser (Limpricht).
— Riesengeb.: „Im Stalle“ náchst Neuwelt (Sitenský)! Weisswasser unterhalb der Wiesen-
baude (Beilschmied im J. 1828; Wimmer, Flotow). Weisse Wiese (Flotow, 1824). Aupa-
thal (Flotow). — Erzgebirge: Gottesgab (Handtke nach Rabenhorst).
++ Wurzelhaare mehr oder minder róthlich bis purpurn.
47. J. hyalina Hook. (Aplozia Dmrt. — J. Schmideliana Hůben.) — Stengel
kriechend, gabel- oder bůschelástig, unterseits oft róthlich, diberall dícht wurzelhaavig.
BI. schrág inserirt, herablaufend, aufsteigend, sonst kreisrund, etwas ausgeschweift und
wellig verbogen. Weibl. Hůllbl. mt dem Kelche verwachsen, wenig zurůckgebogen. Blatt-
zellen weit, gleich gross, durchsichtig, obwohl mit Chlorophyll und Oeltropfen erfůllt,
alle angulaer stark verdickt; Randzellén meist guadratisch, dickwandig. Kelch mit der
schnabelformigen Miimdung die Hillbl. iiberragend, eifórmig, oben Skantig. Seine Zellen
iiberall gestreckt, nicht angulaer verdickt.
In flachen, matterůnen bis purpurn angelaufenen, olánzenden Rasen. Wurzelhaare zu-
weilen puvpurn-violett oder nur am Anfance gefárbt und sonst hyalin. Kapsel lang gestielt, kugelig,
rothbraun. Sporen gelblichbraun, fast doppelt grósser als die rothbraunen Schleuderer. — Mit
Alhicularia minor zu vergleichen!
Zweiháusig (nach Carrington auch einháusig). — 2% — Frucht im Frůhjahre.
An sandigthonigen Hohlwegen und Waldabhingen durch die Hůgelregion bis an
die Vorberge zerstreut. Králowic an der Želivka! — Písek, Abhinge bei den Kloster-
teichen náchst Smrkovic! — Krumau (Jungbauer 1823)! — Sůdabhang des Mileschauer
mit J. bicrenata! — Petersdorf gegen Gualisch via Adersbach !
48. J. obovata N. v. E. (Southbya Lindb. — Dmrt. — J. tersa var. B)—?9)
N. v. E.) — Stengel aufsteigend oder niederliegend, biischelig wurzelhaavig, aufwůrts
ústig. © Odere Bl. grůsser, guer inserirt, die unteren schrág angeheftet, deutlich herab-
laufend, schtef 2settig abstehend und růckwčirts gebogen. Beide weibl. Hůllbl: oberhalb
der Kelchbasis inserirtť und mit dem Kelche zur Hálfte verwachsen. — Blattzellen em
Rande kleiner und guadratisch, alle diinnwandig, angulaer schwach verdickt oder
gar meht verdickt. Chlorophyll und Oeltropfen spáter wandstándig. — Kelch das obere
Hull. gar mícht oder kaum diberragend, verkehrt eifórmie, oben gefaltet, zuletzt
4záhnig. Seine Zellen obem schmal verliingert, tiefer rundlích, an der Basis lánglich.
i In bláulichorůnen oder braunrothen, lockeren, stattlichen Rasen, deren Bl. angefeuchtet
aneinander kleben. Wurzelhaare sehr deutlich gefárbt. Kapsel klein, gelbbraun. Sporen vieleckig,
fast glatt und doppelt grósser als die oleichfarbicen Schleuderer. (Kelch meist nur durch Ent-
fernung der Hůllbl. sichtbar.)
ť
ké)
Sphagnoecetis. 6
ne
Einháusig. — 2 — Fr. im Sommer.
An feuchten Felsen und Steinen, an Bach- und Flussufern, vom Kamme des
Hochgebirges in dessen Tháler herabsteigend; dort verbreitet. — Isergebirge: Tafelfichte
und KI. Iser (Nees). Iserbeet (Limpricht). — Haindorf (Nees). — Riesengebirge: An
der Mummel von 500—1000 m.! Kranichswiese (Sitenský)! Kesselgrund (Nees). Elbe-
grund! Spindlerbaude, Koppenplan (Nces). Aupaabhang (Flotow).
7. Sphagnoecetis N. v. E.
1. S. communis N. v. E. (J. Sphagni Dicks. — Odontoschisma sphagni Dmrt.)
— Stengel niederliegend bis aufsteigend, mit zahlreichen langen Wurzelsprossen, kurz
oder stellenweise lang wurzelhaarig. Bl. eirundlich oder rundlich-elliptisch, ungethelt,
sehr schrůg inserirt und kurz herablaufend. Weibl. Hůllbl. bis zur Hlfte in 2 ge-
schweifte oder gezáhnte Lappen getheilt. — Zellen rund, angulaer mehr oder minder
stark verdickt; Randzellen gleich gross, dickwandg, einen eigenthiimlichen Saum (wie
b. J. crenulata) dildendď. — Kelch meist sehr lang und schmal cylindrisch, oben 3kantig,
mit gezihnter oder fransig gewimperter Můnduno.
In flachen, lockeren oder gedrungenen, wachsglůnzenden Rasen, oder vereinzelt, grůn bis
rothbraun. Stengel geschlángelt, armástie, mit ventral angelegten, kleinbláttr. Geschlechtsástchen.
Kapsel elliptisch, braun, mit deutlich gekórnelten Sporen. Diese so breit als die Schleuderer.
b) macrior N. v. E. (Sph. Hůbneriana Rabenh. — Odont. denudata Dmrt.) — Áste fast
bandfórmig, gegen die Spitze verdinní, mit veichl. Keimkórnern und zahlreichen Unterbláttern. Blatt-
zellen angulaer sehr stark verdickt, čm Zellraume sternfórmig.
Zweiháusig. — 24 — Frucht im Sommer.
In Torfsimpfen, auf Moorboden, alten Baumstůmpfen, feuchten WYuadersandsteinen,
im Bereiche des Hochgebirges, ziemlich selten. —- Erzgebirge bei Gottesgab [nach Raben-
horst] (Sáchsische Schweiz, auch var. d) Rabenhorst). — Isergebirge: grosse Iserwiese
(Limpricht). — bd) Riesengebirge: (Grenzbauden (Nees). Adersbacher Felsen und bei
Weckelsdorf (nach Limpricht). — Auadersandstein bei Rabenstein náchst Bóhm. Leipa
(Dr. Watzel).
T. Familie.. Gymnomitrieae.
Stengel aufrecht oder aufsteigend, 2reihig bebláttert oder mit anders geformten
Unterbl. — Hůllbl. grósser, die zwei jůngsten viel bedeutender, zuweilen % ečne Kelch-
form verwachsen. Kelch fehlend und durch die Můtze vertreten, oder 72 der Kelchform
ečngehůllt und mit ihr scheinbar verwachsen, kurz 4—6lappig.
Gattungen:
a) Kelch vorhanden, sammt den Hůllbl. oberhalb der Basis der Můtze in das verdickte
und ausgehohlte Stengelende eingefůgt.
1. Alicularia. Bl. ungetheilt, rundlich, zuweilen eingedrůckt oder seicht aus-
gerandet. Die 2 jůngsten Hůllblátter in eine krause erweiterte Kelchform zum
Theile verwachsen.
2. Sarcoscyphus. Bl. 2lappig. Die 2 jůngsten seicht ausgebuchteten Hůllblátter
in eine 2lippige, gleich breite und gestutzte Kelchform zum Theile verwachsen.
b) Kelch fehlend, vertreten durch die von Hůllbláttern gánzlich versteckte Můtze.
3. Gymnomitrium. Hůllblátter mehrere, grósser als die Blátter. Blátter 2reihig
und 2lappig (jedoch in der Knospenlage ganz).
64 Aliocularia. — Sáarcoscyphus.
1. Alicularia Corda. (Nardia Gr. et Ben. emend.)
1. A. scalaris Corda. (Jungermannia Schrad. — Corda: Sturm Flora, p. 32.
t. 8.) — Stengel 1—6 cm. lang, kriechend oder aufsteigend bis aufrecht, dicht wurzel-
haarig. Bl. sečtlich flach dem Stengel anltegend, etwas schrůg angeheftet, fast kreisrund,
ungetheilt oder an der Spitze eingedrůckt. Unterbl. schtef abstehend, pfriemenfórmig.
— Zellen weit, diinnwandig angulaer verdickt, mit 2 lčmnglichen, sehr grossen oder
3—5 rundlichen kleineren, nicht gekórnelten Oeltropfen.
In weiten, mehr oder minder lockeren, grůnen bis gebráunten oder theilweise purpurnen
Rasen mit schwachem Wachsglanz.
Zweiháusig. — 2 — Fr. im Herbste und Frůhjahre.
Auf kiesig-thoniger feuchter Erde, in Hohlwegen, an Waldrándern, an GAuader-
sandstein und Urgestein, ja selbst in Torfsůmpfen, von der Ebene bis auťfs Hochgebirge
ziemlich háufig. —— Schon von Opiz im J. 1816 angefihrt. — Mittelbohmen: Berg
Medník bei Štěchovic! — In Wěldern bei Dobřichovic! — Sůdběhmen: Wilder bei
Třemošna (Velenovský)! — Písek! — Blánsker Wald! — Rosenberg! — St. Thomas!
— Kuschwarda! — Eisenstein! Arber! Schwarzer See (Dr. Em. Purkyně)! — Westl.
Bóhmen: Teplitz (Winkler)! — Nordbohmen: Waldstein bei Turnau! — Rabenstein bei
Bóhm. Leipa (Watzel). — Reichenberg (Corda). — Liebwerd im Eulengrund (Nees). —
Isergebirge (Nees, Limpricht). — Riesengebirse: Mummel! Pantsche! Elbwiese! Elbgrund!
Oberhalb des Gr. Teiches! Weisswasser, Aupafall (nach Limpricht). Adersbach und
Weckelsdorf! | Petersdorf! — Brauner und Klappersteine oberhalb Mohrau! Lipka und
Rothfloss!
Anm. Die von Plumert in den Beitrágen zur Flora des Iser- und Jeschkengebirges im Werke:
„der Kurort Liebwerda“ angefůhrte J. compressa Hook. (Alicularia compressa) ist wohl
einer robusteren Form der A. scalaris gleich zu stellen.
2. A. minor Limpricht. (A. scalaris G) minor N. v. E. — J. scalaris B) repanda
Hůben.) — Stengel kaum 1 cm. lang, krtechend, die fruchtende Spitze kntefórmig auf-
steigend, unterseits dicht wurzelhaarig, mečst purpurn. Bl. der sterilen Stengel entfernt
stehend, seitlich ausgebreitet, meist ganz; die der fruchtenden Stengel gedrángt dach-
ztegehg anliegend, mít kurzer, enger Bucht, am Rande etwas wellig. We jiingsten
kiillbl. lappig kraus. Unterbl. nur am aufsteigenden Stengeltheile deutlich. Zellen gross,
dickwandig, mit theils grósseren elliptischen, (2—3) theils kleineren, rundlichen, sčeťs
granulirten Oeltropfen.
Kleiner als die vor., in olánzend rothbraunen, seltener grůnen Rasen. — Ist mit J. hyalina
und der vor. zu vereleichen !
Einháusig. — 2 — Frucht im Spátherbste und Frůhjahre.
Auf lehmig-sandigem Boden, so an Haideland, steinigen Lehnen, von der Ebene
bis aufs Hochgebirge zerstreut. — Nach vegetativen Merkmalen wáren in Ermangelung
fertilen Materiales folgende Standorte hieher zu rechnen: — Prag (Ramisch)! In Bahn-
ausstichen, stellenweise auch Gráben zwischen Běchovic und Ouval! — Blánsker Wald!
— Rosenberg! — Reichenberg (Corda, Siegmund)! — Nixdorf (Neumanun)! — Unterhalb
Klein-Bósig! — Turnau bei Waldstein! — Tannwald! — Pantsche! Adersbach (Limp-
richt). — Fahrplanhau oberhalb Mohrau! — Grulicher Wald! — Feldrand in Ober-Lipka!
2. Barcoscyphus Corda. (Nardia Gray. — Marsupella Dmrt.)
a) Stengel ohne Ausláufer, nur mit gleichmássig beblátterten Asten.
1. S. Funckii N. v. E. (Presl: Obr. 22. fig. 1458). — Stencel zart, aufsteigend,
wie die Áste gleichměssig beblčittert; die fertilen Aste gegen die Spitze dicht- und
grossbláttrig. © Bl. mehr oder minder rechtwinkelig abstehend, zur Hůlfte umfassend,
Sarcosoy phus. 65
Ceirundlich und fast bis zur Mitte durch eine spitzwinkelige, scharfe oder stumpfliche
| Bucht in 2, meist spitze Lappen getheilt. Zellen gleichgross,, dickwandig und angulaer
| stark verdickt (daselbst auch zusammenfliessend), mit 2—3 Oeltropfen; Randzellen fast
(guadratisch, etwas kleiner.
| In dichten, braungrůnen, oder dunkelbraunen bis schwárzlichen, je nach der Lokalitát,
(theils niedrigen, theils hoheren und mehr lockeren Rasen vom Habitus der J. minuta und Hělle-
-riana. Wurzelhaare fehlen, oder nur durch kurze Haftfasern vertreten. Hůllblátter bedeutend
P als die vorigen Blátter. Wruchtstiel bis 5 mm lang, 0.17 mm dick, mit 12—16 grossen
Zellen im Umfange. (Háufig mit J. divavicata und J. bicuspidata verwechselt 9)
Zwečhůusig. — Y — Frucht im Mai und Juni.
Auf kiesig-thonigem festen Boden, an Wald- und Wegrándern, seltener an feuchten
"Rainen und erdbedeckten Felsen, nur in der hóoheren Hůgel- und Gebirgsregion verbreitet.
« — Brdagebirse: an Ufern des Tok und am „Langen Stein“ im Obecnicer Revier am
120. Aug. 1867 (Freyn)! — Nordbohmen: Kleisberg (Opiz)! — Jeschken (Opiz).
f Reichenberg an Waldfusswegen (Siegmund). — Haindorf (Nees). — Liebwerd, Georgs-
(walde (Opiz). — Plumert: Flora d. Iser- und Jeschkengebirges, Isergebirge (Limpricht).
I — Oberhalb Tannwald an der Stephanshóhe! — Am Fusse des Ziegenrůckens gegen St.
| Peter! — Fuss der Schneekoppe (Flotow). — Cudowa an der Glatzer Grenze (Flotow).
© — Sůdbohmen im Bóohmerwalde: Schon im J. 1823 von Martius gesammelt! Rosenberg!
-An feuchten Wiesen und Hohlwegen des St. Thomas am Wege von Friedberg, da bis
7 mm lang! — Waldgráben náchst Grafenhohe zwischen Aussergefild und Buchwald! —
© Eisenstein am Fusswege von der Station zum Prokop!
2, 8. alpinus Gottsche. — Stengel fadendůnn, 3—4 cm lang, mit gleichhohen Ásten.
I Diese glerehmásstg kammfórmyg bebláttert, unterseits hie und da mit weingelben Wurzel-
haaren. Bl. gleichgross, vechtwinkelig abstehend, rundlich; am verengten Grunde herab-
| Zaufend, kahnfórmig hohl, am Rande flach, durch eine spitzwinkelige scharfe Bucht zu
"4 in 2 stumpfliche Lappen setheilt. — Zellen fast gleichgross, klečí und undurch-
sichtig, mit 2 lángl. oder 3—4 rundl. glánzenden Oeltropfen.
Stárkeren Formen des S. Funckiů áhnlich. Rasen dicht kissenfórmisg, nechť verwebt, schwarz
oder grůnlichbraun, glůnzend.
Zweiháusig. — A — Fr. unbekannt.
An periodisch ůúberrieselten Felsen des Riesengebirges sehr selten: — Riesen-
grund in der Náhe des Wóůrlichsgrabens, wo háufig (1876 im Juli, Limpricht).
b) Stengel mit uneleich langen, blattlosen Ausláufern, wodurch Rasen verwebt.
3. 8. densifolius N. v. E. — Stengel aufrecht oder niederliegend, verjflaché,
| dicht gleichmássig bebláttert. BI. fast rund, unten bauchig und měť verschmůlerter Basis
den Stengel fast scheidenartig umfassend, aufrecht abstehend. © Endbucht klein und
sel scharf; Láppchen spitz-eformig, trocken gegen einander geneigt. Blattrand am
Grunde etwas umgerollt. — Zellen gross, am Rande kleiner, guadratisch, iiberall be-
sonders angulaer stark verdickt.
In dichten oder lockeren Polstern von schwarzbrauner oder gelblichorůner Farbe.
Zweiháusig. — A — Frucht unbekannt.
An Felsen des Hochgebirges sehr selten. — Riesengebirse: Riesengrund (nach
Limpricht).
4. 8. sphacelatus N. v. E. (S. Ehrharti var. ©) saccata N. v. E.) — Stengel
aufsteigend, verkůrzt, bůschelig ástig, im Wasser schlanker, mit 1—2 farblosen Zell-
schichten umgcben. Wurzelhaare puvpurn, an Wasserpflanzen die ganze Unterseite kurz
einhiillend, sonst nur spárlich, an den Ausláuferm biischelig. Bl. der © Pfanze rundlich-
guadratisch oder eifórmig, an der Basis breiter; die BI. der © PA. verkehrt ei- oder
herzfórmig. Bucht scharf, V025 D28 "ja der Lamina reichend. Lappen abgerundet
5)
66 Sarcoscyphus.
oder stumpflich. — Zellen der Blattmitte eifórmig, die anderen Geckig, die randstándigen
kleiner guadratisch; alle angulaer und manchmal auch an den Zellwánden stark verdickt.
Rasen verwebt und abgeflacht, oder hoch und schwellend, je nach der Lokalitát starr
bis weich und schlaff. Grůn und oft mit bráunlichen Spitzen, oder schwarzbraun und glánzend.
©) aguaticus Limpricht. Wasserform. Stattlich, aber feiner. Wurzelhaare nur an
blattarmen Auslůufern. BI. breiter, mit seichterer Bucht und mit dimnwandigen, durchscheinenden
Zellen. — Rasen dunkelgrůn, an den Spitzen dunkelbraun.
P) erythvovlizus Limpricht. Landform. Kleiner, mit aufsteigendem Stengel. Wurzel-
haare purpurn, úberall, selbst an den Ausláufern, an diesen oft bůschelie. BI. gegen die Spitze der
kurzen Aste grósser und gedránster, steif, gewohnlich lánger, verkehrt herzfórmig, bis zur Hálfte
lánglich stumpf-lappig. Zellen meist dickwandig, undurchsichtig. — Kapselstiel sehr dick (0:34 mm),
glechzellig, mit 26—30 Zellen im Umfange.
Zweiháusig. — 2 — Fr. im Sommer, sehr selten.
An feuchten Felsen, besonders an Ufern der Gebiresbáche, oder in ihren Beeten,
an Guellen und Moorwiesen des Gebiřges ziemlich verbreitet. — «) In Gebirgswássern :
Isergebirge in der grossen Iser (Limpricht). Riesengebirge: Naworer und Elbewiese
(Sitenský)! | Weisswasser (Nees)! — Spindlerbaude! © Elbguellen! © Oberhalb d. kl. Teiches
(Limpricht). Oberhalb des Aupafalls (Limpr.). — P) Isergebirge (Limpricht). — Riesen-
gebirge: H. Rad, W. Wiese, Koppenplan, Weisswasser, Riesengrund (Nees-Limpricht).
Ziegenrůcken ! Mummelbach! — Bůhmerwald: Am Bache náchst Kuschwarda und an
dessen Welsblócken náchst Scheuereckenberg im August mit Frůchten! Eisenstein am Eisen-.
bach unter d. Teufelssee! Arber! Ahornbach !
5. 8. Ehrharti Corda. (Jung. emarginata Ehrh. — Corda: Sturm p. 25. t. 5.)
— Stengel 0:5 em — 1 dm lang, aufrecht oder fluthend, gabelástig bis einfach, sest-
wčirts zusammengedriickt oder zuwecilen stielrundlich. Wurzelfasern spárlich, nur an
den Auslčiufern. BI. fest, aus breiter Basis rundlich oder rundlich-guadratisch, sežeht
und stumpf ausgebuchtet, mit theils stumpfen, theils zugespitzten Lappen. Zellen gross,
angulaer und an den Wánden meist stark verdickt, am Rande kleiner.
Sehr veránderlich in Grósse und Farbe. Von seinen Formen sind besonders hervor-
zuheben:
o) aguaticus N. v. M. — Stengel bis 1 dm lang, oft fluthend, schwarzbraun, braun
bis dunkelpurpurn, firmissglčinzend. Bl. weniger gedriingt, rechtwinkelig abstehend, sehr seicht ausge-
buchtet, mit an der Basis umgerolltem Rande. Zellen rundum sehr stark verdickt, mit oft zusammen-
fllessenden Ecken; in den Lappen oft bleicher.
P) robustus De Not. — Stengel aufrechť, 1'5 cm hoch, stark und stielrund, am Ende
durch Innovationen verlángert. Bl. olivengrůn bis bráunlich, fast rund, mit halbmondfórmiger oder
stumpfer Bucht und kurzen, stumpfen, oft ungleichen Lappen. Die Kelchzipfel erreichen immer
den Rand der letzten Hůllblátter, welche lánger sind als die vorhergehenden. — Kapselstiel
029 mm dick, ungleichzellig, mit 18 grósseren Zellen im Umfange.
Zweiháusig. — 24 — Fr. im Mai und Juni.
An feuchten Steinen und Felsen, oder zwischen Moosen, besonders háufig und
stattlich an Bach- und Flussufern, und nur in der Gebirgsregion. — Botzenberg bei
Schluckenáu (Karl nach Rabenhorst). — Isergebirge: Haindorf und Liebwerd (Nees).
Hohenfall (Opiz). — Flussbeet der Iser, sowie die hůchsten Erhebungen des Isergebirges
(Limpricht). — Riesengebirge, besonders die var. ©) in fliessenden Gewássern oder an
feuchten Felsen verbreitet. — (f) Elbegrund, Gr. Teich, Aupafall und Aupaabhang, Riesen-
grund et cet. — Beiden Varietáten kónnen auch die Exemplare vom Bóůhmerwalde bei
Eisenstein, Spitzbere, Schwarzen See und Ahornbach! eingereiht werden!
6. 9. Sprucei Limpr. (Gymnomitrium adustum autorum sed non Nees Nat. I. —
S. adustus R. Spruce.) — Stengel sehr klein, mit braunen und weissen Wurzelfasern
und vielen Flagellen. Die sterilen Aste kleinbláttrig, die fertilen keulenfórmig, mit 5—8
gegen dem Scheitel grósseren Blattpaaren. Diese bis zu "/, durch eine recht- bis stumpf-
winkelige meist rundliche Bucht in 2 stumpfliche oder zugespitzte Lůppchen eingetheilt,
Zellen verháltnissmássig gross, úberall bedeutend verdickt. Kelch sehr zart, aus Geckigen
Grymnomibtrium. 67
meist lůnglichen Zellen gebaut, am Rande crenulirt. Kapselstiel um 2 mm hóher als
die Hiillblětter, sehr stark.
b) decipiens Limpr. herbar. — Fruchtáste bis 2 mm lang mit 4—5 aufrecht abstehenden
Blattpaaren. 3—4 dem Kelche náchsten Blátter sind bauchig und plótzlich grósser. Zellen enger
und die Randzellen kleiner. Kstiel lánger und důnner. — Sporen kleiner. — Stengel durch zahl-
-reiche braune Rhizoiden dem Substrate eng angeheftet.
Einháusig. — 4 — Fr. im Frůhjahr; © auch im Herbste.
An feuchten Steinblócken des hoóchsten Grenzgebirges, sehr selten. — Riesen-
gebirge, wo bis jetzt nur die var. decipiens gesammelt: Am linken Ufer des Weisswassers
unterhalb der Wiesenbaude in einer Hóhe von 1380 m (Limpricht).
3. Gymnomitrium N. v. E.
1. G. coralloides N. v. E. (Acolea Dmrt.) — Stengel aufrecht, meist niedrig,
biischelig verzweigt, met zahlreichen Wurzelsprossemn, Aeste schmal lamzettlich, etwas
gekrůmmt, dandfórmig zusammengedriickt. Blátter ganz, spáter stumpf-2lappig ein-
gerissen, dreět hyalin gesiumt, stets dicht angedriickt. Zellen am Blattrande kleiner,
angulaer und an den Wůnden stark verdickt.
In niedrigen, sehr starren, durch Wurzelsprossen dicht verwebten Polstern von grau-
grůner bis weissgrauen, oder bráunlicher bis schwárzlichen Farbe. Die von vorn nach hinten zu-
sammengepressten Áste erreichen bis 4 mm Lánce. Der hyaline, zuweilen ausgefressene Blattrand
entsteht in Folge einer Pilzwucherune. In Knospen sind die Blátter ganz und úberall gefárbt. —
Von den folgenden wenig verschieden.
Zweiháusig. — 2 — Frucht selten, im Sommer.
An der Nordseite isolirter Felsen und Blócke der Knieholz-Region sehr selten.
— Riesengebirge: Schneegraben (im Riesengrund? nach Limpricht). Mittagstein (bereits
von Wimmer und Flotow gesammelt). Mádelsteine und Dreisteine (Nees u. and.).
2. G. concinnatum Corda. (J. gymnomitrioides N. v. E. — Corda: Sturm p. 23.
t. 4.) — Stengel ntedďerliegend oder aufsteigend, gabelig oder umregelměássig beňstet,
mít v Wurzelsprossen. Aeste drehrund, aufwůrts keulenfórmig. BL breit
eifórmig, zu '/; scharf 2lappig, am Grunde oft 1—2záhnig, zuwetlen etwas abstehend.
Lappen eifórmig, meist hyalin gesáumt. Zellen gegen den Rand kleiner, mit 2—5
elliptischen Oeliropfen, angulaer und an den Wánden stark verdickt. Fruchthůlle dick-
eifórmig, spitz.
Rasen ausgebreitet, am Grunde wenig verwebt, weisslich, blaugrůn, gelbrothlich oder
grůn; auch vereinzelt zwischen anderen Moosen. Nach dem Standorte veránderlich, zuweilen auch
mit gekerbten Bláttern (G. crenulatum Čarr.).
©) intermedium Limpricht. — Blátter spitzlappig, durch hervortretende Zellen cre-“
nulirt, die jůnesten am Rande bedeutend umgerollt.
B) obtusum Tdmpricht (Cesia obtusa Lindb.). — BL stumpíflappig, auch crenulirt.
Zweiháusig. — 24 — Frucht im Sommer..
| Im Gebiete der Knicholz-Region an wenig feuchten, manchmal jedoch auch an
úberrieselten, kalkfreien Felsen, Felsspalten und geschůtzten Lagen, zerstreut. — Riesen-
gebirge: in Felsspalten des Gebirgskammes (schon von Funck). Schneekoppe, rechts an
der Serpentine zur Koppe besonders var. u)! — 8) Schlesischerseits im Melzergrund im
J. 1869 (Limpricht). — Angeblich auch im Isergebirge, so nach Plumert: Flora d. Iser-
und Jeschkengebirges.
3. G. adustum N. v. E. (J. brunnea Spreng. — J. concinnata var. minor
N. v. E.) — Stengel bis 4 mm lang, fadenfórmig, ziemlich elastisch, met kurzem, auf-
steigenden, keulenfórmigen an der Basis fast blattlosen Astehen. BI dicht 2reihig,
angedriickt, linger als breit: alle rinnenfórmig, braun und zu */, im zwet stumpfliche
68 FXaplomitrium.
Láppchen rechtwinkelig ausgeschnitten. — Zellen steif, durchscheinend gegen den Blatt-
rand kleiner. — Die dusseren Hillblčitter eingerollt, 2-3spaltig, die inneren kleiner
eingerollt und ofters stumpf ausgerandet. Calyptra selten herausragend, eifórmig, gross-
zellig und durchsichtig. Kstiel 1 mm lg, tn der Mitte aufgeblasen. Kapsel 2zellschichtie
klein, rundlich, nicht bis zum Grunde 4klappig. Sporen glatt.
Zweiháusig. — 2 — Frucht im Sommer. — An feuchten Felsblócken der
hóchsten Grenzgebirge, sehr selten. — Riesengebirge: am linken Ufer des Weisswassers
unterhalb der Wiesenbaude in der Nachbarschaft des Sarcose. Sprucei, b) decipiens
Limpr. im August 1879 fruchtend von Limpricht gesammelt.
8. Familie.. Haplomitrieae.“)
Áste aufrecht, 3reihig bebláttert. Blátter glečchartig. Antheridien rund um den
Stengel auch ausserhalb der Blattwinkel, oder sogar am Stelle der Bl. auftretend.
Archegonien nicht gipfelstůndig und sowie auch die Frucht ohne Kelch. Die Frucht
mit einer derben, mehrschtchtigen, langen HHaube umgeben. Kapsel 2-4klappig; deren
Wánde einzellschichtig. Elateren am Klappenende bůschelie geháuft.
1. Haplomitrium N. v. E.
1. H. Hookeri N. v. E. (Jungermannia Lyell. — H. Cordae N. v. E. — Gymno-
mitrium Hookeri Corda in Sturm p. 21. t. 3. — Mniopsis Dmrt.) — Stengel aufrecht,
fast einfach, verdickt und saftig, ohne Wurzelhaare. Bl. entfernt, etwa zu *|; umfassend,
schwach her ablaufend, fast vundlích etlinglich, entfernt ausgeschu eift gezdhnelt. Weibl.
Hůllblátter 2, den Bl. úhnlich. Blattzellen Geckig, undurchsichtřg, angulaer nicht verdickt.
Haube weit hervortretori! cylindrisch. Kapsel auf 2—3 cm langem Stiele, cylindrisch.
Ihre cubischen Zellen mat je 1 Lángsringfaser. Sporen undeutlich-tetraedrisch, graulich.
Vereinzelt oder in kleinen, lebhaft grůnen Ráschen. Stengel 1—2 mm hoch, nicht bilateral.
Zweiháusig. — 2k — Frucht im Sommer und Herbste.
An feuchten, sandigen, kurzbegrasten Lagen, gern in der Náhe von Mooren, in
der Hůgel- und Hochgebirgs-Region, sehr selten. — Karlsbader Gebirge: Tepl bei Marienbad
(unter den Exsicaten Konradďs nach der Angabe Nees's von Corda gefunden). — Riesen-
gebirge: Weisswasser, am linken Ufer etwa eine Viertelstunde unterhalb der Wiesenbaude
in Gesellschaft von J/. alpestris und J. bicuspidata im J. 1834 von Nees entdeckt.
*) Gestůtzt auf die Beobachtungen von Leitgeb und Lindberg, nach deren Ansicht es nicht
angeht, die Gattung Haplomtrium mit G ymnomatrium, Sarcoseyphus und Alicularia in etne
Familie einzureihen, stelle ich dafůr eine eigene Familie auf. Durch sie wird daselbst
die Reihe der Lebermoose abgeschlossen, zum Unterschiede von Du WMortier und Lind-
berg, bei welchen beiden man das Haplomitrium in die náchste Verwandtschaft der
Possombroma eingereiht vorfindet.
Gorrecturen:
Seite 20 Mitte soll stehen: March. commutata Wažlenb. statt: Lindenb.
opěra : 5 Moerckia statt: Mórckia.
ROSA ok A a Jungerm. JHartmani statt: Hartmanni.
n KPE á “ J. bantriensis statt: bantryensis.
m.
Ordnungen, Familien und Šectionen erscheinen mit gesperrtem, Gattungen und
Arten mit gewohnlichem Druck; Synonymen-Namen sind cursiv gedruckt.
Acolea Dumortier ©. . .67. | | Cephalozia multiflora Frullania dilatata B) micro-
Achiton guadratum Corda 19 Land Autá- 58 phylla Nees . . .30
Megdifoli ae/44(4.:-:54 | Cephalozieáe,.-. . . 55 — fragilifolia Taylor 30
Alicularia Corda . . . .64 | Cincinnulus Dumort. . .3 — Tamarisci Nees . 29
— minor Limpricht .64 — | Sprengelii Dumort. 55 Geocalyceae Nees. . 35
— scalaris Corda . .64 | — Trichomanis Dumort. 35 Geocalyx graveolens N.. 35
Aneura Dumortier . . .22 © Codonieae Nees.. . .27 Gymnocolea Dumort. . .47
— latifrons Lindb. .23 © Coleochila Taylori Dmrt. 58 Gymnomitrieae. .. .68
— multifida Dumort. 23 © Complicatae . . . .43 | Gymnomitrium Hůbener . 23
— | palmata Dumort.. 23 Conocephalus Dumort.. . 19 Gymnomitrium Nees . .67
— — var. laxa - . 23 — nemorosus Hůbener 19 — adustum Autorum 66
— — — major.. . 28 — vulgaris Bischof. .19 — adustum Nees . .67
— — — polyblasta 23 Cordaea Blyttů Corda ©. 26 — Blyttů Hůbener . 26
— | pinnatifida Nees . 23 — | Flotowiana Nees . 26 — concinnatum Corda 67
— | pinguis Dumort. . 23 Dilaena Dumortier . . . 26 —. | — var. interme-
Aneureae Dumort. . . 22 Diplolaena Dumortier —. 26 dium Limpr. 67
Anthelia Dumort.. . . .54 — Blyitiů Nees . . . 26 — — var. obtusum
Anthoceros Austin.. . . 12 Diplophyllum Dumort. . 42 Eampou k 67
Anthoceros Micheli. . . 13 — | albicans Dumort. . 43 — coralloides Nees . 67
— laevis L. -... .. 13 — | Čonradi Dumort. . 42 — | Hookeri Corda . . 68
— punctatus L. ©. . 13 — | Hellerianum Dmrt. 45 Grimaldia Raddi . . . . 18
Anthoceroteae Nees 12 — | měnutum Dumort. . 45 | — barbifrons Bischof 18
Aplozia Dumort. . . . .59 — | obtusifolum Dmrt. 44 — | dichotoma Lindb. . 18
— | amplexicaulis Dmrt. 62 — | saxicolum Dumort. 46 — fragrans CČorda . . 18
— cristulata Dmrt. -60 — | čaxwifolitum Dmrt. . 43 — Aemisphaerica Lindb. 19
— lurida Dmrt.. . .61 Diplomitrieae Endl. 26 — rupestris Lindenb. 19
Barbatae si.odusnébi Diplomtrium Corda —- . 26 Haplolaeneae Nees . 24
Bidenkes! sdmorop. «— 46 — Blyttů Nees . . . 26 Haplomitrieae . . .68
Blasia Micheli . . . . .24 — | Aybernicum CČorda 27 Haplomitrium Nees. . . 68
— | Funckii Corda . . 24 Duvalia rupestris Nees . 19 — | Gordae Nees . . . 68
— | germanica Čorda „24 Echinomitrium furcatum — Hookeri Nees . . 68
— | Hookeri Corda . . 24 var. pubescens Úor. . . 22 Harpanthus Nees . . .37
— pusilla L... . .24 Fegatella Raddi . .. . .19 — | Flotowianus Nees 37
Blepharostoma Dmrt. . . 54 — conica Corda . . 19 — scutatus Spruce .37
Blepharoza Dmrt. . . .32 Fimbriaria Nees . . . .18 Herpetium Nees . .. . . 833
— eiltaris Dmrt. . .32 — pilosa Taylor . . . 18 Chiloscyphus Corda . .37
Blyttia Gottsche . . . .27 — čenella Nees . . .18 | — | lophocoleoides Nees 37
— Lyellii Endl.. . .27 Fossombronia Raddi . .27 — pallescens Nees . . 37
— | Moerckiů Gottsche 26 — cristata Lindb.. .27 — polyanthos Corda 37
Calypogeia Raddi . . . 835 — pusilla Lindb. . . 27 — — var. pallescens
— | Trichomanis Corda 35 — pusilla B) capitata Schrad.;i . .37
— bb) acutifolia . . . 35 Need "27 — | — var. rivularis
Cephalozia Dumort.. . . 55 Frullania Raddi . . . .29 Sehrad | --. 37
— byssacea Dumort.. 55 — dilatata Nees —. . 29 Jecorarieae Nees.. . 17
— | divaricata Dumort. 55 — — var. viridis.. 30 Integrifoliae .... .58
10
Jubula Dumort. . . . .29
— | complanata Corda 31
Jubuleae Nees. . . . 28
Jungermannia L.. . . . 43
acuta Lindenb. . A7
aeguifoha Schwaegr. 41
albicans L. . . 43
— — 8) taxifolia Limpr. 43
alpestris Schleicher 50
asplemoides L. . . 39
attenuata Lindenb. 53
bantriensis Nees . 46
— var. Můlleri
Lindb.' 46
— var. acuta Lindb. 47
barbata Schmid. . 52
— var. attenuata N. 53
— var. Floerkei N. 53
— var. Zycopodiotď.
N. "DÁ
— var. guiguedění.
BR
— var. S Pen N. 52
Bauer? Martius . 56
bicrenata Hůbener 49
bicrenata Lindenb. 50
bicuspidata L. . . 5%
— var. conferta Nees 57
— var. aguatica . 57
bidentata L. . . . 38
Blasta Hooker . . 24
Blyttů Mórck. . . 26
brunnea Sprengel . 67
caespiticia Lindb. 60
capitata Hooker . 49
catenulata Hiůbener 56
commutata IHůbener 50
complanata L.. .31
concinnala Var. minor
Nees..... MGT
connivens Diekson 58
Conradi Corda . . 42
crenulata Smith . 60
curta Martius . . 42
curvifolia Dickson 56
curvula Nees. . . 50
dejlexa Martius . 34
densa Nees.—. . . 45
divaricata Nees |. 55
emarginata Ehrh. . 66
excisa Hooker . . 49
— P) erispata
Hooker . . 49
exsecta Schmid. . 44
fisstdentoidea Hůb. 43
Floerckei W. «M. 53
furcata L.. 20
Genthiana Hůbener 60
graveolens Schrad. 35
gymnomitriovdes Nees 67
Hartmanii Theden 37
Helleriana Nees . 45
Hookeri Lyell. . . 68
Hornschuchtana N. 48
hyalina Lyell. . . 62
hibernica Hooker 26
incisa Schrader -51
— var. elongata
Antrt1%Wj5i
Jungermannia inflata
Hudson .
©) hereynica .
PB) Auitans
y) laxa
— | intermedia Nees
— mtermedia ©) minor N.
— julacea Lightf.
— Julacea y) clavu-
ligera N. :
— Juratzkana Limpr.
— lanceolata Nees
— Liberiae Hůbener.
— lycopodioides Wallr.
— | Menzelii Nees
— Michauxii Weber.
— | minuta Crantz .
— | mnutafB)proceraN.
— | Můlleri Nees
— | multijlora Huds.
— | nana Nees.
— | nemorosa L.
— | obovata Nees
— | obtusifolia Hook..
— | orcadensis Hook..
— parvula Lindb..
— pingus L... .
— platyphylla L.
— pumila Aut.
— | pumila Lindenb.
— pumila With.
= auinguedentataW eb. 5
— reptans L...
— | resupinala Wahlb.
— | rosacea Corda
— | rostellata Hůben
— rubella Nees.
— saxicola Schrader
— | scalaris Schrader.
— | Sehmdeliana Hůb.
— Schraderi Martius
— Sehrad. var. suba-
picalis Lbe.
— setacea Weber..
-— | setiformis Ehrh.
— | — b)alpina Hook.
— | Schultzii Nees
— steca Nees. .
— sphaerocarpa Hook.
— | Sphagm Dickson .
— Starkii Nees.
— | stipulacea Hook.
— | subapicalis Nees .
— | sudetica Hůbener.
— | Tamarisci L.. «
— Taylori Hooker
— tersa Nees.
— — Trevirani Hůbener
— | trichophylla L..
— | tricrenata Wahlenb.:
— trilobata L. 6
— | uliginosa Hůbener
— | uliginosa Swartz
— | umbrosa Schrader.
"40
— | undulata L.
— | ventricosa Dicks..
— © — var. porphyro-
leuca
var. anomala ..
60
„41
42
48
. 48
Jungermannia verruculosa
amb a 547 B
— — věrrůdissima Nees .. 51
— | vogestaca Nees . . 50
— Wenzelii Nees . .47
— | Wondráčeki Corda 27
—Zeyheri Nee5 7 1712160
Jungermanniaceae
Cork: ua i |
Jungermanniae acro-
gynae Leitgeb. . 28
— anacrogynae
Leiteb. 1.7452
foliosae Autorum . 28
frondosae Autorum 21
JungermannieaeNees 36
Lejeuna Hampe . . . . 31
Lejeunia Libert. . . . . 28
— | minutissima Dmrt. 29
— platyphylla Corda 30
— © serpyllifolia Lib. . 28
©) planiuscula
Lindenbs. . 28
B) cavifolia
Lindenbg. . 29
Lepidozia G. L. N.. . .34
— reptans Dumort. . 34
— | setacea Mittenius . 54
Lepidozieae Dumort. 33
Lichenoides Bischof. 14
Inochlaena Nees . .. .. .59
— | lanceolata Nees |. 59
opona Nees..« . . 38
bidentata Nees. . 38
— bidentata B) cuspt-
data N. .', <-38
— | cuspidata Limpr. . 38
— heterophylla Nees 59
— lateralis Dumort. . 38
— minor Nees . . . 38
Lunularia Micheli . . .21
— vulgaris Micheli . 21
Lunularieae Nees .. . 21
Madotheca Dumort. . . 30
— laevigata Dumort. 51
— | naviculavis Nees . 30
— platyphylla Dmrt. 30
— — b) Thuja . .30
— rivularis Nees . .31
Mannia Opie £ zj c-24B
Marchantia L- <ss4515+320
— | coaretata Corda —. 20
— commutata W ahlenb. 20
— comca 'na'i +119
— | hemisphaerica L. . 19
— | Kablikiana Čorda . 21
— | macrocephala Corda 20
— polymorpha L.. . 20
— | — a)communis G. 20
— © — b) alpestris G. 21
— guadrata Weber . 20
— stellata Corda . .20
— | Syckorae Corda . . 20
Marchantiaceae Nees 17
Marsupella Dumort. . . 64
Mastigobryum Nees . . 383
— deflexum Nees. . 34
— | trilobatum Nees . 33
var. minus N. 33
Mesophylla Dumort. . .47
— | orcadensis Dmrt. . 48
— | Wenzeli Dmrt.. . 47
Metzgeria Raddi . . . .22
— furcata Dumort. . 22
— — aa) linearis.. . 22
— — b) conjugata . 22
— — ©) furcata . . 22
— | Zaelevirens Opic . 22
— pingms Corda . . 23
— | pubescens Raddi . 22
— | tomentosa Hoffm. . 22
Metzgerieae Nees . .21
Mmiopsis Dumort. . . . 68
Mmum fissum L. . . . „35
Moerckia Gottsche . . . 26
— | hibernica Gottsche 26
a) Hookeriana 26
b) Wilsoniana 27
— | norvegica Gottsche 26
Notothylas Sulliv ©. . .12
— fertilis Milde . .12
Odontoschisma m
— —
Dmt. . : 63
Pellia Raddi. . . . . .25
— calycina Nees . . 25
— | endiviaefoha Dmrt. 25
— | epiphylla Dillen. . 25
var. aeruginosa
Gorda +.. 25
— | — var. fertilis Nees 25
Neesiana Gottsche 25
Plagiochila IN 06 Mo 80
— asplenioides N. £M. 39
— — var. «) humilis . 39
— — — P) major . . 39
— — —y) heterophylla 39
— compacta N. £ M. 42
— interrupta N. £ M. 39
— pyrenaica B) inter-
rupta Lindb. . .39
— umbrosa N. £ M. .42
Platyphylleae Nees. 30
Pleuroschisma Dumort. . 33
— | dejlexum Dumort. 34
— | reptans Dumort. . 34
— | črilobatum Dumort. 33
Porella Landb: -1.3 „30
— | dentata Lindb. . .31
— | Thuja Lindb. . .30
Preissia Nees ..... „20
— | commutata Nees „20
— | talhca Corda. . . 20
Piilidieae Nees. . . . . 32
Ptilidium Nees. .. . . 32
—. ciliare Nees . . . 32
— pulchre Corda . 32
Radula Dumortier . . . 31
— complanata Dmrt. 31
— — var. propaguli-
era N 31
— | commutata Gottsche 31
Reboulia Raddi . ... .19
— hemisphaerica Raddi 19
Beera, Micheli. <. %'.14
— | bifurca Hoffm. . . 15
— | Bischofii Hůbener 15
— | cavernosa Hoffm. . 16
== eihata Hoffm. .. . 15
— crystallina L. "26
— | eudichotoma Bisch. 16
— fuitans L.. . ... 16
— glauca L... . . 14
— — a) major Lindb. 14
— — b) minorLindb. 14
— | — e)minima Lindb. 14
= minima. Ec 45
— natans L. . 14
— | sorocarpa Bisch. . 15
Ricciaceae Dumortier 25
Ricciella Al. Braun .16
Ricciocarpus Corda. . . 14
— nátans Corda . .14
Salviniella Hůbener . .14
Sarcomtrium palmatum
CR S58
7
Sarcoscyphus Corda . 64
— | adustus Spruce .. . 66
— | alpinus Gottsche . 65
— | densifolius Nees . 65
— Ehrharti Cda. . 66
— — var. aguaticus
Limpricht . 66
— — var. robustus
DNot . . -64
— Funckii Nees . 64
— | sphacelatus Nees . 65
— — var. aguaticus
Limpr. . 66
— — var. erythro-
rrhizus 66
— Sprucei Limpricht 76
— — b) decipiens
Limpr. . 66
Scapania Lindenberg . . 40
— aeguiloba Nees . 41
— | albicans Rabenh. 43
— Bartlingii Nees . 41
— | compacta Lindenb. 42
— curta Nees . 42
— — bb) rosacea. . 42
— drrigua Nees.. . .41
— nemorosa Nees .40
— uliginosa Nees. .41
— umbrosa Nees . . 42
— | undulata M. £ N. 40
— | Syndonisce Corda . 18
Southbya obovata Dmrt. . 62
Sphagnoecetis Nees . 63
— | communis Nees . 63
— | — b) macrior Nees 63
— | Huebneriana Rabh. 63
Spongodes Nees 16
Trichocolea Nees. „82
— Tomentella Nees . 32
Tricholea Dumort. . . . 32
Trychostylum affine Cda. 23
Trigonanthus catenulatus
Spruce
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A vuatýma
ZWVVEITER BAND.
: Erster Theil.
; 1. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- und Hohenverháltnisse).
: Disseite enthált: : :
-© a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Iser- und des Riesen-
; gebirges und seiner sůdlichen und ostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl
Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte.
b) Zweite Serie gemessener Hohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt III.) von Prof.
Dr. Kořistka. 84 Seiten Text.
c) Hohenschichtenkarte, Section III, von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte
enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation im Massstabe von 1: 200.000).
d) Hóohenschichten des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka im Maasstabe
PEREM E 100.000: 1 ETC1s deser, ANthetanp <. us 6 E04 du 4 eee 8 A. 450
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthált:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bohmens mit 4 Tafeln.
b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stílec,
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten.
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte.
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte,
Dieser Theil enthált 448 Seiten Text, 11 Tafeln, 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten.
ZTE AR Po Zd 0 OS V ake EO SOS M a O Ao aa MÉ de C o
II. Theil enthált:
Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bohmens
M DE citem Lext und. 8 Lateln. | Preis < < 25-44 < „re eee 4 delate ea A. 350
P Preis der ganzen ersten Hálfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. A. 10—
"“
á ZVVEITER BAND.
Zweiter Theil.
III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált:
|
i Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II Theil)
i tem boxt amd alel: Bres 5 c 21b z sel aan 0 6 kol S fi. 2:60
|
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bóohmens.
B 03 = ř Die Flussfischerei in Bohmen.
E ry ň Die Krustenthiere Bohmens.
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 272 Delten Text. Preis- © Piz 31s Mx es
V. Chemische Abtheilung.
- Prof. Dr. Em. Bořický: Úber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure
meden Gebteinen Bohmens 58 Seiten Text. Preis. . « <>. + 54 60 kr.
Preis der ganzen zweiten Hálfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. A. 5-—
DRIUTUEER BAND.
L Topographische Abtheilung.
á
| Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom k. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch
bestimmten Hóhen von Boóohmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und
Přajarch: Danblebsky won.Sterneck mit 1 Karte:.- 5- ©.. 2 s 2: fi. 180
2 sj M G de ki i i i
os k vd Fn odk anodocs 80
s “ ty p W206 ae če ks
I Gedlorisčhé Abiheituns c; ak M se čy a PBřtě KS PRA „A i
= |“ p U Ň " PV s
I. Heft. Petrographische Studio an den Phonolithgesteinen Běhme s
© Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text, Preis. i „A
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Bóhme
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preis be
IM. Heft. Die Geolosie des bohmischen Erzgebirges (E Theil) von. Prof.
Gustav Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 Seiten
Ri vše Preis Ů . . Ů . - . . . . . . . - . - . . . - -0 . . - - ři u A. . "4 . . M 4
8 | ť 90 :
= IN. Botanische Abtheilung:
Schluss.) 1.820 Seltén Text oPreis'4. 4. 2117749740920 E
IV. Zoologische Abtheilung:
I. Heft. Die Myriopoden Bóohmens von F. V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Seiten
ext., PrelS sg 01- bRe spřaí le é : 60 kr.
II. Heft. Die Cladoceren Bono von hrnky Hellich E 70. Holzschnitten.
132 Seiten Text. K O E E160,
V. Chemisch-petrologische Abtheilung i Šín Záv 0
p : É
Se Elemente einer neuen chemisch-mikrosk opischei Mineral-und Gesteinsanalyse
von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. fl. 140
8
: VIERTER BAND, C
Px No. 1. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. Die Weissen-
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič mit 155 Holzschnitten.
cí 154 /Seiten ext, Preis 3:4. LEE Bod ouaí. 3 3- MSS NON 33
No. 2. Erláuterungen zur Sčola Sanas ni Karte der Tiebuusk von Prag von.
J. Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten H. 450
: No. 3. Prodromus der Flora von Bóohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský.
Re“ (IV. Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss und Register. . .. ... .. 240.
ve No. 4. Petrologische Studien an den SO PŘI ZSSR SNN Bóhmens von Prof. Dr.
Bmw BOoTicCký: © 344 A; 6000
No. 5. Flora des r s by Cidlina kára Mr dlája: von | Prof Ed. Rospíčhal
1. 1—
No. 6. Der Hancendflóotzzug im Schlan-Rakonitzer Štejnkotieh ska von Carl
Feistmantel. © ©4445 00000000000e0 00 r RZ
FU NET ER BAND.
No. 1. Erláuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné kory)š
„und der angrenzenden Gegenden im dy Bohmen von J. Krk Š
R. Helmhacker „... E HOD 1 cz šeíetyněh vz věk k 6 -2
(Die Karté selbst obl? álet) 8
No. 2. Studien im Gebiete der běhmischen Kreideformation. III. Die Is
4 schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 132 Textfiguren. . .. K BV ey AL
No. 3. Die mittelbohmische AOR ES od o RAI von Carl Feistmantel. ;
; 020 Holzachnitten. 16 a de E a ac: f. v
No. 4. Die Lebermoose (Musi Hepatici) Bohnbus von 1 Prok Jos. Dědotek. A. 1
ví No. 5. Orographisch-geotektonische Úbersicht des silurischen Gebietes i
ne mittleren Bohmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel. Mit 1 geolog.
B Karte und vielen Holzschnitten. . « « -měr ae s; S
ey? No. 6. Prodromus der Algenflora von im ski rotor Theil snthaltend die Rhc
z phyceen, Phaeophyceen und einen Theil der Chlorophycen: Von Dr. Anton Han
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Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1886. — Selbstverlag. zař ée pc =,
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OROGRAPHISCH-GEOTEKTONISCHÉE
UÚBERSICHT
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IM MITTLEREN BÓHMEN.
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VON
JOHANN KREJČÍ md KARL FESTMANTEL,
(MIT I GEOLOG. KARTE UND VIELEN HOLZSCHNITTEN.)
ARCHIV FŮR NATUR WISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOÓHMEN.
(V. Band, Nro. 5.)
THE LIBRARY OF THE
APR 23 1938
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PRAG.
In Commission bei FR. ŘIVNÁČ.
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DAS ARCHIV ERA
fůr die
naturwissenschaftliche Landesdurchforschune von Bóhmen
unter Redaktion von
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí
enthált foigende Arbeiten :
E RS TEE BAND.
E. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hohenverháltnisse).
Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und die Hóohenverháltnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nordlichen Bóohmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte.
b) Erste Serie gemessener Hohenpunkte in Bóhmen (Sect.-Blatt II.) von Prof
Dr. Kořistka. 128 Seiten Text.
c) Hoóhenschichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált :
die in dem Text a) beschriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch,
im Massstabe von 1 :200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hóhenverháltnisse
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt.
Preis.fi 4- © Prejs4der Kartetapp.s.7 M00: ad RO to 5 A. 1:60
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geolocgische Verháltnisse des nórd-
lichen Bohmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte.
b) Studien im Gebiete der bohm. Kreideformation von Prof. J.Krejčí.
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte.
c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bohm.
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte.
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel.
120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas.
Preis 3s xs el 4 dy Za 0: ZS ad een SAMA mPnna ele P ska EN A. 450
II. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.)
104 JSeiten "Vext: - Preis: 241 te Oo VS PS n S S O ů. 1—
IV. Zoolosische Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text.
b) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bohmens vom Assi-
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln.
c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bóhmen vom Real-Lehrer
Emanuel Barta.. 10'Seiten Text: Preis: i. 2—
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 168. Text. Preis 25 kr.
Preis des ganzen I. Bandes (Abth. L bis V 60b: (C 1. 9—
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OROGRAPHISCH-GEOTEKTONISCHE
UBERSICHT
DES SILURISCAHEN GEBILTES
IM MITTLEREN BOÓHMEN.
VON
JOHANN KREJČÍ und KARL FEISTMANTEL.
(MIT I GEOLOG. KARTE UND VIELEN HOLZSCHNITTEN.)
ARCHIV FŮUR NATURWISSENSCHAFTLICHE LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN
(V. Band, 5. Abtheilung.)
THE LIBRARY OF THE
ADD 09100
AÁPR 28 193č
UNIVERSITY OF ILLINOIS
PRAG.
DRUCK VON Dr. ED. GRÉGR. — IN COMMISSION BEI FR. ŘIVNÁČ,
1885.
VORWORY.
——
Da die erwartete geologische Beschreibung des silurischen Gebietes
im mittleren Bohmen in dem Nachlass des verewigten Joachim Barrande
sich nicht vorfand und eine zusammenhángende, das ganze Terrain unserer
interessantesten und wichtigsten Formation umfassende Darstellung nicht
mehr vermisst werden konnte, so vereinigten sich die beiden Gefertigten
zu dieser vorliegenden Arbeit, um wenn auch ohne eingehendes Detail,
die geologischen Verháltnisse des Silurgebietes von Mittelbohmen doch in
ihrem vollstándigen Zusammenhange wenigstens in allgemeinen Umrissen
darzustellen.
Eine detaillirtere Ausfůhrung dieser Arbeit muss einer spáteren Zeit
und jůngeren Kráften vorbehalten bleiben; ein Theil derselben ist aber
schon in den „Erláuterungen der geologischen Karte der Umgebungen von
Prag (von J. Krejčí und R. Helmhacker) enthalten.
Die Gefertigten benůtzten bei der Zusammenstellung dieser Arbeit
ihre lteren Erfahrungen, indem der eine wáhrend seines langjáhrigen
Dienstes als Hůttenbeamte bei den Fůrstenbere'schen Eisenwerken Gelegen-
heit hatte, das westliche Gebiet des Silurterrains und namentlich die Eisen-
stein fihrenden Schichtenzonen genauer kennen zu lernen, der andere aber
bei den fůr die geologische Reichsanstalt und fůr die Landesdurchforschung
unternommenen Detailaufnahmen im čstlichen und mittleren Gebiete des
Silurterrains auch den geotektonischen Verháltnissen des gesammten Silures
seine Aufmerksamkeit zuzuwenden Veranlassung hatte.
1*
Schliesslich unterzogen die Gefertigten in dem Jahre 1883 den west-
lichen Theil des Silurgebietes, namentlich das gesammte Brda- und Tře-
mošnagebirge auf einer gemeinschaftlichen Bereisung desselben einer ein-
gehenden Revision, um die geologischen Verháltnisse děr vordem weniger
bekannten Terrainparthieen festzustellen.
Die Redaction der gemeinschaftlichen Untersuchungsresultate auf der
Basis einer orographisch-geotektonischen Darstellung des gesammten mittel-
bohmischen Silurterrains besorgte der Erstgenannte von den beiden Ge-
fertigten.
PRAG, im Mai 1885.
J. KOrejčt Ko. Feistmantel.
BP
buh
BINEPTEUNU.
Der mittlere Theil von Běhmen, die Umgebungen von Prag im weiteren
Sinne und die damit zusammenhángenden Gecenden enthaltend, in der Lángen-
erstreckung von Brandeis an der Elbe bis Alt-Pilsen (Plzenec) an der Uslava und
-in der Breite von Dobříš gegen Zbirov, hat einen eigenthůmlichen Character, durch
den sich diese Gegenden auffallend sowohl von dem flach kuppigen granitischen
Terrain, das in einer breiten Zone die Westseite des bohmisch-máhrischen Urgebires-
massivs umsáumt, als auch von den ebenen Terassen nordlich jenseits der Elbe
unterscheidet, die der Kreideformation angehórend, bis zum Fusse des Riesen-
gebirges sich erstrecken.
Dieser eigenthůmliche orographische Charakter wird durch den Gebiresbau
des silurischen Systemes bedingt, welches die angedeuteten mittleren Theile von
Bóhmen einnimmt und áussert sich namentlich in der parallelen Entwickelung von
langen kammartigen von Nordost gegen Sůdwest verlaufenden Růcken, sowie von
Bere- und Hůgelreihen, deren Mitte, eleichsam als die Gebirgsaxe der lange Wald-
růcken des sogenannten Brdagebirges zwischen Kónigsaal und Příbram ein-
zunehmen scheint, obwohl wie sich aus den folgenden Erláuterungen ergeben wird,
dieses Gebirge nur den sůdlichen steil gehobenen Rand des bohmischen Silur-
systemes andeutet.
Die eigentliche Mitte des Silurterrains nimmt also keineswegs das Brdagebirce
ein, sondern ein hůgeliges von tiefen Thalschluchten durchfurchtes Kalksteinplateau
ein, das zwischen Zdic und Prag 5 geographische Meilen lang und zwischen Lo-
děnic und Řevnic 1 geographische Meile breit ist Das Streichen der Hůgelzůge
und der dieselben bildenden Schichten ist norděstlich, durchschnittlich nach h 4.
Ringsum dieses Kalksteinplateau ist in den die Kalkschichten unterteufenden
weicheren Grauwackenschichten eine 2—3 Kilometer breite Thalniederung ausge-
furcht, welche man an der nordlichen Seite des Kalkplateaus von Jinonic und
Řeporej bei Prag úber Beraun bis Zdic und von da zurůck an der sůdlichen Seite
des Plateaus úber Všeradic, Řevnic, Kónigsaal bis Kuchelbad bei Prag verfolgen kann.
Erst jenseits dieses Thalsystemes erheben sich die fůr unser Silursystem
so charakteristischen langen Bergrůcken in nordostlicher Streichung, die eigentlich
nichts anderes sind, als die zu Tage ausgehenden Schichtenkópfe eines concentri-
schen Muldensystemes.
Barrande erkannte zuerst diese Regelmássickeit des bohmischen Silurbeckens
und stellte den Bau desselben durch sein berůhmtes Auerprofil (Fig. 1) klar und
úbersichtlich dar.
Karbon
SW Příbram Jinec © Brd Drabov: Sknof NW
3 * : ] Kreideform
| dom FFG H GFE mw
zz VALLuu ce SS 29 ny T Vb
A DAV : ZPA 6 > D/A
NA M AR RE R 7 jí Ó / ý L 5 4, /
ZAL, ÚNUULU L E S, HA KOL) z 2
Ž Granit. A—H Silur. P Porphyr.
Vic. 1.
Auf Grundlage der eingehendsten Untersuchungen der Schichtenfolge in Be-
treff der Vertheilung von Versteinerungen, sowie auf Grundlage seiner Srossartigen
palaeontologischen Arbeiten, denen er vom Jahre 1841 bis 1883, also durch mehr
als 40 Jahre, alle seine freie Zejt widmete, stellte er die durch seine Schriften,
namentlich durch sein Hauptwerk: „Systěme silurien du centre de la
Bohéme“, in geologischen Kreisen allgemein bekannt gewordenen acht siluri-
schen Schichtenstufen oder Etagen auf, welche den Leitfaden fůr alle Spáteren
stratigraphischen Untersuchungen im Gebiete des bohmischen Silurs bilden. Bar-
rande bezeichnete diese einzelnen acht Etagen von unten nach oben mit den
Buchstaben A bis H. Von diesen bilden die vier tieferen Etagen von A bis D
seine untere, und die vier folgenden Etagen E bis H seine obere Abtheilung
des bohmischen Silursystemes. In der oberen Abtheilune sind mit Ausnahme der
obersten jůnesten, alle vier Schichtenstufen ungemein reich an organischen Úber-
resten, und zwar durchgehends marinen Ursprunges; auch die untere Abtheilung
enthált in den Etagen C und D zahlreiche Reste mariner Thiere, wáhrend die
beiden tiefsten Etagen A und B trotz Jahrelanger vielseitiger Durchforschung keine
deutliche Spur eines Petrefacten lieferten, und desshalb von Barrande als die azo-
ischen Etagen bezeichnet wurden.
Ein die Unterscheidune der einzelnen Etagen wesentlich erleichternder Um-
stand ist die petrographische Beschaffenheit derselben. Die Schichtenstufen der
unteren Abtheilung (A—D) enthalten námlich thonige und guarzige Schichten, und
zwar Thonschiefer, Grauwackenschiefer und guarzige Grauwacken ; die obere Ab-
theilung besteht in ihren Etagen E bis G aus vorwaltend kalkigen Schichten und
Schliesst erst in der hóchsten Schichtenstufe H wieder mit Grauwackenschiefer und
guarzigen Grauwacken ab. Nebstdem wird die Begránzung zwischen den beiden
Hauptabtheilungen, námlich zwischen der Etage D und der Etage E, durch das
Auftreten von máchtigerer erruptiven Massen von Grůnsteinen (Diabasen) bezeichnet.
Die beiden tiefsten azoischen Etagen A und B, die am Aussenrande des boh-
mischen Silurbeckens eine bedeutende das innere petrefactenfihrende Silurbecken
weit úbertreffende Ausdehnung haben, unterscheiden sich petrographisch von den
ď
ihnen aufgelagerten Etagen C und D aufallend durch ihren halbkrystallinischen
Charakter, indem sie vorherrschend aus dichten Thonschiefern mit untergeordneten
Massen von Kieselschiefern und Grůnsteinen (Aphaniten' und Dioriten) bestehen,
und in der nordlichen Hálíte des Beckens von máchtigen erruptiven Porphyrmassen
©- durchbrochen werden.
Die beiden Etagen A und B sind aber in Bezug auf ihre Gesteinsbeschaffen-
- heit schwierig von einander abzutrennen und selbst Barrande hat nur allgemein
— die mehr krystallinischen Schiefer, die unmittelbar auf Granit ruhen, der Etage A
und die hoóheren háufig von Kieselschiefern unterbrochenen Schieferschichten der
Etage B angereiht. Eine bestimmte Gránze zwischen beiden Etagen wurde dem-
gemáss auch gar nicht angegeben.
Barrande reiht nebstdem der Etage B auch die máchtigen guarzigen Con-
olomeratschichten an, welche zwischen den eigentlichen Thonschiefern der Etage B
und zwischen der die álteste Silurfauna beherbergenden Etage C eingelagert sind,
und welche den siidwestlichen, hochsten Theil des Třemošnagebirges bei Příbram,
Rožmital und Rokycan einnehmen. Der Grund dieser Anreihung war wohl einzig
der gánzliche Mangel an Petrefacten in diesen Conglomeratschichten, so dass sie
fůglich auch als azoisch betrachtet werden mussten.
Unsere Begehungen und Studien im Bereiche dieses Conglomeratterrains
haben uns indessen zu der Úberzeugung gefůhrt, dass sich diese Conglomerat-
schichten stratigraphisch unmittelbar an die Schiefer der Primordialfauna (C)
anschliessen, an ihrer Basis aber sowohl durch ihr Gesteinsmaterial als auch durch
ihre Lagerung sich von den sie unterteufenden Thonschiefern der Etage B auffal-
lend scheiden. — In den Umgebungen von Skrej, wo schon Barrande die von
ihm noch der Etage B angereihten Conglomerate und die Schiefer der Etage
C nebeneinander als anstehend schildert, ist stellenweise, namentlich bei Tej-
řovic, eine deutliche Wechsellagerung dieser Schiefer, die hier deutliche und
zahlreiche Úberreste der Primordialfaune enthalten, mit den Conglomerat- und
guarzigen Grauwackensandsteinen wahrnehmbar, und es erscheinen daselbst also
beiderlei Felsenschichten, námlich die schiefrigen und die conelomeratigen als ein
zusammengehóriger, einer und derselben Bildungsperiode angehóriger Schichten-
complex. Folgerichtie gilt diese Annahme auch fůr jene Ortlichkeiten, wo eine
solche Wechsellagerung nicht besteht oder wo sie bisher wegen ungůnstigen Ver-
háltnissen nicht wahrgenommen werden konnte, und dies namentlich auch aus dem
Grunde, dass bei Jinec, wo die Schiefer des Gebietes der Primordialfauna besonders
deutlich und máchtig entwickelt sind, diese Schiefer offenbar eine mit den sie unter-
teufenden Congiomeraten concordante Lagerung haben.
In jůngster Zeit (1884) wurden in den unter den Šchiefern bei Tejřovic ab-
gelagerten Conglomeratschichten, und zwar in den guarzigen sandsteinartigen Grau-
wacken, welche mit den Conglomeratbánken abwechseln, zahlreiche Exemplare von
Brachiopoden gefunden, die wenn sie auch bei dem ungenůgenden Erhaltungszustand
nicht genauer bestimmbar sind, doch als zur Gattung Orthis zugehorig erkannt
wurden, und die Hoffnung wachriefen, dass auch an anderen Orten des Conelo-
meratterrains ihnliche organische Reste aufgefunden werden. Hiemit wáre die
Zugehórigkeit der die Skrejer und Jinecer Schiefer unterteufenden Conglomerat-
und Grauwackenschichten zu den Petrefacten fůhrenden Etagen auch vom palaeonto-
8
logischen Standpunkte nachgewiesen, nachdem diese Zugehorigkeit vom geotekto-
nischen Standpunkte den beobachteten Lagerungsverháltnissen nach ausser allem
Zweifel ist.
Dies veranlasst uns bei dieser Úbersicht des bohmischen Silurterrains die
beiden azoischen Etagen A und B vom eigentlichen Silur abzutrennen und dasselbe
auf die úber einander concordant liegenden Schichtenstufen oder Etagen zu be-
schránken, deren Basis hiemit die Conglomeratbinke und guarzigen Grauwacken-
sandsteine bilden, auf denen dann die Barrande'schen Etagen C bis H aufge-
lagert sind.
Die petrographischen und geotektonischen Verháltnisse der azoischen Etagen
A und B erfordern, um ihre Beziehungen zum bohmischen Šilur sicherzustellen,
ein selbststándigeres und eingehenderes Studium, das wir uns als eine der náchsten
Aufgaben unserer Landesdurchforschung vorbehalten. Im allgemeinen kónnen wir
hier nur so viel bemerken, dass fast úberall, wo der Contact des eigentlichen
Petrefacten fůhrenden Schichtencomplexes mit Einbegriff der dasselbe unterlagernden
Conglomerat- und Grauwackenschichten, der Beobachtung zugánglich ist, eine ab-
weichende Lagerung der tieferen halbkrystallinischen Schiefer gegen jenen Schichten-
complex bemerkt wird, so namentlich in der Gegend von Rožmital, Přibram, Hluboš,
und Skrej, besonders aber dort, wo die Etage C fehlt und der Schichtencomplex
der Etage D unmittelbar auf den azoischen Schiefern ruht, wie bei Koónigsaal,
Modřan, Troja, bei Nischburg, auf der Krušná hora bei Hudlic und an zahlreichen
anderen Punkten.
Der in der Lagerune der azoischen Schiefer B háufig bemerkbare Wechsel
des Streichens und Einfallens der Schichten, der trotzdem er in Betreff des Strei-
chens im allgemeinen, wie die Petrefacten fiihrenden Silurschichten einer nordóst-
lichen Richtune folet, doch unabhángie von dem Streichen und den Faltungen der
hóheren Silurschichten sich entwickelt, deutet darauf hin, dass noch vor Beginn
der Silurperiode im Bereiche der azoischen Schiefer SŠtórungen im Schichtenbaue
derselben stattfanden, wodurch abgesehen von dem Mangel an organischen Resten,
dieser Schiefercomplex als ein selbststándiges, vom eigentlichen Silur unabhánciges
Schichtensystem sich darstellt, dessen Bildung einer álteren als der Silurperiode
angehótrt.
Im Vergleiche mit anderen Regionen des alten Schiefergesteines lásst sich
unser halbkrystallinisches Schiefergebiet wohl dem nordamerikanischen Huron-
system anreihen, indem es wie dieses gánzlich azoisch ist und unmittelbar auf
dem Urgebirge (Laurentian) ruht. Diese Vereleichung ist jedenfalls mehr zutreffend,
als die mit dem brittischen Cam briansystem, indem bekanntlich die englischen
Geologen in das Bereich desselben auch die unseren C-Schichten analogen Schichten-
stufen mit der Primordialfauna einbeziehen, wáhrend diese unsere C-Schichten schon
der concordanten Schichtenreihe unserer anderen silurischen Etagen angehóren,
wesshalb wir Barrande folgend, sowohl aus geotektonischen, als auch aus palaeonto-
logischen Grůnden, unsere Jinec-Skrejer C-Schichten als vom bohmischen Silur
untrennbar betrachten. Demgemáss kónnen wir auch nur die tiefsten, metamor-
phisehen Schichten des brittischen Cambrian mit Ausschluss der die áltesten Trilo-
biten fihrenden Schichten als eine den bohmischen azoischen Schiefern analoge Bil-
dung anerkennen.
3,
Die von Barrande vom palaeontologischen Standpunkte aus aufgestellte
- Eintheilung des bohmischen Silursystemes in drei Gebiete, námlich in das der
Primordialfauna (C), der zweiten Fauna (D) und der dritten Fauna (E, F, G, H)
entspricht auch vollkommen den orographisch geotektonischen Verháltnissen des
© bohmischen Silurgebietes, námlich das erstere dem Třemošnagebirge, das zweite
dem Brdagebirge und das dritte dem Karlstein-Tetiner Kalksteinplateau;
wesswegen wir dieser Eintheilune folgend diese drei Gebiete des bohmischen Si-
lures in der aufeinander folgenden Reihe dieser drei Gebirgsgruppen schildern.
Das bohmische Silursystem bildet in dieser Beschránkung nach Ausschluss
der azoischen Schichten ein scharf begránztes Gebiet, welches in der Richtung von
Sůdwest nach Nordost die Gegenden vom Hůcgel Hurka bei Plzenec bis zur Felsen-
klippe, auf der das Schloss in Brandeis an der Elbe steht, eine Ausdehnung von
105 Km. hat und in der Auerrichtune zwischen Zbirov und Přibram, Nischburg
und Mnišek, Troja und Kunratic die abnehmende breite von 90, 24, 12, 8 Kilom.
einnimmt.
Das Gebiet der azoischen Schiefer, von welchem das eigentliche Silurterrain
rings umsáumt wird, nimmt, wie schon erwáhnt, ein viel grósseres Terrain ein,
námlich am óstlichen und sůdostlichen Saume des Silures bis zu dem Granitmassiv
von Mittelbohmen, von Škvorec bei Úval, úber Eule, Knin, Milin, Nepomuk und
úber Klattau hinaus bis zum Fusse des Boóohmerwaldes, und am nordwestlichen
und nórdlichen Saume von Taus bis an die Glimmerschiefer des nordlichen Theiles
des Pilsner Kreises bei Neumarkt, Rabenstein und Chýš und bis zu den Gránzen
des permischen und Steinkohlengebietes bei Rakonitz, Kladno und Kralup an der
Moldau.
In dieser Erstreckung hat das Gebiet der azoischen Schiefer ein Areal von
mehr als 150 Ouadratmeilen, wáhrend das eigentliche Silur, welches muldenartig
in der Mitte desselben abgelagert ist, nur etwa den vierten Theil dieses Areales
einnimmt.
I. Das Gebiet der Primordialfauna.
Die Schiefer, welche die Primordialfauna der Etage C beherbergen, nehmen
nur einen geringen Theil des Terraines ein, welches stratigraphisch zur Basis
unseres Silusystemes gehórt; den bei weitem grósseren Theil dieser Basis bilden Con-
olomerate, sowie grobkórnige oder auch feinkórnigere guarzige Grauwackensand-
steine, und zwar so, dass sie unmittelbar auf den halbkrystallinischen azoischen
Schiefern lagern und nur an ihrer oberen geologischen Gránze in ráumlich sehr
beschránkten Zonen von den Schiefern der Primordialfauna bedeckt sind.
Mit Bezug auf die Entstehune und Bildungsweise der máchticen Conglomerat-
bánke dieser tiefsten silurischen Schichtenstufen ist der Umstand bemerkenswerth,
dass sie sich auf den sůdwestlichen Saum des Silurgebietes beschránken, am nórd-
lichen und nordostlichen Saume desselben aber gánzlich fehlen, so dass daselbst
die hóhere Schichtenstufe D unmittelbar auf azoischen Schiefern ruht, und erst weit
nordlich vom eigentlichen Silur mitten im Gebiete der azoisehen Schiefer, u. z. bei
Skrej wieder ein enger Streifen von Conglomeraten und die Primordialfauna ent-
haltenden Schiefer erscheint, aber ohne allen Zusammenhane mit dem anderen
silurischen Terrain, sondern von demselben durch eine 12 Km. breite Zone von
azoischen, von máchticen Porphyrmassen durchbrochenen Schiefern abcetrennt.
Das Material der Conglomerate sind guarzige Rollsteine, die offenbar nur
In einem rasch fliessenden Gewásser gebildet werden konnten, und es deutet
demnach die Verbreitune der Conglomeratschichten auf einen máchtigen Strom hin,
der von Siidwest fliessend auf der Sůdwestseite des bohmischen silurischen Meer-
busens můndete, wáhrend die Nordwestseite desselben noch ber das Meeresniveau
erhoben war. In nordostlicher Richtung zwischen Jinec und Mníšek keilen sich die
vordem so máchtigen Conglomeratschichten unter den aufeelagerten guarzitischen
und schiefrigen Schichten der Etage D allmáhlich aus, und man findet iiber Mníšek
hinaus gegen Kónigsaal und Prag keine Spur derselben mehr, sondern die Schichten-
complexe der Etage D lagern sich hier unmittelbar auf die azoischen Schiefer und
zwar in auffallend discordanter Weise. In dieser durch das allmáhliche Verschwinden
der tiefsten silurischen Conglomerate charakterisirten Region norděstlich von Jinee
erscheinen plótzlich die Schiefer der Primordialfauna im Thalgrunde des Litava-
baches und am Fusse der guarzitischen Berge der Etage D, so dass es den An-
schein gewinnt, als ob hier am ehemaligen tieferen Meeresgrunde statt der sandigen
und geróllartigen Materiales, das sich náher am Meeresufer absetzte, ein feinerer
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11
schlammiger Absatz sich gebildet habe, in dessen plastische Masse sich die merk-
wůrdigen Úberreste unserer áltesten Fauna ansammelten.
Die orographische Gestaltung des Gebietes der Primordialfauna wird also von
den Conglomerat- und guarzigen Grauwackenschichten bedingt, welche in máchtiger
Entwickelung die Gegend von Rožmital und Rokycan bis Jinec und Příbram ein-
nehmen und eine Reihe von parallelen Gebirgsrůcken bilden, welche die hóchsten
bis úber 800 M. reichenden Hoóhenpunkte von Mittelbohmen enthalten.
Die Entstehung dieser Gebirgsrůcken wurde durch spátere Hebungen ver-
anlasst, die offenbar mit der Bildune der mittelbohmischen Granite und der die azoi-
schen Schiefer durchbrechenden Porphyrmassen zusammenhángen. Die ursprůnglich
horizontalen Conglomeratschichten wurden durch Bruchlinien, die parallel zum
nordostlichen Streichen des Silursystemes und senkrecht darauf verlaufen, zer-
sprengt und lánegs dieser nordóstlichen Bruchlinien reihenweise aufgerichtet, so
dass sich die Conelomeratschichten in einzelne einseitig gehobene und gegen Nord-
west einfallende Streifen vertheilten, von denen die mehr zertrůmmerten oder aus
weniger zusammenhángenden Material gebildeten, in den neu entstandenen Thal-
furchen allmáhlich ganz abgeschwemmt wurden.
Die Conglomeratschichten bilden also kein zusammenhángendes Terrain, son-
dern sie sind in drei einzelne, der Grósse nach sehr ungleiche Parthieen vertheilt,
welche von einander durch das zu Tage tretende azoische Schiefergestein, auf dem
sie ruhen, von einander abgetrennt sind. Diese drei Conglomeratparthieen erscheinen
auch orographisch als drei von einander gesonderte Berg- und Hůgelzůge und man
kann also deutlich die folgenden orographisch und geotektonisch verschiedenen Ter-
raingruppen im Bereiche der tiefsten silurischen Conglomeratschichten unterscheiden,
námlich:
1. Die Conglomerathiůgel von Dubenec.
2. Das Třemšíngebirge mit dem Přibramer Bergzug.
3. Das Třemošnagebirge zwischen Přibram und Rokycan.
4. Das Schieferterrain der Primordialfauna.
(. Die Conglomerathůgel von Dubenec.
NW Provazec. Pičin. Velký Chlum. Dubenec. © Staréhory SO
%9 20 DODO
M 0000690
B .
„Wie. 2.
Ž Granit, B Azoische Schiefer, Di Diorit, L Lydit, S Conglomeratschichten, P Porphyr.
Bei Dubenec čstřich von Přibram im Auellgebiete des Kocababaches bilden
die Conglomeratschichten einen etwa 12 Kilom. langen und 1—2 Kilom. breiten,
zwischen rothen Granit und azoische Schiefer eingekeilten Streifen (zwischen Bytíž
und Druhlic), der sich ber das etwa 400 M. hohe azoische Schieferterrain nur
12
wenig erhebt, aber von den bis gegen 600 M. ansteigenden Granitterrain bedeutend
úberrast wird. Am waldigen Hůgel „na drahách“, unweit Dubenec, werden diese
Conglomeratschichten, dle hier vorherrschend aus lichten eigrossen Auarzgeroll-
stůcken mit kieselig krystallinischem Bindemittel bestehen, von Porphyr und Granit-
gingen durchsetzt und haben ein nordostliches Streichen mit 309 NW Einfallen.
Gegen den Granit zu, auf dem diese Conglomerate liegen, gehen sie oberfláchlich
durch Zerfallen in ein einem Diluvialschotter hnliches Rollgesteinsfeld úber und
ebenso an ihrer Begránzung mit dem azoischen Schiefer. In diesen Schiefern, die
von hier úber Dobříš ein einfórmiges Plateau zwischen dem Fusse des waldigen
Brdagebirges und den Granitbergen von Knin bilden, trifft man bei Lhotka unmittel-
bar an der Ararialstrasse auch ein etwa 8 M. máchtiges Conglomeratlager (mit 459
Einfallen gegen W) an; dieses unterscheidet sich aber seinem Material nach von
dem Dubenecer Conglomerat, indem es aus felsitischen bis kopferossen Geróll-
stůcken besteht, die von einer áhnlichen felsitischen dichten Masse verkittet sind.
Diese Conglomerate gehóren offenbar den azoischen Schichten an und sind keines-
wegs in Verbindung mit den Dubenecer Conglomeraten, sondern viel álter als
diese letzteren, welche ihrem Material nach vollkommén mit den Conglomeraten
des Třemošnagebirgces úbereinstimmen.
2. Das Třemšíngebirge mit dem Přibramer Bergzug.
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Ž Granit. B Azoische Schiefer. Di Diorit. S. Conglomeratschiefer.
Die Conglomerate, aus welchen dieser Gebireszue besteht, bilden einen 57 Km.
langen Štreifen, der sich zwischen Rožmital úber Přibram bis Dobříš parallel zum
Třemošnagebirge erstreckt, aber von demselben an der nordlichen Seite durch eine
4—5 Km. breite Zone von azoischen Schiefern abgetrennt ist, wáhrend ebenso an
der sůdlichen Seite dieses Štreifens eine andere Zone von azoischen Schiefern den-
selben von den mittelbohmischen Graniten sondert. Der Streifen dieser Conglo-
merate ruht also auf azoischen Schiefern, und wird von ihnen rinesum begránzt.
Die Conglomerate dieses Gebireszuges bilden aber keine zusammenhángende
Gesteinszone, sondern sie sind in drei Parthieen vertheilt, welche sich orografisch
auffallend von den ihnen untergelagerten azoischen Schiefern unterscheiden. Diese
Schiefer steigen allmáhlich in sůdwestlicher Richtung dem Fusse des Třemošnage-
birges folgend, von 400 M. Hohe bei Dobřiš bis in die Wálder von Smolivec und
Brennporitschen zu 600 M. an, wo sie von máchtigen Kieselschieferklippen noch
um mehr als 100 Meter úberraet werden (na Morásku 7197 M.). -
In dieser hóheren Lage bildet westlich bei Rožmital der máchtige, die Gegend
13
weithin beherrschende Berg Třemšín die erste, und sein eben so máchtiger
Nachbarbere Štěrbina die zweite isolirte Conglomeratparthie; die dritte und
lángste, aber weniger hohe Parthie bildet der Conglomeratstreifen des Bergzuges,
welcher bei Vranovic ostlich von Rožmital beginnt und sich in nordostlicher Richtung
úber Příbram bis Dobříš erstreckt.
a) Der Třemšín ist die sůdlichste hóchste Kuppe (825 M.) eines dicht be-
waldeten von Sůd nach Nord sich erstreckenden 4 Kilom. langen Bergrůckens,
dessen nordlichste Kuppe den Namen Hengst (759 M.) fiihrt. Beide Kuppen tragen
die Reste von alten Burgen, und auf der sůdlichen hochsten Kuppe, dem Třemšín,
sieht man nebstdem Reste máchtiger vorhistorischen Wálle, von denen sich eine
grossartige Aussicht ber das wellenfórmige von zahlreichen Teichen bedeckte
Urgebirge bis zum Bóhmerwalde eroffnet.
Der Bergriůcken besteht aus 1 und mehr Meter starken groben Conglomerat-
bánken mit durchgehend guarzigem Material, die entgegen dem herrschenden nord-
ostlichen silurischen Streichen gegen Nordwest nach h. 10. mit einem nordostlichen
Einfallen von 35—40% sich erstrecken, und in discordanter Lagerung auf azoischen
Schiefern aufruhen. Nicht weit vom sůdlichen steilen Abhang des Třemšín tritt
unter den Schiefern bei Hvožďan auch Granit zu Tage, der auch im ostlichen Fusse
an der Třemošnakuppe (694 M.) auftaucht. Gegen das nordliche Ende des
Bergrůckens wendet sich das Streichen bogenfórmig mehr gegen Norden, womit
auch die áusseren Contouren des Růckens úbereinstimmen, so dass er sich als das
Bruchstůck der áussersten sůdwestlichen Umwallung des bohmischen Silures dar-
stellt, dessen Schichten erst in weiterer Erstreckung dem nordostlichen Streichen
folgten.
b) Ein von Wald bedecktes Thal, dessen Boden aus azoischen von Dioriten
durchbrochenen Schiefern besteht und in dessen Mitte nordlich von Vacikov ein
Jagdschloss des Grafen Palfy hervorleuchtet, trennt den Třemšín von einem zweiten
áhnlichen waldigen Bergrůcken, dem Štěrbinabere (751 M.), der ebenfalls aus
groben Conglomeratbánken besteht, die nordwestlich streichen und nordostlich unter
ziemlich steilen Winkeln (50—170“) einfallen. Diese steil gehobenen Conglomerat-
bánke bilden am Kamme des Bergrůckens malerische Felsenklippen, deren eine
das Katzenschloss (Kočičí Hrádek) genannt, ein Pavillon trágt, von dem man
eine belehrende Rundsicht geniesst.
Die Unterlage der Conglomeratschichten bilden ringsum den Berg azoische
Schiefer in discordanter Lagerung, die nahe am sůdlichen Fusse desselben von
Granit begránzt werden. Der Štěrbinarůcken senkt sich gegen Ost in das flache
Thal der Stadt Rožmitál herab (546 M.), welches im Norden von den steilen Riicken
des Třemošnagebirges umsáumt wird und gegen Siůden sich in die hůgelreiche
Granitgegend óffnet. Die tiefste Thalfurche benetzt der Vlčavabach, der bei Rožmital
zwei Teiche anfůllt, und daselbst einen Streifen vom Granit entblósst, welchen man
von Piňovic aus gegen Rožmital selbst bis gegen Věšín und Šedlic mitten im
Schieferterrain verfolgen kann. Der Granit fůllt hier wahrscheinlich eine Auerspalte
in den azoischen Schiefer aus und gehórt unzweifelhaft zu derjenigen eruptiven
Masse, durch welche die Conglomeratschichten zersprengt wurden und deren Hervor-
brechen die Dislocationen derselben veranlasste oder begleitete .
14
c) Am čstlichen Thalgehánge von Rožmital lagern sich wieder die Conglo-
merate nach einer Unterbrechung von 5 Kilometern auf die azoischen Schiefer
und bilden von da angefangen, námlich von Vranovic an, den úber Bohutín, Birken-
berg und Heiligenberg bei Přibram durch die Dobřišer Wálder bis zum Forsthaus
Brodec bei Dobřiš verlaufenden engen Přibramer Bere- und Hůgelzug, der
etwa 25 Kilom. lang und 2—4 Kilom. breit ist, und sich deutlich von den ihn
umgebenden azoischen Schiefern durch seine Hóhe und seine Contouren scheidet
und auch úber das angránzende Granitterrain bei Tochovic und Lazsko sich erhebt.
(Fig. 4.)
Birkenbers.
NW Třemošná. Orlov. BřezováHora. Brod. © Jerusalem. SO
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Ž Granit. B Az. Schiefer. S. Conglomeratschichten. r Lettenkluft. Di Diabas.
Fig. 4.
Er bildet die Waldkuppe Kosov (621 M.) und andere Kuppen bei Vysoká“
den Berg Vojna (622 M.), Birkenberg (527 M.), und den heiligen Berg
(527 M.) bei Přibram, den Berg Pichce (569 M.) bei Dubno, Velký Chlum
(479 M.) bei Suchdol, Kamení (485 M.) bei Rosovic, und senkt sich endlich an
seinem nordostlichen Ende zwischen dem Hofe Trnová und dem Forsthause Brodec
bei Dobříš bis zu dem 400 M. hohen azoischen Schieferplateau herab, in das er
hier úbergeht.
Die Lagerung der Conglomerat- und Grauwackenschichten bildet im allgemein
eine langgestreckte Mulde, deren nordlicher Flůgel aber steiler gegen die Mitte
dieser Mulde einfállt,
Diese steilere nordliche Muldenseite ist von der fůr den Bergbau von Přibram
wichtigen sogenannten Lettenkluft begleitet, welche eine von Sůdwest nach
Nordwest verlaufende Bruchlinie darstellt, lángs welcher die Přibramer Conglome-
rate und Grauwacken von denen des Třemošnagebirges abgebrochen und durch
spátere Denudationen abgetrennt sind.
Eine Menge von Grůnsteingángen (Diabas) durchsetzt in der Richtung von
Sůd nach Nord sowohl die untergelagerten azoischen Schiefer, so wie die auf den-
selben liegenden Conglomerat- und Grauwackenschichten, von denen namentlich
zwei Zůge durch máchtige Ausbisse sich kennbar machen, námlich der Grůnsteinzug
von Bohutin ber Birkenbere bis Drahlin am Fusse des Třemošnagebirges, und
ein anderer zwischen Hatě, dem heiligen Bere und der Kuppe Května nordlich von
Přibram. Mit diesen Grůnsteingángen sind die beriihmten Blei- und Silbererzgánge
von Příbram im genetischen Zusammenhange, wesshalb der Bergbau namentlich im
Bereiche der Griinsteine betrieben wird. Gegenwártig wird aus 17 Scháchten das
Erz gefórdert, deren weithin sichtbare Gebáude, hohe Kamine und Aufbereitunges-
werke namentlich den Birkenbere und seine Umgebungen bedecken. In dem Adal-
berti- und Mariaschacht wurde die senkrechte Tiefe von 1000
Meter schon úberschritten.
Die Stadt Přibram (509 M.) liegt zwischen dem heiligen
und dem Birkenberge in einem Guerthale, welches die Con-
olomeratmulde von Šůd nach Norden durchbricht und von
einem Zuflusse des Litavabaches bewássert wird, der im
Granitterrain bei Lešetic und Šlivic entspringt und sich
unterhalb Přibram mit der Litava vereinigt, wáhrend dieser
Bach den Abfluss der grossen Wasserreservoire bildet, die
in den Schichten des Třemošnagebirges fůr die Wasch- und
Aufbereitungwerke des Přibramer Bergbaues angelegt sind.
3. Das Třemošnagebirge.
(Fig. 5.)
Dieses Gebirge umfasst die grósste Parthie des Con-
glomeratgebietes, indem es die ganze bergige Gegend zwischen
Přibram, Rokycan und Jinec in der Ausdehnung von etwa
70 Meilen als die eigentliche máchtig entwickelte Basis des
sůdwestlichen Theiles des bohmischen Šilures einnimmt.
Am steilsten steigt es an seinem sůdlichen Rande in
den Umgebungen von Přibram an, und bildet daselbst lang-
gedehnte steil gegen Sůden abfallende waldige Růcken, deren
einzelne Kuppen die Hóhe zwischen 700—800 M. erreichen.
Der auffallendste, obwohl nicht der hochste Theil dieser Rů-
cken ist der Třemošnabere (717 M.), der die Gegend
nordlich von Přibram beherrscht und nach welchem wir dieses
ganze Gebirge benennen.
Wenn man von der Kammhóhe dieses Berges nordwárts
die weit ausgedehnte waldige Berggegend úbersieht, so er-
scheint sie auf den ersten Anblick als ein Labyrinth von
Bergrůcken, Kuppen und Thalschluchten; nach einigen der
Ouere nach unternommenen Begehungen dieses Gebirges er-
kennt man aber seinen im ganzen einfachen Bau.
Dieses ganze aus Conglomeratschichten bestehende Berg-
land gliedert sich námlich in fiůnf parallele nach Nordost
streichende Bergrůcken ab, die durch Auerriegel mit einander
verbunden sind und von zwei Thalsystemen durchsetzt werden,
námlich von einem System der zu den Růcken parallelen
Langtháler und einem System von Auerthálern und Schluchten,
die von Sůd nach Nord verlaufen.
Diese orographische Configuration entstand offenbar durch
Zersprengen und einseitige Hebung der ehedem horizontal ab-
gelagerten Conglomeratschichten nach nordostlich verlaufenden
Bruchlinien, deren Ursache man einerseits in den weit aus-
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sedehnten Granitmassen von Mittelbohmen, anderseits auch in den Porphyr- und
Grůnsteinmassen suchen kann, welche am Beginne der Silurperiode im Bereiche ihrer
Sedimente aus dem Erdinnern hervordrangen.
Die finf parallelen Bergrůcken sind in der Reihe von Sid nach Nord die
folgenden :
a) Der sůdlichste Růcken, der von dem Třemšín-Příbramer Bergzuge durch
eine Zone von azoischen Schiefern getrennt ist und dem der Třemošnaberg ange-
hórt, beginnt nordlich von Rožmital gegenůber dem Třemšínberge auf dem azoischen
bis 600 M. hohen, von Kieselschieferklippen durchsetzten Plateau, úber welches
die Strasse von Rožmital nach Padrť und Štrašic fůhrt. Er beginnt oberhalb des
Dorfes Buková mit einem hohen Šteilrand, Praha genannt (854 M.) und zieht sich
als einfórmiger Waldriůicken nordostwárts bis zum Gipfel Tok (842 M.), jenseits
dessen er durch ein kurzes Ouerthal bei Laz unterbrochen ist. Hier befinden sich
in einer Hóhe von 664 und 646 M. zwei grosse Teiche oder Wasserreservoirs,
von denen aus die Příbramer Aufbereituneswerke mit Wasser versehen werden.
Ostlich von diesem Guerthale erhebt sich als Fortsetzung des Waldrůckens der
Třemošnabere (777 M.); er senkt sich rasch gegen Obecnic und geht dann
weiter nordostlich in niedrigere kahle oder mit Feld bedeckte Hůgel úber, die
zwischen Dušnik und Hluboš von der Litava guer durchbrochen werden. Die Fort-
setzung am rechten Litavaufer bildet der Hůgel, auf dem die Kirche von Hluboš
steht, und das Ende des Bergzuges bezeichnet die waldice Kuppe Malý Chlum
(984 M.) bei Pičín, wo dieselbe blos durch einen engen Streifen von azoischen mit
Kieselschieferlagern und Griůnsteinstocken durchsetzten Schiefern von dem Při-
bramer Conglomeratstreifen abgesondert wird.
b) Der zweite Bergrůcken von dem voricen durch eine von Auerriegeln unter-
brochene Thalfurche getrennt, beginnt am azoischen Schieferplateau bei Padrť, wo
in einer Seehóhe von 639 und 655 Meter zwei grosse Teiche, ehedem zum Be-
triebe der Eisenhitten und Hammerwerke dieser Gegend angelegt, sich befinden,
und am Saume des Conglomeratterrains die Kieselschieferklippen bedeutend hoch
ansteigen, so am Palcíř bei Kolvin bis 723 M. Der áusserste sůdwestliche steile
Rand des zweiten Conelomeratbergrůckens fůhrt den Namen Kočka (786 M.);
dann folgt auf dem durchcehends von Wald bedeckten Růcken die Kuppe Koruna
(829 M.) und die hěchste Kuppe des ganzen Gebirges Tok (857 M.) genannt,
welche Kuppe man aber von der goleichgenannten, schon frůher erwáhnten unter-
scheiden muss. Die erstere liegt námlich im Bereiche der Rožmitaler, diese im
Bereiche der Zbirover Domaine.
(Der Name Tok ist der Jágerausdruck fir eine Waldstrecke, wo die Auer-
háhne balzen.)
Das Lánesthal von Obecnic trennt dann diesen Růcken von dem gegenůber-
liegenden Třemošnabere, und die Fortsetzune desselben oberhalb Drahlin bildet
ein steiniger Kamm, dessen hóchste Kuppe den Namen Brdo fihrt (769 M.)
wáhrend die Fortsetzung gegen Čenkov „na Slonovci“ heisst, wo sie mit der
Kuppe Klouček (680 M.) steil zur Litava abfállt.
Die Conglomerate haben an diesem Kamme stellenweise ein kaolinisches Binde-
mittel, welches in einigen Gruben gewonnen und als feuerfestes Material benůtzt
wird. —
s]
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Bei Čenkov durchbricht die Litava diesen Růcken durch ein Ouerthal. Seine
Fortsetzung am rechten Litavaufer bildet der waldige Berg Komorsko (674 M.),
dem sich dann in nordostlicher Folge noch einige ansehnliche Waldkuppen an-
reihen (Provazec 696 M., Kuchyňka 655 M.), die aber in den Waldstrecken
gegen Kytín zu in niedrigere Berge úbergehen (Kazatelna, Spálený, Točka 550—
500 M.) und von dem nahen Anarzitkamme des Brdagebirges, der sich hier an das
Conglomeratterrain anlehnt, aber schon zur Etage D gehórt, úberragt werden. In
diesen Waldstrecken nahe an Mníšek endet auf azoischer Schieferunterlage dieser
Berezug, dessen Lánge von Padrť bis Kytín 5'/, Meile betrást.
c) Der dritte Conglomeratbererůcken beginnt in der Waldstrecke Dubina
(651 M.) bei Skořic nordlich von Padrť, am Westrande von Kieselschieferklippen
umsáumt, und erhebt sich in seiner nordostlichen Erstreckung in den Kuppen Ka-
menná (795 M.), Hlava (181 M.), Hejlov (688 M.) zu ansehnlicheren Berg-
formen, die hier durch ein Auerthal durchbrochen werden. Jenseits desselben er-
hebt er sich dann als ein steiler Felsrůcken Hřebeny (717 M.) und endet mit
der westhin sichtbaren Kuppe Koníček (606 M.) im grossen Hofovicer Thier-
garten, und wird hier durch das Thal von Velcí (Welkau) vom friiher erwáhnten
Drahliner Bergrůcken „na Slonovci“ getrennt, in dessen Hintererunde ein Auer-
riegel bei dem Forsthaus Baština beide Růcken verbindet.
Das óstliche Ende dieses Bergzuges wird durch die Jinecer Schiefer mit der
Primordialfauna bezeichnet, welche in diesem Thal zuerst deutlich auftreten.
Den vierten und fůnften Berezug des Conglomeratterrains bilden die waldigen
Růcken, welche das Lánesthal von Dobřiv und Štrašic umsáumen, in dessen west-
- lichen Theil das Šteinkohlenbecken von Mireschau vom azoischen Terrain aus ein-
| greift, wáhrend in den čstlichen Theil dieses Lángsthales schon die eisenstein-
- fůhrenden Schiefergesteine an der Basis der Etage D sich erstrecken.
d) An der siůdlichen Seite des Thales von Dobřiv beginnt ein dem frůher
- erwáhnten Růcken paralleler Conolomeratberezug in der Waldstrecke Zaborčí
(557 M.) oberhalb Mireschau, dann folgt gegen Nordost die Kuppe Převážení
(600 M.) und bei Strašic der wild durchklůftete Waldberg Vlč (598 M.), an den
| sich bei Kváň (St. Benigna) die Kuppen Křížek (728 M.), Růžek (653 M.),
| Beran (686 M.) u. a. anschliessen. Ein tiefes Ouerthal, welches von dem GAuerriegel
- bei dem Forsthaus Baština durch das Gebirge von Sůd nach Nord sich herabzieht,
- durchbricht bei der Ruine der Burg Waldek diesen Bergrůcken und bildet hier
-eine besonders malerische Waldgegend. Jenseits dieses Ouerthales streicht der
- Růcken nordostlich im Beranec (660 M.) fort und endet in der flacheren Wald-
strecke Koberov (516) nahe an Felbabka, wo sich die Jinecer Schiefer an diese
© Conglomerate anschliessen.
e) Den fůnften und letzten Bergzug, mit dem das Conglomeratterrain gegen
Norden abschliesst, bilden die Bergrůcken, welche die nordliche Seite des Thales von
Dobřiv und Strašic umsáumen.' Sie umfassen am sůdwestlichen Ende den máchtigen
Berg Žďár (627 M.), der die Gegend von Rokycan beherrscht und an seiner nórd-
- lichen Seite lánes einer Dislocationslinie von eisensteinfiihrenden Schiefern der
© Etage D scheinbar unterteuft wird. Der Berg besteht aus máchtigen von Porphyr
-© durchbrochenen Conglomeratbánken, welche an der něrdlichen Seite in prallen Felsen
| anstehen, und die Reste eines grossen vorhistorischen Walles tragen. Das Auer-
2
18
thal des Klabavabaches trennt bei Hrádek diesen Berg vom Berge Kotel, der auf
azoischer Schieferunterlage schon ganz in das Bereich der Etage D gehórt.
Gegen Nordost hánet der Žďar jenseits eines Sattels, úber den der Weg von
Dobřiv nach Hůrky fůhrt, mit einem plateauartigen, waldigen Conglomeratterrain
zusammen, das in einzelnen Kuppen úber 600 M. sich erhebt und mit dem kamm-
artigen Pískový vrch (660 M.) oberhalb Těny endet, und sowohl gegen das Thal
von Strašic als gegen das von Holoubkau steil abfállt. Die Kuppe oberhalb Holoubkau
fůhrt den Namen Trhoň und ist 622 M. hoch. Den Fuss des Bergzuges von Ho-
loubkau und Tény bilden eisensteinfihrende Schichten der Etage D, úber welche
das Conglomeratterrain sich erhebt, aber unmittelbar auf azoischen Schiefern ruht,
wáhrend am Fusse seiner mehr oder weniger steil gehobenen Bánke Schichten der
Etage D sich anschmiegen, ohne dass dazwischen hier irgendwo eine Spur der Ji-
necer Schiefer (C) mit der Primordialfauna bemerkbar wáre. |
In Betretf der Gesteinsbeschaffenheit des eben beschriebenen Terrains ist vor
allem zu bemerken, dass die Conglomerate im westlichen Theile desselben vor-
herrschen und gegen Osten zu in sandsteinartige mehr oderweniger grobe Grauwacken
úbergehen, was offenbar darauf hindeutet, dass die Strómung, durch welche das
Geróllmaterial des Conglomerates angeschwemmt wurde, die Richtune von West gegen
Ost hatte. Die Geróllstůcke sind grósstentheils weisser oder lichterauer, manchmal
auch gelblicher und róthlicher Auarz; das Bindemittel bildet ein festes grauwacken-
artiges oder guarzitisches Material. Háufig erscheinen auch schwarze oder dunkle
Geróllstůcke von Kieselschiefer eingemenet, seltener aphanitische und dioritische
Gesteine. Die Grósse der Geróllstůcke variirt von Ei- bis Fausterósse und nur
einzelne Stůcke namentlich im westlichsten Gebiete sind bis kopfeross. Stellenweise ©
wie bei Dobřiv liegen diese Geróllstůcke in einem grobkornigen guarzigen Sandstein
eingebettet und lósen sich leicht aus demselben; gewóhnlich sind sie aber mit der ©
Sandstein- oder grauwackenartigen Bindemasse fest verwachsen. Háufig erscheinen
abwechselnde Lagen von Conglomerat und guarziger Grauwacke und zwar so, dass ©
im westlichen Theile des Gebietes die Conglomeratbánke, im óstlichen die guarzi- ©
tischen Grauwachenbánke vorherrschen.
Diese Grauwacken oder Sandsteine sind ebenfalls vorwaltend von lichter Far-
bung, mit grauen gelblichen und seltener rothlichen Varietáten; das Bindemittel
ist vorherrschend kieselig, guarzitisch, wird aber stellenweise auch mehr thonig und
olimmerie und ándert demgemáss seine Festigkeit. Stellenweise entwickeln sich m
diesen Grauwacken guarzitische Bánke, welche gánzlich der guarzitischen Grauwacke
der Etage D eleichen. Auch rothgefárbte Grauwacken, ziemlich glimmerreich, důnn-
bláttrie und deutlich geschichtet treten in grósserer Verbreitung auf, so namentlich
im óstlichen Theil des Gebietes von Hluboš gegen Kytín.
Die Máchtigkeit dieses ganzen conglomeratigen und grauwackenartigen
Schichtencomplexes lásst sich approximativ abschátzen, und zwar namentlich an den
steilen Lehnen des Třemšin und Třemošnagebirges. Bei einer absoluten Hohe dieser
Lehnen von etwa 200 bis 300 Metern úber der Schieferunterlage und einem durch-
schnittlichen Einfallswinkels von 30% ereiebt sich die etwaige Máchtigkeit mit 100
bis 150 Metern (stu 309 . 200, 300). Durch gegenseitige Verschiebungen und
wiederholte Aufstauungen der spáter zertrůmmerten und auf einander geschobenen
Schichten erscheint die Máchtigkeit an vielen Berglehnen allerdines viel grósser,
jl
aber úberall wo die Gesteinsbánke ruhiger gelagert sind, kommt man zu der Úber-
zeugung, dass die eigentliche Máchtigkeit doch viel geringer ist, als es nach dem
Tersten Anblicke der Felsmassen den Anschein hat.
Der grósste Theil des Terrains ist mit zertrůmmertem Gestein bedeckt, So na-
mentlich die Berglehnen und nur an einigen Kuppen und Abhángen und in den
Thálern und Schluchten mit steileren Felsen sieht man festes anstehendes Gestein.
Das Conglomerat und Grauwackenmaterial ist námlich zu spróde und brůchig und
„wurde schon bei den ersten Hebungen in einzelne Schollen zersprenst, wáhrend das
E iere oa in der pamě k a oak ní und Biegungen
4. Das Schieferterrain der Primordialfauna.
- Die Schiefer, welche die Reste unserer áltesten oder Primordialfauna ent-
(halten, treten nur am nordostlichen Rande des Conglomeratteraines auf, und zwar
in dem tief eingeschnittenen, von Sůd nach Nord verlaufenden Ouerthal der Litava,
twelches die Conglomeratrůcken zwischen Hluboš und Jinec durchbricht. Sie sind
' daselbst zwischen die Conglomerat- und Grauwackenbánke des Třemošnagebirges
„und zwischen eine áhnliche Zone von Conglomeraten und grobkórnigen Grauwacken
| concordant eingelagert, die schon der náchst hóheren Etage námlich D zugehóren.
(80 erscheinen sie im Thalerunde zu beiden Seiten der Litava am Fusse des Plešivec
jund Ostrýberges, wo sie ein flach gewelltes, nordwestlich einfallendes Lager bilden,
und treten dann am linken Litavaufer zwischen Rejkovic und Jinec gegen den Ort
' Felbabka hinauf in einer antiklinalen Wólbung zu Tage (Fig. 6) die nur theilweise
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| p Rejkovice. Plešivec,
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S SS EU U
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S Conglomerat, C Jinecer Schiefer. d,afBy, d,, d;, d, Silurische Zonen.
Ů Fig. 6.
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„von einzelnen Schollen der hóheren Conglomerat- und-Grauwackenbánke bedeckt,
(ber Křesín und Ohrazenic bis nach Velcí (Welkau) im das Thale zwischen den
' Conglomeratriůcken des Slonovec und des Koníček sich erstreckt, von denen die
'beiden letzteren den tieferen oder Třemošnaconglomeraten angehůren. Am něrd-
/lichen Saume dieser Plateauartigen Erhebung der Jinecer Schichteu hinter Felbabka
'am Podluher Berg und am Berge Ostrý bildet eine máchtice Dislocationskluft, lánes
„welcher die Schichten der Etage D steil gehoben sind, die Begránzune. (Fig. %.)
"© Am deutlichsten sieht man die Einlagerune der Jinecer Schiefer zwischen
'beide Conglomeratzoneu auf dem Fahrweg von Jinec nach Velcí lánes der Hůgels
E: 2%
2
Vystrkov, indem dieser Hůgel von seiner conglomeratigen Unterlage bis nahe!
zum Gipfel aus diesen Schiefern besteht, und erst am Gipfel von den groben Grau-
N S
Ostrý. Felbabka. © Křesíh. Ohrazenice. Velcí Vranová. © Slonoj
n] ie r
rtn may ny S
II u p cdký
= — nů R =
= Z M nu ZS ze =
Fig. 7.
wacken und Conglomeraten der tiefsten D-Schichten bedeckt wird. Die Máchtigkeit |
der Schiefer betrágt hier 45 Meter. (Fig. 8.)
NW SO
Koniček. c soon Slonovec.
a |
L ©
S Untere Conglomeratbánke. C Jinecer Schiefer. d,e Obere Conglomeratbánke. n Alluvium.
Fig. 8.
Wahrscheinlich ziehen sich die Schiefer aufwárts im Thale von Velcí auf der
conelomeratigen Unterlage in der Richtung gegen das Forsthaus Baština hinauf,
indem einzelne Bruchstůcke des Schiefergesteines darauf hindeuten, aber wegen der.
Bedeckung des Thalgrundes und der Lehnen mit Gebirgsschutt erblickt man nirgends
mehr dieselben als anstehendes Gestein. Die andere steile Seite des Thales, welche
die Lehne des Bergriickens Koníček bildet, gehórt offenbar einer gehobenen Parthie
der Třemošnaconglomerate an, indem sie sich hoch ůúber die Jinecer Schiefer erhebt,
die hier also nordwárts durch eine Dislocationsspalte begránzt werden, wie bei
Felbabka.
Auch am rechten Litavaufer zwischen Jinec und Čenkov sieht man am Fusse
der hóheren aus schiefrigen und guarzitischen Schichten der Etage D zusammen-
gesetzten Berge, die Einlagerung der Jinecer Schiefer zwischen beide Conglomerat-
zonen, und da sich hier in einer Thalfurche, welche zwischen den guarzitischen
Kámmen (D) und den Conglomeratrůcken des Komorsko sich hinaufzieht, das Gestein
der Etage D von den Třemošnaconelomeraten deutlich scheidet, so zieht sich wa-
scheinlich durch diese, von kleinen Ouerriegeln unterbrochene Thalfurche auch die
Fortsetzuneg des Ausbisses der Jinecer Schichten fort; man kann sie aber wegen dem
máchtigen Bergschutt, der diese waldigen Berglehnen und die Thalfurchen bedeckt,
nirgends anstehend beobachten. Erst in der norděstlichen Fortsetzung dieser Terrain-
furche, da wo sie sich gegen die Můhle Zátor (SW von Hostomice) in den Ho-
|
| 21
(stomicer Gemeindewald herabzieht, erblickt man in der tief eingeschnittenen Rinne
(des hier entspringenden Chumavabaches, gróssere Bruchstůcke der Jinecer Schiefer
mit deutlichen Trilobiten, welche die Náhe dieser Schieferzóne verrathen, und die
hier Barrande an einem nun von Wald bedeckten Punkte auch wirklich anstehend
fand. Weiter gegen Nordost in der Richtune gegen Mníšek verliert sich jede Spur
(der Jinecer Schiefer, und die Schichten der Etage D lagern sich hier unmittelbar
Jauf die azoischen Schiefer (B) in discordanter Lage auf. In den Umgebungen von Prag
hi Kunratic und Modřan treten zwar jenseits der ebenfalls durch eine Dislocation
ibezeichneten Grenze der Etage D, Schiefer zu Tage, die ihrem Habitus nach auf-
fallend an die Jinecer Schiefer erinnern; aber da in denselben bisher trotz eifrigen
Suchens keine Spur eines Petrefakten entdeckt wurde, und da sie ihrer Lagerung
mach sich an die azoischen Schiefer anschliessen, so kónnen wir sie von diesen
letzteren nicht abtrennen. Eine Conglomeratbank, die in der Schlucht bei Modřan
lm diese azoischen Schiefer eingelagert ist, wurde von uns anfánglich fůr ein Agui-
valent der Třemošnaconglomerate angesehen; wir úberzeugten uns aber spáter, dass
sie den, in die azoischen Schichten eingefůigten Conglomeratbánken analog ist, wie
wir solche auch in der Náhe von Dobřiš beobachteten, mit denen sie úbrigens
auch in Betracht ihres Materiales, námlich Felsitphorphyrconglomerat, vollkommen ©
'ibereinstimmt.
| Die Beschaffenheit der Jinecer Thonschiefer ist ziemlich gleichfórmig; es sind
feinkornige oder dichte thonige Schiefer von dunkelgrůnlicher, an den Ablósungs-
flichen in Folge von Eisenoxydhydrat von brauner Fárbung und erinnern háufig durch
ihren Habitus an dichte Grinsteintuffe, namentlich da, wo sich an Stellen, die
durch eine concentrisch braune Fárbune angedeutet sind, eine Art von Kugel-
bildung entwickelt.
Dem Gesteins- und palaeontologischen Charakter nach vollstándig mit dem
Jinecer Vorkommen ůúbereinstimmend, tritt weit vom Nordrande des eigentlichen
Silurbeckens im Bereiche der azoischen Schiefer und zwar jenseits des máchtigen
:
Porphyr-Berezuges, der diese Schiefer zwischen Půrglitz und Rokycan durchsetzt,
eine nicht breite Zone von Conglomeraten und Thonschiefer zu Tage, die an der
něrdlichen Seite in discordanter Lagerung von azoischen Schiefern mit Kiesel-
schiefereinlagerungen und an der siůdlichen Seite von Afaniten und Porphyren
scharf. begránzt wird, welche letztere in unregelmássiger, erruptiver Lagerung diese
Zone begleiten und einen ansehnlichen Gebirgszug bilden. (Fig. 9.) Das Streichen
NW Skreje Berounka-Fluss Mileč SO
Z =D
| MNE
| P M M Bb
B Azoische Schiefer. L. Lydit. S Conglomeratbánke. C Schiefer mit der Primordialfauna.
P Porphyr. Af Afanit.
Big. 9,
dieser Zone ist nordostlich, das Einfallen sůdostlich. Ihre Breite betrágt 1—3 Kilo-
meter, ihre Lánge von Kouřimecberg, sůdwestlich von Půrglitz, úber Tej-
22
řovic, Skrej, Mlečic bis in die Náhe von Klein-Lohovic ist etwa 15 Kilom.
Die Lagerune der Conglomerat- und Schiefer-Schichten ist vollkommen concordant
3
ja bei Tejřovic beobachtet man nicht bloss eine Wechsellagerung der Conglomerat-
;
|
und der Schieferschichten, sondern wie schon anfanes erwáhnt wurde, erschienen
in den zwischen den Conglomeratbánken eingelagerten sandsteinartigen Grauwacken
auch wirkliche Reste der áltesten Fauna, námlich Schalen der Brachiopodengattung
Orthis. Die Zugehorigkeit der Conglomerate an der Basis der Jinec-Skrejer
Schiefer ist hier demnach sowohl statieraphisch als palaeontologisch ausser allen
Zvweifel gesetzt, da eben bei Skrej in den an Trilobiten reichen Schiefern auch eine
Orthis, námlich die Orthis Romingeri Barr. háufig erscheint, die wahrscheinlich
mit der Tejřovicer Orthis identisch ist.
Wo und auf welche Art die Primordialzone von Skrej mit dem anderen
mittelbohmischen silurischen Gebiet im Zusammenhanse war, ist bisher vollstándie
unbekannt, und man kann nur im Allgemeinen die Vermuthung aussprechen, dass
dieselbe entweder durch spátere Dislocationen, namentlich durch die Porphyraus-
brůche vom Silurterrain abgetrennt wurde, oder dass sie gleich ursprůnelich m
einer fjordartigen Seitenausbuchtung des silurischen Meeres sich bildete.
Die Fauna der Jinec-Skrejer Schiefer (C) besteht vorwaltend aus Trilobiten.
Zu diesen gesellen sich nur sparsam Reprásentanten der Pteropoden, Brachiopoden
und Echinodermen.
Insgesammt haben die Fundorte bei Jinec und Skrej 40 Arten geliefert, dar-
unter Trilobiten mit 2% Arten, Pteropoden mit 5, Brachiopoden mit 2, dann einige
Cystideen und Bryozoen. Die 27 Arten der Trilobiten gehůren T verschiedenen
Gattungen an, unter denen Paradoxides mit 12, Agnostus mit 5, Conoce-
phalites mit 4, Arionellus mit 1 und Ellisocephalus mit 2 Arten die
háufiesten sind und auch ausserhalb Bohmens angetroffen werden, wáhrend die
beiden Gattungen Hydrocephalus mit 2, und Sao mit 1 Art bisher ledielich
bohmische Vorkommnisse sind.
Von Pteropoden ist nur die Gattung Hyolithes vertreten, und weder von
den ihr angehórigen 5 Arten, noch von den 27 Arten der Trilobiten geht eine in
die náchstfolgende jůngere silurische Schichtenstufe úber, so wie von den letzteren
6 Gattungen ausschliesslich auf die Primordialfauna beschránkt sind, und nur aus
der Gattung Agnostus Vertreter in hóheren silurischen Schichtenstufen erscheinen.
Von Brachiopoden erscheinen hier zuerst die Gattungen Obolus und Orthis,
und zwar die letztere in dem tiefsten bisher bekannten palaeozoischen Horizonte.
Der palaeontologische Charakter der Primordialgruppe stellt sich sonach mit
einer g2anz selbststándigen, von allen folgenden Etagen deutlich unterschiedenen
Facies dar.
23
II. Das Gebiet der zweiten Silur-Fauna.
| Dieses Gebiet umfasst im palaeontologischen Sinne die Schichtenstufe oder
Etage D, und seine Verbreitung ist im orographischen Sinne durch die Erstreckung
'der beiden Fliůgel des Brdagebirges, des grossen und des kleinen (Brda und Brdatka),
„deutlich und scharf bezeichnet. Der palaeontologische Charakter ist schon auf-
Mallend vom Charakter der Primordialfauna verschieden. Die zweite Fauna ist
Imámlich viel reicher als die erste und enthált mit Ausnahme von Wirbelthieren
(die Reprásentanten aller Hauptelassen des Thierreiches. Darunter nehmen die Tri-
Jlobiten mit 30 Gattungen noch immer eine dominirende Stellung ein, und nur eine
(einzige Gattung, námlich Agnostus geht aus der ersten in diese zweite Fauna
hůber. Daneben erscheinen Reprásentanten anderer Crustaceen, dann Cephalopoden,
; Pteropoden, Acephalen, Brachiopoden, Gasteropoden, Echinodermen und Polypen.
| Die Selbststándigkeit dieser Fauna wird hauptsáchlich durch die Trilobiten
'angedeutet, die nur im Bereiche derselben vorkommen. Es sind dies. namentlich
I die Gattungen Aeglina, Amphion, Asaphus, Ogygia, Niobe, Placo-
Iparia, Trinucleus, Homalonotus, eine mit Phillipsia verwandte Form
| (Ph. parabolla Barr.), Remopleurides, Dindymene, Dionide und Nileus,
Jund dann von den, auch in anderen Etagen verbreiteten Trilobitengattungen zahl-
Ireiche Species, welche die Gránzen der zweiten Fauna nicht úberschreiten. Auch
die anderen Classen und Ordnungen enthalten einzelne Gattungen, welche aus-
Ischliesslich der zweiten Fauna angehóren, wie Beyrichia aus den Ostracoden,
(Antif Opsis aus den Cirrhipeden, eine Orthocerenform mit marginalem Šipho
((Bactrites Sandbergeri Barr.), Bathmoceras (Conoceras), Endoceras, Lituites
und Tretoceras aus den Cephalopoden.
i Aus den anderen Classen sind die Pteropoden durch die Gattungen Conu-
laria und Hyolithes, die Cephalopoden ausser den bereits frůher erwáhnten
"Gattungen durch Orthoceras; die Acephalen durch Arca, Astarte, Babinka,
Leda, Modiolopsis, Nucula, Redonia, Synek; die Brachiopoden durch
iChonetes, Discina, Lingula, Obolus, Orthis, Orthisina, Paterula,
(Rhynchonella und Strophomena vertreten, von denen die Gattungen Orthi-
isina und Paterula ausschliesslich der zweiten Fauna angehóren und die Gattung
1Obolus aus der Primordialfauna in die zweite Fauna ibereeht.
Die Cystideen sind durch die Gattungen Aristocystites, Dendrocy-
stites, Mitrocystites, Craterina (Barr. M. S.) vertreten, die Gasteropoden
"durch Pleurotomaria, Euomphalus, nebstdem treten auch Graptolithen
und Anneliden sporadisch auf, und Fucoiden sind stellenweise sehr háufig.
Obwohl nun durch die ganzen Schichtentafeln D der palaeontologische Cha-
(rakter eine gewisse Úbereinstimmung darbietet und nicht wenige Arten durch alle
ihre Unterabtheilungen verbreitet sind, so von Trilobiten Acidapsis Buchi,
(Calymene pulchra, Dalmanites Angelini, socialis, Phillipsi, Tri-
mnueleus Goldfussi, Asaphus nobilis u. a., von Brachiopoden einzelne Arten
von Orthis, Paterula, Strophomena, von Pteropoden Conularia bohe-
"
rj<
24
mica, exguisita, Hyolithes striatus u. a. m., so bieten doch die ver-
schiedenen Horizonte dieser Schichtenstufe gewisse Eigenthůmlichkeiten in der
Gruppirung der thierischen Reste dar, dass Barrande auf palaeontologischer Grund-
lage diese Schichtenstufe in fůnf Unterabtheilungen oder Zonen zerlegen konnmte,
die er mit d, bis d, bezeichnete.
Diese Unterabtheilungen sind aber auch petrografisch und orografisch von
einander so unterschieden, dass es scheint, als sei von der wechselnden Art des
jeweilicen Sedimentes die reichere oder spárlichere Entfaltung des organischen
Lebens in einer gewissen Abhángigkeit gewesen.
Der petrografisch-orografische Charakter dieser Unterabtheilungen oder Zonen
stellt sich in folgender Weise dar.
Die Zone d; an der Basis der Etage D besteht aus Grauwacken und Schiefern
mit Diabas- und Eisensteineinlagerungen und ist am áusseren gegen den Rand des
Silurbeckens abfallenden Fusse der von der náchstfolgenden Zone gebildete Gebirgs-
růcken entweder im flacheren Terrain oder in den Terrainfurchen derselben verbreitet.
Die Zone dy, aus festen guarzitischen Sandsteinen oder Grauwacken beste-
hend, bildet die eben erwáihnten Gebirgsrůcken und erscheint symmetrisch zu beiden
Seiten der Silurmulde in der Gestalt von mehr oder weniger steil gehobenen zu
Tage ausgehenden Schichtenkópfen, lánes welcher die Kámme des Brdagebirges
verlaufen.
Die Zone d,, aus weicheren důnnbláttrigcen und dunklen Thonschiefern
bestehend, schmiegt sich an die gegen die Mitte des Beckens gerichteten Berg-
abhánge der vorhercehenden Zone an und bildet den flachen Fuss derselben ohne
durch besondere Terrainformen sich auszuzeichnen. |
Die Zone d, besteht aus Grauwackenschiefern mit untergeordneten Lagern
von guarzitischen Grauwacken und nimmt das flachhůgelige Terrain der breiteren
Thalgegenden ein, welche sich zwischen dem Kalksteinplateau des silurischen Cen-
trums und zwischen den guarzitischen Bererůcken der Zone d, ausdehnen.
Die Zone d; endlich, in tieferer Lage aus weichen Thonschiefern und in
der hóheren Lage aus guarzitischen Grauwacken und Sandsteinen bestehend, bildet
den Aussenrand des inneren kalkigen Silurterrains, an dessen Saume sie strecken-
weise auch in nicht hohen aber scharfen Bergrůcken auftritt, und zwar so, dass
sie mit dem innersilurischen Kalkterrain ein zusammenhángendes orographisches
Gebiet bildet.
Wir wollen nun die Verbreitune dieser Zonen in úbersichtlicher Darstellung
erláutern.
1. Die eisensteinfihrende Zone d..
Diese Zone wird namentlich durch die Lager von Eisenerzen charakterisirt,
welche sie in ihrer ganzen Ausdehnung begleiten, so dass wir sie als die vorzugs-
weise eisensteinfůhrende Zone unseres Silurs bezeichnen kónnen.
Sie ist am deutlichsten im sůdwestlichen Theile unseres Silurbeckens entwickelt
und besteht daselbst aus drei deutlich unterscheidbaren Schichtenabtheilungen, die
wir mit den Zeichen d, «, B, y bezeichnen.
a) Die tiefste Schichtenabtheilune d;«, die nur in der Umgebung von Jinec
|
|
|
|
2D
auf den Schiefern (C) der Primordialfaune ruht, sonst aber úberall unmittelbar den
azoischen Schiefern aufgelagert ist, besteht aus sandsteinarticen guarzigen Grau-
- wacken oder Conglomeraten. Sie ist namentlich auf der Krušná hora bei Hudlic
charakteristisch entwickelt, wesshalb sie auch mit dem Namen Krušnáhora-
Schichten bezeichnet wird.
Die Grauwacken oder Sandsteine dieser Schichten sind ein Gemenge von
weissen, grauen und róthlichen Ouarzkórnern mit stellenweise reichlich beigemengten
Feldspathtrůmmern, oder mit aus der Zersetzune derselben entstandenem kaolinischen
Bindemittel. Einzelne Lagen dieser Sandsteine sind reich an einer glaukonitischen
Beimengunc und erscheinen dann oft in aufallend grůnlicher Fárbung, wobei zugleich
ihre Substanz milder und ihre Štruktur feinkórniger ist. Manchmal ist das Gestein
durch beigemenetes Eisenoxyd rothlichbraun gefárbt. An einigen Orten, so namentlich
am Stradiště bei Plzenec, am Kvásek bei Zbirov, ist das Bindemittel durch eine
Art von Speckstein vertreten und tritt in so grosser Menge auf, dass die Auarz-
kórner in demselben fast verschwinden. Meistentheil herrscht aber kieseliges Binde-
mittel vor, und das Gestein geht dann, wenn die Sandkórner klein sind, in ein
Ouarzit áhnliches Gestein úber; sind aber die Kórner gross oder gehen sie in
gróssere Geróllstůcke úber (Ouarz, Kieselschiefer, harte Schieferfragmente), so ent-
wickelt sich aus dem Grauwackensandsteine ein guarziges Conglomerat, welcher den
Conglomeraten des Třemošnagebirges an manchen Stellen ganz áhnlich ist. Mit
den Grauwacken wechsellagern auch kieselige Schiefer gewóhnlich dicht oder fein-
kórnig und meist rothbraun gefárbt, und in streifenweisen Lagen in eine Art von
Hornstein úbergehend (St. Beniena). Im óstlichen Theile des Silurgebietes erscheinen
in der tiefsten Zone der Etage D unmittelbar úber den azoischen Schiefern ver-
schieden gefárbte mehr oder weniger kieselige Schiefer, deren Unterlage manchmal
eine Art von Breccie von Bruchstůcken des azoischen Gesteines mit kieseligem Binde-
mittel bildet (Šárka), durch welche die groben Grauwacken und Conglomerate des
westlichen Silnrgebietes vertreten werden. Die mittelkórnigen festen sandsteinartigen
Grauwacken aus der Umgebung von Cerhovic, Zbirov und Rokycan (Kotel) geben
em gutes Steinmetzmaterial.
In -den Auerklůften dieser Grauwackenschichten treten verschiedene Mineralien
auf; so die bekannten schónen Wavellite bei Cerhovic, die auch bei St. Benigna,
am Hůgel Milena bei Chesnovic u. a. a. O. vorkommen; ferner kommen auch Bar-
randit, důnne Krusten von Psilomelan, Pyrolusit, Drusen von Auarzkrystallen und
am Kotel bei Rokycan auch Baryt in grósseren Krystallen vor.
Die Máchtigkeit der ganzen Schichtengruppe betrágt 20—830 Mt. Organische
Reste erscheinen im Bereiche der Zone d,« nur sparsam, und zwar sind es blos
Brachiopoden in 21 Arten; Trilobiten wurden bisher in dieser Zonenicht gefunden.
Die Conglomerate und grobkórnigen Grauwacken enthalten keine Petrefakten ;
aus den Grauwackensandsteinen sind 2 Arten Discina, 7 Arten Lingula und
eine Orthis bekannt; darunter sind die gewoóhnlichsten Discina sodalis, Lin-
gula Feistmanteli; in den kieseligen Schiefern kommt eine Art Discina,
6 Arten Lingula, eine Orthis und drei Obolus vor; besonders háufig erscheinen
Lingula transiens und Orthis incola, aber doch blos an einzelne Fundorte
gebunden (Krušná Hora, Hradišť bei Nischburg, Cerhovic, St. Benigna). Ausserdem
fand K. Feistmantel auch Reste von Spongien, stellenweise in ziemlich zahl-
26
reichen Nadeln, und zwar stets nur in den kieseligen rothen Schiefern (Hradiště,
Točník, St. Benicna, Ivina).
b) Die mittlere Schichtenabtheilung d,P, nach ihrem charakteristischen Vor-
kommen bei Komorau auch die Komorauer Schichtengruppe genannt, scheidet
sich scharf von der ihr untergelegten Grauwackenzone ab und ist daher leicht er-
kennbar; auch tritt sie úberall in der ganzen Verbreitung der d, Zone auf. Vor-
zůglich sind es Grůnsteine, námlich Diabasen, die sie charakterisiren, und die in
verschiedenen krystallinischen und aphanitischen Varietáten, als Mandelsteine, Kalk-
aphanite und Tuffschiefer erscheinen. In genetischer Verbindung mit diesen errup-
tiven Gesteinen treten Eisensteineinlagerungen auf, mit mehr oder weniger unter- -
oeordneten Schiefergesteinen. Die Eisensteine sind vorwaltend Rotheisensteine ge-
wóhnlich in oolithisch Structur. Ihre Máchtickeit im Streichen der Schichten ist
sehr wechselnd; sie erreicht 10 bis 12 Meter, keilt sich aber allmáhlich beider-
seitie ab, so dass die Eisensteine lenticulare Erzlager bilden.
Diese setzen sich dann háufig nur in schwachen Schnůren fort, bis sie aber-
mals zu grósserer Máchtiekeit anwachsen. Auch folgen mehrere schwáchere Lager
úbereinander, getrennt durch diabasische Gesteine oder thonige Schiefer. Da. auch
diese letztere bald in máchtigeren Zonen auftreten, bald aber wieder sich sehr ver-
schwáchen, so ist die Máchtigkeit der ganzen Zone d,B an verschiedenen Orten
sehr verschieden, sie wechselt von 50 bis úber 100 Meter, wobei aber die mannig-
fachen Auerbrůche und Verwerfungen die Bestimmune der eigentlichen Máchtickeit
erschweren.
Die stellenweise den Eisensteinlagern eingeschalteten Schiefer sind von thoniger
Beschaffenheit, oft diůnnbláttrig, schwarz oder dunkelegrau und ziemlich reich am
weissen Glimmerbláttchen, nicht selten werden sie etwas eisenháltic.
An der Basis der Zone, der Unterlagerune der Eisensteinlager, erscheinen
gewóhnlich Tuffschiefer in manniegfachen Varietáten, aus bunt gefárbten, grůnen,
orauen, gelben, róthlichen, violetten, bald mehr dichten, bald mehr lockeren, háufig
mit Kalk imprágnirten Schichten bestehend; und dieser Wechsel der Tuffe wieder-
holt sich auch unter einem zweiten, hoheren Eisensteinlager, wáhrend die eigentlichen
Diabasen zwischen den Eisensteinlagern oder im Hangenden derselben oder in selbst-
stándigen Massen erscheinen. Letztere sind nicht selten die vorwaltenden Vertreter
der ganzen Zone und wo sie zu Tage anstehen, bilden sie abgerundete Hůcel, deren
durch Verwitterung entstandener braunrother Boden sie von weitem schon verkůndet.
Auf den die Eisensteine durchsetzenden Klůften kommen verschiedene Mineralien
vor, wie Calcit, Braunspath, Ouarz, Eisenspath, Baryt, Pyrit, Sphalerit, Galenit,
Zinnober, letzterer besonders am Giftberge bei Hořovic, dann bei Svatá und Březina
unweit Radnic.
In palaeontologischer Beziehune ist auch diese Zone sehr arm. Von Trilobiten
sind es blos Harpides Grimmi und Amphion Lindaueri, die aus den Ge-
steinen der Eisensteinlager am Berge Hlava unweit St. Benigna herrůhren.
In den rothen Eisensteinen der Ouzkýzeche bei Holoubkau kommen kleine
kugelfórmige Cystideen vor und nebstdem von Brachiopoden: Orthis Grimmi,
SOror und potens; im Eisensteinlager der Krušná hora wurde Obolus com-
plexus gefunden; sonst ist in dieser Zone Orthis desiderata háufig. Ausser
diesen wenigen Arten sind es nur noch Bruchstůcke von Conularien, unter denen
ji
27
sich Conularia modesta bestimmen liess, dann einzelne Graptolithen (darunter
deutlich erhaltene Exemplare von Didymograptus), welche im Bereiche dieser
Zone und zwar in den dunklen Schiefern zwischen den Eisensteinlagern der Krušná
hora vorkommen. Letztere Art wurde auch in den Schiefern zwischen den Eisen-
steinen bei Libečov, und Lineula lamellosa in áhnlichen Schiefern bei Svárov
gefunden.
c) Die obere Schichtenabtheilune d;,y, nach ihrem charakteristischen Vor-
kommen bei Vosek unweit Rokycan und bei Kvaň auch die Vosek-Kvaňer
Schichtengruppe genannt, besteht hauptsáchlich aus wenie harten, dunkelgrauen
bis fast schwarzen, mehr oder weniger glimmerháltigcen Thonschiefern, mit denen
untergeordnete Lager einer feinkórnigen guarzigen Grauwacke abwechseln. Diese
guarzitischen Grauwacken erscheinen besonders in den hoheren Schichtenhorizonten,
und zwar gewóhnlich nur in schwácheren Lagen und nur stellenweise, wie bei
Plzenec bis zu 1"/, M. máchtic.
Nicht selten, wie bei Troja, zerfállt der Schiefer durch eine transversale Zer-
klůftung in grobstáneliche Stůcke, an anderen Orten erscheinen die Schichtungs-
fláchen wulstig und knotig, gewóhnlich aber ebenfláchig.
Eine besonders diesen Schiefern eigenthůmliche Erscheinuneg sind kugelrunde
oder auch ovale Concretionen einer kieselig thonigen Gesteinssubstanz von Nuss-
bis Faustgrósse, ja in einzelnen Exemplaren bis zur Kopfgrósse. Diese runden
Concretionen scheiden sich aus den verwitterten Schiefern aus, und man findet sie
namentlich im Ackerboden, da wo er diese Schiefer bedeckt. Sie enthalten zahl-
reiche organische Reste, die in ihnen, des festeren Materiales wegen in meist gutem
Erhaltungszustand sich befinden. Die vorzůglichsten Fundorte dieser Petrefakten-
fůhrenden Kugeln sind Vosek bei Rokycan, die Umgebung von Mauth, Klein-Přílep,
Šárka und Modřan-Neuhof bei Prag und Ouval.
Auch diese Schieferzone enthált háufio Eisensteineinlaceruncen. Aber es sind
nicht mehr Rotheisensteine, wie in der vorhergehenden Zone, sondern vorwaltend
dunkelgraue oder schwarze Eisenoxydul-Silicate, gewóhnlich schiefrie und dicht,
seltener oolitisch. In schwachen Lagen gegen das Ausgehende zu sind dieselben
gewóhnlich in Limonit umgewandelt. Ihre Máchtigkeit ist gewóhnlich sehr gering;
in grósseren Lagern treten sie nur bei Zlejčina unweit Beraun, dann am Roudný
bei Zdic, und besonders am Račberge bel Rokycan auf. Die Gesammtmáchticgkeit
dieser Zone mag zwischen 40—80 Mt. betragen.
In palaeontologischer Hinsicht ist diese Schichtenzone durch den plótzlich sich
entwickelnden Reichthum der palaeozoischen Fauna ausgezeichnet. Den gróssten
Theil der Petrefakten lieferten die kugelartigen Concretionen, weniger háufig sind
sie in den Schiefern, aber gerade diese lieferten in einem Stollen bei Kozojed unweit
St. Benigna die schónsten und best erhaltenen Exemplare.
In dieser Fauna erscheinen die Trilobiten allein schon mit 22 Gattungen,
unter denen nur die Gattung Agnostus aus der Etage C und Amphion aus
der Zone d,B herůberreicht, wáhrend alle anderen hier zum erstenmale auftreten.
Diese 22 Gattungen sind durch 47 Arten vertreten.
Die meisten Gattungen dieser Trilobiten setzen sich in die náchst hoheren
Schichtenabtheilungen der Etage D fort, und es sind nur drei Gattungen, welche
als ausschliesslich der Zone d,y angehórie sich erweisen, námlich Barrandia,
28
Bohemilla und Harpina. Dagegen sind 36 von 47 Arten, welche dieser Zone
ausschliesslich angehóren, wodurch schon die palaeontologische Selbststándigkeit
derselben sich ausprágt. Durch ihre Háufigkeit und ihre Verbreitung in der ganzen
Zone bemerkenswerth sind besonders Placoparia Zippei, Illaenus Katzeri,
Dalmanites atavus, Calymene Arago, Ogygia desiderata und Tri-
nucleus Reussi.
Ausser den schon angefůhrten drei Gattungen Amphion, Barrandia
Bohemilla und Harpina sind es noch die Gattungen: Acidaspis, Aeglina,
Asaphus, Niobe, Areia, Calymene, Carmon, Cheirurus, Dalmanites,
Dindymene, Dionide, Illaenus, Nileus, Lichas, Ogygia, Placoparia,
Proetus, Trinucleus, welche durch mehr oder weniger zahlreiche Arten ver-
treten sind.
Zugleich mit den Trilobiten erscheinen Reprásentanten aus fast allen Classen.
So kommen unter den Crustaceen die ersten Cirrhipeden vor, námlich die Gat-
tungen Plumulites, Anatifopsis und die ersten Ostracoden, námlich Bey-
richia und Primitia; hier erscheinen die ersten Vertreter der Cephalopoden
mit den dieser Zone eigenthůmlichen Gattungen Bathmoceras (Conoceras) und
Tretoceras neben der frůher erwáhnten fraglichen Bactritesform und
17 Arten Orthoceras, so wie 3 Arten Endoceras; die Acephalen mit 5 Gat-
tungen: Babinka, Leda, Nucula, Redonia, Synek, darunter die. durch
zahlreiche Individuen bemerkbare und nicht weiter hinauf steigende Redonia
bohemica. Ferner sind die Pteropoden durch die Gattungen Conularia und
Hyolithes vertreten, die Heteropoden durch Bellerophon, wovon die Art
B. nitidus besonders háufig erscheint; es zeigen sich die ersten Gasteropoden ;
die Echinodermata erscheinen in mehreren Gattungen, darunter Asterias und
Trochocystites, auch Graptolithen treten auf, darunter wieder die Gattung
Didymograptus; endlich die Brachiopoden mit Arten aus den Gattungen Cho-
netes, Discina, Lingula, Orthis, Orthisina, Rhynchonella, Štro-
phomena, doch in verháltnissmássig geringerer Entwicklung.
Im Ganzen hat die Fauna der Zone d, 120 Arten geliefert.
Die Verbreitung der Zone d,.
Mit Ausnahme des sůdwestlichen Theiles des bohmischen Silures, wo námlich
die Třemošnaconglomerate und die Schiefer der Etage C seine Basis bilden, erscheint
die eisensteinfůhrende Zone d, iúberall als die tiefste Schichtenzone des eigentlichen
Silursystemes und die zu Tage anstehenden Gesteine derselben bilden die ussere
Begránzung desselben und zwar durchgehends auf der azoischen Schieferunterlage.
Nebstdem erscheint diese Schichtenzone noch in vier isolirten gegen Nordost gereihten
linelichen Inseln auf azoischem Schieferterrain zwischen Zbirov und Nischburg,
nordlich vom zusammenhángenden Silurbecken und dann auch lángs einer grossen
Dislocationskluft im Gebiete der Grauwackenschieferzone d, nahe an der nordlichen
Silurgránze vom Plešivecberge bei Neuhůtten unweit Beraun angefangen im nord-
ostlichen Štreichen úber Nenačovic, Košíř úber Prag bis gegen Chvala.
1. Beginnen wir die Úbersicht dieser Zone am siidwestlichen Ende des bóh-
mischen Silurbeckens, so finden wir, dass hier in der Erstreckung von Plzenec bis
29
Rokycan dieses Becken fast ausschliesslich aus Schichten dieser Zone gebildet wird,
indem ber diesen Schichten nur einzelne Hůgel- und Bergkuppen isolirte Parthieen
von guarzitischen Gesteinen der Zone d, tragen, offenbar als Reste einer ehedem
allgemeinen Bedeckung der eisensteinfůhrenden Zone durch die GAuarzitsrauwacken
der Zone d,. Den šussersten sůdwestlichen Punkt des Silurbeckens bildet hier der
eine alte romanische Kapelle tragende Hůgel Hůrka (429 M.) bei Plzenec am
rechten Ufer der Uslava, gegenůber der máchtigen Kieselschieferklippe, auf der
die Reste einer uralten Burg, der Radyně (565 M.), emporragen. (Fig. 10.) Auch
NW Stý Aoké Vo Skalice Lhota. TO)
| | dž | |
mus (2 ©. S77 DR
Ian |
Pp a B B
B Azoische Schiefer. L Lydit. d,afGy, d, Silurische Zonen. P. Porphyr.
Fig. 10.
auf dem Hůgel Hůrka erblickt man Reste alter Wálle, und zwar auf guarzitischem
Gesteine, das die Kuppe dieses Hůgels bedeckt. Dieses Gestein erstreckt sich, von
einer Schlucht unterbrochen, nordostlich auch auf die Kuppen der Hůgel Sutice
und Skalice (461 M.) zwischen Mokrouš und Timakov, und desseleichen bildet es
auch die Kuppe des Hůgels Stradiště (496 M.) nordlich von Plzenec, so wie die
Kuppe des Waldberges Čilina (520 M.) zwischen Mokrouš und Ejpovic. Bei
Letkov ist eine kleine Parthie von Kohlensandstein (mit schwachen unbauwůrdigen
Kohlenflótzen) abgelagert, aus welchem das kaolinische Bindemittel als feuerfestes
Material gewonnen sind. Alles úbrice anstehende Gestein gehórt der Zone d, an.
(Fig. 11.) Dieselbe nimmt hier eine flach gewellte Gegend ein, die beckenartig
NW
klabava. Ejp ovice. Čílina.
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1 l n l KD SU RAS ID S == == L=L==—=S=LÉ
P lobtabů ap ď U
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Bezeichnung wie bei Fig. 10. n Alluvium.
Fig. 11.
zwischen den bei Sedlec auftretenden Porphyrfelsen und den Kieselschieferklippen
der azoischen Schiefer in den Šťáhlaver Wáldern (na Toku 559 M.) und zwischen
-dem Waldrůcken oberhalb Letkov, in einer Breite von 6 und einer Lánge von 12
Kilom., námlich bis zum Fusse des Berges Žďár (627 M.) sich erstreckt. Alle
drei Zonen der Schichtenabtheilung d, sind hier vertreten.
Die Grauwackensandsteine d; «, einzelne Brachiopoden enthaltend, treten
deutlich zu Tage namentlich in einem Šteinbruche am nordlichen Fusse des Stra-
90
P
we“
U
B Azoische Schiefer. P Porphyr. S Conglomeratbánke. d,afy, d, Silurische Zonen. K. u. Steinkohlenformation,
Pio. 12.
dištěhůgels auf azoischen Schiefern gelagert, dann am
sůdlichen Rande des Beckens bei Lhota, wo sie vom
Porphyr durchbrochen sind. Sie ziehen sich dann am
sůdlichen Rande des Beckens, grósstentheils von Feld-
und Waldboden bedeckt, auf azoischem Schiefer und
Kieselschiefer-Untergrund in nordóstlicher Richtune auf
den Berg Kotel (574 M.) zwischen Rokycan und Ve-
selý; sie bilden die Kuppe dieses Berges und sind an
der Sůdseite des Berges von Porphyr durchbrochen,
wáhrend auf der Nordseite desselben Grůnsteine und
Eisensteine d, B und die Schiefer d,y mit einer Scholle
von Auarziten (d,) bedeckt, am Abhange sich hinauf-
ziehen. In den sandsteinartigen Grauwacken ist hier
ein grosser Bruch fůr Werksteine angelegt.
Óstlich und sůdlich vom Kotel, in der Einsenkung
zwischen Raková, Hrádek und Kocanda bis zum Fusse
des Žďár wird das Terrain von meist feinkórnie grůn-
lichen Grauwackensandsteinen eingenommen, die nórd-
licherseits nur von schwachen Andeutungen diabasischer
Gebilde begleitet, unter die Schiefer d, y einfallen.
Eisensteinlager der Zone d,B sind durch nun
orósstentheils aufeelassenen Bergbau am Fusse des Stra-
diště und bei Chachov (Limonit) aufgeschlossen, na-
mentlich treten sie aber zu Tage zwischen Kyšic, Ejpovice
und Klabava am Nordrande des Beckens im Klabava-
thal, wo sie fůr die Hůttenwerke der Umgebung im
orósseren Maasse bergmánnisch abgebaut werden.
Die obere Schichtenzone d, y bildet den gróssten
Theil des Felduntergrundes und man bemerkt nach dem
hie und da anstehenden Gesteine eine flache wellen-
fórmige Ablagerung derselben. Am Hůgel Hůrka be-
merkt man einen kleinen Porphyrguarz in diesen Schie-
fern, als Andeutung, dass das Empordringen der Por-
phyre in die Periode der eisensteinfůhrenden Zone
andauerte.
In den Feldern bei Vosek nordlich von Rokycan,
da wo der nordliche Saum des hůceligen Terraines dieser
Zone durch azoische Schiefer und Kieselschieferklippen
begránzt wird, ist ein Hauptfundort der Petrefakten
fihrenden Kugeln und Knollen der Zone dy.
2. Óstlich von Rokvcan nimmt dieses Schiefer-
terrain die Thalmulde ein, welche lánegs des Hammer-
baches und der Westbahn úber Holoubkau und Mauth
sich erstreckt und geht dann zwischen Mauth, Kařez
und Wolešna in ein flaches Teichplateau ber. Die st-
liche und sůdostliche Begránzung dieses Schieferterrains
(dy) bilden die schroffen und hohen waldigen Berge
der Třemošnaconelomerate, vom Wusse des Zďár an-
- gefangen, zum Fusse des Trhoň bei Holoubkau und
seines ostlichen Ausláufers, des Spaleniště und Pískový
vrch zwischen Medo-Újezd und Chesnovic. (Fig. 12.)
Im westlichen Theile des Terrains nordlich von
L der Aerarialstrasse zwischen Rokycan und Mauth ent-
- wickeln sich aber in demselben mit nordostlichem Strei-
chen drei ansehnliche, parallele, waldige Bergzůge,
- námlich der Vydřiduch (540 M.), der Chlum (560
Mt.) und der Radeč oder Rač (715 Mt.) mit seinen
© Ausláufern, welche dieser Gegend einen gebirgigen Cha-
rakter verleihen. (Fig. 19.)
Den Kern dieser Berge bildet Porfyr, und. zwar
| jenes sůdwestlichsten Ausláufers des máchtigen Porfyr-
| zuges, der im Gebiete der azoischen Schiefer von Půrg-
| litz durch die Zbirover Wálder bis hieher sich erstreckt,
und hier durch seine Contactverháltnisse mit der Zone
| d, und d, als ein Eruptivgebilde sich erweist, dessen
Bildung in die Zeit nach der Ablagerung dieser Schichten-
| zonen fállt. Denn es werden hier nicht blos die Schichten-
zonen der Abtheilung d, in einzelne manniefach zer-
| sprenste und gehobene, parallel zu den Bergzůgen ver-
| laufende Streifen zertheilt, sondern es erscheinen auch
| die guarzitischen Schichten d,, von denen die Zone d,
© bedeckt ist, in einzelnen Schollen und Parthieen, hoch
oben auf den Kuppen der Berge.
BIT
'nonoz oyosunjg p dop 'oyuvgaeiomojsuog © aÁydro4 Z
Auch hier sind alle drei Schichtenzonen der Gruppe
-dd entwickelt.
Die tiefste im ostlichen Theil des Gebietes auf
« Třemošnaconelomeraten und im westlichen und nórd-
"lichen Theile auf azoischem Schiefergesteine und auf
Í Kieselschiefern ruhende Grauwackerzone d,e tritt nur
(in einzelnen Parthien zu Tage; ihre allgemeine Ver-
breitung als Basis der eisensteinfihrenden Schichten ist
, aber durch Bergbau erwiesen. Man sieht sie auf Třemošnaconglomeraten ruhend bei
( Med. Ujezd und Chesnovic, und auf azoischem Schiefergesteine namentlich am
| Nordrande des Silurbeckens vom Fusse des Račberges bei Těžkov angefangen úber
„Širé zum Hůgel Kvásek (502 M.) sůdlich von Zbirov und am Třenicer Bere
+ (900 M.) bei Cerhovic, wo diese Sandstein-Grauwacken und Conglomerate in statken
„mehr oder weniger steil gehobenen Schichtenbánken kammartig zu Tage anstehen
'und durch Steinbrůche aufgeschlossen sind. (Fig. 14.)
Eisensteinlager und die sie begleitenden Diabasgebilde und Schiefer der Zone
"d,B kommen am Fusse des Žďar bei Hůrky vor, dann bei Mauth, wo bei der
(isolirt stehenden Stephanskirche Grůnsteine und am nahen Teiche dunkle Eisen-
D2
oxydulsilikatlager zu Tage treten. Eben so erscheinen Grůnsteine und. oolithische
Eisensteine bei Chesnovic. Ein Lager von rothen Eisensteinen ist in der Zeche
Ouzký bei Holoubkau durch Bergbau aufgeschlossen, und áhnliche Erzlager wieder-
holen sich an den Bergzůgen, welche das Terrain zwischen Holoubkau und Radnic
bilden und von dem hohen Bergrůcken Rač beherrscht werden.
Ein bis 4 Meter máchtiges in der Richtung von West nach Ost weit anhal-
tendes Eisensteinlager ist am nordlichen Abfall des Račberges aufgeschlossen. © Es
ist schwarzes Eisenoxydulsilikat, und geht gegen das Ausgehende in Limonit úber.
Das Hangende bilden Schiefer der Zone d;y und weiter hinauf Auarzite der Etage
d,. Im Liegenden sind die beiden Schichtenzonen d,B und d;,«, die auch sonst
an anderen Stellen des Gebirges durch Ausbisse angedeutet sind, durch Bergbau
nachgewiesen, und hnliche Verháltnisse walten auch an den anderen hiesigen
Bergrůcken, deren Kern, wie schon frůher erwáhnt wurde, aus Porphyr besteht.
Namentlich sind Eisensteinlager in der westlichen Fortsetzung des Rač verbreitet,
so ober Přivětic, bei Glashůtten und bei Březina, im Berge Hradišt, dann im Berge
Plechač, sowie auch in dem nordlich von Rač am ussersten Rande des Silures
aufsteigenden Berge Bílá Skála (597 M.) und Bechlov bei Sebečic, wo auf
Porphyrunterlage und von Auarzit der Etage d, bedeckt alle drei Schichtenzonen
« By auftreten, von denen die Zone d,B abbauwůrdige Rotheisensteinlager und Li-
monite fůhrt. (Siehe Fig. 12.)
Die sonst zu Tage tretenden, die Berglehnen und Tháler und die flache Ge-
gend zwischen Mauth und Volešna bedeckenden Gesteine gehóren insgesammt der.
Schieferzone d,y an, in welcher hier an einigen Punkten, so unter der Adalberti-
kapelle bei Mauth, dann in den Feldern bei Siré und Volešna zahlreiche Knollen.
und Kugeln mit Petrefakten vorkommen. Im Walde bei Holoubkau ist eine ganz
kleine Mulde mit Kohlensandstein, deren Basis Schiefersteine mit Kohlenschmitzen
bilden, abgelagert. Sonst bedeckt Ackerboden den Schiefergrund, und man kamn
ihn von Mauth úber Kařez und Borek sůdlich von Zbirov bis Točník verfolgen und
man bemerkt hiebei, dass die Grauwackenzone (d,e) sammt dem sie begleitenden
Eisenerzzuge (d,B) ústlich von Třenic am Fusse des hoheren azoischen Schiefer-
berges Obiš unter den Schiefern dieser Zone d,y und unter Gebiresschutt und ver-
wittertem Erdreiche sich verbiret und erst bei Točník wieder deutlich zu Tage tritt.
NW SO
Kvásek. Borek. Kařízek. Hřebeny. |vina, Žaječov. Kváň.
Pí
B Azoische Schiefer. L Lydit. P Porphyr. S Conglomeratbánke d,eGy, d, Silurische Zonen.
n Alluvium..
Fig. 14.
9. Die óstliche Begránzung dieses flachen Schieferterrains bildet bei Kařez
ein waldiger aus Ouarziten der Etage d, bestehender Růcken, dessen scharf abge-
33
"sehnittener Rand ober Volešna den Namen Hřebeny (564M.) fůhrt und der schon
Vzu dem zusammenhůngenden (uarzitzuge gehěrt, der den Rand des mittleren
"Theiles unseres Silberbeckens andeutet. (Fig. 14.)
V Durch eine antiklinale Hebung ist diese Auarzitdecke óstlich von Kařez zer-
sprenet und es kommen in der hiedurch entstandenen Bruchlinie diabasische Ge-
| mit Rotheisensteinlagern zum Vorschein, die bei Kařizek am Kařezberg
«(561 M.) abgebaut werden.
| Eine zweite orographisch noch deutlichere antiklinale Schichtenfaltung ent-
i
wickelt sich im ostlichen Theile des besprochenen Schiefer-
Hterrains (d;y). Sie folet von Chesnovic úber Volešná und
tIvina gegen Neřežín einem nordostlichen Streichen, und
«bildet einen Berezug, der parallel zu dem aus Třemošna-
/conglomeraten bestehenden Bergzug des Beran und Be-
'ranec bei Kvaň sich erstreckt und eine antiklinale Mulde
der Schichtenabtheilung d, mit allen ihren drei Zonen «By
Meinschliesst, die zu oberst in der Mitte der Mulde von
«Auarziten der Etage d, bedeckt wird. (Fig. 15.)
| Diese Mulde greift bei Strašic in das Lángsthal
ein, durch welches der frůher erwáhnte vierte und fůnfte
Berezug der Třemošnaconelomerate von einander getrennt
„wird. Man bemerkt die antiklinale Hebung der Schichten-
a oilung d, zuerst deutlich an der Strasse zwischen
o und Strašic am Hůgel Milina (563 M.) bei Ches-
(movic, und trifft daselbst sowohl die sandsteinartigen
EGrauwacken und Conglomerate, als auch rothe, kieselige
"Schiefer der Zone d,e und ein eisensteinfihrendes Lager
(an, in dem durch Tagbau Eisenerz gewonnen wird,
jwáhrend die Grauwacken durch Šteinbrůche aufeeschlos-
j'sen sind.
: In der nordostlichen Fortsetzung der antiklinalen
|Hebung erhebt sich dann der ansehnliche, theilweise be-
fwaldete Berg [vina (609 M.) ober dem Dorfe gleichen
|Namens, von dessen Gipfel eine vorzůsliche Úbersicht
des hiesigen Silurterrains sich darbietet. Der Kern des
|Berges besteht aus Porfyr, die něrdlichen und sůdlichen
MN
PNS
"G1 3
EU“ dod
C3
| Abhánge desselben bestehen aber aus steil mit entgegen- -
(cesetzter Steigung gehobenen rothen guarzigen Schiefern, = <
jan die sich zu beiden Seiten des Berges diabasische s S
| Gesteine und Erzlager anschmiegen, die namentlich an Ň » F
Ider Sůdseite des Berges bei Zaječov durch Bergbau ce
(aufgeschlossen sind. :
Zwei Ouertháler, námlich das des St. Benigna-
baches und das des rothen Baches unterbrechen die
Fortsetzune des antiklinal gebauten Bergzuges. Zwischen
Idiesen Thálern erhebt sich der Berg Hlava (542 M.),
Inmd auf den Gipfel desselben zieht sich von der Mitte
OS
a4
der St. Benignamulde der Ouarzit der Etage d, hinauf, der die Schiefer d,y und
die eisensteinfůhrende Zone d,B bedeckend sich von da aus auf die Berge ober-
halb Komorau und Mrtník ausbreitet und mittelst des Giftberges (Jedová hora
D30 M.) schon mit den Auarziten des innersilurischen
Beckens zusammenhánet. Diabasgebilde und Eisenstein-
fůhrende Schiefer deuten in den Thaleinschnitten und
in den Schluchten unter der mannigfach zersprengten
Auarzitdecke die Verbreitung und die Lagerung der
= Schichtenabtheilung d, an.
: a Auf der Nordseite des Auarzitstreifens (d,) ver-
R folot man die eisensteinfiihrenden Tuffe und Grůnsteine
mit eingelagerten Eisenerzen (d,B) und aufgelagerten
Schiefern (d;y) von den Dórfern Kleštěnic und Ivina úber
= Komorau, bis diese Gebilde an der sůdlichen Thallehne
5 des rothen Baches bei Vosek unter einer Auarzitdecke
o (d,) sich verbergen. (Fig. 16.)
An der Sůdseite des Auarzitstreifens und angelehnt
2: © an die Třemošnaconglomerate des Beranberezuges be-
= merkt man den óstlichen Saum der Schichtenabtheilung
d, schon im Thale bei Strašic, wo die Grůnsteine in
; kleinen Hůgeln anstehen und man verfolet die Eisen-
5 = erzzone von da in nordostlicher Richtung ůúber Těny,
8
o)
|
|
0
ová Hora.Neřezín. Beranec.
Hvozd gc. Čihadlo,led
i f :
V, E
su UT R jů
Gift-Bero
Hm 1
TTL
Oo oo
= Kváň (St. Benigna), Kozojed, Neřežín guer ůúber das
' ň Thal des rothen Baches bis zum sůdlichen Abhange des
von Auarziten (d,) bedeckten Giftberges, und von da
weiter nordostlich in einem engen Štreifen zwischen.
N steil gehobenen Auarziten (d,) einerseits und Třemošna-
4
Komorau
SŘ
Fig. 16
M = conelomeraten und Jinecer Schiefern (C) anderseits durch.
| die Podluher Wálder zum Berge Ostrý (581 M.), der
| oberhalb Felbabka als eine markante Hóhe diesen Zu“
4! = abschliesst, indem vom Nordfusse dieses Berges bel
l ZDE Rpety die weitere Fortsetzung der Auarzite und der.
Eisenstein fůhrenden Zone von Grauwackenschiefern der
| Abtheilung d, bedeckt wird. (Fig. 17, S. 35.) Die Eisen-
Záluží
steinlager sind in diesem Zuge an vielen Orten auf-
geschlossen, so namentlich bei Kváň, Neřežín, am Gift-
berge und am Ostrý, und man kann die in allgemeinen
m Umrissen anfanes geschilderten Verháltnisse dieser Zone
=
= M in den verschiedensten Variationen hier studiren. 80
<- liegt in den Grubenbauen bei Kváň von unten nach oben
k eine Bank braunrother mandelsteinartiger Diabastufie
= bis 3 M. michtie, darůber eine Lage dichten Rotheisen-
Z steines, dann bis 60 M. měchtig Tuffe und Schiefer,
worauf eine zweite 3 M. máchtice Bank linsenfórmigen
Rotheisensteines folgt, die weiter von 30 M. Diabas-
mandelstein bedeckt ist. Darauf folet ein drittes etwa
úl
| 35
-1 M. starkes Rotheisensteinlager und endlich bedeutend
| máchtige Schiefer mit zahlreichen schónen Abdrůcken =
(d,y), die ein Lager von Limonit enthalten. Am Giftberg ©
"Jieot im Diabastuff ein 2 M. máchtiges Rotheisenstein- a
-lager; úber den Tuffen folgt dann ein Lager dunkler ooli- - M l o
„tischer Sililikateisenerze und endlich Schiefer (d,y) und ž = M
| Auarzite. In palaeontologischer Hinsicht sind am inter „C <
'essantesten die Schiefer d,y, die durch einen Stolen bei č 25 * 9
| Kozojed ehedem aufgeschlossen waren und die schón- = kaz“ =
-sten Petrefakten dieser Zone lieferten. Auf den anti- 2
(klinal gehobenen Schiefern der Primordialfauna '(0), die =. Zák
(zwischen Jinec und Felbabka zu Tage treten, sind zwei B (E =
gróssere Schollen der Schichtenabtheilung d, úbrig ge- pit 20 WE
blieben, offenbar als eine Andeutung, dass auch das É p) i
-nun denudirte Jinecer Schieferterrain ursprůnglich von U A> a
"den Schichten dieser Abtheilung bedeckt war. 8. ( (l i
© Die sůdliche Scholle bildet den Hůgel Vystrkov s. NO
(535 M.) zwischen Velcí und Ohrazenic, die něrdliche ESKÉ Ů SY
die Felsengruppen im Walde Koberov (516 M)bei * E R. 2
Křešín. (Siehe Fig. 7.) Beide Schollen zusammen bilden m eo de =
die Úberreste einer synklinalen Mulde, in deren Mitte S 2 Di PM =
das Thal des Ohrazenicerbaches bis in die untergelagerten A ře ja S
Jinecer Schiefer ausgewachsen ist, von wo die Schichten = a— / =
(der Abtheilung d, beiderseits auf die erwáhnten Hóhen- Š (1
punkte sich ziehen, und zwar so, dass die Basis der- Sa l —
selben guarzige Grauwacken und Conglomerate (d;c) 3 3 N Sv E:
einnehmen, und bis auf die Scheitel der Kuppe Vystrkov 5 R
"und des Koberovwaldes sich hinaufziehen, wáhrend an 2 Z-
den Berglehnen bei Ohrazenice und Křešín Diabase und = R a ©
Tuffe mit eingelagerten Rotheisensandsteinen (d,8) und = Í
Schiefern (d;y) anstehen, in denen die Eisensteinlager a m
"durch Berebau aufeeschlossen sind. -D
5. Die guarzitische Decke (d,), welche den Gipfel os
(des Berses Ostrý bei Felbabka bildet, erscheint auch -
an der rechten Seite des Litavkathales, welches hier -=
„von Sůd nach Nord den ganzen Schichtencomplex als =
-eine tiefe Terrainfurche durchsetzt. Sie bildet hier den
„Kamm des ansehnlichen Berges Plešivec (636 M.)
Lhotka. Plešivec.
3*
26
Lhotka.
Hostomice.
Radouš.
NW Loch ovíce.
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Die anderen Zeichen wie frůher.
P « Ž Porphyr und Granit.
Di Diabas.
Fig. 19.
der die rechte Thalseite zwischen Lhotka und Jinec
einnimmt. (Fig. 18.) An den steilen Gehángen dieses
Berges bei Rejkovic und Jinec treten von unten gegen
oben alle Schichtenzonen von den Schiefern der Primor-
dialfauna (C) bis zu den Auarziten (d,) deutlich zu
Tage. Zu unterst bemerkt man die Jinecer Schiefer
mit grossen Paradoxiden, in flach wellenfórmiger Ab-
lagerung und mit óstlicher Verfláchung; darůber liegen
die Conglomerate und groben guarzigen Grauwacken
(d;,e), dann folgen tuffartige Gebilde und Grůnsteine
mit Eisenerzlagern (d,B) und Schiefern (d,y) und. endlich
náher am Gipfel Ouarzite im schroffen Felsen, deren
Wánde: senkrecht zur Schichtung und parallel zur Thal-
richtung verlaufen.
Die Einsattlung, úber welche die Strasse von Jinec
nach Hostomic fůhrt, ist durch die Auarzite (d,) hin-
durch bis auf die eisensteinfůhrende Zone (d,) ein-
oceschnitten und man kann von hier aus diese Zone
dann auf den Berg Komorsko verfolgen, wo in derselbe
die Erzlager durch Bergbau aufgeschlossen sind. Die
sůdlichere Kuppe dieses Berges, da wo das Forsthaus
Komorsko (614 M.) steht, ist aus Třemošnaconglo-
meraten zusammengesetzt, welchen sich wahrscheinlich
unter dem Gebiresschutte die Jinecer Schiefer (0) am-
schliessen, da sie sowohl am Fusse dieses Berges bei
Čenkov anstehen, als auch in der norděostlichen Fort-
setzune dieses Ausbisses bei der Můhle Zator (S. von
Hostomic) angetroffen werden. (Fig. 19.) Die nordliche
hohere Kuppe, Písek genannt (688 M.), die sich steil
iiber Čenkov erhebt und nordwárts gegen Běhčín all-
máhlicher abfállt, besteht aber schon aus Auarziten der
Abtheilune dj, die offenbar die Fortsetzung einer eli-
ptisch geformten Schichtenmulde bildet, deren Gegen-
fůgel der Kamm des Plešivec ist.
Zwischen beiden Kuppen, námlich zwischen dem
Písek und den Komorskoberg zieht sich die eisenstein-
fůhrende Zone, áusserlich nur auf einen engen Streifen
SO
Želkovice. HousinyHlazovice. Vosov. M. Chlumec. Hradec. © Kazatelna. Dobříš.
(Zi kov.)
M | | M
Ji
==
VÍ VÍN
PŘ NIKNÍ M
D;
e, e, Obersilurische Schichten. M Minettporphyr. Di Diorit. Die anderen Zeichen wie frůher.
Fig. 20.
ju
| | 87
|
i
„beschránkt und man“kann sie von da lings des Kammes (Hřebeny) des Brdawaldes,
(der nordostlich streicht, bis Mníšek verfolgen, wobei an der něrdlichen Seite der
Ischrofte und hóhere Auarzitkamm und an der sůdlichen Seite die Conelomerate
'und guarzigen Grauwacken des Třemošnagebirges in abgerundeten Bergformen diese
(Zone begleiten. (Fig. 20.)
N Strážný 9
|
|
Durch Bergbau sind die Eisensteinlager an einigen Punkten aufgeschlossen,
bo auf dem Berge Baba (659 M.) im Hyeronimus-Schacht, am Brdaberg (608 M.)
im Josefsschachte, namentlich aber in dem Josefi- und Theresienschachte unter
dem Skalkaberg (549 M.) bei Mníšek. In allen diesen Bergbauen ist das Vor-
handensein aller drei Schichtenzonen («By) der Abtheilung d, nachgewiesen. Am
Hradec (023 M.) an der Strasse von Vosov nach Dobříš ist nebstem der grobe
Sandstein der Zone d,e durch einen Steinbruch, wo Schotter gewonnen wird, auf-
'geschlossen, und auch mitten zwischen den GAuarziten treten an einer Bruchlinie
desselben an der Strasse von Řevnic nach Mníšek Grůnsteine und Tuffe auf, als
Beweis, dass die eisensteinfiihrende Zone d, hier ůberall die Basis der Ouarzite
(d,) bildet. (Fig. 21.)
In der Baba folgen ber feinkornicen Grauwacken (d,e) und hornsteinartigen
Schiefern rothe, grůne, gelbe oder úberhaupt bunt gebánderte kalkháltige Tuffe
im einer Máchtigkeit von 19 M., hierauf ein Lager von Rotheisenstein mit 33 M.,
und endlich Schiefer (d,y) mit 47 M., in denen ein Lager von gelbbraunem Limonit
18 M. máchtig, eingeschaltet ist. Den Schluss bilden die Auarzite (d;). Bei Mníšek
fehlen Grůnsteine und Tuffe; ein Erzlager von oolithischem Rotheisenstein (d,$),
12—15 M. máchtie, ruht unmittelbar auf grůnlicher oder grauer Grauwacke (d,e)
und darůber folgt dunkler Thonschiefer (d,y) mit Graptolithen mit einem 1—1', M.
starken Brauneisensteinlager, und auf diesen dann allsogleich Guarzit (d,) mit
welligen oder knolligen Fláchen.
Von Mníšek nordostwárts verráth sich diese Zone nur durch rothe kieselige
Schiefer, die unter den Ouarziten des Bergkammes gegen Černolic streichen, und
unmittelbar auf azoischem Schiefergestein aufgelagert sind. In der Schlucht zwischen
Černolic und Všenor, welche den Gebireszug guer durchbricht, stehen weichere
Schiefer (d,y) in einer engen Zone unmittelbar unter den GAuarziten an, verlieren
sich aber allmáhlich in der Waldstrecke Kopanina (409 M.) bei Jilovišť, indem
daselbst gegen Baně zu máchtige, im azoischen Schiefer neben Kieselschiefer máchtie
eingelagerte Porphyrmassen auftreten, an welche sich der steil gehobene, ja theil-
weise úberkůppte Auarzit (d,) unmittelbar anschliesst. (Fig. 22.)
38
SO
AW.
4 (PLZ Zb vf
ds Dada. dada BřP: B-P:B
E e, e, Oberes Silur. Die anderen Zeichen wie frůher.
Fig. 22.
Vor Kónigsaal bei dem Dorfe Záběhlic verlieren sich an der Gránze zwischen
der Etage B und den azoischen Schiefern auch die Auarzite (d,) und es fallen
hier lángs einer Dislocationslinie, die von Záběhlic guer iiber die Moldau zum
Fusse des Hradišť (389 M.) und Čihadloberges (383 M.) bei Závist, úber
Komořan in die Schlucht bei Modřan verláuft, die Grauwackenschiefer (d;) unmittelbar
unter die azoischen, von Porphyr durchbrochenen Schiefern ein. (Fig. 23.) Erst in der
NW SO
B Azoische Schiefer. P Porphyr. d, Grauwachenschiefer.
Fig. 23.
Schlucht: bei Modřan, in deren Hintergrunde eine máchtige Conglomeratbank in den
azoischen Schiefern ansteht, treten tuffartige Gesteine mit Lingula, und dariůber
Schiefer mit kugligen Concretionen und háufigen Petrefakten der Zone d,y in dis-
cordanter Lagerung auf azoischen Schiefern deutlich zu Tage. Man kann diese Zone
von da in einem Štreifen zwischen Libuš und Neuhof bis zum Kunraticer Haine
verfolgen, wo wieder GAuarzite (d,) in deutlicher Auflagerung auf den Schiefern
(d,y) anstehen.
Die Zone dieser Schiefer, von Tuffen unterteuft, zieht sich dann immer mit
nordóstlichem Štreichen als ein nicht breiter Streifen zwischen den hie und da
auftauchenden Auarziten (d,) und den azoischen Schiefern bei Litochleb vorůber m
das Thal des Botičbaches zwischen Hostivař und Petrovic, wo man Sie in einer
synklinalen Mulde (Fig. 24.) zu Tage anstehen sieht, und dann in den flachen,
Měcholupy. Březová.Mou kův Mlýn,
Kde Bolič.
SL LAN ; m 7? V
d 4 da da dida d3 da di
K Kreideformation. Die anderen Zeichen wie frůher.
Fig. 24.
Grósstentheils von Schutt und Sand der Kreideformation bedeckten Terrain gegen
den Teich zwischen dem Meierhofe Pnětluk und der Podleser Můhle (Fig. 25).
lh |
39
- und weiter durch den Thiergarten bei Koloděj und bei Šibřin an den Auarzithůgel na
© Skalce (209 M.) vorbei in den Fiederholzwald bei Ouval, wo wieder zahlreiche
NW SO
Dubeček. n
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n Diluviallehm. B Azoische Schiefer. Die anderen Zeichen wie frůher.
Fig. 25.
kugelartige Knollen mit Petrefakten an der M im Feld und Waldboden
zerstreut erscheinen.
Bei Ouval selbst schliessen sich an diese Schiefer máchtige Tuffgebilde an,
die ein unregelmássiges Eisensteinlager von dunklen Silikaterzen enthalten, das
durch Bergbau aufgeschlossen wurde, und den Schluss bilden Diabasen und Tuffe,
welche von steil gehobenen GAuarziten (d,) begleitet bei Tlustovous den Hůgel na
Babách (265 M.) zusammensetzen und sich endlich weiter ostwárts unter den
aufeelagerten Auadersandsteinen der Kreideformation unweit von Břežan verbergen.
6) Am nordlichen Saume des Silurbeckens bildet die Fortsetzung der eisen-
steinfihrenden Zone d, mit einer kurzen Unterbrechune zwischen Drozdov und
Točník (indem hier Boralehuth und Ackererde diese Zone bedeckt) den felsigen
Kamm, auf dem die Bergruinen Žebrák und Točník (450 M.) stehen. (Fig. 26.)
N
Točník. Žebrák
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Ř R aĎ i T dz do id 4
Fig. 26.
Dieser Kamm besteht aus steil gegen NW gehobenen Conglomeratschichten
(d,«), die nordostwárts streichen und discordant auf azoischen Schiefern aufgelagert
sind. An den Thalgehángen zwischen Točník und Žebrák folgen auf diese Conelo-
merate roth gefárbte kieselige Schiefer und in einigen durch Verwerfungen be-
wirkten Wiederholungen, Grinsteinstuffe und schwarze Šchiefer mit unreinen
Eisensteinen abwechselnd (d,B) und dann bis zu den Auarziten der Kraví horka
(400 M.) die Schiefer der Zone d,y. Die Conglomerate von Točník streichen
in dem Schlossberge gegen Hředl fort und erscheinen noch am Fusse des aus
azoischen Schiefern bestehenden Mrskyberges (459 M.), keilen sich aber bald
aus. Die Fortsetzung der Zone d, ist von Hředl bis Hyskov an der Beraun durch
einen zwischen den Kieselschieferklippen des azoischen Terrains (an der Vraní
skála, bei Svatá und Hudlic) und zwischen die Auarzitkámme des sogenannten
40
kleinen Brda eingeschlossenen Gesteinszug angedeutet, in welchem bedeutend
máchtige nnd sehr mannigfache und durch bunte Fárbune auffallende Tuffe und
Diabase erscheinen, stellenweise mit Eisenerzlagern, die durch Bergbau aufge-
schlossen sind. In der Náhe des Beraunflusses unter Zlejčína zeigen sich im Lie-
cenden der Tuffe schwache Grauwackensandsteinbánke, die dann náher an der Beraun
durch rothe kieselige Schiefer mit Lingula und Obolus vertreten werden. Im Han-
cenden der Tuffe und Eisensteine unmittelbar unter den Auarziten, sind hier úberall
Schiefer (d,y) verbreitet, so namentlich bei Hředl, zwischen Svata und Černín und
bei Dybří, von welchem Orte angefangen gegen Zlejčina ein nicht unbedeutendes
Lager von grauem Eisenerz eingeschlossen ist. Eine láneliche Mulde von Kohlen-
Ssandstein und Kohlenflótzen, die ober Dybří am Lejsekberge (482 M.) beginnt
und úber Zlejčina gegen ŠStradenic an der Beraun sich herabzieht, bedeckt einen
Theil der eisensteinfihrenden Zone gerade an ihrer Begránzung mit den azoischen
Schiefern. (Fig. 27.)
NW SO
Hradište.
B Az. Schiefer. L Lydit, d;y—d, Silurische Schichten. K. u. Steinkohlenformation.
Fips 027)
Bei Stradonic und Hyskov setzt der eisensteinfůhrende Diabaszug úber den
Beraunfluss und bildet, theilweise von der Fortsetzung des Stradonicer Kohlensand-
steines bedeckt, den westlichen Fuss des Plešivecberges; er erstreckt sich dann
weiter im nordostlichen Streichen lángs des azoischen Schiefergesteins auf den Růcken
der Kamenina und Hůrka (455 M.) ober Chyňava, von wo an gegen Libečov
an der Basis des Diabaszuges Grauwacken und Conglomerate sich ansetzen, wáhrend
die Hangendschichten aus Schiefern (d;,y) bestehen und weiter hinauf von Auarziten der
Etage d, bedeckt werden. (Fig. 28.) Die den Diabasen eingefůgten Lager von Rotheisen-
NW SO
Chyňava. Kamenina. Malé Přílepy. Vraž.
NN i (
4 ds ere2
B. Az. Schiefer. d,—d;, Untersilur. e, e, Obersilur. K. u. Steinkohlenformation.
Fig. 28.
steinen sind an einigen Punkten durch Bergbau aufeeschlossen, so im Růcken
Jakubinka ober Hýskov, im Walde Chrbina und unterhalb Podkozí, namentlich aber
im óstlichen Theil der Thalgehánge des Kačicer Baches bei Švarov und Ptic.
Den weiteren Verlauf der eisensteinfihrenden Zone bedeckt čstlich von Svarov
und Ptic eine ausgedehnte Decke horizontal abgelagerter Schichten der Kreide-
formation, námlich von Auadersandsteinen und Plánern, und erst bei Hostivic und
41
© dann bei Vokovic unweit Prag am Beginne des Šarkathales tritt unter dem čstlichen
© Rande der Kreideformation diese Zone wieder zum Vorschein. Sie begleitet die
Kieselschieferklippender Šárka und zieht sich bei der Jeneralka vorbei gegen die
| Kirche St. Mathiasund nach Podbaba. (Fig. 29.) Das Liegende bilden theilweise brec-
Jenerálka. Dejvice.Střešovice. lejnky. Bílá řlora. Košíře, Cibulka. Vidovle.
MZ AR a SS LP ARR S NS
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B PB 4, p Ry da/dě du NE se d 4
B Az. Schiefer. P Porphyr. d,—d, Silurische Schichten. K Kreideformation.
Fig. 29.
cienartige Gesteine aus Bruchstůcken von Porphyr und harten Schiefern bestehend
und mit felsitischer Masse verkittet. Darůber treten Tuffe, Mandelsteine und Diabase
auf mit kleineren Eisensteinlagern und dann folgt in bedeutender Máchtigkeit der
Schiefer mit den Petrefakten fůhrenden Knollen, die namentlich bei der Jeneralka
háufie sind.
Felsitporphyr durchbricht diese Zone in dem rothen Berge zwischen Dejvic
und der Jeneralka.
Der Felsenhůgel bei dem Bahnhof in Bubenč gehórt noch zum Bereiche der
Schiefer d,y, wáhrend kleine Felsgruppen bei Dejvic (Ořechovka) und ehedem ein
Steinbruch im Baumgarten die Linie der aufgelagerten Auarzite (d,) andeuten.
Diese Schiefer setzen guer úber die Moldau nach Troja und bilden die malerisch
schroffen Thalgehánge unter der Besitzung Zámeček; weiter óstlich bei der Bulovka
zwischen Troja und Lieben sind sie von steil gehobenen lichten Auarziten (d,) be-
- deckt (Fig. 30), die man schon von Prag aus sieht. Das Liegende der hier ziemlich
Ládví. Kobylisy. Bulovka. n Moldauthal.
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- máchtigen Schiefer (d,y) bilden am Abhange des hóheren azoischen Bergzuges, dessen
- Kieselschieferklippen (Velká Skála 311 M., Tenetiště 329 M., Ladví 356 M.) die
© Umgebungen von Prag beherrschen, Grůnsteine und Tuffe, in denen bei Troja ein
Lager von rothen Eisenerzen (d,B) durch einen Schurf aufgeschlossen wurde, so
wie zu unterst rothbraune kieselige Schiefer mit Spuren von Brachiopoden (d,«)
Dieser Zug der Schichtenabtheilung d, und der Auarzite d, verbirgt sich
abermals bei der „verlorenen Schildwache“ unweit Kobylis unter den Guadersand-
steinen und Plánern des Prosiker Plateaus, taucht aber aus der Ackererde oder
in den seichten Thálchen lánes der Reihe der Kieselschieferkuppen wieder auf,
42
welche vom Ladví bei Dablic gegen Brandeis an der Elbe sich hinziehen. So sieht
man auf dem Hůgel „na zabitém“ (261 M.) unweit Myškovic dunkle rothe Tuff-
schiefer in steiler Aufrichtung neben dem Kieselschiefer (Fig. 31)“ bei Ctěnic und
NW Útěnice. Satalice. Chvala. Dol. Počernice. "©
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K Kreideformation.
Fig. 31.
Přezletic treten unter dem Auadersandstein Schiefer mitžConcretionen (d;y) zu Tage
und begleiten den Zug der Auarzite (d,), die zwischen Vinoř und Podolanka gegen
Brandeis hie und da zu Tage anstehen. Unter der Kieselschieferklippe Kuchyňka
(241 M.) westlich von Popovic bemerkt man guarzige, antiklinal gelagerte Conglo-
meratschichten; im Thálchen bei Popovic und Dřevčic Schiefer (d,y) mit Auarzit
(d,) bedeckt in starken Faltungen und antiklinalen Stellungen, nud den Schluss
dieser Schiefer und Auarzitschichten bildet endlich der aus Auadersandstein auf-
tauchende Felsen, auf dem das Schloss Brandeis unmittelbar an der Elbe sich
erhebt.
Die Gránzlinie zwischen dem azoischen Schiefer und der eisensteinfůhrenden
Zone, die discordant denselben aufgelagert ist, zieht sich also zwischen der Moldau
und Elbe unter der Decke des Auaders und Pláners in nordostlicher Richtung vom
Kobylis nach Brandeis, wo sie an einem Senkunesfelde der Kreideformation plótzlich
abbricht. Die Breite des silurischen Beckens betrágt hier an seinem nordostlichen
von der Kreideformation begránzten Ende zwischen Brandeis und Ouval 12 Kilo-
meter oder drei Wegstunden.
T. Eines der interessantesten Vorkommnisse der eisenfůhrenden Zone d, ist
das, welches im nordlichen Flůgel des Silberbeckens im Bereiche der Schichten-
abtheilung d, zu Tage tritt und zwar lánes eines grossartigen Schichtenbruches,
der sich aus der Gegend von Beraun bis ber Prag verfolgen lásst. Der Anfang
der Bruchlinie wird schon zwischen den Auarzitkámmen der kleinen Brda unweit
Beraun bemerkbar, indem hier zwischen denselben von Dybří unterhalb Hudlic
angefangen ein Streifen von Schiefern der Zone d,y zu Tage tritt, der gegen Alt-
hůtten in der Beraun streicht. (Siehe Fig. 27.)
- Unterhalb dieses Ortes zieht sich dieser Schieferstreifen am sůdlichen Fusse
des Plešivec gegen Klein-Přilep, wo eine kleine Steinkohlenmulde zwischen dem
beiden Auarzitzonen eingelagert ist, und ist namentlich am nordlichen Gehánge des
Ouarzitkammes bemerkbar, der sich lánes eines kleinen Thales von Klein-Přilep
gegen den Kačicer Bach zieht, indem hier zahlreiche kugelartige Knolien mit Petre-
fakten der Zone djy vorkommen und im Liegenden dieser Schiefer auch Grůnsteine
(d,B) auftreten. (Siehe Fig. 28.)
43
Die Auarzitkámme, die im kleinen Brda bei Beraun noch nahe an einander ©
parallel gegen Nordost verlaufen, treten hier vom Plešivec angefangen immer weiter
- auseinander, und es lagern sich zwischen beiden nicht blos die Schichten der Zone
d,y, sondern auch die Grauwackenschiefer d; und d, ab. Der něrdliche Zug der
Ouarzite (d,), den usseren Schichtensaum der Abtheilung bedeckend, zieht sich
auf den Růcken Kamenina und Chrbina ober Chyňava; der sůdliche Zug setzt vom
Plešivec úber den Ricken Březová bis zum Kačicer Bache bei Chrustenic fort.
(Fig. 32.)
NW SO
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| Karabinský vrch. Nenačovice. — Blýskava. (hrustenice. Loděnice. Kolo.
„ Podkozi Mlýn.
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B Az. Schiefer. d, —d; Untersilur. e, e, Obersilur. Di Diabas.
Fig. 32.
! Zwischen beiden GAuarzitzůgen zieht sich die Bruchlinie vom Plešivec úber
| Klein-Přílep gegen Nenačovic in das GAuerthal des Kačicer Baches 'und zwar So,
-dass die Schichtenzonen d;, d;y sůdlich von dieser Bruchlinie aus der Tiefe ge-
hobenen sind, nordlich aber von dieser Linie die Schichtengruppe der Grauwacken-
schiefer d, scheinbar unter die Zone d, einfállt und dann weiter gegen Norden in
regelmássiger Folge von den Schiefern d; und den Auarziten d, unterlagert wird,
die den frůher erwáhnten Růcken Kamenina und Chrbina bilden. An der Bruch-
linie im Kačicer Thal zwischen Nenačovic und Chrustenic sind Schiefer und die sie
begleitenden Grinsteine am anstehenden Gesteine sichtbar. Weiter gegen Osten
auf dem Plateau bei Ptic und Ouhonic ist diese ganze dislocirte Parthie von
Ouadern und Plánern bedeckt und tritt erst unter dem Hofe Hájek westlich von
Motol wieder zu Tage. (Fig. 33.) Man sieht daselbst wieder die Ouarzite (dp)
Hájek. Motol. Weisser Berg. Liboc. Vokovice. Wilde Šárka.
S P ání
Á Kreideform i
Kreideform Kolonie i n
Po je: !
K Kolonie. Di Diabas. B. Azoische Schiefer. L Lydit. d,—; Silurische Schichten.
Fig 33. :
von Schiefern (d,y) unterteuft in einem Einschnitt der Eisenbahn anstehen, aber
unmittelbar daran gegen Motol zu treten máchtige Diabasfelsen von Graptolithen-
4
schiefern beeleitet zu Tage, in welchen letzteren kalkige Concretionen mit Petre-
fakten der dritten Fauna (Cheirurus insignis, Cyphaspis Burmeisteri, Orthoceras
originale, Atrypa linguata, Graptolithus priodon u. a.) vorkommen. Dieser Streifen
der Graptolithenschiefer von Diabasen begleitet, lásst sich vom Wirthhause „u bílého
beránka“, westlich von Motol in das Košířer Thal am Fusse des Weissen Berges
bis unter den Hof Šafránka verfolgen, wo er sich in das Gehánge dieses Berges
hineinzieht und verschwindet. Neben den Graptolithenschiefern kommen dann an
den Gehángen des Weissen Berges weiche Schiefer der Zone d; mit ihren guarzi-
tischen Grauwacken zum Vorschein, und sind ihrerseits weiter im Liegenden von
jenen Grauwackenschiefern der Zone d, unterlagert, die am Weissen Berg selbst
von Auadersandsteinen und Plánern bedeckt werden. Diese geologisch merkwůrdige
Localitát ist die sogenannte Colonie Motol Barrande's; sie stellt sich nach den
geschilderten Lagerungsverháltnissen offenbar als ein lángs der Bruchlinie, welche
das silurische Schichtensystem verwirft, von der zusammenhángenden Zone der
d;-Schiefer, die sůdlich von dieser Gegend bei Řeporyj verbreitet ist, abgerissener
Streifen, und muss demnach der Schichtenzone d,, keineswegs aber den tieferen
Grauwackenschiefern d, zugesprochen werden. Nach dieser Auffassung der Lagerungs-
verháltnisse reiht sich dann die Colonie Motol jenen sogenannten Colonien an,
welche aus Graptolithenschiefer und stellenweise auch aus Diabasen bestehend, an
der Basis der Kalkschichten des obersilurischen Terrains im Bereiche der weichen
Schiefer d,, die noch Reste der zweiten Fauna enthalten, lagerartig in vielen Orten
rinegsum das ganze Kalkplateau auftreten und den ersten Beginn der dritten Fauna
andeuten.
Die Bruchlinie selbst, lánes welcher also im Košířer Thal die Schiefer d,y
und die Schiefer d; an einander stossen, zieht sich vom frůher erwáhnten Eisenbahn-
einschnitt guer úber die Ararialstrasse am Fusse des weissen Berges bei den Hěfen
Kotlářka, Skalka und anderen Košířer Hófen vorůber bis nach Smichov zum Fusse
des Lorenziberges und ist durch eine Reihe steiler klippiger Felsen des (Auarzites
(d,) bezeichnet, deren untergelagerte Schiefer nach den daselbst vorkommenden
Petrefakten (Placoparia Zippei) zweifellos der Zone d,y angehůren. (Fig. 34.)
Weisser Berg. Košíře. Malvazinka. Radlice. Dívčí Hrady. S
Kreidef. |
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n X DS X = S
M A n SIS T
dy 9 dt“ dd d
d,—d, Untersilurische, F G-g, e, e, Obersilurische Schichten. Di Diabas.
Fig. 34.
Die Bruchlinie setzt dann guer úber die Moldau auf die obere Neustadt Prag
ber und zwar iiber Emaus und das Neustádter Rathhaus gegen den Bahnhof der
Franz-Josefsbahn, wo sůděstlich einfallende Schiefer mit den Petrefakten der Zone
d,y (Placoparia Zippei, Orthis) anstehen. Auch in den
Schiefern bei Emaus und bei der bohm. Technik, die
-bei Grundaushebungen aufgeschlossen wurden, kommen
fůr die Zone d,y charakteristische Petrefakten vor,
wáhrend bei Emaus selbst und bei der Kirche Skalka,
dann im Garten des allgemeinen Krankenhauses ůúber-
lasernde Auarzite (d,) anstehen, deren Fortsetzung am
Beginne des Eisenbahntunnels vor dem ehemaligen
Rossthore und auf den Hůgeln hinter dem Franz-Josefs-
Bahnhof bemerkbar ist. (Fig. 35.) Den Untergrund der
tieferen Theile der Neustadt und der Kleinseite bildet
unter dem máchtigen sandigen Flussalluvium, Grau-
wackenschiefer (d;) wahrscheinlich aber auch weichere
Schiefer (d;) als Fortsetzung der Zone derselben, die
in Košíř und Smíchov und am Fusse des Lorenziberges
sichtbar 1st.
Die obere Neustadt Prag liegt also auf einem im
geologischen Sinne gehobenen, die untere Neustadt und
die Altstadt, so wie die Kleinseite aber auf einem ver-
sunkenen Terrain, und beide Terrainabtheilungen sind,
von einander durch die Bruchlinie geschieden, die sich
von Košíř und Smichov guer úber Prag gegen Karolinen-
thal zieht.
In Karolinenthal selbst bezeichnen die steilen gegen
Norden abfallenden Lehnen des Žižkaberges (267 M.)
den Rand der gehobenen Schichtenparthie. An diesen
Lehnen kommen námlich unter den Guarziten (d,) des
Kammes, Schiefer (d;y) mit sůidostlichem Einfallen zum
Vorschein, unter denen ehemals auch Grůnsteine und
Tuffe bemerkbar waren, die nun durch die Eisenbahn
verdeckt sind, wáhrend die Lehnen am anderen Ufer
der Moldau am Belvedere, dann die Hůgel bei dem
Hofe Kopmanka und bei Lieben aus Grauwackenschie-
fern (d,) bestehen, die scheinbar unter die Zone d;
einfallen. (Fig. 36.) Die Bruchlinie setzt sich dann am
Fusse des Žižkaberges úber das higelige Terrain gegen
Hloubětín fort, wo unter den Auarzitklippen Schiefer
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K Kreideformation. n Alluvium und Schutt der Kreideform. Die anderen Zeichen wie frůher.
Fig. 36.
46
mit Concretionen (d,y) anstehen und verliert sich endlich am Rande des Prosiker ©
Plánerplateaus unter den horizontal gelagerten Auadersandsteinen nicht weit von
Chwala. (Fig. 37.) |
NW Běchovice. Dubeček. SO
B Az. Schiefer. n. Sand und Schotter. K. Kreideform. Die anderen Zeichen wie frůher.
Fig. 37.
Die Liicke zwischen beiden eisensteinfůhrenden Zonen (d,) an dem Nord-
saume des Silurbeckens, die am Prosiker Plateau durch Grauwackenschiefer (dj
und d,) ausgefůllt, aber grósstentheils von den horizontalen Auader- und Pláner-
schichten verdeckt ist, betrágt hier 3—4 Kilometer.
8. Am Nordsaume des bohmischen Silurbeckens in den Umgebungen von Beraun
und Zbirov treten im Gebiete der azoischen Schiefer und zwar auf dem bedeutend
erhóhten Plateau derselben (in einer Hóhe von 450 bis 500 M.) inselfórmig
vier Auarzitrůcken auf, und enthalten die hóchsten Kuppen dieses Terrains; so ist
die Krušná hora bei Hudlic, der Velis bei Kublov, und westlich die Dlouhá
skála und die Hřebeny.
Die Basis dieser Auarzitrůcken, die der Zone d, angehóren, unmittelbar auf
azoischem Gesteine ruhend, ist hier durchgehends die eisensteinfihrende Zone d,
mit allen ihren Schichtenunterabtheilungen (d,aBy), welche in dieser Waldgegend
theilweise zu Tage anstehen oder durch Bergbau aufeeschlossen sind.
Offenbar gehórten diese inselfórmigen Parthien dieser Auarzite und eisenstein-
fůhrenden Schichten ehedem einem zusammenhángenden Schichtencomplexe an, der
mit dem ůúbrigen silurischen Terrain ein Ganzes bildete und erst durch spátere
Hebungen aus diesem Zusammenhange gerissen und durch Abwaschungen in seine
einzelne Parthien zerlegt wurde. Zahlreiche Trůmmer des eisensteinfihrenden Ge-
steines und der Erze selbst, so wie Guarzitbruchstůcke von der aufgelagerten Auar-
zitdecke (d+) herrůhrend, mit Lehm und Gesteinschutt vermengt, begleiten diese
inselfórmigcen Parthien und deuten ihren ehemaligen Zusammenhang unzvweifelhaft an.
Man kann den Beginn dieser isolirten Vorkommnisse der eisensteinfihrenden
Zone vom linken Beraunufer oberhalb Hyskov in sůdwestlicher Richtung bis in die
Gegend von Zbirov verfolgen.
Zwischen Hyskov und dem Forsthause Rabenberg wird námlich die eisenstein-
fůhrende, hier hauptsáchlich aus Diabasen und Tuffen bestehende Zone, durch einen
azoischen Thonschieferrůcken, der vom rechten Beraunufer von Stradonic úber das
linke Beraunufer herůberstreicht, in zwei Parthien geschieden, von denen die sůd-
liche, die von Dybří úber Zlejčina gegen Hyskov sich zieht, als der nordliche Saum
des zusammenháncenden Silurterrains schon frůher erwáhnt wurde, wáhrend die
nordliche Parthie zwischen Stradonic und Neuhiůitten, jenseits des eingekeilten azoischen
Thonschieferrůckens den Beraunfluss úbersetzt und sich in einer Einsenkung zwischen
41
Stradonic und dem Berge Hradišt bei Nischbure bis in die Náhe von Otročín
hinzieht, wo sie sich allmáhlie auskeilt und endet. Die steilen Felsengehángen
-des Beraunflusses zwischen Alt- und Neuhůtten zeigen diese in einer Dislocations-
kluft der azoischen Schiefer eingelagerte eisensteinfihrende Grůnsteinzone sehr
deutlich. (Fig. 38.) Obwohl in dieser Zone Grůnsteine und eisensteinfihrende Tuffe
NW SO
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B. Az. Schiefer. K. u. Steinkohlenformation. dy—d, Unter Silur. e, Ober Silur. Di Diabas.
Fig. 38.
(d,6) vorherrschen, so findet man an der Basis derselben doch auch Andeutungen
der Grauwacken (d,e) und im Hangenden auch die Schiefer (d,y) deutlich entwickelt
und mit einzelnen Schollen der Auarzite (d,) bedeckt; so namentlich am linken
Beraunufer am Berge Kluk (585 M.) und im Růcken Jakubinky (494 M.) ober-
halb Hýskov, welcher letztere Růcken sich dem guarzigen Kameninarůcken (d;)
oberhalb Chyňava anschliesst, der schon frůher angefůhrt wurde. Am rechten Beraun-
ufer bemerkt man ber dieser Zone Auarzite (d,) an einer Kuppe zwischen Sta-
© donic und dem Berge Hradišt (333 M.), dann bei der Umbiegung des Otročíner-
baches, da wo er gegen Norden sich wendet, unterhalb Otročín.
Westlich von diesem Punkte erhebt sich der Růcken der Krušná hora (606 M.)
zwischen Hudlic und Neu-Joachimsthal (Fig. 39). Am Kamme desselben liegt Ouarzit
NW SO
Skreje. sad na oj Hora. Hudlice. Lišek, k Zahořany. Králův Dvůr
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S / a 1 8 RU 2 MD AD k Ne=sě aů
BIS B ETB ČP É nořitnác) du
Af Afanit. P Porphyr. L Lydit. B Az. Schiefer. S Conglomerate. ©, ki Silurische Schichten.
K. u. Steinkohlenformation. |
Fig. 39.
(d,), rings um denselben aber kommen wallartig die Gesteinschichten der eisenstein-
fůhrenden Zone d, zu Tage, die ihrerseits unmittelbar auf azoischen Schiefern
ruhen. Die Lagerung ist durch Berebau aufgeschlossen und man erkennt, dass sie
-eine von SW nach NO cgestreckte Mulde im azoischen Gesteine bildet, ringsum
von Kieselschieferklippen umgeben, die aus dem ebeneren azoischen Schieferterrain
emporragen.
Unmittelbar auf azoischen Thonschiefern und Kieselschiefern liegen guarzige
Conglomerate und Grauwackensandsteine (d,e) in 20 M. Máchtigkeit; dann folgen
Tuffe und Schaalsteinschiefer, manniefach gefárbt, weiss, erau, gelb, rothbraun und
48
grůn, auch bunt gebándert und zum Schlusse mit einigen schwachen Lagen von
Rotheisensteim abwechselnd. Ihre Máchtigkeit betrágt 60 M. Den Tuffen aufliegend
folet ein bei 10 M. máchtiges Lager von oolithischem Rotheisenstein, stellenweise
von einzelnen schwachen Schichten dunkelgrauen Thonschiefers und stellenweise
schieferigen Siderites durchsetzt. Das Hangende dieses Lagers bilden aphanitische
Mandelsteine bis 9 M. máchtig und darůber dunkle důnngeschichtete Thonschiefer
mit Conularien und Graptolithen. Dann folet das zweite Lager des oolithischen
Rotheisensteines, 3 M. máchtig, und von krystallinisch kórnigen und mandelstein-
artigem Diabas und hóher von Tuffschiefern bedeckt, in einer Máchtigkeit von 7 M.
Endlich erscheint ein drittes Lager von. oolithischem Rotheisenstein 2—3 M.
máchtie, und als Hangendes desselben Diabasmandelsteine, 3 M., und zuletzt un-
mittelbar unter den Auarziten der Oberfláche dunkelgraue bis graue Schiefer (d;y)
oft etwas wulstig und sideritische Einsen und schwache Limonitlager, so wie auch
eine 3 M. máchtige Bank von Diabas einschliessend. Die Máchtickeit der Schiefer
betráct bis 60 M.
Die zweite Insel von Auarzit und der ihn unterlagerden eisensteinfůhrenden
Zone bildet der Bere Velis (585 M.) bei Kublov, mit einer weithin sichtbaren
Kirche bezeichnet.
Die dritte und vierte Insel bilden weiter westlich die Růcken Dlouhá Skála
(561 M.) und Hřebeny (536 M.) genannt, erstere nordlich, letztere sůdlich von
der Strasse, die von Kublov úber Lišna gegen Zbirov fůhrt.
Auch hier sind dieselben Gesteinschichten von dp,e bis ds, wie auf der Krušná
Hora entwickelt, und in dem waldigen Terrain wie dort durch Berebau aufge-
schlossen. Die Conglomerate und Grauwacken (d,«) erscheinen hier aber nicht zu
Tage, sondern nur Diabasen und Thonschiefer (d,B, d;y) und am Kamme die
Ouarzite (d,). —
Endlich ist noch die merkwůrdige isolirte Partie der Zone d, und d;, an-
zufůhren, die náher in den Erláuterungen zur geol. Karte der Umgebungen von
Prag (Archiv IV. Nro 2, pag. 62) besprochen wurde. (Fig. 40.)
Hájek | Královice Radošivice. — Tehov.
n Diluviallehm. Ž Granit. Die andere Zeichen wie frůher.
Fig. 40.
Sie tritt am nordostlichen Rande der azoischen Schiefer in einer Lůcke zwischen
denselben und dem Granite am Berge Tehov (454 M.) westlich von Mnichovic
auf und besteht zu unterst aus dunklen metamorphischen Frucht- und Knoten-
schiefern, welche von deutlichen Ouarziten der Etage d, úberlagert sind, und wahr-
scheinlich der Zone d, angehěren. Úber den Ouarziten sieht man am Tehovberge
eine Partie Grauwackenschiefer, welche sowohl nach ihrer Lagerung, als auch wegen
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den in denselben vorkommenden Fucoiden (Chondrites antiguus) sich als zur Zone
1 d, zugehůrig erweisen. © Diese Schiefer stossen unmittelbar an den Granit an, und
"fallen gegen Ost scheinbar unter denselben. Es ist dies hier ein hoch interessanter
Punkt, indem der Contact des Granites mit Schichten der Etage D, die Epoche der
Bildung der mittelbohmischen Granite in die Bildungszeit unserer Mitteletagen des
Silursystemes verweist.
2. Die Auarzitzone d,.
Die Auarzitzone d;, nach dem ausgezeichneten Fundorte Drabov bei Beraun
auch die Zone der Drabover Auarzite genannt, ist die in orographischer Be-
ziehune am deutlichsten ausgeprágte Schichtenzone des bohmischen Silursystemes.
Sie bildet námlich auf der sie unterteufenden eisensteinfiihrenden Zone jenen ellip-
tischen im Sůdwesten jenseits Hořovic geschlossenen Wall, der im nordostlichen
Streichen das kalkige centrale Silurplateau umschliesst und die muldenartige Abla-
gerung der silurischen Schichten durch seine ringsum zu Tage gehenden mehr
oder weniger steil gehobenen Schichtenkópfe besonders deutlich hervorhebt. Gegen
Sůdwest schliesst sich an den Auarzitwall eine Anzahl einzelner isolirter Ouarzit-
schollen an, welche die Kuppen der hóheren Berge bilden, und offenbar darauf
hinweisen, dass die (Auarzitschichten ehedem den sůdwestlichen Theil unseres
Silurbeckens in ununterbrochenem Zusammenhange bedeckten.
Dass herrschende Gestein dieser Zone d; ist ein guarziger, feinkórniger bis
dichter und dann im Bruche splittriger Grauwackensandstein von weisser, gelblicher,
lichterauer, manchmal auch von róthlicher Farbe. Das Gestein ist in abwechselnd
stárkeren und schwácheren, gewóhnlich ebenen Schichtenbánken abgelagert, die keine
zur Schichtung parallele Spaltbarkeit besitzen, sondern háufie eine feste oleich-
formice fast krystallinische Gesteinsmasse bilden, wesshalb das Gestein gewóhnlich
auch mit dem Namen Auarzit bezeichnet wird.
Stellenweise verschwinden die ebenen Schichtenfláchen und erhalten eine
knollige oder wulstige Oberfláche; auch keilen sie sich nicht selten aus und £e-
stalten sich zu langgezogenen linsenformigen Lagern.
Fast stets werden die einzelnen Auarzitbánke durch eine důnne Lage von
orauem glimmerigen Schiefer von einander getrennt, die manchmal auch zu einer
stárkeren Schichte anwáchst. Namentlich sind die wulstigen Auarzitbánke von solchen
glimmerigen Schiefern beeleitet.
Eine fast stets die Auarzitbánke begleitende Erscheinung ist die transversale
Zerklůftune derselben, senkrecht auf die Schichtungsfláchen, wodurch die Bánke
in parallelopipedische Stůcke zerfallen, und die Gewinnung von Pflastersteinen er-
leichtern. Háufig sind aber die Klifte nahe an einander gedrángt und das Gestein
zerfállt in kleinere scharfkantige Bruchstůcke, die das gewóhnliche Schottermaterial
fůr die Strassen im Gebiete des bohmischen Silures liefern.
Die Máchtigkeit der Auarzitzone nimmt von West gegen Ost ab, erscheint
aber in Folge wiederholter Brůche und Verwerfungen scheinbar viel bedeutender,
als sie eigentlich ist. Die Máchtickeit betráct am Prdarůcken scheinbar bis 1 Kilom.:
óstlich von Prag betrágt sie aber nur 50 bis 80 M.
In palaeontologischer Hinsicht ist die Zone d, weniger reichhaltie als
die vorhergehende Zone d;,. Die Trilobiten treten in 10 Gattungen auf, worunter
bloss zwei neue sind, námlich Homolonotus und Triopus. Diese 10 Gattungen
enthalten 21 Arten, von denen aber 19 hier zuerst auftreten, wáhrend bloss 2 Arten,
námlich Acidaspis Buchi und Calymene pulchra schon in der Zone d
erscheinen. Ausschliesslich dieser Zone gehoóren ausser den beiden schon erwáhnten
Gattungen die folsenden Arten an: Asaphus ingens, Calymene parvula,
Cheirurus completus, Placoparia grandis.
Charakteristisch ist der Unterschied auch in den anderen Classen, obwohl die
Reprásentanten derselben in ihren Individuen und Arten ziemlich beschránkt sind.
Von Phyllopoden ist in dieser Zone eigenthůmlich die Gattung Pterocaris mit
1 Art; von Ostracoden greift Beyrichia aus der Zone d, herůber und dann weiter
in die hůheren Zonen der Etage D; die Gattungen Nothozoe und Zonozoe mit.
1 und 2 Arten sind dieser Zone eigenthůmlich. Die Cirrhipeden Antifopsis und
Plumulites greifen aus d, herůber. Von Cephalopoden erscheint nur Ortho-
ceras; von Pteropoden aber namentlich zahlreich die Gattung Conularia, be-
sonders ČC. anomala und Č. consobrina; die Acephalen sind ziemlich selten,
am háufigsten ist Nucula. Von DPrachiopoden erscheinen am háufigsten Orthis
redux, Orthisina cava, wáhrend Discina grandis, Orthis Drahovien-
S1s sich ausschliesslich auf diese Zone beschránken.
Als besonders charakteristisch fůr die Ouarzitzone sind auch eigenthůmliche
cylindrische oder rohrenfórmice Gebilde, die senkrecht auf die Schichtung in das
Gestein eingesenkt sind und in ihrer centralen Hohlung nicht selten eine dunkle
thonice Ausfůllune haben. Sie erinnern manchmal an Fucoiden, manchmal an die
von Hall Scolithus linearis genannten Wurmróhren, die eine analoge Zone
der brittischen GOuarzite bezeichnen.
Sie sind fast im ganzen Bereiche der Auarzitzone d, verbreitet, und erscheinen
auch da, wo die anderen organischen Reste fehlen.
Die Verbreitung der Zone d..
Die Auarzitzone d; ist im ganzen Silurbecken von seinem áussersten sůdwest-
lichen Anfang bei Plzenec bis zu seinem áussersten nordostlichen Ende bei Tlusto-
vous unweit Ouval verbreitet, und zwar, wie schon erwáhnt, úberall an die eisen-
steinfůhrende Zone d, gebunden, der sie aufeelagert ist. Orographisch lásst sich
der Verbreitungsbezirk der Auarzite in fůnf Bergzůge zerlegen, von denen der erste
und zweite die isolirten Auarzitkuppen zwischen Plzenec und Mauth, dann
zwischen Zbirov und Althůtten, der dritte den Ouerriegel der Auarzitberge
zwischen Kařez und Oujezd westlich von Hořovic einnimmt. Durch diesen Ouerriegel
wird. der elliptische Ouarzitwall abgeschlossen, den an der sůdlichen Flanke des
Silurterrains der grosse Brdarůcken als vierter, und gegenůber an der nórd-
lichen Flanke des Silures der kleine Brdarůcken oder die Brdatka als fůnfter
Ouarzit-Berozue bildet.
I. Die isolirten Auarzitkuppen zwischen Plzenee und Mauth.
-© Die hoheren Bergkuppen im Bereiche der eisensteinfůhrenden Zone zwischen
Plzenec und Rokycan und ebenso die Kuppen im Račgebirge zwischen Holoubkau
und Mauth bestehen aus isolirten Ouarzitdecken, deren einstiger Zusammenhang
“ offenbar durch Felsitporphyr zerstórt wurde, als dieses eruptive Gestein, das jetzt
' den Kern dieser Berge bildet, aus dem Erdinnern hervordrang, die Auarzitdecke
zersprengte und einzelne Schollen derselben sammt der untergelagerten Eisenstein-
| zone emporhob.
Der am weitesten gegen Sůidwesten gelagerte Punkt, wo Auarzit auftritt, ist
| die Kuppe des Hůgels Hůrka (429 M.) bei Plzenec. (Fig. 41.)
| Otradiště. + urka. Šťáhlavský vrch.
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B Az. Schiefer. P Porphyr. d,afBy d, Silurische Schichten.
| Fig. 41.
Der Auarzit zieht sich von hier, durch eine Schlucht unterbrochen, óstlich
-auf den Waldhůgel Sutice und weiter auf den kahlen Hůgel Skalice (461 M.)
zwischen Timakov und Lhota. (Šiehe Fig. 10.) Nach einiger Unterbrechune tritt
„moch ein nicht breiter Streifen von Auarzit ostlich vom letztgenannten Ort auf und
-zieht sich zum nordlichen Gehánge des Berges Kotel (574 M.), dessen Kuppe aus
Grauwackenconelomerat (d,e) besteht. Siehe Fig. 11. Alle diese kleinen Auarzit-
parthien sind ihrer Lagerung nach, da sie nordlich einfallen, die Reste eines zer-
stórten Muldenfligels, als dessen Gegenstůck, námlich als der nordliche Saum der
Mulde sich der Auarzit ergiebt, der den waldigen Hiůigel Stradiště (496 M.) bei
Letkov und den Kamm des Berges Čilina (520 M.) sůdostlich von Ejpovic bildet.
In den Auarziten der beiden letzten Berge kommen Dalmanites socialis und
Orthis redux vor.
Grósser und máchtiger sind die GAuarzitschichten auf dem Račgebirge
nordlich von Holoubkau. Siehe Fig. 12. Sie bilden den máchtigen steil ansteigenden
von West nach Ost streichenden Kamm des waldigen Račberges zwischen Glas-
hůtten und Dlouhá Lhota, der mit grossen, aus zerbrochenen Ouarzitbánken ent-
standenen Blócken bedeckt ist, wáhrend an der Sůdseite diese Bánke theilweise unter
sehr steilen Winkeln an den Berelehnen anstehen. Oben am Kamme sind die Reste
uralter Steinwálle bemerkbar, in deren Bereiche sich die hóchste Kuppe, Brno
genannt (715 M.), erhebt. Eine ausgedehnte Aussicht auf das westliche Silurcebiet
und auf die Hochtláchen der azoischen Schiefer bis zu den Basaltbergen bei Manětín
eroffnet sich von diesem Gipfel.
Der Auarzit des Rač ist stellenweise fast krystallinisch, stellenweise wieder
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feinkórnieg und můrbe, so dass er als Sand in den Glashůtten von Břas verwendet
wird. In manchen Blócken steckt eine Unzahl von Scolithusróhren. |
Ein Sattel, úber den die Strasse von Glashůtten nach Holoubkau fůhrt, trennt
den Rač von einem sůdlicher gelegenen etwas niedrigeren Riicken, dessen Kamm
ebenfalls aus Guarzit besteht, wáhrend die Basis die eisensteinfůhrende Zone d,
und der Kern Porphyr enthált.
Das westliche Ende dieses Růckens ist die Kuppe Hradišt (619 M.), die eine.
Burgruine trágt und úber dem gráflich Sternbereschen Schlosse Březina sich erhebt.
Siehe Fig. 15. Auch hier sieht man steile Ouarzitbánke an der Sůdseite, wáhrend hóher
hinauf die Lagerung derselben weniger geneigt ist. Das ostliche Ende des Růckens
bezeichnet eine im Wald aufragende máchtige Felsenklippe, Rum pal genannt
(638 M.). In der weiteren ostlichen Fortsetzung des Růckens, dessen innere Masse
aus der eisensteinfůhrenden Zone und Porphyr besteht, erstreckt sich noch eiue
Ouarzitkuppe im Walde ober Těžkov (598 M.).
Eine kleine Auarzitparthie befindet sich auch auf der Kammhóhe des Chlum-
berges (560 M.), dessen Hauptmasse Porphyr ist.
Der Vydřiduch, der sůdlichste unter den Bergrůcken des Račgebirges, trást
úber seinem mit der eisensteinfihrenden Zone bedeckten Porphyrkern keine Auarzite,
aber in der óstlichen Fortsetzung dieses Růckens tritt in der Širská hora
(589 M.) ober dem Dorfe Siré und dann sůdlicher davon im Walde Chejlov ober
Holoubkau Auarzit auf, von denen der letztere in dem flachen kahlen Růcken, au!
dem die St. Adalbertskapelle oberhalb Mauth steht, noch eine Štrecke weiter óstlich
bis in die Waldstrecke Ch meliště (520 M.) sich verbreitet. Man findet auf diesem
Růcken Dalmanites socialis, Calymene parvula, Orthis redux. Ein
kleiner Ouarzithůgel an der sůdlichen Seite der Strasse zwischen Mauth und Kařez
deutet zuletzt die weitere sporadische Verbreitung des Auarzites und seinen ehe-
maligen Zusammenhang mit dem grósseren GAuarzitterrain ober Kařez an, der zu
dem Auerriegel gehórt, úber den weiter unten gesprochen wird. (Siehe Fig. 15.)
Auch auf der nordlichen Seite des Račkammes erhebt sich auf porphyrischer
Basis Auarzit mit untergelagerten Eisenstein fůhrenden Schichten. Er bildet hier
nordlich von der Strasse, die nach Vejvanov fůhrt, zwei Kámme, einen sůdlicheren
„Na Solech“ (576 M.), und einen nordlicheren Bílá Skála genannt (597 M.)
ober Sebečic; in die Lůcke zwischen beide Kuppen zieht sich der óstlichste Aus-
láufer des Radnicer Steinkohlensandsteines von Skomelno hinauf. (Siehe Fig. 12.)
2. Die isolirten Ouarzitkuppen zwischen Zbirov und Althiůtten.
Dieselben bilden die kammartigen Gipfel jener isolirten auf azoischen Schiefern
abgelagerten eisensteinfůhrenden und reihenweise gegen Nordost sich erstreckenden
Parthien; die im vorigen Abschnitte náher bezeichnet wurden.
Der westlichste dieser Kámme fůhrt den Namen Hřebeny (536 M.) und
erhebt sich sůdlich von der Strasse, die von Zbirov úber Lišna nach Svatá fihrt.
Der zweite Kamm, norděstlich vom vorigen, fůhrt den Namen Dlouhá Skála
(561 M.); der dritte bei Kublov, eine weithin sichtbare Kirche tragend, heisst Velis
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| (985 M.). Der vierte und hochste Auarzitkamm erhebt sich zwischen Neu-Joachims-
thal und Hudlic und fihrt den Namen Krušná Hora (606 M.) (Siehe Fig. 39.)
Eine vorzůglich belehrende Úbersicht des umgeberden Terrains, von dem
máchtigen Porphyrrůcken im Norden mit der Kuppe Vlastec (609 M.) und iiber die
dunklen Kieselschieferklippen bei Svatá und Hudlic ins mittelsilurische und ober-
| silurische Terrain der Umgebungen von Beraun, bis zum Waidrůcken des grossen
Brdarůckens, eróffnet sich von allen. diesen Hóhen.
| Die zwei kleineren Schollen von Auarzit, die auf der úber die Beraun im
| azoischen Schiefer herůbergreifende Diabaszone bei Otročín und Stradonic liegen, sind
schon frůher erwáhnt worden. Šie vermitteln den Úbergang zu den Auarzitzůgen
| am rechten Beraunufer, die weiter unten erláutert werden.
|
9. Der Ouarzit-Ouerriegel zwischen Kařez und Oujezd.
| Ostlich von Kařez und Chesnovic erhebt sich auf eisensteinfůhrender Basis
(d,) ein ansehnlicher bewaldeter Auarzitbergzug, der von den bisher beschriebenen
| einzelnen Auarzitparthien sich dadurch unterscheidet, dass er von Nord gegen Sůd
| streicht und gegen Osten einfállt und dann namentlich auch dadurch, dass sich an
| seine Óstlichen Flanken die Grauwackenschiefer der hóheren Zonen, námlich d,
(und d, anlagern, welche Schiefer im sůdwestlichen Theile des bohmischen Silures
| gánzlich fehlen. Dieser Auarzitzug stellt sich seiner Lagerung nach als der westliche
| Abschluss des geschlossenen Auarzitwalles dar, der die Mitte des Silurbeckens um-
| schliesst und er verbindet hiermit als ein Auerriegel die beiden nach Nordost strei-
| chenden Gebirgsriůcken des grossen und des kleinen Brda, welche die beiden Flůgel
© des lánelichen Beckens bilden.
Aber auch dieser Auerriegel ist nicht ohne Unterbrechung auseebildet. Denn
die Auarzitdecke, aus der er besteht, und die ehedem ununterbrochen von dem
nordlichen Rande des Silurbeckens bei Borek unweit Zbirov bis zum sůdlichen
Rande desselben bei Kváň sich ausdehnte, ist durch die antiklinale Schichtenerhe-
bung des Berges Ivina, dessen porphyrischer Kern die Ursache dieser Schichten-
aufstauung darstellt, in zwei Parthien zersprengt und erst hinter Komorau ist die
Vereinigung dieser Parthien durch die im Thale des rothen Baches anstehenden
Auarzite angedeutet.
Die nordliche durchgehends bewaldete Auarzitparthie des Auerriegels erstreckt
sich sůdlich von der Ararialstrasse zwischen Cerhovic und Kařez bis gegen Volešna
zum něrdlichen Fusse des Berges Ivina. Diese Parthie fállt entsprechend ihrer
Lagerung einerseits steil gegen Westen, námlich gegen die mit den eisenstein-
fiihrenden Schichten der Zone d, bedeckte Fláche von. Mauth-Volešna, auf der sie
aufgelagert ist, und andererseits stufft sie sich gegen Osten allmáhlich ab zu den
Ackerfláchen bei Oujezd (westlich von Hořovic), deren Untergrund schon aus Grau-
wackenschiefer der Zone d, besteht. Die bedeutenderen Hóhenpunkte dieser Auar-
zitparthie ist der Berg Hrobiště (515 M.) ober Oujezd, die Kařízská hora.
(561 M.) ober Kařizek und die Hřebeny (564 M.) ober Volešná.
In der Kařízská hora ist durch eine secundáre antiklinale Aufstauung der
Schichten die eisensteinfihrende Zone hoch zu Tage gedrinet und durch Berebau
aufgeschlossen. Siehe Fig. 14.
D4
Der antiklinale Schichtenbau des Berges [vina (609 M.) und des Hůgels
Milina (siehe Fig. 15), dessen der Zone d, angehórige Schichten schon friiher
besprochen wurden, trennt die nordliche Ouarzitparthie von der sůdlichen.
Diese Auarzitparthie beginnt mit einer isolirten Auarzitberekuppe bei Ches-
novic, von der sich sůdlich im Růcken Kopaniny (585 M.) genannt, bei Těny
ein. zusammenhángender Auarzitkamm entwickelt, der in seiner óstlichen Fort-
setzung von dem Guerthale des St. Benignabaches und weiter vom Guerthale des
rothen Baches bei Mrtník unterbrochen wird, so dass man in den Thaldurch-
schnitten die untergelagerte Eisenstein fůhrende Zone deutlich erkennt.
Zwischen diesen beiden Auerthálern bildet der Ouarzit die Kuppe des Berges
Hlava (542 M.) Óstlich jenseits des rothen Baches breitet sich dann der Auarzit
auf der eisensteinfihrenden Grůnstein- und Schieferunterlage in bedeutender Mách-
tigkeit in einer synklinalen und antiklinalen Welle aus und bildet zwei gróssere
Kuppen, die Kuppe Čihadlo (540 M.) bei Hvozdec und den Giftberg (Jedová
hora (530 M.) bei Neřežín (siehe Fig. 16), von denen die erstere eine antiklinale
Wólbung, die letztere aber dem sůdlichen steil gehobenen Rande der synklinalen
Lagerung entspricht, da wo sie auf den Eisenstein fihrenden Schichten aufgelagert
ist. Die antiklinale Wólbung des Čihadlo ist eigentlich die Fortsetzung der Schich-
tenaufstauung des [vinaberges, dessen Eisenstein fůhrende Schichten sich hier unter
den Auarziten verbergen, und sie setzt sich sůdlich vom Thale des rothen Baches
in dem kahlen, flachen Růcken Kamenný vrch (474 M.) und Šibenice (462 M.)
bis in den waldigen Hůcel Dražovka (441 M.) ober Hořovic fort, wo der Auarzit
unter dem aufgelagerten Grauwackenschiefer (d,) verschwindet,
Der steil gehobene áussere Rand des Auarzitzone, da wo zwischen ihn und
die Třemošnaconglomerate und die weiter sich anlagernden Jinecer Schiefer (U)
die eisensteinfůhrende Zone (d;,) eingefigt sind, macht sich durch eine Reihe von
Ouarzitklippen kenntlich, die man aus dem Ouerthale des rothen Baches oberhalb
Mrtník úber den Giftbereg durch die Podluher Wálder bis auf den Berg Ostrý
(9551 M.) ober Felbabka verfolgen kann. (Siehe Fig. 17.)
Auf dem letzteren Berge, dessen Kamm aus diesen GOuarziten zusammen-
cesetzt ist, und von dessen uralten Wállen eine ausgezeichnete Aussicht auf das
niedrigere Silurterrain von Hořovic gegen Beraun sich eróffnet, sieht man die steil
gegen Nordwest einfallenden, mánniefach cgestórten Schichtenstellungen des Guar-
zites besonders deutlich, und man erkennt, dass durch diesen steilen GAuarzitrand
eine Ausbuchtung des silurischen Beckens umgránzt wird, in dessen Thalsohle einer
der letzten westlichen Ausláufer der Grauwackenschiefer der hóheren Zone (d,)
abgelagert ist.
Eine zweite áhnliche Ausbuchtung des Sůd-Westrandes des GAuarzitbeckens
bildet ostlich jenseits des Litavathales, das den Berg Ostrý vom Plešivec trennt,
de Thalgegend, in deren Mitte die Stadt Hostomice liegt und die in einem Halb-
kreis von den Berglehnen des Plešivec und des erossen Brdarůckens umgeben ist,
4. Die Ouarzitrůcken des grossen Brdawaldes.
Mit dem Namen Brda wird seit Altersher der waldige Gebirgsrůcken be-
zeichnet, der sich aus der Gegend von Hostomic gegen Kóniesaal erstreckt und
DD
© dessen einfach und gleichfórmig gcedehnter Kamm aus den zu Tage cehenden und-
nordwestlich einfallenden Auarzitschichten des sůdlichen Randes unseres Silurbeckens
- besteht. Der analoge nordliche Auarzitrand bei Beraun fůhrt wenigstens in einem
Theile den Namen Brdatka (kleine Brda), welchen sehr passenden Namen wir
aber auf den ganzen nordlichen Auarzitrand des Šilurterrains ausdehnen wollen,
wáhrend wir das eigentliche Brdagebirgce als den grossen Brdawald bezeichnen.
Zum System des grossen Brdawaldes gehórt offenbar auch der Berg Plešivec,
ober Hostomic (siehe Fig. 18.), da er trotz seinem abweichenden von Nordwest
nach Sůdost gehenden Streichen mit demselben im ununterbrochenen Zusammen-
hange ist. Er bildet hier wie schon am Schlusse des vorigen Absatzes bemerkt
wurde, mit dem siůdwestlichen Ende des Brdagebirges eine Ausbuchtune des von
hohen Ouarzitkámmen umsáumten Silurbeckens, in deren Thalgrunde sich die hoheren
"Grauwackenschiefer (d;) ablagern.
An dem něrdlichen Ende des Plešivec bei Lhotka deuten die im Litavathale
zu Tage ausgehenden Auarzite den Zusammenhang mit den Auarziten des Berges
Ostrý an und man erkennt, dass die Ouarzitschichten hier im Streichen einer knie-
fórmigen Umbiegung unterliegen, indem sie im Ostrý gegen Siůdwest mit nordwest-
lichem Abfall, und im Plešivec gegen Siidost mit nordostlichem Abfall streichen.
Das tiefe von Sůd nach Nord gerichtete AOuerthal der Litava durchsetzt gerade
diese kniefórmige Umbiegung der Auarzitschichten und greift hier, wie schon frůher
erwáhnt wurde, bis in die untergelagerten Schiefer der Primordialfauna (C) und die
eisensteinfůhrende Zone (dj) ein, so dass diese Schichtenzonen im Litavathale sowohl
am Fusse des Berges Ostrý als am Fusse des Plešivec anstehen.
Mit steilen Gehángen erhebt sich der Plešivec am rechten Litavaufer ber
diesen Schichtenzonen und seinen Růcken bilden máchtige flach gelagerte Ouarzit-
bánke mit prallen gegen das Thal sich abstiůirzenden Wánden, welche senkrecht
zur Schichtung gestellten Bruchfláchen angehóren. Am óstlichen Gehánge, namentlich
aber am nórdlichen Ende des Berges werden die Schichten steiler und fallen unter
die angelagerten Grauwackenschiefer (d;, d,) ein. Die langgestreckte Kammhóhe
trást einen grossen vorhistorischen Steinwall, an dessen Rande eine Felsenkuppe
-die Hóhe von 636 M. erreicht.
Eine Einsattelung, úber welche die Strasse von Hostomic nach Jinec fůhrt,
trennt den Plešivec von dem eigentlichen Prdarůcken, der von hier an in nord-
ústlicher Richtung und an den Bergzug der Třemošnaconglomerate angelehnt und
von demselben nur durch die eisensteinfůhrende Zone (d;,) getrennt, sich ein-
formig gegen Kóniesaal fortzieht und zwar so, dass er hier sowohl seiner grósseren
Hóhe als auch seines scharfen Kammes wegen die Gegend beherrscht.
Der Kamm fállt mit einem kurzen aber steilen Absatz gegen Sůdost, námlich
gegen die Třemošnaconglomerate ab, gegen Nordwest sind die Gehánge aber weit
ausgedehnter und es entwickeln sich an demselben offenbar lánes grosser, dem
Streichen paralleler Bruchlinien parallel zum Hauptrůcken verlaufende, háufig
unterbrochene Nebenrůcken, von denen namentlich der vom Forsthause Rochoty
gegen Dobřichovic sich erstreckende, sich deutlich entwickelt. Die Gehánge sind
úberall mit zertrůmmertem (Auarziteestein und Gebiresschutt und am Fusse mit
máchtisem thonartigen Detritus bedeckt, so dass feste anstehende Felsen nur
stellenweise zum Vorscheine kommen,
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Die am Sůdwestende des Bergrůckens sich zuerst erhebende Kuppe des Haupt-
růckens ober Čenkov heisst Písek (Sand, 688 M.), indem der weisse brócklige ©
Auarzit dort fůr Glashitten gewonnen wird. (Siehe Fig. 18.) Dann folgen in
nordostlicher Folge die Bergkuppen Velká Baba (611 M.) und Malá Baba
(stehe Fig. 19), hlerauf nach einer durch die geologisch interessante Schlucht bei
der Miůhle Zátor (wo námlich die Primordialschiefer im Thalerunde erscheinen)
veranlasste Unterbrechung die Kuppe Studený (659 M.) und an der Einsattelung
der Strasse von Vosov nach Dobříš, die Kuppe Hradec (623 M.) mit alten Wállen
(siehe Fig. 20), hierauf oberhalb Vižina die Kuppe Brdo (601 M.) und oberhalb
Kytín der Kamm Boží Vrážka (588 M.) und weiter die, eine weithin sichtbare
Kirche tragende Skalka (549 M.) ober Mníšek und endlich der Brdavý oder
Hlavatý Kamen (514 M.) ober Řidka.
Am Nebenkamme, der durch die úber den Hauptkamm fiihrende Bezirksstrasse
von Mníšek nach Řevnic durchschnitten wird, erhebt sich mit steileren Klippen
die Kuppe Babka (506 M.) und Strážný (506 M.) und man bemerkt hier an
dem grossen Schichtenbruch, lánes dem diese Kuppen anstehen, auch die unter-
celagerten Diabasen der Zone (d,), wodurch eben die Bruchlinie unverkennbar
angedeutet wird. (Siehe Fig. 21.)
Zwischen Černolic und Všenor durchbricht ein kurzes Ouerthal den ganzen
Gebireskamm von der azoischen Schieferunterlage durch die Schiefer der Zone d,
und die Auarzite d, bis in die aufeelagerten Grauwackenschiefer d;, und d, und
deckt die PBruchlinien, die den Ouarzit durchsetzen, auf.
In der weiteren Fortsetzung zwischen dem Beraunfluss und der Ararialstrasse
von Jilovišť nach Báné bei Kónigsaal, senkt sich der Gebiresrůcken in der Wald-
strecke Kopaniny und Lipsko zu 409 M. und 558 M. ab, so dass die Auarzit-
bánke nur wenig úber das von Porfyr durchsetzte azoische Schiefergestein sich
erheben. Diese Auarzitbánke haben hier gegen Nordost eine sehr steile, ja stellen-
weise fast úberkippte Lagerung (siehe Fig. 22) und keilen sich zwischen den
ebenfalls steil gelagerten Grauwackenschiefern (d;) und den azoischen Schiefern
ober dem Dorfe Záběhlic sůdlich von Konigsaal ganz aus.
Am rechten Ufer des Moldauthales, das in einem tief eingefurchten Thale
von Sid nach Nord das Silursystem durchsetzt, treten bei Závist die Grauwacken
schiefer (d,) in scharfen Faltungen unmittelbar mit den azoischen Schiefern der
Berge Hradiště (389 M.) und Čihadlo (583 M.) in Berůhrung, und zwar lánes
der Bruchlinie, die sich aus dem Brdawalde guer úber die Moldau fortsetzt. —
Máchtige Porphyrmassen bilden den Kern dieser Berge, die offenbar, so wie bei
Rokycan und Mauth, erst durch den Aufbruch der Porphyre nach der Bildung der
Ouarzite (d,) entstanden. Ein merkwůrdiger vorhistorischer Šteinwall erstreckt sich
guer úber die Schlucht bei Závist zwischen den beiden Bergen Hradišť und Čihadlo
bis auf die Kuppen derselben, und erhóht das Interesse dieser auch in pitoresker
Beziehung ausgezeichneter Gegend, welche schon von den Prager Moldaubrůcken
gesehen, den sůdlichen Horizont von Prag malerisch abschliesst.
Erst nordlich von Modřan, zwischen Lhotka und Neuhof (295 M.) tauchen
die Ouarzitlager (d,) in einem Schotterbruche wieder auf, und verbreiten sich von
da in der flach hiigeligen Gegend óstlich von Prag in niedrigen Hůgeln bis Ouval.
Man sieht sie in theils synklinalen, theils antiklinalen Faltungen, von der unter-
sy
| gelagerten Schieferzone (d,) begeleitet, lánes der Gránze der azoischen Schiefer,
| so in dem waldigen Thálehen bei Kunratic in einer antiklinalen Aufstauung, dann
(bei Litochleb, wo der Auarzit einen niedrigen Růcken (300 M.) bildet, und sich
© bis in das Botičthal zwischen Hostivař und Petrovic fortsetzt, wo man an den
| kahlen Thalflanken die Ouarzite in scharf synklinaler Lagerune antrifft. (Siehe
Fig. 24.) Von da setzt sich der Auarzitzug als ein nur wenig ber die von Sand-
und Schotterschutt der Kreideformation bedeckten Feldfláchen erhobener Hůgel-
(růcken iiber Měcholup (512 M.) zur Podleser Miihle am Pnětluker Teiche. Er
(tritt da zwischen Dubeček und Pnětluk in einer synklinalen und einer antiklinalen
| Falte zu Tage, deren Kamm der Hiigel Jankov (293 M.) bildet. (Siehe Fig. 25.)
| Von da setzt sich der Ouarzit úber den Thiergarten bei Koloděj auf den Hůgel
„na Sk ské (299 M.) zwischen Šibřín und Oujezd, und dann weiter durch den
nach Tlustovous nordostlich von Ouval fort, wo er in einem
| niederen aber schroffen gegen Siůidwest einfallenden Felsen zu Tage ansteht (285 M.),
| bis endlich seine letzte Fortsetzung unter der Decke des Ouadersandsteines zwischen
| Břežan und Černíky (247 M.) verschwindet.
| 9. Die Auarzriůcken der kleinen Brda.
| Der Name kleine Brda oder Brdatka gehórt im engeren Šinne einem
| Waldigen Thálchen an und den dasselbe umgebenden Bergen nordwestlich bei Beraun,
| im weiteren Sinne werden hier aber die Auarzitrůcken bezeichnet, welche den Nord-
© rand des bohmischen Silurbeckens begleiten.
Der westliche Anfang derselben ist durch den niederen kahlen Felsrůcken
| Kraví Horka (400 M.) bezeichnet, der von Žebrák angefangen parallel zur Strasse
- nordostlich verláuft. Dieser Hůgelzue taucht plótzlich aus den Grauwackenschiefern
auf, indem zwischen Oujezd und Cerhovic die ussere Ouarzitumsáumung des
Silures fehlt, sondern nordlich úber den Grauwackenschiefern der hoheren Zonen
(d;, d,), auf denen hier Lehm und Gebirosschutt auseebreitet ist, allsogleich der
hohere azoische Schieferrůcken des Obiš (570 M.) sich erhebt. Von der Kraví
Horka zieht sich der Auarzitrůcken gegen Hředl fort, wo er von einem GAuerthal
unterbrochen wird, und erhebt sich jenseits dieses Thales zu ansehnlicher Hóhe,
indem er einen grósstentheils bewaldeten Gebirgskamm lines der frůher erláuterten
eisensteinfihrenden Zone bildet, den nur kleine Ouerthálchen bei Svatá, Dybří und
Boží Voda bei Beraun unterbrechen.
Lángs einer Bruchlinie, die durch zu Tage ausgehende Schiefer der Zone d,y
angedeutet ist, ist der Bergrůcken in zwei parallele Auarzitkámme zertheilt, die
besonders von Dybří angefangen gegen den Beraunfluss deutlich aus einander treten
(siehe Fig. 27.) und auch am Fusse des Gebirgsrůckens bemerkt man antiklinale
Aufstauungen des Auarzites im Gebiete des hoheren Schieferterrains, so namentlich
am Hůgel Čížovka bei Zahořan und zwischen Černín und Zdic in dem Hůgel Hrouda
(Fig. 42), wo aus der untergelagerten Eisensteinzone (d,) Erz gefórdert wird, und
dann in einem runden Hůgel bei Zahořan, der sich gegen Beraun fortsetzt.
Die Hóhenpunkte des Kammes sind zwischen Hředl und Svatá der Hředler
Plešivec (494 M.) und der Kalce-Bere (504 M.), zwischen Dybří und dem
Beraunfluss der Děd (492 M.) nahe am Jágerhause Drabov und der Ostrý (376 M.)
bei Pták unweit Beraun.
D8
Auf diesem Auarzitzuge ist bei dem Dorfe Trubsko, dann bei Drabov und in
dem Brdatkarůcken bei Beraun der Hauptfundort der Petrefakten dieser Zone, die.
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nur noch bei dem Hofe Veselá jenseits des Beraunflusses reichlich auftreten, sonst ©
aber úberall mit Ausnahme der Scolithenrohren sehr selten sind, oder ganz vermisst ©
werden, was namentlich vom sůdlichen Fligel der Auarzitzone cilt, |
Am linken Beraunufer tritt der Auarzit wegen wiederholter Schichtenbrůche
und Verwerfuncen scheinbar in einer viel grósseren Máchtigkeit auf als am rechten
Ufer. Die Mitte des Ouarzitzuges nimmt der durch seine steilen und kahlen, weithin
sichtbaren Lehnen bezeichnete Berauner Plešivec (458 M.) ein, jenseits dessen
im Bereiche der eisensteinfůhrenden Diabas- und Schieferzone (d,) einzelne Schollen
und Parthien des Auarzites (d;) auftreten, die man fůglich als die Fortsetzune der
isolirten Auarzitinseln des Velis und der Krušná hora betrachten kónnte. (Siehe
Fig. 38.) Es ist dies der Kluk (585 M.) ober Hýskov, dann der mehr zusammen-
hángende Růcken Kamenina, Hůrka und Chrbina (durchschnittlich 450 M.),
dessen nordostliches Ende bei der Rejnovský-Můhle vom Kačicer Bache durch-
brochen wird und unter der Guader- und Plánerdecke verschwindet.
Der Anuarzit des Plešivec selbst wird aber durch eine máchtige Bruchlinie
in zwei Zonen getheilt, zwischen welche sich ein gegen Nordost allmáhlich anwach-
sender Štreifen von hóheren Grauwackenschiefern (d;, d,) einfůgt, der im Auerthale
des Kačicerbeckens zwischen Podkozí und Chrustenic schon in einer Breite von
4 Kilometern auftritt und sich úber Prag bis an das nordostliche Ende des Silur-
terrains verfolgen lásst.
Die nordliche Auarzitzone zieht sich vom grossen zum kleinen Plešivec
lános der Thalschlucht von Železná, wo ein merkwůrdices der Basis der Kreide-
formation angehóriges sandiges Trůmmergestein mit grossen silurischen Kalkblócken
(hauptsáchlich der Etage F angehóorend) die GAuarzite bedeckt. Es wurde hier
ehedem Kalkstein fůr die nahen Eisenhůtten gewonnen und der Punkt heisst dem-
nach noch immer Vápenice.
Die Fortsetzune der Auarzitzone streicht dann unter dem kleinen Šteinkohlen-
becken bei Klein-Přílep fort parallel zum Chrbinarůcken und verschwindet gleich-
zeitig mit demselben jenseits des Kačicerbaches unter dem Plánerplateau bei Ptic.
(Siehe Fig. 28.) Erst in dem seichten Thale, das bei Hostivic westlich von Prag
in das Plánerplateau bis auf die silurische Unterlage ausgefurcht ist, taucht der
Ouarzit im Thalgrunde wieder auf, verschwindet aber alsdann wieder unter dem
Plánerplateau zwischen Hostivic und Liboc. Hierauf tritt der Auarzit mit steil ge-
hobenen Schichtenkópfen in kleinen Kámmen und Klippen bei Vokovic und bei
D9
Dejvic zu Tage (siehe Fig. 29.), und lásst sich lánes der Schiefer der Zone d, bis
-m den Baumgarten in Bubeneč verfolgen.
Weiter óstlich unterbricht ihn die Moldau bei Holešovic, jenseits welchen
| Dorfes er in einer von Prag aus sichtbaren grossen Felsenwand (267 M.) bei dem
' Hofe Bulovka ansteht (siehe Fig. 30.) und dann weiter bis zum Hofe „bei der
verlorenen Schildwache“ im Neu-Lieben fortstreicht, wo ein Schlósschen auf der
| Ouarzitklippe steht. Das Prosiker Plánerplateau (290 M.) verdeckt nun die weitere
Fortsetzung des GAuarzitzuges, und nur in den seichten Thalfurchen, die durch
, dasselbe und durch den Auadersandstein bis auf den silurischen Untererund aus-
© gewaschen sind, erscheint der Auarzit noch in einzelnen Schotterbrůchen lánes der
| frůher geschilderten Eisenstein fůhrenden Zone (d;), so zwischen Vinoř und Pod-
| slánka, zwischen Popovic und Dřevčic, bei Vrabí und Brandeis, wo endlich in ge-
| stórter Lagerung die letzte Spur des Auarzites und der silurischen Gesteine úberhaupt
unter Auadersandsteinen verschwindet. Siehe Fig. 51.
| Die sůdlichere Auarzitzone, die am Berauner Plešivec beginnt und von
| der vorigen durch einen sich nordóstlich erweiternden Streifen der Grauwacken-
„ schiefer (d;,) abgetrennt ist, zieht sich zwischen dem Hofe Veselá (wo ein Haupt-
© fundort von d, Petrefakten ist) und dem Dorfe Lhotka auf den Riůicken Březova
1 (400 M.) und man sieht hier in der durch die Bruchlinie gebildeten Terraineinsen-
© kung bei Lhotka einen kleinen sandigen Rest der Kreideformation.
| Dieser Růcken streicht von secundáren Faltungen und Bruchstellen beegleitet
| lánes der grossen Bruch- und Dislocationslinie, durch welche beide Ouarzitzonen
- gebildet wurden, bis ins Kačicer Thal bei Chrustenic, an dessen Lehnen man die
Schichtenwiederholungen (von d, bis d,) ganz besonders deutlich erkennen kann.
Die Fortsetzung des Auarzitzuges jenseits des Kačicerbaches bildet der waldige
Růcken Blyskava (431 M.) und dann einzelne kleinere láneliche Felshůgel, welche
lines der Berauner Ararialssrasse zwischen Hořelic und Chraštan bis gegen Třebonic
anstehen und durch Schottereruben eroffnet sind. (Siehe Fig. 52.)
Auf dem Plateau Píska (389 M.) zwischen Třebonice und Motol bedeckt
Ouadersandstein die Fortsetzung des Auarzitzuges; derselbe tritt aber bald wieder
zum Vorschein und zwar in den Felsenklippen des Košířer Thales, welche die grosse
- Bruchlinie begleiten, an der, wie schon frůher erwáhnt, hier hóhere Thonschiefer
(d;) mit den tieferen Schiefern zusammenstossen. (Siehe Fig. 34.)
Diese Košířer Dislocationslinie setzt sich guer durch die obere Neustadt fort
und zwar ber Emaus und Skalka, wo sie durch anstehende Auarzitbánke ange-
deutet ist, zum ehemaligen Rossthor (Siehe Fig. 95) und zwar so, dass der Bahn-
hof der Franz-Josefsbahn schon auf Schiefern der Zone d, steht, wáhrend der
Ouarzitzug etwas něrdlicher durch die von Gůrten bedeckten Hůgel auf den Žižka-
berg zieht, dessen steile Lehne gegen Karolinenthal gerade in der Bruchlinie liegt,
an welcher im Prager Moldauthal die Grauwackenschiefer (d;) unter die Eisenstein
fihrende Zone (d,) verworfen sind. (Siehe Fig. 36.)
Der Kamm des Žižkaberges (267 M.) besteht aus Ouarzit (d,), seine steile
Lehne aber aus Schiefern der Zone d,, wáhrend in den niederen Hůgeln der Kop-
manka schon Grauwackenschiefer (d;) anstehen. Dieselbe Zusammensetzune hat die
Fortsetzung des Žižkaberees am flachen Růcken Strahov (284 M.) und die Fels-
hůgel zwischen Hrdlořez und Hloupětín, hinter welchem Dorfe am Rande des
60
Plánerplateau westlich von Chvala an dem Eisenbahneinschnitt der letzte sichtbare
Ouarzit zu Tage steht, um alsbald unter der Ouader- und Plánerdecke zu ver-
Schwinden. Šiehe Fig. 31.
Parallel zum Žižkaberg zieht sich sůdlich von demselben ebenfalls schon von
Prag aus, námlich vom Garten des allgemeinen Krankenhauses eine antiklinale
Schichtenaufstauung des GAuarzit, die besonders deutlich in der Gestalt eines Ge-
wólbes am Hůgel u Kříže (274 M.) ober Volšan (siehe Fig. 36) erkennbar, und
vom Auarzitzug des Žižkovkammes durch einen Schichtenbruch getrennt ist, in
welchem die tieferen Schiefer (d,) zu Tage treten. Diese Faltung geht bei Hrd-
lořez vorbei, zwischen Hloupětín und Kyje und verliert sich zugleich mit dem
vorigen GAuarzitzuge unter den (Auadersandsteinen des Plateaurandes vor dem
Dorfe Chvala.
Die Distanz beider von einander durch den Schichtenbruch getrennten Auar-
zitzonen, am nordlichen Saume des Silurterrains, námlich der nordlichen Zone bei
Vinoř und der sůdlichen bei Chvala, zwischen denen breite, grósstentheils unter
den Auadersandsteinen und Pláner verborgene Streifen der Grauwackenschiefer (d,)
eingekeilt sind, betrágt 4"/, Kilometer.
3. Die Zone der dunklen, diůnnbláttrigen Schiefer d-.
Die Zone dieser Schiefer ist die orographisch am weniesten auffallende, indem
sie sich in einer nicht bedeutenden, etwa 80—100 M. betragenden Máchtigkeit an
die Auarzite (d,) anschmiegt und den Fuss der Auarzitrůcken bildet, gewóhnlich
bedeckt vom verwitterten Erdreiche und nur in kleinen Wasserrissen oder Schluchten
aufgeschlossen.
Petrographisch zeichnet sich diese Zone durch gleichfórmig entwickelte, dun-
keleraue bis schwarze, feinglimmerige und důnnbláttrige Schiefer aus, die von den
untergelagerten Ouarziten sich scharf scheiden, in die aufgelagerten gróberen Grau-
wackenschiefer aber allmáhlig úbergehen. Háufig sind diese Schiefer den der tieferen
Zone angehórenden Schiefern der Zone d, ziemlich áhnlich, indessen giebt sich in
ihnen nicht selten eine Neigung zu einer sphároidisch concentrischen Štructur zu
erkennen, was an eine áhnliche Erscheinung im Bereiche der Primordialschiefer
der Jinecer Zone erinnert,
An einigen Stellen, wie in den Einschnitten zwischen Zahořan und Trubín,
dann in der Strecke von Beraun gegen Lodenic findet man in diesen Schiefern
gróssere Knollen und Massen eines unreinen, oft etwas kalkigen, feinkornigen, grauen
Siderites, in welchem einzelne Parthien eine oolithische Struktur besitzen, wáhrend
andere Parthien in Limonit úbergehen. Sie ragen in Folge ihrer hárteren Beschat-
fenheit aus den weicheren verwitterten Schiefern hervor und lassen sich also leicht
auffinden.
Auch der palaeontologische Charakter dieser Zone ist weniger selbststándig
als der der anderen Zonen und ist namentlich mit der folgenden Zone (d,) ziemlich
úbereinstimmend.
Die Trilobiten sind durch 8 Gattungen mit 18 Arten vertreten, also weniger
61
© reichlich als in der vorhergehenden Zone; von diesen sind nur 3 Arten, aber keine
einzige Gattung der Zone d; eigenthůmlich. Diese Arten sind: Cheirurus scu-
ticauda, Dalmanites Deshayesi und Trilobites infaustus. Die Gat-
tungen Aeglina und Dionide, die in der Zone d, fehlen, aber in der Zone d;
vertreten sind, erscheinen in der Zone d, abermals. Von sonstigen Crustaceen
kommen 7 Gattungen in 9 Arten vor, darunter eine Crescentilla ausschliesslich
dieser Zone angehórt, wáhrend Beyrichia, Cythere und Primitia auch in
anderen Zonen erscheinen.
Von Cirrhipeden kommen sowohl Anatifopsis als Plumulites vor, wie
in allen Unterabtheilungen der Etage D.
Die Pteropoden sind mit je 5 Arten Conularia und Hyolithes vertreten.
Die Cephalopoden sind durch die einzige Art Orthoceras inoportunum
angedeutet; die Acephalen lieferten 5 Gattungen mit 16 Arten, worunter 5 dieser
Zone eigenthůmlich sind; die Brachiopoden 7 Gattungen mit 18 Arten. Gastero-
poden, Echinodermen und Graptolithen sind nur spárlich vertreten.
Die Verbreituneg der Schieferzoned; ist an den zusammenhángenden
concentrischen Auarzitzug gebunden, der unsere Silurmulde umschliesst. Am deut-
lichsten und auch palaeontologisch am reichsten tritt sie am Fusse des kleinen
Brdarůckens bei Beraun auf, námlich bei dem Hofe Pták, dann bei der Einschichte
Vinice und bei dem Dorfe Trubín, wesshalb diese Schichtenzone auch den
Namen der Trubiner oder Vinicer Schiefer fihrt. Bei Zahořan spaltet sich
diese Zone in zwei Arme und zwar in Folge einer antiklinalen Schichtenfaltung der
Ouarzitzone (d.), so dass sie nordlich von dieser Faltung in einer synklinalen
Mulde auf Auarziten aufgelagert ist, sůdlich aber davon von dem Auarzitsattel
unter die Grauwackenschiefer d, einfállt. Bei Trubín vereinigen sich wieder beide
Arme; es treten aber hier im Bereiche der Schiefer d, Diabasen auf, die mit den
Diabasen, welche von Zdic gegen Trubín die hóheren Grauwackenschiefer (d, und
d,) durchsetzen, im Zusammenhange zu sein scheinen und die sich bis in die
untergelagerten Auarzite bei Trubín fortsetzen, indem sie daselbst einen ansehnlichen
Felsenhůgel bilden. Von Trubín kann man die Schieferzone d, úber Knížkovic bis
gegen Žebrák verfolgen, wo sie sich wie die anderen Zonen der Etage D unter
Schotter und Lehmablagerung verbiret.
Von Beraun nordostwárts erstreckt sich die Schieferzone d, durch ihren
petrographischen Habitus und ihre Petrefakten leicht erkennbar am Fusse des
Ouarzitrůckens Březová bis gegen Lodenic. Von da weiter gegen Prag erkennt
man sie stellenweise sowohl lángs des nordlichen Auarzitzuges bis Klein-Přílep
und jenseits Nenačovic, als auch lánes des sůdlichen Auarzitzuges bei Motol und
Košíř. In den Umgebungen von Prag begleiten diese Schiefer die Auarzite bei Liboc
und Dejvic und streichen durch den Baumgarten bei Bubeneč bis an das andere
Ufer bei Bulovka fort, und verschwinden erst bei Neulieben unter den GAuadern
und Plánern des Prosiker Plateaus. Auch der Ouarzitzug des Žižkaberges und der
Křížbera bei Olšan ist bis úber Hrdlořez und Hloupětín von diesen Schiefern be-
gleitet, wie man an einzelnen Terraineinschnitten erkennt.
Am sůdlichen Rande der Silurmulde zeigt sich aber diese Schieferzone d,
in einer weniger deutlichen Entwicklung, indem sie grósstentheils durch aufge-
62
schwemmte Triůmmergesteine und Lehm am Fusse des grossen Brdawaldes bedeckt ©
ist.. Doch erkennt man sie in einigen Wasserrissen und Einschnitten entlang des
Fusses der Auarzitrůcken zwischen Vosov und Revnic, so namentlich bei Branšov
segeniiber von Dobřichovic und bei Všenor, und auch an den kleinen Auarzithůgeln ©
jenseits der Moldau bei Kunratic, Dubeček bis gegen Ouval bemerkt man einzelne
Schieferlager auf Ouarziten ruhend, welche nach ihrer Beschaffenheit als dieser
Zone angehórie, betrachtet werden kónnen. Hiedurch ist die Bestándigkeit und
eine, wenigstens in petrographischer Hinsicht bestimmte Selbststándigkeit dieser
Zone im unseren silurischen Gebiete nachcewiesen.
4. Die Zone der Grauwackenschiefer d,.
Die Gesteine dieser Zone sind guarzig thonige elimmerige Grauwackenschiefer
mit eingefůgten Schichten einer guarzigen feinkórnigen oder guarzitáhnlichen Grau-
wacke. Die Farbe der Schiefer ist meist dunkelegrau, háufie ins bráunliche geneigt;
die aguarzitischen Grauwackenschichten sind heller gefárbt.
Die Schichtenfláchen sind wulstig und knollig, und nur in den důnnbláttrigen
Schiefern ebenfláchie. An vielen Orten bemerkt man Faltungen und Windungen
der Schichten, offenbar durch Seitendruck veranlasst, wobei wegen der relativen
Plasticitát des Materiales die Schichten im Zusammenhange blieben, wáhrend die
sproderen guarzitischen Bánke der vorhergehenden Zone d, durch Seitendruck zer-
sprenet und zerbrochen sind. Wegen dieser unregelmássigcen Lagerune ist es nicht
leicht, die eigentliche Máchtiekeit dieser Zone zu bestimmen: sie mag an 1 bis
1, Kilom. betragen, erscheint aber wegen der háufigen Verwerfungen und Fal
tungen viel grósser, ja bis zu mehreren Tausend Metern. Dies ist aber allerdings
nur scheinbar, indem sich dieselben Schichtenlagen in abwechselnden synklinalen
und antiklinalen Wellen wiederholen, so namentlich im Moldauthal unterhalb Prag
am Belvedere, im Thale von Vosov, bei Hořovic u. s. W.
Wie zwischen den Schieferschichten der Zone d;, werden auch in dieser Zone
mehr oder weniger grosse linsenformice Ausscheidungen eines grossen, mehr oder
weniger kalkicen Šiderites angetroffen, der durch Verwitterung in Limonit úbergeht.
In dem nórdlichen Muldenflůgel des Silurterrains ist bei Nučic ein grosses
Eisenerzlager in den Schiefern eingeschlossen, das beremánnisch abgebaut und
in den Eisenhůtten von Kladno und Kónieshof verschmolzen wird. Die Máchtigkeit
dieses Lagers erreicht bis 16 Meter, es verschwácht sich aber allmáhlich sowohl
in westlicher als in óstlicher Richtung und keilt sich endlich ganz aus. In der
Gegend von Nučic steht es felsenartieg zu Tage an, so dass es hier durch Tagbaue
gewonnen werden kann.
Das Erz selbst ist ein linsenfórmie oolithisches, dunkelerůngraues, seltener
bláulich graues Eisenoxydulsilikat, wáhrend die allgemeine Grundmasse, in der die
linsenfórmigen oolithen Silikate ausgeschieden sind, ein bráunlich grauer Siderit ist.
Es náhert sich in seinen Eigenschaften den als Chamoisit angefůhrten Eisenerzen,
Einzelne Stůcke des Erzes besitzen magnetische Kraft, ja es kommen selbst polaristh
wirkende Bruchstůcke vor.
An den Ausbissen und in den das Erzlager durchsetzenden Auerklůften ist
| | 63
verwandelt. ;
| Von seiner Hauptablagerune bei Nučic kann man das Erzlager nach seinem
mordostlichen Streichen ber Jinočan bis gegen die einsame Kirche Krteň bei
Třebonic verfolgen; in sůdostlicher Richtune ist es úber Lodenic bis gegen Vraž
„nachgewiesen.
In palaeontologischer Beziehune trágt diese Zone den Charakter der zweiten
silurischen Fauna gleichmássie wie die Zone d;, und ist sowohl den Arten als den
"Individuen nach ziemlich manniefach und reichhaltig.
p Erz durch Verwitterung in limonitáhnliche, braune und bráunlich celbe Erze
|
j
Die Trilobiten erscheinen in 9 Gattungen, von denen eine in einer Art,
měmlich Telephus fractus hier zuerst erscheint. Die úbrigen Gattungen stammen
(aus den tieferen Zonen der Etage D und enthalten 25 Arten, von denen vier dieser
| Zone eigenthůmlich sind, námlich Acidaspus Kaiserlingi, A. tremenda,
(Homolonotus medius und minor.
Von anderen Crustaceen kommen vier Gattungen Ostrapoden: Beyrichia,
„Cytheropsis, Hippa, Laperditia und zwei Gattungen Circhipeden: Anati-
fopsis und Plumulites vor, im Ganzen mit 8 Arten, wovon 3 dieser Zone
eigenthůmlich sind. Von Pteropoden sind 11 Conularien und 7 Hyolithen
-aus dieser Zone bekannt, erstere mit 1, letztere mit 2 nicht weiter verbreiteten
-Arten; Die Cephalopoden kommen sparsam vor und zwar nur in der Gattung
(Orthoceras mit 7 Arten; die Acephalen und Brachiopoden sind aber wieder
zahlreicher, und zwar die ersteren mit 10 Gattungen und 51 Arten; die letzteren
„mit 9 Gattungen und 40 Arten. Von Acephalen erscheinen hier zuerst die Gat-
"tungen Cypricardinia, Orthonota; von Brachiopoden die Gattung Crania.
Auch Echinodermen, namentlich Cystideen sind háufig und fůllen bei Vraž
und Zahořan ganze Schichtenlagen aus, so namentlich Aristocystites bohe-
"micus, Dendrocystites Sedewicki; in den Schiefern bei Nučic ist Echino-
sphaerites Helmhackeri eine ausgezeichnete Erscheinung.
Graptolithen kommen auch vor, aber selten. Desto háufiger sind auf gewissen
»Schichtenfláchen der Ca dnafér wulstartige dichotomische Abdrůcke, die
„von Fucoiden herrůhren und mit dem Namen Chondrites antiguu's Šternb.
bezeichnet sind.
Die Verbreitung der Grauwackenschiefer d, ist durch die Thal-
gecenden angedeutet, welche am Fusse des Walles der Ouarzitrůcken des grossen
und der kleinen Brda das in der Mitte des Šilurbeckens gelegene Kalksteinplateau
koncentriseh umgeben. (Fig. 45, s. S. 64)
Der áusserste Saum dieser Grauwackenschiefer gegen Siidwesten reicht bis
in die beiden frůher erwáhnten Ausbuchtungen, welche der wallartige Ouarzitrand
an den beiden Flanken des Hostomicer Plešivec bildet. Die Ausbuchtung nordlich
vom Plešivec umfasst die flache Gegend zwischen Hořovic und Žebrák bis Oujezd
sůdwestlich von Cerhovic; die Ausbuchtung sůdlich vom Plešivec bildet das Thal
von Hostomic.
Beginnen wir die Umgehung der Grauwackenschieferzone d; von Hostomic an
gegen Nordost, so gelangen wir aus der gegen Sůden im Halbkreise von dem
Plešivec und dem ©<rossen Brdawalde umschlossenen Thalgegend von Hostomic
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(359 M.) in das schóne, gut angebaute und bevolkerte Lángsthal von Vosov, dessen
nordliche Gránze der Auarzitrůcken der Housiny (d;) und die sich ihm anschlies-
senden Kalksteinberge Samor und Mramor (e,, e,) bilden, wáhrend an der sůdlichen
N Litavathal. Vosoverthal. S
Brdatka Damil Jóbolka. Mramor,
SNN
N SIL
DAD SD
d,—d; Untersilur. e e F « Obersilur Di Diabas.
Fig. 43.
Seite des Thales der dicht bewaldete grosse Brdarůcken sich erhebt und gecen
Nordost fortzieht. Der Thalgrund besteht aus flachgewellten Hůgeln, die aus wellen-
fórmig gebocenen Grauwackenschiefern bestehen und nur náher am Brdawald etwas
mehr sich erhóhen, wie am Chlumek (422 M.) bei Běhčín, an der Šiberna
(450 M.) zwischen Hostomic und Chlumec und an dem Hůcel zwischen Hatě und
Rochoty. Der tiefste Thalgrund am Chumavabache unter Neumětel hat die Seehóhe
von 300 Metern. Bei Radouš durchbricht ein kleiner Diabasstock die Schiefer
(siehe Fig. 19.), die sonst nur in Hohlwegen und anderen Terraineinschnitten zu
Tage treten, sonst aber von Ackerboden und dem herabceschwemmten thonigen
Detritus und dem Šteinschutt des Brdagebirges bedeckt sind.
Bei Hlazowic unweit Vosow ist ein reicher Fundort von Petrefakten.
Eine kaum merkbare Erhebung des Thalbodens (358 M.) zwischen Vižina und
Všeradic bildet die Wasserscheide der Thalbáche, von denen der eine námlich der
Chumavabach westwárts zur Litava, der andere, der Velicebach nordostlich zur Beraun
abfliesst.
Bel Třebaň tritt von Nordwest der Beraunfluss aus einem Ouerthale, mittelst
dessen er das obersilurische Kalkplateau durchbricht, in dieses Lángenthal ein und
bewássert, in die Grauwackenschiefer d, eingefurcht, das schone malerische Thal
zwischen dem Kalksteinplateau und dem Brdarůcken ber Řevnic, Dobřichovie,
Všenor bis zu seinem Ende bei Kóniesaal. Hier úbersetzt die Grauwackenschiefer-
zone d, die Moldau und steht am rechten Ufer diesen Flusses in geologisch sehr
interessanten Lagerverháltnissen an, indem die manniefach geknickten und gefalteten
Grauwackenschiefer an einer Dislocationskluft widersinnie unter die azoischen
Schiefer einfallen
Von da steigen die Grauwackenschiefer auf die Hiůgel des rechten Moldau-
ufers und verbreiten sich in einem nicht breiten Streifen zwischen Závist und
Modřan auf das Plateau bei Lhotka und lánes des Ouarzitzuges ber Oberkrě
segen Roztyly, dann auf die fachgewellte Gegend zwischen Štěrbohol und Běchovic
bis in den Wald Fiederholz, grósstentheils von Sand und Schutt von zerstórten
Ouadersandsteinen bedeckt. Endlich streicht diese Grauwackenschieferzone bei Ho-
roušan und Vyšerovic bis zum Fusse des Ouader- und Plánerplateaus, unter dem
z 05
/sie sich bei Vykáň und Černíky verliert. Die něrdliche Gránze dieser Zone geht
"hier lángs einer Linie von Hodkovičky, Záběhlic, Štěrbohol und Počernic, lánes
'deren sie von aufgelagerten Schiefern der Zone d; bedeckt wird, wáhrend anderseits
| der schon frůher besprochene Ouarzitzug von Kunratic-Ouval sie an der Sůdseite
(begránzt.
| Kehren wir nun zu unserem Ausganespunkt bei Hostomic zurůck, um die
(Grauwackenschieferzone (d;) an der Nordseite des Silurbeckens zu verfolgen. Die-
(s zieht sich von Hostomic bis Lochovic um den nordlichen Fuss der Plešivec
"herum und fůllt dann die Mulde der nordlichen Auarzitausbuchtung zwischen Ho-
(řovic bis Žebrák aus.
| Eine antiklinale Schichtenfaltung, welche vom Berge Ivina bis gegen Hořovic
(streicht, bewirkt lángs des rothen Baches bei Hořovic eine locale Erhebung der
o" úber die aufgelagerten Grauwackenschiefer und verursacht die Zertheilune
dieser Schiefer in zwei sekundáre Mulden, von denen die sůdlichere Mulde zwischen
| dem Berge Ostrý und der Dražovka bei Hořovic das Thal von Erpet und Podluh
ausfůllt, wáhrend jenseits des Auarzitsattels der Dražovka die Grauwackenschiefer
| die ebene Feldgegend einnehmen, welche sich vom rothen Bache bis Oujezd, Cerhovic
und Žebrák erstreckt. Sand und Schotter und auch fruchtbare gelblichgraue Acker-
| erde bedecken diese Fláche zwischen Záluží, Tlustic und Sedlec bis gegen Žebrák.
(Siehe Fig. 16.) Diese oberfláchlichen Ablagerungen růhren nach ihrem Material,
in welchem man noch Stůcke von eisenschůssigcen Sandstein wahrnimmt, offenbar
von einer zerstórten Parthie der Kreideformation her, deren tiefste limnische
Schichten úber Beraun bis hieher reichten. Das Vorkommen von weissem plastischen
Thon bei Bzová unweit Točník, der vollkommen mit áhnlichen Thonen der Kreide-
formation in den Umgebungen von Prag úbereinstimmt, zeigt, dass ein Theil
der limnischen Absátze der Kreidezeit hier sogar bis in die azoische Region sich
ausdehnte, indem Bzová schon auf azoischen Thon- und Kieselschiefern liegt. Wir
werden áhnliche Vorkómmnisse noch háufiger auf dem obersilurischen Kalkstein-
plateau antreffen.
In dem DBereiche dieses angeschwemmten Terrains erhebt sich der Hůgel „na
Štilci“ zwischen Tlustic und Žebrák, wo Schichten einer kleinen, auf dem Silur
aufgelagerten Steinkohlenmulde anstehen, aus weichem kaolinischem Sandstein be-
stehend, der ehedem ein ausgiebiges Kohlenflótz bedeckte, das nun aber seit Jahren
ganz abgebaut ist. (Siehe Fig. 17.)
Aus diesem Terrain zwischen Hořovic und Žebrák verbreitet sich die Zone
der Grauwackenschiefer (d,) úber Zdic gegen Beraun, und zwar zwischen den Auar-
ziten (d,) des kleinen Brda und der ihnen aufcgelagerten Trubiner Schiefer (d,) und
zwischen den weichen Schiefern der Zone d;, die am Berge Koncipudy bei Lochovic
beginnen, und sich von da úber Otmik, Stašov, Zdic lángs des Rothen Baches und
dann gegen Kónieshof lángs der Litava bis nach Beraun erstrecken.
Die Lagerung der Grauwackenschiefer ist hier manniefach gestórt und háufigen
Faltungen unterworfen. Lángs der Gránze zwischen den Schiefern der Zone d, und
d; treten ansehnliche Diabasstócke zu Tage, so am Berge Koncipudy (411 M),
am Otmikerberge (399 M.), dann zwischen Stašov und Bavoryně, bei Zdic und
zwischen Levín und Černín, dann auch zwischen Počapl und Trubín. Durch diese
Diabasen und die durch sie bewirkten antiklinalen Schichtenaufstauungen entwickelt
5
66
sich im Thale der Litava zwischen Zdic und Beraun eine Reihe von lánglichen,
steilen Hůgeln, welche die Mitte des Thales einnehmen und von den hoheren Bergen
aus gesehen, z. B. von Svatá, der Gegend einen eigenthůmlich malerisch coupirten
Character verleihen. |
Im Bereiche dieser Thalzone sind die reichsten und ergiebigsten Fundorte
der Petrefakte der Grauwackenschieferzone d;, so namentlich bei Praskoles und
bei Zahořan, nach welchem letzteren Orte diese Zone auch mit dem Namen Zá-'
hořaner Schiefer bezeichnet wird. +
Am linken Beraunufer setzt sich von der Stadt Beraun diese Zone Graib
wackenschiefer mit einem áhnlichen hůgeligen Charakter úber Vraž gegen Lodenic
fort und bildet dann weiter den Terrainstreifen zwischen dem Ouarzitzug von Hořelic.
und Chrašťan und zwischen den Abhángen des Kalksteinplateaus ber Nučic, Ji-
nočan, Stodůlky in das Košířer Thal bis nach Smichov. Bei Nučic treten am
Hůgel „v Háječku“ (385 M.) die frůher erwáhnten Chamoisit áhnlichen Erze in
anstehenden Felsen zu Tage (Fig. 32 r.) und sind dann weiter gegen Zbuzan durch.
grossen Tagbau aufgeschlossen. Die Vicinalbahn von Kladno leitet die Eisenschienen
bis zur Miindung der Stollen und versorgt die grossen Eisenhůtten in Kladno mit
dem hiesigen Erze.
Jenseits der Moldau, am rechten Ufer dieses Flusses zieht sich dann die.
Zone der Grauwackenschiefer (d,) zwischen den Auarziten des Žižkaberces und den
Schieferhigeln der Zone d;, úber Vyšehrad und die obere Neustadt Prag, wo sie.
eine grosse antiklinale Faltung bildet, dann úber Vršovic, Malešic, Hrdlořezy, Kej
und Svépravice bis zum Fusse des Auader- und Plánerplateaus, wo sie zwischen.
Chvala und Jirna unter denselben verschwindet.
Ein durch die grosse Beraun-Prager Bruchlinie abgerissener Streifen der-
Grauwackenschiefer, 1 bis 2 Kilom. breit, erscheint noch něrdlich jenseits der eben ©
beschriebenen Grauwackenschieferzone zwischen den beiden Ouarzitzůgen des něrd-
lichen Randes unserer Silurmulde. Er beginnt am Plešivec bei Beraun, und zieht
sich zwischen Podkozí und Nenačovic guer úber den Kačicerbach, jenseits dessen
er unter dem Plánerplateau sich verbiret, aber wieder im flachen Thalgrunde bei-
Hostivic und dann bei Liboc und Dejvic auftaucht, worauf er sich ber den Baum- ©
garten und das Belvedere bei Prag, wo er in bedeutend gestórter Lagerung von
Sand und Schotter bedeckt ist, guer ůúber die Moldau auf die Hůgel bei Lieben
verbreitet und daselbst unter dem Auader- und Plánerplateau unter Prosik ver-
schwindet.
Auch hier trifft man namentlich bei Lieben und Vysočan ziemlich reichháltige ©
Fundorte von Petrefakten an.
Die palaeontologisch merkwůrdigste, leider aber nicht mehr sichtbare Fund-
stelle im Bereiche dieses Streifens von Grauwackenschiefer, ist die am Hohlweg ©
Bruska auf der Kleinseite Prags. Es kamen daselbst bei dem Baue der Strasst |
(1836) gróssere Kalkconcretionen in den Grauwackenschiefern vor, welche mitten im |
Gebiete der zweiten silurischen Fauna unzweifelhafte Renriakinlm der dritten
Fauna enthielten (Cheirurus insignis, Arethusina Konincki, Sphaerexo-
chus mirus, Spirifer togatus, Atrypa reticularisu.a.), wáhrend in den ©
diese Kalkknollen umschliessenden Grauwackenschiefern echte Reprásentanten der
zweiten Fauna (Asaphus nobilis, Calymene incerta, Dalmanites s0-
h as 2- O. 0
67
Wialis, Trinucleus ornatus) erschienen. Barrande bezeichnete diese Stelle
ait dem Namen Colonie Zippe, und reihte sie der Zone der Grauwackenschiefer
hd) ein, dem zu Folge eine Wiederholung der Coloniebildung statt gefunden haben
nůsste, da námlich auch in der náchstfolgenden Zone d; Colonien vorkommen.
Eine neue Untersuchung dieser Stelle war wegen der Verdeckung derselben
arch die Strasse nicht móglich. Da aber die grosse Dislocationslinie, an der die
bffenbar in die Zone d; eingelagerte Colonie Motol vorkommt, guer úber den Lo-
enziberg in Prag gegen das Belvedere streicht, und die Zone der Schiefer d. von
Motol bis zum Fusse des Lorenziberges sich verfolgen lásst, so liegt die Vermu-
hung nahe, dass in der Colonie Zippe eine kleine Parthie der Schiefer d; mit
hren Colonieeinschlůssen in irgend eine Schichtenfalte oder eine Verwerfunoskluft
ler Grauwackenschiefer d, eingezwángt ist, und dass demgemáss auch diese Colonie
'igentlich in das Bereich der Schichtenzone d; gehort.
5. Die Zone der weichen Schiefer d..
Diese Zone bildet den Abschluss der mittelsilurischen Abtheilung, námlich
'ler Etage D, und besteht aus thonigen, weichen, gelblich oder grůnlichgrauen,
ktellenweise auch dunkelgrauen und schwarzen Schiefern mit wenig Glimmer. Stellen-
Weise trifft man in diesen Schiefern auch hártere, gróssere und kleinere Concre-
"onen von thonigkieseligem Gesteine an. Im den hóheren Schichtenlagen wechsel-
"agern diese weichen Schiefer mit Grauwackensandsteinen oder guarzitáhnlichen
|
(Bánken von gewóhnlich lchtgrauer, manchmal auch von grůnlicher Farbe, die in
»inzelnen Strecken gegen den Abschluss dieser Zone vorherrschend werden und in
kleinen Felsenkámmen auftreten. Nach einem der charakteristischen Hauptfundorte
Mlieser Schichten hat man ihre Schiefer mit dem Namen Kónigshofer Schiefer
Imd die Grauwackensandsteine mit dem Namen Kosover Grauwacken be-
zeichnet.
: Von besonderem Interesse sind důnnbláttrice, schwarze, etwas kalkice Schiefer,
náufig kalkige Concretionen enthaltend, welche von mehr oder weniger máchtigen
iabasmassen begleitet, in die weichen Schiefer der Zone d; eingelagert oder ein-
eklemmt erscheinen. Diese schwarzen Schiefer enthalten námlich nicht blos die-
Selben Graptolithen, wie sie in den unmittelbar unter die Etage E abgelagerten
ind zu dieser Etage palaeontologisch zugehorigen Graptolithenschiefern vorkommen,
sondern auch namentlich in den kalkigen Concretionen andere Reprásentanten
mmserer dritten silurischen Fauna, wáhrend in den diese schwarzen Schiefer umgebenden
weichen thonigen Schiefern noch Petrefakte der zweiten Fauna erscheinen. Bar-
rande bezeichnete diese Erscheinung mit dem Namen Colonien, indem er annahm,
lass die zweite und dritte Fauna, allerdings an verschiedenen Orten, oleichzeitie
xistirte und dass unter gewissen Verháltnissen, etwa in Folge von Senkungen oder
Jebungen des Meeresbodens, Einwanderungen von Reprásentanten der dritten Fauna
m das Gebiet der zweiten Fauna stattfanden.
In Berůcksichtigung des geotektonischen Zusammenhanges der schwarzen Grap-
"olithenschiefer mit den Diabasgesteinen und ihren geschichteten Tuffen, der fast
úberall an der Basis der oberen Abtheilung der bohmischen Silurformation bemerkbar
| 5“
68
ist, scheint die Annahme gestattet zu sein, dass ein genetischer Zusammen-|
hang zwischen den Diabasmassen und den Graptolithenschiefern obwalte, vielleicht!
in der Art, dass um die Eruptionsstellen des Diabases am Meeresgrunde als
námlich das Material dieses Gesteines zur Zeit des Abschlusses der D-Sedimente.
aus dem Erdinnern empordrang, das feine, thonig kalkige Material der Graptolithen
schiefer sich absetzte, und einen besonders giinstigen Zůchtungsboden fůr den.
Beginn der dritten silurischen Fauna darbot. i
Die Diabaseruptionen und die Bildung der ringsum dieselben verbreiteten
Graptolithenschichten erfoleten, wie es scheint, gegen Abschluss der Periode der.
D-Etage zuerst nur sporadisch, spáter aber háutiger, bis sie am Beginne der Bildune“
der obersilurischen Schichten das ganze noch von silurischen Wássern bedeckte.
Becken einnahmen. An manchen Stellen scheint aber am Abschluss der D-Periode'
eine ununterbrochene Bildung der Diabasen und Graptolithenschiefer stattcefunden!
zu haben, die dann gánzlich die Stelle der thonigen, an anderen Stellen sich
noch immer bildenden Absátze, einnahmen. Eine solche ŠStelle ist der Hůgel
Ratinka zwischen dem Bahnhofe von Beraun und dem Dorfe Tetín. Man sieht.
daselbst máchtige, die weichen Schiefer d, durchbrechende Massen von Diabas.
und darůber in einer anscheinenden Máchtigkeit von einigen hundert Metern einen.
Wechsel von Graptolithenschiefern und Diabasen und ihren Tuffen, selbst mit ein-
gelagerten grósseren versteinerungsreichen Kalkbánken, bis sie endlich bei Tetín
von Kalkschichten der Zone e, úberlagert werden. Dieser ganze Schichtencomplex.
wird allerdines schon zur Zone e, der ersten obersilurischen Etage E gerechnet,
aber die Vertheilung der Graptolithen in demselben ist der Art, dass sich hier
ebendasselbe Vertheilunesgesetz der Graptolithen wiedererkennen lásst, wie es in.
den vereinzelnten Colonien mehr oder weniger deutlich angedeutet ist. Ganz analog:
dem Vorkommen der Graptolithen an der Basis des Obersilures, wie es Nicholson,
und Lapworth in Nordengland und Tullberg im Schweden constatirt hat, lassen
sich námlich auch in unseren Graptolithenschiefern an der Basis des Obersilures
drei Zonen unterscheiden, von denen die tiefste durch das háufige Erscheinen vom
Diplograptus- und Glimacograptus-Arten und durch Rastrites peregrt
nus, Monograptus lobiferus (Becki Barr.); die mittlere durch das Vorherr-
schen von Monog. priodon und die obere durch Monocg. colonus und testis
charakterisirt ist. Diese Vertheilung gilt sowohl fůr den zusammenhángenden Schi-
chtencomplex der Graptolithenschiefer an der Basis des Obersilures, wie er an der
Ratinka auftritt, als auch fůr die isolirten Colonien, in denen man die eine oder
die andere der Graptolithenzonen, aber immer in der angedeuteten Ordnung antrifit.
Dem zu Folgse wáre es nicht ungerechtfertiget, die Gránze des bohmischen
Obersilures, námlich den Beginn der Etage E tiefer zu versetzen, als es Barrande
cethan hat, und zwar bis in das Bereich der Colonien, wo dann die wenigen.
Reprásentanten der zweiten Fauna, welche in dieser Gránzzone in den benachbarten
weichen Schiefern noch vorkommen, als die letzten Nachzůgler dieser Fauna be-
trachtet werden konnten.
Die Máchtigkeit der eigentlichen Zone d; lásst sich auf etwa 200 Meter
abschátzen, sie wáchst aber bedeutend an, wo Grůnsteinmassen in derselben auf-
treten und betrást dann bis úber 800 Meter.
Der palaeontologische Charakter dieser Zone ist, allerdings abgesehen von den
F
69
IVorkómmnissen in den Colonien, dievollkommen mit der dritten Fauna ůúberein-
kstimmen, derselbe wie in der vorhergehenden Zone der Grauwackenschiefer d,, es
sind aber die Gattungen und Arten zahlreicher. So sind die Trilobiten durch 24
VGattungen mit 55 Arten vertreten, worunter fůnf Gattungen, námlich Ampyx,
ICyphaspis, Sphaeroxochus, eine von Barrande zu Phillipsia gezogene
Form (Ph. parabolla) und Remopleurides erscheinen, von denen die beiden
rletzteren ausschliesslich dieser Zone angehóren. Von den 55 Arten dieser Trilobiten
sind 36 dieser Zone eigenthiůimlich, darunter mehrere wie Calymene declinata,
Mlaenus Hisingeri und Wahlenbergianus, Trinucleus Bucklandi
(durch háufigere Individuen sich bemerkbar machen.
Die anderen Crustaceen sind durch einen Phyllopoden, aus der Gattung Cera-
tiocaris, dann durch Gattungen der Ostracoden: Beyrichia, Cytheropsis,
E onis Primitia und durch die beiden Gattungen der Cirrhipeden Anati-
sopsis und Plumulites vertreten.
Die Pteropoden sind durch 4 Conularien und Hyolithen reprásentirt.
Von Acephalen sind 43 Arten in 19 Gattungen bekannt, darunter die Gat-
"tungen Nuculites und Sluha mit je einer Art ausschliesslich dieser Zone
angehóren.
Von Brachiopoden kommen 40 Arten und zwar in 9 Gattungen vor, die schon
vin den frůheren Zonen erschienen, worunter 24 Arten ausschliesslich auf diese Zone
„sich beschránken.
| Ausserdem sind von Cephalopoden 11 Arten Orthoceras, dann die schon
Jim d, erwáhnte und von Barrande als Bactrites aufgefasste Form und 1 Art
iGomphocer as aus dieser Zone beschrieben, und endlich auch eine Anzahl von
(Gasteropoden und Graptolithen.
| Die Hauptfundorte sind Kónigshof bei Beraun, Lejškov, Gross-Kuchel, Nusle.
= Fa
nd
: Die Verbreitung der Zone d,.
Orographisch hángt die Zone d; mit dem obersilurischen Kalksteinplateau
zusammen, und namentlich bilden die festeren Grauwacken oder Auarzitbánke, die
„am Abschluss dieser Zone erscheinen, lángliche Kámme am Rande dieses Plateaus.
(Šiche Fig. 43.)
| Am sůdwestlichen Ende streicht aber diese Zone úber das Kalkplateau hinaus
m das Bereich der Grauwackenschiefer d, und bildet bei Kočvar (515 M.)
in denselben eine flache Bodenerhóhung zwischen den Orten Lochovic, Otmíky und
(Zdic, die einerseits gegen Norden von dem Rothen Bache begránzt und anderseits
Idurch das Litavathal bei Libomyšl vom eigentlichen Kalksteinplateau abgetrennt
(wird. Ansehnliche Diabasmassen treten hier an der Gránze zwischen den Grau-
/wackenschiefern d, und den Grauwacken und weichen Šchiefern der Zone d; zu
Tage; so am Berge Koncipudy bei Lochovic, am Otmikerberg, bei Stašov,
'Bavoryně und Zdic. Die Oberfláche ist von guarzigem Gerólle bedeckt, dessen
„Material von nahem Brdagebirge abstammt.
| Eben so verlángert sich die Zone d. am nordostlichen Ende des obersilurischen
Kalksteinplateaus iiber dasselbe hinaus anů bildet ringsum von Grauwackenschiefern
"der Zone d, umgeben flache Hůgel mit muldenartiger Lagerung ihrer Schichten,
10
die von Michle bei Prag úber Strašnic und Štěrbohol bis nach Běchovic zum Fusse ©
des Chwaler Auader- und Plánerplateaus fortlaufen. (Siehe Fig. 36, 37.) |
Am Rande des Kalksteinplateaus beginnt die Zone d; mit den steilen, bewal- ©
deten Thallehnen bei Libomyšl, deren Kamm den Namen Vyšebohy (441 M)
fůhrt. Dieser Kamm setzt sich jenseits eines kleinen Thálchens, das von Libomyšl
nach Želkovic fůhrt mit óstlicher Richtung noch deutlicher in dem Walde Hou-
siny (458 Met.) fort (siehe Fig. 44) und erstreckt sich bis nach Všeradic. Er
besteht aus festeren guarzitischen Grauwackensandsteinen, die Lehnen aus weichen
Schiefern, der Fuss aber aus einem petrographisch interessanten Gesteine, úámlich
aus einem Glimmerporphyr (oder Minette), der hier bei Neumětely und
Hlazovic kleine felsige Hůgel bildet, in denen dieses Gestein von Steinmetzern
gewonnen wird. Dieses Gestein ist aus dichtem triklinen Feldspath (Oligoklas) und
aus braunem Glimmer zusammengesetzt und mit tuffartigen Gebilden zusammenhán-
gend, welche lagerartig den Schiefern dieser Zone eingefůet sind. Wir werden dieses
Gestein auch am Nordostsaume des Verbreitunesbezirkes der Zone d; bei Michle
antreffen.
Jenseits des Housinakammes bei den Děrfern Želkovic und Bykoš ist auf dem
Schiefern und Grauwacken der Zone d; schon Graptolithenschiefer mit Diabasen
aufgelagert und es bildet diese Zone in wellenfórmicen Windungen die Basis der
Kalkplateaus und der ihm angereihten isolirten Kalkinseln, wie spáter náher
nachcewiesen wird.
Bei Všeradic geht der Housinakamm in hůcelice Terrainstuffen úber, welche
den Fuss der hóheren Kalkberge Telín, Šamor und Mramor bilden. Bei Nesvačil
kómmt in den Schiefern dieser Hůgel ein schón krystallinisches Diabasgestein
zu Tage.
Diese Hůgel setzen sich bei Leč vorbei gegen Svinař fort, von Diabas durch-
setzt und eine kleine Graptolithencolonie umschliessend ; ihre Fortsetzune am Berge
Vočkov (306 M.) wird dann vom Beraunfluss guer durchbrochen, so dass man an
den steilen mit Gestrůpp bedeckten Lehnen zwischen Třebáň und Klučic die sym-
klinalen und antiklinalen Windungen der Zone d; und die in dieselben eingelagerten
oder eingekeilten Graptolithenschiefer und Diabasen zu Tage anstehen sieht. Na-
mentlich ist die hóchste Kuppe des Vočkov bei Klučic durch eine antiklinale Aut-
stauung der Schieferschichten der Zone d; gebildet, und es werden durch dieselbe
zwei Graptolithen- und Diabaszůge getrennt, von denen der nordliche das zusammen-
hángende Kalkterrain des Obersilures unterteuft, der sůdliche aber vom Obersilur
abgetrennt guer úber den Beraunfluss verláuft. Dieser letztere Diabaszug bildet
bei Hinter-Třebaň zu beiden Seiten des Flusses anstehende Felsmassen und setzt
sich von Graptolithenschiefern begleitet úber das Dórfchen Rovina auf den felsigen
Kamm, Čabrak (305 Meter) benannt, fort, der bei Karlík von einem Bach guer
durchbrochen wird.
Bei Vonoklas verliert sich dieser Diabaszug in den Gehángen des Kalkstein-
plateaus. Bald aber kommen am Sůd-Rande dieses Plateaus die guarzitischen Grau-
wacken der Zone d; wieder zum Vorschein, und bilden die kammartigen Hůgel
(Babka 362 M., Sulava 358 M.) ober Černošic und Radotín, mit steilem Abfalle
gegen die Beraun und oben am Kamme theilweise von Sand und Schotter der zer-
stórten Kreideformation bedeckt.
01
In áhnlicher Weise streichen diese Hůgel mit steilem Abfalle gegen die
| Moldau ber Radotín, wo sie ein Ouerthal durchbricht, auf die Lehnen Lahovsko
(327 M.) genannt. In diesen Lehnen erscheinen zwischen Radotín und Gross-Kuchel
© die beiden von Barr. mit dem Namen Colonie Haidinger und Colonie Krejčí
) bezeichneten Einlagerungen von Graptolithenschiefern in Beegleitung von Diabasen.
| Nach der Vertheilung der Graptolithen gehórt die Colonie Haidinger der tieferen
% Graptolithenzone, wáhrend die andere hauptsáchlich die zweite Zone zu enthalten
scheint. Die ganze Zone d; mit ihren weichen Schiefern und Auarziten sammt den
Colonieeinschliissen streicht dann hier guer gegen Nordosten ber die Moldau und
bildet die Thalgehánge zwischen Modřan und Braník bei dem Dorfe Hodkovičky,
wo ebenfalls an drei Stellen Graptolitheneinlagerungen in den Schieferu der Zone
„ d; und Diabasgesteine erscheinen, aus welchen letzteren namentlich auch der kleine
1 Hůgel zusammengesetzt ist, der mitten in der Thalfláche des Braniker Baches, vor
seiner Einmůndung in die Moldau, sich erhebt.
Von Braník zieht sich die Schieferzone d; guer durch das Thal von Krč
| gegen Michle. Daselbst bildet es den nun von einer Vicinalbahn durchsetzten Hůgel
„ Bohdalec (270 M.), dessen concentrisch muldenartige Zusammensetzung in den
| tieferen Theilen weiche Schiefer und am Růcken die guarzitischen Grauwacken
| enthált. (Siehe Fig. 36.) Interessant sind hier auch die Einlagerungen von Glim-
- merporphyr (Minette), die man in einzelnen anstehenden Parthien von da úber
| Strašnice gegen Štěrbohol am Hůgel Homole (260 M.) bis nach Počernic und
| Běchovic verfolgen kann. Hinter dem Teiche bei den genannten Orten lagert sich
| wieder guarzitáhnliche Grauwacke wie am Bohdalec muldenfórmig auf die weichen
| Schiefer auf, und verschwindet endlich unter dem sandigen Schutte der zerstorten
| Kreideformation am Walde Fiederholz und am Fusse des Chvaler Plánerplateaus.
(Siehe Fig. 37.)
Kehren wir nun in sůdwestlicher Richtung zurůck gegen Prag, so kónnen wir
von Michle angefangen die Zone d; an der Nordseite des obersilurischen Kalk-
plateaus wieder bis zu unserem Ausgangspunkte verfolgen. Die Zone zieht sich von
Michle auf das von sandigem Schutt der zerstorten Kreideformation bedeckte Pla-
teau iiber Pankrac gecen die Moldau, welche sie zwischen Dvorec und Podol
úbersetzt. Dann bildet sie die Lehnen und Hůgel lánes des Kalkplateaus gegen
Radlic zu, streicht von da úber Jinonic, Ohrada und Řeporyj, einige Colonien mit
Graptolithenschiefer und Diabasen enthaltend, so eine zwischen Řeporyj und Ohrada,
eine zweite (Colonie Cotta) zwischen Jinonic und Neuhof, welche letztere in ver-
hárteten Schiefern die obere Graptolithenzone mit Monograptus colonus und
Kalkconcretionen mit Orthoceren enthált, dann in Řeporyj selbst die von Barrande
-80 genannte Colonie Archiac mit ansehnlichen anstehenden Diabasfelsen und ver-
steinerungsreichen Graptolithenschiefern, in denen gegen das Obersilur fortschreitend,
sich alle drei Graptolithenzonen nachweisen lassen. Die Schieferzone d; setzt dann von
hier durch das seichte Thal bei Mirešic gegen Zbuzan und Nučic nach Tachlovic
fort, wo wieder Colonien von Graptolithenschiefern und Diabasen erscheinen.
Von da zieht sie sich auf den kammartigen Hůgel Kolo (405 M.) gegen
Lodenice und lángs des Kalkberges Herynk bei Vraž vorůber gegen Beraun, wo
ste am linken Ufer des Flusses in den steileren Lehnen von Diabasmassen durch-
setzt, zu Tage tritt.
12
Jenseits des Beraunflusses bildet die Zone d; den Fuss des kalkigen Berges.
Damil ober dem Bahnhof von Beraun, und tritt mit ihren festeren Grauwackensand- Á
steinen am Berge Kosov (358 M.) ober der Emilhůtte bei Kónigshof deutlich auf-
wáhrend am Fusse dieses Berges die weichen Schiefer einen ergiebigen Fundort von.
Petrefakten enthalten. Der Litohlaverbach durchbricht hier am Rande des Kalkplateaus.
diese Zone, und deckt ihre Ablagerung am Fusse der Koukolová hora (478 M))
und des Berges Smutný (454 M.) auf, wo man in demselben Colonien von Dia-
basen und Graptolithenschiefern antrifft, wáhrend die Kuppen dieses Berges auš
Kalkstein bestehen. Hinter den letzteren erhebt sich der Berg Studený (417 M))
ober Chodoun, der schon ganz dieser Zone angehórt und nur durch die Schlucht
von Malkov von der Hóhe Vyšebohy abgetrennt ist, von der wir ausgegangen sind-
Auch die beiden isolirten Hůgel am linken Ufer der Litava gegeniber dem Smutný ©
und Studený, námlich der Lutzberg bei Levin (327 M.) und der Knihov bei
Zdic gehóren zur Zone der weichen Schiefer d5. Der erstere ist von einer ansehn-
lichen Masse von Diabas durchsetzt und die Kuppen beider bestehen aus sand
steinartigen Grauwacken, die hier wie am Berge Kosov bei Kónigshof zu Stein-
metzarbeiten benůtzt werden.
P"
III. Das Gebiet der dritten Silur-Fauna.
Das Gebiet dieser Fauna umschliesst das centrale Kalkplateau unserer Silur-
formation, das die Gegend zwischen Zdic und Prag in einer Ausdehnung von 5
und einer Breite von */„—1 Meile einnimmt. Das Plateau ist in seinem nord-
ostlichen Theile eben oder fachnůgelfórmie und erst gegen Karlstein zu erheben
sich gróssere bewaldete Terrainwellen, ohne aber bedeutend ber das allgemeine
Plateauniveau von 350—400 Meter zu steigen. Desto malerischer und mannig-
facher und namentlich in tektonischer und palaeontologischer Beziehung interessant,
erweisen sich die Ouertháler und Schluchten, von welchen das Kalkplateau durch-
furcht wird. Man kann in diesen Thálern und Schluchten Schritt fůr Schritt alle
die von Barrande aufgestellten Schichtenstufen oder Etagen in ihren verschiedenen
Windungen und Dislocationen an den anstehenden Felsen verfolgen und erhált schon
durch einige Begehungen des Terrains ein so deutliches Bild der Tektonik der-
selben, wie es keine andere silurische Gegend biethet.
Die Erkennune und Untersuchung der vier Schichtenstufen E, F, G, H, aus
denen unser Ober-Silur zusammengesetzt ist, sind ungemein durch die petrogra-
phische Verschiedenheit derselben erleichtert.
Die Basis des Kalksteinplateaus bildet die Etage E, welche Barrande in die
Zonen e, und e, scheidet.
Die tiefere Zone e, besteht am Graptolithenschiefern mit Einlage-
rungen von krystallinischen oder von tufartigen Diabasgesteinen.
Die Schiefer bestehen aus einer etwas kalkigen thonigen wenig glimmerhal-
tigen Masse, die gut spaltbar ist. Gewóhnlich sind dieselben dunkelgrau oder
F)
13
schwarz, mit feinen von Pyrit metallisch glánzenden Graptolithenabdrůcken bedeckt,
manchmal aber auch lichtgrau und an einzelnen Orten auch roth. In der Náhe von
| krystallinischen Diabasen sind sie manchmal auch licht und dunkel gebándert und
© mehr oder weniger kieselig.
In den hoheren Lagen dieser Schiefer treten zuerst sporadisch, und hóher
© hinauf immer zahlreicher ellipsoidische oder auch kugelrunde Kalkconcretionen von
Nuss- bis Kopfgrósse auf, und enthalten gewóhnlich Versteinerungen. In den hóheren
Lagen háufen sich die Kalkconcretionen zu continuirlichen Reihen an und gehen
endlich in zusammenhángende Kalkbánke ůúber.
Die Zone e, besteht durchaus aus Kalksteinschichten und zwar háufig in
scharfen Windungen und Knickungen. Der Kalkstein derselben ist meist dunkel-
grau, háufig bituminós und giebt dann beim Anschlagen oder Reiben einen eigen-
thiimlichen Geruch von sich. Die Textur ist bald dicht, ball mehr krystallinisch
und dann von weissen Calcitadern durchschwármt und marmorartig.
| Einzelne Lagen bestehen fast nur aus Versteinerungen, namentlich aus Cri-
- noiden, Cephalopoden und Brachiopoden. Dieser Kalk gibt einen sehr guten Mórtel
- fůr Landbauten.
Die Etage F theilt Barrande auch in zwei Zonen ab, námlich f, und f,.
| Die Zone f, hauptsáchlich im norděstlichen Theil der Etage zwischen Dvorec
und Kosoř verbreitet, besteht ebenfalls aus dunkelgrauem oder schwarzem bitumi-
- nósen Kalkstein, der an den Felsen bei Kuchelbad in den auffallendsten Windungen
und Faltungen ansteht.
Die Zone ff, besteht aus mehr ebenfláchigen, gewóhnlich róthlichen mar-
morartigen, aber auch aus lichtgrauen Kalkstein, der im sůdwestlichen Theil des
Kalkplateaus bei Mněnan und Koněprus durch weissen krystallinischen an Petrefakten
sehr reichen und chemisch sehr reinen Kalkstein ersetzt wird. Er wird desshalb
als Saturationskalk in den Zuckerfabriken verwendet, wáhrend die róthlichen Bánke
einen schónen Marmor und gute Platten zu Trottoirsteinen geben.
Im Bereiche dieser Kalksteine sind durch Auswaschungen hie und da Hóhlen
entstanden, so bei St. Prokop unweit Prag, bei St. Ivan, Koda, Tetín und Koněprus.
Die Etage G theilt Barrande in drei Zonen g, ©, £; ab.
Die Zone ©, besteht aus einem grauen, dichten, knolligen Kalkstein, der
emen vortrefflichen hydraulischen Kalk liefert. Die knollenfórmigen Stůcke, aus
denen die Bánke dieser Zone bestehen, sind ungeleich grosse, unregelmássie gegen
emander gepresste Concretionen mit thonigkalkigem Bindemittel, die einestheils in
dichten zusammenhángenden Kalkstein, anderseits, wenn das thonige Bindemittel mehr
vorwaltet, an der Oberfláche in knolliges Gerólle ibergehen. Háufig sieht man in diesem
Knollenkalke dunkelgraue, unregelmássige Concretionen von kieseligem Hornstein
oder auch kleine Lagen desselben zwischen den Kalkschichten. Die Guerkliften,
welche die Schichtenbánke durchsetzen, sind mit Kalkspath, háufig in schónen und
grossen Krystallen angefůllt.
Die Zone g, tritt als ein schwache thonige Zwischenlage zwischen den kal-
kigen Zonen ©, und ©; auf. Sie besteht aus grauen, gelblichen oder braunen auch
rothlichen Schiefern, die in einer Lage mit nadelfórmigen Tentakuliten angefůllt
sind, und deshalb auch Tentakulitenschiefer heissen. In den an die Kalk-
zonen angránzenden Lagen, sowohl im Liegenden als im Hangenden zeigen sich
- 0 áe
14
gerade wie in der Zone e, ellipsoidische Kalkconcretionen, die in der Náhe der
Kalkzonen immer háufiger werden und endlich in zusammenháncende Kalkschichten
úbergehen. Im Hangenden dieser Zone, da wo die kalkige Zone ©, aufliegt, sind
diese knolligen Schieferlagen roth gefárbt, oder bunt gebándert und geben sich
schon von weitem zu erkennen.
Die Zone ©, ist ihrem Gesteine nach der Zone ©, sehr áhnlich; sie besteht
námlich aus dichtem Knollenkalkstein, der an der Basis, wo er auf der Tentaku-.
litenzone ruht, gewohnlich roth gefárbt ist, in den Mittellagen aber vollkommen mit
den grauen Knollenkalken ©, úbereinstimmt. Im Hangenden geht dieser Kalkstein
wo er mit Schiefer der folgenden Etage bedeckt ist, in thonige oder kieselige Kalk-
steine úber, die sich endlich in einzelne in die thonige Masse der aufgelagerten
Schiefer eingekneteten Knollen auflósen.
Die Etage H, die hochste der Etagen im bohmischen Silurbecken, theilt Bar-
rande in die Zonen h, h;, h;, ab.
Die Zone h, enthált thonige Schiefer ohne Auarziteinlagen, aber mit kal-
kigen Zwischenlagen oder Knollen an der Basis. In ihr kommen die letzten thie-
rischen Reste des Silures vor.
Die Zone h, besteht aus Thonschiefer mit Einlagen von guarzitischen
Schichten. Ausser Abdrůcken von Fukoiden hat diese Zone keine Versteinerungen.
Die Zone h, besteht aus dinnbláttrigen thonigen Schiefern, in denen weder
kalkige noch guarzitische Zwischenlagen vorkommen. Sie enthált keine Ver-
steineruncen.
Nebst den geschichteten Gesteinen nehmen auch eruptive Gebilde Antheil an
der Zusammensetzung der obersilurischen Etagen, námlich der Diabas-Grůn-
stein und seine Tuffe. Der kórnig krystallinische Grůnstein ist ein Diabas von
vorherrschend dunkelgrůner Farbe, welche von den Augitkórnern und dem bei-
gemengten Chlorit herrůhrt. Die Grundmasse ist ein kalkhaltiger Labradoritfeld-
spath. In die mehr oder weniger dichte Masse menet sich auch Pyrit und Guarz ein,
und auf Kluftfláchen erscheint Calcit und Analcim, seltener Prehnit, Datolith, Lau-
montit, Natrolith, Aluminit. Die Textur ist gewóhnlich verschwommen, kórnig,
seltner deutlich krystallinisch. Durch die Umwandlung der dichten mit Kalk im-
prágnirten Grundmasse in grůnlich thonige Gesteine, in denen stellenweise noch
stockfórmige Massen von kórnigen Diabasen vorkommen, gehen diese kórnigen,
eruptiven Gesteine in Tuffe iiber, welche manchmal eine deutliche Schichtung zeigen
und in einzelnen Kalkconcretionen Petrefakten enthalten. Zwischen Zbuzan und
Tachlovic ist in diese Tuffe ein Lager von Siderit, der theilweise in Limonit um-
gewandelt ist, eingeschaltet; es enthált eine Menge von Petrefakten der Etage E.
Die Diabasgrůnsteine treten hauptsáchlich im Bereiche der Zone e, auf und
bilden am áusseren Saume des Kalkterrains ansehnliche anstehende Felsen.
Sie verbreiten sich nicht blos in die kalkige Zone e, (so namentlich im Beraun-
thal bei Tetín), sondern auch bis in die Kalkzone f ©, bis g», wie man es bei
Tetín und im Radotinerthale und bei Choteč wahrnimmt.
Die durchschnittliche Máchtigkeit der einzelnen Zonen lásst sich mit Sicher-
heit schwer bestimmen, da die vielen Schichtenwindungen und Verwerfungen eine
bestimmtere Messung sehr erschweren.
15
Die Etage E ist die máchtigste; die Zone e, námlich die Graptolithenschiefer-
zone erreicht da, wo sie von Diabasen durchsetzt ist, die Máchtigkeit von 200 bis
- 500 Mt.; die kalkige Zone e, von 40—80 Mt.
Die Zonen f, und f; erreichen eine Máchtiekeit bis 100 Meter, verschwáchen
sich aber auf 40—50 Meter.
Die Zone ©, hat die Máchtigkeit von 100—150 Metern.
Die Zone ©, ist die schwáchste, sie hat 20—100 Meter.
Die Zone g; ist 50—100 M. máchtig.
Die Etage H ist zum grossen Theil abgeschwemmt, da sie die hochste Decke
unseres Obersilures bildet. Die einzelnen úbrig gebliebenen Schollen haben eine
Máchtigkeit von 20—250 M.
Der palaeontologische Charakter ist nicht blos durch eine grosse
Reihe von neuen Gattungen und Arten, sondern auch durch den Reichthum an
Individuen ausgezeichnet, indem einzelne Kalkbánke der Zone e, und f, fast ganz
aus Versteinerungen bestehen.
Charakteristisch ist das erste Auftreten von Wirbelthieren, námlich von Fischen,
welche in unserem Obersilur mit 4 Gattungen, námlich Asterolepis, Čoceco-
steus, Ctenacanthus, Gompholepis in 6 Arten vertreten sind, von denen
Z der Zone 1; und die iúbrigen 4 Arten der Zone g, angehóren.
Von Trilobiten fůhrt Barrande 204 obersilurische auf. Davon entfallen auf
die Etage K 82, F 79, G 42, auf H 1 Art. Von diesen 204 Arten gehóren 74
Arten solchen Gattungen an, die erst im Obersilur erscheinen, alle úbrigen gehóren
Gattungen an, die schon im Untersilur vertreten sind, und zwar sind es 11 unter-
silurische und 6 ausschliesslich obersilurische Gattungen, denen jene Arten an-
gehóren. Im Ganzen enthált also die obersilurische dritte Fauna 17 Gattungen
Trilobiten, wáhrend die zweite oder mittelsilurische ihrer 930 záhlt, von denen 11
beiden Faunen gemeinschaftlich sind.
Von den neu zugekommenen Gattungen, die úbrigens sámmtlich in der Etage
E ihren Anfang nehmen, sind es vorzůglich Bronteus und Phacops, die durch
Artenzahl das Obersilur kennzeichnen, da die vier úbrigen obersilurischen Gat-
tungen: Arethusina, Cromus, Deiphon und Staurocephalus nur in
wenigen Arten auftreten.
Mit Einschluss der untersilurischen Gattungen ist die Vertheilung der Trilo-
biten in den obersilurischen Zonen die folgende:
Zone e,: 16 Arten in 15 Gattungen zusammen 97 Arten
PO Po So nb i in 18 Gattungen
„ey blob 1m, A n zusammen 94 Arten
adm 11 é in 11 Gattungen
HB 8 10 R zusammen 68 Arten
PO “ in 11 Gattungen
E One VAE W je) z S
ie PN Meno T LL :
Von anderen Crustaceen kommen in unserem Obersilur Phyllopoden, Ostra-
coden und Eurypteriden vor.
16
Die Cephaloden erscheinen in 18 neuen Gattungen, wáhrend 2 Gattungen aus
dem Untersilur abstammen. Barrande záhlt 1081 hieher gehórenden Arten auf,
wovon auf die Etage E 856, auf F 95, auf G 170 und H 14 entfallen. Unter
diesen sind allein 267 Arten der Gattung Cyrtoceras und 357 Arten der Gattung
Orthoceras, von denen die meisten aus der Zone e, stammen.
Die Acephalen sind durch 50 Gattungen vertreten, von denen 38 neu Sind,
die Zahl ihrer Arten bestimmt Barrande mit 1182.
Die Brachiopoden záhlen 195 Gattungen mit 513 Arten.
Auch die Gasteropoden sind reichlich vertreten.
Die Pteropoden treten etwas zurůck; im gesammten Obersilur fůhrt Barrande
nur 8 Conularien und 16 Hyolithen an. Eigenthůmlich sind dem Obersilur die
Gattungen Tentaculites und Styliola, die hauptsáchlich in der Zone ©, vor-
kommen, aber in den ersten Anfángen schon in f, auftreten.
Von Echinodermen ist namentlich Scyphocrinus elegans in der Zone e,
und e, herrschend. Korallen Halysites, Favosites, Heliolithes, Cyato-
phyllum, Cystiphyllum, Lithostrotion, Amplexus kommen namentlich in
der Etage E und F vor; Graptolithen wie schon erwáhnt hauptsáchlich in der Zone e,.
Pflanzenreste kommen als Abdrůcke von Fukoiden am háufigsten in der Zone
h, und auch in h, vor. Einige Formen erinnern schon an Landpflanzen (Lepido-
dendron), sie werden aber von Štur auch den Fukoiden angereiht.
Die Hauptfundorte der Petrefakten fiir die einzelnen obersilurischen Zonen
sind die folgenden:
fůr e,: Kuchelbad und Butovic (Chuchlerschichten, Graptolithenschiefer);
fůr e,: Budňan bei Karlstein, Lochkov, Kosoř, Tachlovic, Dlouhá hora bei
Beraun (Budňaner Kalke); )
fůr f,: Lochkov, Slivenec, Dvorec bei Prag (Lochkover Kalke);
fůr f,„: Koněprus, Mněňany, Slivenec, Tetín (Mněňaner Kalke und Slivenecer
Marmore):;
fůr g,: Braník, Choteč, Tetín, Kosoř (Braníker Kalke);
fůr g,: Hlubočep (Dalejer Thal), Choteč, Třebotov, Karlstein (Dalejer Schiefer,
Tentakulitenschiefer) ;
fůr ©,: Hlubočep, Choteč (Hlubočeper Kalke);
fůr h,: Srbsko, Hostín (Srbsko-Schiefer);
fůr h,: Holín (Holíner Schiefer) ;
fůr h,: Hostín (Hostíner Schiefer).
Eine der interessantesten palaeontologischen Thatsachen im unseren Obersilur
ist das mit der Zone f, angefancen, háufice Auftreten von entschieden devo-
nischen Formen.
So gehóren die beiden Fischgattungen Coccosteus und Asterolepis, von
denen die erstere in der Zone f; und ©,, die letztere in der Zone g, erscheint, zu
den charakteristischen Fischformen des brittischen Old red.
Von Trilobiten haben die Formen aus der Gruppe Dalmanites Haus-
mani, die sich durch grosse Pygidien auszeichnen und in der Zone f, und ©
herrschen, dann die Bronteus-Arten mit gezáhnelten Pygidien wie z. B. B. thy-
sanopeltis, B. Clementinus (aus £ und g,) einen entschieden devonischen
Typus.
17
Unter den Cephalopoden reprásentirt das Genus Goniatites das in der
Zone f, beginnt und namentlich in den Zonen ©, und ©, reicher entwickelt ist, und
© dann das Genus Gyroceras, das von der Zone f, bis in ©; und h, reicht, dess-
gleichen charakteristische Formen, wie sie sonst nur das Devon aufweist.
Noch auffallender tritt der devonische Typus in dem Brachiopodengenus
Stringocephalus (aus f„) und in der Korallenform der Calceola (ebenfalls
aus f,) hervor.
Das Blastoidengenus Pentremites, das aus dem Devon bis in den Kohlen-
kalk verbreitet ist, hat auch in der Zone f, seine Reprásentanten.
Endlich kónnte man von negativen Kennzeichen einerseits das gánzliche Fehlen
der Graptolithen von f, hinauf, und anderseits das Fehlen der Fische von f, herab,
als charakteristisch fůr unsere obersilurischen Zonen anfiihren.
Vereleicht man diesen allerdings nur in den áussersten Umrissen angedeuteten,
so zusagen devonisirenden Charakter der Fauna unserer hóchsten silurischen
Zonen (von f,; bis H), der durch eingehende palaeontologische Studien gewiss noch
weit evidenter nachgewiesen wird, mit den stratigraphischen Verháltnissen des
Silures und Devones in Deutschland, Frankreich, England, wo diese beiden Forma-
tionen unmittelbar auf einander folgen und wo man die Analogien der bohmischen
silurischen Zonen nur bis hóchstens zur Zone f, erkennt, wáhrend alle hoheren
Schichtenstufen in den betreffenden Territorien schon zum Devon gerechnet werden,
so kann man der von verschiedenen Šeiten ausgesprochenen Vermuthune eine
gewisse Berechtigune nicht absprechen, dass unsere hóchsten silurischen Zonen
(£ ©, £ © H) so zu sagen schon die tieferen Parthieen der Devonformation ver-
treten, trotzdem die Fauna derselben in ihrem innigen Zusammenhange mit den
tieferen silurischen Zonen im Ganzen noch einen vorherrschend silurischen Chara-
kter hat.
Zur Erklárung dieser eigenthůmlichen Erscheinung kónnte man dieselbe
Theorie anwenden, mit der Barrande das Erscheinen der Colonien zu erkláren ver-
suchte und der der Gedanke zu Grunde liegt, dass wie in dem heutigen auch im
silurischen Meere in von einander entfernten Meerestheilen oder Buchten gleich-
zeitig verschiedenartice Faunen existiren konnten.
Die Verbreitung der obersilurischen Etagen und Zonen.
Das obersilurische Plateau in seiner schon frůher angedeuteten Ausdehnung
scheidet sich orographisch im Ganzen zwar sehr děutlich von dem Terrain des
Mittelsilures ab, indem es von den Kámmen der Kosover guarzitischen Grauwacke
(d;) umsáumt und von einer breiten Thalfurche im Gebiete der Grauwackenschiefer
(d,) concentrisch umgeben wird; die einzelnen Schichtenzonen treten aber in den
Terrainformen nicht mehr so prágnant hervor, wie in den Zonen des Mittelsilures,
sondern bilden vielmehr zusammenhángende gleichartige Terrainparthieen, deren
locale Ungleichheit úberdiess auf der Hóhe des Plateaus durch aufgelagerten Thon-
Sand- und Schotterschutt der zerstórten Basis der Kreideformation, welche ehedem
das Obersilur bedeckte, grósstentheils ausgeglichen sind.
18
Nur die Zone der weichen Graptolithenschiefer und ihrer Grůnsteine (ex) ist
am áusseren Saume des obersilurischen Kalkterraines von den hárteren Kalkstein-
binken der auf ihnen gelagerten Zonen scharf geschieden und auch orographisch
angedeutet.
Der eigenthůmliche Charakter der obersilurischen Kalkzonen tritt aber um so
deutlicher in den tiefen Thálern und Schluchten zum Vorschein, indem man an
den steilen Felswánden derselben nach dem wechselnden petrographischen Charakter
nicht blos die Reihenfolge dieser Zonen, sondern auch die Bruchlinien verfolgen
kann, nach denen sie durch gegenseitigen Druck zu antiklinalen und synklinalen
Schichtenwellen aufcestaut und durch Verschiebungen gegen einander verworfen sind.
Der Beraunfluss trennt durch ein von Nordwest nach Siůdost gerichtetes Spalten-
thal das obersilurische Plateau in zwei uneleiche Theile, einen sůdwestlichen klei-
neren Theil zwischen dem Beraunflusse und dem Litava- und Vosoverthal; und in
einen grósseren, nordostlichen vom Beraun- und Moldauflusse umflossenen Theil,
I. Das obersilurische Terrain am rechten Beraunufer.
Dieses Terrain bildet ein hůgeliges Plateau zwischen dem Beraunfluss und
dem Litava- und Vosoverthale, das nicht bloss an seinem Rande von den guarzi-
tischen Grauwacken (d;) des Housinarůckens und des Kosovberges umsáumt wird,
sondern auch in seiner Mitte von einer antiklinalen Aufstauung dieser Grauwacken
durchsetzt wird.
Diese Aufstauung der Grauwacken und Schiefer (dj) kann man vom Vočkov-
berg (566 M.) gegeniiber von Karlstein sůdwestlich bis nach Mněňan verfolgen,
wo sie sich unter aufeelagerten Graptolithenschiefern und Kalkbánken verbirgt,
aber jenseits derselben zwischen Bykoš und Suchomast wieder zu Tage tritt und
úber Borek bis nach Libomyšl sich fortsetzt. (Fig. 45 und 44.)
NW Knihov. Koukolová Hora. Tmáň. Lejškov. Bykoš. Housiny. S50
! ZSE
SSS S So P BORA
dě d5 Di ds D ds M ds
d, d, Untersilur. e, e, Obersilur. M Minette. Di Diabas.
Fig. 44.
Parallel zu dieser antiklinalen Erhebung der Grauwacken verlaufen kleinere
Schichtenwellen in der Schieferzone d;, in welche die letzten sůdwestlichen Aus-
láuter der Graptolithenschiefer von Grůnsteinen begleitet, sich einlagern. Der eine
dieser Ausláufer zieht sich von Bykoš gegen Želkovic, der andere von Tmáň nach
Malkov, der dritte von der Koukolová hora westwárts gegen die Fiala-Miihle an
der Litava.
Alle diese Ausláufer der Graptolithenschiefer und der sie begleitenden Grůn-
steine der Zone e, waren ehedem von einer zusammenhángenden Kalkschichte der
Zone e, bedeckt, welche aber durch spátere Dislocationen zerrissen und gróssten-
MP
- pry o o
19
abgeschwemmt wurde, so dass sich nur vier isolirte Parthieen oder Schollen der-
| selben erhielten.
Die eine dieser Kalkschollen bildet den Růcken des Berges Lejškov (458
- Meter) bei Tmáň, an dessen Fusse im Bereiche der weichen Schiefer der Zone d;
ein ausgezeichneter Fundort der letzten Reste der dritten Fauna sich befindet.
Die zweite isolirte Kalkscholle (e,) bildet westlich davon die Kuppe des
Berges Smutný (453 M.) zwischen Tmáň und dem Meierhofe Slavík.
Die dritte Kalkscholle (e,) bildet am Rande des Plateaus ober Popovic den
- Gipfel der Koukolová hora (470 M.), an deren durch Steinbrůche fast ganz
- zerstórten Kuppe eine weithin sichtbare Kapelle (St. Blasius) steht. (Gegen das
Litavathal fállt dieser Berg mit bewaldeten Lehnen steil ab, und man sieht da an
seinem Fusse beim Dorfe Křižatky (Schmiedberg) und im Litavathale die Schiefer
und Grauwackenzone d; mit Grinsteinen und Graptolithenschiefer anstehen.
| Die vierte und grósste Kalkparthie bildet einen von Nordwest nach Sůdost
© streichenden Bergrůcken, der sich zwischen den beiden Terraindepressionen erhebt,
in deren einen an der Sůdseite des Berges die Strasse von Všeradic nach Suchomast
und Tmáň gegen die Emilshůtte bei Kónigshof, und in der anderen an der Nord-
seite die Strasse von Liteň úber Mněňan und Koněprus ebenfalls gegen die Emils-
- hůtte sich zieht. (Fig. 45.)
Zlatý Koně-
Libomyšl. Vyšebohy. Lejškov. Kůň. py So Rojke Dam Tetín. Bahnhof. Beraun.
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d, d, Untersilur. e, e, F 9, Obersilur. Di Diabas.
Fig. 45.
Der Bergrůcken besteht an der Basis aus der Schichtenzone der Graptolithen-
schiefer und Grůnsteine (e,), hóher hinauť aus Kalkschichten der Zone e,, und in
nordwestlichem Theile am Berekamme selbst aus Kalkbánken der Etage F. Die
Kalkbánke dieser Zonen ziehen sich guer ber die antiklinale Schichtenaufstaung
der Schiefer und Grauwackenzone d;, die wie frůher erwáhnt in sůdwestlicher
Richtung vom Vočkovberge gegen Bykoš streicht, wáhrend Terrainfurchen, welche
die Kalkzonen in nordostlicher Richtung, durchsetzten den Růcken in einzelne
Kuppen zertheilen, die dieser Gegend einen kupirten, bergigen Charakter verleihen.
Diese Kuppen sind von Sůdost nach Nordwest der Mramor, der Šamor (464 M).),
Bacín (497 M.), Telín (481 M.), denen sich dann der Růcken in der Waldstrecke
Dlouhý les (452 M.), dann die Kuppen Oujezdec (470 M.) und Kobyla
(470 M.) anschliessen, welche letztere Kuppe mit dem kammartigen Růcken Zlatý
80
Kůň und Kotyz genannt zwischen Koněprus und Tmáň zusammenhánet, von denen
der letzteenannte den Bergzug abschliesst.
Die Kuppen Mramor, Šamor und Telín bestehen aus Kalksteinen der
Zone e,, die auf der Graptolithenzone und Grůnsteine (e,) ruht.
Diese letztere Zone setzt sich vom ostlichen Fusse des Mramor ůúber den Ort
Liteň gegen Běleč fort und verliert sich da in den scharfen Schichtenwindungen
der Thonschieferzone d;, die am Beraunfiusse zwischen Třebáň und Klučic in einer
Thalwand ansteht, so dass es den Anschein gewinnt, als ob die in diesen Thon-
schiefern eingeschlossenen Colonien nichts anders wáren, als in die Schichten-
faltungen eingezwángte Parthieen des Liteňer Graptolithenzuges.
Auf der Kuppe Bacín westlich vom Telín lagert sich auf den grauen Kalk-
stein der Zone e,, lichter, krystallinischer Kalkstein der Etage F auf, und dieser
Kalkstein erstreckt sich von da westwárts auch auf die anderen Kuppen und Kámme, |
|
im Dlouhý les, auf den Oujezdec, Kobyla, Zlatý Kůň und Kotyz. Die tiefere Lage
dieser Etage F besteht hier aus róthlichem Marmorkalk, die hóhere Lage, fast an
ein Korallenriff erinnernd, aus weissem, krystallinischen Kalkstein voll Korallen
und anderen Thierresten, mit den reichsten und interessantesten Fundorten unserer
silurischen Petrefakten. Dieser Kalkstein ist in den Gemeindenfluren von Mněňan
und Koněprus durch Steinbrůche aufgeschlossen und liefert einen vortrefflichen
Saturationskalk fůr Zuckerfabriken.
An der Kuppe Kobyla und am Zlatý Kůň trifft man im Bereiche dieses Kalk-
steines kleine Hóhlen an; an dem flach gegen Sůden abgedachten Růcken des
letzteren Berges sieht man Reste uralter Steinwálle, und an seinem áusseren west-
lichen Ende, Kotyz genannt, eine Hóhle mit eingesunkener Decke, „ve vratech“.
Die Kalksteinbánke sind an dieser Westseite gegen ein bis in die Graptolithen-
schiefer (e,) tief eingeschnittenes Thálchen prall abgeschnitten und bilden malerische
Felsenwánde am Suchomaster Bache, welcher den Verlauf einer nordwestlichen
Bruchlinie andeutet. Die óstliche Seite des Berges, welche ebenfalls steil zum
Dorfe Koněprus sich abstufft, besteht aus den Schichtenkópfen aller drei Zonen
F, ©, €4, die von hier gegen Westen einfallen und ebenfalls durch eine Bruchlinie
durchsetzt sind, an der máchtige Grůnsteine zum Vorschein kommen. Nur an der
ostlichen Seite der Kuppe Kobyla bemerkt man ůúber den F-Kalken einen kleinen
Rest der Knollenkalke (g,).
Eine bis in die Zone der Graptolithenschiefer und Grůnsteine ausgefurchte
Einsattelung, in der das Dorf Koněprus liegt, trennt die Ostflanken des oben
- beschriebenen Bergzuges von dem Kalksteinplateau von Tobolka. Durch diese Ein-
sattelung und die beiderseits derselben sich ziehenden Thalerunde fůhrt die Strasse
von Liteň úber Mněňan nach Bitov und Kónigshof und erst von dieser grósserer
Terrainfurche an beginnt das zusammenhángende Kalkterrain, das sich von da
nordostwárts bis in die Umgebungen von Prag verbreitet.
Das zunáchst anstehende Kalkplateau bei Tobolka (siehe Fig. 49) bis zum
Beraunfiuss zwischen Tetín und Korno, enthált alle Schichtenzonen von d; an-
gefangen bis H.
Wenn man an dem gegen Mněňan und Liteň abfallenden Westabhange dieses
Plateaus vom Thale hinauf gegen das Dorf Korno steigt, so úberschreitet man
|
M
j 81
W
| merst die antiklinale Schiefer- und Grauwackenwelle der Zone d;, die vom Vočkov-
ibera gegen Měňan zwischen dem Berge Mramor und dem Tobolker Kalkplateau
jsich hineinzieht.
| Dann folet in regelmássiger Reihe zuerst die Zone der Graptolithenschiefer
Ind Grůnsteine (e,), dann als zweite Terasse die Schichtenzone des grauen Kalkes
E welche den waldigen Hůgel Stražiště (443 M.) bei Korno bildet und sich
je auf die petrefaktenreiche Hóhe Dlouhá hora (443 M.) ober Bitov und auf
Ile Kuppe Koledník (403 M.) ober des gleichnamigen Hofes verbreitet. Die
"ritte Terasse bildet der róthliche oder lichte Kalkstein (F), der die Hochfláche
jam das Dorf Tobolka (407 M.) einnimmt, und als hóchste Gesteinsterasse tritt
Iendlich der lichtgraue Knollenkalk (g,) auf, aus dem sich die waldige Kuppe
(465 Met.) ober Tobolka zusammensetzt. Dieser Knollenkalk verbreitet sich
von da, theilweise von Sand und Gerólle der Kreideformation bedeckt, auf der
Iwaldigen Fláche des Haines von Koda (590 M.) bis zum Plateaurande am Beraun-
|Auss und bildet auch den durch eine Schlucht vom Koder Hain abgetrennten
Ikahlen Berg Da mil (395 M.), der sich úber dem uralten Orte Tetín erhebt und
isteil zum Litavathal bei dem Berauner Bahnhofe abfállt.
Die letzte der obersilurischen Schichtenzonen, die Thonschiefer H tritt im
|Terrain nur untergeordnet auf. Sie bildet námlich die Ausfůllung einer synklinalen
Terrainfalte im Bereiche der Kalkzone £g, am Berge Střevíc ober Korno, und
dann folet sie einer máchtigen Dislocationskluft, welche am Berge Tobolka beginnt
Hund úber das Forsthaus Koda lángs einer schonen Thalschlucht nordostwárts guer
| ber den Beraunfluss sich zieht. Die Schiefer der Zone H bilden in dieser Schlucht
"die rechte Flanke, wáhrend die linke in steilen Felsen ansteht, an denen die geho-
|benen Kalkbánke von g, bis e, der Art zu Tage gehen, dass die jůngeren Schiefer
E unter die álteren Kalke F und e, einzufallen scheinen.
| Die hoch interessante Gebirgstektonik des Tobolker Kalkplateaus erkennt man
jam besten, wenn man am Fusse seines steilen Randes flussaufwárts am linken
[Beraunufer vom Bahnhofe bei Karlstein bis zum Bahnhofe bei Beraun lángs der
|Eisenbahn schreitet. (Fig. 46.) -
NW Korno. Na Střevíci. Úísařská pokle. Kodská rokle. Nepno Tetín. SO
8; Ja 1 es
Man erhált hiedurch in zwei Wegstunden den Úberblick eines senkrecht zum
|Streichen der Silurschichten von der Natur selbst gebotenen Gebirgsprofiles, da
Vder Beraunfluss in einer Ouerspalte das ganze obersilurische Gebiet durchbricht.
Gleich hinter dem Bahnhofe von Karlstein unter den Ortschaften Krupá und
|'Korno stehen Grůnsteine mit Graptolithenschiefern (e,) und dann graue Kalke (e,) in
| 6
82
steiler Aufrichtigung an, die hier, offenbar wegen des Contactes mit Diabasgrůnstein,
dolomitisch sind. |
Dann folet unter den schroffen Felsenwánden von Korno, deren Kamm den ©
Namen „na střevíci“ fůhrt, eine synklinale Schichtenmulde aus den concentrisch
abgelagerten Zonen F 8, £, 8; und H gebildet. |
Gleich hierauf biegt sich die in máchtigen Felsen anstehende Zone des Knollen- ©
kalkes (g,) kniefórmig um und fállt steil in die malerische Schlucht „císařská
rokle“ ein, in deren Hintererund aus einem rieselnden Báchlein starke Kalktuff-
schichten sich absetzen. Die linke Flanke dieser Schlucht bilden in regelmássiger
Reihenfolee wieder die Zonen £, © ©, und H, die in der náchstfolgenden grósseren ©
waldigen Thalschlucht von Koda unter die an einer Bruchlinie hochgehobenen
Zonen e, F ©, einfallen. Auch im Hintergrunde dieser Schlucht guillt bei dem
Forsthause Koda kalkháltiges, tuffbildendes Wasser und zwar so reichlich, dass es
oleich am Auellursprung eine Můhle treibt.
Es folgen nun am Fusse des Koderberges (590 M.) und des sich an demselben
anschliessenden vom Wald bedeckten Plateaus, dessen Rand mit steilen Felsen zum
Beraunfluss abfállt, in wiederholten synklinalen und antiklinalen Windungen die
Knollenkalke (£,) und unter denselben rothe Marmore (F), die uns bis zur Schlucht
von Tetín beeleiten.
Vor diesem Orte passirt man an einem Eisenbahneinschnitt noch eine Stelle,
wo Diabas (Di) die Kalkzone F durchbricht, und verfolgt dann an den Felsenwánden
unter Tetín die Kalkzone e, und endlich die Graptolithen- und Diabaszone e,, die
in máchticer Entwicklung unter den Feldfluren Ratinka bis gegen den Bahnhof
in Beraun anhált, in dessen Náhe endlich Thonschiefer der Zone d; anstehen.
2. Das obersilurische Terrain am linken Beraunufer.
Vom linken Beraunufer zwischen Tetín und Karlstein zieht sich das ober-
silurische Kalksteinplateau in nordostlicher Richtune ununterbrochen bis in die
Umegebungen von Prag fort. Durch die Auertháler des St. Ivaner oder Kačicer
Baches, dann des Radotiner und des St. Prokopibaches, so wie durch das Moidau-
thal bei Branik wird dieses Kalkplateau seiner ganzen Breite nach in fůnf Terrain-
abschnitte zertheilt, deren geotektonische Verháltnisse in den GAuerthálern der
genannten Báche ganz deutlich aufgeschlossen sind.
Alle Schichtenzonen der obersilurischen Etagen E bis H stehen námlich da-
selbst in synklinalen und antiklinalen Wellen an, so dass jedes dieser Tháler ein
ungemein belehrendes Auerprofil des obersilurischen Terrains darstellt. Auch die
Bruchlinien, von welchen das Kalkplateau durchsetzt ist, treten in diesen Auerthálern
mit evidenter Deutlichkeit zum Vorschein und namentlich ist es eine Hauptbruch-
linie, die man von Koda úber Karlstein bis gegen Lochkov und Braník verfolgen
kann und die sich theilweise auch in den Terrainformen verráth. An der Ober-
tláche des Plateaus werden die synklinalen Faltungen des obersilurischen Schichten-
complexes fast nur durch die Vertheilung der obersten silurischen Etage, námlich
durch die Thonschiefer H angedeutet, indem diese ehedem gewiss úber das ganze
Obersilur verbreiteten Schiefer sich nur in zwei mehr oder weniger zusammenhán-
gendenStreifen erhalten haben, sonst aber ganz abgewaschen sind, námlich in einer
| synklinalen Faltung der Kalkzone g;, die man von Hostín ber Bubovic bis nach
- Chejnic im Radotinerthale verfolgen kann, und deren nordostliches Ende nach einer
| lángeren Unterbrechung im St. Prokopithale bei Prag zu sehen ist.
Der zweite Streifen der H-Schiefer folet der grossen Bruchlinie, die am
| Tobolkaberge ober Koda beginnt, und die dann im norděstlichen Streichen parallel
-zur Lángsaxe des Obersilures das ganze Kalkplateau durchsetzt. Man verfolet die
| ihr angefůgten H-Schiefer von Koda an ber Srbsko und Mořin nordlich von Karl-
- stein bis nach Choteč im Radotinerthale. Die Oberfláche des im allgemeinen 350
- bis 380 M. hohen Kalksteinplateaus ist flach hůgelig und im allgemeiuen ziemlich
' eben, da die Terrainfurchen desselben durch abgelagerten Sand- und Schotterschutt
| der tiefsten Schichten der bohmischen Kreideformation, und der aus der Verwit-
( terung ihrer limnischen Schieferthone entstandenen plastischen Thone ausgeslichen
(sind. Die Zugehorigkeit dieser einer Diluvialbildung áhnlichen Schutt- und Thon-
ablagerungen zur Kreideformation ist nicht blos durch einzelne noch anstehende
| Reste von Sandsteinen (zwischen Kuchař und Tachlovic, bei Radlic), so wie durch
© zerstreute Blócke eines eisenschůssigen Sandsteines, der vollkommen mit der Grund-
schichte des Unterguaders in den Umgebungen von Prag úbereinstimmt, sondern
| namentlich auch durch Pflanzenabdrůcke (Cycadeen, Crednerien, Ficus und Mag-
© nolienblátter u. s. w.) nachgewiesen, fiůir welche die Thonablagerungen ober Kuchel-
© bad einen besonders reichen Fundort bieten.
| Diese Thone werden als feuerfestes Material und als Topferthon bei Mezoun,
| Ořech, Holín, Kuchelbad gewonnen, und die sie bedeckenden Schotter- und Sand-
schichten, so wie die einzelnen eisenschůssigen Sandsteinblócke sieht man ůberall
| am ganzen Kalkplateau, vom Koder Hain und vom Berge Damil bei Tetín an-
| gefangen bis auf die Plateauhóhen bei Karlstein, Kuchař, Ořech, Slivenec, Radlic
und Pankrac verbreitet.
Erst von Karlstein an gegen St. Ivan und zum Beraunfiuss zwischen Srbsko
und Tetín erheben sich einzelne hóhere bewaldete Kuppen, die von den tiefen
Thalschluchten gesehen, der Gegend einen mehr bergigen Charakter verleihen.
| 89
!
a) Das Terrain zwischen Beraun und Sť. Ivam.
Das bergige Waldterrain, das sich zwischen der in die weiche Schieferzone
d; eingeschnittenen Thalfurche von Vraž an der Strasse von Beraun nach Lodenie
und zwischen der von Nord nach Sůd verlaufenden, das Kalkplateau tief durch-
spaltenden Thalschlucht von St. Ivan erhebt, begeht man am besten auf den Fuss-
steige, der von Beraun nach St. Ivan fůhrt. Man steigt da von der Schiefer- und
Grauwackenzone (d.) an, auf die Graptolithenschiefer und Diabasgrůnsteine, welche
die vom Berauner Gemeindewald Herynk bedeckte Bergkuppe (436 M.) zusammen-
setzen. Die Feldlehnen gegen die Beraun zu, die mit schroffen Grůnsteinfelsen
zur Beraun abfallen, heissen nach einem einzelnen Hofe na Lištici. Oben am
-Gipfel der Hóhe, da wo sich der Weg steil herab gegen St. Ivan zuwendet, wird
man durch das Erscheinen von Basalt úberrascht, der hier im Bereiche der
- Graptolithenzone (e,) und der náchst angelagerteh Kalkzone (e,) gangfórmig auf-
tritt. Erst von da an gegen die tiefe St. Ivaner Thalschlucht herab, legen sich
an die Ostflanken des Bergterraines die hóheren Kalkzonen (F, ©, ©, £) in steil
6*
84
oehobenen Schichtenbánken an, die alle durch die St. Ivaner Thalschlucht guer
durchbrochen werden.
Ganz deutlich tritt dann die Reihenfolge der Kalkzonen in dieser Thalschlucht
selbst zu Tage, wo nebstdem durch die Anordnung der Felsenwánde und eine
malerische Abwechslung mit bewaldeten Berelehnen eine der schónsten Landschafts-
parthieen unseres Obersilures sich entwickelt.
Wir schreiten von Lodenic an thalabwárts zuerst wieder ber die Schiefer
und Grauwackenzone (dj) mit aufgelagerten Graptolithenschiefern und schón kry-
stallinischen Diabasen (e;), in welchen bei Sedlec und am Wege von Lodenic nach
Bubovic wieder Basalt in Gángen auftritt. Zwischen Sedlec, und St. Ivan schliesst
ein Auerrigel von Diabas und Graptolithenschiefer das Thal fast ab, so dass der
Bach sich durch eine verengte Schlucht hindurch windet, und man betritt nun
ein petrefaktenreiches Gebiet der Kalkzone e,, úber dem sich rechts und links
hohe Felsenwánde des Kalkes F erheben. Namentlich ist es die hohe, ein weithin
sichtbares Kreuz tragende Wand unmittelbar úber der Kirche, welche die St. Ivaner
Thalgegend beherrscht. Hoch oben hinter dem Kreuz (438 M.) findet man den
Eingang zu einer Hohle „v stydlých vodách“ genannt. Steile Felsengehánge, haupt-
sáchlich der Kalkzone ©, angehorend, begleiten uns nun lánes des Kačicer Baches,
der das Thal bewássert, gegen das Dorf Hostín, und man erkennt dann weiter an
einer schwachen Einlagerung von Tentakulitenschiefern (©,) den Beginn der hochsten
Kalkzone (©), die in Hostín selbst in máchtigen Felsen ansteht. Bei Hostín
erweitert sich die Thalschlucht und man betritt die hochste silurische Zone, námlich
die H-Schiefer, die sich guer ůúber das Thal auf den Bere Doutnáč (428 M.)
gegen Bubovic hinaufziehen. Den Schluss der Thalschlucht von ihrer Einmůndung
in das Beraunthal bilden wieder nahe an einander tretende Kalkfalten, in denen
man in umgekehrten Ordnung trotz ihrer antiklinalen und synklinalen Windungen
die einzelnen Kalkzonen von ©; bis e, nach ihren petrographischen Merkmalen
leicht unterscheidet. An der Můndune des Kačicerbaches erhebt sich schliesslich
úber einer Diabasunterlage, welche die Kalkzone e, durchbricht und hebt, ein mách-
tiger Felsen Kozel genannt, als ein Hauptfundort von Petrefakten bekannt und
an denselben schliesst sich dann am linken Bachufer die Reihe der rothen Marmor-
kalke (F) und der Knollenkalke (£;) an, deren Lagerune in den Felswánden am
linken Beraunufer denen am rechten Beraunufer entspricht, die schon frůher be-
sprochen wurden.
b) Das Terrain zwischen dem St. Ivan- und dem Radotinerthal.
Ostlich von Kačicer oder St. Ivanbache bis zum Radotiner Thalgrund hat das
Kalkplateau den Charakter einer wellenfórmigen, theilweise bewaldeten Fláche,
deren nordlicher hoher erhobener Rand parallel zum Schiefer und Grauwacken-
kamme (d;) des Berges Kolo (445 M.) verláuft und auf der Unterlage von Grůn-
steinen und Graptolithenschiefern (e,) aus der Reihenfolge der Kalkzonen von e,
bis g; besteht. Von diesem Plateaurande laufen guer oder senkrecht zum Streichen
der Kalkschichten vier kleine Báche zum Beraunfluss herab, die sich allmáhlich
tiefer und tiefer in das Terrain einschneiden und endlich den entgegengesetzten,
námlich sůdlichen Plateaurand in tiefen Thalschluchten durchbrechen.,
Der erste dieser Báche parallel zum St. Ivanbache,
© beginnt auf dem Plateau bei Bubovic im Bereiche der
H-Schiefer und windet sich bald den antiklinalen Kalk-
' růcken der Panská hora durchbrechend in eine tiefe
Waldschlucht, die bei dem Dorfe Srbsko ins Beraunthal
-sich offnet. Der Wechsel der antiklinalen und synkli-
- nalen Schichtenwindungen der Kalkzone ist wegen úppi-
© gem Waldwuchse in dieser Schlucht weniger deutlich zu
erkennen, am Ende derselben bei dem Dorfe Srbsko
- trifft man aber die Fortsetzung des Schieferstreifens H,
der von Koda guer úber die Beraun streicht, und die
ihn begleitende grosse Druchlinie an, lángs deren diese
| Schiefer scheinbar unter die Knollenkalke (g;) einfallen.
f Die an der Beraun bei Srbsko anstehenden Felsen zeigen
© diese Bruchlinie und die ihm angelagerte synklinale
© Wólbung der Knollenkalke, welche letztere der am
| rechten Beraunufer entwickelten und frůher geschilderten
| Tektonik entspricht.
| Der zweite Bach beginnt ober Mořin unter der
© Plateauhčhe Amerika genannt, deren čstlicher úber
| dem Dorfe Mořin sich erhebende Rand na Barvínku
© heisst und die Bruchlinie andeutet, die von Srbsko her
- mitten durch das Kalkplateau sich zieht. (Fig. 47.)
-Im Thalgrunde von Mořin breiten sich H-Schiefer aus,
| die gegen den Barvínek zu unter die gehobenen Kalk-
zonen (£, bis £,) einfallen, anderseits aber an die Kalk-
berge von Karlstein sich concordant anlehnen. Der
Bach wendet sich dann siůdwárts vom Mořiner Thal-
grunde, „v Hlubokém“ und durchbricht in einer Felsen-
schlucht die steil gehobenen Kalkbánke von g,, die hier
durch eine deutlich entwickelte Lage von Tentakuliten-
schiefern (g,) von den Knollenkalken (©,) gesondert
werden, und tritt dann in die Zonen F und e,, welche
letzteren bis an dié Můndung des Baches in die Beraun
anhalten. Vor dieser Miůndung vereinigt sich eine
kůrzere Felsenschlucht mit der eben beschriebenen und
auf dem zwischen beiden Schluchten eingeschlossenen
Felshůgel der Kalkzone g, angehórend, steht das alte
Kónigsschloss Karlstein (319 Meter). Hóhere waldige
Kalkberge, die Javorka (g, 385 M.) auf der West-
seite, der Plešivec (e,) auf der Sůdseite, Kněží
hora, Bučina und Haknova (g,) auf der Ostseite
beherrschen ringsherum die Bure, und zwei noch hohere
Kuppen (g;), námlich Vížka (421 M.) und u Lip
(416- M.) erheben sich an der Strasse von Karlstein
und Mořiny. Úber das Plateau zwischen Karlstein und
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St. Ivan selbst fiihrt ein angenehmer Fussweg vom
Mořiner Thalgrund durch eine waldige Terraineinsenkung
in den H-Schiefer bei dem sogenannten Kónigsbrunnen
(u královské studánky) vorbei, dann úber die antikli-
nalen und synklinalen Wellen der Kalkzonen, in denen
hier nebst dem Mořiner und Bubovicer Streifen noch
ein anderer kleiner Rest der H-Schiefer angetroffen
wird, gegen das Dorf Bubovic, und dann durch eine
Schlucht herab zur St. Ivankirche.
Der dritte Bach der Karlsteiner Hóhen, Studený
genannt, beginnt am nordlichen Rande des Kalkplateaus
bei Lužec und fliesst anfangs in einer seichten von
Feld bedeckten Bodendepression, dann unter Roblín in
einem in die Kalkzonen tief eingeschnittenen Waldthal,
aus dem er bei Karlík, den Grůnsteinkamm Čabrak
durchbrechend, ins Beraunthal tritt.
Der Weg lánes des Baches fůhrt úber die beiden
Streifen der H-Schiefer, den Bubovicer und den Mořiner,
zwischen denen die Kalkzonen in synklinaler und anti-
klinaler Lagerung sich wiederholen.
Einen ganz áhnlichen Charakter hat die Terrain-
turche und die mit ihr zusammenhángende Thalschlucht,
die der Bach Švarcava bewássert. Er beginnt am Plateau
bei Klein-Kuchař in den Schotterablagerungen und
schneidet sich unweit Třebotov tiefer in die wellenfórmig
gewundenen Kalkzonen und in die H-Schiefer des Mo-
řiner-Štreifens ein, wobei namentlich zwischen der €,
und ©; Zone der Tentakulitenschiefer (g,) deutlich zu
Tage tritt (Můhle u Frantů, u Pekárků). Unterhalb
Solopisk durchbricht das Bachthal die Graptolithen- und
Grůnsteinzone der obersilurischen Basis und ergiesst
sich im Bereiche der Schieferzone d; bei Černošic in
die Beraun.
Der bewaldete Sůdrand des Kalkplateaus bei Vono-
klas, zwischen dem Švarcava- und dem Studenýbach
heisst Hradinovský kopec (3599 M.). Die ostliche
Fortsetzung desselben úber Solopisk bei Třebotov vorbei
heisst Kulivá hora (580 M.) und es náhert sich hier
die Kalkzone e, der Schieferzone d; am Berge Sulava
(9558 M.) bei Kosoř, indem der Graptolithenschiefer und
die Grůnsteine wenig zu Tage treten.
Das úbrige Plateau zwischen Třebotov, Kuchař
und Hoch-Újezd, úber welche die Karisteiner Strasse
tůhrt, ist eine ziemlich ebene, wenig gewellte Fláche,
mit Sand und Schotter und Thon der zerstórten Kreide-
formation bedeckt, so dass usserlich nur Sparsame
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I Wahrzeichen die so manniefach gestórte Lagerung der obersilurischen Zonen an-
L deuten, die unter diesen Schottern sich verbergen.
c) Das Terrain lůngs des Rudotinerbaches.
Das Thal des Radotinerbaches ist das lehrreichste in Betreff des geotekto-
j nischen Aufschlusses unseres Obersilures, indem es das Terrain desselben seiner
| ganzen Breite nach von Tachlovic bis nach Radotin durchschneidet. Am nordlichen
" Plateaurande ist der Verlauf des Thales sůdostlich, námlich senkrecht zum Streichen
-der Silurschichten; in der Mitte des Plateaus folgt es aber auf eine Strecke unter-
-halb Choteč der norděostlichen Richtung des Streichens.
| Der Radotinerbach entspringt am Plánerplateau bei Ptic, und tritt bei Hořelic
| ins silurische Terrain ein, wo er zuerst die Auarzitzone d, und dann die Schiefer-
| zonen d; und d, durchsetzt, in welchen letzteren die grossen Eisenerzlager von
- Nučic nahe am Bache durch Tagbaue aufeeschlossen sind. Bei Tachlovic ist eine
© Graptolithencolonie in der Schieferzone d; sichtbar und nun folgt in regelmássiger
© Folge die Grinstein- und Graptolithenzone (e,), die grauen, rothen und Knollen-
| kalke (F g, g,) bis zu den H-Schiefern in deutlich entwickelter muldenartie syn-
© klinaler Lagerung. (Fig. 48.) Hierauf folgen in der Waldstrecke Škrábek genannt,
zwischen Chejnic und Choteč, zwei antiklinale Aufstauungen der Zone ©; und ©;,
die durch Diabas durchbrochen werden, und dann bei Choteč eine zweite synklinale
Mulde der g, ©, ©, Zonen mit dem H-Schiefer in der Muldenmitte.
| In der Fortsetzune des Thales zwischen der Vruticer Můhle und der Schlucht,
-die sich von Lochkov herabzieht, wiederholt sich die amtiklinale und synklinale
Faltung der Zonen ©, F bis e, und e,, bis endlich an der vorgenannten Lochkover
Schlucht in Folge eines máchtigen Schichtenbruches abermals Knollenkalke der
Zone ©, anstehen, die scheinbar unter die Grůnsteine und Graptolithenschiefer
(e,) einfallen. Von da an bis zur Můndung des Thales bei Radotin, wo sich der
Bach in den Beraunfluss ergiesst, folgen wieder in regelmássicer concordanter
Lagerung die Zonen ©, F e, e, auf einander und an der Basis derselben in dem
Hůcgel Lahovsko trifft man endlich als Schluss der Schichtenfolge hinter máchtigen
Diabasmassen Thonschiefer und Grauwacken der Zone d; mit Graptolithenco-
lonien an. |
d) Das Terraim zwischen dem Radotiner und dem St. Prokopithal.
An der Ostseite des Radotiner Thales breitet sich das Kalkplateau mit Sand-
und Schotterablagerungen und Lehm bedeckt als eine ebene Fláche ber Ořech
(365 M.) bis zum St. Prokopithale aus. Von Slivenec (568 M.) verláuft aber eine
kůrzere Thalschlucht Přídolí genannt bis nach Gross-Kuchel, und man erkennt
in derselben die Fortsetzung der Bruchlinie von Lochkov, indem daselbst hinter
der concordanten Folge der Zonen ©, F, e, e, und ihrer Grinsteine wieder eine
gehobene und eingefaltete Parthie von Knollenkalken (g,) zu Tage tritt, an deren
Basis endlich die Schichtenzonen des sůdlichen Muldenflůgels (g, F e, e,) der
obersilurischen Mulde anstehen und mit ihren máchtigen Diabaslagern und den
88
sie unterteufenden Grauwacken und Schiefern der Zone d; die bewaldete Thallehne
bei der Johanniskirche ober Kuchelbad bilden. (Fig. 49.)
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Slivenec. Přídolí. Sv.dan.
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Fig. 49.
Ostwárts fállt das Slivenecer Plateau mit steilen Gehángen in das St. Prokopi-
thal ein, das in seinen theils senkrecht theils parallel zur Schichtung verlaufenden
Windungen wieder in sehr belehrender Weise den geotektonischen Bau des Kalk-
plateaus aufschliesst.
Die steilen Felseehánge gegen die Moldau von Kuchelbad bis zur Můndung
des St. Prokopibaches schliessen eine der interessantesten Parthien der obersilu-
rischen Zonen auf (Fig. 50). Man sieht da námlich in der Richtung von Kuchelbad
S Vyskočilka. o Dívčí Hrady. U Útírada. N
ds IDilenlezlf I
Fig. 50.
gegen Zlichov zuschreitend zuerst (bei Vyskočilka) máchtige Lagermassen von
Diabasgrůnstein von Graptolithenschiefer becleitet nnd darůber petrefaktenreiche
Kalke der Zone e,, hierauf eine in den bizarsten Windungen gefaltete Zone von
schwarzen bituminósen Kalken der Zone f;, nun durch eine Denktafel mit Barrande's
Namen bezeichnet. Auf diese Zone folet dann eine Lage róthlichen Marmorkalkes
(£) und endlich in máchtigen Bánken die grauen Knollenkalke (9,) mit nordwest-
lichem Einfallen den synklinalen sůdlichen Flůgel der obersilurischen Mulde bildend,
in deren Mitte das St. Prokopithal bei Hlubočep sich offnet.
e) Das Terraim zwischen dem St. Prokopi- und dem Moldauthale.
Der St. Prokopi- oder Hlubočeperbach beginnt am Rande des Auadersandstein-
plateaus bei Chaby, dessen čstliche Fortsetzune der isolirte auf Grauwackenschiefer
aufgelagerte Plánerberg Vidovle ober Jinonic bildet, und zwar im Bereiche der
|
'
89
Grauwackenzone d, bei der einsamen Kirche Krteň. Der Bach schneidet sich gegen
Sůdosten fliessend allmáhlich tiefer in das Feldterrain ein und durchsetzt bei Reporyj
-die schon frůher erwáhnten Graptolithen- und Grůnstein-Colonien im Bereiche der
Thonschieferzone dg.
Unterhalb Řeporyj tritt der Bach in das Thal „v Dalejích“ ein, das von
- der Dux-Prager Eisenbahn durchzogen wird und schliesst nun in seinen Windungen,
die theils dem Streichen der Schichten folgen, theils dieselben guer durchschneiden
© bis Hlubočep, die ganze Reihenfolge der obersilurischen Zonen auf. Von Butovic
úber Neudorf vereinigt sich ein Seitenthálchen im Bereiche der Graptolithenschiefer
-und Grůnsteine ausgewaschen mit dem Dalejer Thale. Von der Nordseite des Slive-
- necer Plateaus von Holin herab zieht sich an den Lehnen dieses Thales ein Streifen
der H-Schiefer von Klippen der ©, Kalke auf den bewaldeteu Thallehnen begleitet
-und úbersetzt am Eisenbahnviadukt in Hlubočep das Thal selbst. Die gegeniůber-
liegenden felsigen Gehinge bei der Št. Prokopikirche bestehen theils aus Knollen-
kalken (g,), theils aus lichtgrauen Kalken der Zone f2, die nun durch máchtige
Steinbrůche unmittelbar an der St. Prokopikirche aufgeschlossen sind. Unter dieser
Kirche offnet sich im Bereiche dieser F-Kalke die St. Prokopihohle,
Die geotektonisch und stratigraphisch interessanteste Parthie bildet der Ab-
- schluss des Thales in Hlubočep selbst, indem daselbst die g,-Kalke klippenartig
(na Zvahově) anstehen und den letzten nordostlichen Ausláufer der H-Schiefer mit
einem concentrischen Walle umschliessen. Die geologische Struktur dieses Walles ist
an der durch eine Eisenbahnbrůcke úbersetzten Thalschlucht, wo der Bach diesen
„Wall durchbricht, sehr deutlich aufgeschlossen, so dass man in einer Terrainfurche
- jenseits der Klippen und des Walles der g,-Kalke die Zone der Tentakuliten-
schiefer (g,) und noch weiter im Liegenden desselben die Knollenkalke (©,) leicht
unterscheidet, die da als die entgegengesetzten Flůgel einer schónen regelmássigen
Mulde die hóheren Thalwánde bilden.
Das Plateau nordlich vom St. Prokopithale mit seinen zum Moldauthale steil
abfallenden Abhángen fůhrt den Namen Dívčí Hrady (Mádchenburg 350 M.). Sein
Rand gegen das Prokopithal, an dessen nordóstlichen Ende ůúber der Moldau die
wenigen Reste der ehemaligcen Burg Děvín sichtbar sind, besteht aus einer anti-
klinalen Falte der Knollenkalke (©,), die sich einerseits gegen die St. Prokopi-
kirche und anderseits gegen die Moldau fortsetzt, wo auf einer Klippe des unter-
gelagerten und hier zu Tage tretenden F-Kalkes die Kirche von Zlichov steht.
Von dieser antiklinalen Falte des Děvín (siehe Fig. 50) wendet sich der Knollenkalk
(g,) synklinal lánes der von der Buštěhrader Eisenbahn durchschnittenen Lehnen
ober Zlichov zum něrdlichen Saume des Kalkplateaus „u Ctirada“ (248 M.) und
ruht hier auf lichten F-Kalken, die ihrerseits von grauen Kalken der Zone e, und
noch tiefer von Graptolithenschiefern und Diabasen und Thonschiefern und Grau-
- wacken der Zone d; unterlagert werden. Diese letzteren bilden die Nordlehnen des
Radlicer Thales, durch welches das obersilurische Kalkplateau von dem hůgeligen
Terrain der Grauwackenschiefer (d,) zwischen Smichov und Košíř abgetrennt wird.
90
£) Das Kalkterrain am rechten Moldauufer zwischen Bramík und Dvorec.
Den letzten Rest des kalkigen Ober-Silures bilden die beiden Kalkfelsen bei
Braník und Dvorec am rechten Moldauufer, welche durch die breite Thalfurche der
Moldau von den zusammenhángenden Kalksteinen der linken Flussseite getrennt
sind. 1165)
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Fig. 51.
Der sůdlichere Kalkfelsen, námlich der Braniker Felsen (245 M.), wendet
seine steil gegen Nordwest einfallende Schichtenfláche gegen Prag und bildet mit
dem gegeniberliegenden Kalkhůcel, auf dem die Zlichover Kirche steht, eine male-
rische Staffage des Moldauthales, dessen Hintererund der Ausláufer des Brdawaldes
und die Porphyrkuppen bei Koniesaal abschliessen. Der DBraniker Felsen besteht
von aussen gegen das Innere zu aus der Reihenfolge der Knollenkalke (©,), der
lichten Kalke (F) und der dunkelgrauen (e,), unter denen dann die Zone der
Graptolithen und Diabasen und noch weiter im Liegenden die Grauwacken- und
Schieferzone (dj) mit Colonieinlagerungen der Graptolithenschiefer zu Tage tritt.
Der Dvorecer Felsen (261 M.) hatte noch vor drei Decennien die Gestalt einer
ansehnlichen bureáhnlichen Klippe, ist nun aber durch Šteinbrůche fast ganz zerstort.
Seine Kalkbánke hatten eine muldenartige synklinale Ablagerung und die
tieferen derselben (e,) zogen sich ehedem bis in die Felder gegen Nusle. Sie be-
stehen von oben nach unten eben so wie der Braniker Felsen aus dem Knollen-
kalke (£,), dann aus beiden Kalkzonen f, und f,, námlich aus róthlichen Marmoren
und bituminósen schwarzen Kalksteinen, und an der Basis aus erauen Kalksteinen
(e,) und aus einer máchtigen Graptolithen- und Grůnsteinablagerung, die von Grau-
wacken und Thonschiefer der Zone d; unterteuft wird. In den letzteren tritt im
Thalerunde am nordlichen Fusse des Braniker Felsens eine Colonieeinlagerung der
Graptolithenschiefer zu Tage.
In dem Thálchen zwischen dem Braniker und Dvorecer Felsen legen sich die
Thonschiefer der Zone d; unmittelbar an die Knollenkalke (g,) des Braniker Felsens
an, indem hier parallel zum Streichen eine Bruchlinie durchgeht, nach welcher die
Dvorecer Schichtenparthie gehoben ist, so dass die Braniker Kalke (g,) unter die
Schiefer (d,) eingefallen scheinen.
Jenseits der synklinalen Mulde von Dvorec bei Podol und am Vyšehrad bildet
der Grauwackenschiefer (d,) eine antiklinale Faltung, der sich auf der oberen Neu-
stadt Prag die Auarzitzone (dp) und die eisensteinfiihrende Schieferzone (d,) an-
schliesst. Die Hóhen ober den Kalkfelsen und bei Pankrac sind mit Sand und
Schotter der zerstórten Kreideformation (n) bedeckt.
91
Bruchlinien im Gebiete des bohmischen Silursystems.
Die regelmássig concentrische Reihenfolge der silurischen Etagen und Schichten-
zonen, wie sie in Barrande's idealem Profile dargestellt ist, herrscht als das haupt-
| sáchlichste Schichtungsgesetz im ganzen Bereiche des bohmischen Silursystems.
Durch spátere, nach der Silurperiode erfolste Dislocationen wurde zwar nicht
© die Reihenfolge der Schichten, aber ihre ursprůnglich muldenfórmig concentrische
© Lagerung vielfach gestórt und man findet die Schichten nicht blos in mannigfachen
© synklinalen und antiklinalen Biegungen gefaltet, sondern auch durch Schichten-
© brůche zersprengt und gegeneinander verworfen.
Man kann wohl annehmen, dass alle die grossen Hebungen und Senkungen
| der Erdrinde, welche vom Schlusse der Silurperiode bis in die tertiáre Zeit, die
| | Oberflůche von Mitteleuropa veránderten, mehr oder weniger deutliche Spuren in
der Lagerung des Silursystems hinterliessen; da aber mit Ausnahme der Kreide-
| formation (und zwar ihrer cenomanen und turonen Schichtenglieder) keine der
| jůngeren Formation sich in das Gebiet des mittelbohmischen Silursystemes erstreckt,
I So ist es nicht móglich, die einzelnen Bruchlinien dem relativen Alter nach von
eimander zu unterscheiden. Indessen erkennt man bald, dass alle Lagerungsveránde-
rungen, durch welche die verschiedenen Faltungen und Schichtenbrůche des bohmischen
Silures veranlasst wurden, álter sind als die Kreideformation, weil die Schichten
der letzteren in fast horizontalen Ablagerungen úber alle Faltungen und Hebungen
der silurischen Schichtenzonen fortstreichen.
Die Kreideformation war ehedem namentlich mit ihren tiefsten limnischen,
cenomanen Schichten (den Perucer Schichten) úber das ganze Ober-Šilur und úber
den gróssten Theil des Mittel-Silures von Hořovic bis nach Prag verbreitet, wie
die Sand- und Schotterlagen mit eingefůgten Thonablagerungen mit Pflanzenresten
am ganzen Kalkplateau und in den Feldfláchen zwische Žebrák und Hořovic er-
weisen; von den hóheren turonen Plánern erhielten sich nur einzelne inselfórmige
Reste, so am Vidovleberg bei Jinonice (úber d,) und die grósseren Terrainfláchen
des Pláners am nordlichen Saume des Silures vom Kačicerbache an bis zum weissen
Berge und dem Gipfel des Laurenziberges in Prag, und óstlich von der Moldau am
Plateau von Prosik und Chvala, unter dem sich die nordostlichen Ausláufer der
D-Etage verbergen.
Unter den vielfachen und manniefaltigen Zerklůftungen und Schichtenstorungen
der silurischen Mulde, welche in allen Thaleinschnitten des Silurterreins zu Tage
treten, sind es namentlich drei Systeme von Klůften und Schichtenbrůchen, welche
das ganze bohmische Silursystem beherrschen und auch in seinen Terrainformen
sich kundgeben, námlich
1) das System der Schichtenbrůche mit nordóstlichem,
2) das System der Schichtenbrůche und Klůfte mit nordwestlichem und
9) das System der Klůfte mit nordlichem Streichen.
:
|
|
92
I. Das Kluftsystem mit nordostlichem Streichen.
Dieses System herrscht in unserem Silurgebiete am meisten vor und veranlasst
nicht bloss Schichtenbrůche und Verwerfungen, welche norděstlich, also parallel
zur Schichtenablagerung streichen, sondern auch die wellenfórmigen synklinalen
und antiklinalen Faltungen der Schichtenzonen, wie sie in den Durchschnitten der
Silurmulde sich darstellen. ;
Es ist offenbar durch einen lateralen Druck entstanden, dem nach Schluss der
Silurperiode ihre mehr oder weniger horizontalen oder ach muldenfórmigen Schichten-
ablagerungen unterworfen waren.
Die bBildung der alt-erruptiven Masse, welche unser Silur begrenzen, oder
dasselbe durchsetzen, sind zweifellos im genetischen Zusammenhange mit diesen
tektonischen Veránderungen der Silurmulde. Vor allem sind es die mittelbóh-
mischen Granite, welche am čstlichen Saume unseres Silures aus máchtigen
Kliften des bohmisch-máhrischen Gneuses empordrangen, vielleicht als ein trachyt-
hnliches Magma, das erst durch spátere Umkrystallisirung den granitischen Cha-
rakter erhielt. Dass diese Granitbillungen, welche nun ein máchtiges, an zwanzig
Meilen langes und in der Mitte 5—4 Meilen breites Gebires-Massiv darstellen,
das sich lánes der ganzen óstlichen Silurerenze erstreckt, erst nach der Bildung
der Grauwackenschiefer der Zone d, stattfanden, beweist augenscheinlich das Auf-
treten der Silurscholle am Tehoverberg bei Mnichovic, welche zwischen das azoische
Schiefer- und das Granitterrain eingekeilt ist und die Schichtenzonen d, bis dj,
enthált.
Eine andere, ebenfalls zur Šilurzeit entstandene erruptive Bildung ist der
Felsitporphyr, der zwar hauptsáchlich im Gebiete der azoischen Schiefer auftritt,
námlich in dem Berezug der Půrelitzer und Zbirover Wálder, und parallel zum
nordlichen Saume des Silures bis in die Gegend von Rokycan sich erstreckt; aber
seine Bildung erst nách Abschluss der eisensteinfihrenden Zone (d,) und der
Ouarzitzone (d;) ist nach seinen Contactverháltnissen mit diesen Zonen im Rač-
cebirge und bei Plzenec und in der Šárka bei Prag evident.
Eben so wie der Granit setzt auch dieser Porphyr tiefeehende Kliůfte in den
azoischen Schiefern voraus, aus welchen seine Masse hervordrang, wobei auch eine
Zerklůftung des eigentlichen Silurs und mannigfache Verschiebungen desselben
veranlasst wurden.
Das dritte erruptive Gestein unseres Silurs ist der Diabasgrůnstein.
Sein Hervortreten aus Klůften des Silures erfoleste zur Zeit der Bildunesperiode
des Schiefers d,, dessen Eisengehalt eben von dieser Erruption herrůhrt; dann
wiederholte es sich zur Zeit der Bildung der Graptolithenzone (e,) und local selbst
noch in der Bildungszeit der Tentakulitenschiefer (g,).
Die Bildung aller dieser Erruptivmassen erfolste aus Klůften, die in Folge
der Contraction der Ausseren Erdrinde entstanden und in denen das eindringende
Wasser in Contact mit dem heissen Inhalte des Erdinnern kam. Je nach der
Tiefe der Klůfte wurde dann das eine oder das andere erruptive Magma hervor-
gepresst und zwar aus den grósseren Tiefen das Magnesia- und eisenhaltende Magma
der Diabasmassen, aus geringen Tiefen das Magma des Porphyres und Granites.
| 05
:
In dieser Hinsicht ist also die Bildung der Klůfte und der erruptiven Massen
| im genetischen Zusammenhang, und in die Pildungszeit derselben fallen auch alle
"die Zexklůftungen und Bruchlinien, welche unser Silursystem parallel zu seinem
' Streichen gegen Nordost durchsetzen, indem deren Anordnung eine solche ist, dass
/sie einen lateralen Druck voraussetzt, der eben nur als Folge der Contraction der
E -akruste und der sie begleitenden Bildungen von erruptiven Massen erklárbar ist.
| Kleinere locale Unregelmássigkeiten mógen auch eine andere Ursache haben. So
(lassen sich die merkwůrdigen Faltungen der Kalkschichten in der Zone e, und f;,
(wie z. B. bei Kuchelbad, leichter durch eine Infiltration und Imprágnirung ehedem
- thonig schiefriger Gesteine durch Kalk und der daraus sich ergebenden Anschwel-
-lung und Filtelung der Schichten erkláren, als durch den Druck der nachbarlichen
© Diabasen, da die gefalteten Schichten zwischen anderen Kalkschichten liegen, die
-ebene Fláchen haben.
| Die auffallendsten, auch in den Terrainformen des Silures angedeuteten Bruch-
(linien des nordóstlichen Systemes sind die folgenden :
| a) Die Bruchlime der Příbramer Letlenkluft.
| Diese durch den Příbramer Bergbau bekannt gewordene Bruchlinie (siehe Fig.
(4. und Fig. 5) begrenzt den nordlichen Saum der Conglomeratzone, die auf die
- azoischen Schiefer aufgelagert úber Příbram bis gegen Dobřiš streicht und von dem
| grossen Conglomeratterrain des Třemošnagebirges durch die azoische Schieferzone
-von Dušník-Pičín getrennt ist.
Die Příbramer Grauwacken und Conglomerate bilden lánes dieser Bruchlinie
eine Mulde, deren nordlicher Flůgel steil an der Bruchlinie gehoben ist, wáhrend
an der entgegengesetzten Šeite der sůdliche Theil dieser Mulde flacher aufliegt.
Diese Bruchlinie ist durch Bergbau besonders am Birkenberge aufgeschlossen
und ist von da westlich bis úber Bohutin und óstlich úber Května gegen Pičín zu
bergmánnisch bekannt; aber da sie in derselben nordostlichen Richtune liegt, nach
"der die Conglomerate und Grauwacken des Třemošnagebirges von den Přibramer
Conglomeraten abgerissen wurden, so ist wohl die Vermuthung begrůndet, dass
auch die Bruchlinie, die voe Mníšek gegen Černolic und weiter gegen Závist bei
Kónigsaal die sůdliche Seite des Brdawaldes begleitet und welche genau in der
Fortsetzung jener Bruchlinie liegt, nichts anderes ist als die Fortsetzung der Let-
tenkluft. Sie setzt sich dann zwischen dem Silur und den azoischen Schiefern úber
Modřan und Kunratic am rechten Moldauufer fort und verliert sich erst in dem
flachen Terrain zwischen Kunratic und Koloděj.
Die Hauptwirkung dieser Bruchlinie war die Hebung des Třemošnagebirges
und des grossen Brdawaldes, dessen sůdliche steile Lehnen, welche hoch úber die
untergelagerten azoischen Schiefer emporgehoben sind, dieser Bruchlinie parallel
sind. Der Verlauf dieser Bruchlinie verlásst bei Mnišek das Terrain der Conglo-
merate und besgleitet von da bis Kónigsaal die Zonen d, d, d; d;, die zu dieser
Linie steil gehoben sind und unmittelbar mit dem azoischen Schiefer angrenzen,
-und zwar so, dass sich bei Jilovišt zuerst die Zone d;, dann bei Báně und Zá-
běhlic die Zone d, und d; auskeilt und bei Závist schon die Zone d, an dieser
Linie unmittelbar unter die azoischen Schiefer mit gefalteten Schichten einfállt.
94
Weiter gegen Nordost erscheint wieder die Zone d; als Begleiter dieser Linie und
als die Basis des Silursystemes.
b) Die Bruchlime zwischen dem Třemošna- und dem Slonovecrůckem.
Parallel zu der Příbramer Lettenkluft wird das ausgedehnte Conglomerat-
terrain, welches den sůdwestlichen Theil des Silures zwischen Příbram und Rokycan
einnimmt, von einigen Bruchlinien durchsetzt und in die parallelen Gebirgsrůcken
gegliedert, die schon frůher beschrieben wurden. Das brůchige und spróde Ge-
steinsmaterial der Conglomeratschichten gestattete nicht die Bildung von Faltungen
und synklinalen und antiklinalen Windungen der Schichten, sondern bei der Hebung
des Gebirges, als deren Ursache wir die Contraction der Erdrinde voraussetzen,
wurde die zusammenhángende Decke der Conglomerate in einzelne parallele Štreifen
zersprengt und ein Streifen hinter dem andern einseitig gehoben. — Die zur Pří-
bramer Lettenkluft náchst parallele DBruchlinie ist durch das Lángenthal von
Obecnic angedeutet, welches den Třemošnarůcken vom Slonovec scheidet. (Siehe
Fig. 5). Da die Flanken dieser Gebiresrůcken sowie die Thalsohle von zertrům-
mertem Gesteine bedeckt sind, so lásst sich die Bruchlinie selbst an anstehenden
Felsen nicht wahrnehmen, ihr wirkliches Vorhandensein ist aber durch die Contouren
des Gebirges angedeutet, indem sonst die Máchtigkeit der Conglomeratschichten,
welche von dem einen Růcken unter den anderen einzufallen scheinen, in einer
so enormen Grósse angenommen werden miisste, wie sie durch keine unmittelbare
Beobachtung, wo námlich die Conglomerate auf azoischen Schiefer ruhen, bestá-
tiget wird. Die Bruchlinie beginnt irgendwo am Berge Kočka bei Padrť und zieht
sich am Fusse der hochsten Conglomeratberge Koruna und Tok durch das Thal von
Obecnice bei Hluboš vorůber in die Conglomeratberge der Dobříšer Waldungen
gegen Kytín, wo sie sich mit der Fortsetzune der Přibramer Klettenkluft vereinigt.
c) Die Jinecer Bruchlime.
Diese Bruchlinie (Siehe Fig. 5 und Fig. 8) beginnt zwischen dem Slonovec-
růcken und dem Koníček im Bereiche der Conglomerate, wo sie diese zwei mar-
kanten Bererůcken von einander scheidet und setzt sich durch das Thal von Velcí
(Welkau) fort, wo sie die auf den Třemošnaconglomeraten gelagerten Jinecer
Schiefer mit ihrer Primordialfauna aufdeckt. Scheinbar fallen diese Schiefer nord-
westlich unter die Conglomeratenschichten des Koníčekrůckens ein, aber eben dieses
Lagerungsverháltniss ist ein sicheres Anzeichen des Vorhandenseins der Bruchlinie.
Sie setzt sich dann an die Auarzitzone (d,) des grossen Brdarůckens fort und ist an
dem secundáren Felsricken erkennbar, der den Kamm des grossen Brdarůckens an
seiner nordlichen Seite begleitet. Ganz deutlich tritt die Fortsetzung dieser Bruch-
linie an der Bezirkstrasse zwischen Řevnic und Mníšek hervor, zwischen dem Berge
Strážný und Babka (Fig. 21), indem daselbst und in den angrenzenden Schichten
die untergelagerte Eisenstein fůhrende Zone (d,) mit ihren Diabasen zu Tage
ansteht und deutlich die beiden Auarzitzůge des Brdawaldes von einander trennt.
Hinter Všenor gegen Báně und Záběhlic náhert sich diese Bruchlinie der Fort-
POE Vee
|
| 95
!
|
:
|setzung der Příbramer Kluft, und vereinigt sich hier mit derselben, so wie die
'vorhergehenden.
:
i
d) Die Bruchlinmie des Berges Ostrý.
| An der Nordseite des Berges Ostrý bei Felbabka zwischen Hořovic und Jinec
- steht Auarzit (d,) in steilen Schichten und scharfen Knickungen an, der nord-
-westlich einfállt und von der Eisenstein fůhrenden Zone d, unterlagert wird, die
( wieder ihrerseits auf den Schiefern der Primordialfauna (C) ruht. (Siehe Fig. 7, 16, 17.)
Zwischen diesen Schiefern, die ziemlich flach liegen, und den Auarziten geht
| eine Bruchlinie durch, die durch eine Reihe von Auarzitklippen angedeutet ist. Man
„kann diese Klippen durch den Podluher Wald bis ins Thal des rothen Baches
-zwischen Mrtník und Neřežín am Fusse des Giftberges verfolgen, wo sie mit einer
I Ouarzitzone (d,) zusammenhángen, die auf der eisensteinfihrenden Zone (d,) auf-
| gelagert bis in das Thal von Strašic bei Těny sich zieht. Weiter gegen Sůdwest
-im Thal von Strašic tritt die eisensteinfůhrende Zone, durch anstehende Grůnstein-
© hiůgel bezeichnet, allein zu Tage, von beiden Seiten von hóheren Třemošna-Conglo-
meratbergen begleitet, und zwar so, dass sie an der Sůdseite des Thales auf diesen
© Conglomeraten ruht, auf der Nordseite aber scheinbar von ihnen úberlagert wird,
-was offenbar die Folge einer Dislocation ist, námlich einer Hebung der nordlichen
| Conglomeratparthie úber die eisensteinfihrenden Schichten. Die Bruchlinie, lánes
| der diese Dislocation stattfindet, setzt sich dann im Gebiet der Třemošnaconglomerate
in das Thal von Dobřiv fort, das eben durch diese Dislocation gebildet wird, und
- verliert sich endlich unter der kleinen Steinkohlenmulde von Mirešov, die gerade
-an der Grenze der Conglomerate und der azoischen Schiefer abgelagert ist.
An der nordlichen Seite wird diese Bruchlinie von einer antiklinalen Auf-
stauung der eisensteinfůhrenden Zone begleitet, die in dem deutlich aufgeschlos-
senen Schichtenbau des Hůgels Milina bei Volešna und des Berges Ivina bei Ko-
morau leicht erkennbar ist (Fig. 14, 15). Die antiklinale Schichtenwólbung setzt
sich dann mit Ouarziten (d,) bedeckt úber den Berg Číhadlo und den Hůgel Dra-
žovka bei Hořovic fort (Fig. 16, 17) und streicht weiter in nordostlicher Richtung
durch das Terrain des auf Auarziten aufgelagerten Grauwackenschiefers (d,) zwischen
dem rothen Bache und der Litava durch, ohne dass aber die Fortsetzung der
Bruchlinie des Ostrýberges in den zerrůtteten Grauwackenschiefern durch irgend
welche Terrainformen angedeutet wáre.
Die Fortsetzung der antiklinalen Schichtenwólbune scheint sich noch weiter
in das Bereich der letzten Thonschiefer und Grauwackenzone des Mittelsilures,
námlich der Zone d; zu erstrecken; denn man trifft sie-wieder deutlich an der Hohe
Vyšebohy bei Libomyšl an, und sie láuft von da in gerader nordostlicher Fortsetzung
die Iviner Wólbung úber Borek gegen Suchomast, wo sie von den Kalketagen E
und G des Koněpruser Bergzuges bedeckt wird. Am nordlichen Gehánge dieses Bere-
zuges bei Mněňan treten im Thale zwischen den Kalkbergen bei Korno und Liteň
der Thonschiefer und die Grauwacken der Zone d; wieder auf und zwar gleichfalls
in antiklinaler Schichtenstellune, offenbar als Fortsetzung der Borek-Suchomaster
Welle (Figur 43.). Diese antiklinale Aufstauung setzt sich dann als deutliche
Terrainwelle auf den Berg Vočkov gegenůber von Karlstein fort, úbersetzt die
96
Beraun und streicht úber Karlík und Vonoklas bis gegen Černošic, wo sie am
Rande des Kalkplateaus verschwindet. Es ist bemerkenswerth, dass am áusseren
sůdlichen Saume dieser Welle in einem synklinal gebauten Streifen vom Kalkberge
Mramor bei Liteň angefangen, Graptolithenschiefer und Diabaslager erscheinen und
weiter in der Fortsetzung dieses Streifens im Gebiete der Thonschieferzone d;
Colonieneinlagerungen der Graptolithenschiefer auftreten, die sich von Třebáň úber
Radotín, Gross-Kuchel und guer úber die Moldau bis gegen Hodkovičky verfolgen
lassen, so dass es den Anschein gewinnt, als seien diese Colonien zerstreute Reste
eines in die Schiefer der Zone d; eingeknickten Graptolithenschieferstreifens, der
důrch die antiklinale Aufstauung des Vočkovberges vom zusammenhánsenden ober-
silurischen Terrain abgetrennt wurde.
e) Die Bruchlinie vom Berge Žďár und vom Koda.
Am Žďárberge bei Rokycan sieht man am áussersten něrdlichen Ende der
Třemošnaconelomerate dieselben in hoch gehobenen Schichtenbánken anstehen, die
gegen Norden scharf abgeschnitten sind. Am Fusse dieses Berges, der úbrigens
von Porphyr durchsetzt ist, liegen die Schiefer der Zone d;y mit untergelagerten
Eisenerzen und fallen scheinbar von Nordost gegen den Bere Žďár ein, námlich
gegen eine Bruchlinie, lánes der dieser Berg gehoben ist. Diese Bruchlinie setzt
sich nordostlich hart am Fusse des Conglomeratberezuges bei Holoubkau vorbei
(Siehe Fig. 19.) und verliert sich dann im Terrain der Eisenstein fůhrenden Zone
(d,) bei Mauth, wo ein Grůnsteinhůgel bei der isolirten St. Stephanskirche ihre
Fortsetzung nur unbestimmt andeutet. Weiter gegen Nordost bei dem Dorfe Ka-
řízek tritt aber diese Bruchlinie wieder deutlich zum Vorschein (siehe Fig. 14),
„indem sie daselbst die Auarzitdecke (d,), welche den westlichen Auerriegel des
nordlichen und sůdlichen Auarzitsaumes unserer Silurmulde bildet, zersprengt und
in antiklinaler Aufrichtung die eisensteinfihrende Zone (d,) zu Tage bringt.
In den weiter gegen Nordost aufgelagerten Grauwackenschiefern (d,) ist sie
wegen der Bedeckung des Terrains mit Lehm und Schotter nicht kennbar, sie setzt
sich aber wahrscheinlich bis ins obersilurische Kalkterrain fort, und vielleicht
gehórt ein Theil des Thálchens des rothen Baches zwischen Hořovic und Praskoles
zu dieser Fortsetzung.
Erst im zusammenhángenden obersilurischen Kalkterrain am Berge Tobolka
beginnt wieder eine deutliche Schichtenverwerfung, die weil sie in der Richtung der
Bruchlinie von Žďár und Kařízek liegt, als ihre Fortsetzung angenommen werden
kann. Diese Bruchlinie ist namentlich in der Thalschlucht bei Koda sehr deutlich
sichtbar (siehe Fig. 46), indem daselbst die hóchste obersilurische Schieferetage
(H) unter steil gehobene Kalkbánke der Zone F und G, gegen Nordwest einzufallen
scheint, aber eigentlich von ihnen durch diese Bruchlinie getrennt wird. Die Dis-
location zwischen den Kalkbánken und den Schiefern der Etage bezeichnet dann
weiter den Verlauf dieser Bruchlinie, welche wie es scheint, das ganze obersilu-
rische Kalkplateau durchláuft. |
Man sieht sie wieder deutlich lánes des Schieferstreifens der Etage H bei
Srbsko jenseits der Beraun, bei Mořin unweit Karlstein am Abhange der Hóhe
„na Barvínku“ (Fig. 47) und bei Třebotov, allerdings nur in Thal- und Schluchten-
9
- einschnitten, da die Plateauhóhen von Sand und Schotter oder Lehm bedeckt sind.
| Auch die auffallende Dislocation zwischen den Graptolithenschiefern und Diabasen
B der Zone e, und zwischen den Knollenkalken g,, die unterhalb Lochkov im Rado-
- tinerthale schon in den Terraincontouren sich kundgiebt, kann man als Fortsetzung
-dieser Bruchlinie ansehen, obwohl die H-Schiefer nicht bis her reichen, sondern
- schon bei Kosoř sich verlieren.
In der weiteren nordostlichen Fortsetzung dieser Linie tritt dann die Dislo-
-cation zwischen der Zone e, und g, im Thálchen Přídolí unterhalb Slivenec wieder
auf, und ihre letzte Spur endlich ist wahrscheinlich durch die Bruchlinie ange-
deutet, welche den Braniker Kalkfelsen (£,) vom Dvorecer trennt uůd wo in den
Thálchen von Dvorec die Knollenkalke 9; scheinbar unter die Thonschiefer der
Zone d; einfallen. (Fig. 51.)
S) Die Prager Bruchlimie.
Die beiden Auarzitzonen, welche in den Umgebungen von Prag auftreten und
-von denen die sůdliche durch die obere Neustadt Prag zieht, wáhrend die něrd-
liche den weithin sichtbaren Felsen bei dem Hofe Bulovka unweit Lieben bildet,
und welche beide GAuarzitzonen von einander durch einen 2 Kilometer breiten
- Streifen der Grauwackenschiefer (d,) getrennt werden, verlaufen lángs einer nord-
- ostlichen Bruchlinie, durch welche am nordlichen Saume des Silurterrains die
- regelmássice Schichtenfolge in so auffallender Weise unterbrochen wird, dass sie
schon in den Terrainformen sich erkennen lásst (Siehe Fig. 92). Die deutliche
- Sonderung der Auarzitzonen durch das Dazwischentreten eines sich bis auf 2—3 Kilo-
meter erbreitenden Štreifens der Grauwackenschiefer (d,) beginnt am Berauner
- Plešivec, welcher Berg so zu sagen der Knotenpunkt der Auarzitzonen am nordlichen
- Rande des bohmischen Silures bildet.
Denn einerseits zieht sich vom rechten Beraunufer zu diesen Bergen die Reihe
© der isolirten Auarzitkámme, die im Gebiete der azoischen Schiefer zwischen Zbirov
- und Althůtten auftreten, und vielleicht schon eine Dislocationslinie andeuten, lánes
- deren die Auarzite des Velis und der Krušnáhora aus ihrem ursprůnglichen Zu-
- sammenhange mit den GAuarzitrůcken des kleinen Brdagebirges abgetrennt werden,
- anderseits zieht sich zu eben demselben Berge die Bruchlinie, welche den Auar-
zitrůcken des kleinen Brdagebirges (Brdatka) in zwei Kámme scheidet, und durch
einen engen Streifen der Schiefer der Zone d,y angedeutet wird. (Fig. 27.)
Man kann diesen engen Schieferstreifen mitten zwischen zwei Auarzitkámmen
des Brdatkarůckens von Dybří vom Berge Děd bei Drabov bis zum Beraunfluss
- verfolgen, wo er diesen Fluss úbersetzt und in die sůdliche Lehne des Berauner
Plešivec sich hineinzieht.
Von diesem Berge angefangen verláuft die nordliche Auarzitzone úber den
Kamm Kamenina und den Chrbinarůcken bei Chýňava bis úber den Kačicer Růcken
bei Ptic, wo sie sich unter aufgelagertem Auadersandstein und Pláner verliert, um
aber wieder bei Hostivic westlich von Prag im seichten Thale des Plánerplateaus
aufzutauchen. (Siehe Fig. 28). Die Fortsetzung dieser Zone bilden die kleinen
Ouarzitkámme und Klippen bei Vokovic und Dejvic, dann die Auarzitwand bei der
Bulovka und die Klippe bei der verlorenen Schildwache in Neu-Lieben, endlich
7
98
die einzelnen Auarzitfelsen zwischen Vinoř und Brandeis, die in den seichten auf
dem mit Auadersandstein und Pláner bedeckten Plateau durch Schotterbrůche auf-
oeschlossen sind. Am Saume der Silurmulde ist hier eine secundáre Dislocations-
linie sichtbar, lánes der die Auarzitschichten wiedersinnig gegen NW einfallen.
Auf der Auarzitzone liegen in regelmássiger Folge die Schieferzonen d,
und d, bis zu der Bruchlinie, lángs der, wie schon frůher beschrieben wurde, die
Eisenstein fůhrende Zone (d,) und úber derselben die zweite sůdliche Auarzitzone zu
Tage tritt, welche ihrerseits wieder von der regelmássigen Reihe der jingeren Schiefer-
zonen dz, dj, d; begleitet wird, bis endlich die Kalketagen des Obersilures sich auflagern.
Der Auarzitkamm des Březovarůckens und dann die kleinen Kámme bei Ho-
řelic, Chrašťan, Radonic deuten den Verlauf dieser Bruchlinie an, die dann na-
mentlich im Košířer Thal an den GAuarzitklippen deutlich zu Tage tritt, indem
daselbst Schiefer der Zone d, und d; unmittelbar an einander stossen. (Fig. 34.)
Die weitere Fortsetzung der Auarzitzone geht durch die obere Neustadt Prag,
wo sie durch die kleinen anstehenden Felsen bei Emaus angedeutet ist, und tritt
von einer sekundáren parallelen Pruchlinie und der antiklinalen Welle des Kreuz-
berges bei Volšan begleitet, am Žižkaberge ober Karolinenthal wieder besonders
deutlich hervor, bis sie hinter Hloupětín am Plateaurande der Kreideformation
unweit von Chvala unter den Auadersandsteinen verschwindet. (Fig. 36.)
9) Die Bruchlime von Skrej.
Eine durch ihre Deutlhchkeit besonders ausgezeichnete Pruchlinie begleitet
endlich den isolirten und in dem azoischen Terrain eingeschlossenen Streifen der
Zone der Primordialfauna (C) bei Skrej, die dort aus Schiefern und guarzitischen
Grauwacken und Conglomeraten sowohl im Liegenden als Hangenden besteht und
auf azoischen Schiefern discordant aufgelagert ist. Diese Zone hat ein nordost-
liches Streichen und fállt sůdostlich gegen eine Bruchlinie ein, die man von Tej-
řovic úber Mlečic bis gegen Lohovic und Tereschau verfolgen kann, und an der
Aphanite und Porphyre das azoische Schiefergebiet durchsetzen und sich hoch iiber
die Zone der Primordialfauna erheben. (Siehe Fig. 9.)
Es ist wohl móglich, dass dieser so weit vom zusammenhángenden Šilur-
terrain dislocirte Schieferstreifen den ussersten nordlichen Rand des einstigen
Silurmeeres andeutet, womit auch die Vertheilung der isolirten eisensteinfůhrenden
Schichten (d,) und GAuarzite (dp) auf den Plateauhohen des azoischen Schiefer-
terrains am Velis und an der Krušná hora úbereinstimmt. Offenbar wurde die
angedeutete Dislocation der Skrejer Schiefer durch das Empordringen der máchtigen
Porphyrmassen bewirkt, welche den waldigen Gebireszug zwischen Půrglitz und
Rokycan bilden. Indessen ist es auch moglich, dass die Skrejer Schiefer in einer
Seitenbucht des Silurmeeres sich absetzten; aber eine sichere Entscheidung ůúber
diese ersten Verháltnisse des bohmischen Silurmeeres lásst sich aus den bisher
bekannten geotektonischen Aufschlůssen bisher nicht ableiten.
2. Das Kluftsystem mit nordwestlichem Streichen.
Das grosse, die bohmische Silurformation hauptsáchlich beherrschende Kluft-
system mit nordostlichem Streichen wird senkrecht zu diesem Streichen durch ein
99
anderes Kluftsystem durchsetzt, das namentlich auf die Thalbildung von Einfluss
ist. Dieses Kluftsystem mit nordwestlicher Richtung entstand wenigstens theilweise
* vielleicht gleichzeitig mit den nordóstlich verlaufenden Bruchlinien, vielleicht ist es
aber theilweise gleichzeitig mit jenen Zerklůftungen, welche im westlichen Deutsch-
- land und in England zur Zeit des Kohlenkalkes die mitteleuropáischen Gebirge
durchsetzten und dasselbe nordwestliche Streichen haben. Die Altersbestimmung
dieses Kluftsystemes im Gebiete des bohmischen Silurterrains ist nicht móglich, da
bis zur Kreideformation alle jingeren Schichtenbildungen in diesem Gebiete fehlen
und also keine Anhaltspunkte gegeben sind, um das relative Alter der nord-
westlichen Klůfte nach ihrem Eingreifen in andere jiingere Formationen zu be-
stimmen.
Nach der Richtung des nordwestlichen Kluftsystemes sind einige Tháler mit
beiderseits steilen Felsgehángen ausgewaschen, durch welche senkrecht zum herr-
schenden Streichen die silurischen Schichten mit allen ihren Unregelmássigkeiten,
Faltungen und Verwerfungen durchschnitten werden. Noch háufiger zeigen sich diese
Klůfte nur an den Zusammensetzunesfláchen der Felsenmassen und an den Ver-
werfungsfláchen der Schichtenzonen. So bemerkt man sie besonders háufig in dem
Eisenerzlager auf der Krušná hora (d,) und bei Nučic in der Grauwackenzone (d,),
dann in den Auarzitrůcken des Brdagebirges und in den Kalkfelsen des ober-
silurischen Terrains.
a) Die deutlichste und grósste Kluft dieses Systemes sileht man im Beraun-
thale zwischen Beraun und Srbsko entwickelt. Diese Kluft durchsetzt senk-
recht zum Štreichen der Silurschichten alle obersilurischen Etagen von e, angefangen
bis nach H und ihrem Streichen nach ist die hier pittoreske Thalschlucht aus-
gewaschen, an deren steilen Winden, den Kalkzonen F und £; angehórend, man
die Kluftfláchen dieses Systemes besonders deutlich erkennt.
b) Parallel zu dieser Thalschlucht zieht sich im obersilurischen Kalkterrain
am rechten Beraunufer von Liteň gegen Koněprus eine Thalfurche, welche
bis in die untergelagerten Thonschiefer der Zone d; reicht, sonst aber von den
Graptolithenschiefern und Diabasen der Zone e, ausgefůllt ist. (Siehe Fig. 45.)
Die Kalkfelsen an den Hóhenzůgen, die dieses Thal umsáumen, sind nach Klůften
abgeschnitten, die diesem Kluftsystem angehóren.
Als Fortsetzung dieser Thalfurche kann man einerseits gegen Nordwest das
kleine Auerthal betrachten, welches die Etage D (d, d; d; d,) bei Zahořan bis
zum azoischen Schieferterrain unterhalb Hudlic durchbricht; anderseits die Schlucht,
welche oberhalb Řevnic an den nordlichen Lehnen des Brdawaldes sich hinaufzieht
und zwischen den Kuppen Strážný vrch und Babka die Auarzite (d,) bis zu den
untergelagerten Diabasen und Schiefern der Zone d, durchschneidet.
c) Auch die Auerthálchen, welche vom obersilurischen Plateau zwischen Karl-
stein und Radotin zum Beraunthale sich herabziehen, durchsetzen die Kalketagen
senkrecht zu ihrem Štreichen und gehóren also auch zu diesem Kluftsysteme; so
namentlich das Thálchen des kalten Bachés (Studený) zwischen Trněný Újezd
und Karlík; das Thálchen des Švarcavabaches zwischen Klein-Kuchař und
Černošic, dann der Anfang und das Ende des Radotinerbaches zwischen
Hořelic und Choteč, so wie zwischen Hinter-Kopanina und Radotín, wáhrend der
Vs
100
mittlere Theil dieses Thales dem ersten Kluftsystem námlich dem norděstlichen
angehórt.
Auch die Schlucht Přídolí unterhalb Slivenec, dann der obere Theil des
St. Prokopithal bei Řeporyj gehórt hieher, Das Ouerthálchen bei Vše nor, welches
den Auarzitkamm des Brdawaldes seiner ganzen Breite nach durchbricht, kann
man als die Fortsetzuneg der Kluft betrachten, lánes der das Thálchen von Karlík
gegen Trněný Újezd im Obersilur ausgefurcht ist.
d) Im Gebiete der Etage D in den Umgebungen Prags folgen dem nordwest-
lichen Kluftsystem, die Thálchen zwischen Kunratic und Krč, dann zwischen
Petrovic und Hostivař, wo sie die Auarzitzone (d,) durchsetzen und ihre
interessante Lageruneg aufschliessen. |
e) Tiefer und grósser sind die Ouertháler lánes des nordwestlichen Kluft-
systemes im Gebiete der Třemošna-Conglomerate und guarzitischen Grauwacken.
Hieher gehórt das schóne und tiefe Gebiresthal des rothen Baches von Ko-
morau aufwárts úber Mrtník und Neřežín, von welchem die nordostliche Bruch-
linie an den steil gehobenen Auarziten (d,) durchschnitten ist, und das sich von
da am Fusse der malerischen Ruine Waldek in das Terrain der Třemošnaconolo-
merate hinaufzieht, indem es die Conglomeratrůcken des Beranec und Koníček
durchbricht.
Als Fortsetzung dieses Ouerthales erscheint jenseits des grossen Conglomerat-
Hauptrůckens des Tok und Brdaberges, das Thal von Obecnic, welches sich
bei den Přibramer Silberhůtten in das Lánesthal zwischen dem Třemošna- und
Slonovecrůcken offnet.
Dessoleichen gehórt zu dem nordwestlichen Kluftsystem das tiefe Ouerthal
des Padrťbaches, das nahe an den hóchsten Kuppen des Conglomeratgebirces,
Praha und Tok, in den Rožmitaler Wáldern beginnt und die máchtigen, parallel
gegen Nordost streichenden Růcken senkrecht zu ihrem Štreichen bis in das Lángs-
thal von Strašic und Dobřiv durchschneidet.
Parallel zu diesem Auerthal erstreckt sich weiter westlich das kůrzere Thal
des Eisbaches (Ledový potok), das.in den Waldbergen bei Kolvín beginnt und
bei Dobřiv in das vorerwáhnte Lánesthal einmůndet.
Auch die Thalschlucht, welche die Berge Ž ďár und Kotel bei Rokycan von
einander trennt, folet diesem nordwestlichen Kluftsysteme. Seine Fortsetzung gegen
Sůdost ist durch das Thal des Skořicerbaches bezeichnet, welches von der Miro-
šover Kohlenmulde hinauf den westlichen auf azoischen Schiefern aufliegenden
Fuss des Conglomeratgebirges umsáumt und bis auf die Hóhen von Padrť hinauf
fůhrt. In der weiteren Fortsetzung dieser Thallinie gegen Sůdost lieet das Thal
des Vlčavabaches bei Rožmital, das den isolirten Conglomeratstreifen von
Přibram von dem Třemšíngebirge trennt und in Rožmital und der Umgebung bis
auf den untergelagerten Granit ausgefurcht ist. Parallel zu diesem Thal streicht
westlich davon das Waldthal zwischen den Conglomeratrůcken des Štěrbina- und
des Třemšínberges bei Vacikov, das ebenfalls bis auf die untergelagerten
azolschen Schiefer und Granite eingeschnitten ist.
Endlich ist noch das Uslavathal am dussersten westlichen Ende des Silur-
terrains zu erwáhnen, das ebenfalls einer nordwestlichen Kluft folet, lángs der die
101
eisensteinfihrende Zone (d,), hier auf azoischen Schiefern ruhend und von Porphyr
durchsetzt, scharf abgeschnitten ist.
3. Das Kluftsystem mit nordlichem Streichen.
Dieses Kluftsystem durchsetzt unser Silurterrain von Sůd nach Nord mit
| einer geringen Abweichung gegen West, und lánes desselben sind wie bei dem
— vorhergehenden System tiefe, von beiden Seiten mit steilen Felsen gebildete Tháler
entwickelt, und eben so bemerkt man an den Zusammensetzunostláchen unserer
silurischen Felsmassen háufig Klůfte in dieser Richtune, nach denen die Schichten-
zonen gegen einander verschoben und verworfen sind.
Klůfte mit nordlichem Štreichen durchsetzen auch die bohmische Steinkohlen-
formation und bilden die grossen Verwerfungen der Kohlenflótze, wie sie in Kladno,
bei Radnic und anderwárts durch Bergbau aufceschlossen sind. Auch die Kluft,
lángs der die Steinkohlenformation bei Kralup an der Moldau scharf abgeschnitten
ist, gehórt diesem Systeme an. Dessgeleichen folgen auch die Blei- und Silbererz-
gánge von Příbram dem nordlichen Štreichen dieses Kluftsystemes.
In der auf der Šteinkohlenformation aufgelagerten Permformation sind diese
nordlichen Kliůfte nicht mehr deutlich wahrnehmbar, sondern es herrschen daselbst
Faltungen und Schichtenbrůche, die von West gegen Ost streichen.
Aus diesen Andeutungen kónnte mán die Vermuthune ableiten, dass das
Kluftsystem mit něrdlichem Streichen erst nach Abschluss der Kohlenzeit, und
schon vor der Permformation entstand, obwohl ein strikter geotektonischer Beweis
hiefůr noch mangelt, indem die Steinkohlenformation mit Ausnahme von kleinen
untergeordneten und fast ganz abgebauten Mulden, nirgends dem eigentlichen Silur
aufgelacert ist, sondern auf den viel álteren azoischen Schiefern ruht.
Die Haupttháler, welche diesem Kluftsystem folgen, sind die des Moldauflusses
und der Litava; nebstdem gehóren einige gróssere Thalschluchten zu denselben,
durch welche die silurischen Etagen schief zu ihrem Štreichen durchschnitten
werden.
a) Das Moldauthal folgt vou Vran ober Kónigsaal bis nach Prag dem
nordwárts gerichteten Kluftsystem; in Prag selbst tritt es in eine Thalfurche des
nordóstlichen Systemes ein, wendet sich aber unterhalb Prag wieder in die Fort-
setzune der nordlich streichenden Thalkluft. Die steilen Lehnen und Felsen, welche
das Thal beiderseits begleiten, zeigen die ganze Reihenfolge der silurischen Etagen
und Zonen mit Ausnahme der tiefsten Conglomerate und der Schiefer der Primor-
dialfauna und der hóchsten silurischen Schieferetage H, also die Etagen D, E, F,
G und zwar von den azoischen, von Porphyr durchsetzten Schiefern des Sůdrandes
der Silurmulde bei Kónigsaal bis zu ihrem Nordrande bei Podbaba. Der schiefe
Durchschnitt der silurischen Etagen, die sich in synklinaler Lage an beiden Seiten
der Silurmulde wiederholen, bedinet die malerische Gestaltung der Felsen im Moldau-
thale, indem die hárteren Schichtenzonen mit schárferen Contouren hervortreten,
als die weicheren, und eine schóne Abwechslung der Felsformen verursachen.
Namentlich gestaltet sich im Hintergrunde die azoische Schieferzone mit ihren
Porphyrkuppen ober Kónigsaal als ein malerischer Hintergrund, wáhrend die Kalk-
felsen bei Braník, Kuchelbad und Zlichov im Mittelerunde, und die grůnen Hóhen
102
des Lorenziberges in Prag, sowie die mit Palásten bedeckten Hóhen des Hradšin und
der dunkle Schieferfelsen (d,) des Vyšehrad mit dem breit aufgestauten und von
baumreichen Inseln belebten Moldauflusse im Vordererunde zu dem schónsten Land-
schaftsbilde von Mittelbóhmen sich vereinen.
b) Am rechten Ufer der Moldau in dem flach gewellten Terrain čstlich von
Prag folsen einige Parthien der dortigen kleinen Tháler oleichfalls diesem nord-
wárts gerichteten Kluftsysteme. Namentlich ist es das Thálchen des Rokytnicbaches
zwischen Královic und Koloděj, wo es aus den azoischen Schiefern ins
Bereich der Eisenstein fůhrenden Zone (d,) und der Auarzitzone (d;) tritt, dann
ein Theil des Thálchens zwischen Ouřiněves und Běchovic bei Dubeč und
Dubeček, das den synklinal und antiklinal gefalteten Rand der Auarzitzone (dj)
durchschneidet. Dessgleichen gehórt zu den Thalschluchten dieses Systemes der
Durchbruch der Auarzitkámme úber Kyj und Hrdlořez und dann auch der
Durchbruch der Schiefer und Grauwackenzone d, am Hůgel Bohdanec bei Michle.
c) Am linken Ufer der Moldau im obersilurischen Terrain ist das St. Ivan-
thal der Hauptreprásentant dieses nordlich streichenden Kluftsystemes.
Diese von steilen Felswánden umschlossene Thalschlucht durchschneidet alle
obersilurischen Etagen und durchsetzt auch die untergelagerten Schiefer und Auarzit-
zonen der Etage D bis zu den azoischen Schiefern bei Podkozí, wo der Kačicer
Bach aus einer nordwestlichen Thalfurche in dieses Kluftsystem einlenkt.
Jenseits des Beraunflusses an seinem rechten Ufer ist das Thal des Sucho-
master Baches am westlichen Fusse des Kotyzberges, namentlich an seinem
nordlichen Ende bei der Litohlav-Můhle, wo es aus dem Kalkterrain in die Grapto-
lithenschieferzone eintritt zwischen der Koukolová hora und dem Berge Kosov bis
auf die untergelagerten Schiefer der Zone d; parallel zum nórdlich streichenden
Kluftsystem eingefurcht.
d) So wie die Moldau fliesst auch die Litava lánes einer Thalspalte, die
dem nórdlich streichenden Kluftsystem angehórt. (Siehe Fig. 6.)
Dieses Gewásser entspringt im Granitterrain bei Brod nicht weit von Příbram
und durchschneidet in gerader von Sid nach Nord streichender Richtung zuerst
die auf azoischen Schiefern aufgelagerte Conglomeratzone von Příbram, dann den
Hauptrůcken der Třemošnaconglomerate zwischen Hluboš und Jinec, und deckt dort
die Einlagerung der Schiefer mit der Primordialfauna (C) auf, wáhrend die auf-
gelagerten Eisenstein fiihrenden Schichten (d;) und die Auarzite (d,) die steilen
Thalgehánge an den Bergen Ostrý und Plešivec bilden.
Weiter abwárts von Lochovic tritt es in das Gebiet der Grauwackenschiefer
(d;) und bei Litomyšl in das Gebiet der Schieferzone d; ein und tritt bei Zdic im
Gebiete dieser Zone aus dem Jinec-Příbramer Ouerthale in ein schónes Lángen-
thal mit nordostlicher Richtung ein, das den Nordrand des obersilurischen Plateaus
von Zdic bis Beraun beoleitet.
Parallel zum Litava-Thale bei Jinec trifft man im Gebiete der Třemošna-
conelomerate noch einige Thalschluchten mit nordlichem Streichen an, die offenbar
lines der Gebirgsspalten ausgewaschen sind, welche das ganze Silur von Sůd nách
Norden durchsetzen.
Hieher gehórt ein Theil der Thalschlucht bei Velcí (Welkau), durch
welche die Jinecer Schiefer aufgeschlossen sind; dann der oberste Theil der
105
| vom rothen Bach bewásserten waldicen Thalschlucht oberhalb der
Ruine Waldek und ebenso der oberste Theil der Thalschlucht, in welche der Abfluss
( der zwei grossen Teiche von Padrť sich ergiesst, die aber bald in eine andere
© Thalschlucht mit nordwestlichem Streichen einlenkt.
| Schliesslich kann noch die Thalfurche des Zbiroverbaches erwihnt werden,
die von Zbirov gegen Skrej in gerader nordlicher Richtune in die azoischen Schiefer
© und die sie durchsetzen den Por phyre sich einschneidet und in seiner Fortsetzune bei
© der Podmokler Můhle so wie bei der Můhle Slapnice, nahe an seiner Einmiůndung
in die Beraun, die Lagerung der merkwůrdigen Skrejer Schiefer (C) aufschliesst.
Thalbildune und Hydrographie des bohmischen Silurgebietes.
Die Thalbildung unseres Silurgebietes ist im innigen Zusammenhange mit den
Bruchlinien und den Kluftsystemen desselben.
Die Fliůsse und die in sie einmůndenden Báche fliessen sámmtlich lánes den
Bruchlinien, welche die Silurmulde parallel zu ihrem Streichen durchsetzen, oder
lánes der Klůfte, durch welche diese Bruchlinien von Nordwest gegen Sůdost, oder
von Sid nach Nord durchschnitten werden. Die wechselnde Richtung des fliessenden
Wassers wird durch das Vorherrschen der einen oder der anderen Zerklůftune
bestimmt, so dass man bei der Verfoleung eines Flusses oder Baches aus einem
Kluftsystem in das andere im mannigfachen Wechsel gelangt. Nebenbei sei bemerkt,
dass auch die áusseren Formen unserer silurischen Felsen von den drei Bruchlinien
beherrscht werden, deren orographische Spuren in dem vorhergehenden Absatze
geschildert wurden
Hiedurch entsteht in unseren silurischen Thálern die angenehme Abwechslung
und Mannicgfaltigkeit, welche in landschaftlicher Beziehune zu den einfachen Con-
touren der silurischen Bergrůcken und Hochfláchen einen háufig malerisch schónen
Vordergrund bildet.
Wie schon frůher erwáhnt wurde, war ehedem das ganze obersilurische und ein
grosser Theil des mittelsilurischen Gebietes von der Kreideformation bedeckt, von
der nur isolirte Ouader- und Plánerplateau (der weisse Bere, Vidovle, das Prosiker
Plateau) oder oberfláchliche Sand- und Schotterschichten mit Einlagerungen von
plastischem Thon und einzelnen Blócken eines festen eisenschůssicen Sandsteines
úbrie blieben, an denen man die ehemalige Verbreitung der Kreideformation nach-
weisen kann.
Nur die hóheren Auarzitrůcken, die von Kónigsaal und Hořelic gegen Sůdwest
sich ziehen, und das gebirgige Terrain der Třemošnaconglomerate und Grauwacken
war schon zur Kreidezeit úber das Niveau des damaligen Meeres erhoben.
In diesem hóheren silurischen Terrain, dessen áussere Umrisse also álter sind
als die Kreideperiode, sind. die Anfinge der jetzigen Thalbildung unseres Silur-
gebietes zu suchen.
Das von dem Kreidemeere verlassene Terrain stellte nach Abschluss der
Kreideformation. eine von weichen Sandsteinen und mergligen Schichten bedeckte
104
Ebene dar, in welche aus den hóheren silurischen, schon nach den drei Haupt-
kluftsystemen ausgefurchten Thálern die fliessenden Wásser sich ergossen.
Diese Wásser furchten sich nun in den weichen Sedimenten der Kreideforma-
tion neue Thalrinnen aus, bis sie das untergelagerte, einen unebenen Unterorund
bildende silurische Gestein erreichten, in welchem die ursprůnelichen, schon vor
der Kreidezeit entstandenen Ausfurchungen den weiteren Forteane der Thalbildung
bestimmten.
Da nun die heutigen silurischen Tháler in ihrem Verlaufe und ihren Win-
dungen den verschiedenen Kluftsystemen folgen, welche das Silurgebiet durchsetzen,
so ergiebt sich daraus, dass das fliessende Gewásser in dem durch Abwaschung
blosgelegten Silurterrain allsogleich den schon frůher bestandenen, durch Bruchlinien
und Auerkliůfte gebildeten Terrainfurchen folgte und sie fortwáhrend weiter aus-
tiefte, bis sich allmáhlich die heutigen Verháltnisse entwickelten.
Die Thalbildung im ŠSilurgebiet ist also zwar die Folge einer máchtigen
Erosion, aber die Thalrichtung war schon durch die vor der Kreidezeit erfolste
Dislocation der Silurschichten nach den drei Hauptkluftsystemen prádestinirt.
Die Tháler unseres Silurterrains werden von drei Flůssen und von den ihnen
zufliessenden Báchen bewássert, námlich von der Moldau, dem Beraunfiuss und
der Litava.
I. Die Moldau durchstromt eine im allgemeinen nordlich gerichtete Thal-
kluft, allerdines mit vielen localen Abweichungen von Hohenfurth im Boóhmerwalde
bis nach Weltrus, nahe an ihrer Vereinigune mit der Elbe.
In das silurische Gebiet tritt die Moldau bei Kónigsaal oberhalb Prag ein und
verlásst es bei Podbaba unterhalb Prag, indem sie, wie schon frůher erwáhnt wurde,
von der azoischen Schieferunterlage an, alle silurische Etagen mit Ausnahme der
Etagen C und H durchschneidet.
In Prag selbst und zwar am Ausgange des Smichov-Košiřer Seitenthales wird
die nordlich streichende Thalkluft der Moldau von einer Thalfurche der nordóstlich
streichenden erossen Prager Bruchlinie interferirt, wáhrend die aus den zersprengten
und mánniegfach gehobenen Silurschichten bestehenden Hóhen westlich und nord-
ostlich von der Moldau von horizontalen Schichten des Auadersandsteines und
Pláners bedeckt werden. Durch diese Interferenz der zwei Thalsysteme entsteht die
malerische Gruppirung der Hůgel und Thallehnen, auf denen Prag liegt und die es
umgeben. Bei der ersten Ansiedlung, als noch alle die Hóhen von úppigem Laub-
wald bedeckt waren, muss diese schóne Erweiterung des Moldauthales ein herrliches
Landschaftsbild geboten haben, das namentlich durch die damals gewiss gróssere
Moldau und durch ihre Katarakte oberhalb Prag einen grossartigen Vordererund
erhielt. Aus den sandigen Flussanschwemmungen námlich, welche die Moldau
oberhalb Branik bis zu einer Hóhe van 20 Metern begleiten und die besonders bei
Modřan und Komořan deutlich erkennbar sind, lásst sich schliessen, dass der Kalk-
felsen (©,) von Branik in noch diluvialer, vielleicht schon historischer Zeit einen
Ouerriegel im Moldauthal bildete, durch welchen der Fluss in der breiten Thal-
flůche von Radotín seeartie aufeestaut war und bei Branik Felsenkatarakte bildete,
die erst im Laufe der uns náheren Zeit bis auf den jetzigen Thalgrund erodirt wurden.
Ja es liegt die Vermuthung nahe, dass die ersten slavischen Ansiedler, die
aus ihrer óstlichen ursprůnglichen Heimat am Dněper hieher einwanderten, ihrer
105
- hier angelegten Ansiedlung den altslavischen Namen Porogy — Praha gaben, indem
die Moldaukatarakte an die Porogy des Dněper sie erinnerten.
In Prag selbst tritt der Moldaufluss aus der nordwárts gerichteten Thalspalte
plótzlich in eine nordostlich streichende Thalfurche lines der grossen Bruchlinie
ein, an welcher der Žižkabere gehoben ist. An den Higeln von Lieben lenkt aber
die Flussrichtung wieder in die nordostliche Thalfurche ein, und erreicht bei
Podbaba abermals die nordwárts streichende Thalkluft, in der sie im azoischen
Schieferterrain sich festsetzt.
Die Zuflisse der Moldau am rechten Ufer
im Silurgebiete sind die folgenden:
1. Der Bach Rokytnice. Dieser in Lieben in einer Seehóhe von 179 M.
in die Moldau einmiindende Bach hat seine Auellen auf den waldigen Granithóhen
oberhalb des Forsthauses Vojkov an der Schwarzkostelecer Strasse zwischen den
Orten Tehov und Tehovec in einer Seehóhe von 445 M. Er fliesst in einer nord-
westlich gerichteten Thalfurche durch das fachhůgelice Terrain, der, azoischen
Schiefer, erreicht bei Koloděj das Silurterrain (d,, d,), durchschneidet die Prager
Bruchlinie in den Auarziten (d,) bei Hrdlořez und erreicht bei Hloupětin die Thal-
furche des nordostlichen Systems, in der er bei Lieben in die Moldau im Bereiche
der Grauwackenschiefer (d,) miindet.
Der vorzůglichste Nebenbach der Rokytnice ist der Řičanerbach. Derselbe
entspringt ebenfalls nahe am Granitterrain unweit des Dorfes Tehov (445 M.) und
fliesst hauptsáchlich in nordwestlicher Richtung úber Říčan gegen Ouřiněves, tritt
bei der Podleser Můhle ins Silurterrain (d,, d+) ein, folgt dann auf eine kurze
Strecke úber Dubeč einer nordlich streichenden Terrainfurche und vereinigt sich
bei Běchovic (228 K.) mit der Rokytnice.
Ehedem war die Rokytnice ein ansehnlicher, durch das ganze Jahr wasser-
reicher Bach, indem ihn zahlreiche Teiche speisten. Von diesen Teichen haben
sich nur drei erhalten, der Podleser bei Ouřiněves, der Běchovicer und der Kejer,
und dem zu Folge schrumpft dieser Bach zu einer kleinen, den flůssigen Unrath
der industriellen Anlagen und der zahlreichen Dórfer ableitenden Rinne ein. Die
Austrocknung so zahlreicher Teiche ist vom allgemein nationalokonomischen Stand-
punkte in dieser 'sonst so wasserarmen Gegend gewiss ein Irrthum, indem der
Nutzen, den der zu Feldern und Wiesen umgewandelte Teichboden giebt, in keinem
Verháltnisse steht zu den Schaden, den der Wassermangel in okonomischer und
sanitárer Beziehung verursacht.
Im Umkreise der óstlichen Vororte Prags entspringen in dem Sand- und
Schotterboden, der die silurischen Hóhen bedeckt und von den zerstórten Schichten
der Kreideformation herriůhrt, einige kleine Báchlein, die in die Prager Abzugs-
kanále abgeleitet sind.
Es sind dies das Báchlein von Volšan, dann das des Canal'schen
Gartens und das im Territorium der jetzigen Weinberggemeinde entspringende,
nun aber schon im ehemaligen Stadtgraben verschwindende Báchlein, das ehemals
Pučka hiess, in der Náhe von St. Stephan auf der Neustadt Prag einige kleine
Teiche erfůllte (die Stadtparthie wird noch jetzt na rybníčku oder v tůních genannt),
106
und bei dem Garten der Gartenbaugesellschaft vorbei gegen Podskal herabfloss,
wo er in die Moldau můndete.
Diese kleinen Báchlein sind fůr die Beurtheilung der hydrologischen Ver-
háltnisse der oberen Neustadt Prag von Interesse. Denn eben so, wie diese Báchlein
im Grundwasser der Sand- und Schotterdecke auf den silurischen Hóhen óstlich
von Prag ihren Ursprung haben und ehedem, als die ganze Gegend nur mit Feldern
und Gůrten bedeckt war, ein reines Wasser nach Prag zuleiteten, nun aber durch
die zahlreichen Wohnstátten der Prager Vororte verunreiniet werden, eben so er-
hielten ehedem aus der Sand- und Schotterschichte, welche sich von dem hóheren
Terrain der Weinberegemeinde bis weit in die obere Neustadt hineinzieht, die
zahlreichen Brunnen in der oberen Neustadt ihren Wasservorrath, der stets von
der hóheren Umgebung Prags ergánzt wurde, und zwar in einem reinen Zustande,
so lange das Grundwasser von keinen Abfállen und Fákalien der Wohnháuser ver-
unreinigt war. Seitdem aber die úber Prag gelegene Terrainfláche der Weinberg-
gemeinde mit Háusern bedeckt ist, drinet verunreinigtes Wasser durch die ober-
fláchliche Sand- und Schotterfláche in die obere Neustadt ein, und verdirbt das
ehemals so gute Trinkwasser dieses Stadttheiles. Daraus ergiebt sich die Nothwen-
digkeit einer Zuleitung von reinem Trinkwasser aus Territorien, die von mensch-
lichen Wohnungen entfernter sind und noch ein unverdorbenes Wasser fůhren. Nach
den geologischen Verháltnissen der Umgebung von Prag ist es nur das Moldauthal
oberhalb Prag zwischen Zlichov und Radotin, welches ein solches Wasser fihrt,
indem dieses Thal ein Spaltenthal ist, in dem sich das Auellwasser des silurischen
Terrains, nebstlem auch reines Grundwassers der sándicen Thalanschwemmung
ansammelt, so dass grosse in diesem Thal angelecte Brunnen im Štande wáren,
dass fůr die obere Neustadt und die anderen Stadttheile von Prag nóthige Auantum
von Trinkwasser zu liefern.
2. Der Botičbach. Derselbe můndet in die Moldau zwischen der Neustadt
Prag und dem Vyšehrad in einer Seehóhe von 181 M., und entsteht aus der Ver-
einigung einiger kleineren Wasserrinnen im Bereiche der azoischen Schiefer an der
Granitgrenze bei Jesenic, Der entfernteste Zufluss kommt vom erzbischoflichen Hofe
Ovčáry (442 M.) unter dem Wáldchen Okrouhlík hart an der Granitgrenze, vom
wo er ein in azoischen Schiefern in nordwestlicher Richtung eingeschnittenes wal-
diges Thálchen belebt und bei dem Forsthause Krsovic vorbei úber Čenětie, Oleška
gegen die Můhle Botič bei Kocanda sich windet, nach welcher Můhle er den Namen
fůhrt. Im Thiergarten von Průhonic lenkt der Bach in eine nordwárts streichende
Thalkluft ein, verstárkt sich da durch die kleinen Báche von Jesenice und Nebřenic
(487 M.) und lenkt wieder in eine nordwestliche Thalfurche ein, die er úber Hun-
tovic, Modletin, Dobřejovic bis Průhonic verfolet. Von Průhonic gegen Křeslic
folet der Bach einer nordwárts streichenden Terrainfurche und vereinigt sich mit
dem Pitkovicerbach, der von Předbor und Strančic herab in einer nordwestlichen
Rinne herabeilt.
Von Křeslic gegen Průhonic tritt der Botičbach nochmals in eine nordwestliche
Thalkluft und úbergeht hier aus dem azoischen Schieferterrain in das Silurgebiet,
durchschneidet die Schieferzone (d,) und die Auarzite (d,) ober Hostivař, dann in
einer kurzen něrdlich gerichteten Thalschlucht in Michle den Bohdalechigel (d;)
und můndet endlich in einem dem nordostlichen silurischen Streichen parallelen
| 107
„Thale unterhalb Nusle am Fusse des Vyšehradfelsens in die Moldau, allerdings
"nicht wie ein klarer Bach wie ehedem, sondern als ein Cocytus, der allen Unrath
| der stark bevělkerten Ortschaften Michle, Vršovic und Nusle in die Moldau fůhrt.
-Auch dieser Bach kann nur durch Wiederanfůllune der aufgelassenen Teiche in
| seinen frůheren Zustand versetzt werden.
| 9. Der Kunraticer Bach entspringt auf dem Plateau der azoischen Schiefer
"zwischen Hrnčíř und Kunratic (390 M.), wo das Feldwasser in einigen kleinen
| Teichen sich ansammelt; er furcht sich dann bei Kunratic in ein schónes, bewal-
detes Thálchen mit nordwestlicher Richtune und betritt daselbst das Silurgebiet
(dy, do, dz, d;), das er guer durchschneidet, und wendet sich endlich vor dem
Kalkplateau bei Branik in eine nordostlich verlaufende Thalfurche im Gebiete
der Zone d;, wo er am Fusse der Braniker Kalkfelsen in die Moldau einmůndet
(182 M.)
In die Thallehnen am rechten Moldauufer sind bei Hodkovičky und Modřan
einige Schluchten eingeschnitten, welche die Gránzen zwischen dem Silurterrain und
den azoischen Schiefern deutlich aufdecken.
Die kleinen Wasserfáden, welche diese Schluchten berieseln, entstehen im
Schotterboden der zerstorten Kreideformation auf dem Plateau der azoischen Schiefer
bei Kunratic und Cholupic.
Die eine gróssere, kahle und óde Schlucht zwischen Písnic und Modřan
schneidet sich tief in die azoischen Schiefer in sůdostlicher Richtunge ein, und deckt
ein máchtiges Conglomeratlager in den azoischen Schiefern auf; dann durchschneidet
sie die Grenze des Silures (d,) und die Reihenfolge der Schichtenzonen von d; bis
d; bis Modřan. :
Eine andere noch tiefere und gróssere, theilweise bewaldete Schlucht beginnt
1m azoischen Schieferterrain bei Břežan und durchschneidet in sůdóostlicher Richtung
diese Schiefer, so wie ihre eingelagerten Porphyrmassen und deckt an der Můndung
in die Moldau bei Závist gegeniiber von Kónigsaal eine der interessantesten Grenz-
stellen des Silures auf, indem hier die Grauwackenschiefer der Zone d, unmit-
telbar unter die azoischen Schiefer widersinnig einfallen, und zwar an der grossen
Bruchlinie, die vom Brdawalde guer úber die Moldau hieher verláuft. Diese Gegend
gehórt zu den landschaftlich schóneren Parthien der Umgebung von Prag und
hat auch fůr Archáologen Interesse, indem erosse práhistorische Wálle um die
Porphyrkuppen Čihadlo und Hradiště zu beiden Seiten der Thalschlucht sich
hinaufziehen.
Die Zuflisse der Moldau am linken Ufer.
1. Der Kocaba-Bach. Derselbe cgehórt zwar dem gróssten Theile seines
Laufes nach dem Gebiete der azoischen Schiefer an, aber seine Auellen befinden
sich im silurischen Terrain, námlich in dem Conglomeratterrain an der Granitgránze
bei Dubenec.
Der entfernteste und hóchste Ouellbach beginnt bei Dubno unweit von Přibram
in 500 M. Seehóhe, von wo er gegen Dubenec herabeilt und sich da mit einem ©
im Granitterrain entspringenden Báchlein vereinigt. Von da fliesst er im Gebiete
der azoischen Schiefer in nordostlicher Richtune lángs der Granitgránze ber
108
Višňova, Dušník, Knin gegen Lečic, von wo er in eine tiefe in die azoischen
Schiefer eingeschnittene Thalschlucht eintritt und bei Štěchovic in die Moldau ©
miůndet (205 M.) |
Unter Althitten bei Dobřiš vereinigt er sich mit den Kotenčicer Bach, der
bei Pičín entspringt, dann die Přibramer Conglomeratzone zwischen Kotenčic und
Obořist guer durchfurcht und unter dem Wald Chotobuš in den práchtigen
Dobřišer Schlosspark eintritt, einige Teiche anfůllt und sich dann mit der Kocaba
vereinigt.
Ein anderer Nebenbach der Kocaba ist der Chouzava Bach, der am wal-
digen Conglomeratrůcken des Brdagebirges unweit des Jágerhauses Chouzava ent-
springt, bei Voznic im Gebiete der azoischen Schiefer einen Teich bildet und in
diese Schiefer mit sůdwestlicher Richtune eingeschnitten unweit Knin mit der Kocaba
sich vereinigt.
2. Der Mnišekerbach entspringt ebenfalls im waldigen Conglomeratterrain
des Brdarůckens unweit Kytín in einer Seehóhe von 410 M. Er tritt aber bald ins
Terrain der azoischen Schiefer ein, das er úber Mníšek und Číšovic in einer nord-
ústlichen Thalfurche durchschneidet und in seinem unteren Laufe eine felsige Thal-
schlucht belebt, an der die Schiefer vom Porphyr durchsetzt sind. Bei Měchenic
unweit Davle fállt er in die Moldau. (195 M.)
5. Der Beraunfluss. Šiehe den betreffenden Absatz weiter unten.
4. Der Slivenecbach beginnt auf dem von Lehm und Schotter bedeckten
Kalksteinplateau bei Slivenec (450 M.) und fliesst durch die Thalschlucht Přídolí
in senkrechter (sůdostlicher) Richtung auf das Štreichen der obersilurischen Schichten-
zonen (g, F, e, e,) bis zu den untergelagerten Diabasen und Auarziten und Schiefern
der Zone d;, deren interessante Dislocationen er aufdeckt. Bei Gross-Kuchel miůndet
der Bach nach kurzem Laufe in die Moldau (182 M.).
D. Der Prokopibach entspringt im Gebiete der Kreideformation auf dem
Plateau von Chřašťan (380 M.), durchfliesst zuerst in sůdostlicher Richtung von
Třebonic (d,) bei der Kirche Krteň (d,), vorůber gegen Řeporyj (d;) die unter-
silurischen Zonen mit ihren Colonien, und tritt unterhalb des letzteenanten Ortes
in das Bereich der obersilurischen Kalketagen, die er theils im Štreichen, theils
guer darauf in einer engen Thalschlucht durchschneidet und namentlich bei der
Kirche St. Prokop und bei Hlubočep ihre Reihenfolge von e, bis H in merkwůrdig
symmetrisch concentrischer Lagerung aufschliesst. Unterhalb Hlubočep můndet der
Bach in die Moldau. (181 M.)
6. Der Košířerbach beginnt am Plateau des Auadersandsteines bei dem
Wirthshause „Bílý Beránek“ (350 M.) und durchfliesst lángs der grossen Prager
Bruchlinie und der Colonie Motol in nordostlicher Richtung das Košířer Thal
zwischen dem Plánerplateau des Vidovle und des Weissenberges am Fusse von
Guarzitklippen (d,) und můndet im Smichov in die Moldau (180 M.).
7. Der Bruskabach entsprinet im Plánergebiet des Weissen Berges in der
St. Adalbertsguelle im Klosterearten von Břevnov (550 M), durchfurcht in einer
nordostlich verlaufenden Rinne die Kreideformation bis auf die untergelagerten
Silurschiefer (d;), und fliesst durch den Hirschgraben am Fusse des Hradčines in
die Moldau.
Parallel mit ihm fliesst an der nordlichen Seite des Weissen Berges das V ele-
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slaviner Báchlein, das im Auadersandstein entspringt und úber Dejvic und
die Kaisermůhle (d;, d3, d,, d,) zur Moldau eilt.
8. Der Šárkabach entsteht auf dem Plánerplateau oberhalb Jeně und
Letovic und fliesst durch ein bis auf die untergelagerten Silurschichten (d, d; dy)
ostwárts ausgewaschenes Thal úber Hostivic gegen Liboc, wo er einen Teich anfiillt.
Hier beginnt eine interessante Bifurcation des Baches. Der natůrliche Abfluss des
Teiches geht námlich durch das Šárkathal im Bereiche der azoischen Thonschiefer
und Kieselschiefer und der Schieferzone d, nordostlich zur Moldau bei Podbaba;
ein kůnstlicher Abfluss fiihrt aber den grósseren Theil des Wassers in eine von
KaiserRudolf II. angeleete Wasserleitune, welche das Prager Schloss am Hradčin
mit Nutzwasser versoret.
II. Der Beraunfluss sammelt am čstlichen Rande des flachen Pilsner
Steinkohlenbeckens die aus dem nórdlichen und dem mittleren Bohmerwalde herab-
fliessenden Gewásser, námlich die Mies, die Uhlava, Radbuza und Úslava,
welche nach ihrer Vereinigung den Namen Beraunfluss fůhren.
Er fliesst von da in tief eingeschnittenen Thálern im vielfachen Windungen,
aber im allgemeinen in nordóstlicher Rlchtung durch das Gebiet der azoischen
Schiefer hin gegen Půrelitz, wo er seine Richtung gegen Sůdost ándert. In dieser
Richtung erreicht er zwischen Neu- und Althůtten das Gebiet der Silurformation,
die er nun senkrecht zu ihrem Streichen in allen ihren Etagen und Zonen von d;
angefangen bis H durchschneidet.
Bei Tejřovic durchschneidet der Fluss die merkwůrdige isolirte Schieferzone
der Primordialfauna von Skrej.
An den Ufern der Beraun sieht man da die interessanten und lehrreichen
Schichtendurchschnitte mit ihren Faltungen und Verwerfungen, wie sie in den vorher-
gehenden Schilderungen dargestellt wurden.
Von Tetín bis Karlstein geht der Fluss durch das obersilurische Kalkterrain ;
bei Třebáň betritt er wieder das Gebiet der mittelsilurischen Schiefer und Auar-
zite (D) und wendet sich da in das nordostlich verlaufende Lángenthal zwischen
dem Kalksteinplateau und dem Brdagebirge, dessen waldige Lehnen den Fluss bis
zu seiner Můndune bei Koniesaal begleiten.
Die Zuflisse der Beraun am linken Ufer.
1. Der Radotinerbach entspringt am Westende des Plánerplateaus bei Ptic
(390 M), tritt bald in das Gebiet der Šilurformation ein, die er in allen ihren
Etagen und Zonen von d, bis H durchschneidet, und zwar am Anfange und am
Ende seines Thales in Auerspalten, die senkrecht zum Štreichen der Schichten
gehen, in der Mitte bei Choteč aber lángs des Streichens in einer nordóstlichen
Bruchlinie. Ein Gang lánes dieses Baches fiůihrt von Hořelic gegen Nučic an den
máchtigen durch Tagbau aufgeschlossenen Eisenerzlagern vorůber, die in den Grau-
wackenschiefern (d,) auftreten; dann fůhrt er durch schóne, waldige und felsige
Thalerůnde, an denen der Bau des Obersilures in allen seinen Faltungen auf die
interessanteste und lehrreichste Weise aufgeschlossen ist. Bei Radotín (200 M.)
můndet der Bach in den Beraunfluss.
2. Die Švarcava ist ein kleines Báchlein, das mitten auf dem Kalkstein-
110
plateau bei Kuchař beginnt (580 M.) und in einer sůdóstlich verlaufenden waldigen
Thalfurche úber Třebotov gegen Černošic senkrecht zum Streichen der obersilurischen
Zonen alle Schichten derselben durchschneidet. Die stratigraphisch und palaeonto-
logisch interessantesten Punkte sind bei Třebetov (g, 8, 8 IH). Unterhalb Černošic
můndet er in die Beraun (195 M.).
3. Der kalte oder Karlíker Bach entsprinst am nordlichen Rande des
obersilurischen Kalkplateaus bei Lužec (380 M.) und folgt einer sůdóstlich ver-
laufenden Auerspalte, welche ebenfalls wie am Radotinerbache alle Etagen und
Zonen von e, bis H durchschneidet. Den waldigen Sůdrand des Kalkplateaus
(e, e, mit Diabasen) durchbricht er bei Karlík und můndet bei Dobřichovic (199
M.) in die Beraun.
4. Der Karlsteinerbach belebt ein schoónes und geologisch hóchst inter-
essantes Ouerthal, das aus der nordostlich streichenden Bruchlinie bei Mořin (H g,)
in eine sůdlich streichende Thalschlucht sich wendet und daselbst unter der Burg
Karlstein die steil gehobenen Zonen (£; £ £, F e, e,) aufschliesst.
5D. Der Bubovicer Bach durchfiiesst von Nord nach Sid eine wildroman-
tische Waldschlucht im Gebiete der obersilurischen Zonen, und deckt zwei Streifen
der hochsten Etage H und die ihr untergelagerten Kalketagen auf, deren gross-
artige Bruchlinie an der Můndung des Baches bei Srbsko erkennbar ist.
6. Der St. Ivan Bach oder Kačák ist der bedeutendste Bach im Gebiete
des Obersilures. Er entsprinet am sůdlichen Rande des Plánerplateaus am Žban
bei Kroučov (485 M.), durchfliesst dann das permische und Šteinkohlenterrain am
Fusse dieses Plateaus in sůdostlicher Richtung úber Renč, Třtic, Kačic (woher der
Name Kačák) bis Žehrovic und Družec, und fůllte da ehedem einige nun auf-
oelassene grosse Teiche an, die sonst durch das ganze Jahr ein verháltnissmássie
ansehnlichen Wasserguantum sicherten, wáhrend er jetzt nur in nassen Jahreszeiten
seinen ehemaligen wasserreichen Charakter erhált. Unter Družec tritt er in das
Gebiet der azoischen Schiefer ein, das er in waldigen Thalschluchten vorherrschend
in sůdostlicher Richtung berieselt und erreicht unter Podkozí das eigentliche silu-
rische Terrain. Auch dieses ist durch eine sůdostlich verlaufende Thalspalte úber
Nenačovic und Chrustenic bis gegen Lodenic aufgeschlossen und deckt hier die
orosse Prager Bruchlinie auf, lánes der ein breiter Streifen der Grauwackenschiefer
(d,) zwischen zwei Auarzitzůgen (d,) mit ihren untergelagerten eisensteinfůhrenden
Zonen eingeschlossen ist.
Unter Lodenic wendet sich der Bach in eine sůdlich verlaufende felsige Thal-
kluft, die das ganze obersilurische Kalkplateau durchsetzt und das malerische St.
Ivanthal bildet.
Steile Felsen und waldige Berelehnen in pittoresker Gruppirung (ex, €©; F, ©;
©, ©, H) begleiten den Bach bis zu seiner Můndung in die Beraun (209 M.).
1. Die Báchlein, die nordwestlich von der Stadt Beraun am Fusse des Plešivec
(d,) zum linken Ufer des Beraunflusses herabeilen, fiihren in geologisch interessante,
lángs nordostlich verlaufender Bruchlinien ausgewaschenen Schluchten, durch welche
die Schichtenfolge der Etage D (d; d, d; d,) auf mamnigfache Art unterbrochen
ist.. Ein solches Báchlein fůhrt zu dem reichen Fundorte Veselá (d,), ein anderes
gegen das Dorf Lhotka, wo man einen kleinen sandigen Rest der Kreideformation
antrifit, und ein drittes in die eisensteinfihrende Zone (d,) und Kohlensandsteine
ft
| eingefurcht, von Hyskov gegen Železná an den merkwůrdigen Punkt Vápenice
hinauf, wo obersilurische Kalksteinblocke (F) in ozn Sandschutt (der Kreide-
formation) eingebettet sind.
Die Zuflisse der Beraun am rechten Ufer.
1. Der Všenorbach entspringt am Plateau der azoischen Schiefer sůdlich
von Brdarůcken unweit Řidka (412 M.) und fliesst anfanes lángs des Fusses dieses
Růckens in norděstlicher Richtung bis Černolic, wo er sich gegen Nordwest wendet
und in einer tiefen malerischen Auerspalte die Auarzitzone (d,) sammt den unter-
gelagerten Schiefern (d,) durchbricht. Unter Všenor můndet er in die Beraun
(196 Meter).
2. Der Řevnicerbach entsteht am Kamme des Brdarůckens (d,) nahe bei
Skalka (539 M.) und fliesst in einer senkrecht zur Štreichung der Auarzitschichten
verlaufenden Spalte nordwestlich gerade gegen Řevnic, wo er in die Beraun můndet
(200 M.). Diese Spalte schliesst an dem nórdlichen Gehánge des Brdarůckens eine
sekundáre nordostlich gerichtete Bruchlinie auf, an der die unter den Auarziten
(d,) gelagerten Schiefer und Diabasen (d,) zu Tage kommen.
3. Der Třebaňer Bach, der bei Hinter Třebaň (204 M.) in die Beraun
můndet, entsteht aus der Vereinigung von zwei Báchlein, von denen der eine Silber-
bach (Stříbrný potůček) genannt, in den Kalksteinbergen (F) oberhalb Mněňan
entsprinet und zwischen den Kalkbergen des Mramor und Stražišť (EK) bis auf die
untergelagerten mittelsilurischen Schiefer (d;) in einem nordostlich verlaufenden
Lángenthal eingefurcht bei Liteň vorbei ber Vlenec gegen Běleč fliesst. Hier
vereiniot er sich mit dem Báchlein Velice, der am Kalkberge Šamor (E) unweit
Vinařic aus einer starken Auelle entspringt und dann lángs des sůdlichen Fusses
des Mramorberges (E) úber die Graptolithen- und Diabaszone und die mittelsilu-
rischen Schiefer (dj) nordostlich fliesst und zwar durch die Ortschaften Nesvačil,
Leč und Svinař, unterhalb welchem letzteren Orte er die Grauwacken und Schiefer-
zone (dj) sammt den eingelagerten Diabasen und Graptolithencolonien guer durch-
bricht und mit dem vorhergehenden Báchlein vereinigt, sich in die Beraun ergiesst.
Einige kleinere unbenannte Wasserrinnen kommen vom Brdarůcken herab,
wo sie die Auerklůfte des Guarzites senkrecht zum Štreichen durchsetzen und im
Thalerunde am Fusse des Růckens mit dem Velicebache sich vereinigen, so bei
Drahlovic, Hatě und Haloun.
4. Der Koder Bach entsprinet am Fusse des Tobolkaberges (400 M.), fliesst
durch eine tiefe waldige Schlucht lángs der grossen Bruchlinie, welche das ober-
slurische Kalkplateau durchsetzt, und ergiesst sich gegeniber von Srbsko in die
Beraun (209 M.). Seine eigentliche Hauptguelle befindet sich aber bei dem Forst-
hause in Koda, wo ein kalkreiches, Tuff absetzendes Wasser aus dem Kalkfelsen
in einer so grossen Štárke hervorguillt, dass es gleich eine Můhle treibt.
Eine áhnliche Kalktuff absetzende Auelle befindet sich in einer dem Koder
Thale parallelen Schlucht, die Kaiserschlucht genannt, deren Abfluss zur Regen-
zeit in dem wilden Felseneinschnitt einen kleinen aber schónen Wasserfall bildet.
5. Der Tetinerbach entspringt bei Koledník am Ostflusse des Tobolkaberges
(390 M.) und wird durch eine uralte Wasserleitung in das Dorf Tetín gefůhrt.
112
Sein natůrlicher Abfluss geht aber durch die tiefe Tetiner Felsenschlucht zur Beraun
(212 M.), an deren Wánden man sehr interessante Biegungen der Kalkzonen (e, F
9) wahrnimmt. |
6. Die Litava; siehe weiter unten den betreffenden Absatz.
7. Oberhalb Beraun ergiesst sich in dieselbe bei dem Hofe Pták das Brdatka-
báchlein, welches in einer Ouerschlucht die Auarzitzone des nordlichen Saumes
des Silurbeckens senkrecht zum Streichen durchschneidet und die Bruchlinien dieser
Zone aufschliesst.
8. Der Otročiner Bach (Habrový potok) entspringt an der nordlichen
Seite der Auarzitinsel der Krušná hora und windet sich in einem tief eingeschnit-
tenen Thale durch azoische Schiefer und die in dieselbe eingeklemmte eisenstein-
fihrende Zone und můndet unterhalb des archaeologisch berůhmten Fundortes
Hradiště bei Neuhůtten in die Beraun.
9. Der Zbirover Bach beginnt in den Teichen bei Čekov und Kařez auf
der eisensteinfůhrenden Zone (d,), betritt aber nahe an Zbirov bald das Gebiet der
in azoische Schiefer eingelagerten Kieselschiefer und der Porphyre, deren Berg-
zug er in einer nordlich verlaufenden tiefen Thalschlucht zwischen Přísednic und
Theresienthal durchschneidet. Bei der Podmokler und bei der Slapnice-Můhle
durchschneidet er den merkwůrdigen Streifen der ŠSkrejer Schiefer mit ihrer Pri-
mordialfauna und die ihnen untergelagerten Conglomerate und ergiesst sich unter
Skrej in die Beraun. |
Ein Nebenbach, der unter Drahno-Aujezd sich mit dem Zbirover Bache ver-
einigt, bewássert eine paraliele in Porphyren eingeschnittene Thalschlucht.
10. Der Klabava Bach entsteht aus der Vereinigung des Hammer- und
des Schwarzen Baches bei Rokycan; von da fliesst er durch die eisenstein-
fůhrende Zone (d;,) in nordwestlicher Richtung bei dem Eisenhůttenwerke Klabava
vorůber gegen Ejpovic. Hier tritt er in das Gebiet der azoischen Schiefer ein,
die er in nordlicher Richtung durchschneidet, worauf er sich unter Chrast in den
Beraunfluss ergiesst (287 M.).
Der Hammerbach, nach den zahlreichen Eisenhámmern so genannt, die er
ehedem in Betrieb setzte, entsteht in den Wáldern der eisensteinfihrenden Zone
(d,B) ober Chesnovic (522 M.), wo er sich in einem Teiche ansammelt. Sein zweiter
Ouellbach entspringt am Fusse des Ivinaberges (d,e) bei Olešná (512 M.); beide
vereinigten Báche bilden den Št. Stephanteich bei Mauth. Der Abfluss dieses
Teiches fliesst sidwestlich durch die Teiche von Holoubkau im Bereiche der Schiefer
der Zone d, und durch das Lángenthal am nordlichen Fusse der Conglomeratberge
Trhoň und Žďár úber Borek nach Rokycan (362 M.).
Am rechten Ufer verstárkt er sich durch zwei Báchlein, die vom Vydřiduch
und vom Rač úber die eisensteinfůhrende Zone herabeilen (Vydřiducher und Voseker
Bach), und am linken Ufer verstárkt er sich durch das Hůrka-Páchlein, das im
Conglomeratterrain zwischen dem Žďár und Trhoň entspringt.
Der Schwarze Bach ist der eigentliche Hauptbach der Klabava. Er ent-
steht aus dem Abfluss von zwei grossen Teichen, die zum Zwecke des Betriebes
der Gebláse und der Hammerwerke der ehemals hier schwunghaften Eisenindustrie
hoch oben im Gebiete der azoischen Schiefer bei Padrť (638) M.) am westlichen
*
113
Fusse des Conglomeratgebirges angelest wurden, der hier mit dem Berge Praha
(854 M.) beginnt.
Der Abfluss der Teiche rieselt durch eine nordwárts gerichtete Thalspalte,
welche die Conglomeratrůcken guer durchschneidet, gegen das Lángenthal von
Strašic, nachdem er sich durch einen Auellbach, der zwischen den Kuppen Kočka
und Praha entsprinst, bei dem Dreirohren-Forsthause verstárkt hat.
Von Strašic wendet sich der Bach gegen Sůdwest und fliesst in dem Lánsen-
thale zwischen dem Conglomeratrůcken des Žďár und Vlčí úber Dobřiv, wo er den
aus den Conglomeratbergen von ŠSůid nach Nord durch eine Gebirgsspalte herab-
eilenden Eisbach empfánst, und fliesst weiter gegen Hrádek, wo er den Sko-
řicer Bach aufnimmt, der am westlichen Fuss das Conglomeratgebirges von Kolvín
herab im Gebiete der azoischen Schiefer gegen Skořic und des Mireschauer Kohlen-
becken sich windet. Unter Hrádek tritt der Schwarze Bach in die nordwestlich
verlaufende Thalkluft, welche die Berge Žďár und Kotel trennt und vereinigt sich
bei Rokycan mit dem Hammerbache. Ehedem diente die bedeutende und gut regu-
lite Wasserkraft des Klabavabaches und seiner beiden grósseren Zuflůsse einer
regen Eisenindustrie, welche diese Gegend fróhlich belebte, bevor jene Industrie
nicht der unůberwindlichen Concurrenz des westeuropáischen Eisenmarktes zum
Opfer fiel. Jetzt sieht man leider an diesen Wiássern eine Menge verlassener
Hammerwerke und sonstiger Eisenindustrieanlagen, die wegen Mangel an billigem
und zweckmássicem Brennmaterial aufeelassen werden mussten.
11. Das Uslava-Flisschen vereinigt sich bei Pilsen im Gebiete der azoischen
Schiefer mit dem Beraunfluss, berůhrt aber friůher in einer nordwestlich gerichteten
Thalfurche das sůdwestliche Ende des eigentlichen Silurgebietes, námlich die eisen-
steinfihrende Zone (d,) bei Plzenec. Die máchtige, weithin sichtbare Kieselschiefer-
klippe, welche die Reste der uralten Burg Radyně trágt, so wie einige máchtice
Porphyrmassen bei Šťahlau sind die Gránzsteine dieses úussersten Ausláufers unseres
Silurterrains.
Die Uslava selbst entspringt auf dem von Gneus durchsetzten Granitterain
zwischen Planic und Olšan, tritt bei Nepomuk in das Gebiet der azoischen Schiefer
ein, in die es sich in einem nordwestlich verlaufenden Thalerunde úber Blovic und
Šťahlau einfurcht und endlich bei Pilsen am Ostrande des Steinkohlenbeckens in
die Beraun můndet.
III. Das Litava-Fliůsschen durchschneidet das silurische Schichtensystem
lángs einer von Sůd nach Nord verlaufenden Thalkluft von Přibram nach Zdic und
dann lángs eines nordostlich streichenden Lánegsthales von Zdic bis nach Beraun. Es
entsteht aus dem Abflusse von zwei grossen Wasserbassins, die auf den Abhángen
des Třemošnagebirees bei Laz ober Příbram angelegt sind (632 M.) und deren
Wasser zu den grossen Aufbereitungswerken bei Přibram geleitet wird. Die hie-
durch entstehende Trůbung des Wassers ist bis zur Můndung des Flůsschens be-
merkbar. Der natůrliche Abfluss bildet einen Bach, der im Gebiete der Conglo-
merate iiber Obecnic in einem Lángenthale fliesst und sich bei Dušník mit dem
Broder Bache vereiniet. Dieser letztere Bach folet genau der sůd-nordlichen Gebirgs-
spalte des eigentlichen Litavaflůsschens, indem er die Zone der Příbramer Conglo-
merate zwischen dem Birkenberge und Heiligen Berge bei Přibram durchschněidet
und entspringt am Granitterrain bei Brod ober Přibram.
8
114
Unter Dušnik bei der Walchmůhle tritt das aus der Vereinigung der beiden
Báche entstandene Flůsschen in das Gebiet der Třemošnaconglomerate ein und
durchschneidet ihren Gebiresrůcken von Sůd nach Nord úber Hluboš bis Čenkov.
Hier erreicht er die auf den Conglomeraten aufgelagerten Jinecer Schiefer mit
ihrer Primordialfauna (C), die er am Fusse des Plešivec und Ostrý ber Jinec und
Rejkovic bis zur sogenannten grůnen Můhle aufschliesst. Die hóheren Flanken
beider Berge bildet die eisensteinfiihrende Zone (d,) und der Auarzit (d,). Vor
Lochovic tritt das Fliisschen aus dem schónen Waldthal heraus in eine freieres
und Hlacheres aus Grauwackenschiefern (d;,) bestehendes Terrain, durchschneidet
zwischen Lochovice, Libomyšl und Zdic die Zone der weichen Schiefer (d-) und
windet sich da am nórdlichen Fusse des Kalksteinplateaus im Bereiche dieser
letzteren Zone in einem schónen Lángenthal úber Kónieshof nach Beraun.
Geologisch gehórt demnach das Litavathal zu den interessantesten 'Terrain-
parthieen unseres Silurgebietes, indem es das ganze Untersilur von der Granit- und
azoischen Schieferunterlage durchschneidet und namentlich die Schiefer der Pri-
mordialfauna aufschliesst.
Die Zuflisse der Litava am rechten Ufer.
1. Der Litohlaver oder Suchomaster Bach beginnt an der Ostseite
des Housinakammes (dj) am Fusse (596 M.) des Kalkberges (e,) Bacín ober dem
Dorfe Bykoš, von wo er sich úber Suchomast in einer nordwestlich verlaufenden
Furche am Westfusse des Kalkrůckens des Zlatý kůň und Kotyz tiefer einschneidet
und endlich durch eine nordwárts gerichtete Thalkluft im Gebiete der Graptolithen-
schtefer und Diabasen (e,) und der untergelagerten weichen Schiefer (d,) zwischen
der Koukolová hora und den Kosov bei Kónieshof in die Litava ergiesst (250 M.).
2. Der Chumava Bach entspringt in den Wáldern zwischen den Auarzit-
kámmen des erossen Brdarůckens unweit der Můhle Zator und zwar in einer Auer-
furche (500 M.), wo die untergelagerte eisensteinfůhrende Zone (d,) und die Schiefer
der Primordialzone (C) zu Tagen treten. Durch eine starke Auelle bei der Zator-
Můhle verstárkt erreicht er vor Hostomic das Gebiet der Grauwackenschiefer (d;)
und bei Neumětel die Schiefer und Glimmerporphyre der Zone d; und vereinigt
sich bei Libomyšl mit der Litava (268 M.).
Eine kleine Bodenerhohune im breiten Vosover Thale am Fusse des grossen
Brdarůckens zwischen Všeradic und Vyžina trennt hier die unmittelbaren Zutlůsse
der Beraun von denen der Litava.
Die Zufliisse der Litava am linken Ufer.
1. Der Zahořaner Bach entsteht auf dem Plateau der azoischen von Kiesel-
schieferklippen durchsetzten Schiefer zwischen Hudlic und Svatá, durchbricht in
einer (Yuerschlucht zwischen Dybří und Zahořan die eisensteinfihrende Zone (d;)
so wie die Ouarzite (d,) und die Grauwackenschiefer (d; d;) und vereinigt sich
bel Kónigshof mit der Litava.
2. Der Rothe Bach (Červený potok) ist der Hauptnebenbach der Litava,
mit der er sich bei Zdic vereinigt. Er entspringt auf dem hohen Conglomeratrůcken
|
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115
des Třemošnagebirges bei dem Jágerhause Baština (650 M.) und diente ehemals
wie der Schwarze und der Hammerbach durch Teiche und Dimme regulirt der
Eisenindustrie, die auf der Domaine Hořovic im lebhaften Schwunge war. Er fliesst
anfanes durch eine nordwárts gerichtete Thalkluft, welche die Conglomeratrůcken
des Koníček und Beranec tief spaltet, am Fusse der malerischen Ruine Waldek
vorůber gegen Neřežín, wo er die eisensteinfihrende Zone (d,) und die steil ge-
hobenen Ránder der Auarzitzone (d;) erreicht. Zwischen Komorau, Hořovic, Pra-
skoles und Stašov folet er einer nordóstlichen Bruchlinie und fállt im Gebiete der
Diabasen und Schiefer der Zone d; bei Zdic in die Litava.
Vor seiner Miůindung empfánet er noch an der linken Seite bei Baborin den
Žebráker oder Strupiner Bach. Derselbe entspringt auf dem waldigen Auer-
riegel der Auarzite (d,) bei Oujezd (400 M.) und windet sich in den Feldflůchen
im Gebiete der Grauwackenschiefer (d,) und úber das kleine Kohlenbecken von
Štilec gegen Žebrák, wo er sich plótzlich nordwestlich windet und in einer Gebirgs-
guerspalte die Auarzite (d,), dann alle Zonen der eisensteinfůhrenden Schichten
(dyBe) bis auf die untergelagerten azoischen Schiefer aufschliesst. Namentlich
deutlich sieht man am Fusse des Schlossberges Točník an der Ruine Žebrák die
Auflagerung der Congelomerate (d,«), die den Kamm des Točniker Schlossberges
bilden, auf den azoischen Schiefern. Jenseits dleses Schlossberges wendet er sich
-im Gebiete der azoischen Schiefer wieder gegen Nordost und fliesst in einem felsigen
Thale úber die Štrupiner Můhle gegen Hředl, wo er sich gegen Sůdost wendet
und zum zweiten Male den Rand des eigentlichen Silursystemes von der eisenstein-
fůhrenden Zone (d,) angefangen durch die Auarzite (d,) hindurch bis in die auf-
gelagerten Grauwackenschiefer (d; d,) durchbricht und bei Baborin mit dem rothen
Bach sich vereinigt.
Auf seinem verháltnissmássie kurzen Laufe durchschneidet also dieser Bach
zweimal den Nordrand des Silursystemes und schliesst seine tektonischen Verhált-
nisse in der lehrreichsten Weise auf, indem er die tieferen Auerspalten aufsucht,
welche diesen Rand durchsetzen, wáhrend eine nur seichte Einfurchung in den
Grauwackenschiefern zwischen Žebrák und Baborin hinreichen wůrde, ihn geraden
Weges zum rothen Bach abzuleiten.
Bei Komorau (404 M.) empfánet der rothe Bach ebenfalls auf der linken
Seite den St. Benigna-Bach, der ebenfalls hoch an den Conglomeratrůcken bei
dem Forsthause Baština entspringt und in einer nordwárts verlaufenden Thalkluft
diese Růcken durchschneidet. Er erreicht bei Kváň (St. Benigna) die Eisenstein
fůhrende Zone (d,) und weiter unten die Auarzite (d,); trennt die Berge Ivina und
Hlava in einen tiefen Einschnitt von einander, an dem mán den Kern der anti-
klinalen Schichtenaufstauune der Zone dy, námlich den Porphyr anstehend findet,
und vereinigt sich bei Komorau mit dem rothen Bache.
93. Der Podluher Bach entsprinet auf den Auarziten (d,) zwischen dem
- Giftberg und Hvozdec (480 M.) und fliesst in einer synklinalen Einfaltung der auf-
gelagerten Grauwackenschiefer nordostlich ber Podluh und Rpety gegen Obora
unweit Lochovic, wo er in die Litava sich ereiesst.
An der rechten Thalseite stehen in den Podluher Wáldern steile Klippen
des Auarzites (d;) an, die von Auerschluchten durchbrochen sind, auf denen man
úber die eisensteinfůhrende Zone auf das Plateau von Felbabka und Hrachovišť
: g*
116
oelangt, wo die Schiefer der Primordialfauna (C) die friiher geschilderte antiklinale
Wólbung bilden.
4. Der Ohrazenicer Bach entspringt wie der Rothe und der St. Benigna
Bach auf den hohen Conglomeratrůcken bei dem Forsthause Baština. Kr fliesst
anfanes lángs einer nordostlich verlaufenden Bruchlinie zwischen den Růcken des
Slonovec und Koníček bis nach Velcí (Welkau), wo er die hóchst interessante Ein-
lagerung der Jinecer Schiefer (U) zwischen den Conglomeraten des Třemošnagebirges
und der eisensteinfůhrenden Zone aufschliesst und endlich in einem kurzen Auer-
thal bei Obrazenic im Gebiete der Jinecer Schiefer in die Litava sich ergiesst.
Die Thalgegend dieses Baches ist die lehrreichste in Betreff der Lagerung dieser
Schiefer.
Endlich sei noch erwáhnt, dass in das Bereich der Silurformation auch das
Flussgebiet der Otava eingreift und zwar mittelst seines Nebenbaches Vlčava.
Derselbe entspringt am westlichen Ende des silurischen Coneglomeratgebirges am
Fusse der Kuppe Praha ober dem Dorfe Bukova (680 M.), und fiiesst im Gebiete
der azoischen Schiefer, die unter diesen Conglomeraten zu Tage treten, indem er
in der Umgebune von Rožmital dieselben bis auf ihren granitischen Untergrund
ausfurcht. Bei Věšín vereinigt er sich mit einem Nebenbach, der von Glashůtten am
Fusse des Třemšín herabeilt, fůllt bei Rožmital einige Teiche an und erreicht das
zusammenhángende Granitterrain in einer sůděstlich streichenden Thalrinne unter
Skuhrov gegen Březnice. Dann durchschneidet er zwischen Březnic und Mirovic
eine auf Granit aufeelagerte azoische Schieferinsel. Bei Varvažov betritt er wieder
den Granitboden und ergiesst sich (hier den Namen Skalice fůhrend) endlich in
einer tiefen Felsenschlucht unterhalb Štědronín in die Votava.
RLA NG.:
Verzeichniss
aller im Systéme silurien du centre de la Bohéme von Barrande an-
sefihrten Genera der Fische, Crustaceen und Mollusken.
Die Anzahl der Species ist in einer besonderen Rubrik (rechts) angegeben.
Die in den verschiedenen Zeitschriften von Barrande bezeichneten und in
Bigsby's Thesaurus siluricus mitgetheilten Genera und Species der Gasteropoden,
Echinodermen, Bryozočn, Polypen und Pflanzen, deren Veróffentlichune mit den
anderen noch nicht publicirten Gattungen und Arten von Dr. Waagen und Dr. Novák
vorbereitet wird, sind in diesem Verzeichnisse nicht enthalten.
Das Zeichen — bedeutet die Etage, in welcher das Genus vertreten ist.
„ dass das Genus in der Etage bisher nicht beobachtet
» » k »
wurde.
: 2 O0) 5 „ dass das Genus bloss in den Colonien vorkómmt.
Col. k
» : č ý „ dass das Genus sowohl in einer oder mehreren Colo-
nien, als auch in der Etage vorkommt, in welcher die
Colonie eingeschlossen ist.
Die mit einem Stern (*) versehenen Namen bezeichnen die neuen, von Bar-
rande auícestellten Genera.
Úbersicht
der Classen und Ordnungen |, Anzahl Anzahl der Speci
= (der Genera ; RES
EPISEBST 00 R S de 0 4 G de
PAA OOA E alde 1816 06 42 965)
| ZB PMLApode: | -8 4 20 |
D1 Ostračcoda 4 kr. 1 52 445
I. Grustaooa, 4. Eurypteriden <- . 2 10 ;
29 Cerriipéda 411. 2 14|
6. Incertae sedis | 2 3
1Ozohalopoda s s +" 20 1121
| Z MELERODOG S spe ee ď OE: 305
IL. Mollusca | 3. Acephala <<<. 58 1269
| 4. Brachiopoda < < <- « 26 640)
EV Echinodermata S- 2. 1.< 40. 1 peská 1
185 3561
MP OIWV E
Fauna c
T If III 2
Genera ka“ Ena: | '©
k D n n G | H Ž
REA k d, |d, |dg d, |d5 ex le, f | 1, [81 [82 [82 | |h, (h;|
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I. PISCES. | | | | | | |
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Coccosteus <... Agass. || el eee ET- 9
Ctenacanthus . „ . Agass. |-| <| ||| else- 1
Gompholepis 0 Eande 1 | +. 1
6
II. CRUSTACEA.
I. Trilobita.
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Agnostus . „ .'. Bronen. TT- -Tee 9
Amphion. < + — „Pand. lé se PRA SE 2
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*Arethustna . < . Barr.: ||. | „| 2
*Armonellus M- Barr. z eo 0 eo ale Ree Sán 1
Asaphus. 20.1- Broncho |- al ob 4
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3| Calymene . <. . Bronen. |-|- er ce ři
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Conocephalites . . Zenk. |- -|-|-| -ele sál 4
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Cyphaspis Bun 6:05 (ako + H+H- 11
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28, Iilaenus -< . „Dalm. |-| ++- al PA +-
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29 Lachast an. Dálm. i +- s Poe ři n +.. ku B i
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30] Ogygia . « « « „ Bronen. |. |- -|-|-|T >
31, Faradoxides . . Bronen. |-|-
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53, Phillipsva +59 PGKUb
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119
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7 4 Placoparia - . „. Cord. ; ++ : B bos 6- : | 0 MP n 2
Proetus „ Stein. 1.-- |.. EBEN EBU BEDNA BA "| 40
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še Sphaerexochus . „ Beyr. 1 „1Ú-E=—-. +... 4
200 Otammocephalus (Batt. (sjel. eee- ee jes 1
40, *Telephus Barr. 0 čr SE 20 Pu Pe AS 0- 1
41| Trinucleus „ Lhwyd. |. I- -+ 2 saab sy jsí ý
E Framus.. < Barr. n BO ee 0 Z
856
2. Phyllopoda.
ol
1, Ceratiocarts . „ „ M'Coy Z P ao no o ny O 10
2, *Aptychopsts 2 DAT: AH- -| | n salsa 1
3, *Cryptocavis Dar: sj I- |. M 8
MEP řerocamis. +: DBaXT. "| A Ve eu Pe ěs pk
| | 20
| 3. Ostracoda.
1| *Aristozoe . Barr. ap Pp pel“ 9
2| Beyricha . . „ M'Coy ek meho » 9
220080206: <.. Dart. o ph be 3
A Caz2o0e0 47 s 4 Bay: o o ele SP NS 1
5| *Čaryon Barr. ss= ZU PE RS S Sej EVO SB 0 1
6, *Crescentilla Barr: Ma ap ape bePoj 1
BEC Rone dia Můll. po 5 PES ST 8 0 om M od 2
8, Cytheropsts „ M'Coy R A bol es 9
DA arom č road Barr. sko aE n ODA Pos VE ae Z
10, Entomis „ . Jones as SEEN am 4
1 ERD P sak Je 44 Barr. S S P n NE ona M O C O P P 2
12 Isochilina . - „ . Jones AVE e 1
13) Leperditia „ Ron. me == PVE E 4
14, *Nothozoe. . . . Barr. -eo (OAK PSE: ete POROD PS ey eo 1
15, *Orozoe Barr. SP R Ee sj ea 1
16, Prvmilia -< + s a m -He 1
Be *Zowězoe -s Barr. F. Poa M" 7 2 2
52,
4. Eurypteridea.
| 1. Pterygotus . Agass. ÚU-FE—-— -|-| 9
2| Eurypterus . . . De Kay.. R) O0 BEKO PBS na R K K8 008 ek
10
5. Cirrhipeda. |
1, *Anatifopsis „ Barr. é + ++ KEE Oky S) z K POS 03 l 4
2| *Plumulites . - - Barr. |. eo R | |
| | | | ! 11
l | | )
120
Fauna V
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© Genera = an G E
z c! : | bd
l "Jd, Id, |d; jd, (d; | e. E |£ 6, [8 |g. |h, lh, |h,
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6. Incertae sedis. | | | | | | | | bi
1| *Bactropus.. i, Barr. R ae | ská | : |
2, * Dryallus i DAET. =o | :
III. MOLLUSCA. v
I. Cephallopoda. n
1, *Adelphoceras . „ Barr. MY OB S tě eo aje poté slad :
2, *Ascoceras ae: B REM MOH Be 0 Ped S oa aje
9 Bacirites". 1 A 4Dandbia| 5 ná Á K PPSÍ A VO Ve ed oak 1
4 *Bathmoceras . . Barr. : i : h | K ob POMO
5|"Cýrtoceras | 4 E Gone | i SB [Eb Jem Bře B r
6 Endoceras PSN n OULY m od zí VSEM zhe JOSÉ:
1| *Glossoceras —- „ Barr. : S nom ba i o
8, Gomphoceras —« « Sow. n =- - 5 ko ba A
9 Gontatites s udeHaam sok ee PT k
10, Gyrocerast. 1.4. Komneksj (4 -ie E- .
11, *Hercoceras . . „ Barr. PAP oko PSV EA 2 oa ot MEAT RO STS | ;
12 Lituttes MAE Bino) l PRA Ph oo oba PE P db n R
13| *Mesoceras . . . Barr. S SS3í se |- sál 4 ea hel
14. Nautilus ..- 3 Linné Po Pp Z Me
15| *Nothoceras . . . Barr. SDn PR PO PS PP Be a eo
16, *Ophidioceras « „ Barr. dd EA ABL je ER se- styku
17 Orthoceras z Brev. LANA RE AU nany 03 +- T albá :
18, Phragmoceras . . Brod. see ho OBA: P sk
19, Tretoceras a DalŮ: Sch 45 J-oiee A es| eposu salsa] 22
* B: ji ně | | | |
20, *Trochoceras . . | Hal. : al : B -| M
2. Pteropoda. | | |
1| Coleoprion? . <. Sandb. (-|s|-| |-| H -- s je
2 Conulara . -14 .. Mil. me En T eské | 3
3| Hyolithes . < « « Richwld. hh USE je 251
4| *Phragmotheca —. Barr. R byt k : M ROP (s M
5| Pterotheca A, Balter:- "143 HH- k-
6, Styliola <- lesueursf sa sko Tie +.. |
1 Tentaculites ... „Schot. | Ecel:
3. Acephale. ah |
Ře |
| 1 *Antipleura . - . Barr. Ě SME [T BS VBA dy A ek |
| 2, Area (a en Lamk. SU o AZ | A2 le M RRSNE. 1
Bi Aeruntě Sow. HEA UHU ju | |
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Avteulopecten « „ M* Coy
Aviela © «. . Klein. | sj-
|
Avieula? Pterinea? Golďf.
„ Pleronstella ? Bill.
„ „ Myalina. Konek. |.. |.. |-
*Babinka . <.. Bart. |.
Cardiola <.. <. Brod. p
Cardium . . « . Linné. |
Conocardium ©. . Bronn. |.
Cypricardima . „J. Hall.
SDaladbe: aerish. Barr,
*Dceruška --. . Barr.
DANÁ ze ecě ec BAKÉ.
Edmondia . .-. . Konck. |..
*(Gibbopleura ©. Barr. l
Goniophora -s Bhill. ' |
Grammysia ... . Vern.
Hemicardium -. . Cuvier.
Isocardia . « . . Lam.
*Kralovna —- . . Barr.
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Lunulicardium ©. Můnst.
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Modiolopsis <. „J. Hall. | -|-|
Mojtobos —hu.3 14 UM, 4 |< ja bor «
Nacule K. Lamk. |-|-
Nuculites . - . . Conr. BK OR O
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*Panenka +.. + Barr.
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* Paracardiunm . „ Barr.
Baračicas 1. Hall.
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Posidonomya —„ . Bronn.
* Praecardium . „ Barr.
*Praelima - . . Barr.
* Praelucina „'. '. Barr.
* Pyaeostrea . « « Barr. 200] a PRO
Redoita .*4*. Rou -|
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Schizodus „'.'. * King.
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*Silurina . . . . Barr.
SAV 2 S „PLBAKÉ:
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51| *Služka —- .... Barr. HH. Pa
D2 OPamMla 0 Ban. | +H=..1. svá 9
D3 AOynelk 05000 Bam: p AD E 3
54| *Tenka Dart. se- |. 2
bo, *Tetinka „DAT I-+|.|. 5
56| * Vevoda Barr- EE 6
bí *Vlasta 22 Darr +- 28
ba, *Zdimír Aba R aky? Ml
4. Brachiopoda. 1269
1 Ama pam -+++ 89
2. Čhonetes -baseh + b+-- 16
8| *Clorinda . . . . Barr. ss 2
4. Črama - < <. Retzius ah 2
o, Gorila; 1 hDalm. H+- +.. 3
6 Cyrtima -0 Davids -E .. 2
1 Bona če. sblam. +++- D4
e| Mchwalda <.. Bill |. z
9 Leptaena . ... . Dalm se- 2
10. Lingula „ Druouiěre. +—-+-+-+-+.. 41
11, Merista. -< . ... Suess. IH- -| Eh.|. 8
12, Mertstella <- Hall. -E -+ 8
15) *Mimulus <... Barr. S Es c n)
14) Obolus . . < <. Eichw. zá Kral 8 NE 5
19 Os Dam ++- ++. 100
16) Orthistna . <. . WOrb. o ěs = 2
17. *Paterula Barr. py B AST ka sa ba 1
18. Pentamerus . . . Sow. H+H. 54
19. Porambonites . Pander. dk P 1
20| Retza . . . . . King. AH. 10
21, Rhynchonella . Fischer -+ +++. 68
22 Syphonotreta „ . Vern. ++- . 3
23, Sptrifer . Sow. H+H H+ +-. 89
24, Stringocepkalus . Defr. |. 1
29| Strophomena . Rafin. + He- 12
26, Trematis ... . Scharpe|. ++. n E!
| 640,
IV. ECHINODERMATA. |
l Khombifera. . . Barr. : | ; : | : | : 1
| | s
123
Von den anderen von Barrande in seinem Hauptwerke nicht enthaltenen Gat-
tungen kónnen wir noch die folgenden uns vorláufig bekannten, von Barrande theil-
-weise nur mit provisorischen Namen versehenen, anfůihren:
Von Echinodermen nebst dem schon angefůhrten Genus Rhombifera
in d;,, noch 13 andere Genera und zwar:
Agelacrinus Barr. in d;; Echinosphaerites ind, d;
Anomalocrinus Meek. « W. in d; d, Lob olithus Barr. (Camerocrinus Hall)
16% ine;
Aristocystites Barr. in d;; Orocrinus Barr. in d; dz;
Ascocrinus Barr. in d, ds; Pentremites Say n £;
Asterias (dhnlich) L. in d, d;; Scyphocrinus Zenker in © ©;
Craterina Barr. in d;; Trochocystites (Mitrocystites) in C,
Dendrocystites Barr. in d; dj i“ ddd
Von Anneliden die Genera:
Scolithus Hall. in d, d;;
Serpulites Murch. in d, d; dj U
Von Gasteropoden 26 Gattungen (von Barrande nur provisorisch benannt)
in sehr zahlreichen Arten, und zwar:
Bellerophon Montfort in d; ©, © £ f„; Pleurotomaeria de France in d, bis
Calyptraea Lam. in d, d; ©, bi g, und in 8;;
Capulus Montf. in d; bis 8; Parmaporus Barr. in hy;
Cirrhus 90w. in d; €, 8; Pilidion Barr. (Hercynella Kayser) in
Cyrtolites Conrad in d, bis d und © e, bis 83;
ee by: Porcellia L'Eveille in e, £;
Delphinula Lam. in © 1; Ribeiria Murch. in d, d; dy d;
Eculiomphalus Barr. in ©, 12; Rotella Lam. in €, bis €;
Euomphalus Sow. in d; dz d; © €: Siphonaria Sow. in f;
Globiconcha Barr. in f;; Scoliostoma Braun in 15;
Loxonema Phil. in d; und e, bis 8; Straparolus Montť. in d;;
Macluria Le Sueur n €,; Subulites Conr. in €;;
Murchisonia WArch. ind; und e,—f,; Tremanotus Halin ec 6
Natica Adanson in d, d; und e, bis g,; Terebellum T607:
Naticella Swainson in d, d,, e, ©, Urochus 1 id kde ee 8;
jo. Turbo Linodde ni
Nerita [S iw ez tfj:L; Turritella Lam. in €, Ú;
Patelta L mds;, L £; Tubina Barr. in d; © £;
Phasianella Lam in ©, 1,: Vermetus L. in £.
Von Bryozočěn die von Góppert als Pfanzenreste gedeutete Gattung Dicty 0-
nema Hall. in d, d; e,-€,; dann Fenestella Lonsdale in e, e, 1; g,; Rete-
pora, Hemitrypa, Filites Barr. info.
Von Korallen 15 Gattungen mit zahlreichen Arten, und zwar:
Amplexus 98ow. in £ 4; Cystiphyllum Londs. in © ©;
Calceola Lam. (Rhizophyllum Lind- Cyat hophyllum Goldf. in e, e, £;
stróm) in 1; Favosites Lam. in e, e, £; 8 © 8;
124
Halysites Fischer in e, ©; Petraia Můnst. in e, e £ g, bis hy;
Heliolites Dana n © ©; Roemeria EI- im 6;
Lithostrotion Llwhyd in f; Stenopora Londs. in d;, d; e, ©;
Omphyma Raf. in e, ©; Stromatopora Gldďf. in f, €,;
Pelliculites Ban. Zaphrentis Raf in £,
Von Graptolithen 7 Gattungen in vielen Arten, und zwar:
Climacograptus Hall in Col. ds, e+; Monograptus Gein. in d, d; d; Col.
Cyrtograptus Carruthers n e; ee-
Diplograptus Geinitz in d;, Col d;, e,; Rastrites Barr. in Col. d. €,;
Didymograptus M Coy in d; Retiolites Barr. in -Col dsí eg.
Von Amorphozočěn die Gattung Ischadites Murch. in e, und £.
Von Pflanzen (Fucoiden):
Leptophy cus. Barmnd5é: Chondrites ŠSternb. in d;, €,;
Callithamnites Gópp. in d;; Sphaerococcites Gópp. in ex ©;
dann die von D. Stur beschriebenen Fucoiden aus der Zone h,, námlich Chau-
vinia, Fucus, Hostinella und Sporochnus, und die von ihm als eine
Characee gedeutete Gattung Bar-randeina, deren Habitus auffallend an Lepido-
dendron erinnert und die desshalb von Barrande in Briesbys Thesaurus als Sage-
naria (bohemica) an und von Krejčí in einer Notiz der k. bóhm. Ges. d. Wis.
als die erste bohmische Landpflanze unter dem Namen Protolepidodendron
ancefůhrt wurde.
Einleitung .
PE E.
I. Das Gebiet der Put a
1.
9
kdo
HM.
Die Conglomerathůgel von Dubenec . . cs
Das Třemšíngebirge mit dem Příbramer Beteadné x
a) der Třemšín
b) der Štěrbinabere
c) der Přibramer Berg- und Eidelete
. Das Třemošnacebirce .
a) der Růcken: Praha, Tok, řdmočna
b) der Růcken : Kočka, Koruna, Komorsko
c) der Růcken: Hlava, Koníček
d) der Růcken: vl, Beranec .
e) der Růcken: Žďár .
„ Das Schieferterrain der Přinovdialísuna 22
Bei Jinec ...
Bei Skrej
. . .
Das Gebiet der zese Szlunahé ne
ie
Die eisensteinfihrende Zone d,
a) die Schichtenabtheilung d,a:
b) die Schichtenabtheilune d,G
c) Die Schichtenabtheilung d,y
Die Verbreitung der Zone d,
- .
1. Zwischen Plzenec und Rokycan .
2. Oestlich von Rokycan am Rač A
3. Bei Kařez und Volešna: Milina und nc SW.
4. Am Giftberg und Ostrý. :
5. Im grossen Brdawalde (Plešivec 8 r A
6. Im kleinen Brdawalde (Žebrák, Točník u. s. r)
7. An der grossen Bruchlinie (Beraun-Prag) :
8. In den isolirten Inseln p běa hora, Velis u. s. w.)..
. Die Auarzitzone d,
Die Verbreitung o Zone il stě
1. Die isolirten Auarzitkuppen iaokén kenéů nn Mauth .
2. Die isolirten Ouarzitkuppen zwischen Zbirov und Althůtten .
8. Der Auarzit-Auerriegel zwischen Kařez und Oujezd
4. Die Ouarzitrůcken des grossen Brdawaldes
5. Die Auarzitrůcken der kleinen Brda.
. Die Zone der dunklen, důnnbláttrigen Schiefer .
Die Verbreitung der Schieferzone d,
. Die Zone der Grauwackenschiefer d,
Die Verbreitung der Grauwackenschiefer d,
Die Colonie in der Bruska (Col. Zippe) . . .
„32
5. Die Zone der wéichen Schiefer'd,: -2220 ———
Die Colonien der Schieferzone db 9023...
Die Verbreitung der Zone d; -u 2...
III. Das Gebiet der dritten Silur-Fauna 0... l
Die Etagen E, -F," G, HRT G R S E...
Hauptfundorte der Petrefakten ....... R A s
Devonisirender Charakter der Fauna von n bo HV 0 R C
Die Verbreitung der obersilurischen Etagen und Zonen . ............. U
1. Das obersilurische Terráin amsrechten Berzunulern 0020000000000
2, Das obersilurische Terrain amlinken Beraunuler 0000000000000
a) das Terrain zwischen Beraun und St. Ivan.. ..... o Zr Přdál ce OVNÉ, -OSE k noh 0ks
b) das Terrain zwischen dem St. Ivan und dem Radolinerkiale pola kde OSI © © NROS Oo ae
c) das Terrain lángs des Radotiner Baches ..... . Natočte V
d) das Terrain zwischen dem Radotiner- und dem st. Přokonihals n
e) das Terrain zwischen dem St. Prokopi- und dem Moldauthale . . ............ 88
f) das Kalkterrain am rechten Moldauufer zwischen Braník und Dvorec... ... .. . 90
Bruchlinien im Gebiete des bohmischen Silursystemes . . . . .. . <... 0... A
1. Das Kluftsystém. mit "nordostlichém Streiehem 1 1
a) Die Bruchlinie der Přibramer Lettenkluft ...... PAPO O O
b) die Bruchlinie zwischen dem Třemošna- und Šlinovocuhoem PE o
c) die Jinecer Bruchlinie. ..... ROMA n dos deg Moe dil
d) die Pruchlinie des Berges Ostrý . etě: A PRO o dak 55
e) die Bruchlinie vom Berge Žďár und von esa KOA VV v DO
£f). die Prager Bručhlinie 740983 3500 00 vena z SS.
9)odie Braehlinie, vonrSkrej. 00 POS SEN jk VK Lh PR NS
2. Das Kluftsystem mit nordwestlichem Siretehéní Deo BCP Ah ooo dot 2 obed adT22 R OKO OE OSM a
a) Die KluftBéfaun-Srbsko 4:39 VRE eso
6) die Kluít: LiteňsKoněprus. 19410 Feast (-0008 Ona- 0S00 ONE C NO
c) die Auerklůtte bei Karlstein. . .... KREON Poj 3 ŘNO L
d) die Klůfte Kunratic-Krč, Petrovic- Hostivař KE al n o kor oP a o TU
e) die. Ouerklůfte der (TPřemosnaconglomerate 4...
3: Das Kluftsystení mit nordlrchem Strereheni 7
©) "das .Moldau6ha U es: KEN RE o ed bal eh
b) die Klůfte im Silurcebiet bstich von n Přař PONOR o ooo P kp 7) bo 305
ec) das St. Tvarthal 3x12 11 A020 JOR te ESVK 0 de0 SME ze NON RN
d)odaszEitavatnal E ad pal Msk ted ds E pe V sto VSK o SMS NE V o NNN NNN
Die Nordklůfte im Třemsnakorelomerate 2 OPOLOMK o ma od oeěh V300 le MiK Cat: aka 0 SR SNN NE LS
Thalbildung und Hydrographie des bohmischen Silurgebietes . . .. <... < < < < « „108
TDxe Moldan ok ce O o,
Die Zuflůsse der note am tisohe n Ufer SA send řec ode. eat Kano 88 oo- dímí Po- (o MRA S
Die Zutlůsse "der :Moldau "am linken. Ufer 079 00e NOCONA
IL. Der Beraunfluss 222300 ER Po ES Eon 0 M O ONO NN
Die Zulůsse :der Beraun' am Jinken Ueno...
Die Zuflůsse der Beraun am rechten Ufer . ka k Mo
II. Das Litava-Flůsschen ...... n M dy o eo
Die Zuflůsse der Litava am Keohtah Uter: KOR RO koade z o BO S o
Die Zuflůsse der Litava*am'linkén Ufex 0.0 0...
Der Vlčavabach (5 , „116
Anhans. Verzeichniss oils von one in seinem Pe ba 8 de
Fische, Crustaceen und“ Mollusken 2...
THE LIBRARY OF THE
APR 23 19308
UNIVERSITY OF ILLINOIS
s
Diabas.
Minette.
břidlice
řemence
Měkké
ak
Drobova břidlice.
GrawvackenSchiefer.
8
Nástin
| GEOLOGICKÉ MAPY STŘEDOČESKÉHO SILURU.
| = i :
| Skizze einer geologischen Karte m
| des |
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1: 288.000.
MALO metet
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T200] Ů
16 Mona
m
Čáry vrstevních zlomu.
Bruchlinten.
AKE OVA alá aká
Conglomerat Schichlen.
Břidlice s Faunou
primordialní.
Schiefer mit der raptolithen Schiefer
Primordial Fauna. und Diabas.
Opuka kříd.nluaru.
Púsmo železité.
Eisenerz one,
Křemenec.
Drobová břidlice.
dy dý
GrawvackenSchtefer.
Měleké břidlice
a křemence,
Weřehe Schtetir
und Ouarzil.
Calonte.
Graptolitové břidlice
a Diabus.
Kornosilurské vápener.
Obersilurisché Kalle.
Hornosilurské břidlice.
Obersilurische Scheler.
Diabeas,
OuaderSandstetn.
Plener.
Štěrkopések a hlína.
Sand Schotter u. Leh.
Ziih Farský v Praze.
, F SEM (i
fo Mý ORÍVU =
Z WV ELY ER BAND.
Erster Theil,
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- út Hohenverháltnisse).
ieselbe enthált:
E (a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Iser- und des Riesen-
i gebirges und seiner sůdlichen und čostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl
Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte.
- d) Zweite Serie gemessener Hohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt III.) von Prof.
Í Dr. Kořistka. 84 Seiten Text.
— ©) Hohenschichtenkarte, Section III, von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte
--——— enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation im Massstabe von 1 : 200.000).
-— d) Hóhenschichten des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka im Maasstabe -
von 1: 100.000. Preis dieser Abtheilung . .... .... PRSA Ke al 90 Abe 214 A. 450
é
4 II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthált:
- a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bohmens mit 4 Tafeln.
-- b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stílec,
E -© Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten.
— c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte.
-© d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte.
E- Dieser Theil enthált 448 Seiten Text, 11 Mas 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten.
MN 22.2... 2. i. 4—
E: II. Theil enthált:
Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóohmens
A MU citem. LexU nu © Jateln. Preis *. <: < « < < 0.4 ee mda Ale SODŮÍ
Preis der ganzen ersten Hálfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. A. 10—
Z WV E IU E EL BAND.
Zweiter Theil.
III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II. Theil)
BM m ox nLalel. ČErei8 < - <. « « © 006,00 4+ ele k ek ke 2060
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Ma) Prof. Dr. Ant Frič: Die Wirbelthiere Bohmens.
M „ © Die Flussfischerei in Bohmen.
3) nn k = Die Krustenthiere Bohmens.
Mit 1 Tafel, sUMeEolzschnitten, 272 Seiten Text. -PreiS < . © <..< 4+ « « UB
Ě | V. Chemische Abtheilung.
Prof. Dr. Em. Bořický: Úber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure
M in den Gesteinen Boóhmens. 58 Seiten Text. Preis. ... .. <. ++.. 60 kr.
"Preis der ganzen zweiten Hálfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fi. 5'—
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U. DRITTER BAND.
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E- I. Topographische Abtheilung.
Werzeichniss der in den J. 1877—1879 vom k. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch
bestimmten Hóhen von Bohmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und
Major R. Daublebsky von Sterneck mit 1 Karte -. .. . << + ++ «.« A. 180
II. Geologische Abtheilung: © 2 1 TÍ
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bohmens von
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text. Preis. . fj. VÉ
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Běhmens von
„ Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preis A 1—
IL Heft. Die Geologie des bohmischen Erzgebirges (I. Theil) von Prof Dř8
Gustav Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 Seiten Text
Preiš“ Pee eo KO o a ot M l r Se ode OR
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III. Botanische Abtheilung: © | kn. E
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Prodromus der Flora von Běhmen von Prof Dr. Ladislav Čelakovský. (IL Theil.
Schluss.) 320 Seiten Text. Preis : k
IV. Zoologische Abtheilung: 4
I. Heft. Die Myriopoden Bohmens von F. V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Seiten ©
Texte Preis, o a S Ppr P U 60 kr.
II. Heft. Die Cladoceren Běhmens-von Bohuslav Hellich mit 70 Holzschnitten.
132 Seiten Text: a a K P nkí c jk 2. „1600
V. Chemisch-petrologische Abtheilung:
Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse.
© von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. fl. 140
VIERTER BAND. |
No. 1. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. Die Weissenll
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič mit 155 Holzschnitten. ©
154 Seiten Text. Preiss 1m 2.44 2e R K R S o SE ne v. 3
ag von
J. Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten fl. 450 E
No. 3. Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský.
(IV. Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss nd Hegistor "0755 fi. 240.
No. 4. Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bohmens von Prof. Dr.
-| Bm Bořičký <% a fl. 1:80.
No. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal..
11
No, 6 Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl
Feistmantel. E
EUNFTER BANDU.
No. 1. Erláuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné hory) ©
und der angrenzenden Gegenden im čstlichen Bohmen von J. Krejčí und.
R. Helmhacker -s u A oa C S i. 2—
(Die Karce selbst erscheint spáter.) v-
. 2. Btudien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. III. Die Iser-
schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 132 Texifignren „743 a 13—.
No. 3. Die mittelbohmische Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel. Mit
20 Holzschnitten . . ..«. z T A 28 C i. 120
No. 4. Die Lebermoose (Hepaticae) Bohmens von Prof Jos. Dědeček. (Deutsch
noch nicht erschienen.) ; a
No. 5. Orographisch-geotektonische Úbersicht des silurischen Gebietes im
mittleren Bohmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel,
Karte und vielen Holzschnitten
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Mit 1 geolog.
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Ču 790 M V Vok
Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1885. — Selbstverlag.
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PRODROMUS
DER
ALGENFLORA vox BOHMEN.
ERSTEER TEHEIIL,
enthaltend
dig Rhodophyceen, Plazophyoeen amd titan The der Chorophyoem.
VON
Dr. ANTON HANSGIRG,
k. k. Gymn. Professor und Docent der Botanik an der k. k. bóhm, Universitát in Prag.
POHEBT:
ARCHIV FŮR NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN.
V. Band, Nro. 6. (Botanische Abtheilunc.)
Bila
E
DAS ARCHIV
fůr die
naturwissenschaftliche Landesdurchforschune von Běhmen.
unter Redaktion von
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejči
enthált foloende Arbeiten :
ERNRSTEB BAND.
E. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hóhenverháltnisse).
Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im něrdlichen Bohmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte.
b) Erste Serie gemessener Hóohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof.
Dr. Kořistka. 128 Seiten Text.
c) Hoóhenschichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált
die in dem Text a) besehriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch,
im Massstabe von 1 :200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hohenverháltnisse
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt.
Preis A.4-— Preis der Karteapp. - < s. AE val PPL k fi. 160
Il. Die Arbeiten der seolosischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verháltnisse des nord-
lichen Boóhmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte.
b) Studien im Gebiete der bohm. Kreideformation von Prof. J. Krejčí.
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte.
c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bohm.
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte.
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel.
120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas.
Preis <. Sa z ele Kaon c O SOA ed oC H. 450
III. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált:
Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.)
104"Beiten Téxt.- Preis „5 220 E yo nK OS MS 1. 1—
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text.
b) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Běohmens vom Assi-
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln.
c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bóohmen vom Real-Lehrer
Emanuel Barta/ 10 Seiten' ext (Preis 00 000 NÍ l. 2—
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 kr.
Freis des ganzen I. Bandes (Abth. Ii bis V) gebse: 0. 20:0. 00000 i. 9—
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PRODROMUS
DER
ALGENFLORA Vox BOHMEN.
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enthaltend
die Rhodophyceen, Phaeophyceen und einen Theil der Chlorophyceen,
Von
Dr. Anton Hansgirg,
k. k. Gymn. Professor und Docent der Botanik an der k. k. bohm. Universitát in Prag.
(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG IN BOHMEN.)
V. Band. Nro. 6. (Botanische Abtheilung.)
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Commissions-Verlag von Fr. Rivnáč. — Druck von Dr. Ed. Grégr.
1886.
VORWORIT
Ich erlaube mir das vorliegende Werk den Algologen und allen Freunden
der bohmischen Flora, insbesondere den einheimischen Botanikern mit dem Wunsche
zu úbergeben, dass dieses Werk von den ersteren giinstio aufgenommen, den letz-
teren zugleich eine Auelle der Anregung werde und ihre Aufmerksamkeit auf die
seit Corda in Bohmen so sehr vernachlássicten Algen wieder lenken měge.
Obschon ich seit mehr als fiinf Jahren meine Musestunden fast ausschliesslich
zur Durchforschung der bohmischen Algenflora verwendet habe und in den letzten
zwei Jahren mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln und Kráften gestrebt habe
durch kritisches Studium dieser, sowohl in systematischer wie auch in entwicklunegs-
geschichtlicher Hinsicht noch ziemlich mangelhaft durchforschten, Kryptogamen
einige dunkle Seiten aus der Algologie ein wenig zu beleuchten und auf Grund
dieser meiner Studien mich veranlasst fihlte auch in dem vorliegenden Werke
einige Verinderungen in der Algensystematik durchzufůhren — so bin ich mir doch
dessen gut bewusst, dass dieses Werk eben nur ein „Prodromus“ der Algenflora
Bohmens ist und dass das jetzt úbliche, von mir aus Opportunitátsrůcksichten noch
angewendete System der Algen, trotz der seit dem Erscheinen der „Species algarum“
von F.T. Kůtzine's im Jahre 1849, in diesem System schon durchgefůhrten, zahl-
reichen Reformen, im Grossen und Ganzen noch immer ein kůnstliches, die Ver-
wandtschaftsverháltnisse der Algen nicht genůgend berůcksichtigendes, Algensystem
geblieben ist.
Es ist mir eine angenehme Pflicht an dieser Stelle allen jenen Herren meinen
- verbindlichsten Dank auszusprechen, welche mich in irgend einer Weise bei meiner
Arbeit unterstůtzt haben. Insbesondere danke ich den Herren Prof. Dr. Lad. Čela-
kovský und Prof. Dr. Ant. Frič in Prag fůr ihre gůtige und aufopfernde Theilnahme
an meinem Werke, den Herren: Prof. Dr. Herd. Cohm in Breslau, M. A. M. C. Cooke
in London, Prof. Ch. Flahault in Montpellier, Maur. Gomont in Paris, Prof. Dr.
O. Kirchner in Hohenheim, G. von Lagerhečm in Stockholm, Dr. O. Nordstedt in
1*
4
Lund, P. Richter in Leipzig, Dr. N. Wife und Prof. Dr. V. B. Wittrock in Stock- ©
holm, Rev. Fr. Wolle in Betlehem Pa. theils fůr gůtige Zusendune von seltenen
Algen-Exsiccaten und algologischen Abhandlungen, theils fůr lehrreiche Corres- |
pondenz. Den Herren Dr. O. Nordsteďt und P. Richter bin ich ausserdem, da sie der
bohmischen Algenflora ein besonderes Interesse gewidmet haben und mich vielfach
mit Rath und That unterstůtzt haben, zu besonderem Dank verpflichtet.
Schliesslich olaube ich noch hier bemerken zu sollen, dass ich trachten
werde das, was in diesem Werke — in dem fast nur das von mir allein gesam-
melte algologische Material bearbeitet wurde — unvollstándig und lůckenhaft mit-
getheilt werden konnte, durch Nachtráge, welche theils dem zweiten Theile dieses
Prodromus beigegeben, theils separat publicirt werden sollen, moglichst zu ergánzen
und zu vervollkommnen.
Prag, im December 1885.
Dr. A. Hansgirg.
PNI EPFUNG.
Wie in einigen Theilen Deutschlands, so wurde auch in Osterreich und
„insbesondere in Bohmen den Algen von Seite der Botaniker im Ganzen bisher noch
wenig Aufmerksamkeit gewidmet, so dass unsere bisherige Kenntnisse dieser, im
- hohen Grade interessanten, Kryptogamen noch immer, namentlich in Bezug auf ihre
geographische Verbreitung sehr lůckenhaft sind.
Im Anfange des gegenwártigen Jahrhunderts hat zuerst Ph. M, Opiz in
seinen zwei Schriften: „Deutschlands cryptogamische Gewáchse“, Prag, 1816 und
„Boheims phanerogamische und cryptogamische Gewáchse“, Prag, 1823, die theils
von ihm, theils von seinen Freunden in Bóhmen gesammelten oder von frůheren
Botanikern daselbst beobachteten Algenarten aufceziáhlt.")
Spáterhin haben namentlich einige in Carlsbad weilende Algologen werth-
volle Beitráge zur Kenntniss der bohmischen Algen geliefert und speciell die in
den warmen Auellen von Carlsbad so wie in deren Abflůssen, in der Tepl und in
der náchsten Umgebung dieser Stadt vorkommenden Algen recht eingehend syste-
matisch bearbeitet.*)
Ich fůhre hier vor Allem den um die Algologie úberhaupt so hochverdienten
C. A. Agardh an, welcher im Jahre 1827, in der Regensburger Flora ein Ver-
r) Einige in diesen Schriften aus Bóhmen angefůhrte Algenspecies verdienen hier na-
mentlich hervorgehoben zu werden; es sind: Batrachospermum moniliforme Roth, Conferva flu-
viatilis (Lemanea fluviatilis), Conferva aurea (Trentepohlia aurea), Conferva mutabilis Roth (Drapar-
naldia plumosa), Conferva jolithus (Trentepohlia jolithus), Hydrodictyon utriculatum Roth (H. re-
ticulatum L.), Botrydium argillaceum Wallr. et Linckia granulata Web. (Botrydium granulatum
Grev.), Conferva intestinalis (Enteromorpha intestinalis), Linckia nostoc Roth (Nostoc ciniflonum
Tour. == N. commune Vauch.), Conferva annulina (Sphaeroplea annulina Ag.), Conferva rivularis
(Cladophora fiuitans Ktz?), Conferva crispata et arenaria (Cladophora crispata), Conferva erice-
torum Roth (Zygogonium ericetorum Ktz?), Conferva muralis Dillw. (Schizogonium murale), Con-
ferva capillaris (Oedogonium capillare Ktz?), Conferva vesicata Můll. (Oedogonium vesicatum
Link?), Conjugata setiformis Roth (Spirogyra setiformis Ktz?), Conferva fontinalis (Oscillaria
limosa Ag.), Conferva stellaris Roth (Stigeoclonium stellare Ktz.). Ausserdem sind in diesen zwei
áltesten Verzeichnissen bohmischer Algen noch folgende, nicht gut zu bestimmende oder fůr Bóhmen
noch zweifelhafte Algenarten verzeichnet: Conferva velutina (in Báchen), C. fenestralis, C. cristata
Roth, C. Flůgii Roth, C. divaricata Roth (Cladophora divaricata Ktz.), C. moniliformis Můll.
2) J. A. Scherer's „Beobachtungen ůúber das pflanzenáhnliche Wesen in den Carlsbader
und Tóplitzer Wássern, Dresden, 1787“ sind mir leider blos dem Namen nach bekannt geworden.
6
zeichniss der von ihm in verschiedenen Lándern Osterreichs beobachteten und
gesammelten neuen Algenarten veróffentlichte. Aus diesem Verzeichnisse wurden
spáter die bei Carlsbad vorkommenden, von Agardh entdeckten und von ihm da-
selbst auch meist in grósserer Menge gesammelten,“) neuen Algenspecies auch im
„Almanach de Carlsbad“ J. 1834 mit detaillirter Angabe des Fundortes angefiihrt.*)
Durch C. A. Agardh's Erfolge angeregt bescháftigte sich alsbald unser durch
seine mikroskopische Untersuchungen, vorzůelich der Pilze, wie durch sein tra-
gisches Ende, auch in weiteren Kreisen bekannte Landsmann A. J. C. CČorda durch
mehrere Jahre hindurch eifrig mit den bohmischen Algen, insbesondere mit den
Desmidiaceen, Oscillariaceen und Protococcaceen. Die Hauptergebnisse seiner dies-
bezůelichen Studien wurden theils in dem oben erwáhnten Almanach von Carlsbad
(J. 1835—1840.) theils in Sturm's „Deutschlands Flora“ niedergelest und besitzen
noch immer, trotzdem einige in diesen Schriften enthaltene, von Corda selbst ver-
fertiete, Abbildungen nicht immer ganz correct sind, fůr jeden, die bohmischen
Algen náher studirenden, Botaniker einen nicht geringen Werth.
Im J. 1855 des Almanachs von Carlsbad sind unter dem Titel „Obser-
vations sur les animalcules microscopigues, gu' on trouve auprčs des eaux ther-
males de Carlsbad“ neben einigen Bacillariaceen auch zahlreiche Desmidieen, Os-
cilarieen und einige andere, von Corda bei Carlsbad beobachtete, Algen abgebildet
und kurz beschrieben. Im J. 1856 sind im „Essai sur les Oscillatoires des Thermes
de Carlsbad“ nicht nur die in den warmen GAuellen bei Carlsbad vorkommenden
Oscillaria- und Phormidium-Arten verzeichnet, sondern auch noch viele andere an
verschiedenen Orten Bohmens u. a. vorgefundene, gróssten Theils vom Verfasser
als neu aufcestellte Oscillarien-Species verzeichnet.*) Im Jahre 1838 hat Corda
in „Nouvelles observations microscopigues“ neben zwei neuen Raphidiumspecies
(Ankistrodesmus fusiformis und A. convolutus Corda) auch einige neue Scenodesmus-
Arten publicirt. Im Jahre 18939 sind in „Observations sur les Euastrées et les
Cosmariées ausser einigen Pediastrum- (Pediastrum et Euastrum Corda) und Cos-
marium-Arten auch noch zahlreiche andere, meist aus der Umgecgend von Prag,
teichenbere und Carlsbad stammende, von CČorda bestimmte Desmidiaceen auf-
gezáhlt. Im Jahre 18340 werden von Corda in „Observations microscopigues sur
les animalcules des eaux et des thermes de Carlsbad“ einige neue bei Carlsbad,
Eger, Prag, Reichenberg, u. a. vorkommende Desmidium-Sphaerozosma- und Cos-
marium-Species nebst anderen Desmidiaceen angefůhrt und ein neues Verzeichniss
zahlreicher, in die eben citirte Gruppe gehóriger Algen veróffentlicht. Auch in
Sturm's „Deutschl. Flora“, II. Abth. 1829—1852 hat Corda unter anderen Algen
1) Auch im Herbarium des Nat. Museums in Prag ist ein Theil dieser Algen in Orig.-
Exemplaren C. A. Agardh's vorhanden.
2) Die von Agardh in Carlsbad entdeckten, als neu beschriebenen Oscillarien und andere
Thermalalgen-Arten wurden spáter alle, nebst zahlreichen anderen neuen, in Carlsbad nicht vor-
kommenden, Thermalalgen-Arten auch an den warmen Guellen Italiens und in anderen Lándern
angetroffen.
5) Leider sind diese Arten gróssten Theils von Corda so mangelhaft beschrieben und
unvollkommen abgebildet worden, dass deren Sicherstellung,da die Original-Exemplare Corda's nicht
mehr vorhanden sind, nicht gut měglich ist; desshalb sind sie auch von allen Phycologen, welche
sich mit den Oscillarien nach Corda náher bescháftiot haben, gánzlich unberůcksichtict geblieben.
|
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— Deutschlands auch einige seltenere, in Bohmen vom Verfasser selbst entdeckte, Algen
- zuerst beschrieben und deren Fundorte angegeben.
Nebst Agardh und Corda betheiligten sich an der Erforschung der Algen-
flora der berihmtesten bohmischen Kurorte (Carlsbad, Franzensbad, Teplitz und
Marienbad) in hervorragender Weise noch F. T. Kůtzing,") L. Rabenhorst, Ferd.
Cohn,*) Schwabe *) und in neuerer Zeit Paul Richter *) O. Nordstedť u. a.“) Einige
Arten von Diatomeen und anderen einzelligen Carlsbader-Algen sind auch von
Ch. G. Elrrenberg, Fischer und a. beschrieben worden.
Von einheimischen Botanikern widmete den bohmischen Algen eine gróssere
Aufmerksamkeit zuerst Ph. M. Opíz, welcher mit einigen anderen álteren bohmischen
Botanikern “) meist in der Umgebung von Prag Algen sammelte und in seinem, im
J. 1852 erschienenem „Šeznam rostlin květeny české“ schon 87 Algenarten aus
Bohmen dem Namen nach, ohne Angabe des Fundortes, angefihrt hat.) Nebst
Opiz sammelten zu jener Zeit in Bóhmen Algen auch Prreďd. Veselský, J. Pey! und
J. Čeněk, welche im čstlichen Theile Bohmens, insbesondere im ostlichen Elbthale
botanisirten,*) dann noch Hrabal, Karl, Langer, Menzel,*) Schauta und W. Steg-
mund,*9) die im nordlichen und nordlichsten Bohmen manche interessante Algen-
species entdeckten; in neuerer Zeit auch P. Hora, der in der Umgebung von
Pilsen nebst anderen Cryptogamen auch einige Algen beobachtet und gesammelt
hat,**) und Prof. Dr. L. Péč, der aus der Umgebung von Jung-Bunzlau und Můnchen-
grátz werthvolle Proben von Algen dem Verfasser zur Bestimmung ůúbersandte. In
den letzten zwei Jahren haben auch die Herren F. Klapálek bei Leitomyschl und
E. Bayer bei Chotěboř einige Algenarten gesammelt.
Viele von den Algen, welche diese eifrigen Pflanzensammler, von welchen
viele auch um Bóhmens Phanerogamenflora nicht unerhebliche Verdienste sich er-
worben haben, in verschiedenen Theilen Bóhmens gesammelt haben, sind nebst
einigen anderen, von Agardh, Welwitsch, Corda u. a. in Bohmen entdeckten, Algen-
arten in der botanischen Sammlune des National-Museums in Prag aufbewahrt.
1) Tabulae phycologicae 1845—1866, Phycologia germanica 1845., Species algarum 1849.
2) Abhandlungen der schlesischen Gesellschaft fůr vaterlándische Cultur 1862.
3) „Úber die Algen der Carlsbader warmen (Guellen“, Linnaea 1837.
4) „Ist Sphaerozysa Jacobi Ag. ein Synonym (Entwicklungsglied) von Mastigocladus la-
minosus Cohn?“, Hedwigia 1882 und „Weiteres úber Sphaerozyga Jacobi Ag.“, Hedwigia 1883,
5) Siehe auch meine Abhandlung „Beitráge zur Kenntniss der bohmischen Thermalalgen-
flora“. Oster. botan. Zeitschrift 1584.
S) Kalmus, Schóbl, Wondráček u. a.
7) In diesem „Verzeichniss“ sind die meistén, von Agardh und Corda in ihren algolo-
gischen Abhandlungen aus Bohmen angefůhrten, Algenarten enthalten.
8) Veselský und Peyl in der Umgebung von Kolín und Kuttenberg, Čeněk meist bei Par-
dubitz, Chvojno und Kóniggrátz.
9) Siehe auch Menzels „Beitráge zur Flora des ser- und Jeschkengebirges“ in der Be-
schreibung des Curortes von Liebwerda von Dr. Jos. Plumert 1869.
T0) Hrabal sammelte bei Bóhm. Kamnitz; Karl bei Georoswalde und Fugau, Schluckenau
und Teplitz; Siermund und Langer um Reichenberg; Schauta bei Hoflitz; Menzei bei Friedland,
Grottau u. a.
11) „Versuch einer Flora von Pilsen“. Lotos 1882.
Recht interessante und werthvolle, meist von den vorher schon genannten
Sammlern herrůhrende Beitráge zur Kenntniss unserer Algenflora sind enthalten
auch in der von Dr. L. Rabenhorst verfassten „Flora europaea algarum etce.“, Leipzig
1864—68 und in seiner „Kryptogamen-Flora von Sachsen, der Ober-Lausitz, Thů-
ringen und Nordbohmen“, Leipzig, 1865. Auch in der von Dr. Ferd. Cohn heraus-
gegebenen „Kryptogamen-Flora von Schlesien: Algen, bearbeitet von Dr. O. Ktrchner“
sind manche in unserem Riesengebirge vorkommende, meist von schlesischen Bo-
tanikern daselbst gesammelte, seltene Algenarten angefůhrt.
Der Verfasser dieses Prodromus hat selbst binnen mehreren Jahren, seitdem
er sich mit dem Studium bohmischer Algen (mit Ausschluss der Diatomaceen) be-
scháftigt, neben einigen, von ihm in Bohmen entdeckten neuen Algenformen, eine nicht
geringe Anzahl der frůher in Bohmen nicht beobachteten Algenspecies gesammelt,
so wie viele neue bohmische Fundorte einer grósseren Anzahl seltener Algenarten
entdeckt. Er sammelte bisher namentlich an vielen Orten der náheren und náchsten
Umgebung von Prag; in der weiteren Prager Umgegend im Choteč-Thal, bei Zbra-
slav, Wran, Černošic, Všenor, Budňan, Karlstein, St. Ivan, Tetín, Beraun, Kónigshof,
im Suchomaster-Thal, bei Půrelitz, Rakonitz; bei Unhoscht, Smečno, Schlan, Neu-
Straschic; bei Klecan, Roztok, Žalov, Podmoráň, Kralup, Oužic, bei Hloupětín,
Chwal, Běchowic, Ouwal; bei Kouřím und Zásmuk; bei Hostivař, Měcholup, Auři-
něwes, Říčan, Mukařov, Mnichowic, Ondřejov, Piskočel, Sazawa, Kocerad, Doubrawic.
„Im Elbethal meist in der Umgegend von Lobositz, Leitmeritz, Raudnitz,
Melnik, Neratowic, Lobkowic, Elbe-Kostelec, Brandeis, Lissa, Sadska, Kolín, Par-
dubic und in der Umgebung von Kónigerátz.
Im norděstlichen Bóhmen bei Dymokur, Libňowes, Žíželic und Chlumec
an der Cidlina, bei Hořic, Wostroměř, Jičín; bei June-Bunzlau, Bakov, Turnau,
Eisenbrod, Šemil, Tannwald; bei Alt-Paka, Hohenelbe, Arnau, Trautenau, Johannis-
bad; im Riesengebirge bei den Krausebauden, dann am Wege von der Spindelmůhle
úber die Elbfallbaude, Petersbaude, Spindlerbaude zum Hótel bei den Šiebengrůnden
und nach der Spindelmůhle zurůck; bei Parschnitz, Starkoč, Náchod, in der Um-
gegend von Wichstadtl, Lichtenau, an der wilden Adler bei Pastwín, Bárnwald,
Kronstadt und am Kamme des bohmischen Adlergebirges oberhalb Bárnwald und
Kronstadt.
In Nord- und Nord-West-Bóhmen bei Weisswasser, Hirschberg und Hab-
stein, B.-Leipa; bei Tetschen, Bodenbach und Herrnskretschen in der bohmischen
Schweiz bis zum Prebischthor; in Teplitz, bei Eichwald und Zinnwald im bóhm. ©
Erzgebirge; in der Umgegend von Karlsbad, Franzensbad, Bilín, Dux, Brůx, Said-
schitz, Půllna, Laun, Libochowic, Čížkowic, Sulowic.
In der sůdlichen Landeshálfte bei Beneschau, Bystřic, Wotic, Stupčic, Tábor,
Sobieslau, Weselí, Lomnic, Wittingau, Budweis, Frauenbere, Zámost, Písek, Horaž-
dowic, Klattau; bei Eisenstein, am Spitzberg, beim Schwarzen-Teufels- und Arber-
see im Bóohmerwalde; in der Umgebung von Hohenfurth, Ruckendorf, Rosenberg,
Krummau, Kaplitz; bei Hořowic, Přibram, Protiwín, Pilsen und Mies.
Aus dem Vorgehenden ist zu ersehen, wie wenig Bóhmen im Ganzen in
phycologischer Hinsicht bisher durchforscht worden ist. Viele Theile Bohmens
wurden von Algen sammelnden Botanikern noch gar nicht besucht, so z. B. das
ganze sůdostliche Viertel, andere nur fůchtig.
F
9
Das Letztere gilt insbesondere von der ganzen sůdlichen Hálfte Bohmens, die
- wegen den daselbst vorkommenden, zahlreichen, nicht unbedeutenden Teichen und
- Torfmooren noch immer eine nicht geringe Ausbeute an Algen verspricht. Auch die
in den Flussthálern der Elbe, Cidlina, Mrdlina u. s. w. liegenden zahlreichen
-- Tiimpel, Weiher und Teiche, ofters von grósserer Ausdehnung und meist am Rande
| von grósseren oder kleineren Šiimpfen und morastigen Gráben umgeben, sind, was
Algen anbelangt, noch zum grossen Theile unerforscht geblieben.
Nicht minder sind auch fast alle Gebirge Bohmens von den Phycologen
noch sehr vernachlássigt worden. Es wurden bisher Algen, wie aus dem Vorher-
gehenden zu ersehen ist, blos an einigen wenigen Stellen im bohm. Riesengebirge,
im Erzgebirge, in der bohm. Schweiz, im Bóhmerwalde und in dem Adlergebirge
theils von dem Verfasser, theils von einigen anderen Botanikern gesammelt. Eine
grůndlichere Durchforschung dieser Cryptogamen sowohl in den Grenzgebirgen wie
auch im Mittelgebirge und in ganz Boóhmen bleibt also der Zukunft noch vorbehalten.
Was die geographische Verbreitung der Algen in Bóhmen im Allgemeinen
betrifft, so sei hier nur hervorgehoben, dass manche Algenarten im ganzen Lande
verbreitet sind, andere aber blos in der einen oder der anderen Pflanzenregion vor-
kommen, von welchen in Bóhmen der Hóhenlage nach vier unterschieden werden
kónnen, námlich die Region der Ebene (bis 200 m), der Hůsgel (200—600 m), der
Berge (600—1000 m) und des Hochgebirges (1000—1600 m).
Die meisten Algenarten findet man in Bóhmen in den ersten 3 Regionen;
verháltnissmássie wenige Arten gehóren ausschliesslich dem Hochgebirge an. Viele
Arten leben in der Ebene und in der Hůgelregion zusammen, steigen aber nicht in
die hóher gelegenen Bergregionen. Einige Algenarten kommen blos in der Ebene
vor; andere sind wieder ausschliesslich der Hůgelregion eigen, oder sie sind noch
in der hóher liegenden Bergregion verbreitet.
-Eine eingehendere phytogeographische Bearbeitung der Algen Bohmens kann
zur Zeit, da úber die geographische Verbreitune dieser Pflanzen in Bóhmen noch
viel zu wenig bekannt ist, mit Erfolg noch nicht unternommen werden. Deshalb
wird im nachfolgenden speciellen Theile dieser Arbeit bei jeder einzelnen Algenart
neben einer kritischen Artbeschreibune alles angefihrt, was úber ihre, uns bisher
bekannt gewordene, Verbreitung in Bohmen sicher gestellt wurde, und zwar werden
- neben den eigenen Beobachtungen des Verfassers von fremden diesbezůglichen An-
gaben blos diejenigen reproducirt, welche entweder von anerkannten algologischen
Autoritáten herrůhren oder, wenn dies nicht der Fall ist, doch ganz zuverlássie
sind; weniger zuverlássige Angaben sind blos in kurzen Anmerkungen angefihrt
oder gánzlich weggelassen worden.
Doch ist zu bemerken, dass die Algen nach unseren jetzigen Kenntnissen
in Bezug auf ihre Verbreitung auf der Erdoberfláche, nicht in áhnlicher Weise von
der geographischen Lage, sowie von den klimatischen und physikalischen Verhált-
nissen abhángig sind, wie dies bei den hoheren, insbesondere den phanerogamen
Gewáchsen der Fall ist. Ein grosser Theil der bisher bekannten Algenarten scheint
ahnlich den meisten mikroskopischen Organismen kosmopolitischer Natur zu sein.
Man findet námlich dieselben Algenarten wie in Bóhmen auch in anderen Lándern
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Osterreichs, in Deutschland, Frankreich, Italien, England ja selbst in Asien, Sůd-
und Nord-Amerika u. a., also in Lándern, die geographisch von einander gánzlich
cetrennt und deren geographische Lage und klimatische Verháltnisse sehr ver-
schieden sind.
Wenn nun bei diesen mikroskopischen Gewáchsen besondere Algenfioren,
in áhnlicher Weise wie dies bei den Phanerogamen der Fall ist, sich nicht leicht
werden abgrenzen lassen, so kann man doch selbst in Bóhmen neben einer Flora
des Siisswassers, der salzigen Gewásser und der an der Luft lebenden Algen auch
noch verschiedene, von einander oft ziemlich scharf abgegrenzte Algenformationen
unterscheiden, welche zum Theile durch klimatische Verháltnisse, meist aber durch
chemische und physikalische Beschaffenheit des Bodens, an welchem die an der Luft
lebenden Algen vegetiren, oder durch verschiedene chemische und physikalische
Beschaffenheit des Wassers, in welchem die meisten Algen leben, bedingt sind.
Was die systematische Bearbettung der in diesem Prodromus enthaltenen
Algenspecies betrifft, so hat der Verfasser, dem Beispiele P. Reinsch's,“) Kirchner's *)
Cooke's*) und anderer Algologen folgend, sich im Grossen und Ganzen an Rabenhorst's
„Flora europaea algarum“, (1865—1868), gehalten, welche noch immer als Grund-
lage fůr Speciesbestimmungen der meisten in jenem Werke verzeichneten Algen-
arten dienen kann.
Da sich aber in den letzten 15 Jahren in Folge zahlreicher, wichtiger
Entdeckungen in der so rasch sich entwickelnden Algenkunde auch Vieles in der
Systematik der Algen geándert hat, so waren im nachfolgenden systematischen
Theile, neben den, theils auf Grund der bekannten diesbezůclichen Arbeiten Bornet's
und Thuret's, Borzi's, Flahault's, Gay's, Kirchner's, Lagerheim's, P. Richter's, Ro-
stafiůski s, Širodot's, Wille's, Wittrock's u. a., theils auf Grund der eigenen Be-
obachtungen und Untersuchungen des Verfassers durchcefihrten, nothigsten syste-
matischen Veránderungen auch noch viele Correcturen in den in Rabenhorst's
Schriften enthaltenen Arten-Diagnosen něthic.
Um dieses Werk nicht úber Gebůhr auszudehnen, hat der Verfasser eine
náhere Begrůndune der von ihm unternommenen, in den folgenden Bláttern zuerst
publicirten, Veránderungen im Systeme der Algen sowie der in diesem Werke ge-
wáhlten Arten-Begrenzung vermieden. Aus demselben Grunde sind auch von álteren
Synonymen im Nachstehenden nur die wichtigsten, speciell diejenigen aufgenommen
worden, welche von álteren bohmischen Botanikern gebraucht wurden und unter
welchen auch die von diesen gesammelten bóhmischen Algen in den vorherange-
fůhrten botanischen Schriften oder als Exsiccata in verschiedenen Sammlungen ent-
halten sind. Die meisten álteren Synonymen, sowie die, die in diesem Werke
angefůhrte Species, Gattungen ete. betreffende Literatur ist in den vorher ge-
!) Die Algenflora des mittleren Tneiles von Franken von P. Reinsch, Nůrnbere 1867.
*) Algenflora von Schlesien, Breslau, 1878 und Beitráge zur Algenflora von Wůrtemberg,
1880, von Dr. O. Kirchner.
9) British freshwater algae ete. von M. C. Cooke, London, 1882—84.
bl
nannten algologischen Werken, insbesondere in den Kůtzine'schen und Rabenhorst'-
schen, verzeichnet.
In der Nomenklatur wurde nach den „lois de la nomenclature botanigue“
die Prioritát, so viel als moglich, gewahrt. Auch von den Abbildungen werden im
Folgenden nur die gelungensten citirt und zwar wurden der Kůrze halber blos die
Nummern der Tafeln angefůhrt, an welchen die betreffenden Abbildungen leicht zu
finden sind. Die dabei gebrauchten Abkůrzungen werden im zweiten Theile dieses
Prodromus in dem Verzeichnisse aller in diesem Werke gebrauchten sachlichen
Abbreviaturen erklárt; zueleich wird dieser zweite Theil auch ein Verzeichniss
der abgekůrzten Autoren-Namen, nebst einem Literatur-Verzeichniss, einem Resumé,
einem Hilfschlůssel zum leichteren Auffinden der Gattungen, den nothigen Registern
und Nachtrágen enthalten.
In Bezug auf die in diesem Werke abgebildeten Algenarten sei blos bemerkt,
dass diese stets als Gattungs-Reprásentanten betrachtet werden kónnen; aus áusseren
Grůnden musste auf die Abbildung einer grósseren Anzahl von Arten aus einer
und derselben Gattung sowie auf Illustrationen von rein anatomischen Merkmalen
verzichtet werden.
Die Mehrzahl der Algen ist in Bezug auf ihre Entwicklung, wie die meisten
Phanerogamen und die hóheren Kryptogamen an gewisse klimatische, physikalische
und chemsche Bedingungen gebunden, so dass einige Algen nur an der Luft, der
úberwiegend grósste Theil aber nur im Wasser vegetiren kann.
Die an der Luft lebenden Algen*) findet man vorzůglich auf feuchter,
nackter oder bemooster Erde, an feuchten Mauern, Šteinen, Wánden, Hólzern,
Báumen, Dachrinnen, Pumpenrohren, Wassertrógen, auf nassen, moorigen Wiesen,
in feuchten Wáldern, Waldoráben, an feuchten, schattigen Felswánden, Felsen, in
Schlůchten, Hóhlen, in der Náhe von Wasserfállen, in warmen und kalten Auellen
ete. Nur wenige von diesen an der Luft lebenden Algen-Arten wachsen an trockenen
Steinen, Baumrinden, Mauern, Brettern u. a. Die meisten findet man aber an
solchen Stellen, an welchen sie wenigstens zeitweise von Wasser bespůlt werden;
so an Flussufern, am Rande der Teiche, Wassergráben, Báche, Guellen, Brunnen
und a. Einige an der Luft lebende Algen kónnen zwar eine Zeit lang auch im
Wasser leben und umgekehrt, doch kann man sie im Ganzen nicht fůr echte
amphibienartige Gewáchse halten (mit Ausnahme einiger einzelligen Algen und
Oscillarien).
Sowohl die an der Luft, wie die im Wasser lebenden, in Bohmen verbreiteten
Algen zeigen in der Art ihres Vorkommens. oft auffallende Unterschiede. Einige
1) Von den an der Luft lebenden Algenarten nehmen fůr sich ein besonderes Interesse
insbesondere diejenigen in Anspruch, welche durch ihre eigenthůmlichen Vereinigung (Symbiose)
mit den flechtenbildenden Pilzen die an der Luft lebenden Flechten darstellen. Es sind dies von
den chlorophyllgrůnen Algen namentlich einige Arten von Protococeus Ktz., Pleurococeus Menegh.,
Stichococeus Nás., Dactylothece Lagerh., Dactylococcus Nág., Hormidium Ktz., Trentepohlia Mart.;
von den blaugrůnen Algen einige Arten von Chroococeus Nás., Gloeocapsa (Ktz.) Nás., Aphano-
capsa Nás., Lyngbya Ag., Nostoc Vauch., Scytonema Ag., Calothrix Ag. und Stigonema Ag.
P-
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von ihnen scheinen wahre Kosmopoliten zu sein und treten unter allen Verháltnissen
auf, andere kommen aber blos an solchen Stellen vor, wo der Boden oder das
Wasser bestimmte, physikalische und chemische Beschaffenheit besitzt.
Zu solchen, durch ihre eigenthůmliche Abhángickeit von áusseren Einflůssen
bemerkenswerthen, Algen gehóren insbesondere die an den warmen Auellen in Bohmen
und zwar in Carlsbad, und in Teplitz vorkommden Thermalalgen sowie die bei den
Ausflůssen des warmen Wassers aus verschiedenen Fabriken bei Prag, Kralup,
Kolín, Leitmeritz und Kónigerátz vom Verfasser beobachteten thermophilen Algen")
und nicht minder die in den Salzwasser-Sůmpfen und an ihrem Rande bei Aužic
náchst Kralup, bei Půllna und Saidschitz náchst Brůx und bei der DBitterwasser-
guelle (vorzůglich in dem Abzuesgraben „dieser Auelle) bei Čížkowic náchst Lo-
bositz spárlich verbreiteten salinen Algenarten.
Was nun die Standorte der Wasseralgen im Allgemeinen betrifft, so lebt
die Mehrzahl von ihnen in klarem, sissem Wasser, nur einige Wasseralgen Bohmens
kommen aber, wie schon angedeutet worden ist, auch in salzigem, eisenhaltigem
oder viel organische Substanzen enthaltendem Wasser vor. Viele von diesen Algen
findet man blos in schnell fliessendem, klarem Wasser (z. B. in Auellen, Gebirgs-
báchen und Katarakten), andere wieder in stillen, stagnierenden Gewássern; manche
leben nur im warmen, andere wieder in kaltem Wasser. Doch enthált fast jede
Lache, jeder Teich, verschiedene Wassergráben, Tiimpel, Sůmpfe, Seen, Moore,
Báche ete. ihre eigene Algenvegetation oder doch einzelne diese Localitáten cha-
rakterisirende Species.
Das Sammeln der Algen ist an keine Jahreszeit gebunden; in jeder kommen
an verschiedenen, ofters aber auch an einer und derselben Lokalitát verschiedene
Algenarten oder doch verschiedene Entwicklungsstadien einer und derselben Algen-
art vor. Eine grosse Anzahl der úberall in Bóhmen verbreiteten Algenarten kann
man zu jeden Jahreszeit beobachten, manche Algen-Species sind aber wie auch aus
dem Nachfolgenden ersichtlich wird nicht nur an die Jahreszeiten gebunden, son-
dern erscheinen manchmal ebenso unerwartet, als sie wieder verschwinden.
Einige Algenarten treten schon zeitlich im Frůhjahre auf, die meisten im
Hochsommer; viele Algenspecies vegetiren und fruktificiren noch im Herbste, einige
selbst noch im Winter. |
Wie in der freien Natur, so kann man sich auch an den im Zimmer cul-
tivirten Algen leicht úberzeugen, dass manche Algenarten, trotzdem sie durch ihre
feine Structur zur Úberwinterung wenig geeignet zu sein scheinen, dennoch selbst
die strengste Winterkálte ertragen kónnen. So hat z. B. der Verfasser die meisten,
am Rande der Salzwassersůmpfen bei Oužic náchst Kralup vorkommenden, blau-
grůnen Algen noch Mitte December 1884 nach starken Frósten unter der Schnee-
decke práchtig vegetirend angetroffen und in grosser Menge gesammelt; dacegen
fand er die meisten daselbst im Wasser lebenden chlorophyllgrůnen Algen durch
die Winterkálte gánzlich zerstórt (er fand blos ihre úberwinternden Keime am
Grunde dieser salzigen Gewisser vor). Aehnliche Wahrnehmungen hat der Ver-
») Slehe meine Abhandlung „Beitráge zur Kenntniss der bohmischen Thermalalgenflora“.
Oster. botan. Zeitschrift, 1884.
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fasser auch an vielen anderen Štandorten gemacht und elaubt, dass die an der
Luft vegetirenden Algen, insbesondere die blaugrůnen, gróssere Kálte leichter ver-
tragen kónnen, als die gegen Temperaturveránderungen meist viel empfindlicheren,
im Wasser lebenden Algen (insbesondere die chlorophyllerůnen). Zu hnlichen
Resultaten kann man auch gelangen, wenn man verschiedene im Zimmer cultivirte
chlorophyllerůne und blaugrůne Algen einigemal gánzlich einfrieren lásst; man wird
finden, dass einzelne von den eingefrorenen Algenarten, nach dem das Eis wieder
geschmolzen ist, im Eiswasser weiter vegetiren kónnen. Am wenigsten scheinen
unter den, im Wasser lebenden, Chlorophyceen durch die Kálte angeoriffen zu werden
die gemeinen Cladophoren-, Conferva-, Rhizoclonium-, Zygnema-, Mesocarpus-, Spi-
rogyra-, Vaucheria- und einige andere meist gemeine Wasseralgen-Arten.
Bei den meisten, im Wasser lebenden, selteneren Algenarten úben aber die
Temperaturdifferenzen des sie umgebenden Mediums einen bedeutenden Einfluss auf
ihr ganzes Leben (Keimen, Fructificiren etc.) aus. Nicht minder scheint aber auch
das Licht, ohne welches keine Alge zu leben vermag, auf die Entwickelung und
geographische Verbreitung der Algen Einfluss zu haben. Auch bei den im Wasser
und am Lande lebenden Algen sind einige mehr schatten-, die meisten aber sonnen-
liebend. Wie sehr das Licht auch die Erzeugung und Bewegung der Zoosporen
und andere Lebensfunctionen vieler Algenarten beeinflusst, ist wohl bekannt und
kann an diesem Orte nicht náher besprochen werden.
Wie in kůnstlichen Aguarien, so kann man auch in der Natur ofters be-
obachten, dass einzelne Algenarten kaum eine Dauer von einigen Wochen haben
und rasch fast ohne Spur wieder verschwinden, entweder in Folge chemischer, phy-
sikalischer u. a. Einflůsse oder durch das Úberhandnehmen anderen Algen-Arten.
Die an einer Lokalitát ursprůnglich vorkommenden Algen-Arten werden ofters durch
andere massenhaft auftretende gánzlich verdránet und ersetzt und es kann der
Charakter der Algenflora einer und derselben Lokalitát binnen einer einzigen Ve-
getationsperiode sich einigemal mehr oder weniger, seltener aber auch gánzlich
verándern ohne dass man die Ursache dieser Veránderungen, <ut ermitteln, resp.
das oft ganz plótzliche und massenhafte Auftreten sowie das ebenso schnelle Ver-
schwinden vieler Algen genůgend aufkláren kónnte.
Was die in diesem Werke bei jeder einzelnen Species angefihrten Stand-
orte betrifft, so sei hier noch hervorgehoben, dass diesen bei weitem nicht derselbe
Werth gebihrt, wie den Standortsangaben fůr die Gefásspflanzen eines Lokalgebietes
und zwar hauptsáchlich wegen der grossen Veránderlichkeit der Standorte der mi-
kroskopisch kleinen, insbesondere der im Wasser lebenden Algenarten.
Viele Wassergráben, Tiimpel u. a. kleine, stagnierende Gewásser, in welchen
z. B. im Frůhjahre eine schóne Algenflora sich entwickelt, findet man oft im Hoch-
sommer gánzlich oder doch theilweise ausgetrocknet und ohne die schónsten Ver-
treter der Frůhjahrsflora. Auch die willkůrlichen und absichtlichen Veránderungen,
welche an den Alcenstandorten durch die Hand des Menschen so oft durchgefůhrt
werden, haben nicht selten eine partielle oder gánzliche Ausrottung der ursprůng-
lichen, lokalen Algenflora zur Folge.
Durch natůrliche oder kiůnstliche, theilweise oder gánzliche Austrocknung
der ursprůnglichen Standorte vieler Wasseralgen werden aber nicht alle Veránde-
rungen in dem Charakter einer Localalgenflora hervorgerufen, auch die klimatischen
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und chemischen Einflůsse spielen dabei eine sehr wichtige Rolle. Indessen muss
bemerkt werden, dass auch hier noch so Manches zur Zeit ráthselhaft ist und dass
uns noch diesbezůgliche, durch das ganze Jahr fortgesetzte Beobachtungen, insbe-
sondere was die Abhángigkeit einzelner Algenarten von den klimatischen Bedin-
cungen und der Temperatur des Mediums, in dem diese leben, anbelangt, fehlen.
Bei der nun folgenden systematischen Eintheilung der Algen in Klassen,
Ordnungen, Gruppen ete. sind im Hinblick auf den náchsten Zweck dieses Pro-
dromus der in Boóhmen verbreiteten Algen nur die wichtigsten morphologischen
und entwickelunesgeschichtlichen Merkmale berůcksichtiet worden und es hat sich
der Verfasser bei der Charakteristik der Ordnungen, Familien und Gattungen nur
auf das Wesentlichste, was zum Verstándnisse der Arten-Beschreibungen unumeánolich
nothig ist, beschránken můssen. Auch die Beschreibungen der Algen-Arten sind nicht
ausfůhrlicher, als gerade zum Bestimmen der betreffenden Algen erforderlich ist.
Einen detaillirten Úberblick ber die morphologischen, physiologischen und
entwickelungsgeschichtlichen Verháltnisse der in Bóhmen vorkommenden Algen
findet der sich darum interessirende Leser z. B. in jedem grósseren Hand- und
Lehrbuch der Botanik, in der Encyklopádie der Naturwissenschaften, Breslau 1881,
in Kirchners „Algen von Schlesien“, Breslau 1878, in Oersteďs „System der Pilze,
Algen ete., Leipzig 1883, in zahllosen, in verschiedenen botanischen Werken und
Zeitschriften zerstreuten algologischen Abhandlungen.")
Die Belege fůr die in diesem Prodromus angefihrten Algenspecies und
Fundorte finden sich gróssten Theils in der Privatsammlune des Verfassers,*) zum
Theile auch in dem Herbarium des National-Museums in Prag. Eine gróssere
Anzahl der von einigen álteren Botanikern in Bóhmen gesammelten, selteneren
Algenarten wurde auch in den Exsiccaten-Sammlungen Rabenhorsts: „Die Algen
Sachsens resp. Mitteleuropas“ und „Die Algen Europas“ ausgegeben. Vom Ver-
fasser dieses Werkes sind auch einige, insbesondere die von ihm in Bóhmen ent-
deckten, als neue Species beschriebenen Algen in áhnlichen, soeben erscheinenden
Sammlungen des H. Prof. Dr. Wittrock's und Dr. O. Nordstedts „Algae aguae
dulcis exsiccatae“, Fase. 14 und folgende und des Prof. Dr. A. Kerner's „Flora
exsiccata austrohungarica“, Theil IV und folgende mitgetheilt worden.
Was nun das Sammeln und Prápariren der in Bohmen verbreiteten Algen betrifft, so
sei uns erlaubt hier blos Folgendes darůber anzufůhren.*)
1) Die meisten dieser Abhandlungen und Schriften werden im zweiten Theile dieses Pro-
dromus der Algenflora Bohmens in dem Literatur-Verzeichniss dem Titel nach citirt werden.
2) In dieser Sammlung sind alle in diesem Werke mit ! bezeichneten Alcenarten ver-
treten und zwar die selteneren von allen, die weniger seltenen von vielen in verschiedenen Ge-
genden Bohmens liegenden, in diesem Prodromus angefůhrten Localitáten.
5) Da der Verfasser im Nachfolgenden blos das Nothigste úber das Einsammeln und
Prápariren der Algen — mit Benůtzung dessen, was Dr. F. Hauck in seiner Schrift „Die Meeresalgen
Deutschlands und Ósterreichs, 1885 p. 2.u. f“ darůber geschrieben — angefůhrt hat, so erlaubt er
15
Beim Sammeln der Algen beachte man stets, dass die Algen woměglich in vollstándigen
Exemplaren, die festsitzenden also auch mit ihren Haftorganen, gesammelt werden. Sollten die
— Algen dem Substrat zu fest aufsitzen, so muss man ein Stůck desselben mit ablósen, was na-
mentlich von allen haut- und krustenartigen und jenen oilt, die schleimige Ueberzůge auf Felsen,
Mauern, Hóolzern u. a. bilden. Man bedient sich dazu des Messers, bei Steinen des Meisels oder
auch eines Hammers, wie ihn die Geologen brauchen. Findet man eine Algenart gut entwickelt
in grósserer Menge, so sammle man von der vollkommen entwickelten Form recht zahlreiche,
vollkommen entwickelte Exemplare, richte aber auch sein Augenmerk auf die halbentwickelten und
fast úberstándigen Formen, die sich háufig nicht weit von einander finden. Abgesehen davon, dass
sich wegen ungůnstiger Witterungsverháltnisse oft nicht leicht wieder die Gelegenheit bietet, die
oleiche Alge auf demselben Standorte ebenso entwickelt zu sammeln, zudem manche Algen mit-
- unter ihren Standort wechseln oder auf lángere Zeit (fůr Jahre) verschwinden: so wird man nur
bei einer grósseren Individuenzahl den Formen- und Entwicklungskreis der Art kennen lernen;
auch findet man unter vielen Individuen fast immer solche, die fruktificiren, oder andere, auf
denen selbst wieder kleinere Algen leben. Nicht selten trifft es sich auch, das bei náherer Unter-
suchung, die an Ort und Stelle nicht gut vorgenommen werden kann, unter der vermeintlichen
einen Art zwei oder mehrere verschiedene Algenarten sich befinden, da viele Algen im Habitus
einander eoleichen.
Die gesammelten Algen sollen wo měglich lebend mikroskopisch untersucht werden; da
dies aber nicht immer měoglich ist, die Algen aber sobald sie dem Wasser entnommen, bald ver-
trocknen, oder sich zersetzen, so muss man verschiedene Methoden anwenden, um sie fůr eine
spátere Untersuchung im brauchbaren Zustande aufzubewahren. In jedem Falle můssen aber die
frisch gesammelten Algen sobald als měglich práparirt werden. Man kann sie theils in Gefássen
mit Wasser nach Hause transportiren, wobei man stets die kleineren und zarteren Algen von den
grósseren und robusteren separiren soll; beguemer und in vielen Fállen besser ist es aber, die
Algen sofort an Ort und Stelle von Sand und Schlamm durch sehr vorsichtiges Ausfláthen zu
reinigen, von dem abfliessenden Wasser.zu befreien und dann erst die einzelnen Arten gesondert
in geleimtes Papier oder noch besser in Leinenlappen einzuwickeln. Diese Páckchen kann man
dann zusammen in ein feuchtes Tuch einschlagen oder in einem Kautchuksack vut transportiren.
Von allen gesammelten grósseren Algen-Arten versáume man nicht einige Exemplare
oder von allzu grossen Alcen charakteristische, namentlich fruktificirende, Stůcke derselbem in
gewóhnlichem (eventuell absolutem) Alkohol aufzubewahren, in welchen die Algen aber noch in
ganz frischem Zustande gebracht werden můssen. Solche Alkoholexemplare bilden dann zugleich
mit guten mikroskopischen Práparaten das schátzbarste Material fůr viele spátere Untersuchungen.
Will man die Algen fůr die Sammlung prápariren, so verfáhrt man auf folgende Weise:
Alle gallert- und krustenartigen Algen, die man mit einem Stůcke Unterlage abgelóst hat, trocknet
man einfach an der Luft oder, wo es angeht, zwischen Fliesspapier und bewahrt sie dann in
Scháchtelchen oder weithalsigen Fláschen, kleinere auch in Papierkapseln auf. Viele Algen kónnen
auch auf Papierblátter unter Wasser aufgelegt und dann zuerst an der Luft, spáter auch zwischen
Fliesspapier getrocknet werden.
Was das Aufziehen der Algen auf Papier im Wasser betrifít, so geschieht es in der
Art, dass man der in einem entsprechend grossen Gefásse schwimmenden Alge ein grósseres weisses,
starkes, gut geleimtes, ziemlich olattes Papier unterschiebt und sie nun auf diesem allenfalls mit
Hůlfe einer stumpfen Nadel oder eines áhnlichen Apparates so ausbreitet, dass sie zwar ihre
natůrlichen Richtungen beibehált, die Verzweigungcen aber leicht und deutlich erkannt werden
kónnen. Dann hebt man das Papier und die Alge vorsichtig aus dem Wasser, lásst dasselbe gut
abrinnen und die Alge an der Luft ein wenig trocknen; schliesslich presst man die so auf-
gezogene Alge unter leichtem Drucke zwischen Lagen von gutem, glattem Fliesspapier, welches
oft, namentlich anfangs, gewechselt werden muss. Da aber die gallertartigen schlůpfrigen, frisch
sich zugleich zu bemerken, dass der mit dem Einsammeln, Autbewahren, Prápariren etc. der Algen
weniger befreundete Leser die nothige Anleitung zum Algenstudium, Algensammeln etc. in ver-
schiedenen álteren algologischen Handbůchern, z. B. auch in F. T. Kůtzino's „Phycologia germa-
nica, 1845“ finden kann.
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aufoezogenen Algen am Fliesspapiere kleben bleiben wůrden, wenn man sie ohne Weiteres zwischen ©
dieses bráchte, so muss man solche Exemplare frůher an der Luft gut trocknen lassen und sie
erst dann zwischen feuchten Lagen von Fliesspapier pressen, wenn sie nicht mehr weich und
klebrig sind, damit das als ihre Unterlage dienende Papier, welches beim Trocknen solcher Algen
meist mehr oder weniger faltig wird, wieder olatt und gerade gemacht werde. Sehr zarte namentlich
gallertartige Algen kann man auch auf Glimmerbláttehen aufziehen, die unbedingt den schweren,
zerbrechlichen und unbeguemen Glastáfelchen vorzuziehen sind, und trocknet sie nachher ebenfalls
an der Luft; wo dies thunlich ist, kann man vorher noch von solchen, viel Wasser enthaltenden
Algen das anhángende Wasser vorsichtig mittelst eines feuchten Pinsels entfernen, damit sie
schneller trocknen und an ihre Unterlage sich fest ankleben.
Zum Pressen der auf Papier aufgezogenen Alsen genůgen zwei Breter, zwischen welchen
die Fliesspapierlagen mit den Algen gebracht werden. Will man den Druck verstárken, so kann
dies durch vorsichtiges Beschweren geschehen (allenfalls durch Auflegen von leichten Ziegeln, die
man der Reinlichkeit halber in Papier einschlávt). Auch die sogenannten Drahtmappen, deren
Eisenbestandtheile jedoch verzinnt oder gut lackirt sein sollen, erweisen sich zum Pressen der
Algen besonders auf Reisen sehr praktisch. Ks sei aber nochmals bemerkt, dass die Algen nur
schwach gepresst werden diůrfen, denn durch zu starken Druck werden dieselben ofters ganz zer-
guetscht und sind fůr spátere Untersuchungen fast unbrauchbar.
Von mikroskopischen Algen fertigt man am besten mikroskopische Dauerpráparate auf
die gewóhnliche Weise an. Als Einlegeflůssigkeit benutzt man theils reines Glycerin, theils Gelatin-
olycerin (nach Nordstedt's Vorschrift) auch Mischung von Wasser und Glycerin, welches durch
Chromalaun schwach gefárbt ist (nach Bornets Vorschrift). In der letzteren behalten die frisch
práparirten Rhodophyceen ihre natůrliche Farbe; auch die úbrigen Algen halten sich darin sehr
gut. Bei vielen namentlich niederen Algen und den Phaeophyceen empfichlt es sich auch die-
selben kurze Zeit mit einer 1%, Lósung von Ueberosmiumsáure in Wasser zu behandeln, dann
mit reinem Wasser oder Alkohol auszuwaschen, bevor sie in die Einlegeflůssigkeit, die dann nur
aus verdůnntem Glycerin zu bestehen braucht, gebracht werden.
Auch eine wásserige Auflósune von Chlorkalcium ist in manchen Fállen zum Einlegen
der Algenpráparate zu empfehlen.")
Schliesslich sei noch bemerkt, dass zum Studium der Algen ein gutes Mikroskop unum-
gánolich něthig ist, eine gute Lupe ist blos zur oberfláchlichen Untersuchung grósserer Algen
hinreichend.
) Mehr úber die Anfertigung von mikroskopischen Algen-Dauerpráparaten siehe z. B.
in Prof. Dr. O. Kirchner's „Die mikroskopische Planzenwelt des Sůsswassers“, 1885, in Poulsen's
„Botanische Mikrochemie“ 1881 und insbesondere in Prof. Dr. E. Strasburger's Werke „Das bo-
tanische Prakticum“, 1884 u. a. In dem zuerst genannten Kirchner's Werke findet auch der Anfánger,
der noch wenig Úbuno im Suchen, Cultiviren ete. der Algen hat, die něthige Belehrung darůber.
Úber das Prápariren der Algen auf Reisen siehe Flahault's „Récolte et préparation des algues
en voyage“ 1885,
Sůsswasseralcen Bóohmens.
[exl. Bacillariaceen (Diatomaceen)|.
Úbersicht der Klassen,
I. Klasse. Rhodophyceae.
Algen, die in dem Plasma ihrer Zellen einen dem Chlorophyll beigemengten und
dasselbe úberdeckenden rothen oder violletten Farbstoff (Rhodophyll, Phycočrythrin, Phy-
cochrom) enthalten.
II. Klasse. Phaeophyceae.
Algen, die in dem Plasma ihrer Zellen einen dem Chlorophyll beigemengten und
dieses úberdeckenden braunen Farbstoff (Phaeophyll, Phycophaein, pk zon enthalten.
III. Klasse. Chlorophyceae.
Algen, die in dem Plasma ihrer Zellen reines Chlorophyll enthalten,
IV. Klasse. Cyanophyceae.
Algen, die in dem Plasma ihrer Zellen einen dem Chlorophyll beigemengten und
dieses úberdeckenden blaugrůnen Farbstoff (Kyanophyll, Phycochrom, Phycocyan) enthalten,
I. Klasse. Rhodophyceae.
Rosen- oder purpurrothe, violette, stahlblaue, braune oder schwárzlich violette,
seltener fast spangrůne, einen rothen oder violetten Farbstoff (Rhodophyll, Phycočrythrin,
Phycochrom) enthaltende Algen.
I. Ordnung. Florideae.
Der Thallus der Sůsswasser-Florideen ist vielzellig, meist von complicirtem Bau,
entweder haut- oder krustenartig und dem Substrate mit seiner Unterseite ganz ange-
wachsen (Hildenbrandtia) oder fadenfórmig; die Thallusfáden sind einfach oder verzweigt,
knorpelig und fast borstenfórmig, aufrecht wachsend und blos an der Basis dem Substrat
mittelst eines scheibenformigen Rhizoides anhaftend (Lemanea) oder mehr weniger gallert-
artig und schleimig (Batrachospermum) oder seidenartig weich, seltener auch von Kohlen-
saurem Kalke incrustirt (Chantransia) von rosen- bis purpurrother, rothbrauner, blau- bis
schwárzlichgrůner, bráunlicher oder violetter (nie aber rein chlorophyll-grůner) Farbe.
Im protoplasmatischen Zellinhalte dieser Algen sind besonders ausgeformte, meist
- roth oder violett gefárbte Farbstofftráger (Erythrophoren) enthalten, deren rother Farb-
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stoff *) aus todten Pflanzen durch kaltes Wasser ausgezogen werden kann, wáhrend das
in diesen enthaltene Chlorophyll im Wasser unlóslich ist (im Alkohol, Aether, Benzol
u. a. dagegen lóslich).
Die Fortpflanzungsorgane der Sůsswasser-Florideen sind: 1. die Antheridien und
Cystocarpien als die Organe der geschlechtlichen, 2. die Tetrasporangien als Organe der
ungeschlechtlichen Fortpflanzung.
Die Antheridien entwickeln sich háufig áusserlich am Thallus und sind sehr kleine,
kugelige oder lángliche, farbloses Plasma enthaltende Zellen, welche meist zu Gruppen
oder Schichten 'vereinigt sind. Bei der Reife entleeren sie ihren Inhalt als einen be-
wegungslosen, runden oder lánglichen Samenkorper, das Spermatozoid oder Spermatium.
Die Cystocarpien und Tetrasporangien sind entweder in besonderen Hóhlungen (Concepta-
keln) oder Beháltern eingesenkt oder sie entstehen áusserlich an dem Algenkůrper.
Die Cystocarpien, welche das Produkt eines Geschlechtsaktes sind, entwickeln sich
aus einer oder mehreren Zellen, welche das weibliche Organ vor der Befruchtung bilden
und Procarpien genannt werden. An diesen Procarpien sind zu unterscheiden: 1. der
Empfángnissapparat oder das Trichophor und 2. der Fruchtbildungsapparat oder das Car-
pogon. Den wesentlichsten Theil des ersteren Apparates stellt die fadenfórmig verlángerte
Trichogyne dar, mit der die Spermatien, welche durch das Wasser passiv zu den weiblichen
Geschlechtsorganen getragen werden, verwachsen, um nach der Befruchtung der Tricho-
gyne die Weiterentwicklune des Carpogons zu veranlassen. Unmittelbar nach der Befruchtung
entwickeln sich aus den Carpogon-Zellen (allen oder nur einigen) geschlechtlich gebildete
Fortpflanzungszellen, sog. Carposporen, ofters wachsen aber die carpogenen Zellen in
zahlreiche Zellfáden aus, deren Gesammtheit den Kern (Nucleus) des Cystocarps bildet;
erst nachher verwandeln sich alle, oder nur die áussersten Zellen des Kernes in Carpo-
sporen. Der Kern ist entweder nackt oder von einer besonderen Hůlle, dem Pericarp,
umgeben. Das Pericarp wird háufig aus dem Theile der áusseren Schichte des Thallus
gebildet, welcher die junge Frucht bedeckt und mit dieser zugleich sich entwickelt, oder
es bildet sich aus Adventivzweigen seltener auch aus Fáden, welche aus den Zellen des
Procarps hervorwachsen. © Die Carposporen der Sůsswasser-Florideen sind gewóhnlich
rundlich oder verkehrt eifórmig, ihr Plasma ist wie bei den Tetrasporen immer inten-
sivgefárbt.
Die Tetrasporangien sind meist von kugeliger ovaler oder cylindrischer Gestalt
und entstehen aus gewóhnlichen vegetativen Zellen, indem dieselben anschwellen und ihr
Plasma sich intensiver fárbt und spáter in vier (selten in mehr oder weniger) nackte,
unbewegliche Tetrasporen zerfállt.
Je nachdem Antheridien und Cystocarpien auf einem Individuum vereinigt oder
getrennt auf verschiedenen vorkommen, unterscheidet man moněcische oder diócische
Florideen; einige Species sind moněcisch und diócisch zugleich. Die Tetrasporangien
kommen in der Regel nicht auf derselben Pflanze vor, auf welcher Antheridien und Cy-
stocarpilen sich ausgebildet haben, sondern auf anderen Individuen; Ausnahmen davon
sind selten.
In unserem Gebiete kommen nur vier*“) Florideen-Gattungen vor, welche durch
ihre Fárbung, Gestalt und Fortpflanzung sich leicht von allen anderen Algen und auch
») Der rothbraune Farbstoff der meisten (marinen) Florideen, das Rhodophyll Cohn,
besteht aus dem Chlorophyll und dem Phycoerythrin Cohn, welches weder dem Phycoerythrin
Kůtzine == Rhodophyll Cohn, noch dem Phycoerythrin Nás. — der purpurnen Modification des
Phycochroms, synonym ist. Nach Cohn (Beitráge zur Physiologie der Phycochromaceen und Flo-
rideen, Archiv fůr mikros. Anat. 1867 pas. 57) enthalten folgende Sůsswasser-Florideen: Batra-
chospermum, Chantransia, Lemanea und Bangia, statt dem Rhodophyll das Phycochrom, wie nicht
nur die violetten und spangrůnen Farbentone dieser Algen, sondern auch die Extraction des
blauen Farbstoffes (des Phycocyans Cohn) durch Wasser. beim Auftrocknen dieser Algen auf
Papier beweist.
2) Hóchst wahrscheinlich werden in Bohmen noch einige Formen von PBangia Lyngb.,
pš fůnften Florideen-Gattung, welche auch im sůssen Wasser ihre Reprásentanten hat, ent-
deckt werden.
| .
Lermanea. ' 19
von einander unterscheiden. Alle sind Wasserpflanzen, die meist in der Bergregion ver-
: breitet sind (nur einige Chantransia- und Batrachospermum-Formen kommen áuch in der
Ebene vor).
L
| berslcht der Familien der. Floridéen,
| L. Familie. Lemaneaceae.
Der Thallus besteht aus einfachen oder wenig verzweigten robusten, borstenartigen,
steifen, im Inneru hohlen, meist in bestimmten Abstánden knotig verdickten Fáden von bráunlicher,
| braunschwarzer, dunkel olivenerůner, seltener von dunkel bláulichoerůner oder schwárzlich vio-
letter Farbe.
II. Familie. Batrachospermaceae.
Der Thallus besteht entweder aus wirtelig verzweigten, berindeten, sehr schlůpferigen,
ziemlich robusten, rosenkranzfórmigen weichen Fáden (Batrachospermum) oder aus unberindeten,
nicht wirtelig verzweigten, meist sehr feinen, kleine Bůschel darstellenden Gliederfáden ohne
Schleimhůlle (Chantransia) ; Váden violett, purpurroth, bráunlich bis schwárzlich, stahlbraun oder
blaugrůn gefárbt.
III. Familie. Hildenbrandtiaceae.
Der Thallus bildet haut- oder krustenartige, flach ausgebreitete, an die Unterlage mit
der ganzen Unterfláche festgewachsene Úberzůge von rosen- oder purpurrother Farbe.
I. Fam. Lemaneaceae.
Der Thallus dieser Sůsswasseralgen besteht aus zwei habituell sehr verschiedenen
Formen: 1. aus einer vorkeimartigen dem Protonema der Laubmoose analogen Prothal-
lium-Form; *) 2. aus einfachen oder mehr weniger verzweigten, borstigen, im Innern
hohlen, fruktificirenden Fáden, die in der Regel in kurzen Abstánden gelenkartig ange-
schwollen und an diesen Gelenken mit einem Kranz von Papillen umgůrtet sind.
Als Fortpflanzungsorgane dienen blos Procarpien und Antheridien (Tetraspor-
angien fehlen). Die Procarpien entstehen im Innern, die Spermatien erzeugenden Zellen
dagegen auf der Oberfláche des Thallus. Nach der Befruchtung entwickelt sich aus der
Carpogonzelle der sehr lockere Nucleus, welcher in den freien Raum zwischen der Rinde
und den axilen Zellstrang hineinrast.
Aus den kettenfórmig gereihten, in Bůscheln beisammen stehenden Carposporen
entstehen bei der Keimung Chantransia- hnliche Prothallien, an welchen sich einzeln
oder zu mehreren seitliche heteromorphe fructificirende Aeste von complicirtem Bau
entwickeln.
Diese heteromorphen Aeste entwickeln an ihrer Basis Wurzelhaare und werden
spáter selbststándig, wenn der kurzlebige Vorkeim abstirbt. Es erzeugt also jede Ge-
schlechtspflanze sofort wieder Geschlechtspflanzen. Tetrasporen und andere ungeschlecht-
liche Fortpflianzuneszellen fehlen den Lemaneaceen vollstándig und damit auch die Móg-
lichkeit eines Generationswechsels.?)
1. Gattung. Lemanea. Bory.
Der Thallus besteht aus robusten, steifen, borstigen, einfachen oder verzweigten,
in bestimmten Abstánden in der Regel gelenkartig verdickten Fáden, die zu grůsseren,
bráunlichen, dunkel olivengrůnen bis schwarzvioletten, meist bůscheligen Rasen vereinigt
sind. Die einzelnen borstenfórmigen, fructificirenden Fáden sitzen auf einem, dem blossen
Auge kaum sichtbaren, aus feinen Fáden zusammengesetzten Gewebe (Prothallium), welches
mit Haarwurzeln an der Unterlage befestigt ist und aus dem die Tráger der Geschlechts-
organe sich entwickeln.
1) Diese Form, von Širodot „thalle“ genannt, soll mit einigen Chantransia-Arten (Ch.
violacea Ktz. und Ch. amethystea Ktz.) identisch sein; verel. Sirodot's „Observations sur le dé-
vellopement des algues deau douce“ 1875, p. 16.
2) Mehr úber die Entwicklung, Anatomie ete. der Lemaneaceen in Sirodot's „Etude sur
la famille des Lemaneacées“, Annal. des scien. natur. XVI, 1872 Tab. 1—$.
2%
20 LDemanea.
Die einfachen oder verzweigten' fruchtbaren Fáden bestehen aus einem soliden ©
cylindrischen Gewebekórper, in welchem spáter die áusseren Zelischichten durch radiale
Streckune der darunter gelegenen Zellen von der centralen Zellreihe abgehoben werden,
so dass die letztere schliesslich zum gróssten Theile frei als axiler Zellfaden den gallert-
erfůllten Hohlraum durchláuft und jede ihrer langgestreckten Zellen nur durch einen
Wirtel von radial verliángerten Zellen mit den abgehobenen Rindenschichten im Zusam-
menhange steht. Die Rinde der Fáden besteht aus einem mehrschichtigen Mantel von
Zellen, deren áusserste dicht zusammenschliessen.
Die Procarpien entstehen meist aus den innersten Zellen der Rindenschicht,
zwischen deren Zellen, die sich entwickelnden, keulenfórmigen Trichogynen sich ihren
Wes nach aussen bahnen; zur Zeit der Geschlechtsreife ragen diese Trichogynen aus
dem žusseren Rindengewebe heraus ins Wasser.
Die Spermatien bilden sich in sehr grosser Anzahl an der Aussenseite der Fáden,
und zwar an den Anschwellungen derselben, wo sie je eines in einer Spermatien-Mutter-
zelle entstehen. Diese Mutterzellen úberziehen die Oberfláche der sgelenkfórmigen An-
schwellungen, bald zu isolirten rundlichen Gruppen vereinigt, bald jn Form einer ge-
schlossenen ringfórmigen Zone.
Die Befruchtung kommt dadurch zu Stande, dass die Samenkorperchen, vom
Wasser pássiv fortbewest, sich an die Trichogyne anlegen, mit ihr copuliren und ihren
Inhalt an dieselbe abgeben. Nach erfoloter Befruchtung der Trichogyne entwickelt sich
auf den nach der inneren Hóhlune des Fadens gerichteten Sprossungen des Carpogons
die Čarposporen.
Aus. den keimenden Carposporen geht zuerst die vorkeimartige Thallusform
hervor, welche mit der Ausbildung von heteromorphen fructificirenden Aesten ihren Ab-
schluss findet. |
1. Sect. Bulemanea (Sirod.) nob. Fructificirende Fáden gebogen, regelmássig
knotenfórmig verdickt, so dass die Fáden trocken fast wellig gekerbt erscheinen, meist
einfach oder nur wenig verzweist. Der axile Zellstrang noch von anderen spiralig um
ihn herumgewickelten Zellfáden umsgeben. Das Prothallium ist reichlich verzweigt, aus-
dauernd,
1. L. annulata (Ktz.) Sirod. Tab. phycol. VII. T. 84. Fructificirende Fáden einfach,
sehr selten verzweigt, schwarzviolett bis schwarzbraun gefárbt (auch trocken), einzeln
oder zu 2—4, seltener in grósserer Anzahl geháuft, 8 bis 15 cm lang, meist 2 mm dick,
zwischen den gelenkartigen Anschwellungen fast kegelfórmig eingeschnůrt. Antheridien in
der Mitte der Anschwellungen ein vollstándiges ziemlich, breites Band bildend.
In schnell fliessenden Báchen, unter Katarakten u. a. Prothallium (11—3), Be-
fruchtung (1—3), Reife (5—6).*) Fructif. Fáden auch noch im August!
Bisher nur bei Tabor unter dem Wasserfall „Pod skálou“ bei der stádt. Wasser-
leitung spárlich !*)
2. L. torulosa (Roth) Sirod. (Conferva torulosa Roth ex p.) Sirod. Leman. Tab. 1.
Fructificirende Fáden dicht rasig, gebogen, meist einfach, seltener auch verzweigt, rigid,
etwa 5 bis 8 em lang und 2 mm dick, olivenbraun, braungrůn bis dunkelbraun (auch
trocken), durch wenig erhabene Knoten leicht wellig. Knotenfórmige Anschwellungen bloss
an den Enden der Fáden deutlicher, ziemlich genáhert, nicht aus Papillen gebildet, sondern
in einer gleichmássigen Verdickung bestehend, in deren Mitte die Antheridien ein un-
regelmássiges, ofters unterbrochenes, schmales Band bilden. Prothallium etwa 3 mm im
Durchmesser, bůschelig verzweigt.
An úhnlichen Stellen wie die vor. Prothallium (1—3), Befruchtung (3—4),
Reite (5—6).
So bei Reichenberg von Menzel, Langer, als L. fuviatilis Ag. Mus!*) gesammelt.
*) Die oben ancefůhrten Zahlen (1—12) bedeuten die Monate.
*) ! bedeutet, dass der Autor dieses Prodromus die Algen an dem mit ! bezeichneten
Standorte beobachtet und meist auch in grósserer Menge gesammelt hat.
S) Vergl. Anmerkung 1) auf der náchsten Seite.
Lemanea. 21
i 2. Sect. Sacheria Sirod. Fructificirende Fáden gerade oder mehr weniger ge-
| - bogen, cylindrisch meist borstenfórmig, mit weniger deutlich ausgebildeten, knotenformigen
Anschwellungen, in der Regel
verzweigt, seltener einfach. Der
axile Zellstrang in den Fáden
besteht nur aus einer einzigen
Reihe von Zellen. Das Prothal-
ltlum ist wenig verzweigt, bald
absterbend.
9. L. fuviatilis (L.) Ac.
(Sacheria fuviatilis Sirod.) Le-
man. P- 13" Tab. phycol. VII.
T. 82. Fructificirende Fáden
einfach oder wenig verzweigt,
zlemlich dicht geháuft, schwarz-
braun oder schwarzviolett (auch
: trocken), gerade borstenfórmig, ©
Fig. 1. Lemanea torulosa (Roth.) (6 bis 16 em lang, seltener bei Fig. 2. Lemanea finviatilis
Sirod. Zwei fructificirende Fáden sy; hs E (L.) Ag. Theil von einem
mit kleinem Prothallium an ihrer. VOS Aussewachsenén xem- T zposdurchschnitte durch
Basis. (Natůr. Grósse.) plaren auch noch lánger, unten © einen fructificirend. Faden.
in ein viel důnneres, kaum 191% © Von der Basalzelle des Tri-
dickes, Stielchen auslaufend, mit mehr oder weniger deutlich Chosyns dicht an der Rinde
entspringt ein Bůschel Spo-
| ausgeprágten, von einander ziemlich entfernten, knotenformigen von tragender Fáden. (Ver-
Anschwellungen, welche in der Regel von drei regelmássig im gróssert 200mal.)
Guirl stehenden, von Antheridien besetzten Papillen gebildet
werden. Prothalliium etwa 2 mm im Durchmesser, wenig verzweist.
D) tenuior Rbh. Fáden haarfórmig, etwa 1 mm dick, und bis 5 cm lang, mit
wenig deutlichen Papillen und Stielchen.
In schnell fliessenden Báchen und Flůssen, in Můhlgráben, unter Schleussen,
in Katarakten u. a. auf Steinen, Hólzern u. a. festsitzend. © Nur im Vor- und Hoch-
gebirge. Prothallium (11-—12); Befruchtung (1—3); Reife (5—1); fructiť. Fáden oft
auch noch bis Ende October!
So in einem Bache am Wege von Herrnskretschen gegen Prebischthor !; im Riesen-
gebirge: im Aupafall (Corda Mus!),*) in einem Běchlein bei den Krausebauden, auch b!,
in der Spindelmůhle mehrfach, insbesondere in dem Můhlgraben der sog. alten Spindel-
můhle massenhaft und in prachvollen Exemplaren, auch in Báchen unter dem Pantsche-
fall, meist mit Chantransia violacea Ktz. und oft mit Sphaeria Lemaneae Cohn besetzt! Im
Bache Žernovník bei Eisenbrod spárlich, in der Desse besonders in den Dessewasserfállen
bei Tannwald mehrfach in grósserer Menge! Bei Karlsbad in einem Můhlbache (Dědeček
Mus.!) — Sůdbohmen : Im Bóhmerwalde in Bůchen am Wege von Eisenstein gegen den
Arber mit Chantransia Hermanni! bei Hohenfurth mehrfach (insbesondere im sog. Ham-
merleiterbach), in Báchen bei Rosenberg und Krummau spárlich!
4. L. sudetica. Ktz. Tab. phycol. VII. T. 87. Rbh. Alg. exs. Nr. 40! Fructi-
ficirende Fáden dicht rasig, 2 bis 9 cm lang, etwa 1 mm dick, mehr oder weniger gebogen,
an der Basis dunkelbraun gefárbt und ziemlich fest, am oberen Ende olivengrůn (auch
trocken) und weicher. Knotenfórmige Anschwellungen wenig erhaben, ziemlich von einander
entfernt. Antheridien tragende Papillen an den Fádén unregelmássig vertheilt.
Wie die vorige, an Steinen u. a. (6—8).
Im Riesengebirge bisher nur auf der schlesischen Seite auf Steinen in der Kochel
1) Corda Mus. ! bedeutet, dass der Autor dieses Prodromus die von Corda an der oben
angefůhrten Lokalitát gesammelte, im Herbarium des Nat. Museums in Prag aufbewahrte, Alge
Povidirí hat.
29 Batrachospermum.
und im Kochelfalle (Kirch. Alg. p. 44.) auch im máhrischen Gesenke in der wilden Tess
bei Reitenhau (Kalmus als L. torulosa Mus.!)*)
II. Fam. Batrachospermaceae.
"fo
Der Thallus der Batrachospermeen ist fadenfórmig, gegliedert. Die Fáden sind.
mehr oder weniger verzweigt, entweder blos aus einer Zellreihe bestehend und unberindet ©
oder von einer oder mehreren Zellschichten rindenartig bekleidet, mit unbegrenztem
Spitzenwachsthum.
Wie bei den Lemaneaceen so besteht auch bei den Batrachospermaceen der
Thallus 1) aus einem Vorkeime und 2) aus der vollkommen entwickelten, geschlechtlich
sich vermehrenden Form.
Die vorkeimartige Thallusform soll nach Sirodot identisch sein mit den in der
Gattung Chantransia angefůhrten Formen; dice geschlechtlich sich fortpflanzende Ent-
wickelungsform ist mit den in der Gattung Batrachospermum beschriebenen © Arten
identisch. © Cystocarpien und Tetrasporangien entstehen meist an der Spitze von Zweigen,
áusserlich; ebenso die Spermatozoiden.
Die Carposporen tragenden Zweigchen sind zu kugeligen dichten Bůscheln ver-
einigt. Aus den keimenden Carposporen der geschlechtlichen (Batrachospermum) Form
entsteht zunáchst die vorkeimartige (Chantransia) Form, welche sich durch die in den
Sporuliden gebildeten Sporulen vermehrend, eine unbegrenzte Zeit lang erhalten kann.*)
2. Gatt. Batrachospermum Roth.
Thallus aus gallertig schlůpferigen, rosenkranzfórmigen oder haarartigen weichen
Fáden bestehend, welehe im Wasser zu ziemlich langen Bůscheln oder Rasen vereinigt sind.
An den aus einer einfachen Reihe úbereinander gestellter, farbloser, cylindischer
Zellen bestehenden Hauptachsen und Aesten stehen in regelmássicen Entfernungen GAuirle
von einfachen oder gabelig getheilten Zweigen (Zellreihen), die bald mehr, bald weniger
dichte Bůschel darstellen, welche dem blossen Auge als dunkle Knětchen erscheinen.
Diese (Guirle entstehen an den Zellenden der Hauptachse und der Aestchen
dadurch, dass sich durch Sprossung 5 bis 6 strahlig geordnete Fortsátze bilden, welche
sich von der Mutterzelle abschliessen und durch neue Zellbildungen zu wiederholt dichotom
getheilten Zweigen auswachsen. Von der Basis dieser Fortsátze (an den Basilarzellen
der Aestchen) entspringen auch anders gestaltete (accessorische) Zweige, die senkrecht
abwárts, gewóhnlich bis zum náchsten Auirle wachsend, sích an das Internodium der
Hauptachse anlegen und dadurch an dieser eine Berindung von verschiedener Dicke bilden.
Von den accessorischen Zweigen gehen oft wagerecht abstehende Verzweigungen, sog. In-
terstitialzweige aus, welche den guirlstándigen gleich gestaltet sind; je zahlreicher diese
Zweige vorhanden sind, desto důnner und undeutlicher werden die Auirle; fehlen die
Interstitialzweige, so sind die Auirle deutlich und kráftig entwickelt.
Organe der geschlechtlichen Fortpflanzung sind: 1) Carpogonien und 2) Antheridien.
v) Einige von den in Bohmen bisher noch nicht beobachteten, Sirodot'schen Sacheria-
Arten werden daselbst wahrscheinlich noch entdeckt werden; dasselbe gilt auch von den in Si-
rodot's Abhandlung „Etude sur la famille des Lemanéacées“ beschriebenen und zum Theile auch
abgebildeten Lemanea- (Eulemanea) Arten.
2) Mehr úber die Anatomie, Entwickelung etc. der Batrachospermaccen siehe in Sirodot's
Abhandluns „Observat. sur le dével. des algues compos. le genre Batrachospermum“, Bul. de la
Soc. Bot. de France T. 22. 1875 und „Les Batrachospermes, organisation, fonctions, développement,
classification“, 1884. Leider ist mir dieses leztere Werk blos aus den Recensionen in der Botan.
Zeitung 1885 und in dem Journal of the royal micros. soc. 1885 bekannt geworden. Sirodot unter-
scheidet neben der ungeschlechtlichen Chantransia-Form und der geschlechtlichen Batrachospermum-
Form noch eine primordiale Form, welche er Prothallium nennt. Dieses Prothallium der Batracho-
Spermeen, welches frůher von anderen Algologen nicht berůcksichtigt wurde, bildet důnnháutige
Uberzůge auf Steinen etc. und kann sich auch durch Sporulen vermehren. Ob diese primordiale
Horm von Batrachospermum mit den Chantransien zu vereinigen sei, wie der Ref. in der Botan.
Zeitung meint, oder ob sie neben den Chántransia-Formen als eine besondere Form-Gattung in
dem jetzt úblichen Algensysteme anzufůhren sei, ist noch eine offene Frage.
Batraohospermum. 23
+
Jene sind mit verschieden geformten Trichogynen versehen und erscheinen meist in den
Zweigwirteln; diese entwickeln sich mitunter auch auf anderen Individuen und stehen an
der Spitze der Auirlverzweigungen.
Die Carposporen tragenden Zweigchen stehen dicht gedrinst in kugelie ge-
— formten Bůscheln.
b Aus den Carposporen entsteht bei der Keimung zunáchst ein Prothallium, welches
in Gestalt manchen Chantransia-Arten gleichkommt *) und die Fihigkeit besitzt lángere
oder kůrzere Zeit hindurch sich selbstándig wie diese durch ungeschlechtlich erzeuste
Sporen fortzupflanzen. Einzelne Aeste dieser Chantransia-artigen Thallusformen entwickeln
© sich unter gewissen Umstůnden frůher oder spáter in abweichender Weise, das heisst, es
-© entstehen an ihnen wirtelstándige Verzweigungen, die axile zuerst unberindete Zellreihe
wird berindet, und nachdem auch Antheridien und Cystocarpien sich an ihnen entwickelt
haben, stellen sie diejenige Thallusform dar, auf welche frůher allein der Name Batra-
chospermum boschránkt war.*)
„ 5. B. moniliforme (L.) Roth. Bildet 2 cm bis fast 2 dm lange, mehr oder minder
schlůpferige festsitzende Bůschel, von violetter, bráunlicher, schwárzlicher, purpurrother,
selten blaugrůner Farbe mit deutlichen, fůr das
blosse Auge als Knůtchen erscheinenden Zweig-
wirteln, ohne oder mit sehr spárlichen Intersti-
tialzweigen an den accessorischen Zweigen.
Fáden in der Ausbildung der Schleim-
hůlle, Lánge der Internodien, Stárke und Be-
rindung der Hauptachse, der Verzweigungen,
Lánge und Dicke der Zellen, Entwickelung der
accessorischen Zweige und Zahl der Zweigwirtel
sehr variirend.
a) genutnum Krch. Tab. phycol. III
T. 22. Internodien berindet, ohne Interstitial-
zweige. Zweigwirtel voll, deutlich von einander 26
getrennt, Farbe bráunlich, schwárzlich oder dun-
kelspangrůnlich. Fig. 3. Batrachospermum moniliforme Roth.
b) pulchervímum Bory. Internodien © Theil eines jungen verástelten Seitenzweiges,
ies : i : welcher auf der linken Seite einen jungen
dieser etwa 4 bis 9 cm. langen, violetten oder Přuchtkářper 1FNacN Stale 0 3005
purpurfarbigen, .wenig verschleimten Form sind mal veror.
fast unberindet und so lang, dass die kugeligen
vollen Zweigwirtel an den Hauptásten ziemlich weit von einander abstehen. Interstitial-
zweige sind nicht vorhanden.
c) confusum (Hass.) Rbh. (B. confusum Hass, B. giganteum Ktz. Tab. phycol. III.
T. 23.) Internodien dieser bis 1 dm langen, meist schón violetten, seltener ausgebleichten,
1) Nach Sirodot sind die meisten in diesem Prodromus angefiihrten Chantransia-Arten als
niedere Entwickelungsstufen von Batrachospermum zu betrachten. Wenn wir nun auch nicht den
geringsten Zweifel hegen, dass ein genetischer Zusamenhang (ein vegetativer Sprosswechsel) zwischen
den ungeschlechtlich sich fortpflanzenden Chantransia-Arten und den Geschlechtsorcane tragenden
Batrachospermum- (zum Theile auch Lemanea-) Arten, wie es Sirodot annimt, wirklich existirt, so
scheint es uns doch nicht nothig zu sein, in diesem Werke, in welchem wir die aus Bóhmen bisher
bekannten Algenformen bloss auf analytischem Wege zu beschreiben suchen, unsere Chantransia-
Arten, die sich in der freien Natur durch viele Generationen selbstándig zu erhalten und vegetativ
durch ungeschlechtlich erzeuste Sporen (Sporuliden) fortzupflanzen vermógen und wie die Arten
vieler anderer Algengattungen — von welchen auch durch directe Beobachtungen nachgewiesen
wurde, dass sie blos gewisse Entwickelungszustánde anderer Algen sind — in Freiem sich lange Zeit
(auch viele Jahre hindurch) constant erhalten kónnen, einzuziehen, resp. den einzelnen Batracho-
spermum-Arten zu subordiniren.
*) Die Entwickelung der Batrachospermum-Form aus dem chantransiaartigen Vorkeime
ist am leichtesten bei einjáhrigen, schwieriger bei mehrjáhrigen Arten zu verfolgen. Wenn die
chantransiaartige Thallusform sehr klein und leicht zu úbersehen ist, oder das Batrachospermum
nur auf alten Axen derselben erscheint, nachdem der gesammte obere Theil ihrer Verzweigungen
abgefallen ist, wird es ofters schwierie den genetischen Zusammenhang der beiden Entwickelungs-
formen nachzuweisen,
24 Batrachospermum — Chanbtransia.
dichte Rasen bildenden Form sind verkůrzt, stark, berindet, robust, mit dicker Schleim-
hůlle. Zweigwirtel sehr dicht, nahe an einander stehend, fast sich berůhrend. Interstitial-
zweige vorhanden.
d) atrum (Dillw.) Rbh. (Conferva atra Dillw., B. detersum Ktz. Tab. phycol. III.
T. 22.) Internodien dieser dunkel-violetten, im getrockneten Zustande braunschwarzen,
etwa 5 cm langen, haardůnnen, fast nackten Varietát sind sehr lang berindet, mit sehr
kurzen (1 bis 2zelligen) Interstitialzweigen besetzt. Zweigwirtel sehr wenig entwickelt
und von einander entfernt.
In Báchen, Torfgráben, Auellen, Můhlgráben, Teichen u. a. in Bóhmen ziemlich
verbreitet, meist in der montanen Region (7— O:
a) Bei Prag mehrfach, auch in den Schanzgráben hinter dem gew. Kornthore
(Čelakovský jun. u. a); bei Stiřín (Sýkora nach Opiz). In einem Brunnen bei Skvrnian
und in der Auelle vor dem Weissen Berg náchst Pilsen (Hora, Flora von Pilsen p. 12);
bei Wittingau, in einem Bache in der Náhe des Opatovicer Teiches! in dem Můhlteiche
bei Neu-Straschitz, in einem Můhlbache bei Weisswasser, im Heideteich bei Hirschbercg!
in einigen Báchen bei Hohenfurth und bei Rosenberg am Fusse des Bóhmerwaldes mehrfach !
b) bei Bóhm. Kamnitz (Hrabal Mus. als B. durum Ag.!); bei Leitomyschl (Kall-
můnzer Mus. als B. moniliforme).
c) bei Chvojno (Čeněk Mus. als B. moniliforme Ag.!), Reichenberg (Siegmund
Mus. als B. moniliforme Roth!); bei Herrnskretschen gegen Prebischthor in einem Ge-
birgsbache mit Lemanea fluviatilis und Chantransia Hermanni massenhaft!; im Riesen-
gebirse bei der Spindelmůhle, unter dem Pantschefall u. a. in geringer Menge und in
nicht allzusehr kráftigen Exemplaren (1883)!
d) in einer Můhlschleusse bei Weisswasser bloss in starkstromendem Wasser, in
langsamer flicssendem Wasser daselbst fand ich dagegen meist nur die typische Form (a).
6. B. vagum (Roth) Ag. Bildet 2 bis 12 cm lange meist schón spangrůne,
dichotom verzweigte mehr oder minder schlůpferige Bůschel mit reichlich und zahlreich
entwickelten Interstitialzweigen und weniger deutlichen Zweigwirteln.
a) genutnum (Roth) Bory. Tab. phycol. HI. T. 25. Wittr. et Nordst. Alg. exs.
Nr. 102! Hauptfáden dieser ziemlich kráftigen und schleimigen schón blaugrůnen oder gelb-
bráunlichen Form tragen dicht gedránste Zweigwirtel und zahlreiche, meist dichotom ge-
theilte Interstitialzweige.
b) keratophytum (Bory) Sir. (B. vagum «) Suevorum Rbh. B. Suevorum Ktz.
B. vagum (Roth) Ag. P) keratophytum (Bory) Sir. Wittr. et Nordst. Alg. exs. 103! Tab.
phycol. III. T. 25.) Hauptfáden dieser minder kráftigen und weniger schleimigen, schón
spangrůnen Form sind an der Basis schwárzlichgrůn und tragen deutlich von einander
getrennte Zweigwirtel und einfache, ziemlich kurze Interstitialzweige.
Bloss in torfigen Gewássern, in Torfgráben, Seen und deren Abflůssen, an im
Wasser untercetauchten Steinen, Hólzern u. a. festsitzend (6—10).
Bisher nur im Bohmerwalde von mir beobachtet, daselbst aber ziemlich háufig;
so im Ausflusse des Schwarzen- und des Teufels-Sees recht zahlreich ! im grossen Arber-
See sehr úppig und in úberaus grosser Menge! !)
8. Gatt. Chantransia Fr.*)
Der Thallus aus stahlblauen, róthlich-bráunlichen zu kleinen Bůscheln geháuften
unberindeten Gliederfiden bestehend. Die weder Wirtel noch Berindune bildenden Fáden
sind aus einer einfachen oder mehr weniger verzweigten Hauptachse und dieser oleichge-
stalteten Aesten zusammencesetzt, deren Endzellen háufie in ein farbloses, abfallendes
Haar ausgehen.
1) "Sirodot hat die hier angefůhrten zwei formreichen Batrachospermum-Arten nach der
verschiedenen Form der Trichocyne in vier Sectionen und in 17 neue Arten vertheilt; siehe
seine „Observations sur le développement des algues ďeau douce composant le genre Batracho-
spermum“ D46:
i 7) Dieim Meere lebenden Chantransia-Arten hat F. Hauck zu den Wrangeliaceen zugetheilt;
stehe dessen Werk „Die Meeresalgen“ in Rabenhorsts Kryptogamenflora, 2. Auflage 1885 pas. 39.
Chantransia. 25
Ungeschlechtliche Vermehrung durch in Sporuliden gebildete Sporulen und durch
Tetrasporen.
7. (Ch. chalybea Fries.') Tab. phycol. V. T. 41.
Rasen bis 10 mm lang, stahlblau, im Alter bráunlich, seltener
nur 6 bis 8 m im Durchmesser, dunkel stahlblau an Moosen
festsitzend (var. B) muscicola Ktz. Tab. phycol. V. T. 41),
Fáden gerade, mit aufrechten meist straff angedrůckten Aestchen,
zu bůscheligen Rasen geháuft, ofters auch concentrisch zu halb-
kugeligen Ráschen vereinigt und zeichlicher verzweigt, (var. y)
radians Ktz. Tab. phycol. V. T. 41.) Vegetative Zellen 6 bis
12 u*) dick, 3 bis 6mal so lang als dick. Sporen-Háufchen
auf den kurzen Seitenástchen.
var. e) thermalis nob.*) Lager halbkugelig, fast erb-
sengross von schwárzlich olivengrůner Farbe, meist seidenartig-
olinzend (auch trocken); Chromatophoren olivengrůn (nicht
violett) gefárbt; in Abflůssen von warmen Guellen, an inun-
dirten Steinen, Hólzern etc. lebend.
var. d) Leibletníi (Ktz.) Rbh. (Ch. Leibleinii Ktz.
Tab. phycol. V. T. 42) Fáden zu halbkugeligen violett-stahl-
blauen Bůscheln vereinigt, stark verzweigt; Zellen 13 bis 16 u
dick, an der Basis der Fáden 3 bis 4mal, an der Spitze bloss
2mal so lang als dick.
In Auellen, Brunnen und in klaren Báchen, auf Steinen
und Moosen festsitzend, meist in kaltem seltener in lauwarmem
Wasser (var. e.) lebend, seltener auch auf áhnlichen blos zeit-
weise inundirten Orten; in Bóhmen ziemlich verbreitet (5—10).
So in Prag an Šteinen an dem St. Wenzels Brunnen
im Katzengáschen (reichlich)! an der Pumpenróhre im botan. Fis. 4. Chantransia cha-
Garten am Smichov (spárlich)! im Hirschgraben am Hradčín © Wbea Pries var. thermalis
: : : k nob. Vom Ausfluss der
in Prag (var. B. muscicola Ktz.), im (Yuellwasser bei Chuchelbad, © warmen Guelle in Johan-
Kundratic und Radotín náchst Prag!; im Choteč-Thal, im | nisbad. Ein Seitenzweig
Brunnen im Suchomaster Thal bei Kónigshof, bei Beraun, Ho- | mit drei jungen Sporan-
řovic, Půrelitz, Rakonitz ; bei Bystřic, Stupčic, Olbramovic náchst © 8161; IA der oberen Hálíte
: : : 0 ; vier vollkommen entwicklte
Votic, Tabor, Veselí auch in der Lužnic! bei Gutwasser und Exemplare des Chamaesi-
Podhrad náchst Budweis! bei Pisek in einem Wassergraben © phon gracilis Rbh. tragend.
„pod Honzíčkem“, bei Wittingau (var. radians Ktz.) bei Při- (300mal vergr.)
bram, Protivín, bei Krummau mehrfach, bei Ebenau und Tur-
kovic náchst Krummau, Rosenberg, Hohenfurth mehrfach, auch im Ausflusse des Fisch-
hofer Teiches; bei Rovné, unter dem Donnersberg náchst Raudnitz, in einem Brunnen
und in dessen Abflusse bei Ctinoves náchst Raudnitz, bei Lobositz, Leitmeritz, Kožov
náchst Laun! bei Kostelec a. E., Jung-Bunzlau, Bakov, Eisenbrod, Turnau, Tannwald;
bei Weiswasser, bei Alt-Paka! und bei den Krausebauden im Riesengebirge! im Abfluss
der warmen Badeguelle in Johannisbad massenhaft (var. e.)! an Můhlrádern bei Fugau
(Karl var. O. Leibleinii (Ktz.) Rbh. als Ch. Leibleinii Ktz. Mus!)
1) Hempel, welcher diese Chantransia-Art 4 Jahre hindurch cultivirte, fand, dass sie
sich in ihrer Form unverándert erhalten hat und glaubt hiebei keinen Anhalt fůr die Meinung
Sirodot's, dass zwischen Chantransien- und Batrachospermum-Arten ein genetischer Zusammenhang
bestehe [Bot. Centralbl. 1882 I Auart. p. 212] gefunden zu haben. Auch meine diesbezůglichen
Beobachtungen, welche ich seit mehr als vier Jahren an dieser Chantransia-Form angestellt habe
(ich habe zu diesem Zwecke jáhrlich einigemal zwei Lokalitáten in Prag, wo diese Chantransia in
grósserer Menge vorkommt, besucht, und das daselbst gesammelte Material makroskopisch und
mikroskopisch untersucht) fůhrten zu dhnlichen Resultaten. Erst in Gebirgsbáchen (sowohl im
Bohmerwalde wie im Riesengebirge) habe ich mich an lebenden Exemplaren úberzeust, dass die
Chantransia-Formen mit den entsprechenden Batrachospermum-Arten im genetischen Connex stehen.
2) u- 00001 mm = ein Mikromillimeter.
3) Wird in der Flora exsiccata austro-hungarica des H. Prof. Dr. A. Kerner in Wien
vertheilt werden.
26 Chantransia — HXildenbrandtia.
8. Ch. Hermanni (Roth) Desv. Tab. phycol. V. T. 43. Ráschen bis 6 mm hoch,
blass purpurroth. Aestchen aufrecht abstehend mit zugespitzten, oft in ein Haar aus-
laufenden Endzellen. Vegetative Zellen 9 bis 12 u dick, 3 bis 5mal so lang.
Wie vor. in Gebirgsbáchen meist an Šteinen, Felsen, Wassermoosen (Fontinalis
und á.) festsitzend (6—10).
So in der bohm. Schweiz bei Herrnskretschen und Prebischthor in Waldbáchen !.
bei Fugau (Karl Rbh. Kryptfl. p. 256), im Riesen-Gebirge in der Oberen Hohen-Elbe
gegen die Krausebauden zu!; bei Gutwasser náchst Budweis!, im Ausfluss des Schwarzen
Sees! in einigen Báchen bei Eisenstein, am Spitzberg u. a. im Bóhmerwalde!
9. Ch. violacea Ktz. Tab. phycol. V. T. 44. Ráschen 2 bis 3 mm hoch, rundlich
oder polsterfórmig, lebhaft violett oder róthlich gefárbt. Aeste kurz, aufrecht abstehend, mit
stumpfen Endzellen. Vegetative Zellen 8 bis 9 u dick, 2 bis 4mal so lang.
Im hóheren Gebirge in Báchen, Wasserfállen, Můhleráben u. a. an Steinen,
Hůlzern, Moosen und dfters an Lemanea fluviatilis und L. torulosa (6—-10).
So im Bache Žernovník bei Eisenbrod mit Lemanea fluviatilis spárlich, in den
Dessewasserfállen bei Tannwald reichlich; in einem Bache gegen Hofmannsbauden bei
Johannisbad spárlich! im Riesengebirge bei den Krausebauden (spárlich), in dem Můhl-
graben der sog. alten Spindelmůhle sehr reichlich, in Báchen unter dem Pantschefall und
dem Elbfall! in einem Bache náchst Hohenfurth am Fusse des Bóhmerwaldes!
10. Ch. pygmaea Ktz. Tab. phycol. V. T. 45. Ráschen 1 bis 3 mm hoch,
rundlich, dunkel stahlblau, grůnlich oder róthlich, strahlie verbreitet, flach bis linsen-
fórmie, Aestchen aufrecht abstehend mit abgerundeten Endzellen. Vegetative Zellen 11
bis 14 u dick, 2 bis 3mal so lang.
In schnell fliessendem reinem Wasser wie vorige auf Steinen, Holz und Moosen,
meist nur in Gebirgsbáchen (6—10).
So an Šteinen an einem PBrunnen in Chuchelbad náchst Prag, mit Chroococcus
aurantiofuscus Ktz. (spárlich); auf Steinen in schnell fliessenden kleinen Báchen in Wich-
stadtl und bei Kronstadt an der Adler háufig (!). Bei Fugau (Karl Rbh. Kryptfl. p. 257);
unter dem Pantschefall im Riesengebirge! bei Gutwasser náchst Budweis!
III. Fam. Hildenbrandtiaceae.
Der Thallus ist háutie oder krustenfórmie auseebreitet mit der ganzen Unter-
fliche der Unterlage fest angewachsen, aus kleinen fast kubischen oder kurz prismatischen
Zellen bestehend, welche in vertikale Reihen geordnet sind.
Tetrasporangien, in welchen die Tetrasporen entstehen, sind mit den Cystocarpien
in rundlichen, nach aussen gečffneten Hóhlungen (Conceptakeln) unter der Oberfláche des
Thallus eingesenkt.
Cystocarpien sind ovale oder birnfórmige, fast kranzfórmig oder durch schiefe
Ouerwánde unregelmássig in vier oder mehr Carposporen cgetheilte Zellkorper, die mit
zahlreichen farblosen, unfruchtbaren Nebenfáden (Paraphysen) untermischt, in grósserer
Anzahl aus der Wandung des Conceptakels gegen dessen Offnung convergirend, entspringen.
Tetrasporangien sind in den Conceptakeln den Cystocarpien analog angeordnet
und durch horizontale oder schiefe Ouerwinde regelmássig oder unregelmássig viertheilig,
jedoch mit keinen Nebenfáden untermischt. 'Tetrasporen zu vier in einem Tetraspor-
angium entstehend.
4. Gatt. Hildenbrandtia Nardo.
Der rosen- oder purpurrothe Algenkórper aus mehreren Schichten kleiner rund-
licher oder eckiger Zellen gebildet. Tetrasporangien und Cystocarpien in urnenfórmigen
Conceptakeln des Thallus, welche mit einer porenfórmigen Můndung versehen sind und
sich von aussen als erhabene Pusteln zu erkennen geben.
Sonstige Merkmale wie bei der Familie.
Hildenbrandtia. | 27
11. H. rivularis (Liebm.) J. Ag. Rbh. Alg. exs. Nr. 720 sub. nom. H. rosea
Ktz. B. fuviatilis Bréb.! in Kerners „Flora exs. austro-hung. Nr. 1190 sub. nom. H.
rosea Ktz.! Thallus důnnháutig oder krustenfórmig, platt angewachsen, unregelmássig
Fig. 5. Hildenbrandtia rivularis (Liebm.) Fig.6. Ein Stůck vom Thallus derselben
J. Ag. Von Eisenbrod. Vier kleine an Alge, von oben gesehen. (Etwa 500mal
einem Kieselstein-Pruchstůck aufgewach- vergr.)
sene Exemplare. (Nat. Grósse.)
ausgebreitet, rosen- bis karminroth (auch trocken) an der Oberfláche aus parenchymatisch
zusammengewachsenen Zellen gebildet. Vegetative Zellen eckig oder lánglich rund, 3 bis
4 u seltener bis 6 u dick, 1 bis fast 2mal so lang, in vertikalen Zellenreihen geordnet,
die sich durch Druck von einander separiren lassen.
Antheridien lánglich cylindrisch, aus einer Oberfláchenzelle des Antheridien tra-
genden Thallus zu 20 oder mehr sich entwickelnd, mit differencirtem Inhalte, aus welchem
sich spáter 7 oder mehr, úber einander gereihte, fast kugelfórmige Spermatozoiden ent-
wickeln, die durch Zerfallen der Mutterzelle frei werden.")
In schnell fliessenden Gebirgsbáchen an Steinen, Hůólzern und Muscheln aufge-
wachsen (6—10).
Vollkommen entwickelte, den oben citirten ganz gleiche Exemplare fand ich
bisher bloss bei Eisenbrod in einem kleinen Bache in der Náhe der Úberfuhr bei den
Kalksteinbrůchen in nicht allzu grosser Menge! *)
II. Klasse. Phaeophyceae (Melanophyceae).
Olivenbraune, seltener olivengrůne Algen, welche in ihren Zellen einen, dem
Chlorophyll beigemengten und dasselbe verdeckenden, braunen oder olivengrůnen Farb-
stoff (Phaeophyll, Phycophaein, Phycoxanthin) enthalten, welcher aus todten Pflanzen zum
Theile schon auch durch kaltes Wasser ausgezogen werden kann, wáhrend das in den
Zellen enthaltene Chlorophyll im Wasser unlóslich ist.
Úbersicht der Ordnungen,
II. Ordnuno. Syngeneticae.*)
Mehrzellige oder vielzellige, seltener auch einzellige (Chromophyton ex. p.) im entwickelten
Zustande meist von einer gemeinsamen Gallerthůlle umgebene, seltener nackte, nie haut- oder
1) Verel. Borzi's „Sugli spermazi della Hildenbrandtia rivularis Ag.“ in Rivista scientifica
Messina 1880. Nr. 1.; Petit's Note „Uber die Trichogyne der Hildenbrandtia rivularis Ag.“ Brebis-
sonia III Nr. 9. ist mir leider unzucánslich geblieben.
2) Anders entwickelte (resp. in eine andere Form úbergehende) Exemplare habe ich an
mehreren Orten in den Grenzgebirgen Bohmens gesammelt. Ich hoffe, dass es mir noch spáter
eimal měglich wird úber die noch zum Theile unbekannte Entwickelung dieser rothen, so wie der
in den folgenden Bláttern angefůhrten, nicht minder interessanten braunen Alge Lithoderma fon-
tinale Flah. mehr mittheilen zu kónnen; jetzt fehlt mir die zu einer ausfůhrlicheren entwickelungs-
geschichtlichen Arbeit nothige Zeit.
3) Siehe Rostafiůskis „Hydrurus i jego pokrewieústvo“, Krakow, 1883 p. 80. Wenn der
Verfasser hier mit Rostafiúski Chromophyton und Hydrurus zu den Phaeophyceen záhlt und neben
28
krustenartige, fest angewachsene Uberzůge bildende, freischwimmende oder festsitzende Algen, in
deren protoplasmatischem Zellinhalte plattenfórmige, olivenbraune Chromatophoren (Phaeophoren)
eingelagert sind. Vermehrung theils durch eingeisselige (Chromophyton), theils durch zweigeisselige
monadenartige Schwármzellen, deren Cilien gleich lang und am vorderen Zellende inserirt sind,
oder durch unbewegliche tetraederartige Sporen (Hydrurus).
III. Ordnung. Phaeozoosporeae. “
Vielzellice, olivenbraune, haut- oder krustenartige, festsitzende Uberzůce bildende Algen.
Vermehrung durch zweigeisselige Schwármzellen (Zoosporen), deren ungleich lange Cilien, von
welchen die eine lánger und nach vorn gerichtet, die andere kůrzer und nach hinten gerichtet ist,
seitlich unter der Spitze inserirt sind; Schwármzellen in grósserer Anzahl aus dem ganzen Inhalte
der einfácherigen Zoosporangien durch directe Theilung des Zellinhaltes, ohne Bildung von Zell-
wánden, entstehend.
II. Ordnune. Syngeneticae.
Der Thallus kugelig oder von unregelmássiger Gestalt, seltener auch einfach
gefiedert oder pinselfórmig verzweigt (Hydrurus). Im protoplasmatischen Zellinhalte sind
bandfórmige braun- oder olivengrůne Chromatophoren enthalten, in welchen das Chloro-
phyll durch einen braunen (Phycophaein) oder gelben (Phycoxanthin) Farbstoff verdeckt
ist. Vermehrung entweder durch Zweitheilung der vegetativen Zellen und durch Schwárm-
zellen oder durch unbewecgliche Sporen.
Úbersicht der Familien.
IV. Fam. Chromophytoneae.
Thallus kugelig oder von unregelmássiger Gestalt, aus einer oder wenigen Zellen bestehend.
Zellen theils im Wasser als eingeisselige Schwármer frei umherschwimmend oder zu perlschnur-
artigen Kórpern vereinigt, an der Wasseroberfláche einen leichten, gelben oder etwas bráunlichen
Staubanflug bildend.
V. Fam. Chrysomonadina.
Thallus freischwimmend, mehrzellig; Zellfamilien durch kugelige Gruppirung der Zellen
um ein Centrum gebildet. Zellen mit zwei gleich langen Geisseln, zwei wandstándigen gelbbraunen,
braunen oder grůnlichbraunen Chromatophoren, gewóhnlich mit einem Pigmentfleck an der Geissel-
basis, einer bis mehreren contractilen Vacuolen und einem fast centralen Nucleus. Vermehrung
der Individuen durch successive Zweitheilung auch in gallertumhůllten Ruhezustánden.
VI. Fam. Phaeothamnieae.
Mehrzellige, im entwickelten Zustande bůschelfórmig verzweigte, důnnháutige, (mit gal-
lertigen, zusammenfiiessenden Hůllmembranen, blos in dem sog. Palmellastadium versehene), fest-
sitzende, braungrůne oder olivenfarbige, bandfórmige Chromatophoren enthaltende, Algen. Ver-
mehrune durch zweigeisselige Zoogonidien (Zoosporen),') deren beide, am Vorderende inserirte
Cilien von derselben Lánge und beide nach vorn gerichtet sind.
VII. Fam. Hydrureae. :
Thallus vielzellig, festsitzend, knorpelig oder gallertie, stielrund, einfach wurmfórmig
oder mehr weniger verzweigt. Zellen kugelig oder lánelich elliptisch, mit dicken, gallertigen, zu-
sammenfliessenden Hůllmembranen ohne Cilien.
dem ersteren auch noch einige andere monadenartige Wesen mit braunen, gelbbraunen oder oliven-
grůnen Chromatophoren (Chrysomonadina und Phaeothamnieae) zu einer Ordnung der braunen
Algen vereinigt hat, so ist er sich dessen gut bewusst, dass, wie schon Klebs richtig úber die
Vereinigung des Chromophyton und Hydrurus zu einer Gruppe hervorgehoben hat [Botan. Zeitung
1882, p. 685 u. f.], nach unseren jetzigen lůckenhaften Kenntnissen ůúber diese Organismen, ins-
besondere was ihre Entwickelung anbelanst, das oben angefůhrte System der braunen Algen, blos
ein kůnstliches ist; indessen scheint ihm aber doch die hier durchcefůhrte systematische Ein-
theilung in Bezug auf den náchsten Zweck dieses Prodromus die passendste zu sein.
») Da eine Spore úberhaupt ein Endstadium der Entwickelung vorstellt, die sog. Zoo-
sporen aber das erste (Anfangs-) Entwicklungs-Stadium vieler Algen sind, so werden wir in diesem
Werke, dem von A. Braun in seiner Schrift „Uber die Verjůngung in der Natur,“ 1851, vorge-
schlagenen, von Gobi in seiner Abhandlung „Uber die Gruppe der Amoeboideae, 1884“ eingefiůhrten,
K pá „Zoogonidie“ vor dem weniger passenden lteren Namen (Zoospore) wo móglich den
[orzug ceben.
dbá byv dát Jy vděk di JN ddkch u está pří Ná K
Chromophyton. 29
IV. Fam. Chromophytoneae.
Einzellige oder aus wenigen Zellen zusammengesetzte Algen, deren vegetative
Zellen wáhrend ihres ganzen Lebens, so lange sie nicht in einen vorůbergehenden Ruhe-
zustand ůúbergeben (sich encystiren) durch Cilien in Bewegung erhalten werden. In dem
plasmatischen Zellinhalte liegt eine (seltener zwei) gelblich- bis gelbbraungefárbte Pigment-
platte (Chromatophor), die nur etwa die Hálfte des plasmatischen Kórpers einnimt. Un-
geschlechtliche Vermehrung durch successive Theilung der vegetativen Zellen in 2 bis 8
(seltener mehrere) Tochterzellen; geschlechtliche Fortpflanzung durch Copulation von
Schwármzellen.
5. Gattung. Chromophyton Wor. em. Wille.')
Einželne schwármende Zellen sind denen aus der Gattung Chlamydomonas Ehvrb.
unter den Chlorophyceen áhnlich, enthalten aber in ihrem plasmatischen Zellinhalte nicht
wie diese reines Chlorophyll, sondern einen gelb- bis rostbraunen seltener olivengrůnen
Farbstoff, welcher stets an eine etwa bis zur Kórpermitte verlaufende Pigmentplatte, ein
plattenfórmiges Phaeophor gebunden ist.
Schwármende, blos mit einer Cilie versehene, meist fast vóllig runde oder un-
regelmássig ellipsoidische Zellen sind meist ohne (seltener mit einem) Pigmentfleck, einer
bis mehreren contractilen Vacuolen und einem fast centralen Nucleus. Zur Ruhe gekom-
mene eingehůllte (encystirte) Schwármzellen liegen auf der Wasseroberfláche, auf welcher
sie, so lange diese ruhig ist, einen gelbbráunlichen Staubanfiug bilden. Die kleinsten dieser
Staubkórperchen sind einzellig und kugelrund, die grósseren, aus zwei bis vielen Zellen
zusammengesetzen Kórper, sind biscuit-wurst- oder perlschnurfórmig. Sie entstehen durch
Zusammenfliessen der einzelligen, kugelrunden Individuen,
Ungeschlechtliche Vermehrung durch successive Theilung des Zellinhaltes in 2
bis 8 Tochterzellen, welche innerhalb einer gemeinschaftlichen, schleimigen Hůlle liegen.
Geschlechtliche Fortpflanzung beruht wahrscheinlich auf Copulation von Schwármzellen,
12. Ch. Rosanowii Wor. ex p.ž) Bot. Zeitg. 1880 T. IX. [Chr. Rosanowii
©) — Chrysopyxis bipes Stein, Monas ochracea Ehrb., Chrysomonas ochracea Stein ex p.,
Infus. III. T. 14.; exel. Chr. Rosanowii B. Dinobryon ser-
tularia Ehrb., Monas flavicans Ehrb,, Epipyxis utriculus Ehrb.,
Dinobryon sociale Ehrb.*) Schwármzellen meist kugelrund, etwa Č
o bis 6 u im Durchmesser ohne Pigmentfleck, Auf der Wasserober- BS S93
fláche liegende, zur Ruhe gekommene Schwármzellen sind von einer č
deutlichen, eng anliegenden Membran umhůllt, in der sie sich | Fig. 7. Chromophyton Ro-
auch durch wiederholte Zweitheilune vermehren. So wie diese $4nowii Wor. Links im Zu-
Membran im Wasser wieder aufguillt, gerathen die innerhalb en! dos E aantoke,
> © rechts eine Schwármzelle
derselben befindlichen Schwármer, welche frůher ruhig waren, © desselben. Veror. etwa 600.
in langsame Bewegung, um nach činer Zeit auťs Neue auf der
Wasseroberfláche sich zu encystiren.
Bildet auf der Wasseroberfáche, in Wassergefássen, Bassins in Garten, insbe-
sondere in Warmháusern, so wie auf der Wasseroberfláche der Moortůmpel und Pfitzen
in der freien Natur einen gelblichen gold- bis braungelben Staubanflug (6—9); in den
Warmháusern (1—12).
l) Siehe dessen „Om Chrysopyxis bipes Stein og Dinobryon sertularia Ehrb.“ Ofver. ať
kngl. Vetens. Akad. Fórnhandl. Stockholm 1882, und „Uber Chromophyton Rosanofňii Woron“;
Sitzungsber. des Botan. Vereins der Provinz Brandenburg, 1882.
2) Vergl. Woronin's Abhandlung „Chromophyton Rosanofi“ Bot. Zeitung, 1880 Nr. 37.
s) Wille hált die oben beschriebene, runde Form des Chr. Rosanowii Wor. fůr Schwárm-
zellen von Chrysopyxis; siehe auch dessen Aufsatz „Uber Chromulina-Arten als Palmellastadium
bei Flagellaten“ Botan. Centralbl. Bd. XXIII. Nr. 9. Dagegen Bůtschli, welcher beide Chromo-
phyton-Formen mit der Gattung Chromulina Cienk. vereinist „Protozoa“, 1884 p. 820. und Fisch
[Untersuchungen úber einige Flagellaten, 1885.)
30 Synorypta.
So -in Wassergefássen in den Warmháusern im botan. Garten, háufie auch im
Winter! und in den Bassins im Ananashause und in den daneben liegenden Warmháusern
im gráflich Kinsky'schen Garten am Smichow (im Juli— August 1883—85 !). Kommt auch
encystirt in Moosbláttern (meist in Sphagnumbláttern) áhnlich wie Chlorochytrium oder
Endosphaera vor.
V. Familie. Chrysomonadina.')
Mehrzellige, Familien von kugeliger oder elliptischer Gestalt bildende, seltener
einzellige, frei im Wasser herumschwármende Algen. Zellen kugelig, lánslich-elliptisch
oder spindelfórmig mit zwei gleich langen Cilien, zwei, selten nur einem, braunem oder
grůnlich-braunem, den beiden Šeitenrándern anliegenden plattenformigen Chromatophoren
und meist mit einem Pigmentfleck an der Geisselbasis versehen. Im Hinterende sind
die contractilen Vacuolen, fast in der Mitte des Kórpers liegt der Nucleus. Vermehrung
durch Lángstheilung der Individuen und der ganzen Familien, welche ofters auch in die
einzelnen Individuen zerfallen.
6. Gattung. Synecrypta Ehrb.*)
Die kugelfórmigen, aus 2 bis 32 keilfórmigen, traubig an einander gedrángten
Zellen bestehenden Familien sind von einer dicken, feinkórnigen Gallerthůlle umgeben.
Einzelne Zellen sind mit zwei braunen bandformigen Chromatophoren, zwei Pigmentflecken
und zwei gleich langen, die Gallerthůlle durchsetzenden Cilien versehen.
Geschlechtliche Fortpflanzung unbekannt. Ungeschlechtliche Vermehrung durch
Zweitheilung der Individuen, welche durch Zerfallen der Familien in einzelne Zellen oder
Loslósune einzelner Zellen aus dem Verbande der Familie frei werden; solche losgelóste
Zellen bleiben entweder beweglich und entwickeln sich durch Theilung zu neuen Familien,
indem die Tochterzellen mit ihren spitzen Enden mit einander in Verbindung bleiben ;
oder sie sind unbeweglich, runden sich in Gestalt von Ruhezellen ab, umgeben sich mit
einer gallertigen Zellhaut und vermehren sich durch Zweitheilung. Die Entwicklung dieser
Ruhezellen zu neuen beweglichen Familien ist direct noch nicht beobachtet worden.
*) Diese Phaeophyceen-Gruppe correspondirt mit den Volvocaceen unter den chlorophyll-
grůnen Algen.
2) Denselben braungelben Farbstoff wie Syncrypta und Chromophyton enthalten auch
noch einige andere, in Bohmen von Stein beobachtete, monadenartige Wesen, welche dieser Autor
in seinem Werke „Der Organismus der Infusionsthiere, III, 1., 1878.“ zu den Flagellaten, mit den
beiden oben angefůhrten [Syncrypta volvox und Chrysomonas ochracea) záhlt. Es sind namentlich
Chrysomonas flavicans Stein, T. 13. (Monas flavicans Ehrb.), Uroglena volvox Ehrb., T. 13, Synura
uvella Ehrb., Microglena punctifera Ehrb., T. 13, Stylochrysalis parasita Stein, T. 14, u. a. Die
Gattung Chrysopyxis verknůpft die Chrysomonadinen Stein's mit den Chlamydomonaden, von welchen
ste sich fast nur durch die fest sitzende Hůlse und die braunen Pigmentbánder unterscheidet.
Auch die Gattung Hymenomonas (H. roseola Stein, T. 14) náhert sich sehr den Chlamydomonaden.
Der olivenbraune oder grůnbraune Farbstoff ist aber auch bei den Cryptomonaden Stein's (C. erosa
Ehrb., C. ovata Ehrb. u. a.), áhnlich wie bei den Chrysomonaden in 2 seitlichen Lángsbándern
vertheilt (Stein, Infus. III. Abth. 1. Bd. p. 153).
Dass die olivenbraunen Cryptomonaden, die braunen Dinobryinen und Chrysomonaden
Stein's mit demselben Rechte wie die Volvocineen und Chlamydomonaden unter die Algen auf-
genommen werden můssen, hat zuerst Schmitz „Die Chromatophoren der Algen 1882 p. 18“ be-
hauptet. Auch Bůtschli hat diese Organismen „wegen ihrer holophytischen Ernáhrungsweise“
sowie deshalb, dass sie „die inniosten Bezichungen zu einer Reihe einzelliger Algen darbieten“
von anderen Flagellaten separirt, und sie zu der Gruppe der Pflanzen-Flagellaten „Phytomastigoda“
vereinigt [vergl. Bůtschli's „Flagellata“ in Bronn's Klassen u. Ord. des Thierreiches, 1884 p. 832].
Auch den, braune Farbstofftráger (Chromatophoren) enthaltenden, Sůsswasser-Peridineen,
welche Klebs „Die Peridineen des sůssen Wassers, 1883“ und Warming (in Vidensk. Medd. Kopen-
hagen, 1875) fůr Pflanzen erklárt haben, wáre folgerichtig unter den Phaeophyceen, und zwar neben
den Chrysomonadinen der Platz anzuweisen.
prvá
:
|
- Krch. Algen v. Schlesien p. 89.") Stein's „Infusor.“
- bei Pilsen (Hora „Flora von Pilsen“
Synorypta — Phaeothamnion. 38
13. 8. volvox Ehrb. (Synura volvox (Ehrb.)
III. 1 Tab. 13. Zellen mit braunen Pigmentplatten
von der Farbe des Endochroms der Diatomaceen ;
Familien kugelig oder oval von traubigem Ansehen,
etwa 22 bis 51 u im Durchmesser. Veget. Zellen
17 u lang, 13 bis 14 u breit; ruhende Zellen mit
Gallerthůlle 10 u, ohne díese etwa 5 u dick. In
stehendem Wasser, in Gráben und Teichen, Torf-
moren u. á. So in der Umgegend von Prag (Stein),
p 12). Fig. 8. Syncrypta volvox Ehrb. Eine
mehrzellige Kolonie. Verg. etwa 500mal.
/
VI. Familie. Phaeothamnieae.
Thallus mehrzellig, bůschelartig verzweigt, festsitzend. Vegetative Zellen cilienlos,
mit parietalen plattenfórmigen braun- oder olivengrůnen, Pyrenoide und Stárke nicht ent-
haltenden, Chromatophoren.
Vermehrung durch zweiwimperige Schwármzellen, welche meist zu zwelen in einer
den vegetativen gleichartigen, blos etwas grósseren Muterzelle entstehen, aus welcher sie
durch eine runde in der Zellwand entstehende Offnung ausschlůpfen. Nachdem diese
Schwármzellen eine Zeit lang unbeweglich in einer gemeinsamen Hůlle ausserhalb der
Mutterzelle liegen blieben, beginnen sie, sich mit ihren Cilien peitschend zu bewegen.
Nachdem diese Schwármzellen zu schwármen aufhóren, keimen sie ohne vorhergehende
Copulation und Zygotenbildung.
Die Zellen des Palmellastadiums sind von einer ziemlich dicken, nur wenig ver-
schleimten Membran umgeben und theilen sich in allen Richtungen des Raumes.
7. Gattuno. Phaeothamnion Lagerh.*)
Thallus bůschelfórmig, kleip, monopodienartie verzweigt, auf anderen Algen fest-
sitzend. Die unteren Zweigchen fast horizontal ausgebreitet, die oberen mehr aufrecht
abstehend. Vegetative Zellen einfórmig oder cylindrisch; Endzellen stumpf abgerundet
oder zugespitzt; Basalzelle hemisphárisch, unten scheibenformig erweitert. Zellmembran
důnn, hyalin. Zoogonidien durch Zweitheillung des Zellinhates in intercalar aus vegeta-
tiven Zellen sich bildenden Gonidangien entstehend, ohne Pigmentfleck; sonstige Merkmale
wie bei der Familie.
14. Ph. confervicolum Lagerh. „Uber Phaeotha-
mnion“ Tab. I. Wittr. et Nordst. Ale. exs. Nr. 608! Ve-
getative Zellen 6 bis 10 u lang, 4 bis 8 u breit, die End-
zellen 6 bis 12 u lang, 4 bis 8 u breit, die Basalzelle 5
bis 6 u lang, etwa 9 u breit. Gonidien (Zoosporen) 4 bis
o u im Durchmesser. Gonidangien (Zoosporangien) wie die
veget. Zellen. Palmellaartige Zellen etwa 4 u im Durchm. Fig. 9. Phaeothamnion con-
Sonstige Charaktere wie bei der Gattunc. POE se past obema
Bildet kleine etwa 80 u hohe, bůschelfórmig ver- hem lař(čhva astma verze).
zweigte, auf Cladophora, Vaucheria und anderen Fadenalsen © links eine Schwármzelle des-
festsitzende, Stócke von braungrůner Farbe. selben (etwa 500mal vergr.).
In stehenden Gewássern, Sůmpfen, Teichen, Gráben
1) H. Prof. Dr. O. Kirchner hatte die Gůte mir brieflich mitzutheilen, dass seine Synura
volvox Ehrb. — Synerypta volvox Ehrb., welche letztere er mit der Gattung Synura vereinigt hat,
da seiner Meinung nach ein generischer Unterschied zwischen diesen beiden Gattungen nicht existire.
2) Siehe Lagerheim's Abhandlung „Úber Phaeothamnion“ Bihang till. k. vet. akad. hand-
lingar, 1884 Bd. 9. Nr. 19.
32 Hydrurus.
u. a. (5—9). So in den Schanzgráben hinter dem gewesenen Kornthor in Prag, im
Frůhling 1884!
VII. Familie. Hydrureae.
Der Thallus dieser agamen braunen Algen besteht aus einer, durch Zusammen-
fliessen der verschleimten Zellwánde entstandenen, gemeinsamen Gallerte, in welcher mehr
oder weniger kugelige oder linglich ellipsoidische, im Alter ofters spindelfórmig in die
Lánge gezogene, plasmatische Zellen nisten. Die letzteren bestehen aus farblosem Plasma
und enthalten ein braun, seltener olivengrůn gefárbtes, plattenfórmiges Chromatophor und
einen Zellkern. Anstatt der Stárke sind in den Zellen als Assimilationsproduct člartige
Trópfchen enthalten.))
Die Vermehrung geschieht durch tetraédrische, an den Ecken mit kurzen stachel-
artigen Auswůchsen versehene Sporen, welche aus den vegetativen plasmatischen Zellen
entstehen, durch Zerfliiessen der umhůllenden Gallerte frei werden, sich frei bewegen
oder bewegungslos liegen bleiben und durch spáter eintretende Theilung zu neuen Pflánzchen
heranwachsen.
8. Gattung. Hydrurus Ac.
Zelen kugelig oder lánglich-elliptisch, locker an einander gereiht mit dicken,
gallertigen zusammenfliessenden Hůllmembranen, einen bis fusslangen, wurm- oder róhren-
fórmigen, oft reichlich verzweigten, fest gewachsenen gallertigen oder knorpeligen und
elastischen Thallus bildend. "Theilung in einer Richtung des Raumes. Vermehrung durch
tetraedische Sporen, welche nach Klebs (Bot. Zeite. 1882 p. 684) auch deutliche Be-
wegungen zeigen.
15. H. foetidus (Vill.) Krch. (H. penicillatus Ag.) Rostafiúski „Hydrurus“ etc.
in Rozprawy akad. umiej. 1883 T. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 241! Thallus
knorpelig oder gallertig, elastisch, am Grunde mit einer konischen
Scheibe versehen, angewachsen, 2 em bis 2:5 dem lang (seltener
noch lánger), solid, im Alter róhrig-cylindrisch,
oberwárts verbreitet und meist pinselfórmie ver-
ástelt, am unteren Ende einfach. Aeste wie der
Hauptstamm mit kleinen, haarfórmigen Aestchen,
bald mehr, bald weniger dicht besetzt, bald ganz
nackt, von brauner oder braungrůner oder grůn-
licher Farbe?ž) und eigenthůmlichem Geruch.
Zellen meist 6 bis 10 u dick, jung kugelig oder
elliptich, 1 bis 1"2mal so lang als dick, im
Alter auch lang-spindelformie und mehrmal so
Fig. 10.. Hydrurus | lang als dick. :
oeudlis (vil) Krch. a) penicillatus (Ag.) Krch. (H. peni- re ne o
a) penicilatus (Ag) cillatus Ag.) Tab. phycol. I. T. 33. Thallus gelben Alse etwa
Ee laně Pk, 5 cm bis fast 3 dem lang, am Grunde einfach, 250mal verer.
ehoriCrossc! weiter oben reichlich verástelt, im Alter róhrig;
Aeste schlank wie der Hauptstamm, mit důnnen kurzen Zweigehen
dicht besetzt, von satt- oder olivengrůner Farbe.
b) irregularis (Ktz.) Rbh. (H. irregularis Ktz.) Tab. phycol. T. 34. Thallus
1 bis 8 seltener bis 16 cm lang, gallertig, unregelmássig, verzweigt, olivengrůn oder
1) Nach Rostafinski sind diese dlartige Trópfchen bei allen echten Phaeophyceen zu finden.
2) Der olivengrůne Farbstoff der Hydruruszellen kann unter gewissen Umstánden auch
In einen fast blutrothen úbergehen, wie ich an einigen von Pilzen inficirten Hydrurus-Exemplaren
ns dem Riesengebirge beobachtet habe. (Belege bewahre ich auch in meinen mikroskopischen
raparaten).
„Tý
ja
:
;
ml
!
Lithoderma. 833
bráunlich bis schwárzlich braun. Aeste an den Enden verdickt, die oberen oft pinsel-
fórmig zerschlitzt, meist ohne haarfórmige Zweigchen.
c) Ducluzelitů (Ag.) Rbh. (H. Ducluzelii Ag.) Tab. phycol, I. T. 34. Thallus
bis úber 2 dm lang, wenig oder gar nicht verzweigt, Hauptstamm von der Basis bis zur
Spitze blos mit haarfórmigen Aestchen besetzt, schmutzig olivengrůn oder bráunlich.
In schnell fliessenden, reinen Gebirgsbichen, insbesondere unter den Wasserfállen,
seltener auch in Flůssen auf Steinen, Hólzern etc. angewachsen; in hóheren Gebirgs-
regionen stellenweise háufig (5—10).
So im Bache bei Jemník náchst Jung-Bunzlau (a)!, in einem Bache bei Eisen-
brod (a), in der Desse bei Tannwald (b)! b) im Riesengebirge ziemlich verbreitet: so
bei der Spindelmůhle, in den Siebengrůnden, unter dem Pantschefall, in grósster Menge
aber unter dem Elbfall! auch an mehreren Stellen in Gráben auf der Elbwiese (auch
var. flavescens nach Opiz), im Aupagrunde u. a. (Krch. Alg. p. 107). Im bóhm. Erz-
gebirge (var. Ducluzelii Rbh. Krypttl. p. 134.).
III. Ordnune. Phaeozoosporeae.
Thallus vielzellig, polsterfórmig, haut- oder krustenartig, olivenbraun, bis braun-
schwarz, seltener olivengrůn oder olivengelb, aus freien, verzweisgten Gliederfáden oder aus
parenchymatischem Gewebe bestehend.
Fortpflanzung durch Schwármzellen (Schwármsporen), welche sich meist in ein-
fácherigen (unilocularen) Gonidangien (Zoosporangien) entwickeln, deren Inhalt direct in
eine Anzahl Schwármzellen zerfállt, welche aus einem Riss am Gonidangium, in Gallerte
eingebettet, gemeinsam entleert werden. Schwármzellen sind ei- oder birnfórmig, mit
farbloser Spitze und braunem Hinterende, vor welchem ein seitlicher, grosser, rother
Pigmentfleck sich befindet, mit zwei ungleich langen Cilien versehen, welche seitlich an
der Basis der farblosen Spitze inserirt sind. Die lingere von diesen Cilien ist nach vorn
gerichtet und dient als Bewegungsorgan, die zweite, kůrzere wird nachgeschleppt. Nachdem
die Schwármzellen zur Ruhe gekommen sind, scheiden sie eine Membran aus und ent-
wickeln sich zur neuen Pflanze, ohne frůher zu copuliren. Der geschlechtlichen Ver-
mehrung dienende Organe sind bei den in Bóhmen verbreiteten Phaeozoosporeen nicht
konstatirt worden.
VIII. Familie. Lithodermaceae.')
Thallus krusten- oder lederartig, mehr oder weniger ausgebreitet, aus einem pa-
renchymatischen Gewebe vertikaler Zellenreihen cebildet. Einfácherige Gonidangien ent-
stehen auf der Thallus-Oberfláche unmittelbar aus den Zellen der Oberfláche. Sonstige
Merkmale wie bei der Ordnuno.
9. Gattung. Lithoderma Aresch.
Thallus haut- oder krustenartig, horizontal ausgebreitet, mit der ganzen Unter-
flůche dem Substrat fest angewachsen, aus mehreren, úber einaader liegenden, zu einem
parenchymatischen Gewebe verwachsenen Zellenreihen bestehend, welche an ihrem Vor-
derende fortwachsen. Gonidangien (Zoosporangien), oval oder fast birnfórmig, einfácheric,
durch Umwandlung der Oberfláchenzellen entstehend. Vermehrung durch Schwármzellen,
welche ohne vorhergegangene Copulation einen Keimschlauch treiben, dessen weitere Ent-
wickelung noch nicht verfolgt wurde.
16. L. fluviatile Aresch. Nova acta reg. soc. scient. upsal. 1876 p. 24. a) ge-
nučnum (Aresch.) nob. Thallus winzig klein, mit blossem Auge schwer sichtbar, eine
důnne, fest angewachsene olivenbraune oder braunschwarze, an der Oberfláche oslatte
v) Hoffentlich wird auch der einzige Reprásentant einer zweiten Siůsswasser-Phaeozoo-
sporeen-Gattung Pleurocladia lacustris A. Br., Rbh. Flora europ. alg. III. p. 394, Wittr. et Nordst.
Alo. exs. Nr. 601 in Bohmen noch entdeckt werden.
3
34 Lithoderma.
Kruste bildend. Zellen in 5 bis 6 vertical an einander gereihten Schichten, an der
Thallus-Oberflůche fast rectangulár und daselbst zu bogenfórmie verlaufenden Zellreihen
geordnet; sonstige Merkmale wie bei b).')
b) fontanum (Flah.) nob. (L. fontanum Flah.) Sur
le Lithoderma fontanum *) Tab. 1. Thallus krusten- oder
fast lederartig, wenig erhabeu, ofters ziemlich ausgebreitet
und 5 bis 15 em im Durchmesser, von olivenbrauner bis
braunschwarzer Farbe, fest sitzend, měist ausgerandet, aus
15 bis 20 vertikal an einander gereihten Zellschichten ge-
bildet. Zellen zu radial gestellten, an der Oberfláche des
Thallus parenchymatisch mit einander verwachsenen Zell-
reihen geordnet, Gonidangien (Zoosporangien) einfácherig,
durch Umwandlung der Endzellen -der Fáden an der Ober-
fláche des Thallus entstehend, sitzend oder mit sehr kurzem
Fig. 12, Lithoderma fontanum © Ptielchen versehen, 12 bis 16 Schwármzellen enthaltend.
Flah. Lángsschnitt durch einen © Vegetative Zellen 6 bis 12 u dick, 1 bis 2mal so lang
zwei Gonidangien tragenden © meist mit einem gelbbraunen Farbstoff.
Theil des Thallus. Ein Go-
nidangium vor, das zweite nach Auf Steinen, Felsen, Muscheln in schnell fliessenden
der Entleerung der Gonidien; © kleineren Flůssen, Báchen, GAuellen bloss in hoheren Gebires-
rechts eine Senwarmzelle. regionen (1—12). So in einem Bache bei Eisenbrod mit
V ODBK ODD Hildenbrandtia rivularis Ag. in vollkommen entwickelten
Exemplaren ; in den Dessewasserfállen bei Tannwald, in einem Bache náchst Prebischthor
in der bohm. Schweiz!
IN. Klasse. Chlorophyceae (Chlorophyllophyceae Rbh.).
Chlorophyllgrůne Algen, die in dem plasmatischen Inhalte ihrer Zellen reines
Chlorophyll enthalten. © Der chlorophyllgrůne Farbstoff, welcher im Wasser unlóslich ist,
im reinen Alkohol dagegen sich leicht auflůst, ist in den Zellen dieser Algen an bestimmt
abgegrenzte Plasmakórper, sogen. Chlorophoren gebunden und niemals oleichmissig im
Cytoplasma vertheilt.*)
Der Thallus der Sůsswasser-Chlorophyceen ist einzellig oder mehrzellig. Mehr-
zellige Chlorophyceen bestehen aus einfachen, unverzweigten oder verzweigten, fadenfór-
migen oder einschichtigen, flichenfórmigen, meist háutigen oder rohrenfórmigen Thallomen.
In dem protoplasmatischen Zellinhalte sind durch Chlorophyll cgefárbte und in verschie-
denen Formen ausgebildete Chromatophoren (Chlorophoren) in Einzahl oder Mehrzahl
enthalten. *)
2) Da die von mir bei Eisenbrod gesammelten, meist winzig kleinen, Exemplare einer
Lithoderma-Form, welche ich ihrer Subtilitát und Důnnheit wegen fůr Lithoderma fiuviatile Aresch.
halte, in ihrer anatomischen Struktur mit den, vom H. Prof. Flahault mir gůtigst zugesandten,
frischen und trockenen, Orig.-Exemplaren seines Lithoderma fontanum vollkommen úbereinstimmen
(mit Ausnahme ihrer geringeren Grósse und Dicke), so habe ich diese beiden Lithoderma-Formen
zu einer einzigen Art zu vereinigen mir erlaubt.
2) Bull. de la Soc. botan. de France, XXX, 1883.
S) Verel. auch Schmitz's „Die Chromatophoren der Algen“, 1882 p. 5.
4) Nur bei einigen Algenarten aus dieser Klasse ist der Zellinhalt nicht chlorophyllerůn,
sondern blutroth, z. B. bei Sphaerella (Haematococcus), rothbraun, z. B. bei Trentepohlia umbrina
(Chroolepus umbrinum), Protococcus Coccoma u. a., orange- bis mennigroth, z. B. bei Pleurococeus
miniatus, Palmella miniata u. a. gefárbt. Dieser mehr oder minder vollstándie roth gefárbte Zell-
inhalt verschiedener Chlorophyceen aus den Gattungen Pleurococcus, Palmella, Sphaerella (Haema-
tococeus), Trentepohlia (Chroolepus) u. a. [auch in den Sporen von Oedogonium, Bulbochaete,
Sphaeroplea, Volvox u. a. Chlorophyceen kommt ein rother Farbstoff vor) kommt dadurch zu
Stande, dass kleine rothe Schleimkugeln, fůr welche Cohn den Namen Haematochrom vorgeschlagen
hat, im Protoplasma der Zellen sich anháufen und die chlorophyllerůn gefárbten Chromatophoren
theilweise oder vollstándig verdecken und unsichtbar machen. [Šiehe auch Schmitz 1. c. p. 7).
ší aja,
:
35
Vermehrung 1) ungeschlechtlich, 2) geschlechtlich. Ungeschlechtliche Vermehrung
in den einfachsten Fállen durch Zweitheilung der ganzen Mutterpflanze; bei der wéitaus
úberwiegenden Zahl der im Wasser lebenden Chlorophyceen findet aber die ungeschlecht-
liche Vermehrung durch Schwármzellen oder Zoogonidien (Zoosporen) statt. Diese Chloro-
phyceen-Zoogonidien sind in der Grósse, Gestalt, Zahl und Insertion der Cilien sehr
mannigfaltig. Wenn bloss zwei Cilien vorhanden sind, so stehen sie stets auf der Spitze
der Zelle oder des Schnabels (nicht wie z. B. bei den Phaeozoosporeen unter der Spitze).
Geschlechtliche Fortpflanzung erfolet durch bewegungslose Zygoten, welche direct
aus der Verschmelzung membranloser Gameten hervorgehen. Gameten sind entweder gleich-
gestaltet (Isogameten) oder es sind weibliche und minnliche Gameten (Eier und Sper-
matozoiden) durch Grósse, Gestalt etec. von einander verschieden. Der Befruchtungsakt,
dessen Product die Zygote (Zygospore, Oospore) ist, tritt bei den Algen aus dieser Klasse
in dreifacher Form auf: 1. Als eine Copulation schwármender, habituell vollstándie mit
einander úberreinstimmender Befruchtungszellen (Planogameten), deren Verschmelzung stets
noch wáhrend des Schwármzustandes dieser gleichgestalteten Gameten erfolot [sog. isogame
Befruchtung|; 2. als Befruchtung ruhender Eizellen durch schwármende Spermatozoiden,
die in der Regel viel kleiner als jene sind [sog. oogame Befruchtung]; 3. als eine Co-
pulation zweier nicht schwármender, meist gleich grosser Gameten (Aplanogameten).
Úbersicht der Ordnungen,
IV. Ordnune. Confervoideae.')
Thallus mehrzellig von haarartiger, bůscheliger, selten háuticer Gestalt. Zellen einreihie
zu gegliederten, unverzweigten oder verzweicgten Fáden vereinigt oder mehrreihig zu band-, fláchen-
oder rohrenfórmigen Zellschichten verwachsen. Chlorophyll meist in breiten Chlorophyllplatten
oder Ringen (Sphaeroplea), die innen der Zellwand anliegen, vertheilt; seltener ist der Zellinhalt
scheinbar gleichmássig grůn gefárbt oder mit Stárkekernern, Oel- und Fetttrópfchen, Schleimkugeln
u. a. so vollgepfropft, dass die Conturen der Chlorophoren dadurch vollstándie verdeckt und un-
kenntlich werden.*) Ungeschlechtliche Vermehrune durch Zerfallen der Fáden in mehrere Theile
(Fragmentirung), durch schwármende Gonidien (Zoogonidien, Zoosporen) und durch Dauerzellen
(Akineten, Aplanosporen). Zygoten durch Planogameten-Copulation und Ei-Befruchtung entstehend.
V. Ordnuns. Siphoneae.
Thallus bloss aus einer, mehrere mm grossen, schlauchfórmigen oder kleine Bláschen
darstellenden, vielfach verástelten, vielkórnicen Zelle gebildet, in welcher in einer wandstándigen
Protoplasmaschicht zahlreiche, scheibenfórmige Chromatophoren enthalten sind. Zygoten gehen
aus der Copulation von Planogameten oder aus Ei-Befruchtung hervor.
VI. Ordnung. Protococcoideae.
Thallus einzellig. Zellen von mikroskopischen Dimensionen [nur bei Hydrodictyon grósser
(makroskopisch) cylindrisch und netzartie unter einander verbunden], einzeln oder zu Familien
von verschiedener (nie aber von echt fadenfórmiger) Gestalt verbunden. © Chlorophyll wie bei den
Confervoideen an besonders ausgeformte, meist scheibenfórmige, wandstándige Chromatophoren
gebunden. Ungeschlechtliche Vermehrung durch vegetative Zweitheilung der Zellen und durch
schwármende Gonidien (Zoogonidien). Zygoten durch Planogameten-Copulation oder durch Ei-
Befruchtung entstehend.
Dass dieser rothe Farbstoff, welchen ich auch in den vegetativen Zellen einiger Oedogonium-Arten,
deren Fáden durch Austrocknung des Wassers lángere Zeit an der Luft vegetirten, vorgefunden
habe [eine roth gefárbte Bulbochaete-Art aus Boóhmen hat schon friůher Corda unter dem Namen
B. purpurea in Sturm's Deutsch. Flora, II. Abth., 30—31 Heft beschrieben und abgebildet], von
dem Rhodophyll der Florideen, wie auch von der purpurnen Modifikation des Phycochroms einiger
Schizophyceen durchaus verschieden ist, zu dem Chlorophyll aber in náchster Beziehung steht,
hat schon Cohn nachgewiesen. [Siehe dessen „Beitráge zur Physiologie der Phycochromaceen und
Florideen“, Archiv fůr mikroskop. Anatomie, 1867 p. 44).
1) Die von einigen Algologen zu« den Chlorophyceen, und zwar als deren hóchst orga-
nisirte Ordnung, gezáhlten Characeen, welche durch ihren complicirten Bau, ihre Befruchtungs-
organe etc., mit den echten Thallophylen nicht ganz úbereinstimmen, beabsichtiot ein anderer, mit
diesem Pfianzen seit lángerer Zeit sich bescháftigende Prager Botaniker monographisch zu bearbeiten.
2) So z. B. in den sog. Dauerzellen (Akineten, Aplanosporen), Zygoten und anderen
ruhenden Zellen der Chlorophyceen.
S
26
VII. Ordnunsg. Conjugatae.
Mikroskopisch kleine, einzellige oder makroskopische confervenartige, unverzweigte Algen,
deren Zellen einzeln oder zu fadenfórmigen Familien vereinigt leben. Chlorophyll in geraden oder
spiraligen Bándern, axilen Platten oder paarigen sternfórmigen Kórpern. Geschlechtliche Fort-
pflanzune durch Zygoten, welche durch Copulation von Aplanogameten entstehen. Ungeschlechtliche
Vermehrung durch vegetative Zweitheilung der Zellen. Schwármzellen nicht vorhanden.
IV. Ordnung. Confervoideae (Nematophyceae).
Die Confervoideen sind vielzellige chlorophyllgrůne Algen, deren 'Thallus aus
unverzweigten oder verzweigten, fadenfórmigen einfachen Zellreihen, oder band-, róhren-
und flůchenfórmigcen Zellschichten oder hautartigen und haarfórmigen Zellkórpern besteht.
Das Chlorophyll ist in besonders ausgeformten Chlorophoren enthalten, seltener ist es
scheinbar oleichmássie im gauzen Zellplasma vertheilt.
Vermehrung geschlechtlich oder ungeschlechtlich. © Geschlechtliche Fortpflanzung
erfolot bei den sogen. oogamen Confervoiden, an welchen besondere Geschlechtsorcane,
Oogonien und Antheridien, entwickelt sind, durch Befruchtung der Oosphaeren durch
schwármende Spermatozoiden. Das Product der Copulation dieser Gameten sind die
Zygoten (Oosporen). Bei den úbrigen sogen. isogamen Confervoiden wurde bisher bei
den meisten, z. B. bei Cladophora, Ulothrix, Trentepohlia (Chroolepus), Stigeoclonium u. a.
die Copulation von gleichgestalteten Schwármzellen (Planogameten) beobachtet, bei einigen
anderen ist aber die Planogameten-Copulation noch nicht direct nachgewiesen worden,
doch lásst sich aus anderen Grůnden annehmen, dass sie sich in ihrer Fortpflanzung den
oben angefůhrten isogamen Confervoiden gleich verhalten. Ungeschlechtliche Fortpflanzung
erfolot durch neutrale Schwirmzellen (Zoogonidien), welche, wie die geschlechtlichen Ga-
meten, aus dem Inhalte aller vegetativen Thalluszellen entstehen kónnen oder in beson-
deren, von den vegetativen abweichend geformten Gametangien (Sporangien) entwickelt
werden. Viele Confervoideen vermehren sich auch unter gewissen Umstánden durch un-
bewegliche, neutrale (ungeschlechtliche) Fortpflanzungszellen, sogen. Dauersporen oder Ruhe-
sporen (Hypnosporen), welche entweder ohne einen eigenen Zellbildunesprocess gebildet
werden [sogen. Akineten] oder erst durch einen solchen Process zur Ausbildung gelangen,
[sogen. Aplanosporen|. Sowohl von Akineten wie von Aplanosporen gibt es zweierlei
Formen: 1) solche, die unmittelbar nach ihrer Bildung, und 2) solche, die erst nach
einem vorhergehenden Ruhestadium auskeimen. Im jenem Falle ůúbernehmen sie die
Function der Zoogonidien, die Zahl der Individuen zu vermehren, in diesem aber erhalten
ste wie die Zygoten die Art aufrecht.
Die meisten Confervoiden kónnen auch in lauter Protococcus-, Palmella- etc. artige
Zellen zerfallen, resp. sie sind im Stande in ein einzelliges Palmella- (Zoogloea-) Stadium zu
úbergehen und sich auch in diesem Stadium (in Coccen- Thece- u. a. Zustánden) durch
fortschreitende Theilungen der Zellen oder durch Bildung von Schwármzellen weiter zu
vermehren.
Úbersicht der Familien der Confervoiden,
I. Unterordnune. (Oogameae.
Oogonien und Antheridien vorhanden. Aus der durch frei bewegliche Spermatozoiden
befruchteten Oosphaere entwickelt sich eine Zygote (Oospore), welche sich mit einer dicken Haut
umgibt und zur Dauerzelle wird.
Neben der geschlechtlichen ist auch ungeschlechtliche Vermehrung durch neutrale Schwárm-
zellen (Zoogoniden) und unbewegliche Dauerzellen vorhanden.
IX. Familie. Coleochetaceae.
Bůschelfórmig verzweigte oder flach ausgebreitete und meist zu flachen Scheiben unter-
cinander verwachsene, mit der ganzen Unterfláche dem Substrate fest aufgewachsene, verástelte
Zellreihen mit Oogonien und Antheridien [blos bei Herposteiron (Aphanochaete) sind diese Organe
der geschlechtlichen Befruchtung noch nicht nachgewiesen worden]. Oogonien mit einem ziemlich
langen, an der Spitze sich offnenden Hals versehen. Nach der Befruchtung der Oosphaere durch
zweigeisselige Spermatozoiden wáchst aus den, unter dem Oogonium liegenden, Zellen eine Be-
rindune um dasselbe hervor, in welcher Rindenzellschicht die ausgebildete Oospore úberwintert.
Ungeschlechtliche Vermehrung durch Schwármzellen (Zoogonidien). Einzelne vegetative Zellen mit
37
langen, haarartigen, meist in einer engen Scheide steckenden Borsten versehen. Chromatophoren
plattenfórmicg, wandstándig.
X. Familie. Oedogonieae.
Einfache oder verzweigte, am unteren Ende mit einer Fusszelle festsitzende Zellreihen,
mit eigenthůmlicher Art der Zelltheilung unter Aufbrechen der Membran der Mutterzelle, mit An-
theridien und Oogonien, welche in der Reihe der vegetativen Zellen entstehen und eines hals-
fórmigen Fortsatzes entbehren. Chromatophoren gelappt, meist aus zahlreichen zusammenhángenden,
lángstlaufenden Bándern bestehend. Endzellen der Fáden und der Aeste in eine lange hyaline,
an der Basis ofters zwiebelfórmig angeschwollene, Borste auslaufend. Ungeschlechtliche Vermehrung
durch Zoogonidien und durch unbewegliche Dauerzellen.
XL Familie. Sphaeropleaceae.
Fadenfóormige unverástelte, wurzellose, freischwimende, vielzellige Algen mit Oogonien und
Antheridien. Ungeschlechtliche Vermehrung durch Schwármzellen (Zoogonidien) fehlt. Das Chloro-
phyll ist in den vegetativen Zellen in gleich weit von einander entfernten Plasmaringen enthalten.
II. Unterordnuno. Isogameae.
Oogonien und Antheridien nicht vorhanden. (Geschlechtliche Vermehrung durch Copu-
lation zweier, ganz oleich gestalteter, Schwármzellen (Isogameten), deren Product (Zygote, Isospore)
nach cinem Ruhezustande keimt und nach allmáhlichem Wachsthum wieder ungeschlechtliche
Schwármzellen (Zoogonidien) entwickelt.
XII. Familie. Ulvaceae.
Unverzweigte, einfache Zellschichten oder unregelmássig blattartige, ebene oder krause,
aus einer Lage parenchymatischer Zellen gebildete Zellfáchen, Rohren oder Blasen, seltener solide,
fadenfoórmige Zellkórper. © Geschlechtliche Fortpflanzung durch isogame Schwármzellen, welche
sich aus dem Inhalte der Zellen entwickeln, und zu zweien copulirend, Zygoten bilden. Chroma-
tophoren plattenfórmig, der Aussenwand der Zelle ancelagert.
XIII. Familie. Chaetophoraceae.
Einfache Zellreihen, seltener durch seitliches Verwachsen zweier oder mehrerer Zell-
fáden entstandene unverzweigte Zellbánder (Schizogonium Ktz.) oder mehr weniger reichlich ver-
zweigte, mit Wurzelhaaren versehene Zellfáden, deren Endverzweigungen meist in farblose Haare
auslaufen. Zellen einkernig. Zoogonidien meist zu 2 bis 16 in einer der vegetativen Zellen gleichenden,
Mutterzelle entstehend. Chromatophoren einzeln, band- oder ringfórmig, wandstándie, ofters an
Rándern mannigfaltig gelappt.
XIV. Familie. Cladophoraceae.
Einfache unverzweigte, oder wiederholt verzweigte Zellfáden ohne farblose Haare, deren
Zellen mehrkernig, seltener zwei- oder einkernig (Conferva), sind. Zoogonidien zahlreich, wenig-
stens zu 32, in einer, den vegetativen Zellen gleich entwickelten Mutterzelle enstehend. Zellen
meist mit robuster Zellhaut, ofters mit einer Specialmembran versehen, welche am deutlichsten an
den Scheidewánden von der gemeinsamen cetrennt ist und die bei der Zelltheilung in H.-fórmiče
Stůcke zerreisst. Chromatophoren scheibenfórmig, wandstándig, einzeln oder durch fortgesetzte
Theilung der álteren, vielfach durchbrochenen, Chromatophoren zahlreich.
XV. Familie. Trentepohliaceae.
Subdichotomisch oder seitlich verzweiste, gecliederte Zellfáden ohne farblose Haare
und Rhizoiden. Vegetative Zellen mit homogener Zellhaut, einkernig, mit scheibenfórmigen, wand-
stándigen Chlorophoren, welche ofters vollstándig von rothen Schleimkugeln (Haematochrom) des
Zellinhaltes verdeckt sind. Zoogonidien zahlreich, zu 20 bis 60 und mehr in einer, von den vege-
tativen Zellen mehr oder weniger in Form und Grósse differirenden Mutterzelle entstehend.
IX. Familie. Coleochaetaceae.
Der Thallus der Coleochaetaceen ist polsterfórmig oder scheibenfórmig, aus meist
dichotomisch verzweigten Zellreihen aufeebaut. Zellen an den frei wachsenden Fáden
lánslich oder fast birnfórmig, an den zu mehr oder weniger regelmássicen, kreisrunden,
an einer Unterlage festsitzenden, zu kleinen Scheiben verwachsenen Fáden in der Fláchen-
ansicht meist viereckig, dicht gedránst; einzelne Zellen mit, in engen Scheiden steckenden
farblosen Borstěnhaaren versehén, welchen die ganze Familie ihrén Namen verdankt. Die
Chromatophoren sind in Form grůner, wandstándiger, Platten in den Zellen ausgebildet.
Ungeschlechtliche Vermehrung erfolet durch zwei-, selténer vierwimperige Zo0g0-
gonidien, welche in allen vegetativen Zellen entstehen kónnen, und zwar erzčust jede
Zelle blos eine Zoogonidie, die nachher durch eine Offnung in der Membran ausschlůpft.
Aus diesen Zoogonidien, welche den Spermatozoiden im Ganzen áhnlich, aber bedcutend
grósser sind, wachsen, nachdem sie zur Ruhe gekommen sind, neue Fáden aus, die ent-
weder bůschelfórmie verzweist zu Polstern vereinigt sind oder zu flachen Scheiben unter
einander verwachsen.
38
An. Geschlechtsorgane tragenden Pflanzen entstehen in Oogonien ruhende 00s-
pháren, in den Antheridien schwármende Spermatozoiden. Nach der Befruchtung der
Eizelle durch die Samenkůrperchen wáchst aus den untér dem Oogonium liegenden Zellen
eine Berindung um dasselbe hervor, welche spáter das ganze oder den unteren Theil des
Oogoniums fest umschliesst, und an deren Bildung bisweilen auch Aeste anderer Thallus-
fáden sich betheiligen. © Der Inhalt der úberwinternden Zygoten theilt sich im náchsten
Frůhling unter Volumenzunahme mehrfach und verwandelt sich in einen, aus wenigen
Zellen bestehenden, parenchymatischen Gewebekórper. In jeder Zelle dieses Gewebe-
kórpers wird spáter eine Zoogonidie gebildet, welche sowohl in ihrem Ausseren, als auch
in ihrer weiteren Entwickelung věllig den ungeschlechtlich erzeusten Zoogonidien oleicht,
Aus den Schwármzellen, welche im Frůhjahre beim Beginnen der Vegetation aus den Zellen
der vorjáhricen Zygote hervortreten, entwickeln sich blos ungeschlechtliche Pflanzen, also
blos solche, welche nur durch neutrale Schwármzellen sich vermehren, erst nach einer
deihe solcher ungeschlechtlicher Generationen entsteht eine geschléchtliche, Oogonien und
Antheridien bildende Generation, die entweder moněcisch oder diócisch sein kann.
10. Gattung. (Coleochaete Bréb.
Der Thallus ist etwa 1 bis 2 mm, seltener bis 3 mm im Durchmesser cross
und besteht aus činer Anzahl radial gestéllter, oft seitlich mit éinander verwachsener und
dann eine Scheibe bildender Zellreihen oder aus locker zu grůnen punktfórmigen Polstern
verbundenén bůschelie verzweigten Zelfáden. Die Zellen dieser Algen enthalten děr Zell-
oberseite angelagerte, plattenfórmige Chromatophoren (Chlorophoren) und verměgen auch
im Alter eigenthůmliche Borsten zu erzeugen. Die Coleochaete-Borsten sind an ihrer
Basis von einer Šcheide umgeben, welché wahrscheinlich aus den gesprensten usseren
Lamellen der Zellhaut besteht, wáhrend die innéren Partien derselben sich zu einem
důnnen, aber soliden Borstenhaar gestréckt haben.
Die Oogonien entstehen béi éinigen C.-Arten aus den Scheitelzellen der auf-
steigenden Fáden, die entweder in einem oder in mehreren concentrischen Kreisen auf
dem Thallus angeordnet sind. Diejenigen Zellen, welche zu Oogonien werden sollen,
schwellen bauchig an und verlángern sich bei einigen Arten am oberen Ende in einen
an der Spitze sich dffnenden, dem Trichogyn der Florideen áhnlichen, fadénfórmigen Fort-
satz (sogen. Hals). Die, je ein Spermatozoid erzečugenden, Antheridien treten entweder
in der Nachbarschaft der Oogonien (moněcische Arten) oder an anderen Plánzchen (dió-
cische Arten) auf. Durch zweifache Zweitheilung theilen sich einzelne altere vegetative
Zellen in vier Zellen, von denen jede ein Spermatozoid erzeugt (so bei C. scutata). Bei
anderen Ú.-Arten treten die Antheridien als kleine flaschenfórmige Zellen auf, welche zu
zwei oder drei aus einzelnen vegetativen Zellen, in Form kurzer Seitenáste entstehen.
Jede dieser Zellen entlásst ihren Inhalt als ein einziges fast farbloses, kugeliges oder
ovales Spermatozoid, das an seineém vorderen Ende zwei lange Cilién trást. Durch den
gedffneten Hals des Oogoniums dringen die Spermatozoiden bis zu der Eizelle vor und
befruchten diese, worauf sie sich zur Zygote (Oospore) ausbildet, welche den Bauchtheil
des Oogoniums vollstůndie ausfůllt.
Nach der Befruchtune wird bei den scheibenfórmigen Arten um das Oogonium
nur auf der Oberseite eine Berindung gebildet, bei C. orbicularis und C. irregularis bleibt
sie auch auf dieser Seite rudimentár oder sie entwickelt sich gar nicht. Die reifen, von
dem Oogonium und dessen Berinduneschicht eingeschlossenen Oosporen úberwintern. Erst
im náchsten Frůhjahr theilt sich der Inhalt dieser Zygoten in mehrere Partien, von denen
jede nachher als Schwármzelle die Rindenschicht verlůsst und eine neue, ungeschlechtliche
Pílanze hervor bringen kann.
1. Sect. Eucoleochaete (De Bréb.) nob. Lager polsterartig erhaben. Zweige auf-
strebend. © Moněcische Arten.
17. C. pulvinata A. Br. Jahrb. f. w. Bot. 1860 IT. T. 2. Bildét etwa 1 bis 2 mm
hohe, erhabene kreisrunde grůnliche Polster (nie flache Scheiben), welche aus radial ge-
Coleochaete. 39
stellten, mehr oder minder aufrecht abstehenden, Zweigen
bestehen, die von einem aus zwei neben einander liegenden
Zellen gebildeten Centrum ausgehen. © Vegetative Zellén
meist 20 bis 43 u dick, kaum 2mal so lang. Oogonien
ursprůnelich flaschenfórmic, spáter vollstándig berindet und
kugelrund. Berindetes Carpogon bis 150 u dick; reife Frucht
ohne Rinde bis 110 u dick. Antheridien in der Náhe der |
: i i ;
a ae. o u dick, 2'/„mal so lang. Sperma- Fig. 13. Coleochaete pulvinata
i : A. Br. aus den Teichen bei
var. B) minor Pringsh. Lager niedrig, fast scheiben- © Krobitz náchst Franzensbad.
fórmig, mit nur wenig ausgebildeten Aesten versehen. Grós- © Theil eines | fructificirenden
senverháltnisse sind meist viel geringer, als bei der typischen © Stockes;links miteinem jungen
Form; doch kommen auch Exemplare vor, die in der Grósse BE AVT GTEM NENSN O OBHO
: ? s" A deten Oogonium; etwa 100mal
ihrer Zellen und Oogonien jener Form seleich kommen. vergr.
An untergetauchten Bláttern und Stengeln verschie-
dener Wasserpflanzen in Teichen, Seen, Tůmpeln, auch in torfigen Gewássern; in Bóhmen
zerstreut, stellenweise aber massenhaft (6—9).
In stehenden Gewássern in der Umgebung von Prac z. B. in den Tůmpeln an
der Kaiserwiese und bei Hlubočep, frůher 1872——75 auch in den Siůmpfen bei Vysočan
nicht selten (!), in den Tůmpeln an der Elbe bei Kolín, in den Waldteichen bei Střezmiř
náchst Stupčic! in den Teichen bei Lomnic náchst Wittingau; in den Teichen bei Krobitz
náchst Franzensbad und im grossen Arber-See im Bohmerwalde sehr reichlich!; im Fisch-
hofer Teich bei Hohenfurth!
18. C. divergens Pringsh. Jahrb. f. wis. Bot. 1860 II. T. 2. Wittr. et Nordst.
Ale. exs. Nr. 1! Polster unregelmássig ausgebreitet, mit minder zahlreichen emporstei-
genden Fáden. Wachsthum nicht concentrisch, ohne zweizelliges morphologisches Centrum.
Veget. Zellen etwa 25 u dick, 1 bis 3mal so lang (meist 50 bis 92 u lang). Durch-
messer der berindeten Oogonien bis 136 u, der reifen Oosporen bis 94 u.
var. B) minor nob. Veget. Zellen meist nur 12 bis 18 u dick, 1 bis 2'/,mal
so lang, berindete Oogonien etwa 60 bis 80 u dick, reife Oosporen 54 bis 70 im
Durchmesser.
Wie vor. čfters auch im schleimigen Lager von Batrachospermum (Wittr. et
Nordst. Alg. exs. Nr. 1!), Schizochlamys u. a. Algen (6—9).
So in den Elbetůmpeln bei Houška náchst Brandeis im schleimigen Lager von
Schizochlamys var. B)!
2. Sect. Phyllactidium (Ktz. ex p.) nob. Lager scheibenartig, niederliegend mit der
ganzen Unterfáche dem Substrate aufoewachsen. Zweige kriechend. Moněcische und dič-
cische Arten.
19. C. orbicularis Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1860. II. T. 1. Kleine, flache
kreisrunde Scheiben, bei denen die radialen Zweige seitlich zu einer flachen, parenchy-
matischen Zellschicht verwachsen sind. Veget. Zellen 8 bis 12 u dick, etwa 2mal so
lang. Carpogonien eifórmie, ohne Halsfortsatz, auf der Unterseite immer nackt, auf der
Oberseite meist nur unvollstándig berindet oder ganz nackt, reif etwa 50 bis 66 u breit,
60 bis 86 u lang, meist in concentrischen Kreisen, Antheridien unbekannt.
An Wasserpflanzen meist an der Unterseite der auf der Wasseroberfláche schwim-
menden Blátter verschiedener Hydrophyten, insbesondere Nuphar, Nymphaea u. á., ebenso
an der Unterseite der Lemna-Stengel, auch an untercetauchten Stengeln der Typha, Phrag-
mites, Sparganium etc., auch an untergetauchtem Holz u. a. Gegenstinden (5—10).
Bei Prag, z. B. in den Schanzgráben hinter dem gew. Kornthor, in den Tůmpeln
auf der Kaiserwiese, bei Hlubočep und bei Radotín; in den Sůmpfen bei Běchovic und
Oužitz náchst Kralup; in den Elbetůmpeln bei Kostélec a. E., bei Raudnitz, Lobositz;
bei Čížkovitz, in den Tůmpeln an der Eger bei Laun; ebenso n den TŤůmpeln an der
Iser bei Jang-Bunzlau und bei Bakov! in den Elbetimpeln bei Kolín, Pardubic, in dén
- Sůmpfen bei Rosic und Kóniggrátz. In den Teichen bei Libňoves an der Cidlina- bei Habstein,
40 Coleocháete — Herposteiron.
Hirschberg, Weisswasser, Brůx, Dux, Franzensbad, Tabor unter dem kleinen Wasserfalle
bei der stádt. Wasserleitung in sehr grossen Exemplaren, bei Frauenbere, bei Budweis, in
den Teichen bei Hohenfurth, bei Veselí, Sobieslau, Olbramovic und Podolí náchst Votic;
in den Teichen an der Bahn bei Střezmiř náchst Stupčic,
20. C. seutata De Bréb. Jahrb. f. w. Bot. 1860.
II. T. 1. Diócische, flache kreisrunde, zahlreiche Borsten
tragende Scheiben, die wie bei der vorigen Art aus einer
parenchymatisch zusammenhángenden einschichtigen Zelllace
gebildet sind. Vegetative Zellen sind bis 25—46 u dick,
1 bis 3mal so lang (nach Pringsh.). Oogonien eifórmig ohne
Halsfortsatz, auf der Oberseite vollstándie berindet, auf der
Unterseite nackt. Antheridien auf besonderen mánnlichen
Exemplaren, zu je vier aus einer vegetativen Zelle durch
n Theilune entstehend. Die Oosporen sind etwa 140 bis 160 u
p Páněsu Stůck einer fuč: Pe “ oo i
ifeireidení TMallus- Scheibe. Wie vor., doch seltener verbreitet (6—9). So in
Vergr. 250fach. den Teichen bei Brůx und Franzensbad! in den Teichen
-bei Chlomek náchst Turnau, nicht fructificirend!
21. (. irregularis Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1860 II. T. 1 u. 6. Lager von
unregelmássiger Gestalt, aus niederliegenden, zusammenhángenden, untereinander zu einer
fast lůckenlosen einschichtigen Zelllage verwachsenen Fáden bestehend. © Vegetative
Zellen etwa 25 u dick, fast eben so lang oder etwas lánger als dick. Oogonien eifórmig,
ohne Halsfortsatz, auf der Unterseite ganz nackt, auf der Oberseite meist nur sehr un-
vollstándig berindet, oder ganz nackt ohne bestimmte Ordnung zwischen den Fáden ver-
theilt, etwa 64 bis 120 u lang. Antheridien unbekannt.
Wie vor. (6—9). So in den Teichen bei Franzensbad nicht fructificirend ! *)
11. Gattung. Herposteiron Nás. (Aphanochaete A. Br.).
Thallus aus unregelmássig verzweigten Zellfáden bestehend. Verzweigungen ein-
ander oleichgestaltet, alle oder nur die primáren niederliegend und ofters zu einer un-
regelmássigen Scheibe verwachsen. | Einzelne Zellen auf dem Růcken oder an der Spitze
eine ziemlich lange, scheidenlose, an der Basis dfters mássie angeschwollene Borste tragend.
Ungeschlechtliche Fortpfianzung durch Zoogonidien und Dauerzellen (Hypnosporen). Ge-
: schlechtliche Fortpflianzung unbekannt. (Habituell ist diese
Gattung der vorhergenden áhnlich.)
22. H. repens (A. Br.) Wittr.?) (Aphanochaete
repens A. Br.) Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 406! Brit.
fresh. ale. T. 80. Alle Verzweigungen gleichgestaltet, der
| | Unterlage angewachsen; vegetative Zellen 5 bis 10 u dick,
Fig. 15. Ierposteiron repens 1 bis 2mal so lang, leicht angeschwollen, auf dem Růcken
(A. Br.) Wittr. Auf Lemna- : A ;
Wurzel aus den Schanzgráben ofters eine důnne, hyaline Borste tragend.
bei Prag. Vergr. ca. 200mal. In stehenden Gewássern, Teichen, Sůmpfen, Gráben,
auf der Aussenfláche der Zellmembran verschiedener hóherer
Algen oder an Bláttern und Wurzeln verschiedener Wasserpflanzen (Lemna minor, tri-
sulca u. .) festsitzend; zerstreut, meist in der Ebene verbreitet (4—9).
So in der Umgebung von Prag z. B. in den Schanzeráben hinter dem gew.
Kornthor, in einem Tůmpel an der Moldau bei Troja an Cladophora fracta, ebenso in
den Tůmpeln náchst Branik, in den Tůmpeln an der Beraun bei Radotín, in den Sůmpf-
») Auch Chaetopeltis orbicularis Berthold, Phycopeltis epiphylla Millard., Chromopeltis
irregularis und Ch. radians Reinsch, welche habituell den scheibenfórmigen Coleochaete-Arten
áhnlich sind, werden wahrscheinlich in Bohmen noch entdeckt werden.
2) Hoffentlich wird in Bóhmen auch JZ. confervicola A. Br. und JZ. (Aphanochaete) glo-
bosa Nordst., von welchen die letztere H.-Art nach Fr. Wolle (Freshwater algae IV. p. 48) der
Coieochaete soluta Pringh áhnlich sein soll, in Bóhmen noch entdeckt werden.
Oedogonium. 41
chen bei Oužic náchst Kralup, in den Elbetůmpeln bei Neratovic, Lobositz und Kolín a. E.,
in den Teichen bei Dymokur, bei Libňoves an der Cidlina; in den Teichen bei Hirsch-
berg, Dux, Brůx; in den Sůmpfen bei Saidschitz náchst Bilín an Cladophora fracta; bei
Laun. In Sůdbohmen bei Podolí náchst Votic, bei Tabor, Písek (auf Lemna-Wurzeln),
bei Lomnic, Wittingau, im Fischhofer Teiche bei Hohenfurth, im grossen Arber-See im
Bohmerwalde!
X. Familie. Oedogonieae.')
Fadenfórmige verzweigte oder unverzweigte, im Wasser lebende Algen, deren
Glieder durch intercalares Wachsthum sich vermehren, mit Endzellen, welche ofters in
hyaline Borsten auslaufen, wáhrend die Basalzellen (Fusszellen) mit einer lappigen Haft-
scheibe an der Unterlage festsitzen. In Folge einer eigenthůmlichen Zelltheilung tragen
einzelne Zellen an ihrer Spitze kurze, in einander geschachtelte Zellhautkappen, nach
welchen die Oedogonieen auch im sterilen Zustande leicht erkannt werden kónnen.
Ungeschlechtliche Vermehrung theils durch Schwármzellen, welche einzeln aus
dem ganzen Inhalte der vegetativen Zellen entstehen und rings um eine hyaline Spitze
einen Kranz von Geisseln tragen, theils durch Dauerzellen (Akineten, Hypnosporen), die
unter gewissen Umstánden, gewóhnlich am Ende der Vegetationsperiode aus den vege-
tativen Zellen entstehen, deren protoplasmatischer Inhalt dichter wird und deren Mem-
branen sich verdicken. Solche Dauerzellen sind im Stande am Grunde der Gewásser,
wo die Oedogonieen vegetiren, zu úberwintern oder im Sommer nach einer Austrocknung
des Wassers bis zu der náchsten Vegetationsperiode keimungsfáhig sich zu erhalten.
Geschlechtliche Vermehrune durch unbewegliche Zygoten (Oosporen). Die Anthe-
ridien und Oogonien tragenden Geschlechtspflanzen sind entweder moněcisch oder didcisch.
Bei vielen Arten bildet die weibliche Pflanze besondere Schwármzellen (Androsporen), aus
welchen kleine mánnliche Pflánzchen sogen. Zwergmánnchen hervorgehen. Die Oogonien
eutstehen an den Fáden aus vegetativen Zellen, indem diese gleich nach der Theilung
kugelig oder eifórmig anschwellen und sich stárker als die úbrigen Zellen mit Inhalts-
stoffen anfůllen. Nach der Befruchtune des zu einer Oosphaere ausgebildeten Oogonium-
Inhaltes durch frei bewegliche Spermatozoiden, wird aus der Oosphaere je eine Zygote
(Oospore) gebildet, deren Inhalt (ofters auch die Zellhaut) braun, gelbbraun, rothgelb oder
roth sich fárbt. Nachdem das Oogonium von den Nachbarzellen des Fadens sich abge-
trennt hat und zum Boden gesunken ist, kann die in der Haut des Oogoniums einge-
schlossene Zygote úberwintern. © Aus dem Inhalte der Zygoten, welche ihre Ruheperiode
úberdauert haben, entstehen wieder mehrere Schwármzellen, welche ungeschlechtliche, d. h.
blos durch Schwármzellen sich vermehrende Pflanzen erzeugen, aus diesen gehen abermals
solche hervor, bis die Reihe der cgeschlechtslosen Pflanzen durch eine geschlechtliche
Generation geschlossen wird; aber auch von dieser Generation werden neben den Zygoten
mitunter auch ungeschlechtliche Zoogonidien (Schwármsporen) erzeugt, die einzeln in
vegetativen Zellen aus deren ganzem Inhalte sich bilden und rings um eine hyaline Stelle
herum mit Cilien versehen sind.
12. Gattune. Oedogonium Link.
Der Thallus besteht aus einer unverzweigten Zellreihe. Vecet. Zellen cylindrisch
- mit gerade verlaufenden, seltener wellig eingeschnůrten Lángswánden, dfters an ihrer Spitze
kurze, in einander eingeschachtelte Zellhautkappen tragend. Antheridien werden entweder
an denselben Fáden angelest, welche auch Oogonien tragen (monocische Arten) oder sie
entstehen in besonderen mánnlichen Pflánzchen (didcische Arten). Im letzteren Falle
1) Die folgende Eintheilune der Oedogonieen ist auf Grundlace der Wittrock'schen
Monographie „Prodromus monographiae Oedogonicarum“, 1874 sowie Wittrock's Abhandlungen
„Oedogoniaceae novae in Suecia lectae,“ 1872, „Oedogonieae americanae hucusgue cognitae,“ 1878,
Wittrock's und Nordstedts „Desmideae et Oedogonieae in Italia et Tyrolia collectae“, 1876 und
ihrer „Algae aguae dulcis exsiccatae“, 1877—85 durchcefůhrt worden.
49 Oedogonium.
bilden die mánnlichen Oedogonien-Fáden entweder kurze ein- bis weniozellige Zwerg-
mánnchen, die in der Náhe der Oogonien sitzen oder sie bilden unterbrochen von vege-
tativen Zellen Fáden, welche den weiblichen gleichgestaltet sind. Die Zwergmánnchen
entstehen aus mánnlichen Schwármzellen (Androsporen), welche entweder an weiblichen
Fáden (gynandrospore Arten) oder auf besonderen, unfruchtbaren Fáden (idiandrospore
Arten) in kurzen, den Antheridien áhnlichen, Zellen (Androsporangien) gebildet werden.
Die unterste vegetative Zelle mehrzelliger Zwergmánnchen (Fusszelle) ist steril, die úbrigen
stellen Antheridien dar, in welchen Spermatozoiden entstehen. Letztere befruchten die
Oosphaere, indem sie mit derselben zusammenfliessen, nachdem sich das Oogonium durch
einen aufklappenden Deckel oder durch ein rundes Loch vedffnet hat. Die unter dem
Oogonium befindliche Zelle (Stůtzzelle) ist oftérs stark angeschwollen und grósser als
andere vegetative Zellen. Die áussere Haut der Oospore (Episporium) ist glatt, mit Lángs-
rippen versehen oder seltener stachelig,
1. Sect. LHuoedogontum (Wood) nob.“) Moněcische Arten. Oogonien kugelig,
ohne Vorsprůnge in der mittleren Region (glatt).“)
23. Oe. minus Wittr. Wittr. et Nordst. Ale. exs. Nr. 22, 23! Veget. Zellen
9 bis 13 u dick, 3 bis 6mal so lang, ihre Membran sowie die der Oogonien mit spiral-
fórmig gereihten Punkten besetzt. Oogonien einzeln, niedergedrůckt-kugelig, in der
Mitte mit einem engen Spalt, in welchem sie sich mit einem Loche offnen, 34 bis 46 u
dick, 28 bis 42 u lang. Oosporen niedergedrůckt-kugelig, die Oogonien fast ganz aus-
fůllend, 30 bis 42 u dick, 26 bis 36 u lang. Spermogonien 1 bis 10zellig, úber oder
unter den Oogonien oder seltener zerstreut, 9 bis 12 u dick, 3 bis 5 u lang. Sperma-
tozoiden einzeln.
In Teichen, Sůmpfen, Wassergriben, ziemlich selten. Fructif, 7—8. So in den
alten Teichen náchst der Zuckerfabrik bei Dymokur, in den Teichen bei Lomnitz náchst
Wittingau!
24. 0e. crispum (Hass.) Wittr. [Pringsh. Jahrb. 1858 I. T. 5 als Oe. rostel-
latum] Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 209, 508! Vegetative Zellen 12 bis 18 u dick,
2 bis 4"/,mal so lang. Oogonien eifórmig-kugelfórmig, einzeln, mit einem Deckel sich
offnend, 37 bis 49 u dick, 42 bis 54 u lang von der fast kugeligen Oospore nicht ganz
erfůllt. Oosporen 33 bis 46 u dick, 34 bis 46 u lang. Antheridien 2 bis 5 zellig,
úber oder unter dem Oogonium, 9 bis 14 u dick, 7 bis 12 u lang. Endzelle stumpí.
var. B) gracilescens Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs, Nr. 509! Zellen 10 bis 13 u
dick, 3 bis mal so lang, Oogonien 33 bis 39 u dick, 42 bis 47 u lang, eifórmig-
kugelfórmig, oder fast kugelie, einzeln, selten zu zwei hinter einander; Oosporen die
Oogonien fast ganz ausfůllend 32 bis 36 u dick, 34 bis 42 u lang, mit gekórntem
Epispor; Antheridien úber den Oogonien, 9 bis 10 u dick, 7 bis 75 u lanc.
In stehenden Gewássern, 'Teichen, Sůmpfen u. a. in Bóhmen in der Ebene und
auch noch im Vorgebirge verbreitet. Fructif. 6—8. In der náchsten Umgebung von
Prag mehrfach, so z. B. in den Tůmpeln an der Moldau, in den Teichen bei Kunratic,
in den Sůmpfen bei Vysočan, Podmoráň, Karlstein náchst Beraun, Elbe-Kostelec, Houška
náchst Brandeis a. E., Raudnitz, Lobositz, bei Bakov, Hirschbere, Trautenau; in den
Teichen bei Olbramovic náchst Wotic, bei Tabor, Veselí, Wittingau auch B., Lomnitz,
Hohenfurth, Krummau; in den Teichen bei Tschausch náchst Brůx, bei Dux, Franzensbad!
25. 0e. cymatosporum Wittr. et Nordst. Vecet. Zellen 8 bis 10 u dick, 4 bis
Tmal so lang. Oogonien einzeln, selten zu zwei hinter einander, niedergedrůckt-kucelig,
mit einem Loche in der Mitte oder etwas hůher sich offnend, 24 bis 34 u dick, 27 bis
96 u lang, Oosporen niedergedrůckt-kugelig, 22 bis 31 u dick, 19 bis 27 u lang. Die
9 In seinem Werke „A contribution to the history of the fresh-water algae of North
America, 1872, p. 195 u. £“ hat Wood die Gattung Oedogonium Link. in drei Gattungen: Oedo-
gonium, Pringsheimia, Androgynia, die wir oben als Sectionen anfůhren, zersplittert.
7) Oe,-Arten, deren Oogonien mit wirtelig gestellten Vorsprůngen in der mittleren Zone
verschen sind, wurden bisher in Bohmen nicht entdeckt.
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Oedogonium. 43
Oogonien fast ausfůllend mit runzeligem, im optischen Durchschnitt wellig ausgerandetem
(fast gekerbtem) Epispor, Ausrandungen zahlreich und ziemlich tief. Antheridién 1 bis
© 4zellig, úber oder unter den Oogonien, oder zerstreut, 8 bis 9 u dick, 9 bis 15 u lang.
In Sůmpfen, Wassergráben wie vor., selten; fructifť. 6—8. So in den Sůmpfen
an der Bahn bei Ouval mit Oe. sexangulare Clev.
26. Oe. Vaucherii (Le Cl.) A. Br. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 14, 605!
Veget. Zellen 20 bis 30 u dick, 1", bis 4mal so lang. Oogonien einzeln eifórmig-
kugelfórmig oder fast kugelig 40 bis 55 u dick, 45 bis 65 u lang, mit einem Loche
oben sich offnend, von der etwa 35 bis 50 u dicken, 35 bis 52 u langen Oospore fast
ganz erfůllt; Antheridien 17 bis 24 u dick, 6 bis 11 u hoch, 2 bis 4zellig, úber oder
unter dem Oogonium.
In stehenden Wássern, Tůmpeln, Teichen, Gráben u. á. wie vor. verbreitet,
Fructif. 6—8. In der Umgebung von Prag z. B. in den Tůmpeln an der Moldau, in den
Teichen bei Kunratic, Hloupětín, in den Tůmpeln bei Podmoráň, Elbe-Kostelec, Brandeis
a. E., Leitmeritz, Lobositz, Kónigerátz; bei Tabor, Veselí, in den Tůmpeln an der Moldau
bei Krummau!
2. Sect. Androgynta (Wood.) nob. Dičcische Arten. Die Spermatozoiden ent-
stehen in einzelligen, zwei- oder mehrzelligen Zwergmánnchen. «) Zwergmánnchen ein-
zellig. «) Vegetative Zellen wellig eingeschnůrt (Cymatonema Ktz.).
27. Oe. undulatum (Bréb.) A. Br. [Cymatonema confervaceum Ktz. Tab. phycol.
III. T. 47.] Veget. Zellen 15 bis 17 u dick, 3 bis mal so lang. Oogonien einzeln
oder zu zweien elliptisch-kugelformig oder fast kugelig, 51 bis 56 u dick, 57 bis 75 u
lang, von der 46 bis 50 u dicken, 48 bis 60 u langen, elliptisch-kugeligen oder fast
kugelrunden Oospore gróssten Theils ausgefůllt. Zwergmánnchen einzellig, 9 bis 10 u dick,
65 bis 70 u lang, lánolich kugelfórmig, auf den Stůtzzellen sitzend. Endzellen, welche
úfters zu Oogonien sich entwickeln, stumpf. Vegetative Zellen viermal wellig eingeschnůrt,
Einschnůrungen olatt;
var. B) %netsum nob. Einschnůrungcen der veget. Zellen an der Wólbung alle
(aussenommen die mittlere) leicht eimal ausgerandet.
In Teichen, Sůmpfen, Wassereráben, meist unter anderen Algen zerstreut, in
Bóhmen in der Ebene und im Vorgebirge ziemlich verbreitet. Fructif, (7—10). In dem
Můhlteiche bei Kunratic náchst Prag 1883 !, in den Sůmpfen bei Pardubic, Libňoves an
der Cidlina, Kónigerátz mehrfach, in den Teichen bei Tschausch náchst Brůx, auch var. B),
bei Dux, in den Teichen bei Kaltenbrunn náchst Hohenfurth, in den Tůmpeln an der
Moldau bei Ebenau náchst Krummau, bei Lomnitz, Wittingau, Sobieslau, Veselí; in den
Sůmpfen bei Střezmiř náchst Stupčic! )
B) Vegetative Zellen cylindrisch, nicht eingeschnůrt.
28. 0e. cyathigerum Wittr. Dispos. Oed, suec. T. 1. Idiandrospor. Veget. Zellen
24 bis 30 u dick, 2 bis mal so lang, Stůtzzellen stark angeschwollen, 44 bis 48 u
dick, 2mal so lang. Oogonien zu zweien oder einzeln, eifórmig oder fast viereckig-
elliptisch, mit einem Loche oben sich offnend 57 bis 66 u dick, 70 bis 90 u lang, von
der fast elliptischen 51 bis 60 u dicken, 60 bis 75 u langen Oospore ausgefůllt. End-
r) Eine interessante Oedogonium-Form, welche der von P. Reinsch in seinem Werke
„Contributiones ad algologiam et fungologiam“, 1875, p. 77 als Cymatopleura sp. kurz beschrie-
benen, unter dem Namen Cymatonema sp. nach einem Bruchstůck abgebildeten [I. c. Tab. VI.
Chlorophyllophyceae] Oedogonium-Art — deren lánglich sechseckige Zellen etwa 13 u dick, 29'6 u
lang sind — in der Form der Zellen áhnlich ist, habe ich in Bohmen einigemal, meist aber nur
vereinzelt unter anderen Algen, in grósserer Menge bisher blos bei Lomnic náchst Wittingau
angetroffen. Die veget. Zellen dieser Alge sind meist lánglich sechseckig 6 bis 8 u dick, etwa
15 u lang; seltener kommen an den meist kurzen Fáden dieser Oe.-Form unter den sechseckigen
auch einzelne lánelich cylindrische etwa 4 w dicke, 3 bis 4mal so lange Zellen vor. Fructificirende
Fáden sind noch unbekannt. Dieses sterile Oedogonium kommt auch in Schweden vor [Wittr. et
Nordst. Alg. exs. Nr. 4!].
44 Oedogonium.
zelle, welche čfters zu einem Oogonium wird stumpf; Androsporangien vielzellig, 23 bis
80 u dick, 12 bis 30 u lang. Zwergmánnchen einzellig, becherfórmig, leicht gekrůmmt,
auf den Stůtzzellen sitzend 12 bis 15 w dick, 50 bis 54 u lang.
In stehenden Gewássern, Teichen u. a. selten. Fructif, 7—8. Bisher blos in den
Teichen bei Brůx!
b) Zwergmánnchen zwei- oder mehrzellig; «) Oosporen glatt, nicht stachelig,
29. 0e. Borisianum (Le Cl.) Wittr. Tab. phycol. VII. T. 35. Wittr. et Nordst.
Alg. exs. Nr. 11! Gynandrospor (oder idioandrospor?). Veget. Zellen 15 bis 21 u dick,
3 bis bmal so lang, Stůtzzellen angeschwollen, 31 bis 33 u dick, 2mal so lang. End-
zellen stumpf. Oogonien einzeln oder zu zweien mit einem Loche oben sich offnend,
45 bis 50 u dick, 60 bis 75 u lang von der fast eifórmigen 40 bis 44 u dicken, 51
bis 54 u langen, glatten, elliptischen Oospore fast ausgefůllt. Androsporangien 2- (oder
mehr-?) zellig, 17 bis 18 u dick, 15 bis 20 u lang. Zwergmánnchen ein wenig gekrůmmt,
auf den Stůtzzellen sitzend, mit etwa 18 u dickem, 45 bis 57 u langem Fuss. Anthe-
ridien einzellig 10 u dick, 21 u lang.
In Teichen, Tůmpeln wie vor., ziemlich selten. Fructif. 7—8. So in den Teichen
bei Kaltenbrunn náchst Hohenfurth, bei Eisenstein und in den Tůmpeln an der Adler
náchst Kónigerátz!
30. 0e. acrosporum D. By. Úber Oedog. u. Bulb. T. 3. Idiandrospor. Veget.
Zellen 10 bis 14 u dick, 2 bis 7mal so lang, Endzelle stumpf. Stůtzzellen 15 bis 18 u
dick, 2 bis 3mal so lang. Oogonium an der Spitze des Fadens, mit einem sehr kleinen,
bald verschwindenden Deckel sich offnend, 30 bis 35 u dick, 45 bis 51 u lang, von der
Oospore ganz auscefůllt. Die Membran der letzteren an der Innenseite lángsstreifig.
Zwergmánnchen gekrůmmt, auf den Stůtzzellen sitzend, mit meist zweizellisem Fuss, die
obere dieser Zellen sehr (55 bis 65 u) lang, 6 bis 8 u dick, die untere 9 bis 12 u
dick, 24 bis 32 u lang. Antheridien 1 bis 2zellig, 6 bis 8 u dick, 14 bis 15 u lang.
var. B) connectens Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 401! Gynandrospor (und
idiandrospor?), veget. Zellen 12 bis 19 u dick, 9 bis 6mal so lang, Stůtzzellen 16 bis
23 u dick, 2'/, bis 3"/,mal so lang. Oogonien 33 bis 48 u dick, 50 bis 72 u lang,
Epispor mit etwa 25 Lángsstreifen, mit dicker Membran, Androsporangien 1 bis 2zellic,
unter den Oogonien, 18 bis 22 u dick, 12 bis 15 u lang, die untere Zelle am Zwerg-
mánnchen 8 bis 12 u dick, 29 bis 38 u lang, die obere 5 -bis 6 u dick, 66 bis 70 u
lang, Antheridien 6 bis 75 u dick, 16 u lang.
In Teichen wie vor., selten. Fructif. 6—8. So in den Teichen bei Brůx spárlich !
31. 0e. sexangulare Clev. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 12! Gynandrospor.
Veget. Zellen 9 bis 16 u dick, 3', bis mal so lang. Oogonien einzeln (selten zu
zweien), sechseckig-ellipsoidisch, mit einem etwas ber der Mitte liegenden Loche sich
offnend, 29 bis 32 u dick, 33 bis 38 u lang, von der 27 bis 30 u dicken, 31 bis 36 u
langen, glatten, fast elliptischen Oospore ausgefůllt. Androsporangien 2 bis 3zellig, 13
bis 14 u dick, 10 bis 14 u lang. Zwergmánnchen leicht gekrůmmt, mit einem 7 bis
9 u dicken, 21 bis 27 u langen Fusse, auf den Stůtzzellen sitzend. Antheridium ein-
zellig, 6 bis 7 u dick, 9 bis 12 u lang.
In Sůmpfen, Wassergráben wie vor. selten. Fructif, 6—8. So in den Sůmpfen
an der Bahn bei Ouwal im J. 1882 reichlich !
32. 0e. crispulum Wittr. et Nordst. Veget. Zellen 4 bis 7 u dick, 2"/, bis
4mal so lang. Oogonien einzeln oder zu zweien, eifórmig, mit einem Deckel sich offnend,
mit einem breiten Spalt versehen, 17 bis 18 u dick, 24 bis 27 u lang. Oosporen ku-
kelig-elliptisch, den unteren Theil der Oogonien ausfůllend, mit leicht crenulirter Membran.
Zwergmánnchen auf den Oogonien sitzend, mit einem 5 bis 6 u dicken, 12 bis 15 u
langen Fusse. Antheridien einzellig, 4 bis 4'/, u dick, 5 bis 5'/, u lang.
var. B) minutum nob. Veget. Zellen 3 bis 6 (selten 7) u dick, 3 bis 6mal so
lang. Oogonien elliptisch, 14 bis 18 u dick, 18 bis 24 u- lang, seltener fast kugelrund
Oedogonium. 45
-15 bis 18 u dick, das untere meist etwas kleiner als das obere. Oosporen 9 bis 12 u
- dick, 12 bis 15 u lang von brauner Farbe, mit fast glatter Membran; sonst wie die
typische Form.
k. In torfigen Gewássern, Torfsůmpfen u. a. selten. Fructifť. 8—9. So in den Teichen
bei Kaltenbrunn náchst Hohenfurth; in Torfsůmpfen náchst Veselí unter Conferva floccosa
(Vauch.) Ag.(?), Zygogonium ericetorum (Ktz.) D. By. in grosser Menge (var. 68!).
P) Oosporen stachelig. |
33. Oe. echinospermum A. Br. Tab. phycol. III. T. 36. Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 12, 506! Gynandrospor oder idioandrospor. Veget. Zellen 18 bis 30 u dick,
2 bis 4"/„mal so lang. Oogonien einzeln, elliptisch-kugelig oder fast kugelrund, in der
-Mitte mit einem Loche versehen, 40 bis 50 u dick, 42 bis 57 u lang von den kuge-
ligen, stacheligen 38 bis 47 u dicken, 38 bis 49 u langen (mit den etwa 3 u langen,
pfriemen-fórmigen Stacheln). Androsporangien 2 bis šzellig, 21 bis 25 u dick, 9 bis 15 u
lang. Zwerománnchen leicht gekrůmmt, auf den Stůtzzellen sitzend, mit einem 12 bis
15 u dicken, 30 bis 35 wu langen Fusse. Antheridien einzellig 10 bis 12 u dick, 12
bis 15 u lang.
Meist in torfigen Gewássern, seltener auch anderen stehenden Wássern, Tůmpeln
u. a. ziemlich selten. Fructif. 7——9. So in den Moldautůmpeln bei Hodkowička náchst
Prag!, in den Torfsůmpfen bei Lichtenau an der Adler! bei Hóflitz (Schauta) und bei
Schluckenau (Karl) nach Rbh. Flora eur. alg. III. p. 349 in Mus. als Oe. tumidulum
von Karl bestimmt!
3. Sect. Pringshečmia (Wood) nob. Diócische Arten. Die Spermatozoiden ent-
stehen in besonderen mánnlichen Fáden.
34. 0e. capillare (L.) Ktz. Conferva capillaris L. Ktz. Phyc. gener. Tab. 12.
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 106! Veget. Zellen 35 bis 55 u dick, 1 bis 2mal so
lang. Oogonien einzeln, nicht angeschwollen, cylindrisch, oben mit einem Loche sich
ofinend 35 bis 55 u dick, 1 bis 1'/„mal so lang. Oosporen kugelig oder cylindrisch-
kugelig, das Oogonium nicht ausfůllend, 30 bis 52 u dick, 39 bis 63 u lang. Mánnliche
Fáden fast eben so dick, wie die weiblichen. Antheridien 1 bis 4zellig, mit vegetativen
Zellen abwechselnd, 38 bis 48 u dick, 5 bis 6 u lang; Spermatozoiden je zwei in einer
Zelle entstehend.
In Flůssen, Báchen, Teichen meist auf Wehren, Wasserschleussen ete. in der
Ebene und im Vorgebirge durch ganz Bóhmen verbreitet. Fructiť. 8—10. So in der
Umgebung von Prag an der Smichower Schwimmschule, am Wehre bei der Kaisermůhle
náchst Baumgarten, bei Hrdlořez, Kunratic. Bei Rovné náchst Raudnitz, Lobositz, Leit-
meritz, bei Kolín, Chlumec an der Cidlina, Kóniegrátz; bei Hirschberg, Weisswasser,
Parschnitz, Semil, Eisenbrod, Tannwald, Alt-Paka, Nachod! bei Fugau (Karl Mus.!); bei
Jung-Bunzlau, Bakov, bei Můnchengrátz (leg. Dr. Píč!), bei Saaz, Carlsbad! Im Teiche
Wavřinak bei Wawřinec náchst Zasmuk im J. 1881 massenhaft! Bei Poddubí, Sazawa,
Doubrawic, Kocerad an der Sazawa, bei Beneschau, Bystřic, Hořovic, Tabor, Písek, Pro-
tiwin, Sobieslau, Veselí, Lomnitz, Wittingau, Horažďovic, Krummau, Rosenberg, Hohen-
furth, Kaplitz; bei Mies, Klattau!
35. 0e. grande Ktz. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 503! Veget. Zellen 27 bis
34 u dick, 2"/, bis 7mal so lang, Stůtzzellen von derselben Form wie die vegetativen
Zellen. Oogonien eifórmig, wenig angeschwollen, einzeln oder zu zwei hinter einander,
mit einem Loche oben sich offnend, 45 bis 60 u dick, 90 bis 110 u lang, von den
fast eifórmigen 45 bis 54 u dicken, 80 bis 93 u langen Oosporen fast aus- gefůllt.
Mánnliche Fáden unbekannt.
var. B) majus nob.*) veget. Zellen meist 34 bis 45 (selten etwa 30) u dick,
2"/, bis 6mal so lang. Oogonien einzeln, 54 bis 66 u dick, 78 bis 90 u lang. Mánn-
!) Diese Oe.-Form, welche dem Oe. mexicanum Wittr. (Oedos. amer. in Botan. Notiser
1878 p. 138) der Grósse der veget. Zellen nach am náchsten steht, unterscheidet sich von diesem
hauptsáchlich durch lángere Zellen sowie durch die Zahl und Grósse der Antheridien.
Oedogonium.
46
liche Fáden fast eben so dick wie die weiblichen (33 bis 42 u dick). Antheridien 2 bis
bis 8zellig, 50 bis 86 u dick, 9 bis 15 u hoch, mit vegetativen Zellen abwechselnd ;
sonst wie die typische Form.
In stagnierenden Gewássern ziemlich selten. Fructif. 8—10. So in alten Teichen
bei Wittingau; in den Sůmpfen an der Bahn bei Žiželic náchst Chlumec an der Cid-
lina und in den Teichen bei Brůx fB!
36. 0e. Pringsheimii Cram. Wittr. Oedog. nov. Tab. 1 als Oe. Nordstedtii,
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 215! Veget. Zellen 10 bis 20 u dick, 2 bis 4mal so
lang. Oogonien einzeln oder zu 2 bis 6, mit einem Deckel sich čffnend, mit einem sehr
engen und wenig deutlichen Spalte, 30 bis 43 u dick, 36
> bis 45 u lang von den fast kugeligen 28 bis 35 u dicken,
28 bis 94 u langen Oosporen nicht ganz ausgefůllt. Mánn-
liche Fáden etwas důnner als die weiblichen, mit 11 bis
16 u dicken, 2 bis 4mal so langen veget. Zellen. Anthe-
ridien 2 bis 10Ozellig, am oberen Fadenende mit veget.
Zellen abwechselnd, 10 bis 15 u dick, 6 bis 9 u lang.
Endzellen stumpf, selten kurz zugespitzt.
In stehenden Gewássern, Teichen u. a. wie vor.
ziemlich verbreitet. Fructif. 7-—8. So in den Teichen bei
Schwarz-Buda náchst Řičan, in den Teichen bei Hirschberg,
bei Brůx, Franzensbad; ebenso bei Veselí, in den Teichen
bei Lomnitz náchst Wittingau und bei Kaltenbrunn náchst
Hohenfurth!
37. Oe. inversum Wittr. ófvers. k. vetensk. akad.
Fórhand. 1876. T. 13. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 105!
Veget. Zellen 12 bis 14 u dick, 2 bis 6mal so lang.
Oogonien einzeln, kugelig, ohne hutartigem Ansatz, mit tief
unten liegendem Loche sich offnend und mit ziemlich deut-
lichem Spalte, 33 bis 35 u dick, 30 bis 33 u lang. 00-
sporen kugelig oder niedergedrůckt-kugelig, die Oogonien
fast ausfůllend, 30 bis 31 u dick, 27 bis 28 u lang. Mánn-
liche Fáden weniger dick, mit 7 bis 10 u dicken, 2 bis
Gmal so langen veget. Zellen. Spermocgonien 2 bis 3zellig,
Fig. 16. Oedogonium Prings-
heimii Cram. Rechts ein mánn-
licher, links ein weiblicher
Faden. An ersterem sind me-
hrere Antheridien, in welchen
Spermatozoiden entstehen, an
letzteren sind zwei Oogonien,
welche sich mit einem Deckel
úffnen. Das obere Oogonium
ist von der Oospore nicht ganz
ansgefůllt. Verer. 300mal.
10 bis 12 u lang. Spermatozoiden einzeln. Die Fáden dieser
Oe.-Art sind čfters von Ca CO, incrustirt, die Fusszelle
ist niedergedrůckt-kugelformig, 16 bis 20 u dick, 11 bis
12 u lang.
In Wassergriben, Tůmpeln wie vor., selten. Fructif.
6—8. So in Wasseroráben an der Bahn bei Trautenau
reichlich 1885!
38. 0e. crenulato-costatum Wittr. Oedog. Amer. 1878. Vecet. Zellen 12 bis
18 u dick, 2"/, bis 4mal so lang, Stůtzzellen den veget. oleich, Endzellen, manchmal in
Oogonium verwandelt, abgestumpft. Oogonien einzeln, selten zu zwei, verkehrt eifórmig,
oben mit einem Loche sich offnend, 32 bis 33 u dick, 48 bis 58 u lang, Oosporen die
Oogonien fast ganz ausfůllend, 29 bis 30 u dick, 42 bis 47 u lang, mit lánglich gekerbt-
geripptem Epispor. Veget. Zellen der mánnlichen Fáden 9 bis 13 u dick, 3"/, bis 4", u
lang, Antheridien im oberen Theile der Fáden mit den veget. Zellen abwechselnd, 2 bis
Gzellig, 9 bis 12 u dick, 9 bis 14 u lang.
var. B) longearticulatum nob. Veget. Zellen 12 bis 15 u dick, 5 bis Gmal so lang.
Oogonien einzeln, lánglich verkehrt-eifórmig, 27 bis 30 u dick, 51 bis 54 u lang ohne
den etwa 6 u hohen hutartigen Ansatz, Oosporen 24 bis 27 u dick, bis 48 u lang,
verkehrt-eifórmig oder fast elliptisch mit gekerbt-geripptem Epispor.
In Teichen wie vor., selten. Fructif. 7—8. 90 in den Teichenbei Wittingau B!
39. 0e. Boscii (Le Cl.) Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 7, 401! Veget.
o odd
Oedogonium. 47
3 Zellen 14 bis 20 u dick, 4 bis 6mal so lang, Endzelle fast hyalin; Oogonien einzeln,
selten zu zwei, lánglich-elliptisch, mit einem Loche oben sich offnend, 40 bis 45 u dick,
80 bis 100 u lang (nicht selten auch kůrzer), Oosporen elliptisch, die Oogonien nicht
ausfůllend, 36 bis 40 w dick, 60 bis 65 u lang, mit am unteren Ende lánselich geripptem
Epispor. Mánnliche Fáden fast eben so dick wie die weiblichen, Antheridien 3 bis 6zellig,
13 bis 14 u dick, 6 bis 9 u lang.
In Teichen wie vor. Fructif. 6—8. So in den Teichen bei Wittingau!
40. 0e. cryptoporum Wittr. var. B) vulgare Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs.
Nr. 607!*) Veget. Zellen 5 bis 8 u dick, 3 bis 5mal so lang. Oogonien 2 bis 5 hinter
einander oder einzeln niedergedrůckt-kugelig, mit einem Loche in der mittleren Region sich
offnend, 18 bis 25 u dick, 18 bis 26 u lang. Oosporen nicdergedrůckt-kugelig 16 bis
bis 22 u dick, 13 bis 18 u lang, die, Oogonien fast ausfůllend. Antheridien 1 bis 4zellig,
5 bis 7 u dick, 9 bis 12 u lang, an besonderen mánnlichen Fáden.*“)
In stehenden Gewássern, 'Teichen, Gráben u. á. ziemlich selten. Fructif. 6—8.
In den Sůmpfen an der Bahn bei Neratowic, in den Teichen bei Brůx und Franzensbad,
in Sůmpfen bei Wichstadtl an der Adler, in den Teichen bei Lomnitz náchst Wittingau in
grósserer Mence!
4. Sect. Unvollstándig bekannte Arten.
41. Oe. fonticola A. Br.*) Veget. Zellen 16 bis 26 u dick, 1 bis 2, seltener
bis 3mal so lang, im oberen Fadentheile lánger als im untern. Oogonien einzeln, selten
zu zweien, kugelig-eifórmig; 36 bis 40 u dick, 44 bis 55 u lang mit einem Loche oben
sich offnend.
In Báchen, Auellen, Brunnen, Fontánen u. á. in Bóhmen in der Ebene und in
Gebirosgegenden verbreitet. Fructif. 8—9. In der Umgebung von Prag mehrfach z. B.
in Brunnen am Hradčín, am Žižkabere, oberhalb Podol, in der Šárka, bei Roztok und
bei Brnky, im Radotiner-Thale, bei Chwal; bei Doubravic und Ondřejov an der Sazawa.
Bei Kóniggrátz, Hořic, Wichstadtl an der Adler, auch in schnell fiessenden Báchen nicht
selten; bei Jičin, Eisenbrod, Tannwald, Nachod; bei Alt-Paka, Hohenelbe; bei Hirschberg,
Weisswasser, Herrnskretschen; bei Saaz, Dux, Eichwald náchst Teplitz, Franzensbad,
Carlsbad, Mies; bei Tabor, Příbram, Písek, Lomnic, Wittingau, Gutwasser náchst Budweis,
Krummau, Kaplitz, Veselí, Olbramovic, Střezmiř náchst Stupčic, Sulowic, Lobositz, Rovné
náchst Raudnitz, bei Elbe-Kostelec!
42. 0e. giganteum Ktz. Tab. phycol. IIT. T. 37. Alg. exs. Nr. 503, 24! Veget,
Zellen 30 bis 42 u dick, 2 bis 4'"/„mal so lang. Stůtzzellen etwas angeschwollen, 54
bis 65 u dick, 1 bis 2mal so lang. Oogonien einzeln, wenig angeschwollen, 56 bis 69 u
dick, 78 bis 106 u lang, meist cylindrisch-verkehrt eifórmig, mit einem Loche oben sich
offnend. © Oosporen cylindrisch-ellipsoidisch, 54 bis 65 u dick, 75 bis 104 u lang, die
Oogonien fast ausfůllend, seltener flaschenfórmie eingeschnůrt, kurzhalsig und die Oogonien
ganz ausfůllend; ihr Epispor mit feinen Grůbchen versehen.
In stehenden Gewássern, Teichen, Tůmpeln u. a. in Bóhmen ziemlich verbreitet.
Fructif. 7—9. In der Umgebung von Prag mehrfach, so z. B. in den Schanzgráben
2) In seinem „Prodromus monogr. Oedogoniearum, 1874“ hat Wittrock dieses Oedogonium
zu den moněcischen Oe.-Arten zugezáhlt; in seinem und Nordstedt's Alo. exs. Nr. 607 schreibt
er aber in Anmerkunc: est, guantum videre potuerimus dioicum, macrandrium.“
2) Leider hat Wittrock so viel uns bekannt, diese Fáden nicht náher beschrieben; das
was oben úber die Antheridien angefůhrt ist, bezieht sich auf die von Wittrock als monócisch
beschriebene Form des Oe. cryptoporum var. B. vulgare Wittr. Da schon Wittrock, wie mir
Dr. Nordstedt gůtigst miteetheilt hat, die beiden Formen «. und B. seines Oe. cryptoporum als zwei
verschiedene Arten aufstellen wollte und die letztere Form mit Oe. tenellum Ktz. in Rbh. Alc.
Sachs. exs. Nr. 612! mir identisch zu sein scheint, so wáre es vielleicht am besten sie unter diesem
Namen als Art von jener zu trennen.
S) Ich habe diese Oe.-Art nach den von H. Dr. O. Nordstedt in Venedig, von J. Nave
in Brůnn gesammelten, mir von Dr. Nordstedt gůtigst zugesandten Oe. Fonticola-Exemplaren
bestimmt. Das von J. Nave am Franzensbere in Brůnn gesammelte und in seinen „Algae mora-
vicae“ vertheilte Oe. fonticola Ktz. ist von Rabenhorst in seinen Algen v. Sachsen Nr. 528! als
Oe. intermedium Ktz. mitgetheilt worden. Kůtzine hat diese Oedogonium-Art unter dem Namen
Ulothrix compacta Ktz. Alg. Dec. Nr. 48! auscetheilt.
48 Oedogonium.
hinter dem. gew. Kornthore, in dem Teiche bei Kunratic, in den Tůmpeln bei Radotín
u. a., bei Kóniggrátz, Weisswasser, Saaz, Mies, Tabor, Lomnic, Wittingau, Rovné bei
Raudnitz, Lobositz, Šulovic!
43. Oe. crassum (Hass.) Wittr. Goth. sótv. Ala. T. 1. Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 603! Veget. Zellen 33 bis 55 u dick, 2 bis mal so lang. Oogonien einzeln,
selten zu zwei, verkehrt eifórmig-ellipsoidisch, etwas angeschwollen, mit einem Loche oben
sich offnend, 65 bis 70 u dick, 100 bis 125 u lang, von den elliptischen, 60 bis 66 u
dicken, 80 bis 110 u langen Oosporen nicht ganz ausgefůllt.
In stehenden Gewássern, Teichen u. a. selten. Fructif. 8—9. Bisher blos bei
Hohenfurth!
44. 0e. Magnusii Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. 109 b.! Vegetat. Zellen
7 bis 9 u dick, 1'/, bis 4mal so lang. Oogonien einzeln oder zu 2 bis 3, niedergedrůckt-
kugelig 24 bis 27 u dick, 21 bis 26 u lang, mit einem Loche in der Mitte sich offnend,
von der etwa 22 bis 25 u dicken, 18 bis 22 u langen Oospore ausgefůllt. Membran der
letzteren wellig gerunzelt. Antheridien 8 bis 9 u dick, 5 bis 8 u lang, aus 3 bis 8
Zellen bestehend.
In stehenden Gewássern wie vor. ziemlich selten. Fructif. 6-—7. So bei Jung-
Bunzlau leg. Dr. Píč! in den Teichen, bei Wittingau und bei Hohenfurth, in den Gráben
an der Eisenbahn bei Neratovic!
45. 0e. hexagonum Ktz. Tab. III. T. 35. Fáden gelblich grůn, ofters gebleicht,
Veget. Zellen 11 bis 15 u dick, 2 bis 4 (seltener 6) mal so lang, aufwárts deutlich
erweitert. Endzellen in eine Borste auslaufend. Oosporen kugelrund oder kugelrund-
kantig, rothbraun, etwa 23 u dick, die Oogonien ganz ausfůllend.
In Siůmpfen, Gráben wie vor. stellenweise. Bei Tetschen (Rbh. Kryptfl. p. 259).
46. Oe. fasciatum Ktz. Tab. III. T. 34. Fáden schmutzigerůn. Veget. Zellen
10 bis 21 u dick, 2 bis 4mal so lang. Endzellen stumpf abgerundet. Oosporen genau
kugelrund, das gleichgestaltete Oogonium fast erfůllend, reif rothbraun.
In Sůmpfen, Auellen u. á Bei Teplitz (Karl Rbh. Kryptfl. p. 258).
47. 0e. Gandollei (Le Cl.) Bréb. Tab. phycol. ITI. Tab. 33. Bildet grůnliche,
weiche Flocken. Veget. Zellen nach Rbh. FI. eur. ale. p. 355, bis 11'5 u, nach dessen
Kryptfl. v. Sachsen p. 258 bis 15 u dick; 4 bis 6mal so lang. Oogonien stark angeschwollen,
kugelfórmig von der kugeligen, reif braun gefárbten Oospore nicht ganz ausgefůllt,
In Gráben, Waldsůmpfen verbreitet. Bei Schluckenau (Karl? nach Rbh. Kryptfl.
v. Sachsen p. 258).
48. Oe. intermedium Ktz. Veget. Zellen 17 bis 25 u dick, fast ebenso lang
(seltener etwas lánger oder kůrzer), Oosporen kugelrund, das wenig gedunsene Oogonium
fast ganz ausfůllend,
Wie vor. Bei Reichenberg und Teplitz (Sieomund in Rbh. Krypt. v. Sachsen
pas. 259), ')
13. Gatt. Bulbochaete Ac.
Der Thallus besteht aus verástelten Zellreihen, deren Endzellen auch an den
Seitenásten, eine lange, důnne, farblose, am Grunde zwiebelfórmig angeschwollene Borste
tragen. | Die Oogonien sind niemals die ersten Zellen eines Astes, da sich diese zu einer
1) Ausser den oben angefůhrten Oedogonium-Arten, welche nach vollkommen entwickelten,
fructificirenden Exemplaren bestimmt worden sind, hat der Verfasser an verschiedenen Orten
>Ohmens eine gróssere Anzahl nicht fructificirender Oe.-Arten gesammelt, die er richtig zu be-
stimmen nicht im Stande war. Dasselbe gilt auch von einigen Arten der folgenden Gattung Bul-
bochaete. Es ist also sicher zu erwarten, dass durch spátere algologische Forschungen in Bóohmen
noch viele Oedogonieen-Arten entdeckt werden.
Bulboochaete. 49
r — u EE == — E
© Borste ausbilden. Vermehrung, Gestalt und Vertheilung der Geschlechtsorgane, Befruchtung
und Zygoten- (Oosporen) Bildung wie bei der Gattung Oedogonium. Bei allen Arten
offnen sich die Oogonien mit einem Loche in der oberen Halfte. Alle in Bóhmen ver-
breiteten B.-Arten sind mit Ausnahme der B. nana Wittr. und B. mirabilis Wittr. diócisch,
mit Zwergmánnchen versehen und gynandrospor.
1. Sect. Hubulbochaete nob. Oogonien kugelig oder fast kugelig; Oosporen von
derselben Gestalt, die Oogonien fast ganz ausfůllend. In der das Oogonium tragenden
Zelle (Stůtzzelle) steht eine Scheidewand meist wenig úber oder unter der Mitte. Zwerg-
mánnchen zweizellig. *
«) Fuss der Zwergmánnchen kůrzer als das Antheridium.
49. B. setigera (Roth) Ag. Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. Veget.
Zellen 25 bis 28 u dick, 2 bis 5mal so lang. Oogonien und Oosporen niedergedrůckt-
(fast 4eckig) kugelfórmig unter der Endborste oder den Androsporangien, mit nach der
Befruchtung verdickter Membran, 75 bis 80 u dick, 60 bis 65 u lang. Scheidewand
etwas úber oder in der Mitte der Stůtzzelle. Epispor mit sehr kleinen, punktfórmigen
Warzen besetzt. Androsporangien zerstreut oder úber den Oogonien, zweizellie, 18 bis
20 u dick, 14 bis 18 u lang. Zwergmánnchen 12 bis 14 u dick, 34 bis 36 u lang
auf den Oogonien oder in ihrer Náhe sitzend, mit geradem Fuss.
In alten Teichen, Wassergráben in sumpfigen und torfigen Gewássern, in der
Ebene und im Gebirge ziemlich verbreitet. Fructif. 8— 10. So in einigen Tůmpeln an
der Elbe bei Kostelec a. E., in den Teichen bei Dymokur, in den Sůmpfen an der Bahn
bei Žiželic náchst Chlumec an der Cidlina, in den Torfsimpfen bei Březhrad něchst
Kóniggrátz, in den Teichen bei Chlomek náchst Turnau!, im Reichenberger Gebiete
(Menzel „Beitráge“), in den alten Teichen bei Krobitz náchst Franzensbad, in Waldsůmpfen
bei Střezmiř náchst Stupčic!, im grossen Teiche bei Pilsen (Hora, Flora v. Pilsen p. 12),
in den Teichen bei Sobieslau, Wittingau, Hohenfurth (mehrfach), bei Ebenau náchst
Krummau, im Arber-See im Bohmerwalde massenhaft!
50. B. crenulata Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. Veget. Zellen 16
bis 19 u dick, 2 bis 3"/„mal so lang. Oogonien niedergedrůckt-kugelfórmig, unter der
Endborste, seltener unter Androsporangien oder vegetativen Zellen, 45 bis 48 u dick,
35 bis 38 u lang. Scheidewand in der Mitte der Stůtzzelle oder etwas darunter. Epispor
» mit deutlichen, schrág verlaufenden Leistchen versehen. Androsporangien zerstreut, 12 u
dick, 10 u lang. Zwergmánnchen auf den Oogonien oder in ihrer Náhe, mit geradem
Fuss, 9 u dick, 26 u lang.
Wie vor., doch selten verbreitet. Fructiť. 7—9. Bisher blos in den Teichen bei
Tschausch náchst Brůx!
51. B. intermedia De By. Úber Oedog. u. Bolb. T. 4. Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 509! Veget. Zellen 17 bis 19 u dick, 1"/, bis 3mal so lang. Oogonien unter
den Androsporangien, 40 bis 48 u dick, 31 bis 40 u lang. Scheidewand ungefáhr in
der Mitte der Stůtzzelle. Epispor mit sehr feinen Leistehen besetzt. Androsporangien
13 u dick, 10 u lang, 1 bis 2zellig, úber dem Oogonium, seltener zerstreut. Zwerg-
mánnchen auf den Oogonien sitzend, mit etwas gekrůmmtem Fuss 9 bis 10 u dick, 24
bis 26 u lang.
var. B) depressa Wittr. Prodrom. monog. Oedogon. Tab. 1. Veget. Zellen 14
bis 18 u dick, 2 bis 4'/„mal so lang. Oogonien niedergedrůckt-kugelfórmig, 42 bis 46 u
dick, 30 bis 34 u lang. Scheidewand etwas úber der Mitte der Stůtzzelle. Epispor olatt,
ziemlich dick. Androsporangien úber den Oogonien. Zwergmánnchen 9 bis 11 u dick,
22 bis 25 u lang.
In Sůmpfen, Teichen, torfigen Gewássern wie vor., ziemlich selten. Fructif. 8—9.
So in den Teichen bei Lomnic náchst Wittingau, bei Kaltenbrunn náchst Hohenfurth und
in torfigen Wassergráben bei Wichstadtl und Lichtenau an der Adler var. $B.!
B) Fuss der Zwergmánnchen lánger als das Antheridium.
4
50 Bulbochatea.
52. B. elatior Pringsh. Jahrb. f. wis. Bot. 1858 I. T. 6. Veget. Zellen 13 bis
18 u dick, 2 bis 3'"/„mal so lang. Oogonien unter den Androsporangien, niedergedrůckt,
verkehrt herzfórmig-kugelig, 34 bis 44 u dick, 31 bis 38 u lang. Scheidewand tief unten
in der Stůtzzelle. Membran des Oogoniums nach der Befruchtung verdickt. Epispor glatt.
Androsporangien úber den Oogonien, selten zerstreut, 2zellig, 10 bis 13 u dick, 8 bis
11 u lang. Zwergmánnchen etwas kůrzer als das Oogonium, in der Regel auf den Stůtz-
zellen, seltener auch auf vegetativen Zellen sitzend, ihr Fuss 8 bis 10 u dick, 18 bis 24 u
lang, gerade, kaum doppelt so lang als das 6 bis 8 u dicke, 10 bis 11 u lange Antheridium.
In Teichen, sumpfigen Gewássern, wie vor., selten. Fructif. 8—9. Bisher blos
in den Teichen bei Krobitz náchst Franzensbad!
53. B. crassa Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1858, I. T. 6. Veget. Zellen 22 bis
25, u dick, 2 bis 2"/„mal so lang. Oogonien niedergedrůckt-kugelfórmig, unter der
Endborste (sehr selten unter veget. Zellen), 52 bis 60 u dick, 42 bis 51 u lang. Scheide-
wand in der Mitte oder etwas hóher in der Stůtzzelle. Epispor ohne deutliche Warzen.
Androsporangien zerstreut, mehrzellie 16 u dick, 13 bis 16 u lang. Zwergmánnchen auf
den Oogonien sitzend, etwas lánger als diese, ihr Fuss gekrůmmt, 10 u dick, 44 u lang,
doppelt so lang als das 8 wu dicke, 21 u lange Antheridium.
In Teichen, Sůmpfen wie vor., ziemlich selten. Fructif. 7—8. So in den Teichen
bei Franzensbad, bei Wotic und bei Lomnitz náchst Wittingau!
2. Sect. Hllépsospora nob. Oogonien und Oosporen ellipsoidisch oder fast ellip-
soidisch, letztere mit lings geripptem Epispor. Scheidewand hoch oben in der Stůtzzelle,
oder gar nicht vorhanden.
©) Moněcisch.
54. B. nana Wittr. Oedos«. nov. T. 1. Veget. Zellen 12 bis 15 u dick, 1 bis
1'/;mal so lang. Oogonien ellipsoidisch sitzend, unter den Antheridien, den Endborsten
oder unter den vegetativen Zellen, 20 bis 24 u dick, 32 bis 36 u lang. Scheidewand
hoch oben in der Stůtzzelle. Oosporen die Oogonien fast ausfůllend mit leicht crenu-
lirtem und undeutlich lings-geripptem Epispor. Antheridien 1 bis 2zellig, 8 bis 9 u dick,
6 bis 9 u lang, aufrecht, úber den Oogonien oder zerstreut an besonderen Aesten unter
den Endborsten. : :
In alten Teichen, Sůmpfen wie vor. selten. Fructif. 7—8. In den Teichen bei
der Zuckerfabrik náchst Dymokur meist auf B. setigera fest sitzend!?')
55. B. mirabilis Wittr. Dispos. Oedog. Suec. Tab. 1. Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 602! Veget. Zellen 16 bis 20 u dick, 1'/, bis 1"/„mal so lang, čfters sich
horizontal zweitheilend, Oogonien elliptisch 27 bis 35 u dick, 46 bis 56 u lang, ab-
stehend seltener aufrecht unter den Endborsten oder unter veget. Zellen. © Antheridien
2 bis 4zellig, aufrecht, selten abstehend 10 bis 12 u dick, 7 bis 9 u lang unter den
Oogonien oder zerstreut.
B) vmmersa Wittr. Veget. Zellen 13"/, bis 15 u dick, 1"/, bis 2mal so lang.
Oogonien unter veget. Zellen selten unter den Endborsten, ofters in den unteren mehr-
zelligen Aesten, 25 bis 33 u dick, 40 bis 48 u lang. Antheridien 1 bis 2zellig, aufrecht
oder abstehend 7'/, bis 9 u dick, 6"/, bis 8 u lang.
In Sůmpfen, unter Katarakten in Flůssen, selten. Fructiť. 8—9. So in den
Sůmpfen bei Franzensbad!
B) Diódcisch. Zwerománnchen gerade, mit einem Fuss versehen. Antheridien 2
bis 5zellig.
96. B. pygmaea Pringsh. em. Wittr. Jahrb. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. B. pygmaea
b. minor Pringsh. exel. a. major Pringsh. Wittr. et Nordst. Alo. exs. Nr. 4! Hauptfáden
kurz und gekrůmmt. Veget. Zellen 12 bis 15 u dick, %, bis Imal so lang. Oogonien
") Da ich an der bei Dymokur gesammelten B. nana? dic Antheridien neben der und
nicht unter der Endborste an besonderen, Oogonienlosen Zweigen beobachtet habe, so bin ich von
der Identitát dieser beiden, sonst úbereinstimmenden Bulbochaete-Formen nicht vóllig úberzeugt.
jd
Bulbochaete. bl
abstehend, unter der Endborste oder unter vegetativen Zellen 23 bis 25 u dick, 34 bis
40 u lang. Androsporangien zerstreut, Zwergmánnchen in der Náhe der Oogonien sitzend,
ihr Fuss 11 bis 12 u dick, 15 bis 18 u lang. Antheridien 7 bis 75 u dick, ebenso lang.
In Tůmpeln, Teichen, Wassergráben wie vor., in der Ebene und im Vorgebirge
ziemlich verbreitet. Fructifť. 7—9. So in den Elbetůmpeln bei Sadska, in den Teichen
bei Habstein náchst Hirschberg, in den Sůmpfen an der Bahn bei Žiželic náchst Chlumec
an der Cidlina, in den Teichen bei Brůx, Franzensbad, Hohenfurth! bei Schluckenau
[Karl, Rbh. Flora eur. alg. III. p. 360].
57. B. subsimplex Wittr. Jahr. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. B. pygmaea a. major
Pringsh. Hautfáden aufrecht mit sehr wenig entwickelten Verzweigungen. Veget. Zellen
15 bis 16 u dick, 1 bis 1'/„mal so lang, Oogonien abstehend, unter den Androspor-
angien, oder unter der Endborste, 26 bis 28 u dick, 39 bis 42 u lang. Androsporangien
auf dem Oogonium 11 bis 12 u dick, 12 bis 16 u lang. Zwergmánnchen auf den Oogonien
oder in deren Náhe, ihr Fuss 105 u dick, 15 u lang, Antheridien 7:5 u dick, 7 u lang.
In Gráben, Teichen wie vor., selten. Fructif. 8—9. Bisher nur in den Teichen
bei Brůx und bei Franzensbad!
58. B. minor A. Br. Jahr. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. Wittr. et Nordst. Alg. exs.
Nr. 401! Veget. Zellen 20 bis 25 u dick, 1"/, bis 2mal so lang. Oogonien lánglich-
ellipsoidisch, aufrecht unter der Endborste, den Androsporangien oder vegetativen Zellen
33 bis 42 u dick, 60 bis 69 u lang, Androsporangien 15 bis 16 w dick, 17 bis 21 u
lang auf den Oogonien oder zerstreut. Zwergmánnchen in der Náhe der Oogonien sitzend,
ihr Fuss 13 u dick, 22 u lang. Antheridien 6 w dick, 7 u lang.
In Teichen, Sůmpfen wie vor., ziemlich selten, Fruct.
7—9. So in den Simpfen an der Bahn bei Kóniggrátz, bei
Eisenstein im Bohmerwalde!
59. B. rectangularis Wittr. Prodrom. Oedog. T. 1.
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 3, 152! Hauptfáden lang,
spárlich verzweigt. Veget. Zellen im Lángsdurchschnitte fast
rectangulár. Veget. Zellen 19 bis 23 u dick, 1'/, bis 2mal
so lang. Oogonien elliptisch, abstehend, seltener aufrecht,
unter den Endborsten oder Androsporangien, seltener unter
vegetativen Zellen,") 33 bis 39 u dick, 48 bis 55 u lang.
Androsporangien zerstreut oder auf den Oogonien 15 bis
16"/, u dick, 16 bis 27 u lang. Zwergmánnchen auf den
Oogonien oder in ihrer Náhe sitzend; ihr Fuss 15 bis 18 u
dick, 22 bis 27 u lang. Antheridien 8 bis 9'/; u dick,
5"/, bis 6"/, u lang.
Bulbochaete rectan-
Fig. 17.
var. 6) norvegica Wittr. Veget. Zellen 15 bis 17 u
dick, 1"/, bis 2mal so lang. Oogonien 26 bis 27 u dick,
43 bis 45 u lang. Androsporangien 13 bis 14 u dick, 16
bis 20 u lang. Fuss des Zwergmánnchens 14 u dick, 24 u
lang. Antheridien 9 u dick.
In alten Teichen, Sůmpfen auch in torfigen Ge-
wássern, ziemlich verbreitet. Fructif. 6—9. So in den Teichen
bei Krobitz náchst Franzensbad var. B., bei Tschausch náchst
Brůx; bei Veselí, Wittingau und bei Kaltenbrunn náchst
Hohenfurth ! *)
gularis Wittr. Stůck eines Fa-
dens mit einem noch nicht be-
fruchtetem, und einem €ine
entleerte Oospore mit lángs
geripptem Epispor enthalten-
den Oogonium, sowie mit einem
Zwergmánnchen unter d. letz-
teren Oogonium. Vergr. etwa
800mal.
1) Ich fand án einem Exemplare dieser B.-Art 3 vegetative Zellen oberhalb des Oogo-
niums, an einem anderen trug ein in der Mitte des Zweiges befindliches Oogonium an oberem Ende
zwei vegetative Zellen, an welchen seitlich je ein Oogonium mit reifer Oospore entwickelt war,
am unteren Ende waren oogonienlose vegetative Zellen.
2) Die in Sturm's Deutsch. Flora II. Abthl. angefůhrten, von Corda als neue Arten kurz
beschriebenen und mangelhaft abgebildeten B.-Formen [B. purpurea Corda aus dem Teiche hinter
Aa*
592 Sphaeroplea.
XI. Familie. Sphaeropleaceae.
Fadenfórmige, im Wasser und am Lande lebende, unverástelte, wurzellose, viel-
kernige Algen von confervenartigem Aussehen in deren vegetativen Zellen das Chlorophyll
meist in eleich weit von einander entfernten Plasmaringen enthalten ist. An den zur
Fructificirung sich anschickenden Fáden entstehen aus vegetativen Zellen ohne vorherige
Gestaltsveránderung dieser Antheridien und Oogonien. Nach Befruchtune der Oosphaeren
durch Spermatozoiden verwandeln sich jene in Zygoten, welche sich successive mit drei
festen Membranen umgeben und deren zuerst grůn gefárbter Inhalt, spáter in einen roth,
seltener auch braunroth gefárbten sich verwandelt.
Die Zygoten kcimen erst nach lángerer Zeit, indem aus ihrem Inhalt 2 bis 8
zweiwimperige Zoogonidien entstehen, welche nachdem sie zur Ruhe gekommen sind, keimen
und zu neuen Fáden sich entwickeln kónnen.
14. Gatt. Sphaeroplea Ag.
Thallus fadenfórmig. Fáden aus langen, cylindrischen Zellen bestehend, die im
vegetativen Zustande einen protoplasmatischen, in ringfórmigen Zonen durch Chlorophyll
grůn gefárbten Inhalt zeigen, welcher durch grosse in axiler Reihe angeordnete Vacuolen
wie durch falsche Scheidewánde gefáchert ist. Durch diese charakteristische Anordnung
des Chlorophylls zu ringfórmigen, mit den Vacuolen alternirenden Zonen unterscheidet
sich Sphaeroplea von allen anderen chlorophyllgrůnen Fadenalcen.
Geschlechtliche Vermehrung durch Oosporen, welche nach erfoleter Befruchtung
der Oosphaeren durch Spermatozoiden aus den ersteren entstehen. Kráftige Exemplare sind
monůcisch, schwache diócisch. Alle vegetativen Zellen kónnen zu Geschlechtsorganen
sich umbilden. Die zu vielen in einer Oosporen-Mutterzelle liecenden Oosphaeren kónnen
warhscheinlich auch, wenn die Befruchtung unterbleibt, sich parthenogenetisch weiter ent-
wickeln.“) Spermatozoiden entstehen in sehr grosser Anzahl aus dem Iphalte der als
Antheridien fungirenden vegetativen Zellen, deren Inhalt in gelblich gefárbte kleine Por-
tionen zerfállt, aus welchen die ebenfalls gelblichen stabfórmigen, mit einem dickeren
hinteren, einem schnabelfórmigen, farblosen vorderen Ende, das zwei Cilien trágt, ver-
sehenen Spermatozoiden sich entwickeln, welche durch Lócher, die in grosser Zahl in
der Wand des Antheridiums entstehen ausschlůpfen und durch hnliche Lócher in die
Oogonien zu den Oosphaeren bis an ihren Empfingnissfleck gelangen, welche sie befruchten.
Nach der Befruchtung verwandeln sich die Eizellen in Zygoten, welche successive drei
Membranen um sich bilden, von welchen die ussere abgeworfen wird, das Epispor lángs
oder unregelmássig gefaltet ist, das Endospor dem roth gefárbten plasmatischen Inhalte
eng anliegt.
Nach einer lángeren Ruheperiode [meist nach einer Úberwinterung] gehen aus
den Zygoten zwei bis acht zweiwimperige, rothe oder orůngefárbte Zoogonidien von
kugeliger oder birnfórmiger Gestalt hervor, welche schwimmend keimen und unter fort-
gesetzter Zelltheilung zu neuen, an beiden Enden gleichwerthig entwickelten Zellfáden
heranwachsen, indem gleichzeitie die rothe Fárbung der Zoogonidien der normalen Chloro-
phylfárbung Platz macht.
60. S. annulina (Roth) Ag. (Conferva annulina Roth) Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 27, 403! Páden dieser einzigen Art, welche in zahlreichen Varietáten vorkommt,
die sich meist durch Lánge der Zellen und Anordnune der Oosporen unterscheiden,
laufen an beiden Enden in haarfórmie verdůnte Zellen aus; die úbrigen vegetativen Zellen
dem Schloss bei Niemes (auf abgestorbenem Rohre) und B. globifera Corda]| kónnen hier — da
die Orig.-Exemplare Corda's nicht mehr vorhanden sind — nicht náher berůcksichtigt werden.
») Mehr darůber sowie úber die Bildung von Spermatozoiden ete. siehe in Rauwenhoff's
Abhandlung úber Sphaeroplea im Bot. Centralblatte 1883, III. p. 339 und in Heinricher's Aufsatz
„Zur Kenntniss der Algengattung Sphaeroplea“ Ber. d. Deutsch. botan. Gesell. 1884, I. p. 433—450,
ln welchem auch eine neue Varietát (v. crassisepta) der S. annulina beschrieben ist.
Sphaeroplea. — Prasiola. 53
sind 36 bis 72 u dick, 8 bis 20mal so lang. Oosporen 17 bis 36 u im Durchmesser,
meist roth, seltener braun gefárbt in einer, zwei oder drei Lángsreihen angeordnet oder
ordnungslos in den Zellen liegend.
var. «) Trevirant (Ktz.) Krch. (S. Trevirani Ktz. Tab.
phycol. III. T. 31). Zellen etwa 36 bis 50 u dick, meist 8mal
so lang; Oosporen etwa 20 u im Durchmesser in zwei Reihen.
var. 8) Leibleinit (Ktz.) Krch. (S. Leibleinii Ktz. Tab.
phycol. III. 31). Oosporen in einer Reihe, etwa 26 u im Durch-
messer; sonst wie var. «).
var. y) Soleřroliiů (Mont.) Krch. (S. Soleirolii Mont. Tab.
phycol. III. 31). Zellen bis 72 u dick, meist 10 bis 16mal so
lang; Oosporen in zwei Reihen meist 38 u (seltener blos 26 u)
im Durchmesser, roth gefárbt.
var. ©) Braunit (Ktz.) Krch. (S. Braunii Ktz. Tab.
phycol. III. 31). Zellen meist 16 bis 20mal so lang als dick, | <),
Oosporen in 2 oder 3 Reihen oder ordnungslos 20 bis 38 u im vBÝ
Durchmesser, meist braun gefárbt. Fig. 18. Sphaeroplea an-
nulina (Roth) Ag. An
In Tůmpeln, Wassergráben, im Wasser und an ůúber- © einander grenzende Stů-
schwemmtem Boden einen rostrothen Filz bildend (6—7). Nach cke einer vegetat. und
Opiz (Deutsch. Krypt. Gewáchse p. 162) soll diese Alge, welche eny Oosporen enthal-
i i : : : i enden Zelle. Veregr.
in Schlesien und in anderen Lándern Deutschlands, verbreitet ist éra 300imal.
auch in Bóhmen vorkommen.")
PAA)
g
9.0
(© 20
XII. Familie. Ulvaceae.
Der Thallus der in Bůóhmen verbreiteten Ulvaceen ist im entwickelten Zustande
meist aus einer einfachen Lage parenchymatischer Zellen gebildet, háutig, blattartig-eben
oder kraus (Prasiola), seltener ist er róhrig, mehr weniger eingeweidefórmig stielrund
oder zusammengedrůckt (Eutermorpha) oder er bildet einen einfachen drehrunden Faden,
welcher unten verdůnnt und aus einer einfachen Zellreihe, oberwárts verdickt und aus
mehreren Zellschichten besteht. Zellen einkernig, meist mit ziemlich dicker, fters ge-
schichteter Membran. Geschlechtliche Fortpflanzung durch Zoogonidien, welche sich aus
dem Inhalte der Zellen entwickeln und mit einander copulirend Zygoten erzeugen. Aus
den Zygoten entstehen zunáchst fadenfórmige Ulothrix-artige Entwickelungsformen. Un-
- geschlechtliche Vermehrung durch neutrale, nicht mit einander copulirende Zoogonidien
und durch unbewegliche Zellen, welche in Folge unregelmássiger Theilungen einzelner Zellen
entstehen, durch Aufguellen und Auseinanderweichen der Zellwánde aus dem sganzen
Algenkórper frei werden und unter Umstánden auch gróssere Protococcus-, Palmella-
ete. artige Zellkolonien bilden.
15. Gattung. Prasiola Ag.*)
Der Thallus besteht im entwickelten Zustande aus einer mehr oder weniger aus-
gebreiteten, blattartigen, krausen, einschichtigen Zellfláche, welche aus einem verworrenen
1) Es scheint, dass diese Alge, welche ófters an einem und dem selben Standorte in
grosser Menge erscheint, um wieder spurlos zu verschwinden, zu denjenigen Sůsswasseralgen gehůrt,
welche nicht úberall auf der Erdoberfláche, wo ihr die zu ihrer Entwickelung nothigen Bedingungen
geboten werden, verbreitet ist, d. h. es scheint, dass ihre Verbreitune nicht nur von chemischen
und physikalischen Eigenschaften ihres Mediums in (oder ihres Substrates an) dem sie vegetirt,
bedinst ist, sondern auch noch von anderen, noch umbekannten Umstánden.
2) Die von Kůtzing (Spec. alg. p.471) unter den Protodermaceen, von Rabenhorst (Flora
europ. alg. III. p. 307) unter den Ulvaceen beschriebene Gattung Protoderma Ktz. deren Lager
háutig-krustenfórmig, von unregelmássiger Form, aus mehreren Zellschichten zugesammengesetzt,
dem Substrat fest anhaftend, aus dicht gedrángten, sich berůhrenden Zellen gebildet ist, gehórt
nicht zu den echten Ulvaceen. Die einzige von Kůtzing beschriebene Protoderma-Art P. výride Ktz.
54. Prasiola. — Enteromorpha.
Geflecht von einfachen Ulothrix-artigen Fáden empor wáchst und aus parenchymatisch
mit einander verwachsenen Zellreihen besteht. Zellen meist zu 4, [die aus einer Muterzelle
entstandenen Tochterzellen| dicht neben einander in Lángsreihen oder strahlie zu grósseren
carréartigen Feldern angeordnet. Fortpflanzung durch Zoogonidien noch nicht nachgewiesen.
61. P. crispa (Lightf.) Menegh. (incl. P. Rothii Ktz., P. Flotowii Ktz. et P.
orbicularis Ktz.) Tab. phycol. V. T. 39, 40. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 147, 436,
639! Bildet faltige oder krause, dunkelsrůne, 2 bis
6 cm lange und oeleich breite důnne Háutchen von un-
regelmássiger Form. Zellen 4 bis 6 m dick, fast vier-
eckig oder etwas lánger (vor der Theilung fast 2mal
so lang) als breit, meist zu vier genáhert und in
Lánesreihen angeordnet, zwischen welchen ziemlich
deutliche, mehr oder weniger breite Streifen der ge-
meinsamen hyalinen Zellmenbran verlaufen.
Fig. 19. Prasiola crispa (Lightf.) Me- var. G) sudetica nob. Lager winzig klein, gelblich
negh. B) sudetica nob. Dass jede von | grůn, 1 bis 2 mm breite, ebenso oder bis zweimal so
den a jh in © lange, sehr důnne Háutchen bildend. Zellen vor der
ol A KR k, o Theilung 2 bis 3 u, nach der Theilung 1 bis 1'/ m
schen Růcksichten nicht mehr ange- dick ebenso lang oder etwas lánger, dicht an einan-
deutet werden. Vergr. 500mal. der gedrángt. Zellmembranen usserst důnn, zwischen
den Zellreihen keine hyalinen Streifen bildend. © Erst
nachdem die durch Theilung einzelner, etwa 4 bis 6 u dicker Mutterzellen entstandenen
16, seltener blos 4 Tochterzellen durch Druck aus der sie umgebenden, sehr důnnen
Mutterzellmembran entfernt werden, wird diese sichtbar.
Auf feuchter Erde an schattigen, unreinen Orten besonders in Dórfern am Grunde
von Mauern, unter Dachtraufen, in Gossen, Schmutzwinkeln u. a. meist gróssere mehrere
(I dm grosse Fláchen rasenartig bedeckend, in der Ebene im Vor- und Hochcebirge
verbreitet; in feuchten regenreichen Jahren háufiger (7—10). In der Umgebung voů
Pras bisher blos am Rande des Teiches bei Chuchelbad mit U. parietina a) genuina und
c) Boryana (Schizogonium Boryanum Ktz.) spárlich 1884! Ebenso bei Hořowic auch in
der Stadt, bei Přibram ; Půllna náchst Brůx, bei Eichwald náchst Teplitz, bei Franzensbad,
Carlsbad (in der Náhe des Freundschaftshalleparkes); bei Písek, Lomnic náchst Wittingau,
bei Rosenberg, Hohenfurth, Kaplitz! Bei Fugau (Karl Mus!) im Reichenberger Gebiete
(Menzel „Beitráge“ "); im Riesengebirge (Čeněk Mus!); in der Spindelmůhle! am Hotel
in dea Siebengrůnden mit Ulothrix parietina reichlich! 6) bisher blos bei den Krause-
bauden im Riesengebirge mit Ulothrix radicans und U. parietina spárlich!
16. Gatt. Enteromorpha Link.
Der Thallus ist schlauch- oder róhrenfórmig, bisweilen durch seitliche Auswůchse
verzweist, im Innern hohl anfangs mittelst einer kleinen Wurzelscheibe festsitzend, spáter
auch freischwimmend, aus einer Zellschichte bestehend. Zellen in der Fláchenansicht in
mehr oder weniger deutlichen Zellreihen angeordnet oder ordnuneslos liegend, rundlich
Linnaea 1833 Tab. I. Tab. phycol. VI. Tab. 11., deren rundlich-eckige Zellen etwa 6 u dick sind
und die auf Steinen und Hólzern in Guellen und Báchen zartháutige, schlůpferige, hellgrůne Uber-
zůge, insbesondere im Frůhling und im Sommer bildet, ist ein einzelliger Entwickelungszustand
anderer chlorophyllorůner Algen, was auch aus Kůtzinos Anmerkung in Phycol. gener. p. 295
„dass diese Alge vielleicht mit Agardh's Urschleim identisch sei“ zu ersehen ist. Ich beobachtete
diese Algen-Form an verschiedenen Orten in Bóhmen, in der Prager Umgebung z. B. bei Gross-
Chuchle, im Radotiner Thale u. a. |
v) Menzel fůhrt in seinen Beitrágen zur Flora des Iser- und Jeschkengebirges in der
Schrift „der Curort von Liebwerda v. Plumert“ aus diesem Gebiete auch die viel kleinere Prasiola
furfuracea (Mert.) Menegh. an. Die von Corda in Sturm's Deutsch. Flora II. Abth. beschriebene,
im Sárkathale bei Prag gesammelte Ulva rivnlaris Corda ist wahrscheinlich Tetraspora ulvacea Ktz.
— 0
Sohizomeris. 55
oder rundlich-eckig, die basalen ofters nach innen verlángert. Fort-
planzung durch Schwármzellen (Zoogonidien).
62. E. intestinalis (L.) Link (Conferva intestinalis Roth)
Tab. phycol. VI. T. 30. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 327! Lager
schlauchfoórmig, grasgrůn 2 cm bis mehr als 3 dem lang, 1 mm bis
o cm breit, bauchig aufgetrieben, gelappt róhrig oder eingeweide-
PT Zellen 12 bis 21 u im Durchmesser.
var. 6) erispa Ktz.non Le Jol. (E. intestinalis (L) Link
*0) bullosa Rbh. Flora europ. alg. III. p. 313 Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 329! Lager kraus, aufgeblasen,
bis fingerdick und darůber, etwa 2 ďdm lang.
var. 9) tubulosa Ktz. Lager róhren-
oder schlauchfórmig, glatt (nicht kraus),
ofters verzweigt, bis 3 dm lang.
In Gráben, Báchen, Flůssen im
Fig. 20. Enteromor- © Sůssen und salzigen Wasser (6—8). Bisher
pha intestinalis (L.) nur bei Franzensbad [Franzensbrunn Pohl Fig. 21. Enteromorpha in-
Link var. crispa Ktz. Mus. var 2) und -bei E É . testinalis (L.) Link. Auer-
Soho : : Fy s ger nach Opiz
Poam moe am met „Běhm, planer. u. krypt.“ p. 1343 mach šohuié mad Fldokorených
Grósse. Opiz „Seznam“ p. 18 ist auch var. 7) in Etwa 250mal vergr.
Bóhmen gefunden worden.
17. Gattung. Schizomeris Ktz.')
Der Thallus ist fadenfórmig, haar- bis borstendick mit einer Fusszelle versehen
und festcewachsen. Zellen, am unteren Theile der Fáden einreihig, am oberen mehrreihig
und mehrschichtie. Durch fortschreitende, in verschiedenen Rich-
tungen des Raumes erfolgende Z odunkon der Zellen, deren
Tochterzellen in Gruppen von 2, 4 und mehreren vereinigt bleiben,
entsteht aus dem zuerst einreihigen Ulothrix-artigen Faden der aus
mehreren Zell-Reihen und Zellschichten zusammengesetzte drehrunde,
gegliederte gerade oder wurmartig gekrůmmte Schizomeris-Faden,
dessen Durchmesser um das Vielfache den des einfachen Ulothrix-
artigen Mutterfadens úbertrift.
Vermehrung durch Zoogonidien, welche am vorderen hya-
linen Ende mit 2 contractilen Vacuolen, einem parietalen rothen Pig-
mentfleck und mit vier Cilien versehen sind.
63. S. Leibleinii Ktz. Tab. phycol. III. T. 31. Gelblich
oder satterůne, ziemlich steife und etwas krause Zellfáden, welche
an der Basis etwa 24 u, in der Mitte etwa 60 bis 80 u, am oberen
Ende čfters bis 110—120 u dick und durch mehr oder weniger
tiefe Einschnůrungen wellig-gekerbt sind. Veget. Zellen am unteren
Theile 24 bis 30 u dick, '/,„ bis 1'/,mal so lang in der Mitte und
am oberen Ende blos 12 bis 15 w im Durchmesser, rundlich oder +
rundlich-eckig. Zellhaut ziemlich (bis 6 mw) dick, meist nicht deutlich © Fig. 22. Schizomeris
geschichtet. Leibleinii Ktz. Un-
: n : Ň “ : terer'Theil eines etwa
In Teichen, Tůmpeln, Sůmpfen u. á. an Hólzern, Steinen 100mal vergrósser-
etc. festsitzend (6—8). So in einem kleinen Teiche „V sádkách“ noHallens
bei Sobieslau in grosser Menge an Holzbalken festgewachsen! *)
r) Uber das Verháltniss von Schizomeris-Formen zu Ulothrix-Hormospora etc. Formen
verol. Cienkowski's „Zur Morphologie der Ulotricheen“ 1876.
2) Als ich diese Alge, welche ich in práchtig entwickelten Exemplaren Ende September
1884 in grosser Menge an diesem Standort angetroffen und gesammelt habe nach 14 Tagen daselbst
nochmals sammeln wollte, war sie spurlos verschwunden.
56 Ulothrix.
XIII. Familie. Chaetophoraceae.)
Der Thallus der Chaetophoraceen besteht aus einfachen, hóchstens mit rhizoid-
artigen, kurzen Seitenzweigchen versehenen oder seitlich zu zwei oder mehreren ver-
wachsenen Zellreihen oder aus mehr weniger reichlich verzweigten und Wurzelhaare
tragenden Zellfáden, deren Endverzweigungen meist in farblose Haare auslaufen. Vege-
tative Zellen einkernig. Zoogonidien meist zu 2 bis 16, seltener mehr, in einer, den
vegetativen Zellen gleichenden Mutterzelle entstehend. Chromatophoren band- oder ring-
fórmig, wandstándig, ofters an den Rándern gelappt. Ungeschlechtliche Vermehrung durch
Microzoogonidien und durch ungeschlechtlich entstandene Dauerzellen; geschlechtliche
Fortpflanzung durch Microzoogonidien, welche copulirend Zygoten (Zygosporen) erzeugen.
1. Subfamilie. Ulotricheae.*)
Der Thallus besteht aus unverástelten, fadenfórmigen, einfachen, seltener zu zwei
oder mehreren seitlich verwachsenen Zellreihen, welche meist mit einer rhizoidartigen
Verlángerune der basalen Zelle dem Substrat anhaften und an welchen dfters auch hie
und da kurze, meist ungegliederte, seltener gegliederte (aus wenigen Zellen zusammen-
gesetzte) Wurzelástchen entstehen. © Endzellen haarlos.
Fortpflanzung durch copulirende oder neutrale Zoogonidien von zweierlei Art:
1. Macrozoogonidien, welche einzeln oder zu 2 bis 4, seltener zu 8 in einer Mutterzelle
entstehen und mit 4 Cilien, versehen sind; 2. Microzoogonidien, welche zu 8 bis 16
(selten bis 32 und mehr) in einer Mutterzelle gebildet werden, mit 2 Cilien versehen
sind und meěist zu zwei copulirend Zygoten erzeugen oder bei unterbleibender Copulation
sich vegetativ weiter entwickeln kónnen, Aus copulirten Microzoogonidien entstandene
Zygoten wachsen langsam, ohne in einen Ruhezustand zu úbergehen zu neuen Pflánzchen
heran, welche zuerst wieder eine Anzahl von Microzoogonidien entwickeln oder es nehmen
erst nach einer kůrzerer oder lángeren Ruheperiode die Zygoten an Volumen langsam zu,
ihr Inhalt theilt sich simultan in 2, 4 bis 16 Zellen, aus welchen in derselben Weise wie
aus den Microzoogonidien, wenn sie die Copulation verfehlt haben, sich geschlechtslose
Individuen entwickeln. Nicht selten findet auch eine Unterdrůckung des Schwármzustandes
statt, so dass die aus einzelnen vegetativen Zellen entstandenen, ungeschlechtlichen Fort-
pflanzungszellen schon inerhalb der Mutterzelle keimen,
18. Gattung. Ulothrix Ktz. ampl. [incl. Schizogonium Ktz.]*)
Der Thallus ist aus einfachen, selten aus mehreren [Schizogonium Ktz.] Zell-
reihen, zusammencesetzt. Die im Wasser lebenden Arten bestehen entweder aus einfachen
Fáden, deren FWusszellen ofters in ein Rhizoid auslaufen, mit welchem die Fáden an ihrer
Unterlage angewachsen sind oder die Fáden bilden freischwimmende Flocken und Bůschel.
An den Fáden der nicht festsitzenden, in Wasser und an der Luft lebenden, aus einer
einzigen Zellreihe bestehenden Ulothrix-Arten entstehen auch ofters, hie und da kurze
rhizoid-artige Seitenzweigchen. © Blos bei einigen an der Luft lebenden Arten verwachsen
!) Schon Borzi „Studi algologici“ I. p. 25 hat die Ulotricheen mit den Chaetophoreen
zu einer Wamilie (Ulotrichiaceae) vereinist.
2) Kůtzing hat in seinen Species algarum p. 345 zu der Gruppe der Ulotricheen auch
die mit Ulothrix nahe verwandte Gattung Hormospora Bréb. gezáhlt, welche spáter Nágeli (Ein-
zellige Algen p. 77), Rabenhorst u. a. zu den einzelligen Chlorophyceen (Palmellaceen) zugetheilt
haben (siehe Palmellaceae).
*) Uber den genetischen Zusammenhang einiger Ulothrix- (Hormidium und Schizogonium)
Arten mit Prasiola, anderer U.-Arten mit anderen hóher entwickelten Chlorophyceen vergleiche Hicks
„Ihe diamorphosis of Lyngbya (Ulothrix)“ 1861, Meyen's Aufsatz „Uber die Priestley'sche grůne
Materie ete.“ Linnaea 1827, Kůtzines „Umwandlung niederer Algenformen in hóhere“ 1841,
Phycologia generalis 1843 und Phycologia germanica 1845, Wollěs „Freshwater algae V“, meine
Abhandlung „Uber den Polymorphismus der Algen“ 1885 u. a.
F
Ulothrix. 57
ofters einzelne Fáden zu zweien und mehreren parallel (seitlich) mit einander und bilden
dann mehr oder minder breite (meist nur aus 2 bis 4 parallelen Zellreihen zusammen-
gesetzte) Bůnder.
Vermehrung durch Macro- und Microzoogonidien, welche frei werden, indem die
Wand der Mutterzelle aufguillt und unregelmássieg zerrissen wird; wenn die Zoogonidien
noch in einen zarten Schleimsack eingeschlossen sind, so durchbrechen sie auch diesen
und eilen erst dann davon. Die Dauer und Lebhaftigkeit des Schwármens der Zoogonidien
ist bei Macro- und Microzoogonidien und selbst bei den letzteren nicht gleich. © Durch
Copulation des Microzoogonidien entstehen bei einigen Arten (z. B. bei U. zonata) Zy-
goten, aus welchen meist erst nach einer lángeren Ruheperiode 2, 4 bis mehrere Zo0g0-
nidien entstehen, welche keimend die ungeschlechtlich erzeuste Generation, námlich die
Ulothrix-Fáden erzeugen, Diese durch Macrozoogonidien, welche mit 4 Cilien ausgestattet
sind, sich vermehrende Generation tritt meist in der rauhen Jahreszeit (im Herbst, Winter)
auf. Die geschlechtliche durch Microzoogonidien, welche mit zwei Cilien versehen sind
sich vermehrende Generation ist wieder meist das Product des Frůhjahres und Sommers.
Durch unregelmássige Theilungen der Zellen, Aufguellen und Auseinanderweichen
der Zellwánde entstehen unter gewissen Umstánden, insbesondere im Spátherbst und im
Frůhjahre Protococeus-Palmella- ete. artige Entwickelungs-
zustánde. —
1. Sect. Hormiscia Aresch. Zellhaut meist ziemlich
dick. Wasserbewohner. Fáden 12 bis 75 wu dick.
64. U. zonata (Web et Mohr) Ktz. ampl. (Hormiscia
zonata Aresch ampl.) Dodel Port „U. zonata“ Tab. 31—38.
Lager dunkel- oder gelblichgrůn, schleimig, */,„ bis 3 dm
lang, fluthend. Fáden meist verworren oder bůschelfórmig
geháuft, am unteren Ende meist verschmálert sonst auch am
oberen Ende gleichmássig dick. Veget. Zellen 12 bis 40,
seltener bis 75 u dick, '/„ bis 4, selten 1',„mal so lang,
an den Scheidewánden nicht oder mehr weniger eingeschnůrt,
mit ziemlich dicker, oft geschichteter Zellhaut. © Macrozoo-
gonidien 12 bis 19 w lang, 10 bis 13 u dick, Microzoo0g80-
nidien 5 bis 11 u lang, 4 bis 75 u dick.)
a) genuina (Ktz.) nob. (U. zonata Ktz.) Tab. phy-
col. II. T. 90, Brit. freshwater ale. T. 69. Fáden dunkel-
oder gelblichgrůn, gleichmássig dick. © Zellen meist 20 bis
30, seltener bis 38 u dick, *'/„ bis Imal so lang, an den
Scheidewánden leicht eingeschnůrt, mit ziemlich dicker Zell-
haut (insbesondere an álteren Exemplaren).
var. P) attenuata (Ktz.) Rbh. (U. attenuata Ktz.)
Tab. phycol. II. T. 92. Fáden fiuthende gelblichogrůne Bůschel
und Rasen bildend, an der fast hyalinen Basis nach und
nach verschmálert. Zellen daselbst bis 2mal so lang als jh :
dick, in der Mitte '/, bis 1mal so lang als dick, am oberen, OSV KU Frasme Aěze
etwa 40 u dicken Ende meist 2mal kůrzer; sonst wie a). © mittleren o děhetůblkes št
var. 7) pectinalis (Ktz.) Rbh. (U. pectinalis Ktz. © Macrozoogonidien, welche ein-
Tab. phycol. II. T. 90. Lebhaft oder gelblichgrůn, schlůp- © zeln in einer Zelle entstehen;
ferig. Zellen cylindrisch 16 bis 30 u dick, '/, bis 1mal jez saje Koiš POR KV
so lang, die fruchtbaren kugelig und leicht angeschwollen. ZANE la ZBO OV ST
Zellhaut weniger dick.
!) Mehr úber die geschlechtlichte und ungeschlechtliche Fortpflanzung, den Polymor-
phismus ete. dieser Alge, welche auch in Protococcusartige Formen ůbergehen kann, siehe in
Dodel-Port's Abhandlung „Uber Ulothrix zonita“ 1876. Uber den sehr zweifelhaften Werth der
Kůtzing'schen 40 Ulothrix-Arten vergl. Nágeli „Neuere Algensysteme“ p. 137 Anmerk. 4., Kirchner
„Algen v. Schlesien“ p. 76, Dodel-Port I. c. p. 425, Reinsch „D1e Algenflora von Franken“ p. 230.
58 Ulothrix.
var. 0) inaegualis (Ktz.) Rbh. (U. inaegualis Ktz.) Tab. phycol. II. T. 91. Fáden
lebhaft grůn, unregelmássig meist abwechselnd verdickt und verschmálert. Zellen 18 bis
36 u dick, 3 bis 1imal so lang. Zellhaut dick, ofters deutlich geschichtet.
var. e) vartans (Ktz.) Rbh. (U. varians Ktz.) Tab. phycol, II. T. 92. Wittr. et
Nordst. Alg. exs. Nr. 128! Fáden grůn oder gelblichgrůn. Veget. Zellen 23 bis 38 u
dick, "/, bis 1mal so lang; an den Scheidewánden sehr leicht eingesehnůrt. Zellhaut
ziemlich důnn, schlůpferic.
var. Č) rigiďula (Ktz.) nob. [U. rigidula Ktz. Tab. phycol. II. T. 91 incl. U.
muscicola Ktz. Tab. phycol. II. T. 92] Lebhaft grůn. Veget. Zellen 24 bis 38 u dick,
"/„ bis 1mal so lang, an den Scheidewánden leicht eingeschmůrt, mit dicker, ofters deutlich
geschichteter Zellhaut.
b) valida (Nág.) Rbh. (U. valida Nág.) Tab. phycol. II. T. 94. Wittr. et Nordst.
Alg. exs. Nr. 128! Fáden gelblich- oder schmutzigerůn, meist schlůpferig und bis
1—2 dm lang. Zellen 45 bis 75 m dick, '/„—"/,, seltener bis mal so lang, an den
Scheidewánden nicht oder leicht eingeschnůrt. Zellhaut sehr dick, geschichtet.
In langsam und schnell fliessendem [seltener auch in stehendem| Wasser in
Flůssen, Báchen,. Auellen, Wasserleitungsrinnen, an und in Wasserbeháltern, Tůmpeln,
an und in Springbrunnenbecken, Bassins ete., auf feuchten Steinen, Hólzern u. a. fest-
sitzend (auch zwischen Moos) in Bóhmen in der Ebene und im Vorcebirge ziemlich ver-
breitet und zeitweise massenhaft auftretend (3-—10); nach Dodel Port kommt diese Alge
auch in Eiszapfen vor, welche am Tage aufthauen, in der Nacht sich von neuem wieder
bilden, ohne dass sie dabei irgend wie Schaden leiden wůrde, weder in vegetativer
noch in reproductiver Hinsicht.
a) In der Umgebung von Prag blos unter anderen Algen zerstreut mehrfach
von mir beobachtet, in grósserer Menge bisher nur am sog. Libuša-Bade náchst Pankrac
(1884 vor dessen Renovirung); bei Vysočan; bei Strezmiř náchst Stupčic, Bystřic náchst
Beneschau, bei Weisswasser! im grossen Teiche im Riesengebirge (Krch. Ale. p. 77).
var. 6) An den Fluss-Ufern an Steinen, untergetauchten Pflanzentheilen, Holz-
balken u. á. festsitzend, meist in langsam fliessendem Wasser, seltener auch in Tůmpeln.
So in und an der Moldau bei Prag von Smichow bis Zavist, Roztok und Kralup von mir
meist im Frůhjahre stellenweise massenhaft beobachtet; ebenso in der Elbe bei Nera-
towic, Raudnitz, Lobositz; in der Beraun, zwischen Beraun und Budňan;
var. y) im Kunraticer Bache náchst Prag; |
var e)—Č) meist in Gebirgsgegenden in Báchen, Auellen, Katarakten u. 4. So in
Sůdbohmen bei Krummau, Hohenfurth, Kaplitz!
b) In der Umgebung von Prag selten, z. B. an der Moldau náchst Dvorce; in
der Wotawa bei Písek!
65. U. tenuis Ktz.") Spec. ale. p. 347 non U. tenuis Ktz. Spec. alg. p. 346..
Tab. phycol. II. T. 89. Satterůne bis 4 und mehr cm lange, fluthende Rasen bildend.
Zellen meist 16 bis 22 gu, seltener bis 28 u dick, "/, bis 1mal, seltener '/„mal so lang ©
als dick, mit ziemlich důnner, hyaliner homogener Membran.
In Báchen, Brunnen, Wassergráben an Steinen etc. festsitzend, meist in Gebirgs-
regionen; selten (6—8). Bisher blos in einem Felsenbrunnen bei Turkowitz náchst
Krummau und bei Kaplitz in Sůdbohmen!
66. U. aegualis Ktz. (Hormiscia aegualis (Ktz.) Rbh.) Tab. phycol. II. T. 89.
Gelblichgrůn. Zellen 12 bis 16 u dick, ebenso lang oder etwas kůrzer oder lánger, am
den Scheidewánden nicht oder undeutlich eingeschnůrt. Zellhaut mehr oder weniger dick,
oft geschichtet.
var. P) catentformis (Ktz.) Rbh. (U. cateniformis Ktz.) Tab. phycol. M. T. 89.
Hellgrůn. Zellen 16 bis 18 u dick, an den Scheidewánden deutlicher eingeschnůrt; Zellhaut
dick; sonst wie die typische Form.
") Gehórt wahrscheinlich noch zu dem Formenkreis der U. zonata.
Ulothrix. 59
In Wassergráben, Báchen, Katarakten an Wasserpflanzen (auch au Moos) fest-
sitzend; selten (6—8). So im Riesengebirge bei der Spindelmůhle !
67. U. moniliformis Ktz. (Hormiscia moniliformis (Ktz.) Rbh.) Tab. phycol. II.
Blasserůn. © Zellen 11 bis 14 u dick, ebenso lang oder etwas kůrzer, an den Scheide-
wánden leicht eingeschnůrt. Zellhaut dick, farblos, ofters deutlich geschichtet. Der Chloro-
phyll enthaltende Zellinhalt meist stark reducirt, von kugeliger oder elliptischer (nicht
guadratischer) Form.
var. 6) Braumit (Ktz.) Rbh. (U. Braunii Ktz.) Tab. phycol. II. T. 87. Zellen
9 bis 12 u dick, sonst wie die typische Form.
In Sůmpfen, torfigen Gewássern meist unter anderen Algen; selten (6—8). 80.
in torfigen Sůmpfen im Riesengebirge oberhalb Spindelmůhle und bei Spitzbereg im Bóhmer-
walde auch var. 6! auch in den Schanzeráben hinter dem gew. Kornthor bei Prag unter
nicht fructif. Oodogonien und Bulbochaeten im Frůhjahre 1883 spárlich !
2. Sect. Autulothrie nob. Zellhaut meist důnn und zart. Wasserbewohner. Fáden
5 bis 10, seltener bis 12 u dick.
68. U. subtilis Ktz. ampl. Lebhaft oder gelblich grůne, freischwimmende Flocken
bildend. Zellen 4 bis 12 w dick, */„ bis 2 (seltener bis 4) mal so lang. Die wand-
stándigen, bandfórmicen Chromatophoren das ganze Zelllumen ausfůllend.
a) genuina (Ktz.) Krch. (U. subtilis Ktz.) Tab. phycol. II. T. 85. Zellen 5 bis
6 m dick, meist ebehso lang, seltener bis 1'/„mal so lang als dick.
b) subtilissíma Rbh. (U. subtilissima Rbh. in Alg. exs. Nr. 656!) Gelbgrůn.
Zellen 4:4 bis 5 u dick, 1 bis 2mal, seltener 2 bis Smal so lang als dick;
var. 6) macromeres nob. Zellen meist 2 bis 3mal, seltener bis 4mal so lang als dick.
c) thermarum (Wart.) Rbh. (U. thermarum Wartm. in Rbh. Alg. exs. Nr. 655!)
Hellgrůn. Zellen 5 bis 6 u dick, 1 bis 2mal seltener bis 3mal so lang als dick;
var. 6) crasstor nob. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 419! Zellen 6 bis 9 u
dick, */, bis 1mal so lang als dick.
d) variabilis (Ktz.) Krch. (U. variabilis Ktz.) Rbh. Alg. exs. Nr. 144! (Tab.
phycol. II. T. 85?) Blass grůn. Zellen 5 bis 7 u dick, meist ebenso, seltener bis fast
2mal so lang als dick. Chromatophoren vor der Theilung meist genau guadratisch.
e) stagnorum (Ktz.) Krch. (U. tenerrima P) stagnorum Ktz.) Tab. phycol. II.
T. 87 a—c non ď. Schmutzig gelblichorůn, weiche dicht verworrene Flocken bildend.
Zellen 7 bis 9 u meist ebenso, seltener bis fast 2mal so lang als dick, Zellhaut an jungen
Fáden ausserordentlich důnn;
var. P) raďicans nob. Einzelne Zellen kurze, meist einzellige Seitenzweigchen
hervortreibend.
£f) compacta (Roth) nob. (Conferva compacta Roth, U. compacta Ktz.) Tab.
phycol. II. T. 85. Gelblichorůn, schleimie; Zellen 6 bis 8 m dick, meist nur "/„mal so lang.
9) tenerrima (Ktz.) Krch. (U. tenerrima Ktz.") Tab. phycol. II. T. 87. Fáden
gelblich- oder bleichgrůn, schlůpferig. Zellen 7 bis 10 m dick, meist ebenso lang oder
etwas kůrzer oder lánger als dick. Chromatophoren lebhaft gelbgrůn, guadratisch.
h) albicans (Ktz.) nob. (U. albicans Ktz. Spee. alg. p. 346) Tab. phycol. II,
T. 86. Blass gelbgrůn. Zellen 8 bis 12 u dick, meist */,„ bis Imal so lang als dick.
Zelhaut an šlteren Fáden verdickt.
In stehenden, seltener auch in fliessenden, kalten, seltener [blos c)] auch in lau-
warmen Gewássern, in Wassergráben, Sůmpfen, Tůmpeln, Brunnen, Bassins, seltener auch
in Báchen, Guellen, Abzugsgráben, an Wassermůhlen etc. In Bóhmen in der Ebene und
im Vorgebirge verbreitet (5—10). a) In der Umgebung von Prag stellenweise háufig, so
v) Rabenhorst hat in seiner Flora europ. algarum III. p. 366 mit U. tenerrima Ktz. fol-
gende zwei Arten : U. pallescens Ktz. Spec. ale. p. 346 Tab. phycol. II. T. 85 und U. pallide virens
Ktz. 1. c. p. 346 1. c. T. 86, vereinist.
60 Ulothrix.
an Holzbalken an der Smichower Schwimmschule, in einem Brunnen an der Nordseite
des Žižkabercges, bei Podol u. a.; bei Srbsko náchst Karlstein; bei St. Iwan, Beraun,
bei Mukařov náchst Řičan, Střezmiř náchst Stupčic, Doubrawic und Poddubí an der Sa-
zawa; bei Přibram, Tabor, Sobieslau, Podhrad náchst Budweis; bei Ebenau, Turkowitz
náchst Krummau, Hohenfurth, Spitzberg, Eisenstein; bei Půrglitz, Laun, Dux, Brůx,
Teplitz, Eichwald, Franzensbad, Carlsbad; bei Melnik, Leitmeritz, Lobositz, bei Dymokur,
Weisswasser, Arnau, Wostroměř, Eisenbrod, Tannwald; im Riesengebirge noch bei der
Spindelmůhle! 6) bei Georgswalde in Nordbohmen (Karl Rbh. Kryptfl. p. 263 und Rbh.
Ale. exs. Nr. 656!) var. 9. in den Sůmpfen bei Oužic náchst Kralup noch Ende No-
vember 1885 reichlich *) c) bisher blos an den Abflůssen der warmen Guellen bei Carlsbad
unter der Sprudelbrůcke mit Stigeoclonium uniforme nicht háufie 1884! d) in stehendem
und langsam fliessendem Wasser in der Umgebung von Prag, meist nur zerstreut unter
anderen Fadenalgen, in grósserer Menge in den Sůmpfen bei Vysočan, Hloubětín, bei
Chuchelbad, Zawist, bei Zwol náchst Wran an der Moldau, in den Sůmpfen bei Ouwal,
bei Kónieggrátz, Wichstadl, Lichtenau, Bárnwald, Kronstadt an der Adler auch noch am
Kamme des Adlergebirges oberhalb Friedrichswalde! im Sůdbohmen z. B. bei Písek, und
Frauenberg náchst Budweis! e) bei Prag selten, so im sog. Libuša-Bade am Pankrac
unter anderen Algen, bei Zawist und bei Roztok an der Moldau, bei Hrdlořez, Kunratic
auch var. 9.; bei Chrbyně am Lodenicer Bache náchst Unhoscht; bei Buda náchst Řičan,
bei Sazawa, Střezmiř náchst Stupčic, bei Přibram, Písek, Lomnitz, Wittingau, Sobieslau,
Krummau, Hohenfurth, Klattau, Eisenstein; bei Kralup an der Moldau, Rosic náchst
Pardubic, bei Kóniggrátz, Bakov, Habstein, Eisenbrod, Turnau, Tannwald, Alt-Paka; Bárn-
wald, Kronstadt, Friedrichswalde! bei Fugau [Karl Mus! unter Oedogonien|; bei Fran-
zensbad! f) bei Lomnitz náchst Wittingau, Písek und Geiersberg;
9) in der Umgebung von Prag meist in offenen Brunnen und im
Ouellwasser, so z. B. bei Chuchelbad, in der sog. Jeneralka, bei
Krč, bei St. Prokop bis gegen Jinonic mehrfach, bei Klecanky
náchst Roztok; bei Sazawa, Mies, Frauenberg náchst Budweis,
Kaplitz; im Riesengebirge noch in der Spindelmůhle! Ž4) in tor-
figen Gewássern so im Riesengebirge oberhalb Spindelmůhle!
69. U. mirabilis (Ktz?) nob. [U. radicans Ktz. 7) agua-
tica Ktz?] Spec. alg. p. 349. Tab. phycol. II. T. 95. III. r—w?
Lebhaft grůn. Zellen 7 bis 10 w dick, meist ebenso lang, seltener
etwas kůrzer oder lánger als dick, mit sehr důnner hyalinen
Membran. An den Fáden hie und da, stellenweise ziemlich nahe
aneinander kurze meist einzellige, seltener mehrzellige, oft paa-
rige, gleich entwickelte, gegen einander wachsende, an der Spitze
oft sich berůhrende und mit einander verwachsene ůfters auch
mehr oder weniger stark gebogene, wurzelartige Seitenástchen.
In Báchen, auf Steinen und Moosen bisher blos im hů-
heren Gebirge (7—8). So im Riesengebirge mehrfach. Bei Ober-
Figo 24. Ulodhriď AniFa: Hohenelbe, bei den Krausenbauden, in der Spindelmůhle, bei der
bilis (Ktz?) nob. Stůck | Petersbaude.
eines lángeren Fadens 3. Sect. Hormidium Ktz. ampl. (incl. Schizogonium Ktz.)
an; Kano n a, Zellhaut meist důnn. An der Luft (auf feuchter Erde und an inun-
Sehendscdhéní Heron dirten Orten) lebende Algen. Fáden 3 bis 24 u dick, einzeln,
mal vergr. seltener zu zwei und mehreren seitlich zusammengewachsen [Schi-
zogonium Ktz.].
70. U. Aaccida Ktz. ampl.*) Gelborůn. Fáden zu einem mehr oder minder aus-
!) Wird in der Flora austro-hungarica exsic. des H. Prof. Dr. Kerner's von diesem
Standorte vertheilt werden.
: *) Uber das Verháltniss dieser an der Luft lebenden U.-Art zu der im Wasser lebenden
U. subtilis Ktz. siehe meine Abhandlung „Úber den Polymorphismus der Algen“ p. 35 in An-
merkung; daselbst wird auch ůber die einzelligen Entwicklungszustánde dieser Alge ausfůhr-
licher gehandelt.
jd
Ulothrix. 61
gebreiteten, důnnháutigen, weichen Lager dicht, bis gewebeartig verflochten. Zellen 3 bis
10 w dick, 1 bis 3mal so lang als dick, důnnháutig, die chlorophyllgrůnen Chromatophoren
wandstándig, meist blos die eine Hálfte der Zellwand bedeckend [resp. einseitig der
Wandung anliegend.|
a) genuina (Ktz.) nob. [U. flaccida Ktz.] Tab. phycol. II. T. 95. Zellen meist
6 bis 10 (seltener blos 5) w dick, vor der Theilung 1 bis 2mal, nach erfolgter Theilung
1 bis "/„mal so lang als dick. Fáden nass grůngelb bis dunkelchlorophyllgrůn, trocken
gelbgrůn, matt, glanzlos und nicht schlůpferig.
var. 9) mětens (Menegh.) nob. (U. == Hormidium nitens Menegh.) Tab. phycol. II.
T. 95; Fáden meist parallel neben einander verlaufend zu einem hautartigen, schwach
seidenartig olánzenden Lager verflochten.
var. y) caldaria (Ktz.) nob. (Gloeotila caldaria Ktz.) Tab. phycol. III. T. 32.
Lager weich und schlůpferig. Fáden durch lángere Einwirkunce von Feuchtigkeit uad Wirme
an ihrer Oberfláche mehr oder minder verschleimt.
var. ©) antliaria (Ktz.) nob. (Conferva antliaria Ktz.) Ktz. Alg. exs. Nr. 52!,
Psichohormium antliarium Ktz. Tab. phycol. III. T. 48. Fáden an ihrer Oberfláche theil-
weise verschleimt und čfters stellenweise von adhárirenden Kalk- oder Erde-Partikeln
leicht incrustirt.
b) minor nob. Fáden meist 3 bis 5 (seltener bis 6) oder blos 2:5 bis 3 u
dick, vor der Theilung 1 bis 3mal, nach der Theilung "/,„ bis 1'/„mal so lang als dick,
zu gelblichgrůnem, sehr důnnháutigem, ofters mehr oder minder schlůpferigem Lager ver-
einigt; sonst wie «).
Am Grunde alter Báume, feuchter Mauern, Felsen, an feuchten Brettern, Záunen,
Gartenmauern, an Pumpenróhren, an den Wůánden der Wasserbehálter, auf feuchtem
schattigem Boden, insbesondere unter Dachtraufen, seltener auch auf Strohdáchern ete. in
der Ebene und im Gebirge ůúberall durch ganz Bóhmen ziemlich verbreitet (4—11) in
der freien Natur; (1—12) in den Warmháusern. In der náchsten Umgebung von Prag von
mir ofters beobachtet und gesammelt, z. B. in Prag am Hofe einiger Privatháuser und in
Privatgárten, im Heine'schen-, Canal'schen-, Kinsky'schen-, Vereins-Garten, auf der Kaiser-
wiese bei Smichow, an Mauern in und ausserhalb Prag, am Vyšehrad, Žižkaberge, bei
Slichow, Košíř, Liboc, Kunratic, Hlubočep, Práč, Měcholup, Hostiwař, Ouřiněwes, Žalov,
Podmoráň, Roztok, Podbaba [bei der Piette'schen Maschinen- Papierfabrik auch auf nasser
Erde, welche vom warmen Wasser aus der Fabrik befeuchtet wird]; bei Radotín, im
Choteč-Thale, bei Cernošic, Karlstein, St. Iwan, Beraun, Kůnicshof, Půrglitz, Stadtl, Ra-
konitz; Schlan, Peruc, Chlumčan, bei Laun, Saaz, Teplitz, Eichwald, Bilin, Dux, Brůx,
Franzensbad, Carlsbad, Mies, Pilsen, Klattau, Eisenstein; bei Písek, Horaždowic, Budvweis,
Zamost, Frauenberg, Wittingau, Lomnic, Veselí, Krummau, Turkowic, Ebenau, Rosenberg,
Ruckendorf, Hohenfurth, Zartlesdorf; bei Kaplitz; Protivin, Sobieslau, Tabor, Stupčic,
Wottic, Olbramowie, Bystřic, Beneschau, bei Stránčic, Mnichowic, Ondřejov, Sazawa, Ko-
cerad, Čerčan, Řičan, Mukařov; bei Chwal, Kolín, Pardubic, Smiřic, Kónigerátz, Dou-
brawic, Chlumec an der Cidlina, Hořic, Jičín, Wostroměř, Starkoč, Nachod, Parschnitz,
Arnau, Tannwald, Eisenbrod, Turnau, Semil, Bakov, Jung-Bunzlau, Elbe-Kostelec, Brandeis,
Lysa, Sadska, Weisswasser, B. Eicha, Hirschberg, Alt-Paka, Trautenau, Johannisbad; im
Riesengebirge: bei Ober-Hohénelbe, bei den Krausebauden, Spindelmůhle, Elbfallbaude;
bei Kralup, Neratowic, Melnik, Raudnitz, Rovné, Leitmeritz, Calositz, Lobositz, Cížkowitz!
71. U. radicans Ktz. (Lyngbya muralis Ag., Oscillaria muralis Lyngb. Hormi-
dium murale Ktz.) Tab. phycol. II. T. 95. Rbh. Alg. exs. Nr. 817! Fáden hellgrůn, zu
einem důnnháutigen, weichen meist gelblichorůnen Lager dicht, bis gewebeartig verflochten,
einfach, ziemlich starr, hie und da kurze, meist farblose, wurzelnde Seitenzweigchen treibend.
Zellen 7 bis 10 w dick, */„ bis Imal so lang; Chromatophoren meist die ganze Zell-
wand bedeckend.
var. 5) se/izogontoides Ktz. Rbh. Aig. exs. Nr. 875! f. papyracea Stiz. —— Schi-
zogonium papyraceum. Fáden oft zu zwei parallel der Lángej nach verwachsen (sel-
tener einzeln),
62 Ulothrix.
Auf feuchter, schattiger Erde am Fusse alter Baumstámme, seltener auch an
Mauern, ziemlich verbreitet, vorzugsweise im Hůgellande (6—10). In der Umgebung von
Prag schon von Corda als Oscillaria muralis Ag. mit U. parietina Mus! von Benesch als
Conferva muralis L. (auch an feuchten Ziegelmauern) gesammelt; bei Žalov, Rovné něchst
Raudnitz auch var. 6., Lobositz, Laun; Jung-Bunzlau, Bakov, Turnau, Arnau; bei Ho-
řowic, Hohenfurth, Rosenberg, Kaplitz, am Spitzbere im Bóhmerwalde! bei Eichwald im
Erzgebirge! in Nordbohmen bei Fugau? [Karl als Schizogonium murale Mus'|
72. U. parietina (Vauch.) Ktz. ampl. Fáden einzeln oder seltener zu zweien und
mehreren seitlich verwachsen oder durch Lánostheilungen einzelner Zellen aus zwei oder
mehr Reihen von Zellen zusammencesetzt, satt- oder gelblichgrůn, verworren, kraus,
ziemlich starr, důnne, ofters (trocken) schwach seidenartig glánzende, mehr oder weniger
weit ausgebreitete Uberzůge bildend, mit důnner (selten etwas verdickter), glatter, selten
etwas runzeliger Membran. Zellen 9 bis 24 w dick, '/„ bis 1lmal so lang.
a) genuna (Ktz.) nob, U. parietina (Vauch.) Ktz., Oscillatoria parietina Vauch.,
Hormidium parietinum Ktz.) Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 636! Fáden einzeln. Zellen
9 bis 16 u dick, "/, bis 1mal so lang, meist mit důnner Zellhaut, an den Scheidewánden
nicht eingeschnůtt;
var. b) delicatula (Ktz.) nob. [U. delicatula Ktz., Hormidium delicatulum Ktz.
Tab. phycol. II. T. 96 Rbh. Alg. exs. Nr. 163!| Fáden einzeln, Zellen 9 bis 12 u dick,
'/, bis "/„mal so lang;
var. 7) major nob. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 636, a, d, d! Zellen meist
16 bis 18 u dick, '/, bis '/„mal so lang.
var. 0) crassa (Ktz.) nob. [U, crassa Ktz., Hormidium crassum Ktz. U. cras-
siuscula Ktz. Tab. phycol. II. T. 96. Rbh. Alg. exs. 357 et 700! Zellen 16 bis 24 u
dick, '/„ bis "/;mal so lang. Zellhaut důnn.
b) velutina (Ktz.) nob.*) [Bangia velutina Ktz. non Ag., Schizogonium murale Ktz.
Tab. phycol. II. T. 98.] Fáden meist zu zweien oder mehreren seitlich zusammengewachsen
(seltener einzeln), mit ziemlich dicker, |
farbloser Membran. Zellen an einzelnen
Fáden 10 bis 13, seltener 15 bis 18 u
dick, "/, bis "/„mal so lang, an den Schei-
dewánden ofters leicht wellig eingeschnůrt.
c) Boryana (Ktz.) nob. [Schizo-
gonium Boryanum Ktz.| Tab. phycol. II.
T.. 98.. Zellen- 12- bis 15 w dick, Pádeu
durch stellenweise auftretende Lángsthei- E!
lungen der Zellen aus mehreren Zellreihen i a Topaddlíla (Vanek
bestehend, úfters zu zweien und mehreren Kto 20 Bara (Kiz);n0kí
zu krausen bis gekróseartigen, einschich- © Bruchtheil eines unten aus
tigen, mehr oder weniger breiten, meist aber einer, oben aus mehreren
nur aus 2 bis 4 Zellreihen zusammenge- Zellreihen bestehenden Fa-
setzten Zelbándern mit einander verwachsen. SS
sf
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ada
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VADL
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66
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BEK
Auf feuchter, schattiger Erde, am Grunde von Mauern unter
Fig. 25. U. parietina © Dachtraufen, am Fusse von alten Báumen, an Brettern, u. á. meist
(Vauch.) Ktz. d) ve- an unreinen Orten, insbesondere in Dórfern; in der Ebene und im
lutina (IKtz.) nob. © Vorgebirge fast wie U. flaccida verbreitet (3—12). a) In der nách-
Bruchtheil. zweier sala
seitlichverwachsener Sten Umgebung von Prag mehrfach: von Corda als Oscillaria mu-
Fáden. Verg. 300mal. | ralis Mus! im Canal'schen Garten, am Belvedere, bei Krč, Kunratic,
bei Dvorce, Podmoráň! bei Kostelec a. E., Rovné náchst Raudnitz,
») Dass U.parietina Ktz. in Schizogonium murale Ktz. úbergehen kann, hat neben an-
deren auch Rabenhorst (Flora europ. ale. III. p. 367 bei U. parietina) bemerkt.
F
Ulothrix. 63
Leitmeritz, Lobositz; bei Jung-Bunzlau; Bakov, Turnau, Eisenbrod, Semil, Tannwald,
Arnau, Parschnitz, Starkoč, Nachod, Wostroměř, Hořic, Smiřic, Kónigerátz, Wichstadtl,
Bárnwald; bei Jičin, Hirschbere, Weisswasser, Alt-Paka, Johannisbad, Ober-Hohenelbe;
im Riesengebirge bei den Bauden nicht selten so bei Krausebauden auch var. y), Spin-
delmůhle, unter dem Pantschefall (an der kleinen Baude), Elbfallbaude, Petersbaude,
Spindlerbaude, am Hotel in den Siebengrůnden auch var. y! bei Reichenberg (Langer
Mus!), bei Schluckenau (Karl Mus!); bei Herrnskretschen, Půllna náchst Brůx, Fran-
zensbad, Klattau, Horažďowic, Wittingau auch var. 6, Lomnic, Sobieslau, Veselí, Krummau,
Rosenberg, Ruckendorf, Hohenfurth, am Spitzbere; bei Tabor, Stupčic, Wotic, Přibram,
Hořowic. Bystřic, Beneschau; bei Beraun, Půrglitz, Rakonitz, Laun; bei Stránčic, On-
dřejov, Sázawa, Kocerad! var. ©) von Karl bei Schluckenau (auf feuchten Basaltfelsen
am Pirschkenberge?) entdeckt; Rbh. Al. exs. Nr. 357 unter U. parietina Ktz.! d) In der
Umgebung von Prag z. B. bei Chuchelbad, St. Prokop, Kunratic; bei Beraun, Půrelitz, Ra-
konitz; bei Sazawa, Bystřic, Beneschau, Tabor, Sobieslau, Veselí; Hořowic, Příbram,
Protivín, Krummau, Rosenberg, Hohenfurth, Kaplitz; bei Písek, Lomnic, Wittingau,
Klattau; bei dem Stationsgebáude Spitzberg im Bohmerwalde und beim Hótel Prokop
daselbst! bei Jung-Bunzlau, Eisenbrod, Hirschbere, Kónigorátz, bei Wichstadtl, Pastvín,
Lichtenau an der Adler, bei Alt-Paka, Ober-Hohenelbe; im Riesengebirge ziemlich ver-
breitet, so bei den Krausebauden, in der Spindelmůhle, bei Elbfallbaude, Petersbaude,
Spindlerbaude, am Hótel in den Siebengrůnden! bei Lobositz, Dux, Eichwald náchst
Teplitz! bei Kolín a. E. (Welwitsch als Bangia velutina Mus!), bei Reichenberg (Langer
als Oscillaria muralis Mus!), bei Fugau unter Prasiola crispa (Karl Mus!).
c) bisher blos am Rande des Teiches náchst Chuchelbad, bei Hořowic, Rosen-
bere und in Wittingau mit Prasiola crispa und Ulothrix parietina Ktz. a).
73. U. varia Ktz. (Hormidium varium Ktz.) Tab. phycol. II. T. 96. Bildet
gelblichorůne, weiche Úberzůge oder dicht verworrene důnne Ráschen. Fáden mit sehr
důnner, farbloser Membran, Zellen 6:5 bis 13 w dick, meist ebenso lang oder etwas
lánger, seltener auch etwas kůrzer, hie und da kurze wurzelartige Seitenzweigchen her-
vortreibend. An den Scheidewánden nicht eingeschnůrt.
An Strohdáchen, auf feuchter schattiger Erde meist zwischen Moosen (auch auf
Waldboden) wie vor. verbreitet (3—10). In der Umgebung von Prag, z. B. auf Stroh-
dáchern bei Gross-Chuchle, Radotín, Liboc, Ober-Roztok, Žalov, Podmoráň; bei Řičan,
Mukařov; bei Černošic, Beraun, Karlstein, St. Iwan, Srbsko, Hořowic; bei Bystřic, Čerčan,
Kocerad, Sazawa, Ondřejow, Stránčic; bei Wotic, Podolí, Olbramowic, Tabor, Střezmiř
náchst Stupčic, Sobieslau, Veselí, Zámost, Lomnic, Wittingau, Horaždowic, Protivín,
Budweis, Písek, Klattau, bei Krummau, Turkowitz, Hohenfurth, Ruckendorf, Rosenberg;
bei Chwal, Elbe-Kostelec, Melnik, Hořín, Raudnitz, Rovné, Lobositz, Calositz, am Radobyl,
bei Lichowic, Laun, Chrabřic, Schlan, Půrglitz, Rakonitz; bei Kralup, Lobkowic, Nera-
towic, Dymokur, Jung-Bunzlau, Bakov, Turnau, Semil, Eisenbrod, Tannwald, Parschnitz,
Starkoč, Jičín, Smiřic, Kónigerátz, Doubrawic, Pardubic, Chlumec an der Cidlina; bei
Náchod, Bělowes, Alt-Paka, Hirschbere, Weisswasser; bei Neu-Štraschic, Hoch-Vetseh
náchst Bilín, Brůx, Dux, Franzensbad, Carlsbad, Teplitz, Eichwald! auf Waldboden z B.
bei Sarka, Krč, Chuchelbad náchst Prag! bei Neratowic an der Elbe u. a.!
74. U. crenulata Ktz. ampl. Bildet blass- oder schmutzig-grůne, důnnháutige,
ofters etwas schleimige Ráschen. Fáden einzeln oder seltener zu zweien und mehreren
seitlich verwachsen, meist starr und kraus; Zellen mit dicker, oft geschichteter Membran,
12 bis 18 u dick, "/„ bis Imal so lang (seltener etwas lánger oder kůrzer), an den
Scheidewánden meist deutlich eingeschnůrt.
a) genučna (Ktz.) nob. (U. crenulata Ktz., Hormidium crenulatum Ktz.) Tab.
phycol. II. T. 97. Fáden einzeln. Zellen 13 bis 17 u dick, '/, bis imal so lang, an
den Scheidewánden leicht wellieg eingeschnůrt, Zellhaut dick, farblos, leicht verschleimend ;
var. 6) corticola Rbh. et West. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 637! Rbh. Alg.
exs. Nr. 615! Zellen meist 12 bis 15 u dick, ebenso oder */„mal so lang, Zellhaut
bis 3 u dick.
64 Stigeoclonium.
b) Neesit (Ktz.) nob. (Schizogonium Neesii Ktz., S. murale b) Neesii (Ktz.)
Krch.) Tab. phycol. II. T. 98. Rbh. Alg. exs. Nr. 558! Lager bleich olivengrůn, Fáden
meist zu zweien oder mehreren seitlich verwachsen, seltener einzeln, sehr starr, kraus;
Zellen 13 bis 18 u dick, */, bis Imal, so lang an den Scheidewánden leicht eingeschnůrt;
Zellhaut dick, meist undeutlich geschichtet. Einzelne Zellen kónnen auch durch Lángs-
theilung in zwei Tochterzellen zerfallen.
An feuchten Mauern, auf nasser Erde, an Baumstámmen spárlich verbreitet; in der
freien Natur (7—9), in den Warmháusern (1—12). «) An einer feuchten Wand im
Vermehrungshause des botan. Gartens am Smichow spárlich! var. 9) bei Reichenberg auf
Baumrinde von alten Nadelholzern als Chroolepus pini Auersw. von Siegmund (Mus!) ge-
sammelt. b) bei Veselí auf feuchter, etwas sandiger Erde in grósserer Menge! bei Cibulka
náchst Prag von Opiz als Chroolepus saxicola Opiz (Mus!) gesammelt.
2. Subfamilie. Chaetophoreae.
Der kugelige, unregelmássig lappige, oder bůschelfórmige, meist sehr schlůpferige
Thallus der Chaetophoreen besteht entweder aus wenig verzweigten Gliederfáden, an
welchen ofters hin und wieder kurze, meist ungegliederte Wurzelástchen entspringen oder
aus reich verzweigten, von einer Schleimhůlle umgebenen, mit Rhizoiden versehenen Zell-
fiden. © Die Zellen der Chaetophoreen sind einkernig und enthalten je einen wandstán-
digen, bandfórmigen, oft nur einen mehr oder weniger schmalen Gůrtel in der Mitte der
Zellen bildenden Chlorophylltráger (Chromatophor), der meist eine zusammenhángende,
zu einem vollstándigen Ringe goschlossene Scheibe bildet, seltener citterfórmie durch-
brochen und am Rande unregelmássig gelappt oder blos der einen Seitenwand angelagert
ist. In jedem Chlorophylltráger (Chlorophor) sind ein oder mehrere Pyrenoide von ver-
schiedener Grósse enthalten. Die Zellwánde der vegetativen Zellen sind meist zart und
sehr schlůpferie. Bei Chaetophora nimmt die Gallertbildune der Zellmembran solche
Dimmensionen an, dass sie Polster von schleimiger bis knorpeliger Consistenz und festen
Umrissen bildet, in welchen die Thallusfáden eingebettet liegen. Die Endzellen der Ver-
zweigungen sind zugespitzt oder laufen in lange, čfters gecliederte hyaline Haare aus.
Fortpflanzung durch Zoogonidien, welche meist zu 2 bis 16, in einer von den
vegetativen Zellen nicht verschiedenen Mutterzelle (Gonidangium, Sporangium) entstehen
und mit zwei oder vier Cilien versehen sind. Copulationsprocess dieser Zoogouidien,
welche durch Zerreissen oder Aufguellen der Membran der Mutterzelle frei werden sowie
Zygoten sind erst bei einigen Chaetophoreen beobachtet worden. © Ungeschlechtlich ent-
standene Dauerzellen vorhanden; sie entstehen in den noch lebhaft vegetirenden Zellen,
vorzugsweise der Astspitzen, einzeln oder zu zweien bis vieren und bleiben entweder in
der Mutterzelle ruhig liegen, indem eine Ablósung der Ouerwánde des Fadens stattíindet
[Stigeoclonium, Chaetophora], oder ste werden [bei Draparnaldia| als Schwármzellen aus-
gestossen, welche sich aber blos kurze Zeit und energielos bewegen und alsbald zu ru-
henden Dauerzellen werden; [seltener bleibt auch bei Draparnaldia die Dauerzelle in der
Mutterzelle ruhig liegen, ohne dass eine Ablósung der Ouerwánde des Fadens stattfindet|.
19. Gattung. Stigeoclonium Ktz. (incl. Endoclonium Szyman.)
Der Thallus bildet schlůpferige důnne Ráschen, oder polsterfórmige, zusammen-
hingende, důnne filzartige Úberzůge an Wasserpflanzen, Steinen ete. Der Hauptstamm
ist meist einfach verzweigt, die Aeste zerstreut, nicht zu deutlichen Astbůscheln zusam-
mengedránst, mit kurz pfriemenfórmiger oder in eine lángere Haarspitze auslaufender
Endzelle. Fůden meist aufrecht, blos an der Basis dem Substrat angewachsen, mit ab-
stehenden, sejtlichen Verzweigungen, seltener auch epiphytisch mit allen Theilen des
Thallus dem Substrate fest angedrůckt, mit niederliegenden, zu kleineren oder grósseren,
scheiben- oder schildfórmigen parenchymatischen Zellfláchen verwachsenen Aesten auch
| :
Stigeoolonium. 65
endophytisch (Endoclonium Szym.) in den Intercellulargángen und Luftráumen unter der
Oberfláche verschiedener meist abgestorbener Wasserpflanzen lebend.
Geschlechtliche Fortpflanzune durch Zygoten, welche durch Copulation von Micro-
zoogonidien (Gameten) entstehen. Ungeschlechtliche Vermehrung durch vierwimperige
Macrozoogonidien und Dauerzellen, die meist aus der Umbildung der Zellen der letzten
Verzweigungen hervorgehen.
1. Sect. Hustigeoclontum (Ktz.) nob. Frei wachsende, bůschelfórmig ver-
zweigte Formen. ;
75. 8. variabile Nág.') Tab. phycol. III. T. 2 male excus.?) Lager důnn, lebhaft
grůn, Hauptfáden 6 bis 6'5 u dick. Spárlich verzweigt, Aestchen kurz, abstehend. Zellen
meist ebenso, seltener bis 2mal so lang wie dick, důnn-
háutig, an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt.
var. 6) minus nob. Fáden spárlich verzweist, kurz.
Zellen der Hauptfáden 4:5 bis 6 w dick, 1 bis 2mal so
lang, seltener auch etwas kůrzer, an den Auerwánden leicht
eingeschnůrt.
In Brunnen, Aguarien (7—8). So in einem Teiche
bei Písek (var. B) und in einem Brunnen bei Kaplitz mit
Chantransia chalybea und Ulothrix subtilis!
76. S. falklandicum Ktz. Lager hell- oder gelb-
lichgrůn, schlůpferig, futhende Flocken oder Ráschen bildend.
Fáden am unteren Theilé mit langen von einander ziemlich
entfernten Zweigen, am oberen Ende reichlich verzweigt,
Zellen der Hauptfáden 6 bis 10 u dick, 2 bis 4mal (a).
oder 4 bis 6, seltener bis 12mal (d) so lang, die Zellen
der spitz auslaufenden Aestchen letzter Ordnung, 4 bis
6 u dick, an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt, sehr
důnnwandig.
a) genuinum (Ktz.) nob. [S. falklandicum Ktz. Tab.
phycol. III. T. 2. S. subspinosum (6. falklandicum Ktz. Spec.
alg. p. 353. S. pusillum Rbh. Alg. exs, Nr. 716! | Gelb-
lichgrůn. Zellen der Hauptfáden 6 bis 10 w dick, meist 2-
9, seltener 4mal so lang, an den Scheidewánden nicht oder
sehr leicht eingeschnůrt, an den am Ende peitschenfórmig M
verdůnnten Aesten důnner, 2 bis 3mal so lang. Fig.27. Stigeoclonium falklan-
b) longearticulatum nob.*) [S. falklandicum Ktz. © dicum Ktz. 5) longearticulatum
in Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 110'] Zellen der Haupt- ob. Mittlerer Theil eines ver-
fáden 6 bis 10 u dick, meist 4 bis 6, seltener bis 12mal p pro eat od dl
PE ) ) n etwa 300mal.
so lang als dick, an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt,
mit einem blos den mittleren Theil der Zellen ausfůllenden Chlorophylltráger. Zweige
am unteren Theile des Stammes spárlich, langgeliederig, am oberen zahlreicher, aus kůr-
zeren, Zoogonidien bildenden Zellen zusammengesetzt.
Im Torfsůmpfen («); in Brunnen, Auellen, an Brunnentrógen meist in Gebirgs-
gegenden (b) (7—8). So bei Hirschberg, Eisenbrod, Tannwald, bei Johannisbad, bei
Lobositz auch auf den Schiffmůhlen an der Elbe b)!
!) Steht dem ebenfalls sehr spárlich verástelten S. subsecundum Ktz. B. tenuius Nordst.
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 815! und dem (nach Reinsch) unverzweigten S. simplicissimum
Reinsch Contrib. ad algolog. et fungolog. p. 78 Tab. 8 Chlorophyllophyceae am náchsten. Siehe
auch Berthold's „Untersuchungen úber die Verzweigung einiger Sůsswasseralgen“ 1878.
2) Dass diese Abbildung der Ulothrix radicans mehr als einem Stigeoclonium áhnlich sei,
gibt Kůtzing selbst in den Bemerkungen zu seinen Tab. phycol. III. p. 1 zu.
S) Steht dem S. subsecundum Ktz. Tab. phycol. III. T. 1. Ktz. Alg. exs. Nr. 146 !, von
welchem es sich durch die Lánge der Zellen sowie durch die Anordnung des Chlorophylls we-
sentlich unterscheidet, nahe,
5
66 Stigeoclonium.
77. 9. tenue Ktz.") ampl. (Draparnaldia tenuis Ag.) Lager lebhaft grůn, 4 bis
40 mm lang, schlůpferig. © Hauptfáden unten spárlich, oben reichlicher verzweist, aus 9
bis 15 u dicken, 1 bis 3mal so langen, an den Scheidewánden leicht éingeschnůrten,
schmale wandstándige Chromatophoren enthaltenden Zellen zusammencesetzt. Aestchen kurz,
mit meist pfriemenfórmig zugespitzten, seltener in eine kurze farblose Haarspitze aus-
laufenden Endzellen.
a) genuinum (Ktz.) Krch. (S. tenue Ktz.) Tab. phycol. III. T. 3. Lager meist
1 bis 3 em lang, seltener lánger. Fáden einfach verzwéigt. Zweigchen auf dem Gipfel-
theile der Hauptfáden wenig zahlreich, kurz, zugespitzt, fast aufrecht abstehend, pfriemen-
fórmig, nicht in farblose Haare auslaufend.
b) lubricum (Ktz.) Rbh. (S. lubricum Ktz.) Tab. phycol. III. T. 6. Rbh. Alg.
exs. Nr. 217! Hauptfáden reichlicher verzweigt, dicker als die weiteren Verzweigungen.
Zweigchen letzter Ordnung, zahlreich, kurz, einander bůschelfórmie genáhert, an der Spitze
borstenfórmig verlángert.
c) uniforme (Ag.) Ktz.*) Spec. alg. p. 353 [Draparnaldia uniformis Ag., S. uni-
forme Rbh.| Tab. phycol. III. T. 3. Lager 4 bis 15 mm lang. Hauptfáden bis 15 u
dick, von den hóheren Verzweigungen wenig verschieden, mit breiten Chlorophylltrágern.
Zweigchen letzter Ordnung locker angeordnet, ofters sehr verlángert, schlank, mit sehr
leicht an den Scheidewánden eingeschnůrten Zellen. Endzellen pfriemenfórmig, nicht in
farblose Haare auslaufend. Zellen der Hauptfáden 2 bis mal so lang als dick, mit
mássig verdickter, ofters vom Kalksinter leicht incrustirter bráunlicher Membran, die der
Endverzweigungen meist eben so lang wie dick.
var. 6) irregulare nob. Fáden durch Lánostheilungen der Zellen stellenweise aus
zwei Reihen von Zellen gebildet; durch Keimune einzelner Zellen entstehen hie und da
an solchen band- und flichenartig erweiterten Fadentheilen bruchsackartige Auswůchse.*)
d) gracile Ktz. Spec. alg. p. 353. [S. gracile Ktz. Tab. phycol. III. T. 4.] non
S. gracile Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 514! Zellen der Hauptfáden meist nur 11'5
bis 13 u dick, die der verlángerten Seitenzweige 5 bis 6 u dick; Endzellen der Aestchen
meist pfriemenfórmig, seltener in kurze hyaline Haarspitze auslaufend.
e) iregulare (Ktz.) Rbh. (S. irregulare Ktz. incl. S. stellare Ktz.] Tab. phycol.
IIT. T. 4. Fáden durch Lángs- und Guertheilungen der Zellen ofters aus doppelter
Reihe von Zellen zusammengesetzt, Endzellen der Verzweigungen in lángere, farblose
Haare auslaufend.
£) epiphyticum nob. Hauptáste und Verzweigungen niederliegend, ihrem Sub-
strate fest angedrůckt, zu kleineren oder grósseren, Ofters weit ausgebreiteten schei-
benfórmigen, parenchymatischen Zellfláchen verwachsen, mit fadenfórmig ausgezogenen
Rándern.*) |
Bildet hellgrůne, in Aguarien auch blass oder gelblichgrůne, schlůpferige Flocken
und Ráschen, die an Steinen, Wasserpflanzen, Pflanzenůberresten u. á. im Wasser lie-
1) Uber die Protococcus- und Palmella-artigen Gebilde dieser und hnlicher S.-Arten
siehe mehr in Famintzin's „Die anorganischen Salze etc.“ 1872 und Cienkowski's „Uber Palmellen-
Zustand bei Stigeoclonium“, „Uber d. Palmellenzustand der Algen“ 1876.
2) S. thermale A. Br. Tab. phycol. III. T. 2. Rbh. Alg. exs. Nr. 1664! dessen Lager bis
2 em lang, dessen Hauptfáden 8 bis 11 u dick, die Zellen der Hauptfáden 1 bis 2mal so lang als
dick, mit důnnen Zellwánden, die der Endverzweigungen čfters 3 bis 5mal lánger als dick sind,
unterscheidet sich wesentlich von dem oben angefůhrten, ebenfalls an Abflůssen von warmen Guellen
vorkommenden S. tenue var. uniforme.
S) Morphologisch entspricht diese Chlorophyceen-Form einigermassen der Stigonema-
(Fischera) Form der Cyanophyceen (Phycochromaceen).
+) Die von P. Reinsch in seinem Werke „Contributiones ad algologiam et fungologiam“
1875 p. 76 und 77 kurz beschriebenen und auf Tab. 4. (Chlorophyllophyceae) abgebildeten ver-
schiedenen Formen einer neuen Ulvaceen-Gattung [Nov. gen. Ulvacearum] sind wahrscheinlich
áhnliche Stigeoclonium-Formen. Úber die sogen. Stigeoclonium-Sohle, welche eine Art von Vorkeim
bei diesen Algen bildet, siehe Reinhardts „Die Copulation der Zoosporen bei Chlamydomonas
pulvisculus Ehrb. und Stigeoclonium sp.“ 1876.
Stigeoolonium. 67
genden Gegenstůánden festsitzen; in Bóhmen in der Ebene und im Vorcebirge háuflo ver-
breitet (5—10).
a) In Prag an Wasserbeháltern auch in Privatháusern; in der Umgebung von
Prag bei der Kaisermůhle náchst Baumgarten, auf Steinen in Brunnen bei Hlubočep,
St. Prokop, bei Krč, bei der Můhle im Kunraticer Walde, bei Brnky, Roztok, Chwal,
im Choteč-Thal, bei Schwarz-Buda náchst Mukařov, bei Beraun, Kůnigshof, im Sucho-
master Thal; in einem Báchlein bei Lissa und Oužic; in Brunnen bei Kralup, Klomín,
Lobkovic an der Elbe; bei Melnik, Rovné und CČtinowes náchst Raudnitz, in Leitmeritz,
Lobositz, bei Sulowic, Cížkowic, Laun, Chrabčic, Peruc, Schlan; bei Lysa, Kostelec a. E.,
Kolín; Dymokur, Jičín, Hořic, Smiřic, Kdniggrátz; bei Weisswasser, Hirschberg, Hab-
stein; Jung-Bunzlau mehrfach, Bakov, Turnau, Semil, Eisenbrod, Svarov, Tannwald, Trau-
tenau, Arnau, Parschnitz, Nachod; bei Saidschitz, Franzensbad, Carlsbad, Mies; bei Be-
neschau, Ondřejov, Sazawa, Bystřic, Wotic, Střezmiř bei Stupčic, Tabor, Sobieslau, Podhrad,
Budweis, Lomnic, Wittingau; bei Půrslitz, Stadtl, Rakonitz, Přibram, Protivín, PN
Rosenberg, Hohenfurth mehrfach! b) In der Umgebung von Prag mehrfach ZA o
Teiche am sog. Libuša-Bade náchst Pankrac, auf Steinen im Bache bei Všenor mit ae
gángen in e), im Teiche „v Mičích“ bei Stadtl, bei Schlan, Chrabčic náchst Laun; bei
Hirschberg, Alt-Paka, Písek; c) In den Abflůssen der warmen Guellen in Carlsbad von
C. A. Agardh im J. 1827 im 259 R. warmen Wasser entdeckt [Alm. d. Carls. 1834
p. 59] Mus! im Bette der Tepl unter der Sprudelcolonnade an Steinen, welche von
warmen Wasser bespůlt werden, mit Calothrix thermalis im lauwarmen Wasser auch var. 6!
und in kálterem Wasser, daselbst 1883! an Steinen im Abfluss des Springers, im Abfluss
der kleinen warmen Auelle am Fusse des St. Bernharďs-Felsen [Schwabe, Linnaea 1837|;
in Rothenhaus bei Teplitz [Rbh. Krypt. FI. v. Sachsen]; im Abflusse der Johannisbader
warmen Guelle mit Chantransia chalybea v. thermalis reichlich 1885! frůher schon von
(Kirchner [Krch. Algenfl. p. 68] daselbst beobachtet; d) in den Tůmpeln an der Moldau
bei Slichow, Branik, Hodkowička, Troja; in den Elbetimpeln bei Neratowic, Lobositz;
e) bei Písek auch als var. stellare Ktz. (S. stellare Ktz.! bei Seegrund náchst Eichwald ;
Úbergangsstadien -der Form «) in e) fand ich auch auf Steinen in einem Brunnen bei
der Můhble in Kunratic, ebenso bei Hrdlořez und bei Mies; /) entwicklt sich háufig in
den Culturen aus der typischen Form, auch an den Wánden der Gláser, in welchen
diese Algen lángere Zeit im Zimmer cultivirt wurden [jedoch seltener als var. e)]|; so in
Prag in meinen Algenculturen, in einem Teiche bei Písek an untergetauchten Acorus-
bláttern in grossen Exemplaren u. a.!
78. S. subspinosum Ktz. [S. protensum (Dillw.) Ktz. db) subspinosum (Ktz.)
zy90 Tab. phycol. II. T. 2. Rbh. Alg. exs. Nr. 296! Lager lebhaft grůn, schlůpferig bis
1'/, em lang. Zellen der spárlich verzweigten Hauptfáden etwa 10 m dick, meist 1, sel-
tener bis 3mal so lang als dick, Aestchen zerstreut, selten gegenstándig, ho Hndžellen
lang pfriemenfórmig, nicht mit on lingeren hyalinen Haarspitze endigend.
In Auellen, Brunnen (6—8). So in einem Brunnen bei Brnky gegenůber Roztok
und am Grunde einer inundirten Pumpenróhre in Beraun!
79. S. longipilum Ktz.") Tab. phycol. III. T. 7. Ktz. Alg. exs. Nr. 104! Lager
lebhaft grůn, schlůpferig, polsterfórmig, meist 2, seltener bis 10 mm lang. Hauptfáden
und Aeste erster Ordnune strahlie angeordnet, nach oben zu bůschelig verzweigt, aus 11
bis 14 u dicken, ebenso oder bis zweimal so langen Zellen zusammengesetzt. Zellen an
den Scheidewánden deutlich eingeschnůrt, mit breiten Chlorophylltrágern. © Endzellen der
Aestchen alle oder die meisten in ein langes, farbloses Haar verlángert.
In Tůmpeln, Wassergráben an untergetauchten Wasserpflanzen u. i. (6—9). So
in den Tůmpeln án der Moldau bei Prag, in den Teichen bei Brůx, bei Písek!
80. 8. pusillum (Lyngb.) Ktz. Tab. phycol. III. T. 9. Lebhaft grůne, futhende,
2 bis 6 mm lange, schlůpferige Flocken bildend. Hauptfáden etwa 15 u dick, mit zahl-
1) Bildet nach Kirchner [Algen v. Schlesien p. 68] vielfach Úbergánge zu Chaetophora.
B*
68 Stigeoolonium.
reichen, oft gegenstindigen, bis auf 6 u verdůnnten Zweigen. Zellen meist eben so lang
als dick, seltener etwas lánger, an den Scheidewánden deutlich eingeschnůrt; Endzellen
der Zweigchen in ein langes farbloses Haar auslaufend.
In Teichen, Wassergráben an untergetauchten Wassérpflanzen u. á. festsitzend
(6—38). In Bóhmen nach Rbh. Flor. europ. alg. II. p. 380.
81. S. Aagelliferum Ktz. ampl. Tab. phycol. III. T. 10. Bildet 4 bis 10 mm
Jange, seltener noch lángere, schlůpférige, gelbgrůne Flocken oder Ráschen. Aeste sehr
verlángert, peitschenfórmig, die unteren zu 2 bis 5 genáhert, seltener zerstreut, die
oberen einzeln oder zu zweien, die der letzten Ordnung mit pfriemenfórmiger oder in
eine farblose gegliederte Haarspitze auslaufender Endzelle. Zellen der Hauptfáden 14 bis
20 u dick, 4 bis 8mal so lang, cylindrisch, háufg nur wenig Chlorophyll in Form von
engen bandfórmigen Chromatophoren enthaltend, mit ziemlich dicker Zellhaut, die der
unteren Aeste 9 bis 12 « dick, 4 bis 6 mal so lang.
var. B) erasstusculum (Ktz.) Rbh. (S. crassiusculum Ktz.) Tab. phycol. III. T, 10.
Lager bis 2 em lang, Zellen der spárlicher verzweigten Hauptfáden meist 20 u dick, 3
bis 6mal so lang, die der Aestchen kůrzer.
In stehenden oder langsam fliessenden Gewássern, in Teichen, Tůmpeln, an Fluss-
ufern, auch in Torfsůmpfen, an Wasserpflanzen, untergetauchten Hólzern u. á. festsitzend
(6—9). So in der Umgebung von Prag an den Ufern und in den Tůmpeln der Moldau
auf Steinen, Holzbalken, Wasserpflanzen u. á., meist
mit Draparnaldia plumosa und Ulothrix zonata ver-
breitet; in dem Můhlteich bei Kunratic! ebenso an
den Ufern und in den Tůmpeln der Elbe bei Hořín
náchst Melnik, Kostelec a. E., Kolín, Lobositz; bei
Koniggrátz; in den Teichen bei Chlomek náchst
Turnau; bei Hirschbere, Dux, Brůx, Franzénsbad ;
in den Teichen bei Wotic, Lomnic, Wittingau! 9) in
den Moldautůmpeln, bei Prag, in den Teichen bei
Brůx und bei Lomnitz náchst Wittingau!
82. 8. nudiusculum Ktz.") (Draparnaldia nu-
diuscula Ktz.) Tab. phycol. III. T. 15 u. 16. Hellerůn,
1"/, em lange, schlůpferige Flocken oder weiche pol-
sterartige Úberzůge bildend. Hauptfáden armástig, unten
mit einzelnen mehr abstehendén Zwéigen, oben mit
bůschelfórmig geháuften, aufrechten, den Hauptfáden
eng anliegenden, kurzen Aestchen; Zellen der Haupt-
fáden 30 bis 47 u dick, 1 bis 3mal so lang, cylin-
drisch, oder fast tonnenfórmig, an den Scheidewándén
leicht eingeschnůrt, wenig Chlorophyll enthaltend, die
Aestehen letzter Ordnung fast um die Hálfte důnner,
(ofters nur 9 u dick, 1 bis 2 mal so lang), breitere
Chromatophoren enthaltend. Zellháute namentlich an
: den Hauptfáden dick und robust. Endzellen in lange,
Fig. 28. Stigeoclonium pygmaeum nob. © farblose gegliederte Haare auslaufend.
Theil eines am Substrat epiphytisch Tach T% Spaní Blitter
wachsenden Astes mit drei aufrechten ký: 6m“ A Mmpokn DE A
einfach verástelten Zweigen. Veror. Stengeln verschiedener Wasserpflanzen (6—8). So am
600mal, Ufer der Moldau, in den Tůmpeln bei Hlubočep und
Branik náchst Prag mit Draparnaldia plumosa!
2. Sect. | Endoclontum (Szyman. ampl. nob.) Epiphytische und endophytische
Formen, welche im entwickelten Zustande kleinere oder gróssere, niederliegende Scheiben
') Da die Verzweigungen dieser Stigeoclonium-Art ofters zu deutlichen Astbůscheln zu-
sammengedrángt sind, wurde diese Alge von Kůtzing zuerst zur Gattung Draparnaldia gestellt,
zu der sie auch in der That den Úbergang bildet.
„A
Chaetophora. 69
mit fadenfórmig ausgezogenen Rándern und einzelnen aufrecht wachsenden, wie bei Eusti-
geoclonium bůschelfórmig verzweigten Fáden bilden.
83. S. pygmaeum nob.“) Bildet důnne, hellgrůne von kohlensaurem Kalk stark
incrustirte Ráschen. © Aufrecht wachsende Fáden 120 bis 150—200 u lang, meist
schon nahe an der Basis verástelt, aus 4 bis 5 w dicken, meist ebenso langen oder etwas
kůrzeren oder lángeren Zellen zusammengesetzt. Aestchen čfters leicht gekrůmmt, mit
zugespitzten oder in lange farblose Haare auslaufenden Endzellen, aus etwa 3 bis 4 u
dicken, fast ebenso langen Zellen bestehend. Niederliegende, dem Substrat fest ange-
drůckte Aeste zu Coleochaete- áhnlichen, unregelmássigen Scheiben verwachsen, meist aus
zweimal so grossen Zellen als die der aufrecht wachsenden Zweige gebildet.
Wáchst epiphytisch an (seltener auch endophytisch in) Lemna minor und ver-
schiedenen Wasserpflanzen in Gesellschaft von Trentepohlia Willeana u. einiger Schizo-
phyten, an der Epidermis dieser Pflanzen eine důnne, blass grůne Sinterkruste bildend.
(7—8.) Bisher blos in einem Teiche bei der Chlumčaner Zuckerfabrik náchst Laun
reichlich (1884)!
20. Gattung. Chaetophora Schrank.
Thallus gallertig, nicht schlůpferig und zerfliessend, elastisch, seltener fast leder-
artig, rundlich-polsterfórmig oder unregelmássig lappig. Hauptfáden und Nebenverzwei-
gungen gleichformig gestaltet, strahlig angeordnet, von einer farblosen Gallerthůlle umgeben,
Zellen der Hauptfáden und der Aeste erster Ordnung gleich dick, schmale Chlorophyll-
bánder enthaltend, ofters fast hyalin; die der Zweigchen letzter Ordnung důnner, mit
breiteren, wandstándigen Chlorophylltrágern, Endzellen kurz pfriemenfórmig oder in lange
farblose Haare auslaufend,
Vermehrung durch vier- oder zweiwimperige Zoogonidien und durch Dauerzellen.
Diese letzteren, welche zu je einer aus einer vegetativen Zelle der letzten Verzweigungen
der Astbůschel entstehen, sind zu Ketten gereiht, roth oder rothbraun gefárbt, mit einem
braunen Exospor, einem farblosen Endospor und mit einem olartig glánzenden, Hámato-
chrom enthaltenden Zellinhalte versehen.
Nach einer Ruheperiode (meist nach einer Úberwinterung) keimen diese Dauer-
zellen, indem ihr Exospor zerreist, der ergrůnende Zellinhalt in Form eines Keim-
schlauches hervortritt, welcher sich bald durch Ouerwánde theilt und seitliche Verzwei-
gungen erzeust. Die oberste Zelle des Keimlings entwickelt sich frůher oder spáter
zu einem langen farblosen Haare.*)
a) Lager kugelig oder hóckerig-kugelfórmic,
84. Ch. pisiformis (Roth.) Ag.*) Tab. phycol. III. T. 18. Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 33! Lager meist bis erbsen- seltener bis kirschengross (var. 6) pruniformis Ktz.)
1) Steht dem Endoclonium chroolepiforme Szyman. und Endoclonium polymorphum Franke
am náchsten. Ersteres hat Szymanski [Uber einige parasitische Algen 1878] in allen Theilen
abgestorbener Lemnen (L. minor, trisulca, polyrrhiza), blos endophytisch lebend beobachtet, letz-
teres hat Franke Cohn's („Beitráge zur Biol. d. Planzen“, 1883) an der Oberfláche der Lemna
gibba epiphytisch und in derselben auch endophytisch wachsend angetroffen. Das oben beschrie-
bene S. pygmaeum, welches ich sowohl an der Oberfláche von Lemna minor und anderen Wasser-
pianzen als auch [seltener] in den Intercellularráumen des Parenchyms unter der Epidermis dieser
Planzen endophytisch wachsend in verschiedenen Entwickelungsstadien beobachtet habe und
welches in der oben beschriebenen, niedrige bůschelformige verzweigte Ráschen bildenden Form
von den beiden vorher genannten Endoclonium-Formen sich leicht unterscheidet, úbergeht auch
wie die erstere von diesen beiden Formen in Palmellen- und Protococcusartige Zustánde und
bildet auch nicht selten, meist 6 bis 15 u dicke, kugelige oder eifórmice, fast mennigroth gefárbte,
Haematochrom enthaltende, Akineten mit ziemlich důnner, farbloser Membran. Mehr úber die
Entwickelung dieser S.-Form wird spáter an anderem Orte mitgetheilt werden.
2) Mehr ůúber die Entwickelungsgeschichte einiger Chaetophoreen in Kirchner's diesbe-
zůglichem Bericht im Tagebl. d. 54 Vers. deutsch. Naturf.
5) Nach Rabenhorst (Flora europ. alg. III. p. 384 ist Chaetophora radians Ktz. wahr-
scheinlich eine jingere Form der Ch. pisiformis (Roth) Ag.
70 Chaetophora.
glatt, lebhaft oder wásseriggrůn, matt glánzend, weich. Aeste stark verzweigt, regelmássig
(strahlig) angeordnet. Zweigchen letzter Ordnung zahlreich, bůschelig, zusammengedrángt,
gerade, ihre Endzellen pfriemlich, nie oder nur selten ein Haar tragend. Zellen der
Hauptáste meist 9, seltener bis 15 u dick, 2 bis 5mal so lang, die der ofters bogen-
fórmig gekrůmmten Zweigchen meist 6 w dick, 1" bis 3mal so lang, an den Scheide-
wánden unmerklich eingeschnůrt.
Ia Brunnen, Auellen, Báchen, Teichen, Wassergráben, Tůmpeln u. á. an Steinen,
untergetauchtem Holz oder an Wasserpflanzen festsitzend, seltener freischwimmend; meist
in der Ebene und im Hůgellande verbreitet (5—9). In der Umgebung von Prag mehrfach ;
so in einem Brunnen in der Jeneralka náchst Podbaba, im sog. Libuša-Bade náchst
Pankrac; in einem Waldbrunnen unter der Bráuerei bei Klecan, ebenso bei der Můhle
im Kunraticer Walde; in einigen Brnnnen und in kleinen Báchen in der Umgebung von
Karlstein, im Suchomaster Thale bei Kónigshof; in den Tůmpeln
und in Wassergráben bei Ouwal, bei Kostelec a. E., Alt-Bunzlau,
Sadska, Neratowic, Lobkowitz; bei Kolín, Chlumec und Libňoves
an der Cidlina, bei Kóniggrátz mehrfach; bei Ctinowes und Rovné
náchst Raudnitz, bei Leitmeritz, Lobositz; bei Laun, Neu-Straschitz ;
Jung-Bunzlau, Bakov, Turnau, Eisenbrod, Parschnitz, Arnau; bei
Hirschbere auch in den Teichen, bei Weisswasser; bei Tschausch
náchst Brůx, Dux, Franzensbad, Mies, Lomnic náchst Wittingau,
Krummau, Hohenfurth, Písek, Tabor, Olbramowic náchst Stupčic!
85. Ch. elegans (Roth.) Ag. Lager bis erbsen- selten
bis kirschengross, wásserig grůn, glatt, weich oder ziemlich fest.
Fáden regelmássie subdichotomisch , seltener trichotomisch ver-
zwěigt,") Astbůschel locker, Zweigchen letzter Ordnung gérade oder
erst oben leicht gekrůmmt, mit cylindrischen sehr wenig einge-
schnůrten, 7 bis 10 u dicken, 1 bis 1"/„mal langen Zellen; Zellen
Fig. 29. Chaetophora
elegans a)genuina (Roth)
nob. Stůck eines Haupt-
astes mit ziemlich ge-
dránsten Gipfelzweigen.
Vergr. 300mal.
M nes n der Hauptáste 9 bis 12 u dick, 1"/, bis 3mal so lang.
2nRh poshal: a) genwna (Roth.) nob. Ch. elegans (Roth) Ag. in Tab.
úd obě 5 phycol. III. T.20. Lager mohnkorn bis erbsengross, seltener grósser,
U KDN ziemlich weich, Endzellen der mehr oder minder gedránsten Gipfel-
Nj: n ý zweige pfriemenfóormig, selten in farblose, gegliederte Haarspitze
© 19 auslaufend ;
P var. 6) cervicornis (Ktz.) Rbh. (Ch. cervicornis Ktz.
Tab. phycol. III. T. 19. Gipfelzweigchen sparrig abstehend.
b) longipila (Ktz.) nob. (Ch. longipila Ktz. Tab. phycol.
III. T. 17. Lager meist mohn-, seltener bis hanfkorngross, ziemlich
resistent, Endzellen der Zweigchen in lange, farblose, gecliederte
Haare auslaufend.
In Tůmpeln, Teichen, Wassergráben wie vor. an Wasser-
pflanzen u. a. fest sitzend, meist in der Ebene, seltener auch im
Hůgellande verbreitet (5—9). a) In der Umgebung von Prag in
dem Můhlteiche bei Kunratic; in Wassergráben bei Chrbyně am
Lodenitzer Bache náchst Unhoscht; in den Teichen bei Podolí
náchst Wotic, béi Stupčic, Sobieslau, Zamost náchst Budweis; in
den Tůmpeln an der Moldau bei Ebenau náchst Krummau, in den
Teichen bei Hohenfurth mehrfach; in den Tůmpeln bei Pardubic,
Rosic, Kdnigerátz! d) In der Umgebung von Prag mehrfach; so
in den Tůmpeln an der Moldau an der Kaiserwiese, bei Branik,
Hodkowička, Troja u. a.; in den Elbetůmpeln sehr verbreitet, so
bei Kostelec a. E., Brandeis, Lysa, Nératowic, Lobkowie, Kolín, Pardubic, Kůniggrátz,
Smiřic; bei Raudnitz, Lobositz, bei Čížkowic, Laun; bei Libňowes an der Cidlina; in
5..
Fig. 30. Chaetophora
tuberculosa (Roth) Ag.
Stůck eines Hauptastes
mit zwei Astbůscheln.
Vergr. 300mal.
') Vergl. Berthold's „Untersuch. úber die Verzweigung einiger Sůsswasseralgen“ 1878.
© Chaetophora. 71
den Teichen bei Franzensbad; in den Tůmpeln an der Moldau bei Budweis, in den
Teichen bei Lomnic, Wittingau, Fraunbere, Sobieslau, Wotic!
86. Ch. tuberculosa (Roth) Ag. Tab. phycol. III. T. 19. Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 610! Lager uneben, hóckerig, kleinknollenfórmic, bis kirschengross, von schmutzig-
hell- oder bleichgrůner, seltener bráunlichgelbgrůner Farbe, elastisch, ziemlich resistent,
oft geháuft. Zweigchen gedránst, bůschelie, leicht gekrůmmt; Zellen der Hauptáste 9 bis
12 w dick, 1 bis 2mal so lang, die der Zweigchen 8 bis 10 m dick, '/, bis 1'/„mal so
lang, an den Scheidewánden leicht eingeschnůrt; Endzellen nie oder selten ein Haar tragend.
In Teichen, Wassergráben, Sůmpfen an Wasserpflanzen, Holz und Steinen fest-
sitzend oder an der Wasseroberfláche frei schwimmend; wie vor., aber seltener verbreitet
(4—10). So in dem Teiche bei Běchowic, in den Sůmpfen an der Bahn bei Klomín
náchst Neratowic Ende April 1883 massenhaft, auch var. pumila Wittr. Wittr. et Nordst.
Ale. exs. 211! und var. incrustata Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 405! in den
Teichen bei Střezmiř náchst Stupčic! bei Teplitz und Asch [Rbh. Krypt. Flora p. 273).
b) Lager unregelmássig gelappt oder geweiheartig verzweigt, flach oder fast
stielrund.
87. Ch. cornu damae (Roth) Ag. ampl. (incl. Ch. endiviaefolia (Roth.) Ag.) Wittr.
et Nordst. Alg. exs. Nr. 31, 609, 404! Lager von lebhaft, seltener schmutzig oder
bráunlichgrůner Farbe, 1 bis 8 cm lang, flach, lappig oder ástig,
ofters dichotomisch verzweist, geweiheartig. Zweigchen in losen
Bůscheln; oben gekrůmmt. Zellen der Hauptáste langcylindrisch
oder fast elliptisch, gleichmássie dick oder in der Mitte gedunsen,
10 bis 15 u dick, 2 bis 5mal so lang, die der Zweigchen 8 bis
11 u dick, 1 bis 1'"/„mal so lang, an den Scheidewánden leicht
eingeschnůrt; einzelne Endzellen in ein sehr langes, gegliedertes
Haar auslaufend.
var. ©) ltnearis Ktz. Tab. phycol. III. T. 21. Lager Fig. 31. Chaetophora
linearisch, dichotomisch verzweigt, bis 4 cm lang, lebhaft grůn. | cOrnu damae (Roth) Ag.
6: : at ©. linearis Ktz. Normal-
var. P) endiviaefol'a (Roth) nob. [Ch. endiviaefolia (Roth) © form in natůrl. Grósse.
Ag. Tab. phycol. III. T. 21|. Lager flach, lappig, langgestreckt,
Láppchen am Rande mehr oder minder tief eingeschnitten.
var. 7) polyclados Ktz. Tab. phycol. III. T. 21. [var. ramosissima Rbh.? Flora
europ. alg. p. 385|. Lager unten dichotomisch verzweigt, oben fláchenfórmig ausgebreitet,
wiederholt fiederspaltie getheilt, bis 5 cm lang, mit zahlreihen kurzen Láppchen am Rande.
var. ©) crystallophora Ktz. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 210! Lager ge-
weiheartig verzweigt, mit fast stielrunden Láppchen, von incrustirtem Kalk rauh, ziemlich
fest, schmutziggrůn.
var. e) tnerustans Rbh. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 404! Lager flach,
buchtig eingeschnitten, am Rande kurze Láppchen bildend, vom Kalke mehr oder we-
niger incrustirt.
In Teichen, Tůmpeln, Wassergráben wie vor. an Šteinen, Wasserpflanzen u. á.
untergetauchten Gegenstánden festsitzend; in Bóhmen meist nur in der Ebene verbreitet
(5—10). In der Umgebung von Prag selten; so in den Moldautůmpeln bei Hodkowička
1883 zahlreich mit Ch. longipila var. «) und P), meist an halbabgestorbenen Sparganium-
Bláttern festsitzend; in dem Teiche und den Sůmpfen bei Běchowic var. 9) und 7) an
verschiedenen Pflanzentheilen reichlich! in den Teichen bei Hirschberg im grossen Teiche
auch var. O) und ©) an Sandsteinen; in den Elbetůmpeln bei Kostelec a. E., bei k:
orátz! bei Pardubic [Čeněk Mus!], im Reichenberger Gebiete [Menzel „Beitrůge“];
Gráben bei Křimic náchst Pilsen [Hora „Flora v. Pilsen“ p. 12]; bei Chudenic im otené
Teichel auf Geháusen von Lymnaeus (Čelakovský).
21. Gattung. Draparnaldia Ac.
Der Thallus ist aus formlosen, leicht zerfliessenden, schleimigen, schnurfórmigen
Massen gebildet, in welchen verháltnissmássig dicke, reich verzweiste Hauptfáden ein-
79 Draparnaldia.
gebettet liegen. Diese letzteren sind aus grossen cylindrischen oder tonnenfórmigen, nur
schmale Chlorophoren enthaltenden, ofters fast farblosen Zellen gebildet, welche hie und
da meist gegenstindige reichlich verzweigte Aeste (Astbůschel) tragen. An den Hauptásten
des Thallus sind meist in drei oder viergeliederigen Wirteln die Nebenáste inserirt. Aus
den Basalzellen der lteren Wirteláste entwickeln sich die langgegliederten, farblosen,
hyphenartigen Fáden, welche háufig, indem sie dem Stamm festanliegen, und an den
Stammzellen eine Strecke weit herunterlaufen, die theilweise Berindung der Draparnaldia-
Stimme zur Folge haben.') Die Zellen der Ástchen im Astbůschel sind viel kleiner und
enthalten mehr Chlorophyll als die der Hauptfáden; die Endzellen sind steril, hyalin,
mehr oder minder borstenfórmig verlángert oder in farblose Haare auslaufend.
Vermehrung 1)'durch Zoogonidien, welche nachdem sie sich mit dem vorderen hya-
linen Ende angehaftet haben, keimen und sehr rasch zu einem langen aufrechten Zell-
faden auswachsen, an dem nachher die ersten Zweige hervorsprossen, 2) durch Dauer-
zellen, in welche sich alle Zellen einzelner Astbůschel verwandeln kónnen. © Diese
Draparnaldia-Dauerzellen entstehen in den noch lebhaft vegetirenden Zellen der Astspitzen
zu zweien bis vieren oder einzeln. Wenn nur eine Dauerzelle in je einer vegetativen
Zelle gebildet wird, so bleibt sie entweder in der Mutterzelle ruhig liegen oder sie wird
als Schwármzelle vom Bau der Macrozoogonidien ausgestossen. Nachdem diese Schwárm-
zellen nach kurzer Zeit ihre wenig energischen Bewegungen eingestellt haben, verwandeln
sie sich wieder in ruhende Zellen (Dauerzellen).
88. D. glomerata (Vauch.) Ag. Bildet sehr schlůpferige, lebhaft oder blassgrůne
1 bis 10 cm lang, meist freischwimmende Bůschel. Zellen des Hauptstammes 30 bis 70 u
dick, 1 bis 5mal so lang, meist deutlich tonnenfórmie angeschwollen.
Astbůschel einander genáhert, am oberen Stammende úfters ge-
drángt, horizontal abstehend, im Umfang eifórmig. Zellen der
Aestchen 9 bis 12 u dick, Endzellen lang, pfriemenfórmig mit
aufgesetzter Haarspitze,
a) genuma (Vauch.) Krch. Tab. phycol. III. T. 12. Wittr.
et Nordst. Alg. exs. Nr. 28! Zellen der Hauptfáden ungefáhr
35 m dick, fast ebenso lang. Astbůschel genáhert, aus dicht ge-
dráneten Zweigchen bestehend,
b) acuta Ag. (D. acuta Ktz. Tab. phycol. III. T. 18.
: Rbh. Alg. exs. Nr. 199! Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 314 f.
Fie. 32. Draparnaldia ©Ol1' Zellen der Hauptfáden bis 70 m dick, 1 bis 2mal so lang.
olomerata c) distansKtz. © Die mittleren Zweige der Astbůschel lánger als die seitlichen,
Drei Zellen eines Haupt- © daher der ganze Bůschel am Ende zugespitzt.
fadens mit einem Ast- ; 3
bůschel. Verer. 300mal. c) distans Ktz. [D. distans Ktz. Tab. phycol III. T. 14,
D. glomera db) remota Rbh.| Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 512!
Astbůschel am Hauptfaden von einander entfernt, wenig verzweigt, abstehend.
d) gracillima Ag. [D. spinosa Ktz. Tab. phycol. III. T. 13. Wittr. et Nordst.
Alg. exs. Nr. 313 £.!| | Astbůschel mit spárlichen, fast sparrig abstehenden Zweigchen,
deren Endzellen in eine lange farblose Haarspitze auslaufen.
e) biformis Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 513! Astbůschel kurz, abstehend,
mit Aestchen, welche theils in eine farblose Haarspitze auslaufen, theils stumpf endigen.
In stehenden und langsam fliessenden Gewássern, Wald- und Wiesengráben,
Sůmpfen, Guellen, Báchen, an Steinen oder Wasserpflanzen u. á. festsitzend oder auf
der Wasseroberfláche frei schwimmend; meist in der Ebene und im Vorgebirge verbreitet
(6—9). In der Umgebung von Prag blos im Bache im Kunraticer Walde an Steinen
festsitzend und frei schwimmend 5), ebenso bei Běchowic zwischen Wasserpflanzen! bei
Hořowic, in Wassergráben an der Bahn bei Kůniggrátz a) und d), bei Leitomyschl in
") Mehr darůber in Berthold's „Untersuch. úber die Verzweigung einiger Sůsswasser-
algen“ 1878.
» ui aan“ oné
Draparnaldia. 73
den Nedošiner Auellen (Klapalek !), bei Weisswasser, Lomnic
náchst Wittingau, in Wiesengráben bei Hohenfurth! bei Fran-
zensbad! bei Asch d) (Rbh. Kryptíl. v. Sachsen p. 269),
im grossen Teich im Riesengebirge c) als v. remota (Krch.
Alg. p. 67).
|
Ň
89. D. plumosa (Vauch.) Ag. Schlůpferige, blass- |
k ků
oder gelblichorůne 1-bis 5 cm lange Flocken, Bůschel und V Ů k3 M
Ráschen bildend. Astbůschel oft sehr verlángert, im Um- A i BB ©
fange lanzettlich aufrecht dem Hauptstamm anliegend. Zellen č ení BY, |
der Hauptfáden cylindrisch, nicht oder undeutlich ange- S sl ES 8
schwollen, 45 bis 50 w dick, "/,„ bis 1'/,„mal so lang, die n |
der unteren Zweigchen 10 bis 12 u dick, 1 bis 2mal so jaa Uh m
lang, die der oberen Aestchen 7 bis 9 u dick, 2 bis VY jš 8]
bmal so lang. : SJ
a) genuina (Vauch.) Rbh. Tab. phycol. III. T. 14. : SK
Astbůschel aus zahlreichen dicht gedránsten Zweigchen. 4
b) pulchella (Ktz.) Rbh. (D. pulchella Ktz. Tab.
phycol. III. T. 15) Astbůschel kleiner, aus wenigen Aestchen
zusammengesetzt.
In Báchen, Flůssen, Tůmpeln, Sůmpfen ete. an | Fig.33. Draparnaldia plumosa
Steinen, Wasserpflanzen (Grásern, Moosen, Wurzeln) und hn- © ») pulchella (Ktz.) Rabh. Stůck
lichen im Wasser befindlichen Gegenstánden, wie vor. ver- uj] zed MER on E
breitet (7—9). So am Ufer der Moldau bei Prag mehrfach, ono Soma 7 ý
z. B. an Holzbalken an der Smichower Schwimmschule, auf
der Kaiserwiese, bei Slichow, Hlubočep, Chuchelbad, Hodkowička, bei Roztok, Klecan!
im Reichenberger Gebiete (Menzel „Beitráge“).
XIV. Familie. Cladophoraceae.')
Der Thallus der Cladophoraceen besteht aus einfachen, ofters mit kurzen seit-
lichen Wurzelástehen (Rhizoiden) versehenen Zellfáden oder aus mehr weniger, meist
wiederholt verástelten, frei im Wasser lebenden oder mit einer zu farblosem Rhizoide
umgebildeten Fusszelle festsitzenden Fáden. Vegetative Zellen meist vielkernig, seltener
blos zwei- bis einkernig (Conferva). (Chromatophoren, welche mehrere bis zahlreiche
Pyrenoide enthalten, entweder als eine einzelne, nicht selten vielfach durchbrochene,
wandstándige Platte entwickelt oder durch weitere Zerklůftung dieser Platte in Form von
zahlreichen kleinen rundlich-eckigen, wandstándigen Scheibchen von verschiedener Grósse
und Gestalt vorhanden, die aber in ihrer Anordnung noch den einzelnen, vielfach durch-
brochenen Platten entsprechen. Zellwánde meist robust und nicht selten deutlich geschichtet.
Vermehrung durch Zoogonidien, welche in grosser Anzahl (wenigstens zu 32)
in einer Mutterzelle durch simultane Theilung des Zellinhaltes gebildet, werden und durch
ein Loch in der Zellwand des von den vegetativen Zellen in Form und Grósse nicht
differirenden Gonidangiums entschlůpfen und meist ohne zu copuliren (parthenogenetisch)
keimen. Ungeschlechtliche Vermehrung auch durch Dauerzellen (Aplanosporen und Akineten),
welche gewóhnlich im Herbste aus einzelnen vegetativen Zellen, die inhaltsreicher werden
und von einer dicken Membran sich umgeben, entstehen und ůúberwintern kónnen. Im
Frůhjahre oder nach lángerer Ruheperiode werden aus solchen Dauerzellen wahrscheinlich
direct wieder neue Individuen (Zellfáden) hervorgebracht.
1) Úber den genetischen Zusammenhane einiger Cladophora-, Rhizoclonium- und Con-
ferva-Arten siehe mehr in Borzi's „Studi algolocici“ I, 1883.
74 Conferva.
23. Gattung. Conferva L. em. Wille.")
Der Thallus aus unverzweigten, rhizoidenlosen Fáden bestehend, welche von den
ebenfalls einfachen Ulothrix-Fáden, durch Form und Grósse der Chromatophoren, sowie
durch ihren mehr kórnigen Zellinhalt, ihre robustere Zellwánde, welche aus H.-fórmigen,
schachtelartie in einander greifenden Stůcken zusammengesetzt sind etc. sich wesentlich
unterscheiden. Die durch einfache Zweitheilung der vegetativen ein- oder zweikernigen *)
Zellen entstandenen beiden Tochterzellen sind zuerst durch die Mutterzellmembran umgeben,
welche spáter, nachdem diese Zellen sich vergróssert haben, in zwei H.-fórmige Stůcke
zerreisst.*)
Ungeschlechtliche Vermehrung durch Dauerzellen (Akineten und Aplanosporen)
und durch zweiwimperige Microzoogonidien, welche in einzelnen, den vegetativen Zellen
oleichgestalteten Mutterzellen (Gonidangien) in grosser Anzahl entstehen und durch ein
eigenthůmliches Anseinanderweichen der Mutterzellwand in zwei H.-fórmige Stůcke frei
werden. Copulation dieser Gonidien noch unbekannt. Die Dauerzellen (Dauersporen)
entstehen bei Conferva aus den vegetativen Zellen entweder durch Verjůngune und Bildung
einer neuen Membran um den contrahirten Inhalt oder durch Verdickung der Membran
der Mutterzelle oder durch Abgrenzung eines 'Theiles des Zellinhaltes in einem ange-
schwollenen Theil der Mutterzelle und Verdickung der Membran dieses Theiles. Die
Dauerzellen werden in der Regel dadurch frei, dass die Zellhaut jeder Zelle durch einen
transversalen ringfórmicen Mittelriss aufreisst, wobei die Sporen herausfallen; bisweilen
werden die Sporen auch durch das Verschleimen der Zellwánde frei. Bei der Keimung,
meist ohne lingeres Ruhestadium, nimmt die Grósse der Dauerzellen allmálich zu, bis
ihre áussere Membran, welche ebenso gebildet ist wie die der vegetativen Zellen, gesprengt
wird. Nachdem durch das Wachsthum des Sporeninhaltes das kleinere Stůck der Aussen-
membran, welches von dem grósseren wie eine Schachtel von ihrem Deckel umfasst wird,
gesprengt worden ist, wáchst dieser schlauchfórmig aus der so entstandenen Óffnung
heraus. Ob aus den Dauerzellen auch Zoogonidien entstehen kónnen, ist nicht bekannt.
An einigen Conferva-Fáden wurden auch Zelltheilungen nach verschiedenen Richtungen
des Raumes und ein Ubergang zu dem sog. Palmella-Protococcus ete. Stadium beobachtet.
1. Sect. Huconferva nob. Vegetative Zellen 3 bis 18 m dick, důnnháutig [mit
1 bis 2 u dicker Zellhaut|.
a) Zellen cylindrisch, an den Ouerwánden nicht oder undeutlich eingeschnůrt.
90. C. hyalina Ktz. (Gloeotila hyalina Ktz.) Tab. phycol. III. T. 32. Ktz. Alg.
exs. Nr. 53! Blass- oder gelblichgrůn, schleimig. Zellen 3 bis 5 u dick, 1"/, bis 3mal
so lang, an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt, důnnháutig.
In Sůmpfen, Tůmpeln u. á. (5-—9). So in den Tůmpeln an der Moldau bei Prag:
91. C. tenerrima Ktz.*) Tab. phycol. III. T. 42. Rbh. Alg. exs. Nr. 17! Fáden
blassgrůn, oder durch Eisenocker rostgelb gefárbt, zu mehr oder weniger grossen Flocken
vereinigt. Zellen 3 bis 5 u dick, vor der Theilung 1 bis 3mal so lang; Zellhaut důnn.
var. B) rhypophila (Ktz.) nob. (C. rhypophila Ktz.) Tab. phycol. III. T. 42. Rbh.
!) Siehe Wille's „Om Hvileceller hos Conferva (L.) Wille“, 1881.
2) Vergl. Schmitz „Uber die Zellkerne der Thallophyten“ 1879.
S) Uber die eigenthůmlichen Zelltheilungen bei Conferva siehe mehr in Wille's „Algolo-
giske Bidrag“ 1880.
+) Bei der Petersbaude im Riesengebirge habe ich eine Conferva-Art beobachtet, welche
durch ihre 45 bis 6:5 w dicke, 3 bis 6mal so lange Zellen sowie dadurch, dass sie im Wasser
nebelartige Flocken bildete an C. nubecula Ktz. Tab. phycol. II. T. 42 erinnerte. Die von Corda
In Sturm's Deutsch. Flora II. Abth. beschriebenen zwei C.-Arten : Conferva albida Corda, in Pfůtzen
auf dem Riesengebirge gesammelt und C. brunnea Corda, an den Wurzeln der Wasserlinse im Šárka-
Ihale náchst Prag von Corda angetroffen, kónnen hier wegen ihrer allzu mangelhaften Beschreibung
und Abbildung (die Orig.-Exemplare sind nicht mehr vorhanden) leider nicht berůcksichtiot werden.
Conferva usneoides Opiz Mus! ist eine Vaucheria.
Conferva. T5
Alg. exs. Nr. 317! Zellen 4 bis 6 w dick, vor der Theilung 3 bis 4, seltener bis 6mal
so lang; sonst wie die typische Form.
In stehenden und langsam fliessenden Gewássern, in Wassergráben, Brunnen,
Teichen u. á. in der Ebene und im Vorgebirce háufig in beiden Formen verbreitet
(3—10). In der Umgebung von Prag mehrfach, so an der Smichower Schwimmschule, in
den Tůmpeln an der Moldau auf der Kaiserwiese, bei Dvorce, Hlubočep, Branik, Hod-
kowička, im sog. Libuša-Bade bei Pankrac, in den Sůmpfen bei Vysočan, Hrdlořez, in
Wassergráben in der Jeneralka bei Podbaba, bei Košíř, St. Prokop; in den Sůmpfen bei
Ouwal, Dobřichowic, Hořowic, Přibram; bei Kralup, Lobositz, Oužic, Kostelec a. E.,
Jung-Bunzlau, Eisenbrod, Turnau, Arnau, Johannisbad; bei Chlumec an der Cidlina,
Parschnitz, Kóniggrátz, Pardubic, Hirschbere, Weisswasser (auch im grossen Teiche) bei
Wichstadtl und Lichtenau an der Adler bei Beneschau, Stránčic, Wotic, Olbramovwic,
Sazawa, Lomnic, Wittingau, Sobieslau, Krummau, Ebenau, Hohenfurth, Kaplitz, bei Eisen-
stein im Bohmerwalde; bei Laun, Dux, Brůx, Saidschitz, Teplitz, Eichwald, Carlsbad auch
im lauwarmen Wasser im Bette der Tepl am Ende der Sprudelcolonnade, bei Franzensbad!
92. C. floccosa (Vauch.) Ag.? (Microspora floccosa Vauch.) Wille om Conf.
Tab. 2. Wittr. et Nordst. Alo. exs. Nr. 423! Bildet bleich- bis gelblichgrůne, flockige
Watten. Zellen 6 bis 9 m dick, vor der Theilung meist 1'/, bis 2mal so lang. Zell-
haut důnn.
var. 6) major nob. Zellen 9 bis 15 mw dick, 1 bis 1"/„mal so lang, Zellhaut
dicker; sonst wie die typische Form.
In stehenden Gewássern, Teichen, Wassergráben, Brunnen, Báchen u. á. nicht
selten (4—10). In der Umgebung von Prag mehrfach, z. B. in den Schanzgráben hinter
dem gew. Kornthor, in den Tůmpeln an der Moldau. Bei Kralup, in Wassergráben an
der Eisenbahn bei Kónigerátz, bei Johannisbad; bei Střezmiř náchst Stupčic, Hořowic,
Olbramowic náchst Wotic, bei Písek, Veselí, Lomnitz náchst Wittingau, auch var. f),
Turkowitz náchst Krummau, Hohenfurth, Klattau, auch var. 9), Mies! bei Schlackenwerth
(Opiz als Conferva sordida Dillw. Mus.!).
93. C abbreviata (Rbh.) Wille Om Conf. Tab. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs.
Nr. 424! Lebhaft grůne oder durch Eisenocker rostgelb sefárbte, flockige, fluthende
Ráschen bildend. Zellen meist 5 bis 6 « dick, vor der Theilung 1"/, bis 9mal so lang,
mit etwas verdickter Zellhaut.
In Auellen, Wassergráben wie vor. (5—8). So bei Dobřichowic, Šazawa, Ho-
řowic, Kaplitz!
94. C. stagnorum Ktz. [Conferva tenerrima 6) stagnorum Ktz., Ulothrix tener-
rima 6) stagnorum Ktz. Ulothrix stagnorum Ktz.| Tab. phycol. II. T. 87 fig. 2 (d non
a—c) Wille Om Conf. T. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 425 a! Bildet gelbgrůne,
spáter verbliechene Watten. Zellen 5 bis 9 « dick, 1 bis 2, seltener 3 bis 4mal so
lang (nach Wille), mit verháltnissmássig sehr dicker, farbloser Zellhaut. © Dauerzellen
elliptisch oder fast kucgelig, die Mutterzelle ganz oder fast ganz ausfůllend.
In stehenden Gewássern, Sůmpfen, Teichen u. á. (6—8). So bei Wittingau und
am Spitzberg im Bóhmerwalde!
95. C. ochracea (Ktz.) Wille Om Conf. Tab. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs.
Nr. 426! [incl. C. Funkii Ktz. C. occosa (Vauch.) Ag. var. Novae Semliae Wille, Micro-
spora Farlowii Wille]. Hell- oder gelblichgrůn, spáter verbleichend, trocken matt seiden-
artig glánzend. Zellen 6 bis 10 u dick, vor der Theilung 2 bis 3'/,mal so lang, mit
leicht verdickter farbloser Zellhaut.
In Wassergráben wie vor. (3—8). So in den Schanzgráben von Prag und in
Gráben an der Bahn bei Konigorátz!
96. C. rufescens Ktz. Alg. exs. Nr. 149! [C. verrucosa Ag., Psichohormium
verrucosum Ktz.]. Fáden hie und da von Eisenocker berindet, rostgelb. Zellen 12 bis
15 « dick, 1 bis 2'/„mal so lang, mit etwas verdickter Membran.
76 Conferva.
In Eisenguellen, Wasser- und Strassengráben, ziemlich selten (7—8). So bei
Kóniggrátz! :
97. C. fuscescens (Ktz.) Rbh. (Psichohormium fuscescens Ktz.) Fáden schmutzig-
grůn, gelbbráunlich, weich. Zellen 12 bis 16 u dick, "/, bis 2, seltener 3mal so lang,
dfters von Eisenocker incrustirt.
In Strassengráben, eisenháltigen sumpfigen Gewássern u. á. (7— 8). So bei Fugau
[Karl Rbh. Kryptfi. p. 247].
b) Zellen fast cylindrisch oder lánglich elliptisch, an den Auerwánden deutlich
eingeschnůrt.
98. C. bombycina (Ag.) Wille. Bildet satt-, gelblich- oder schmutziggrůne, schlůp-
ferige, trocken matt seidenartig glánzende Watten. Fáden von sehr ungleicher Dicke, mit
5 bis 15 u dicken, 2 bis 12mal so langen, an den Scheidewánden leicht eingeschnůrten
Zellen. Die sporenbildenden Zellen strecken sich und schwellen an einem Ende an, welches
sich mit Protoplasma reichlich erfůllt und durch eine Wand abgrenzt; spáter trennt sich
die angeschwollene Zelle vom ůbrigen Theile des Fadens ab.
a) genwmna Wille Om Conf. Tab. 1, 2. Wittr. et Nordst.
Alg. exs. Nr. 428! Fáden gelblich- seltener hellgrůn. Zellen 6
bis 10 u dick, vor der Theilung 2 bis 4mal so lang.
var. 9) pallida Ktz. Spec. alg. p. 372. Tab. phycol. III.
T. 44. Zellen 6 bis 12 w dick, 2 bis 6mal so lang, Fáden blass-
oder gelblichgrůn.
var. y) sordida Ktz. Tab. phycol. III. T. 44. Satt- oder
schmutziggrůn. Zellen 12 bis 15 u dick, 1"/, bis Smal so lang.
b) elongata Rbh. Fáden blassgrůn. Zellen bis 12'5 u
dick, 6 bis 12mal so lang.
c) měnor Wille Om Conf. Tab. 1, 2. Wittr. et Nordst.
Ale. exs. Nr. 427! Fáden blass- oder gelblichgrůn. Zellen 5 bis
7 u dick, 1"/, bis 4mal so lang, an den Scheidewánden weniger
eingeschnůrt.
bá In stehenden Gewássern, Sůmpfen, Wassergráben, Tům-
Fig. 34. Conferva bom- © peln, Teichen, Bassin's, Wasserbeháltern u. á., durch ganz Bohmen
bycina Ag. a) genuina bis ins Hochcebirge verbreitet und ziemlich gemein (3—11).
Wille. Stůck eines Fa- a) In der Umgebung von Prag háufig, so in den Schanzgráben
dens mit einer noch nicht : sta ee i
věllie entwickelten Dau- Vom Prag, im Hirschgraben am Hradčín, an Wasserbeháltern auch
erzelle. Vergr.480mal. in Privatháusern, in den Sůmpfen bei Vysočan, Hrdlořez, im Sarka-
thale, bei Radotín, St. Prokop, Chuchelbad, Branik, bei Zawist,
in den Teichen bei Kunratic, in Wassergráben bei Roztok, Brnky, Žalov, Chwal, bei Do-
břichowic, Cernošic, Karlstein, St. Ivan, Beraun, Kónigshof, im Suchomaster Thale; bei
Smečno, im Sternberger Thiergarten; bei Půrglitz, Stadtl, Rakonitz, Schlan, Peruc, Laun,
Libochowic, Sulowic, Lobositz, Leitmeritz, Raudnitz, Rowné, Kralup, Melnik, Elbe-Kostelec,
Neratowic, Lysa, Kolín, Pardubic, Libňowes, Chlumec an der Cidlina, Kóniggrátz, Smiřic,
Hořic, Wostroměř, Jičín, Arnau, Parschnitz, Turnau, Svárov, Tannwald, Eisenbrod, Semil,
Bakov, Jung-Bunzlau, Dymokur, Starkoč, Náchod, Wichstadtl, Lichtenau, Kronstadt; bei
Hirschberg, Habstein, Weisswasser, Alt-Paka, Johannisbad, Hohenelbe; im Riesengebirge
noch bei den Krausebauden, in der Spindelmůhle, bei der Elbfallbaude, in den Sieben-
grůnden; bei Bilín, Brůx, Dux, Teplitz, Eichwald, Bodenbach, Saaz, Carlsbad, Franzens-
bad, Mies, Pilsen, Klattau, Písek, Budweis, Frauenberg, Zámost, Lomnic auch S und 79.,
Wittingau, Sobieslau, Veselí, Tabor, Wotic, Olbramowic, Stupčic, Bystřic, Beneschau,
Stránčic, Kocerad, Sazawa, Poddubí, Přestawlk, Čerčan, Řičan; bei Hořowic, Přibram,
Jinec, Protivín, Horažďowic, Kaplitz, Krummau, Ebenau, Rosenberg, Ruckendorf, Hohen-
furth, Eisenstein! bei Fugau [Karl Mus!|; d) mehr in Gebirgsregionen, so bei Wichstadtl,
Lichtenau, Bárnwald, Kronstadt an der Adler, bei Johannisbad! c) bei Beneschau, Ko-
Conferva. T
stelec a. E., Kralup, Olbramowic, Ruckendorf, Turkowitz náchst Krummau; bei Fran-
zensbad, Johannisbad, Můncbengrátz, nicht selten mit «a)!
99. C. utriculosa Ktz. Wille Om Conf. Tab. phycol. ITI. T. 44. Wittr. et Nordst.
Ales. exs. Nr. 429! Fáden hell- oder gelblichogrůn, weich. Zellen 15 bis 18 u dick, 2
bis 4, seltener bis 6mal so lang, an den Scheidewánden deutlich eingeschnůrt, mit ziemlich
důnner, hyaliner Zellhaut.
In stehenden Gewássern, Brunnen, Abzugsgráben ete. (6—9). So bei Mies,
Klattau und Johannisbad!
2. Sect. Pseudoconferva nob. (Microspora Thr. ex p.) Veget. Zellen 15 bis 60 u
dick, dickháutig [mit 2 und mehr wu dicker Zellhaut|.
100. C. fontinalis Berk. Tab. phycol. III. T. 45. Lebhaft srůn, meist ange-
wachsen. Zellen 15 bis 18 u dick, 4 bis 6mal, seltener 6 bis 10mal so lang mit důnner
Zellhaut, an den Scheidewánden mássig eingeschnůrt, mit mehreren, grossen, in der Mitte
der Zellen in einer Reihe liegenden Amylumheerden.
In Auellen, Báchen, Gráben u. á. (6—10). So in Prag in einigen Privatháusern
an Wasserbeháltern, an einer Auelle im Hirschgraben am Hradčín, bei St. Iwan, Lobositz,
Sulowic meist mit Rhizoclonium fontinale Ktz.!
101. C. globulifera Ktz. Spec. alg. p. 372. [C. fontinalis Besk. 9) globulifera
Rbh.] Tab. phycol. III. 45. non Conferva globulifera Ktz. Rbh. Flora europ. alg. III.
p. 324, Psichohormium globuliferum Ktz. Tab. physol. III. T. 48.*) Bildet blass- oder
schmutzig gelbgrůne, frei schwimmende Watten. Fáden ziemlich straff, seltener schlaff
und schleimig [var. P. facca Ktz. Physol. germ. p. 203]; Zellen 15 bis 20 u dick, 4 bis
8mal so lang, cylindrisch, mit zahlreichen Amylumheerden upd ziemlich dicker Zellhaut.
In Sůmpfen, Wassergráben, Tůmpeln, alten Teichen (6—11). So bei Prag in
den Schanzgráben und in den Moldautůmpeln; in den Tůmpeln an der Adler bei Kónig-
grátz meist mit Cladophora fracta!
102. C. salina (Ktz.) Rbh. (Psichohormium salinum Ktz.) Tab. phycol. III. T. 49.
Fáden gelblich- oder sehmutzigerůne, seltener bis rostfarbige Watten bildend. Zellen meist
cylindrisch, 19 bis 25 u dick, 3 bis 5mal so lang, mit ziemlich dicker, ofters incru-
stirter Zellhaut, an den Scheidewánden nicht oder undeutlich eingeschnůrt; var. P) sub-
constricta nob. Zellen 15 bis 25 w dick, 3 bis 8mal so lang, hie und da an den Scheide-
wánden tief eingeschnůrt und nicht selten an einem Ende gelenkartie verdickt.
In salzigen Wássern, Sůmpfen, Wassergráben (4—11). So in den Salzwasser-
sůmpfen bei Oužic náchst Kralup, im J. 1882—84 massenhaft, meist var. 6), im J. 1885,
wo die Sůmpfe im Juli-August ausgetrocknet waren, verschwunden; *) in den salzigen
Sůmpfen und in Wiesengráben bei Čížkowic und Sulowic náchst Lobositz spárlich; meist
mit Rhizoclonium riparium!
103. C. amoena Ktz. Wille om Conf. Tab. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs, Nr. 218!
(Microspora amoena Rbh.) Fáden lebhaft grůn, rigid; Žellen cylindrisch, 20 bis 25 u
dick, 1 bis 2mal so lang, mit dicker, farbloser Zellhaut, an den Scheidewánden nicht
eingeschnůrt.
In Báchen, Brunnen, Wassergráben, seltener auch in Sůmpfen, meist im Vor-
gebirge und im hóheren Gebirge verbreitet (5—10). In der Umgebung von Prag spárlich,
blos vereinzelt unter anderen Algen; ebenso bei Řičan, Kůnigerátz, Libňowes, Chlumec
an der Cidlina, bei Weisswasser und Hirschbere; háufiger in Báchen bei Eisenbrod,
Tannwald, Arnau, Alt-Paka, Johannisbad; im Riesengebirge bei Hohenelbe, bei Krause-
bauden, Spindelmůhle, Petersbaude, Spindlerbaude, in den Siebengrůnden; nicht selten
bei Wichstadtl, Lichtenau, Pastwin, Bárnwald und Kronstadt an der wilden Adler, auch
am Kamme des Adlergebirges oberhalb Friedrichswalde! bei Reichenberg [Siegmund unter
!) Vergl. auch Hanstein „Úber eine mit Eisenoxydhydrat umkleidete Conferva“ 1878.
2) Wird in Wittrock's und Nordstedt's Alg. exs. von diesem Standort mitgetheilt werden-
78 Rhizoolonium.
Vaucheria caespitosa Ag. Mus.!] bei Georgswalde von Karl als Gloeotila compacta Rbh.
Mus.! gesammelt; bei Herrnskretschen, HEichwald, náchst Teplitz, Carlsbad, Mies; bei
Frauenbere und Zamost náchst Budweis, Kaplitz, Eisenstein, Spitzberg, Hohenfurth, Ro-
senberg und Krummau, ofters mit Rhizoclonium fiuitans!
104. C. subsetacea Ktz.? Tab. phycol. III. T. 47. Fáden schmutzie- bis bráunlich-
orůn, sehr rigid, ein wenig kraus; Zellen 30 bis 45, seltener bis 60 u dick, 1 bis1'/,,
seltener bis 2mal so lang, mit sehr (5 bis 8 w) dicker, ofters von Incrustationen verunrei-
nigter Zellhaut.
In Báchen wie vor., selten (7—9). So in einem Bache bei Rosenberg in Sůd-
bóhmen reichlich! *)
24. Gattung. Rhizoclonium Ktz.
Thallus aus einfachen, kriechenden, seltener auch frei schwimmenden Glieder-
fáden wie bei Conferva bestehend, aber „stellenweise mit kurzen, meist ungegliederten,
seltener mehrzelligen, seitlichen, rhizoidenartigen Aestchen versehen; Zellen meist zwei-
oder vierkernig, seltener ein- oder mehrkernig, mit ziemlich dicker, nicht verschleimender
Membran versehen; sonstige Merkmale wie bei Conferva. *)
105. R. hieroglyphicum (Ag.) Ktz. ampl. (Conferva hieroglyphica Ag.) Bildet
lebhaft oder schmutzig gelblich-grůne verworrene Rasen. Fáden hie und da mit kurzen,
seitlichen Rhizoiden versehen. Zellen 12 bis 25 m dick, 1'/, bis 10mal so lang, an den
Scheidewánden nicht oder leicht eingeschnůrt.
a) genutnum (Ag.) Rbh. [incl. R. aponinum Ktz., et R. calidum Ktz.] Wille Om
Conf. Tab. 2. Tab. phycol. III, T. 70. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 629! Bildet meist
lebhaft grůne, wenig verworrene Rasen; Zellen 19 bis 25 u dick, vor der Theilung 2 bis
omal so lang; an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt. Im kalten, seltener auch in
warmem Wasser;
var. 6) crispum (Ktz.) Rbh. (R. crispum Ktz. Tab. phycol. III. T. 71.) Ver-
worren, kraus, gelblich grůn. Zellen meist 1"/, bis 2mal so lang. An von kaltem [seltener
auch von warmem] Wasser befeuchteten Orten, auch in Warmháusern;
var. 7) subterrestre (Menech.) Rbh. (R. subterrestre Menegh.) Zellen 12 bis
16 u dick, 3 bis 6mal so lang. Am Ufer von kalten Gewássern, seltener auch am Rande
warmer Auellen.
D) macromeres Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 630. Gelblich grůn. Zellen
19 bis 24 u dick, 2'/, bis 10, seltener 5 bis 6mal so lang, an den Scheidewánden leicht
eingeschnůrt. In kaltem Wasser.
In Báchen, auf feuchten Felswánden, Wehren, Ufern, in kaltem Wasser, und an
warmen (uellen (6—9) auch in Warmháusern (1—12). So auf feuchten Wánden, nasser
Erde in dem Vermehrungshause des Prager Vereinseartens, ebenso im botan. Garten, im ©
Ananashause des gráfl. Kinsky'schen Gartens am Smichow, meist var. 6); in den Schanz-
gráben hinter dem gew. Kornthor «), in den Sůmpfen bei Vysočan, bei Půrglitz und
Sulowic náchst Lobositz b)! — In Carlsbad an den warmen GAuellen und in der Tepl
von Agardh 1827 entdeckt «); von mir daselbst auch an den Felsen hinter dem Cur-
hause und am Marktbrunnen (1883) in grosser Menge beobachtet! [Wittr. et Nordst.
Alg. exs. Nr. 629 b!] bei Teplitz [Karl Rbh. Kryptfl. p. 248 var. 6], an Wehren in
der Eger, bei Laun und Saatz a)!
106. R. riparium (Roth) Harv. [incl. R. salinum Ktz. Tab. phycol. III. T. 68].
Gelblich bis schmutzig dunkelgrůne, verworrene, trocken ofters matt seidenartig glánzende
!) Steht der Conferva Ansonii (Poll) Ktz. Wille Om Conf. T. 2 am náchsten. Nach
H. Dr. Wille, welcher diese Alce cgůtigst revidirt hat, gehěrt sie, wegen ihrer besondern Membran-
struktur, zu den zweiglosen Rhizoclonien.
“) Mehr úber die Organisation, Entwickelungsgeschichte einiger Rhizoclonien und ihren
genetischen Zusammenhang mit Conferva- u. Cladophora siehe in Borzi's „Studi algologici“ I, 1883,
Rhizoclonium. 79
Watten und Rasen bildend. Fáden schlaff, mit spárlichen, kurzen, ungegliederten [sel-
tener gegliederten| Wurzelástehen versehen. Zellen 15 bis 26 w dick, '/„ bis ómal so
lang, mit ziemlich dicker, farbloser Zellhaut.
a) genuinum (Roth) Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 623 cum synonym.!
Zellen 19 bis 28 u dick, 1 bis Smal so lang;
var. 8) tenuius Wittr. Alg. exs. Nr. 625! Zellen 15 bis 22 mw dick, 1, bis
omal so lang.
b) validum Foslie Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 624! Zellen 26 bis 36 u
dick, */, bis 2'/„mal so lang.
In salzigem Wasser, auf feuchtem Salzboden am
Rande von Salzwassersůmpfen meist mit Conferva salina
(6—10). So am Rande der Salzwassersůmpfe bei Oužic náchst
Kralup in verschiedenen Formen, 1882—84 reichlich! in
sumpfigen Gráben bei Saidschitz und Půllna; im Abzugs-
graben der Bitterwasserguelle bei Čížkowic náchst Lobositz,
pal Sulowic; am Ufer des Žehuňer Teiches bei Libňowes an
der Cidlina auf Plánerkalk !
107. R. fontinale Ktz. [incl. R. fontanum Ktz.
Tab. phycol. II. T. 74] Fáden lebhaft- oder dunkelgrůn,
verworren, mit spárlichen, ofters gegliederten 2 bis 3zel-
ligen Wurzelástchen. Zellen 13 bis 17 u dick, 2 bis 4mal
so lang, mit důnner Zellhaut.
In GAuellen, Báchen, Wasserleitungsrinnen, měist
mit Conferva fontinalis, zwischen Moosen, auf Steinen ete. | Fig. 35. Rhizoclonium fonti-
(6—10). So an einem Brunnen im Hirschgraben am Hradčín: © nale Ktz. Mittelstůck eines
bei St. Iwan náchst Beraun, bei Sulowitz und Lobositz, bei" en Tbsor. o odonýy
Laun; in der Umgebung von Wichstadtl an der Adler! o :
108. R. fluitans Ktz. Tab. phycol. IIT. T. 72 Rbh. Alg. exs. Nr. 230! Fáden
lebhaft oder schmutziegrůn, kraus, ziemlich rigid. Zellen 18 bis 22 w dick, 1 bis 2mal
so lang, mit ziemlich dicker Zellhaut. Wurzelástchen kurz, ein- oder zweizellig, spárlich.
In Báchen, Wassergráben meist mit Conferva amoena (6—9). So in einigen
Báchen bei Eisenbrod (insbesondere im Bache Nohavice)!
25. Gattung. Cladophora Ktz.")
Thallus aus freien oder angewachsenen, im Wasser oder an inundirten Orten
lebenden, meist"vielfach verástelten Zellreihen bestehend, welche durch Spitzenwachsthum
unter wiederholiér Ouertheilung der Endzelle sich verlángern. Die ersten Zweige ent-
stehen an den primáren Gliederfáden acropetal, sie sind nach allen Seiten gerichtet und
um so grósser, je álter sie sind; spáter treten auch interponirte Zweige auf. Die secun-
dáren Aeste sind bedeutend důnner als die primáren. Zellen walzenfórmie mit scheiben-
fórmigen wandstándigen Chlorophoren, welche entweder eine einzelne, vielfach durchbro-
chene Chlorophyllscheibe bilden oder aus zahlreichen, kleinen, rundlich eckigen Scheibchen,
von wechselnder Grósse und unregelmássiger Gestalt bestehen, die in ihrer Anordnung
ete. durchaus der einzelnen, vielfach durchbrochenen Chlorophyllplatte entsprechen. In
1) Wie bekannt hat Schmitz Cladophora zu der Familie der Siphonocladiaceen gestellt,
zu welcher er auch Botrydium Wallr. gezogen hat. Auf Grund der Schmitz'schen Untersuchungen
hat nachher Borzi die Confervoideae isogamae in zwoi ruppon gesondert: 1) vielkernige [«) ein-
zellige (Siphonaceae), £) mehrzellige (Siphonocladiaceae); 2) einkernige (Ulvaceae, Ulotrichiaceae,
Chroolepidaceae). Da der Verfasser dieses Werkes weder Cladophora von den verwandten Gat-
tungen Rhizoclonium und Conferva trennen, noch auch Botrydium zu den Confervoiden stellen
wollte, so ist er bei seiner Eintheilung der Chlorophyceen von dem Schmitz'schen und Borzi's
Systeme in einigen Punkten abgewichen.
80 Cladophora.
jeder Zelle sind in den gitterfórmig durchbrochenen Chromatophoren zahlreiche Amylum-
heerde (Pyrenoide) enthalten; auf der Innenseite der Chromatophoren sind zahlreiche
Zellkerne vertheilt. Die untersten Zellen der Fáden laufen in mehr oder minder lange
Rhizoide aus.
Vermehrung durch zweiwimperige, kleinere und vierwimperige, gróssere Zoogo-
nidien, welche in sehr grosser Anzahl durch simultane Theilung des Inhaltes einzelner
vegetativen Zellen entstehen, durch ein Loch in der Membran der Mutterzelle ausschlůpfen
und obne zu copuliren, *) nachdem sie zur Ruhe gekommen sind, keimen. Bei einigen
C.-Arten kommen auch nicht selten Dáuerzustánde vegetativer Zellen vor. Die Membran
solcher Zellen verdickt sich, ihr Inhalt wird dichter und grobkůrnig. Nach einer Ruhe-
periode [Úberwinterung] entstehen beim Eintritt erneuerten, lebhaften Wachsthums in der
Mitte solcher Dauerzellen im grobkórnigen Inhalte Vacuolen und die Zellkerne, welche
in diesen Zellen mehr in der Mitte sich befanden, kehren wieder in ihre normale wand-
stándige Lage zurůck. *)
1. Sect. Kucladophora (Ktz.) Hauck. Thallus rasen- oder wattenartig, von un-
regelmássicer Form, nie polsterfórmige Rasen oder rundliche Ballen bildend.
a) Fiden leicht unter einander verflochten, blos in der Jugend festsitzend, spáter
zu frei schwimmenden Watten vereinict.
109. C1. fracta (Vahl.) Ktz. ampl. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 37, 622!
Fáden regellos verzweigt, dichte gelb- oder dunkelerůne Rasen oder Watten bildend.
Zellen der Hauptáste 54 bis 120 u dick, 1 bis 3mal so lang, die der Zweigchen 15 bis
40 u dick, 3 bis 6mal so lang, meist tonnenfórmig oder keulie angeschwollen, seltener
cylindrisch, mit ziemlich dicker, glatter Membran und einem scheinbar eleichmássigen
Wandbeleg von Chlorophyll, welcher bald nur aus einer einzigen Chlorophyllplatte, bald
aus zahlreichen kleinen Chlorophyllscheibchen besteht. Schwármzellen entstehen in Zellen,
welche nicht an der Spitze der Zweigchen liegen.
a) genwna (Ktz.) Krch. Tab. phycol. IV. T. 50. Fáden můssig verzweigt, Ver-
zweigungen auseinander gespreitzt, Zellen der Hauptáste, meist bauchig angeschwollen,
seltener cylindrisch, 3 bis 6mal so lang als dick;
var. B) substmplex Ktz. Tab. phycol. IV. T. 51 (non C. subsimplex Ktz. Spec.
alg. p. 411 Tab. phycol. IV. T. 54). Fáden armástie, fast einfach. Zellen meist bauchig
gedunsen, wodurch der ganze Faden fast perlschnurfórmie erscheint;
var. ») horrida Ktz. Tab. phycol. IV. T. 51. Mit zahlreichen, einseitig ge-
stellten, kurzen, 2- bis 3zelligen, fast pfriemenfórmigen Endverzweigungen; Zellen der
mehr oder weniger gebogenen Hauptáste, wenig oder gar nicht angeschwollen:;
var. ©) gracilis Ktz. Tab. phycol. IV. T. 50. Verzweigungen zweiter Ordnung
kurz, die der 3. Ordnune sehr verlingert, wenig oder gar nicht verzweigt; Zellen cylin-
drisch, blos hin und wieder an den Fáden einzelne Zellen leicht angeschwollen. Zellen
der Hauptáste 1 bis 2mal, die der Zweigchen bis 3mal so lang als dick.
b) gossypína (Ktz.) Rbh. (C. gossypina Ktz. Tab. phycol. IV. T. 51.) Wittr.
et Nordst, Alg. exs. Nr. 126! Fáden ziemlich starr, zerstreut ástie, leicht verworren,
schmutzie- oder gelblich- bis bráunlicherůne, spáter meist verblichene Watten bildend ;
Aeste verlángert; Zellen der Hauptfáden 2 bis 6mal so lang als dick, meist walzen-
fórmig, selten gedunsen;
var. 6) nerustata nob. Fáden stellenweise von dicker Kruste von Ca CO, be-
deckt, im Wasser und an der Luft lebend, daselbst an inundirten Kalkfelsen čofters
weit ausgebreitete wattenartige Uberzůge bildend; sonst wie die typische Form.
1) Geschlechtlich differenzirte Schwármer (Gameten) sind bisher blos an marinen Č.-
Formen beobachtet worden.
2) Mehr úber die Structur der Cladophora-Zellen ete. siehe in Schmitz'schen „Beobach-
tungen úber die vielkernigen Zellen der Siphonocladiaceen“ 1879.
Cladophora. 81
c) rigidula (Ktz.) Rbh. (C. rigidula Ktz. Tab. phycol. IV. T. 48. Fáden rigid,
mássig verzweigt; zu bráunlichen (var. fuscescens Rbh. Alg. exs. Nr. 193!) oder gelb-
lichen (var. lutescens Rbh. Alg. exs. Nr. 338!) Watten verflochten. Zellen cylindrisch,
2 bis 5mal so lang als dick. Zellmembran čfters goldgelb gefárbt.
d) sudetica (Ktz.) Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 125! Reichlich ver-
zweigt, ziemlich rigid; Zellen der primáren Aeste 30 bis 40 u dick, 2 bis 6mal so lang,
Seitenzweige zahlreich, abstehend, 20 bis 24 mw dick, mit 3 bis 4mal so langen als
dicken Zellen.
e) viadrina (Ktz.) Rbh. (C. viadrina Ktz. Tab. phycol. IV. T. 45.) Fáden reichlich
verzweigt, zu grossen Watten dicht verworren; ') Aestchen verlángert, Zellen cylindrisch,
3 bis 6mal so lang als dick, mit důnner Zellhaut.
In stehenden Gewássern, Teichen, Tůmpeln, Wassergráben, Sůmpfen, auch in
torfigen Gewássern in der Ebene und im Hůgellande durch ganz Bóhmen verbreitet und
háufig (5—11). «) In der náheren und weiteren Umgebung von Prag nicht selten, so
z. B. in den Schanzgráben, in den Tůmpeln an der Moldau bei Branik, Hlubočep, Troja,
im Teiche bei Kunratic; in den Tůmpeln an der Elbe bei Brandeis a. E., Raudnitz,
Lobositz, Sulowic, Leitmeritz, Kostelec a. E., Kolín, Lissa, Sadska, Kónigerátz; bei
Libňowes an der Cidlina, Hirschberg! bei Leitomyschl (Klapálek !), bei Karlsbad, Laun,
Neu-Straschitz, Schlan, Půrsglitz, Rakonitz, Přibram, Podhrad, Protiwin, Veselí, Sobieslau,
Wotic, Střezmiř náchst Stupčic, Bystřic bei Beneschau! var. 7) bei Březhrad náchst
Kóniggrátz; var. ©) bei Nusle náchst Prag, bei Neratowic a. E. b) In der Prager Um-
gebuno“mehrfach so im k. k. botan. Garten am Smichow, auf der Insel Gross-Venedig, gegen-
úber der Kaisermůhle, bei Záběhlic, Kunratic, im Chotečthal, bei Radotín, Zawist, Hloubětín,
Roztok, Žalow, Podmoráň, Běchowic; bei Karlstein „v Pánvích“ auch var. 9) reichlich,
bei Mukařow, Řičan, Piskočel, Klomín; bei Neratowic, Brandeis a. E. Elbekostelec, Kolín,
Pardubic, Smiřic, Koniggrátz, Chlumec an der Cidlina, Hořic, Arnau, Jičín, Dymokur,
Jung-Bunzlau, Bakov, Turnau, Eisenbrod, Tannwald, Parschnitz; bei Weisswasser, Hirsch-
berg, Nachod; bei Teplitz, Bilín, Saidschitz, Dux, Brůx, Půllna, Franzensbad, Mies,
Carlsbad, Laun, Tabor, Budweis! c) Im Teiche in dem grál. Kinsky'schen Garten am
Smichow, im Můhlteiche bei Kunratic, bei Neratowic; in den Teichen bei Žehuň náchst
Chlumec a. C., in den Sůmpfen bei Saidschitz; im Jordan-Teiche bei Tabor! d) In den
Sudeten? e) Bisher blos am Rande der Elbetůmpeln bei Leitmeritz und Lobositz und in
halb ausgetrockneten Teichen bei Čížkowitz náchst Lobositz 1884 reichlich !
110. C. putealis Ktz. Tab. phycol. IV. T. 53. Fáden blass grůn, reichlich
verzweigt. Zellen der Hauptáste 84 bis 120 w dick, die der sehr verlángerten, wenig
verzweigten © Nebenáste 36 bis 44 u dick, 2 bis 10mal so lang, hie und da leicht
angeschwollen.
In Wasserbeháltern, Brunnen, Aguarien u. i. (6—10). So in einem Brunnen-
kasten am Hradčín in Prag, in Hohenfurth und Rosenberg in Sůdbohmen!
111. C. oligoclona Ktz. ampl. lincl. C, Flotowiana Ktz. nach Krch. Alg. p. 73].
a) genuina (Ktz.) nob. (C. oligoclona Ktz. Tab. phycol. IV. T. 54.) Rbh. Alg.
exs. Nr. 112! Fáden reichlich verzweigt, etwa 60 w dick, blass- oder schmutziggrůne
Ráschen bildend, die primáren Verzweigungen fast dichotom, meist einfach und stark
verlángert, aus etwa 40 bis 48 u dicken, 1"/, bis 3mal so langen Zellen zusammengesetzt ;
var. P) gossypina Grun. Fáden weniger dick, zu dichten tuchartigen Massen
vereinist.
b) Flotowiana (Ktz.) Krch. Tab. phycol. IV. T. 54. Fáden entfernt sub-
1) Diese Varietát der C. fracta bildet am háufigsten unter allen oben angefůhrten Formen
dieser sehr veránderlichen C.-Art wattenartig verwebte Lager, welche durch rasches Austrocknen des
Wassers und der Algenwatten bleiche, papier- bis tuchartige Massen (sog. Flusswatten, Wiesen-
tuch, Meteorpapier) bilden, die man meist im Hochsommer auf dem Boden ausgetrockneter Teiche,
Wassergráben u. á. findet.
6
82 Cladophora.
dichotom verzweigt mit sehr kurzen, fast papillenartigen einzelligen Seitenzweigchen:;
Zellen der Hauptáste cylindrisch, 40 bis 56 m dick, 2 bis 6mal, die der Zweigchen 28
bis 42 u dick, 4 bis 10mal so lang als dick.
a) In Sůmpfen, Tůmpeln, Wassergráben wie vor. ziemlich selten (6—10). So in
den Elbetůmpeln bei Kolín! bei Kónigswalde und Teplitz (Karl Rbh. Kryptfl. p. 251);
b) In Gebirgsbáchen, so im Riesengebirge nach Rbh. Flora eur. alg. III. p. 336 und
Krch.Als: ps78.
112. C. crispata (Roth) Ktz. ampl. Bildet hell- oder bleichgrůne Rasen und
Watten. Fáden anfangs spárlich, nach oben reichlicher verzweigt. Zellen der Hauptáste
und primáren Seitenzweige 43 bis 110 u dick, der Endverzweigungen 24 bis 27 m dick,
8 bis 16 (seltener noch mehr) mal so lang.
a) genumna (Ktz.) Rbh. Hell- oder blassgrůnn, meist entfernt subdichotomisch
verzweist, mit kurzen einseitsstándigen Seitenástchen ;
var. 6) vřrescens Ktz. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 124! Grůne Zellen der
Aestchen 48 bis 80 u dick, die der Endverzweigungen etwa 26 u dick, 3 bis 10mal so lang;
var. 9) drachyclados Ktz. (C. brachyclados Ktz. Tab. phycol. IV. T. 40). Bleich-
grůn, Fáden 48 bis 70 u dick, Endverzweigungen 26 bis 40 u dick, 3 bis 6mal so lang,
meist einzellic.
b) vitrea (Ktz.) Rbh. (C. vitrea Ktz., C. crispata Ktz. in Tab. phycol. IV. T. 40.)
Bleichgrůn, bis weisslich, trocken, matt seidenartig glánzend, unregelmássig verzweigt.
Zellen mit hyaliner Zellhaut, 8 bis 16 und mehrmal so lang als dick.
In stehenden Gewássern, Sůmpfen, Teichen, Wassergráben, in sůssem und salzigem
Wasser (6—11). So in den Salzwassersůmpfen bei Oužic und Klomín náchst Kralup, bei
Neratowic; in den salzigen Sůmpfen bei Saidschitz, Půllna und bei Cížkowitz náchst
Lobositz, meist var. y!
113. C. insignis (Ag.) Ktz. ampl. Rasen satt- oder dunkelgrůn. Fáden zerstreut
ástig, © Zellen der Aestchen erster Ordnung 76 bis 120 w dick, die der letzten Ordnung
etwa 30 bis 45 u dick, 4 bis 6, seltener bis 10mal so lang.
a) genučna (Ktz.) Rbh. (C. insignis Ktz. Tab. phycol. IV. T. 38). Fáden
dunkelerůn, sehr verlángert, 4 bis 8 dm lang, spárlich verzweigt;
var. P) rěvularis (Vauch.) Rbh. (Prolifera rivularis Vauch; C. insignis Ktz.
var. x) uviatilis Ktz. Spec. alg. p. 407. Tab. phycol. IV. T. 38, Wittr. et Nordst.
Alg. exs. Nr. 127!) Dunkel-, seltener bis schwárzlichgrůn. Zellen etwa 60 m dick,
o bis 10mal so lang. Zellhaut ziemlich dick.
b) linoides -(Ktz.) Grun. [C. linoides Ktz. Tab. phycol. IV. T. 39.) Rasen
schmutzie- bis schwárzlichorůn 4 bis mehr ďm lang. Fáden am oberen Ende reichlicher
verzweigt. Zellen der Hauptáste etwa 90 m dick, die der Aestchen 42 bis 48 u dick,
2 bis Gmal so lang, Zweigchen letzter Ordnung meist einzellig, dem sie tragenden
Faden angedrůckt.
c) crispata Grun. Rbh. Alg. exs. Nr. 276 8! Fáden blassgrůn, rigid, čfters
incrustirt, Zellen der Hauptfáden 94 bis 150 u dick, die der Nebenáste 38 u dick, 6
bis 8, seltener bis 16mal so lang.
In stehendem und fliessendem Wasser, in Báchen, Flůssen, Sůmpfen, Teichen,
Wasserbeháltern ziemlich verbreitet (6—10). In der náheren und weiteren Umgebung
von Prag mehrfach, so in den Schanzoráben von Prag «) und c), in der wilden Šárka,
im Bache bei Zawist, St. Prokop, Zwol náchst Wran a) var. 8; in dem Teiche bei
Iloubětín, bei Kunratic; bei Klomín náchst Neratowic, Lobositz c/ in Báchen bei Peček,
Kouřim, bei Karlstein, Beraun, im Suchomaster-Thale, bei Kónigshof, bei Půrglitz, Ra-
konitz, Příbram, Hořowie, bei Bystřic, Tabor, Sobieslau, Veselí, Podhrad, Kaplitz; bei
Mies; bei Saaz, Saidschitz, Laun; bei Dymokur, Jičín, Habstein, Weisswasser, Wostroměř,
Parschnitz, Hořic, Arnau, Nachod, Johannisbad «) var. 8 spárlich! bd) bei Tetschen und
Teplitz [Karl Rbh. Kryptfi. p. 252].
Cladophora. 83
b) Fáden auch im Alter festgewachsen, futhende, bůschelig verzweigte, ein bis
mehrere dm lange Rasen bildend.
113. C. glomerata (L.) Ktz. Fáden bůschelig geháuft, an den Enden pinsel-
fórmig verzweigt. Zellen der Hauptáste 60 bis 100 u dick, 8 bis 8mal so lang, die der
Zweigchen 30 bis 50 u dick, meist 2 bis 6mal so lang;
die Bildung der Schwármzellen beginnt immer zuerst in den
Zellen an der Spitze der Zweigchen und schreitet gegen
deren Basis fort.
a) genuima (L.) Rbh. (C. glomerata Ktz. Tab.
phycol IV. T. 33). Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 128,
214 in var. © vertens! Lebhaft grůn, reichlich verzweiste,
meist 1 bis 2 dm lange, fluthende Rasen bildend. Zweigchen
letzter Ordnung bůschelig geháuft. Zellen der Aestchen cy-
lindrisch, mit dicker Membran, die der Hauptáste bis 7mal,
die der Zweigchen bis 6mal so lang als dick;
var. G) mucosa Ktz. Intensiv grůn, weich, etwas
schleimig, Zellwánde weniger dick ;
var. 7) rivularis Rbh. Alg. exs. Nr. 147! Nicht
schleimig, 6 bis 10 cm lang, zerstreut ástig, mit entfernten,
pinselfórmig geháuften Zweigbůscheln ;
var. 8) stmplictor Ktz. Sattgrůn, spárlich verzweigt,
Zweigbůschel klein, aus wenigen, kammartig gestellten Zweig-
chen bestehend ;
var. e) longisstma Wittr. | Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 215! Fáden 4 bis 8 ďm lang, rigid, Zweigbůschel
meist fehlend ;
var. č) Karleana Rbh. Alg. exs. Nr. 1155. Ráschen
klein, 6 bis 8 em lang, Astbůschel endstándig, locker, etwas
niedergebogen, Zweige sehr verlángert, meist aus sehr langen
[10 bis 20mal so langen als dicken], seltener verkůrzten
und gedunsenen Zellen bestehend und dann der C. decli- | Fig.36. Cladophora glomerata
nata áhnlich (L.) Ktz. Stůck eines verzweig-
: : ; i ten Fadens mit drei Zellen,
b) fasciculata (Ktz.) Rbh. (C. fasciculata Ktz. Tab. © deren Inhalt in zahlreiche Zoo-
phycol. IV. T. 33 u. 34.) Schmutzie grůn, meist 1 bis 2 dm. | gonidien zerfállt. Die zwei-
lang, seltener lánger; endstándige Astbůschel grósser, Zellen S a
der Fáden meist kůrzer als bei a), an den Aestchen 2 bis — zpojum durch ace vor
bis mal so lang als dick, seltener lánger; Vergr. etwa 70mal.
var. 6) elongata Rbh. Zellen am unteren Ende der
Fáden 5 bis 10 mal so lang als dick.
In Báchen, Flůssen, Brunnen, an steinernen Wasserbeháltern, Steinen, Hólzern,
Flóssen, Wehren, Schleussen u. á. festsitzend, im Hůgellande und in unteren Gebirgs-
regionen ziemlich verbreitet, stellenweise háufig (6—11). In der Umgebung von Prag háufig,
so in der Moldau an Holzbalken in der Smichower Schwimmschule, im Hirschgraben am
Hradčín, in Báchen in der wilden Šárka, bei Roztok, Klecánky, Žalov, Podmoráň, Gross-
Chuchel, bei St. Prokop, Hlubočep, Radotín auch «) var. 6) und d), Černožic, im Choteč-
thale; bei Karlstein, St. Iwan, Beraun, im Suchomaster Thale bei Kónigshof, bei Hořowic,
Přibram; Řičan, Sazawa; Půrelitz, Rakonitz; bei Kralup, Raudnitz, Leitmeritz, Lobositz,
Libochowitz, Saidschitz, Laun; bei Kostelec a. E., Neratowic, Melnik, Jičín, Smiřic,
Kóniggrátz auch 9), Chlumec an der Cidlina, Hořic, Starkoč, Parschnitz, Arnau, Alt-
Paka, Hohenelbe, Nachod, bei Weisswasser, Tannwald, Eisenbrod, Swarov, Turnau, Semil,
Bakov, Jung-Bunzlau; bei Pilsen, Veselí, Krummau! «a) var. Č) bei Teplitz [Karl. Rbh.
Flora europ. ale. III. p. 341].
6*
84 Cladophora.
114. C. callicoma Ktz. Tab. phycol. IV. T. 37. (C. glomerata c) glomerata,
forma III. callicoma Rbh.) Fáden bůschelig verzweigt, 8 bis 16 cm lange, stark ver-
zweigte Bůschel von grůner oder gelblicher Farbe bildend. Zellen cylindrisch, an den
Hauptásten 50 bis 94 u dick, 6 bis 10mal so lang, an den Zweigchen 22 bis 25 u
dick, 6 bis 16mal so lang, Aeon důnnwandig; die a erzeugenden Zellen
halb so lang; sonst wie Ú. glomerata.
In Fliůssen und Báchen an Šteinen angewachsen, seltener als vor. (6—10). So
am Ufer der Moldau bei Chuchelbad, und Branik reichlich 1883——85, im Bache bei
Gross-Chuchel spárlich, in der Beraun bei der Stadt Beraun und bei Mies!
115. C. declinata Ktz. ampl. [incl. C. fluitans Ktz.|
a) genwna (Ktz.) Krch. Tab. phycol. IV. T. 45. (C. glomerata a) fasticulata
forma IT. declinata Rbh.) Gelblich- oder bleichgrůn, 3 bis 6 cm lange, meist nieder-
lieoende Bůschel bildend; Fáden ziemlich starr, unten wenig
verástelt, -an den Enden mit kammartigen, trugdolden-
ahnlichen, zurůckgebogenen Zweigbůscheln besetzt; Zellen
der Hauptáste 86 bis 100 u dick, 3 bis 6mal so lang, die
der Zweigchen 50 bis 60 u dick, 1", bis 3mal so lang,
meist etwas angeschwollen ;
var. P) pumila Bail. Bůschel 1 bis 2 cm lang, auf-
recht. Zellwánde sehr dick, geschichtet, ofters bláulichgrůn.“)
b) fimtans (Ktz.) nob. (C. fluitans Ktz. Tab. phycol.
IV. T. 39. C. glomerata d) fiuitans Rbh. Flora europ. alg.
III. p. 340). Fáden spárlich verzweigt, 3 bis 6 dm lange,
dunkelgrůne Rasen bildend. Zweige mit kurzen, 2 bis 6-
zelligen, aufrecht angedrůckten Zweigchen besetzt. Zellen
cylindrisch, an den Hauptásten 120 bis 135 u dick, 1"/,
bis 2mal so lang, an den Zweigen 43 bis 86 u dick, 3 bis
12mal so lang, mit dicker Membran.
In Báchen, Flůssen, in langsam und schnell flies-
sendem Wasser, auf Steinen festsitzend und ofters den
Grund auf weite Streckén bedeckend ; blos in Gebirgsregionen
verbreitet (6—10). So in einigen Báchen bei Kóniggrátz,
bei Eisenbrod, a) und var. P) massenhaft im Bache No-
havice 1885; bei Semil, Alt-Paka auch auf Dyassandsteinen
im Bache unter dem Bahnhofe, bei Tannwald und bei
Hohen-Elbe! a) bei Zinnwald Rbh. Kryptfl. p. 253, var. f.
Fig.37. Cladophora muscoides | bei B.-Kamnitz [Rbh. Flora europ. alg. III. p. 340).
Menegh. Stůck eines verzweig-
ten Fadens, etwa 50mal vergr. 116. C. sudetica Ktz. Tab. phycol. IV. T. 44. (C.
crispata d) virescens forma VII. sudetica Rbh.) Fáden sehr
reichlich verzweiot, gelblichgrůne niedrige 1 bis 2 cm hohe, weiche Ráschen bildend.
Zellen der Hauptáste 22 bis 40 u dick, 4 bis 6mal so lang, die der Zweige 16 bis 22
u dick, 3 bis 8mal so lang, Zweigchen letzter Ordnune kurz, 1 bis 4zellig, steif ab-
stehend. Zellen an den Scheidewánden sehr leicht eingeschnůrt.
An vom Wasser berieselten Steinen, Felswánden, in Báchen, seltener als vor.
(5 $—10). So in einer feuchten Felsenschlucht náchst Žalov bei Roztok 1885 reichlich ; ?)
im Riesengebirge [Rbh. Flora europ. alg. III. p. 338).
!) Die bláulichgrůne Farbe der Fáden ist meiner Meinung nach stets von der Gegenwart
von kleinen Phycochromaceen bedinst; so beobachtete ich an den bláulichgrůnen Fáden dieser
C.-Form von Hisenbrod Chamaesiphon incrustans in sehr grosser Menge.
2) Wird von diesem Standorte in den náchsten Fascikeln der Wittrock's und Nordstedt's
Algae exsiccatae mitgetheilt werden. Da ich diese C.-Art bisher blos an Steinen festsitzend ge-
sammelt habe, so habe ich sie nicht zu der ersten Gruppe der spáter frei schwimmenden Č.-Arten,
— o vod s ed
Cladophora. — Trentepohlia. 85
2. Sect. Aegagropila Ktz. Thallus ballen- oder kugelfórmig. Fáden blos in der
Jugend festgewachsen, spáter zu freischwimmenden, schwammigen, mehr oder minder
grossen Polstern dicht verflochten.
117. C. muscoides Menech. [C. aegagropila var. muscoides Menegh. Tab. phycol.
IV. T. 59 Rbh. Ale. exs. Nr. 523! sub. nom. „Aegagropila holsatica“ Sprée rectif. Rbh.
in Flora europ. ale. III. p. 344). Bildet dunkelgrůne, niedrige (1 bis 2 cm hohe)
schwammice, fast kugelige oder polsterfórmige Rasen, welche aus radial gestellten, reichlich
verzweigten, dicht an einander liegenden, ziemlich steifen Fáden bestehen. Zellen der
Hauptfáden 60 bis 80 w dick, die der Aestchen 36 bis 44 u dick, meist 4 bis 8mal,
seltener mehrmal so lang; Endzellen lanzettfórmic.
In Seen, Wasserbeháltern selten (6—9). Bisher blos bei Kaplitz in Sůdbohmen
in grósserer Menge von mir im J. 1885 entdeckt!
XV. Familie. Trentepohliaceae.
Der Thallus der Trentepohliaceen besteht aus seitlich oder wiederholt subdicho-
tomisch oder unregelmássig verzweigten Zellfáden, welche weder Rhizoiden noch farblose
Haare an den Endzellen der Aeste tragen. Zellen mit homogener Zellmembran, blos mit
einem Zellkerne, mit wandstándigen platten- oder scheibenfórmicen Chromatophoren (Chloro-
phoren), welche bei den an der Luft lebenden Trentepohliaceen theilweise oder vollstándig
von rothen Schleimkugeln (Haematochrom) verdeckt werden, so dass der Zellinhalt scheinbar
oleichmássig orange- bis rosenroth, rothbraun oder gelbroth gefárbt ist.
Fortpflanzung durch zweigeisselige Zoogonidien, welche zahlreich zu 20 bis 60
und mehr in einer von der vegetativen durch Grósse und Gestalt mehr oder weniger
differirenden (selten z. B. bei Trentepohlia umbrina, Leptosira mediciana) mit diesen fast
gleich grossen Mutterzelle (Gonid- oder Gametangium) entstehen und entweder nach voll-
zogener Copulation oder parthenogenetisch keimen. Ungeschlechtliche Vermehrung auch
durch Dauerzellen (Akineten), welche aus den vegetativen Zellen sich ohne besonderen Zell-
bildungsact ausbilden und entweder unmittelbar oder erst nach einer kůrzeren oder lángeren
Ruheperiode keimfáhig sind. Nicht selten zerfallen die Fáden in wenie- oder einzellige
Stůcke oder es trennen sich einzelne vegetative Zellen durch Verschleimune der Mittell-
amelle oder dadurch von einander, dass die unteren Zellen durch ihr Wachsthum die oberen
Zellen aus der usseren Membranschicht des Fadens, welche wie eine Scheide zurůckbleibt,
hinauspressen, um sofort, ohne vorher in ein Ruhestadium zu ůúbersehen, auszukeimen.“)
26. Gattung. Trentepohlia Mart. (Chroolepus Ag.)*)
Thallus aus unregelmássig, seitlich verzweigten, oft dicht verfilzten Fáden bestehend,
welche entweder an. der Luft leben, mehr oder weniger nach Veilchen riechen und einen
rothbraunen, gold- oder orangegelben, bisweilen in grůn ůbergehenden *) Zellinhalt zeigen
"oder im Wasser vegetiren, chlorophyllgrůn sind und nicht duften. Secundáre Verzweigungen
eben so dick wie die Haupáste. Endzellen der Aeste nicht zugespitzt.
Vermehrung durch Zoogonidien, welche zu besonderen, an verschiedenen Theilen
der Fáden liegenden, endstándigen oder seitlichen, durch ihre Grósse und Form von den
wie es z. B. Rabenhorst und Kirchner cethan haben, zugereiht, sondern stellte sie zu der zweiten
[der auch im Alter festgewachsenen C.-Arten]. ň
v) Mehr úber die Dauerzellen einiger Trentepohliaceen siehe in Wille's „Uber Akineten
und Aplanosporen bei den Algen“ 1883.
2) Wie Mycoidea (Cunningham „On Mycoidea parasitica“ 1877, Schmitz „Chromatophoren
der Algen“ 1883 p. 7) so steht auch Bulbotrichia albida Wood (Fresh-water algae of North Ame-
rica 1872 p. 205 Tab. 16) der Gattung Trentepohlia nahe; die zuletzt genannte Alge, welche am
Grunde alter Báume zwischen Moosen, weissliche, krustenfórmige Uberzůce bildet, kónnte in Bohmen
noch entdeckt werden.
5) Verol. Gobi's „Algologische Studien úber Chroolepus Ag.“ 1871 p. 127 und Schmitz
„Die Chromatophoren der Algen“ 1882 p. 7, 11.
86 Trentepohlia.
vegetativen Zellen meist sehr differirenden Gonidangien zu 25 bis 32 und mehr entstehen,
mit 2 Cilien versehen und am hinteren Ende rothbraun oder chlorophyllgrůn, am vor-
deren farblos sind. Nachdem die Schwármzellen aus den Gonidangien herausgetreten
sind, schwimmen sie im Wasser eine Zeit lang umher, copuliren und keimen zur Ruhe
ocekommen; wenn sie wáhrend des Schwármens nicht copulirt haben, gehen sie oft zu
Grunde.') Die Entwickelung der Fáden aus keimenden Zygoten ist noch nicht ver-
folet worden. *)
1. Sect. Chroolepus (Ag.) nob. An der Luft lebende Arten.*) Die im Zellinhalte
der vegetativen Zellen vorhandenen Chlorophoren von rothen Schleimkugeln (Haemato-
chrom) theilweise oder vollstándig verdeckt, daher der Zellinhalt mehr oder minder bis
vollstándie gold- oder orangegelb bis rothbraun gefárbt.
a) Fáden orange- bis mennigroth, gold- bis fast schwefelgelb, seltener gelblich-
olivengrůn (Trentepohlia lagenifera), trocken gelb- oder schmutziggraugrůn, mehr oder
weniger nach Veilchen duftend.
118. T. aurea (L.) Mart. (Chroolepus aureum Ktz. Tab. phycol. IV. I. 93.)
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nro. 40! Bildet orangerothe,*) trocken grůnlich- bis aschgraue
oder gelbliche, filzige Ráschen oder Úberzůge. Fáden reichlich verástelt, Verzweigungen
meist dicht verflochten. Veget. Zellen 10 bis 20 u dick, 1'/, bis 3mal so lang.
a) genwumna (Rbh.) nob. [Chr. aureum «) caespitosum Rbh.| Ráschen klein,
anfangs von einander entfernt, spáter zusammenfliessend, frisch orangeroth, trocken grau.
D) tomentosa Ktz. Laser polsterfórmig, dicht verfilzt, 4 bis 6 mm dick, meist
ziemlich ausgebreitet, trocken gelblich bis schwefelcelb ;
var. 6) Zanosa Ktz. (incl. pulvinata Ktz.) Fáden kraus, leicht unter einander
verflochten, mit zahlreichen, ein wenig verdůnnten, einander genáherten Zweigen.
Auf feuchten, schattigen Felsen, Mauern, alten Bretterwánden, Wasserrinnen,
Holzstámmen im Hůcellande und in Gebirgsgegenden durch das ganze Jahr verbreitet
(1—12). In der Umgebung von Prag nicht selten, so an den Stadtmauern zwischen
Sand- und Strahower-Thor, von Bracht als Byssus aurea Mus! gesammelt, auf feuchten
Sandsteinfelsen am Laurenziberg schon von Opiz [Mus!) gesammelt, meist d) auch var. 6)
[Rbh. Flora europ. alg. III. p. 372, Ktz. Spec. alg. p. 426]. a) und d) an feuchten silu-
rischen Kalksteinfelsen bei Chuchelbad hinter dem Badhause spárlich, bei St. Prokop, im
Choteč-Thale, bei Karlstein, St. Ivan, an den Felsén an der Westbahn zwischen Budňan
bis Beraun, im Suchomaster Thale bei Koónigshof mehrfach; an bemoosten Sandstein-
felsen bei Liboc, an feuchten Mauern des Thiergartens „Stern“, an einer Brůckenmauer
auf der Strasse zwischen Mukařow und Řičan; an Sandsteinen bei Jung-Bunzlau, Bakov,
Turnau, Podolí náchst Weisswasser mehrfach; bei Eisenbrod an Sandsteinmauern an der
Bahn, am Urkalk in der Náhe der Kalkbrůche; an Dyassandsteinen bei Alt-Paka, Arnau,
Trautenau, Nachod; auf Urgebiressteinarten bei Johannisbad, am Ufer der Elbe in Hohen-
elbe, in der Spindelmůhle! in der grossen Schneegrube [Krch. Algen, p. 75]; d) bei
B. Aicha an einer Wasserrinne [Benesch Mus!]; bei Kolin [Veselský Mus!]; auf der
Rinde von alten feuchten Baumstámmen bei Eichwald und Zinnwald im Erzgebirge,
ebenso am Schwarzen-See im Bóohmerwald; bei Hohenfurth an Felsen und an Stifts- und
Dommauern, bei Rosenberg, in Krummau an einer alten Gartenmauer in den fůrstlichen
Parkanlacen!
119. T. abietina (Flot.) Wille (Chroolepus abietinum Flot. Tab. phycol. IV.
T. 91 Rbh. Alg. exs. Nro. 658!) Bildet důnne, róthliche oder fast goldgelbe, matt
1) Vergl. Wille's „Uber die Zoogonidien bei Trentepohlia und ihre Copulation“ 1878 und
Lagerheim's „Bidrag till sveriges aleflora“ 1883 p. 74.
2) Verel. áuch Gobi's „Algologische Studien úber Chroolepus Ag.“ 1871 p. 135 u. £. ©
4 S) Uber den relativen Werth der Kůtzino'schen Chroolepus-Arten siehe mehr in Gobi
Gps 120108:
+) Den rothen Farbstoff, welcher bei dieser und vielen anderen Alsen (in Sporen, Aki-
neten ete.) vorkommt, hat Rostafinski (Bot. Zeitung, 1881, p. 465), Cohn's Haematochrom (1867)
úbersehend Chlororufin (1881) benannt.
Trentepohlia. 87
glánzende, trocken graugelbliche Ráschen. Fáden verzweigt, mit gekrůmmten Aesten. Veget.
Zellen 6 bis 9 u dick, 1 bis 3mal so lang, cylindrisch oder in der Mitte bauchig ange-
schwollen. Gonidangien fast kugelig end- oder seitenstándig, bis 30 u dick.
Auf der Rinde von Nadelholzern, insbesondere an Abies pectinata wie vor., meist
in hóheren Gebirgsregionen verbreitet (1—12). So bei Neuhof von Peyl als Chroolepus
odoratum Ag. Mus! bei Kolin gesammelt, v. Veselský mit Chroolepus aureum Mus! in
Wáldern bei Lichtenau, Wichstadtl und Bárnwald an der Adler! in Ronower Wáldern
(Peyl Mus!) bei Herrnskretschen in der běhm. Schweiz! bei Chotěboř (E. Bayer!), bei
Hradek náchst Moldautein (Mus!).
120. T. odorata (Lyngb.) Wittr. (Chroolepus odoratum Ktz., Chr. betulinum Rbh.)
Tab. phycol. IV. T. 94. Bildet důnne, filzige, róthlichgelbe, mennigrothe, seltener orange-
farbige [var. P) aurantiacum Ktz Tab. phycol. IV. T. 94|, trocken gelbliche oder schmutzig
graugrůne Ráschen. Fáden ziemlich knorrig, brůchig, verzweigt mit niederliegenden oder
parallel aufsteigenden Aesten. Veget. Zellen 10 bis 16 u dick, 1 bis 2mal so lang, an
den Scheidewánden leicht eingeschnůrt, mit ziemlich dicker Membran; im Zellinhalte ofters
kleine Tropfen von Ól [var. 7) oleiferum (Ktz.) Rbh. (Chroolepus oleiferum Ktz.)].
An der Rinde von Laubbáumen, an Birken, Pappeln, Buchen u. a., seltener auch
an Nadelholzern wie vor. (3—11). So an der Rinde von Populus nigra an der Moldau
bei Klecanky náchst Roztok, bei Zawist, náchst Choteč im Radotiner Thale, bei Jung-
Bunzlau, im Stadtpark ia Klattau; var. 9) auch am Spitzberg im Bóhmerwalde, in den
Siebengrůnden im Riesengebirce!
121. T. lagenifera (Hild.) Wille (Chroolepus lageniferum, Hild.) Botan. Zeitung
1861 T. 3 Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 410! Bildet oliven- oder gelblichgrůne, gold-
bis orangegelbe nicht oder schwach duftende zarte, Ráschen oder Úberzůce. Fáden unrecel-
mássig verzweigt, brůchig. Veget. Zellen meist 3 bis 6 u dick, 3 bis 4mal so lang.
Endzellen oft zu birn- oder fast kugelfórmigen Gonidangien mmecpidel.
An feuchten Mauern, nasser Erde, Baumrinde, Brettern, auf Blattoberfláche ver-
schiedener Warmhauspflanzen, bisher blos in Warmháusern angetroffen (1—12). So in
dem Prager Vereinsgarten auf Bláttern von Anthurium, Pilbergia u. a. důnne goldgelbe
Úberzůce bildend, im gráfl. Fůrstenbergischen Garten auf der Kleinseite, im Baumgarten
auch auf der Rinde einer Pandanus-Art, in einigen Privat- Warmháusern auf der Neustadt,
im k. k. Botan. Garten am Smichow mehrfach. im grátl. Kinsky'schen Garten, auch auf
feuchter Erde im Ananashause mit Aphanocapsa (Porphyridium) Wittrockii (Rich.) nob.
und im Clam-Gallas'schen Garten am Smichow !
b) Fáden meist dunkelrothbraun gefárbt; selten wechselt die Fárbung vom Roth-
braun bis zum Goldgelb und Gelblichgrůn (T. uncinata), trocken schmutziggraugrůn, nicht
oder stark (T. iolithus) nach Veilchen duftend.
122. T. umbrina (Ktz.) Bor. (Chroolepus umbrinum Ktz., incl. Chr. irregulare
Ktz., Protococcus umbrinus Ktz., Prot. crustaceus Ktz. Tab. phycol. IV. T. 92.) Wittr.
et Nordst. Alo. exs. Nr. 42! Bildet ziemlich kráftige, rothbraune nicht duftende Anflůge.
Váden kurz, niederliegend, zerbrechlich. Verzweigungen wenig entwickelt, unregelmássic.
Veget. Zellen oft vereinzelt, ohne Ordnung zusammengeháuft, 14 bis 22 u dick, 1 bis
2mal so lang, lánglich elliptisch oder fast kugelrund, an den Scheidewánden eingeschnůrt,
Gametangien von den veget. Zellen kaum zu unterscheiden ;
var. P) guercina (Ktz.) Rbh. (Chroolepus guercinum Ktz.) bildet důnne, rothe
Úberzůge, Zellen bis 16 u dick.
An der Rinde von Laubbáumen, an Brettern, Záunen, Holz- und Steinpfosten
meist auf der Westseite, insbesondere in feuchten Wáldern, am Ufer von Báchen, Flůssen
ete., seltener auch an Felsen durch ganz Bůhmen bis in das Hochgebirce verbreitet, in
feuchteren Gebieten háufig, stellenweise (in trockenen Lagen) aber nur zerstreut; var. 5)
auf der Rinde alter Eichen, in Wáldern u. a., seltener. In der náchsten Umgebung von
Prag mehrfach, so an alten Weiden am Ufer des Botičbaches náchst Folimanka, am
Ufer der Moldau, auf den Moldauinseln, bei Podol, am Laurenziberg, im Baumgarten,
88 Trentepohlia.
Vysočan, in der Šárka, bei Liboc, Rusín, Hlubočep, St. Prokop, Jinonice, Chuchelbad
auch var. 9); bei Roztok, Klecan; bei Chwal, Hrdlořez, Práč, Měcholup, Auřiněwes;
bei Stránčic, Mnichowic, Ondřejow, Sazawa, Kocerad, Přestawlk, Čerčan; bei Krč, Kun-
ratic, Běchowic, Ouwal auch var. 6); bei Radotín, Choteč, Karlstein (auch an Felsen
unter der Burg), St. Iwan, Beraun, Kónigshof, Půrglitz, Stadtl, Rakonitz, Schlan, Peruc,
Laun, Chlumčan, bei Libochowic, Čížkowic, Sulowic, Lobositz, Čalositz, Leitmeritz,
Raudnitz, Westec, Kralup; bei Elbe-Kostelec, Neratowic auch (6), Lysa, Kolín! bei
Neuhof (Veselsky als Úhr. crustaceum Mus!) bei Kačín [Peyl als Chroolepus crustaceum
Mus'!], Voškovrch, Chlumec, Ziželic, Pardubice, Doubravic, Smiřic, Hořic, Wostroměř,
Starkoč, Nachod, Kóniggrátz, Jičín, Dymokur, Křinec, Rožďalowic, Jung-Bunzlau, Bakow,
Semil, Turnau, Eisenbrod, Svárow, Tannwald, Parschnitz, Trautenau, Alt-Paka, Johannisbad,
Hohenelbe; im Riesengebirge bei den Krausebauden, bei Spindelmůhle, in den Sieben-
grůnden (spárlich); bei Habstein, Hirschbere, Weisswasser, B. Aicha, Bodenbach, Herrns-
kretschen, Teplitz, Eichwald, Zinnwald (spárlich); bei Bilin, Sauerbrunn, Brůx, Půllna,
Saaz, Neu-Straschitz, Carlsbad (spárlich); bei Franzensbad, Mies, Pilsen, Klattau, Horaž-
ďowic, Písek, Budweis, Frauenberg, Lomnic, Wittinsau, Tabor, Wotic, Olbramowic, Stupčic,
Sobieslau, Veselí, Protivín, Přibram, Jinec, Hořowic; bei Beneschau, Bystřic, Podolí,
Kaplitz, Zartlesdorf, Hohenfurth, Rosenbere, Ruckendorf, Ebenau, Krummau!
123. T. Bleischii (Rbh.) Wille (Ch. Bleischii Rbh., Ch. umbrinum, v. elongata
Bleisch.) Bildet filzige, róthliche oder rothlichbraune, nicht duftende kleine Ráschen,
mit knorrigen, ziemlich kurzen und meist niederliegenden spárlichen Verzweigungen.
Veget. Zellen 22 bis 31 u dick, 1'/, bis 2mal so lana, Gametangien bedeutend grósser
als die veget. Zellen ;
var. P) piceae Wille Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 221! Chroolepus odoratum
(Lyngb.) Ag. var. G) Rbh. Alg. exs. Nr. 616! Fáden kurz, aus wenigen Zellen bestehend,
Verzweigungen spárlich, gekrůmmt. Veget. Zellen 15 bis 30 u dick, 1 bis 2mal so lang,
mit 2 bis 5 u dicker Membran, Gametangien 27 bis 37 u dick.
An der Rinde von alten Laubbáumen und Nadelhělzern [var. P)], meist in
Wáldern in Gebirgsgegenden, selten (1-——12). So im Riesengebirge mehrfach, bei Ober-
Hohenelbe, Spindelmůhle, in den Siebengrůnden; im Erzgebirge bei Zinnwald; im Bohmer-
walde am Spitzberg var. P!
124. T. uncinata (Gobi) nob. [Chroolepus uncinatus Gobi, Bul. akad. scient. de
St. Petersbourg 1872 Tab. 17.) Bildet bráunlich- oder róthlichgelbe bis gelblichgrůne,
nicht duftende, důnne Ráschen. Fáden zu kleineren oder grósseren
Háufchen oder Bůscheln vereinigt, seltener zerstreut, meěist ver-
zweist (blos kurze Fáden sind unverzweigt), von verschiedener
Lánge. Veget. Zellen der Hauptfáden 15 bis 27 u dick, 1 bis
1'/„mal so lang, die der Zweige 12 bis 20 u dick, 1 bis 2mal
so lang, an den Scheidewánden leicht eingeschnůrt. An den End-
zellen der Fáden 1 bis 3 hakenfórmig gekrůmmte Subsporangial-
zellen, an deren oberem, schmalem, halsartigem Ende je ein Z00-
sporangium (Gonid- oder Gametangium) sitzt. Zoosporangien fast
kugelrund oder elliptisch, fast zweimal so dick als die veget.
Zellen, mit einer farblosen Papille, welché zur Zeit der Reife
Fig. 38. Trentepohlia
uncinata (Gobi) nob.
Stůck eines verzweigten
Fadens mit einem Zwei-
ge, welcher am oberen
Ende auf der flaschen-
fórmigen Subsporancia-
zelle ein fast kugelfór-
miges © Zoosporangium
trágt. Verg.etwa 100mal.
Ag. Tab. phycol. IV
„ T. 95.|. WittrSet "Nordst-"Aleoxss NE
der Schwármzellen platzt, sich offnend. Nach der Entleerung der
Sporangien fallen diese meist von den sie tragenden Fáden ab.
An der Rinde von Laubbáumen (Ahorn, Espe, Linde u. a.)
und an Nadelhělzern meist am Grunde alter Baumstimme [etwa 1
bis 4 dm ůúber dem Boden] wie vor. selten (1—12). Bisher blos
im Riesengebirge bei der Spindelmůhle und in den Siebengrůnden
in grósserer Mence!
125. T. iolithus (L.) Wittr. [Chroolepus iolithus (L.)
Bildet rothbraune,
trocken schmutzigoraue oder graugelbe, důnne Ráschen und filzige, stark nach Veilchen
Trentepohlia. 89
duftende') Úberzůge. Verzweigungen verworren, dfters auch unter einander verwachsen.
Veget. Zellen 14 bis 24 u dick, 1 bis 2 (die áussersten bis 6)mal so lang, in der Mitte
angeschwollen, mit dicker Membran;
var. 6) bovinum (Flot.) Rbh. (Chroolepus bovinum Flot. incl. Chr. rupestre Ktz.
et Chr. hercynicum Ktz. Tab. phycol IV. T. 92, 95.) Sehr důnne, rothbraune, pulverige
Anflůge bildend, welche auch trocken ihre ursprůngliche Farbe wenig verándern.
Auf Šteinen, Felsen blos im Hochgebirge (1—12). Im Riesengebirge in hóheren
Lagen úberall verbreitet, am háufigsten an feuchteren Standorten, insbesondere in der
Náhe der Elbe, auch an Šteinblócken in derselben, so von Ober-Hohenelbe zu den Krause-
bauden stellenweise, bei der Spindelmůhle, unter dem Elbfall, ebenso am Wege von den
Siebengrůnden nach Spindelmůhle, auf der Schneekoppe, im Riesengrund mehrfach! bei
den Dessewasserfállen náchst Tannwald var. 6) reichlich; auf
Steinen am St. Annaberg bei Bárnwald var. $) spárlich! In
den Sudeten [Karl (wo?) Mus!]| Im Erzgebirge am Wege von
Eichwald nach Zinnwald! auf dem Grauenstein (Hoffmann Mus!)
Im Boóhmerwalde am Spitzberg, an den Ausflůssen des Schwarzen-
und Teufels-Sees reichlich, am Arber-See, auch noch in Eisenstein
an Felsblócken hie und da nicht selten! bei Hohenfurth am
Hammerleiterbach var. 9) spárlich! am Kubany (Prof. L. Čelakovsky).
126. T. velutina (Ktz.) nob. [Chroolepus velutinum Ktz.
Tab. phycol. IV. T. 91.) Bildet rothbraune, důnne, dicht ver-
verfilzte Ráschen oder Úberzůge. Hauptfáden und Zweige ver-
lángert, gekrůmmt, an der Spitze aus etwas důnneren Zellen
zusammengesetzt. Verzweigungen der Fáden, mit einander im
Zusammenhange bleibend. Veget. Zellen 7 bis 9 u dick, 2 bis
4mal so lang, cylindrisch.
An feuchten Felsen, hólzernen Wasserleitungsrinnen u. á.
wie vor., selten (3—11). Im Erzgebirge (nach Rbh.).*)
2. Sect. Leptostra Borzi ampl. Im Wasser lebende Arten.
Die im Zellinhalte der vegetativen Zellen befindlichen Chloro-
phoren frei, von rothen Schleimkugeln (Haematochrom) nicht
verdeckt (dieses ist blos in den Dauerzellen (Akineten) vorhanden.)
Fig. 39. Trentepohlia
Willeana nob. Stůck
127. T. Willeana nob.*) Bildet stark von kohlensaurem
Kalke incrustirte, niedrige Ráschen von hellgrůner Farbe. Fáden
reichlich verzweigt, Zweige gedrángt, so dick wie die Hauptfáden,
úfters leicht gekrůmmt, meist aber dem Hauptstamme eng anliegend.
Veget. Zellen 3 bis 5 m dick, 1 bis 1'/, selten bis 2mal so lang,
an den Scheidewánden leicht eingeschnůrt, mit důnner farbloser
Zelhaut und breiten wandstándigen Chlorophoren.“) Dauerzellen
eines verzweigten Fa-
dens, an welchem die
untersten Zellen zu Dau-
erzellen (Akineten) sich
schon umzuwandeln be-
ginnen, ihr Zellinhalt ist
rosenroth gefárbt und
lartig glánzend gewor-
den. Vere. 600mal.
") Bekannt unter dem Namen „Veilchenmoos“ oder „Veilchenstein“,
?) Was ich bisher in Exsiccaten unter dem Namen Chroolepus velutinum Ktz. gesehen
habe, waren rothbraun gefárbte Fáden verschiedener Moosvorkeime. Dasselbe gilt auch von Gon-
grosira ericetorum Ktz., welche z. B. Veselsky bei Neuhof náchst Kolín gesammelt hat Mus! Dass
Gongrosira ericetorum Ktz. keine Alge, sondern Moosprotonema sei, ist auch von Wille nach-
gewiesen worden. Wie die soeben genannte Gongrosira, so sind in neuerer Zeit auch alle anderen
von Kůtzing, Rabenhorst, P. Reinsch, Grunow, Zeller, Schaarschmidt beschriebenen Gongrosira-
Arten theils zu der Gattung Trentepohlia zugetheilt worden, theils als gewisse Entwickelungs-
zustánde anderer chlorophyllgrůner Algen, Moose ete. aus dem Algensysteme eliminirt worden.
Siehe mehr darůber in Wille's „Om slaegten Gongrosira Ktz.“ 1883, in Borzi's „Studi algologici“
I, 1883, in Schaarschmidt's „Adatok a Gongrosirak“, 1883 etc.
S) Steht der Leptosira mediciana Bzi „Studi algologici“ I, 1883 und dem Chroolepus sp.
P. Reinsch „Contributiones ad algolos. et fungolog.“ 1875 p. 72. Tab. 6. Chlorophyllophyceae
am náchsten.
*) Ich beobachtete auch Fáden, welche endophytisch zwischen den Epidermis-Zellen ihres
Substrates vegetirten, deren Chromatophoren fast tarblos oder blass gelblichgrůn gefárbt waren.
90 Chlorotylium.
(Akineten) je eine aus einer veget. Zellen entstehend, meist 6 bis
9 u dick, kugelig, eifórmig oder von unregelmássiger Form, mit
blass mennig- oder rosenrothem (Haematochrom enthaltendem) ol-
artig glánzendem, dichter gekórntem Inhalte.
In Teichen an verschiedenen Wasserpflanzen festsitzend
und an ihrer Oberfláche eine důnne blassgrůnliche Sinterkruste
bildend (6— 8). Bisher blos in einem Teiche bei Chlumčan náchst
Fig. 40. Stůck eines Tgun in orósserer Menge 1884!')
reichlich verzweigten
Fadens derselben Alge,
etwa 100mal vergr.
27. Gattung. Chlorotylium Ktz.
Thallus aus stark verzweigten Fáden gebildet, welche concentrisch zu einem
halbkugeligen seidig weichen oder (gewóhnlich) von kohlensaurem Kalk stark incrustirten,
polsterfórmicgen, festsitzenden Lager vereinigt und die mit ihrem mit einem farblosen
Rhizoide endigenden, etwas verdůnnten Basalende zu einem filzigen Geflecht verflochten
sind. Verzweigungen zahlreich, dicht gedrángt, ebenso dick wie die Haupfáden. Veget.
Zellen bandfórmice, breite Chlorophoren enthaltend; seltener (Ch. cataractarum Ktz.)
wéchseln kůrzere grůne Zellen mit viel lángeren, fast farblosen, nur wenig Chlorophyll
enthaltenden Zellen ab.
Vermehrung theils (im Frůhjahre) durch zweiwimperige Zoogonidien, welche
zahlreich aus dem Inhalte des Gonidangiums entstehen und ohne zu copuliren keimen,
theils durch kugelige Dauerzellen (Akine-
ten), die durch Umwandlung aus den vec.
Zellen entstehen, indem diese sich ein
wenig vergróssern, abrunden, eine rothe
Fárbung annehmen und sich von einander
trennen, Die weitere Entwickelung dieser
Akineten ist noch unbekannt.*)
Nach Erzeugung mehrerer Gene-
rationen vergallerten die Fáden im Sommer :
ofters wie bei Stigeoclonium u. á., und es VE)
cataractarum Ktz. a) ge- © ©ntsteht aus ihnen, indem die veget. Zellen Fis. 42. Chlorotylium
nuinum. Endtheil eines in diesem Zustande sich durch gekreuzte Ako SBE) a eine
einzelnen verásteltenFa- © Theilungsebenen zu theilen beginnen, eine ost oltan Haase
bd 3 vergr. © Gloeocystis-Form. © Auch in den Zellen 250fach veror.
Aaa san dieser Gloeocystis-Form, deren Zellen bei
der Theilune die úussere, resistentere Schicht der Hůlle, nachdem diese gesprengt wurde, in
úhnlicher Weise abwerfen wie Schizochlamys, bilden sich zu gewisser Zeit 4 bis 16 Zoogo-
nidien aus, welche vier Wimpern besitzen und aus welchem direct die ursprůngliche
Fadengeneration des Chlorotylium hervorgehen kann.
Fig. 41. Chlorotylium
128. Ch. cataractarum Ktz. ampl. [incl. Ch. incrustans Reinsch|.
a) genučnum (Ktz.) nob. Tab. phycol. V. T. 37. Lager lebhaft- oder blassgrůn,
trocken graugrůn, selten róthlichbraun [var. 6) fuscescens Ktz.|, von kohlensaurem Kalk
stark incrustirt, hart, im Inneren ofters geschichtet, polsterfórmig. © Polsterchen anfangs
halbkugelig, fast mohnkorn-, spáter bis hanfkorngross, gedránet und zusammenfliessend.
!) Andere im Wasser lebende Trentepohlia-Arten (T. viridis [Ktz.] Wille [Stereococcus
viridis Ktz., Gongrosira sclerococcus Ktz. ex p.) und T. de Baryana (Rbh.) Wille (Gongrosira de
Baryana Rbh.)] sind fůr Bohmen noch zweifelhaft. Die bisher in Bohmen unter dem Namen Gon-
grosira selerococcus Ktz. gesammelte Alge ist Chlorotylium incrustans. Chroolepus pini Auersw.
von Siegmund bei Reichenberg und Chroolepus saxicola Opiz bei Cibulka náchst Prag gesammelt
gehóren nicht zu Trentepohlia.
*) Nach Reinke [Botan. Zeitung, 1879 p. 479 in Anmerk.] wáre es nicht unměglich, dass
aus diesen Zellen geschlechtliche Fortpflanzunoszellen entstehen.
žák m — 6 vz
Miorothamnion. 91
Fáden seitig [scheinbar dichotomisch| verzweigt, meist parallel verlaufend, dicht gedrángt
mit verlángerten, mehrzelligen Zweigen. Veget. Zellen 6 bis 12 w dick, zweierlei, die
lebhaft grůnen */, bis 1'/„mal, die mehr oder weniger farblosen, mit den grůnen, dfters
reihenweise abwechselnden, 2 bis 6mal so lang, mit důnner Membran. Dauerzellen durch
Haematochrom blass mennig- oder orangeroth, blos aus den kůrzeren Zellen entstehend,
9 bis 15 w dick, kugelrund oder lánglich-elliptisch.
b) incrustans (Reinsch) nob. [Ch. incrustans Reinsch „Contributiones“ Tab. 1.
Chlorophyllophyceae| Zweige kurz, einzellig oder aus wenigen Zellen zusammengesetzt.
Veget. Zellen 6 bis 12 u dick, meist 1mal, seltener 2 bis 3mal so lang, „alle gleich-
mássig grůn gefárbt; erst nach Entléerung der Zoogonidien aus den einzelligen Seiten-
zweigchen werden einzelne Zellen hyalin; sonst wie a).
Auf Steinen, Felsen, Hólzern, Pflanzen in schnell fliessenden Báchen, unter Ka-
tarakten, bei Můhlgángen, unter Wehren u. á. krustenartige Uberzůge bildend (4—11).
In der Umgebung von Prag mehrfach, so im Bache bei Hlubočep, bei St. Prokop bis
gegen Nová Ves, in der Generalka noch im J. 1883 reichlich mit Akineten; im Choteč-
Thale; im Bache bei Karlstein, „v Pánvích“ náchst Srbsko, bei St. Iwan, im Suchomaster-
Thale bei Kónigshof; in Báchen bei Roztok, Klecánky meist a) und d); bei Melnik,
Sulowitz náchst Lobositz (mit Akineten); bei Kožow náchst Laun, Saidschitz, bei Bilín
(mit Akineten), bei Jung-Bunzlau, Eisenbrod a)!
28. Gattung. Microthamnion Nág.
Der Thallus bildet kleine, mehr oder weniger stark verzweigte, an Wasser-
pianzen ete. festsitzende blassgrůne Bůschel. Verzweigungen seitlich, fast so dick wie
die Hauptfáden, alle einander gleich gestaltet. Seitenástchen entstehen, indem die untere
von zwei Zellen seitlich unter der darůber stehenden hervorwáchst
und eine Auerwand nicht an der Ausbuchtungstelle, sondern erst
ein Stůck darůber bildet. Veget. Zellen stets lánger als dick,
důnnwandig, mit blass grůnen Chlorophoren. Endzellen der Zweig-
chen důnner als die úbrigen Zellen, stumpf, haarlos.
Vermehrung durch Zoogonidien. Gonidangien endstándig,
von den veget. Zellen durch ihre Form und Grósse wesentlich
verschieden. Dauerzellen unbekannt.
129. M. Kůtzingianum Nšáo. ampl.
a) genuinum (Nág.) nob. (M. Kůtzingianum Nág. Tab. phy-
col. HT. T. 1. non exact.) Bildet kleine, hellgrůne Bůschel. Hauptfáden
zuerst fast trichotom, hoher subdichotom verzweigt. Verzweigungen
ausgebreitet. Einzelne Aeste einfach oder mit kurzen leicht gebo-
genen, nicht steif aufrechten Zweigchen. Veget. Zellen cylindrisch,
9 bis 5 u dick, 3 bis 6mal so lang, von einander durch schmale hya-
line Zonen getrennt; die unterste Zelle mit stumpfem, farblosem
Ende an der Unterlage festsitzend, die am Fusse der Verzwěi-
gungen stehenden Zellen kniefórmig gebogen.
b) strtetisstmum (Rbh.) nob. [M. strictissimum Rbh. AlS.
exs. Nr. 829! Bulnheim's Orig. Exemp. in Mus'!| Bildet gróssere,
blass gelblichgrůne, schleimige Bůschel. Hauptfáden dicht besen- © A ý
fórmig verzweigt. Aestchen straff, gerade, aufrecht zusammen- eh S
gezogen. Veget. Zellen 3 bis 4 u dick, 3 bis 8mal so lang; mlinaný Cipietioje 2
sonst wie a). nes stárker verzweigten
In stehenden Gewássern, Brunnen (a), Wassergráben, © Hauptastes etwa 450mal
Sůmpfen, Teichen auch in torfigen Wissern (%) an verschiedenen Pořay
Fadenalgen, Wasserpflanzen, an untergetauchten Bláttern, Stengeln etc. festsitzend, in der
Ebene und im Vorgebirge verbreitet (3—10). In der Umgebung von Prag mehrfach, so
92 Microthamnion.
in den Schanzgráben hinter dem gew. Kornthore, in den Sůmpfen bei Vysočan, im Frůh-
jahre 1882 sehr zahlreich, in den Tůmpeln an der Moldau, in einem Felsenbrunnen an
der Nordseite des Zižkaberges a), in den Sůmpfen bei Běchowic und Záwist d). In einem
Brunnen bei Schlan, bei Kostelec a. E., Turnau, Semil, Eisenbrod, Tannwald, Kůnig-
grátz; bei Wichstadtl und Bárnwald an der wilden Adler auch am Gipfel des Annaberges
in einem torfigen Graben; bei Hirschberg, Seegrund náchst Eichwald, bei Franzensbad,
in einem Brunnen im Stadtpark im Carlsbad; bei Mies, in den Teichen bei Wotic,
Lomnitz náchst Wittingau d), bei Frauenberg, Budweis und Písek! ")
V. Ordnung. ŠSiphoneae (Siphophyceae Rbh.).
Der Thallus der Siphoneen besteht aus einer einzigen schlauch- oder blasenfór-
migen, mehrfach verzweigten, verháltnissmássig sehr grossen, vielkernigen Zelle, deren
oberer Theil an der Luft oder im Wasser wachsend Chlorophyll in Form von zahlreichen,
in einer wandstándigen Schicht liegenden, scheibenfórmigen Chromatophoren (Chloro-
phoren) enthált, wáhrend der untere Theil zu einem chlorophyllosen, oft reich verzweigten
Haftorgane (Rhizoide) sich ausbildet.
Geschlechtliche Fortpflanzung entweder durch Oosporen, die einzeln in Folge der
Befruchtung der in Oogonien eingeschlossenen, stets unbeweglichen Eizellen durch in
Antheridien erzéugte schwármende Spermatozoiden entstehen und noch in demselben
Jahre, in welchem sie entstanden sind, keimen, oder (Botrydium), durch Isosporen, die nach
der Copulation zweier gleich gestalteter Schwármzellen (Isogameten) entstehen und bei
ihrer Keimung sofort eine vegetative Pflanze hervorbringen. Ungeschlechtliche Vermehrung
durch neutrale Zoogonidien, durch Zelltheilune und mancherlei unbewegliche Brutzellen
(Dauerzellen ete.).
Úbersicht der Familien der Siphoneen,
XVL Familie. Vaucheriaceae.
Oogame, mit Oogonien und Antheridien versehene, schlauchfórmige, mehrere mm lange,
meist dichotomisch verzweigte, dichte Rasen bildende, einzellige Algen, welche sich durch unge-
schlechtliche, bewegliche, an ihrer ganzen Oberfláche bewimperte oder durch bewegungslose Go-
nidien und durch geschlechtlich entstandene Zygoten (Oosporen) vermehren.
XV. Familie. Botrydiaceae.
Isogame, Oogonien und Antheridien entbehrende, kleine (etwa 1 bis 3mm grosse) blasen-
fórmige einzellige Algen, mit einem chlorophyllhaltigen, in die Luft ragenden stark aufgeblasenen
Ende und einem unterirdischen, hyalinen, vielfach verástelten rhizoidartigen Theile. Geschlechtliche
Fortpflanzung durch Isosporen. Ungeschlechtliche Vermehrung durch einwimperige Gonidien.
XVI. Familie. Vaucheriaceae.
Der Thallus dieser fadenformigen, einzelligen, im Wasser und auf feuchter Erde
lebenden, chlorophyllgrůnen Algen besteht aus einem einzigen, lang gezogenen Schlauche,
welcher durch Aussackungen háufig falsch dichotom verástelt ist; ofters werden auch
farblose Aestchen (Rhizoiden) in den Boden eingesenkt. Geschlechtsorgane (Antheridien
und Oogonien) meist an einer und derselben Pflanze vorhanden. Die nach der Befruchtung
der Oospháren durch Spermatozoiden entstandenen Oosporen (Zygoten) sind mit meh-
reren Háuten umgeben und wachsen nach einer Ruheperiode zu einem neuen vegetativen
Vaucheria-Schlauche aus. Ungeschlechtliche Vermehrung 1. durch bewegliche oder unbe-
wegliche Gonidien, welche sich einzeln in keulig anschwellenden, sich abgliedernden
Enden der Zweige entwickeln, 2. durch Brutzellen, d. h. durch Endglieder der Zweige,
sb ») Microthamnion vexator Cooke (Grevillea XI. p. 75) u. a. M.-Arten werden vielleicht
in Bohmen noch entdeckt werden.
Vaucheria. 93
welche von dičsen abfallen und bald keimen kónnen; 3. durch besondere Dauerzellen
(Aplanosporen, Ruhecysten).“) Die beweglichen Zoogonidien verhalten sich in Bezug auf
ihre Entstehung und weitere Entwickelung den unbeweglichen Gonidien vóllig gleich. Bei
der Keimung kann der eine von den beiden důnnen Keimschláuchen zu einem reichver-
zweigten hyalinen Haftorgan auswachsen, welches den Thallus im Boden befestigt.
29. Gattung. Vaucheria D. C.
Der Thallus ist aus einer fadenfórmigen verzweigten Zelle gebildet, welche in
"ihrem wandstándigen Protoplasma in einer ununterbrochenem Schichte zahlreiche Chro-
matophoren (Chlorophoren) enthált, die von der Zellwand durch eine důnne Lage
farblosen Plasmas getrennt sind. Zwischen den kleinen Chromatophoren liegen ebenfalls
sehr kleine (betráchtlich kleinere als die Chlorophoren) kugelige Zellkerne in ziemlich
regelmássiger Anordnung und gleichmássiger Vertheilung, ausser diesen auch noch zahl-
reiche Oeltropfcken.
Die Oogonien sind fast kugelige Gebilde, welche an den mehr oder weniger
verzweigten Thallusfáden hervorsprossen, durch eine Scheidewand von dem vegetativen
Schlauche sich abgliedern und zur Geschlechtsreife an der Spitze sich offnen. Die meěist
an demselben Faden mit den Oogonien vereinigten Antheridien sind seitliche oder ter-
minale, farblose, verschieden gestaltete, ofters hornartig gekrůmmte Zellen, welche sich
gleichfalls von dem sie tragenden Thallusfaden abgliedern oder von demselben durch
eine leere, nicht chlorophyllhaltige Zelle getrennt sind und aus ihrem gesammten Inhalt
eine grosse Anzahl kleiner Spermatozoiden bilden. Die Zahl und Anordnune der Ge-
schlechtsorgane am Thallus ist mannigfaltig. Entweder sitzen Antheridien und Oogonien
einzeln oder reihenweise dem Thallusfaden direkt auf oder sie stehen auf kurzen und
důnnen Seitenástchen. Der Inhalt der kuceligen oder birnfórmigen, seitlichen oder ter-
minalen Oogonien wird bei verschiedénen Species verschieden zur Eibildung verwendet;
entweder wird das gesammte Plasma zur Bildung einer Oosphaere verwendet oder es
wird ein Theil dieses durch eine Einschnůrung von der Hauptmasse abgegrenzt und als
Plasmatropfen von dem spáter sich offnenden Oogonium ausgestossen, dabei wird die
Membran des Oogoniums am Schnabelende nicht durchlóchert, vielmehr guillt sie gallert-
artig auf und der austretende hyaline Plasmatropfen wird durch die Gallerte gepresst.
Der zurůckgebliebene Inhalt des Oogoniums rundet sich ab, sein fast loser Scheitel ist
der Empfángnissfleck. Zu der Zeit, wo aus dem Oogonium der hyaline Piasmatropfen
ausgestossen wird, offnet sich auch das Antheridium und entleert seinen schleimigen
Inhalt, aus welchem die in ihm enthaltenen sehr kleinen, lánglichen, mit zwei Cilien ver-
sehenen, lebhaft beweelichen Spermatozoiden im Wasser bald zum Scheitel des Oogoniums
gelangen und mit dem farblosen Empfángnissfleck verschmelzen. Die so entstandenen
Zygoten sind dicht mit Oeltropfen erfůllt und besitzen eine derbe, meist geschichtete Haut.
Ungeschlechtliche Zoogonidien entstehen an Aesten, deren oberes Ende keulen-
fórmig anschwillt, dicht gekórntes, dunkelgrůn gefárbtes Protoplasma enthált und sich
durch eine Scheidewand abgrenzt. Durch einen Riss an der Spitze tritt der ganze Inhalt
als eine grosse lángliche oder rundliche Zoogonidie heraus, die auf ihrer ganzen Ober-
fláche mit kurzen Cilien bedeckt ist. Die Zoogonidie enthált einen mit Zellsaft erfůllten
Hohlraum, an ihrer Aussenfláche wird die chlorophyllfůhrende Plasmaschicht von einer
ziemlich breiten farblosen Plasmaschicht umegeben, an welcher zahlreiche Zellkerne in
regelmássiger Anordnung enthalten sind. Jedem Zellkern entspricht ein Paar Cilien, die
von der Oberfláche der farblosen Plasmaschicht entspringen und paarweise einem klei-
neren, dichteren Knětchen derselben angeheftet sind. Wenn die Schwármzelle zur Ruhé
kommt, wandern die Zellkerne wieder durch die Chlorophyllschicht hindurch an die
innere Begrenzung derselben. Seltener sind die Gonidien cilienlos und bleiben nach ihrer
1) Mehr úber diese sog. Ruhecysten siehe in Stahls Abhandlung „Úber die Ruhezustánde
der Vaucheria geminata“ 1879.
94 Vaucheria.
Ausstossung wie die ebenfalls unbeweglichen Zygoten lángere Zeit unbeweglich liegen,
bevor sie keimen und sich weiter entwickeln. Bei Vaucheria geminata keimen die unbe-
weglichen Gonidien ofters noch innerhalb ihres Gonidangiums.
Bei dieser und bei einigen anderen Vaucheria-Arten úbergehen unter Umstánden
die einzelligen Schláuche durch Bildung von Auerscheidewánden in eine Gongrosira-Form,
welche wieder durch Zerfallen der einzelnen Plasmaportionen dieser Form Protococcus-
artige Gebilde liefert."“) Sowohl aus der Gongrosira-Form wie auch aus deren Derivaten
kónnen wieder neue normale Vaucheria-Schláuche auskeimen; háufiger als dieses tritt
das Zerfallen des Plasmas in eine, je nach der Grósse des Ganzen wechselnde Anzahl
von Portionen ein, aus welchen, wenn sie durch eine seitliche Óffnung der Gliederzelle»
ins Wasser gelangen, nach kůrzerer oder lángerer Frist amoboide Plasmakórper meist in
grósserer Anzahl [nach Stahl bis 40 und mehr aus dem Plasma einer Gliederzelle]| ent-
stehen. Nachdem diese Vaucheria-Amóben eine Zeit lang sich bewest haben, gehen sie in
einen Ruhczustand úber; ihr Plasma nimmt Kugelgestalt an und umgibt sich mit einer
Membran, ihr Chlorophyll und die úbrigen Inhaltsbestandtheile růcken an die Peripherie
der sich allmáhlich vergróssernden Kugel. Unter gůnstigen Umstánden wachsen dann die
aus den V.-Amóben hervorgegangenen grůnen Kugeln zu neuen, feinea Vaucheriaschláuchen
aus. An trockenen Standorten gehen sie aber in einen Ruhezustand úber. Die Mehrzahl
dieser Ruhezellen oder sog. Cysten ist von kugeliger seltener von unregelmássiger, bohnen-
fórmiger ete. Form, ihre Membran wird dicker und es treten in derselben eigenthůmliche
locale braune, linsenfórmige Verdickungen auf. Auch diese Ruhezellen oder Cysten sind
einer Vermehrung durch Theilung fáhig und aus ihrem Inhalte wachsen bei der Keimung
neue feine Vaucheriafáden aus.*)
A. Corniculatae. Antheridien horn- oder hakenfórmig gekrůmmt, am Ende kurzer
Seitenástehen des Thallus.
a) Sessiles. Oogonien neben den Antheridien sitzend oder sehr kurz gestielt.
130. V. sessilis (Vauch.) De C. [incl. V. repens Hass.|
a) genuina (Vauch.) Rbh. Tab. phycol. VI. T. 59. Wittr. et Nordst. Alg. exs.
Nr. 456! Lager rasen- oder polsterfórmig, schmutzig oder blassgelbgrůn, etwas schlůp-
Fig. 44. Vaucheria sessilis (Vauch.) De C. Zwei durch Keimung
einer ungeschlechtlichen Zoogonidie entstandene kurze Schláuche
mit einem wurzeláhnlichen Haftorgan. Vergr. etwa 30mal.
ferig, weich. © Fáden spárlich verzweigt, 120 bisweilen aber auch nur 50 u dick.
Oogonien auf den Hauptfáden sitzend, schief eifórmig und kurz geschnábelt, einzeln zu
2 bis 3 genáhert, ofters nur 60 u dick, 105 m“ lang. Antheridien am Ende eines horn-
bis hakenfórmig gekrimmten oder schneckenfórmig eingerollten Astes, nicht selten in
der Mitte zwischen zwei Oogonien. Membran der Oosporen dreischichtig. © Zoogonidien
ringsum mit Cilien bedeckt, in keulenfórmis-eifórmigen Gonidangien entstehend (V. cla-
vata Auct.). Im Wasser lebend.
") Vergl. Stahl „Uber die Ruhezustánde von Vaucheria geminata“ 1879.
*) Mehr úber diese Ruhezellen in Stahls Abhandlung L. c. p. 134 u. f.
+6
Vaucheria. 95
b) repens (Hass.) Rbh. (V. repens Hass.) Tab. phycol. VI. T. 18. Auf feuchter
Erde. Lager důnne, filzige, grůne bis gelblichorůne Uberzůge bildend. Fáden leicht ver-
flochten; důnner. Oogonien meist einzeln, 72 bis 84 u lang; sonst wie a).
Diese vielfach in Bezug auf Fárbung der Fáden, Zahl, Form und Štellung der
Geschlechtsorgane variirende Vaucherie ist sowohl in stehenden und fliessenden Wássern
wie auch auf feuchter schattiger Erde (d), in der Ebene und im Vorgebirge sehr ver-
breitet (3—11). a) In Sůmpfen, Wassergráben, Tůmpeln, Báchen; b) auf nasser Garten-
erde, an Wiesen, auf Waldboden ete. In der náchsten Umgebung von Prag nicht selten;
so auf feuchter Erde im Heine'schen-, gráfl. Kinsky'schen Garten, in Gárten und an den
Hóťen in einigen Privatháusern, auf der Kaiserwiese, im Baumgarten, bei Troja, Podbaba,
Roztok, Žalov, Podmoráň, bei Hlubočep, Chuchelbad, Branik, St. Prokop, Radotín, Čer-
nošic; bei Krč, Kunratic, Hrdlořez, Strašnic, bei Karlstein, St. Iwan, Beraun, Půrglitz,
Stadtl, Rakonitz, Schlan; bei Chlumčan, Neu-Straschitz, Peruc, Libochowic, CČížkowic,
Sulowic, Lobositz, Leitmeritz, Raudnitz, Kralup, Hořín bei Melnik; bei Kolín, Dymokur,
Jičín, Wostroměř, Žehuň, Chlumec an der Cidlina, Pardubice, Smiřic, Kónigerátz, Hořic,
Weisswasser, Hirschberg, Arnau, Starkoč, Parschnitz, Alt-Paka, Hohenelbe, in der Spin-
delmůhle im Riesengebirge; bei Nachod; bei Tannwald,
Eisenbrod, Turnau, Semil, Bakov, Jung-Bunzlau, Kostelec
a. E., Neratowic; bei Reichenberg (Siegmund als V. caespi-
tosa Ag. nicht fructif. mit Conferva amoena u. a. Mus!),
Fugau? [Karlgals V. clavata nicht fructif. Mus!], bei Herrns-
kretschen, Bilín, Dux, Brůx, Eichwald náchst Zinnwald,
bei Carlsbad, Franzensbad; bei Řičan, Stránčic, Sazawa, © ků
Kocerad; bei Beneschau, Bystřic, Olbramowie, Wotic, Stupčic, FS. 45.. Vaucheria sessilis
Střezmiř, Sobieslau, Veselí, Zamost, Kaplitz, Wittingau Ete Katoce les Der
) ) ) ) ) >. derlei Geschlechtsorgane tra-
Lomnic, Krummau, Rosenberg, Hohenfurth; bei Mies, Klattau, © genden Schlauches. Vere. etwa
Písek, Horažďowic, Protivín, Pilsen, Přibram, Jinec, Hořowic! T0fach.
b) Racemosae. Oogonien auf besonderen Fruchtzweigen, auf deren Spitze die
Antheridien sich befinden; «) Oogonien aufrecht,
131. V. geminata (Vauch.) Walz.") (incl. V. caespitosa Vauch. Ag. Rbh. FI. europ.
alg. III. p. 276, nach Nordstedt's Algolog. smasaker II, 1879, p. 186) und Gongrosira
dichotoma Ktz. Tab. phycol. IV. T. 98 nach Stahls „Úber die Ruhezust. d. V. ge-
minata“. Tab. phycol. VI. T. 63. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr, 455! Bildet schmutzig
grůne Rasen. Fáden dicht verworren, robust, fast dichotom verzweist, etwa 30 bis 90 u
dick. Oogonien und Antheridien auf důnnen Zweigchen der Art stehend, dass das Anthe-
ridium die Spitze einnimmt. Oogonien aufrecht, auf keiner Seite concav, meěist zu zweien
rechts und links, seltener einzeln oder 3 bis 5 und mehrere [var. S) racemosa Walz.
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 230!'] unterhalb des kornfórmig gekrůmmten Antheridiums.
Oosporen 115 bis 225 u dick, 180 bis 190 u lang von der dreischichtigen, nicht ver-
schleimenden Oogonium Membran umgeben [die mittlere Membranschicht ist ziemlich
důnn|, abfallend. Ungeschlechtliche Fortpflanzung durch unbewegliche aus dem Gonidan-
gium nicht ausschlůpfende Gonidien und Aplanosporen, welche an der frůher als Gon-
grosira dichotoma (Ktz.) beschriebenen Form entstehen.
Im Wasser und auf feuchter Erde meist am Rande stagnierender oder langsam
fliessender Gewásser, ofters in der Náhe von Botrydium granulatum (6-—9). In der Um-
gebung von Prag bei Hrdlořez und Radotín, bei Oužic náchst Kralup, bei Lobositz am
Ufer der Elbe! bei Lochotín náchst Pilsen auf feuchter Erde [Hora, Flora v. Pilsen p. 12].
132. V. hamata (Vauch.) Walz. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 229! | Bildet
schmutzig- oder gelblichgrůne Rasen und filzige Úberzůge. Fáden ziemlich starr, unre-
gelmássig verzweigt, etwa 45 bis 70 u dick. Oogonien meist einzeln eifórmig oder
eifórmig-elliptisch, auf einer Seite concav, etwa 60 bis 80 u dick, 75 bis 90 w lang,
1) V. de Baryana Wor. (Bot. Zeitung 1880 T. 7), welche der V. geminata nahesteht, wird
wahrscheinlich in Bohmen noch entdeckt werden.
96 Vaucheria.
einzeln auf kurzen Fruchtzweigen sitzend, auf welchen auch Antheridien auf der Spitze
verlángerter, gekrůmmter Seitenzweigchen sich befinden. Reife Oosporen mit dicker, 4 oder —
mehrschichtiger Sporenhaut umgeben, deren mittlere Schicht dicker als bei der vor. Un- ©
geschlechtliche Vermehrung durch unbewegliche Gonidien, welche sofort keimen, wie sie
ihr Gonidangium verlassen haben.
Auf feuchter Erde und im Wasser in Gráben, Teichen an Flussufern u. á. (6—9).
So am Ufer der Wotawa bei Písek!
6) Oogonien abwárts geneigt.
133. V. uncinata Ktz. Tab. phycol. VI. T. 60. Bildet dichte, schmutziggrůne,
spáter verblichene Rasen. Fáden spárlich verzweigt. Fruchtzweige 2 oder Szinkig; die
beiden seitlichen, hakenfórmig gekrůmmten Zinken tragen je ein oder zwei eifórmige
oder rundliche 95 bis 106 u dicke, abwárts geneiste Oogonien. Oosporen locker in der
aus drei Schichten gebildeten Oogonium-Membran.
In Sůmpfen, am Rande stehender Gewásser (7—9). So bei Teplitz [Karl Rbh.
Flor. europ. alg. II. p. 271.|
B. Tubuligerae. © Antheridien lánglich cylindrisch oder lanzettlich, nicht oder
nur wenig gekrůmmt, mit einer apicalen Offnung wie die rundlichen Oogonien fast ungestielt.
134. V. dichotoma (L.) Ag. Tab. phycol. VI. T. 56. Wittr. et Nordst. Alg.
exs. Nr. 337, 338! Dičcisch.") Bildet schmutziggrůne bis bráunliche, dicke, bis úber
2 dm lange Rasen. Fáden bis 200 m dick, entfernt dichotom verástelt. Oogonien
rundlich, uvgestielt, wagerecht abstehend, bis 110 u dick einzeln oder zu 2 bis 6 ge-
náhert. Antheridien klein, oval oder lánglichcylindrisch an dem Scheitel zugespitzt, auf
besonderen Fáden. Oosporen mit dreischichtiger Membran, deren áussere Schicht důnn
und braun, die mittlere dicker, die innere důnn.*)
In Tůmpeln, Gráben, Teichen wie vor. (8—10). Bei Reichenberg [von Siegmund
als V. dichotoma nicht fructif. gesammelt Mus?|.
XVII. Familie. Botrydiaceae.
Einzellige, auf feuchter Erde lebende Algen, deren Thallus aus einem oberir-
dischen chlorophyllgrůn gefárbten Bláschen und einem hyalinen, unterirdischen, vielfach
verzweigten, wurzelartigen Fortsatz besteht, selten entstehen auch am oberen Thailus-
theile Andeutungen kurzer Verzweigungen.
Geschlechtliche Fortpflanzune durch Copulation von Isogameten, wodurch eine
Zygote (Isospore) gebildet wird, aus welcher bei ihrer Keimune sofort eine neue vege-
tative Pflanze hervorgeht. Der Inhalt dieser letzteren bildet sich Ófters in eine unbe-
stimmte Zahl von ruhenden Zellen (Sporen) um, deren Inhalt bei der Keimung in eine
Anzahl geschlechtlicher, copulirender und Zygosporen bildender Microzoogonidien sich um-
wandelt. Ungeschlechtliche Vermehrung 1) durch neutrale Macrozoogonidien, 2) durch
vegetative Theilung des ganzen Thallus, dessen oberirdischer Theil einen kurzen, kuge-
ligen Seitenspross hervortreibt, welcher nachdem er einen eigenen Wurzelfaden in die
Erde eingesenkt hat, sich durch eine Scheidewand von der Mutterpflanze isolirt, 3) durch
sog. Wurzelzellen.
30. Gattung. Botrydium Wallr.
| Der oberirdische chlorophyllgrůne Theil des Thallus ist blasenfórmig, von der
Grósse eines Stečknadelkopfes, am Scheitel abgerundět, an der Basis zu einem zarten
vielverzweigten, farblosen umnterirdischen Rhizoide umgewandelt. Die oberirdische Blase
!) Vergl. Nordstedt „Algolog. smasaker“ II, 1879 p. 187.
ř Nach Kirchner (Algen v. Schlosien p- 82) ist es zweifelhaft, ob diese Fortpflanzungs-
zellen wahre Oosporen oder ungeschlechtliche Gonifien sind.
APR 23 1938
UNIVERSITY OF ILLINOIS
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Erster Theil.
(L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- und Hóhenverháltnisse).
Dieselbe enthált:
a) Das Terrain und die Hóhenverháltnisse des Iser- und des Riegen-
gebirges und seiner sůdlichen und ostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl
Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte.
b) Zweite Serie gemessener Hohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt III.) von Prof.
Dr. Kořistka. 84 Seiten Text.
-c) Hóhenschichtenkarte, Section III., von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte
© enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation im Massstabe von 1 : 200.000).
d) Hohenschichten des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka im Maasstabe
MOM: L00.000 re diesen ADtheilime 7.1.1% V Ska Mě aa fl. 450
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthált:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bohmens mit 4 Tafeln.
db) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stílec,
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten.
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte.
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte.
Dieser Theil enthált 448 Seiten Text, 11 Paléln 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten.
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II. Theil enthált:
WWe-Bim. Boťřický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen ej E
Hao Debenkext db koteln APrelS —, "z © 2:65 008 Vu avdoveé 00 6 E i 8 x
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Zweiter Theil.
III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált:
Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II. Theil)
OSE OKUMA Ke atol LCS 3 -c 02m ep ak am 6 vle 0 0 alik 066 66 i. 2:60
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bohmens.
B) 8 4 8 Die Flussfischerei in Bohmen.
12) K SME k 3 Die Krustenthiere Bohmens.
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 272 Beiten Text. Preis... .<.....2.« PB o adí P:
V. Chemische Abtheilung.
Prof. Dr. Em. Bořický: Úber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure
m.deni6 ceteulen Bohmens. 58 Seiten Text. Preis... © <. < + < « dle 60 kr.
Preis der ganzen zweiten Hálfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. A. 5—
EDUEG EEE EEC ESA ND.
I. Topographische Abtheilung.
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom k. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch
bestimmten Hóhen von Bohmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und
Mob i- Damblebsky von Pternteckimit 1 Karte z = <. S'e we * deda fl. 1:80
i II. Heft. Peknaskanbi eno“ 54 dl iřěnadí den AoloohyPioá 11.
: Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten '
i III. Heft. Die Geologie -dés běhmischen „Brzgebirges ( Theil)
Gustav Laube mit mehreren O und einer r Profiltafel. 1
6 Preis. P . . .* ce . . . .) 40 a žes . . ja s 0 DM > č » s
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III. Botanische Abtheiluns: ka
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Prodromus der Flora von Bohmen von 1 PLGP Dur Ladisláv Čelakovšk
Schluss.) 320 Seiten Text. Preis K ABO B 090
s. p 4
IV. Zoologische Abtheilung:
I = n Myriopoden Bohmens von F. V. Bosiský: mit 24 Holzschnitten m Seten ©
i z TOK: Prels (si ke A696 re, Kpt! voj Cl al KE p ROTT AS (60 kr.
ou Heft. Die Cladoceren Bóohmens von Bohuslav Hellich mit 70 Holzschnitten
182 *Seitení TExt ss LY E81. 006 A VTT 1108 MR A 0.08 Che Ia0 M0 M0 Ed Sh) MA 160 "A
V. Chemisch-petrologische Abtheilung
*mente einer neuenchemisch-mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse ©
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VIEEUEER BAND.
tudien im Gebiete der bohmischen dý ené Die po
sond" "ud kdy RU dar = k ny p o Pr a MĚ pěn —
4 Beiten Text. Preiš <- © PRA BE čo já
av. Theil.) Nachtráge bis 1880. o emotiise und Renistečí k
74. Petrologische Studien. an den Porphyrgesteinen E roh von Prof. z
0 BOLVOKY 070 en bona ke A3 ao 0 Ponce Dké
No. 5. Flora des Plussgobictos der Čfálina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal 3
1. 1
No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl
Feistmantel. PARA, Ako o ye:
FUNFTEMR BAND.
No. 1. Erláuterungen zur melilěoisčhonKa?ke des idomhiscck (Železné hory ke
und der angrenzenden: PSO im čstlichen Bohmen von J. Krejčí nu9m
sA Welmhackér" s, Zp dale. a 2 S11 Seské LpR4 E
(Die Kate atší erscheint spáter.) aaa k: M
No. 2. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. MM Die Iser- v
schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 182 Textfiguren. . <.. <. +. ++ ++ L8—
No. 3. Die mittelbohmische Steinkohlenablasgerung von Carl Foistuinkél.. Mit ©
20 Holzschnittem "s +7 5m Eodkpac 358: B02 aáie V k 2o4k18 MožAJ 1ak le dd „120
No. 4. Die Lebermoose (Hepaticae) BOUtens, von Prof. Jos. Dědeček. ; (Doutooší c
noch nicht erschienen.) o La
No. 5. Orographisch-geotektonische Úbersicht des silurischen Gebietes imo
mittleren Bohmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel,
Karte und vielen Holzschnitten . . . . 6 2 bos by M k
No. 6. Prodromus der Algenflora von bodl ně Rřstér Theil enthaltend die n :
phyceen, Phaeophyceen und einen Theil der Chlorophycen. Von Dr. Anton Hansgirg
Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1886. — Selbstverlag.
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